The Mystery of Death
The Nature and Significance of Central Europe
and the European National Spirits
GA 159
14 March 1915, Nuremberg
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Das Geheimnis des Todes
6. Moralische Impulse und ihre Ergebnisse das Verhältnis der europäischen Völker zu ihren Volksgeistern — Der Kulturimpuls der Eurythmie
6. Moralische Impulse und ihre Ergebnisse das Verhältnis der europäischen Völker zu ihren Volksgeistern — Der Kulturimpuls der Eurythmie
[ 1 ] Es könnte zunächst scheinen und scheint es vielen Menschen auch so, als ob dasjenige, was man im wahren Sinne des Wortes hellsichtige Kräfte nennt, durch welche die Wesenheiten und Vorgänge der geistigen Welten erkannt werden können, als ob der Mensch diese hellsichtigen Kräfte im Alltagsleben gar nicht hätte, beziehungsweise im Alltagsleben gar nichts von diesen Kräften in seiner Seele entwickelte. So ist es aber nicht. Die hellsichtigen Kräfte sind nicht solche Kräfte, die dem Menschen, so wie er im Alltagsleben darinnen lebt, ganz unbekannt, ganz fremd wären. Das ist nicht der Fall, sondern dasjenige, was wir entwickeln, um in die geistigen Welten hineinzuschauen, was wir aus den tiefen Untergründen der Seele hervorholen müssen, um den Weg in die geistigen Welten hinein zu finden, das ist in einer bestimmten Seelentätigkeit auch schon für das gewöhnliche Leben des Menschen vorhanden. Das ist vorhanden in dem, was man die moralischen Impulse des Menschen nennt. Eine wirklich moralische Tat, ein wirklich moralischer Impuls geht aus denselben Fähigkeiten der Seele hervor, die durch entsprechende Ausbildung zu den hellsichtigen Fähigkeiten führen. Für das gewöhnliche Leben steht die Sache allerdings so, daß alles, was der Mensch tut, aus dem kommen kann, was in seiner Leiblichkeit liegt oder was er sich für und durch seine Leiblichkeit im Laufe des Lebens angeeignet hat. Wenn der Mensch Begierden entwickelt, wenn der Mensch dieses oder jenes tut, wozu er bestimmt wird durch seine Erziehung oder seine sonstigen Lebensverhältnisse, dann ist es das Leibliche, aus dem der Impuls dazu kommt. Aber es gibt im Menschenleben wirklich Impulse, die nicht aus dem Leiblichen kommen, bei denen wirklich nur die Seele betätigt ist, wenn der Mensch diese Impulse faßt: das sind die moralischen Impulse. Eine wirklich moralische Tat ist diejenige, zu der der Leib zwar zu Hilfe gerufen wird, damit man eine Vorstellung von der moralischen Tat bekommt, aber der Impuls, der Antrieb zu der moralischen Tat liegt im Geistig-Seelischen, das wirklich unabhängig vom Leiblichen ist. Man wird niemals mit bloßer Philosophie eine Definition des Moralischen geben können, und es ist das Charakteristische gerade der Philosophie, sofern sie Moralphilosophie sein will, daß sie zu einer richtigen, befriedigenden Definition des Moralischen nicht kommt, wenn sie sich nicht auf den Boden stellt, daß es dem Menschen möglich ist, sein Geistig-Seelisches unabhängig vom Leibe in sich zu erleben. Denn eine andere wirkliche Definition des Moralischen ist nicht möglich, als nur diejenige: Moralisch ist das, was der Mensch beschließt, was der Mensch tut durch Kräfte, die unabhängig von seinem Leibe sind.
[ 1 ] Es könnte zunächst scheinen und scheint es vielen Menschen auch so, als ob dasjenige, was man im wahren Sinne des Wortes hellsichtige Kräfte nennt, durch welche die Wesenheiten und Vorgänge der geistigen Welten erkannt werden können, als ob der Mensch diese hellsichtigen Kräfte im Alltagsleben gar nicht hätte, beziehungsweise im Alltagsleben gar nichts von diesen Kräften in seiner Seele entwickelte. So ist es aber nicht. Die hellsichtigen Kräfte sind nicht solche Kräfte, die dem Menschen, so wie er im Alltagsleben darinnen lebt, ganz unbekannt, ganz fremd wären. Das ist nicht der Fall, sondern dasjenige, was wir entwickeln, um in die geistigen Welten hineinzuschauen, was wir aus den tiefen Untergründen der Seele hervorholen müssen, um den Weg in die geistigen Welten hinein zu finden, das ist in einer bestimmten Seelentätigkeit auch schon für das gewöhnliche Leben des Menschen vorhanden. Das ist vorhanden in dem, was man die moralischen Impulse des Menschen nennt. Eine wirklich moralische Tat, ein wirklich moralischer Impuls geht aus denselben Fähigkeiten der Seele hervor, die durch entsprechende Ausbildung zu den hellsichtigen Fähigkeiten führen. Für das gewöhnliche Leben steht die Sache allerdings so, daß alles, was der Mensch tut, aus dem kommen kann, was in seiner Leiblichkeit liegt oder was er sich für und durch seine Leiblichkeit im Laufe des Lebens angeeignet hat. Wenn der Mensch Begierden entwickelt, wenn der Mensch dieses oder jenes tut, wozu er bestimmt wird durch seine Erziehung oder seine sonstigen Lebensverhältnisse, dann ist es das Leibliche, aus dem der Impuls dazu kommt. Aber es gibt im Menschenleben wirklich Impulse, die nicht aus dem Leiblichen kommen, bei denen wirklich nur die Seele betätigt ist, wenn der Mensch diese Impulse faßt: das sind die moralischen Impulse. Eine wirklich moralische Tat ist diejenige, zu der der Leib zwar zu Hilfe gerufen wird, damit man eine Vorstellung von der moralischen Tat bekommt, aber der Impuls, der Antrieb zu der moralischen Tat liegt im Geistig-Seelischen, das wirklich unabhängig vom Leiblichen ist. Man wird niemals mit bloßer Philosophie eine Definition des Moralischen geben können, und es ist das Charakteristische gerade der Philosophie, sofern sie Moralphilosophie sein will, daß sie zu einer richtigen, befriedigenden Definition des Moralischen nicht kommt, wenn sie sich nicht auf den Boden stellt, daß es dem Menschen möglich ist, sein Geistig-Seelisches unabhängig vom Leibe in sich zu erleben. Denn eine andere wirkliche Definition des Moralischen ist nicht möglich, als nur diejenige: Moralisch ist das, was der Mensch beschließt, was der Mensch tut durch Kräfte, die unabhängig von seinem Leibe sind.
[ 2 ] Nun wissen wir, daß das menschliche Leben sich aus moralischen, weniger moralischen und unmoralischen Handlungen und Impulsen zusammensetzt. Der Unterschied, welcher zwischen moralischen und unmoralischen Handlungen besteht, zeigt sich erst der okkulten Betrachtung im wahren Lichte. Der Mensch geht in seinem kleinsten Lebenszyklus, in jenem Zeitraum von vierundzwanzig Stunden, in den Schlafzustand ein. Dieser Schlafzustand besteht darin, daß das Ich und der Astralleib im wesentlichen aus dem physischen und Ätherleib herausgehen und dann außerhalb dieses physischen und Ätherleibes leben. Nun ist damit noch keineswegs alles gesagt, wenn man bemerkt, das Ich und der Astralleib gehen aus dem physischen und Ätherleib heraus. Sondern man muß sich auch klar darüber sein, daß das Ich und der Astralleib, indem sie aus dem Ätherleib und dem physischen Leib herausgehen, in die geistigen Welten, die übersinnlich um uns walten, aufgenommen werden. Wir gehen in die übersinnlichen Welten mit unserem Ich und Astralleib hinein. Haben wir am Tage, während unseres Wachzustandes, einen moralischen Impuls gehabt, eine moralische Tat vollbracht, dann besteht das Folgende: Wir müssen mit unserem Ich und Astralleib aufgenommen werden von den Geistern der nächsthöheren Hierarchien, von den Geistern, die wir zu der Hierarchie der Angeloi, der Archangeloi und so weiter rechnen. Diese müssen uns aufnehmen, in sie gehen wir gleichsam hinein im Schlafzustand. So wie wir bei Tage im Leibe leben, so leben wir während des Schlafzustandes in den Wesenheiten der höheren Hierarchien drinnen. Also darüber seien wir uns klar. Wenn wir nun eine moralische Tat vollbracht, einen moralischen Impuls gehabt haben, so besteht für die Wesenheiten der nächsthöheren Hierarchien die Möglichkeit, nach spirituellen kosmischen Gesetzen unser Ich und unseren Astralleib mit unseren moralischen Impulsen beziehungsweise dem, was in unserer Seele von unseren moralischen Impulsen geblieben ist, aufzunehmen. Haben wir eine unmoralische Handlung begangen oder einen unmoralischen Impuls gehabt, so können wir während des Schlafes mit diesem, mit dem Rest, mit dem, was sich durch den unmoralischen Impuls in uns gebildet hat, nicht in die Wesenheiten der höheren Hierarchien während des Schlafes eingehen. Es bleibt wirklich das zurück, wird zurückgestoßen, was in uns unmoralisch ist, es wird wieder hinabgestoßen in die Leiblichkeit. Die Folge davon ist, daß alles dasjenige, was wir als Nachwirkung des Moralischen im Schlafzustand in die geistigen Welten hineintragen, in unserem physischen und Ätherleib nicht wirkt, denn es wird von ihnen hinweggenommen. Dasjenige aber, was unmoralische Gedanken, unmoralische Impulse, unmoralische Handlungen sind, das wird zu etwas, was in den Ätherleib und den physischen Leib hinein zurückgestoßen wird, und das wirkt darinnen. So daß also für den Schlafzustand die Möglichkeit besteht, daß, während der Mensch sich in dem Zustand vom Einschlafen bis zum Aufwachen befindet, in seinem physischen und in seinem Ätherleib die Ergebnisse seiner unmoralischen Handlungen arbeiten. In dieser Beziehung ist es wirklich leicht zu erkennen, was ich auch schon öfter in Vorträgen betont habe, daß die Sprache einen wunderbaren Genius hat, daß sie großartig genial wirkt. Wenn wir von Schuld sprechen, da bedeutet gerade dieses deutsche Wort «Schuld» unendlich präzise das, um was es sich handelt. Wir zahlen dasjenige, was wir der geistigen Welt schuldig sind, mit unseren moralischen Handlungen, aber wir bleiben schuldig der geistigen Welt dasjenige, was wir zurücklassen müssen im Leibe, unsere unmoralischen Gedanken, unmoralischen Impulse, unmoralischen Handlungen.
[ 2 ] Nun wissen wir, daß das menschliche Leben sich aus moralischen, weniger moralischen und unmoralischen Handlungen und Impulsen zusammensetzt. Der Unterschied, welcher zwischen moralischen und unmoralischen Handlungen besteht, zeigt sich erst der okkulten Betrachtung im wahren Lichte. Der Mensch geht in seinem kleinsten Lebenszyklus, in jenem Zeitraum von vierundzwanzig Stunden, in den Schlafzustand ein. Dieser Schlafzustand besteht darin, daß das Ich und der Astralleib im wesentlichen aus dem physischen und Ätherleib herausgehen und dann außerhalb dieses physischen und Ätherleibes leben. Nun ist damit noch keineswegs alles gesagt, wenn man bemerkt, das Ich und der Astralleib gehen aus dem physischen und Ätherleib heraus. Sondern man muß sich auch klar darüber sein, daß das Ich und der Astralleib, indem sie aus dem Ätherleib und dem physischen Leib herausgehen, in die geistigen Welten, die übersinnlich um uns walten, aufgenommen werden. Wir gehen in die übersinnlichen Welten mit unserem Ich und Astralleib hinein. Haben wir am Tage, während unseres Wachzustandes, einen moralischen Impuls gehabt, eine moralische Tat vollbracht, dann besteht das Folgende: Wir müssen mit unserem Ich und Astralleib aufgenommen werden von den Geistern der nächsthöheren Hierarchien, von den Geistern, die wir zu der Hierarchie der Angeloi, der Archangeloi und so weiter rechnen. Diese müssen uns aufnehmen, in sie gehen wir gleichsam hinein im Schlafzustand. So wie wir bei Tage im Leibe leben, so leben wir während des Schlafzustandes in den Wesenheiten der höheren Hierarchien drinnen. Also darüber seien wir uns klar. Wenn wir nun eine moralische Tat vollbracht, einen moralischen Impuls gehabt haben, so besteht für die Wesenheiten der nächsthöheren Hierarchien die Möglichkeit, nach spirituellen kosmischen Gesetzen unser Ich und unseren Astralleib mit unseren moralischen Impulsen beziehungsweise dem, was in unserer Seele von unseren moralischen Impulsen geblieben ist, aufzunehmen. Haben wir eine unmoralische Handlung begangen oder einen unmoralischen Impuls gehabt, so können wir während des Schlafes mit diesem, mit dem Rest, mit dem, was sich durch den unmoralischen Impuls in uns gebildet hat, nicht in die Wesenheiten der höheren Hierarchien während des Schlafes eingehen. Es bleibt wirklich das zurück, wird zurückgestoßen, was in uns unmoralisch ist, es wird wieder hinabgestoßen in die Leiblichkeit. Die Folge davon ist, daß alles dasjenige, was wir als Nachwirkung des Moralischen im Schlafzustand in die geistigen Welten hineintragen, in unserem physischen und Ätherleib nicht wirkt, denn es wird von ihnen hinweggenommen. Dasjenige aber, was unmoralische Gedanken, unmoralische Impulse, unmoralische Handlungen sind, das wird zu etwas, was in den Ätherleib und den physischen Leib hinein zurückgestoßen wird, und das wirkt darinnen. So daß also für den Schlafzustand die Möglichkeit besteht, daß, während der Mensch sich in dem Zustand vom Einschlafen bis zum Aufwachen befindet, in seinem physischen und in seinem Ätherleib die Ergebnisse seiner unmoralischen Handlungen arbeiten. In dieser Beziehung ist es wirklich leicht zu erkennen, was ich auch schon öfter in Vorträgen betont habe, daß die Sprache einen wunderbaren Genius hat, daß sie großartig genial wirkt. Wenn wir von Schuld sprechen, da bedeutet gerade dieses deutsche Wort «Schuld» unendlich präzise das, um was es sich handelt. Wir zahlen dasjenige, was wir der geistigen Welt schuldig sind, mit unseren moralischen Handlungen, aber wir bleiben schuldig der geistigen Welt dasjenige, was wir zurücklassen müssen im Leibe, unsere unmoralischen Gedanken, unmoralischen Impulse, unmoralischen Handlungen.
[ 3 ] Und nun bedenken Sie folgendes: Wenn wir unser Leben so verbringen würden, daß wir nur die Dinge der Außenwelt wahrnehmen und über sie denken würden, so würden die Vorgänge selbst in unserem physischen Leibe ganz andere sein, als sie sind, da wir nicht nur denken und wahrnehmen, sondern uns auch an das Gedachte, Wahrgenommene und Erlebte erinnern. Was wir denken, vorstellen, empfinden, geht bis in unseren Ätherleib hinunter, aber der Ätherleib prägt es wiederum dem physischen Leibe ein, und dasjenige, was der Ätherleib wie Abdrücke im physischen Leibe schafft, das ist die Erinnerung. Wenn wir uns im späteren Leben an irgend etwas von früher Erlebtem erinnern, so bedeutet das: Wir stoßen mit dem Astralleib, der sich dann mit dem Ätherleib vereinigt, auf das, was wie eine Einprägung, wie ein Siegelabdruck in unserem physischen Leibe geblieben ist. Kindlich ist die materialistische Vorstellung, die sich herausgebildet hat: als wenn eine Erinnerung im Gehirn da, eine andere dort sitzen würde, als wenn sie so eingeschachtelt wäre. Das ist nicht wahr, sondern jede Erinnerung hat einen Abdruck, der im Grunde dem ganzen Haupte und noch manchem andern Teil der menschlichen Gestalt entspricht, und die Erinnerungen stecken ineinander, nicht nebeneinander, wie eine kindliche materialistische Vorstellung annimmt. Diese Erinnerungstätigkeit beruht also darin, daß unser Astralleib und Ätherleib Eindrücke in unserem physischen Leib bewirken können. Es ist wirklich dieselbe Tätigkeit, die äußerlich dann eintritt, wenn wir uns irgend etwas notieren. Wenn wir nämlich die Notizen anschauen, so besitzt das, was wir in unserer Seele haben, natürlich nicht die geringste Ähnlichkeit mit den Zeichen, die wir auf dem Papier haben. Auf dem Papier sind Zeichen irgendwelcher Form, aber durch dasjenige, was wir dann daraus machen, indem wir angeregt werden, in der Seele das wieder lebendig zu machen, was wir notiert haben, geht ein geistiger Vorgang vor sich. Und so ist es auch mit der Erinnerung. Was in uns bleibt, hat wahrhaftig mit demjenigen, was beim Erinnern in der Seele auftritt, prinzipiell nicht mehr Ähnlichkeit als das, was auf dem Papier steht, mit dem, was in der Seele auftritt, wenn wir es wieder lesen.
[ 3 ] Und nun bedenken Sie folgendes: Wenn wir unser Leben so verbringen würden, daß wir nur die Dinge der Außenwelt wahrnehmen und über sie denken würden, so würden die Vorgänge selbst in unserem physischen Leibe ganz andere sein, als sie sind, da wir nicht nur denken und wahrnehmen, sondern uns auch an das Gedachte, Wahrgenommene und Erlebte erinnern. Was wir denken, vorstellen, empfinden, geht bis in unseren Ätherleib hinunter, aber der Ätherleib prägt es wiederum dem physischen Leibe ein, und dasjenige, was der Ätherleib wie Abdrücke im physischen Leibe schafft, das ist die Erinnerung. Wenn wir uns im späteren Leben an irgend etwas von früher Erlebtem erinnern, so bedeutet das: Wir stoßen mit dem Astralleib, der sich dann mit dem Ätherleib vereinigt, auf das, was wie eine Einprägung, wie ein Siegelabdruck in unserem physischen Leibe geblieben ist. Kindlich ist die materialistische Vorstellung, die sich herausgebildet hat: als wenn eine Erinnerung im Gehirn da, eine andere dort sitzen würde, als wenn sie so eingeschachtelt wäre. Das ist nicht wahr, sondern jede Erinnerung hat einen Abdruck, der im Grunde dem ganzen Haupte und noch manchem andern Teil der menschlichen Gestalt entspricht, und die Erinnerungen stecken ineinander, nicht nebeneinander, wie eine kindliche materialistische Vorstellung annimmt. Diese Erinnerungstätigkeit beruht also darin, daß unser Astralleib und Ätherleib Eindrücke in unserem physischen Leib bewirken können. Es ist wirklich dieselbe Tätigkeit, die äußerlich dann eintritt, wenn wir uns irgend etwas notieren. Wenn wir nämlich die Notizen anschauen, so besitzt das, was wir in unserer Seele haben, natürlich nicht die geringste Ähnlichkeit mit den Zeichen, die wir auf dem Papier haben. Auf dem Papier sind Zeichen irgendwelcher Form, aber durch dasjenige, was wir dann daraus machen, indem wir angeregt werden, in der Seele das wieder lebendig zu machen, was wir notiert haben, geht ein geistiger Vorgang vor sich. Und so ist es auch mit der Erinnerung. Was in uns bleibt, hat wahrhaftig mit demjenigen, was beim Erinnern in der Seele auftritt, prinzipiell nicht mehr Ähnlichkeit als das, was auf dem Papier steht, mit dem, was in der Seele auftritt, wenn wir es wieder lesen.
[ 4 ] Hellsichtig angeschaut, ist die Sache so: Nehmen wir also an, es erinnere sich jemand an etwas, was er früher durchgemacht hat. Was dann in seinem physischen Leibe aufleuchtet, ist ein Zeichen, das in irgendeiner Weise sogar der menschlichen Figur vom Kopfe und ein Stück darunter nachgebildet ist. Das sind Zeichen. Es ist jedes anders, was in der Erinnerung auftaucht, aber es sind Zeichen. Und was wir erleben, indem wir uns erinnern, das macht erst die Seele aus den Zeichen. Es ist das wirklich ein unterbewußtes Lesen, was als Erinnerung auftritt. Wenn Naturwissenschaft etwas weiter fortschreiten und die physischen Vorgänge untersuchen wird, so wird sie gerade als Hilfe für Geisteswissenschaft auftreten, indem sie zeigen wird, daß dasjenige, was im Leibe bleibt, wirklich erst von der Seele einem Prozeß unterzogen werden muß, der dem Lesen in der Seele prinzipiell ähnlich ist. Erinnerung ist ein wirkliches unterbewußtes Lesen. Das ist eine reguläre Tätigkeit der menschlichen Seele, dieses SichErinnern.
[ 4 ] Hellsichtig angeschaut, ist die Sache so: Nehmen wir also an, es erinnere sich jemand an etwas, was er früher durchgemacht hat. Was dann in seinem physischen Leibe aufleuchtet, ist ein Zeichen, das in irgendeiner Weise sogar der menschlichen Figur vom Kopfe und ein Stück darunter nachgebildet ist. Das sind Zeichen. Es ist jedes anders, was in der Erinnerung auftaucht, aber es sind Zeichen. Und was wir erleben, indem wir uns erinnern, das macht erst die Seele aus den Zeichen. Es ist das wirklich ein unterbewußtes Lesen, was als Erinnerung auftritt. Wenn Naturwissenschaft etwas weiter fortschreiten und die physischen Vorgänge untersuchen wird, so wird sie gerade als Hilfe für Geisteswissenschaft auftreten, indem sie zeigen wird, daß dasjenige, was im Leibe bleibt, wirklich erst von der Seele einem Prozeß unterzogen werden muß, der dem Lesen in der Seele prinzipiell ähnlich ist. Erinnerung ist ein wirkliches unterbewußtes Lesen. Das ist eine reguläre Tätigkeit der menschlichen Seele, dieses SichErinnern.
[ 5 ] Wenn wir nun aber Ergebnisse unmoralischer Impulse, Gedanken oder Handlungen beim Einschlafen in unseren Leib hinunterschicken, bringen wir aus unserem physischen Leibe dasjenige, was wir an unmoralischen Impulsen gehabt haben, nicht heraus. Dadurch geschieht etwas ähnliches, wie es sonst regelmäßig geschieht in der Erinnerung. Das Arbeiten an dem physischen Leibe prägt sich dort ein, und wenn der Mensch nun einschlafen will und sein Ich und Astralleib aus seinem physischen und Ätherleib herausgehen will, dann beginnt dieser Prozeß. Was er da zurücklassen muß, prägt sich ein, wie sich Erinnerungen einprägen, und dann kommen die Gewissensbisse, die da auftreten. Das ist der wirkliche Vorgang der Gewissensbisse. So spiegeln sie sich zurück aus demjenigen, was die Dinge in unserem physischen Leib und auch im Ätherleib an Abdrücken besorgen. Das bleibt dann. Und weil es bleibt wie die regulären Erinnerungen, so können diese Gewissensbisse bleiben und Stärke erlangen und treten dann als Selbstvorwürfe das weitere Leben hindurch auf. Das ist das Wichtige, daß wir wirklich dazukommen, einzusehen, daß das moralische Handeln ein realer Prozeß ist, daß es nicht bloß etwas Abstraktes ist, sondern daß dieses moralische Handeln ein Hinauftragen desjenigen, was wir hier tun auf Erden, in die geistigen Welten ist. Und da wir die Ergebnisse unseres moralischen Verhaltens den höheren Hierarchien übergeben, so bleiben sie auch in gewisser Beziehung in diesen höheren Hierarchien. Das aber, was wir nicht mitnehmen können, was dann im physischen und Ätherleib arbeitet, das bleibt hier auf der Erde, das ist im Erdenprozeß darin. Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes gegangen ist, muß er immer darauf zurückschauen, und indem er immer darauf zurückschaut, muß in ihm der Impuls entstehen, es aus dem Erdenprozeß herauszuschaffen. Darauf beruht dann die Ausarbeitung des Karma zwischen dem Tod und einer neuen Geburt.
[ 5 ] Wenn wir nun aber Ergebnisse unmoralischer Impulse, Gedanken oder Handlungen beim Einschlafen in unseren Leib hinunterschicken, bringen wir aus unserem physischen Leibe dasjenige, was wir an unmoralischen Impulsen gehabt haben, nicht heraus. Dadurch geschieht etwas ähnliches, wie es sonst regelmäßig geschieht in der Erinnerung. Das Arbeiten an dem physischen Leibe prägt sich dort ein, und wenn der Mensch nun einschlafen will und sein Ich und Astralleib aus seinem physischen und Ätherleib herausgehen will, dann beginnt dieser Prozeß. Was er da zurücklassen muß, prägt sich ein, wie sich Erinnerungen einprägen, und dann kommen die Gewissensbisse, die da auftreten. Das ist der wirkliche Vorgang der Gewissensbisse. So spiegeln sie sich zurück aus demjenigen, was die Dinge in unserem physischen Leib und auch im Ätherleib an Abdrücken besorgen. Das bleibt dann. Und weil es bleibt wie die regulären Erinnerungen, so können diese Gewissensbisse bleiben und Stärke erlangen und treten dann als Selbstvorwürfe das weitere Leben hindurch auf. Das ist das Wichtige, daß wir wirklich dazukommen, einzusehen, daß das moralische Handeln ein realer Prozeß ist, daß es nicht bloß etwas Abstraktes ist, sondern daß dieses moralische Handeln ein Hinauftragen desjenigen, was wir hier tun auf Erden, in die geistigen Welten ist. Und da wir die Ergebnisse unseres moralischen Verhaltens den höheren Hierarchien übergeben, so bleiben sie auch in gewisser Beziehung in diesen höheren Hierarchien. Das aber, was wir nicht mitnehmen können, was dann im physischen und Ätherleib arbeitet, das bleibt hier auf der Erde, das ist im Erdenprozeß darin. Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes gegangen ist, muß er immer darauf zurückschauen, und indem er immer darauf zurückschaut, muß in ihm der Impuls entstehen, es aus dem Erdenprozeß herauszuschaffen. Darauf beruht dann die Ausarbeitung des Karma zwischen dem Tod und einer neuen Geburt.
[ 6 ] Nun nehmen wir allerdings in unser Karma die Ergebnisse unserer moralischen Impulse mit, aber indem wir sie während des Schlafes in geistige Welten hinauftragen, machen sie dort auch einen Eindruck. Wir können sagen, die Engel, die Erzengel, auch die Geister der Persönlichkeit haben nun dasjenige, was wir an moralischen Impulsen zu ihnen hinauftragen. Und was tun sie damit? Für den Entwickelungsgang der Erde sind diese moralischen Impulse, die nunmehr in der geistigen Welt darin sind, die eigentlichen Befruchtungskeime für die späteren Erdenperioden. Nicht nur daß wir diese Ergebnisse in unserem Karma behalten, sondern wir bringen die Abdrücke hinauf, und in den kommenden Erdenepochen tragen sie die Geister der höheren Hierarchien wieder hinunter, und es bilden dann diese Ergebnisse der moralischen Impulse in späteren Erdenepochen die Befruchtungskeime für das menschliche erfinderische Denken, für das menschliche Denken überhaupt. Man denke sich einmal, daß eine Epoche in der Erdenentwickelung ganz unmoralisch wäre, so daß keine moralischen Impulsabdrücke in die geistigen Welten hinaufgetragen würden. Dann würde in der Erdenentwickelungszeit eine Epoche folgen müssen, wo den Menschen für das Erdenleben wenig einfallen würde, wo die Menschen wenig Ideen und Begriffe haben würden, wo eine Armut herrschen würde in demjenigen, was das Leben an Seelischem durchprägen und durcherregen soll.
[ 6 ] Nun nehmen wir allerdings in unser Karma die Ergebnisse unserer moralischen Impulse mit, aber indem wir sie während des Schlafes in geistige Welten hinauftragen, machen sie dort auch einen Eindruck. Wir können sagen, die Engel, die Erzengel, auch die Geister der Persönlichkeit haben nun dasjenige, was wir an moralischen Impulsen zu ihnen hinauftragen. Und was tun sie damit? Für den Entwickelungsgang der Erde sind diese moralischen Impulse, die nunmehr in der geistigen Welt darin sind, die eigentlichen Befruchtungskeime für die späteren Erdenperioden. Nicht nur daß wir diese Ergebnisse in unserem Karma behalten, sondern wir bringen die Abdrücke hinauf, und in den kommenden Erdenepochen tragen sie die Geister der höheren Hierarchien wieder hinunter, und es bilden dann diese Ergebnisse der moralischen Impulse in späteren Erdenepochen die Befruchtungskeime für das menschliche erfinderische Denken, für das menschliche Denken überhaupt. Man denke sich einmal, daß eine Epoche in der Erdenentwickelung ganz unmoralisch wäre, so daß keine moralischen Impulsabdrücke in die geistigen Welten hinaufgetragen würden. Dann würde in der Erdenentwickelungszeit eine Epoche folgen müssen, wo den Menschen für das Erdenleben wenig einfallen würde, wo die Menschen wenig Ideen und Begriffe haben würden, wo eine Armut herrschen würde in demjenigen, was das Leben an Seelischem durchprägen und durcherregen soll.
[ 7 ] So stehen wir mit unseren moralischen Impulsen in einem realen Prozeß des Kosmos darin. Und so ist die Geisteswissenschaft, die uns so etwas zeigt, geeignet, unsere Verantwortlichkeit zu erhöhen, unsere Verantwortlichkeit zu energisieren, denn wir merken dadurch erst, was es bedeutet, im menschlichen Leben moralisch oder unmoralisch sein. Unmoralisch sein heißt, der Erde ihre Lebenskeime entziehen, sie dem physischen Erdenprozeß einverleiben, in dem sie dann Zerstörungskeime für die nächsten Erdepochen werden, denn natürlich bleiben sie da auch erhalten, weil nichts verlorengeht. Sie löschen dann dasjenige aus, was lebendig als Seelisches leben soll. Nehmen wir an, eine größere Menschenmenge würde beschließen, unmoralisch zu leben in einer bestimmten Epoche. Dann würde dadurch eine gedankenarme spätere Epoche herbeigeführt werden, und die Seelen würden auf die Erde herunterkommen und auf der Erde Gedankenarmut finden, sie würden einem öden Leben verfallen sein.
[ 7 ] So stehen wir mit unseren moralischen Impulsen in einem realen Prozeß des Kosmos darin. Und so ist die Geisteswissenschaft, die uns so etwas zeigt, geeignet, unsere Verantwortlichkeit zu erhöhen, unsere Verantwortlichkeit zu energisieren, denn wir merken dadurch erst, was es bedeutet, im menschlichen Leben moralisch oder unmoralisch sein. Unmoralisch sein heißt, der Erde ihre Lebenskeime entziehen, sie dem physischen Erdenprozeß einverleiben, in dem sie dann Zerstörungskeime für die nächsten Erdepochen werden, denn natürlich bleiben sie da auch erhalten, weil nichts verlorengeht. Sie löschen dann dasjenige aus, was lebendig als Seelisches leben soll. Nehmen wir an, eine größere Menschenmenge würde beschließen, unmoralisch zu leben in einer bestimmten Epoche. Dann würde dadurch eine gedankenarme spätere Epoche herbeigeführt werden, und die Seelen würden auf die Erde herunterkommen und auf der Erde Gedankenarmut finden, sie würden einem öden Leben verfallen sein.
[ 8 ] Nun ist die Möglichkeit vorhanden, daß wir nicht nur dasjenige in unsere Erkenntnis aufnehmen, was der Inhalt des Moralischen ist. Wenn wir dasjenige, was der Inhalt des Moralischen ist, nicht in unsere wirksame Erkenntnis aufnehmen, so veröden wir die Erde. Aber wir haben nötig, und wir haben die Möglichkeit, auch anderes noch aufzunehmen in unsere Seelenentwickelung, und das ist das Wissen von dem Übersinnlichen. Im Grunde war die Erde niemals ganz ohne Wissen von dem Übersinnlichen. Wir wissen ja, daß die Menschheit in alten Zeiten ein gewisses Erbgut von hellsichtigem Vermögen, hellsichtigen Fähigkeiten, dadurch aber auch von hellsichtigem Wissen erhalten hat. Und es ist noch gar nicht so lange her, daß die Nachwirkungen dieses hellsichtigen Wissens auf der Erde da waren. Wir wissen ja auch, daß wir in der Zeit leben, wo dieses hellsichtige Wissen seit Jahrhunderten auf die völlige Neige geht, aber dann ersetzt werden muß durch das bewußt zu erringende hellsichtige Wissen. In dieser wichtigen Zeit leben wir. Und wir haben uns gestern vor die Seele geführt, wie die fünfte Kulturepoche und diejenigen, die deren Träger sind, berufen sind, hellsichtiges Wissen bewußt den Seelen wieder zu erringen. Und die fünfte Kulturepoche wird nicht zu Ende gehen, bevor eine gewisse Summe hellsichtigen Wissens einen verhältnismäßig großen Teil der Menschheit ergriffen hat. Das Herdersche Wort ist wahr, daß die Erleuchtung über die Erde gehen werde.
[ 8 ] Nun ist die Möglichkeit vorhanden, daß wir nicht nur dasjenige in unsere Erkenntnis aufnehmen, was der Inhalt des Moralischen ist. Wenn wir dasjenige, was der Inhalt des Moralischen ist, nicht in unsere wirksame Erkenntnis aufnehmen, so veröden wir die Erde. Aber wir haben nötig, und wir haben die Möglichkeit, auch anderes noch aufzunehmen in unsere Seelenentwickelung, und das ist das Wissen von dem Übersinnlichen. Im Grunde war die Erde niemals ganz ohne Wissen von dem Übersinnlichen. Wir wissen ja, daß die Menschheit in alten Zeiten ein gewisses Erbgut von hellsichtigem Vermögen, hellsichtigen Fähigkeiten, dadurch aber auch von hellsichtigem Wissen erhalten hat. Und es ist noch gar nicht so lange her, daß die Nachwirkungen dieses hellsichtigen Wissens auf der Erde da waren. Wir wissen ja auch, daß wir in der Zeit leben, wo dieses hellsichtige Wissen seit Jahrhunderten auf die völlige Neige geht, aber dann ersetzt werden muß durch das bewußt zu erringende hellsichtige Wissen. In dieser wichtigen Zeit leben wir. Und wir haben uns gestern vor die Seele geführt, wie die fünfte Kulturepoche und diejenigen, die deren Träger sind, berufen sind, hellsichtiges Wissen bewußt den Seelen wieder zu erringen. Und die fünfte Kulturepoche wird nicht zu Ende gehen, bevor eine gewisse Summe hellsichtigen Wissens einen verhältnismäßig großen Teil der Menschheit ergriffen hat. Das Herdersche Wort ist wahr, daß die Erleuchtung über die Erde gehen werde.
[ 9 ] Alles Wissen, das wir uns erwerben von der bloß sinnlichen Außenwelt, alle Gedanken, die wir haben bloß als Nachbilder der sinnlichen Außenwelt, können von uns nun auch nicht so unbedingt, während wir schlafen, in die geistige Welt gebracht werden. Es ist ja wahr, die Gedanken, die Vorstellungen, die wir haben, reichen bis zu einem gewissen Grade in die Wesenheiten der höheren Hierarchien hinein eben mit Ausnahme der unmoralischen Impulse; doch ragt dasjenige, was wir uns an Bildern der Außenwelt erwerben, bis zu einem gewissen Grade hinein in die geistige Welt. Aber es ragt nicht sehr weit herauf, vor allen Dingen nicht mehr bis in die Sphäre der Erzengel. So daß der Mensch, wenn er sich nur mit Vorstellungen erfüllt, die aus der Sinneswelt stammen, nicht sehr weit hineintragen kann in die geistigen Welten dasjenige, was er nur an Vorstellungen der Sinneswelt gewinnt. Was wir aber an übersinnlichen Vorstellungen in uns erleben, das wird weit hineingetragen in die geistigen Welten, und gerade diejenigen Wesenheiten, die der Hierarchie der Erzengel angehören, bekommen gleichsam die Abdrücke davon und tragen es in spätere Zeiten hinüber. Und was so an übersinnlichem Wissen durch Ich und Astralleib der Menschen in die geistigen Welten hinaufgetragen wird, das wird später wiederum zum Erdenentwickelungsprozeß verwandt. Es bildet jetzt nicht, wie die moralischen Impulse, die Befruchtungskeime, das Regsame, sondern die Keime für das, was wir den Erdenfortschritt nennen. Und die Ablehnung der übersinnlichen Vorstellungen durch ein Zeitalter bedeutet die Verurteilung eines kommenden Zeitalters, in der Erdenentwickelung keinen Fortschritt zu machen. Derjenige, der die übersinnlichen Vorstellungen ablehnt, hemmt den Fortschritt kommender Zeitalter, soweit es an ihm ist. Wenn irgendein Volk ganz materialistisch würde, so würde dieser Materialismus eines ganzen Volkes für ein kommendes Zeitalter die Erde zum Stillstand in ihrer Entwickelung verurteilen natürlich bis zu einem gewissen Grade, weil ja die andern Völker die übersinnlichen Vorstellungen nicht ablehnen müßten. Also auch da sehen wir wiederum, wie das Erwerben übersinnlicher Vorstellungen im Erdenprozeß selbst eine Bedeutung hat. So hängen Ursachen und Wirkungen im ganzen Erdenprozeß zusammen. Diejenigen Menschen, die in unserer Gegenwart gewissermaßen bewußt Materialisten sind, sind im Grunde ahrimanisch verführte Wesenheiten, von den ahrimanischen Geistern verführte Wesenheiten, denn Ahriman hat ein großes Interesse daran, den regelmäßigen Fortschritt zu hemmen.
[ 9 ] Alles Wissen, das wir uns erwerben von der bloß sinnlichen Außenwelt, alle Gedanken, die wir haben bloß als Nachbilder der sinnlichen Außenwelt, können von uns nun auch nicht so unbedingt, während wir schlafen, in die geistige Welt gebracht werden. Es ist ja wahr, die Gedanken, die Vorstellungen, die wir haben, reichen bis zu einem gewissen Grade in die Wesenheiten der höheren Hierarchien hinein eben mit Ausnahme der unmoralischen Impulse; doch ragt dasjenige, was wir uns an Bildern der Außenwelt erwerben, bis zu einem gewissen Grade hinein in die geistige Welt. Aber es ragt nicht sehr weit herauf, vor allen Dingen nicht mehr bis in die Sphäre der Erzengel. So daß der Mensch, wenn er sich nur mit Vorstellungen erfüllt, die aus der Sinneswelt stammen, nicht sehr weit hineintragen kann in die geistigen Welten dasjenige, was er nur an Vorstellungen der Sinneswelt gewinnt. Was wir aber an übersinnlichen Vorstellungen in uns erleben, das wird weit hineingetragen in die geistigen Welten, und gerade diejenigen Wesenheiten, die der Hierarchie der Erzengel angehören, bekommen gleichsam die Abdrücke davon und tragen es in spätere Zeiten hinüber. Und was so an übersinnlichem Wissen durch Ich und Astralleib der Menschen in die geistigen Welten hinaufgetragen wird, das wird später wiederum zum Erdenentwickelungsprozeß verwandt. Es bildet jetzt nicht, wie die moralischen Impulse, die Befruchtungskeime, das Regsame, sondern die Keime für das, was wir den Erdenfortschritt nennen. Und die Ablehnung der übersinnlichen Vorstellungen durch ein Zeitalter bedeutet die Verurteilung eines kommenden Zeitalters, in der Erdenentwickelung keinen Fortschritt zu machen. Derjenige, der die übersinnlichen Vorstellungen ablehnt, hemmt den Fortschritt kommender Zeitalter, soweit es an ihm ist. Wenn irgendein Volk ganz materialistisch würde, so würde dieser Materialismus eines ganzen Volkes für ein kommendes Zeitalter die Erde zum Stillstand in ihrer Entwickelung verurteilen natürlich bis zu einem gewissen Grade, weil ja die andern Völker die übersinnlichen Vorstellungen nicht ablehnen müßten. Also auch da sehen wir wiederum, wie das Erwerben übersinnlicher Vorstellungen im Erdenprozeß selbst eine Bedeutung hat. So hängen Ursachen und Wirkungen im ganzen Erdenprozeß zusammen. Diejenigen Menschen, die in unserer Gegenwart gewissermaßen bewußt Materialisten sind, sind im Grunde ahrimanisch verführte Wesenheiten, von den ahrimanischen Geistern verführte Wesenheiten, denn Ahriman hat ein großes Interesse daran, den regelmäßigen Fortschritt zu hemmen.
[ 10 ] Wiederum sehen wir, wie Geisteswissenschaft das Verantwortlichkeitsgefühl der einzelnen menschlichen Seele zur Gesamtheit der Welt zu erhöhen imstande ist. Wir sehen, wie uns Geisteswissenschaft dem Selbst entreißt und uns zu Angehörigen des gesamten Menschheitsprozesses macht, wie Geisteswissenschaft ihrem Wesen nach eine selbstlose Betätigung der Menschenseele ist.
[ 10 ] Wiederum sehen wir, wie Geisteswissenschaft das Verantwortlichkeitsgefühl der einzelnen menschlichen Seele zur Gesamtheit der Welt zu erhöhen imstande ist. Wir sehen, wie uns Geisteswissenschaft dem Selbst entreißt und uns zu Angehörigen des gesamten Menschheitsprozesses macht, wie Geisteswissenschaft ihrem Wesen nach eine selbstlose Betätigung der Menschenseele ist.
[ 11 ] In einer gewissen Beziehung ist alles Leben in übersinnlichen Vorstellungen dem moralischen Leben nachgebildet. Daher gibt es nichts Störenderes für die Erkenntnisse der übersinnlichen Welten als die Erfüllung der Menschenseele mit unmoralischen Impulsen. Im Grunde sehen wir gerade daraus, welch tiefe Begründung es hat, daß als Vorbereitung für hellsichtige Entwickelung eine im eminentesten Sinne so zu nennende moralische Denkungsart des Menschen gefordert wird. Wirklich ist nun der fünften Epoche übertragen, dafür zu sorgen, daß in bewußter Weise geistige Erkenntnis die Menschen erfülle, damit in dem, was die nachatlantische Zeit noch an Resten zu leben hat, der Fortschritt der Menschheit nicht gehemmt werde, damit wirklich ein Fortschritt in der Menschheit stattfinden könne. Und wenn wir nach alledem, was jetzt in den letzten Tagen besprochen worden ist, gerade den mitteleuropäischen Völkern im eminentesten Sinne die Anlage für geistige Erkenntnis zuzuschreiben haben, dann muß uns klar sein, welche Bedeutung das Fortleben, das ungestörte SichEntwickeln der mitteleuropäischen Kultur hat.
[ 11 ] In einer gewissen Beziehung ist alles Leben in übersinnlichen Vorstellungen dem moralischen Leben nachgebildet. Daher gibt es nichts Störenderes für die Erkenntnisse der übersinnlichen Welten als die Erfüllung der Menschenseele mit unmoralischen Impulsen. Im Grunde sehen wir gerade daraus, welch tiefe Begründung es hat, daß als Vorbereitung für hellsichtige Entwickelung eine im eminentesten Sinne so zu nennende moralische Denkungsart des Menschen gefordert wird. Wirklich ist nun der fünften Epoche übertragen, dafür zu sorgen, daß in bewußter Weise geistige Erkenntnis die Menschen erfülle, damit in dem, was die nachatlantische Zeit noch an Resten zu leben hat, der Fortschritt der Menschheit nicht gehemmt werde, damit wirklich ein Fortschritt in der Menschheit stattfinden könne. Und wenn wir nach alledem, was jetzt in den letzten Tagen besprochen worden ist, gerade den mitteleuropäischen Völkern im eminentesten Sinne die Anlage für geistige Erkenntnis zuzuschreiben haben, dann muß uns klar sein, welche Bedeutung das Fortleben, das ungestörte SichEntwickeln der mitteleuropäischen Kultur hat.
[ 12 ] Wenn wir nun mit dem, was wir also erwähnt haben, den Horizont vielleicht nur des europäischen Lebens ein wenig überblicken, was bietet sich uns dann dar? Mit dem Völkerleben hängt ja das Leben der höheren Hierarchien zusammen. Sie brauchen nur den Zyklus über die Entwickelung der Volksseelen, der einmal in Kristiania gehalten wurde, und der in der jetzigen Zeit besonders wichtig ist, zu studieren, Sie brauchen ihn sich nur vor die Seele zu führen und Sie werden sehen, wie die Erzengelwesenheiten in das Völkerleben eingreifen; wie überhaupt dieses Völkerleben im Zusammenwirken der höheren Hierarchien mit dem, was hier auf Erden geschieht, sich abspielt. Wenn wir einen einzelnen Menschen betrachten, so wissen wir, daß seine Ich-Entwickelung erst langsam und allmählich stattfindet. Gewiß, im zarten Kindesalter, von dem Zeitpunkt an, bis zu dem man sich zurückerinnert, beginnt das Bewußtsein des Ich. Aber dieses Ich wird ja immer reifer und reifer, schreitet fort in seiner Entwickelung. In unserer Zeit herrschen in bezug auf diese Ich-Entwickelung schon ziemlich große Irrtümer. Es herrscht viel zu wenig Bewußtsein davon, daß eine solche Ich-Entwickelung im Leben stattfindet. Und so kann man es erleben, daß heute die Menschen in grünster Jugend sich reif finden, alles zu beurteilen, weil sie nicht wissen, daß erst ein bestimmtes Alter erreicht werden muß, um bestimmte Dinge zu beurteilen, weil das Ich erst dadurch eine bestimmte Reife erreicht hat.
[ 12 ] Wenn wir nun mit dem, was wir also erwähnt haben, den Horizont vielleicht nur des europäischen Lebens ein wenig überblicken, was bietet sich uns dann dar? Mit dem Völkerleben hängt ja das Leben der höheren Hierarchien zusammen. Sie brauchen nur den Zyklus über die Entwickelung der Volksseelen, der einmal in Kristiania gehalten wurde, und der in der jetzigen Zeit besonders wichtig ist, zu studieren, Sie brauchen ihn sich nur vor die Seele zu führen und Sie werden sehen, wie die Erzengelwesenheiten in das Völkerleben eingreifen; wie überhaupt dieses Völkerleben im Zusammenwirken der höheren Hierarchien mit dem, was hier auf Erden geschieht, sich abspielt. Wenn wir einen einzelnen Menschen betrachten, so wissen wir, daß seine Ich-Entwickelung erst langsam und allmählich stattfindet. Gewiß, im zarten Kindesalter, von dem Zeitpunkt an, bis zu dem man sich zurückerinnert, beginnt das Bewußtsein des Ich. Aber dieses Ich wird ja immer reifer und reifer, schreitet fort in seiner Entwickelung. In unserer Zeit herrschen in bezug auf diese Ich-Entwickelung schon ziemlich große Irrtümer. Es herrscht viel zu wenig Bewußtsein davon, daß eine solche Ich-Entwickelung im Leben stattfindet. Und so kann man es erleben, daß heute die Menschen in grünster Jugend sich reif finden, alles zu beurteilen, weil sie nicht wissen, daß erst ein bestimmtes Alter erreicht werden muß, um bestimmte Dinge zu beurteilen, weil das Ich erst dadurch eine bestimmte Reife erreicht hat.
[ 13 ] Wie es im einzelnen Leben des Menschen ist, so ist es nun auch mit dem Völkerleben. Nur müssen wir das Folgende berücksichtigen, wenn wir das Völkerleben verstehen wollen im Verhältnis zum einzelnen Menschenleben auf dem physischen Plan. Der einzelne Mensch reift heran mit Bezug auf die Ich-Entwickelung, dadurch, daß er reifer und reifer wird, lernt er auch die Außenwelt besser zu überschauen. Was wissen wir von der Außenwelt, wenn wir zwanzig, fünfundzwanzig Jahre erlangt haben, und was können wir wissen, wenn wir das Leben ordentlich zubringen, wenn wir zehn Jahre mehr durchgemacht haben! Für solche Dinge muß sich gerade der Geisteswissenschafter eine Empfindung erwerben. Da steht das Ich in seinem Verhältnis zur äußeren Welt, im Verhältnis zu dem, was dieses Ich umgibt.
[ 13 ] Wie es im einzelnen Leben des Menschen ist, so ist es nun auch mit dem Völkerleben. Nur müssen wir das Folgende berücksichtigen, wenn wir das Völkerleben verstehen wollen im Verhältnis zum einzelnen Menschenleben auf dem physischen Plan. Der einzelne Mensch reift heran mit Bezug auf die Ich-Entwickelung, dadurch, daß er reifer und reifer wird, lernt er auch die Außenwelt besser zu überschauen. Was wissen wir von der Außenwelt, wenn wir zwanzig, fünfundzwanzig Jahre erlangt haben, und was können wir wissen, wenn wir das Leben ordentlich zubringen, wenn wir zehn Jahre mehr durchgemacht haben! Für solche Dinge muß sich gerade der Geisteswissenschafter eine Empfindung erwerben. Da steht das Ich in seinem Verhältnis zur äußeren Welt, im Verhältnis zu dem, was dieses Ich umgibt.
[ 14 ] Mit den Wesenheiten der höheren Hierarchien ist es anders. Diese Wesenheiten der höheren Hierarchien stehen ihrerseits zu unserem Ich in einem solchen Verhältnis wie wir zu den Dingen der Außenwelt. Für uns sind die Gegenstände und Wesenheiten des mineralischen, Pflanzen- und Tierreiches Objekt. Für die Wesenheiten der höheren Hierarchien sind zum Beispiel unsere Iche Objekt. Nur daß das Verhältnis der Wesenheiten der höheren Hierarchien zu unseren Ichen nicht das der Wahrnehmung ist, wie wir es der Außenwelt gegenüber haben, sondern es ist mehr ein Durchstrahlen unseres Ichs mit dem Willen der höheren Hierarchien, ein Einwirken des Willens der höheren Hierarchien. Jene Erzengelwesen, welche nun die Völker zu leiten haben, stehen zu den Ichen, zu den einzelnen Menschen der Völker wirklich in einer solchen Beziehung, wie wir mit dem Wahrnehmungsvermögen zu den Dingen der Außenwelt stehen. Wir sind für diese Erzengelwesen die Objekte. Was für uns Außenwelt ist, sind wir als Menschen für die Erzengel, nur daß es bei uns mehr ein Wahrnehmungsprozeß ist und bei den Erzengeln mehr ein Willensprozeß. Aber in bezug auf diesen Willensprozeß macht der Erzengel auch eine Entwickelung durch. Dieser Erzengel macht geradeso eine Reifung seiner Seele durch, jetzt nicht in bezug auf sein Ich, sondern in bezug auf tiefere Kräfte seiner Seele. Er macht eine Entwickelung durch, durch die er dann allmählich ein anderes Verhältnis zu den einzelnen Menschen seines Volkes erlangt; so wie wir mit einem reiferen Ich ein anderes Verhältnis zu unserer Umwelt erlangen.
[ 14 ] Mit den Wesenheiten der höheren Hierarchien ist es anders. Diese Wesenheiten der höheren Hierarchien stehen ihrerseits zu unserem Ich in einem solchen Verhältnis wie wir zu den Dingen der Außenwelt. Für uns sind die Gegenstände und Wesenheiten des mineralischen, Pflanzen- und Tierreiches Objekt. Für die Wesenheiten der höheren Hierarchien sind zum Beispiel unsere Iche Objekt. Nur daß das Verhältnis der Wesenheiten der höheren Hierarchien zu unseren Ichen nicht das der Wahrnehmung ist, wie wir es der Außenwelt gegenüber haben, sondern es ist mehr ein Durchstrahlen unseres Ichs mit dem Willen der höheren Hierarchien, ein Einwirken des Willens der höheren Hierarchien. Jene Erzengelwesen, welche nun die Völker zu leiten haben, stehen zu den Ichen, zu den einzelnen Menschen der Völker wirklich in einer solchen Beziehung, wie wir mit dem Wahrnehmungsvermögen zu den Dingen der Außenwelt stehen. Wir sind für diese Erzengelwesen die Objekte. Was für uns Außenwelt ist, sind wir als Menschen für die Erzengel, nur daß es bei uns mehr ein Wahrnehmungsprozeß ist und bei den Erzengeln mehr ein Willensprozeß. Aber in bezug auf diesen Willensprozeß macht der Erzengel auch eine Entwickelung durch. Dieser Erzengel macht geradeso eine Reifung seiner Seele durch, jetzt nicht in bezug auf sein Ich, sondern in bezug auf tiefere Kräfte seiner Seele. Er macht eine Entwickelung durch, durch die er dann allmählich ein anderes Verhältnis zu den einzelnen Menschen seines Volkes erlangt; so wie wir mit einem reiferen Ich ein anderes Verhältnis zu unserer Umwelt erlangen.
[ 15 ] Nehmen wir zum Beispiel das Erzengelwesen, welchem im Verlauf der Geschichte die Leitung desjenigen übertragen ist, was wir als italienisches Volk kennen. Dieses Erzengelwesen hat lange Zeit ein solches Verhältnis zu dem italienischen Volke gehabt, daß es eigentlich mit seinem Willen im wesentlichen in die höheren Teile des Seelischen hineingewirkt hat. In seinem weiteren Verlauf wirkte dieses Erzengelwesen aber nicht nur in das höhere Seelische, sondern auch in das mehr Niedere der Seele hinein, in die Passionen, in die Impulse der Seele, die noch mit dem Leiblichen zusammenhängen. So geht die Entwickelung des Erzengelwesens weiter: Zuerst wirkt es mehr auf das eigentlich Seelische, im späteren Verlauf wird es immer mächtiger und es wirkt in das Seelische hinein, das mehr mit dem Leiblichen zusammenhängt. Und wir können für das italienische Volk geradezu angeben, wie um das Jahr 1530 herum der Erzengel in seiner Entwickelung die Stufe durchmachte, die sich so charakterisieren läßt, daß man sagen kann: Früher hat er mehr auf das Seelische gewirkt, nun fängt er an, mit seinem Willen mehr das Seelische zu imprägnieren, insofern es das Leibliche durchdringt. Und nun beginnt das italienische Volk eigentlich erst in bezug auf sein Äußeres sich gehen zu lassen, so recht seinen Nationalcharakter zu entwickeln. Studieren Sie die Geschichte des italienischen Volkes vor dem genannten Zeitraum — so um die Mitte des 16. Jahrhunderts herum —, Sie werden dann sehen, daß da der Erzengel noch bei den Menschen der italienischen Halbinsel in die inneren Eigenschaften der Seele gewirkt hat; daß sich dann aber im eminentesten Sinne erst der äußere Nationalcharakter ausgebildet hat, so wie wir ihn gegenwärtig kennen. Vor diesem Zeitpunkt — und ein solcher Zeitpunkt ist für jedes Volk vorhanden — ist das ganze Seelenleben eines Volkes noch lebendig. Da ist es noch so, daß das Seelenleben des Volkes diese oder jene Eigenschaft annehmen kann. Die Eigenschaften sind noch nicht so energisch ausgeprägt. Nach diesem Zeitpunkt, wo der Erzengel zu den tieferen Eigenschaften des Seelischen seine Willensbeziehungen entwickelt hat, wird der Volkscharakter starr, da geht er bis in die leiblichen Eigenschaften hinein, da beginnt die Zeit, wo man kaum mehr’ irgendwie mit etwas, was dem Nationalcharakter nicht entspricht, an das Volk herankommen kann, wo es gleich nervös wird, wenn man mit irgend etwas kommt, was nicht ganz in der nationalen Linie oder Strömung liegt.
[ 15 ] Nehmen wir zum Beispiel das Erzengelwesen, welchem im Verlauf der Geschichte die Leitung desjenigen übertragen ist, was wir als italienisches Volk kennen. Dieses Erzengelwesen hat lange Zeit ein solches Verhältnis zu dem italienischen Volke gehabt, daß es eigentlich mit seinem Willen im wesentlichen in die höheren Teile des Seelischen hineingewirkt hat. In seinem weiteren Verlauf wirkte dieses Erzengelwesen aber nicht nur in das höhere Seelische, sondern auch in das mehr Niedere der Seele hinein, in die Passionen, in die Impulse der Seele, die noch mit dem Leiblichen zusammenhängen. So geht die Entwickelung des Erzengelwesens weiter: Zuerst wirkt es mehr auf das eigentlich Seelische, im späteren Verlauf wird es immer mächtiger und es wirkt in das Seelische hinein, das mehr mit dem Leiblichen zusammenhängt. Und wir können für das italienische Volk geradezu angeben, wie um das Jahr 1530 herum der Erzengel in seiner Entwickelung die Stufe durchmachte, die sich so charakterisieren läßt, daß man sagen kann: Früher hat er mehr auf das Seelische gewirkt, nun fängt er an, mit seinem Willen mehr das Seelische zu imprägnieren, insofern es das Leibliche durchdringt. Und nun beginnt das italienische Volk eigentlich erst in bezug auf sein Äußeres sich gehen zu lassen, so recht seinen Nationalcharakter zu entwickeln. Studieren Sie die Geschichte des italienischen Volkes vor dem genannten Zeitraum — so um die Mitte des 16. Jahrhunderts herum —, Sie werden dann sehen, daß da der Erzengel noch bei den Menschen der italienischen Halbinsel in die inneren Eigenschaften der Seele gewirkt hat; daß sich dann aber im eminentesten Sinne erst der äußere Nationalcharakter ausgebildet hat, so wie wir ihn gegenwärtig kennen. Vor diesem Zeitpunkt — und ein solcher Zeitpunkt ist für jedes Volk vorhanden — ist das ganze Seelenleben eines Volkes noch lebendig. Da ist es noch so, daß das Seelenleben des Volkes diese oder jene Eigenschaft annehmen kann. Die Eigenschaften sind noch nicht so energisch ausgeprägt. Nach diesem Zeitpunkt, wo der Erzengel zu den tieferen Eigenschaften des Seelischen seine Willensbeziehungen entwickelt hat, wird der Volkscharakter starr, da geht er bis in die leiblichen Eigenschaften hinein, da beginnt die Zeit, wo man kaum mehr’ irgendwie mit etwas, was dem Nationalcharakter nicht entspricht, an das Volk herankommen kann, wo es gleich nervös wird, wenn man mit irgend etwas kommt, was nicht ganz in der nationalen Linie oder Strömung liegt.
[ 16 ] Für das französische Volk ist dieser Zeitpunkt in der geschichtlichen Entwickelung tatsächlich auch richtig zu bezeichnen. Es ist das alles natürlich nur approximativ, nur ungefähr, aber es läßt sich bezeichnen für das französische Volk um das Jahr 1600, im Beginn des 17. Jahrhunderts, und für das englische Volk in der Mitte des 17. Jahrhunderts, um das Jahr 1650 herum.
[ 16 ] Für das französische Volk ist dieser Zeitpunkt in der geschichtlichen Entwickelung tatsächlich auch richtig zu bezeichnen. Es ist das alles natürlich nur approximativ, nur ungefähr, aber es läßt sich bezeichnen für das französische Volk um das Jahr 1600, im Beginn des 17. Jahrhunderts, und für das englische Volk in der Mitte des 17. Jahrhunderts, um das Jahr 1650 herum.
[ 17 ] Wenn Sie zurückgehen vor diese Zeit, in die Zeit des Mittelalters, werden Sie sehen, wieviel Gemeinschaftliches die Völker Europas noch haben, und wie bei den einzelnen Völkern die Ausprägung des Nationalcharakters in den Zeitpunkten beginnt, die ich angeführt habe. Es macht der Erzengel eine Entwickelung so durch, daß man sagen kann: Vorher waren seine Kräfte noch schwächer, so daß er nur in die seelischen Glieder, in das Innere hineinwirken konnte. Nachher werden die Kräfte stärker, er kann bis zu dem Physischen hin seine Kräfte ausspannen. Dadurch bewirkt er den scharf ausgeprägten Nationalcharakter. Es werden Ihnen selbst einzelne Erscheinungen ziemlich begreiflich erscheinen, wenn Sie solche Dinge zur geschichtlichen Betrachtung haben. Bedenken Sie, daß in der Zeit, in der das englische Volk seinen Shakespeare hatte, noch nicht der Nationalcharakter in dieser Weise umfaßt worden war, so daß gerade das Nicht-mehr-Verstehen-Können Shakespeares, gerade von seiten des englischen Volkes, davon herrührt, daß der Erzengel die Umklammerung mit dem bestimmt differenzierten Nationalcharakter vollzogen hat. Das wird erst eine wirkliche Geschichtsbetrachtung der Zukunft geben, wenn man nicht mehr, wie es ja im 19. Jahrhundert so vielfach vorhanden ist, bei der Geschichtsbetrachtung ausgehen wird davon, daß Ideen in der Geschichte wirken. Ideen kann ein Mensch haben, aber Ideen können nicht als Kräfte in der Geschichte wirken. Ideen können auch die Engel, Erzengel und Urkräfte haben, aber Ideen müssen immer von Wesen ausgehen; das was wirkt, müssen Wesen sein. Die ganze Geschichtsbetrachtung des 19. Jahrhunderts, insofern sie von den Ideen in der Geschichte spricht, ist ein Spuk, weil sie auf dem Glauben beruht, daß Ideen sich entwickeln, sich frei bewegen können im fortlaufenden Zeitenstrom.
[ 17 ] Wenn Sie zurückgehen vor diese Zeit, in die Zeit des Mittelalters, werden Sie sehen, wieviel Gemeinschaftliches die Völker Europas noch haben, und wie bei den einzelnen Völkern die Ausprägung des Nationalcharakters in den Zeitpunkten beginnt, die ich angeführt habe. Es macht der Erzengel eine Entwickelung so durch, daß man sagen kann: Vorher waren seine Kräfte noch schwächer, so daß er nur in die seelischen Glieder, in das Innere hineinwirken konnte. Nachher werden die Kräfte stärker, er kann bis zu dem Physischen hin seine Kräfte ausspannen. Dadurch bewirkt er den scharf ausgeprägten Nationalcharakter. Es werden Ihnen selbst einzelne Erscheinungen ziemlich begreiflich erscheinen, wenn Sie solche Dinge zur geschichtlichen Betrachtung haben. Bedenken Sie, daß in der Zeit, in der das englische Volk seinen Shakespeare hatte, noch nicht der Nationalcharakter in dieser Weise umfaßt worden war, so daß gerade das Nicht-mehr-Verstehen-Können Shakespeares, gerade von seiten des englischen Volkes, davon herrührt, daß der Erzengel die Umklammerung mit dem bestimmt differenzierten Nationalcharakter vollzogen hat. Das wird erst eine wirkliche Geschichtsbetrachtung der Zukunft geben, wenn man nicht mehr, wie es ja im 19. Jahrhundert so vielfach vorhanden ist, bei der Geschichtsbetrachtung ausgehen wird davon, daß Ideen in der Geschichte wirken. Ideen kann ein Mensch haben, aber Ideen können nicht als Kräfte in der Geschichte wirken. Ideen können auch die Engel, Erzengel und Urkräfte haben, aber Ideen müssen immer von Wesen ausgehen; das was wirkt, müssen Wesen sein. Die ganze Geschichtsbetrachtung des 19. Jahrhunderts, insofern sie von den Ideen in der Geschichte spricht, ist ein Spuk, weil sie auf dem Glauben beruht, daß Ideen sich entwickeln, sich frei bewegen können im fortlaufenden Zeitenstrom.
[ 18 ] Wir können nun die Frage aufwerfen: Wie ist das nun mit dem deutschen Volke? Trat da auch einmal ein Zeitpunkt ein, in dem der Erzengel eine bestimmte Stufe erlangt hat? — Ein solcher Zeitpunkt trat schon ein. Aber nun besteht ein gewisser Unterschied gerade des deutschen Volkes von den andern Völkern. Wir wissen, daß des Menschen Seele aus Empfindungsseele, Verstandes- oder Gemütsseele und Bewußtseinsseele besteht. Das können Sie auch schon aus den Vorträgen über die Volksseelen entnehmen, daß der Erzengel beim italienischen Volk vorzugsweise nach seiner Macht strebt, in die Empfindungsseele zu wirken, bei dem französischen Volk in die Verstandes- oder Gemütsseele und beim britischen Volk in die Bewußtseinsseele, beim deutschen Volke in das Ich, das über die drei Seelenglieder seine Macht erstreckt. Daher ist auch das Verhältnis des Erzengels zu den einzelnen Ichen des deutschen Volkes ein anderes als bei den westlichen Völkern. Es kam schon ein Zeitpunkt, wo der Erzengel des deutschen Volkes auch in das physische Leben oder das niedere Seelenleben, insofern es das Physische ergreift, hineingegriffen hat. Das ist ungefähr die Zeit zwischen 1750 und, man kann sagen, 1830. Wenn man einmal die Dinge ganz vernünftig studieren wird, dann wird man ganz wunderbare Aufschlüsse über den Gang der Völkerentwickelung bekommen. Und wenn jemand sich nur darauf einlassen würde, den wirklich großartigen, grandiosen Unterschied zu betrachten, der im deutschen Leben herrscht in den Menschen des 19. und 20. Jahrhunderts und den Menschen, die zweihundert Jahre vorher gelebt haben, dann würde er sehen, wie gewaltig dieser Unterschied ist. Dazumal griff der Erzengel in den Nationalcharakter des deutschen Volkes ein, so wie die Erzengel bei den andern Völkern in den Zeitpunkten, die ich bezeichnete, eingegriffen haben. Aber, man möchte sagen, er ließ wieder ab, er prägte nicht so energisch, so gründlich die Physis um, wie es bei den andern Völkern geschah. Daher ist es ja auch nur gekommen, daß der Verlauf der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts so vor sich ging, daß dieses deutsche Volk wirklich alles Mögliche von den andern Völkern unbewußt aufgenommen hat. Das hat ja in unseren Tagen schon viel zu tragischen Konflikten geführt. Denken Sie nur einmal an so etwas wie die Tatsache, daß Ernst Haeckel in seiner ganzen Weltanschauung, insofern er sich diese Weltanschauung auf Wissenschaft aufgebaut hat, absolut Engländer ist, ganz verengländert ist, daß er englische Gedankenformen aufgenommen hat. Es ist alles, was er denkt, influenziert, beeinflußt von englischem Wesen. Von Darwin, von Huxley geht er aus. Er betrachtet Spencer als seinen philosophischen Gott. Und während man ein Hegelsches Buch oder ein Buch aus unserer Geisteswissenschaft ins Englische in Wirklichkeit nicht übersetzen kann, kann man Haeckel selbstverständlich sehr leicht ins Englische übersetzen. Sie werden erstaunt sein darüber, daß ich das sage, weil Sie ja wissen, daß geisteswissenschaftliche Bücher ins Englische übersetzt sind. Aber das, was in den Büchern darinsteht, das kann in englischer Übersetzung nur annähernd stehen; es steht gar nicht in Wirklichkeit darin, sondern nur annähernd. Man kann zum Beispiel niemals ins Englische wirklich den Satz übersetzen, der urdeutsch ist, der zusammenhängt mit der Empfindung Meister Eckharts und alledem, was sich im deutschen Wesen in Anlehnung an Meister Eckart entwickelt hat. Man kann diesen Satz wirklich nicht ins Englische übersetzen: «In dem Gemüte lebt das Fünklein, in dem sich in der Menschenseele die Weltseele offenbart.» Es ist unmöglich, ihn ins Englische wirklich zu übersetzen, denn für das, was erlebt wird im Worte «Gemüt», gibt es keine Übersetzung. Ebenso ist das urhegelsche Diktum, das geradezu einen Grundnerv der deutschen Philosophie bildet: «Sein und Nicht-Sein vereinigen sich zur höheren Einheit im Werden», unmöglich ins Englische zu übersetzen. Selbstverständlich, übersetzen kann man ja alles, aber es kann dasjenige, was bei einem solchen Satze erlebt wird, nicht in dieser Sprache wiedergegeben werden.
[ 18 ] Wir können nun die Frage aufwerfen: Wie ist das nun mit dem deutschen Volke? Trat da auch einmal ein Zeitpunkt ein, in dem der Erzengel eine bestimmte Stufe erlangt hat? — Ein solcher Zeitpunkt trat schon ein. Aber nun besteht ein gewisser Unterschied gerade des deutschen Volkes von den andern Völkern. Wir wissen, daß des Menschen Seele aus Empfindungsseele, Verstandes- oder Gemütsseele und Bewußtseinsseele besteht. Das können Sie auch schon aus den Vorträgen über die Volksseelen entnehmen, daß der Erzengel beim italienischen Volk vorzugsweise nach seiner Macht strebt, in die Empfindungsseele zu wirken, bei dem französischen Volk in die Verstandes- oder Gemütsseele und beim britischen Volk in die Bewußtseinsseele, beim deutschen Volke in das Ich, das über die drei Seelenglieder seine Macht erstreckt. Daher ist auch das Verhältnis des Erzengels zu den einzelnen Ichen des deutschen Volkes ein anderes als bei den westlichen Völkern. Es kam schon ein Zeitpunkt, wo der Erzengel des deutschen Volkes auch in das physische Leben oder das niedere Seelenleben, insofern es das Physische ergreift, hineingegriffen hat. Das ist ungefähr die Zeit zwischen 1750 und, man kann sagen, 1830. Wenn man einmal die Dinge ganz vernünftig studieren wird, dann wird man ganz wunderbare Aufschlüsse über den Gang der Völkerentwickelung bekommen. Und wenn jemand sich nur darauf einlassen würde, den wirklich großartigen, grandiosen Unterschied zu betrachten, der im deutschen Leben herrscht in den Menschen des 19. und 20. Jahrhunderts und den Menschen, die zweihundert Jahre vorher gelebt haben, dann würde er sehen, wie gewaltig dieser Unterschied ist. Dazumal griff der Erzengel in den Nationalcharakter des deutschen Volkes ein, so wie die Erzengel bei den andern Völkern in den Zeitpunkten, die ich bezeichnete, eingegriffen haben. Aber, man möchte sagen, er ließ wieder ab, er prägte nicht so energisch, so gründlich die Physis um, wie es bei den andern Völkern geschah. Daher ist es ja auch nur gekommen, daß der Verlauf der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts so vor sich ging, daß dieses deutsche Volk wirklich alles Mögliche von den andern Völkern unbewußt aufgenommen hat. Das hat ja in unseren Tagen schon viel zu tragischen Konflikten geführt. Denken Sie nur einmal an so etwas wie die Tatsache, daß Ernst Haeckel in seiner ganzen Weltanschauung, insofern er sich diese Weltanschauung auf Wissenschaft aufgebaut hat, absolut Engländer ist, ganz verengländert ist, daß er englische Gedankenformen aufgenommen hat. Es ist alles, was er denkt, influenziert, beeinflußt von englischem Wesen. Von Darwin, von Huxley geht er aus. Er betrachtet Spencer als seinen philosophischen Gott. Und während man ein Hegelsches Buch oder ein Buch aus unserer Geisteswissenschaft ins Englische in Wirklichkeit nicht übersetzen kann, kann man Haeckel selbstverständlich sehr leicht ins Englische übersetzen. Sie werden erstaunt sein darüber, daß ich das sage, weil Sie ja wissen, daß geisteswissenschaftliche Bücher ins Englische übersetzt sind. Aber das, was in den Büchern darinsteht, das kann in englischer Übersetzung nur annähernd stehen; es steht gar nicht in Wirklichkeit darin, sondern nur annähernd. Man kann zum Beispiel niemals ins Englische wirklich den Satz übersetzen, der urdeutsch ist, der zusammenhängt mit der Empfindung Meister Eckharts und alledem, was sich im deutschen Wesen in Anlehnung an Meister Eckart entwickelt hat. Man kann diesen Satz wirklich nicht ins Englische übersetzen: «In dem Gemüte lebt das Fünklein, in dem sich in der Menschenseele die Weltseele offenbart.» Es ist unmöglich, ihn ins Englische wirklich zu übersetzen, denn für das, was erlebt wird im Worte «Gemüt», gibt es keine Übersetzung. Ebenso ist das urhegelsche Diktum, das geradezu einen Grundnerv der deutschen Philosophie bildet: «Sein und Nicht-Sein vereinigen sich zur höheren Einheit im Werden», unmöglich ins Englische zu übersetzen. Selbstverständlich, übersetzen kann man ja alles, aber es kann dasjenige, was bei einem solchen Satze erlebt wird, nicht in dieser Sprache wiedergegeben werden.
[ 19 ] Die deutsche Sprache hat ja auch die besondere Eigentümlichkeit, daß sie noch eine gewisse Flüssigkeit gestattet. Denken Sie doch, wie unendlich leicht es ist, wenn irgend etwas ins Englische oder Französische übersetzt wird, zu sagen: Das ist falsch, das sagt man nicht! — Wir Deutschen dürfen gar nicht die Unart entwickeln, zu sagen, daß irgend etwas falsch ist, sondern wir müssen unsere Sprache flüssig erhalten — das ist radikal gesprochen, selbstverständlich. Und nehmen Sie unsere Zyklen durch, da werden Sie sehen, wie gerungen wird nach immer neuen Wortbildungen, auch nach Wortbildungen, die von innen heraus die Worte gestalten. Das kommt zum Beispiel davon her, daß der Erzengel des deutschen Volkes von der scharfen Ausprägung wieder abgelassen hat. Er hat gleichsam nur einen Anflug genommen während nicht ganz eines Jahrhunderts, um den Nationalcharakter zu prägen, und hat dann das Volk wiederum frei gegeben. Es liegt unendlich viel in dem, was ich damit meine. Aber das muß auch so sein, denn das deutsche Volk ist dazu berufen, seinen Idealismus in lebendige Geist-Erkenntnis umzubilden. Fichte, Schelling, Flegel, die man heute so befehdet, sie haben ein Denken geschaffen, welches zwar nicht schon Spiritualismus ist, nicht Geisteswissenschaft ist, welches aber der Keim der Geisteswissenschaft ist, welches sozusagen, wenn es durchmeditiert wird, wirklich zur Geisteswissenschaft führt. Dazu muß aber der deutsche Nationalcharakter noch flüssig bleiben, muß wirklich möglich machen, daß man sagt: Man zs7 Italiener! Man zs? Franzose! Man is Engländer! Aber man wird immer Deutscher! Der Erzengel hat bei dem deutschen Volke nur den Ansatz zur Bildung des Nationalcharakters gemacht. Und in derselben Weise national, etwa chauvinistisch zu sein wie die westeuropäischen Völker, das würde bei dem Deutschen eine Unwahrheit sein, das kann er gar nicht — man kann ja natürlich alles, aber dann entspricht es nicht dem eigentlichen Wesen des Deutschen.
[ 19 ] Die deutsche Sprache hat ja auch die besondere Eigentümlichkeit, daß sie noch eine gewisse Flüssigkeit gestattet. Denken Sie doch, wie unendlich leicht es ist, wenn irgend etwas ins Englische oder Französische übersetzt wird, zu sagen: Das ist falsch, das sagt man nicht! — Wir Deutschen dürfen gar nicht die Unart entwickeln, zu sagen, daß irgend etwas falsch ist, sondern wir müssen unsere Sprache flüssig erhalten — das ist radikal gesprochen, selbstverständlich. Und nehmen Sie unsere Zyklen durch, da werden Sie sehen, wie gerungen wird nach immer neuen Wortbildungen, auch nach Wortbildungen, die von innen heraus die Worte gestalten. Das kommt zum Beispiel davon her, daß der Erzengel des deutschen Volkes von der scharfen Ausprägung wieder abgelassen hat. Er hat gleichsam nur einen Anflug genommen während nicht ganz eines Jahrhunderts, um den Nationalcharakter zu prägen, und hat dann das Volk wiederum frei gegeben. Es liegt unendlich viel in dem, was ich damit meine. Aber das muß auch so sein, denn das deutsche Volk ist dazu berufen, seinen Idealismus in lebendige Geist-Erkenntnis umzubilden. Fichte, Schelling, Flegel, die man heute so befehdet, sie haben ein Denken geschaffen, welches zwar nicht schon Spiritualismus ist, nicht Geisteswissenschaft ist, welches aber der Keim der Geisteswissenschaft ist, welches sozusagen, wenn es durchmeditiert wird, wirklich zur Geisteswissenschaft führt. Dazu muß aber der deutsche Nationalcharakter noch flüssig bleiben, muß wirklich möglich machen, daß man sagt: Man zs7 Italiener! Man zs? Franzose! Man is Engländer! Aber man wird immer Deutscher! Der Erzengel hat bei dem deutschen Volke nur den Ansatz zur Bildung des Nationalcharakters gemacht. Und in derselben Weise national, etwa chauvinistisch zu sein wie die westeuropäischen Völker, das würde bei dem Deutschen eine Unwahrheit sein, das kann er gar nicht — man kann ja natürlich alles, aber dann entspricht es nicht dem eigentlichen Wesen des Deutschen.
[ 20 ] Bei dem russischen Volke liegt nun etwas ganz anderes vor. Bei dem russischen Volke muß vor allen Dingen klar durchschaut werden, wie der Erzengel überhaupt in ganz anderer Weise zu den einzelnen Ichen des Volkes steht, als bei den westlichen und mitteleuropäischen Völkern. Bei den westeuropäischen Völkern ist es so, daß der Erzengel hineinwirkt mit seinen Willensstrahlen, bei dem italienischen Volk in die Empfindungsseele, bei dem französischen Volke in die Verstandes- oder Gemütsseele, bei dem britischen Volk in die Bewußtseinsseele, bei dem deutschen Volk in das Ich. Aber überhaupt nicht in die Seelen hinein wirkt der Volksgeist bei dem russischen Volke. Er schwebt gleichsam über dem Volke wie eine Wolke, und die Seele kann nur hinaufahnen und sehnen zu ihm. Er ist noch gewissermaßen Gruppengeist geblieben. Da ist kein inniges Zusammenwirken des Volksgeistes mit den einzelnen Menschen-Ichen. Man kann kaum einen tragischeren, ernsteren Eindruck bekommen, als wenn man einem russisch-orthodoxen Gottesdienst beiwohnt, diesem Gottesdienst, in dem das menschliche Ich derjenigen, die daran als Gläubige teilnehmen, fast ganz ausgeschaltet ist. Es waltet durch das Ganze durch ein ganz und gar die einzelne Persönlichkeit nicht ergreifendes unpersönliches Allgemeines. Ein nicht in die Menschennatur Hineinsprechendes waltet in diesem Gottesdienste. Das ist ein unmittelbarer Ausdruck dafür, daß die russische Seele noch gar nicht erwacht ist zu jener Belebung, die von dem Verkehr des einzelnen Ich mit dem Volksgeiste herrührt. Es hat alles etwas steif Schablonenhaftes, wie wenn aus unbekannten Welten hineinreiche das Geistige und es bloß zu steif Schablonenhaftem brächte, in den Verrichtungen ebenso wie in der Ikonenmalerei. Da stehen wir vor noch etwas ganz anderem, als in Westeuropa der Fall ist. Da stehen wir davor, daß der Erzengel sich überhaupt noch nicht angeschickt hat, in das Nationale einzugreifen. Das Nationale ist daher für den Russen noch ein Seelentraum. Der Russe redet ja selbstverständlich immer von dem «wahrhaft russischen Menschen», und die russischen Schriftsteller reden von ihm, aber es ist dies ein Seelentraum, der insbesondere deshalb betont wird, weil der Volksgeist nicht dem Menschen einverleibt ist, sondern weil der Russe eine Sehnsucht nach einem überpersönlichen Volksgeist hat.
[ 20 ] Bei dem russischen Volke liegt nun etwas ganz anderes vor. Bei dem russischen Volke muß vor allen Dingen klar durchschaut werden, wie der Erzengel überhaupt in ganz anderer Weise zu den einzelnen Ichen des Volkes steht, als bei den westlichen und mitteleuropäischen Völkern. Bei den westeuropäischen Völkern ist es so, daß der Erzengel hineinwirkt mit seinen Willensstrahlen, bei dem italienischen Volk in die Empfindungsseele, bei dem französischen Volke in die Verstandes- oder Gemütsseele, bei dem britischen Volk in die Bewußtseinsseele, bei dem deutschen Volk in das Ich. Aber überhaupt nicht in die Seelen hinein wirkt der Volksgeist bei dem russischen Volke. Er schwebt gleichsam über dem Volke wie eine Wolke, und die Seele kann nur hinaufahnen und sehnen zu ihm. Er ist noch gewissermaßen Gruppengeist geblieben. Da ist kein inniges Zusammenwirken des Volksgeistes mit den einzelnen Menschen-Ichen. Man kann kaum einen tragischeren, ernsteren Eindruck bekommen, als wenn man einem russisch-orthodoxen Gottesdienst beiwohnt, diesem Gottesdienst, in dem das menschliche Ich derjenigen, die daran als Gläubige teilnehmen, fast ganz ausgeschaltet ist. Es waltet durch das Ganze durch ein ganz und gar die einzelne Persönlichkeit nicht ergreifendes unpersönliches Allgemeines. Ein nicht in die Menschennatur Hineinsprechendes waltet in diesem Gottesdienste. Das ist ein unmittelbarer Ausdruck dafür, daß die russische Seele noch gar nicht erwacht ist zu jener Belebung, die von dem Verkehr des einzelnen Ich mit dem Volksgeiste herrührt. Es hat alles etwas steif Schablonenhaftes, wie wenn aus unbekannten Welten hineinreiche das Geistige und es bloß zu steif Schablonenhaftem brächte, in den Verrichtungen ebenso wie in der Ikonenmalerei. Da stehen wir vor noch etwas ganz anderem, als in Westeuropa der Fall ist. Da stehen wir davor, daß der Erzengel sich überhaupt noch nicht angeschickt hat, in das Nationale einzugreifen. Das Nationale ist daher für den Russen noch ein Seelentraum. Der Russe redet ja selbstverständlich immer von dem «wahrhaft russischen Menschen», und die russischen Schriftsteller reden von ihm, aber es ist dies ein Seelentraum, der insbesondere deshalb betont wird, weil der Volksgeist nicht dem Menschen einverleibt ist, sondern weil der Russe eine Sehnsucht nach einem überpersönlichen Volksgeist hat.
[ 21 ] In diese tiefen Geheimnisse muß man hineinsehen, dann wird man begreifen, wie die europäischen Kulturgebiete einander gegenüberstehen. Es wird mir selbstverständlich niemals einfallen, in direkter Weise in diesem Gegenüberstehen der Kulturgebiete etwa die Ursache der gegenwärtigen Ereignisse zu sehen. Aber in indirekter Weise muß man das doch tun. Namentlich muß man sich darüber klar sein, daß die jetzige Kriegsfackel ein mächtiges Merkzeichen ist, uns bekanntzumachen mit dem, was innerhalb des geistigen Lebens Europas waltet und webt und west.
[ 21 ] In diese tiefen Geheimnisse muß man hineinsehen, dann wird man begreifen, wie die europäischen Kulturgebiete einander gegenüberstehen. Es wird mir selbstverständlich niemals einfallen, in direkter Weise in diesem Gegenüberstehen der Kulturgebiete etwa die Ursache der gegenwärtigen Ereignisse zu sehen. Aber in indirekter Weise muß man das doch tun. Namentlich muß man sich darüber klar sein, daß die jetzige Kriegsfackel ein mächtiges Merkzeichen ist, uns bekanntzumachen mit dem, was innerhalb des geistigen Lebens Europas waltet und webt und west.
[ 22 ] Wir sehen hinauf zu Wesenheiten der höheren Hierarchien, wir sehen diese Wesenheiten der höheren Hierarchien auch in Entwickelung. Während wir als einzelne Menschen unser Ich entwickeln, sehen wir diese sich so entwickeln, daß sie immer mehr und mehr Macht bekommen, das Ich mit dem Willen zu durchdringen. Zuerst halten sie sich gleichsam noch fern von diesem Ich, überschatten es von oben herunter, wie beim russischen Volk. Dann gibt es ein intimeres Überschatten und Zusammenleben zugleich, wie es bei dem deutschen Volke ist. Und dann gibt es ein strammes, steifes Hineinarbeiten des Nationalcharakters in die einzelnen menschlichen Individuen, wie es bei den drei charakterisierten westeuropäischen Völkern der Fall ist. Und daraus sehen Sie auch, wie dieses neuzeitliche Leben der Menschenentwickelung überhaupt beschaffen ist. Sehen Sie sich nur einmal die mitteleuropäische Geschichte an und Sie werden finden — wenn Sie von Rußland absehen, wo die Verhältnisse ganz andere sind —, Sie werden finden, wie ähnlich namentlich das Leben der westeuropäischen Völker und in gewisser Beziehung auch der mitteleuropäischen Völker ist, wie ein europäischer Internationalismus herrscht. Und dann sehen wir etwa von dem 14. Jahrhundert an für die einzelnen Völker eine neue Zeit heraufkommen. Wir sehen, wie mit dem Heraufkommen dieser neueren Zeit die Völker von einem ausgeprägten Nationalcharakter ergriffen werden. Wir sehen, wie dem deutschen Volke mit der Wende des 18. zum 19. Jahrhundert gerade so viel gegeben wird an Nationalcharakter, daß der Deutsche gewissermaßen erfühlt, was Nationalcharakter ist, aber nicht so viel bekommt, daß er jemals im erstarrten Nationalcharakter aufgehen mußte. Man wird finden, daß das in der tiefen Anlage des deutschen Wesens liegt, daß der Deutsche nicht im Nationalcharakter aufzugehen braucht; daß es wirklich einen tiefen Sinn hat, wenn Fichte sagt: All dasjenige, was Freiheit des menschlichen Seelenwesens will, all dasjenige, was nach dem Allgemeinsten der Menschheit hinstrebt, das gehört zu uns.
[ 22 ] Wir sehen hinauf zu Wesenheiten der höheren Hierarchien, wir sehen diese Wesenheiten der höheren Hierarchien auch in Entwickelung. Während wir als einzelne Menschen unser Ich entwickeln, sehen wir diese sich so entwickeln, daß sie immer mehr und mehr Macht bekommen, das Ich mit dem Willen zu durchdringen. Zuerst halten sie sich gleichsam noch fern von diesem Ich, überschatten es von oben herunter, wie beim russischen Volk. Dann gibt es ein intimeres Überschatten und Zusammenleben zugleich, wie es bei dem deutschen Volke ist. Und dann gibt es ein strammes, steifes Hineinarbeiten des Nationalcharakters in die einzelnen menschlichen Individuen, wie es bei den drei charakterisierten westeuropäischen Völkern der Fall ist. Und daraus sehen Sie auch, wie dieses neuzeitliche Leben der Menschenentwickelung überhaupt beschaffen ist. Sehen Sie sich nur einmal die mitteleuropäische Geschichte an und Sie werden finden — wenn Sie von Rußland absehen, wo die Verhältnisse ganz andere sind —, Sie werden finden, wie ähnlich namentlich das Leben der westeuropäischen Völker und in gewisser Beziehung auch der mitteleuropäischen Völker ist, wie ein europäischer Internationalismus herrscht. Und dann sehen wir etwa von dem 14. Jahrhundert an für die einzelnen Völker eine neue Zeit heraufkommen. Wir sehen, wie mit dem Heraufkommen dieser neueren Zeit die Völker von einem ausgeprägten Nationalcharakter ergriffen werden. Wir sehen, wie dem deutschen Volke mit der Wende des 18. zum 19. Jahrhundert gerade so viel gegeben wird an Nationalcharakter, daß der Deutsche gewissermaßen erfühlt, was Nationalcharakter ist, aber nicht so viel bekommt, daß er jemals im erstarrten Nationalcharakter aufgehen mußte. Man wird finden, daß das in der tiefen Anlage des deutschen Wesens liegt, daß der Deutsche nicht im Nationalcharakter aufzugehen braucht; daß es wirklich einen tiefen Sinn hat, wenn Fichte sagt: All dasjenige, was Freiheit des menschlichen Seelenwesens will, all dasjenige, was nach dem Allgemeinsten der Menschheit hinstrebt, das gehört zu uns.
[ 23 ] Darin liegt eine freie Entwicklungsmöglichkeit des mitteleuropäischen, des deutschen Charakters. Es liegt aber auch darin das gegeben, was unmittelbar zur Einsicht führt, daß die westeuropäischen Völker in der Tat mit diesem Nationalcharakter — oder flüssigen Nationalcharakter — des deutschen Volkes rechnen müssen. Ich sage, etwas wie der flüssige Nationalcharakter des Deutschen kann gerade in unserer Zeit zum Tragischen führen. Gedenken wir noch einmal Ernst Haeckels. Wir haben gesehen, wie er in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts — weil gleichsam wiederum frei gegeben war die Entwickelung des Nationalcharakters — so stark englisch beeinflußt werden konnte. Und jetzt kommen unsere Tage. Der Mann, der eigentlich das ganze Engländertum in sich trägt, hat die allerstärksten Hassesworte gegen das englische Volk geschleudert, Ernst Haeckel selbst. Er stand ja an der Spitze derjenigen, die alle englischen Diplome und Orden und Auszeichnungen zurückgeschickt haben. So viel wichtiger wäre, daß man den materialistischen Darwinismus, den materialistischen Newtonismus, alles das, was von ihnen ausgegangen ist, zurückschickte. In dieser Beziehung müssen wir uns nur einmal wirklich auch selbst richtig verstehen lernen, müssen ohne nationalen Haß die Dinge objektiv sehen lernen können.
[ 23 ] Darin liegt eine freie Entwicklungsmöglichkeit des mitteleuropäischen, des deutschen Charakters. Es liegt aber auch darin das gegeben, was unmittelbar zur Einsicht führt, daß die westeuropäischen Völker in der Tat mit diesem Nationalcharakter — oder flüssigen Nationalcharakter — des deutschen Volkes rechnen müssen. Ich sage, etwas wie der flüssige Nationalcharakter des Deutschen kann gerade in unserer Zeit zum Tragischen führen. Gedenken wir noch einmal Ernst Haeckels. Wir haben gesehen, wie er in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts — weil gleichsam wiederum frei gegeben war die Entwickelung des Nationalcharakters — so stark englisch beeinflußt werden konnte. Und jetzt kommen unsere Tage. Der Mann, der eigentlich das ganze Engländertum in sich trägt, hat die allerstärksten Hassesworte gegen das englische Volk geschleudert, Ernst Haeckel selbst. Er stand ja an der Spitze derjenigen, die alle englischen Diplome und Orden und Auszeichnungen zurückgeschickt haben. So viel wichtiger wäre, daß man den materialistischen Darwinismus, den materialistischen Newtonismus, alles das, was von ihnen ausgegangen ist, zurückschickte. In dieser Beziehung müssen wir uns nur einmal wirklich auch selbst richtig verstehen lernen, müssen ohne nationalen Haß die Dinge objektiv sehen lernen können.
[ 24 ] Im Grunde war es eine Art geistigen Vorspieles, als sich vor einigen Jahren die Spaltung zwischen unserer anthroposophischen Bewegung und der indisch-englisch gefärbten Theosophischen Bewegung vollziehen mußte. Es mußte sich vollziehen. Mit dem Materialismus eines im Fleische verkörperten Christus können diejenigen nicht mitgehen, die berufen sind, das Spirituelle zu entwickeln, und innerhalb unserer Reihen mußte es herauskommen, daß die Wiederkehr des Christus in Wirklichkeit die Wiederkehr eines ätherischen Christus sein wird. Es ist das schon öfter gesagt worden und auch in meinem ersten Mysteriendrama aus dem Munde Theodoras zu hören. Allerdings, jetzt lesen wir in einer englisch-theosophischen Zeitschrift — ich erzähle Ihnen wirklich keine Märchen, und zwar wird das von der Präsidentin der dortigen Gesellschaft selbst ausgesprochen —, daß sich an der Art, wie die Deutschen jetzt den Krieg führen, zeigt, was eigentlich hinter der damaligen theosophischen deutschen Unternehmung gesteckt hat, denn jetzt zeige es sich, daß man eigentlich übelgenommen hätte auf theosophischem Felde, daß die Präsidentin Annie Besant immer eingetreten sei für den Friedensfürsten, der es mit Europa so gut gemeint habe, Eduard V II. Das hätten wir schon mit ungeheurem Widerwillen betrachtet, und deshalb hätten wir unsere Agenten nach England geschickt, die dort Theosophie in unserem Sinne vortragen sollten, um die Theosophen in unsere Hände zu bekommen. Wäre es uns gelungen, so erzählt die Präsidentin in der englischen theosophischen Zeitschrift, damals so weit durchzudringen, daß wir den ganzen, wie sie sagt, «reichen Verwaltungsapparat» der indisch-englischen Theosophie in die Hand bekommen hätten — wir haben das natürlich nie gewollt —, so wäre unsere Absicht ausgeführt worden, das Gift unserer | Anschauungen bis nach Indien zu tragen und von da aus auf die britische Regierung Einfluß zu gewinnen, so daß unsere Absicht ausgeführt worden wäre, das britische Volk zur Anerkennung der deutschen Oberherrschaft über England auf diesem Wege zu veranlassen! — Das ist die Darstellung, die jetzt in englisch-theosophischen Zeitschriften den Theosophen dort gegeben wird.
[ 24 ] Im Grunde war es eine Art geistigen Vorspieles, als sich vor einigen Jahren die Spaltung zwischen unserer anthroposophischen Bewegung und der indisch-englisch gefärbten Theosophischen Bewegung vollziehen mußte. Es mußte sich vollziehen. Mit dem Materialismus eines im Fleische verkörperten Christus können diejenigen nicht mitgehen, die berufen sind, das Spirituelle zu entwickeln, und innerhalb unserer Reihen mußte es herauskommen, daß die Wiederkehr des Christus in Wirklichkeit die Wiederkehr eines ätherischen Christus sein wird. Es ist das schon öfter gesagt worden und auch in meinem ersten Mysteriendrama aus dem Munde Theodoras zu hören. Allerdings, jetzt lesen wir in einer englisch-theosophischen Zeitschrift — ich erzähle Ihnen wirklich keine Märchen, und zwar wird das von der Präsidentin der dortigen Gesellschaft selbst ausgesprochen —, daß sich an der Art, wie die Deutschen jetzt den Krieg führen, zeigt, was eigentlich hinter der damaligen theosophischen deutschen Unternehmung gesteckt hat, denn jetzt zeige es sich, daß man eigentlich übelgenommen hätte auf theosophischem Felde, daß die Präsidentin Annie Besant immer eingetreten sei für den Friedensfürsten, der es mit Europa so gut gemeint habe, Eduard V II. Das hätten wir schon mit ungeheurem Widerwillen betrachtet, und deshalb hätten wir unsere Agenten nach England geschickt, die dort Theosophie in unserem Sinne vortragen sollten, um die Theosophen in unsere Hände zu bekommen. Wäre es uns gelungen, so erzählt die Präsidentin in der englischen theosophischen Zeitschrift, damals so weit durchzudringen, daß wir den ganzen, wie sie sagt, «reichen Verwaltungsapparat» der indisch-englischen Theosophie in die Hand bekommen hätten — wir haben das natürlich nie gewollt —, so wäre unsere Absicht ausgeführt worden, das Gift unserer | Anschauungen bis nach Indien zu tragen und von da aus auf die britische Regierung Einfluß zu gewinnen, so daß unsere Absicht ausgeführt worden wäre, das britische Volk zur Anerkennung der deutschen Oberherrschaft über England auf diesem Wege zu veranlassen! — Das ist die Darstellung, die jetzt in englisch-theosophischen Zeitschriften den Theosophen dort gegeben wird.
[ 25 ] Nun sehen Sie die Wahrheit! Wir müssen uns sie zum Bewußtsein bringen, denn es geht nicht, daß wir über diese Dinge wie im Traume denken. Die Wahrheit ist ja doch diese, daß zum Beispiel all dasjenige, was ich geschrieben habe in meinem Buche «Die Mystik im Aufgange des neuzeitlichen Geisteslebens», nur herausgeschrieben ist aus der Art, wie der Spiritualismus in der mitteleuropäischen Kulturströmung lebt. Das Buch ist sogleich ins Englische übersetzt worden, und man hat uns damals dort — mir wenigstens — gesagt, in diesem Buche stecke die ganze Theosophie darin. Wir könnten nun sagen: Nun ja, wenn die Leute in London finden, daß in dem Buche die ganze Theosophie darinsteckt, so können sie ja mit uns gehen. — Aber wir haben nicht einen Schritt gemacht, der etwas anderes war als ein Ausdruck des mitteleuropäischen sich entwickelnden Spiritualismus. Und einige Monate vor dem Kriegsausbruch hat es mich noch eigentümlich berührt — heute darf ich das erwähnen —, daß einige von unseren Damen, die Eurythmie treiben, nach London hinübergegangen sind, um dort einen Kursus zu geben. Die Eurythmie hat gefallen. Das ist ganz gut, sie soll den Menschen gefallen. Aber man merkt nicht, daß diese Eurythmie das Geistige ist, der Gegenpol des materialistischen Sportwesens; daß man auf der einen Seite das Europa überflutende, ganz dem Materialismus Angehörige hat und den Materialismus bis in die Bewegung der Menschen hineinträgt durch den Sport, der dem Amüsement der Menschen, der Sucht, sich gesund zu machen, dient, der ganz materialistisch ist, während bei uns jede Bewegung der Ausdruck für das Geistige ist, genau dem entspricht, was mitteleuropäische Spiritualität ist. Immer handelt es sich darum, auf diesem Boden zu arbeiten und aus diesem Boden heraus die Früchte der geistigen Entwickelung zu treiben. Wie hat gerade das Sportwesen auch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Deutschland eingegriffen! Wie haben dann auch feinere sportliche Tätigkeiten — ich glaube, eine Methode war besonders die von Dalcroze —, wie haben diese Dinge eingegriffen! Jetzt wird man ihn nicht besonders gerne mögen, weil er auch zu denjenigen gehört, die den «deutschen Barbarismus» so furchtbar beschimpfen. Aber dasjenige, was dem deutschen Wesen angehört, das ist das Eurythmische, wodurch das Geistige, das in den Bewegungen des Ätherleibes gegeben ist, das dem Ätherleib naturgemäß ist, das im übersinnlichen Menschen wirkt, zum Ausdruck gebracht wird in den Bewegungen des äußeren physischen Leibes.
[ 25 ] Nun sehen Sie die Wahrheit! Wir müssen uns sie zum Bewußtsein bringen, denn es geht nicht, daß wir über diese Dinge wie im Traume denken. Die Wahrheit ist ja doch diese, daß zum Beispiel all dasjenige, was ich geschrieben habe in meinem Buche «Die Mystik im Aufgange des neuzeitlichen Geisteslebens», nur herausgeschrieben ist aus der Art, wie der Spiritualismus in der mitteleuropäischen Kulturströmung lebt. Das Buch ist sogleich ins Englische übersetzt worden, und man hat uns damals dort — mir wenigstens — gesagt, in diesem Buche stecke die ganze Theosophie darin. Wir könnten nun sagen: Nun ja, wenn die Leute in London finden, daß in dem Buche die ganze Theosophie darinsteckt, so können sie ja mit uns gehen. — Aber wir haben nicht einen Schritt gemacht, der etwas anderes war als ein Ausdruck des mitteleuropäischen sich entwickelnden Spiritualismus. Und einige Monate vor dem Kriegsausbruch hat es mich noch eigentümlich berührt — heute darf ich das erwähnen —, daß einige von unseren Damen, die Eurythmie treiben, nach London hinübergegangen sind, um dort einen Kursus zu geben. Die Eurythmie hat gefallen. Das ist ganz gut, sie soll den Menschen gefallen. Aber man merkt nicht, daß diese Eurythmie das Geistige ist, der Gegenpol des materialistischen Sportwesens; daß man auf der einen Seite das Europa überflutende, ganz dem Materialismus Angehörige hat und den Materialismus bis in die Bewegung der Menschen hineinträgt durch den Sport, der dem Amüsement der Menschen, der Sucht, sich gesund zu machen, dient, der ganz materialistisch ist, während bei uns jede Bewegung der Ausdruck für das Geistige ist, genau dem entspricht, was mitteleuropäische Spiritualität ist. Immer handelt es sich darum, auf diesem Boden zu arbeiten und aus diesem Boden heraus die Früchte der geistigen Entwickelung zu treiben. Wie hat gerade das Sportwesen auch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Deutschland eingegriffen! Wie haben dann auch feinere sportliche Tätigkeiten — ich glaube, eine Methode war besonders die von Dalcroze —, wie haben diese Dinge eingegriffen! Jetzt wird man ihn nicht besonders gerne mögen, weil er auch zu denjenigen gehört, die den «deutschen Barbarismus» so furchtbar beschimpfen. Aber dasjenige, was dem deutschen Wesen angehört, das ist das Eurythmische, wodurch das Geistige, das in den Bewegungen des Ätherleibes gegeben ist, das dem Ätherleib naturgemäß ist, das im übersinnlichen Menschen wirkt, zum Ausdruck gebracht wird in den Bewegungen des äußeren physischen Leibes.
[ 26 ] Diese Eurythmie beruht ja auf folgenden Prinzipien: Wir haben ein Organ, durch das der Ätherleib unmittelbar in Aktion tritt, so daß das Physische ein Abbild des Ätherischen wird. Das ist der Fall, wenn wir sprechen. Aber es wird nicht das ganze Physische, sondern die Luft ein Abbild des Ätherischen. Das tönende Wort in der Luft, die Art, wie die Luft schwingt, ist unmittelbar ein Ausdruck des Ätherischen. Wenn man dasjenige, was im Laut, im Wort lebt, nun ergreift und es auf den ganzen Ätherleib ausdehnt und dann Hände und Füße und alles am Menschen sich so bewegen läßt, wie ganz naturgemäß im Sprechen und im Gesang die Luft im Ätherleib bewegt wird, dann hat man die Eurythmie. Denn die Eurythmie ist ein Sprechen des ganzen Menschen, so daß zu Hilfe genommen wird nicht nur die sich bewegende Luft, sondern die menschlichen Organe.
[ 26 ] Diese Eurythmie beruht ja auf folgenden Prinzipien: Wir haben ein Organ, durch das der Ätherleib unmittelbar in Aktion tritt, so daß das Physische ein Abbild des Ätherischen wird. Das ist der Fall, wenn wir sprechen. Aber es wird nicht das ganze Physische, sondern die Luft ein Abbild des Ätherischen. Das tönende Wort in der Luft, die Art, wie die Luft schwingt, ist unmittelbar ein Ausdruck des Ätherischen. Wenn man dasjenige, was im Laut, im Wort lebt, nun ergreift und es auf den ganzen Ätherleib ausdehnt und dann Hände und Füße und alles am Menschen sich so bewegen läßt, wie ganz naturgemäß im Sprechen und im Gesang die Luft im Ätherleib bewegt wird, dann hat man die Eurythmie. Denn die Eurythmie ist ein Sprechen des ganzen Menschen, so daß zu Hilfe genommen wird nicht nur die sich bewegende Luft, sondern die menschlichen Organe.
[ 27 ] An einer solchen Sache sehen Sie, wie universell, wie umfassend dasjenige gedacht ist, was das Eingreifen der Geisteswissenschaft in die moderne Kultur ist. Wir haben, um den Nerv der Sache zu verstehen, eben einiges gehört, woran man heute gar nicht einmal denkt, und wenn ich durch diese beiden Vorträge, die ich jetzt in diesem engeren kleinen Kreise gehalten habe, wirklich nichts anderes erreiche, als daß in Ihnen die Empfindung angeregt wird, man müsse noch mehr auf das hinschauen, was Geisteswissenschaft in universeller Beziehung für das ganze menschliche Leben will, so ist das schon genug. Denn damit, daß wir uns einzelne theoretische Begriffe aneignen, wird wirklich die Aufgabe der Geisteswissenschaft nicht erfüllt. Die Aufgabe der Geisteswissenschaft wird erfüllt, wenn sie eingreift in alles, alles Leben, und dieses Leben durchgeistigt, dieses Leben spiritualisiert. Und notwendig ist es in unserer fünften Kulturepoche innerhalb desjenigen Volkes, dem insbesondere diese Aufgabe zufällt, die Spiritualisierung herbeizuführen, diese Dinge zu verstehen, ein Verantwortlichkeitsgefühl in bezug auf die Entwickelung herbeizuführen. Die Menschheitsentwickelung zu kritisieren, ist leicht, recht leicht. Darum handelt es sich aber nicht, denn die Dinge, die geschehen, geschehen mit Notwendigkeit, auch wenn sie demjenigen widersprechen, was gewissermaßen der gute Fortschritt mit den Menschen will. Nun müssen wir in einer gewissen Beziehung etwas, was diesem guten Fortschritt eigentlich widerspricht, in unserer Kultur herinnen haben und herinnen lassen. Unter diesen mancherlei Dingen, die dazugehören, ist zum Beispiel dieses, daß wir im Grunde genommen eigentlich wegen unseres gegenwärtigen Kulturstandpunktes unserer Zeit, wie man sagt, um des Fortschrittes willen, unsere Kinder vom zartesten Alter an zu malträtieren beginnen. Man weiß es nicht, aber man malträtiert sie. Denn es gibt im Grunde genommen nichts der menschlichen Natur Widersprechenderes, als die Kinder vom siebenten Jahre an schon anfangen zu lassen, die Schulgegenstände zu lernen und sie schulmäßig zu unterrichten, wie man es gegenwärtig tut. Es könnte einen wirklich als etwas besonders Glückliches treffen, wenn man ganz anders heranwüchse und solches, was schon im siebenten Jahr an die Menschen herangebracht wird, erst im neunten oder zehnten Jahre bekäme. Aber das wird wohlgemerkt nicht in der Absicht etwa gesagt, daß es nicht geschehen solle, denn der allgemeine Kulturfortschritt fordert es, es muß so sein. Aber es muß der Gegenpol geschaffen werden. Und während wir auf der einen Seite dadurch, daß wir gewisse Arten des Schulunterrichtes haben, namentlich die Ätherleiber der Kinder schrecklich malträtieren, weil wir ihnen etwas einprägen, wofür sie in diesen Jahren absolut nichts taugen, müssen wir im Zuführen der Eurythmie einen Gegenpol schaffen und gerade das, was Eurythmie ist, den Kindern zuführen, damit der Ätherleib in diesen ihm eingeborenen Bewegungen den Ausgleich hat. Eurythmie wird etwas werden, was ganz allgemein ist, denn die Entwickelung erreicht nicht ihr Ziel dadurch, daß man einseitig vorwärtsgeht, sondern daß man in Gegensätzen vorwärtsgeht. Man muß immer den Gegenpol schaffen, den Gegenpol geltend machen. Entwickelung bewegt sich in Gegensätzen. Und der Malträtierung des Ätherleibes durch den heutigen Schulunterricht muß ein Gegenpol geschaffen werden, in dem Elastischmachen, dem naturgemäßen In-Bewegung-Bringen des Ätherleibes in dem Sinne, wie es in den ersten Anfängen in unserer Eurythmie versucht wird. So hängt etwas, was vielleicht viele heute noch «unsere Eurythmie» nennen, wirklich mit demjenigen zusammen, was ich den universellen Charakter unserer geistigen Bewegung zu nennen habe.
[ 27 ] An einer solchen Sache sehen Sie, wie universell, wie umfassend dasjenige gedacht ist, was das Eingreifen der Geisteswissenschaft in die moderne Kultur ist. Wir haben, um den Nerv der Sache zu verstehen, eben einiges gehört, woran man heute gar nicht einmal denkt, und wenn ich durch diese beiden Vorträge, die ich jetzt in diesem engeren kleinen Kreise gehalten habe, wirklich nichts anderes erreiche, als daß in Ihnen die Empfindung angeregt wird, man müsse noch mehr auf das hinschauen, was Geisteswissenschaft in universeller Beziehung für das ganze menschliche Leben will, so ist das schon genug. Denn damit, daß wir uns einzelne theoretische Begriffe aneignen, wird wirklich die Aufgabe der Geisteswissenschaft nicht erfüllt. Die Aufgabe der Geisteswissenschaft wird erfüllt, wenn sie eingreift in alles, alles Leben, und dieses Leben durchgeistigt, dieses Leben spiritualisiert. Und notwendig ist es in unserer fünften Kulturepoche innerhalb desjenigen Volkes, dem insbesondere diese Aufgabe zufällt, die Spiritualisierung herbeizuführen, diese Dinge zu verstehen, ein Verantwortlichkeitsgefühl in bezug auf die Entwickelung herbeizuführen. Die Menschheitsentwickelung zu kritisieren, ist leicht, recht leicht. Darum handelt es sich aber nicht, denn die Dinge, die geschehen, geschehen mit Notwendigkeit, auch wenn sie demjenigen widersprechen, was gewissermaßen der gute Fortschritt mit den Menschen will. Nun müssen wir in einer gewissen Beziehung etwas, was diesem guten Fortschritt eigentlich widerspricht, in unserer Kultur herinnen haben und herinnen lassen. Unter diesen mancherlei Dingen, die dazugehören, ist zum Beispiel dieses, daß wir im Grunde genommen eigentlich wegen unseres gegenwärtigen Kulturstandpunktes unserer Zeit, wie man sagt, um des Fortschrittes willen, unsere Kinder vom zartesten Alter an zu malträtieren beginnen. Man weiß es nicht, aber man malträtiert sie. Denn es gibt im Grunde genommen nichts der menschlichen Natur Widersprechenderes, als die Kinder vom siebenten Jahre an schon anfangen zu lassen, die Schulgegenstände zu lernen und sie schulmäßig zu unterrichten, wie man es gegenwärtig tut. Es könnte einen wirklich als etwas besonders Glückliches treffen, wenn man ganz anders heranwüchse und solches, was schon im siebenten Jahr an die Menschen herangebracht wird, erst im neunten oder zehnten Jahre bekäme. Aber das wird wohlgemerkt nicht in der Absicht etwa gesagt, daß es nicht geschehen solle, denn der allgemeine Kulturfortschritt fordert es, es muß so sein. Aber es muß der Gegenpol geschaffen werden. Und während wir auf der einen Seite dadurch, daß wir gewisse Arten des Schulunterrichtes haben, namentlich die Ätherleiber der Kinder schrecklich malträtieren, weil wir ihnen etwas einprägen, wofür sie in diesen Jahren absolut nichts taugen, müssen wir im Zuführen der Eurythmie einen Gegenpol schaffen und gerade das, was Eurythmie ist, den Kindern zuführen, damit der Ätherleib in diesen ihm eingeborenen Bewegungen den Ausgleich hat. Eurythmie wird etwas werden, was ganz allgemein ist, denn die Entwickelung erreicht nicht ihr Ziel dadurch, daß man einseitig vorwärtsgeht, sondern daß man in Gegensätzen vorwärtsgeht. Man muß immer den Gegenpol schaffen, den Gegenpol geltend machen. Entwickelung bewegt sich in Gegensätzen. Und der Malträtierung des Ätherleibes durch den heutigen Schulunterricht muß ein Gegenpol geschaffen werden, in dem Elastischmachen, dem naturgemäßen In-Bewegung-Bringen des Ätherleibes in dem Sinne, wie es in den ersten Anfängen in unserer Eurythmie versucht wird. So hängt etwas, was vielleicht viele heute noch «unsere Eurythmie» nennen, wirklich mit demjenigen zusammen, was ich den universellen Charakter unserer geistigen Bewegung zu nennen habe.
[ 28 ] Wenn wir auf der einen Seite sehen, wie das in die Ranken des äußeren Lebens eingreift, wie es uns auf der andern Seite tief durchdringen kann, daß die Tiefen des Christus-Impulses sich verbinden mit dem, was wir in der Geisteswissenschaft zusammentragen, dann haben wir vom höchsten Wissen ins niederste den universellen Charakter der Geisteswissenschaft. Und viel mehr als auf manches andere kommt es darauf an, daß wir uns eine Empfindung von diesem universellen Charakter der Geisteswissenschaft verschaffen. Und ich muß sagen, es gehört zu den vorläufig noch schwierigsten Empfindungen und Gefühlen, daß die gegenwärtigen schicksaltragenden Ereignisse nicht bedeutsamer empfunden werden, daß sie nicht stärkere Eindrücke auf unsere Zeitgenossen machen. Denn abgesehen von alledem, was man äußerlich bemerken kann, sind diese schicksaltragenden Ereignisse eine Warnungstafel, eine Warnung davor, bei dem zu bleiben, was die letzten Jahrhunderte an Materialismus in die Menschheit heraufgetragen haben, eine Warnung zur Umkehr in bezug auf den Entwickelungsweg der Menschheit. Und dasjenige, was an Blut und Tod durchgemacht wird, sollte so empfunden werden, als ob es von den Göttern auf die Erde hereingeschickt wäre, auf daß es uns lehre, wie notwendig der Weiterentwickelung der Menschheit die Spiritualität ist. Es ist zum Beispiel wirklich bejammernswert, wenn wir in diesen Zeiten erleben, daß Leute Vorträge halten, auch Artikel schreiben, in denen sie sagen: Wenn sie nur bald wiederum kommen möge, die Zeit, wo wiederum der freie Verkehr der Völker so stattfindet, wie er früher stattgefunden hat, sonst könnten die Deutschen in den Wahn verfallen, zur Metaphysik von Fichte und Hegel wieder zurückzukommen, wieder metaphysische Triebe zu entwickeln. — Selbst in diesen schicksaltragenden Tagen wird wie eine Furcht hingestellt, daß in die Sehnsuchten der Menschen etwas von metaphysischen Trieben wieder hereinkommen könnte! Das sollen gerade diese Monate, die metaphysischen Triebe wiederum erwecken! Denn in wie vielen Fällen sehen wir — zum traurigen Leiderlebnis der Mütter, Väter, Söhne, Töchter, Schwestern, Brüder und weiterer menschlicher Zusammenhänge —, daß ein unbewußter Glaube an die Bedeutung des Übersinnlichen wie ein Zauberhauch durch unsere Welt geht. Es sollen Tausende und aber Tausende opferfreudig durch den Tod gehen, und die Menschen sollten etwa nachher, wenn wiederum Friede auf unsere Erde eingezogen ist, weiter predigen dürfen, daß das menschliche Leben zwischen Geburt und Tod eingeschlossen ist? Dann wären die Opfertode für nichts dargebracht, denn diese Opfertode entspringen wenn auch für viele nicht deutlich — dem festen Glauben daran, daß diese Tode die Morgenröte für eine neue Zeit sind. Wer auf dem Schlachtfeld in den Tod hineingeht, der will durch seinen Tod wahrhaftig etwas anderes bekräftigen, als das: Hier endet mein Leib. Welche Sinnlosigkeit wäre es, die europäische Erde in unserer Zeit mit Leichnamen zu erfüllen, wenn die materialistische Weltanschauung auch nur einen Funken von Recht hätte. Das müssen wir uns vor allen Dingen in die Seele schreiben. Diejenigen, die diese Zeit überleben werden, die leben werden in der Zeit, wo wieder Frieden herrschen wird, die werden an denen, die hingestorben sind, Verräter sein, wenn sie nicht an der Spiritualisierung der menschlichen Entwickelung arbeiten. Denn im Grunde genommen bedeutet ein solches Nichtarbeiten an der Spiritualisierung der Menschheit nichts anderes, als denen, die durch Blut und Tod gegangen sind, zu sagen: Ihr seid für nichts gestorben! — Denn ist der Materialismus richtig, dann sind sie alle für nichts gestorben.
[ 28 ] Wenn wir auf der einen Seite sehen, wie das in die Ranken des äußeren Lebens eingreift, wie es uns auf der andern Seite tief durchdringen kann, daß die Tiefen des Christus-Impulses sich verbinden mit dem, was wir in der Geisteswissenschaft zusammentragen, dann haben wir vom höchsten Wissen ins niederste den universellen Charakter der Geisteswissenschaft. Und viel mehr als auf manches andere kommt es darauf an, daß wir uns eine Empfindung von diesem universellen Charakter der Geisteswissenschaft verschaffen. Und ich muß sagen, es gehört zu den vorläufig noch schwierigsten Empfindungen und Gefühlen, daß die gegenwärtigen schicksaltragenden Ereignisse nicht bedeutsamer empfunden werden, daß sie nicht stärkere Eindrücke auf unsere Zeitgenossen machen. Denn abgesehen von alledem, was man äußerlich bemerken kann, sind diese schicksaltragenden Ereignisse eine Warnungstafel, eine Warnung davor, bei dem zu bleiben, was die letzten Jahrhunderte an Materialismus in die Menschheit heraufgetragen haben, eine Warnung zur Umkehr in bezug auf den Entwickelungsweg der Menschheit. Und dasjenige, was an Blut und Tod durchgemacht wird, sollte so empfunden werden, als ob es von den Göttern auf die Erde hereingeschickt wäre, auf daß es uns lehre, wie notwendig der Weiterentwickelung der Menschheit die Spiritualität ist. Es ist zum Beispiel wirklich bejammernswert, wenn wir in diesen Zeiten erleben, daß Leute Vorträge halten, auch Artikel schreiben, in denen sie sagen: Wenn sie nur bald wiederum kommen möge, die Zeit, wo wiederum der freie Verkehr der Völker so stattfindet, wie er früher stattgefunden hat, sonst könnten die Deutschen in den Wahn verfallen, zur Metaphysik von Fichte und Hegel wieder zurückzukommen, wieder metaphysische Triebe zu entwickeln. — Selbst in diesen schicksaltragenden Tagen wird wie eine Furcht hingestellt, daß in die Sehnsuchten der Menschen etwas von metaphysischen Trieben wieder hereinkommen könnte! Das sollen gerade diese Monate, die metaphysischen Triebe wiederum erwecken! Denn in wie vielen Fällen sehen wir — zum traurigen Leiderlebnis der Mütter, Väter, Söhne, Töchter, Schwestern, Brüder und weiterer menschlicher Zusammenhänge —, daß ein unbewußter Glaube an die Bedeutung des Übersinnlichen wie ein Zauberhauch durch unsere Welt geht. Es sollen Tausende und aber Tausende opferfreudig durch den Tod gehen, und die Menschen sollten etwa nachher, wenn wiederum Friede auf unsere Erde eingezogen ist, weiter predigen dürfen, daß das menschliche Leben zwischen Geburt und Tod eingeschlossen ist? Dann wären die Opfertode für nichts dargebracht, denn diese Opfertode entspringen wenn auch für viele nicht deutlich — dem festen Glauben daran, daß diese Tode die Morgenröte für eine neue Zeit sind. Wer auf dem Schlachtfeld in den Tod hineingeht, der will durch seinen Tod wahrhaftig etwas anderes bekräftigen, als das: Hier endet mein Leib. Welche Sinnlosigkeit wäre es, die europäische Erde in unserer Zeit mit Leichnamen zu erfüllen, wenn die materialistische Weltanschauung auch nur einen Funken von Recht hätte. Das müssen wir uns vor allen Dingen in die Seele schreiben. Diejenigen, die diese Zeit überleben werden, die leben werden in der Zeit, wo wieder Frieden herrschen wird, die werden an denen, die hingestorben sind, Verräter sein, wenn sie nicht an der Spiritualisierung der menschlichen Entwickelung arbeiten. Denn im Grunde genommen bedeutet ein solches Nichtarbeiten an der Spiritualisierung der Menschheit nichts anderes, als denen, die durch Blut und Tod gegangen sind, zu sagen: Ihr seid für nichts gestorben! — Denn ist der Materialismus richtig, dann sind sie alle für nichts gestorben.
[ 29 ] Mit dieser Empfindung muß sich insbesondere der Geisteswissenschafter ganz durchdringen. Ich habe erst in diesen "Tagen wiederum lesen können, wie es heute Menschen gibt — und im 19. Jahrhundert sind diese Menschen immer zahlreicher und zahlreicher geworden —, die behaupten: Es war ein Vorurteil des Paulus, daß er sagte, wäre der Christus nicht auferstanden, dann wären vergebens unsere Worte und unser Glaube. Aber dieses Wort des Paulus ist wahr! Denn durch das, was durch das Mysterium von Golgatha geschehen ist, ist erst die menschliche Seele wieder berufen worden, Kräfte zu haben, die sie in die geistige Welt hineinführen. Wir haben von diesen Kräften gesprochen. Aber unsere Zeit ruft uns mit deutlichen Lauten zu: Vergeblich wäre der Tod so vieler, wenn der Materialismus richtig wäre! Wäre der Materialismus richtig, so wären sie alle umsonst gestorben.
[ 29 ] Mit dieser Empfindung muß sich insbesondere der Geisteswissenschafter ganz durchdringen. Ich habe erst in diesen "Tagen wiederum lesen können, wie es heute Menschen gibt — und im 19. Jahrhundert sind diese Menschen immer zahlreicher und zahlreicher geworden —, die behaupten: Es war ein Vorurteil des Paulus, daß er sagte, wäre der Christus nicht auferstanden, dann wären vergebens unsere Worte und unser Glaube. Aber dieses Wort des Paulus ist wahr! Denn durch das, was durch das Mysterium von Golgatha geschehen ist, ist erst die menschliche Seele wieder berufen worden, Kräfte zu haben, die sie in die geistige Welt hineinführen. Wir haben von diesen Kräften gesprochen. Aber unsere Zeit ruft uns mit deutlichen Lauten zu: Vergeblich wäre der Tod so vieler, wenn der Materialismus richtig wäre! Wäre der Materialismus richtig, so wären sie alle umsonst gestorben.
[ 30 ] Wenn wir uns mit solchen Gedanken durchdringen, dann werden diejenigen, die ihre Kräfte dem großen Menschheitsfortschritt zur Verfügung gestellt haben in einem Tod, der im blühenden Menschenalter erfolgte, dann werden sie ihre Kräfte verstärkt erhalten durch die Gedanken, die aus unseren Seelen hinaufgehen. Wenn Menschenseelen dasjenige, was sie an spirituellen Gedanken und Empfindungen haben können, geisterwärts lenken, dann werden, wie ich auch gestern am Schlusse sagte, die Kräfte von oben, die gesammelt werden, die unverbrauchten Ätherkräfte, sich begegnen mit den menschlichen spirituellen Gedanken und ein neues Zeitalter herbeiführen. Deshalb sei auch heute geschlossen mit den Worten, die in diesen Tagen uns doch den Sinn, den Empfindungs- und Gefühlssinn gaben unseres Datinstehens in der Zeit als Geisteswissenschafter :
[ 30 ] Wenn wir uns mit solchen Gedanken durchdringen, dann werden diejenigen, die ihre Kräfte dem großen Menschheitsfortschritt zur Verfügung gestellt haben in einem Tod, der im blühenden Menschenalter erfolgte, dann werden sie ihre Kräfte verstärkt erhalten durch die Gedanken, die aus unseren Seelen hinaufgehen. Wenn Menschenseelen dasjenige, was sie an spirituellen Gedanken und Empfindungen haben können, geisterwärts lenken, dann werden, wie ich auch gestern am Schlusse sagte, die Kräfte von oben, die gesammelt werden, die unverbrauchten Ätherkräfte, sich begegnen mit den menschlichen spirituellen Gedanken und ein neues Zeitalter herbeiführen. Deshalb sei auch heute geschlossen mit den Worten, die in diesen Tagen uns doch den Sinn, den Empfindungs- und Gefühlssinn gaben unseres Datinstehens in der Zeit als Geisteswissenschafter :
Aus dem Mut der Kämpfer,
Aus dem Blut der Schlachten,
Aus dem Leid Verlassener,
Aus des Volkes Opfertaten
Wird erwachsen Geistesfrucht —
Lenken Seelen geistbewußt
Ihren Sinn ins Geisterreich.
Aus dem Mut der Kämpfer,
Aus dem Blut der Schlachten,
Aus dem Leid Verlassener,
Aus des Volkes Opfertaten
Wird erwachsen Geistesfrucht —
Lenken Seelen geistbewußt
Ihren Sinn ins Geisterreich.
