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The Rudolf Steiner Archive

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The Mystery of Death
The Nature and Significance of Central Europe
and the European National Spirits
GA 159

21 February 1915, Bremen

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The Mystery of Death, tr. SOL
  1. Die Offenbarungen des Karma, 8th ed.

3. Die Geisteswissenschaft und die Rätsel des Todes — Tiefere Zusammenhänge der europäischen Geschichte

3. The Spiritual Science and the Mysteries of Death — Deeper Connections in European History

[ 1 ] Was man in der Geisteswissenschaft die Todesrätsel nennt, das tritt uns in unseren Zeiten so ganz besonders bedeutungsvoll entgegen. Alles ist mit ihnen in nahem oder fernerem Zusammenhang. Vor allen Dingen empfangen wir durch die Geisteswissenschaft nicht nur die Grundüberzeugung, sondern die Grunderkenntnis über die Welt im physischen Leib und über die Welt, in die wir durch die Pforte des Todes eintreten. Aber diese Welt ist im Grunde genommen auch im sinnlichen Leben immer lebendig und umgibt uns, nur ist sie für den durch das Sinnenleben gebundenen Menschen nicht erkennbar, weil er nicht die nötige Aufmerksamkeit für sie hat. Wenn solche einschneidenden Ereignisse durch die Zeit wallen, die so mannigfaltige Opfer von den Menschen erfordern, wie sie uns jetzt umgeben, so müssen wir mit unserer ganzen Seele darin einverwoben sein. Da ist es naheliegend, manche Dinge aufklärend aus der Geisteswissenschaft vorzuführen.

[ 1 ] What is referred to in Spiritual Science as the “mysteries of death” takes on a particularly significant meaning for us in our times. Everything is connected to them in some way, whether near or far. Above all, through Spiritual Science we receive not only a fundamental conviction but also a fundamental understanding of the world within the physical body and of the world into which we enter through the gate of death. But this world is, in essence, always alive even in sensory life and surrounds us; it is simply not perceptible to the human being bound by sensory life because they lack the necessary attention for it. When such momentous events sweep through time, demanding such manifold sacrifices from people as those that now surround us, we must be woven into them with our whole soul. It therefore stands to reason to present certain things from the perspective of Spiritual Science in an illuminating way.

[ 2 ] Wir wollen den Blick auf Gebiete des Lebens lenken, auf denen sich zeigt, wie die Menschheit durch die materialistische Denkweise zu einer verhängnisvollen Unlogik hinsichtlich dessen, was sie umgibt, gekommen ist. Wir hören zum Beispiel in der heute gewohnten Weise die einzelnen Völker einander vorwerfen: Ich habe den Krieg nicht gewollt, du bist es, der ihn angestiftet hat. — Die Frage ist an sich berechtigt und läßt sich jetzt schon beantworten — denn die Tatsachen sprechen klar —, wo die äußeren Ursachen liegen. Aber für den geisteswissenschaftlichen Betrachter ist es anders. In dieser Frage muß er sich klar sein darüber, daß der Krieg im Grunde genommen eine letzte Phase im Laufe der Ereignisse ist, oder wenigstens eine spätere Phase von Dingen, die schon vorher da waren. Man begeht einen Fehler im Urteilen auch bei Krankheitsprozessen, wo man oft noch von solchen spricht, während es schon Gesundheitsprozesse sind, die vorgehen müssen, um zu gesunden. Die äußerlichen Prozesse, die erfolgen, um die Krankheit zu paralysieren, um zu gesunden, haben sich vorher abgespielt, sind nicht zu bemerken. Der Krieg stellt auch einen scheinbaren Krankheitsprozeß dar. Er ist eine Anstrengung der Menschheit, über gewisse Vorgänge hinauszukommen, die vorher da waren. Die Erkrankung liegt schon vorher in den wirklich ungesunden Beziehungen der Völker untereinander. Wenn man mit dem Verstand die äußeren Ursachen erforscht, so übersieht man die inneren. Auf dem Gebiet, wo wir wie in einer Festung zusammengedrängt und mit einem Ring umschlossen sind, muß es naheliegen, besonders die Frage aufzuwerfen, welches die inneren Gründe sind, oder welcher Art der einzelne Grund ist, wodurch diese Einkreisung hervorgerufen wurde. Man spricht von einer solchen Einkreisung für die letzten Jahre, für die letzten Jahrzehnte, aber wenn man die großen Zusammenhänge betrachtet, beginnt sie viel, viel früher. Es klingt sonderbar, aber man kann das Jahr 860 angeben — nicht 1860, sondern 860. So lange spielt der Prozeß, der jetzt in einer Weise zum Ausdruck kommt, die man als den furchtbarsten Krieg der Menschheit bezeichnen kann, seit sie die Erde bewohnt.

[ 2 ] We want to draw attention to areas of life where it becomes clear how humanity, through materialistic thinking, has arrived at a disastrous lack of logic regarding its surroundings. For example, we hear individual nations accusing one another in the manner customary today: “I did not want the war; it is you who instigated it.” — The question is legitimate in itself and can already be answered—for the facts speak clearly—as to where the external causes lie. But for those who practice Spiritual Science, the situation is different. In this matter, they must be clear that war is, in essence, a final phase in the course of events, or at least a later phase of things that were already present beforehand. One also makes a mistake in judgment regarding disease processes, where one often still speaks of them as such, whereas they are already healing processes that must take place in order to recover. The external processes that occur to paralyze the disease, to bring about healing, have already taken place beforehand and are not noticeable. War also represents an apparent disease process. It is an effort by humanity to move beyond certain conditions that existed previously. The disease already lies in the truly unhealthy relations between peoples. When one investigates the external causes with the intellect, one overlooks the internal ones. In the realm where we are crowded together as in a fortress and encircled by a ring, it must be obvious to raise the question in particular: what are the inner causes, or what is the nature of the single cause that brought about this encirclement? People speak of such an encirclement in recent years, in recent decades, but when one considers the larger context, it began much, much earlier. It sounds strange, but one can point to the year 860—not 1860, but 860. That is how long the process has been unfolding, a process that is now manifesting in a way that can be described as the most terrible war humanity has ever known since it first inhabited the earth.

[ 3 ] Im tieferen Zusammenhang der europäischen Geschichte findet man das höchst Merkwürdige, daß in Mitteleuropa etwas von geistiger Substanz zusammengedrängt wurde. Wenn man diesen tieferen Zusammenhang untersucht, so sieht man, daß es da zu einem besonderen Ziel zusammengedrängt worden ist. Es handelt sich nicht um die äußeren Bestimmungen des Blutes, der Rasse, sondern darum, daß etwas die Welt wie eine geistige Substanz durchzieht. Wie in einem schlangenförmigen Ring, vom äußersten Norden herunterkommend, zieht sich etwas in Mitteleuropa zusammen. Ringförmig gehen zwei Strömungen von Ost und West nach Süden und treffen wieder ringförmig zusammen. Aus einem Zentrum rücken im 9. Jahrhundert die normannischen Stämme herunter, die dem Blut nach mit so vielem verwandt sind, was später in Mitteleuropa ist. Aber sie drängen sich in das romanische Element hinein, das von Südeuropa her kommt; mit dem fließen sie zusammen. 860 stehen sie vor Paris, da werden die Normannen von den Romanen überwältigt. Daraus entsteht das westliche Frankreich. Mehr als die Angeln und Sachsen nach den britischen Inseln bringen konnten, brachten die Normannen aus Frankreich nach England zurück. Im Osten rücken die normannischen Menschen hinunter, sie dringen vom Norden her gegen die Wolga und das Schwarze Meer in das Slawentum hinein. Später geht der tartarische Strom hinein. Das Slawentum überwältigt die Normannen rassenmäßig und bringt ihnen die christliche Religion in ihrer östlichen Form. Sie werden slawisiert als «Ros» — so werden sie in Finnland genannt —, es ist nichts davon geblieben außer dem Namen Rußland. Dieser Name ist germanischen Ursprungs. Den gleichen Ursprung hat der Name Rurik.

[ 3 ] In the deeper context of European history, one finds the highly remarkable fact that something of spiritual substance has been concentrated in Central Europe. If one examines this deeper context, one sees that it has been concentrated there toward a specific goal. It is not a matter of the external determinants of blood or race, but rather of something that permeates the world like a spiritual substance. As in a serpentine ring, descending from the far north, something converges in Central Europe. In a ring-like pattern, two currents flow from east and west toward the south and meet again in a ring-like formation. In the 9th century, the Norman tribes moved down from a central point; in terms of blood, they were related to so much of what later came to be in Central Europe. But they pressed into the Romanic element coming from Southern Europe; with it they merged. In 860 they stood before Paris, where the Normans were overwhelmed by the Romans. From this arose Western France. The Normans brought back to England from France more than the Angles and Saxons had been able to bring to the British Isles. To the east, the Norman people moved southward; from the north, they penetrated into Slavic territory toward the Volga and the Black Sea. Later, the Tartar tide flowed in. The Slavic peoples overpowered the Normans racially and introduced them to the Christian religion in its Eastern form. They were Slavicized as “Ros”—as they are called in Finland—and nothing remains of this except the name Russia. This name is of Germanic origin. The name Rurik has the same origin.

[ 4 ] Über diese Zusammenhänge hat man recht bedenkliche Ansichten. Im Westen Europas sprechen viele davon, die Franzosen seien dazu berufen, das alte Keltentum in einer Art Renaissance wieder aufleben zu lassen. Man hat die Vorstellung, in Mitteleuropa seien vorzugsweise Germanen, im Westen wiege das Keltentum vor. Aber es ist umgekehrt, in den Franzosen ist viel mehr Germanenblut, in Mitteleuropa ist mehr Keltenblut, das ist die Wahrheit. So steht die Maja gegen die Wahrheit. Nur sind die Bewohner des Westens ganz überwältigt von dem Romanentum. Im Osten ist das Normannentum und damit das Germanentum überwältigt durch das fremde Rassenelement. Dort herrscht noch heute eine der russischen Volksseele völlig fremde Religion. So sind die Menschen in Mitteleuropa wie in einem Kessel eingekreist. Die Romanen reichen bis Konstantinopel, und auf der andern Seite die slawisierten Normannen ebenfalls bis Konstantinopel. Da haben wir die Schlange, den Ring.

[ 4 ] There are some rather troubling views regarding these connections. In Western Europe, many speak of the French as being destined to revive ancient Celtic culture in a sort of renaissance. There is a mental image that Central Europe is predominantly Germanic, while the West is dominated by Celtic culture. But the opposite is true: there is much more Germanic blood in the French, and more Celtic blood in Central Europe—that is the truth. Thus, the maya stands in opposition to the truth. It is just that the inhabitants of the West are completely overwhelmed by Roman culture. In the East, Norman culture—and with it Germanic culture—is overwhelmed by the foreign racial element. There, a religion completely foreign to the Russian folk-soul still prevails today. Thus, the people of Central Europe are encircled as if in a cauldron. The Romans extend as far as Constantinople, and on the other side, the Slavicized Normans likewise extend to Constantinople. There we have the serpent, the ring.

[ 5 ] Wenn wir das, was da geistig zusammengedrängt wurde, ins Auge fassen, so bekommen wir die Anschauung, daß es eine besonders wichtige Aufgabe hat. Ich habe es gestern nur angedeutet, aber ich habe doch davon gesprochen, daß hier ein gewisser vertrauter Umgang der Volksseele mit der einzelnen Seele stattfinden soll und gerade dadurch die schönsten Blüten bei den besten Angehörigen hervorgebracht werden. Unmittelbar das Ich sollte ergriffen werden, nicht die einzelnen Seelenglieder wie im Westen, unmittelbar lebendig sollte es im Ich sein. Daraus geht hervor — das müßte schon der exoterischen Betrachtung klar sein —, daß in Mitteleuropa im Grunde niemals völlige Feindschaft gegen den Idealismus herrschen konnte, daß immer eine gewisse Hinneigung zur geistigen Welt in intensivstem Maße stattfand. Als wir unsere geistige Bewegung begannen, hat es das Karma gefügt, daß wir das zunächst im Verein mit der britischen Bewegung tun mußten. Aber äußerlich war alles weitere nur ein Symptom von dem, was sich innerlich mit einer gewissen Notwendigkeit abspielen mußte. Wenn wir ins Auge fassen, was die theosophische Bewegung ist, von der wir uns trennen mußten, so wird auffallen, daß dort das Kulturleben in zwei Teile gefallen ist. Das äußere Leben nimmt einen rein materialistischen Gang, und daran ist das spirituelle Element gekoppelt. Sie fallen immer auseinander. Vergleichen wir damit, was unser spirituelles Leben uns sein muß. Wie im Organismus der Kopf nicht ohne Leib gedacht werden kann, so wächst unser spirituelles Leben aus dem allgemeinen Kulturleben heraus. Man braucht nur anzufangen bei Tauler, Eckart, Angelus Silesius, dann bei Herder, Lessing, überall müssen wir herausentwickeln, was höhere geistige Kultur werden soll. Wir können nicht unsere spirituelle Anschauung ankoppeln, wir müssen sie als Organismus haben, müssen sie dazu erheben. Wir müssen innerlich die Entdeckung machen, daß die Wiederkunft des Christus eine geistige Angelegenheit ist. Daher können wir nicht die geringste Konzession machen. Wir können dem Christus als Gestalt nur mit dem geistigen Auge, mit dem inneren Erleben nahetreten. Im Westen mußte materialisiert, dogmatisiert werden. Die Leute konnten es sich nicht anders vorstellen, als daß er im physischen Leibe kommen würde. Daher die groteske Idee, den Christus im Leib auf dem Präsentierteller herumzureichen. Das geschah im Zusammenhang mit dem, was da eingekreist wurde.

[ 5 ] When we consider what has been spiritually condensed here, we come to see that it has a particularly important purpose. I only hinted at this yesterday, but I did speak of the fact that a certain intimate interaction between the folk-soul and the individual soul is to take place here, and that it is precisely through this that the most beautiful blossoms are brought forth in the finest members of the community. The “I” itself should be grasped, not the individual members of the soul as in the West; it should be immediately alive within the “I.” It follows from this—and this should already be clear to exoteric observation—that in Central Europe there could never really have been complete hostility toward idealism, that there was always a certain inclination toward the spiritual world to the most intense degree. When we began our spiritual movement, karma decreed that we had to do so initially in association with the British movement. But outwardly, everything that followed was merely a symptom of what had to unfold inwardly with a certain inevitability. When we consider what the Theosophical Movement is—from which we had to separate—it becomes apparent that cultural life there has split into two parts. Outer life takes a purely materialistic course, and the spiritual element is coupled to it. They are constantly drifting apart. Let us compare this with what our spiritual life must be. Just as in the organism the head cannot be conceived of without the body, so our spiritual life grows out of general cultural life. One need only begin with Tauler, Eckhart, Angelus Silesius, then with Herder, Lessing; everywhere we must develop what is to become higher spiritual culture. We cannot simply attach our spiritual view; we must have it as an organism, must elevate it to that level. We must make the inner discovery that the return of Christ is a spiritual matter. Therefore, we cannot make the slightest concession. We can approach Christ as a figure only with the spiritual eye, through inner experience. In the West, things had to be materialized and dogmatized. People could not form a mental image of him coming in a physical body. Hence the grotesque idea of passing Christ around on a platter in the flesh. This happened in connection with what was being encircled there.

[ 6 ] Daher muß uns objektiv die Frage berühren: Wie muß sich das mitteleuropäische Kulturwesen zu der Kultur der Zukunft verhalten? — Die Wahrheit ist eine allgemeine, aber wie sie entspringt, ist etwas anderes. In der mitteleuropäischen Kultur liegen die Quellen für die ganze spirituelle Kultur der Zukunft. Wir müssen den Weg finden aus dem deutschen Idealismus in die spirituelle Kultur hinein. Dazu ist nötig, daß hier in der Mitte eine Ich-Kultur begründet werde. Auf okkultem Felde kann das leicht gesehen werden. Das Ich des Menschen muß sich an der Außenwelt entzünden, da erst wacht es auf und wird sich innerlich bewußt. So wird die Ich-Kultur Mitteleuropas von außen angefacht. Man braucht nur die letzten Ereignisse zu betrachten, die Vereinheitlichung des deutschen Wesens. Es ist charakteristisch, daß das Deutsche Reich im Jahre 1871 auf fremden Boden gegründet wurde. So viele Dinge könnten angeführt werden, die auch in den äußeren Ereignissen zeigen, daß in Mitteleuropa Ich-Kultur herrscht.

[ 6 ] Therefore, we must objectively ask ourselves: How should Central European culture relate to the culture of the future? — The truth is universal, but how it arises is another matter. Central European culture contains the sources for the entire spiritual culture of the future. We must find the path from German idealism into spiritual culture. For this, it is necessary that a culture of the “I” be established here in the center. This can be easily seen in the occult realm. The human “I” must be kindled by the external world; only then does it awaken and become inwardly conscious. Thus, the culture of the “I” in Central Europe is kindled from without. One need only consider recent events, the unification of the German nation. It is characteristic that the German Empire was founded in 1871 on foreign soil. So many examples could be cited that demonstrate, even in external events, that a culture of the “I” prevails in Central Europe.

[ 7 ] Es liegt nahe, zu fragen: Welche Bedeutung haben die Todesopfer für die spirituelle Welt? — Unzählige Menschen gehen in der Blüte ihrer Jugend durch die Pforte des Todes. Zunächst trennt sich der Zusammenhang zwischen Ich, Astralleib, Ätherleib vom physischen Leib ab. Der physische Leib wird scheinbar der Erde übergeben, der Ätherleib der ätherischen Welt, Astralleib und Ich gehen weiter. Aber das muß uns auffallen: Verhält es sich bei Menschen normalen Alters mit dem ätherischen Leib, der durch die Pforte des 'Todes geht, nicht anders als bei den jetzt hinübergehenden Jugendlichen? Für den physischen Leib begreift man das, für den ätherischen wird man es jetzt begreifen. Der hätte noch jahrzehntelang den physischen Leib versorgen, an ihm arbeiten können. Er geht mit diesen unverbrauchten Kräften durch die Pforte des Todes, vereinigt sich da mit der Volksseele, und die Arbeit der Volksseele wird in Zukunft durchimprägniert sein mit den unverbrauchten Kräften dieser ätherischen Leiber. An uns wird es sein, Verständnis dafür zu haben. Menschen werden da sein, die wissen werden: Die Volksseele ist ein aktives Element. Erst wenn man weiß, daß die unverbrauchten Ätherleiber wirken werden als spirituelle Kraft in konkreter Weise in der geistigen Welt, dann kann man verstehen, was real vorgeht. Wichtig wird das Bewußtsein dieses konkreten Zusammenhanges mit der geistigen Welt sein. Dadurch, nämlich durch Erzeugung eines solchen Bewußtseins von der geistigen Welt, wird die Geisteswissenschaft immer mehr etwas Lebendiges werden in den Gemütern und nicht nur Lehre bleiben. Der Mensch weiß, daß er in einer geistigen Aura ist, wie er hier weiß, daß die Luft in seiner Umgebung ist. Wie er hier frische und verbrauchte Luft unterscheidet, so wird er gute und böse Geister empfinden, erlebend empfinden die geistige Aura.

[ 7 ] It is natural to ask: What significance do the victims of death have for the spiritual world? — Countless people pass through the gate of death in the prime of their youth. First, the connection between the ego, the astral body, and the etheric body is severed from the physical body. The physical body is seemingly handed over to the earth, the etheric body to the etheric world, while the astral body and the I go on. But we must note this: Is the situation with the etheric body of people of normal age, which passes through the gate of ‘death,’ not different from that of the young people now passing over? We understand this for the physical body; for the etheric body, we will now come to understand it. It could have continued to sustain the physical body and work upon it for decades to come. It passes through the gate of death with these untapped forces, unites there with the Folk-souls, and the work of the Folk-souls will in the future be permeated by the untapped forces of these etheric bodies. It will be up to us to understand this. There will be people who will know: Folk-souls are active elements. Only when one knows that the unspent etheric bodies will act as a spiritual force in a concrete way in the spiritual world can one understand what is really happening. Awareness of this concrete connection with the spiritual world will be important. Through this—namely, through the creation of such an awareness of the spiritual world—Spiritual Science will increasingly become something alive in people’s minds and not remain merely a doctrine. Human beings will know that they are in a spiritual aura, just as they know here that the air is around them. Just as they distinguish here between fresh and stale air, so will they sense good and evil spirits, experiencing the spiritual aura.

[ 8 ] Das ist erst die rechte Frucht der Geisteswissenschaft. Wir sehen es, wenn wir uns naheliegende Ereignisse betrachten, die uns belehren können. Eines davon geschah gerade an der Stätte unseres Baues. In diesem Falle war es ein Kind, dessen Ätherleib unverbraucht war. Die Kräfte sind da, wer sie sieht, wer sie zu sehen weiß, der sieht, daß sie in die Aura unseres Dornacher Baues übergegangen sind und darin leben. Das ist ein Beispiel, für das ich eintrete. Der Ätherleib, der mit seinen Kräften mehr der Allgemeinheit gehört, wirkt richtig weiter. Seither versucht er, durch Inspirationen in der Nähe des Baues etwas zu tun. Das sind helfende Kräfte.

[ 8 ] This is the true fruit of Spiritual Science. We see it when we observe events close at hand that can teach us something. One such event occurred right at the site of our building. In this case, it was a child whose etheric body was unspent. The forces are there; whoever sees them, whoever knows how to see them, can see that they have passed into the aura of our Dornach building and live within it. This is an example I would like to highlight. The etheric body, whose forces belong more to the general public, continues to work in the right way. Since then, it has been trying to do something through inspirations in the vicinity of the building. These are helping forces.

[ 9 ] Solche Dinge liegen uns nahe, wir können uns von ihnen belehren lassen, wie geheimnisvoll die Zusammenhänge sind in der geistigen Welt. Gerade in der letzten Zeit haben wir es in unserem Gesellschaftskarma gehabt, daß uns liebe Freunde vom physischen Plan weggestorben sind. Was ich im Wiener Zyklus über das Leben zwischen Tod und neuer Geburt gesagt habe, wurde gerade an manchen von diesen Seelen ganz klar. Eine dieser Seelen hat so recht den Weg in unsere Bewegung gefunden, als der physische Leib schon mürbe geworden war. Es war ein Wesen, bei dem mir, seit es überhaupt in unserer Bewegung war, das Seelische schon entgegengetreten ist wie durch den glashell gewordenen Leib. Nach dem Tod wob sich das Bild der Seele, das vorher schon da war, zusammen mit dem, wie es nachher sich darstellte. Ich konnte nicht anders, als den Nachruf geben, der zeigt, daß ich so recht mit dieser Seele zusammen war. Die folgenden Worte machten sich hörbar etwa drei Tage, nachdem der Tod eingetreten war:

[ 9 ] Such things are close to our hearts; we can learn from them just how mysterious the connections are in the spiritual world. Especially in recent times, it has been part of our group karma that dear friends have passed away from the physical plane. What I said in the Vienna cycle about life between death and new birth became particularly clear to some of these souls. One of these souls found its way into our movement just as the physical body had already become worn out. It was a being in whom, ever since it had been in our movement, the soul had already come to meet me as if through a body that had become crystal clear. After death, the image of the soul that had already been there wove itself together with how it subsequently presented itself. I could not help but deliver the eulogy that shows how truly I was united with this soul. The following words made themselves heard about three days after death had occurred:

Du tratest unter uns.
Deines Wesens bewegte Sanftmut
Sprach aus Deiner Augen stiller Kraft —
Ruhe, die seelenvoll belebt,
Floß in den Wellen, Mit denen Deine Blicke
Zu Dingen und zu Menschen
Deines Innern Weben trugen; —
Und es durchseelte dieses Wesen
Deine Stimme, die beredt
Durch des Wortes Art mehr
Als in dem Worte selbst
Offenbarte, was verborgen
In Deiner schönen Seele weset;
Doch das hingebender Liebe
Teilnahmsvoller Menschen
Sich wortlos voll enthüllte —
Dies Wesen, das von edler, stiller Schönheit
Der Welten-Seelen-Schöpfung
Empfänglichen Empfinden kündete.

You walked among us.
The gentle grace of your being
Spoke of the quiet power in your eyes —
A peace that enlivens the soul,
Flowed in the waves with which your gaze
To things and to people
Carried the weaving of your inner self; —
And it permeated this being
Your voice, which eloquently
Through the nature of the word more
Than in the word itself
Revealed what lay hidden
In your beautiful soul;
Yet to those of devoted love
And sympathetic hearts
It revealed itself fully, without words —
This being, which, with noble, quiet beauty
Proclaimed the creation of the world’s soul
To receptive sensibilities.

[ 10 ] Nach dem Tode tritt ein Abdämpfen des Bewußtseins ein, gerade weil ein überflutendes Bewußtsein da ist. Das geschieht durch den Rückblick, den man zuerst auf den Tod hat — nicht bei Selbstmord —, gleichsam ein Sonnenpunkt. Es gehört zu dem Schönsten, Höchsten. Man knüpft da an, man sagt sich: Da hast du gelebt —, und so orientiert man sich in der geistigen Welt.

[ 10 ] After death, a dimming of consciousness occurs, precisely because there is an overwhelming flood of consciousness. This happens through the flashback one first experiences upon death—not in the case of suicide—as it were, a moment of clarity. It is among the most beautiful and highest experiences. One takes hold of that moment, saying to oneself: There you lived—and in this way one finds one’s bearings in the spiritual world.

[ 11 ] Unsere Freundin war aus dem Stadium des ätherischen Rückblicks heraus, so daß man zu dem zwar anwesenden, aber nicht bewußten Wesen sprach. Dann kam durch die Wärme ein Moment des Bewußtseins und sie sah die Feuerbestattung. Die Zeit wird da zum Raum.

[ 11 ] Our friend had moved beyond the stage of ethereal recollection, so that we were speaking to a being who was present but not conscious. Then, prompted by the warmth, a moment of consciousness arose, and she saw the cremation. Time becomes space in that moment.

[ 12 ] Es gibt ein Korrespondieren zwischen dem, was in der physischen und in der geistigen Welt stattfindet. In einem solchen Fall kommt ein Anruf nicht wie ein Echo aus der geistigen Welt zurück, sondern wandelt sich zur sinngemäßen Antwort aus der noch nicht bewußten Seele um. Durch solche Beispiele des in uns erkennenden Gefühls, in unserem gefühlsmäßigen Erkennen der geistigen Welt, muß das Ergebnis sein, die Realität der geistigen Welt zu erfahren. Es ist besonders wichtig, dieses konkrete Gefühl in unserer Zeit zu erwerben, damit aus der Schwere der Gegenwart für die ganze Menschheit im Physischen und Seelischen Heil erwachse, denn immer sind die großen, bedeutsamen Ereignisse des Weltgeschehens auch für eine oberflächliche geistige Erkenntnis der klare Ausdruck dafür gewesen, daß wir in der sinnlichen Welt nicht nur sinnliche Wesen haben, sondern daß die geistigen Wesen hereinwirken.

[ 12 ] There is a correspondence between what takes place in the physical world and what takes place in the spiritual world. In such a case, a call does not return like an echo from the spiritual world, but transforms into a meaningful response from the soul that is not yet conscious. Through such examples of the feeling that recognizes within us, in our emotional perception of the spiritual world, the result must be to experience the reality of the spiritual world. It is particularly important to acquire this concrete feeling in our time so that, out of the gravity of the present, healing may arise for all humanity in the physical and soul realms; for the great, significant events of world history have always been, even for a superficial spiritual understanding, a clear expression of the fact that in the sensory world we have not only sensory beings, but that spiritual beings are also at work.

[ 13 ] Es ist schwer, den Schleier zu durchbrechen, der die physische von der geistigen Welt trennt. Das macht die Selbsterkenntnis schwer im weitesten Umfang, man stellt sich darunter oft zu Leichtes vor. Schon im äußerlich physischen Sinn ist sie manchmal schwer. Ein groteskes Beispiel dafür gab der bedeutende Philosoph Professor Ernst Mach — nicht Ferdinand Maack, ich hätte sonst nicht von einem bedeutenden Philosophen gesprochen. Mach schildert in einem seiner Werke, als junger Mensch sei ihm einmal in einem Schaufensterspiegel ein unangenehmes, widerwärtiges Gesicht aufgefallen, das er zu seiner Bestürzung gleich darauf als sein eigenes erkennen mußte. Etwas ähnliches erlebte er später nochmals. Beim Einsteigen in einen Omnibus erblickte er einen Mann mit einem häßlichen Gesicht, der ihm von der andern Seite entgegenkam, und erkannte erst nachträglich, daß er sich selbst im Spiegel gesehen hatte. Darüber, was das Wesen, die Gestalt der Seele ist, ist sich der Mensch noch viel mehr im Unklaren. Durch was man alles hindurch muß, um zur Selbsterkenntnis zu kommen, davon läßt sich der Mensch nichts träumen. In den Untergründen der Seele ist die Maja oft in großem Ausmaß vorhanden. Ein Mensch hat den Trieb zur Grausamkeit, er lebt mit Menschen zusammen, die er von Zeit zu Zeit quält und so weiter. Er sucht nach einem äußeren Grund dafür, wendet oft eine geniale Erfindungsgabe auf, um das Gefüge der Seele zu verschleiern. Ich selbst kannte jemanden, der immer wieder davon sprach, unter wie großen Opfern sich seine Tätigkeit vollzogen habe. Aber ich mußte sagen, daß es nur seelische Wollust war, die er befriedigte. Wenn er so von Opfern sprach, so stand hinter alldem nur Egoismus. Wirkliche Selbsterkenntnis ist nur erreichbar, wenn man nach und nach in der Geisteswissenschaft vorschreitet, insofern man durch sich erlebt, was in der Welt ist.

[ 13 ] It is difficult to pierce the veil that separates the physical world from the spiritual world. This makes self-knowledge difficult in the broadest sense; people often imagine it to be too easy. Even in the purely physical sense, it is sometimes difficult. The eminent philosopher Professor Ernst Mach—not Ferdinand Maack, otherwise I would not have spoken of an eminent philosopher—provided a grotesque example of this. In one of his works, Mach describes how, as a young man, he once noticed an unpleasant, repulsive face in a shop window mirror, which, to his dismay, he immediately recognized as his own. He experienced something similar again later. Upon boarding a bus, he saw a man with an ugly face coming toward him from the other side, and only realized afterward that he had seen himself in the mirror. As for what the essence, the form of the soul is, human beings are even more in the dark. They cannot even begin to imagine all that one must go through to attain self-knowledge. In the depths of the soul, maya is often present on a grand scale. A person has a drive toward cruelty; he lives with people whom he torments from time to time, and so on. He searches for an external reason for this, often employing a brilliant inventiveness to veil the structure of the soul. I myself knew someone who spoke again and again of the great sacrifices his work had entailed. But I had to say that it was merely a psychological lust he was satisfying. When he spoke of sacrifices in this way, there was nothing but selfishness behind it all. True self-knowledge is attainable only by gradually advancing in Spiritual Science, insofar as one experiences through oneself what exists in the world.

[ 14 ] Es gibt schwatzende Leute in der Welt, die Schwatzstündchen veranstalten. Das soll es sogar unter Männern geben, die zum Dämmerschoppen gehen. Wenn sie gefragt werden, warum sie schwatzen, so haben die Leute allerlei wichtige Gründe dafür. Aber wenn wir mit unserer Hand über Samt oder Seide streichen, so haben wir ein Gefühl des Wohlgefallens. Wenn man schwatzt, stößt sich der Ätherleib fortwährend an der in Bewegung gesetzten Luft, er wird dadurch gestreichelt. Das ist nichts Böses. Man versteht das, was beim Schwatzen vorgeht, nur, wenn man weiß, daß der Mensch einen Ätherleib hat.

[ 14 ] There are people in the world who love to chat and organize little get-togethers for that purpose. This is said to happen even among men who go out for an evening drink. When asked why they chat, these people have all sorts of important reasons for doing so. But when we run our hand over velvet or silk, we experience a feeling of pleasure. When one chats, the etheric body is constantly brushing against the air set in motion; it is caressed by it. There is nothing wrong with that. One can only understand what happens during a chat if one knows that human beings have an etheric body.

[ 15 ] Die Menschheit geht einer Zeit entgegen, wo sie solchen Dingen mehr und mehr ins Antlitz schauen muß. Die Geisteswissenschaft muß immer mehr und mehr das Bewußtsein dafür erwecken. Es wird dann eintreten, daß die Menschen, die heute in ihrem materialistischen Sinn behaupten, alles Geistige sei Träumerei, sich so ausnehmen werden, wie wenn jemand sagen wollte, wo die Luft ist, sei überhaupt nichts. Wie man entdeckt, daß die Luft real ist, so wird die Menschheit entdecken, daß der Geist etwas Reales ist. Wenn man das größte Mysterium, das Mysterium von Golgatha ins Auge faßt, so kann man glauben, daß der Christus, nachdem er durch das Mysterium von Golgatha gegangen ist, auf die Menschheit vornehmlich durch eine Lehre gewirkt hätte. Aber was die Menschen über den Christus gewußt haben, das ist das Allergeringste. Die Theologen haben sich gezankt, aber die wenigsten haben etwas Richtiges verstanden. Nur ein Teil dessen, was in der Geschichte geschieht, spielt sich im Bewußtsein ab. Ein Beispiel dafür ist die Schlacht zwischen Maxentius und Konstantin an der Milvischen Brücke am 28. Oktober 312, die nicht durch irgendwelche äußeren Umstände, sondern durch Einwirkungen nichtphysischer Art entschieden wurde. Mit einem Heer, das weit stärker war als das seines Gegners Konstantin, hatte Maxentius Rom zu verteidigen. Bei Befragung der Sibyllinischen Bücher wurde ihm bedeutet, er solle seine Truppen aus Rorm herausführen; auf diese Weise werde er die Feinde Roms vernichten. Hierin wurde er noch durch einen Traum bestärkt. Auch Konstantin hatte einen Traum: ihm wurde aufgegeben, seinen Soldaten statt der alten Feldzeichen Banner mit dem Monogramm Christi vorantragen zu lassen. So geschah es, und das Heer des Maxentius, das allen Vernunftgründen zum Trotz aus Rom herausgeführt worden war, wurde durch die schwächeren Streitkräfte des Konstantin geschlagen, und Maxentius selbst fand auf der Flucht den Tod. Der Christus-Impuls hatte hier in das Unterbewußtsein der Menschen hineingewirkt.

[ 15 ] Humanity is heading toward a time when it will have to face such things more and more directly. Spiritual Science must increasingly awaken awareness of this. It will then come to pass that people who today, in their materialistic sense, claim that everything spiritual is mere fantasy, will look as out of place as if someone were to say that where there is air, there is nothing at all. Just as one discovers that air is real, so humanity will discover that the spirit is something real. When one contemplates the greatest mystery, the Mystery of Golgotha, one might believe that Christ, after passing through the Mystery of Golgotha, would have worked upon humanity primarily through a teaching. But what people have known about Christ is the very least of it. Theologians have quarreled, but very few have understood anything correctly. Only a part of what happens in history takes place in consciousness. An example of this is the battle between Maxentius and Constantine at the Milvian Bridge on October 28, 312, which was decided not by any external circumstances but by influences of a non-physical nature. With an army far stronger than that of his opponent Constantine, Maxentius had to defend Rome. When he consulted the Sibylline Books, he was told to lead his troops out of Rome; in this way, he would destroy Rome’s enemies. He was further encouraged in this by a dream. Constantine, too, had a dream: he was instructed to have his soldiers carry banners bearing the monogram of Christ instead of the old field standards. So it came to pass, and Maxentius’s army, which had been led out of Rome against all reason, was defeated by Constantine’s weaker forces, and Maxentius himself met his death while fleeing. The Christ impulse had worked its way into the subconscious of the people here.

[ 16 ] Der Impuls lebt im Unterbewußtsein so, wie wenn auf dem Meere Schiffe fahren, aber das Wichtige sich in Unterseebooten abspielen würde. Im 15. Jahrhundert ist wieder ein wichtiger Zeitpunkt. Damals griff die Jungfrau von Orleans so in den Gang der Geschichte ein, daß alles, was später geschehen ist, davon bestimmt wurde. Die ganze Karte von Europa wäre anders, auch das geistige Leben, wenn die Engländer gesiegt hätten. Die Jungfrau war ein Michaels-Diener. Schiller war tief berührt von der Gestalt der Jungfrau von Orleans: «Es liebt die Welt, das Strahlende zu schwärzen.» Während Voltaire Gift und Galle gegen sie spie, selbst Shakespeare sie nicht verstehen konnte, Anatole France sie ins materialistische Fahrwasser herabgedrückt hat, alle westlichen Geister sie nicht verstanden haben, hat Schiller diese hehre Gestalt in seinem Drama verkörpert.

[ 16 ] The impulse lives in the subconscious, just as if ships were sailing on the sea, but the important events were taking place in submarines. The 15th century marks another pivotal moment. At that time, the Maid of Orleans intervened in the course of history in such a way that everything that happened later was determined by it. The entire map of Europe would be different, as would intellectual life, had the English prevailed. The Maid was a servant of Michael. Schiller was deeply moved by the figure of the Maid of Orleans: “The world loves to blacken what shines.” While Voltaire spewed venom against her, even Shakespeare could not understand her, Anatole France dragged her down into materialistic waters, and all Western minds failed to grasp her, Schiller embodied this noble figure in his drama.

[ 17 ] Damit die Jungfrau von Orleans ihre historische Mission erfüllen konnte, war notwendig, daß sie eine Art unbewußter Initiation durchmachte. Es handelte sich dabei um eine Einweihung, wie sie uns in der Legende von Olaf Åsteson geschildert wird. Solche Einweihungen, für die bestimmte karmische Voraussetzungen vorliegen mußten, konnten in der Zeit der dreizehn Nächte zwischen dem 25. Dezember und dem 6. Januar erfolgen. Wenn das äußere Licht die geringste Stärke hat, ist eine innere Erleuchtung am ehesten möglich. So hatte Olaf Åsteson im Schlafzustand während der dreizehn Nächte reale geistige Erlebnisse, über die er dann, wie es in dem «’Traumlied» dargestellt ist, vor der Kirchentüre berichtet. Auch die Jungfrau von Orleans hat die dreizehn Nächte gewissermaßen im Schlafzustand zugebracht, nämlich im Leibe der Mutter. In der letzten Zeit vor der Geburt ist der Mensch unbewußten Einflüssen aus der geistigen Welt besonders zugänglich. Am 6. Januar wurde die Jungfrau von Orleans geboren. An diesem Tage lief die ganze Einwohnerschaft ihres Geburtsortes zusammen, weil etwas ganz Außergewöhnliches in der Aura des Dorfes zu spüren war. Es war die Geburt der Jungfrau von Orleans, der unmittelbar, bevor sie das physische Sonnenlicht erblickte, der Christus-Impuls eingepflanzt worden war.

[ 17 ] In order for the Maid of Orleans to fulfill her historic mission, it was necessary for her to undergo a kind of unconscious initiation. This was an initiation of the kind described to us in the legend of Olaf Åsteson. Such initiations, for which certain karmic prerequisites had to be met, could take place during the thirteen nights between December 25 and January 6. When the outer light is at its faintest, inner enlightenment is most likely to occur. Thus, during the thirteen nights, Olaf Åsteson had real spiritual experiences while asleep, which he then recounted at the church door, as depicted in the “Dream Song.” The Maid of Orleans, too, spent the thirteen nights in a state of sleep, so to speak, namely in her mother’s womb. In the final days before birth, a human being is particularly receptive to unconscious influences from the spiritual world. The Virgin of Orleans was born on January 6. On that day, the entire population of her birthplace gathered because something quite extraordinary could be sensed in the aura of the village. It was the birth of the Virgin of Orleans, into whom the Christ impulse had been implanted immediately before she beheld the physical sunlight.

[ 18 ] Das Lebendige des Zusammenhanges zwischen physischer und geistiger Welt sich zu erringen, ist das eigentliche Ziel aller unserer Bestrebungen und das, worauf es uns ankommt. Man wird erkennen, daß die Dämmerungszeit dieses Krieges eine Zeitenwende bezeichnet. Die Menschen sollen wissen, daß die Seelen derer, die sich geopfert haben, weiter wirken und daß dieser Krieg die Aufgabe hat, das materialistische Zeitalter abzuschließen.

[ 18 ] To grasp the living essence of the connection between the physical and spiritual worlds is the true goal of all our endeavors and what matters most to us. It will become clear that the twilight phase of this war marks a turning point in history. People should know that the souls of those who have sacrificed themselves continue to work, and that this war has the task of bringing the materialistic age to a close.

[ 19 ] Es ist notwendig, daß Seelen da sind, die wie sich entgegenstreckende Arme Gedanken in die geistige Welt hinaufsenden und das Bewußtsein von der geistigen Welt herabbringen, geistbewußte Seelen. Je mehr solche geistbewußte Seelen ihre Gedanken hinaufsenden — es ist viel davon abhängig, daß unsere geistige Atmosphäre von solchen Gedanken durchzogen wird —, desto mehr können die Früchte reifen, die aus den Todesopfern kommen. So fassen wir unsere Betrachtung in die Worte zusammen:

[ 19 ] It is necessary for there to be souls who, like outstretched arms, send thoughts up into the spiritual world and bring consciousness down from the spiritual world—souls who are spiritually conscious. The more such spiritually conscious souls send their thoughts upward—much depends on our spiritual atmosphere being permeated by such thoughts—the more the fruits arising from the sacrifices of death can ripen. Thus we summarize our reflection in the following words:

Aus dem Mut der Kämpfer,
Aus dem Blut der Schlachten,
Aus dem Leid Verlassener,
Aus des Volkes Opfertaten
Wird erwachsen Geistesfrucht
Lenken Seelen geistbewußt
Ihren Sinn ins Geisterreich.

From the courage of the fighters,
From the blood of the battles,
From the suffering of the forsaken,
From the sacrifices of the people
The fruit of the spirit grows
Guiding souls with spiritual awareness
Toward the realm of the spirit.