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The Mystery of Death
The Nature and Significance of Central Europe
and the European National Spirits
GA 159

7 March 1915, Leipzig

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The Mystery of Death, tr. SOL
  1. Die Offenbarungen des Karma, 8th ed.

4. Das intime Element der mitteleuropäischen Kultur und das mitteleuropäische Streben

4. The Intimate Element of Central European Culture and the Central European Aspiration

[ 1 ] In schweren, schicksaltragenden Tagen leben wir. Und was diese schicksaltragenden Tage uns Erdenmenschen bringen werden, dem sehen noch recht wenig Seelen mit voller Zuversicht entgegen, und vor allen Dingen ist die Bedeutung dessen, was sich durch die Geschehnisse dieser Tage ausspricht, nicht mit voller Kraft in den Seelen sprechend. Gerade diejenigen aber, welche versuchen, sich als Menschenseelen immer mehr und mehr hineinzuleben in das, was als Impulse einverleibt werden soll der Menschenkulturentwickelung, der geistigen Kulturentwickelung durch die Forderungen der Geisteswissenschaft, sollten mit ihrem tiefsten Empfinden, mit ihrem tiefsten Fühlen sich verbunden wissen dem, was sich auf der einen Seite so groß und gewaltig und auf der andern Seite so schmerzvoll, so traurig um unsere Seelen herum abspielt. Was sich vollzieht, ist ja etwas, was nicht nur der Art, sondern auch dem Grad nach im Grunde beispiellos ist innerhalb der bewußten Geschichte der Menschheitsentwickelung, was tief eingreifend und tief einschneidend ist in alles Leben der Erdenentwickelung. Und man braucht sich nur einmal vor die Seele zu führen, was es heißt — und das ist ja heute bei jedem Menschen der europäischen und auch vieler Teile der andern Erdenbevölkerung der Fall —, mitten darinzustehen in dem Gang der so bedeutsamen Ereignisse, um zu fühlen, daß dies gerade eine Zeit ist, nicht nur im eminentesten Sinne geeignet, sondern auch im eminenten Sinne fordernd, daß die Seele sich frei macht und immer freier mache von dem bloßen Leben innerhalb des eigenen Selbstes, innerhalb des eigenen Ich, und mitzuleben versuchen sollte, was als ein gemeinsames Geschick durch die Menschheit geht. Vieles wird die Seele in unserer Gegenwart lernen können, wenn sie sich in der rechten Weise zu verbinden weiß mit dem Strom der Ereignisse. Und von vielem Engherzigen und Egoistischen wird sie frei kommen können, wenn sie dies zu tun weiß. Gehen doch so große, so gewaltige Dinge vor, daß fast jedes Denken an sich selbst in dieser unserer Zeit als ein Raub erscheinen muß, den unsere Seele begeht an dem Leben mit den allgemeinen Geschicken.

[ 1 ] We are living in grave, fateful days. And very few souls look forward with full confidence to what these fateful days will bring us earthlings; above all, the significance of what is being expressed through the events of these days is not speaking with full force within the souls. Yet it is precisely those who, as human souls, are striving to immerse themselves more and more in what is to be incorporated as impulses into the development of human culture—the development of spiritual culture through the demands of Spiritual Science—who should feel, with their deepest sensibility and deepest feeling, a connection to what is unfolding so grandly and powerfully on the one hand, and so painfully, and so sorrowful, that is unfolding around our souls. What is taking place is, after all, something that is fundamentally unprecedented not only in kind but also in degree within the conscious history of human development, something that is deeply penetrating and profoundly transformative in every aspect of life on Earth. And one need only bring to mind what it means—and this is indeed the case today for every person in Europe and also in many parts of the rest of the world’s population— to stand right in the midst of the course of such momentous events, to feel that this is precisely a time not only eminently suited, but also eminently demanding, for the soul to free itself and become ever freer from mere life within its own self, within its own ego, and to strive to share in what passes through humanity as a common destiny. The soul will be able to learn much in our present time if it knows how to connect in the right way with the current of events. And it will be able to free itself from much that is narrow-minded and selfish if it knows how to do this. For such great, such mighty things are taking place that almost any thought of oneself in our time must appear as a theft that our soul commits against life and the common destiny.

[ 2 ] Insbesondere die Bevölkerung Mitteleuropas — welche ungeheuren Fragen muß sie sich stellen über Dinge, die sie im Grunde erst jetzt lernen kann! Gewahr werden kann der Mensch Mitteleuropas, wie er eigentlich mißverstanden, ja wie er gehaßt wird. Und diese MiBverständnisse, dieser Haß, sie sind ja nicht etwa erst ausgebrochen seit dem Kriegsbeginn, nur bemerkbar sind sie geworden seit dem Kriegsbeginn. Daher kann der Kriegsbeginn und der Verlauf des Krieges auch nur gleichsam dasjenige sein, was die mitteleuropäischen Seelen darauf aufmerksam macht, wie sie sich in einer gewissen Beziehung mehr oder weniger vereinsamt fühlen müssen gegenüber dem Fühlen und Empfinden derjenigen Menschen, die ringsherum um diese mitteleuropäische Bevölkerung wirklich nicht mit verständnisvollen Empfindungen und Gefühlen stehen. Könnte man doch — das wäre so wünschenswert, besonders jetzt — in den Seelen, die sich der Geisteswissenschaft widmen, vertieftere Interessen für die großen Ereignisse des Lebens anfachen, welche die Seele hinausführen aus dem Horizont ihres Ich auf den großen Horizont der Menschheits- und Erdenereignisse! Könnte man doch den Blick, die ganze Gesinnung der Seelen gerade deshalb, weil sie Geisteswissenschaft in sich aufgenommen haben, zur Vertiefung bringen in der Erkenntnis der umfassenden Kräfte und sie herausbringen aus dem Interesse an den engeren, bloß mit dem einzelnen Menschen sich beschäftigenden Kräften! Denn wirklich, wenn man heute die Welt, namentlich die Welt, die um uns Mitteleuropäer herum ist, reden hört, wenn man liest, was da an Sonderbarem über die Impulse gesprochen wird, die zu diesem Kriege geführt haben sollen, dann hat man das Gefühl, daß die Verpflichtung, nach größeren Gesichtspunkten zu urteilen, der Menschheit eigentlich recht, recht sehr in unserer materialistischen Zeit abhanden gekommen ist, so sehr abhanden gekommen ist, daß es manchmal den Eindruck hat, als ob die Leute überhaupt nichts gelernt hätten, sondern für sie die Geschichte im Grunde genommen am 25. Juli 1914 erst begänne. Es ist, als ob die Leute nichts wüßten von dem, was sich im Kräftespiel der Erdenbevölkerung zugetragen hat und was aus diesem Kräftespiel heraus zu den schweren Verwicklungen geführt hat, welche in der Kriegsflamme endlich sich entzündet haben und aufgelodert sind. Kaum daß man von dem redet, was man die Einkreisung durch den vorigen englischen König nennt, der die europäischen Mächte rings um Mitteleuropa herum vereinigt hat, so daß durch diese Vereinigung der ringsherum befindlichen Menschenkräfte endlich nichts anderes entstehen konnte als dasjenige, was entstanden ist. Kaum daß man einige Jahre, höchstens Jahrzehnte zurückgeht und sich daraus Vorstellungen machen will, wie das gekommen ist, was jetzt so schicksaltragend und schmerzlich um uns herum ist.

[ 2 ] The people of Central Europe, in particular—what immense questions must they be asking themselves about things they are, in essence, only now beginning to learn! The people of Central Europe can come to realize how they are actually misunderstood, indeed how they are hated. And these misunderstandings, this hatred—they did not, after all, first erupt with the outbreak of war; they have merely become noticeable since the outbreak of war. Therefore, the outbreak of the war and the course of the war can only be, as it were, that which makes the Central European soul aware of how, in a certain sense, it must feel more or less isolated in relation to the feelings and sensibilities of those people who, all around this Central European population, truly do not stand by them with understanding feelings and sentiments. If only—and this would be so desirable, especially now—one could kindle in the souls devoted to Spiritual Science a deeper interest in the great events of life, which lead the soul out from the horizon of its ego to the vast horizon of human and earthly events! If only one could deepen the gaze, the entire outlook of these souls—precisely because they have taken Spiritual Science into themselves—in the recognition of the all-encompassing forces, and lead them out of their interest in the narrower forces concerned solely with the individual human being! For truly, when one hears the world today—especially the world surrounding us Central Europeans—speaking, when one reads the strange things said about the impulses that are said to have led to this war, then one has the feeling that the obligation to judge from broader perspectives has actually been lost to humanity, very, very much so in our materialistic age, so very lost that one sometimes has the impression that people have learned nothing at all, but that for them, history essentially began only on July 25, 1914. It is as if people knew nothing of what has transpired in the interplay of forces among the world’s population and what, arising from this interplay, led to the grave entanglements that finally ignited and flared up in the flames of war. No sooner does one speak of what is called the encirclement by the previous English king, who united the European powers around Central Europe, so that through this union of the human forces surrounding it, nothing else could ultimately arise but what did arise. One need only go back a few years, or at most a few decades, and try to create mental images of how what is now so fateful and painful around us came to be.

[ 3 ] Aber die Dinge liegen ja noch viel, viel tiefer. Wenn man von Einkreisung spricht, muß man sagen: Was sich in der Einkreisung der mitteleuropäischen Mächte in der letzten Zeit vollzogen hat, das ist die letzte Etappe, der letzte Schritt einer Einkreisung Mitteleuropas gewesen, die begonnen hat vor langer, langer Zeit, die schon im Jahre 860 begonnen hat. Damals, als vom Norden Europas diejenigen Menschen heruntergezogen sind, welche im Jahre 860 als Normannenbevölkerung vor Paris standen, zog ein Teil der Kraft, welche sich in Europa ausleben sollte, im Westen Europas in die romanische Strömung hinein, die den Westen Europas vom Süden herauf überflutet hatte. Wir haben einen Strom von Menschenkräften, der so verläuft, daß er sich von Rom über Italien und Sizilien über das heutige Spanien und durch das heutige Frankreich ergießt. Und die Normannenbevölkerung, die von Norden herunterzieht und 860 vor Paris steht, wird überflutet von dem, was von alten Zeiten her als romanische Strömung gekommen ist, und geht in dieser romanischen Strömung unter. Dasjenige, was an Kraftvollem in dieser Strömung ist, rührt davon her, daß die normannische Bevölkerung darin untergegangen ist. Was aber an Fremdem gegenüber der mitteleuropäschen Kultur im Westen aufgegangen ist, rührt von dem eingeflossenen romanischen Strome her. Dieser romanische Strom hat ja nicht etwa im heutigen Frankreich haltgemacht, sondern er erwies sich durch die dogmatisch rationalistische Art, durch seine Hinneigung zu materialistischer Denkungsweise mächtig, nicht nur Frankreich zu überschwemmen, sondern als dann die Normannen wiederum nach den heute angelsächsischen Ländern hinüber die Hand ausstreckten, war es das Maßgebende, daß dort zu dem Angeltum, dem Sachsentum das hinzukam, was nicht die Normannen gebracht haben von Norden nach Süden, sondern das, was sie vom Süden her aufgenommen haben. Auch im britischen Element ist es das romanische Element, das dadurch dem mitteleuropäischen Wesen eigentlich ohne Verständnis gegenübersteht. Und dieses vom romanischen Element durchsetzte normannische Element hat dann seinen Zug weiter fortgesetzt über die griechischen Küsten herunter bis nach Konstantinopel. So daß wir einen Fluß normannisch-romanischer Kultur sich herunterziehen sehen vom europäischen Norden nach dem Westen hin, schlangenförmig Mitteleuropa umkreisend, bis nach Konstantinopel herüber die Fangarme ausstreckend. Den andern Zug, der von Norden herunterging, sehen wir nach dem Osten fließen und in das slawische Element eindringen. Die ersten Normannenzüge wurden von der damals in weiter Ausbreitung im heutigen Rußland lebenden finnischen Bevölkerung «Ros» genannt, wovon der Name Russen gekommen ist, der also anklingt an die Benennung, welche die Finnen der normannischen Bevölkerung gegeben haben. Wir sehen diese nordischen Völker sich hineinerstrecken in das slawische Element, immer weiter in das slawische Element vordringend, und gleichzeitig mit dem Zeitpunkt, an welchem die Normannen 860 vor Paris standen und da ihreRomanisierung begann, sehen wir das normannische Element hineintauchen in den slawischen Strom und auf der andern Seite bis über Kiew und bis nach Konstantinopel herunterziehen. Und der Kreis ist geschlossen! Es ziehen von Norden herunter die normannischen Kräfte auf der einen Seite nach Westen, sich romanisierend, auf der andern Seite nach dem Osten, sich slawisierend, und sie stoßen zusammen vom Osten und vom Westen aus in Konstantinopel. Und in Mitteleuropa ist wie in ein Kulturbecken eingeschlossen dasjenige, was zurückgeblieben ist in dem von dem alten Keltentum befruchteten, ursprünglichen Germanentum, das dann in der verschiedensten Nuancierung in der Bevölkerung, die sich als deutsche, als holländische, als skandinavische Bevölkerung geltend macht, als Element ausgesprochen vorhanden ist. So sehen wir, wie alt diese Einkreisung ist.

[ 3 ] But the issue runs much, much deeper than that. When speaking of encirclement, one must say: What has taken place recently in the encirclement of the Central European powers is the final stage, the final step in an encirclement of Central Europe that began a long, long time ago—as early as the year 860. Back then, when those people came down from northern Europe—the same people who stood before Paris in 860 as the Norman population—part of the force that was to play out in Europe flowed into the Romanic current in western Europe, which had flooded the west of Europe from the south. We have a stream of human forces that flows from Rome through Italy and Sicily, across present-day Spain, and through present-day France. And the Norman population, which moves down from the north and stands before Paris in 860, is overwhelmed by what has come from ancient times as the Romanesque current, and is absorbed into this Romanesque current. The powerful force within this current stems from the fact that the Norman population was submerged by it. But what emerged in the West as foreign to Central European culture stems from the Romanic current that flowed in. This Romanic current did not, after all, come to a halt in present-day France, but proved powerful through its dogmatically rationalistic nature and its inclination toward materialistic thinking, not only to flood France, but also, when the Normans subsequently extended their reach toward the lands that are now Anglo-Saxon, it was decisive that what was added there to the Angles and the Saxons was not what the Normans had brought from north to south, but rather what they had absorbed from the south. Even within the British element, it is the Roman element that thereby actually stands in opposition to the Central European essence without understanding. And this Norman element, interwoven with the Romance element, then continued its course down the Greek coasts as far as Constantinople. So that we see a stream of Norman-Romance culture flowing down from the European north toward the west, encircling Central Europe in a serpentine fashion, extending its tentacles as far as Constantinople. We see the other wave, which came down from the north, flowing eastward and penetrating the Slavic element. The first Norman waves were called “Ros” by the Finnish population living at that time in what is now Russia, from which the name “Russians” is derived, a name that thus echoes the designation the Finns gave to the Norman population. We see these Nordic peoples extending into the Slavic element, advancing ever further into it, and at the very moment when the Normans stood before Paris in 860 and their Romanization began, we see the Norman element plunging into the Slavic current and, on the other side, extending all the way past Kiev and down to Constantinople. And the circle is complete! The Norman forces are moving down from the north, on the one hand toward the west, becoming Romanized, and on the other hand toward the east, becoming Slavicized, and they converge from the east and the west in Constantinople. And in Central Europe, enclosed as in a cultural basin, lies what remains of the original Germanic culture, fertilized by ancient Celtic influences, which is then distinctly present as an element in the most varied nuances within the population that identifies itself as German, Dutch, or Scandinavian. Thus we see how ancient this encirclement is.

[ 4 ] In diesem Mitteleuropa bereitet sich nun vor, was wir nennen können eine intime Kultur, eine Kultur, welche niemals imstande war, so zu verlaufen, wie die Kultur im Westen oder die Kultur im Osten, sondern welche ganz anders verlaufen mußte. Wenn wir vergleichen, was sich in Mitteleuropa an Kultur entwickelt hatte, mit demjenigen, was im Westen sich entwickelt hat, so müssen wir sagen, im Westen entwickelte sich — und das kann aus dem kleinsten und aus dem größten Zuge dieser Kultur ersehen werden — eine Kultur, deren Grundcharakter von den britischen Inseln über Frankreich, Spanien, bis nach Sizilien, Italien hinein und bis nach Konstantinopel hinüber zu verfolgen ist. Da entwickelte sich als Grundzug der Kultur ein gewisser Dogmatismus, ein Rationalismus, eine Sehnsucht, all dasjenige, was man an Erkenntnissen bekommt, in einfache rationalistische Formeln zu kleiden. Es entwickelte sich ein Trieb, die Dinge so zu sehen, wie Verstand und Sinnlichkeit sie sehen müssen. Es entwickelte sich der Trieb, alles zu vereinfachen. Nehmen wir einen Fall, der uns als Bekenner der Geisteswissenschaft naheliegen kann, die Gliederung unserer Menschenseele in drei Glieder: Empfindungsseele, Verstandes- oder Gemütsseele und Bewußtseinsseele. Die Menschenseele kann in Wirklichkeit nur begriffen werden, wenn man weiß, daß sie aus diesen drei Gliedern besteht. Ebensowenig wie das Licht begriffen werden kann, ohne die Farbennuancen in ihrem Ursprung aus dem Licht zu erkennen, und ohne daß man weiß, es gliedert sich in die verschiedenen Farbennuancen, die wir im Regenbogen sehen, auf der einen Seite die roten, die gelben Strahlen, auf der andern Seite blau, grün, violett, und wenn man das nicht weiß, kann man nicht als Physiker das Licht studieren, ebensowenig kann man die menschliche Seele studieren, was unendlich wichtiger ist; denn jeder soll ein Mensch sein und jeder soll von der Seele Bescheid wissen. Wer in seiner Seele selbst nicht fühlt, daß diese Seele sich auslebt in den drei Gliedern: Empfindungsseele, Verstandes- oder Gemütsseele, Bewußtseinsseele, der wirft alles in der Seele durcheinander. Wir sehen es an den modernen Universitätspsychologen, wie sie alles in der Seele durcheinanderwerfen, so wie man die Farbennuancen des Lichtes einfach durcheinanderwirft; und sie dünken sich in ihrem ungeheuren Hochmut, ihrem wissenschaftlichen Übermut ganz besonders gelehrt, wenn sie alles im Seelenleben durcheinanderwerfen, während man die Seele wirklich nur erkennen kann, wenn man imstande ist, diese Dreigliederung der Seele wirklich zu wissen.

[ 4 ] In this Central Europe, what we might call an “intimate culture” is now taking shape—a culture that was never able to develop in the same way as the culture of the West or the culture of the East, but which had to take a completely different course. If we compare what has developed culturally in Central Europe with what has developed in the West, we must say that in the West—and this can be seen in both the smallest and the largest aspects of this culture—a culture developed whose fundamental character can be traced from the British Isles through France and Spain, into Sicily and Italy, and all the way to Constantinople. There, a certain dogmatism, a rationalism, and a longing to clothe all that one gains in knowledge in simple rationalistic formulas developed as a fundamental trait of the culture. A drive developed to see things as the intellect and the senses must see them. A drive developed to simplify everything. Let us take a case that may be familiar to us as adherents of Spiritual Science: the division of the human soul into three parts: the soul of feeling, the soul of understanding or the emotional soul, and the soul of consciousness. The human soul can in reality only be understood if one knows that it consists of these three parts. Just as light cannot be understood without recognizing the color nuances in their origin from light, and without knowing that it is divided into the various color nuances we see in the rainbow—on one side the red and yellow rays, on the other side blue, green, and violet—and if one does not know this, one cannot study light as a physicist, just as one cannot study the human soul, which is infinitely more important; for everyone should be a human being and everyone should know about the soul. Whoever does not feel within their own soul that this soul expresses itself through the three members—the soul of feeling, the soul of understanding or the emotional soul, and the soul of consciousness—confuses everything within the soul. We see this in modern university psychologists, how they confuse everything within the soul, just as one simply confuses the color nuances of light; and in their immense arrogance, their scientific hubris, they consider themselves particularly learned when they confuse everything in the life of the soul, whereas one can truly know the soul only if one is able to truly understand this threefold division of the soul.

[ 5 ] Wenn die Empfindungsseele auch zunächst dasjenige ist, was gewissermaßen die Triebe, die mehr empfindungsgemäßen Impulse darlebt, mehr dasjenige im jetzigen Erdendasein, was wir nennen können das mehr Sinnliche des Menschen, so enthält doch diese Empfindungsseele zugleich in ihren tieferen Teilen die ewigen Triebkräfte der Menschennatur, diejenigen Kräfte, die durch Geburt und Tod gehen. Die Verstandes- oder Gemütsseele enthält zur Hälfte das Zeitliche, zur Hälfte das Ewige. Die Bewußtseinsseele, wie sie jetzt ist, enthält vorzugsweise die Hinlenkung des Menschen zum Zeitlichen. Daher ist es verständlich, daß das Volk, welches seine Volksseele durch die Bewußtseinsseele ausbildet, das britische Volk, nach einem sehr schönen Ausspruch Goethes, nichts hat von alledem, was tiefsinnige Reflexion ist, sondern daß es auf das Praktische, den äußerlichen Konkurrenzkampf gerichtet ist. Es ist vielleicht gar nicht schlecht, sich einmal an solche Dinge zu erinnern, denn diejenigen, die am deutschen Geistesleben teilgenommen haben, waren nicht blind für diese Dinge, sondern sie haben sich immer sehr deutlich darüber ausgesprochen. So hat Goethe Eckermann gegenüber — es ist lange her, aber man kann daraus sehen, daß große Deutsche die Dinge immer im wahren Lichte gesehen haben —, als einmal die Rede war von den Philosophen Hegel, Fichte, Kant und auch noch von einigen andern, ausgesprochen: Ja, ja, während sich die Deutschen abquälen damit, die tiefsten philosophischen Probleme zu lösen, sind die Engländer vorzugsweise auf das Praktische gerichtet und nur darauf. Ihnen fehlt jeder Sinn für die Reflexion. Und selbst wenn sie — so sagte Goethe — Deklamationen machen über die Moral, die darin liegt, die Sklaven zu befreien, so muß man fragen: Welches ist «das reale Objekt» dabei? — Und bei einer andern Gelegenheit schrieb Goethe, was sehr bezeichnend ist, es sei mehr als Bände sprechend, daß sogar Walter Scott einmal zugestanden habe, daß es, wenn auch die Engländer teilgenommen hätten an den Kämpfen gegen Napoleon, doch wichtiger für sie sei als alles Befreien der Völker, wovon dazumal gesprochen worden sei, «ein britisches Objekt vor sich zu sehen». Es ist einem deutschen Philologen gelungen — und was gelingt nicht alles dem Fleiße der deutschen Philologen —, in den neun dicken Bänden der Napoleon-Biographie von Walter Scott die Stelle aufzufinden, auf die Goethe damals angespielt hat, und da findet sich in der Tat, von Walter Scott selbst eingestanden, daß zwar die Briten teilgenommen haben an den Kämpfen gegen Napoleon, daß aber dahinter der Wunsch steht, einen britischen Vorteil zu erlangen, das heißt, wie er sich ausdrückt «to secure the British object», «das britische Objekt zu sichern». — Es ist durchaus ein Ausspruch des Engländers selbst, man mußte ihn nur suchen. Diese Dinge sind interessant, um sich heute den Gesichtskreis etwas zu erweitern.

[ 5 ] Although the sentient soul is, at first glance, that which, so to speak, gives life to the drives and the more sensually oriented impulses—in our present earthly existence, that which we might call the more sensual aspect of the human being—this sentient soul nevertheless contains, in its deeper parts, the eternal driving forces of human nature, those forces that endure through birth and death. The intellectual or emotional soul contains half the temporal and half the eternal. The consciousness soul, as it is now, contains primarily the human being’s orientation toward the temporal. It is therefore understandable that the people who develop their folk-souls through the soul of consciousness—the British people—have, according to a very beautiful saying by Goethe, nothing of what constitutes profound reflection, but are instead directed toward the practical and outward competition. It is perhaps not a bad thing to recall such matters from time to time, for those who participated in German intellectual life were not blind to these things, but always spoke very clearly about them. Thus, Goethe once said to Eckermann—it was a long time ago, but one can see from this that great Germans have always viewed things in their true light—when the conversation turned to the philosophers Hegel, Fichte, Kant, and a few others: “Yes, yes, while the Germans struggle to solve the deepest philosophical problems, the English are primarily focused on the practical and nothing else. They lack any sense of reflection. And even when they—as Goethe said—make grand speeches about the morality of freeing the slaves, one must ask: What is ‘the real object’ in all this?” — And on another occasion, Goethe wrote—which is very telling—that it speaks volumes that even Walter Scott once admitted that, even if the English had taken part in the battles against Napoleon, it was more important for them than all the liberation of peoples that was spoken of at the time to “see a British object before them.” A German philologist has succeeded—and what is there that the diligence of German philologists cannot achieve?—in finding the passage in the nine thick volumes of Walter Scott’s biography of Napoleon to which Goethe alluded at the time, and there one does indeed find as Walter Scott himself admits, that while the British did participate in the battles against Napoleon, the underlying motive was to gain a British advantage—that is, as he puts it, “to secure the British object.” — It is indeed a statement by the Englishman himself; one simply had to look for it. These things are interesting for broadening one’s horizons a bit today.

[ 6 ] Man muß also wissen, sagte ich, daß die menschliche Seele aus diesen drei Gliedern besteht, besser gesagt, daß das menschliche Selbst durch diese drei Seelennuancen wirkt, wie das Licht durch die verschiedenen Farbennuancen, vorzugsweise in den drei Reichen: Mineral-, Pflanzen-, Tierreich. Dann wird man darauf kommen, daß der Mensch, indem er diese drei Seelennuancen hat, jeder dieser Seelennuancen ein großes Ideal zuerteilen kann und im menschlichen Fortschritt zuerteilen muß, daß das Ideal dieser Seelennuancen ein großes Ideal ist, aber jedes dieser Ideale ist eben da für eine der Seelennuancen, nicht für die ganze Seele. Und nur dann, wenn sich die Menschen durch die Geisteswissenschaft dahin bringen lassen, daß sie den einzelnen Seelengliedern ihre entsprechenden Ideale zuerkennen, wird das eintreten, was das eigentliche Ideal des Menschenheiles und des harmonischen Zusammenlebens der Menschen auf der Erde sein kann. Denn der Mensch muß anstreben, für dasjenige, was vorzugsweise mit seiner Empfindungsseele zusammenhängt, für dasjenige, was er gewissermaßen auslebt im Umfang des physischen Planes, ein anderes Seelenideal zu haben als das, was er auslebt durch die Verstandes- oder Gemütsseele, und wiederum ein anderes Ideal für dasjenige, was er auslebt durch die Bewußtseinsseele. Durch das eine dieser Ideale wird das eine Seelenglied veredelt, durch das andere wird das andere Seelenglied veredelt. Wenn man das eine Seelenglied insbesondere durch die Brüderlichkeit der Menschen untereinander auf der Erde ausbildet, muß man das andere ausbilden durch die Freiheit, das dritte durch die Gleichheit. Diese drei Ideale beziehen sich jedes auf ein Seelenglied. Im Westen Europas wurde das alles durcheinandergebuttert, und es wurde durch die Rationalisten vereinfacht, durch diesen Rationalismus, der alles in glatten Formeln, in glatten Dogmen haben will, der alles verstandesklar haben will. Durch diesen Dogmatismus wurde die ganze Menschenseele einfach als eine genommen und von Freiheit, Brüderlichkeit, Gleichheit gesprochen. Da sehen wir, wie im Westen ein Grundnerv der Rationalisierung der Kultur darinsteckt. Und so könnten wir es bis in die Einzelheiten hinein nachweisen. Es können zum Beispiel gerade feingebildete Franzosen sich darüber aufhalten, wenn, sagen wir, in meinen Mysteriendramen die Sprache so gewählt ist, daß sogar fünffüßige Jamben, aber keine Reime verwendet sind. Der französische Geist kann das nicht begreifen, daß die innere Triebkraft der Sprache auf dieser Stufe den Reim nicht brauchen kann. Er strebt nach Systematisierung, nach dem, was äußerlich eine Umrahmung bildet, und er sagt: Verse kann man doch ohne Reim nicht machen!

[ 6 ] One must therefore understand, I said, that the human soul consists of these three parts; or rather, that the human self acts through these three aspects of the soul, just as light acts through the various shades of color, particularly in the three kingdoms: the mineral, plant, and animal kingdoms. Then one will come to realize that, because human beings possess these three soul nuances, they can—and indeed must, in the course of human progress—assign a great ideal to each of these soul nuances; that the ideal of these soul nuances is a great ideal, but each of these ideals is intended precisely for one of the soul nuances, not for the whole soul. And only when human beings allow themselves, through Spiritual Science, to recognize the corresponding ideals for the individual soul members will what can be the true ideal of human salvation and the harmonious coexistence of human beings on Earth come to pass. For human beings must strive to have a different soul ideal for that which is primarily connected with their feeling soul—for that which they, so to speak, live out within the scope of the physical plane—than the one they live out through the intellectual or emotional soul, and yet another ideal for that which they live out through the conscious soul. One of these ideals ennobles one aspect of the soul, while the other ennobles another aspect. If one cultivates one aspect of the soul particularly through the brotherhood of human beings on Earth, one must cultivate the other through freedom, and the third through equality. Each of these three ideals relates to a specific aspect of the soul. In Western Europe, all of this was muddled together, and it was simplified by the rationalists, by this rationalism that wants everything in neat formulas, in neat dogmas, that wants everything to be clear to the intellect. Through this dogmatism, the entire human soul was simply taken as one and spoken of in terms of freedom, brotherhood, and equality. Here we see how a fundamental impulse toward the rationalization of culture is embedded in the West. And we could demonstrate this in great detail. For example, highly educated French people in particular may take issue with the fact that, say, in my Mystery Dramas, the language is chosen in such a way that even five-foot iambs are used, but no rhymes. The French mind cannot comprehend that the inner driving force of language at this stage does not require rhyme. It strives for systematization, for what forms an external framework, and it says: “But one cannot write verse without rhyme!”

[ 7 ] So ist es aber auch mit dem äußerlichen Leben, so ist es mit allem. Man muß im Westen gliedern, systematisieren, man muß alles hübsch einschachteln. Bedenken Sie doch nur einmal, was für eine furchtbare Sache es war, wie im Beginn unseres geisteswissenschaftlichen Strebens dadurch, daß viele unserer Freunde noch beeinflußt waren von der englischen theosophischen Richtung, man in jedem Zweig, in den man kam, immer wieder alle möglichen Systeme auf Karten, Tafeln und so weiter aufgeschrieben finden konnte, oben, hübsch angeordnet: Atma, Buddhi, Manas, dann alle möglichen Dinge der Quere und der Länge nach, die man so systematisiert und eingeschachtelt hat. Bedenken Sie, wie man sich unter das Joch dieses Dogmatismus gebeugt hat und wie schwierig es war, die inneren Entwickelungsmethoden an seine Stelle zu setzen, wie wir sie in Mitteleuropa haben müssen: daß das eine aus dem andern hervorgeht, daß Begriffe im inneren Erleben vorwättsschreiten! Das Systematisieren, diese Eselsbrücken des Geistes, die alles in ganz bestimmte Formeln bringen, kann man nicht brauchen. Was hat es für Mühe gekostet, zu zeigen, daß man es zu tun hat mit einem Übergehen des einen in das andere, mit einem folgemäßigen Gliedern und Vorwätrtsschreiten, mit einem lebendigen organischen Gestalten! Ich könnte diese Schilderung auf alle Zweige des Lebens ausdehnen, doch da würden wir tagelang zusammenbleiben müssen.

[ 7 ] But this is also true of external life; it is true of everything. In the West, one must categorize and systematize; one must neatly box everything away. Just consider for a moment what a dreadful thing it was, at the beginning of our endeavors in Spiritual Science, that because many of our friends were still influenced by the English theosophical movement, in every branch one entered, one would repeatedly find all sorts of systems written down on cards, charts, and so on, neatly arranged at the top: Atma, Buddhi, Manas, then all sorts of things laid out crosswise and lengthwise, which had been systematized and boxed in like that. Consider how we bowed under the yoke of this dogmatism and how difficult it was to replace it with the inner methods of development that we must have in Central Europe: that one thing emerges from another, that concepts advance in inner experience! Systematization, these mnemonic devices of the mind that reduce everything to very specific formulas, is of no use. What effort it took to show that we are dealing with a transition from one thing to another, with a logical structuring and forward progression, with a living, organic shaping! I could extend this description to all branches of life, but then we would have to stay together for days on end.

[ 8 ] Das also finden wir im Westen als den einen Teil des Stromes, der Mitteleuropa einkreiste. Und wenn wir nach dem Osten herübergehen, so müssen wir sagen: Da haben wir es zu tun mit einer Sehnsucht, die gerade das Entgegengesetzte darbietet, mit der Sehnsucht, heute alles noch in einem Nebel von Unklarheiten verschwinden zu lassen, in einer primitiven, elementaren Mystik, in etwas, was nicht verträgt das unmittelbar wirkliche Aussprechen in klaren Ideen und klaren Worten. Wir haben tatsächlich zwei Schlangen — das Symbolum ist absolut zutreffend —, die sich, die eine von Norden nach Südosten, die andere von Norden nach Südwesten erstrecken und die sich gegen Konstantinopel hin ineinander verfangen. Und inmitten haben wir eingeschlossen, was wir die intime mitteleuropäische Geistesströmung nennen können, diese mitteleuropäische Geistesströmung, bei der niemals, wo sie in ihrer Ureigentümlichkeit auftritt, getrennt sein kann der Kopf von dem Herzen, getrennt sein kann das Denken von dem Fühlen.

[ 8 ] This, then, is what we find in the West as the one part of the current that encircled Central Europe. And when we turn to the East, we must say: there we are dealing with a longing that presents precisely the opposite—the longing to let everything vanish today into a fog of obscurity, into a primitive, elemental mysticism, into something that cannot tolerate the immediate, concrete expression of clear ideas and clear words. We do indeed have two serpents—the symbol is absolutely accurate—one extending from north to southeast, the other from north to southwest, and which become entangled with one another as they approach Constantinople. And enclosed within them is what we might call the intimate Central European spiritual current, this Central European spiritual current in which, wherever it appears in its original distinctiveness, the head can never be separated from the heart, nor thinking from feeling.

[ 9 ] An unserer Geisteswissenschaft bemerkt man das heute noch nicht völlig, weil gestrebt werden muß, wenn auch nicht nach begrifflicher Systematik, so doch nach Begriffen der Entwickelung. Man merkt noch nicht, daß alles, was da angestrebt wird, nicht nur Kopfschauen ist, sondern daß überall mit allem das Herz und die ganze Seele verbunden sind, daß immer das Herz durchströmt ist, indem der Kopf zum Beispiel die Übergänge schildert von Saturn zur Sonne, von der Sonne zum Mond, vom Mond zur Erde und so weiter, daß da überall das Herz mit dabei ist in der Schilderung, und man da im Tiefsten ergriffen sein kann, daß man mit allem herzmäßigen Fühlen in die höchsten Höhen hinaufsteigt und in die tiefsten Tiefen untertaucht und wieder aufsteigen kann. Das merkt man heute noch nicht, daß dasjenige, was nur scheinbar in Begriffen beschrieben ist, zugleich mit Herzblut geschrieben sein muß, wenn es mitteleuropäischem Geistesleben entsprechen will. Dieses intime Element der mitteleuropäischen Kultur vermag das Spirituelle nicht ohne das Ideelle, das Ideelle nicht mehr ohne das Spirituelle zu denken. Den Geist zu erkennen, um mit dem Geist in einer intimen Weise zu gleicher Zeit eine ArtVermählung der Seele einzugehen, dieses Moment ist es, das am intensivsten das mitteleuropäische Wesen charakterisiert. Daher kann dieses mitteleuropäische Wesen das, was bis in die tiefsten Tiefen der sinnlichen Anschauung und der sinnlichen Empfindung heruntersteigt, verwenden, um zum Symbol zu werden für das Allerhöchste. Und es ist tief bezeichnend, wenn Goethe, nachdem er sein ganzes Leben hindurch das Leben nicht nur des typischen Deutschen, sondern des typischen Menschen, das Leben des Faust vor seiner Seele hat vorbeirollen lassen, seine Dichtung schließt mit den Worten:

[ 9 ] This is not yet fully apparent in our Spiritual Science today, because we must strive—if not for a conceptual system—then at least for concepts of development. One does not yet realize that everything we strive for is not merely intellectual observation, but that the heart and the whole soul are connected to everything everywhere, that the heart is always permeated throughout—for example, when the mind describes the transitions from Saturn to the Sun, from the Sun to the Moon, from the Moon to the Earth, and so on—that the heart is present in the description everywhere, and that one can be deeply moved there, that one can ascend to the highest heights and dive into the deepest depths with all one’s heartfelt feeling, and then rise again. One does not yet realize today that what is only seemingly described in concepts must at the same time be written with the blood of the heart if it is to correspond to Central European spiritual life. This intimate element of Central European culture is unable to conceive of the spiritual without the ideal, nor the ideal without the spiritual. To recognize the spirit, and at the same time to enter into a kind of marriage of the soul with the spirit in an intimate way—it is this moment that most intensely characterizes the Central European essence. Therefore, this Central European essence can use that which descends into the deepest depths of sensory perception and sensation to become a symbol of the Most High. And it is deeply significant that Goethe, having let the life of not only the typical German but the typical human being—the life of Faust—unfold before his soul throughout his entire life, concludes his poem with the words:

Alles Vergängliche
Ist nur ein Gleichnis,

Everything that is fleeting
Is merely a parable,

[ 10 ] und als letzte Worte hat:

[ 10 ] and his last words were:

Das Ewig-Weibliche
Zieht uns hinan.

The Eternal Feminine
Draws us upward.

[ 11 ] Da wird ein kosmisches Geheimnis durch ein sinnliches Bild ausgedrückt, und gerade in diesem sinnlichen Bild spricht sich der intime Charakter der mitteleuropäischen Kultur aus, dieser wunderbar intime Charakter, den wir zum Beispiel so schön ausgedrückt finden, zart und zu gleicher Zeit geistig sich zum Höchsten erhebend gerade bei Novalis. Suchen Sie sich einmal die Übersetzungen, die man da und dort gemacht hat von diesem letzten Satz: «Das Ewig-Weibliche / Zieht uns hinan», namentlich die französischen Übersetzungen, dann werden Sie sehen, was aus diesem Satz geworden ist! Er ist ja allerdings oftmals gerade nicht schön von Franzosen erklärt worden, aber die zählen ja nicht, wenn es sich um Faust-Verständnis handelt.

[ 11 ] Here, a cosmic mystery is expressed through a sensual image, and it is precisely in this sensual image that the intimate character of Central European culture finds its expression—that wonderfully intimate character which we find so beautifully expressed, for example, in Novalis, who is at once delicate and spiritually elevated to the highest heights. Just look at the translations that have been made here and there of this last sentence: “The Eternal Feminine / Draws us upward,” particularly the French translations, and you will see what has become of this sentence! Admittedly, it has often been explained rather poorly by the French, but they don’t count when it comes to understanding Faust.

[ 12 ] Intimität des spirituellen Lebens, das ist es, worauf das mitteleuropäische Wesen im eminentesten Sinne hinzielt, und das ist dasjenige, was von der Midgardschlange im Osten und Westen eingeschlossen ist. Und so weit müssen wir gehen, um uns in unserem Empfinden ganz zu verbinden mit dem, was eigentlich geschieht! Dann werden wir gerade aus diesem mitteleuropäischen Wesen uns Objektivität aneignen, um nicht aus denselben Impulsen heraus, aus denen im Osten und Westen die Dinge beurteilt werden, sondern aus den wahrhaft übernationalen menschlichen Impulsen heraus stehen zu können zu unseren großen Ereignissen der Gegenwart. Dann werden wir einiges davon begreifen, warum die mitteleuropäische Bevölkerung so mißverstanden, ja gehaßt wird von denen, die sie umgeben. Selbstverständlich müssen wir das, was in Mitteleuropa für die gesamte Menschheit an Sendung vorhanden ist, mit aller Demut betrachten können. Wir müssen zu der Stimmung kommen können, die nicht sich überhebt, aber wir müssen auch den freien Blick uns sichern für das, was in Mitteleuropa zu verrichten ist.

[ 12 ] The intimacy of the spiritual life—that is what the Central European being strives for in the most profound sense, and that is what is enclosed by the Midgard Serpent in the East and West. And we must go that far in order to connect fully, in our innermost being, with what is actually happening! Then, precisely from this Central European essence, we will acquire objectivity, so that we may stand before the great events of our present not from the same impulses from which things are judged in the East and West, but from truly supranational human impulses. Then we will begin to understand why the Central European population is so misunderstood, even hated, by those who surround it. Of course, we must be able to view with all humility what Central Europe has to offer as a mission for all of humanity. We must be able to attain a mindset that does not become arrogant, yet we must also secure a clear view of what needs to be accomplished in Central Europe.

[ 13 ] Die mitteleuropäische Bevölkerung ist durchgegangen durch eine Volksseelenkraft, die immer eine verjüngende war. Sie hat eine Höhe erreicht in den Idealen der Lessing, Schelling, Hegel, Fichte, Goethe, Grimm. Aber all das, was da schon lebte, lebte mehr in einem Streben nach Idealismus. Das muß nun weiteres Leben gewinnen, konkreteres Leben gewinnen. Die tiefen Ideen des deutschen Idealismus müssen Inhalt bekommen durch das, was aus dem Spirituellen kommen kann, und wodurch sie erst aus bloßen Ideen zu lebendigen Wesen der geistigen Welt erhoben werden, durch die wir dann uns selbst in diese geistige Welt hineinfinden können. Die Größe der mitteleuropäischen Aufgabe ist es, die jetzt deutsche Herzen beseelen muß, und das Bewußtsein davon, was zu verteidigen ist nach allen Seiten hin, nach den Seiten hin, wo die Midgardschlange den Kreis fest umschlossen hält. Es ziemt insbesondere uns, die wir auf dem Boden der Geisteswissenschaft stehen, in einem solch höheren Sinne das zu betrachten, was heute sich wirklich vollzieht. Und wir können auch den innersten Impuls unserer Geisteswissenschaft nicht ernst genug nehmen, wenn wir uns nicht hineinfinden in eine solch unpersönliche Auffassung des geisteswissenschaftlichen Strebens, wenn wir nicht fühlen, wie dieses geisteswissenschaftliche Streben in jedem einzelnen verbunden ist mit dem gesamten mitteleuropäischen Streben, wie es verbunden sein muß mit der ganzen Substantialität dieses mitteleuropäischen Strebens. Wir müssen uns klar sein darüber, daß manches von dem, was uns vorschweben muß, erst noch im Keim vorhanden ist, daß aber gerade die mitteleuropäische Kultur dazu berufen ist, die Keime zu Blüten und zu Früchten sich entfalten zu lassen.

[ 13 ] The Central European population has been imbued with a national spirit that has always been rejuvenating. It reached its zenith in the ideals of Lessing, Schelling, Hegel, Fichte, Goethe, and Grimm. But all that which already existed there lived more in a striving toward idealism. This must now gain further life, gain a more concrete life. The profound ideas of German idealism must be given substance through that which can come from the spiritual realm, and through which they are first elevated from mere ideas to living beings of the spiritual world, through which we can then find our way into this spiritual world ourselves. The greatness of the Central European task is what must now inspire German hearts, and the awareness of what must be defended on all sides, toward those sides where the Midgard Serpent holds the circle tightly closed. It is especially fitting for us, who stand on the ground of Spiritual Science, to view what is truly taking place today in such a higher sense. And we cannot take the innermost impulse of our Spiritual Science seriously enough if we do not find our way into such an impersonal conception of the spiritual-scientific striving, if we do not feel how this spiritual-scientific striving is connected in each individual with the entire Central European striving, as it must be connected with the whole substance of this Central European striving. We must be clear that much of what we must envision is still only present in embryonic form, but that Central European culture, in particular, is called upon to allow these seeds to unfold into blossoms and fruits.

[ 14 ] Dafür sei nur ein Beispiel angeführt. Wenn der Mensch versucht, nach und nach durch seine Meditation und Konzentration, durch das intime Arbeiten an der Entwickelung seiner Seele sich vorwätrtszubringen, dann nehmen alle Seelenkräfte eine andere Form an, als sie im gewöhnlichen Leben haben. Dann werden gewissermaßen die Seelenkräfte zu etwas anderem. Wenn der Mensch wirklich emsig an seiner Entwickelung arbeitet, durch Gedankenkonzentration und anderes, wie es in dem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» dargestellt ist, so kommt der Mensch dazu, zu begreifen, lebendig zu begreifen, ich möchte sagen, lebendig zu ergreifen, daß er dann in dem Augenblick, in welchem er der wirklichen geistigen Welt sich nähert, nicht mehr so denkt, wie man im gewöhnlichen Leben denken muß. Im gewöhnlichen Leben denkt man so, daß die Gedanken anfangen in einem zu leben. Wenn man der Sinnenwelt gegenübersteht, da weiß man: Das bin ich, und das Ich hat die Gedanken. Man verbindet einen Gedanken mit dem andern und bildet sich dadurch ein Urteil, man bringt die Gedanken zusammen und läßt sie auseinandergehen. Ich habe in meiner Schrift, die betitelt ist «Die Schwelle der geistigen Welt», das Entwickeln der Gedanken verglichen mit einem Hineinstecken des Kopfes in eine Welt von lebendigen Wesenheiten. Die Gedanken fangen an, innerlich zu kribbeln und zu krabbeln, sie werden, wenn ich so sagen darf, lebendige Wesenheiten, und wir sind es nicht mehr, die einen Gedanken zum andern bringen, sie gehen, der eine zum andern, der eine faßt den andern und löst sich vom andern los, das Gedankenleben fängt an, lebendig zu werden. Erst dann, wenn die Gedanken gleichsam anfangen, Hülsen und Behälter zu werden, die sich im kleinen Raum zusammenziehen und dann wiederum groß, sackartig sich ausdehnen, dann können die Wesen der höheren Hierarchien hineinschlüpfen in unsere Gedanken, dann erst! Also unser Eigenleben, das ganze Denken ändert sich, wenn wir in die geistige Welt uns einleben. Dann beginnt man wahrzunehmen, wie auf den andern Planeten nicht Menschen wie auf der Erde, sondern andere Wesenheiten leben, wie die andern Planeten von andern Wesenheiten bevölkert sind. Diese andern Wesenheiten der andern Planeten, die dringen gleichsam in unser lebendig gewordenes Denken ein, und wir denken nicht mehr über die Wesenheiten der andern Welten und Weltensphären, sondern die leben in uns, sie leben mit unserem Selbst vereint. Das Denken ist also eine ganz andere Seelenkraft geworden; es hat sich von dem Punkt, auf dem es stand, entwickelt zu einer andern Seelenkraft, zu jener Kraft, die über uns selbst hinauswirkt und hinauswächst und mit der Welt identisch wird, welche die geistige Welt ist.

[ 14 ] Let me give just one example. When a person tries to make progress little by little through meditation and concentration, through intimate work on the development of their soul, then all the soul’s powers take on a different form than they do in ordinary life. Then, in a sense, the soul forces become something else. When a person truly works diligently on their development, through concentration of thought and other means, as described in the book *How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?* , then the person comes to understand—to grasp vividly, I would say, to experience vividly—that at the very moment they approach the real spiritual world, they no longer think as one must in ordinary life. In ordinary life, one thinks in such a way that thoughts begin to live within one. When facing the sensory world, one knows: This is me, and the ‘I’ has the thoughts. One connects one thought with another and thereby forms a judgment; one brings the thoughts together and lets them drift apart. In my book titled *The Threshold of the Spiritual World*, I compared the unfolding of thoughts to sticking one’s head into a world of living beings. Thoughts begin to tingle and crawl within; they become, if I may say so, living beings, and it is no longer we who bring one thought to another; they move from one to the other, one grasps the other and detaches itself from the other—the life of thought begins to come alive. Only then, when thoughts, as it were, begin to become shells and vessels that contract within a small space and then again expand, sack-like, only then can the beings of the higher hierarchies slip into our thoughts—only then! Thus our own life, our entire thinking, changes when we settle into the spiritual world. Then one begins to perceive how, on the other planets, not humans as on Earth, but other beings live; how the other planets are populated by other beings. These other beings of the other planets, so to speak, penetrate our now-living thinking, and we no longer think about the beings of the other worlds and spheres of existence, but they live within us, united with our own self. Thinking has thus become a completely different soul force; it has developed from the point where it stood into a different soul force, into that force which acts and grows beyond ourselves and becomes one with the world, which is the spiritual world.

[ 15 ] Da haben wir ein Beispiel von dem, was der Menschheit aufgehen muß, wenn sie den Zustand, in dem sie jetzt lebt, für die Erdenzukunft zu einem höheren entwickeln soll. Das muß wirklich Gemeingut werden, daß solches Denken möglich ist, und daß nur durch solches Denken der Mensch mit der geistigen Welt Bekanntschaft machen kann. Dazu braucht nicht jeder Mensch ein Geistesforscher zu werden, ebensowenig wie jeder ein Chemiker zu werden braucht, der die Errungenschaften der Chemie verstehen will. Doch wenn es auch nur wenig Geistesforscher geben kann, jeder kann durch unbefangenes Denken die Wahrheit dessen einsehen und begreifen, was der Geistesforscher sagt. Aber das muß klarwerden, daß im Menschen während des Lebens unbemerkte Seelenkräfte liegen, die, wenn der Mensch durch die Pforte des 'T’odes tritt, von selbst auch zu dem werden, was sie bei einem Initiierten werden. Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes tritt, wird das Denken eine ganz andere Seelenkraft: sie greift ein in die Wesenheit. Es ist ein fortwährendes Ausstrecken von Fühlhörnern, und die höheren Welten sind in diesen Fühlhörnern darinnen, und man erlebt sie selbst.

[ 15 ] Here we have an example of what humanity must come to realize if it is to develop the condition in which it now lives into a higher one for the future of the Earth. It must truly become common knowledge that such thinking is possible, and that it is only through such thinking that human beings can become acquainted with the spiritual world. To this end, not everyone needs to become a spiritual researcher, just as not everyone needs to become a chemist to understand the achievements of chemistry. Yet even if there are only a few spiritual researchers, everyone can, through unbiased thinking, perceive and grasp the truth of what the spiritual researcher says. But it must become clear that there are soul forces within the human being that remain unnoticed during life, which, when the human being passes through the gate of death, of their own accord become what they become in an initiate. When the human being passes through the gate of death, thinking becomes a completely different soul force: it intervenes in the being. It is a constant reaching out of antennae, and the higher worlds are within these antennae, and one experiences them oneself.

[ 16 ] Nun gab es einen tonangebenden Geist des 19. Jahrhunderts, der so recht durch seine Geistreichigkeit — denn geistreich war er — beigetragen hat zur Begründung der materialistischen Weltanschauung: Ludwig Feuerbach. Er hat ein Buch geschrieben «Gedanken über Tod und Unsterblichkeit», und es ist interessant, an einer Stell e dieses Buches folgendes zu lesen. Da sagt Feuerbach etwa: Das Höchste, was der Mensch entwickeln kann bei sich, das sind seine Gedanken. Höhere Seelenkräfte kann er nicht entwickeln als die Gedanken. Könnte er höhere Seelenkräfte als die Gedanken entwickeln, so würde ja in seinen Kopf hineindringen können dasjenige, was von den Bewohnern der Sternenwelten lebt, und er würde statt der Gedanken die Wirkungen und Taten der Wesenheiten, die auf den Planeten sind, im Kopfe haben. — Das kommt diesem Ludwig Feuerbach so absurd vor, daß er natürlich jeden für seelenkrank hält, der überhaupt von so etwas spricht. Denken Sie, wie interessant das ist, daß ein Mensch, der gerade deshalb Materialist wird, weil er höhere Seelenkräfte ablehnt, darauf kommt, wie die Seelenkraft ist, die die Höherentwickelung des Denkens darstellt. Er beschreibt sie sogar, aber er hat eine so heillose Furcht, eine so heillose Angst vor dieser Entwickelung, daß gerade, weil sie so sein müßte, wie er ahnt, er diese Seelenkraft für eine Unmöglichkeit, für Phantasterei erklärt.

[ 16 ] There was, however, a leading intellectual figure of the 19th century who, through his wit—for he was indeed witty—contributed significantly to the establishment of the materialist worldview: Ludwig Feuerbach. He wrote a book titled *Thoughts on Death and Immortality*, and it is interesting to read the following passage from this book. There Feuerbach says, for example: The highest thing a human being can develop within himself is his thoughts. He cannot develop higher spiritual powers than thoughts. If he could develop higher soul forces than thoughts, then that which lives among the inhabitants of the starry worlds could penetrate his mind, and instead of thoughts, he would have in his mind the effects and deeds of the beings that are on the planets. — This seems so absurd to Ludwig Feuerbach that he naturally considers anyone who speaks of such things at all to be mentally ill. Consider how interesting it is that a person who becomes a materialist precisely because he rejects higher soul forces should arrive at an understanding of the nature of the soul force that constitutes the higher development of thought. He even describes it, but he has such a hopeless fear, such a hopeless dread of this development, that precisely because it must be as he suspects, he declares this spiritual power to be an impossibility, a fantasy.

[ 17 ] So nahe ist die Geistesentwickelung im 19. Jahrhundert dem, was angestrebt werden muß, aber so ferne zugleich ist sie, weil sie zwar gleichsam hingestoßen wird aus dem Inneren zu dem, was angestrebt werden soll, aber nicht in das Tiefere hinein kann, da sie es als absurd ansehen muß, da sie sich davor wirklich fürchtet, ganz kolossal fürchtet. Sobald es ihr nur aufstößt, was da kommen soll, fürchtet sie sich. Zu sich kommen muß das mitteleuropäische Geistesleben, dann werden wir es erlangen, daß aus diesem mitteleuropäischen Geistesleben heraus gerade das sich entwickelt, was die Furcht überwindet. Zu stark ist dasjenige geworden, was dieses mitteleuropäische Geisteslicht unterdrücken will.

[ 17 ] Spiritual development in the 19th century is so close to what must be strived for, yet at the same time so far removed from it, because although it is, as it were, propelled from within toward what should be strived for, it cannot penetrate into the deeper realms, since it must regard them as absurd, since it truly fears them—fears them colossally. As soon as it even senses what is to come, it is afraid. Central European spiritual life must come to its senses; then we will achieve that which, emerging from this Central European spiritual life, will overcome this fear. That which seeks to suppress this Central European spiritual light has become too strong.

[ 18 ] Dafür seien auch einige Beispiele genannt. Hegel, der deutsche Philosoph, hat vergebens seine Stimme erhoben gegen die Überschätzung Newtons. Wenn Sie heute irgendeinen Physiker sprechen hören — Sie können das, was ich sage, in vielen populären Werken nachlesen —, dann werden Sie hören: Newton ist der große Tonangeber der Gravitationslehre, einer Lehre, durch die der Kosmos erst erklärlich geworden sei. — Hegel hat gesagt: Was hat denn eigentlich Newton getan? — Er hat das, was Kepler, der deutsche Astronom, ausgesprochen hat, in mathematische Formeln gekleidet. Denn es ist nichts in Newtons Werken enthalten, was Kepler nicht schon gesagt hat. Kepler hat aus jener Anschauung heraus geschaffen, bei der gewissermaßen die ganze Seele wirkt, nicht nur der Kopf allein. Newton aber hat das Ganze hineingebracht in ein System und dadurch allerlei Mißgriffe gemacht, zum Beispiel die Lehre von einer Wirkung der Sonne in die Ferne, die für die Beurteilung der Planetenbewegung nicht brauchbar ist. Bei Newton ist es wirklich so, wie wenn die Sonne physische Arme hätte, und diese Arme ausstreckte und die Planeten anziehe. — Aber vergeblich hat der deutsche Philosoph davor gewarnt, daß die mitteleuropäische Kultur von der britischen Kultur auf diesem Gebiet überschwemmt werde.

[ 18 ] Let me give a few examples to illustrate this. Hegel, the German philosopher, raised his voice in vain against the overestimation of Newton. If you listen to any physicist today—you can read what I am saying in many popular works—you will hear: Newton is the great authority on the theory of gravity, a theory through which the cosmos first became explainable. — Hegel said: What did Newton actually do? — He clothed what Kepler, the German astronomer, had expressed in mathematical formulas. For there is nothing in Newton’s works that Kepler had not already said. Kepler created from that perspective in which, so to speak, the whole soul is at work, not just the head alone. Newton, however, brought the whole thing into a system and thereby made all sorts of mistakes, for example, the doctrine of the sun’s action at a distance, which is of no use for assessing planetary motion. With Newton, it is truly as if the sun had physical arms, and these arms were stretched out to attract the planets. — But the German philosopher warned in vain that Central European culture would be overwhelmed by British culture in this field.

[ 19 ] Um ein anderes Beispiel zu erwähnen: Goethe hat eine Farbenlehre begründet, die ganz aus dem mitteleuropäischen Denken heraus entstanden ist und die man erst begreifen wird, wenn man ein wenig die Zusammenhänge erkennen wird des Physischen mit dem Geistigen. Die Welt hat nicht die Goethesche Farbenlehre angenommen, sondern die Newtonsche Farbenlehre. — Goethe hat eine Evolutionslehre begründet. Die Welt hat sie nicht begriffen, sondern sie hat erst das angenommen, was in einer populär-materialistischen Weise im Darwinismus als Evolutionslehre, als Entwickelungslehre gegeben worden ist. Man kann sagen: Sich besinnen auf die Kräfte, die der mitteleuropäische Mensch hat, der von der Midgardschlange eingekreist ist, das ist es, worauf es ankommt, sich nicht zu beugen unter das, was an Rationalismus und Empirismus hereingebracht wird!

[ 19 ] To give another example: Goethe established a theory of colors that arose entirely from Central European thought and that can only be understood once one begins to recognize the connections between the physical and the spiritual. The world has not adopted Goethe’s theory of colors, but rather Newton’s. — Goethe established a theory of evolution. The world has not grasped it, but has instead accepted only what has been presented in a popularly materialistic way in Darwinism as a theory of evolution, as a theory of development. One might say: To reflect on the powers possessed by the Central European human being, who is encircled by the Midgard Serpent—that is what matters, not to bow down to what is brought in by rationalism and empiricism!

[ 20 ] Sie sehen die kolossale Aufgabe, die vorliegt, Sie sehen die Größe des Ideals. Es wird gar nicht bemerkt, weil es noch, ich möchte sagen, im Strom der Erscheinungen verfließt, wenn man einmal das mitteleuropäische Wesen geltend macht. Ich weiß nicht, von wievielen das Folgende bemerkt worden ist. Als aus den Gründen, die auch gestern im öffentlichen Vortrag genannt wurden, unsere geisteswissenschaftliche Bewegung sich von der spezifisch britischen Richtung der Theosophischen Gesellschaft frei machen mußte und als vor langer Zeit das gewissermaßen im Geistigen vorausgeschehen ist, was jetzt im Kriege sich vollzieht — und aus guten Gründen vorausgegangen, vorausgeschehen ist —, habe ich dazumal an Symptomen die ganze Sache besprochen und erklärt. Es gibt törichte Menschen, welche urteilen wollen über das, was unsere geisteswissenschaftliche Bewegung ist. und oftmals gesagt haben: Nun ja, auch diese mitteleuropäische geisteswissenschaftliche Bewegung ist ja von dem ausgegangen, was sie von der britischen theosophischen Bewegung bekommen hat. Da möchte ich doch daran erinnern, daß ich erzählt habe — ich sage das nicht aus persönlichen Gründen, sondern weil es die Lage, den ganzen Nerv der Sache an einem Symptom charakterisiert —, wie ich, bevor ich irgendwie einen äußeren Zusammenhang hatte mit der britisch-theosophischen Bewegung, in Berlin Vorträge gehalten habe, die dann gedruckt wurden in meiner Schrift «Die Mystik im Aufgange des neuzeitlichen Geistesleben». In dieser Schrift wird kein Mensch etwas von irgendeinem Einfluß vom Westen finden, sondern da ist rein aus dem mitteleuropäischen Geistesleben heraus alles entwickelt, aus der spirituellen, mystischen Bewegung von Meister Eckart bis zu Angelus Silesius. Und als ich das erste Mal nach London gekommen bin, hat dazumal eine der Koryphäen der’Theosophischen Gesellschaft, Mr. Mead, der das Buch gelesen hat, das gleich in vielen Kapiteln ins Englische übersetzt worden ist, gesagt, in diesem Buche stehe eigentlich die ganze Theosophie darin. — So weit, als die Leute zugegeben haben, daß sie mit uns gehen können, so weit konnten wir selbstverständlich uns mit der ganzen Sache vereinigen; aber etwas anderes ist auch nicht gemacht worden.

[ 20 ] You see the colossal task that lies before us; you see the grandeur of the ideal. It goes completely unnoticed because it is still, I might say, lost in the flow of events, once the Central European essence is asserted. I do not know how many have noticed what follows. When, for the reasons also mentioned yesterday in the public lecture, our movement in Spiritual Science had to free itself from the specifically British orientation of the Theosophical Society, and when, long ago, what is now unfolding in the war had, so to speak, already taken place in the spiritual realm—and had preceded and taken place for good reasons—I discussed and explained the whole matter at that time on the basis of certain signs. There are foolish people who wish to pass judgment on what our Spiritual Science movement is, and who have often said: Well, this Central European Spiritual Science movement, too, did indeed originate from what it received from the British Theosophical Movement. I would like to remind you, however, that I have recounted—I say this not for personal reasons, but because it characterizes the situation, the very essence of the matter, through a single symptom—how, before I had any external connection with the British Theosophical Movement, I gave lectures in Berlin that were later published in my work *Mysticism at the Dawn of Modern Spiritual Life*. In this work, one will find no trace of any Western influence; rather, everything is developed purely from Central European spiritual life, from the spiritual, mystical movement of Meister Eckhart to Angelus Silesius. And when I first came to London, one of the leading figures of the Theosophical Society at the time, Mr. Mead, who had read the book—which had already been translated into English in many chapters—said that this book actually contained the whole of Theosophy. — To the extent that people admitted they could go along with us, we were of course able to unite with the whole matter; but nothing else was done either.

[ 21 ] Das ist es, worauf es ankommt: daß wir uns besinnen auf unsere Aufgaben der mitteleuropäischen Geisteskultur und daß wir niemals von ihnen abweichen! Man hat von dieser oder jener Seite den Engländern die Orden zurückgeschickt, die Diplome und dergleichen. Das ist vielleicht doch das weniger Wichtige. Das Wichtige wird erst sein, wenn man den Newtonismus, den englisch gefärbten Darwinismus zurückschickt, das heißt, das mitteleuropäische Geistesleben davon befreit. Und dafür ist einiges zu lernen aus der Art, wie — frei von allen andern Einflüssen — das mitteleuropäische Geistesleben eben als Geisteswissenschaft sich geltend gemacht hat. Aber man muß sich darauf besinnen, muß das Wesentliche einmal ins Auge fassen und muß fest auf diesem Boden stehen. Es ist sehr eigentümlich, wie geheimnisvoll die Dinge eigentlich wirken.

[ 21 ] This is what matters: that we remain true to our duties toward Central European intellectual culture and that we never stray from them! From one side or the other, people have sent back the medals, diplomas, and the like to the English. Perhaps that is the less important matter. What will be important is only when we send back Newtonianism and English-tinged Darwinism—that is, when we liberate Central European spiritual life from them. And for this, there is much to be learned from the way in which—free from all other influences—Central European spiritual life has asserted itself precisely as Spiritual Science. But one must reflect on this, must take the essential into account, and must stand firmly on this ground. It is very peculiar how mysterious things actually appear.

[ 22 ] Denken Sie doch nur einmal den folgenden Fall: Ernst Haeckel hat im Grunde genommen sein ganzes Leben hindurch sich bemüht, die deutsche Weltanschauung in Bahnen zu lenken, die ganz beeinflußt sind von britischem Denken, von britischem Wesen. In Ernst Haeckels Schriften fließt ganz das britische Denken, der britische Empirismus. Und jetzt wettert er am allermeisten gegen England. Das sind Vorgänge, die sich im Unterbewußten der Seele des Mitteleuropäers vollziehen; das sind auch Dinge, die in einer solchen Seele mit dem Karma eng zusammenhängen. Denken Sie einmal, was es heißt, wenn Haeckel sich hinstellt vor die Welt und sagt, er selbst habe die erste große Tat des großen Forschers Huxley vollbracht, indem er den Satz von der Ähnlichkeit des Menschenknochen mit dem Tierknochen prägte; wie er, Haeckel, dann hingewiesen hat auf den großen Umschwung in der Auffassung von der Abstammung des Menschen, und wie er in die Evolutionslehre nichts hereinnahm als das, was aus dem Westen kam und wenn man dann sieht, wie er jetzt gedrängt wird, zu wettern gegen dasjenige, was sein ganzes Geistesleben gebildet hat. Es ist das tragischste Ereignis der Gegenwart für eine solche Seele, das sich nur denken läßt. Es ist geistiger Dynamit, denn es zersprengt eigentlich alle Grundsäulen, auf denen eine solche Seele steht.

[ 22 ] Just consider the following case: Throughout his entire life, Ernst Haeckel essentially strove to steer the German worldview in directions that were entirely influenced by British thought and the British character. British thought and British empiricism flow through Ernst Haeckel’s writings. And now he rails most vehemently against England. These are processes taking place in the subconscious of the Central European soul; they are also things closely connected to karma in such a soul. Just consider what it means when Haeckel stands before the world and says that he himself accomplished the first great deed of the great researcher Huxley by coining the phrase about the similarity of human bones to animal bones; how he, Haeckel, then pointed to the great shift in the conception of human descent, and how he incorporated into the theory of evolution nothing but what came from the West—and when one then sees how he is now being pressured to rail against that very thing which has shaped his entire spiritual life. It is the most tragic event of the present day imaginable for such a soul. It is intellectual dynamite, for it effectively shatters all the pillars upon which such a soul stands.

[ 23 ] Und so sieht man hinein in die Tiefen desjenigen, was sich eigentlich gegenwärtig vollzieht, aber auch in das Furchtbare, auf das wir aufmerksam sein müssen. Nur dann, wenn man wirklich die Dinge so betrachtet, wird man in die Lage kommen, sie über den engen Hotrizont hinaus, unter dem sie heute häufig betrachtet werden, einmal ins Auge zu fassen. Man wird vor allen Dingen eine große Lehre ziehen können — und das wird die schönste, zugleich die demütigendste und erhabenste Lehre sein, die Lehre von dem, wozu der waltende, wirkende, wesende Weltengeist den mitteleuropäischen Menschen bestimmt hat, der jetzt, umschlungen von der Midgardschlange, wie in einer Festung eingeschlossen ist, allüberall von Feinden umgeben. Wenn uns dasjenige, was geschieht, zum großen Symbolum wird für tiefstes Weltenweben und Weltenwesen, dann erst kommen wir frei von einer selbstischen Auffassung der schweren, schicksaltragenden Ereignisse der Gegenwart. Und dann werden wir erst fühlen, wie wir uns würdig machen müssen dessen, was etwa Fichte auch in einer Zeit, in der Deutschland in schicksaltragenden Tagen stand, gesprochen hat in den «Reden an die deutsche Nation», wo er sprechen wollte, wie er sich ausdrückt, «für Deutsche schlechtweg, von Deutschen schlechtweg», und in der Richtung sprach, in der man dazumal sprechen mußte vom Deutschen schlechtweg zum Deutschen schlechtweg. Aber wie Fichte dazumal von alledem gesprochen hat, was die deutsche Mission, der deutsche Pflichtenkreis ist, so ist das Schwere, das wir heute erleben innerhalb der Einschließung durch hassende Feinde, dasjenige, was wir erleben müssen als den Sonnenaufgang des mitteleuropäischen Bewußtseins. In der Tat darf ein Wort, das sich in Fichtes Reden am Schluß findet, heute umgesetzt werden dahin, daß gesagt wird: Zu der Menschheit Heil muß die spirituelle Weltanschauung einfließen in die Seelen. Und auf diejenigen, die in Mitteleuropa wohnen, auf die sieht hin der Weltengeist, daß sie Sprachrohr werden für dasjenige, was er der Menschheit in fortlaufender Offenbarung zu sagen und zu bringen hat.

[ 23 ] And so one looks into the depths of what is actually taking place at the moment, but also into the terrible things to which we must remain alert. Only when one truly views things in this way will one be able to take them in, looking beyond the narrow horizon within which they are so often viewed today. Above all, one will be able to draw a great lesson—and this will be the most beautiful, yet at the same time the most humbling and sublime lesson: the lesson of what the ruling, active, essential world spirit has destined for the Central European people, who are now, entwined by the Midgard Serpent, enclosed as in a fortress, surrounded on all sides by enemies. Only when what is happening becomes for us a great symbol of the deepest workings and essence of the world will we be freed from a self-centered view of the grave, fateful events of the present. And only then will we feel how we must make ourselves worthy of what Fichte, for instance, also spoke of in a time when Germany stood in fateful days, in the “Addresses to the German Nation,” where he wished to speak, as he puts it, “for Germans pure and simple, of Germans pure and simple,” and spoke in the manner in which one had to speak at that time—simply of Germans, simply to Germans. But just as Fichte spoke at that time of all that constitutes the German mission, the German sphere of duty, so too is the hardship we experience today, surrounded by hostile enemies, precisely what we must experience as the dawn of Central European consciousness. Indeed, a phrase found at the end of Fichte’s speeches may be applied today to mean that it is said: For the salvation of humanity, the spiritual worldview must flow into the souls. And the world spirit looks to those who dwell in Central Europe to become the mouthpiece for what it has to say and bring to humanity in continuous revelation.

[ 24 ] Ohne Hochmut, ohne Überhebung, ohne nationalen Egoismus kann man also auf dasjenige, was mit Leib und Blut und Seele die Söhne Deutschlands und Mitteleuropas überhaupt zu verteidigen haben, hinschauen. Doch muß man sich auch dessen bewußt werden. Dann allein kann aus den ungeheuren Opfern, die gebracht werden müssen, aus den Leiden, die erfließen, folgen, was zu der Menschheit Heil ist. Denn wir stehen an einer wichtigen Schwelle, an einer bedeutungsvollen Schwelle, und man könnte diese Schwelle in der Menschheitsentwickelung so charakterisieren, daß man sagt: In der Zukunft muß der Abgrund überbrückt werden zwischen dem Physischen und dem Geistigen, zwischen dem physisch Lebendigen und dem geistig Lebendigen, zwischen dem Irdischen und dem, was jenseits des irdischen Todes liegt. Die Zeit muß gewissermaßen über uns kommen, wo uns nicht nur die Seelen lebendig sind, die im physischen Leibe herumwandeln, sondern wo wir uns eingegliedert fühlen jener größeren Welt, der auch angehören die Seelen, die zwischen Tod und neuer Geburt entkörpert in der Welt leben, die wir im großen Stile die unsrige nennen. Hinausgerichtet werden muß der Blick der Menschen über das, was nur sinnlich-physische Augen sehen können. An der Schwelle zu diesem neuen Erleben, zu diesem neuen Bewußtsein stehen wir in der Tat. Und was ich Ihnen sagte von dem Erweitern des Bewußtseins, von dem Höherhinaufentwickeln des Bewußtseins, das muß eine geläufige Anschauung werden. Die mitteleuropäische Kultur ist vorbereitet dazu, dies zu einer geläufigen Anschauung zu machen; sie ist wirklich dazu vorbereitet.

[ 24 ] Without arrogance, without hubris, without national egoism, one can thus look upon that which the sons of Germany and Central Europe as a whole must defend with their very lives, blood, and souls. But one must also become aware of this. Only then can what is beneficial to humanity emerge from the immense sacrifices that must be made and from the suffering that ensues. For we stand at an important threshold, at a significant threshold, and one could characterize this threshold in human development by saying: In the future, the gulf must be bridged between the physical and the spiritual, between the physically living and the spiritually living, between the earthly and that which lies beyond earthly death. The time must, so to speak, come upon us when not only are the souls alive who walk about in physical bodies, but when we feel ourselves integrated into that greater world to which also belong the souls who, disembodied between death and new birth, live in the world we broadly call our own. People’s gaze must be directed beyond what only sensory-physical eyes can see. We are indeed standing on the threshold of this new experience, of this new consciousness. And what I told you about the expansion of consciousness, about the development of consciousness toward higher levels—this must become a common view. Central European culture is prepared to make this a common view; it is truly prepared for it.

[ 25 ] Ich habe Ihnen gezeigt, wie sich beste Geister des 19. Jahrhunderts heute noch fürchten, das in ihr Bewußtsein hineinzubekommen, was die Seele in ihren Tiefen hat; nur kann sie von ihren irdischen Seelenkräften aus die Aufmerksamkeit noch nicht darauf verwenden. Jenes Denken ist ja da, in welches hineinreichen die übersinnlichen Kräfte und übersinnlichen Wesenheiten, und dieses Denken öffnet sich auch sogleich, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes gegangen ist. Die Materialisten fürchten sich davor, sich zu gestehen, daß das menschliche Bewußtsein also erweitert werden könne, daß wirklich die Schranke zwischen dem physischen und dem geistigen Erleben fallen kann, zwischen dem, was diesseits des Todes und jenseits des Todes liegt. Und weil sie sich fürchten, lehnen sie es ab als phantastisch, träumerhaft, ja sogar als seelenkrank. Aber erkennen wird man, daß der Mensch, wenn er durch die Pforte des Todes geschritten ist, nur die Kräfte entwickelt, die er auch jetzt schon hat zwischen Geburt und Tod. Nur wirken sie in solchen Tiefen, daß er sie selber nicht schaut. Sie bewirken Dinge in ihm, die zwar getan werden in ihm, aber auf die im gewöhnlichen Leben die Aufmerksamkeit nicht gelenkt wird. Mit den Kräften, von denen der Mensch weiß, mit diesen Kräften des Denkens, Fühlens und Wollens allein könnte das physisch-irdische Leben nicht verrichtet werden. Wenn der Mensch nur denken, fühlen und wollen könnte, so wie er es jetzt kann, würde er niemals imstande sein, seinen Leib zum Beispiel plastisch so auszubilden, daß das Gehirn zu seinen Anlagen paßte. Dazu mußten plastisch bildende Kräfte eingreifen. Die gehören aber schon zu dem, was die Seele gar nicht mehr wahrnimmt im physischen Erleben, was einem umfassenderen Bewußtsein angehört als dem Kreisausschnitt des Bewußtseins, den wir im gewöhnlichen Leben haben.

[ 25 ] I have shown you how even the finest minds of the 19th century still fear, even today, to bring into their consciousness what lies in the depths of the soul; yet, drawing solely on their earthly spiritual powers, they are not yet able to direct their attention toward it. That realm of thought is indeed there, into which the supersensible forces and supersensible beings reach, and this realm of thought opens up immediately when a person has passed through the gate of death. Materialists are afraid to admit to themselves that human consciousness can thus be expanded, that the barrier between physical and spiritual experience—between what lies on this side of death and beyond death—can truly fall. And because they are afraid, they reject it as fantastical, dreamlike, even as a sign of mental illness. But one will come to realize that when a person has passed through the gate of death, they merely develop the powers they already possess between birth and death. They simply operate at such depths that the person cannot perceive them. They bring about things within them that are indeed taking place, but to which attention is not directed in ordinary life. Physical-earthly life could not be carried out with the powers of which a person is aware—with these powers of thinking, feeling, and willing alone. If a person could only think, feel, and will as they do now, they would never be able, for example, to shape their body in such a way that the brain would fit their predispositions. For this, formative powers had to intervene. But these already belong to what the soul no longer perceives in physical experience, to a consciousness that is more comprehensive than the limited sphere of consciousness we have in ordinary life.

[ 26 ] Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes tritt, dann hat er nicht Mangel an Bewußtsein, sondern dann lebt er zunächst in einem Bewußtsein, welches viel reicher und inhaltvoller ist als das Bewußtsein hier im physischen Leben. Denn von einem umfassenderen Bewußtsein schneidet der Leib ein Stück heraus und zeigt alles das, was gezeigt werden kann, dazu noch alles nur im Spiegel. Das aber, was im Leibe steckt und was der Mensch durch die Pforte des Todes trägt, das hat in der Tat in sich ein umfassendes Bewußtsein. Und wenn der Mensch durch die Pforte des Todes getreten ist, dann ist er in diesem umfassenden Bewußtsein darin. Er hat nicht zu wenig, sondern im Gegenteil zu viel, zu reiches Bewußtsein, wenn er durch die Pforte des Todes geht. Darüber habe ich gesprochen in meinem Wiener Zyklus an Ostern 1914. Der Mensch hat ein reicheres Bewußtsein nach dem Tode, und wenn er eine Zeitlang, nachdem jene durch den Ätherleib bewirkte, oft geschilderte Rückschau vorbei ist, in eine Art Schlafzustand eintritt, so ist das nicht ein wirklicher Schlafzustand, sondern ein Zustand, der dadurch herbeigeführt wird, daß der Mensch in einem reicheren Bewußtsein darin ist als hier. Und wie durch überreiches Licht, durch eine Überfülle des Lichtes unsere Augen geblendet werden, so ist der Mensch geblendet durch die Überfülle des Bewußtseins, und er muß sich erst orientieren lernen. Der scheinbare Schlaf besteht nur darin, daß der Mensch in dieser Überfülle des Bewußtseins so sich orientiere, daß er dann die Überfülle des Bewußtseins herabstimmen kann zu dem, was er schon ertragen kann nach den Ergebnissen seines Lebens. Das ist das Wesentliche. Nicht zu wenig, sondern zu viel Bewußtsein haben wir, und wir wachen dann auf, wenn wir unser Orientierungsvermögen herabgestimmt haben auf das, was wir ertragen können. Es ist also ein Herabdämpfen bis zum ertragbaren Grade der Überfülle des Bewußtseins, was nach dem Tode eintritt. Solche Dinge müssen Sie sich durch die Einzelheiten des Wiener Zyklus klarmachen.

[ 26 ] When a person passes through the gate of death, they do not lack consciousness; rather, they initially live in a state of consciousness that is far richer and more profound than the consciousness experienced here in physical life. For the body cuts out a fragment of a more comprehensive consciousness and shows only what can be shown—and even then, only as a reflection. But what lies within the body and what a person carries through the gate of death actually possesses a comprehensive consciousness within itself. And when a person has passed through the gate of death, they are within this comprehensive consciousness. They do not have too little, but on the contrary, too much, too rich a consciousness when they pass through the gate of death. I spoke about this in my Vienna lecture series at Easter 1914. A person has a richer consciousness after death, and when, some time after that often-described review brought about by the etheric body has passed, they enter a kind of sleep-like state, this is not a true state of sleep, but a state brought about by the fact that the person is in a richer consciousness there than here. And just as our eyes are dazzled by an abundance of light, by an overflow of light, so is the human being dazzled by the overflow of consciousness, and they must first learn to orient themselves. This apparent sleep consists solely in the person orienting themselves within this abundance of consciousness in such a way that they can then attune the abundance of consciousness down to what they can already bear according to the results of their life. That is the essential point. We have not too little, but too much consciousness, and we awaken when we have adjusted our ability to orient ourselves to what we can bear. What occurs after death is thus a dampening of the abundance of consciousness down to a bearable degree. You must make such things clear to yourselves through the details of the Vienna Cycle.

[ 27 ] Ich will es heute nur veranschaulichen an zwei uns naheliegenden Beispielen. Ich könnte viele solche Beispiele anführen, denn es sind ja in letzter Zeit und auch schon früher aus dem Kreise unserer Freunde viele durch die Pforte des Todes gegangen. Aber durch die besondere Eigenart der Umstände, gerade dadurch, daß es sich um letzte Tode handelt, liegen gewissermaßen diese Betrachtungen näher, und ich möchte von solchen Beispielen ausgehen, um Ihnen von dem zu sprechen, was so nahe unserem Herzen gehen kann, weil es in unserer eigenen Mitte geschehen ist aus dem Kreise unserer geisteswissenschaftlichen Bewegung.

[ 27 ] Today I would like to illustrate this with just two examples close to home. I could cite many such examples, for many of our friends have passed through the gates of death, both recently and in the past. But due to the particular nature of the circumstances—precisely because these are final deaths—these reflections are, so to speak, more immediate, and I would like to use such examples as a starting point to speak to you about what can touch our hearts so deeply, because it has happened in our own midst, within the circle of our Spiritual Science movement.

[ 28 ] Vor kurzem haben wir vom physischen Plane eine liebe Freundin verloren, und es war meine Aufgabe, bei der Einäscherung Worte zu sprechen für die durch die Pforte des Todes hindurchgegangene Seele. Da war es so, daß es sich mir durch die in einem solchen Falle deutlich genug sprechenden Impulse der geistigen Welt wie von selbst als eine Notwendigkeit ergab, die Seeleneigentümlichkeit dieser befreundeten Seele zu charakterisieren. Wir standen also — es war in Zürich — vor der Einäscherung eines lieben Mitgliedes unserer geisteswissenschaftlichen Bewegung. Wirklich, ohne daß ich es gewollt habe, ist mir in der damals etwas längeren Zeit, die zwischen dem Eintritt des Todes an einem Mittwochabend und der Einäscherung am Montag früh verflossen war — es ist begreiflich, daß die Rückschau durch den Ätherleib schon aufgehört hatte —, aus der geistigen Welt heraus die Notwendigkeit gekommen, zu beginnen und zu schließen die Worte, die ich am Sarge zu sprechen hatte, mit Worten, welche charakterisieren sollten das innere Wesen dieser Seele. Dieses innere Wesen der in der Lebensmitte dahingegangenen Freundin war wirklich so, daß man sich in dieses Wesen vertiefen mußte und durch Identifizierung mit demselben es innerlich geistig schaffen, das heißt also, das Denken untertauchen lassen mußte in die Seele der Verstorbenen und dasjenige, was in der Seele der Verstorbenen webte, in die eigenen Gedanken hineinHießen lassen. Dann bekam man die Möglichkeit, gleichsam im Hinblick auf diese Seele zu sagen, wie die Seele war im Leben und wie sie jetzt nach dem Tode noch ist. Und es hat sich von selbst ergeben, das in die folgenden Worte einzukleiden. Ich mußte am Beginn und am Schluß der Einäscherung die folgenden Worte sagen:

[ 28 ] We recently lost a dear friend from the physical plane, and it fell to me to speak at the cremation on behalf of the soul that had passed through the gate of death. It so happened that, through the impulses of the spiritual world—which speak clearly enough in such a case—it seemed to me, as if of its own accord, a necessity to characterize the distinctive nature of this dear friend’s soul. So there we stood—it was in Zurich—before the cremation of a dear member of our Spiritual Science movement. Truly, without my intending it, during the somewhat longer period that had elapsed between the onset of death on a Wednesday evening and the cremation on Monday morning—it is understandable that the soul’s review through the etheric body had already ceased— the need arose from the spiritual world to begin and conclude the words I was to speak at the coffin with words that would characterize the inner essence of this soul. This inner essence of the friend who had passed away in the prime of life was truly such that one had to immerse oneself in this essence and, through identification with it, create it inwardly and spiritually; that is to say, one had to let one’s thinking sink into the soul of the deceased and allow what was weaving within the soul of the deceased to flow into one’s own thoughts. Then one was able, as it were, with regard to this soul, to describe what the soul was like in life and what it is still like now after death. And it arose naturally to clothe this in the following words. I had to say the following words at the beginning and at the end of the cremation:

Du tratest unter uns.
Deines Wesens bewegte Sanftmut
Sprach aus Deiner Augen stiller Kraft
Ruhe, die seelenvoll belebt,
Floß in den Wellen,
Mit denen Deine Blicke
Zu Dingen und zu Menschen
Deines Innern Weben trugen;
Und es durchseelte dieses Wesen
Deine Stimme, die beredt
Durch des Wortes Art mehr
Als in dem Worte selbst
Offenbarte, was verborgen
In Deiner schönen Seele weset;
Doch das hingebender Liebe
Teilnahmsvoller Menschen
Sich wortlos voll enthüllte — —
Dies Wesen, das von edler, stiller Schönheit
Der Welten-Seelen-Schöpfung
Empfänglichem Empfinden kündete.

You walked among us.
The gentle grace of your being
Spoke of the quiet power in your eyes
A peace that enlivens the soul,
Flowed in the waves,
With which your gaze
To things and to people
Carried the weaving of your inner self;
And it permeated this being
Your voice, which eloquently
Through the manner of the word more
Than in the word itself
Revealed what lay hidden
In your beautiful soul;
Yet the devoted love
Of sympathetic people
Revealed itself fully, wordlessly — —
This being, which, with noble, quiet beauty
Proclaimed to the creation of the world’s soul
A receptivity of feeling.

[ 29 ] So ergab sich das Wesen dieser Seele durch die Identifikation mit der Seele in den Tagen vor der Einäscherung, nachdem die Rückschau durch den Ätherleib vorbei war. Die Seele hatte noch nicht die Möglichkeit gefunden, in dem Übermaße des Bewußtseins sich zu orientieren. Sie war also gewissermaßen schlafend, als der Leib der Einäscherung gegenüberstand. Die Einäscherungsrede war gesprochen — am Anfang und am Schlusse diese Worte. Dann war es, daß die Flamme — das, was so aussieht wie die Flamme, es aber nicht ist — den Körper ergriff, und während der Körper ergriffen wurde von diesem, was aussieht wie die Flamme, was aber nur die aufsteigende Wärme und Hitze ist, da war es, daß wie ein Augenblick des Erwachens über die Seele kam. Und jetzt konnte man sehen, wie die Seele zurückblickte auf die ganze Szene, die sich abgespielt hatte unter den Menschen, die bei der Einäscherung waren. Und ganz besonders blickte sie zurück, diese Seele, auf das, was gesprochen worden ist, dann wiederum begann das ja natürliche Zurücksinken in die Überfülle des Bewußtseins, man kann sagen: in die Bewußtlosigkeit. Später war ein Moment wahrzunehmen, wo wiederum ein solches Zurückblicken da war. Das dauert dann immer längere Zeit, bis endlich ein vollständiges Orientieren in der Überfülle des Bewußtseins da sein kann.

[ 29 ] Thus, the nature of this soul emerged through its identification with the soul in the days leading up to the cremation, after the review through the etheric body had ended. The soul had not yet found a way to orient itself within the excess of consciousness. It was, so to speak, asleep as the body faced cremation. The cremation speech had been delivered—these words at the beginning and at the end. Then it was that the flame—that which looks like a flame but is not—seized the body, and while the body was seized by this, which looks like a flame but is only the rising warmth and heat, it was then that a moment of awakening came over the soul. And now one could see how the soul looked back upon the entire scene that had unfolded among the people who were present at the cremation. And this soul looked back in particular upon what had been spoken; then again began the natural sinking back into the overflow of consciousness—one might say: into unconsciousness. Later, a moment could be perceived when such a looking back occurred again. This then lasts for an ever-longer time, until finally a complete orientation within the abundance of consciousness can take place.

[ 30 ] Aber ein Wichtiges kann man daraus ersehen. Es zeigte sich nämlich, daß dieser Seele dadurch, daß bei der Einäscherung Worte gesprochen worden sind, die aus ihrer eigenen Seele gekommen sind, diese Worte ihr selbst entzündeten den Rückblick, daß sie etwas Erweckendes hatte in diesen Worten. Und daraus kann man lernen, daß es zum Allerwichtigsten gehört nach dem Tod, sein eigenes Erleben zu überschauen. Gewissermaßen beginnen muß man nach dem Tod mit der Selbsterkenntnis. Hier im Erdenleben kann man die Selbsterkenntnis ja missen, man kann sie so stark missen, daß wahr ist, was ein nicht gewöhnlicher Mensch, auch nicht ein gewöhnlicher Literat, sondern ein berühmter Professor der Philosophie, Dr. Ernst Mach — nicht Ferdinand Maack, den würde ich nicht erwähnen —, in seiner «Analyse der Empfindungen», einem sehr berühmten Werk, etwa mit den Worten bekennt: Als junger Mensch ging ich einmal über die Straße und sah plötzlich in einem Spiegel einen Menschen, der mir entgegenkam. Ich dachte: Welch ein unsympathisches, widerwärtiges Gesicht. Wie erstaunt war ich, als ich entdeckte, daß ich mein eigenes Gesicht im Profil gesehen hatte. — Er hatte also sein eigenes Gesicht gesehen, das er so wenig kannte, daß er dieses Urteil fällen konnte. Und derselbe Professor erzählt, wie es ihm später passiert sei, als er schon ein berühmter Professor der Philosophie war, daß er nach einer langen Reise recht ermüdet in einen Omnibus gestiegen sei, da wäre von der andern Seite auch ein Mann eingestiegen — gegenüber hing ein großer Spiegel —, und er gesteht seine Gedanken ganz aufrichtig, indem er sagt, er habe gedacht: Was steigt denn da für ein herabgekommener unsympathischer Schulmeister ein? — Und wieder erkannte er sich selbst, und er fügt hinzu: Also kannte ich den Gattungshabitus besser als den eigenen. — Das ist ein schönes Beispiel dafür, wie wenig sich der Mensch schon seiner äußeren Gestalt nach im Leben kennt, wenn er nicht gerade eine kokette Frau ist, die oft in den Spiegel sieht. — Aber viel, viel weniger kennt man seine seelischen Eigentümlichkeiten. An denen geht man viel mehr vorbei. Ein berühmter Philosoph der Gegenwart kann man ohne Selbsterkenntnis werden. Aber der Mensch braucht diese Selbsterkenntnis, wenn er durch die Pforte des Todes geschritten ist.

[ 30 ] But one important thing can be gleaned from this. It became apparent, in fact, that because words were spoken during the cremation that came from her own soul, these very words sparked in her a sense of reflection—that there was something awakening within those words. And from this we can learn that one of the most important things after death is to survey one’s own experiences. In a sense, one must begin with self-knowledge after death. Here in earthly life, one may indeed lack self-knowledge, one can lack it so greatly that what a man who was no ordinary person—nor merely an ordinary writer, but a famous professor of philosophy, Dr. Ernst Mach—not Ferdinand Maack, whom I would not mention—confesses in his *Analysis of Sensations*, a very famous work, is true: As a young man, I was once walking down the street and suddenly saw in a mirror a person coming toward me. I thought: What an unsympathetic, repulsive face. How astonished I was when I discovered that I had seen my own face in profile. — He had thus seen his own face, which he knew so little that he could pass this judgment. And the same professor recounts how it happened to him later, when he was already a famous professor of philosophy, that after a long journey he boarded a bus quite exhausted; a man also boarded from the other side—there was a large mirror opposite—and he confesses his thoughts quite sincerely, saying that he had thought: “What kind of shabby, unsympathetic schoolmaster is getting on here?”—And once again he recognized himself, and he adds: “So I knew the typical appearance of the species better than my own.”—This is a fine example of how little a person knows himself in life, even based on his outward appearance, unless he happens to be a coquettish woman who often looks in the mirror. — But one knows one’s psychological peculiarities far, far less. One overlooks them much more. One can become a famous contemporary philosopher without self-knowledge. But a person needs this self-knowledge once they have passed through the gate of death.

[ 31 ] Der Mensch muß also zurückschauen gerade auf den Punkt seiner Entwickelung, von welchem er durch den Tod geschritten ist, und er muß sich da erkennen. Sowenig wie der Mensch, der im physischen Leben steht und mit den gewöhnlichen Kräften des Lebens zurückschaut, jemals seine eigene Geburt erblicken kann, sowenig diese jemals vor den gewöhnlichen Kräften der Seele steht — es gibt ja keinen Menschen, der durch die gewöhnlichen Seelenkräfte auf die physische Geburt zurückschauen kann —, so notwendig ist es, daß in jedem Augenblick der Moment des Todes da ist, auf den man zurückblickt. Der Tod steht immer vor Augen als das letzte bedeutende Ereignis. Dieser Tod ist von der andern Seite gesehen, von jenseits des Todes gesehen, etwas ganz anderes als von der physischen Seite. Er ist das schönste Erlebnis, das überhaupt erblickt werden kann von der andern Seite, von der Seite des Lebens zwischen Tod und neuer Geburt. Er ist dasjenige, was erscheint als das glorreiche Bild des ewigen Sieges des Geistigen über das Physische. Und er ist dadurch, daß er als solches Bild erscheint, der stetige Erwecker der höchsten Kräfte der Menschennatur, wenn diese Menschennatur im geistigen Erleben zwischen Tod und neuer Geburt ist. Daher kommt es, daß die Seele, wenn sie zurückschaut, wenn sie zurückzuschauen trachtet, zunächst auf sich selbst schauen muß. Gerade bei diesen Fällen, die wir zuletzt durchgemacht haben, war es so klar, wodurch der’Trieb entstand, diese Seele noch besonders zu charakterisieren, um ihr entgegenzukommen in diesem Drang, beim Zurückblicken sich in Selbsterkenntnis vor sich zu haben. So wirkt das sogenannte Lebendige mit dem sogenannten Toten zusammen. Und immer mehr und mehr wird solche Korrespondenz kommen von sogenannten Lebendigen zu den sogenannten Toten.

[ 31 ] Human beings must therefore look back precisely to the point in their development from which they have passed through death, and they must recognize themselves there. Just as a person living in the physical world, looking back with the ordinary powers of life, can never perceive their own birth—just as this birth never stands before the ordinary powers of the soul (for there is no one who can look back to their physical birth through the ordinary powers of the soul)— so it is necessary that at every moment the moment of death be present, to which one looks back. Death always stands before one’s eyes as the last significant event. This death, seen from the other side, seen from beyond death, is something entirely different from what it is on the physical side. It is the most beautiful experience that can be beheld at all from the other side, from the side of life between death and new birth. It is that which appears as the glorious image of the eternal victory of the spiritual over the physical. And because it appears as such an image, it is the constant awakener of the highest powers of human nature when that human nature is in the spiritual experience between death and new birth. This is why, when the soul looks back, when it seeks to look back, it must first look upon itself. Precisely in these cases we have recently experienced, it was so clear what gave rise to the impulse to characterize this soul in a special way, in order to meet her in this urge to have herself before her in self-knowledge when looking back. Thus the so-called living interacts with the so-called dead. And such correspondence will come more and more from the so-called living to the so-called dead.

[ 32 ] Ein anderer Fall, den wir in der letzten Zeit erlebten, ist der unseres lieben Freundes Fritz Mitscher. Wenn Fritz Mitschet auch den hiesigen Freunden weniger bekannt ist, so hat er doch unter vielen andern Anthroposophen gewirkt durch seine Vorträge, durch das, was er von Freund zu Freund in wunderbarer Weise geleistet hat durch die Art, wie er sich hineinfand in das anthroposophische Leben, so daß gerade seine Art angesprochen werden muß als mustergültig, als vorbildlich, vorbildlich aus dem Grunde, weil er, dessen Seelenkräfte darauf gerichtet waren, eine gelehrte Bildung durchzumachen und in sich aufzunehmen, bestrebt war, alles das, was er bemüht war, zu sammeln nach seiner Anlage durch Gelehrtheit, zu umfassen durch die intime Art seines Seelenlebens, es dann aber in seine geisteswissenschaftliche Weltanschauung einzufügen. Diese Art des Wirkens, sie brauchen wir insbesondere, indem wir in segensreicher Weise der Zukunft dasjenige entgegentragen wollen, was die geisteswissenschaftlichen Ideale sind. Menschen brauchen wir, welche mit Verständnis zu durchdringen versuchen, was Zeitbildung ist, um es einzutauchen in den Strom der spirituellen Bildung; die gewissermaßen das Opfer darbringen, die Zeitbildung einzutauchen in den Strom des Spirituellen. Auch da — und ich spreche ja nur von Dingen, die sich durch das Karma mit Notwendigkeit ergeben haben — hat es das Karma mit sich gebracht, daß ich bei der Einäscherung zu sprechen hatte. Und auch da, aus innerer Notwendigkeit heraus hat es sich ergeben, das Wesen unseres lieben Freundes wieder zu charakterisieren am Anfang und am Ende der Einäscherungsrede. Und ich mußte dieses Wesen also charakterisieren:

[ 32 ] Another case we have experienced recently is that of our dear friend Fritz Mitscher. Although Fritz Mitscher may be less well known to our local friends, he has nevertheless made an impact on many other anthroposophists through his lectures, through what he has accomplished in a wonderful way from friend to friend, and through the way he immersed himself in anthroposophical life, so that his approach in particular must be described as exemplary, exemplary for the very reason that he, whose soul forces were directed toward undergoing and absorbing a scholarly education, strove to encompass all that he sought to gather through his scholarly aptitude—in accordance with his nature—through the intimate nature of his soul life, and then to integrate it into his worldview based on Spiritual Science. This kind of work is what we need in particular, as we seek to carry forward into the future, in a blessed way, what the ideals of Spiritual Science are. We need people who seek to penetrate with understanding what modern culture is, in order to immerse it in the stream of spiritual culture; who, in a sense, make the sacrifice of immersing modern culture in the stream of the spiritual. Here too—and I am speaking only of things that have arisen out of necessity through karma—karma has brought it about that I had to speak at the cremation. And here too, out of inner necessity, it arose that I should characterize the being of our dear friend again at the beginning and at the end of the cremation speech. And so I had to characterize this being:

Eine Hoffnung, uns beglückend:
So betratest Du das Feld,
Wo der Erde Geistesblüten,
Durch die Kraft des Seelenseins,
Sich dem Forschen zeigen möchten.

Lautrer Wahrheitliebe Wesen
War Dein Sehnen urverwandt;
Aus dem Geisteslicht zu schaffen,
War das ernste Lebensziel,
Dem Du rastlos nachgestrebt.

Deine schönen Gaben pflegtest Du,
Um der Geist-Erkenntnis hellen Weg
Unbeirrt vom Welten-Widerspruch
Als der Wahrheit treuer Diener
Sichern Schrittes hinzuwandeln.

Deine Geistorgane übtest Du,
Daß sie tapfer und beharrlich
An des Weges beide Ränder
Dir den Irrtum drängten
Und Dir Raum für Wahrheit schufen.

Dir Dein Selbst zur Offenbarung
Reinen Lichtes zu gestalten,
Daß die Seelen-Sonnenkraft
Dir im Innern machtvoll strahle,
War Dir Lebenssorg’ und Freude.

Andre Sorgen, andre Freuden,
Sie berührten Deine Seele kaum,
Weil Erkenntnis Dir als Licht,
Das dem Dasein Sinn verleiht,
Als des Lebens wahrer Wert erschien.

Eine Hoffnung, uns beglückend
So betratest Du das Feld,
Wo der Erde Geistesblüten
Durch die Kraft des Seelenseins
Sich dem Forschen zeigen möchten.

Ein Verlust, der tief uns schmerzt,
So entschwindest Du dem Feld,
Wo des Geistes Erdenkeime
In dem Schoß des Seelenseins
Deinem Sphärensinne reiften.

Fühle, wie wir liebend blicken
In die Höhen, die Dich jetzt
Hin zu andrem Schaffen rufen.
Reiche den verlaß’nen Freunden
Deine Kraft aus Geistgebieten.

Höre unsrer Seelen Bitte,
Im Vertrau’n Dir nachgesandt:
Wir bedürfen hier zum Erdenwerk
Starker Kraft aus Geistes-Landen,
Die wir toten Freunden danken.

Eine Hoffnung, uns beglückend,
Ein Verlust, der tief uns schmerzt:
Laß uns hoffen, daß Du ferne-nah
Unverloren unsrem Leben leuchtest
Als ein Seelen-Stern im Geistbereich.

A hope that brings us joy:
Thus you entered the field,
Where the spirit’s blossoms on Earth,
Through the power of the soul,
Wish to reveal themselves to the seeker.

Your longing was deeply connected
To those who love truth;
To create from the light of the spirit,
Was the solemn goal of life,
Which you pursued tirelessly.

You cultivated your beautiful gifts,
To walk the bright path of spiritual knowledge
Unperturbed by the world’s contradictions
As a faithful servant of truth
To walk with sure steps.

You exercised your spiritual faculties,
So that, brave and persistent,
On both sides of the path
They pushed error away from you
And created space for truth.

To shape your self into a revelation
Of pure light,
So that the soul’s solar power
Might shine powerfully within you,
Was your life’s concern and joy.

Other concerns, other joys,
They scarcely touched your soul,
Because knowledge, as light,
That gives meaning to existence,
Appeared as the true value of life.

A hope that brings us joy
Thus you entered the field,
Where the spirit-blossoms of the earth
Through the power of soul-being
Wish to reveal themselves to inquiry.

A loss that pains us deeply,
Thus you vanish from the field,
Where the spirit’s earthly seeds
In the bosom of soul-being
Matured in your sphere of perception.

Feel how we gaze lovingly
Toward the heights that now
Call us onward to other work.
Extend to the departed friends
Your strength from the realms of the spirit.

Hear our souls’ plea,
Sent to you in trust:
We need here for our earthly work
Strong power from the lands of the spirit,
For which we thank our departed friends.

A hope that brings us joy,
A loss that pains us deeply:
Let us hope that, far yet near,
You shine upon our lives, never lost,
As a soul-star in the spiritual realm.

[ 33 ] In der Nacht darauf war es bei der im übrigen noch durchaus nicht zur Orientierung gekommenen Seele so, daß sie von sich aus wie eine Antwort etwas zurückgab, was zusammenhängt mit den Zeilen, die bei der Einäscherung an ihr Wesen gerichtet waren. Solche Worte wie diese, sie sind so gesprochen, daß die eigene Seele wahrhaftig sie niederschreibt, ohne viel dazu tun zu können. Durch Orientierung an der fremden Seele, aus der fremden Seele heraus sind sie geschrieben. Und es war mir ganz unbewußt, absolut unbewußt, daß zwei Strophen in einer ganz besonderen Weise gebaut sind, bis ich hörte von der durch die Pforte des Todes gegangenen Freundesseele die Worte:

[ 33 ] That night, the soul—which, incidentally, had by no means yet found its bearings—responded of its own accord, as if in answer, with something connected to the words that had been addressed to its essence during the cremation. Words like these are spoken in such a way that one’s own soul truly writes them down without being able to do much about it. They are written through orientation toward the foreign soul, from within the foreign soul. And it was completely unconscious to me, absolutely unconscious, that two stanzas are constructed in a very special way, until I heard the words from the soul of a friend who had passed through the gate of death:

Mir mein Selbst zur Offenbarung
Reinen Lichtes zu gestalten,
Daß die Seelen-Sonnenkraft
Mir im Innern machtvoll strahle,
War mir Lebenssorg’ und Freude.

Andre Sorgen, andre Freuden,
Sie berührten meine Seele kaum,
Weil Erkenntnis mir als Licht,
Das dem Dasein Sinn verleiht,
Als des Lebens wahrer Wert erschien.

To shape my self into a revelation
Of pure light,
So that the soul’s solar power
Might shine powerfully within me,
Was my life’s concern and joy.

Other cares, other joys,
They scarcely touched my soul,
For knowledge appeared to me as light,
That gives meaning to existence,
As the true value of life.

[ 34 ] Jetzt erst konnte ich wissen, warum diese Strophen so gebaut sind; sie sind von mir genau so gesprochen, daß es heißt:

[ 34 ] Only now did I realize why these verses are structured this way; I recited them exactly as they are written:

Dir Dein Selbst zur Offenbarung
Reinen Lichtes zu gestalten,
Daß die Seelen-Sonnenkraft
Dir im Innern machtvoll strahle,
War Dir Lebenssorg’ und Freude.

To shape yourself into a revelation
Of pure light,
So that the soul’s solar power
May shine powerfully within you,
Was your life’s care and joy.

[ 35 ] Aber jedes Dir kam in Mir, jedes Dein kam in Mein zurück; so umgeändert, also von der Seele über ihr eigenes Wesen ausgesprochen, kamen sie zurück.

[ 35 ] But every “you” came into Me, every “yours” returned to Me; thus transformed, thus spoken by the soul through its own being, they returned.

[ 36 ] Das ist ein Beispiel, wie die Korrespondenz stattfindet, wie das gegenseitige Verhältnis in der Zeit nach dem Tode schon besteht zwischen der Welt hier und der Welt dort. Daß dieses Bewußtsein in die Menschenseelen eindringe, das ist mit dem Sinn unserer geisteswissenschaftlichen Bewegung verknüpft. Daß uns die Welt auch derjenigen, die zwischen dem Tod und einer neuen Geburt leben, zu einer Welt wird, in der wir uns mit ihnen darinnen wissen, das wird Geisteswissenschaft der Menschheit geben und so die Welt erweitern aus dem engen Bereich der Wirklichkeit, in der der Mensch vorläufig steht. Das aber hängt innig mit dem zusammen, was in Mitteleuropa sein soll. Und wer gut zugehört hat, der wird gerade in den an Fritz Mitschers Seele gerichteten Worten finden, was mit diesem Sinne unserer geisteswissenschaftlichen Bewegung tief zusammenhängt, denn aus einer tiefen inneren Notwendigkeit sind die Worte gesprochen:

[ 36 ] This is an example of how this correspondence takes place, of how the mutual relationship between the world here and the world there already exists in the time after death. That this awareness may penetrate human souls is linked to the purpose of our Spiritual Science movement. That the world of those who live between death and a new birth may become a world in which we know ourselves to be with them—this is what Spiritual Science will give to humanity, thereby expanding the world beyond the narrow realm of reality in which human beings currently stand. But this is intimately connected with what is to be in Central Europe. And whoever has listened carefully will find, precisely in the words addressed to Fritz Mitcher’s soul, what is deeply connected with this purpose of our Spiritual Science movement, for the words are spoken out of a deep inner necessity:

Höre unsrer Seelen Bitte,
Im Vertrau’n Dir nachgesandt:
Wir bedürfen hier zum Erdenwerk
Starker Kraft aus Geistes-Landen,
Die wir toten Freunden danken.

Hear the plea of our souls,
Sent to you in trust:
For our earthly work here,
We need the strong power from the realms of the spirit,
For which we thank our departed friends.

[ 37 ] Es ist manchmal, wenn auch nicht der Wirklichkeit nach, so doch den vorübergänglichen Zeiten nach so, daß man zweifeln kann, ob die Seelen, die im Fleische verkörpert sind hier auf dieser Erde, genügend dasjenige zum Menschen- und Erdenheil wirklich tun werden, was wirklich notwendig gemacht werden muß an geistiger Erfassung der Welt. Aber derjenige, der voll und lebendig in der geisteswissenschaftlichen Bewegung darinsteht, der kann auch aus dem Grunde nicht verzweifeln, weil er weiß, daß hineinwirken in den Strom, in dem wir im Leibe stehen, die Kräfte derjenigen, die hinaufgestiegen sind in die geistigen Welten, nachdem sie hier sich stärker gefühlt haben dadutch, daß sie Geisteswissenschaft in sich aufgenommen haben. Und es ist wie ein Sich-Verständigen mit einer Freundesseele, die durch die Pforte des Todes gegangen ist, wenn man ihr nachruft, was man der Kraft des Freundes verdanken kann für eine geistige Bewegung; wenn man sich gleichsam mit ihr verständigen kann, um vereint zu bleiben mit ihren Kräften, so daß wir sie immer unter uns haben, so daß sie immer unter uns fortwirkt. Nicht bloß, daß wir Ideen und Begriffe und Vorstellungen in der Geisteswissenschaft aufnehmen, nicht bloß darum handelt es sich, sondern daß wir eine Bewegung, eine Geistesbewegung hier auf Erden schaffen, in die wir wirklich die spirituellen Kräfte hineinbringen.

[ 37 ] It is sometimes the case—though not in reality, but rather in terms of the times that have passed—that one might doubt whether the souls incarnated here on earth will truly do enough for the good of humanity and the earth in terms of the spiritual understanding of the world that is truly necessary. But those who are fully and actively engaged in the spiritual scientific movement cannot despair for this reason, because they know that the forces of those who have ascended into the spiritual worlds—having strengthened themselves here by taking Spiritual Science into themselves—are working into the stream in which we stand in the body. And it is like communicating with the soul of a friend who has passed through the gate of death, when one calls out to her what one owes to the friend’s power for a spiritual movement; when one can, as it were, communicate with her in order to remain united with her forces, so that we always have her among us, so that she continues to work among us. It is not merely a matter of taking in ideas, concepts, and mental images in Spiritual Science; it is not merely about that, but rather that we create a movement, a spiritual movement here on earth, into which we truly bring the spiritual forces.

[ 38 ] Es liegt uns ja gerade in diesem Moment nahe, aus den Empfindungen heraus, die vielleicht unsere hiesigen Freunde beseelen, die Gedanken zu richten nach der Seele desjenigen, der immer seine Kräfte diesem Zweige gewidmet hat. Daß wir uns auch mit ihm verbunden fühlen wollen, daß wir vereinigt mit seinen Kräften uns wissen wollen, nachdem er durch die Pforte des Todes gegangen ist, dazu erheben wir uns von den Sitzen. Die Leipziger Freunde wissen ja alle, von welcher befreundeten Seele ich spreche, und sie haben gewiß ihre Gedanken bewegten Herzens an diese Seele gerichtet.

[ 38 ] It seems only natural to us at this very moment, inspired by the sentiments that may be stirring in our friends here, to turn our thoughts to the soul of the one who has always devoted his energies to this branch of our work. That we too may feel connected to him, that we may know ourselves united with his powers even after he has passed through the gates of death—for this we rise from our seats. Our friends in Leipzig all know of the dear soul of whom I speak, and they have surely turned their thoughts, with moved hearts, toward this soul.

[ 39 ] Das sind die Vorstellungen gewesen, welche Ihrem Gemüt nahezubringen, heute, da wir zusammensein durften, mir oblag. Beseelt waren sie, diese Worte, von dem Bewußtsein, daß die schweren und schicksaltragenden Tage, in denen wir leben, abgelöst werden müssen wiederum von solchen, die friedevoll über die Erde gehen werden, in denen die Kräfte des Friedens wirken werden. Aber bei der Art, wie vieles, vieles stark umgestaltet werden wird durch das, was jetzt geschieht im Erden-Menschheitsleben, ja, umgestaltet werden muß, müssen wir, die wir uns zur Geisteswissenschaft bekennen, ganz besonders eingedenk sein, wieviel darauf ankommt, daß sich auf dem Boden, für den so viel Blut fließt, für den so oft jetzt Seelen durch die Pforte des Todes gehen, auf dem so viele Väter und Mütter, Brüder und Schwestern, Söhne und Töchter trauern, sich vollziehen muß, was sich vollziehen kann durch diejenigen, deren Seelen durchleuchtet sein können von den zukunftsicheren Gedanken der Geisteswissenschaft.

[ 39 ] These were the mental images I felt it was my duty to share with you today, now that we have had the opportunity to be together. These words were inspired by the awareness that the difficult and fateful days in which we live must be succeeded by days that will pass peacefully over the earth, in which the forces of peace will be at work. But given the extent to which so much will be profoundly transformed by what is now happening in the life of humanity on earth, indeed, must be transformed, we who profess Spiritual Science must be particularly mindful of how much depends on the fact that on the soil for which so much blood is shed, for which souls now so often pass through the gate of death, on which so many fathers and mothers, brothers and sisters, sons and daughters, must take place what can be accomplished by those whose souls may be illuminated by the future-assured thoughts of Spiritual Science.

[ 40 ] Ja, es werden aufsteigen müssen von dem Erdenboden in die geistigen Höhen hinauf diejenigen Gedanken, welche aus dem Bewußtsein des lebendigen Zusammenhanges der Menschenseele mit der geistigen Welt kommen. Es werden diese geistigen Welten jetzt Seelen betreten, und es werden geistige Kräfte sein, die gerade durch unsere schicksalschweren Tage hervorgebracht werden. Bedenken Sie, wie viele in der Blüte ihrer Jahre in dieser Zeit durch die Pforte des Todes gehen! Bedenken Sie, daß die Ätherleiber dieser Menschen, die zwischen dem zwanzigsten und dreißigsten Jahr, zwischen dem dreißigsten und vierzigsten Jahr durch die Pforte des Todes gehen, Ätherleiber sind, die noch durch Jahrzehnte hindurch hier im physischen Leben den Leib hätten versorgen können. Diese Ätherleiber werden getrennt von den physischen Leibern, sie behalten aber die Kräfte noch in sich, um hier für die physische Welt zu wirken. Diese Kräfte werden weiter walten in den geistigen Welten, getrennt von den unverbraucht durch die Pforte des Todes gegangenen Ätherleibern. Strahlend hell wird zum spirituellen Heil und Fortschritt der Menschheit die Geistigkeit aus den unverbrauchten Ätherleibern der Heldenkämpfer kommen. Aber begegnen wird sich müssen dasjenige, was da herunterströmt, mit dem, was an Gedanken von den Seelen herausströmen kann, die sie geistbewußt durch Geisteswissenschaft werden haben können, Daher dürfen wir die Gedanken, die wir uns heute vor die Seele geführt haben, zusammenfassen in einige Worte, die den Zusammenhang des von den geisteswissenschaftlichen Gedanken getragenen Bewußtseins mit den heutigen Zeitereignissen darstellen, die ausdrücken, wie der Raum für die kommende Friedenszeit wird erfüllt sein müssen mit Gedanken, die von Seelen in die geistigen Welten hinaufgelangen, von Seelen, die durch die Geisteswissenschaft hindurchgegangen sind. Dann wird das, was mit so großen Opfern, mit Blut und Tod in unserer Zeit erkämpft, errungen wird, im rechten Sinne Blüten und Früchte tragen können, wenn sich Seelen finden, die geistbewußt ihren Sinn ins Geisterreich hinaufwenden. Daher dürfen wir sagen, die heute so schweren schicksaltragenden Tage bedenkend:

[ 40 ] Yes, those thoughts that arise from an awareness of the living connection between the human soul and the spiritual world will have to rise from the earth up into the spiritual heights. Souls will now enter these spiritual worlds, and it will be spiritual forces brought forth precisely by our fateful days. Consider how many, in the prime of their lives, are passing through the gate of death at this time! Consider that the etheric bodies of these people, who pass through the gate of death between the ages of twenty and thirty, and between thirty and forty, are etheric bodies that could have sustained the physical body here for decades to come. These etheric bodies are separated from the physical bodies, yet they still retain the powers within them to work here for the physical world. These powers will continue to reign in the spiritual worlds, separated from the etheric bodies that have passed through the gate of death while still unspent. Radiant and bright, the spirituality from the unspent etheric bodies of the heroic fighters will come for the spiritual healing and progress of humanity. But what flows down from there will have to meet with what can flow forth in thoughts from the souls that have been able to become spiritually conscious through Spiritual Science. Therefore, we may summarize the thoughts we have brought before our souls today summarize in a few words that depict the connection between the consciousness sustained by spiritual scientific thought and the events of our time, expressing how the space for the coming era of peace must be filled with thoughts that ascend from souls into the spiritual worlds—souls who have passed through Spiritual Science. Then what is being fought for and won in our time with such great sacrifices, with blood and death, will be able to bear blossoms and fruit in the true sense, when souls are found who turn their minds upward into the spiritual realm with spiritual awareness. Therefore, reflecting on these days that bear such a heavy burden of destiny, we may say:

Aus dem Mut der Kämpfer,
Aus dem Blut der Schlachten,
Aus dem Leid Verlassener,
Aus des Volkes Opfertaten
Wird erwachsen Geistesfrucht —
Lenken Seelen geistbewußt
Ihren Sinn ins Geisterreich!

From the courage of the fighters,
From the blood of the battles,
From the suffering of the forsaken,
From the sacrifices of the people
The fruit of the spirit grows—
Guiding souls with spiritual awareness
Toward the realm of the spirits!