The Connection Between Man
and the Elemental World
GA 158
22 November 1914, Dornach
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The Connection Between Man and the Elemental World, tr. SOL
Die Welt als Ergebnis von Gleichgewichtswirkungen III
The World as the Result of Equilibrium Effects III
[ 1 ] Aus den gestrigen Auseinandersetzungen werden Sie haben entnehmen können, daß selbst unsere Leibesform dadurch so ist, wie sie ist, daß sie gleichsam ein Ergebnis des Zusammenwirkens der luziferischen und ahrimanischen Mächte darstellt.
[ 1 ] As you may have gathered from yesterday’s discussion, even the form of our physical body is what it is because it is, as it were, the result of the interaction between the Luciferic and Ahrimanic forces.
[ 2 ] Es ist gerade für unsere Zeit sehr wichtig, dieses Zusammenwirken der luziferischen und ahrimanischen Mächte wirklich zu kennen, denn erst dadurch wird allmählich in die Menschheit ein Verständnis für die Kräfte einziehen können, die hinter der äußeren Phantasmagorie des Daseins wirken. Wir wissen, daß wir weder Ahriman zu hassen noch uns vor Luzifer zu fürchten brauchen, weil diese Mächte nur so lange gewissermaßen feindliche Mächte in der Welt sind, als sie nicht in ihren eigenen Gebieten wirken. Davon ist ja voriges Jahr in München viel gesprochen worden. Darüber sind auch schon hier Andeutungen gemacht worden.
[ 2 ] It is particularly important in our time to truly understand this interplay between the Luciferic and Ahrimanic forces, for only through this understanding can humanity gradually come to grasp the forces at work behind the outward phantasmagoria of existence. We know that we need neither to hate Ahriman nor to fear Lucifer, because these forces are, so to speak, hostile forces in the world only as long as they do not act within their own spheres. Much was said about this last year in Munich. Hints of this have also already been made here.
[ 3 ] Indem wir nun gestern gesehen haben, wie der physische, räumliche Menschenleib in seiner Form zustande kommt durch das Widerspiel der luziferischen und ahrimanischen Mächte, haben wir auf das ÄAußerlichste im Menschenleben hingewiesen, in dem Luzifer und Ahriman ihre Rolle spielen. Sie wissen, wir kommen etwas mehr in das Innere des Menschenlebens, wenn wir vom physischen Leibe fortschreiten zum ätherischen Leibe. Der Ätherleib ist gewissermaßen der Bildner des physischen Leibes. Er ist eingebettet in die ganze ätherische Welt, er liegt als ein beweglicher, als ein immer in sich beweglicher ätherischer Organismus unserem physischen Organismus zugrunde. Nun ist in bezug auf den ätherischen Leib zu sagen, daß auch in ihm, geradeso wie wir das für den physischen Leib gesehen haben, luziferische und ahrimanische Mächte wirksam sind, daß der Mensch auch als ätherisches Wesen hineingestellt ist - das müssen wir betonen - in das Widerspiel der luziferischen und ahrimanischen Kräfte. |
[ 3 ] Since we saw yesterday how the physical, spatial human body takes shape through the interplay of the Luciferic and Ahrimanic forces, we have pointed to the most external aspect of human life in which Lucifer and Ahriman play their roles. You know that we move somewhat deeper into the inner life of the human being when we proceed from the physical body to the etheric body. The etheric body is, so to speak, the formative principle of the physical body. It is embedded in the entire etheric world; it underlies our physical organism as a mobile, ever-moving etheric organism. Now, with regard to the etheric body, it must be said that just as we have seen with the physical body, Luciferic and Ahrimanic forces are at work within it as well, and that the human being, as an etheric being, is also placed—and this we must emphasize—within the interplay of the Luciferic and Ahrimanic forces. |
[ 4 ] Um nun auf dasjenige hinzuweisen, auf welches es dabei ankommt, wollen wir einmal einen Blick auf diedrei Grundtätigkeiten des menschlichen Wesens werfen, insofern der Mensch nicht ein physisches Wesen ist, auf das Wollen, Fühlen und Denken. Dieses Wollen, Fühlen und Denken sehen wir natürlich nicht, wenn wir den Menschen in bezug auf seinen physischen Leib ansehen. Nur insofern der physische Leib seinen Ausdruck hat in einer gewissen Physiognomie, in Gesten und dergleichen, können wir durch den physischen Leib hindurch ahnen, was im menschlichen Inneren ist. Der Ätherleib aber ist schon als ein in sich beweglicher Organismus ein immerwährender Ausdruck des Denkens, Fühlens und Wollens des Menschen.
[ 4 ] To highlight what is truly important here, let us take a look at the three fundamental activities of the human being—namely, willing, feeling, and thinking—since human beings are not merely physical beings. Of course, we do not see this willing, feeling, and thinking when we look at a person in relation to their physical body. Only insofar as the physical body finds expression in a certain physiognomy, in gestures, and the like, can we glimpse through the physical body what lies within the human being. The etheric body, however, as an organism that is in motion within itself, is a constant expression of the human being’s thinking, feeling, and willing.
[ 5 ] In bezug auf dieses Denken, Fühlen und Wollen hat es wieder die rein äußere Wissenschaft etwas schwierig, und wenn man die philosophischen Weltanschauungen durchgeht, wird man sehen, daß bald der eine Philosoph das Wollen voranstellt und bald ein anderer das Denken. Auch solche gibt es, welche das Fühlen als die hauptsächlichste Kraft betrachten. Aber wie eigentlich dieses Denken, Fühlen und Wollen im Menschen eine Einheit bildet, darüber können sich diese philosophischen Weltanschauungen keinen rechten Begriff bilden. Dieses Sich-keinen-rechten-Begriff-bilden-Können über das Verhältnis von Denken, Fühlen und Wollen in dem menschlichen Seelenleben ist gerade so, als wenn der Mensch Schwierigkeiten empfinden würde, in dem Auseinandersetzen mit dem Begriffe des Menschen überhaupt zurechtzukommen. Ich weiß nicht recht — sagen die Philosophen -, ist die menschliche Seele mehr willensartiger, mehr gefühlsartiger oder _ mehr denkerischer Natur? Ist sie mehr das eine oder das andere? — Das ist gerade so, wie wenn jemand sagen wollte: Nun weiß ich wirklich nicht mehr recht, was ein Mensch ist. Da hat mir eben einer gesagt, er wolle mir einen Menschen bringen, und da bringt er mir ein kleines Wesen, ein fünfjähriges Kind, und sagt: Das ist ein Mensch. — Dann ist ein anderer gekommen und sagte auch, er wolle mir einen Menschen zeigen und da hat er mir ein Wesen gebracht, das viel größer ist als das erste, also ein Wesen in den mittleren Menschenjahren. Ein dritter ist endlich gekommen und hat mir auch gesagt, er wolle mir ein Menschenwesen zeigen. Er zeigte mir ein ganz anderes Wesen, das runzelig im Gesichte war, graue Haare hatte und so weiter. Und jetzt weiß ich wirklich nicht mehr, was ein Mensch ist. Drei verschiedene Wesen hat man mir gezeigt! — Ja, alle drei, nicht wahr, sind Menschen. Nur ist der eine ganz jung, der andere ist etwas älter, und der dritte ist schon ganz alt geworden. Sie sind sehr verschieden in ihrer Erscheinung. Aber sobald man die drei Alter zusammenhält, weiß man, was ein Mensch ist.
[ 5 ] When it comes to this thinking, feeling, and willing, purely empirical science once again faces some difficulties; and if one examines the various philosophical worldviews, one will see that sometimes one philosopher prioritizes willing, and at other times another prioritizes thinking. There are also those who regard feeling as the primary force. But these philosophical worldviews cannot form a proper conception of how this thinking, feeling, and willing actually form a unity within the human being. This inability to form a proper conception of the relationship between thinking, feeling, and willing in the life of the human soul is just as if a person were to find it difficult to come to terms with the concept of the human being in general. “I’m not quite sure,” say the philosophers, “is the human soul more of a volitional nature, more of an emotional nature, or more of a thinking nature? Is it more one or the other?”—This is just as if someone were to say: “Now I really don’t quite know anymore what a human being is.” Then someone just told me he wanted to bring me a human being, and he brought me a little creature, a five-year-old child, and said: This is a human being. — Then another person came and also said he wanted to show me a human being, and he brought me a creature much larger than the first, that is, a person in middle age. Finally, a third person came and also told me he wanted to show me a human being. He showed me a completely different being, one with a wrinkled face, gray hair, and so on. And now I really don’t know anymore what a human being is. Three different beings have been shown to me! — Yes, all three, aren’t they, are human beings. Only one is very young, the other is somewhat older, and the third has already grown quite old. They are very different in appearance. But as soon as you consider the three ages together, you know what a human being is.
[ 6 ] So ist es aber auch mit dem Wollen, Fühlen und Denken. Der Unterschied ist nur der, daß das Wollen wohl dieselbe Seelentätigkeit ist wie das Denken, nur ganz jung noch, kindlich. Und wenn das Wollen älter wird, dann wird es Fühlen, und das ganz alte Wollen ist das Denken. Es ist nur ein Unterschied im Alter beim Wollen, Fühlen und Denken, nur daß sie in unserer Seele zusammenleben, die Lebensalter für diese Seelentätigkeiten, das macht die Sache schwierig. Aber wir haben schon auseinandergesetzt — Sie brauchen es nur nachzulesen in meinem Buche «Die Schwelle der geistigen Welt» —, daß, sobald wir aus der physischen Welt hinauskommen, das Gesetz der Verwandlung gilt, nicht das der Starrheit. Da verwandelt sich alles. Das Alte wird plötzlich jung, das Junge wird alt und so weiter. So daß wirklich gleichzeitig in uns auftreten können die drei Seelentätigkeiten: das Wollen, das sich bald als junges Wollen zeigt, bald als älteres Wollen, das heißt als Fühlen, und auch als ältestes Wollen, als ganz altes Wollen, das heißt als Denken. Da gehen die Lebensalter durcheinander, es wird dann alles flüssig. So ist es im Ätherleib des Menschen.
[ 6 ] But the same is true of willing, feeling, and thinking. The only difference is that willing is essentially the same soul activity as thinking, only still very young, childlike. And as willing matures, it becomes feeling, and the fully matured willing is thinking. It is merely a difference in the stage of development of willing, feeling, and thinking; the fact that these stages coexist within our soul—the different stages of life for these soul activities—is what makes the matter difficult. But we have already discussed—you need only look it up in my book *The Threshold of the Spiritual World*—that as soon as we step out of the physical world, the law of transformation applies, not that of rigidity. There everything is transformed. The old suddenly becomes young, the young becomes old, and so on. So that the three soul activities can truly occur simultaneously within us: the will, which sometimes manifests as a young will, sometimes as an older will—that is, as feeling—and also as the oldest will, as a very old will, that is, as thinking. There the ages of life become intermingled; everything then becomes fluid. Such is the case in the human etheric body.
[ 7 ] Aber diese Verwandlung kann nicht so ohne weiteres durch sich selbst zustande kommen. Dasjenige, was einheitliche Seelentätigkeit wäre, das kommt uns überhaupt im gewöhnlichen Leben nicht zum Bewußtsein, das können wir gar nicht ins Bewußtsein hereinbringen. Wenn wir — weil ja das Ganze im Ätherleib beobachtet werden muß, und der Ätherleib etwas Bewegliches, Flüssiges ist — den Ätherleib wie einen fortlaufenden Strom symbolisch zeichnen, so kommt uns dieser Strom der Seelentätigkeit im gewöhnlichen Leben überhaupt nicht zum Bewußtsein, sondern in diesen Strom, in dieses fortwährende Bewegen des Ätherleibes, das mit der Zeit fortfließt, gliedert sich hinein einmal luziferische und dann wieder ahrimanische Tätigkeit.
[ 7 ] But this transformation cannot simply come about on its own. What would constitute a unified activity of the soul does not come to our consciousness at all in ordinary life; we cannot bring it into our consciousness at all. If we—since the whole process must be observed in the etheric body, and the etheric body is something mobile and fluid—symbolically depict the etheric body as a continuous stream, then this stream of soul activity does not come to our consciousness at all in ordinary life; rather, into this stream, into this ceaseless movement of the etheric body that flows on with time, there is interwoven first Luciferic and then Ahrimanic activity.


[ 8 ] Die luziferische Tätigkeit macht das Wollen jung. Unsere Seelentätigkeit, durchzogen von Luziferischem, ist Wollen. Wenn das Luziferische in unserer Seelentätigkeit überwiegt, wenn in unserer Seele nur Luzifer seine Kräfte geltend macht, so ist das Wollen. Luzifer wirkt verjüngend auf den Gesamtstrom unserer Seelentätigkeit. Wenn Ahriman dagegen hauptsächlich seine Wirkungen äußert in unserer Seelentätigkeit, dann verhärtet er unsere Seelentätigkeit, sie wird alt, und das ist das Denken. Dieses Denken, dieses Gedankenhaben ist gar nicht möglich im gewöhnlichen Leben, ohne daß in dem ätherischen Leibe Ahriman seine Kräfte entfaltet. Man kann im Seelenleben, insofern es sich im Ätherleibe äußert, nicht ohne Ahriman und Luzifer auskommen. Würde Luzifer sich ganz zurückziehen von unserem ätherischen Leibe, dann würden wir kein luziferisches Feuer haben zum Wollen. Würde Ahriman sich ganz zurückziehen von unserem Seelenleben, dann würden wir niemals die Kühle des Denkens entwickeln können. In der Mitte von beiden ist eine Region, wo sie miteinander kämpfen. Hier durchdringen sie sich, Luzifer und Ahriman, hier spielen ihre Tätigkeiten ineinander. Das ist die Region des Fühlens. In der Tat, so erscheint der menschliche Ätherleib, daß man darinnen wahrnehmen kann das luziferische Licht und die ahrimanische Härte. Wenn man den menschlichen Ätherleib überblickt, so ist das natürlich nicht so angeordnet, wie hier (auf der Zeichnung) symbolisch, sondern da ist ein Durcheinander. Da sind Einschiebsel, in denen der Ätherleib undurchsichtig erscheint, so, wie wenn er, ich möchte sagen, Eiseinschläge hätte. Figuren treten im Ätherleibe auf, die man vergleichen kann mit Eisfiguren, wie sie auf Fensterscheiben erscheinen. Das sind die Verhärtungen in dem Ätherleibe. An solchen Stellen wird er undurchsichtig. Das sind aber die Auslebungen des Gedankenlebens im Ätherleibe. Dieses Gefrieren des Ätherleibes an gewissen Stellen rührt von Ahriman her, der seine Kräfte da hineinschickt durch das Denken.
[ 8 ] Luciferic activity rejuvenates the will. Our soul activity, permeated by the Luciferic, is the will. When the Luciferic predominates in our soul activity, when only Lucifer exerts his powers in our soul, that is the will. Lucifer has a rejuvenating effect on the entire flow of our soul activity. When, on the other hand, Ahriman primarily exerts his influence in our soul activity, he hardens our soul activity; it grows old, and this is thinking. This thinking, this having of thoughts, is not at all possible in ordinary life unless Ahriman unfolds his forces in the etheric body. In the life of the soul, insofar as it manifests in the etheric body, one cannot do without Ahriman and Lucifer. If Lucifer were to withdraw completely from our etheric body, then we would have no Luciferic fire for willing. If Ahriman were to withdraw completely from our soul life, then we would never be able to develop the coolness of thinking. In the middle of the two lies a region where they struggle with one another. Here they interpenetrate, Lucifer and Ahriman; here their activities interplay. This is the region of feeling. In fact, the human etheric body appears in such a way that one can perceive within it the Luciferic light and the Ahrimanic hardness. When one surveys the human etheric body, it is of course not arranged as shown here (in the drawing) symbolically, but there is a jumble. There are inlays in which the etheric body appears opaque, as if it had, I might say, ice formations. Figures appear in the etheric body that can be compared to ice figures as they appear on window panes. These are the hardenings in the etheric body. In such places it becomes opaque. But these are the outgrowths of the life of thought in the etheric body. This freezing of the etheric body in certain places stems from Ahriman, who sends his forces into it through thinking.


[ 9 ] An andern Stellen des Ätherleibes ist es so, als wenn er Vakuolen, ganz lichte Stellen in sich hätte, die durchsichtig sind, die glänzend, lichtglitzernd sind. Da sendet Luzifer seine Strahlen, seine Kräfte hinein, das sind die Willenszentren im Ätherleibe. Und in dem, was dazwischen liegt, wo gleichsam fortwährende Tätigkeit ist im Ätherleibe, ist es so, daß man sieht, hier ist eine harte Stelle, aber nun wird sie sogleich von einer solchen Lichtstelle gefaßt und aufgelöst. Ein fortwährendes Festwerden und Wiederauflösen. Das ist der Ausdruck der Gefühlstätigkeit im Ätherleibe.
[ 9 ] In other parts of the etheric body, it is as if it contained vacuoles—very light areas within it that are transparent, shining, and sparkling with light. This is where Lucifer sends his rays and his forces; these are the centers of will within the etheric body. And in the space between them, where there is, as it were, constant activity within the etheric body, one sees that here is a dense area, but it is immediately embraced and dissolved by such a point of light. A constant solidifying and dissolving. This is the expression of emotional activity in the etheric body.
[ 10 ] So können wir sagen: Es ist nicht nur die Form des physischen Leibes hervorgerufen durch das Ineinanderspielen der das Gleichgewicht störenden oder bewirkenden luziferischen und ahrimanischen Kräfte, sondern auch im ganzen Ätherleibe spielen luziferische und ahrimanische Kräfte. Wenn die ahrimanischen Kräfte die Überhand haben, so ist das ein Ausdruck des Denkens, wenn die luziferischen Kräfte die Überhand haben, so ist das ein Ausdruck des Wollens, und wenn sie sich gegenseitig raufen, könnte man sagen, so ist das ein Ausdruck des Fühlens.
[ 10 ] Thus we can say: It is not only the form of the physical body that is brought about by the interplay of the Luciferic and Ahrimanic forces—which either disrupt or establish balance—but Luciferic and Ahrimanic forces are also at work throughout the entire etheric body. When the Ahrimanic forces prevail, this is an expression of thinking; when the Luciferic forces prevail, this is an expression of willing; and when they struggle against one another, one might say this is an expression of feeling.
[ 11 ] Da haben wir die Art, wie im Ätherleibe luziferische und ahrimanische Kräfte ineinanderspielen. Wir sind gewissermaßen ganz das Ergebnis von solchen Kräften, und sind eigentlich in der Zwischenlage zwischen solchen Kräften darinnen.
[ 11 ] Here we see how Luciferic and Ahrimanic forces interact within the etheric body. In a sense, we are entirely the product of such forces, and are actually situated in the space between them.
[ 12 ] Nun müssen wir uns darüber klar sein, daß wir in dem, was da spielt, nicht mit unserem vollen Ich immer darinnen sind. Unser Ich, unser irdisches Ich, das wir uns erst im Laufe der Erdenentwickelung erworben haben, kann seine volle Tätigkeit und sein volles Bewußtsein zunächst nur im physischen Leibe entfalten. Im Ätherleibe wird es sich erst während der Jupiterzeit voll entfalten können, so daß in alledem, was im Ätherleibe spielt, das eigentliche Ich des Menschen nicht unmittelbar tätig ist. Würde zu der fortschreitenden Weltevolution nichts hinzugekommen sein von ahrimanischen und luziferischen Kräften, dann würde der Mensch ein ganz anderes Wesen sein, dann würde der Mensch in seinem physischen Leibe Wahrnehmungen haben können, aber er würde nicht eigentlich Gedanken haben können. Gedanken hat er dadurch, daß auf seinen Ätherleib Ahriman Einfluß gewinnen kann. Willensimpulse hat er dadurch, daß auf seinen Ätherleib luziferische Kräfte Einfluß gewinnen können. Diese Kräfte müssen also da sein.
[ 12 ] Now we must be clear about the fact that we are not always fully present in what is happening there with our whole self. Our ego, our earthly ego, which we have only acquired in the course of Earth’s evolution, can initially unfold its full activity and consciousness only within the physical body. In the etheric body, it will only be able to unfold fully during the Jupiter epoch, so that in all that takes place in the etheric body, the human being’s true ego is not directly active. If nothing from Ahrimanic and Luciferic forces had been added to the progressive evolution of the world, then the human being would be a completely different being; then the human being would be able to have perceptions in his physical body, but he would not actually be able to have thoughts. He has thoughts because Ahriman can exert influence on his etheric body. He has impulses of will because Luciferic forces can exert influence on his etheric body. These forces must therefore be present.
[ 13 ] Wir müssen uns also klar darüber sein, daß wir für unser irdisches Bewußtsein nicht voll hinunter können in den Ätherleib. Wir können nur im physischen Leibe unser volles Ich-Bewußtsein ausleben. In den Ätherleib können wir nicht vollständig hinunter. Mit diesem Ätherleib tauchen wir daher unter in eine Welt, worin wir selbst nicht vollständig sind. Und mit Ahriman, der gedankenbildend in unseren Ätherleib eintritt, treten nicht nur unsere Gedanken in unseren Ätherleib ein. Mit Luzifer, der willensbildend in unserem Ätherleib ist, treten nicht nur unsere Willensimpulse in unseren Ätherleib ein. Und so ist es auch mit den Gefühlen, dem Gebiet, wo sich die beiden raufen. Insofern nun Ahriman in unserem Ätherleibe lebt, tauchen wir mit dem Ätherleibe unter in die Sphäre der Naturgeister, der elementarischen Naturgeister, der Erd-, Wasser-, Luft- und Feuergeister. Wir wissen das nur nicht, weil wir mit unserem Ich nicht voll in unseren Ätherleib hinunter können. Aber es ist immer so, daß in diesem Ätherleibe nicht nur dasjenige als Gedankenmacht lebt, was wir selbst denken, sondern da dringen auch die Einflüsse der Naturgeister ein. Insbesondere jedesmal wenn der Mensch diesen Naturgeistern gegenüberrtritt, weiß er zu erzählen davon, daß er etwas erlebt hat, was er im gewöhnlichen Ich-Bewußtsein nicht erlebt hat, und zwar tritt er diesen Naturgeistern dann gegenüber, wenn irgend etwas Abnormes bei ihm eintritt, wenn der Ätherleib gleichsam etwas losgerissen wird aus dem physischen Leibe.
[ 13 ] We must therefore be clear that, with our earthly consciousness, we cannot fully descend into the etheric body. We can only fully experience our sense of self within the physical body. We cannot fully descend into the etheric body. With this etheric body, we therefore descend into a world in which we ourselves are not complete. And with Ahriman, who enters our etheric body as a shaper of thought, it is not only our thoughts that enter our etheric body. With Lucifer, who is a shaper of will in our etheric body, it is not only our impulses of will that enter our etheric body. And so it is also with the feelings, the realm where the two struggle. Insofar as Ahriman now lives in our etheric body, we descend with the etheric body into the sphere of the nature spirits, the elemental nature spirits, the earth, water, air, and fire spirits. We simply do not know this because we cannot descend fully into our etheric body with our ego. But it is always the case that in this etheric body, it is not only what we ourselves think that lives as a power of thought, but the influences of the nature spirits also penetrate there. In particular, whenever a person encounters these nature spirits, they can recount having experienced something they did not experience in their ordinary ego-consciousness; indeed, they encounter these nature spirits when something abnormal occurs within them, when the etheric body is, as it were, torn away from the physical body.
[ 14 ] Wodurch kann so etwas geschehen? Sehen Sie, der Ätherleib des Menschen steht in Verbindung mit der ganzen umliegenden ätherischen Welt, also auch mit der ganzen Sphäre der Naturgeister um uns herum. Nehmen wir nun einmal an, um ein Beispiel anzuführen, ein Mensch ginge bei Tage auf der Straße. Wenn er mit seinem gewöhnlichen Bewußtsein auf der Straße geht, dann ist sein Ätherleib richtig in seinem physischen Leibe darinnen, und er nimmt mit seinem IchBewußtsein wahr, was man eben mit dem Ich-Bewußtsein wahrnehmen kann.
[ 14 ] How can something like this happen? You see, the human etheric body is connected to the entire surrounding etheric world, and thus also to the whole sphere of nature spirits around us. Let us suppose, for example, that a person is walking down the street during the day. When he walks down the street with his ordinary consciousness, his etheric body is properly situated within his physical body, and he perceives with his ego-consciousness whatever can be perceived by the ego-consciousness.
[ 15 ] Nehmen wir aber einmal an, er geht in der Nacht über einen Weg. Wenn man nachts über einen Weg geht, so ist es gewöhnlich finster, was ja bei manchem Menschen schon grauselig-gruselige Zustände bewirkt. Dadurch nun, daß er in einen solchen grauselig-gruseligen Zustand kommt, lockert sich durch diese eigentümlichen Empfindungen, die da kommen, in denen Luzifer ihn besonders ergreift, der ätherische Leib aus dem physischen Leib heraus, und dadurch kann jetzt dieser befreite ätherische Leib, der sich herausgelöst hat aus dem physischen Leib, in Beziehung treten zu der umliegenden ätherischen Welt. Nehmen wir nun an, der Betreffende komme in die Nähe eines Kirchhofes, wo noch Ätherleiber sind auf den Gräbern eben Verstorbener. Da kann er vielleicht in diesem Zustand, wenn sich sein Ätherleib herausgelockert hat, irgend etwas von den Gedanken, die noch in den Ätherleibern der Verstorbenen sitzen, wahrnehmen.
[ 15 ] But let us suppose for a moment that he is walking along a path at night. When one walks along a path at night, it is usually dark, which in itself is enough to put some people in a truly terrifying state. Now, because he enters such a terrifying state, these peculiar sensations—in which Lucifer particularly seizes him—cause the etheric body to detach from the physical body; and as a result, this liberated etheric body, having separated from the physical body, can now enter into a relationship with the surrounding etheric world. Let us now suppose that the person in question comes near a cemetery where etheric bodies still linger on the graves of the recently deceased. In this state, once his etheric body has detached itself, he may perhaps perceive something of the thoughts still residing in the etheric bodies of the deceased.
[ 16 ] Nehmen wir an, es sei jemand verstorben vor kurzer Zeit, der habe Schulden hinterlassen und ses mit dem Gedanken, Schulden gemacht zu haben, gestorben. Dieser Gedanke nun kann noch darinnensitzen in dem Ätherleibe des Verstorbenen. Man nimmt selbstverständlich diese Gedanken im Ätherleibe des andern nicht wahr, wenn der eigene Ätherleib nicht gelockert ist, aber in dem Zustande, den ich geschildert habe, kann man es wahrnehmen. Man kann mit dem Ätherleibe des andern in Beziehung treten und kann daher diesen Gedanken: Ich habe Schulden gemacht — wahrnehmen. Und jetzt, weil durch dieses die luziferische Macht in ihm verstärkt wird, regt sich in ihm das Gefühl: Ich muß diesem die Schuld bezahlen.
[ 16 ] Let us suppose that someone has recently passed away, leaving behind debts and having died with the thought of having incurred those debts. This thought may still linger within the deceased’s etheric body. Of course, one does not perceive these thoughts in another’s etheric body unless one’s own etheric body is relaxed, but in the state I have described, one can perceive them. One can enter into a relationship with the other person’s etheric body and can therefore perceive this thought: “I have incurred debts.” And now, because this strengthens the Luciferic power within him, the feeling stirs within him: “I must pay this debt.”
[ 17 ] So ein Mensch erlebt also etwas in seinem ätherischen Leibe, was er niemals im physischen Leibe im normalen Leben erleben würde. Man erlebt so etwas nicht alle Tage im gewöhnlichen Menschenleben, daher bringt es auch etwas sehr Bedeutsames im Bewußtsein hervor, wenn man das erlebt. Es bringt das im Bewußtsein hervor, daß man weiß, jetzt hast du etwas erlebt, das hast du nicht in deinem Leibe erlebt, das kannst du in deinem Leibe nicht erleben. Man fühlt, man ist irgendwo anders als in seinem Leibe, und das empfindet man als eine ungewohnte Lage. Man ist woanders als in seinem Leibe, und man fühlt dann den Drang, in seinen Leib wieder zurückzukehren; man sehnt sich nach Hilfe, um in seinen Leib wieder zurückzukehren.
[ 17 ] Such a person thus experiences something in their etheric body that they would never experience in their physical body in ordinary life. One does not experience such things every day in ordinary human life; therefore, when one does experience it, it brings about something very significant in one’s consciousness. It brings about the realization that one knows: now you have experienced something that you did not experience in your body, that you cannot experience in your body. One feels that one is somewhere other than in one’s body, and one perceives this as an unfamiliar situation. One is somewhere other than in one’s body, and one then feels the urge to return to one’s body; one longs for help to return to one’s body.
[ 18 ] Solch ein Gefühl, das man da hat, das Gefühl der Sehnsucht, in seinen Leib wieder zurückzukehren, ruft irgendwelche Elementargeister, Naturgeister heran, für die das Gefühl des Menschen gleichsam Speise, Nahrung ist. Sie kommen dadurch heran, daß sie gleichsam angezogen werden durch das Gefühl: Ich möchte in meinen physischen Leib herein. — Sie verhelfen einem dazu, den Weg zurückzufinden in den physischen Leib. Wenn man in gewöhnlicher Art schläft, findet man den Weg leicht zurück; wenn man aber so etwas erlebt wie das, was ich geschildert habe, findet man ihn schwer zurück. Aber man nimmt es nicht so wahr, wie man es im physischen Leibe wahrnimmt, sondern man nimmt es imaginativ, in Bildern wahr. Es kommt irgendeiner heran, der eigentlich ein Naturgeist ist, der vielleicht in der Gestalt eines Hirten, in der Gestalt eines Schäfers erscheint und der einem den Rat gibt: Gehe hin zu irgendeinem Schlosse. Ich werde dich dahin bringen auf einem Wagen — und dergleichen mehr.
[ 18 ] That feeling one has—the longing to return to one’s physical body—calls upon certain elemental spirits, nature spirits, for whom the human feeling is, as it were, food. They are drawn to us because they are, as it were, attracted by the feeling: “I want to enter my physical body.” — They help one find the way back into the physical body. When one sleeps in the ordinary way, one finds the way back easily; but when one experiences something like what I have described, one finds it difficult to return. However, one does not perceive it as one does in the physical body, but rather perceives it imaginatively, in images. Someone approaches—actually a nature spirit—who perhaps appears in the form of a shepherd and gives you the advice: Go to some castle. I will take you there in a carriage—and so on.
[ 19 ] Mit solchen Vorstellungen kann sich noch etwas anderes verknüpfen. Es kann sich damit verknüpfen, daß einem der Leib, den man verlassen hat, außerhalb dessen man das Erlebnis hatte, wie ein verzaubertes Schloß erscheint, aus dem man jemanden erlösen muß, wenn man hineinkommt. So imaginiert man diese Sehnsucht nach dem physischen Leibe und das Helfen der Naturgeister. Dann kommt man wieder in den physischen Leib zurück, das heißt, man wacht auf.
[ 19 ] Another mental image can be linked to such images. It can be linked to the idea that the body one has left behind—outside of which one had the experience—appears like an enchanted castle from which one must rescue someone upon entering. This is how one imagines this longing for the physical body and the help of the nature spirits. Then one returns to the physical body, that is, one wakes up.
[ 20 ] Solche Erlebnisse erzählen die Menschen dann, die es in der Realität erlebt haben, weil sie das Gefühl haben, auf diese Weise gleichsam mit den Gedanken eines Verstorbenen in Beziehung getreten zu sein. Sie sagen sich: Das war ein Gefühl von etwas, das nicht bloß in mir war, das nicht bloß etwas Geträumtes in mir war; das war ein Gefühl, das mir einen Vorgang draußen in der Welt vermittelt hat. — Das drückt sich natürlich in Bildern aus, aber es entspricht einem Vorgange. Ich will Ihnen ein solches Bild vorlesen, wo einer nacherzählt hat, was er da erlebt hat, und zwar etwas Ähnliches wie das, was ich eben erzählt habe. Das schildert er etwa so: «Als ich von den Soldaten verabschiedet wurde, traf ich auf meinem Wege drei Männer. Die wollten einen Toten ausgraben, weil er ihnen drei Mark schuldig war. Da wurde ich von Mitleid ergriffen und berichtigte die Schuld, damit der Verstorbene Ruhe habe und nicht mehr gestört werde in seinem Grabe. Ich wanderte weiter. Da schloß sich mir ein fremder Mann mit bleichem Gesichte an und lud mich ein, ein bleiernes Fahrzeug zu besteigen, und er überredete mich, zu einem Schloß mit ihm zu fahren. In dem Schloß wohne eine Prinzessin, die erklärt habe, sie wolle nur den Menschen heiraten, der auf einem bleiernen Wagen zu ihr käme. Dann ging er zu dem Kutscher und sagte: «Fahre, was das Zeug hält, nach der Seite, wo der Sonnenaufgang ist.» Da kam ein Schäfer und sagte: «Ich bin der Graf von Ravensburg!» Er befahl dem Kutscher, schneller zu fahren. Wir kamen an ein Tor, und es wurde ein Tumult hörbar. Das Tor wurde aufgeschlossen. Die Prinzessin fragte nun den Mann, woher er sei, wie er mit dem alten Manne hätte fahren können, und ich merkte, daß der, welcher mich dahin geführt hatte, ein Geist sei. Da kam ich dann in das Tor hinein. Ich trat ein und war Besitzer des Schlosses.» Das heißt, er kam zurück in seinen Leib. Da finden Sie ein solches Erlebnis geschildert, wie ich es angeführt habe.
[ 20 ] People who have experienced this in real life then recount such experiences because they feel that, in this way, they have, as it were, entered into a relationship with the thoughts of a deceased person. They tell themselves: That was a feeling of something that wasn’t merely within me, that wasn’t merely something I had dreamed; it was a feeling that conveyed to me an event taking place out in the world. — Of course, this is expressed in images, but it corresponds to an actual event. I would like to read you one such account, in which someone recounted what he experienced there—something similar to what I have just described. He describes it something like this: “As I was being bid farewell by the soldiers, I met three men on my way. They wanted to dig up a dead man because he owed them three marks. Then I was seized by compassion and settled the debt so that the deceased might rest in peace and no longer be disturbed in his grave. I continued on my way. Then a stranger with a pale face joined me and invited me to board a leaden vehicle, and he persuaded me to ride with him to a castle. A princess lived in the castle, who had declared that she would marry only the man who came to her in a leaden carriage. Then he went to the coachman and said, “Drive as fast as you can toward the side where the sun is rising.” Then a shepherd came and said, “I am the Count of Ravensburg!” He ordered the coachman to drive faster. We came to a gate, and a commotion could be heard. The gate was unlocked. The princess then asked the man where he was from, how he could have traveled with the old man, and I realized that the one who had led me there was a spirit. Then I entered the gate. I stepped inside and became the owner of the castle.” That is to say, he returned to his body. There you will find such an experience described, as I have cited it.
[ 21 ] Und was ist denn das, wenn es einem andern passiert, und der erzählt es dann weiter? Das ist ein Märchen.
[ 21 ] And what is it, then, when it happens to someone else, and they go on to tell others about it? That’s a fairy tale.
[ 22 ] Auf keine andere Art als auf diese Weise sind die Märchen entstanden. Alles andere, was über die Märchenentstehung gesagt wird, ist nichts weiter als eine wüste Phantasie. Alle wirklichen Märchen sind ein Beweis dafür, daß es Erlebnisse außerhalb des physischen Leibes des Menschen gibt, wenn der Ätherleib in gewisser Weise gelockert wird und der Mensch in Beziehung zur äußeren ätherischen Welt tritt. Das ist die eine Art, wie der Mensch durch seinen Ätherleib mit der äußeren Welt in Beziehung tritt.
[ 22 ] Fairy tales came into being in no other way than this. Anything else said about the origin of fairy tales is nothing more than wild fantasy. All true fairy tales are proof that there are experiences outside the human physical body when the etheric body is loosened in a certain way and the human being enters into a relationship with the outer etheric world. This is the one way in which the human being enters into a relationship with the outer world through his or her etheric body.
[ 23 ] Aber er tritt noch auf eine andere Weise mit der äußeren ätherischen Welt in Beziehung. Er tritt mit ihr auch in Beziehung da, wo, man möchte sagen, eine halbbewußste, eine halb vom Ich durchsetzte Tätigkeit vorliegt. Das ist bei der Sprache der Fall. Wir sprechen ja nicht so vollbewußt, wie wir denken. Es ist gar nicht wahr, daß wir das Sprechen als etwas, was uns angehört, in unserer Gewalt haben. In der Sprache leben sich ätherische Gewalten aus, und ein gut Teil Unbewußtheit ist in der Sprache. Das Ich reicht nicht vollständig in die Sprache hinunter. Wir stehen, indem wir sprechen, mit unserem Ätherleibe mit der uns umgebenden ätherischen Welt in Beziehung. Denken lernen wir als Individuum, sprechen aber nicht. Sprechen werden wir gelehrt durch das Karma, das uns hineinstellt in einen gewissen Lebenszusammenhang. Während wir gleichsam in abnormen Zuständen, wenn der Ätherleib gelockert ist, mit den Naturgeistern in Beziehung kommen, kommen wir einfach, indem wir sprechen, indem wir nicht bloß stumm denken, mit den Volksgeistern in Beziehung. Und es leben sich in unsere Ätherleiber — nicht bis zu unserem Bewußtsein heraufreichend — die Volksgeister ein. Was in dieser Weise in dem Menschen lebt, gehört im Grunde genommen ebensowenig zu seiner vollbewußten Ich-Tätigkeit wie das, was der Mensch uns als Märchen hier nacherzählt.
[ 23 ] But he relates to the external ethereal world in yet another way. He also relates to it where, one might say, there is a semi-conscious activity, one that is only partially permeated by the ego. This is the case with language. After all, we do not speak as fully consciously as we think. It is not at all true that we have speech—as something that belongs to us—under our control. Ethereal forces play out in language, and a good deal of unconsciousness is present in language. The ego does not extend all the way down into language. When we speak, we relate through our etheric body to the ethereal world surrounding us. We learn to think as individuals, but we do not learn to speak. We are taught to speak by karma, which places us within a certain context of life. While we come into contact with the nature spirits, as it were, in abnormal states when the etheric body is loosened, we simply come into contact with the folk spirits by speaking—by not merely thinking in silence. And the folk spirits take up residence in our etheric bodies—without reaching up to our consciousness. What lives in this way within the human being belongs, in essence, just as little to his fully conscious ego activity as that which the human being recounts to us here as fairy tales.
[ 24 ] Wir haben damit das Hineinspielen von Luzifer und Ahriman in den Ätherleib des Menschen dargestellt. Aber auch in den astralischen Leib spielen die luziferischen und ahrimanischen Kräfte hinein. Nun, wenn wir den astralischen Menschenleib studieren, müssen wir auf das Hervorragendste hinweisen, was den astralischen Menschen, wie er auf der Erde ist, charakterisiert. Das ist das Bewußtsein. Im physischen Leibe ist die Form und die Kraft das Wesentliche; im Ätherleibe die Bewegung, das Leben; im Astralleibe das Bewußtsein. Wir haben aber nicht bloß einen Bewußtseinszustand im menschlichen Leibe, wir haben zwei Bewußtseinszustände: den gewöhnlichen Wachzustand und den Schlafzustand. Aber nun ist da das Merkwürdige, daß uns beide eigentlich nicht voll natürlich sind. Man könnte sagen, weder der Wachzustand noch der Schlafzustand sind uns voll natürlich. Natürlich wäre uns ein Zwischenzustand zwischen beiden, in dem wir eigentlich niemals wirklich bewußt leben.
[ 24 ] We have thus described how Lucifer and Ahriman influence the human etheric body. But the Luciferic and Ahrimanic forces also influence the astral body. Now, when we study the human astral body, we must point out the most outstanding feature that characterizes the astral human being as he is on Earth. That is consciousness. In the physical body, form and strength are the essentials; in the etheric body, movement and life; in the astral body, consciousness. However, we do not have just one state of consciousness in the human body; we have two states of consciousness: the ordinary waking state and the sleeping state. But here is the curious thing: neither of these is actually fully natural to us. One could say that neither the waking state nor the sleeping state is fully natural to us. What would be natural for us is an intermediate state between the two, in which we never actually live with full consciousness.
[ 25 ] Würden wir fortwährend wachen, so würden wir uns kaum als Menschen durch die verschiedenen Lebensalter ordentlich entwickeln können. Nur dadurch, daß gleichsam immer etwas in uns ist, was weniger wach ist, als wir bei Tage wach sind, sind wir imstande, uns zu entwickeln. Fragen Sie sich selber, wieviel Sie daran denken, sich zu entwickeln durch das, was Sie im gewöhnlichen Leben erfahren und aufnehmen? Wir befriedigen dadurch mehr die Neugierde, das Sensationsbedürfnis. Aber wie wenig geht man darauf aus, das, was man im wachen Tagesleben erfährt, in den Dienst der Entwickelung zu stellen. Nur dadurch entwickelt man sich, daß auch immer etwas mitschläft in uns, wenn wir bei Tage wach sind. Ich meine nicht, wenn der Mensch einschläft, sondern auch wenn er bei Tage ganz wach ist, schläft immer noch etwas. Und dieses Mitschlafende bewirkt, daß er nicht immer eigentlich ein Kind bleibt, sondern sich weiterentwickelt.
[ 25 ] If we were constantly awake, we would hardly be able to develop properly as human beings through the various stages of life. It is only because there is, as it were, always something within us that is less awake than we are during the day that we are able to develop. Ask yourself how much you think about developing yourself through what you experience and take in during ordinary life? We use it more to satisfy our curiosity and our need for sensation. But how rarely do we seek to put what we experience in our waking daily life at the service of our development. We develop only because there is always something within us that sleeps along with us when we are awake during the day. I do not mean when a person falls asleep, but even when they are fully awake during the day, something is still sleeping. And this co-sleeping aspect ensures that they do not actually remain a child forever, but continue to develop.
[ 26 ] Das, was uns bewußt ist durch unseren Astralleib, ist der gewöhnliche Wachzustand. Der gewöhnliche Wachzustand aber ist so, daß wir dabei zu stark wach sind. Wir sind zu stark an die äußere Welt hingegeben im gewöhnlichen Wachzustande, gehen ganz auf in der äußeren Welt. Und woher kommt das? Das kommt davon her, weil das Wachbewußtsein unter dem starken Einflusse, unter der Übermacht des Ahriman lebt. Wachbewußtsein = Ahriman.
[ 26 ] What we are aware of through our astral body is the ordinary waking state. But the ordinary waking state is such that we are too fully awake in it. We are too devoted to the outer world in the ordinary waking state; we become completely absorbed in the outer world. And where does this come from? It comes from the fact that waking consciousness lives under the strong influence, under the dominance of Ahriman. Waking consciousness = Ahriman.
[ 27 ] Anders ist das beim Schlafbewußtsein. Beim Schlafbewußtsein sind wir wieder zu wenig wach. Da tun wir alles zu sehr für unsere Entwickelung, für uns selber. Wir sind da ganz in uns und so stark in uns, daß alles Bewußtsein ausgelöscht wird. Im Schlafbewußtsein hat Luzifer die Oberhand. Schlafbewußtsein = Luzifer.
[ 27 ] The situation is different with sleep consciousness. In sleep consciousness, we are once again not awake enough. There, we do everything too much for our own development, for ourselves. We are completely within ourselves and so deeply immersed in ourselves that all consciousness is extinguished. In sleep consciousness, Lucifer has the upper hand. Sleep consciousness = Lucifer.
[ 28 ] So sind wir also mit Bezug auf unseren astralischen Leib so, daß, wenn wir wachen, Ahriman die Oberhand über Luzifer hat, und wenn wir schlafen, Luzifer die Oberhand hat über Ahriman. Das Gleichgewicht halten sie sich nur, wenn wir träumen; da raufen sie sich, da halten sie sich das Gleichgewicht. Da werden die Vorstellungen, die von Ahriman hervorgerufen sind im Tagesbewußtsein, die er verhärten, kristallisieren läßt, durch den Einfluß von Luzifer aufgelöst und wieder zum Verschwinden gebracht. Alles wird zu Bildern, indem er sie nicht zu festen Vorstellungen erstarren läßt, sie werden wieder aufgelöst und beweglich in sich. So wie bei einer Waage das Gleichgewicht dadurch zustande kommt in einem Punkte oder in einer Linie, daß die Waage auf beiden Seiten gleichmäßig belastet wird, so daß wir es nicht mehr mit einer Ruhe, sondern mit einem Gleichgewichte zu tun haben, so haben wir es auch im Menschenleben nicht mit einer Ruhe, sondern mit einem Gleichgewichte zu tun. Und die beiden Kräfte, die sich da die Waage halten, von denen die eine oder die andere zeitweise das Übergewicht hat, sind Luzifer und Ahriman. Im Wachbewußtsein sinkt die Waagschale des Ahriman, im Schlafbewußtsein die Waagschale des Luzifer herunter. Nur in dem Zwischenzustande, in dem wir träumen, schaukelt die Waage auf und ab, nicht etwa, als ob sie in Ruhe wäre, sondern sie schaukelt auf und ab.
[ 28 ] So, with regard to our astral body, the situation is this: when we are awake, Ahriman has the upper hand over Lucifer, and when we sleep, Lucifer has the upper hand over Ahriman. They maintain a balance only when we dream; then they struggle with one another, and thus they keep each other in check. There, the mental images evoked by Ahriman in our waking consciousness—which he allows to harden and crystallize—are dissolved by the influence of Lucifer and made to vanish again. Everything becomes images, for he does not allow them to solidify into fixed ideas; they are dissolved again and become fluid within themselves. Just as in a balance, equilibrium is achieved at a point or along a line when the balance is loaded equally on both sides, so that we are no longer dealing with a state of rest but with a state of equilibrium, so too in human life we are not dealing with a state of rest but with a state of equilibrium. And the two forces that hold the balance there, one of which or the other has the upper hand at times, are Lucifer and Ahriman. In waking consciousness, the scale of Ahriman sinks; in sleeping consciousness, the scale of Lucifer sinks. Only in the intermediate state in which we dream does the balance swing back and forth—not as if it were at rest, but it swings back and forth.
[ 29 ] Aber auch dann, wenn wir noch weiter heraufgehen in das menschliche Leben, zeigt sich uns, daß das Durchwalltsein der Welt von Luzi fer und Ahriman darin wirksam ist. Zwei Begriffe spielen ja für das Leben eine große Rolle. Der eine Begriff ist der Begriff der Pflicht, wir könnten auch sagen, wenn wir die Sache religiös fassen, der Begriff des Gebotes. Wir sagen ja auch Pflichtgebot. Der andere Begriff, den wir dabei ins Auge fassen wollen, ist der Begriff des Rechtes,
[ 29 ] But even as we move further up into human life, it becomes clear to us that the permeation of the world by Lucifer and Ahriman is at work there. Two concepts, after all, play a major role in life. One concept is that of duty; we could also say, if we approach the matter from a religious perspective, the concept of the commandment. We do, after all, speak of a “duty-commandment.” The other concept we wish to consider here is that of justice,
[ 30 ] Wenn Sie sich überlegen, wie im menschlichen Leben der Begriff der Pflicht und der Begriff des Rechtes eine Rolle spielen — des Rechtes, das der Mensch hat zu dem oder jenem —, so werden Sie bald gewahr werden, daß Pflicht und Recht polarische Begriffe, polarische Gegensätze sind, und daß gewissermaßen auch die Neigungen der Menschen so sind, daß sie bald mehr nach der Pflicht, bald mehr nach dem Rechte gehen. Wir leben allerdings in einer Epoche, wo die Menschen lieber von ihren Rechten sprechen als von ihren Pflichten. Alle möglichen Gebiete machen ihre Rechte geltend. Wir haben daher Arbeiterrecht, Frauenrecht und so weiter.
[ ] If you consider how the concepts of duty and right—the right that a person has to this or that—play a role in human life, you will soon realize that duty and right are polar concepts, polar opposites, and that, in a sense, people’s inclinations are such that they sometimes lean more toward duty and sometimes more toward right. We do, however, live in an era where people prefer to speak of their rights rather than their duties. All manner of groups assert their rights. We therefore have workers’ rights, women’s rights, and so on.
[ 31 ] Pflicht ist der entgegengesetzte Begriff des Rechtes. Unsere Zeit wird abgelöst werden von einer solchen Zeit, in welcher geltend gemacht werden gerade unter dem Einflusse der anthroposophisch spirituellen Weltanschauung die Pflichten. Und erst in der Zukunft, allerdings mehr in einer späteren Zukunft, wird man Bewegungen haben, wo immer weniger betont werden wird die Rechtsforderung, sondern viel mehr die Pflichtforderung. Es wird dann mehr gefragt werden: Was hat man als Frau, als Mann an dieser oder jener Stelle für Pflichten? So wird die Epoche der Pflichtforderung die Epoche der Rechtsforderung ablösen.
[ 30 ] Duty is the opposite concept of right. Our era will be succeeded by an era in which duties will be emphasized, particularly under the influence of the anthroposophical spiritual worldview. And only in the future—though more so in the distant future—will there be movements in which the emphasis will be placed less and less on the demand for rights and much more on the demand for duty. The question will then be asked more frequently: What duties does one have, as a woman or as a man, in this or that situation? Thus, the era of the demand for duty will replace the era of the demand for rights.
[ 32 ] Wie polarische Gegensätze, wie Polaritäten spielen in unser Leben hinein Recht und Pflicht. Nun kann man sagen: Wenn der Mensch nach der Pflicht hinblickt mit seiner Seele, so blickt er eigentlich aus sich hinaus. — Kant hat das ja so grandios zum Ausdruck gebracht, indem er die Pflicht hingestellt hat wie eine hehre Göttin, zu der der Mensch aufschaut: «Pflicht! du erhabener großer Name, der du nichts Beliebtes, was Einschmeichelung bei sich führt, in dir fassest, sondern Unterwerfung verlangst...» — Der Mensch sieht die Pflicht gleichsam herabstrahlen aus Regionen der geistigen Welt. Religiös empfindet er die Pflicht als einen von den Wesenheiten der höheren Hierarchien auferlegten Impuls. Und indem der Mensch sich der Pflicht unterwirft, geht er in dem Pflichtgefühl aus sich heraus. Und dieses In-dem-Pflichtgefühl-aus-sich-Herausgehen ist schon etwas, was den Menschen aus seinem gewöhnlichen Selbst herausbringt.
[ 31 ] Like polar opposites, like polarities, right and duty play a role in our lives. Now one might say: When a person looks toward duty with his soul, he is actually looking outward from himself. — Kant expressed this so magnificently by presenting duty as a noble goddess to whom man looks up: “Duty! You sublime, great name, which contains nothing beloved, nothing that carries flattery within you, but demands submission...” — Man sees duty, as it were, radiating down from regions of the spiritual world. Religiously, he perceives duty as an impulse imposed by the beings of the higher hierarchies. And as man submits to duty, he steps outside of himself in the sense of duty. And this stepping outside of oneself in the sense of duty is already something that takes man out of his ordinary self.
[ 33 ] Aber alles derartige Herausgehen aus dem gewöhnlichen Selbst, solches Streben nach Vergeistigung würde den Menschen in eine Lage bringen, in der er gleichsam den Boden unter den Füßen verlöre, wenn er nur dieser einen Tendenz sich hingeben würde, des Strebens aus sich heraus. Der Mensch würde gleichsam die Schwere verlieren, wenn er nur immer aus sich heraus wollte. Daher muß der Mensch, wenn er der Pflicht sich unterwirft, versuchen, in sich selbst eine Hilfe zu finden, die ihm gleichsam Schwere gibt, wenn er sich der Pflicht unterwirft. Schön hat das Schiller ausgedrückt, welcher das Wort gesprochen hat, daß der Mensch das schönste Verhältnis zur Pflicht habe, wenn er die Pflicht zugleich lieben lernt.
[ 32 ] But any such stepping outside of one’s ordinary self, any such striving for spiritualization, would place a person in a situation where he would, as it were, lose the ground beneath his feet if he were to give himself over solely to this one tendency—the striving to go beyond himself. Man would, as it were, lose his gravity if he were always striving to go beyond himself. Therefore, when man submits to duty, he must try to find within himself a support that gives him, as it were, gravity as he submits to duty. Schiller expressed this beautifully when he said that man has the most beautiful relationship to duty when he learns to love duty at the same time.
[ 34 ] Mit diesem Gedanken ist eigentlich viel gesagt. Wenn der Mensch davon spricht, daß er die Pflicht lieben lernt, da unterwirft er sich nicht mehr bloß der Pflicht, da steigt er heraus aus sich und nimmt die Liebe mit, mit der er sonst nur sich selber liebt. Die Liebe, die in seinem Leibe lebt und Egoismus war, nimmt er heraus und liebt die Pflicht. Solange sie Selbstliebe ist, so lange ist sie luziferische Kraft. Wenn der Mensch aber diese Selbstliebe aus sich herausnimmt und die Pflicht liebt, wie er sonst nur sich selbst liebt, so erlöst er Luzifer, nimmt ihn hinaus in das Gebiet der Pflicht und macht sozusagen Luzifer zu einem berechtigten Wesen im Wirken, im Impulsfühlen der Pflicht.
[ 33 ] This thought actually says a great deal. When a person speaks of learning to love duty, they are no longer merely submitting to duty; rather, they step outside of themselves and take with them the love with which they would otherwise love only themselves. They take the love that lives within their body—which was once selfishness—and direct it toward duty. As long as it is self-love, it is a Luciferic force. But when a person takes this self-love out of themselves and loves duty as they would otherwise love only themselves, they redeem Lucifer, take him out into the realm of duty, and, so to speak, make Lucifer a justified being in the working, in the impulse-feeling of duty.
[ 35 ] Dagegen, wenn der Mensch das nicht kann, wenn er nicht die Liebe aus sich herausholen und sie der Pflicht darbringen kann, so fährt er fort, nur sich zu lieben. Kann er nicht die Pflicht lieben, dann kann er sich nur der Pflicht unterwerfen, dann wird er der Sklave der Pflicht, dann vertrocknet er, dann verhärtet er als Pflichtenmensch, wird kalt und nüchtern, obwohl er der Pflicht hingegeben ist. Er verhärtet ahrimanisch, trotzdem er der Pflicht folgt.
[ 34 ] On the other hand, if a person is unable to do this—if he cannot draw love from within himself and offer it to duty—then he continues to love only himself. If they cannot love duty, then they can only submit to duty; then they become slaves to duty; then they wither away; then they harden into people of duty, becoming cold and sober, even though they are devoted to duty. They harden in an Ahrimanic way, even though they follow duty.


[ 36 ] Sie sehen, wie die Pflicht gleichsam mitten darinnensteht. Unterwerfen wir uns ihr, so vernichtet sie unsere Freiheit. Wir werden Sklaven der Pflicht, weil Ahriman von der einen Seite sich mit seinen Impulsen der Pflicht nähert, Bringen wir aber uns selbst, bringen wir der Pflicht die Kraft der Selbstliebe als Opfer dar, bringen wir die luziferische Wärme als Liebe der Pflicht entgegen, dann ist die Folge davon, daß wir durch den Gleichgewichtszustand zwischen Luzifer und Ahriman zu der Pflicht ein entsprechendes Verhältnis finden. Im Moralischen bringen wir selber also einen Gleichgewichtszustand hervor zwischen Luzifer und Ahriman. Ahriman ist draußen im Geistigen und vertrocknet uns die Pflicht, der wir uns unterwerfen müssen, so daß sie uns die Freiheit nimmt. Wir aber führen ihm aus unserem eigenen Organismus die Liebe entgegen, bringen ihm uns selbst entgegen. Durch den Kampf zwischen Luzifer und Ahriman bringen wir das rechte Verhältnis hervor zu der Pflicht. So sind wir in gewisser Beziehung auch die Erlöser des Luzifer. Wenn wir anfangen, unsere Pflichten lieben zu können, dann ist der Moment eingetreten, wo wir zur Erlösung der luziferischen Mächte beitragen, wo wir die luziferischen Kräfte, die sonst verzaubert, zur Selbstliebe verzaubert in uns sind, aus uns herausführen zum Kampfe mit Ahriman. Dadurch erlösen wir den in Selbstliebe verzauberten Luzifer; wir befreien ihn, wenn wir unsere Pflicht lieben lernen.
[ 35 ] You see how duty stands, as it were, right at the center of it all. If we submit to it, it destroys our freedom. We become slaves to duty because Ahriman approaches duty from one side with his impulses; but if we bring ourselves, if we offer the power of self-love as a sacrifice to duty, if we meet duty with Luciferic warmth as love, then the result is that, through the state of equilibrium between Lucifer and Ahriman, we find a proper relationship to duty. In the moral realm, we ourselves thus bring about a state of balance between Lucifer and Ahriman. Ahriman is out there in the spiritual realm and withers the duty to which we must submit, so that it takes away our freedom. But we meet him with love from our own organism; we offer ourselves to him. Through the struggle between Lucifer and Ahriman, we bring about the right relationship to duty. Thus, in a certain sense, we are also the redeemers of Lucifer. When we begin to be able to love our duties, then the moment has arrived when we contribute to the redemption of the Luciferic powers, when we lead the Luciferic forces—which are otherwise enchanted within us, enchanted into self-love—out of ourselves into the struggle with Ahriman. In this way, we redeem Lucifer, who is enchanted by self-love; we liberate him when we learn to love our duty.
[ 37 ] Schiller hat in seinen Briefen «Über die ästhetische Erziehung des Menschen» sich dieselbe Frage gestellt: Wie kommt man über die Versklavung unter die Pflicht hinweg zum Lieben der Pflicht? Nur hat er nicht die Ausdrücke gebraucht: Luzifer und Ahriman, weil er die Sache nicht kosmisch gedacht hat. Aber unmittelbar übersetzbar in die Geisteswissenschaft sind diese wunderbaren Briefe Schillers über die ästhetische Erziehung des Menschen.
[ 36 ] In his letters “On the Aesthetic Education of Man,” Schiller asked himself the same question: How does one move beyond the enslavement to duty to a love of duty? Only he did not use the terms “Lucifer” and “Ahriman,” because he did not conceive of the matter in cosmic terms. Yet Schiller’s wonderful letters on the aesthetic education of man can be directly applied to the Spiritual Science.
[ 38 ] Beim Rechte ist es so, daß das Recht, indem wir es geltend machen, sich sogleich mit Luzifer verbunden zeigt. Sein Recht braucht der Mensch nicht lieben zu lernen, er liebt es, und es ist ganz naturgemäß, daß er sein Recht liebt. Es ist eine natürliche Verbindung zwischen Luzifer und dem Rechte im Fühlen, dem Erfühlen des Rechtes. Und überall da, wo Rechte geltend gemacht werden, spricht Luzifer mit. Manchmal kann man es schon äußerlich recht deutlich sehen, wie in der Propagierung von diesem oder jenem Recht Luzifers Macht stark mitspricht. Hier handelt es sich darum, daß wir gegenüber dem Rechte zu dem Entgegengesetzten kommen, daß wir gleichsam Ahriman herbeirufen, um dem Luzifer, der schon mit dem Rechte verknüpft ist, einen Gegenpol zu bieten. Und das können wir gewissermaßen durch den Gegenpol der Liebe. Die Liebe ist inneres Feuer; ihr Gegenpol ist die Gelassenheit, das Hinnehmen dessen, was einmal im Weltenkarma an uns herantritt; das Verstehen desjenigen, was geschieht in der Welt, die verstehende Gelassenheit. Sobald wir mit der verstehenden Gelassenheit an unsere Rechte herankommen, rufen wir Ahriman von draußen herein. Hier ist er nur schwerer zu erkennen. Wir erlösen ihn von seinem bloß äußeren Sein, rufen ihn in uns herein, wärmen ihn durch die Liebe, die schon mit dem Rechte verknüpft ist. Die Gelassenheit hat die Kälte des Ahriman. In dem Verstehen dessen, was in der Welt ist, verbinden wir unsere verstehende warme Liebe mit dem, was Kälte draußen in der Welt ist. Da erlösen wir Ahriman, wenn wir verstehend dem, was geworden ist, gegenüberstehen, wenn wir nicht nur aus unserer Selbstliebe heraus dem Recht gegenüber fordern, sondern verstehen, was in der Welt geworden ist.
[ 37 ] When it comes to rights, the moment we assert them, they immediately reveal a connection to Lucifer. Human beings do not need to learn to love their rights; they love them, and it is entirely natural for them to do so. There is a natural connection between Lucifer and justice in feeling, in the sense of justice. And wherever rights are asserted, Lucifer has a say. Sometimes one can see quite clearly even outwardly how Lucifer’s power plays a strong role in the propagation of this or that right. Here the point is that we must bring about the opposite of justice, that we must, as it were, invoke Ahriman to provide a counterpole to Lucifer, who is already linked to justice. And we can do this, so to speak, through the counterpole of love. Love is an inner fire; its counterpole is serenity, the acceptance of whatever comes to us through world karma; the understanding of what happens in the world, the understanding serenity. As soon as we approach our rights with this understanding serenity, we call Ahriman in from outside. Here he is simply harder to recognize. We redeem him from his merely external existence, call him into ourselves, warm him through the love that is already linked to the right. Serenity possesses the coldness of Ahriman. In understanding what is in the world, we connect our understanding, warm love with what is coldness out there in the world. There we redeem Ahriman when we face what has come to be with understanding, when we do not merely demand justice out of self-love, but understand what has come to be in the world.
[ 39 ] Das ist der ewige Kampf zwischen Luzifer und Ahriman in der Welt. Es ist so, daß der Mensch auf der einen Seite in konservativer Art die Zustände verstehen lernt, daß er die Zustände, wie sie geworden sind aus kosmischer, karmischer Notwendigkeit heraus, verstehen lernt. Das ist die eine Seite. Und die andere Seite ist die, daß man in seiner Brust fühlt den Drang, immer Neues werden zu lassen, die revolutionäre Strömung. In der revolutionären Strömung lebt Luzifer. In der konservativen Strömung lebt Ahriman. Und der Mensch lebt zwischen diesen beiden polarischen Gegensätzen darinnen, indem er in seinem Rechtsleben darinnensteht.
[ 38 ] This is the eternal struggle between Lucifer and Ahriman in the world. On the one hand, human beings learn to understand conditions in a conservative way; they learn to understand conditions as they have come to be out of cosmic, karmic necessity. That is one side. And the other side is that one feels within one’s breast the urge to constantly bring forth something new—the revolutionary current. Lucifer lives in the revolutionary current. Ahriman lives in the conservative current. And human beings live within these two polar opposites by standing within them in their legal life.
[ 40 ] So sehen wir, wie auch Recht und Pflicht die Gleichgewichtslage darstellen zwischen Luzifer und Ahriman. Wie sich solche Dinge, wie der menschliche physische Leib, der ätherische Leib und astralische Leib im Leben, wie sich Pflicht und Recht im Rechts- und Pflichtenleben darstellen, wie diese Dinge überhaupt in der Welt stehen, das lernen wir nur erkennen, wenn wir das Ineinanderspielen der geistigen Mächte kennenlernen, vor allen Dingen auch derjenigen geistigen Mächte, welche die Gleichgewichtslage bewirken.
[ 39 ] Thus we see how right and duty also represent the balance between Lucifer and Ahriman. How such things as the human physical body, the etheric body, and the astral body manifest in life; how duty and right manifest in the realm of law and duty; and how these things exist in the world at all—we can only come to understand this when we learn about the interplay of the spiritual forces, above all those spiritual forces that bring about this state of equilibrium.
[ 41 ] Genauso wie wir das betrachten können, was schon da ist, unter dem Einflusse der das Gleichgewicht bewirkenden geistigen Kräfte steht, so fügt sich auch hinein in die Welt der polarischen Gegensätze dasjenige, was wir in unserem moralischen Leben darleben. Auch die ganze Moral, die Ethik, das sittliche Leben mit seinen Polen des Pflichtlebens und des Rechtslebens werden erst verständlich, wenn man die Einstrahlungen von Ahriman und Luzifer in Betracht zieht. Ebenso das historische, das geschichtliche Leben der Menschen, welches sich so abspielt, daß revolutionär-kriegerische, das heißt luziferische Bewegungen im Wechsel mit den konservativ-friedlichen, das heißt ahrimanischen Bewegungen auftreten. Es stellt sich uns dar wiederum als ein Gleichgewichtszustand zwischen dem Luziferischen und Ahrimanischen. Anders können wir die Welt nicht verstehen, als wenn wir sie so in Gegensätzen erkennend betrachten. Was uns draußen in der Welt entgegentritt, stellt sich uns in Gegensätzen dar, ist richtig dualistisch. Und in dieser Beziehung ist der Manichäismus, der richtig verstandene Manichäismus, der dualistisch ist, voll begründet. Wie dieser Manichäismus auch innerhalb eines spirituellen Monismus voll begründet ist, davon werden wir in Zukunft noch verschiedentlich reden können.
[ 40 ] Just as we can view what already exists as being under the influence of spiritual forces that bring about balance, so too does what we live out in our moral life fit into the world of polar opposites. Morality as a whole, ethics, and moral life—with its poles of duty and justice—become comprehensible only when we take into account the influences of Ahriman and Lucifer. The same applies to the historical life of humanity, which unfolds in such a way that revolutionary-warlike, that is, Luciferic movements alternate with conservative-peaceful, that is, Ahrimanic movements. It presents itself to us once again as a state of equilibrium between the Luciferic and the Ahrimanic. We cannot understand the world in any other way than by viewing it in this way, as a series of opposites. What confronts us out there in the world presents itself to us in opposites; it is truly dualistic. And in this respect, Manichaeism—Manichaeism properly understood, which is dualistic—is fully justified. We will have occasion to speak of this in various ways in the future, including how this Manichaeism is also fully justified within a spiritual monism.
[ 42 ] Was ich beabsichtige in diesen Vorträgen, ist, Ihnen zu zeigen, wie die Welt das Ergebnis von Gleichgewichtswirkungen ist. Und ein solches Ergebnis von Gleichgewichtswirkungen spricht sich insbesondere auch im künstlerischen Leben aus. Von diesem Punkte ausgehend, werden wir später einmal die Künste und ihre Entwickelung in der Welt betrachten und den Anteil, den die verschiedenen geistigen Mächte an der Entwickelung des künstlerischen Lebens in der Menschheit haben.
[ 41 ] What I intend to do in these lectures is to show you how the world is the result of forces of equilibrium. And such a result of forces of equilibrium is expressed particularly in artistic life. Starting from this point, we will later examine the arts and their development in the world, as well as the role that the various spiritual forces play in the development of artistic life within humanity.
