The Mystery of Death
The Nature and Significance of Central Europe
and the European National Spirits
GA 159
13 March 1915, Nuremberg
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The Mystery of Death, tr. SOL
5. Das Eingreifen des Christus-Impulses in das geschichtliche Geschehen — Die Überbrückung der Kluft zwischen Lebenden und Toten
5. The Intervention of the Christ Impulse in Historical Events — Bridging the Gap Between the Living and the Dead
[ 1 ] Wenn Geisteswissenschaft vor allen Dingen eine Art Lebenskraft für unsere Seelen sein will, und dies auch sein kann, so muß diese Geisteswissenschaft sich auf der andern Seite auch mächtig und geeignet erweisen, in solchen Zeiten, in denen sich so viel vorbereitet, die so bedeutsam sind wie die unsrigen, den geistigen Blick der Seelen, die sich der Geisteswissenschaft ergeben, zu erweitern. Dadurch wird dasjenige, was geschieht, in einem etwas weiteren Licht gesehen, als der durch den Materialismus beengte Blick der andern Zeitgenossen es vielfach heute noch kann. Man hat sehen können in dem, was durch die Jahre her innerhalb unserer geisteswissenschaftlichen Bewegung gepflegt worden ist, daß eines der Ziele auch darin bestanden hat, die Empfindungsart der Seele zu erweitern, so daß der Mensch von dem bloßen Denken über sein engeres Selbst und über dasjenige, was dieses engere Selbst umgibt, loskommt und wirklich ein wenig hinzuschauen vermag auf die großen Impulse, die großen Kräfteäußerungen, die durch die ganze Entwickelung der Erdenmenschheit gehen. Und wenn wir uns so bemüht haben, gewissermaßen die Spannkraft unserer Gefühle und Empfindungen zu erweitern, so müssen wir auch die Kräfte, die wir durch die Geisteswissenschaft gewonnen haben, geeignet machen können, gerade in solchen Zeiten, die auf der einen Seite so tief schmerzlich heranbranden an die Seele mit ihren Wogen, auf der andern Seite aber diese Seele erheben zu ganz besonderer Höhe, weil sie so Bedeutungsvolles in ihrem Schoße bergen, wir müssen in solchen Zeiten schon in die Lage kommen können, ein wenig mit dem zu gehen, was nicht so äußerlich sichtbar ist in den Ereignissen, was der gewöhnliche Verstand in diesen Ereignissen nicht zu schauen vermag. Wir müssen uns namentlich die Frage aufwerfen können: Bedeutet dasjenige, was als so furchtbare Kriegsfackel entzündet über unseren Häuptern brennt, bedeutet das etwas von prophetischer Art für die ganze Erdenentwickelung?
[ 1 ] If Spiritual Science is to be, above all, a kind of life force for our souls—and it can indeed be so—then it must also prove itself powerful and capable, in times such as these, when so much is in the making and which are as significant as our own, of broadening the spiritual vision of the souls who devote themselves to Spiritual Science. As a result, what is happening is seen in a somewhat broader light than the view of other contemporaries, narrowed by materialism, is often still capable of today. One has been able to see in what has been cultivated over the years within our Spiritual Science movement that one of the goals has also been to expand the soul’s sensibility, so that the human being may break free from mere thinking about his or her narrower self and about that which surrounds this narrower self, and is truly able to look a little toward the great impulses, the great manifestations of power, that run through the entire development of humanity on Earth. And if we have thus endeavored, so to speak, to expand the scope of our feelings and sensibilities, then we must also be able to make the powers we have gained through Spiritual Science suitable precisely in such times, which on the one hand crash so deeply and painfully against the soul with their waves, but on the other hand lift this soul to a very special height because they hold something so significant within them, we must be able to place ourselves in a position, in such times, to go along a little with what is not so outwardly visible in the events, what the ordinary mind is unable to perceive in these events. We must, in particular, be able to ask ourselves the question: Does that which burns above our heads as a terrible torch of war signify something of a prophetic nature for the entire development of the Earth?
[ 2 ] Nur derjenige wird in den gegenwärtigen Ereignissen recht darinstehen, der diese Ereignisse in einem so bedeutsamen Licht sieht, wie dies nur irgend möglich ist. Oftmals werden sich Freunde, die in unseren Reihen sind, gefragt haben, warum in den letzten Jahren in unserem Kreise zuweilen davon gesprochen worden ist, daß in den Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts Zeiten kommen werden, auf die wir mit einer besonderen Aufmerksamkeit vorausblicken müssen, weil die Kinder und Kindeskinder derer, die jetzt leben, wichtige und gewaltige,aber auch tragische und schmerzende Ereignisse werden zu durchleben haben. Denen, welchen es heute obliegt, etwas mitzugeben, um die Seelen der Kinder und Kindeskinder aufrechtzuerhalten gegenüber dem, was über die Menschheit des 20. Jahrhunderts kommen wird, muß bewußt sein, daß dieses Mitzugebende eine starke innere geistige Kraft sein muß. Viel, viel mehr als wir uns heute schon im gewöhnlichen Leben vorstellen können, werden unsere Nachkommen des 20. Jahrhunderts starke innere, die Seele haltende Kräfte brauchen, um fortzutragen die Güter der Menschheit, die in der Menschheitsentwickelung durch Jahrhunderte und Jahrhunderte angesammelt worden sind. Und noch ganz andern Stürmen des Lebens werden die Nachkommen der jetzt lebenden Erdenmenschheit ausgesetzt sein. Ich sagte, man hat sich manchmal wundern können, wenn das in unseren Reihen so gesagt worden ist. Vielleicht kann aber jetzt eine Empfindung davon entstehen, wenn wir bedenken, daß wir in den größten kriegerischen Ereignissen, den furchtbarsten kriegerischen Ereignissen darinstehen, die jemals die Menschen betroffen haben, seitdem die Menschheit eine bewußte Geschichte auf dieser Erde durchlebt.
[ 2 ] Only those who view current events in the most significant light possible will truly understand them. Friends among our ranks have often wondered why, in recent years, there has been talk within our circle that, in the decades of the 20th century, times will come to which we must look ahead with special attention, because the children and grandchildren of those living today will have to endure important and momentous, yet also tragic and painful events. Those who are called upon today to impart something to sustain the souls of children and grandchildren in the face of what is to come upon humanity in the 20th century must be aware that what is to be imparted must be a strong inner spiritual power. Far, far more than we can already form a mental image of today in our ordinary lives, our descendants of the 20th century will need strong inner, soul-sustaining forces to carry forward the treasures of humanity that have been accumulated over centuries and centuries of human development. And the descendants of the human race living on Earth today will be exposed to entirely different storms of life. I said that people have sometimes been surprised when this has been stated in our circles. But perhaps a sense of it can now arise when we consider that we are facing the greatest war-related events, the most terrible war-related events that have ever affected humanity since mankind began living a conscious history on this Earth.
[ 3 ] Da wäre es durchaus unrichtig, wenn wir uns nicht so intensiv als möglich, so stark als möglich von der Bedeutung des Augenblicks durchdringen und uns die Frage vorlegen würden: Was hat denn eigentlich dasjenige, was wir aus inneren Sehnsuchten der Seele heraus erstreben, was hat denn geistige Erkenntnis mit demjenigen zu tun, was da in die Entwickelung der Menschheit hereinkommen sol? Sehen wir denn nicht, auch wenn wir nur oberflächlich blicken, ein drohendes Ungewitter, das sich von Osten herüber seit langer Zeit erhoben hat, über die neuere Bildung und Kultur Europas entbrennen? Und man muß wenigstens wissen, daß im Schoße dieses Ostens ganz gewaltige Kräfte wesen, von denen man schon sehen kann, daß sie so, wie sie sich jetzt geltend machen, im Grunde auf das Zerstückeln, das Zerstören der europäischen Kultur hinausgehen. In welchem:Grade dies der Fall ist, das kann jetzt nur geahnt werden.
[ 3 ] It would be entirely wrong, then, if we did not allow ourselves to be imbued as deeply and as strongly as possible with the significance of the moment and ask ourselves the question: What, in fact, does that which we strive for out of the soul’s inner longings have to do with spiritual knowledge, and what does it have to do with what is about to enter into the development of humanity? Do we not see, even if we look only superficially, a threatening storm that has been gathering from the East for a long time, now breaking out over the modern education and culture of Europe? And one must at least be aware that within the bosom of this East there are mighty forces at work, from which one can already see that, as they are now asserting themselves, they essentially amount to the fragmentation and destruction of European culture. To what extent this is the case can only be surmised at present.
[ 4 ] Mit dem, was wir europäische Kultur und Zivilisation nennen, stehen wir in der fünften nachatlantischen Kulturperiode. Es ist die Kultur der Bewußtseinsseele, in deren Mitte Seelen unter uns sind, die der Menschheit etwas zu geben haben. Wenn wir darauf zurückblikken, was die griechisch-lateinische Kultur war, so ergibt sich uns diese griechisch-lateinische Kultur im wesentlichen, wenn auch in einer ganz andern Ausgestaltung, als ein Nachklang, eine auf einer höheren Stufe zutage tretende Wiederholung desjenigen, was auch schon in der alten Atlantis gelebt hat. Wenn es dort auch noch anders lebte, in der vierten nachatlantischen Kulturperiode ist eine Art Wiederholung davon eingetreten. Die fünfte nachatlantische Kulturperiode, in der wir stehen, ist eine Neuformation, ist etwas völlig Neues, was zu dem bisherigen Entwickelungsgang der Menschheit hinzugekommen ist. Solches sollen wir nicht bloß als abstrakte Wahrheit, als Theorie, sondern mit dem tiefsten und intensivsten menschlichen Verantwortlichkeitsgefühl erfassen, und wir sollen uns auch klar darüber sein, daß in der Erdenentwickelung noch lange Zeiten werden ablaufen müssen, bis alles das aus den Herzen und Seelen der Menschen herausgekommen ist, was die göttliche Weltenordnung durch die fünfte nachatlantische Kulturperiode der Erdenmenschheit zu geben hat.
[ 4 ] With what we call European culture and civilization, we are in the fifth post-Atlantean cultural epoch. It is the culture of the conscious soul, at the heart of which are souls among us who have something to give to humanity. When we look back at what the Greco-Latin culture was, this Greco-Latin culture appears to us, in essence—albeit in a completely different form—as an echo, a repetition emerging on a higher level of what had already existed in ancient Atlantis. Although it existed there in a different form, a kind of repetition of it occurred in the fourth post-Atlantean cultural epoch. The fifth post-Atlantean cultural epoch, in which we now find ourselves, is a new formation, something entirely new that has been added to the course of human development thus far. We should not merely grasp this as an abstract truth, as a theory, but with the deepest and most intense sense of human responsibility, and we should also be clear that long periods of time will still have to elapse in the Earth’s development before everything that the divine world order has to give to Earth humanity through the fifth post-Atlantean cultural period has emerged from the hearts and souls of human beings.
[ 5 ] In der vierten Kulturperiode ging als das bedeutendste Ereignis der ganzen Erdenentwickelung der Impuls des Mysteriums von Golgatha auf. So wie dieses Mysterium von Golgatha in der vierten Kulturperiode gewirkt hat, so wird es in der fünften nachatlantischen Kulturperiode nicht bloß weiterwirken. Dieser fünften Kulturperiode obliegt es, mit voller Geist-Erkenntnis, mit vollem Verständnis allmählich dem Mysterium von Golgatha entgegenzukommen, mit all den Erkenntniskräften der Seele; nicht nur mit den Kräften des Verstandes, den Kräften der bloß gefühlsmäßigen Frömmigkeit; nach und nach durch all das, was die Seele aus sich selbst hervorbringen kann an Erkenntnissen und Verständniskräften, den Christus, der durch das Mysterium von Golgatha gegangen ist, zu erfassen. So daß das Wort des Paulus, allerdings in einer neuen Art, wahr ist: «Nicht ich, sondern der Christus in mir.» Und im Grunde genommen ist alles das, was wir in der Geisteswissenschaft aufbringen, die Vorbereitung dazu, mit allen inneren Erkenntniskräften der Seele zuletzt zu erfassen, was eigentlich dieser Christus ist. Das ist eine bedeutende, große Aufgabe der fünften Kulturperiode.
[ 5 ] In the fourth cultural epoch, the impulse of the Mystery of Golgotha arose as the most significant event in the entire history of the Earth. Just as this Mystery of Golgotha worked in the fourth cultural epoch, so too will it not merely continue to work in the fifth post-Atlantean cultural epoch. It is the task of this fifth cultural epoch to gradually meet the Mystery of Golgotha with full spiritual insight, with full understanding, using all the soul’s powers of knowledge; not merely with the powers of the intellect or the powers of mere emotional piety; but gradually, through all that the soul can bring forth from within itself in terms of knowledge and powers of understanding, to grasp the Christ who passed through the Mystery of Golgotha. So that the words of Paul, albeit in a new way, are true: “Not I, but Christ in me.” And fundamentally, everything we bring to bear in Spiritual Science is the preparation for ultimately grasping, with all the soul’s inner powers of knowledge, what this Christ actually is. This is a significant, great task of the fifth cultural epoch.
[ 6 ] Nun wollen wir uns einmal ein wenig hineinversetzen, was damit eigentlich gesagt ist, wenn der fünften Kulturperiode solches zugemutet wird. Bringen wir vor unsere Seelen die Art, wie der ChristusImpuls seit dem Mysterium von Golgatha in der Menschheit gewirkt hat. Wenn der Christus-Impuls nur durch dasjenige hätte wirken können, was die Menschen über diesen Christus-Impuls im Laufe der Jahrhunderte, seitdem das Mysterium von Golgatha vollzogen worden ist, verstanden haben, dann hätte der Christus-Impuls nur wenig wirken können unter den Menschen. Aber er ist nicht ein solcher Impuls, der nur begrifflich zu dem menschlichen Verständnis oder zu dem Gefühlsverständnis gesprochen hat, sondern er ist ein realer Impuls, der mit lebendigen Kräften in den Verlauf der Geschichte selbst hineingeflossen ist. Dasjenige, wofür das auf Golgatha fließende Blut das äußere Symbolum ist, das ist ja das, wovon eine lebendige Kraft in die Menschheitsgeschichte hereinfließt.
[ 6 ] Let us now try to understand what is actually meant when such expectations are placed on the fifth cultural epoch. Let us bring before our souls the way in which the Christ impulse has worked within humanity since the Mystery of Golgotha. If the Christ impulse had been able to work only through what people have understood about this Christ impulse over the centuries since the Mystery of Golgotha was accomplished, then the Christ impulse would have been able to work only to a limited extent among human beings. But it is not an impulse that has spoken only conceptually to human understanding or to emotional understanding; rather, it is a real impulse that has flowed into the course of history itself with living forces. That for which the blood flowing on Golgotha is the outward symbol—that is precisely what brings a living force into the history of humanity.
[ 7 ] Versuchen wir, uns einmal an einem geschichtlichen Ereignis klarzumachen, wie dieser Christus-Impuls gewirkt hat, ohne daß ihn die Menschen schon verstanden haben; wie er gewirkt hat als eine lebendig treibende Kraft in der Entwickelung der Menschheit. Die fünfte nachatlantische Kulturperiode ist dazu berufen, in das Bewußtsein hereinzubringen die ganze innere Natur und Wesenheit des ChristusImpulses. Aber er hat schon als eine lebendige Kraft in den unterbewußten Seelenkräften gewirkt, bevor er in der Menschheit voll zum Bewußtsein erwachen konnte. Und eine derjenigen Gestalten, die der Christus-Impuls sich ausgesucht hat, um durch sie zu wirken, Bedeutsames zu wirken, ist zum Beispiel — man könnte auch noch andere anführen — die Gestalt der Jungfrau von Orleans. Wenn wir die Geschichte Europas bis zu dem Ereignis zurück verfolgen, das sich in Anknüpfung an die Persönlichkeit der Jungfrau von Orleans abgespielt hat, so müssen wir, auch wenn wir nur äußerlich die Geschichte betrachten, sagen: Mit dem, was sie dazumal vollbrachte, als sie, inmitten des französischen Volkes sich erhebend, die englischen Kräfte zurückgeschlagen hat — sie hat das ja in Wahrheit getan —, ist erst die Landkarte Europas so gestaltet worden, wie sie sich eben nach und nach gestaltet hat. Und alle andere Geschichtsbetrachtung ist im Grunde für die letzten Jahrhunderte, insofern sie europäische Volks- und Staatenverteilung betrifft, ein Märchen, ist etwas, was sich nicht bewußt ist, daß mit der Jungfrau von Orleans der Christus-Impuls war, der dazumal als ein lebendiger Impuls die Verteilung der europäischen Völker und Volkskräfte bewirkt hat. Und man möchte sagen: Während die gelehrten Leute über allerlei stritten, schon anfingen zu streiten über die Frage, ob man das Abendmahl in dieser oder jener Gestalt zu genießen habe, ob dieses oder jenes durch diese oder jene Formel gedeutet werde, und während so die gelehrten Leute zeigten, daß sie eben mit ihrem bewußten Verständnis noch nicht herangekommen waren an die Erfassung desjenigen, was der Christus-Impuls ist, wirkte dieser Impuls durch das einfache Landmädchen, durch die Jungfrau von Orleans, wirkte gestaltend in die europäische Geschichte hinein. Denn die Wirkung des Christus-Impulses ist eben nicht von dem Verständnis abhängig, das man ihm entgegenbringt. Durch seinen michaelischen Vertreter wirkte der Christus-Impuls in die Jungfrau von Orleans hinein. Nun aber mußte die Jungfrau von Orleans dazu etwas durchmachen, das einer Initiation ähnlich ist. Wir reden heute von der Einweihung, der Initiation und geben dazu dem Bewußtsein des Menschen die Regeln, die wir zusammengestellt haben in dem Buch «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?». Aber von einer solchen Einweihung konnte bei der Jungfrau von Orleans natürlich nicht die Rede sein. Bei ihr kann nur von einer Einweihung die Rede sein, die gewissermaßen ein Überbleibsel der älteren Einweihung war, die sich mehr in den unterbewußten Seelenkräften der Menschen vollzog. Nun haben sich gerade diese alten Einweihungen wie Elementarkräfte fortgepflanzt bis herauf in die neuere Zeit. In alten Sagen und Märchen und Legenden wird vieles erzählt: daß diesem oder jenem Menschen dieses oder jenes passiert ist, wodurch ihm die innere Seelenkraft aufgegangen ist, so daß er dieses oder jenes von der geistigen Welt gesehen hat. Solche Dinge sollen nur eine Andeutung davon sein, wie ohne menschliches Zutun, durch Wirkung göttlich-geistiger, die Welt durchwallender Kräfte, gewisse Menschen, die durch ihr Karma dazu geeignet sind, naturgemäße Eingeweihte sind, durch den Platz, auf den sie durch das Menschheitskarma hingestellt werden, wo dieses Menschheitskarma mit dem eigenen Karma zusammenfließt. Ein sehr schöner Nachklang an eine solche Natureinweihung, wie man sie nennen möchte, gibt uns ein Gedicht, welches davon spricht, daß der «Sonnensohn» Olaf Åsteson in den dreizehn Nächten und Tagen, die von der Geburt Christi bis zur Erscheinung Christi, bis zum 6. Januar, abfließen, in einer Art Schlafzustand verweilte. Olaf Åsteson: in dem Namen ist schon angedeutet, daß in ihm durch Vererbung liegende Erkenntniskräfte unterbewußter Art enthalten sind, denn Olaf Åsteson heißt eigentlich: derjenige, durch den das Blut seiner Ahnen geht. Der Sonnensohn Olaf Åsteson durchschläft und durchträumt die dreizehn Nächte, welche die finstersten des irdischen Jahres sind, oder wenigstens die größte Kraft der irdischen Jahresfinsternis in sich enthalten, vom ersten Weihnachtstag bis zum 6. Januar, dem Epiphaniasfest. Nun ist das nicht bloß eine menschliche abergläubische Spintisiererei, was sich in solchen Sagen und Legenden an diese Nächte knüpft. Denn in der Tat ist es so, daß es zwei Jahreszeiten gibt, die sich kosmisch gewissermaßen wie zwei entgegengesetzte Pole zum Leben der Seele des Menschen im Leibe verhalten. Wenn wir die Jahreszeit nehmen, die um das Johannisfest im Sommer liegt, so ist das die Zeit, welche besonders geeignet ist dazu, daß die menschliche Seele mit all ihren Leidenschaftsimpulsen durch die äußerliche physische Sonnenkraft, die da ihre größte Energie erreicht, im Kosmos aufgeht, sich mit dem Kosmos vereinigt. Daher war das Johannisfest der alten Zeit dazu bestimmt, in die menschliche Seele das an göttlich-geistigen Kräften hineinzulegen, was den Kosmos durchwellt und durchwallt, wenn die Menschen sich vergaßen und aufgingen bei diesem Fest in die äußeren starken physischen Kräfte des Kosmos. Da aber, wo die Sonnenkraft die schwächste physische Entfaltung erreicht, in der Mitte des Winters, erreichen dafür die geistigen Kräfte, die in der Finsternis wirken, die größte Stärke. Und mit Recht, man kann sagen, nach kosmischen Gesetzen liegt das Fest der Geburt des Jesus von Nazareth in dieser Zeit. Da, wo das äußere Physische am finstersten ist, kann die Seele das Gewaltigste erleben, wenn sie sich vereinigt fühlt mit den Kräften, die geistig die Aura der Erde durchspielen. Daher ist es in diesen Tagen, daß Olaf Åsteson schläft und schläft, und all das erlebt, was wir das Kamaloka nennen, dann das, was wir die Seelenwelt, und endlich das, was wir das Geisterland nennen. Und die norwegische Legende erzählt uns, wie Olaf Åsteson, nachdem er nach den dreizehn Nächten wieder erwacht, zu erzählen weiß von dem, was er erlebt hat, wie er den Seelen begegnet ist in der Seelenwelt und im Geisterlande. Das alles sind zwar Bilder, die einer imaginativen Erkenntnis entsprechen, aber sie deuten auf dasjenige, was wirklich lebendige Möglichkeiten der menschlichen Seele sind, wenn diese Seelen sich entrückt fühlen in jener Zeit der physischen Finsternis, die aber die Zeit der spirituellen Erleuchtung ist, wenn sie sich entrückt fühlen zu dem, was in der Erdenaura wallt und webt. Und am Ende der Legende sehen wir die Kräfte des Christus-Impulses, die mit Gewalt packen — aber das unterbewußte Verständnis des Olaf Åsteson. In solchen Legenden wird gleichsam von Natureinweihungen, die in alten Zeiten noch möglich waren, gesprochen, von einem Hinschauen in die geistige Welt. In diesen Zeiten hat die Erdenaura wirklich eine Kraft, die sie in andern Zeiten, wo sie von der physischen Sonnenkraft gleichsam überflutet und überstrahlt wird, nicht hat. Und da der Christus seit dem Mysterium von Golgatha mit der Erdenaura vereinigt ist, so kann auch die Kraft des Christus-Impulses in diesen Tagen ganz besonders in die Seelen hineinwirken, wenn ihr diese Seelen Empfänglichkeit entgegenbringen.
[ 7 ] Let us try to use a historical event to illustrate how this Christ impulse worked even before people had yet understood it; how it functioned as a living, driving force in the development of humanity. The fifth post-Atlantean cultural epoch is destined to bring into consciousness the entire inner nature and essence of the Christ impulse. But it had already been working as a living force within the subconscious powers of the soul before it could fully awaken to consciousness in humanity. And one of the figures the Christ impulse chose to work through—to accomplish something significant—is, for example—though one could cite others as well—the figure of the Maid of Orleans. If we trace the history of Europe back to the event that took place in connection with the personality of the Maid of Orleans, we must, even if we consider history only from an external perspective, say: It was only through what she accomplished at that time—when, rising up among the French people, she repelled the English forces—that the map of Europe was shaped as it has gradually taken form. And every other historical perspective is, in essence, a fairy tale for the past centuries, insofar as it concerns the distribution of European peoples and states; it is something that fails to recognize that with the Maid of Orleans came the Christ impulse, which at that time, as a living impulse, brought about the distribution of the European peoples and their forces. And one might say: While the learned people were arguing about all sorts of things, already beginning to argue over the question of whether the Lord’s Supper should be partaken of in this or that form, whether this or that should be interpreted by this or that formula, and while the learned people thus demonstrated that they had not yet, with their conscious understanding, come to grasp what the Christ impulse is, this impulse worked through the simple country girl, through the Maid of Orleans, shaping European history. For the effect of the Christ impulse does not depend on the understanding with which one approaches it. Through its Michaelic representative, the Christ impulse worked into the Maid of Orleans. But the Maid of Orleans had to undergo something akin to an initiation. Today we speak of initiation and provide the human consciousness with the rules we have compiled in the book *How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?*. But of course, there could be no question of such an initiation in the case of the Maid of Orleans. In her case, we can only speak of an initiation that was, so to speak, a remnant of the older initiation, which took place more in the subconscious soul forces of human beings. Now, it is precisely these old initiations that have propagated themselves like elemental forces right up to modern times. Much is told in ancient sagas, fairy tales, and legends: that this or that happened to this or that person, through which their inner soul power was awakened, so that they saw this or that from the spiritual world. Such things are meant to be merely a hint of how, without human intervention, through the action of divine-spiritual forces surging through the world, certain people—who are suited to it by their karma—are naturally initiated, by virtue of the place where they are placed by the karma of humanity, where this karma of humanity flows together with their own karma. A very beautiful echo of such a natural initiation, as one might call it, is given to us by a poem that speaks of how the “Son of the Sun,” Olaf Åsteson, remained in a kind of sleep-like state during the thirteen nights and days that elapse from the birth of Christ to the Epiphany, until January 6. Olaf Åsteson: the name itself suggests that he possesses inherited powers of insight of a subconscious nature, for Olaf Åsteson actually means: the one through whom the blood of his ancestors flows. Olaf Åsteson, the Son of the Sun, sleeps through and dreams through the thirteen nights, which are the darkest of the earthly year, or at least contain within them the greatest power of the earthly annual darkness, from Christmas Day until January 6, the Feast of the Epiphany. Now, what is associated with these nights in such myths and legends is not merely human superstitious speculation. For in fact, there are two seasons that, cosmically speaking, relate to the life of the human soul within the body like two opposing poles. If we take the season surrounding the Feast of St. John in summer, this is the time particularly suited for the human soul, with all its passionate impulses, to rise up into the cosmos through the external physical power of the sun—which reaches its greatest energy there—and to unite with the cosmos. That is why the St. John’s Festival of ancient times was intended to instill in the human soul those divine-spiritual forces that permeate and surge through the cosmos when people, during this festival, forgot themselves and merged with the strong physical forces of the cosmos. But where the sun’s power reaches its weakest physical expression, in the middle of winter, the spiritual forces that work in the darkness attain their greatest strength. And rightly so, one might say, according to cosmic laws, the festival of the birth of Jesus of Nazareth falls at this time. Where the outer physical world is at its darkest, the soul can experience the most powerful things when it feels united with the forces that spiritually permeate the Earth’s aura. That is why it is during these days that Olaf Åsteson sleeps and sleeps, and experiences all that we call the Kamaloka, then what we call the soul world, and finally what we call the spirit realm. And the Norwegian legend tells us how Olaf Åsteson, after awakening again following the thirteen nights, is able to recount what he has experienced, how he encountered the souls in the soul world and in the spirit realm. All of these are, admittedly, images that correspond to an imaginative insight, but they point to what are truly living possibilities of the human soul when these souls feel transported during that time of physical darkness—which is, however, the time of spiritual enlightenment—when they feel transported to what surges and weaves within the Earth’s aura. And at the end of the legend we see the forces of the Christ impulse seizing hold with power—but this is the subconscious understanding of Olaf Åsteson. Such legends speak, as it were, of initiations into nature that were still possible in ancient times, of a gazing into the spiritual world. In these times, the Earth’s aura truly possesses a power that it lacks in other times, when it is, as it were, flooded and outshone by the physical power of the sun. And since Christ has been united with the Earth’s aura since the Mystery of Golgotha, the power of the Christ impulse can also work into souls in a very special way during these days, if these souls meet it with receptivity.
[ 8 ] Daher könnte man, bevor man irgend etwas geschichtlich untersucht, voraussetzen, daß, auch bei einer solchen Gestalt wie der Jungfrau von Orleans, der Christus-Impuls durch dreizehn Tage hindurch unterbewußt in ihre Seele hineingewirkt hätte; daß auch sie gewissermaßen — was Olaf Åsteson in den dreizehn Tagen und Nächten im Schlafzustand durchgemacht hat — etwas wie eine Erleuchtung durch den Christus-Impuls in den unterbewußten Seelenkräften durchgemacht hätte. Dann müßte die Jungfrau von Orleans aber einmal in den dreizehn Tagen, die vom 25. Dezember bis zum 6. Januar liegen, in einer Art schlafähnlichem Zustand gewesen sein, und am 6. Januar müßte dann, nachdem ihre Seele in einer Art von Schlafzustand war, der Christus-Impuls diese Seele ergriffen haben. Dasjenige, was man so voraussetzen kann, war wirklich in einer eigentümlichen Weise vorhanden, nur in einer ganz besonderen Zeit, wo der Mensch in der Tat in einer Art von Schlafzustand sein kann. Nämlich bevor der Mensch den ersten Atemzug im Erdenleben tut, bevor er dem Leib seiner Mutter entbunden wird und den ersten irdisch-physischen Lichtstrahl empfängt, verbringt er ja eine Zeit als werdender Mensch in einem wahren Schlafzustand. Und ebenso wie man am Abend in einen Traumesschlaf kommt, ist man im Leibe der Mutter in solch einem traumähnlichen Schlaf. Und diejenigen Tage, in denen der traumähnliche Schlaf am meisten für die unbewußten Einflüsse der geistigen Welt empfänglich ist, sind eben die letzten Tage, die der Mensch im Leibe der Mutter verbringt. Und so könnte es auch wohl sein, daß gerade diese Tage bei der Jungfrau von Orleans dazu verwendet worden wären, ihr den Christus-Impuls einzupflanzen, bevor sie mit physischen Augen das physische Sonnenlicht erblickte, den ersten Atemzug außer dem Leibe der Mutter tat. Das war der Fall, denn die Jungfrau von Orleans ist am 6. Januar geboren. Am 6. Januar vollzog es sich, daß das ganze Dorf zusammenlief, weil irgend etwas Unbestimmtes in der Dorfaura lag. Das ist eine historische Tatsache. Die Leute wußten nicht, was geschehen war: die Jungfrau von Orleans war geboren. Hinter solchen Dingen verbirgt sich vieles. Und erst dann, wenn die Menschheit dazukommen wird, diese geheimnisvolle Tatsache einmal im richtigen Licht zu sehen, wird auch Verständnis desjenigen vorhanden sein, was unter der Oberfläche der äußerlichen Sinnenwelt im Menschenwerden wirklich vorgeht. Die göttlichen Kräfte suchen sich die mannigfaltigsten Wege, um hineinzukommen in dasjenige, was menschliche Seele ist. Selbstverständlich mußte das Karma der Jungfrau von Orleans geeignet sein dazu, daß so etwas geschehen konnte. Aber indem das Karma der Jungfrau von Orleans zusammenfiel mit der Tatsache, daß sie am 6. Januar geboren ist, war dasjenige historisch gegeben, was möglich machte, daß auf diese Gestalt der Geschichte der Christus-Impuls besonders wirkte und Europa eine neue Gestaltung gab. Dies sind Dinge, die man prüfen kann, wenn man mit einigem Verständnis den Lauf der Geschichte beobachtet. Das sind die Dinge, an welche das geistige Verständnis anknüpfen wird in der Zukunft, wenn diese fünfte nachatlantische Kulturperiode wirklich alle Erkenntniskräfte aus den Seelen heraufholen wird. Die Seele wird dann bewußter und immer bewußter das Dasein des Christus-Impulses erleben. Aber sie wird das nur dann so erleben, wenn die Menschheit in den Stand kommt, Geisteswissenschaft nicht mehr als eine bloße Theorie zu betrachten, sondern als das lebendige Leben zu erfühlen, sie innerlich zu erfahren. Dann wird Geisteswissenschaft dasjenige bewirken können, was eigentlich ihre Mission im Werdegang der Menschheit ist.
[ 8 ] Therefore, before examining any historical event, one might assume that, even in the case of a figure such as the Maid of Orleans, the Christ impulse would have been working subconsciously within her soul for thirteen days; that she, too, in a sense—much like what Olaf Åsteson experienced during those thirteen days and nights in a state of sleep—would have undergone something like an enlightenment through the Christ impulse within the subconscious powers of her soul. But then the Maid of Orleans would have had to be in a sort of sleep-like state at least once during the thirteen days spanning December 25 to January 6, and on January 6, after her soul had been in a sort of sleep-like state, the Christ impulse would have had to take hold of that soul. What one might assume in this way was indeed present in a peculiar manner, but only at a very specific time when a human being can indeed be in a sort of sleep-like state. Namely, before the human being takes the first breath of earthly life, before being delivered from his mother’s womb and receiving the first earthly-physical ray of light, he spends a time as a developing human being in a true state of sleep. And just as one falls into a dream-like sleep in the evening, so too is one in the mother’s womb in such a dream-like sleep. And the days during which this dream-like sleep is most receptive to the unconscious influences of the spiritual world are precisely the last days a human being spends in the mother’s womb. And so it may well be that precisely these days were used in the case of the Virgin of Orleans to implant the Christ impulse in her before she saw physical sunlight with her physical eyes and took her first breath outside her mother’s womb. This was the case, for the Virgin of Orleans was born on January 6. On January 6, the entire village gathered because there was something indefinable in the village atmosphere. This is a historical fact. The people did not know what had happened: the Virgin of Orleans had been born. Much lies hidden behind such things. And only when humanity comes to see this mysterious fact in the right light will there also be an understanding of what is truly taking place beneath the surface of the external sensory world in the process of human becoming. The divine forces seek out the most manifold paths to enter into that which is the human soul. Of course, the karma of the Maid of Orleans had to be such that something like this could happen. But because the karma of the Maid of Orleans coincided with the fact that she was born on January 6, the historical conditions were in place that made it possible for the Christ impulse to have a special effect on this figure in history and to give Europe a new form. These are things that can be examined when one observes the course of history with some understanding. These are the things to which spiritual understanding will connect in the future, when this fifth post-Atlantean cultural epoch will truly draw forth all the powers of knowledge from the souls. The soul will then experience the existence of the Christ impulse more and more consciously. But it will only experience it in this way if humanity is able to regard Spiritual Science no longer as a mere theory, but to feel it as living reality, to experience it inwardly. Then Spiritual Science will be able to bring about what is actually its mission in the course of human development.
[ 9 ] In einer solchen Zeit, wie die unsrige ist, müssen wir uns insbesondere klar darüber sein, daß der Abgrund überbrückt werden muß, der sich für ein materialistisches Zeitalter immer mehr und mehr auftut zwischen den Menschenseelen, die hier im physischen Leibe verkörpert miteinander leben, und denen, die schon durch die Pforte des Todes gegangen sind. Und immer mehr wird man dazukommen, auch die Seelen so zur gesamten Menschheit hinzugehörig zu erschauen, die in dem Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt stehen, wie diejenigen, die sich im physischen Leben zwischen Geburt und Tod befinden. Das Bewußtsein, daß wir alle vereint sind auf dem Erdenrund, auch diejenigen, die vor uns in die übetsinnlichen Reiche übergegangen sind, die nur mit andern Kräften unter uns wirken als wir, die wir im Leibe sind, dieses Bewußtsein muß immer stärker, immer intensiver werden. Aber dazu ist eben Verständnis der geistig wirksamen Kräfte notwendig. Dazu ist notwendig, daß wir lernen, die Zusammenhänge der irdischen Erscheinungen in jenem neuen Lichte zu nehmen, das die Geisteswissenschaft geben kann.
[ 9 ] In times such as ours, we must be particularly clear that the gulf—which, in a materialistic age, is opening up ever wider between the human souls who live together here in physical bodies and those who have already passed through the gate of death—must be bridged. And increasingly, we will come to regard the souls who stand in the life between death and a new birth as belonging to the whole of humanity, just as those who find themselves in physical life between birth and death do. The awareness that we are all united on this earth, including those who have passed into the supersensible realms before us—who work among us with different forces than we who are in the body—this awareness must become ever stronger, ever more intense. But this requires an understanding of the spiritually active forces. It requires that we learn to view the interrelationships of earthly phenomena in that new light which Spiritual Science can provide.
[ 10 ] Nur weil Geisteswissenschaft etwas sein soll, was zugleich unsere Herzen bewegt, indem es unsere Seelen in der Erkenntnis weiterbtingt, will ich — um einiges zu erläutern über den Weg, der zugleich ein solcher ist, daß er anknüpft an manches, was uns im weitern Umkreis unserer geisteswissenschaftlichen Erkenntnisströmung in den letzten Wochen beschäftigt hat —, will ich zu Ihnen sprechen von etwas, was in den letzten Wochen an uns herangetreten ist. Ich könnte gewiß auch andere Fälle wählen, aber diese Fälle sind mit unserem Karma verknüpft in einer unmittelbaren Weise, so daß ich über sie gerade am heutigen Tage wiederum sprechen kann. Und Sie können das, was da gesagt wird, auch für andere erweitern, die innerhalb und außerhalb unserer geisteswissenschaftlichen Bewegung mit ihrem Schicksal und seinem Verhältnis zu ihrem Tode in einem ähnlichen Verhältnis stehen, wie das in den Fällen ist, von denen ich sprechen will.
[ 10 ] Just because Spiritual Science is meant to be something that moves our hearts while at the same time leading our souls further in knowledge, I would like—in order to explain a few things about the path, which is also one that ties in with many of the issues that have occupied us in the wider context of our spiritual scientific current of knowledge in recent weeks— I would like to speak to you about something that has come to us in recent weeks. I could certainly choose other cases, but these cases are linked to our karma in a direct way, so that I can speak about them again today. And you can extend what is said here to others, both within and outside our Spiritual Science movement, who stand in a similar relationship to their fate and its connection to their death as is the case with those of whom I wish to speak.
[ 11 ] Da haben wir einen erschütternden Fall im vorigen Herbst in Dornach im Umkreis unseres Baues erlebt. Liebe Freunde waren mit ihren Kindern nach Dornach hingezogen, hatten sich dort in der Nähe des Baues angesiedelt, um die Gärtnerei zu besorgen. Und das älteste, sieben Jahre alte Kind, ein geistig unendlich aufgeweckter Knabe, der aber auch in bezug auf seine Herzenseigenschaften etwas ganz Eigentümliches war, der war wirklich etwas wie ein Sonnenkind. Man hatte innigsten Anteil an der Seele dieses Kindes, auch wenn man es nur flüchtig da und dort einmal sehen konnte. Als dann der Vater eingerückt war, um auf dem Schlachtfelde seine Pflicht als deutscher Bürger zu tun, da war der siebenjährige Knabe mit seinem Herzen, ich möchte sagen, schon so in der ganzen Situation des Lebens darin, daß er sich ganz besonders angestrengt hat, den Vater, so gut er konnte, zu ersetzen, um der Mutter zu helfen, indem er alles mögliche besorgte. Er fuhr in die Stadt, kaufte ein, der siebenjährige Knabe ganz allein. Bines Abends wurde nun der Knabe vermißt. Es war gerade ein Vortragsabend. Eine uns befreundete Persönlichkeit kam so etwa um zehn Uhr und sagte, daß der Knabe vermißt wäre. Und es konnte zum Schluß gar nicht unklar sein, daß dieses Vermißtsein des Knaben etwas zu tun habe mit dem Umfallen eines Möbelwagens, der in der Nähe des Baues an einer Stelle umgefallen war, wo vielleicht vorher kaum ein Möbelwagen gefahren ist, seit jener Zeit auch nicht wieder und wohl auch lange Zeit hindurch keiner fahren wird. Der Wagen war über eine kleine Böschung in eine Wiese hinein so heruntergefallen, daß die Fuhrleute sagten, es wäre keine Rede, daß man den Wagen am Abend noch heben könne. Sie spannten die Pferde aus, für die sie sehr besorgt waren, und ließen den Wagen ruhig liegen, um ihn am nächsten Tage zu heben, weil sie glaubten, man würde einen ganzen Tag zu tun haben, um den schweren Wagen heben zu können. Nun war es zehn Uhr abends. Wir mußten das Vermißtsein des Knaben in Zusammenhang mit dem Umfallen dieses Wagens bringen. Es wurden alle möglichen Instrumente herbeigeschafft, und alles, was arbeiten konnte, arbeitete, und in zwei Stunden war der Wagen gehoben. Um Mitternacht fanden wir den toten Knaben unter dem Möbelwagen.
[ 11 ] Last fall, we experienced a deeply moving incident in Dornach, near our construction site. Some dear friends had moved to Dornach with their children and settled near the site to tend the garden. And the eldest child, a seven-year-old boy, was intellectually incredibly bright, yet also possessed something quite unique in terms of his heart’s qualities; he was truly something of a child of the sun. We felt the deepest connection to this child’s soul, even if we could only catch a fleeting glimpse of him here and there. When the father was called up to do his duty as a German citizen on the battlefield, the seven-year-old boy was, I would say, already so deeply immersed in the whole situation of life that he made a special effort to replace his father as best he could, to help his mother by taking care of everything possible. He went into town to shop, the seven-year-old boy all by himself. One evening, the boy went missing. It was a lecture evening. A friend of ours came by around ten o’clock and said that the boy was missing. And in the end, it could not be unclear that the boy’s disappearance had something to do with the overturning of a furniture truck, which had overturned near the construction site at a spot where perhaps hardly any furniture truck had driven before, nor has one since, and likely none will for a long time to come. The wagon had rolled down a small embankment into a meadow in such a way that the drivers said there was no way they could lift it that evening. They unhitched the horses, for whom they were very concerned, and left the wagon where it lay, intending to lift it the next day, because they believed it would take a full day to lift the heavy wagon. It was now ten o’clock in the evening. We had to connect the boy’s disappearance with the overturning of this wagon. Every possible tool was brought in, and everyone who could work did so, and within two hours the wagon was lifted. At midnight we found the dead boy under the furniture wagon.
[ 12 ] Nun, wenn man nur äußerlich beachtet und ins Auge faßt, wie von längerer Zeit her, bevor das geschehen war, sich alles zusammenschob, so daß der Knabe, der sonst immer einen etwas andern Weg gegangen war, wodurch er auf der rechten Seite am Wagen vorbeigegangen wäre, damals aber so ging, daß er an der linken Seite vorbeikam, wo ihn der Wagen gerade überfallen mußte, wenn man bedenkt, daß er etwas aufgehalten war in der wohlwollendsten Weise, so daß er etwa eine Viertelstunde später weggegangen ist — er hatte in der sogenannten Kantine etwas für das Abendbrot geholt —, so daß er später weggegangen ist, als er eigentlich wollte, wenn man bedenkt, daß das Ganze sich so vollzogen hat, daß es eigentlich wirklich auf ein paar, ja kaum ein paar Minuten ankam, daß der Knabe gerade an der Stelle war, wo der Wagen umfiel, und daß das Ganze nicht beachtet wurde; von gar nicht ferne schauten Leute zu, wie der Wagen umfiel, aber von dem Knaben hatte man nichts gesehen, wenn man das alles bedenkt, dann wird man schon äußerlich anerkennen, wie das im eminentesten Sinne ein Beispiel ist für eine leicht sich vollziehende logische Täuschung, der sich der Mensch hingeben kann.
[ 12 ] Well, if one considers only the outward appearance and focuses on how, for some time before this happened, everything had come together in such a way that the boy—who had otherwise always taken a slightly different route, which would have led him to pass the carriage on the right— but at that time walked in such a way that he passed on the left side, where the carriage was bound to hit him, if one considers that he was delayed in the most benevolent way, so that he left about a quarter of an hour later—he had gone to the so-called canteen to get something for supper— so that he left later than he had actually intended, considering that the whole thing unfolded in such a way that it really came down to a matter of a few—indeed, barely a few—minutes, that the boy happened to be at the very spot where the cart overturned, and that the whole thing went unnoticed; people standing not far away watched as the cart overturned, but no one had seen the boy; when one considers all this, one will readily acknowledge that this is, in the most eminent sense, an example of a logical fallacy that can easily occur and to which a person can succumb.
[ 13 ] Ich habe öfter, auch vor Ihnen, anschaulich gezeigt, wie der Mensch sich schon im äußeren Leben Täuschungen hingeben kann, so daß er geradezu Ursache und Wirkung verwechselt. Gesagt habe ich: Man nehme an, man sähe von der Ferne einen Menschen am Rande eines Flusses gehen. Man sieht, wie er plötzlich taumelt und in den Fluß hineinfällt. Man zieht ihn nicht lange danach tot heraus. Nun ist man ja wohl berechtigt, nach allen äußeren Gründen anzunehmen, daß der Mensch ins Wasser gefallen und eben ertrunken ist. Und tut man nichts anderes, so wird es im menschlichen Urteil dabei bleiben. In diesem Falle bedarf es nur eines äußeren Mittels, um sich vielleicht vom Gegenteil zu überzeugen. Man hat an der Stelle, wo der Mensch in den Fluß gefallen ist, auch noch einen Stein gefunden und wird dadurch in dem Urteil bestärkt. Öffnet man die Leiche, so wird man finden, daß der Mensch vom Schlage getroffen wurde, daß er infolgedessen in den Fluß gefallen ist und daß er den Tod nicht aus dem Grunde gefunden hat, weil er in den Fluß fiel, sondern daß er hineinfiel, weil er tot war. Also Ursache und Wirkung sind völlig verwechselt worden. Das aber geschieht vor allen Dingen in der Wissenschaft für denjenigen, der die Dinge durchschaut, an vielen Stellen. In unserem Falle, wo der Knabe seinen Tod fand, müssen wir sagen: Den Möbelwagen hat das Karma dieses Knaben bestellt, den Wagen hat sein Karma gerade an die Stelle hingebracht. Falsch ist das Urteil, wenn man glaubt, da sei ein Zufall im Spiele gewesen. Der Knabe sollte in diesem Falle eben nur das siebente Lebensjahr in dieser Inkarnation erreichen. Und ich möchte sagen, die ganze Veranstaltung ist dazu gepflogen worden. Wir müssen da uns völlig daran gewöhnen, Ursache und Wirkung zu vertauschen gegenüber der Art, wie wir sie im gewöhnlichen Leben sehen.
[ 13 ] I have often, including in your presence, vividly demonstrated how people can succumb to illusions even in their external lives, to the point of confusing cause and effect. I have said: Suppose you see a person walking along the bank of a river from a distance. You see him suddenly stumble and fall into the river. Shortly thereafter, he is pulled out dead. Now, one is certainly justified in assuming, based on all external evidence, that the person fell into the water and drowned. And if one does nothing else, that will remain the human judgment. In this case, it takes only an external means to perhaps convince oneself of the opposite. A stone was also found at the spot where the man fell into the river, and this reinforces that judgment. If one examines the corpse, one will find that the man suffered a stroke, that he consequently fell into the river, and that he did not die because he fell into the river, but rather that he fell into it because he was already dead. Thus, cause and effect have been completely confused. But this happens above all in science, in many places, for those who see through things. In our case, where the boy met his death, we must say: The moving truck was summoned by this boy’s karma; his karma brought the truck precisely to that spot. It is a mistake to believe that chance was at play here. In this case, the boy was simply meant to reach the age of seven in this incarnation. And I would say that the entire event was arranged for that purpose. We must become completely accustomed to reversing cause and effect compared to the way we perceive them in ordinary life.
[ 14 ] Wenn wir nun aber mit dem Blick des Sehers auf das Leben dieser Seele hinschauen, dann wird uns gewiß erschütternd, ganz gewaltig erschütternd, aber zu gleicher Zeit beleuchtend die göttlich-geistigen Geheimnisse der Welt, etwas aufgehen können, was bedeutsam ist. Es dauerte nicht lange nach des Knaben Tod, so war die ganze Aura des Dornacher Baues verändert. Und indem ich dieses sage, sage ich Ihnen etwas, was mit meinen Erfahrungen zusammenhängt. Wenn man selbst zu arbeiten hat für den Dornacher Bau der Anthroposophischen Gesellschaft, wenn man dasjenige einzuleiten hat, was dort auszuführen ist, dann weiß man, was man den helfenden Kräften verdankt, die aus einer solchen Aura in die Seele hereinwirken. Seit jenen Tagen ist mit der Aura des Dornacher Baues wirklich verbunden, echt verbunden dasjenige, was der noch unverbrauchte Ätherleib des Knaben war. Denn der Ätherleib ist ja dasjenige, was vom Menschen abgelegt wird. Die Individualität, aus dem Ich und Astralleib bestehend, geht dann weiter, das ist etwas anderes. Aber der Ätherleib, wenn er in so zartem Kindesalter abgelegt wird, hat Kräfte in sich, die noch jahrzehntelang den physischen Leib und das physische Leben hätten versorgen können. Nun sind diese Kräfte unverbraucht durch die Pforte des Todes gegangen. Sie werden nach einigen Tagen abgelegt. Und diese Kräfte wirken nun gerade mit der Aura des Baues zusammen. Man kann also nicht sagen, daß es bei dieser Individualität die Seele selbst ist, sondern es ist der unverbrauchte Ätherleib. Nichts geht auch in der geistigen Welt verloren. Der Physiker weiß, daß nichts verlorengeht von physischen Kräften, daß sich die Kräfte nur verwandeln. Auch in der geistigen Welt haben wir verwandelte Kräfte zu suchen, unverbrauchte Ätherkräfte, die von frühverstorbenen Menschen in die geistige Welt hinaufgehen. Wir kommen diesen Dingen nah, wenn wir an konkreten Fällen diese Dinge beobachten. Und nur aus diesem Grunde sei heute von solch konkreten Fällen zu Ihnen gesprochen.
[ 14 ] But when we look at the life of this soul through the eyes of the seer, something significant will surely dawn on us—something deeply moving, utterly profound, yet at the same time illuminating the divine-spiritual mysteries of the world. It was not long after the boy’s death that the entire aura of the Dornach building had changed. And in saying this, I am telling you something that relates to my own experiences. When one has to work oneself for the Dornach building of the Anthroposophical Society, when one has to initiate what is to be carried out there, then one knows what one owes to the helping forces that work into the soul from such an aura. Since those days, what was the boy’s still-unspent etheric body has been truly connected, genuinely connected, to the aura of the Dornach building. For the etheric body is, after all, that which is shed by the human being. The individuality, consisting of the I and the astral body, then goes on; that is something else. But the etheric body, when shed at such a tender age, possesses forces within it that could have sustained the physical body and physical life for decades to come. Now these forces have passed through the gate of death unspent. They are shed after a few days. And these forces now interact precisely with the aura of the building. One cannot therefore say that in the case of this individuality it is the soul itself, but rather it is the unspent etheric body. Nothing is lost in the spiritual world either. The physicist knows that nothing is lost of physical forces, that the forces merely transform. In the spiritual world, too, we must look for transformed forces—unused etheric forces that ascend into the spiritual world from people who have died prematurely. We come close to understanding these things when we observe them in concrete cases. And for this reason alone, I shall speak to you today of such concrete cases.
[ 15 ] Eine liebe anthroposophische Freundin starb nach einem Leben, das ihr manche Prüfung gebracht hatte, vor Wochen in Zürich, und das Karma unserer Bewegung brachte es mit sich, daß ich bei der Einäscherung zu sprechen hatte. Die Zeit bis zur Einäscherung vom Tode ab dauerte vom Mittwoch abends sechs Uhr, wo der Tod eintrat, bis Montag früh um elf Uhr. Also eine etwas längere Zeit als gewöhnlich. Dadurch war die Abtrennung der Individualität von dem Ätherleib, während die Einäscherung geschah, schon geschehen. Nun war das Eigentümliche, daß in der Zeit, in welcher die Seele sich in den Tagen zwischen dem Eintreten des Todes und der Einäscherung schon vom Ätherleib losgetrennt hatte, die Notwendigkeit an mich herantrat: Du mußt vor der Einäscherungsrede und nachher, gewisse Worte sprechen. Wie diese Worte geprägt waren, damit hatte dasjenige, was eigenes Können, eigenes Wortprägen tut, wirklich recht wenig zu tun, sondern es ergab sich durch die Identifikation mit der Seele der Persönlichkeit, die durch die Pforte des Todes gegangen war, die Notwendigkeit, diese Seele zu charakterisieren, aber so zu charakterisieren, daß die Charakteristik gegeben war wie eine Eingebung, wie eine Erleuchtung, die von der Seele selbst kam. Die Seele sagte gleichsam: Präge Worte, durch die dasjenige in tönenden Worten erscheint, was meine Seele charakterisiert. — Aber es war in der Seele noch Unbewußtheit. Nicht bewußt rührten die Worte von der Seele her, sondern sie rührten von dem Wesen dieser Seele her. Ich mußte sie charakterisieren, wie sie sich nicht in egoistischer Weise selbst bespiegeln wollte, sondern wie sie sich erschien, wenn eine andere Seele sie betrachtete. Und für diese andere Seele ergab sich die Notwendigkeit bis in die Prägung der einzelnen Worte hinein, am Anfang desjenigen, was man eine Leichenrede nennen könnte, das Folgende zu sprechen. Wie in Anrede an die Seele, die durch die Pforte des Todes gegangen war, mußten die folgenden Worte gesprochen werden:
[ 15 ] A dear anthroposophical friend died a few weeks ago in Zurich after a life that had brought her many trials, and the karma of our movement dictated that I should speak at the cremation. The time from death until the cremation lasted from 6:00 p.m. on Wednesday, when death occurred, until 11:00 a.m. on Monday. This was a somewhat longer period than usual. Consequently, the separation of the individuality from the etheric body had already taken place by the time the cremation occurred. Now the peculiar thing was that during the time in which the soul had already separated from the etheric body in the days between the onset of death and the cremation, the necessity came upon me: You must speak certain words before the cremation speech and afterward. How these words were formed had very little to do with what one’s own ability or one’s own way of forming words might have done; rather, through identification with the soul of the personality that had passed through the gate of death, the necessity arose to characterize this soul—but to characterize it in such a way that the characterization was given as an inspiration, as an illumination, coming from the soul itself. The soul said, as it were: Form words through which that which characterizes my soul appears in sounding words. — But there was still unconsciousness in the soul. The words did not arise consciously from the soul, but they arose from the very essence of that soul. I had to characterize it not as it wished to reflect itself in a self-centered way, but as it appeared when another soul regarded it. And for this other soul, the necessity arose, right down to the shaping of the individual words, to speak the following at the beginning of what one might call a eulogy. As an address to the soul that had passed through the gate of death, the following words had to be spoken:
Du tratest unter uns.
Deines Wesens bewegte Sanftmut
Sprach aus Deiner Augen stiller Kraft
Ruhe, die seelenvoll belebt,
Floß in den Wellen,
Mit denen Deine Blicke
Zu Dingen und zu Menschen
Deines Innern Weben trugen;
Und es durchseelte dieses Wesen
Deine Stimme, die beredt
Durch des Wortes Art mehr
Als in dem Worte selbst
Öffenbarte, was verborgen
In Deiner schönen Seele weset;
Doch das hingebender Liebe
Teilnahmsvoller Menschen
Sich wortlos voll enthüllte —
Dies Wesen, das von edler, stiller Schönheit
Der Welten-Seelen-Schöpfung
Empfänglichem Empfinden kündete.
You walked among us.
The gentle grace of your being
Spoke of the quiet power in your eyes
A peace that enlivens the soul,
Flowed in the waves,
With which your gaze
To things and to people
Carried the weaving of your inner self;
And it permeated this being
Your voice, which eloquently
Through the nature of the word more
Than in the word itself
Revealed what lay hidden
In your beautiful soul;
Yet the devoted love
Of sympathetic people
Revealed itself fully, wordlessly —
This being, which, with noble, quiet beauty
Proclaimed to the creation of the world’s soul
A receptivity of feeling.
[ 16 ] Wie gesagt, am Anfang und am Ende der Bestattung mußten diese Worte gesprochen werden. Nun war in der Tat diese Seele gewissermaßen wie schlafend während des ganzen Vorganges, während der Bestattungszeremonie. Dann folgte die Einäscherung. Das Merkwürdige trat ein, daß der erste Augenblick eines nachher wiederum vergehenden Aufblitzens des Bewußtseins für die Seele in dem Moment eintrat, wo, man kann nicht sagen die Flamme, sondern die Wärme den Leichnam ergriff. Da konnte man sagen: Diese Seele ist nun durch die Pforte des Todes gegangen, ihren Ätherleib hatte sie abgelegt, und nun zeigte sich, wie eine solche Seele zurückblickt. Vor dieser Seele stand in diesem Rückblick die ganze Bestattungszeremonie, das heißt das, was gesprochen worden war; darauf blickte sie hin. Und man könnte da das Geheimnis der Zeitenwirksamkeit für die Seele sehen, nachdem sie durch die Pforte des Todes gegangen ist. Das hätte man in einem solchen Falle immer sehen können. Wenn man hier im physischen Leib auf etwas, was im Raume steht, hinblickt und dann davon weggeht, so geht dieser Gegenstand nicht weg, sondern bleibt stehen, und man kann sich immer umschauen — man sieht, er bleibt stehen. So ist es aber nicht mit dem, was wir zeitlich erleben im physischen Leben; da haben wir nur ein Erinnerungsbild der Ereignisse. Wenn man dagegen nach dem Tode auf vergangene Ereignisse zurückblickt, so bleiben sie stehen; man blickt wie durch den Raum hindurch auf die Ereignisse. So war also stehengeblieben, was gesprochen worden war, die Seele blickte darauf zurück wie auf ein Raumgebilde durch den Zeitenlauf hindurch. Das ist das Hinblicken auf die Gebilde der Akasha-Chronik. Dann trat wiederum eine Art Schlafzustand ein. Aber besonders in diesem Falle zeigte sich so recht klar, wie unbegründet die Befürchtung der materialistischen Seele ist, daß das Bewußtsein, wenn die Seele durch die Pforte des Todes geht, herabgemindert werden könne. Wir haben nach dem Tode, wenn wir in eine Art Schlafzustand sinken, bis zum späteren Erwachen nicht kein oder zu wenig Bewußtsein, sondern wir haben zu viel Bewußtsein. Wir sind zunächst, wenn wir den Ätherleib abgelegt haben, wenn das Lebenstableau abgelegt ist, so erfüllt von Bewußtsein — ich habe darüber in dem in Wien gehaltenen Zyklus «Inneres Wesen des Menschen und Leben zwischen Tod und neuer Geburt» Näheres gesagt —, daß das Bewußtsein zunächst blendet, und der Mensch muß sich zuerst orientieren. Und er orientiert sich, indem er auf sein eigenes Erdenleben und auf seinen Charakter in diesem Erdenleben zurückblickt. An der Selbsterkenntnis muß er sich orientieren, da muß die Orientierungskraft angreifen, und von da aus wird dann gewissermaßen dasjenige, was zu viel Bewußtsein ist, so weit herabgedämpft, daß der Mensch, je nachdem, was er durch die letzte Inkarnation durchgemacht hat, es ertragen kann. Es ist also eigentlich ein Herabdärnpfen der Überfülle des Bewußtseins, die da war, bis zu dem Grade, den der Mensch ertragen kann. Aber es kann das etappenweise auftreten. Und unter dem Eindruck des Ergriffenwerdens des Leibes von der Wärme, der Hitze, entstand ein erstes Aufblitzen von wirklichem Bewußtsein in der Seele bei dieser uns befreundeten Persönlichkeit.
[ 16 ] As I said, these words had to be spoken at the beginning and end of the funeral. Now, in fact, this soul was, so to speak, as if asleep throughout the entire process, during the funeral ceremony. Then came the cremation. The remarkable thing was that the first moment of a subsequent, fleeting flash of consciousness for the soul occurred at the very moment when—one cannot say the flame, but rather the heat—took hold of the corpse. One could say: This soul has now passed through the gate of death; it had shed its etheric body, and now it became apparent how such a soul looks back. Before this soul, in this looking back, stood the entire funeral ceremony—that is, what had been spoken; it gazed upon that. And one could see there the mystery of the soul’s interaction with time after it has passed through the gate of death. One could always have seen this in such a case. When one looks here in the physical body at something standing in space and then walks away from it, that object does not go away but remains standing, and one can always look back—one sees that it remains standing. But it is not so with what we experience temporally in physical life; there we have only a memory image of the events. When, on the other hand, one looks back on past events after death, they remain stationary; one looks at the events as if through space. Thus what had been spoken remained stationary; the soul looked back upon it as upon a spatial formation through the course of time. This is the looking upon the formations of the Akashic Records. Then a kind of sleep state set in again. But especially in this case, it became quite clear how unfounded is the materialistic soul’s fear that consciousness might be diminished when the soul passes through the gate of death. After death, when we sink into a kind of sleep state, we do not have no consciousness or too little consciousness until our later awakening; rather, we have too much consciousness. At first, when we have shed the etheric body, when the life tableau has been laid aside, we are so filled with consciousness—I have spoken in more detail about this in the lecture series held in Vienna, “The Inner Being of the Human Being and Life Between Death and Rebirth”—that the consciousness is initially overwhelming, and the human being must first orient themselves. And they orient themselves by looking back on their own earthly life and on their character in that earthly life. They must orient themselves through self-knowledge; that is where the orienting force must take hold, and from there, so to speak, what is an excess of consciousness is then dampened to such an extent that the person, depending on what they have gone through in their last incarnation, can bear it. It is, in fact, a dampening of the excess of consciousness that was present, down to the degree that the human being can endure. But this can occur in stages. And under the impression of the body being seized by warmth, by heat, a first flash of true consciousness arose in the soul of this personality who is our friend.
[ 17 ] Daß die Seele aber danach strebt, wenn sie durch die Pforte des Todes gegangen ist, dasjenige zusammenzufassen, was in ihr ist, das zeigte sich mir besonders deutlich an einem andern Fall. Ich sagte, diese Dinge kann man ja bei jedem Tode erleben, aber ich führe Ihnen charakteristische Beispiele aus der allerjüngsten Zeit an. Es zeigte sich mir mit ganz besonderer Deutlichkeit bei einem andern Falle, wo eine befreundete Persönlichkeit, nachdem sie höhere Jahre erreicht hatte, durch die Pforte des Todes gegangen ist. Die letzten Jahre, die sie auf der Erde durchlebte, war sie mit allen Gefühlen und Empfindungen in einer seltenen Weise an das hingegeben, was man die Impulse der Geisteswissenschaft nennen kann. Sie war so, daß sie alles einzelne der Geisteswissenschaft mehr fühlte, als mit dem Verstande erfaßte, daß sie mit der Seele vereinigte die Art der Empfindung, des Fühlens, welches eine nicht theoretische, sondern lebenswahre Auffassung der Geisteswissenschaft gibt. Nun war es bei dieser Persönlichkeit so, daß ganz kurz nach der Todesstunde, während des Hineinlebens in das Lebenstableau mit dem Ätherleib, wie hinstrahlte von der Seele, mit der man sich dann identifizierte, dasjenige, was diese Seele als ihr Selbst jetzt zu erfassen suchte, wo sie den Leib abgelegt hatte. Und ich mußte mir dann ganz kurz nach dem Tode, als die Seele mit dem Ätherleibe noch vereinigt war, Worte aufschreiben, die ich auch wiederum nicht geprägt habe durch mein Menschenwissen, sondern die nichts anderes sind als eine Wiedergabe dessen, was die Seele sich innerlich in sich selbst erarbeitete, um gleichsam zusammenzufassen wie in eine Art Resümee dasjenige, was sie aus der Geisteswissenschaft hatte bekommen können, um zu einem innerlich vollen Selbstbewußtsein zu kommen. Da tönte es in der Seele mit den Worten, die ich dann auch, einer Eingebung folgend, vor und nach der Bestattungsrede zu sprechen hatte. Sie werden gleich den großen Unterschied zwischen dem ganzen Ton dieser Worte merken, die ich für die andere Persönlichkeit vorher angeführt habe.
[ 17 ] However, the fact that the soul, once it has passed through the gate of death, strives to bring together what is within it became particularly clear to me in another case. I said that these things can indeed be experienced at every death, but I will cite characteristic examples from very recent times. It became particularly clear to me in another case, where a friend of mine, having reached an advanced age, passed through the gate of death. During the last years she lived on earth, she was, in a rare way, devoted with all her feelings and sensibilities to what might be called the impulses of Spiritual Science. She was such that she felt every detail of Spiritual Science more deeply than she grasped it with her intellect; she united in her soul the kind of perception and feeling that gives a non-theoretical, but life-true understanding of Spiritual Science. Now, in the case of this personality, it was so that very shortly after the hour of death, while entering into the life tableau with the etheric body, what this soul—with which one then identified—was now seeking to grasp as its self, having cast off the body, seemed to radiate forth from the soul. And I then had to write down, very shortly after death, while the soul was still united with the etheric body, write down words that I, too, did not formulate through my human knowledge, but which are nothing other than a rendering of what the soul had worked out inwardly within itself, in order to summarize, as it were, in a kind of summary, that which it had been able to receive from Spiritual Science, so as to attain a fully developed inner self-awareness. Then the words resounded in the soul, which I then, following an inspiration, had to speak before and after the funeral address. You will immediately notice the great difference between the entire tone of these words and those I previously cited for the other personality.
In Weltenweiten will ich tragen
Mein fühlend Herz, daß warm es werde
Im Feuer heil’gen Kräftewirkens;In Weltgedanken will ich weben
Das eigne Denken, daß klar es werde
Im Licht des ew’gen Werde-Lebens;In Seelengründe will ich tauchen
Ergeb’nes Sinnen, daß stark es werde
Für Menschenwirkens wahre Ziele;In Gottesruhe streb’ ich so
Mit Lebenskämpfen und mit Sorgen,
Mein Selbst zum höhern Selbst bereitend;Nach arbeitfreud’gem Frieden trachtend,
Erahnend Welten-Sein im Eigensein,
Möcht’ ich die Menschenpflicht erfüllen;Erwartend leben darf ich dann
Entgegen meinem Schicksalsterne,
Der mir im Geistgebiet den Ort erteilt.
Across the vastness of the world I will carry
My feeling heart, that it may grow warm
In the fire of the sacred working of forces;In the thoughts of the world I will weave
My own thinking, that it may grow clear
In the light of eternal becoming-life;Into the depths of the soul I will dive
With surrendered thought, that it may grow strong
For the true goals of human endeavor;In God’s peace I strive thus
Through life’s struggles and with worries,
Preparing my self for the higher Self;Seeking peace that delights in work,
Perceiving the world’s existence within my own being,
I wish to fulfill my duty to humanity;Then may I live in expectation
Toward my star of destiny,
Which grants me my place in the realm of the spirit.
[ 18 ] Selbstcharakteristik der Seele in der Ich-Form! Sie haben bei dem Früheren den deutlichen Charakter, daß die betrachtende Seele die andere Seele charakterisieren muß im wechselseitigen Geistverkehr mit ihr. Hier hatte die betrachtende Seele nichts anderes zu tun, als sich ganz zu versetzen in die Seele, die sich noch mit den Kräften des Ätherleibes in ihrem durch die Geisteswissenschaft bereicherten Wesen zu erfassen suchte, um sich gewissermaßen klarzuwerden, wie sie sich nun zu orientieren hat in der geistigen Welt.
[ 18 ] Self-characterization of the soul in the first person! In the earlier cases, the distinct feature is that the observing soul must characterize the other soul through mutual spiritual communication with it. Here, the observing soul had nothing else to do but to put itself entirely in the place of the soul that was still seeking to grasp itself—with the forces of the etheric body—within its being enriched by Spiritual Science, in order to clarify for itself, so to speak, how it should now orient itself in the spiritual world.
[ 19 ] Das sind wiederum Fälle, in denen so recht klar wird, wie der Mensch, indem er durch die Pforte des Todes geschritten ist, angewiesen ist darauf, in Selbsterkenntnis auf sein Selbst zurückzublicken. Und man konnte deutlich sehen, wie es für den Toten eine gewisse Hilfe ist, wenn der noch im physischen Leibe Weilende ihm hilft zu formulieren, in Worte zu fassen dasjenige, was in ihm waltet und webt. Selbstverständlich kommen später die Zeiten, wo der Mensch seine Schwächen und seine Fehler, seine Sünden erblickt in der Seelenwelt. Aber das müssen wir festhalten: So sehr zuweilen der Tod von denen, die noch im Leibe weilen, gefürchtet wird, von der andern Seite rückblickend gesehen, nimmt sich der Tod ganz anders aus. Hier im physischen Leben kann kein Mensch mit den gewöhnlichen Menschenkräften bis zur Stunde seiner Geburt zurückblicken. Eigentlich gibt es für keinen Menschen, der nicht hellsichtige Kräfte hat, eine Möglichkeit, sein Eintreten in die Welt anzuschauen; erst später tritt der Zeitpunkt ein, bis zu dem man zurückschauen kann. Gerade das Umgekehrte ist der Fall mit jener Geburt für die geistige Welt, die wir den Tod nennen. Auf diesen Zeitpunkt blickt der Mensch unausgesetzt in dem Leben zwischen Tod und neuer Geburt. Allein dieser Moment gehört zum Herrlichsten, Großartigsten, zum Allerschönsten, auf das man überhaupt in der geistigen Welt sehen kann. Von der andern Seite gesehen ist der Tod immer unmittelbar beweiskräftig dafür, daß der Geist unablässig seinen Sieg über die Leiblichkeit feiert. Und das erlebt man an sich selbst. Daher dieses Streben, das, was man sein kann, auch wirklich in der Seele nach dem Tode zu erleben. Daher ist es eine Hilfe, wenn eine im Leibe lebende Seele dasjenige in Worte prägt, wonach die Seele strebt, damit ihr das, was sie ist, klar mit all dem Besten, das sie hat, vor dem eigenen geistigen Blick stehe, nachdem sie durch die Pforte des Todes gegangen ist. Man konnte gerade in diesem Falle so recht sehen, wie einem mit einer inneren Notwendigkeit solche Worte kommen, die sich auf das Selbst der betreffenden Seele beziehen, wenn man bei der Bestattung zu sprechen hat und nicht aus Willkür heraus spricht, sondern der göttlichen Stimme gehorcht, die einen zu tun heißt, was man zu tun hat.
[ 19 ] These, in turn, are cases in which it becomes quite clear how a person, having passed through the gate of death, is compelled to look back upon their own self in self-knowledge. And one could clearly see how it is of some help to the deceased when the one still dwelling in the physical body helps them to formulate, to put into words, that which reigns and weaves within them. Of course, there will come a time later when the human being beholds their weaknesses and their faults, their sins, in the soul world. But we must note this: however much death is sometimes feared by those still in the body, when viewed from the other side, death appears quite differently. Here in physical life, no human being can, with ordinary human powers, look back to the hour of their birth. In fact, for anyone who lacks clairvoyant powers, there is no way to observe their entry into the world; only later does the point in time arrive to which one can look back. The exact opposite is true of that birth into the spiritual world which we call death. In the life between death and new birth, the human being constantly looks back to this moment. This moment alone belongs to the most glorious, the most magnificent, the very most beautiful things one can ever behold in the spiritual world. Viewed from the other side, death is always direct proof that the spirit ceaselessly celebrates its victory over physicality. And one experiences this in oneself. Hence this striving to truly experience in the soul after death what one can be. Hence it is a help when a soul living in the body puts into words that which the soul strives for, so that what it is may stand clearly before its own spiritual gaze, with all the best it possesses, after it has passed through the gate of death. In this very case, one could truly see how such words—which relate to the self of the soul in question—come to one with an inner necessity when one is to speak at the funeral, not speaking out of caprice, but obeying the divine voice that tells one to do what one must do.
[ 20 ] In einem noch andern Falle zeigte sich mir das durch den karmischen Verlauf der letzten Zeiten, als einer unserer Freunde in früher Jugend starb, der zu großen Hoffnungen gerade für unsere Bewegung berechtigt hat. Er starb im dreißigsten Jahr seines Lebens. Am 26. Februar würde er dreißig Jahre alt gewesen sein, kurz vorher starb er. Und dieser Freund, unser lieber Fritz Mitscher, er ist ja derjenige gewesen, der mit unendlicher, sich opfernder Hingabe dasjenige, was et, der eine Anlage zur Gelehrtennatur hatte, an Gelehrsamkeit erraffen konnte, geisteswissenschaftlich zusammenfaßte und damit in der Tat vor etwas stand, was für unsere Bewegung so notwendig ist: den Umfang unserer Wissenschaft so in sich aufzunehmen, daß man sie geisteswissenschaftlich durchdringt und geisteswissenschaftlich wiedergibt, so daß man voll auf dem Boden der wissenschaftlichen Gegenwart steht. Er war dazu gut vorbereitet. Auch wenn nun das Karma so verläuft, daß solche Seelen frühzeitig durch die Pforte des Todes gehen, so hat das seine Bedeutung im ganzen Weltenverlauf. Und wie es in den andern Fällen war — weil ich gerade durch das Karma dazu gedrängt war, bei der Bestattung zu sprechen —, so war es auch da, daß ich am Anfang und am Ende der Bestattungsrede Worte zu sprechen hatte, welche wiederum in derselben Weise gesprochen werden mußten, sich hineinversetzend in das Wesen der Seele, so daß die Worte wieder nicht willkürlich geprägt sind, sondern im lebendigen Zusammensein mit der durch den Tod gegangenen Seele gefaßt waren. Da mußte ich denn sagen:
[ 20 ] In yet another instance, this became clear to me through the karmic course of recent times, when one of our friends died in his early youth—a friend who had given us great cause for hope, especially for our movement. He died at the age of thirty. On February 26, he would have turned thirty; he died shortly before that. And this friend, our dear Fritz Mitscher—he was the one who, with infinite, self-sacrificing devotion, took what he, having a natural aptitude for scholarship, was able to grasp in terms of erudition, summarized it in terms of Spiritual Science, and thus in fact stood before something that is so necessary for our movement: to take in the scope of our science in such a way that one penetrates it through Spiritual Science and renders it through Spiritual Science, so that one stands fully on the ground of the scientific present. He was well prepared for this. Even if karma now works in such a way that such souls pass through the gate of death prematurely, this has its significance in the course of the world as a whole. And just as it was in the other cases—because I was compelled by karma to speak at the funeral— so it was here as well that at the beginning and end of the funeral address I had to speak words which, in turn, had to be spoken in the same manner, by entering into the essence of the soul, so that the words were not again arbitrarily coined, but were conceived in living communion with the soul that had passed through death. There I had to say:
Eine Hoffnung, uns beglückend:
So betratest Du das Feld,
Wo der Erde Geistesblüten,
Durch die Kraft des Seelenseins,
Sich dem Forschen zeigen möchten.Lautrer Wahrheitliebe Wesen
War Dein Sehnen urverwandt;
Aus dem Geisteslicht zu schaffen,
War das ernste Lebensziel,
Dem Du rastlos nachgestrebt.Deine schönen Gaben pflegtest Du,
Im der Geist-Erkenntnis hellen Weg
Unbeirrt vom Welten-Widerspruch
Als der Wahrheit treuer Diener,
Sichern Schrittes hinzuwandeln.Deine Geistorgane übtest Du,
Daß sie tapfer und beharrlich
An des Weges beide Ränder
Dir den Irrtum drängten
Und Dir Raum für Wahrheit schufen.Dir Dein Selbst zur Offenbarung
Reinen Lichtes zu gestalten,
Daß die Seelen-Sonnenkraft
Dir im Innern machtvoll strahle,
War Dir Lebenssorg’ und Freude.Andre Sorgen, andre Freuden,
Sie berührten Deine Seele kaum,
Weil Erkenntnis Dir als Licht,
Das dem Dasein Sinn verleiht,
Als des Lebens wahrer Wert erschien.Eine Hoffnung, uns beglückend:
So betratest Du das Feld,
Wo der Erde Geistesblüten
Durch die Kraft des Seelenseins
Sich dem Forschen zeigen möchten.Ein Verlust, der tief uns schmerzt,
So entschwindest Du dem Feld,
Wo des Geistes Erdenkeime
In dem Schoß des Seelenseins
Deinem Sphätensinne reiften.Fühle, wie wir liebend blicken
In die Höhen, die Dich jetzt
Hin zu andrem Schaffen rufen,
Reiche den verlaß’nen Freunden
Deine Kraft aus Geistgebieten.Höre unsrer Seelen Bitte,
Im Vertrau’n Dir nachgesandt:
Wir bedürfen hier zum Erdenwerk
Starker Kraft aus Geistes-Landen,
Die wir toten Freunden danken.Eine Hoffnung, uns beglückend,
Ein Verlust, der tief uns schmerzt:
Laß uns hoffen, daß Du ferne-nah,
Unverloren unsrem Leben leuchtest
Als ein Seelen-Stern im Geistbereich.
A hope that brings us joy:
Thus you entered the field,
Where the spirit’s blossoms of the earth,
Through the power of the soul’s being,
Wish to reveal themselves to the seeker.Your yearning was deeply connected
To those who love truth above all;
To create from the light of the spirit,
Was the solemn goal of life,
Which you pursued tirelessly.You cultivated your beautiful gifts,
On the bright path of spiritual knowledge
Unperturbed by the world’s contradictions
As a faithful servant of truth,
To walk with sure steps.You trained your spiritual faculties,
So that they, brave and steadfast,
On both sides of the path
Pushed error away from you
And created space for truth.To shape your self into a revelation
Of pure light,
So that the soul’s solar power
Might shine powerfully within you,
Was your life’s care and joy.Other cares, other joys,
Barely touched your soul,
Because knowledge, as light,
That gives meaning to existence,
Appeared as the true value of life.A hope that brings us joy:
Thus you entered the field,
Where the spirit-blossoms of the earth
Through the power of soul-being
Wish to reveal themselves to inquiry.A loss that pains us deeply,
Thus you vanish from the field,
Where the spirit’s earthly seeds
In the bosom of soul-being
Matured in your spheric senses.Feel how we gaze lovingly
Toward the heights that now
Call us onward to other work,
Extend to the departed friends
Your strength from spiritual realms.Hear our souls’ plea,
Sent to you in trust:
Here, for our earthly work, we need
Strong power from spiritual lands,
For which we thank our departed friends.A hope that brings us joy,
A loss that pains us deeply:
Let us hope that you, far yet near,
Shine upon our lives, never lost,
As a soul-star in the spiritual realm.
[ 21 ] Schon in der nächsten Nacht konnte ich es erleben, daß von dieser Seele aus dem Geistbereich das Folgende herübertönte:
[ 21 ] As early as the very next night, I was able to experience the following resonating from this soul in the spiritual realm:
Mir mein Selbst zur Offenbarung
Reinen Lichtes zu gestalten,
Daß die Seelen-Sonnenkraft
Mir im Innern machtvoll strahle,
War mir Lebenssorg’ und Freude.Andre Sorgen, andre Freuden,
Sie berührten meine Seele kaum,
Weil Erkenntnis mir als Licht,
Das dem Dasein Sinn verleiht,
Als des Lebens wahrer Wert erschien.
To shape my self into a revelation
Of pure light,
So that the soul’s solar power
Might shine powerfully within me,
Was my life’s concern and joy.Other cares, other joys,
They scarcely touched my soul,
For knowledge appeared to me as light,
That gives meaning to existence,
As the true value of life.
[ 22 ] Ich kann Ihnen die Versicherung geben, daß ich, als ich diese Verse hingeschrieben hatte, nicht daran gedacht habe, nicht im entferntesten, daß die beiden Strophen gerade so sind, daß jedes Dir in ein Mir, jedes Dein in Mein verwandelt werden können. Ich wurde darauf erst aufmerksam, als mir die beiden Strophen zurücktönten von der andern Seele wie eine Antwort in der nächsten Nacht. So daß die Strophen genau so bleiben konnten, nur daß sie aus der zweiten Person in die erste gesetzt waren.
[ 22 ] I can assure you that when I wrote these verses, it never occurred to me—not even remotely—that the two stanzas are structured in such a way that every “you” can be transformed into “me,” and every “yours” into “mine.” I only became aware of this when the two stanzas echoed back to me from the other soul like an answer the following night. So that the stanzas could remain exactly as they were, except that they were shifted from the second person to the first.
[ 23 ] Wenn ich dies erwähne, so ist es, weil uns daran das Herzensverständnis aufgehen kann, wie in der Zukunft der Menschheitsentwickelung die Möglichkeit bleiben wird, von Seele zu Seele zu sprechen, wenn der Mund auch nicht mehr das Werkzeug ist. Denn wie wir hier für das Alltagsleben durch den Mund der andern Seele Antwort bekommen, so war es hier an einem Beispiel, wo die Seele noch sogar aus dem Unbewußten ihres Wesens heraus Antwort gab, gleichsam sagend: Ich habe verstanden, denn so war es mir wirklich im Leben; jetzt begreife ich es, nachdem ich den Leib abgelegt habe, was ich im Leben angestrebt habe.
[ 23 ] I mention this because it can help us understand from the heart how, in the future development of humanity, the possibility of speaking from soul to soul will remain, even if the mouth is no longer the instrument. For just as we receive answers here in everyday life through the mouth of another soul, so too was it here in an example where the soul even gave an answer from the unconscious depths of its being, as it were saying: I have understood, for that is truly how it was for me in life; now that I have shed the body, I comprehend what I strove for in life.
[ 24 ] Es kommt wirklich nicht allein darauf an, daß wir Begriffe, Ideen und Vorstellungen über die geistigen Welten aufnehmen, sondern darauf, daß wir uns in einem bestimmten Leben in eine bestimmte Lebensart hineinleben als Mensch, indem wir als Menschen der fünften nachatlantischen Kulturperiode der sechsten und siebenten Kulturperiode entgegengehen. Es kommt darauf an, daß real überbrückt werde der Abgrund, der die Lebenden von den sogenannten Toten trennt, daß die Menschheit immer mehr und mehr eins wird, nicht nur insofern sie im Leibe inkarniert ist, sondern auch insofern sie diejenigen Formen des Daseins angenommen hat, die der Mensch zwischen Tod und neuer Geburt durchlebt. Nicht etwa dies bloß der Menschheit zu bringen, ist die Geisteswissenschaft da, sondern für das Leben, das die Erde braucht für den Rest dieser nachatlantischen Entwickelung, ist die Geisteswissenschaft der erste, ich möchte sagen, noch stammelnde Versuch, denn, was in der Geisteswissenschaft gegeben werden kann, ist ja im Grunde genommen jetzt noch ein Stammeln nur gegenüber dem, was zukünftige Menschheitsgeschlechter an Geisteswissenschaft erleben werden.
[ 24 ] What really matters is not merely that we take in concepts, ideas, and mental images about the spiritual worlds, but that we immerse ourselves in a particular way of life as human beings in a specific lifetime, as members of the fifth post-Atlantean cultural epoch moving toward the sixth and seventh cultural epochs. What matters is that the abyss separating the living from the so-called dead be truly bridged, that humanity become more and more one, not only insofar as it is incarnated in the body, but also insofar as it has taken on those forms of existence that the human being experiences between death and new birth. Spiritual Science is not here merely to bring this to humanity; rather, for the life that the Earth needs for the remainder of this post-Atlantean development, Spiritual Science is the first—I would say, still stammering—attempt, for what can be given in Spiritual Science is, after all, still merely a stammering compared to what future generations of humanity will experience in Spiritual Science.
[ 25 ] Ich wollte durch diese Schilderung, die versucht, durch die Kraft des Herzens dasjenige begreiflich zu machen, was wir über die Verhältnisse von Leben und Tod denken können, Sie heute auf dieses nach dem Leben Hingeordnete der Geisteswissenschaft verweisen, damit Ihnen für ein anderes Verständnis als das Kopfverständnis, für das Herzensverständnis aufgehe, was wir eigentlich durch die geisteswissenschaftliche Vertiefung lebensvoll suchen, was also die Aufgabe der fünften nachatlantischen Kulturperiode ist. Ihr wird ja die sechste, ihr wird die siebente folgen. Man begreift aber erst so recht, was mit der mitteleuropäischen Kultur zu verteidigen ist, wenn man gerade diese mitteleuropäische Kultur innig vereint fühlt mit dem, was in der fünften Kulturperiode für die Menschheit errungen werden muß. Und dann kann etwas beginnen von dem, was ich am Anfang der heutigen Betrachtung genannt habe: ein Erweitern des Blickes über dasjenige, was unsere schicksaltragenden Zeiten in ihrem Schoße haben.
[ 25 ] Through this description, which seeks to make comprehensible—through the power of the heart—what we can think about the relationship between life and death, I would like to direct your attention today to this aspect of Spiritual Science that is oriented toward life, so that you may gain an understanding—not merely an intellectual one, but one of the heart—of what we are actually seeking with such vitality through the deepening of Spiritual Science, which is the task of the fifth post-Atlantean cultural epoch. For the sixth will follow it, and the seventh will follow that. But one truly grasps what needs to be defended in Central European culture only when one feels this very Central European culture intimately united with what must be achieved for humanity in the fifth cultural epoch. And then something can begin of what I mentioned at the start of today’s reflection: a broadening of our gaze beyond what our fateful times hold in their bosom.
[ 26 ] Im Osten bereitet sich eine Art des Menschenlebens vor, welche für die Zukunft eine Bedeutung haben wird. Sie brauchen darüber nur nachzulesen in dem Zyklus über die Mission der Volksseelen, der einmal in Kristiania gehalten worden ist. Aber grundverschieden von der Seelenart, die gerade diejenige des Mitteleuropäers ist, ist schon die Seelenart des Osteuropäers, vom weiteren Orient gar nicht zu sprechen — grundverschieden. Und wir müssen schon durch dasjenige, was uns die Geisteswissenschaft sein soll, darauf kommen, uns für solche Sachen ein offenes Geistesauge zu schaffen. Was oftmals erzählt wird, daß einmal die Waräger von der russisch-slawischen Bevölkerung geholt worden wären, daß ihnen gesagt worden wäre: Wir haben ein schönes Land, aber wir haben keine Ordnung, kommt zu uns und macht uns Ordnung! Richtet uns eine Art von Staatswesen ein! was so wie gemüthaft erzählt wird wie ein Ausgangspunkt der russischen Geschichte, ist ja nichts weiter als eine Legende ohne jeden historischen Hintergrund. Das hat niemals so stattgefunden. In Wahrheit sind diese Waräger ausgezogen, als Eroberer, und sind wahrhaftig nicht gerufen worden. Und dennoch bedeutet das, was so erzählt wird in der Geschichte, doch noch mehr, als es selbst bedeuten würde, wenn es einer historischen Wahrheit entsprechen würde. Denn es bedeutet etwas Prophetisches, etwas wirklich Prophetisches, etwas, was noch nicht geschehen ist, was aber in der Zukunft geschehen wird. Was sich im Osten entwickeln soll, wird sich nämlich so entwickeln müssen, daß die Fähigkeiten der östlichen Völker verwendet werden, um dasjenige, was die Kultur des Westens geschaffen hat, aufzunehmen und in sich dann weiter zu verarbeiten, sich befruchten zu lassen mit dem, was im Westen geschaffen wird. Dies wird in der Zukunft einmal die Aufgabe der östlichen Völker sein. Man kann mit einem kurzen Wort das Wesen gerade des russischen östlichen Volkes charakterisieren. Wenn wir das wirkliche Volk betrachten — nicht jene verlogene Gemeinschaft, von der das russische Volk jetzt regiert wird —, dann müssen wir uns klar sein darüber, daß die russische Seele einen ungeheuren Umfang von Begabung hat, daß sie gewissermaßen zu allem begabt ist; aber gerade indem sie ihre Mission in der Welten- und Menschheitsentwickelung immer mehr entfaltet, wird sich zeigen, daß etwas da sein kann in der Menschheit, was man nennen kann: Begabung ohne produktive Kraft. Die Begabung wird noch immer mehr werden, wird immer größer werden. Dasjenige aber, was zum Beispiel den Mitteleuropäer so auszeichnet, daß er seine Begabung vereinigt hat mit der geistigen Kraft, daß er hervorbringt jenes «Wer immer strebend sich bemüht...» und intim mit seinem Volksgeist lebt; daß er dasjenige, was er verstehen will, zugleich hervorbtingen will, was so großartig in Fichtes Philosophie da ist, wo das Ich, um sich zu begreifen, sich fortwährend hervorbringen will — man wird erst später sehen, was für eine Größe diese Philosophie hat —, gerade dasjenige, was so Mitteleuropa auszeichnet, von dem ist das polarische Gegenteil in Rußland, im Osten Europas vorhanden. Diese russischen Seelen sind absolut aufnehmend: sie haben die größte Begabung für das Aufnehmen, und wenn man bei ihnen von Produktivität spricht, so täuscht man sich. Sie sind dazu berufen, Begabung ohne Produktivität zu entwickeln. Selbst der Begriff ist heute schwer zu fassen, weil es dies in der Entwickelung noch nicht gegeben hat, sondern sich erst nach und nach entwickeln muß. Und in der Zukunft wird es so kommen, daß von Osten herüber an den Westen der Ruf ergeht: Wir haben ein schönes Land, aber keine Ordnung — denn die Unordnung wird immer noch größer werden —, kommt und macht Ordnung! — Mitteleuropa ist dazu berufen, die Produktivität des Geistes hineinzutragen in den Osten. Und was jetzt geschieht, das ist ein unvernünftiges Sich-Wehren gegen das, was in der Zukunft doch geschehen muß. Man will zertreten dasjenige, zu dem man einmal wird kommen müssen, um zu sagen: Kommt zu uns und macht Ordnung! — Es ist so in der Entwickelungsgeschichte der Menschheit, daß dasjenige am meisten zurückgestoßen, am meisten zurückgeworfen wird, was man zuletzt am allermeisten ersehnen und ertrachten muß. Das größte Unglück, das kommen könnte, wenn der Osten Europas, wenn Rußland in diesem Vorgang einen Sieg erringen würde, das größte Unglück wäre dieses gar nicht für Mitteleuropa, sondern für Rußland selber, das allergrößte Unglück, innerlich betrachtet, denn dieser Sieg müßte wieder rückgängig gemacht werden; dieser Sieg könnte mit seinen Wirkungen nicht bleiben. So stehen wir vor dem tragischen Augenblick der Entwickelungsgeschichte der Menschheit, daß sich der Osten vor etwas wehrt, was er in der Zukunft ersehnen wird, mit allen Kräften ersehnen wird. Denn er würde in einen vollständigen Niedergang verfallen, wenn er sich nicht befruchten ließe von dem geistigen Leben desjenigen, was für ihn der Westen ist, der unmittelbar angrenzende Westen. Und zwar muß dieser Westen im weiteren Verlaufe seiner Kultur dasjenige hervorbringen, was lebendiges Geistesleben ist, nicht bloß Idealismus, sondern lebendiges Geistesleben. Dieses lebendige Geistesleben wird wie eine Geistessonne sein, die von Westen nach Osten, in einer dem Lauf der äußern Sonne entgegengesetzten Richtung, sich bewegen wird. Und der äußere russische Mensch wird immer mehr einsehen, wie wenig er durch sich selbst vermag, wie er darauf angewiesen ist, sich wirklich in den ganzen Entwickelungsprozeß der Menschheit hineinzustellen; wie er die größte Sünde dadurch begeht, daß er sich an der für ihn westeuropäischen Kultur vergreift. Merkwürdige Vorblitze möchte ich sagen, könnten wir davon empfinden. Trat doch wiederum etwas auf in diesem Osten, was im Westen eine Unmöglichkeit war: die sogenannte Barfüßerweltanschauung, eine Art Philosophie der Barfüßer, die sich rasch, nachdem sie vor einigen Jahren noch gar nicht da war, über große Kreise verbreitet hat. Barfüßertum! Die Weltanschauung derjenigen, die den absoluten Unglauben an Menschen und Menschentum zu einer Philosophie machen, da sie nicht glauben können, daß der Mensch wirklich etwas anderes ist als dasjenige, was da zwischen Geburt und Tod herumwandelt, herumwandelt unter Mühsal und Schrecken, herumwandelt so, daß die Worte Freiheit, Brüderlichkeit, Erbarmen, Mitleid und Liebe leere Phrasen sind, und daß der nur weise ist, der als Pilger mit bloßen Füßen durch die Welt wandelt, barfuß, der die ganze Kultur, die ganze verfaulte westeuropäische Kultur — wie der Barfüßer sagt — als eine große Täuschung empfindet, und der die abgerissenen Kleider und die dumpfe Stube und die weite Straße als dasjenige betrachtet, wodurch sich der Mensch durchwälzt, wenn er sich zu der Barfüßerweltanschauung durchgerungen hat. Und wenn ein Dichter diese Barfüßerweltanschauung ausdrücken läßt durch eine seiner Personen mit bezeichnenden Worten, so muß uns das ganz merkwürdig berühren, uns, die wir versuchen, aus der mitteleuropäischen Weltanschauung immer das herauszufinden, was den Menschen das Licht der Zukunft anfachen kann. Wenn ein Dichter eine Person aussprechen läßt dasjenige, was aber im Grunde genommen eine Art von Fazit der Barfüßerweltanschauung und ihrer Philosophie sein kann, wie mutet es uns an?
[ 26 ] In the East, a new way of human life is taking shape that will be significant for the future. You need only read about this in the lecture series on the mission of the Folk-souls, which was once given in Kristiania. But the soul type of the Eastern European is already fundamentally different from that of the Central European—not to mention the Far East—fundamentally different. And we must, through what Spiritual Science is meant to be, come to the point of creating an open spiritual eye for such matters. What is often told—that the Varangians were once summoned by the Russian-Slavic population, that they were told: “We have a beautiful land, but we have no order; come to us and bring us order! Establish a form of government for us!”—what is so cheerfully recounted as a starting point of Russian history is nothing more than a legend without any historical basis. That never happened. In truth, these Varangians set out as conquerors and were certainly not summoned. And yet what is told in this way in history signifies even more than it would if it corresponded to historical truth. For it signifies something prophetic, something truly prophetic, something that has not yet happened but will happen in the future. For what is to develop in the East will have to develop in such a way that the abilities of the Eastern peoples are used to take in what Western culture has created and then further process it within themselves, allowing themselves to be enriched by what is created in the West. This will one day be the task of the Eastern peoples. One can characterize the very essence of the Russian Eastern people in a few words. If we look at the real people—not that hypocritical community by which the Russian people are now governed—then we must be clear that the Russian soul possesses an immense scope of talent, that it is, so to speak, gifted in everything; but precisely as it unfolds its mission in the development of the world and humanity more and more, it will become apparent that there can be something in humanity that one might call: talent without productive power. The talent will continue to grow, will become ever greater. But what, for example, distinguishes the Central European so much is that he has united his talent with spiritual power, that he brings forth that “Whoever strives with all his might...” and lives intimately with the spirit of his people; that he wishes to bring forth at the same time what he seeks to understand—which is so magnificent in Fichte’s philosophy, where the ego, in order to comprehend itself, continually seeks to bring itself forth—one will only see later what greatness this philosophy possesses—precisely that which so distinguishes Central Europe, the polar opposite of which is present in Russia, in Eastern Europe. These Russian souls are absolutely receptive: they possess the greatest gift for reception, and if one speaks of productivity in their case, one is mistaken. They are called upon to develop talent without productivity. Even the concept is difficult to grasp today, because this has not yet existed in the course of development, but must develop only gradually. And in the future, it will come to pass that a call will go out from the East to the West: We have a beautiful land, but no order—for disorder will only grow ever greater—come and bring order! — Central Europe is called upon to carry the productivity of the spirit into the East. And what is happening now is an irrational resistance against what must inevitably happen in the future. People want to trample underfoot that very thing they will eventually have to come to in order to say: Come to us and bring order! — It is a fact of human history that what is most strongly rejected and pushed back is precisely what we will ultimately have to long for and seek above all else. The greatest misfortune that could befall us if Eastern Europe, if Russia, were to achieve victory in this process—this greatest misfortune would not be for Central Europe at all, but for Russia itself; the greatest misfortune, viewed from within, for this victory would have to be reversed; this victory, with its consequences, could not endure. Thus we stand before the tragic moment in the history of human development when the East resists something it will long for in the future, will long for with all its might. For it would fall into complete decline if it did not allow itself to be enriched by the spiritual life of that which is the West for it, the West that is its immediate neighbor. And indeed, in the further course of its culture, this West must bring forth what is a living spiritual life—not merely idealism, but a living spiritual life. This living spiritual life will be like a spiritual sun that will move from West to East, in a direction opposite to the course of the outer sun. And the outer Russian person will increasingly realize how little he can accomplish on his own, how he is dependent on truly placing himself within the entire process of human development; how he commits the greatest sin by encroaching upon what is for him Western European culture. Strange flashes, I might say, we might perceive of this. For something has arisen in this East that was an impossibility in the West: the so-called “barefoot” worldview, a kind of philosophy of the barefoot, which has spread rapidly across wide circles, even though it did not exist at all a few years ago. Barefootism! The worldview of those who turn absolute disbelief in humanity and human nature into a philosophy, since they cannot believe that man is truly anything other than that which wanders about between birth and death, wanders amidst hardship and terror, wanders in such a way that the words freedom, brotherhood, mercy, compassion, and love are empty phrases, and that the only wise person is the one who wanders through the world as a pilgrim with bare feet, barefoot, who perceives the entire culture, the entire rotten Western European culture—as the barefoot man says—as a great deception, and who regards the tattered clothes and the dim room and the wide street as that through which man struggles when he has brought himself to adopt the barefoot worldview. And when a poet has one of his characters express this barefoot worldview in telling words, it must strike us as quite remarkable—us, who always try to find within the Central European worldview that which can kindle the light of the future in people. When a poet has a character articulate what is, in essence, a kind of summary of the barefoot worldview and its philosophy, how does it strike us?
[ 27 ] «Ja, was ist er dir denn, dieser Mensch? Verstehst du? Er nimmt dich am Kragen, zerdrückt dich unter dem Nagel wie einen Floh! Dann mag dir ja leid um ihn sein!... Jawohl! Dann magst du ihm ja deine ganze Dummheit offenbaren. Er wird dich für dein Erbarmen auf sieben Foltern spannen, deine Eingeweide wird er sich über die Hand wikkeln und dir alle Adern aus dem Leibe zerren, einen Zoll pro Stunde... Ach du... Erbarmen! Bete zu Gott, daß man dich ohne alles Erbarmen einfach durchprügeln möge, und Schluß!... Erbarmen!... Pfui!»
[ 27 ] “Yes, what is he to you, this man? Do you understand? He grabs you by the collar, crushes you under his thumb like a flea! Then you might feel sorry for him!... Indeed! Then you might reveal all your stupidity to him. He’ll stretch you out on seven racks for your mercy, wrap your guts around his hand, and tear every vein from your body, an inch at a time... Oh, you... Mercy! Pray to God that they might simply beat you to a pulp without any mercy at all, and be done with it!... Mercy!... Ugh!”
[ 28 ] Und Gorki, von dem Sie schon manches gehört haben werden, sagt zu solchen Worten: «Grausam, aber wahr», indem er nun nicht nur die Weltanschauung einer dichterischen Persönlichkeit wiedergibt, wie sie der Dichter ausspricht, sondern seine eigene Weltanschauung ausspricht, die sich für ihn als die Betrachtung der Welt ergibt. Das ist die Weltanschauung eines Barfüßers, eine Weltanschauung, von der man gerade so reden kann wie von andern jetzt vorhandenen Weltanschauungen. Es ist die Weltanschauung, die die Möglichkeit verloren hat, aus sich herauszukönnen, aus sich heraus zu etwas zu kommen, das Licht hineinsendet ins Leben; die zu warten hat, bis sie von diesem Licht befruchtet wird, und dann ihre Mission in der Menschheitsevolution erfüllen kann; die sich aber jetzt aufbäumt gegen dasjenige, was sie gerade tun muß. Man hat viele Phrasen erleben können in der Welt, aber ich sage es aus dem tragischsten Empfinden heraus: Solche Phrasen, wie sie von den verschiedensten Parteien im August 1914 auf der Kriegsversammlung der russischen Duma gesprochen worden sind, solch eine Summe von Phrasen übersteigt den Höhepunkt aller Phrasenhaftigkeit. So etwas wird nur gesprochen, wenn alle lebendige Produktionskraft der Seele ausgepumpt ist. Im Osten steht man in Wirklichkeit am Vorabend desjenigen, was erst werden soll, und entfaltet eine Kraft, die entgegengesetzt liegt — dem, was einstmals diesen Osten groß machen wird. Und wir in Mitteleuropa haben uns zu sagen: Dieser Osten wartet doch gerade auf die spirituelle Weisheit, die in der Mitte von Europa aufgehen muß. Meine lieben Freunde, versuchen Sie, dasjenige in Empfindungen umzusetzen, was ich also mit schweren Empfindungen, möchte ich sagen, in einzelnen Worten charakterisierend angedeutet habe, was ich Ihnen so angedeutet habe, daß es dasjenige beleuchten kann, was wir als Geisteswissenschafter mit erweiterten Empfindungen überschauen und in das wir uns hineinfinden sollen, um die eigentliche Notwendigkeit, auch die zeitgeschichtliche Notwendigkeit der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung zu begreifen. Dann werden wir uns mit Gedanken durchdringen, welche verständnisvoll von unseren Seelen hinaufgehen in die Weltenweiten. Gedanken, welche sich dann begegnen werden mit dem, was in der nächsten Zukunft, wenn wiederum Friede über den Gefilden der Erde sein kann, herunterwirken wird aus diesen geistigen Welten.
[ 28 ] And Gorky, of whom you have no doubt heard a great deal, responds to such words with: “Cruel, but true,” thereby expressing not merely the worldview of a poetic figure as articulated by the poet, but his own worldview, which for him arises from his observation of the world. This is the worldview of a barefoot man, a worldview that can be spoken of just as one speaks of other worldviews that exist today. It is the worldview that has lost the ability to emerge from within itself, to come forth from itself into something that sends light into life; that must wait until it is fertilized by this light, and then can fulfill its mission in human evolution; but which now rebels against precisely what it must do. One has witnessed many empty phrases in the world, but I say this out of the deepest sense of tragedy: phrases such as those spoken by the most diverse parties in August 1914 at the war session of the Russian Duma—such a sum of phrases surpasses the height of all empty rhetoric. Such things are spoken only when all the soul’s living creative power has been drained. In the East, one is in reality on the eve of what is yet to come, and a force is unfolding that is opposed to what will one day make this East great. And we in Central Europe must say to ourselves: This East is waiting precisely for the spiritual wisdom that must arise in the heart of Europe. My dear friends, try to translate into feelings what I have thus indicated with heavy feelings, I would like to say, in individual words, what I have indicated to you, so that it may shed light on what we, as spiritual scientists, survey with expanded feelings and into which we must find our way in order to grasp the actual necessity—and also the historical necessity—of the worldview of Spiritual Science. Then we will imbue ourselves with thoughts that rise from our souls with understanding into the vastness of the worlds. Thoughts that will then encounter what, in the near future, when peace may once again reign over the fields of the earth, will work down from these spiritual worlds.
[ 29 ] Heute habe ich Ihnen gezeigt, wie die Ätherleiber derjenigen Seelen wirken, die als unverbrauchte Ätherleiber sich loslösen von den Seelen, die noch jahrelang, noch jahrzehntelang hier im physischen Leib, für das physische Leben wirken könnten. Es muß uns der Gedanke aufgehen, wie viele solche unverbrauchten Ätherleiberteile in die geistige Welt hinaufsteigen — noch außer demjenigen, was die auf den Schlachtfeldern durch die Todespforte gehenden Menschen durch ihre Individualität in die geistige Welt hinauftragen. Diese Ätherleiber aber werden eine große Summe von geistigen Kräften sein, jener geistigen Kräfte, welche mitwirken sollen aus den geistigen Sphären zur Heranbildung einer geistigen Weltanschauung, welche die Menschheit immer mehr und mehr ergreifen soll. Daß aber herunterwirken können aus den geistigen Sphären diese in den unverbrauchten Ätherleibern heraufgestiegenen Kräfte, dazu müssen ihnen begegnen Gedanken, die von Erdenmenschen wiederum hinaufsteigen in die geistigen Sphären, solche Gedanken, die Verständnis entgegenbringen dem geheimen Wirken der geistigen Welt, in das hineinverwoben sein werden die Kräfte dieser unverbrauchten Ätherleiber. Das aber soll für uns eine Aufmunterung sein, daß wir uns durchdringen mit den großen Wahrheiten der Geisteswissenschaft. Denn diese Wahrheiten werden in uns Gedanken anregen, die weiter und weiter auch in andern Menschen dann wirken werden. Und je nachdem, was als schicksalschwerer Inhalt unserer Tage sich entfaltet, werden friedensvolle Tage kommen, wo das, was die Seelen aus der Geisteswissenschaft in sich eingepflanzt haben, hinaufsteigen wird. Es wird sich begegnen mit dem, was aus den Ätherleibern derer, die auf den Schlachtfeldern der Ereignisse durch die Pforte des Todes gegangen sind, an Kräften sich angesammelt hat und herunterströmt. Und dann wird das eintreten, was ich zusammenfassen möchte in einige Worte als ein aus der geisteswissenschaftlichen Betrachtung sich ergebendes Fazit. Wenn wir die Früchte der Geisteswissenschaft in unsere Zeitenentwickelung recht hineinzustellen wissen, dann wird eintreten, was ich aussprechen möchte in den Worten:
[ 29 ] Today I have shown you how the etheric bodies of those souls function—souls whose etheric bodies, still fresh and unspent, detach themselves from bodies that could continue to function here in the physical world for years, even decades, serving physical life. We must realize how many such unused parts of the etheric body ascend into the spiritual world—in addition to what the people passing through the gate of death on the battlefields carry into the spiritual world through their individuality. These etheric bodies, however, will constitute a vast sum of spiritual forces—those spiritual forces that are to work from the spiritual spheres toward the formation of a spiritual worldview that is to increasingly take hold of humanity. But for these forces, which have ascended into the unspent etheric bodies, to be able to work down from the spiritual spheres, they must encounter thoughts that in turn ascend from earthly human beings into the spiritual spheres—thoughts that show understanding for the secret workings of the spiritual world, into which the forces of these unspent etheric bodies will be woven. But this should be an encouragement to us to immerse ourselves in the great truths of Spiritual Science. For these truths will inspire thoughts within us that will then continue to work further and further into other people as well. And depending on what unfolds as the fateful content of our days, peaceful days will come when what the souls have implanted within themselves through Spiritual Science will rise up. It will meet with the forces that have gathered in the etheric bodies of those who have passed through the gate of death on the battlefields of events and are now streaming down. And then what I would like to summarize in a few words as a conclusion arising from Spiritual Science observation will come to pass. If we know how to place the fruits of Spiritual Science correctly within the development of our times, then what I would like to express in the following words will come to pass:
Aus dem Mut der Kämpfer,
Aus dem Blut der Schlachten,
Aus dem Leid Verlassener,
Aus des Volkes Opfertaten
Wird erwachsen Geistesfrucht
Denken Seelen geistbewußt
Ihren Sinn ins Geisterreich.
From the courage of the fighters,
From the blood of battle,
From the suffering of the forsaken,
From the sacrifices of the people
The fruit of the spirit grows
And souls, conscious of the spirit,
Send their thoughts into the realm of the spirit.
