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The Mystery of Death
The Nature and Significance of Central Europe
and the European National Spirits
GA 159

31 January 1915, Zurich

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The Mystery of Death, tr. SOL
  1. Das Geheimnis des Todes

1. Die Vier Platonischen Tugenden Und Ihr Zusammenhang Mit Den Menschlichen Wesensgliedern — Das Hereinwirken Geistiger Mächte In Die Physische Welt

1. The Four Platonic Virtues and Their Connection to the Human Constituents — The Influence of Spiritual Forces on the Physical World

[ 1 ] Unsere Geisteswissenschaft hat die Aufgabe, hinwegzuräumen für unser Bewußtsein, ja für unser ganzes Seelenleben, jene Kluft, die sich aufrichtet für das äußere menschliche Bewußtsein zwischen der physischen Welt, in welcher der Mensch die Zeit verbringt zwischen der Geburt und dem Tode, und der geistigen Welt, in welcher der Mensch die andere Zeit seines Gesamtlebens verbringt, die Zeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt.

[ 1 ] The task of our Spiritual Science is to bridge, for our consciousness—indeed, for our entire inner life—that chasm that arises for outer human consciousness between the physical world, in which human beings spend the time between birth and death, and the spiritual world, in which human beings spend the other part of their entire life—the time between death and a new birth.

[ 2 ] Solch ein Satz ist ja demjenigen, der in der Geisteswissenschaft mit allen Fasern seiner Seele darinnen lebt, so geläufig, so selbstverständlich. Er wird nur in einem Augenblick, wie es derjenige ist, in dem ich gerade heute zu Ihnen spreche, zu einem, man darf wohl sagen, besonders geheiligten. Haben wir doch vor ganz kurzer Zeit eine Reihe unserer lieben Freunde und Mitglieder durch die schweren Kriegsereignisse vom physischen Plane verloren und sind gewissermaßen im Begriff, zwei Freunde auf dem letzten irdischen Wege zu begleiten. Morgen um elf Uhr werden wir hier in Zürich die Kremation eines lieben Mitgliedes, der Frau Dr. Colazza haben, die in dieser Woche den physischen Plan verlassen hat, und gerade eben haben wir die Nachricht bekommen, daß unser lieber Freund Fritz Mitscher in der Nähe von Davos heute nachmittag um fünf Uhr den physischen Plan verlassen hat. In beiden Mitgliedern gehen uns hier vom physischen Plan liebe Seelen fort. Die Geisteswissenschaft aber weist uns den Weg, zu verstehen, wie wir in einem viel höheren Sinne, als wir das sonst verstehen konnten, solche Seelen nicht verlieren, sondern wie wir mit ihnen verbunden bleiben.

[ 2 ] Such a statement is, of course, so familiar, so self-evident to anyone who lives and breathes Spiritual Science with every fiber of their being. It is only in a moment such as this—the very moment in which I am speaking to you today—that it becomes, one might well say, particularly sacred. After all, we have very recently lost a number of our dear friends and members from the physical plane due to the grave events of war, and we are, so to speak, about to accompany two friends on their final earthly journey. Tomorrow at eleven o’clock, we will hold the cremation here in Zurich of a dear member, Dr. Colazza, who left the physical plane this week, and just now we have received the news that our dear friend Fritz Mitscher left the physical plane near Davos this afternoon at five o’clock. With both of these members, dear souls are departing from the physical plane. Spiritual Science, however, shows us the way to understand how, in a much higher sense than we could otherwise comprehend, we do not lose such souls, but rather how we remain connected to them.

[ 3 ] Es ist ja schon eine größere Anzahl von Seelen, die zu uns gehören, seitdem wir in unserer Bewegung arbeiten, durch die Pforte des Todes gegangen. Vor allem darf aus denjenigen Quellen heraus, aus denen uns die geistigen Erkenntnisse überhaupt fließen, gesagt werden, daß sie uns, je nach ihren Kräften, treue Mitarbeiter in der geistigen Welt geworden sind. Und unter voller Verantwortung, unter der man etwas sagt, was auf dem Boden der Geisteswissenschaft fest fundiert sein soll, darf von mir gesagt werden: Wir haben in ihnen Stützen und Säulen für unsere geistige Bewegung gewonnen. Viele sind durchgegangen durch die Pforte des Todes, arbeitend innerhalb unserer geistigen Bewegung, hinunterschauend auf das, dem sie in ihrer Liebe zugetan sind. In der Zeit zwischen der Geburt und dem Tode haben sie die Art des Strebens, das in unserem Kreise vertreten wird, liebgewonnen. Hier in unserer Gesellschaft haben sie selber etwas gelassen, was auf dem Wege zwischen dem Tod und einer neuen Geburt ist.

[ 3 ] Since we began our work in this movement, a considerable number of souls who belong to us have passed through the gate of death. Above all, it can be said of those sources from which our spiritual insights flow that, according to their respective capacities, they have become faithful co-workers for us in the spiritual world. And with full responsibility—the kind required when stating something that must be firmly grounded in Spiritual Science—I may say: In them we have gained pillars and columns for our spiritual movement. Many have passed through the gate of death, working within our spiritual movement, looking down upon that which they hold dear in their love. In the time between birth and death, they have come to love the kind of striving represented in our circle. Here in our society, they themselves have left behind something that is on the path between death and a new birth.

[ 4 ] Wie uns die Natur ringsumher eine Welt ist, auf die wir zurückschauen, so können wir zurückschauen auf unser physisches Leben von demjenigen Moment ab, den man vergleichen kann mit der Geburt des Menschen. Unmittelbar nach dem Tode macht der Mensch eine Art von Zustand durch, der sich vergleichen läßt mit dem Embryonalleben, mit dem Leben im Leibe der Mutter, nur daß jenes Leben nach dem Tode nur nach Tagen zählt, also viel kürzer ist als das Embryonalleben im Verhältnis zum physischen Leben. Dann folgt dasjenige, was sich vergleichen läßt mit dem Betreten der physischen Welt, mit dem Tun des ersten Atemzuges, dasjenige, was man das Aufwachen in der geistigen Welt nennen kann, wovon man sagen kann, es ist wie ein Gewahrwerden, daß der Wille der Seele, die durch die Pforte des Todes gegangen ist, aufgenommen wird von den Wesenheiten der höheren Hierarchien. Geradeso, wie hier der Mensch, wenn er aus dem Leibe der Mutter heraus die physische Welt physisch betritt, sich zuerst geeignet findet, die äußere Luft aufzunehmen, wie dann seine Sinne nach und nach erwachen, so kommt nach dem Tode jener Augenblick, wo die Seele fühlt: Der Wille, der während des physischen Lebens eingespannt war dutch die Grenzen des physischen Leibes, fließt jetzt aus mir in das Universum hinaus. Und es empfindet dann diese Seele, wie dieser Wille wirklich aufgenommen wird durch die Tätigkeit der Wesenheiten der zunächst höheren Hierarchie, der Wesen der Hierarchie der Angeloi. Das ist wie das Holen des ersten Atemzuges in der geistigen Welt und das allmähliche Hineinwachsen in die geistige Umgebung, denn das zeigt uns die geistige Erfahrung.

[ 4 ] Just as the natural world around us is a world we look back upon, so too can we look back on our physical life from the moment that can be compared to a person’s birth. Immediately after death, a person goes through a state that can be compared to embryonic life, to life within the mother’s womb, except that this life after death is measured in days, and is thus much shorter than embryonic life in relation to physical life. Then follows what can be compared to entering the physical world, to taking the first breath—that which can be called awakening in the spiritual world, which can be described as a realization that the will of the soul, having passed through the gate of death, is received by the beings of the higher hierarchies. Just as here, when a human being physically enters the physical world from the mother’s womb, first finds it possible to take in the outer air, and then gradually awakens the senses, so too, after death, comes that moment when the soul feels: The will, which during physical life was constrained by the limits of the physical body, now flows out of me into the universe. And this soul then perceives how this will is truly received through the activity of the beings of the initially higher hierarchy, the beings of the hierarchy of the Angeloi. This is like taking the first breath in the spiritual world and gradually growing into the spiritual environment, for this is what spiritual experience shows us.

[ 5 ] Ich möchte sprechen über das Schicksal derjenigen, die vom physischen Plane im Laufe der Jahre von uns gegangen sind. Ich möchte den Blick hinlenken auf diejenigen, welche hier unsere geistige Bewegung liebgewonnen haben und auf sie hinunterblicken als auf etwas, wovon sie wissen, daß es dasjenige, in dem sie leben, mitteilt den Menschenseelen auch innerhalb des physischen Leibes. In dieser Weise in der Erinnerung an das irdische Leben anknüpfen können, ist etwas, was hier in der physischen Welt schon zur geistigen Welt gehört. Das bedeutet für die Betreffenden, die durch die Pforte des Todes gegangen sind, ein unendlich Wertvolles, ein unendlich Bedeutungsvolles. Und wenn sie dann in den Strom, der zu ihnen hinaufströmt aus der physischen Welt, der seine Quelle nimmt aus dem, was sie miterlebt haben in unserer Bewegung, ganz einfließen wie ein Nebenfluß in einen Fluß, wenn einströmen die Gedanken derjenigen, die ihnen in Liebe oder aus Naturbanden heraus zugetan waren, dann ist die Gemeinschaft, weil sie auf den geistigen Banden begründet ist, eine viel innigere, als sie in unserer materialistischen Zeit sonst sein könnte.

[ 5 ] I would like to speak about the fate of those who have passed from the physical plane over the years. I would like to direct our attention to those who have come to love our spiritual movement here and look down upon it as something they know conveys to human souls—even within the physical body—that which they themselves live. To be able to connect in this way with the memory of earthly life is something that, even here in the physical world, already belongs to the spiritual world. For those who have passed through the gate of death, this is something infinitely precious, infinitely significant. And when they then flow into the stream that rises up to them from the physical world—a stream that draws its source from what they experienced in our movement— flowing into it completely like a tributary into a river, when the thoughts of those who were attached to them out of love or natural bonds pour in, then the community, because it is founded on spiritual bonds, is a much more intimate one than it could otherwise be in our materialistic age.

[ 6 ] Und wir dürfen wiederum sagen: Bei manchem, der frühzeitig hingegangen ist durch die Pforte des Todes in die geistige Welt, erscheint es uns, wie wenn er dieses getan hätte aus inniger Liebe zu unserer geistigen Bewegung, um helfen zu können mit stärkeren Kräften von der geistigen Welt herab. Bei einer großen Anzahl von denen, die von uns gegangen sind, leben in ihren Seelen die wunderbar klarsten Empfindungen von der Notwendigkeit unserer geistigen Bewegung. Und für denjenigen, der in die geistige Welt hineinzuschauen vermag, sind alle diejenigen, die durch die Pforte des Todes gegangen sind und jetzt herunterblicken auf die Bewegung, mit der sie verbunden waren, gleichsam die geistigen Herolde unserer Bewegung, diejenigen, die uns die geistigen Devisen vorantragen, indem sie uns unaufhörlich zurufen: Wir waren überzeugt, während wir mit euch vereinigt waren, von der Notwendigkeit dieser Bewegung. Jetzt aber, wo wir die geistige Welt betreten haben, wissen wir, daß wir helfen können und wie wir helfen müssen in der Zeit, in der diese Bewegung notwendig ist.

[ 6 ] And we may say once again: In the case of some who have passed through the gate of death into the spiritual world at an early age, it seems to us as though they had done so out of a deep love for our spiritual movement, in order to be able to help with greater strength from the spiritual world. In the souls of a great many of those who have left us live the most wonderfully clear convictions of the necessity of our spiritual movement. And for those who are able to look into the spiritual world, all those who have passed through the gate of death and now look down upon the movement with which they were connected are, as it were, the spiritual heralds of our movement, those who carry our spiritual mottos forward by ceaselessly calling out to us: “While we were united with you, we were convinced of the necessity of this movement. But now that we have entered the spiritual world, we know that we can help and how we must help in the time when this movement is necessary.”

[ 7 ] Das ist etwas, was immer mehr und mehr diejenigen spüren werden, die hier auf dem physischen Plan zurückbleiben, die teure Angehörige und Freunde auf dem physischen Plan verloren haben und denen gerade das Ausgesprochene der tiefste Trost sein kann, hier alles zu haben, was noch ein tieferes Band zwischen den Seelen knüpft, auch wenn wir nicht mehr in der Lage sind, in der äußeren Offenbarung, durch physische Augen und physische Worte, mit jenen Seelen verbunden zu sein.

[ 7 ] This is something that will be felt more and more by those who remain here on the physical plane, who have lost dear relatives and friends on the physical plane, and for whom these very words can be the deepest comfort, to have here everything that still forges a deeper bond between souls, even if we are no longer able to be connected to those souls in the outer realm, through physical eyes and physical words.

[ 8 ] Vieles, vieles wird diese spirituelle Bewegung, derer wir teilhaftig werden sollen, bringen müssen. Aus dem mancherlei, das sie uns bringen soll, möchte ich heute ein besonderes Kapitel auswählen. Eine Zeit wie die unsrige, wo die äußere Kultur sich, trotz der letzten Nachklänge der alten Religionen, ganz und gar auf dem materialistischen Bewußtsein aufbaut, eine solche Zeit kann auch die Impulse des sittlichen Lebens im Grunde genommen nur so aufbauen, daß dabei nur das Leben zwischen Geburt und Tod berücksichtigt wird. Unter den mancherlei Dingen, die durch unsere spirituelle Bewegung kommen werden, wird sein ein neuer Aufbau des gesamten sittlichen, des gesamten Tugendlebens der Menschheit. Denn die Menschen werden lernen, das sittliche Leben, das Leben der Tugend aus einem Gesichtskreise zu betrachten, der über Geburt und Tod hinausgeht, der damit rechnet, daß die menschliche Seele durch wiederholte Erdenleben geht, der damit rechnet, daß die menschliche Seele, so wie man sie trägt in dem Leben zwischen physischer Geburt und Tod, durchgegangen ist durch viele Leben und vorwärts zu hoffen hat auf andere Leben, die sie weiterhin zu durchlaufen hat. Wenn wir den Gesichtskreis von einem Leben auf die aufeinanderfolgenden Erdenleben erweitert haben, dann wird eine umfassendere, richtigere Auffassung von dem Leben, auch eine richtigere und umfassendere Auffassung von der Tugend und dem sittlichen Leben folgen.

[ 8 ] This spiritual movement, in which we are to participate, will have to bring about many, many things. From the various things it is to bring us, I would like to single out one particular aspect today. A time like ours, in which external culture, despite the last echoes of the old religions, is built entirely upon materialistic consciousness—such a time can, in essence, only build up the impulses of moral life in such a way that only the life between birth and death is taken into account. Among the many things that will come through our spiritual movement will be a new structure for the entire moral life, the entire life of virtue of humanity. For people will learn to view moral life, the life of virtue, from a perspective that extends beyond birth and death, that takes into account that the human soul passes through repeated earthly lives, that takes into account that the human soul, just as we experience it in the life between physical birth and death, has passed through many lives and can look forward to other lives that it must continue to pass through. Once we have expanded our perspective from a single life to successive earthly lives, a more comprehensive and accurate understanding of life will follow, as well as a more accurate and comprehensive understanding of virtue and the moral life.

[ 9 ] Wenn wir von den Tugenden des Menschen sprechen, so können wir im wesentlichen zunächst vier solcher Tugenden unterscheiden, von denen man gewissermaßen im gewöhnlichen Sprachstil unter Menschen sprechen kann. Die eine Tugend, wie wir nachher andeuten werden, ist eine solche, welche in den Tiefen der menschlichen Seele lebt, von der man aber, wie wir sehen werden, aus heiligen Gründen so wenig wie möglich zu sprechen hat. Alle andern Tugenden, die im Leben vorhanden sind, die das sittliche Leben ausmachen, können als Spezialfälle der vier Tugenden, die wir betrachten wollen, aufgefaßt werden, jener vier Tugenden, von denen insbesondere das Altertum viel gesprochen hat.

[ 9 ] When we speak of human virtues, we can essentially distinguish four such virtues at first, which, so to speak, can be discussed in ordinary conversation among people. One virtue, as we shall indicate later, is one that dwells in the depths of the human soul, but of which, as we shall see, one must speak as little as possible for sacred reasons. All other virtues present in life, which constitute the moral life, can be understood as special cases of the four virtues we intend to consider—those four virtues of which antiquity, in particular, spoke at length.

[ 10 ] Plato, der große Philosoph des alten Griechenlands, hat diese vier Tugenden deshalb unterschieden, weil er seine Weisheit noch aus den Nachklängen des alten Mysterienwesens hat schöpfen können. Unter den Nachklängen des alten Mysterienwesens hat Plato die Klassifizierung der Tugend besser treffen können als die späteren Philosophen oder gar als die unserer Zeiten, wo das Wissen von der Mysterienweisheit so weit entfernt steht und etwas so chaotisches geworden ist.

[ 10 ] Plato, the great philosopher of ancient Greece, distinguished these four virtues because he was still able to draw his wisdom from the echoes of the ancient mystery traditions. Drawing on the echoes of the ancient mystery traditions, Plato was able to classify virtue more accurately than later philosophers, or even those of our own time, when knowledge of the wisdom of the mysteries has become so distant and chaotic.

[ 11 ] Die erste Tugend, derer wir gedenken müssen, wenn wir in dem Sinne, wie er sich aus einer umfassenden Erkenntnis der Menschennatur ergibt, von einem sittlichen Leben sprechen, das ist die Tugend der Weisheit. Aber man muß diese Weisheit in einem etwas tieferen Sinne und sich mehr auf das Ethische, auf die Sittenlehre beziehend auffassen, als man dies gewöhnlich tut. Wir können nicht sagen, daß Weisheit etwas ist, was gewissermaßen den Menschen einfach anfliegen kann. Noch weniger ist Weisheit etwas, was der Mensch im gewöhnlichen Sinne erlernen kann. Es ist sogar nicht einmal leicht, dasjenige, was Weisheit uns bedeuten soll, mit einigen Worten zu charakterisieren. Wenn wir unser Leben so durchleben, daß wir dasjenige, was in diesem Leben an uns herantritt, auf uns wirken lassen, wenn wir, von den verschiedenen Vorgängen des Lebens veranlaßt, von dem einen Vorgange lernen, wie wir dieses oder jenes richtiger hätten anfassen können, wie wir in bezug auf eine oder andere unsere Kräfte geschickter, stärker hätten machen sollen, wenn wir auf alles achten, was uns im Leben begegnet, in dem Sinne achten darauf, daß, wenn uns ein Ähnliches ein zweites Mal begegnet, wir uns das zweite Mal nicht mehr so anfassen lassen, wie das erste Mal, sondern uns belehrt fühlen. Und wenn wir das Leben hindurch die Stimmung bewahren, vom Leben lernen zu können, und alles, was die Natur und das Leben uns entgegenbringt, so zu betrachten, daß wir etwas lernen, aber nicht nur so lernen, daß wir etwas wissen, sondern so, daß wir immer besser, innerlich wertvoller werden, dann nehmen wir an Weisheit zu, dann wird es so mit unserem Seelenleben, daß das, was wir erlebt haben, nicht wertlos an uns vorübergegangen ist.

[ 11 ] The first virtue we must consider when speaking of a moral life—in the sense that arises from a comprehensive understanding of human nature—is the virtue of wisdom. But this wisdom must be understood in a somewhat deeper sense, and in a way that relates more to ethics and moral teaching than is usually the case. We cannot say that wisdom is something that can simply come to a person, as it were. Even less is wisdom something that a person can learn in the ordinary sense. It is not even easy to characterize in a few words what wisdom is meant to signify to us. If we live our lives in such a way that we allow what comes to us in this life to affect us, if, prompted by the various events of life, we learn from one event how we could have handled this or that more correctly, how we should have made our strengths more skillful or stronger in relation to one thing or another, if we pay attention to everything we encounter in life—in the sense that when something similar comes our way a second time, we do not let ourselves be taken in the second time as we were the first, but feel ourselves to have been taught. And if we maintain throughout life the disposition to be able to learn from life, and to view everything that nature and life bring our way in such a way that we learn something—not merely to acquire knowledge, but so that we become ever better and more valuable inwardly—then we grow in wisdom, and our inner life is such that what we have experienced has not passed us by in vain.

[ 12 ] In Wertlosigkeit geht das Leben an uns vorüber, wenn wir Jahrzehnte verlebt haben und irgend etwas, das wir erlebt haben, in einem späteren Zeitpunkt ebenso beurteilen, wie es von uns in einem früheren Lebensalter beurteilt worden ist. Wenn wir unser Leben so zubringen, dann stehen wir der Weisheit am allerfernsten. Das Karma mag es mit sich gebracht haben, daß wir in der Jugend zornig geworden sind, daß wir dieses oder jenes bei den Menschen schlecht beurteilt haben. Wenn wir das so beibehalten, so haben wir unser Leben schlecht angewendet. Gut haben wir es angewendet, wenn wir, falls wir in der Jugend abfällig geurteilt haben, in einem bestimmten Alter nicht abfällig, sondern verständnisvoll, verzeihend urteilen, wenn wir uns bemühen, begreifen zu wollen. Wenn wir so geboren sind, daß uns gewisse Dinge in Jähzorn gebracht haben und wir im Alter nicht immer noch in Jähzorn kommen wie in der Jugend, wenn uns unser Jähzorn durch das, was uns das Leben gelehrt hat, verlassen hat und wir milder geworden sind, dann haben wir das Leben im Sinne der Weisheit angewendet. Wenn wir in der Jugend Materialisten gewesen sind, dann aber haben einwirken lassen dasjenige, was uns die Zeit an Offenbarungen aus der geistigen Welt hat sagen wollen, dann haben wir unser Leben im Sinne der Weisheit angewendet. Wenn wir uns den Offenbarungen der geistigen Welt verschließen, dann haben wir unser Leben nicht im Sinne der Weisheit angewendet.

[ 12 ] Life passes us by in vain if, after living for decades, we judge something we have experienced at a later point in time in exactly the same way as we judged it at an earlier age. If we spend our lives in this way, we are furthest from wisdom. Karma may have caused us to become angry in our youth, to judge this or that person harshly. If we continue in this way, we have misused our lives. We have used it well if, having judged others disparagingly in our youth, we judge them not disparagingly but with understanding and forgiveness at a certain age, if we strive to understand. If we were born in such a way that certain things made us fly into a rage, and yet in old age we no longer fly into a rage as we did in our youth—if our rage has left us through what life has taught us, and we have become more gentle—then we have lived our lives in the spirit of wisdom. If we were materialists in our youth, but then allowed ourselves to be influenced by what time has sought to tell us through revelations from the spiritual world, then we have lived our lives in the spirit of wisdom. If we close ourselves off to the revelations of the spiritual world, then we have not lived our lives in the spirit of wisdom.

[ 13 ] In dieser Weise bereichert werden, mehr Horizont gewinnen, das können wir die Anwendung des Lebens im Sinne der Weisheit nennen. Und das, was uns die Geisteswissenschaft geben will, ist geeignet, daß wir uns dem Leben gegenüber aufschließen, daß wir im Leben weiser werden. Weisheit ist etwas, was im eminentesten Sinne dem menschlichen Egoismus entgegentritt. Weisheit ist etwas, was immer rechnet mit dem Gange der Weltereignisse. Wir lassen uns deshalb durch den Gang der Weltereignisse belehren, weil wir dadurch von dem engen Urteil, das unser Ich faßt, abkommen. Ein weiser Mensch kann im Grunde genommen nicht egoistisch urteilen, denn wenn man von der Welt lernt, lernt man die Welt verstehen, lernt man, aus der Welt heraus sich sein Urteil korrigieren zu lassen, so daß uns die Weisheit gleichsam herausreißt aus dem engen, beschränkten Gesichtskreis und mit sich in Einklang bringt. So könnte noch vieles angeführt werden, was uns allmählich eine Beschreibung der Weisheit liefern könnte. Nicht nach einer Definition solcher Begriffe sollen wir trachten, sondern wir sollen uns offen lassen das Gemüt, so daß wir, auch über die Weisheit, immer weiser werden können.

[ 13 ] To be enriched in this way, to broaden our horizons—this is what we might call living life in the spirit of wisdom. And what Spiritual Science seeks to give us is precisely what enables us to open ourselves to life and to grow wiser through it. Wisdom is something that, in the most eminent sense, stands in opposition to human egoism. Wisdom is something that always takes into account the course of world events. We therefore allow ourselves to be instructed by the course of world events because this enables us to move away from the narrow judgment formed by our ego. A wise person, fundamentally speaking, cannot judge selfishly, for when one learns from the world, one learns to understand the world; one learns to allow one’s judgment to be corrected by the world, so that wisdom, as it were, pulls us out of our narrow, limited perspective and brings us into harmony with itself. Much more could be cited that might gradually provide us with a description of wisdom. We should not seek a definition of such concepts, but rather keep our minds open so that we may always become wiser, even regarding wisdom itself.

[ 14 ] Hier in der physischen Welt muß nun alles, was der Mensch im Wachleben zu durchleben hat, sich der Werkzeuge der äußeren physischen und ätherischen Natur bedienen. Wir sind als Menschen zwischen der Geburt und dem Tode nur, wenn wir schlafen, mit unserem seelischen Wesen, insofern es Ich und astralischer Leib ist, außerhalb unseres physischen und Ätherleibes. Wenn wir im bewußten Wachzustande sind, dann bedienen wir uns der Werkzeuge unseres physischen und unseres Ätherleibes. Insofern wir uns mit Weisheit erfüllen, insofern wir trachten, in unserem Handeln und Denken, unserem Fühlen und Empfinden im Sinne der Weisheit zu leben, bedienen wir uns derjenigen Organe unseres physischen und Ätherleibes, welche gewissermaßen die allervollkommensten innerhalb unseres Erdenlebens sind, derjenigen Organe, die zu ihrem Fertigwerden am längsten gebraucht haben, die von Saturn, Sonne und Mond schon vorbereitet und als Erbschaft herübergekommen sind in unser Leben und einen gewissen Abschluß erfahren haben.

[ 14 ] Here in the physical world, everything that a human being must experience in waking life must make use of the instruments of the external physical and etheric nature. As human beings between birth and death, we are outside our physical and etheric bodies with our soul being—insofar as it consists of the ego and the astral body—only when we sleep. When we are in the conscious waking state, we make use of the instruments of our physical and etheric bodies. To the extent that we fill ourselves with wisdom, to the extent that we strive, in our actions and thoughts, our feelings and perceptions, to live in the spirit of wisdom, we make use of those organs of our physical and etheric bodies which are, so to speak, the most perfect within our earthly life—those organs that took the longest to develop, that were already prepared by Saturn, the Sun, and the Moon, and have been passed down to us as an inheritance, and have reached a certain point of completion.

[ 15 ] Ich möchte Ihnen von einer andern Seite her noch einen Begriff geben von dem, was man unter mehr oder weniger vollkommenen Organen verstehen kann. Nehmen Sie einmal auf der einen Seite unser Gehirn. Das Gehirn ist noch nicht das vollkommenste Organ, aber wir können es immerhin vollkommener nennen als andere Organe, denn es hat zu seiner Entwickelung länger gebraucht als diese andern Organe. Vergleichen wir das Gehirn mit unserem mittleren Körper, an dem wir die Hände haben. Wenn wir uns vornehmen, mit den Händen etwas zu tun, so haben wir den Gedanken: Ich strecke die Hand aus, ich nehme die Vase, ich ziehe die Hand zurück. Was habe ich da getan? Ich habe nicht nur die physische Hand, sondern auch die äthetische und die astralische Hand und ein Glied meines Ich ausgestreckt, aber die physische Hand ist mitgegangen.

[ 15 ] I would like to give you another perspective on what is meant by more or less perfect organs. Take, for example, our brain. The brain is not yet the most perfect organ, but we can at least call it more perfect than other organs, since it took longer to develop than these other organs. Let us compare the brain with the middle part of our body, where our hands are located. When we set out to do something with our hands, we have the thought: I reach out my hand, I take the vase, I pull my hand back. What have I done there? I have not only extended my physical hand, but also my etheric and astral hands and a limb of my I, but the physical hand has gone along with it.

[ 16 ] Wenn ich bloß denke, nur Gedanken hege, dann kann das hellsichtige Bewußtsein sehen, wie auch etwas wie geistige Arme sich herausstreckt aus dem Kopfe, aber das physische Gehirn bleibt in der Schale darinnen. Geradeso wie meine ätherische und astralische Hand zu meiner physischen gehört, so gehört auch etwas Ätherisches und Astralisches zu dem Gehirn. Das Gehirn kann nicht folgen, die Hände können aber folgen. In einer späteren Zeit werden die Hände aber auch einmal fest sein, und wir werden später einmal nur deren astralischen Teil bewegen können. Die Hände sind auf dem Wege, das zu werden, was das Gehirn heute schon ist. In früheren Zeiten, während der alten Sonnen- und Mondenzeit, war dasjenige, was sich heute vom Gehirn aus ausstreckt und nur geistig ist, auch noch begleitet von dem physischen Organ. Es hat jetzt sich nur die Schädelhülle darübergespannt, so daß das physische Gehirn darin festgebannt ist während der Erdenentwickelung. Das Gehirn ist ein Organ, das mehr Stadien der Entwickelung durchgemacht hat. Die Hände sind auf dem Wege, ähnlich zu werden wie das Gehirn, denn der ganze Mensch ist auf dem Wege, ein Gehirn zu werden. Es gibt also Organe, die vollkommener sind, die sich mehr von der Entwickelung abgeschlossen haben, und solche, die weniger vollkommen sind. Die vollkommensten Organe werden gebraucht von dem, was wir vollbringen in Weisheit. Unser gewöhnliches Gehirn wird eigentlich nur als Werkzeug für die niederste Form der Weisheit gebraucht, für die irdische Klugheit. Aber je mehr wir Weisheit erwerben, desto weniger sind wir angewiesen auf unser großes Gehirn, desto mehr ziehen sich, was die äußere Anatomie nicht weiß, die Tätigkeiten zurück auf unser kleines Gehirn, auf das, was in unserem Schädel eingeschlossen ist als kleines Gehirn, das wie ein Baum aussieht. Wir Menschen befinden uns dann, wenn wir weise geworden sind, wenn wir Weisheit geworden sind, tatsächlich unter einem «Baume», der unser kleines Gehirn ist und der dann insbesondere anfängt, seine Tätigkeit zu entfalten.

[ 16 ] When I merely think, when I merely entertain thoughts, then the clairvoyant consciousness can see how something like spiritual arms reach out from the head, but the physical brain remains within its shell. Just as my etheric and astral hands belong to my physical hand, so too does something etheric and astral belong to the brain. The brain cannot follow, but the hands can follow. At a later time, however, the hands will also become solid, and we will eventually be able to move only their astral part. The hands are on their way to becoming what the brain already is today. In earlier times, during the ancient Sun and Moon eras, that which today extends from the brain and is purely spiritual was also accompanied by the physical organ. Now only the skull has stretched over it, so that the physical brain is firmly confined within it during Earth’s evolution. The brain is an organ that has undergone several stages of development. The hands are on their way to becoming similar to the brain, for the whole human being is on the way to becoming a brain. There are thus organs that are more perfect, that have completed their development to a greater extent, and those that are less perfect. The most perfect organs are used for what we accomplish through wisdom. Our ordinary brain is actually used only as a tool for the lowest form of wisdom, for earthly cleverness. But the more wisdom we acquire, the less we depend on our large brain; the more—as external anatomy does not know—the activities retreat to our small brain, to that which is enclosed within our skull as the small brain, which looks like a tree. We humans, when we have become wise, when we have become wisdom, actually find ourselves beneath a “tree,” which is our small brain and which then, in particular, begins to unfold its activity.

[ 17 ] Stellen Sie sich einmal vor, ein besonders weise gewordener Mensch streckt die Organe seiner Weisheit wie die Äste eines Baumes mächtig hinaus. Sie haben ihre Quelle im kleinen Gehirn, das sitzt in der Schädelhülle darin, aber die geistigen Organe erstrecken sich hinaus, und er ist unter dem Baume, dem Buddhibaume, in Realität, in geistiger Realität.

[ 17 ] Imagine a person who has attained great wisdom extending the organs of his wisdom out powerfully, like the branches of a tree. They have their source in the cerebellum, which sits within the skull, but the spiritual organs extend outward, and he is beneath the tree, the Tree of Wisdom, in reality, in spiritual reality.

[ 18 ] Da sehen wir aber auch, daß dasjenige, was wir in Weisheit tun, das Geistigste an uns ist, oder wenigstens zum Geistigsten gehört, denn die Organe ruhen schon. Wenn wir mit der Hand etwas tun, so müssen wir noch einen Teil der Kräfte auf die Bewegung der Hand verwenden. Wenn wir in Weisheit etwas beurteilen, in Weisheit etwas entscheiden, da bleiben die Organe ruhig, da wird auf das physische Organ keine Kraft mehr verwendet, da sind wir geistiger, und diejenigen Organe, die wir auf dem physischen Plan anwenden, um in Weisheit zu leben, sind diejenigen, auf die wir die wenigste Kraft anzuwenden brauchen, die gewissermaßen schon die vollkommensten sind.

[ 18 ] But here we also see that what we do in wisdom is the most spiritual part of us, or at least belongs to the most spiritual part, for the physical organs are already at rest. When we do something with our hand, we still have to devote part of our energy to the movement of the hand. When we judge something with wisdom, when we decide something with wisdom, the organs remain at rest; no energy is spent on the physical organ; we are more spiritual, and those organs that we use on the physical plane to live in wisdom are the ones to which we need to apply the least energy—they are, so to speak, already the most perfect.

[ 19 ] Daher ist die Weisheit etwas im sittlichen Menschenleben, was den Menschen sich erleben läßt auf geistige Art. Damit hängt zusammen, daß das, was der Mensch an Weisheit erwirbt, ihn fähig macht, aus seinen früheren Inkarnationen die möglichst größten Früchte zu ziehen. Weil wir im Geistigen ohne Anstrengung physischer Organe in Weisheit leben, sind wir durch das Weisheitsleben auch am meisten fähig, das, was wir uns in früheren Inkarnationen erworben haben, für dieses Leben fruchtbar zu machen, herüberzubekommen aus früheren Inkarnationen diese Weisheit.

[ 19 ] Wisdom is therefore something in moral human life that allows a person to experience themselves in a spiritual way. Related to this is the fact that the wisdom a person acquires enables them to reap the greatest possible benefits from their past incarnations. Because we live in wisdom in the spiritual realm without the exertion of physical organs, it is through this life of wisdom that we are best able to make what we have acquired in previous incarnations fruitful for this life—to bring this wisdom over from previous incarnations.

[ 20 ] Für einen Menschen, der nicht weise werden will, haben wir im Deutschen einen guten Ausdruck. Wir nennen ihn einen Philister. Ein Philister ist ein solcher Mensch, der sich gegen das Weisewerden sträubt, der sein ganzes Leben lang so bleiben will, wie er ist, der nicht zu einem andern Urteil kommen will. Ein Mensch aber, der weise werden will, bestrebt sich, dasjenige, was er an Arbeit in früheren Inkarnationen geleistet und aufgespeichert hat, aus den früheren Inkarnationen herüberzubringen. Je weiser wir werden, desto mehr bringen wir aus früheren Inkarnationen in die gegenwärtige herüber, und wenn wir nicht weise werden wollen, so daß wir das Weisewerden von früheren Inkarnationen brach liegen lassen, dann kommt einer, der es absägt: Ahriman.

[ 20 ] In German, we have a good expression for someone who does not want to become wise. We call him a Philistine. A Philistine is a person who resists becoming wise, who wants to remain just as he is his whole life, who does not want to come to a different judgment. But a person who wants to become wise strives to bring over from earlier incarnations what he has accomplished and stored up through his work in those earlier incarnations. The wiser we become, the more we bring over from past incarnations into the present one; and if we do not wish to become wise, so that we leave the wisdom gained from past incarnations fallow, then one comes who cuts it down: Ahriman.

[ 21 ] Niemand will es lieber als Ahriman, daß wir nicht weiser werden. Die Kraft haben wir. Wir haben viel, viel mehr in den früheren Inkarnationen erworben, als wir glauben, viel mehr erworben in den Zeiten, in denen wir durch die alten Hellseherzustände durchgegangen sind. Ein jeder könnte viel weiser werden, als er wird. Es darf sich niemand damit ausreden, daß er nicht viel herüberbringen konnte. Weisewerden heißt, das, was man in früheren Inkarnationen erworben hat, herausbringen, so daß es uns erfüllt in dieser Inkarnation.

[ 21 ] No one wants us not to become wiser more than Ahriman. We have the power to do so. We have acquired much, much more in our past incarnations than we realize, and much more during the times when we passed through the states of ancient clairvoyance. Everyone could become much wiser than they actually do. No one should use the excuse that they were unable to bring much over. To become wiser means to bring forth what one has acquired in past incarnations, so that it fulfills us in this incarnation.

[ 22 ] Eine andere Tugend ist diejenige, welche wir mit einem Worte, das eigentlich schwer zu bilden ist, die mutartige Tugend nennen können. Sie ist von derartiger Gemütsverfassung, daß sie dem Leben gegenüber nicht passiv bleibt, sondern geneigt ist, die Kräfte anzuwenden. Die mutartige Tugend kommt, wie man sagen könnte, aus dem Herzen. Von einem solchen, der diese Tugend im gewöhnlichen Leben hat, kann man sagen: Er hat das Herz auf dem rechten Fleck. — Und das ist auch ein guter Ausdruck dafür, wenn wir imstande sind, nicht feige uns zurückzuziehen von den Dingen, die das Leben von uns verlangt, sondern wenn wir fähig sind, uns in die Hand zu nehmen, einzugreifen verstehen, wo es notwendig ist. Wenn wir in solcher Weise unsere Aktivität in Bewegung zu setzen geneigt sind, kurz, wenn wir wacker sind — der Ausdruck «wacker» ist auch ein guter für diese Tugend —, dann haben wir diese Tugend des wackeren Lebens. Man könnte auch sagen, diese Tugend, die mit einem gesunden Gemütsleben zusammenhängt, das im richtigen Momente die Tapferkeit erzeugt, deren Fehlen die Feigheit im Leben mit sich bringt, diese Tugend kann natürlich im physischen Verlaufe des Lebens nur durch gewisse Organe geübt werden. Diese Organe, zu denen das physische und das Ätherherz gehört, sind solche, welche nicht so vollendet sind wie diejenigen, die der Weisheit dienen. Diese Organe sind noch auf dem Wege, anders zu werden, und werden auch in Zukunft anders werden.

[ 22 ] Another virtue is what we might call, using a term that is actually difficult to formulate, the virtue of courage. It is a state of mind such that it does not remain passive in the face of life, but is inclined to exert one’s strength. Courageous virtue, one might say, comes from the heart. Of someone who possesses this virtue in everyday life, one can say: He has his heart in the right place. — And that is also a good way of expressing it when we are able not to cowardly withdraw from the things that life demands of us, but when we are capable of taking charge, of knowing how to intervene where necessary. If we are inclined to set our activity in motion in this way—in short, if we are brave—the term “brave” is also a good one for this virtue—then we possess this virtue of a brave life. One could also say that this virtue, which is connected to a healthy emotional life that generates courage at the right moment—the lack of which brings cowardice into life—can, of course, be exercised in the physical course of life only through certain organs. These organs, which include the physical and etheric hearts, are not as perfected as those that serve wisdom. These organs are still in the process of changing and will continue to change in the future.

[ 23 ] Zwischen dem Gehirn und dem Herzen ist ein großer Unterschied in bezug auf das kosmische Werden. Nehmen Sie einmal an, ein Mensch geht durch die Pforte des Todes, geht durch das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Sein Gehirn ist überhaupt ein Götterprodukt. Das Gehirn ist von Kräften durchzogen, die, wenn man durch die Pforte des Todes geht, eigentlich ganz fortgehen und beim nächsten Leben wird dann das Gehirn vollständig neu aufgebaut, auch die inneren Kräfte dazu, nicht nur das Materielle. Also auch die Kräfte dazu werden neu aufgebaut. Das ist beim Herzen nicht der Fall. Beim Herzen liegt die Sache so, daß nicht das physische Herz, wohl aber die Kräfte, die im physischen Herzen tätig sind, bestehen bleiben. Diese Kräfte gehen zurück in das Astralische und in das Ich und bleiben auch zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Dieselben Kräfte, die in unserem Herzen darinnen klopfen, klopfen auch das nächste Mal bei unserer neuen Inkarnation. Das, was im Gehirn funktioniert, ist fort, das kommt nicht in einer nächsten Inkarnation heraus. Aber die Kräfte, die das Herz durchzucken, sind auch in der nächsten Inkarnation wieder da. Wenn wir in ein Haupt hineinschauen, können wir sagen: Darin funktionieren unsichtbare Kräfte, die das Gehirn zusammensetzen. Aber wenn der Mensch durch die Pforte des Todes gegangen ist, werden diese Kräfte dem Kosmos übergeben. Wenn wir aber den Herzschlag eines Menschen vernehmen, vernehmen wir geistige Kräfte, die nicht nur in dieser Inkarnation vorhanden sind, sondern auch in einer nächsten Inkarnation leben werden, die hindurchgehen durch den Tod und durch die neue Geburt.

[ 23 ] There is a great difference between the brain and the heart in terms of cosmic becoming. Suppose a person passes through the gate of death and goes through the life between death and a new birth. The brain is, in fact, a product of the gods. The brain is permeated by forces that, when one passes through the gate of death, actually depart entirely, and in the next life the brain is then completely rebuilt, including the inner forces associated with it, not just the material aspect. So the associated forces are also rebuilt. This is not the case with the heart. With the heart, the situation is such that it is not the physical heart itself, but rather the forces active within the physical heart that remain. These forces return to the astral realm and to the ego, and they also remain between death and a new birth. The same forces that beat within our heart will also beat in our next incarnation. What functions in the brain is gone; it does not carry over into the next incarnation. But the forces that course through the heart are there again in the next incarnation. When we look into a head, we can say: In it, invisible forces are at work that make up the brain. But when a person has passed through the gate of death, these forces are handed over to the cosmos. Yet when we hear a person’s heartbeat, we hear spiritual forces that are not only present in this incarnation but will also live on in the next, passing through death and into new birth.

[ 24 ] Solche Dinge ahnte das Volksgemüt in wunderbarer Weise. Daher legt es so viel Wert auf das Fühlen des Herzschlages, nicht weil man den physischen Herzschlag so sehr wertschätzt, sondern weil wir auf ein viel Ewigeres blicken, wenn wir den Herzschlag eines Menschen in Betracht ziehen. Wenn wir die Tugend des Mutartigen, des Wakkeren haben, so können wir nur einen Teil von gewissen Kräften für dieses Mutartige verwenden. Den andern Teil müssen wir verwenden für die Organe, die als Werkzeug für das Mutartige dienen. Das sind Organe, für die wir immer noch ein Stück der Kräfte verwenden müssen. Sind wir nicht mutartig begabt, entwickeln wir die Tugend der Wackerheit nicht, lassen wir uns gehen, treten wir feige vom Leben zurück, überlassen wir uns der Schwere unseres Wesens, dann können wir nicht diejenigen Kräfte beleben, die mitleben müssen mit der Auslebung der Tugend der Wackerheit, des Mutartigen.

[ 24 ] The popular imagination sensed such things in a wondrous way. That is why it places so much value on the sensation of a heartbeat—not because we value the physical heartbeat so highly, but because we are looking toward something far more eternal when we consider a person’s heartbeat. If we possess the virtue of courage, of bravery, we can use only a portion of certain powers for this courage. We must use the other portion for the organs that serve as tools for courage. These are organs for which we must still use a portion of our powers. If we are not gifted with courage, if we do not develop the virtue of bravery, if we let ourselves go, if we cowardly withdraw from life, if we surrender to the heaviness of our being, then we cannot enliven those powers that must live in harmony with the practice of the virtue of bravery, of courage.

[ 25 ] Während wir feige im Leben dastehen, bleiben auch die Kräfte untätig, die unser Herz durchzucken sollen. Sie sind eine Saat für Luzifer. Der bemächtigt sich ihrer, und wir haben sie dann im nächsten Leben nicht. Feige sein dem Leben gegenüber bedeutet, Luzifer eine Anzahl Kräfte auszuliefern, die uns fehlen, wenn wir in unserer nächsten Inkarnation unsere Herzen aufbauen wollen, die eigentlich die Organe, die Werkzeuge des Mutartigen sind. Wir kommen mit defekten, unausgebildeten Organen zur Welt.

[ 25 ] While we stand by cowardly in life, the forces that are meant to stir our hearts also remain dormant. They are a seed for Lucifer. He seizes them, and we then lack them in our next life. To be cowardly in the face of life means surrendering to Lucifer a number of forces that we will lack when, in our next incarnation, we wish to build up our hearts—which are, in fact, the organs, the tools of the courageous. We come into the world with defective, undeveloped organs.

[ 26 ] Die dritte Tugend, die mit den unvollkommensten Organen rechnet,, denjenigen, die erst in der Zukunft eine Gestalt bekommen werden, zu der sie jetzt nur den Keim enthalten, ist diejenige, die man nennen kann: die Besonnenheit. Man kann sie auch, in einer gewissen Schattierung, das maßvolle Leben nennen. Dann haben wir also drei Tugenden: Weisheit, Tapferkeit oder Wackerheit, Besonnenheit. Auch die Mäßigkeit könnte man Besonnenheit nennen.

[ 26 ] The third virtue, which takes into account the most imperfect faculties—those that will only take shape in the future, of which only the seed is present now—is what we might call prudence. In a certain sense, it can also be called a life of temperance. So we have three virtues: wisdom, courage, and prudence. Temperance could also be called prudence.

[ 27 ] Unbesonnen kann man nun in der verschiedensten Weise sein. Unbesonnen kann man dadurch sein, daß man sich überißt und übertrinkt. Das ist die niedrigste Art der Unbesonnenheit. Da geht das Seelische ganz unter in der leiblichen Begierde, und wir leben uns ganz in unserem Leibe aus. Wenn wir aber unsere Begierde in die Hand nehmen, wenn wir geradezu befehlen dem Leibe, was er tun darf und nicht tun darf, dann sind wir besonnen, man kann auch sagen: mäßig. Und dann behalten wir durch solche Mäßigkeit auch diejenigen Kräfte in der richtigen Ordnung, die mitwirken sollen, daß wir in der nächsten Inkarnation die betreffenden Organe nicht dem Luzifer ausliefern. Denn wir liefern die Kräfte dem Luzifer aus, die wir ausgeben durch Hingabe an ein leidenschaftliches Leben. Am schlimmsten dann, wenn uns die Leidenschaften in einen Rauschzustand versetzen, wenn wir uns wohl fühlen bei dem Dahinträumen und dem Dahinduseln.

[ 27 ] One can be imprudent in a wide variety of ways. One can be imprudent by overeating and overdrinking. That is the lowest form of imprudence. There, the soul is completely submerged in physical desire, and we live out our lives entirely through our bodies. But when we take control of our desires, when we actively command the body what it may and may not do, then we are prudent—or, one might say, moderate. And through such temperance, we also keep in proper order those forces that are meant to ensure that, in our next incarnation, we do not surrender the relevant organs to Lucifer. For we surrender to Lucifer the forces that we expend through devotion to a life of passion. It is worst of all when our passions plunge us into a state of intoxication, when we feel at ease in daydreaming and drifting off.

[ 28 ] Da, wo wir unsere Besonnenheit verlieren, geben wir immer Kräfte dem Luzifer hin. Diese Kräfte nimmt er, aber damit nimmt er uns auch die Kräfte, welche wir für die Atmungs- und Verdauungsorgane brauchen, und wir kommen dann mit schlechten Atmungs- und schlechten Verdauungsorganen wieder, wenn wir nicht die Tugend der Mäßigkeit üben. Diejenigen, welche es lieben, sich hinreißen zu lassen von ihrem Begierdeleben, die sich ihrem Leidenschaftsleben hingeben, sind die Kandidaten für die dekadenten Menschen der Zukunft, für diejenigen Menschen der Zukunft, die unter allen möglichen Fehlern ihres physischen Leibes leiden werden.

[ 28 ] Whenever we lose our composure, we always give our strength to Lucifer. He takes these forces, but in doing so he also takes from us the forces we need for our respiratory and digestive organs, and we will then return with poor respiratory and digestive organs if we do not practice the virtue of moderation. Those who love to let themselves be carried away by their life of desire, who surrender to their life of passion, are the candidates for the decadent people of the future, for those people of the future who will suffer from all manner of defects in their physical bodies.

[ 29 ] Man kann sagen, diese Tugend der Besonnenheit ist angewiesen auf die unvollkommensten Organe der Menschen, auf die Organe, die im Anfangsstadium des Werdens sind, die sich noch ganz wesentlich umformen müssen. Wenn wir auf unsere Verdauungsorgane und auf das, was damit zusammenhängt, sehen, müssen wir, um diese in Bewegung zu setzen, das Ich, den astralischen Leib, den Ätherleib und den physischen Leib anwenden. Wenn wir zu den Organen, die die Werkzeuge für das Mutartige sind, übergehen, dann ist die Sache schon anders. Da bleiben wir mit unserem Ich mehr oder weniger draußen, in dem bewegen wir uns frei, und nur unser Astralisches und unser Ätherisches geht in das Physische hinein. Wenn wir gar zu den Tugenden kommen, die die Weisheit umfaßt, da behalten wir das Ich und den astralischen Leib frei draußen. Denn indem wir weiser und weiser werden, organisieren wir den astralischen Leib, bekommen wir den astralischen Leib in die Hand. Das ist das Wesentliche, daß wir beim Weiserwerden das Astralische in das Geistselbst umbilden, und es geht nur das Ätherische mit dem Physischen zusammen. Im Gehirn ist das Ätherische nur mit dem Physischen zusammen. Und während wir beim Wachen in bezug auf den übrigen Leib sehr stark zusammenhängen wenigstens mit dem astralischen, mit dem physischen Organ, behalten wir für das Gehirn den Zustand, in dem wir im Schlafe sind, am meisten bei. Daher brauchen wir für das Gehirn den physischen Schlaf am meisten. Denn wenn wir wach sind, sind wir mit unserem Ich und unserem astralischen Leibe auch außerhalb des Gehirns, und die müssen sich dann am meisten anstrengen in sich selber, ohne daß sie eine Stütze haben an dem äußeren Organ.

[ 29 ] One might say that this virtue of prudence depends on the most imperfect organs of human beings—on organs that are in the early stages of development and still have a great deal of transformation ahead of them. When we look at our digestive organs and what is connected with them, we must, in order to set them in motion, employ the ego, the astral body, the etheric body, and the physical body. When we turn to the organs that are the instruments of courage, the situation is quite different. There we remain more or less outside with our ego; we move freely there, and only our astral and etheric bodies enter into the physical. When we come to the virtues encompassed by wisdom, we keep the ego and the astral body freely outside. For as we become wiser and wiser, we organize the astral body; we take the astral body into our own hands. This is the essential point: as we become wiser, we transform the astral into the Spirit-Self, and only the etheric remains united with the physical. In the brain, the etheric is united only with the physical. And while we are very strongly connected to the rest of the body—at least to the astral and physical bodies—when we are awake, we retain the state of sleep most fully for the brain. That is why we need physical sleep most of all for the brain. For when we are awake, we are with our ego and our astral body also outside the brain, and they must then exert themselves most within themselves, without having any support from the external organ.

[ 30 ] So finden wir einen Zusammenhang zwischen unserem menschlichen Wesen und den Tugenden. Wir können die Weisheit eine Tugend nennen, die dem Menschen als geistiges Wesen zukommt, wo er mit seinem Ich und seinem astralischen Leibe frei tätig ist und in dem physischen und ätherischen Organe nur eine Art Rückhalt hat. Wir können das Mutartige als Tugend nennen, da, wo der Mensch nur mit seinem Ich frei ist und in seinem astralischen, seinem ätherischen und seinem physischen Leibe seine Stütze hat. Wir können endlich von der Besonnenheit sprechen, wo wir mit unserem Ich-Keim frei werden, wo wir gebunden sind mit unserem Ich an den astralischen, ätherischen und physischen Leib und uns mit unserem Ich aus dieser Gebundenheit herausarbeiten.

[ 30 ] Thus we find a connection between our human nature and the virtues. We can call wisdom a virtue that befits the human being as a spiritual being, where he acts freely with his I and his astral body and has only a kind of support in the physical and etheric bodies. We can call courage a virtue where the human being is free only with his I and has his support in his astral, etheric, and physical bodies. Finally, we can speak of prudence where we become free with our ego-germ, where we are bound with our ego to the astral, etheric, and physical bodies, and work our way out of this bondage with our ego.

[ 31 ] Dann aber gibt es eine Tugend, welche am allergeistigsten ist. Diese geistigste Tugend steht gewissermaßen mit dem Gesamtmenschen in gewisser Beziehung. Es gibt eine Handhabe des menschlichen Wesens, die wir im Grunde frühzeitig verlieren, die wir nur in den ersten Kinderjahren haben. Ich habe das schon öfter erwähnt, was hier vorliegt. Es ist ja so, daß wir, wenn wir den physischen Plan betreten, nicht dieselbe Lage haben, die wir zu unserer Menschenwürde brauchen: Wir kriechen auf allen vieren. Ich habe aufmerksam darauf gemacht, daß wir uns erst durch unsere eigene Kraft in die richtige Lage bringen und aufrichten. Ebenso entwickeln wir uns durch die Kräfte, die in die Sprache hineingehen. Kurz, in den ersten Jahren unseres Lebens entwickeln wir Kräfte, welche uns im wesentlichen — geben Sie acht auf den Ausdruck — hinrichten in die Lage, die wir als wahre Menschen in der Welt haben. Wir kommen nicht so zur Welt, daß wir «richtig» in die Welt hineingerichtet sind. Wir kriechen. Aber wir sind richtig hineingesetzt, wenn wir das Haupt hinausrichten zu den Sternen. Das entspricht inneren Kräften.

[ 31 ] But there is a virtue that is the most spiritual of all. This most spiritual virtue is, in a sense, connected to the whole human being. There is a faculty of the human being that we essentially lose at an early age, one that we possess only during our earliest childhood years. I have mentioned this before. The fact is that when we enter the physical plane, we do not have the posture required for our human dignity: we crawl on all fours. I have pointed out that it is only through our own strength that we bring ourselves into the correct posture and stand upright. In the same way, we develop through the forces that enter into language. In short, in the first years of our lives we develop forces that essentially—pay attention to the expression—position us in the posture we have as true human beings in the world. We are not born in such a way that we are “properly” oriented in the world. We crawl. But we are properly positioned when we raise our heads toward the stars. This corresponds to inner forces.

[ 32 ] Diese Kräfte verlieren wir im späteren Leben. Sie treten nicht mehr auf. Es tritt nichts mehr auf, was in ähnlicher Weise so energisch in das Menschenleben eingreift wie das Gehenlernen und das Aufrechtstehen. Wir ermüden immer mehr und mehr in bezug auf das UnsAufrechterhalten. Wenn wir frühmorgens anfangen, mit unserem Gehirn zu leben, so werden wir, wenn wir den Tag vollbracht haben, müde, wir haben das Bedürfnis des Schlafes. Dasjenige, was uns in der Kindheit aufrichtet, wenn wir müde sind, bleibt das ganze Leben lang ziemlich müde und geht in eine Schlaffheit hinein, und so etwas Ähnliches wie das Aufrichten in der Kindheit wenden wir im späteren Leben nicht mehr an.

[ 32 ] We lose these abilities later in life. They no longer manifest. Nothing else occurs that intervenes in human life as energetically as learning to walk and standing upright. We grow increasingly weary of the effort required to maintain our upright posture. When we begin to live with our brain early in the morning, by the end of the day we become tired and feel the need for sleep. That which keeps us upright in childhood when we are tired remains quite tired throughout our entire life and slips into a state of lethargy, and we no longer employ anything similar to the upright posture of childhood in later life.

[ 33 ] Und wie richten wir uns hinein in das Leben, wenn wir die Sprache lernen? Auch wenn wir sprechen lernen, wirken Richtekräfte mit. Dieselben Kräfte, die wir in frühester Kindheit anwenden, gehen uns aber während des späteren Lebens nicht etwa verloren. Sie bleiben uns, nur hängen sie mit einer Tugend zusammen, mit der Tugend, die mit dem Richtigen, dem Rechten zusammenhängt, mit der Tugend der allumfassenden Gerechtigkeit, der vierten Tugend. Dieselbe Kraft, die wir gebrauchen als Kind, wenn wir uns vom kriechenden Wesen aufrichten, lebt in uns, wenn wir die Tugend der Gerechtigkeit, die vierte der von Plato angeführten, haben.

[ 33 ] And how do we orient ourselves in life as we learn language? Even as we learn to speak, forces of alignment are at work. The same forces we employ in early childhood are not lost to us later in life. They remain with us, but they are now connected to a virtue—the virtue associated with what is right and just, the virtue of universal justice, the fourth virtue. The same force we use as children when we rise from a crawling position lives within us when we possess the virtue of justice, the fourth of those listed by Plato.

[ 34 ] Wer wirklich die Tugend der Gerechtigkeit übt, stellt ein jedes Ding, ein jedes Wesen an den richtigen Platz hin, geht aus sich heraus und in die andern hinein. Das heißt, in der allumfassenden Gerechtigkeit leben. In der Weisheit leben, heißt, die besten Früchte ziehen aus den Kräften, die wir in früheren Inkarnationen aufgespeichert haben. Und wenn wir da schon hinweisen mußten auf dasjenige, was uns in den früheren Inkarnationen zuteil war, wo noch göttliche Kräfte uns durchzogen, müssen wir bei der Gerechtigkeit noch mehr darauf hinweisen: Wir stammen aus dem Kosmos. Gerechtigkeit üben wir, wenn wir die Kräfte entfalten, durch die wir mit dem ganzen Kosmos, aber in geistiger Beziehung, zusammenhängen. Die Gerechtigkeit stellt das Maß dazu dar, wie ein Mensch mit dem Göttlichen zusammenhängt. Die Ungerechtigkeit ist, praktisch, gleich dem Gottlosen, gleich dem, der seinen göttlichen Ursprung verloren hat, und wir lästern Gott, den Gott, von dem wir abstammen, wenn wir irgendeinem Menschen Unrecht tun.

[ 34 ] Those who truly practice the virtue of justice place every thing and every being in its rightful place, stepping outside themselves and into others. This means living in all-encompassing justice. To live in wisdom means to reap the best fruits from the powers we have stored up in previous incarnations. And if we had to point out what was bestowed upon us in those earlier incarnations, when divine powers still permeated us, we must point this out even more clearly when it comes to justice: We originate from the cosmos. We practice justice when we unfold the forces through which we are connected to the entire cosmos, but in a spiritual sense. Justice represents the measure of how a human being is connected to the Divine. In practical terms, injustice is equivalent to the godless, to one who has lost his divine origin, and we blaspheme God—the God from whom we descend—when we do wrong to any human being.

[ 35 ] So haben wir zwei Tugenden, die Gerechtigkeit und die Weisheit, die uns zurückweisen auf das, was wir in früheren Zeiten, in andern Inkarnationen waren, in den Zeiten, als wir selbst noch im Götterschoße gewesen sind. Und zwei andere Tugenden haben wir, das mutartige und das besonnene Leben, die uns hinweisen auf spätere Inkarnationen. Diesen führen wir um so mehr Kräfte zu, je weniger wir Luzifer geben. Wir haben gesehen, wie das Mutartige und das Besonnene in die Organe hineingehen und wie dadurch die Organe für die nächste Inkarnation zubereitet werden. Ebenso dehnt sich sittliches Leben über das zukünftige Leben aus, wenn wir uns mit Geistigkeit erfüllen. Zwei Tugenden leuchten hin über die verflossenen Inkarnationen: Weisheit und Gerechtigkeit. Tapferkeit und Besonnenheit aber leuchten hin über die zukünftigen Inkarnationen.

[ 35 ] Thus we have two virtues, justice and wisdom, which point us back to what we were in earlier times, in other incarnations, in the days when we ourselves were still in the bosom of the gods. And we have two other virtues—the courageous and the prudent life—which point us toward later incarnations. The less we give to Lucifer, the more strength we direct toward these. We have seen how the courageous and the prudent enter into the organs and how, through this, the organs are prepared for the next incarnation. Likewise, moral life extends into the future life when we fill ourselves with spirituality. Two virtues shine forth over past incarnations: wisdom and justice. Courage and prudence, however, shine forth over future incarnations.

[ 36 ] Die Zeit wird kommen, wo der Mensch sich klar sein wird, daß er sich dem Ahriman in den Rachen wirft, wenn er sich gegenüber der Gerechtigkeit und der Weisheit verschließt. Das, was in früheren Inkarnationen sein war, was der göttlichen Welt angehört hat, würde er dem Luzifer hinwerfen durch das, was er in Unbesonnenheit oder Feigheit des Lebens vollbringt. Was Luzifer erhascht, wird uns an Kräften für den Aufbau unseres Leibes im nächsten Leben entzogen.

[ 36 ] The time will come when human beings will realize that they are throwing themselves into Ahriman’s jaws when they close themselves off from justice and wisdom. That which was his in former incarnations, that which belonged to the divine world, he would cast to Lucifer through what he accomplishes in life out of rashness or cowardice. Whatever Lucifer seizes is withdrawn from us in terms of the forces needed to build our body in the next life.

[ 37 ] Weisheit und Gerechtigkeit können wir nicht üben, ohne daß wir, wie schon angedeutet, selbstlos werden. Derjenige kann nur ungerecht sein, der selbstsüchtig ist. Derjenige kann nur unweise bleiben wollen, der selbstsüchtig ist. Weisheit und Gerechtigkeit führen uns über unser Selbst hinaus und machen uns zu Gliedern des gesamten Menschheitsorganismus. Die Tapferkeit oder Wackerheit oder das Mutartige und die Besonnenheit machen uns in gewisser Weise zu Gliedern des gesamten Menschheitsorganismus. Nur dadurch, daß wir Mut und Besonnenheit erleben, daß wir mit ihnen unser Leben verbringen, sorgen wir dafür, daß wir uns in der Zukunft in die Menschheit mit einer stärkeren Organisation hineinstellen. Entzogen wird uns dann nicht dasjenige, was wir sonst dem Luzifer hinwerfen. Der Egoismus verwandelt sich von selber in Selbstlosigkeit, wenn er im richtigen Sinne ausgedehnt wird über den gesamten Horizont des Lebens und der Mensch sich in das Licht der vierten Tugend stellt. Das ist dasjenige, was die spirituelle Weisheit der menschlichen Zukunft bringen wird, was sich ausdehnen wird auf die Ethik und auf das sittliche Leben. Das wird dann auch einfließen in die Pädagogik. Dadurch, daß die Weisheit und die Gerechtigkeit so aufgefaßt werden, wie ich es angedeutet habe, wird man das ganze Leben hindurch lernen wollen. Man wird sehen, daß man erst dann richtig lernen muß, wenn man die Jugend hinter sich hat, während jetzt die Menschen so denken, daß sie, nachdem sie die Jugend hinter sich haben, nichts mehr zu lernen brauchen. Es gehen so selbst die größten und edelsten Früchte der Kunst, der großen Dichter der Menschheit verloren. Sie würden am besten in uns aufgehen, wenn wir als alte Leute wieder deren Werke hernähmen. Wenn die Leute die «Iphigenie» von Goethe oder Schillers «Tell» lesen, so meinen sie gewöhnlich: Das haben wir ja schon in der Schule gelesen. — Das ist aber nicht richtig, denn man darf nicht vergessen, daß diese Werke am besten wirken, wenn man sie im Alter liest, denn dann dienen sie der Gerechtigkeit und der Weisheit.

[ 37 ] We cannot practice wisdom and justice without, as already indicated, becoming selfless. Only those who are selfish can be unjust. Only those who are selfish can choose to remain unwise. Wisdom and justice lead us beyond ourselves and make us members of the entire human organism. Courage, bravery, or boldness, and prudence make us, in a certain sense, members of the entire human organism. Only by experiencing courage and prudence, by living our lives with them, do we ensure that we will place ourselves within humanity in the future with a stronger organization. We are then not deprived of that which we would otherwise throw to Lucifer. Egoism transforms itself into selflessness when it is expanded in the right sense across the entire horizon of life and the human being places themselves in the light of the fourth virtue. This is what the spiritual wisdom of the human future will bring, which will extend to ethics and moral life. This will then also flow into education. Because wisdom and justice are understood in the way I have indicated, people will want to learn throughout their entire lives. They will see that one must truly begin to learn only after one’s youth is behind them, whereas now people think that, once their youth is behind them, they have nothing more to learn. Thus even the greatest and noblest fruits of art, the works of humanity’s great poets, are lost. They would take root in us best if we were to take up their works again as older people. When people read Goethe’s *Iphigenia* or Schiller’s *Tell*, they usually think: We’ve already read that in school. — But that is not correct, for one must not forget that these works have the greatest impact when read in old age, for then they serve justice and wisdom.

[ 38 ] Und wiederum wird auch die Kindheitspädagogik besondere Früchte tragen, wenn man die Tugend des Mutartigen und die Tugend der Besonnenheit im richtigen Lichte sehen wird. Diese Tugenden müssen da, wo man Kinder zu erziehen hat, individuell berücksichtigt werden, dadurch, daß man die Kinder immer wieder darauf hinweist, daß sie das Leben wacker ergreifen, daß sie nicht vor allem möglichen sich scheuen, allem möglichen gegenüber sich zurückziehen, und daß sie das Leben in Besonnenheit und Mäßigkeit auffassen, damit sie allmählich von ihren Leidenschaften hinwegkommen. Das ist dasjenige, womit man ungeheuer viel für die Kindererziehung tun kann. Diese Dinge werden wir im späteren Verlaufe unserer geisteswissenschaftlichen Betrachtungen immer mehr auszuführen haben.

[ 38 ] And once again, early childhood education will bear special fruit if the virtues of courage and prudence are viewed in the proper light. These virtues must be taken into account individually when educating children, by repeatedly reminding them to face life courageously, not to shy away from everything possible or withdraw from everything possible, and to approach life with prudence and moderation, so that they may gradually overcome their passions. This is what can do an immense amount for the education of children. We will have to elaborate on these things more and more in the course of our reflections on Spiritual Science.

[ 39 ] So sehen wir, wie dasjenige, was im sittlichen Leben der Menschheit sonst nur für den äußeren, physischen Plan, für das Leben zwischen der Geburt und dem Tode Gesetze hat, durch die geisteswissenschaftlichen Betrachtungen über einen unendlich weiten Horizont ausgedehnt wird. Es ist auch da so, wie es mit den übrigen Dingen in der Geisteswissenschaft ist. Hat doch auch die Menschheit in bezug auf die Naturwissenschaft es durchmachen müssen, daß ihr Horizont erweitert worden ist. Giordano Bruno weist die Menschen darauf hin, daß nicht nur die Erde da ist, sondern daß noch viele andere Welten draußen im Weltenraume da sind. Die Geisteswissenschaft weist die Menschen darauf hin, daß nicht nur ein Erdenleben da ist, sondern daß viele Erdenleben da sind. Die Menschen vor Giordano Bruno haben geglaubt, daß da oben eine Grenze sei. Giordano Bruno hat darauf aufmerksam gemacht, daß da keine Grenze ist, daß das Blaue des Himmels keine Grenze darstellt. Die Geisteswissenschaft zeigt, daß Geburt und Tod gar nicht da sind, sondern daß wir sie hineinsetzen in das Leben durch die Eingeschränktheit unseres Begreifens.

[ 39 ] Thus we see how that which, in the moral life of humanity, otherwise has laws only for the outer, physical plane—for life between birth and death—is expanded across an infinitely broad horizon through considerations of Spiritual Science. Here, too, it is as it is with the rest of Spiritual Science. After all, humanity has also had to undergo a broadening of its horizons in relation to natural science. Giordano Bruno points out to people that it is not only the Earth that exists, but that there are many other worlds out there in the cosmos. Spiritual Science points out to people that there is not just one earthly life, but that there are many earthly lives. People before Giordano Bruno believed that there was a boundary up there. Giordano Bruno drew attention to the fact that there is no boundary, that the blue of the sky does not represent a boundary. Spiritual Science shows that birth and death do not exist at all, but that we insert them into life through the limitations of our understanding.

[ 40 ] So wird die Kluft zwischen dem Physischen und dem Geistigen überbrückt. Und so sind die Dinge, die auf geisteswissenschaftlichem Boden stehen, für diejenigen, die einen wirklichen, einen wahrhaftigen Monismus begründen. Diejenigen, die sich heute oftmals Monisten nennen, machen es mit ihrem Monismus sehr einfach. Sie nehmen den einen Teil der Welt und machen ihn zu einer Einheit, indem sie die andere Hälfte der Welt wegwerfen. Wahrer Monismus entsteht dadurch, daß man die beiden Hälften sinngemäß ineinanderfließen läßt. Dies geschieht durch die Geisteswissenschaft. Aber nicht nur, daß dies sinngemäß im Bewußtsein entsteht, sondern es muß entstehen für unser ganzes Leben. Immer mehr müssen wir dazukommen, wirklich zu wissen, wenn wir hinausschauen in die Welt: Da ist um uns herum, in alledem, was lebt und wirkt, etwas Übersinnliches, nicht nur in dem, was unser Auge sieht, sondern auch in dem, was der Verstand wahrnehmen kann, der an das Gehirn gebunden ist. Überall sind geistige Kräfte, hinter jeder Erscheinung, hinter der Erscheinung des Regenbogens, hinter der Bewegung der Hand und so weiter.

[ 40 ] This is how the gap between the physical and the spiritual is bridged. And this is how things stand on the ground of Spiritual Science for those who establish a genuine, true monism. Those who often call themselves monists today take a very simplistic approach to their monism. They take one part of the world and make it into a unity by discarding the other half of the world. True monism arises when one allows the two halves to flow into one another in a meaningful way. This happens through Spiritual Science. But it is not enough for this to arise meaningfully in our consciousness; it must also take root in our entire lives. We must increasingly come to truly know, when we look out into the world: there is, all around us, in everything that lives and acts, something supersensible—not only in what our eyes see, but also in what the intellect, which is bound to the brain, can perceive. Spiritual forces are everywhere, behind every phenomenon, behind the appearance of the rainbow, behind the movement of the hand, and so on.

[ 41 ] Wenn Sie nachlesen den Zyklus von Vorträgen, den ich um die Jahreswende vorigen Jahres in Leipzig gehalten habe, werden Sie finden, wie der Christus-Impuls durchgewirkt hat durch das Mysterium von Golgatha, wie der Christus in den wichtigsten Menschheitsangelegenheiten lebt, nicht nur in dem, was die Menschen gewußt haben. Da haben sie sich zum Beispiel über Dogmen gezankt. Während sie sich aber zankten, lebte der Christus-Impuls sich durch und bewirkte das, was geschehen sollte.

[ 41 ] If you read the series of lectures I gave in Leipzig around the turn of the year last year, you will see how the Christ impulse has worked through the Mystery of Golgotha, how Christ lives in the most important matters of humanity, not just in what people have known. For example, they quarreled over dogmas. But while they were quarreling, the Christ impulse worked its way through and brought about what was to happen.

[ 42 ] Nehmen wir die Gestalt der Jungfrau von Orleans. In der Entwickelung Europas tritt das einfache Hirtenmädchen auf. Merkwürdig tritt sie auf, so daß in ihrer Seele nicht nur diejenigen Kräfte leben, die man sonst eigentlich im Menschen hat, sondern daß in dieser Persönlichkeit der Christus-Impuls wirkt und sie durch seinen mächtigen Impuls belebt und trägt. Sie wurde gleichsam eine Darstellung des Christus-Impulses selber für ihre Zeit. Das konnte sie nur, indem der Christus-Impuls in ihr Platz griff.

[ 42 ] Let us consider the figure of the Virgin of Orleans. In the development of Europe, the simple shepherdess appears. She appears in such a remarkable way that not only do the forces that are normally found in human beings live within her soul, but the Christ impulse is also at work in this personality, enlivening and sustaining her through its powerful force. She became, as it were, a manifestation of the Christ impulse itself for her time. She was able to do this only because the Christ impulse took root within her.

[ 43 ] Sie wissen, daß wir das Weihnachtsfest feiern in der Zeit, wo die Sonnenkraft am geringsten ist, im tiefsten Dunkel der Winterszeit, weil wir da überzeugt sein können, daß das innere Licht, das geistige Licht die größte Intensität hat.

[ 43 ] You know that we celebrate Christmas at a time when the sun’s power is at its weakest, in the deepest darkness of winter, because that is when we can be certain that the inner light, the spiritual light, is at its most intense.

[ 44 ] Alte Sagen erzählen uns, daß über Weihnachten bis zum 6. Januar Leute etwas ganz Besonderes durchgemacht haben, weil da das Erdenleben und die inneren Kräfte der Erde am konzentriertesten sind. Die, welche dazu veranlagt sind, erleben da in der Tat die geistigen Kräfte in den Erdenkräften. Zahllose Sagen bekunden uns das. Die beste Zeit dafür sind die dreizehn Tage vor dem 6. Januar.

[ 44 ] Ancient legends tell us that from Christmas through January 6, people have experienced something quite special, because that is when earthly life and the inner forces of the earth are at their most concentrated. Those who are predisposed to it do indeed experience the spiritual forces within the earth’s energies during this time. Countless legends attest to this. The best time for this is the thirteen days leading up to January 6.

[ 45 ] Die Jungfrau von Orleans hat in einem besonderen Zustande diese dreizehn Tage verbracht, in einem Zustande, wo ihr Gemüt noch nicht empfänglich war für die äußere Welt. Sonderbarerweise fällt die Zeit, in der die Jungfrau von Orleans im Leibe der Mutter getragen wurde, so, daß sie ablief in der Weihnachtszeit im Jahre 1411. Sie wurde geboren, nachdem sie die letzten dreizehn Tage im Leibe der Mutter zugebracht, am 6. Januar. Bevor sie den ersten Atemzug getan hat, bevor sie mit dem physischen Auge das physische Licht gesehen hat, erlebte sie das Irdische in den dreizehn Tagen in dem Schlafe, den der Mensch durchmacht, bevor er die physische Welt betritt. |

[ 45 ] The Maid of Orleans spent these thirteen days in a special state, a state in which her mind was not yet receptive to the outside world. Strangely enough, the time during which the Maid of Orleans was carried in her mother’s womb coincided with the Christmas season of 1411. She was born on January 6, after spending her final thirteen days in her mother’s womb. Before she took her first breath, before she saw physical light with her physical eyes, she experienced the earthly realm during those thirteen days in the sleep that a human undergoes before entering the physical world. |

[ 46 ] Ich deute hier auf eine ungeheuer bedeutsame Sache hin, die zeigt, wie die Welt von dem Spirituellen aus regiert wird, wie das, was äußerlich in der physischen Welt geschieht, in der Richtkraft der geistigen Welt dirigiert wird, wie unter dem Physischen die geistige Welt fließt.

[ 46 ] I am pointing here to something of immense significance that shows how the world is governed by the spiritual, how what happens outwardly in the physical world is directed by the guiding force of the spiritual world, and how the spiritual world flows beneath the physical.

[ 47 ] So müssen wir in der jetzigen Zeit immer bewußter durch die Geisteswissenschaft die Kluft zwischen dem Physischen und dem Geistigen hinwegräumen. Auf einem Gebiete tun wir das für das Leben, wenn wir uns bewußt werden, daß gerade innerhalb unserer Bewegung die Kräfte derjenigen sind, die Seele und Leib während ihres irdischen Lebens vereint haben mit unserer Bewegung und durch die Pforte des Todes gegangen sind. Wenn wir hinblicken auf das andere Ufer des Stromes, wo sie tätig sind und uns mit ihnen vereint fühlen und unsere Gedanken auf sie richten, dann tun wir das aus vollem Bewußtsein heraus, dem Bewußtsein, das wir uns durch die Geisteswissenschaft aneignen. Wir wissen uns im lebendigsten Zusammenhange mit denjenigen, die dutch die Pforte des Todes gegangen sind, und wir wissen sie als die besten Kräfte unter uns. Wenn wir dies tun oder denken können, so betrachten wir das Leben als ein Saatfeld. Zwischen dem, was wir selber pflanzen, sehen wir überall darinnen diejenigen Pflanzen, die heraufsprießen, ohne daß wir selber sie aufsprießen lassen konnten. Und dann können wir wissen: Diese Pflanzen setzen diejenigen, welchen es vergönnt ist, in der Welt des Geistes zu sein, diejenigen, mit denen wir uns verbunden fühlen, mit denen wir eins werden.

[ 47 ] In the present age, we must increasingly use Spiritual Science to bridge the gap between the physical and the spiritual. In one respect, we do this for life when we become aware that within our movement itself are the forces of those who, during their earthly lives, united soul and body with our movement and have passed through the gate of death. When we look toward the other bank of the stream, where they are active, and feel united with them and direct our thoughts toward them, we do so out of full consciousness—the consciousness we acquire through Spiritual Science. We know ourselves to be in the most living connection with those who have passed through the gate of death, and we know them to be the best forces among us. If we can do or think this, we regard life as a field of sowing. Amidst what we ourselves plant, we see everywhere within it those plants that sprout without our having been able to make them sprout ourselves. And then we can know: These plants are planted by those who are granted a place in the world of the spirit, those with whom we feel connected, with whom we become one.

[ 48 ] Eine Menschenbruderschaft auch mit denjenigen, die nicht mehr den physischen Leib tragen, das wird das charakteristische Zeichen dieser Bewegung sein und derjenigen, die sich als Glieder dieser Bewegung fühlen und in Zukunft sich zu ihr rechnen. Andere, nur auf das Irdische gebaute Gesellschaften werden manche Schranke zwischen Mensch und Mensch hinwegräumen. Die Schranken zwischen den Lebenden und den Toten werden immer mehr und mehr durch die Bewegung hinweggeräumt werden, welche die Menschen vereinigen wird, die sich im Zeichen der Geisteswissenschaft vereinigen wollen. Das wollen wir alle in unseren Seelen tragen und als bleibende Empfindung aufnehmen gerade das Charakteristische, das uns verbindet mit dieser uns teuer gewordenen geistigen Bewegung.

[ 48 ] A brotherhood of humanity that includes even those who no longer possess a physical body—this will be the defining characteristic of this movement and of those who consider themselves members of it and will join it in the future. Other societies, founded solely on earthly matters, will remove many barriers between people. The barriers between the living and the dead will be increasingly removed by the movement that will unite those who wish to come together under the banner of Spiritual Science. Let us all carry this in our souls and take to heart as a lasting feeling precisely that characteristic which connects us to this spiritual movement that has become so dear to us.