The Mystery of Death
The Nature and Significance of Central Europe
and the European National Spirits
GA 159
14 March 1915, Nuremberg
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The Mystery of Death, tr. SOL
6. Moralische Impulse und ihre Ergebnisse das Verhältnis der europäischen Völker zu ihren Volksgeistern — Der Kulturimpuls der Eurythmie
6. Moral Impulses and Their Results: The Relationship of the European Peoples to Their National Spirits — The Cultural Impulse of Eurythmy
[ 1 ] Es könnte zunächst scheinen und scheint es vielen Menschen auch so, als ob dasjenige, was man im wahren Sinne des Wortes hellsichtige Kräfte nennt, durch welche die Wesenheiten und Vorgänge der geistigen Welten erkannt werden können, als ob der Mensch diese hellsichtigen Kräfte im Alltagsleben gar nicht hätte, beziehungsweise im Alltagsleben gar nichts von diesen Kräften in seiner Seele entwickelte. So ist es aber nicht. Die hellsichtigen Kräfte sind nicht solche Kräfte, die dem Menschen, so wie er im Alltagsleben darinnen lebt, ganz unbekannt, ganz fremd wären. Das ist nicht der Fall, sondern dasjenige, was wir entwickeln, um in die geistigen Welten hineinzuschauen, was wir aus den tiefen Untergründen der Seele hervorholen müssen, um den Weg in die geistigen Welten hinein zu finden, das ist in einer bestimmten Seelentätigkeit auch schon für das gewöhnliche Leben des Menschen vorhanden. Das ist vorhanden in dem, was man die moralischen Impulse des Menschen nennt. Eine wirklich moralische Tat, ein wirklich moralischer Impuls geht aus denselben Fähigkeiten der Seele hervor, die durch entsprechende Ausbildung zu den hellsichtigen Fähigkeiten führen. Für das gewöhnliche Leben steht die Sache allerdings so, daß alles, was der Mensch tut, aus dem kommen kann, was in seiner Leiblichkeit liegt oder was er sich für und durch seine Leiblichkeit im Laufe des Lebens angeeignet hat. Wenn der Mensch Begierden entwickelt, wenn der Mensch dieses oder jenes tut, wozu er bestimmt wird durch seine Erziehung oder seine sonstigen Lebensverhältnisse, dann ist es das Leibliche, aus dem der Impuls dazu kommt. Aber es gibt im Menschenleben wirklich Impulse, die nicht aus dem Leiblichen kommen, bei denen wirklich nur die Seele betätigt ist, wenn der Mensch diese Impulse faßt: das sind die moralischen Impulse. Eine wirklich moralische Tat ist diejenige, zu der der Leib zwar zu Hilfe gerufen wird, damit man eine Vorstellung von der moralischen Tat bekommt, aber der Impuls, der Antrieb zu der moralischen Tat liegt im Geistig-Seelischen, das wirklich unabhängig vom Leiblichen ist. Man wird niemals mit bloßer Philosophie eine Definition des Moralischen geben können, und es ist das Charakteristische gerade der Philosophie, sofern sie Moralphilosophie sein will, daß sie zu einer richtigen, befriedigenden Definition des Moralischen nicht kommt, wenn sie sich nicht auf den Boden stellt, daß es dem Menschen möglich ist, sein Geistig-Seelisches unabhängig vom Leibe in sich zu erleben. Denn eine andere wirkliche Definition des Moralischen ist nicht möglich, als nur diejenige: Moralisch ist das, was der Mensch beschließt, was der Mensch tut durch Kräfte, die unabhängig von seinem Leibe sind.
[ 1 ] At first glance, and indeed to many people, it might seem as though what is called clairvoyant powers in the true sense of the word—through which the beings and processes of the spiritual worlds can be perceived—as though human beings did not possess these clairvoyant powers at all in everyday life, or rather, as though they developed nothing of these powers in their souls in everyday life. But this is not the case. Clairvoyant powers are not powers that would be completely unknown or foreign to a person as they live their daily life. That is not the case; rather, what we develop in order to look into the spiritual worlds—what we must draw forth from the deep recesses of the soul to find the path into the spiritual worlds—is already present in a certain soul activity even for the ordinary life of the human being. This is present in what is called the moral impulses of the human being. A truly moral act, a truly moral impulse, arises from the same capacities of the soul that, through appropriate training, lead to clairvoyant abilities. In ordinary life, however, the situation is such that everything a person does can stem from what lies within their physical nature or from what they have acquired for and through their physical nature in the course of life. When a person develops desires, when a person does this or that, to which they are led by their upbringing or other life circumstances, then it is the physical aspect from which the impulse arises. But there are truly impulses in human life that do not come from the physical; in these, only the soul is active when a person grasps these impulses: these are the moral impulses. A truly moral act is one in which the body is indeed called upon to assist, so that one may form a mental image of the moral act, but the impulse, the driving force behind the moral act, lies in the spiritual-soul aspect, which is truly independent of the physical. One will never be able to provide a definition of the moral through mere philosophy, and it is precisely the characteristic of philosophy—insofar as it seeks to be moral philosophy—that it cannot arrive at a correct, satisfactory definition of the moral unless it stands on the ground that it is possible for a human being to experience their spiritual-soul life within themselves independently of the physical body. For no other true definition of the moral is possible than this: Moral is that which a human being decides, that which a human being does through powers that are independent of his body.
[ 2 ] Nun wissen wir, daß das menschliche Leben sich aus moralischen, weniger moralischen und unmoralischen Handlungen und Impulsen zusammensetzt. Der Unterschied, welcher zwischen moralischen und unmoralischen Handlungen besteht, zeigt sich erst der okkulten Betrachtung im wahren Lichte. Der Mensch geht in seinem kleinsten Lebenszyklus, in jenem Zeitraum von vierundzwanzig Stunden, in den Schlafzustand ein. Dieser Schlafzustand besteht darin, daß das Ich und der Astralleib im wesentlichen aus dem physischen und Ätherleib herausgehen und dann außerhalb dieses physischen und Ätherleibes leben. Nun ist damit noch keineswegs alles gesagt, wenn man bemerkt, das Ich und der Astralleib gehen aus dem physischen und Ätherleib heraus. Sondern man muß sich auch klar darüber sein, daß das Ich und der Astralleib, indem sie aus dem Ätherleib und dem physischen Leib herausgehen, in die geistigen Welten, die übersinnlich um uns walten, aufgenommen werden. Wir gehen in die übersinnlichen Welten mit unserem Ich und Astralleib hinein. Haben wir am Tage, während unseres Wachzustandes, einen moralischen Impuls gehabt, eine moralische Tat vollbracht, dann besteht das Folgende: Wir müssen mit unserem Ich und Astralleib aufgenommen werden von den Geistern der nächsthöheren Hierarchien, von den Geistern, die wir zu der Hierarchie der Angeloi, der Archangeloi und so weiter rechnen. Diese müssen uns aufnehmen, in sie gehen wir gleichsam hinein im Schlafzustand. So wie wir bei Tage im Leibe leben, so leben wir während des Schlafzustandes in den Wesenheiten der höheren Hierarchien drinnen. Also darüber seien wir uns klar. Wenn wir nun eine moralische Tat vollbracht, einen moralischen Impuls gehabt haben, so besteht für die Wesenheiten der nächsthöheren Hierarchien die Möglichkeit, nach spirituellen kosmischen Gesetzen unser Ich und unseren Astralleib mit unseren moralischen Impulsen beziehungsweise dem, was in unserer Seele von unseren moralischen Impulsen geblieben ist, aufzunehmen. Haben wir eine unmoralische Handlung begangen oder einen unmoralischen Impuls gehabt, so können wir während des Schlafes mit diesem, mit dem Rest, mit dem, was sich durch den unmoralischen Impuls in uns gebildet hat, nicht in die Wesenheiten der höheren Hierarchien während des Schlafes eingehen. Es bleibt wirklich das zurück, wird zurückgestoßen, was in uns unmoralisch ist, es wird wieder hinabgestoßen in die Leiblichkeit. Die Folge davon ist, daß alles dasjenige, was wir als Nachwirkung des Moralischen im Schlafzustand in die geistigen Welten hineintragen, in unserem physischen und Ätherleib nicht wirkt, denn es wird von ihnen hinweggenommen. Dasjenige aber, was unmoralische Gedanken, unmoralische Impulse, unmoralische Handlungen sind, das wird zu etwas, was in den Ätherleib und den physischen Leib hinein zurückgestoßen wird, und das wirkt darinnen. So daß also für den Schlafzustand die Möglichkeit besteht, daß, während der Mensch sich in dem Zustand vom Einschlafen bis zum Aufwachen befindet, in seinem physischen und in seinem Ätherleib die Ergebnisse seiner unmoralischen Handlungen arbeiten. In dieser Beziehung ist es wirklich leicht zu erkennen, was ich auch schon öfter in Vorträgen betont habe, daß die Sprache einen wunderbaren Genius hat, daß sie großartig genial wirkt. Wenn wir von Schuld sprechen, da bedeutet gerade dieses deutsche Wort «Schuld» unendlich präzise das, um was es sich handelt. Wir zahlen dasjenige, was wir der geistigen Welt schuldig sind, mit unseren moralischen Handlungen, aber wir bleiben schuldig der geistigen Welt dasjenige, was wir zurücklassen müssen im Leibe, unsere unmoralischen Gedanken, unmoralischen Impulse, unmoralischen Handlungen.
[ 2 ] We now know that human life is composed of moral, less moral, and immoral actions and impulses. The difference between moral and immoral actions is revealed in its true light only through occult observation. In the smallest cycle of life—the twenty-four-hour period—the human being enters the state of sleep. This state of sleep consists in the ego and the astral body essentially leaving the physical and etheric bodies and then living outside of them. Now, this by no means says everything when one notes that the ego and the astral body emerge from the physical and etheric bodies. Rather, one must also be clear that the ego and the astral body, by emerging from the etheric and physical bodies, are received into the spiritual worlds that reign supersensually around us. We enter the supersensible worlds with our I and astral body. If, during the day, while in our waking state, we have had a moral impulse or performed a moral deed, then the following occurs: We must be received by the spirits of the next higher hierarchies with our ego and astral body—by the spirits we count among the hierarchies of the Angeloi, the Archangeloi, and so on. These must receive us; we enter into them, as it were, during the state of sleep. Just as we live in the body during the day, so do we live within the beings of the higher hierarchies during the state of sleep. So let us be clear about this. If we have now performed a moral act or had a moral impulse, then according to spiritual cosmic laws, the beings of the next higher hierarchies have the possibility of receiving our ego and our astral body along with our moral impulses—or rather, what remains in our soul from our moral impulses. If we have committed an immoral act or had an immoral impulse, then during sleep we cannot enter into the beings of the higher hierarchies with this, with the residue, with what has formed within us through the immoral impulse. What is immoral within us truly remains behind, is repelled; it is pushed back down into the physical body. The consequence of this is that everything we carry into the spiritual worlds as an aftereffect of the moral during the state of sleep does not take effect in our physical and etheric bodies, for it is taken away from them. But what consists of immoral thoughts, immoral impulses, and immoral actions becomes something that is pushed back into the etheric body and the physical body, and this works within them. Thus, during the state of sleep, there is the possibility that, while the human being is in the state from falling asleep to waking up, the results of their immoral actions are at work in their physical and etheric bodies. In this regard, it is truly easy to recognize—as I have often emphasized in lectures—that language possesses a wonderful genius, that it works in a magnificently ingenious way. When we speak of guilt, the very German word “Schuld” signifies with infinite precision exactly what is at stake. We pay what we owe to the spiritual world through our moral actions, but we remain indebted to the spiritual world for what we must leave behind in the body: our immoral thoughts, immoral impulses, and immoral actions.
[ 3 ] Und nun bedenken Sie folgendes: Wenn wir unser Leben so verbringen würden, daß wir nur die Dinge der Außenwelt wahrnehmen und über sie denken würden, so würden die Vorgänge selbst in unserem physischen Leibe ganz andere sein, als sie sind, da wir nicht nur denken und wahrnehmen, sondern uns auch an das Gedachte, Wahrgenommene und Erlebte erinnern. Was wir denken, vorstellen, empfinden, geht bis in unseren Ätherleib hinunter, aber der Ätherleib prägt es wiederum dem physischen Leibe ein, und dasjenige, was der Ätherleib wie Abdrücke im physischen Leibe schafft, das ist die Erinnerung. Wenn wir uns im späteren Leben an irgend etwas von früher Erlebtem erinnern, so bedeutet das: Wir stoßen mit dem Astralleib, der sich dann mit dem Ätherleib vereinigt, auf das, was wie eine Einprägung, wie ein Siegelabdruck in unserem physischen Leibe geblieben ist. Kindlich ist die materialistische Vorstellung, die sich herausgebildet hat: als wenn eine Erinnerung im Gehirn da, eine andere dort sitzen würde, als wenn sie so eingeschachtelt wäre. Das ist nicht wahr, sondern jede Erinnerung hat einen Abdruck, der im Grunde dem ganzen Haupte und noch manchem andern Teil der menschlichen Gestalt entspricht, und die Erinnerungen stecken ineinander, nicht nebeneinander, wie eine kindliche materialistische Vorstellung annimmt. Diese Erinnerungstätigkeit beruht also darin, daß unser Astralleib und Ätherleib Eindrücke in unserem physischen Leib bewirken können. Es ist wirklich dieselbe Tätigkeit, die äußerlich dann eintritt, wenn wir uns irgend etwas notieren. Wenn wir nämlich die Notizen anschauen, so besitzt das, was wir in unserer Seele haben, natürlich nicht die geringste Ähnlichkeit mit den Zeichen, die wir auf dem Papier haben. Auf dem Papier sind Zeichen irgendwelcher Form, aber durch dasjenige, was wir dann daraus machen, indem wir angeregt werden, in der Seele das wieder lebendig zu machen, was wir notiert haben, geht ein geistiger Vorgang vor sich. Und so ist es auch mit der Erinnerung. Was in uns bleibt, hat wahrhaftig mit demjenigen, was beim Erinnern in der Seele auftritt, prinzipiell nicht mehr Ähnlichkeit als das, was auf dem Papier steht, mit dem, was in der Seele auftritt, wenn wir es wieder lesen.
[ 3 ] And now consider the following: If we were to spend our lives merely perceiving and thinking about the things of the external world, the processes taking place within our physical body would be quite different from what they are, since we do not merely think and perceive, but also remember what we have thought, perceived, and experienced. What we think, create as a mental image, and feel extends down into our etheric body, but the etheric body in turn imprints it upon the physical body, and what the etheric body creates in the physical body as impressions is memory. When we recall something from our past experiences later in life, this means: We encounter, with the astral body—which then unites with the etheric body—that which has remained in our physical body like an imprint, like a seal. The materialistic mental image that has developed is childish: as if one memory were located here in the brain and another there, as if they were boxed in that way. That is not true; rather, every memory has an imprint that essentially corresponds to the entire head and many other parts of the human form, and the memories are nested within one another, not side by side, as a childish materialistic mental image assumes. This process of remembering thus rests on the fact that our astral and etheric bodies can produce impressions in our physical body. It is truly the same process that occurs externally when we write something down. For when we look at the notes, what we have in our soul naturally bears not the slightest resemblance to the symbols we have on the paper. On paper there are symbols of some form, but through what we then make of them—by being inspired to bring to life in the soul what we have written down—a spiritual process takes place. And so it is with memory as well. What remains within us bears, in principle, no more resemblance to what arises in the soul when we recall it than what is written on paper bears to what arises in the soul when we read it again.
[ 4 ] Hellsichtig angeschaut, ist die Sache so: Nehmen wir also an, es erinnere sich jemand an etwas, was er früher durchgemacht hat. Was dann in seinem physischen Leibe aufleuchtet, ist ein Zeichen, das in irgendeiner Weise sogar der menschlichen Figur vom Kopfe und ein Stück darunter nachgebildet ist. Das sind Zeichen. Es ist jedes anders, was in der Erinnerung auftaucht, aber es sind Zeichen. Und was wir erleben, indem wir uns erinnern, das macht erst die Seele aus den Zeichen. Es ist das wirklich ein unterbewußtes Lesen, was als Erinnerung auftritt. Wenn Naturwissenschaft etwas weiter fortschreiten und die physischen Vorgänge untersuchen wird, so wird sie gerade als Hilfe für Geisteswissenschaft auftreten, indem sie zeigen wird, daß dasjenige, was im Leibe bleibt, wirklich erst von der Seele einem Prozeß unterzogen werden muß, der dem Lesen in der Seele prinzipiell ähnlich ist. Erinnerung ist ein wirkliches unterbewußtes Lesen. Das ist eine reguläre Tätigkeit der menschlichen Seele, dieses SichErinnern.
[ 4 ] Viewed clairvoyantly, the situation is as follows: Let us suppose that someone recalls something they went through in the past. What then lights up within their physical body is a sign that, in some way, even resembles the human figure from the head down to a certain point. These are signs. What emerges in memory is different for everyone, but they are signs. And what we experience when we remember is what the soul makes of these signs. What appears as memory is truly a subconscious reading. When natural science advances a little further and investigates physical processes, it will serve precisely as an aid to Spiritual Science by showing that what remains in the body must first be subjected by the soul to a process that is, in principle, similar to reading in the soul. Memory is a genuine subconscious reading. This act of remembering is a regular activity of the human soul.
[ 5 ] Wenn wir nun aber Ergebnisse unmoralischer Impulse, Gedanken oder Handlungen beim Einschlafen in unseren Leib hinunterschicken, bringen wir aus unserem physischen Leibe dasjenige, was wir an unmoralischen Impulsen gehabt haben, nicht heraus. Dadurch geschieht etwas ähnliches, wie es sonst regelmäßig geschieht in der Erinnerung. Das Arbeiten an dem physischen Leibe prägt sich dort ein, und wenn der Mensch nun einschlafen will und sein Ich und Astralleib aus seinem physischen und Ätherleib herausgehen will, dann beginnt dieser Prozeß. Was er da zurücklassen muß, prägt sich ein, wie sich Erinnerungen einprägen, und dann kommen die Gewissensbisse, die da auftreten. Das ist der wirkliche Vorgang der Gewissensbisse. So spiegeln sie sich zurück aus demjenigen, was die Dinge in unserem physischen Leib und auch im Ätherleib an Abdrücken besorgen. Das bleibt dann. Und weil es bleibt wie die regulären Erinnerungen, so können diese Gewissensbisse bleiben und Stärke erlangen und treten dann als Selbstvorwürfe das weitere Leben hindurch auf. Das ist das Wichtige, daß wir wirklich dazukommen, einzusehen, daß das moralische Handeln ein realer Prozeß ist, daß es nicht bloß etwas Abstraktes ist, sondern daß dieses moralische Handeln ein Hinauftragen desjenigen, was wir hier tun auf Erden, in die geistigen Welten ist. Und da wir die Ergebnisse unseres moralischen Verhaltens den höheren Hierarchien übergeben, so bleiben sie auch in gewisser Beziehung in diesen höheren Hierarchien. Das aber, was wir nicht mitnehmen können, was dann im physischen und Ätherleib arbeitet, das bleibt hier auf der Erde, das ist im Erdenprozeß darin. Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes gegangen ist, muß er immer darauf zurückschauen, und indem er immer darauf zurückschaut, muß in ihm der Impuls entstehen, es aus dem Erdenprozeß herauszuschaffen. Darauf beruht dann die Ausarbeitung des Karma zwischen dem Tod und einer neuen Geburt.
[ 5 ] But when we send the results of immoral impulses, thoughts, or actions down into our body as we fall asleep, we do not expel from our physical body the immoral impulses we have had. This causes something similar to what normally happens in memory. The work done on the physical body is imprinted there, and when a person wants to fall asleep and their ego and astral body wish to leave their physical and etheric bodies, this process begins. What they must leave behind is imprinted, just as memories are imprinted, and then the pangs of conscience arise. This is the true process of pangs of conscience. Thus they are reflected back from the imprints that things leave in our physical body and also in the etheric body. That remains. And because it remains like ordinary memories, these pangs of conscience can remain and gain strength, and then appear as self-reproaches throughout the rest of one’s life. The important thing is that we truly come to realize that moral action is a real process, that it is not merely something abstract, but that this moral action is a carrying up of what we do here on Earth into the spiritual worlds. And since we hand over the results of our moral behavior to the higher hierarchies, they also remain, in a certain sense, within these higher hierarchies. But that which we cannot take with us—that which then works within the physical and etheric bodies—remains here on Earth; it is part of the earthly process. Once a person has passed through the gate of death, they must always look back upon it, and as they continually look back, the impulse must arise within them to extract it from the earthly process. This is the basis for the working out of karma between death and a new birth.
[ 6 ] Nun nehmen wir allerdings in unser Karma die Ergebnisse unserer moralischen Impulse mit, aber indem wir sie während des Schlafes in geistige Welten hinauftragen, machen sie dort auch einen Eindruck. Wir können sagen, die Engel, die Erzengel, auch die Geister der Persönlichkeit haben nun dasjenige, was wir an moralischen Impulsen zu ihnen hinauftragen. Und was tun sie damit? Für den Entwickelungsgang der Erde sind diese moralischen Impulse, die nunmehr in der geistigen Welt darin sind, die eigentlichen Befruchtungskeime für die späteren Erdenperioden. Nicht nur daß wir diese Ergebnisse in unserem Karma behalten, sondern wir bringen die Abdrücke hinauf, und in den kommenden Erdenepochen tragen sie die Geister der höheren Hierarchien wieder hinunter, und es bilden dann diese Ergebnisse der moralischen Impulse in späteren Erdenepochen die Befruchtungskeime für das menschliche erfinderische Denken, für das menschliche Denken überhaupt. Man denke sich einmal, daß eine Epoche in der Erdenentwickelung ganz unmoralisch wäre, so daß keine moralischen Impulsabdrücke in die geistigen Welten hinaufgetragen würden. Dann würde in der Erdenentwickelungszeit eine Epoche folgen müssen, wo den Menschen für das Erdenleben wenig einfallen würde, wo die Menschen wenig Ideen und Begriffe haben würden, wo eine Armut herrschen würde in demjenigen, was das Leben an Seelischem durchprägen und durcherregen soll.
[ 6 ] Now, we do carry the results of our moral impulses into our karma, but by carrying them up into the spiritual worlds during sleep, they also make an impression there. We can say that the angels, the archangels, and even the spirits of the personality now possess what we carry up to them in the form of moral impulses. And what do they do with them? For the course of Earth’s development, these moral impulses, which are now present in the spiritual world, are the actual seeds of inspiration for later epochs of the Earth. Not only do we retain these results in our karma, but we carry the imprints upward, and in the coming epochs of Earth, the spirits of the higher hierarchies carry them back down again; and these results of the moral impulses then form the seeds of inspiration for human inventive thinking, for human thinking in general, in later epochs of Earth. Just imagine that an epoch in Earth’s development were entirely immoral, so that no imprints of moral impulses were carried up into the spiritual worlds. Then an epoch would have to follow in the course of Earth’s development in which people would have little to offer for life on Earth, in which people would have few ideas and concepts, and in which a poverty would reign in that which is meant to permeate and stir life in the soul.
[ 7 ] So stehen wir mit unseren moralischen Impulsen in einem realen Prozeß des Kosmos darin. Und so ist die Geisteswissenschaft, die uns so etwas zeigt, geeignet, unsere Verantwortlichkeit zu erhöhen, unsere Verantwortlichkeit zu energisieren, denn wir merken dadurch erst, was es bedeutet, im menschlichen Leben moralisch oder unmoralisch sein. Unmoralisch sein heißt, der Erde ihre Lebenskeime entziehen, sie dem physischen Erdenprozeß einverleiben, in dem sie dann Zerstörungskeime für die nächsten Erdepochen werden, denn natürlich bleiben sie da auch erhalten, weil nichts verlorengeht. Sie löschen dann dasjenige aus, was lebendig als Seelisches leben soll. Nehmen wir an, eine größere Menschenmenge würde beschließen, unmoralisch zu leben in einer bestimmten Epoche. Dann würde dadurch eine gedankenarme spätere Epoche herbeigeführt werden, und die Seelen würden auf die Erde herunterkommen und auf der Erde Gedankenarmut finden, sie würden einem öden Leben verfallen sein.
[ 7 ] Thus, with our moral impulses, we are part of a real cosmic process. And so Spiritual Science, which reveals this to us, is capable of increasing our sense of responsibility and energizing it, for it is only through this that we come to realize what it means to be moral or immoral in human life. To be immoral means to deprive the Earth of its seeds of life, to incorporate them into the physical process of the Earth, where they then become seeds of destruction for the next epochs of the Earth, for naturally they remain there as well, since nothing is lost. They then extinguish that which is meant to live as a living soul. Let us suppose that a large group of people were to decide to live immorally in a particular epoch. This would then bring about a later epoch of intellectual poverty, and the souls would descend to Earth to find a poverty of thought; they would be condemned to a barren existence.
[ 8 ] Nun ist die Möglichkeit vorhanden, daß wir nicht nur dasjenige in unsere Erkenntnis aufnehmen, was der Inhalt des Moralischen ist. Wenn wir dasjenige, was der Inhalt des Moralischen ist, nicht in unsere wirksame Erkenntnis aufnehmen, so veröden wir die Erde. Aber wir haben nötig, und wir haben die Möglichkeit, auch anderes noch aufzunehmen in unsere Seelenentwickelung, und das ist das Wissen von dem Übersinnlichen. Im Grunde war die Erde niemals ganz ohne Wissen von dem Übersinnlichen. Wir wissen ja, daß die Menschheit in alten Zeiten ein gewisses Erbgut von hellsichtigem Vermögen, hellsichtigen Fähigkeiten, dadurch aber auch von hellsichtigem Wissen erhalten hat. Und es ist noch gar nicht so lange her, daß die Nachwirkungen dieses hellsichtigen Wissens auf der Erde da waren. Wir wissen ja auch, daß wir in der Zeit leben, wo dieses hellsichtige Wissen seit Jahrhunderten auf die völlige Neige geht, aber dann ersetzt werden muß durch das bewußt zu erringende hellsichtige Wissen. In dieser wichtigen Zeit leben wir. Und wir haben uns gestern vor die Seele geführt, wie die fünfte Kulturepoche und diejenigen, die deren Träger sind, berufen sind, hellsichtiges Wissen bewußt den Seelen wieder zu erringen. Und die fünfte Kulturepoche wird nicht zu Ende gehen, bevor eine gewisse Summe hellsichtigen Wissens einen verhältnismäßig großen Teil der Menschheit ergriffen hat. Das Herdersche Wort ist wahr, daß die Erleuchtung über die Erde gehen werde.
[ 8 ] Now there is a possibility that we may not limit our understanding to the content of morality alone. If we do not incorporate the content of morality into our active understanding, we will cause the earth to become barren. But we need, and we have the possibility, to incorporate something else into our soul’s development as well, and that is knowledge of the supersensible. In essence, the Earth has never been entirely without knowledge of the supersensible. We know, after all, that in ancient times humanity inherited a certain legacy of clairvoyant powers, clairvoyant abilities, and through them also of clairvoyant knowledge. And it is not so long ago that the aftereffects of this clairvoyant knowledge were still present on Earth. We also know that we are living in a time when this clairvoyant knowledge has been ebbing away for centuries, but must then be replaced by clairvoyant knowledge to be consciously attained. We are living in this important time. And yesterday we reflected on how the fifth cultural epoch and those who are its bearers are called upon to consciously regain clairvoyant knowledge for the souls. And the fifth cultural epoch will not come to an end until a certain amount of clairvoyant knowledge has taken hold of a relatively large portion of humanity. Herders words are true: that enlightenment will go forth over the earth.
[ 9 ] Alles Wissen, das wir uns erwerben von der bloß sinnlichen Außenwelt, alle Gedanken, die wir haben bloß als Nachbilder der sinnlichen Außenwelt, können von uns nun auch nicht so unbedingt, während wir schlafen, in die geistige Welt gebracht werden. Es ist ja wahr, die Gedanken, die Vorstellungen, die wir haben, reichen bis zu einem gewissen Grade in die Wesenheiten der höheren Hierarchien hinein eben mit Ausnahme der unmoralischen Impulse; doch ragt dasjenige, was wir uns an Bildern der Außenwelt erwerben, bis zu einem gewissen Grade hinein in die geistige Welt. Aber es ragt nicht sehr weit herauf, vor allen Dingen nicht mehr bis in die Sphäre der Erzengel. So daß der Mensch, wenn er sich nur mit Vorstellungen erfüllt, die aus der Sinneswelt stammen, nicht sehr weit hineintragen kann in die geistigen Welten dasjenige, was er nur an Vorstellungen der Sinneswelt gewinnt. Was wir aber an übersinnlichen Vorstellungen in uns erleben, das wird weit hineingetragen in die geistigen Welten, und gerade diejenigen Wesenheiten, die der Hierarchie der Erzengel angehören, bekommen gleichsam die Abdrücke davon und tragen es in spätere Zeiten hinüber. Und was so an übersinnlichem Wissen durch Ich und Astralleib der Menschen in die geistigen Welten hinaufgetragen wird, das wird später wiederum zum Erdenentwickelungsprozeß verwandt. Es bildet jetzt nicht, wie die moralischen Impulse, die Befruchtungskeime, das Regsame, sondern die Keime für das, was wir den Erdenfortschritt nennen. Und die Ablehnung der übersinnlichen Vorstellungen durch ein Zeitalter bedeutet die Verurteilung eines kommenden Zeitalters, in der Erdenentwickelung keinen Fortschritt zu machen. Derjenige, der die übersinnlichen Vorstellungen ablehnt, hemmt den Fortschritt kommender Zeitalter, soweit es an ihm ist. Wenn irgendein Volk ganz materialistisch würde, so würde dieser Materialismus eines ganzen Volkes für ein kommendes Zeitalter die Erde zum Stillstand in ihrer Entwickelung verurteilen natürlich bis zu einem gewissen Grade, weil ja die andern Völker die übersinnlichen Vorstellungen nicht ablehnen müßten. Also auch da sehen wir wiederum, wie das Erwerben übersinnlicher Vorstellungen im Erdenprozeß selbst eine Bedeutung hat. So hängen Ursachen und Wirkungen im ganzen Erdenprozeß zusammen. Diejenigen Menschen, die in unserer Gegenwart gewissermaßen bewußt Materialisten sind, sind im Grunde ahrimanisch verführte Wesenheiten, von den ahrimanischen Geistern verführte Wesenheiten, denn Ahriman hat ein großes Interesse daran, den regelmäßigen Fortschritt zu hemmen.
[ 9 ] All the knowledge we acquire from the purely sensory external world, all the thoughts we have that are merely afterimages of the sensory external world, cannot be brought by us into the spiritual world in such a direct way while we sleep. It is true that the thoughts and mental images we have extend to a certain degree into the beings of the higher hierarchies—with the exception of immoral impulses—but what we acquire in the form of images of the external world does extend to a certain degree into the spiritual world. But it does not extend very far, and above all no longer into the sphere of the archangels. So that when a person fills themselves only with mental images derived from the sensory world, they cannot carry very far into the spiritual worlds that which they gain solely from sensory mental images. But the mental images we experience within ourselves are carried far into the spiritual worlds, and it is precisely those beings belonging to the hierarchy of the archangels who, as it were, receive impressions of this and carry it over into later times. And what is thus carried up into the spiritual worlds as supersensible knowledge through the human ego and astral body is later utilized again in the process of Earth’s development. It now forms not, as do moral impulses, the seeds of fertilization, or the animate, but the seeds for what we call Earth’s progress. And the rejection of supersensible mental images by an age means condemning a coming age to make no progress in Earth’s evolution. The one who rejects supersensible mental images hinders the progress of coming ages, insofar as it depends on him. If any people were to become entirely materialistic, this materialism of an entire people would condemn the Earth to a standstill in its development for a coming age—naturally to a certain degree, since the other peoples would not necessarily have to reject supersensible mental images. So here, too, we see once again how the acquisition of supersensible mental images has significance within the earthly process itself. Thus, causes and effects are interconnected throughout the entire earthly process. Those people who, in our present time, are, so to speak, conscious materialists, are essentially beings seduced by Ahriman, beings seduced by the Ahrimanic spirits, for Ahriman has a great interest in hindering regular progress.
[ 10 ] Wiederum sehen wir, wie Geisteswissenschaft das Verantwortlichkeitsgefühl der einzelnen menschlichen Seele zur Gesamtheit der Welt zu erhöhen imstande ist. Wir sehen, wie uns Geisteswissenschaft dem Selbst entreißt und uns zu Angehörigen des gesamten Menschheitsprozesses macht, wie Geisteswissenschaft ihrem Wesen nach eine selbstlose Betätigung der Menschenseele ist.
[ 10 ] Once again, we see how Spiritual Science is capable of heightening the individual human soul’s sense of responsibility toward the whole of the world. We see how Spiritual Science lifts us out of our self-centeredness and makes us part of the entire human process, how Spiritual Science, by its very nature, is a selfless activity of the human soul.
[ 11 ] In einer gewissen Beziehung ist alles Leben in übersinnlichen Vorstellungen dem moralischen Leben nachgebildet. Daher gibt es nichts Störenderes für die Erkenntnisse der übersinnlichen Welten als die Erfüllung der Menschenseele mit unmoralischen Impulsen. Im Grunde sehen wir gerade daraus, welch tiefe Begründung es hat, daß als Vorbereitung für hellsichtige Entwickelung eine im eminentesten Sinne so zu nennende moralische Denkungsart des Menschen gefordert wird. Wirklich ist nun der fünften Epoche übertragen, dafür zu sorgen, daß in bewußter Weise geistige Erkenntnis die Menschen erfülle, damit in dem, was die nachatlantische Zeit noch an Resten zu leben hat, der Fortschritt der Menschheit nicht gehemmt werde, damit wirklich ein Fortschritt in der Menschheit stattfinden könne. Und wenn wir nach alledem, was jetzt in den letzten Tagen besprochen worden ist, gerade den mitteleuropäischen Völkern im eminentesten Sinne die Anlage für geistige Erkenntnis zuzuschreiben haben, dann muß uns klar sein, welche Bedeutung das Fortleben, das ungestörte SichEntwickeln der mitteleuropäischen Kultur hat.
[ 11 ] In a certain sense, all life in the supersensible realm is modeled after moral life. Therefore, nothing is more disruptive to the perception of the supersensible worlds than the human soul being filled with immoral impulses. In essence, we see precisely from this how deeply grounded it is that a moral way of thinking—in the most eminent sense of the term—is required of human beings as preparation for the development of clairvoyance. It is now truly the task of the fifth epoch to ensure that spiritual knowledge consciously fills human beings, so that in what remains of the post-Atlantean era, the progress of humanity is not hindered, so that true progress within humanity may indeed take place. And if, after all that has been discussed in recent days, we are to attribute the predisposition for spiritual knowledge in the truest sense of the word to the Central European peoples in particular, then we must be clear about the significance of the survival and undisturbed development of Central European culture.
[ 12 ] Wenn wir nun mit dem, was wir also erwähnt haben, den Horizont vielleicht nur des europäischen Lebens ein wenig überblicken, was bietet sich uns dann dar? Mit dem Völkerleben hängt ja das Leben der höheren Hierarchien zusammen. Sie brauchen nur den Zyklus über die Entwickelung der Volksseelen, der einmal in Kristiania gehalten wurde, und der in der jetzigen Zeit besonders wichtig ist, zu studieren, Sie brauchen ihn sich nur vor die Seele zu führen und Sie werden sehen, wie die Erzengelwesenheiten in das Völkerleben eingreifen; wie überhaupt dieses Völkerleben im Zusammenwirken der höheren Hierarchien mit dem, was hier auf Erden geschieht, sich abspielt. Wenn wir einen einzelnen Menschen betrachten, so wissen wir, daß seine Ich-Entwickelung erst langsam und allmählich stattfindet. Gewiß, im zarten Kindesalter, von dem Zeitpunkt an, bis zu dem man sich zurückerinnert, beginnt das Bewußtsein des Ich. Aber dieses Ich wird ja immer reifer und reifer, schreitet fort in seiner Entwickelung. In unserer Zeit herrschen in bezug auf diese Ich-Entwickelung schon ziemlich große Irrtümer. Es herrscht viel zu wenig Bewußtsein davon, daß eine solche Ich-Entwickelung im Leben stattfindet. Und so kann man es erleben, daß heute die Menschen in grünster Jugend sich reif finden, alles zu beurteilen, weil sie nicht wissen, daß erst ein bestimmtes Alter erreicht werden muß, um bestimmte Dinge zu beurteilen, weil das Ich erst dadurch eine bestimmte Reife erreicht hat.
[ 12 ] If we now take a brief look at the horizon of European life, based on what we have mentioned, what do we see? The life of the higher hierarchies is, after all, connected to the life of nations. You need only study the lecture series on the development of Folk-souls, which was once given in Kristiania and is particularly important in the present time; you need only bring it to mind, and you will see how the archangelic beings intervene in the life of nations; how, in fact, this life of nations unfolds through the interaction of the higher hierarchies with what happens here on earth. When we consider an individual human being, we know that the development of the ego takes place only slowly and gradually. Certainly, in early childhood, from the point in time back to which one can recall, the consciousness of the ego begins. But this ego becomes ever more mature, advancing in its development. In our time, there are already quite significant misconceptions regarding this development of the ego. There is far too little awareness that such ego development takes place in life. And so one can observe that today people in the very prime of youth consider themselves mature enough to judge everything, because they do not know that a certain age must first be reached in order to judge certain things, since it is only then that the ego has attained a certain maturity.
[ 13 ] Wie es im einzelnen Leben des Menschen ist, so ist es nun auch mit dem Völkerleben. Nur müssen wir das Folgende berücksichtigen, wenn wir das Völkerleben verstehen wollen im Verhältnis zum einzelnen Menschenleben auf dem physischen Plan. Der einzelne Mensch reift heran mit Bezug auf die Ich-Entwickelung, dadurch, daß er reifer und reifer wird, lernt er auch die Außenwelt besser zu überschauen. Was wissen wir von der Außenwelt, wenn wir zwanzig, fünfundzwanzig Jahre erlangt haben, und was können wir wissen, wenn wir das Leben ordentlich zubringen, wenn wir zehn Jahre mehr durchgemacht haben! Für solche Dinge muß sich gerade der Geisteswissenschafter eine Empfindung erwerben. Da steht das Ich in seinem Verhältnis zur äußeren Welt, im Verhältnis zu dem, was dieses Ich umgibt.
[ 13 ] Just as it is in the individual life of a human being, so it is also in the life of a nation. However, we must take the following into account if we wish to understand the life of nations in relation to the life of the individual human being on the physical plane. The individual human being matures in terms of ego development; as he becomes more and more mature, he also learns to grasp the external world more fully. What do we know of the external world when we have reached the age of twenty or twenty-five, and what can we know if we live our lives properly, having lived ten more years! It is precisely for such matters that the person engaged in Spiritual Science must cultivate a sense of understanding. There the ego stands in its relationship to the external world, in relation to that which surrounds this ego.
[ 14 ] Mit den Wesenheiten der höheren Hierarchien ist es anders. Diese Wesenheiten der höheren Hierarchien stehen ihrerseits zu unserem Ich in einem solchen Verhältnis wie wir zu den Dingen der Außenwelt. Für uns sind die Gegenstände und Wesenheiten des mineralischen, Pflanzen- und Tierreiches Objekt. Für die Wesenheiten der höheren Hierarchien sind zum Beispiel unsere Iche Objekt. Nur daß das Verhältnis der Wesenheiten der höheren Hierarchien zu unseren Ichen nicht das der Wahrnehmung ist, wie wir es der Außenwelt gegenüber haben, sondern es ist mehr ein Durchstrahlen unseres Ichs mit dem Willen der höheren Hierarchien, ein Einwirken des Willens der höheren Hierarchien. Jene Erzengelwesen, welche nun die Völker zu leiten haben, stehen zu den Ichen, zu den einzelnen Menschen der Völker wirklich in einer solchen Beziehung, wie wir mit dem Wahrnehmungsvermögen zu den Dingen der Außenwelt stehen. Wir sind für diese Erzengelwesen die Objekte. Was für uns Außenwelt ist, sind wir als Menschen für die Erzengel, nur daß es bei uns mehr ein Wahrnehmungsprozeß ist und bei den Erzengeln mehr ein Willensprozeß. Aber in bezug auf diesen Willensprozeß macht der Erzengel auch eine Entwickelung durch. Dieser Erzengel macht geradeso eine Reifung seiner Seele durch, jetzt nicht in bezug auf sein Ich, sondern in bezug auf tiefere Kräfte seiner Seele. Er macht eine Entwickelung durch, durch die er dann allmählich ein anderes Verhältnis zu den einzelnen Menschen seines Volkes erlangt; so wie wir mit einem reiferen Ich ein anderes Verhältnis zu unserer Umwelt erlangen.
[ 14 ] The situation is different with the beings of the higher hierarchies. These beings of the higher hierarchies stand in the same relationship to our “I” as we do to the things of the external world. For us, the objects and beings of the mineral, plant, and animal kingdoms are objects. For the beings of the higher hierarchies, for example, our I’s are objects. Only that the relationship of the beings of the higher hierarchies to our I’s is not one of perception, as we have it toward the external world, but rather it is more a permeation of our I with the will of the higher hierarchies, an influence of the will of the higher hierarchies. Those archangelic beings who are now to guide the peoples truly stand in such a relationship to the I’s, to the individual human beings of the peoples, as we do to the things of the external world with our faculty of perception. We are the objects for these archangelic beings. What is the external world for us is what we, as human beings, are for the archangels, only that for us it is more a process of perception and for the archangels more a process of will. But with regard to this process of will, the archangel also undergoes a development. This archangel is undergoing a maturing of his soul, not in relation to his ego, but in relation to deeper forces within his soul. He is undergoing a development through which he gradually attains a different relationship to the individual members of his people; just as we, with a more mature ego, attain a different relationship to our environment.
[ 15 ] Nehmen wir zum Beispiel das Erzengelwesen, welchem im Verlauf der Geschichte die Leitung desjenigen übertragen ist, was wir als italienisches Volk kennen. Dieses Erzengelwesen hat lange Zeit ein solches Verhältnis zu dem italienischen Volke gehabt, daß es eigentlich mit seinem Willen im wesentlichen in die höheren Teile des Seelischen hineingewirkt hat. In seinem weiteren Verlauf wirkte dieses Erzengelwesen aber nicht nur in das höhere Seelische, sondern auch in das mehr Niedere der Seele hinein, in die Passionen, in die Impulse der Seele, die noch mit dem Leiblichen zusammenhängen. So geht die Entwickelung des Erzengelwesens weiter: Zuerst wirkt es mehr auf das eigentlich Seelische, im späteren Verlauf wird es immer mächtiger und es wirkt in das Seelische hinein, das mehr mit dem Leiblichen zusammenhängt. Und wir können für das italienische Volk geradezu angeben, wie um das Jahr 1530 herum der Erzengel in seiner Entwickelung die Stufe durchmachte, die sich so charakterisieren läßt, daß man sagen kann: Früher hat er mehr auf das Seelische gewirkt, nun fängt er an, mit seinem Willen mehr das Seelische zu imprägnieren, insofern es das Leibliche durchdringt. Und nun beginnt das italienische Volk eigentlich erst in bezug auf sein Äußeres sich gehen zu lassen, so recht seinen Nationalcharakter zu entwickeln. Studieren Sie die Geschichte des italienischen Volkes vor dem genannten Zeitraum — so um die Mitte des 16. Jahrhunderts herum —, Sie werden dann sehen, daß da der Erzengel noch bei den Menschen der italienischen Halbinsel in die inneren Eigenschaften der Seele gewirkt hat; daß sich dann aber im eminentesten Sinne erst der äußere Nationalcharakter ausgebildet hat, so wie wir ihn gegenwärtig kennen. Vor diesem Zeitpunkt — und ein solcher Zeitpunkt ist für jedes Volk vorhanden — ist das ganze Seelenleben eines Volkes noch lebendig. Da ist es noch so, daß das Seelenleben des Volkes diese oder jene Eigenschaft annehmen kann. Die Eigenschaften sind noch nicht so energisch ausgeprägt. Nach diesem Zeitpunkt, wo der Erzengel zu den tieferen Eigenschaften des Seelischen seine Willensbeziehungen entwickelt hat, wird der Volkscharakter starr, da geht er bis in die leiblichen Eigenschaften hinein, da beginnt die Zeit, wo man kaum mehr’ irgendwie mit etwas, was dem Nationalcharakter nicht entspricht, an das Volk herankommen kann, wo es gleich nervös wird, wenn man mit irgend etwas kommt, was nicht ganz in der nationalen Linie oder Strömung liegt.
[ 15 ] Let us take, for example, the Archangelic Being to whom, in the course of history, the guidance of what we know as the Italian people has been entrusted. For a long time, this Archangelic Being had such a relationship with the Italian people that it essentially worked into the higher realms of the soul through its will. In its further development, however, this archangelic being worked not only into the higher soul, but also into the lower aspects of the soul—into the passions and the impulses of the soul that are still connected to the physical. Thus the development of the archangelic being continues: At first it works more on the soul proper; in its later course it becomes ever more powerful and works into the soul that is more connected with the physical. And we can specify for the Italian people exactly how, around the year 1530, the Archangel, in its development, passed through a stage that can be characterized in such a way that one can say: Previously, he acted more upon the soul; now he begins to permeate the soul more with his will, insofar as it penetrates the physical. And now the Italian people are actually only just beginning to let themselves go in terms of their outward appearance, to truly develop their national character. If you study the history of the Italian people prior to the period mentioned—around the middle of the 16th century—you will see that the Archangel was still working on the inner qualities of the soul among the people of the Italian peninsula; but that it was only then, in the most eminent sense, that the outward national character took shape as we know it today. Before this point—and such a point exists for every people—the entire soul life of a people is still alive. At that stage, the soul life of the people can still take on this or that quality. The qualities are not yet so strongly defined. After this point, when the Archangel has developed his volitional connections to the deeper qualities of the soul, the national character becomes rigid, penetrating even into the physical characteristics; this marks the beginning of a period when one can hardly approach the people with anything that does not correspond to the national character, and when they immediately become nervous if one presents anything that does not fully align with the national line or current.
[ 16 ] Für das französische Volk ist dieser Zeitpunkt in der geschichtlichen Entwickelung tatsächlich auch richtig zu bezeichnen. Es ist das alles natürlich nur approximativ, nur ungefähr, aber es läßt sich bezeichnen für das französische Volk um das Jahr 1600, im Beginn des 17. Jahrhunderts, und für das englische Volk in der Mitte des 17. Jahrhunderts, um das Jahr 1650 herum.
[ 16 ] For the French people, this point in historical development can indeed be accurately described as such. Of course, this is all only approximate, but it can be said to apply to the French people around the year 1600, at the beginning of the 17th century, and to the English people in the middle of the 17th century, around the year 1650.
[ 17 ] Wenn Sie zurückgehen vor diese Zeit, in die Zeit des Mittelalters, werden Sie sehen, wieviel Gemeinschaftliches die Völker Europas noch haben, und wie bei den einzelnen Völkern die Ausprägung des Nationalcharakters in den Zeitpunkten beginnt, die ich angeführt habe. Es macht der Erzengel eine Entwickelung so durch, daß man sagen kann: Vorher waren seine Kräfte noch schwächer, so daß er nur in die seelischen Glieder, in das Innere hineinwirken konnte. Nachher werden die Kräfte stärker, er kann bis zu dem Physischen hin seine Kräfte ausspannen. Dadurch bewirkt er den scharf ausgeprägten Nationalcharakter. Es werden Ihnen selbst einzelne Erscheinungen ziemlich begreiflich erscheinen, wenn Sie solche Dinge zur geschichtlichen Betrachtung haben. Bedenken Sie, daß in der Zeit, in der das englische Volk seinen Shakespeare hatte, noch nicht der Nationalcharakter in dieser Weise umfaßt worden war, so daß gerade das Nicht-mehr-Verstehen-Können Shakespeares, gerade von seiten des englischen Volkes, davon herrührt, daß der Erzengel die Umklammerung mit dem bestimmt differenzierten Nationalcharakter vollzogen hat. Das wird erst eine wirkliche Geschichtsbetrachtung der Zukunft geben, wenn man nicht mehr, wie es ja im 19. Jahrhundert so vielfach vorhanden ist, bei der Geschichtsbetrachtung ausgehen wird davon, daß Ideen in der Geschichte wirken. Ideen kann ein Mensch haben, aber Ideen können nicht als Kräfte in der Geschichte wirken. Ideen können auch die Engel, Erzengel und Urkräfte haben, aber Ideen müssen immer von Wesen ausgehen; das was wirkt, müssen Wesen sein. Die ganze Geschichtsbetrachtung des 19. Jahrhunderts, insofern sie von den Ideen in der Geschichte spricht, ist ein Spuk, weil sie auf dem Glauben beruht, daß Ideen sich entwickeln, sich frei bewegen können im fortlaufenden Zeitenstrom.
[ 17 ] If you go back to that time, to the Middle Ages, you will see how much the peoples of Europe still had in common, and how the distinct national character of each people began to take shape at the points in time I have mentioned. The Archangel undergoes a development such that one can say: Previously, his powers were still weaker, so that he could only work within the spiritual members, within the inner being. Later, the powers become stronger, and he can extend his powers all the way to the physical realm. Through this, he brings about the sharply defined national character. Individual phenomena will seem quite understandable to you if you consider such things from a historical perspective. Consider that in the time when the English people had their Shakespeare, the national character had not yet been encompassed in this way, so that the very inability to understand Shakespeare anymore—precisely on the part of the English people—stems from the fact that the Archangel has completed the embrace with the distinctly differentiated national character. A true historical perspective of the future will only emerge when, unlike so often in the 19th century, historical analysis no longer proceeds from the assumption that ideas act in history. A human being may have ideas, but ideas cannot act as forces in history. Ideas can also be held by angels, archangels, and primal forces, but ideas must always emanate from beings; that which acts must be beings. The entire historical perspective of the 19th century, insofar as it speaks of ideas in history, is a phantom, because it is based on the belief that ideas develop and can move freely in the continuous flow of time.
[ 18 ] Wir können nun die Frage aufwerfen: Wie ist das nun mit dem deutschen Volke? Trat da auch einmal ein Zeitpunkt ein, in dem der Erzengel eine bestimmte Stufe erlangt hat? — Ein solcher Zeitpunkt trat schon ein. Aber nun besteht ein gewisser Unterschied gerade des deutschen Volkes von den andern Völkern. Wir wissen, daß des Menschen Seele aus Empfindungsseele, Verstandes- oder Gemütsseele und Bewußtseinsseele besteht. Das können Sie auch schon aus den Vorträgen über die Volksseelen entnehmen, daß der Erzengel beim italienischen Volk vorzugsweise nach seiner Macht strebt, in die Empfindungsseele zu wirken, bei dem französischen Volk in die Verstandes- oder Gemütsseele und beim britischen Volk in die Bewußtseinsseele, beim deutschen Volke in das Ich, das über die drei Seelenglieder seine Macht erstreckt. Daher ist auch das Verhältnis des Erzengels zu den einzelnen Ichen des deutschen Volkes ein anderes als bei den westlichen Völkern. Es kam schon ein Zeitpunkt, wo der Erzengel des deutschen Volkes auch in das physische Leben oder das niedere Seelenleben, insofern es das Physische ergreift, hineingegriffen hat. Das ist ungefähr die Zeit zwischen 1750 und, man kann sagen, 1830. Wenn man einmal die Dinge ganz vernünftig studieren wird, dann wird man ganz wunderbare Aufschlüsse über den Gang der Völkerentwickelung bekommen. Und wenn jemand sich nur darauf einlassen würde, den wirklich großartigen, grandiosen Unterschied zu betrachten, der im deutschen Leben herrscht in den Menschen des 19. und 20. Jahrhunderts und den Menschen, die zweihundert Jahre vorher gelebt haben, dann würde er sehen, wie gewaltig dieser Unterschied ist. Dazumal griff der Erzengel in den Nationalcharakter des deutschen Volkes ein, so wie die Erzengel bei den andern Völkern in den Zeitpunkten, die ich bezeichnete, eingegriffen haben. Aber, man möchte sagen, er ließ wieder ab, er prägte nicht so energisch, so gründlich die Physis um, wie es bei den andern Völkern geschah. Daher ist es ja auch nur gekommen, daß der Verlauf der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts so vor sich ging, daß dieses deutsche Volk wirklich alles Mögliche von den andern Völkern unbewußt aufgenommen hat. Das hat ja in unseren Tagen schon viel zu tragischen Konflikten geführt. Denken Sie nur einmal an so etwas wie die Tatsache, daß Ernst Haeckel in seiner ganzen Weltanschauung, insofern er sich diese Weltanschauung auf Wissenschaft aufgebaut hat, absolut Engländer ist, ganz verengländert ist, daß er englische Gedankenformen aufgenommen hat. Es ist alles, was er denkt, influenziert, beeinflußt von englischem Wesen. Von Darwin, von Huxley geht er aus. Er betrachtet Spencer als seinen philosophischen Gott. Und während man ein Hegelsches Buch oder ein Buch aus unserer Geisteswissenschaft ins Englische in Wirklichkeit nicht übersetzen kann, kann man Haeckel selbstverständlich sehr leicht ins Englische übersetzen. Sie werden erstaunt sein darüber, daß ich das sage, weil Sie ja wissen, daß geisteswissenschaftliche Bücher ins Englische übersetzt sind. Aber das, was in den Büchern darinsteht, das kann in englischer Übersetzung nur annähernd stehen; es steht gar nicht in Wirklichkeit darin, sondern nur annähernd. Man kann zum Beispiel niemals ins Englische wirklich den Satz übersetzen, der urdeutsch ist, der zusammenhängt mit der Empfindung Meister Eckharts und alledem, was sich im deutschen Wesen in Anlehnung an Meister Eckart entwickelt hat. Man kann diesen Satz wirklich nicht ins Englische übersetzen: «In dem Gemüte lebt das Fünklein, in dem sich in der Menschenseele die Weltseele offenbart.» Es ist unmöglich, ihn ins Englische wirklich zu übersetzen, denn für das, was erlebt wird im Worte «Gemüt», gibt es keine Übersetzung. Ebenso ist das urhegelsche Diktum, das geradezu einen Grundnerv der deutschen Philosophie bildet: «Sein und Nicht-Sein vereinigen sich zur höheren Einheit im Werden», unmöglich ins Englische zu übersetzen. Selbstverständlich, übersetzen kann man ja alles, aber es kann dasjenige, was bei einem solchen Satze erlebt wird, nicht in dieser Sprache wiedergegeben werden.
[ 18 ] We may now ask: What about the German people? Was there ever a point in time when the Archangel reached a certain stage? — Such a point in time did indeed occur. But there is a certain difference between the German people and other peoples. We know that the human soul consists of the soul of feeling, the soul of understanding or the emotional soul, and the soul of consciousness. You can already gather from the lectures on the Folk-souls that the Archangel strives, in the case of the Italian people, primarily to exert his power upon the soul of feeling; in the case of the French people, upon the soul of understanding or the emotional soul; in the case of the British people, upon the soul of consciousness; and in the case of the German people, upon the I, which extends its power over the three soul members. Hence, the Archangel’s relationship to the individual “I’s” of the German people is also different from that with the Western peoples. There came a time when the Archangel of the German people also intervened in physical life or the lower soul life, insofar as it affects the physical. This was roughly the period between 1750 and, one might say, 1830. If one were to study these matters with due care, one would gain truly wonderful insights into the course of the development of peoples. And if one would only take the time to consider the truly magnificent, grandiose difference that prevails in German life between the people of the 19th and 20th centuries and those who lived two hundred years earlier, one would see just how immense this difference is. At that time, the archangel intervened in the national character of the German people, just as the archangels intervened among the other peoples at the points in time I have indicated. But, one might say, he let up again; he did not reshape the physical nature as energetically or as thoroughly as he did among the other peoples. That is precisely why the course of the second half of the 19th century unfolded in such a way that the German people unconsciously absorbed all manner of things from other peoples. This has already led to far too many tragic conflicts in our own time. Just consider, for instance, the fact that Ernst Haeckel, in his entire worldview—insofar as he has built this worldview upon science—is absolutely English, thoroughly anglicized, having adopted English modes of thought. Everything he thinks is influenced, shaped by the English spirit. He takes his cue from Darwin and Huxley. He regards Spencer as his philosophical god. And while a Hegelian book or a book from our Spiritual Science cannot really be translated into English, Haeckel can, of course, be translated into English very easily. You will be surprised that I say this, because you know that books on Spiritual Science have been translated into English. But what is written in those books can only be approximated in an English translation; it is not actually there at all, but only approximately. For example, one can never truly translate into English the sentence that is quintessentially German, which is connected to the sensibility of Meister Eckhart and everything that has developed in the German spirit in the wake of Meister Eckhart. One really cannot translate this sentence into English: “In the Gemüt lives the spark in which the world soul reveals itself in the human soul.” It is impossible to truly translate it into English, for there is no translation for what is experienced in the word “Gemüt.” Likewise, the original Hegelian dictum, which forms a fundamental nerve center of German philosophy: “Being and non-being unite into a higher unity in becoming,” is impossible to translate into English. Of course, one can translate anything, but what is experienced in such a sentence cannot be rendered in this language.
[ 19 ] Die deutsche Sprache hat ja auch die besondere Eigentümlichkeit, daß sie noch eine gewisse Flüssigkeit gestattet. Denken Sie doch, wie unendlich leicht es ist, wenn irgend etwas ins Englische oder Französische übersetzt wird, zu sagen: Das ist falsch, das sagt man nicht! — Wir Deutschen dürfen gar nicht die Unart entwickeln, zu sagen, daß irgend etwas falsch ist, sondern wir müssen unsere Sprache flüssig erhalten — das ist radikal gesprochen, selbstverständlich. Und nehmen Sie unsere Zyklen durch, da werden Sie sehen, wie gerungen wird nach immer neuen Wortbildungen, auch nach Wortbildungen, die von innen heraus die Worte gestalten. Das kommt zum Beispiel davon her, daß der Erzengel des deutschen Volkes von der scharfen Ausprägung wieder abgelassen hat. Er hat gleichsam nur einen Anflug genommen während nicht ganz eines Jahrhunderts, um den Nationalcharakter zu prägen, und hat dann das Volk wiederum frei gegeben. Es liegt unendlich viel in dem, was ich damit meine. Aber das muß auch so sein, denn das deutsche Volk ist dazu berufen, seinen Idealismus in lebendige Geist-Erkenntnis umzubilden. Fichte, Schelling, Flegel, die man heute so befehdet, sie haben ein Denken geschaffen, welches zwar nicht schon Spiritualismus ist, nicht Geisteswissenschaft ist, welches aber der Keim der Geisteswissenschaft ist, welches sozusagen, wenn es durchmeditiert wird, wirklich zur Geisteswissenschaft führt. Dazu muß aber der deutsche Nationalcharakter noch flüssig bleiben, muß wirklich möglich machen, daß man sagt: Man zs7 Italiener! Man zs? Franzose! Man is Engländer! Aber man wird immer Deutscher! Der Erzengel hat bei dem deutschen Volke nur den Ansatz zur Bildung des Nationalcharakters gemacht. Und in derselben Weise national, etwa chauvinistisch zu sein wie die westeuropäischen Völker, das würde bei dem Deutschen eine Unwahrheit sein, das kann er gar nicht — man kann ja natürlich alles, aber dann entspricht es nicht dem eigentlichen Wesen des Deutschen.
[ 19 ] The German language, after all, has the peculiar characteristic of still allowing for a certain degree of flexibility. Just think how incredibly easy it is, when something is translated into English or French, to say: That’s wrong, you don’t say that! — We Germans must not develop the bad habit of saying that something is wrong, but rather we must keep our language fluid — that is, to put it bluntly, a matter of course. And if you go through our cycles, you will see how there is a constant striving for ever-new word formations, including those that shape words from within. This stems, for example, from the fact that the archangel of the German people has let go of its sharp distinctiveness. He took, as it were, only a brief moment—less than a century—to shape the national character, and then set the people free again. There is an infinite depth to what I mean by this. But it must be so, for the German people are called upon to transform their idealism into living spiritual insight. Fichte, Schelling, Flegel—who are so vilified today—have created a mode of thinking that, while not yet spiritualism, not yet Spiritual Science, is nonetheless the seed of Spiritual Science; a mode of thinking that, so to speak, when thoroughly meditated upon, truly leads to Spiritual Science. For this to happen, however, the German national character must remain fluid; it must truly make it possible to say: “You’re an Italian!” One is French! One is English! But one is always becoming more German! The Archangel has only laid the foundation for the formation of the national character among the German people. And to be nationalistic, or even chauvinistic, in the same way as the Western European peoples—that would be a falsehood for the German; he simply cannot do it—one can, of course, do anything, but then it does not correspond to the true nature of the German.
[ 20 ] Bei dem russischen Volke liegt nun etwas ganz anderes vor. Bei dem russischen Volke muß vor allen Dingen klar durchschaut werden, wie der Erzengel überhaupt in ganz anderer Weise zu den einzelnen Ichen des Volkes steht, als bei den westlichen und mitteleuropäischen Völkern. Bei den westeuropäischen Völkern ist es so, daß der Erzengel hineinwirkt mit seinen Willensstrahlen, bei dem italienischen Volk in die Empfindungsseele, bei dem französischen Volke in die Verstandes- oder Gemütsseele, bei dem britischen Volk in die Bewußtseinsseele, bei dem deutschen Volk in das Ich. Aber überhaupt nicht in die Seelen hinein wirkt der Volksgeist bei dem russischen Volke. Er schwebt gleichsam über dem Volke wie eine Wolke, und die Seele kann nur hinaufahnen und sehnen zu ihm. Er ist noch gewissermaßen Gruppengeist geblieben. Da ist kein inniges Zusammenwirken des Volksgeistes mit den einzelnen Menschen-Ichen. Man kann kaum einen tragischeren, ernsteren Eindruck bekommen, als wenn man einem russisch-orthodoxen Gottesdienst beiwohnt, diesem Gottesdienst, in dem das menschliche Ich derjenigen, die daran als Gläubige teilnehmen, fast ganz ausgeschaltet ist. Es waltet durch das Ganze durch ein ganz und gar die einzelne Persönlichkeit nicht ergreifendes unpersönliches Allgemeines. Ein nicht in die Menschennatur Hineinsprechendes waltet in diesem Gottesdienste. Das ist ein unmittelbarer Ausdruck dafür, daß die russische Seele noch gar nicht erwacht ist zu jener Belebung, die von dem Verkehr des einzelnen Ich mit dem Volksgeiste herrührt. Es hat alles etwas steif Schablonenhaftes, wie wenn aus unbekannten Welten hineinreiche das Geistige und es bloß zu steif Schablonenhaftem brächte, in den Verrichtungen ebenso wie in der Ikonenmalerei. Da stehen wir vor noch etwas ganz anderem, als in Westeuropa der Fall ist. Da stehen wir davor, daß der Erzengel sich überhaupt noch nicht angeschickt hat, in das Nationale einzugreifen. Das Nationale ist daher für den Russen noch ein Seelentraum. Der Russe redet ja selbstverständlich immer von dem «wahrhaft russischen Menschen», und die russischen Schriftsteller reden von ihm, aber es ist dies ein Seelentraum, der insbesondere deshalb betont wird, weil der Volksgeist nicht dem Menschen einverleibt ist, sondern weil der Russe eine Sehnsucht nach einem überpersönlichen Volksgeist hat.
[ 20 ] The situation with the Russian people is quite different. Above all, it must be clearly understood that the Archangel relates to the individual “I”s of the Russian people in a completely different way than he does to those of the Western and Central European peoples. Among the Western European peoples, the Archangel works inward with his rays of will: in the Italian people into the feeling soul, in the French people into the intellectual or emotional soul, in the British people into the conscious soul, and in the German people into the ego. But the national spirit does not work into the souls of the Russian people at all. It hovers, as it were, over the people like a cloud, and the soul can only gaze upward and yearn for it. It has, in a sense, remained a group spirit. There is no intimate interaction between the national spirit and the individual human egos. One can hardly receive a more tragic, more solemn impression than when attending a Russian Orthodox service, this service in which the human ego of those participating as believers is almost entirely suspended. An impersonal generality, which does not touch the individual personality at all, reigns throughout the whole. Something that does not speak to human nature prevails in this service. This is a direct expression of the fact that the Russian soul has not yet awakened to that enlivening that arises from the interaction of the individual self with the national spirit. There is something stiff and formulaic about it all, as if the spiritual were reaching in from unknown worlds and merely producing something stiff and formulaic, in the rituals as well as in icon painting. Here we are faced with something quite different from what is the case in Western Europe. Here we are faced with the fact that the Archangel has not yet set out to intervene in the national sphere at all. The national is therefore still a dream of the soul for the Russian. The Russian, of course, always speaks of the “truly Russian human being,” and Russian writers speak of him, but this is a dream of the soul that is emphasized in particular because the national spirit is not embodied in the human being, but because the Russian has a longing for a supra-personal national spirit.
[ 21 ] In diese tiefen Geheimnisse muß man hineinsehen, dann wird man begreifen, wie die europäischen Kulturgebiete einander gegenüberstehen. Es wird mir selbstverständlich niemals einfallen, in direkter Weise in diesem Gegenüberstehen der Kulturgebiete etwa die Ursache der gegenwärtigen Ereignisse zu sehen. Aber in indirekter Weise muß man das doch tun. Namentlich muß man sich darüber klar sein, daß die jetzige Kriegsfackel ein mächtiges Merkzeichen ist, uns bekanntzumachen mit dem, was innerhalb des geistigen Lebens Europas waltet und webt und west.
[ 21 ] One must look into these profound mysteries; only then will one understand how the European cultural spheres stand in opposition to one another. It would, of course, never occur to me to see the cause of current events directly in this juxtaposition of cultural regions. But one must do so indirectly. In particular, one must be clear that the current torch of war is a powerful sign, intended to acquaint us with what reigns, weaves, and moves within the spiritual life of Europe.
[ 22 ] Wir sehen hinauf zu Wesenheiten der höheren Hierarchien, wir sehen diese Wesenheiten der höheren Hierarchien auch in Entwickelung. Während wir als einzelne Menschen unser Ich entwickeln, sehen wir diese sich so entwickeln, daß sie immer mehr und mehr Macht bekommen, das Ich mit dem Willen zu durchdringen. Zuerst halten sie sich gleichsam noch fern von diesem Ich, überschatten es von oben herunter, wie beim russischen Volk. Dann gibt es ein intimeres Überschatten und Zusammenleben zugleich, wie es bei dem deutschen Volke ist. Und dann gibt es ein strammes, steifes Hineinarbeiten des Nationalcharakters in die einzelnen menschlichen Individuen, wie es bei den drei charakterisierten westeuropäischen Völkern der Fall ist. Und daraus sehen Sie auch, wie dieses neuzeitliche Leben der Menschenentwickelung überhaupt beschaffen ist. Sehen Sie sich nur einmal die mitteleuropäische Geschichte an und Sie werden finden — wenn Sie von Rußland absehen, wo die Verhältnisse ganz andere sind —, Sie werden finden, wie ähnlich namentlich das Leben der westeuropäischen Völker und in gewisser Beziehung auch der mitteleuropäischen Völker ist, wie ein europäischer Internationalismus herrscht. Und dann sehen wir etwa von dem 14. Jahrhundert an für die einzelnen Völker eine neue Zeit heraufkommen. Wir sehen, wie mit dem Heraufkommen dieser neueren Zeit die Völker von einem ausgeprägten Nationalcharakter ergriffen werden. Wir sehen, wie dem deutschen Volke mit der Wende des 18. zum 19. Jahrhundert gerade so viel gegeben wird an Nationalcharakter, daß der Deutsche gewissermaßen erfühlt, was Nationalcharakter ist, aber nicht so viel bekommt, daß er jemals im erstarrten Nationalcharakter aufgehen mußte. Man wird finden, daß das in der tiefen Anlage des deutschen Wesens liegt, daß der Deutsche nicht im Nationalcharakter aufzugehen braucht; daß es wirklich einen tiefen Sinn hat, wenn Fichte sagt: All dasjenige, was Freiheit des menschlichen Seelenwesens will, all dasjenige, was nach dem Allgemeinsten der Menschheit hinstrebt, das gehört zu uns.
[ 22 ] We look up to beings of the higher hierarchies; we also see these beings of the higher hierarchies in the process of development. As we, as individual human beings, develop our ego, we see them developing in such a way that they gain more and more power to permeate the ego with the will. At first, they remain, as it were, still at a distance from this “I,” overshadowing it from above, as is the case with the Russian people. Then there is a more intimate overshadowing and coexistence at the same time, as is the case with the German people. And then there is a rigorous, rigid working-in of the national character into the individual human beings, as is the case with the three Western European peoples described. And from this you can also see what the nature of this modern phase of human development is like. Just take a look at Central European history and you will find—if you disregard Russia, where conditions are quite different— you will find how similar the life of the Western European peoples—and in a certain respect also that of the Central European peoples—is, and how a European internationalism prevails. And then, from about the 14th century onward, we see a new era dawning for the individual peoples. We see how, with the advent of this newer era, the peoples are seized by a distinct national character. We see how, at the turn of the 18th to the 19th century, the German people are given just enough national character that the German, so to speak, senses what national character is, but not so much that he ever had to be absorbed into a rigid national character. One will find that it lies in the deep nature of the German being that the German need not be absorbed into national character; that there is truly a deep meaning when Fichte says: “All that which seeks the freedom of the human soul, all that which strives toward the most universal in humanity—that belongs to us.”
[ 23 ] Darin liegt eine freie Entwicklungsmöglichkeit des mitteleuropäischen, des deutschen Charakters. Es liegt aber auch darin das gegeben, was unmittelbar zur Einsicht führt, daß die westeuropäischen Völker in der Tat mit diesem Nationalcharakter — oder flüssigen Nationalcharakter — des deutschen Volkes rechnen müssen. Ich sage, etwas wie der flüssige Nationalcharakter des Deutschen kann gerade in unserer Zeit zum Tragischen führen. Gedenken wir noch einmal Ernst Haeckels. Wir haben gesehen, wie er in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts — weil gleichsam wiederum frei gegeben war die Entwickelung des Nationalcharakters — so stark englisch beeinflußt werden konnte. Und jetzt kommen unsere Tage. Der Mann, der eigentlich das ganze Engländertum in sich trägt, hat die allerstärksten Hassesworte gegen das englische Volk geschleudert, Ernst Haeckel selbst. Er stand ja an der Spitze derjenigen, die alle englischen Diplome und Orden und Auszeichnungen zurückgeschickt haben. So viel wichtiger wäre, daß man den materialistischen Darwinismus, den materialistischen Newtonismus, alles das, was von ihnen ausgegangen ist, zurückschickte. In dieser Beziehung müssen wir uns nur einmal wirklich auch selbst richtig verstehen lernen, müssen ohne nationalen Haß die Dinge objektiv sehen lernen können.
[ 23 ] Herein lies an opportunity for the free development of the Central European, the German character. But it also contains what immediately leads to the realization that the Western European peoples must indeed reckon with this national character—or fluid national character—of the German people. I say that something like the fluid national character of the Germans can lead to tragedy, especially in our time. Let us recall Ernst Haeckel once more. We have seen how, in the second half of the 19th century—because the development of the national character was, as it were, once again set free—he could be so strongly influenced by England. And now we come to our own days. The man who actually embodies the very essence of Englishness has hurled the most virulent words of hatred against the English people: Ernst Haeckel himself. He was, after all, at the forefront of those who returned all their English diplomas, orders, and awards. It would be so much more important to send back materialistic Darwinism, materialistic Newtonianism, and everything that has come from them. In this regard, we must simply learn to truly understand ourselves correctly, and be able to view things objectively without national hatred.
[ 24 ] Im Grunde war es eine Art geistigen Vorspieles, als sich vor einigen Jahren die Spaltung zwischen unserer anthroposophischen Bewegung und der indisch-englisch gefärbten Theosophischen Bewegung vollziehen mußte. Es mußte sich vollziehen. Mit dem Materialismus eines im Fleische verkörperten Christus können diejenigen nicht mitgehen, die berufen sind, das Spirituelle zu entwickeln, und innerhalb unserer Reihen mußte es herauskommen, daß die Wiederkehr des Christus in Wirklichkeit die Wiederkehr eines ätherischen Christus sein wird. Es ist das schon öfter gesagt worden und auch in meinem ersten Mysteriendrama aus dem Munde Theodoras zu hören. Allerdings, jetzt lesen wir in einer englisch-theosophischen Zeitschrift — ich erzähle Ihnen wirklich keine Märchen, und zwar wird das von der Präsidentin der dortigen Gesellschaft selbst ausgesprochen —, daß sich an der Art, wie die Deutschen jetzt den Krieg führen, zeigt, was eigentlich hinter der damaligen theosophischen deutschen Unternehmung gesteckt hat, denn jetzt zeige es sich, daß man eigentlich übelgenommen hätte auf theosophischem Felde, daß die Präsidentin Annie Besant immer eingetreten sei für den Friedensfürsten, der es mit Europa so gut gemeint habe, Eduard V II. Das hätten wir schon mit ungeheurem Widerwillen betrachtet, und deshalb hätten wir unsere Agenten nach England geschickt, die dort Theosophie in unserem Sinne vortragen sollten, um die Theosophen in unsere Hände zu bekommen. Wäre es uns gelungen, so erzählt die Präsidentin in der englischen theosophischen Zeitschrift, damals so weit durchzudringen, daß wir den ganzen, wie sie sagt, «reichen Verwaltungsapparat» der indisch-englischen Theosophie in die Hand bekommen hätten — wir haben das natürlich nie gewollt —, so wäre unsere Absicht ausgeführt worden, das Gift unserer | Anschauungen bis nach Indien zu tragen und von da aus auf die britische Regierung Einfluß zu gewinnen, so daß unsere Absicht ausgeführt worden wäre, das britische Volk zur Anerkennung der deutschen Oberherrschaft über England auf diesem Wege zu veranlassen! — Das ist die Darstellung, die jetzt in englisch-theosophischen Zeitschriften den Theosophen dort gegeben wird.
[ 24 ] In essence, it was a kind of spiritual prelude when, a few years ago, the split between our anthroposophical movement and the Indian-English-influenced Theosophical Movement had to take place. It had to happen. Those who are called to develop the spiritual cannot go along with the materialism of a Christ incarnated in the flesh, and within our ranks it had to become clear that the return of the Christ will in reality be the return of an etheric Christ. This has been said many times before and can also be heard in my first Mystery Drama from the mouth of Theodora. However, we now read in an English theosophical journal—I am truly not telling you fairy tales, and indeed this is stated by the president of that society herself—that the way the Germans are now waging war reveals what was actually behind the German theosophical enterprise of that time, for it is now becoming clear that in theosophical circles, there was actually resentment that President Annie Besant had always advocated for the Prince of Peace, who had meant so well for Europe, Edward VII. We would have viewed that with immense reluctance, and that is why we sent our agents to England to present Theosophy there in our own terms, in order to bring the Theosophists under our control. Had we succeeded, as the President recounts in the English Theosophical Journal, in penetrating so far at that time that we had gained control of the entire, as she puts it, “extensive administrative apparatus” of Anglo-Indian Theosophy—which, of course, we never intended to do— our intention would have been carried out: to carry the poison of our | views all the way to India and from there to gain influence over the British government, so that our intention would have been carried out: to induce the British people to recognize German supremacy over England by this means! — This is the account now being presented to the Theosophists there in English Theosophical journals.
[ 25 ] Nun sehen Sie die Wahrheit! Wir müssen uns sie zum Bewußtsein bringen, denn es geht nicht, daß wir über diese Dinge wie im Traume denken. Die Wahrheit ist ja doch diese, daß zum Beispiel all dasjenige, was ich geschrieben habe in meinem Buche «Die Mystik im Aufgange des neuzeitlichen Geisteslebens», nur herausgeschrieben ist aus der Art, wie der Spiritualismus in der mitteleuropäischen Kulturströmung lebt. Das Buch ist sogleich ins Englische übersetzt worden, und man hat uns damals dort — mir wenigstens — gesagt, in diesem Buche stecke die ganze Theosophie darin. Wir könnten nun sagen: Nun ja, wenn die Leute in London finden, daß in dem Buche die ganze Theosophie darinsteckt, so können sie ja mit uns gehen. — Aber wir haben nicht einen Schritt gemacht, der etwas anderes war als ein Ausdruck des mitteleuropäischen sich entwickelnden Spiritualismus. Und einige Monate vor dem Kriegsausbruch hat es mich noch eigentümlich berührt — heute darf ich das erwähnen —, daß einige von unseren Damen, die Eurythmie treiben, nach London hinübergegangen sind, um dort einen Kursus zu geben. Die Eurythmie hat gefallen. Das ist ganz gut, sie soll den Menschen gefallen. Aber man merkt nicht, daß diese Eurythmie das Geistige ist, der Gegenpol des materialistischen Sportwesens; daß man auf der einen Seite das Europa überflutende, ganz dem Materialismus Angehörige hat und den Materialismus bis in die Bewegung der Menschen hineinträgt durch den Sport, der dem Amüsement der Menschen, der Sucht, sich gesund zu machen, dient, der ganz materialistisch ist, während bei uns jede Bewegung der Ausdruck für das Geistige ist, genau dem entspricht, was mitteleuropäische Spiritualität ist. Immer handelt es sich darum, auf diesem Boden zu arbeiten und aus diesem Boden heraus die Früchte der geistigen Entwickelung zu treiben. Wie hat gerade das Sportwesen auch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Deutschland eingegriffen! Wie haben dann auch feinere sportliche Tätigkeiten — ich glaube, eine Methode war besonders die von Dalcroze —, wie haben diese Dinge eingegriffen! Jetzt wird man ihn nicht besonders gerne mögen, weil er auch zu denjenigen gehört, die den «deutschen Barbarismus» so furchtbar beschimpfen. Aber dasjenige, was dem deutschen Wesen angehört, das ist das Eurythmische, wodurch das Geistige, das in den Bewegungen des Ätherleibes gegeben ist, das dem Ätherleib naturgemäß ist, das im übersinnlichen Menschen wirkt, zum Ausdruck gebracht wird in den Bewegungen des äußeren physischen Leibes.
[ 25 ] Now you see the truth! We must bring it to our consciousness, for we cannot afford to think about these things as if in a dream. The truth is, after all, that everything I wrote in my book *Mysticism at the Dawn of Modern Spiritual Life*, for example, is simply a reflection of the way spiritualism exists within the cultural currents of Central Europe. The book was immediately translated into English, and we were told there at the time—at least I was—that the whole of Theosophy was contained in this book. We could now say: Well, if people in London find that the whole of Theosophy is contained in the book, then they can certainly join us. — But we have not taken a single step that was anything other than an expression of the developing Central European spiritualism. And a few months before the outbreak of the war, it struck me as rather peculiar—I may mention this today—that some of our ladies who practice eurythmy had gone over to London to give a course there. The eurythmy was well-received. That is quite good; it is meant to appeal to people. But one does not realize that this eurythmy is the spiritual, the antithesis of materialistic sports; that on the one hand we have what is flooding Europe, belonging entirely to materialism, and carrying materialism right into people’s movements through sport, which serves people’s amusement, the addiction to making oneself healthy, which is entirely materialistic, whereas with us every movement is an expression of the spiritual, corresponding exactly to what Central European spirituality is. It is always a matter of working on this ground and, from this ground, bringing forth the fruits of spiritual development. How deeply did the world of sports intervene in Germany, especially in the second half of the 19th century! How did more refined sporting activities—I believe one method in particular was that of Dalcroze—how did these things intervene! Now people may not particularly like him, because he is also among those who so terribly denounce “German barbarism.” But what belongs to the German essence is the eurythmic, through which the spiritual—which is present in the movements of the etheric body, which is natural to the etheric body, and which works in the supersensible human being—is expressed in the movements of the outer physical body.
[ 26 ] Diese Eurythmie beruht ja auf folgenden Prinzipien: Wir haben ein Organ, durch das der Ätherleib unmittelbar in Aktion tritt, so daß das Physische ein Abbild des Ätherischen wird. Das ist der Fall, wenn wir sprechen. Aber es wird nicht das ganze Physische, sondern die Luft ein Abbild des Ätherischen. Das tönende Wort in der Luft, die Art, wie die Luft schwingt, ist unmittelbar ein Ausdruck des Ätherischen. Wenn man dasjenige, was im Laut, im Wort lebt, nun ergreift und es auf den ganzen Ätherleib ausdehnt und dann Hände und Füße und alles am Menschen sich so bewegen läßt, wie ganz naturgemäß im Sprechen und im Gesang die Luft im Ätherleib bewegt wird, dann hat man die Eurythmie. Denn die Eurythmie ist ein Sprechen des ganzen Menschen, so daß zu Hilfe genommen wird nicht nur die sich bewegende Luft, sondern die menschlichen Organe.
[ 26 ] This eurythmy is based on the following principles: We have an organ through which the etheric body comes directly into action, so that the physical becomes a reflection of the etheric. This is the case when we speak. But it is not the entire physical body, but rather the air that becomes a reflection of the etheric. The sounding word in the air, the way the air vibrates, is a direct expression of the etheric. If one now takes hold of that which lives in the sound, in the word, and extends it to the entire etheric body, and then allows the hands and feet and everything in the human being to move in the same way that the air is naturally moved in the etheric body during speech and singing, then one has eurythmy. For eurythmy is a speaking of the whole human being, so that not only the moving air is utilized, but the human organs as well.
[ 27 ] An einer solchen Sache sehen Sie, wie universell, wie umfassend dasjenige gedacht ist, was das Eingreifen der Geisteswissenschaft in die moderne Kultur ist. Wir haben, um den Nerv der Sache zu verstehen, eben einiges gehört, woran man heute gar nicht einmal denkt, und wenn ich durch diese beiden Vorträge, die ich jetzt in diesem engeren kleinen Kreise gehalten habe, wirklich nichts anderes erreiche, als daß in Ihnen die Empfindung angeregt wird, man müsse noch mehr auf das hinschauen, was Geisteswissenschaft in universeller Beziehung für das ganze menschliche Leben will, so ist das schon genug. Denn damit, daß wir uns einzelne theoretische Begriffe aneignen, wird wirklich die Aufgabe der Geisteswissenschaft nicht erfüllt. Die Aufgabe der Geisteswissenschaft wird erfüllt, wenn sie eingreift in alles, alles Leben, und dieses Leben durchgeistigt, dieses Leben spiritualisiert. Und notwendig ist es in unserer fünften Kulturepoche innerhalb desjenigen Volkes, dem insbesondere diese Aufgabe zufällt, die Spiritualisierung herbeizuführen, diese Dinge zu verstehen, ein Verantwortlichkeitsgefühl in bezug auf die Entwickelung herbeizuführen. Die Menschheitsentwickelung zu kritisieren, ist leicht, recht leicht. Darum handelt es sich aber nicht, denn die Dinge, die geschehen, geschehen mit Notwendigkeit, auch wenn sie demjenigen widersprechen, was gewissermaßen der gute Fortschritt mit den Menschen will. Nun müssen wir in einer gewissen Beziehung etwas, was diesem guten Fortschritt eigentlich widerspricht, in unserer Kultur herinnen haben und herinnen lassen. Unter diesen mancherlei Dingen, die dazugehören, ist zum Beispiel dieses, daß wir im Grunde genommen eigentlich wegen unseres gegenwärtigen Kulturstandpunktes unserer Zeit, wie man sagt, um des Fortschrittes willen, unsere Kinder vom zartesten Alter an zu malträtieren beginnen. Man weiß es nicht, aber man malträtiert sie. Denn es gibt im Grunde genommen nichts der menschlichen Natur Widersprechenderes, als die Kinder vom siebenten Jahre an schon anfangen zu lassen, die Schulgegenstände zu lernen und sie schulmäßig zu unterrichten, wie man es gegenwärtig tut. Es könnte einen wirklich als etwas besonders Glückliches treffen, wenn man ganz anders heranwüchse und solches, was schon im siebenten Jahr an die Menschen herangebracht wird, erst im neunten oder zehnten Jahre bekäme. Aber das wird wohlgemerkt nicht in der Absicht etwa gesagt, daß es nicht geschehen solle, denn der allgemeine Kulturfortschritt fordert es, es muß so sein. Aber es muß der Gegenpol geschaffen werden. Und während wir auf der einen Seite dadurch, daß wir gewisse Arten des Schulunterrichtes haben, namentlich die Ätherleiber der Kinder schrecklich malträtieren, weil wir ihnen etwas einprägen, wofür sie in diesen Jahren absolut nichts taugen, müssen wir im Zuführen der Eurythmie einen Gegenpol schaffen und gerade das, was Eurythmie ist, den Kindern zuführen, damit der Ätherleib in diesen ihm eingeborenen Bewegungen den Ausgleich hat. Eurythmie wird etwas werden, was ganz allgemein ist, denn die Entwickelung erreicht nicht ihr Ziel dadurch, daß man einseitig vorwärtsgeht, sondern daß man in Gegensätzen vorwärtsgeht. Man muß immer den Gegenpol schaffen, den Gegenpol geltend machen. Entwickelung bewegt sich in Gegensätzen. Und der Malträtierung des Ätherleibes durch den heutigen Schulunterricht muß ein Gegenpol geschaffen werden, in dem Elastischmachen, dem naturgemäßen In-Bewegung-Bringen des Ätherleibes in dem Sinne, wie es in den ersten Anfängen in unserer Eurythmie versucht wird. So hängt etwas, was vielleicht viele heute noch «unsere Eurythmie» nennen, wirklich mit demjenigen zusammen, was ich den universellen Charakter unserer geistigen Bewegung zu nennen habe.
[ 27 ] In a matter such as this, you can see just how universal and comprehensive the concept of Spiritual Science’s intervention in modern culture truly is. To grasp the essence of the matter, we have just heard about things that people don’t even think about today, and if, through these two lectures that I have now given in this small, intimate circle, I achieve nothing more than stirring in you the sense that we must pay even closer attention to what Spiritual Science aims to achieve for the whole of human life in a universal sense, then that is enough. For the task of Spiritual Science is not truly fulfilled by our merely acquiring individual theoretical concepts. The task of Spiritual Science is fulfilled when it intervenes in everything, in all of life, and spiritualizes this life. And it is necessary in our fifth cultural epoch, within the people to whom this task is particularly assigned, to bring about this spiritualization, to understand these things, and to foster a sense of responsibility regarding human development. It is easy, quite easy, to criticize human development. But that is not the point, for the things that happen occur out of necessity, even if they contradict what, so to speak, good progress intends for humanity. Now, in a certain sense, we must have and allow within our culture something that actually contradicts this good progress. Among the various things that belong to this is, for example, the fact that—basically, because of our current cultural standpoint of our time, as they say, for the sake of progress—we begin to mistreat our children from the earliest age. We don’t realize it, but we mistreat them. For there is, in essence, nothing more contrary to human nature than to have children begin learning school subjects as early as the age of seven and to teach them in a school-like manner, as is currently done. It could truly be a particularly fortunate thing if one were to grow up quite differently and receive what is already introduced to people at the age of seven only at the age of nine or ten. But this is not said, mind you, with the intention that it should not happen, for general cultural progress demands it; it must be so. But a counterbalance must be created. And while, on the one hand, by having certain types of school instruction, we are terribly mistreating the children’s etheric bodies—because we are impressing upon them something for which they are absolutely unsuited at this age— we must create a counterpoint by introducing eurythmy and impart to the children precisely what eurythmy is, so that the etheric body finds balance in these movements that are innate to it. Eurythmy will become something that is quite universal, for development does not reach its goal by moving forward one-sidedly, but by moving forward through opposites. One must always create the counterpoint, assert the counterpoint. Development moves in opposites. And a counterpoint must be created to the mistreatment of the etheric body by today’s school instruction—in the process of making it elastic, of setting the etheric body in motion in accordance with nature, in the sense that is attempted in the very beginnings of our eurythmy. Thus, something that many perhaps still call “our eurythmy” today is truly connected to what I must call the universal character of our spiritual movement.
[ 28 ] Wenn wir auf der einen Seite sehen, wie das in die Ranken des äußeren Lebens eingreift, wie es uns auf der andern Seite tief durchdringen kann, daß die Tiefen des Christus-Impulses sich verbinden mit dem, was wir in der Geisteswissenschaft zusammentragen, dann haben wir vom höchsten Wissen ins niederste den universellen Charakter der Geisteswissenschaft. Und viel mehr als auf manches andere kommt es darauf an, daß wir uns eine Empfindung von diesem universellen Charakter der Geisteswissenschaft verschaffen. Und ich muß sagen, es gehört zu den vorläufig noch schwierigsten Empfindungen und Gefühlen, daß die gegenwärtigen schicksaltragenden Ereignisse nicht bedeutsamer empfunden werden, daß sie nicht stärkere Eindrücke auf unsere Zeitgenossen machen. Denn abgesehen von alledem, was man äußerlich bemerken kann, sind diese schicksaltragenden Ereignisse eine Warnungstafel, eine Warnung davor, bei dem zu bleiben, was die letzten Jahrhunderte an Materialismus in die Menschheit heraufgetragen haben, eine Warnung zur Umkehr in bezug auf den Entwickelungsweg der Menschheit. Und dasjenige, was an Blut und Tod durchgemacht wird, sollte so empfunden werden, als ob es von den Göttern auf die Erde hereingeschickt wäre, auf daß es uns lehre, wie notwendig der Weiterentwickelung der Menschheit die Spiritualität ist. Es ist zum Beispiel wirklich bejammernswert, wenn wir in diesen Zeiten erleben, daß Leute Vorträge halten, auch Artikel schreiben, in denen sie sagen: Wenn sie nur bald wiederum kommen möge, die Zeit, wo wiederum der freie Verkehr der Völker so stattfindet, wie er früher stattgefunden hat, sonst könnten die Deutschen in den Wahn verfallen, zur Metaphysik von Fichte und Hegel wieder zurückzukommen, wieder metaphysische Triebe zu entwickeln. — Selbst in diesen schicksaltragenden Tagen wird wie eine Furcht hingestellt, daß in die Sehnsuchten der Menschen etwas von metaphysischen Trieben wieder hereinkommen könnte! Das sollen gerade diese Monate, die metaphysischen Triebe wiederum erwecken! Denn in wie vielen Fällen sehen wir — zum traurigen Leiderlebnis der Mütter, Väter, Söhne, Töchter, Schwestern, Brüder und weiterer menschlicher Zusammenhänge —, daß ein unbewußter Glaube an die Bedeutung des Übersinnlichen wie ein Zauberhauch durch unsere Welt geht. Es sollen Tausende und aber Tausende opferfreudig durch den Tod gehen, und die Menschen sollten etwa nachher, wenn wiederum Friede auf unsere Erde eingezogen ist, weiter predigen dürfen, daß das menschliche Leben zwischen Geburt und Tod eingeschlossen ist? Dann wären die Opfertode für nichts dargebracht, denn diese Opfertode entspringen wenn auch für viele nicht deutlich — dem festen Glauben daran, daß diese Tode die Morgenröte für eine neue Zeit sind. Wer auf dem Schlachtfeld in den Tod hineingeht, der will durch seinen Tod wahrhaftig etwas anderes bekräftigen, als das: Hier endet mein Leib. Welche Sinnlosigkeit wäre es, die europäische Erde in unserer Zeit mit Leichnamen zu erfüllen, wenn die materialistische Weltanschauung auch nur einen Funken von Recht hätte. Das müssen wir uns vor allen Dingen in die Seele schreiben. Diejenigen, die diese Zeit überleben werden, die leben werden in der Zeit, wo wieder Frieden herrschen wird, die werden an denen, die hingestorben sind, Verräter sein, wenn sie nicht an der Spiritualisierung der menschlichen Entwickelung arbeiten. Denn im Grunde genommen bedeutet ein solches Nichtarbeiten an der Spiritualisierung der Menschheit nichts anderes, als denen, die durch Blut und Tod gegangen sind, zu sagen: Ihr seid für nichts gestorben! — Denn ist der Materialismus richtig, dann sind sie alle für nichts gestorben.
[ 28 ] When we see, on the one hand, how this interweaves with the tendrils of external life, and how, on the other hand, it can deeply penetrate us—that the depths of the Christ impulse connect with what we gather in Spiritual Science—then we have, from the highest knowledge down to the lowest, the universal character of Spiritual Science. And far more than many other things, it is essential that we gain a sense of this universal character of Spiritual Science. And I must say, it is one of the most difficult perceptions and feelings at present that the current fateful events are not perceived as more significant, that they do not make a stronger impression on our contemporaries. For apart from all that can be observed externally, these fateful events are a warning sign, a warning against clinging to the materialism that the past centuries have brought upon humanity, a warning to turn back from the path of human development. And what is endured in terms of blood and death should be perceived as if it were sent down to earth by the gods, so that it may teach us how necessary spirituality is for the further development of humanity. It is truly lamentable, for example, when we witness in these times that people give lectures and write articles in which they say: If only the time might soon return when the free movement of peoples takes place as it did in the past, otherwise the Germans might fall into the delusion of returning to the metaphysics of Fichte and Hegel, of developing metaphysical impulses once more. — Even in these fateful days, a fear is being raised that something of metaphysical impulses might re-enter people’s longings! It is precisely these months that are meant to reawaken those metaphysical impulses! For in how many cases do we see—to the sorrowful experience of mothers, fathers, sons, daughters, sisters, brothers, and other human relationships—that an unconscious belief in the significance of the supernatural passes through our world like a magical breath. Are thousands upon thousands to go through death willingly as a sacrifice, and should people then, once peace has returned to our earth, be allowed to continue preaching that human life is confined between birth and death? Then these sacrificial deaths would have been offered in vain, for these deaths spring—even if not clearly to many—from the firm belief that they are the dawn of a new era. Whoever goes to his death on the battlefield truly wishes to affirm through his death something other than this: Here my body ends. What senselessness it would be to fill the European earth in our time with corpses, if the materialistic worldview had even a spark of truth. We must engrave this above all else upon our souls. Those who will survive this era, who will live in the time when peace reigns once more, will be traitors to those who have died if they do not work toward the spiritualization of human development. For, in essence, failing to work toward the spiritualization of humanity means nothing less than telling those who have gone through blood and death: “You died for nothing!” — For if materialism is correct, then they have all died for nothing.
[ 29 ] Mit dieser Empfindung muß sich insbesondere der Geisteswissenschafter ganz durchdringen. Ich habe erst in diesen "Tagen wiederum lesen können, wie es heute Menschen gibt — und im 19. Jahrhundert sind diese Menschen immer zahlreicher und zahlreicher geworden —, die behaupten: Es war ein Vorurteil des Paulus, daß er sagte, wäre der Christus nicht auferstanden, dann wären vergebens unsere Worte und unser Glaube. Aber dieses Wort des Paulus ist wahr! Denn durch das, was durch das Mysterium von Golgatha geschehen ist, ist erst die menschliche Seele wieder berufen worden, Kräfte zu haben, die sie in die geistige Welt hineinführen. Wir haben von diesen Kräften gesprochen. Aber unsere Zeit ruft uns mit deutlichen Lauten zu: Vergeblich wäre der Tod so vieler, wenn der Materialismus richtig wäre! Wäre der Materialismus richtig, so wären sie alle umsonst gestorben.
[ 29 ] The scholar of Spiritual Science, in particular, must fully immerse himself in this sentiment. Only recently have I been able to read again how there are people today—and in the 19th century these people became more and more numerous—who claim: It was a prejudice on Paul’s part when he said that if Christ had not risen, then our words and our faith would be in vain. But this saying of Paul is true! For it is only through what happened through the Mystery of Golgotha that the human soul has once again been called to possess the powers that lead it into the spiritual world. We have spoken of these powers. But our time calls out to us in clear tones: The death of so many would be in vain if materialism were true! If materialism were true, they would all have died in vain.
[ 30 ] Wenn wir uns mit solchen Gedanken durchdringen, dann werden diejenigen, die ihre Kräfte dem großen Menschheitsfortschritt zur Verfügung gestellt haben in einem Tod, der im blühenden Menschenalter erfolgte, dann werden sie ihre Kräfte verstärkt erhalten durch die Gedanken, die aus unseren Seelen hinaufgehen. Wenn Menschenseelen dasjenige, was sie an spirituellen Gedanken und Empfindungen haben können, geisterwärts lenken, dann werden, wie ich auch gestern am Schlusse sagte, die Kräfte von oben, die gesammelt werden, die unverbrauchten Ätherkräfte, sich begegnen mit den menschlichen spirituellen Gedanken und ein neues Zeitalter herbeiführen. Deshalb sei auch heute geschlossen mit den Worten, die in diesen Tagen uns doch den Sinn, den Empfindungs- und Gefühlssinn gaben unseres Datinstehens in der Zeit als Geisteswissenschafter :
[ 30 ] If we fill ourselves with such thoughts, then those who have dedicated their energies to the great progress of humanity—having passed away in the prime of life—will have their energies strengthened by the thoughts that rise up from our souls. When human souls direct toward the spiritual realm whatever spiritual thoughts and feelings they may possess, then—as I also said yesterday at the end—the forces gathered from above, the unspent etheric forces, will meet with human spiritual thoughts and bring about a new age. Therefore, let us conclude today as well with the words that have given us, in these days, the meaning, the sense of feeling and emotion, of our standing in time as spiritual scientists in the field of Spiritual Science:
Aus dem Mut der Kämpfer,
Aus dem Blut der Schlachten,
Aus dem Leid Verlassener,
Aus des Volkes Opfertaten
Wird erwachsen Geistesfrucht —
Lenken Seelen geistbewußt
Ihren Sinn ins Geisterreich.
From the courage of the fighters,
From the blood of the battles,
From the suffering of the forsaken,
From the sacrifices of the people
The fruit of the spirit grows—
Guiding souls with spiritual awareness
Toward the realm of the spirit.
