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The Mystery of Death
The Nature and Significance of Central Europe
and the European National Spirits
GA 159

19 June 1915, Cologne

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The Mystery of Death, tr. SOL
  1. Die Offenbarungen des Karma, 8th ed.

15. Die erkenntnisgemässe Überwindung des Todes Vorgeburtliche und nachtodliche Seelenerlebnisse unsere Verbindung mit den Toten

15. Overcoming Death through Insight: Pre- and Post-Mortem Experiences of the Soul and Our Connection with the Dead

[ 1 ] Vorgestern haben wir durch unsere Düsseldorfer Zweigbetrachtung ein wenig hingesehen auf dasjenige, was man im Zusammenhang des Lebens nennt den Durchgang des Menschen durch die Todespforte. Das ist es ja, worauf es ankommt, daß die abendländische Geistesentwickelung nach und nach mit einer Erkenntnis durchdringe, die gewissermaßen erkenntnisgemäß den Tod überwindet, überwindet dadurch, daß sie ihn als eine Verwandlung des Lebens selber erkennt.

[ 1 ] The day before yesterday, in our Düsseldorf lecture, we took a brief look at what is referred to in the context of life as the human being’s passage through the gate of death. That is precisely what matters: that Western spiritual development gradually be permeated by an insight that, in a sense, overcomes death through knowledge—overcomes it by recognizing it as a transformation of life itself.

[ 2 ] Es ist selbstverständlich, daß gerade in unserer von materialistischen Anschauungen durchzogenen Zeit der Tod immer mehr und mehr wie eine Grenze der Welt, die der Mensch durchlebt, erscheinen muß. Wir können uns leicht vorstellen, daß dies in älteren Zeiten wesentlich anders war; selbstverständlich anders war deshalb, weil, wie wir wissen, die Menschen in diesen älteren Zeiten durchaus noch eine Art von Überbleibsel von altem traumhaftem Hellsehen hatten. Dieses traumhafte Hellsehen war verbunden mit einem Darinstehen in der geistigen Welt. Und da in jenen Zeiten, in denen unsere Seelen in solchen Leibern verkörpert waren, dutch die noch ein hellsichtiges Darinstehen in den geistigen Welten möglich war, unsere Seelen mit der geistigen Welt zusammenhingen, so war ihnen damals der Tod kein bedeutungsvolles, kein so abschließendes Phänomen, wie er in unseren Zeiten ist. Aber das würde immer stärker werden, wenn in unsere Zeit nicht nach und nach diejenige Erkenntnis hereinkommen würde, die durch die Geisteswissenschaft erschlossen werden soll. Denn man soll nur ja nicht glauben, daß diese Geisteswissenschaft, die wir uns aneignen, nicht schon als Geisteswissenschaft selbst für das ganze Erleben des Menschen die allergrößte Bedeutung hat.

[ 2 ] It goes without saying that, especially in our age permeated by materialistic views, death must increasingly appear as a boundary of the world that human beings experience. We can easily form a mental image of what this was like in earlier times; it was quite different, of course, because, as we know, people in those earlier times still possessed a kind of remnant of an ancient, dreamlike clairvoyance. This dreamlike clairvoyance was connected with a presence in the spiritual world. And since in those times, when our souls were embodied in such bodies, a clairvoyant presence in the spiritual worlds was still possible, and our souls were connected to the spiritual world, death was not for them a significant, conclusive phenomenon as it is in our times. But this would become ever more pronounced if the insight to be gained through Spiritual Science were not gradually to enter our time. For one must certainly not believe that this Spiritual Science, which we are acquiring, does not already, as Spiritual Science itself, hold the greatest significance for the entire human experience.

[ 3 ] Gewiß, viele von uns werden sagen: Wir erstreben auf unserem Wege durch die geisteswissenschaftliche Bewegung zweierlei. Erstens: Dasjenige vernunftgemäß, verständig zu durchdringen, was uns die Geisteswissenschaft gibt. Zweitens: Dadurch, daß wir die geisteswissenschaftlichen Methoden auf unsere Seele anwenden, wie sie uns skizziert sind zum Beispiel in dem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», streben wir selber ein Hereinkommen in die Wahrnehmung der geistigen Welt schon während unserer physischen Verkörperung an. Aber es werden manche sagen: Ganz sicher nur einigen, nur ganz wenigen wird durch ihr Karma zugeteilt, in dieser Inkarnation vollbewußt in die geistige Welt hineinzukommen. Zwar käme in gewissem Sinne jeder und kommt auch jeder hinein, der diese Regeln nur anwendet; aber das zu bemerken, daß man darinnensteht, das Aufmerksamsein darauf ist schwieriger als das Hineinkommen selbst. Und da hindert gar manchen, wenn er auch schon wirklich darinsteht in der geistigen Welt, die Unmöglichkeit, jene feine, intime Aufmerksamkeit anzuwenden auf das, was er nun erlebt, um sich wirklich bewußt zu sein, wie er darinsteht. Man möchte sagen, für jeden, der die Regeln anwendet, die in dem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» gegeben sind, tritt nach verhältnismäßig kurzer Zeit das ein, daß er in der geistigen Welt mit seinem Selbst darinsteht, aber — er bemerkt es nicht. Gerade einer solchen Erwägung gegenüber muß immer wieder und wiederum betont werden, daß das vernünftige Verständnis desjenigen, was in der Geisteswissenschaft gegeben wird, gar nicht davon abhängt, ob man selber in die geistige Welt hineinschaut. Wir haben oft gesagt: Zum Hinstellen der Tatsachen der geistigen Welt gehört natürlich die geisteswissenschaftliche Anschauung. Wenn das Gefundene aber gegeben wird, kann es jeder verstehen, wenn er nur wirklich in unbefangener Weise seinen gesunden, nicht durch Vorurteile der äußeren materialistischen Welt getrübten Verstand anwendet. Wir müssen uns klar sein, daß es nicht schon genügt, wenn wir uns vornehmen oder einreden, wit seien ganz hinaus über die Vorurteile, welche das materialistische Zeitalter gibt. Gewiß, unserem Willen nach, unserer Sehnsucht nach werden wir über diese Vorurteile der materialistischen Zeit hinaus sein, wenn wir uns überhaupt im Ernst in die geisteswissenschaftliche Bewegung hineinbegeben. Denn im Grunde genommen wird sich niemand ehrlich und aufrichtig zu dieser geisteswissenschaftlichen Bewegung bekennen, der nicht im tiefsten Inneren von der Sehnsucht durchdrungen ist, über die materialistischen Vorurteile hinauszukommen. Aber in unseren Denkgewohnheiten haften sie ja so gründlich, diese materialistischen Vorurteile, und haftet besonders gründlich dasjenige, was nun nicht direkt materialistisches Vorurteil ist, was mit dem materialistischen Vorurteil aber zusammenhängt. Es hängt mit dem materialistischen Vorurteil, mit der ganzen materialistischen Weltanschauung zusammen, daß der Mensch in einer gewissen Weise kein umfassendes Denkvermögen entwickeln kann. So sehr unsere Zeit auch auf den Verstand und die Logik aus ist, so wenig ist eigentlich in unserer Zeit ein scharfer Verstand, eine scharfe Logik gerade das Eigentum derjenigen, die vielleicht an der Spitze der wissenschaftlichen oder sonst kulturellen Bestrebungen unserer Zeit gehen wollen.

[ 3 ] Certainly, many of us will say: On our journey through the Spiritual Science movement, we strive for two things. First: to penetrate, in a rational and intelligent way, what Spiritual Science offers us. Second: By applying the methods of Spiritual Science to our souls, as outlined for us, for example, in the book *How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?*, we ourselves strive to enter into the perception of the spiritual world even during our physical incarnation. But some will say: Certainly only a few, only a very small number, are granted by their karma the ability to enter the spiritual world fully consciously in this incarnation. Admittedly, in a certain sense everyone would enter—and indeed everyone does enter—who merely applies these rules; but to realize that one is already within it, to be attentive to it, is more difficult than the entry itself. And this is what prevents many—even if they are already truly within the spiritual world—from applying that subtle, intimate attention to what they are now experiencing, so as to be truly conscious of how they stand within it. One might say that for anyone who applies the rules given in the book *How to Attain Knowledge of the Higher Worlds*, it happens after a relatively short time that they stand within the spiritual world with their own self, but—they do not notice it. It is precisely in the face of such a consideration that it must be emphasized again and again that a rational understanding of what is presented in Spiritual Science does not depend at all on whether one looks into the spiritual world oneself. We have often said: Presenting the facts of the spiritual world naturally requires a spiritual-scientific perspective. But when what has been discovered is presented, anyone can understand it, provided they apply their sound intellect in an unbiased manner, unclouded by the prejudices of the external materialistic world. We must be clear that it is not enough merely to resolve or convince ourselves that we are completely beyond the prejudices of the materialistic age. Certainly, according to our will and our longing, we will rise above these prejudices of the materialistic age if we seriously engage with the Spiritual Science movement. For, fundamentally speaking, no one will honestly and sincerely commit to this Spiritual Science movement unless they are, in their deepest inner being, imbued with the longing to rise above materialistic prejudices. But these materialistic prejudices are so deeply ingrained in our habits of thought, and particularly ingrained is that which is not directly a materialistic prejudice but is connected to it. It is connected to the materialistic prejudice, to the entire materialistic worldview, that human beings, in a certain sense, cannot develop a comprehensive capacity for thought. As much as our age is focused on reason and logic, a sharp intellect and a sharp logic are actually not the exclusive domain of those who perhaps wish to lead the scientific or other cultural endeavors of our time.

[ 4 ] Die ganze Klarheit des Denkens strebt man in unserer Zeit gar nicht an, Würde man nämlich die Klarheit des Denkens voll anstreben, dann würde man auch schon die Geisteswissenschaft wirklich voll verstehen können. Wer ganz klar denkt, findet nirgend etwas einzuwenden gegen das, was Geisteswissenschaft vorzubringen hat — natürlich im großen und ganzen; denn in den Einzelheiten kann der Geisteswissenschafter ja irren, wie der Mensch überhaupt irren kann. Es könnten unzählige Beispiele vorgebracht werden, welche uns zeigen, wie wenig gerade unsere Zeit geneigt ist, klares, scharfes Denken anzuwenden.

[ 4 ] In our time, people do not strive for complete clarity of thought at all; for if they did strive fully for clarity of thought, they would already be able to truly understand Spiritual Science in its entirety. Anyone who thinks with complete clarity finds nothing to object to in what Spiritual Science has to offer—on the whole, of course; for in the details, the spiritual scientist can indeed err, just as human beings can err in general. Countless examples could be cited to show us how little our time is inclined to apply clear, sharp thinking.

[ 5 ] Ich möchte Ihnen nur ein Beispiel aus unseren Tagen angeben. Man hat es immer wiederum lesen können als ein sehr gebräuchliches Urteil eines wirklich großen Mannes, eines sehr bedeutenden Menschen. Dieses Urteil ist nachgesprochen worden, und einer der deutschen Publizisten hat sich ganz besonders groß damit getan, daß er dieses Urteil immer wieder vorgebracht hat. Ein großer Mann hat also einmal gesagt, der Krieg sei die Fortsetzung der Politik mit andern Mitteln. Und das kommt manchem Denker, der gerade so recht im Sinne unserer Zeit denkt, so unendlich logisch vor: Der Krieg ist eine Fortsetzung der Politik. Selbstverständlich soll gegen die Größe des Mannes, der den Ausspruch getan hat, nichts eingewendet werden. Er meint damit, die Völker untereinander führen eine gewisse Politik, dadurch ordnen sie ihre Angelegenheiten untereinander; wenn diese Politik nun an einem Punkte angekommen ist, wo sie sozusagen nicht mehr weiter kann, dann — nun ja, was dann? — dann setzt eben der Krieg die Politik fort. In diesem Sinne kann das Urteil aller Menschen berechtigt sein und unmittelbar anerkannt werden. Aber wenn man ein wenig denkt, so kommt man darauf, wie einseitig zumeist ein solches Urteil ist. Denn dieses Urteil ist ja ganz gleichlautend damit, daß man zum Beispiel sagt: Da sind zwei Leute, die befreundet sind oder in einem andern Verhältnis sind, die sich immer gut vertragen haben, sich vielleicht unendlich geliebt haben, und die dann anfangen, sich zu zanken. Dann könnte man auch sagen: Der Zank ist die Fortsetzung der Liebe. Äußerlich betrachtet ist der Zank die Fortsetzung der Liebe. Aber über das Wesen des Zankes wird man nichts Besonderes ausgemacht haben, wenn man das weiß, daß dieser Zank die Fortsetzung der Liebe ist. So hat man selbstverständlich nichts ausgerichtet, man hat nicht das Allergeringste ausgesagt über den Krieg, wenn man ihn so ansieht, daß man sagt: Der Krieg ist die Fortsetzung der Politik. Es ist tatsächlich so, daß unserer heutigen Zeit Urteile ungeheuer bedeutsam erscheinen können, die doch eigentlich recht einseitige Urteile sind. Manches Urteil wird heute sehr geschätzt, das über das Wesen der betreffenden Sache nichts Besonderes ausmacht. Trotzdem braucht ein solches Urteil aber nicht immer fruchtlos zu sein. Es kann sogar eine sehr fruchtbare Bedeutung haben. Aber diejenigen, die sich zu unserer Weltanschauung bekennen, sollen ein wenig den Schleier der Maja auch mit Bezug auf das äußere Leben durchdringen. Selbstverständlich soll nicht im geringsten irgendwie gegen das Urteil, das nun heute in jeder dritten Zeitungsspalte steht, etwas eingewendet werden, denn es ist ein fruchtbares Urteil, aber mit der Richtigkeit des Urteils würde man doch sonderbare innere Erfahrungen machen, wenn man ihn mit einem klaren Denken prüfen wollte. So ist es auch, wenn heute fast in jeder Zeitungsspalte steht: Wir werden siegen, weil wir siegen müssen! — Wie gesagt, gegen die Berechtigung dieses Urteils, gegen die Fruchtbarkeit und den Wert dieses Urteils soll nichts eingewendet werden; aber wenn jemand, der vor einem Strom steht und über den Strom hinüber muß, sagt: Ich werde schwimmen, weil ich schwimmen muß —, so hängt die Richtigkeit des Urteils davon ab, daß er schwimmen kann. Und man kann in diesem Falle durchaus mit einem klaren Denken die Richtigkeit des Urteils eines Nichtschwimmers bezeugen: Ich will hinüberschwimmen, weil ich schwimmen muß. Was hat solch ein Urteil für einen Wert? O es hat einen großen Wert, denn es gibt Kräfte, es gibt Mut und Zuversicht, es durchdringt den Willen; es ist ein den Willen anspornendes Urteil. Es ist nicht ein Urteil, das etwas erkennt, sondern wodurch der Wille gestählt wird. Dadurch ist das Urteil bedeutsam und wichtig. Mißverstehen Sie solche Dinge nicht. Sie sollen angeführt werden, um zu zeigen, daß ein klares, die Dinge durchschauendes Denken doch noch etwas anderes ist als dasjenige, was so oft geltend gemacht wird dafür. In unserer Zeit sind die materialistischen Denkgewohnheiten einmal außerordentlich groß und stark.

[ 5 ] I would like to give you just one example from our own time. It has often been cited as a very common statement by a truly great man, a very significant figure. This statement has been repeated, and one German journalist has made a particular point of bringing it up time and again. A great man once said, then, that war is the continuation of politics by other means. And to many a thinker who thinks precisely in the spirit of our times, this seems so infinitely logical: War is a continuation of politics. Of course, nothing is to be said against the greatness of the man who uttered this statement. What he means is that nations conduct a certain kind of politics among themselves, thereby settling their affairs; when this politics has reached a point where it can, so to speak, go no further, then—well, what then?—then war simply continues politics. In this sense, the statement can be justified for everyone and immediately accepted. But if one thinks about it a little, one realizes how one-sided such a judgment usually is. For this judgment is, after all, entirely equivalent to saying, for example: There are two people who are friends or in some other relationship, who have always gotten along well, who may have loved each other infinitely, and who then begin to quarrel. Then one could also say: The quarrel is the continuation of love. Viewed from the outside, the quarrel is the continuation of love. But one will not have discerned anything specific about the nature of the quarrel if one merely knows that this quarrel is the continuation of love. So, of course, one has achieved nothing; one has not said the very least about war if one views it in such a way that one says: War is the continuation of politics. It is indeed the case that in our time, judgments can appear immensely significant that are actually quite one-sided judgments. Many judgments are highly valued today that reveal nothing special about the nature of the matter in question. Nevertheless, such a judgment need not always be fruitless. It can even have a very fruitful significance. But those who profess our worldview should penetrate the veil of maya a little, even with regard to external life. Of course, there is not the slightest objection to be raised against the judgment that now appears in every third newspaper column, for it is a fruitful judgment; yet, regarding the correctness of this judgment, one would have strange inner experiences if one were to examine it with clear thinking. So it is also when almost every newspaper column today proclaims: We will triumph, because we must triumph! — As I said, nothing is to be objected to regarding the validity of this judgment, regarding the fruitfulness and value of this judgment; but if someone standing before a river and needing to cross it says: I will swim because I must swim—then the correctness of the judgment depends on the fact that he can swim. And in this case, one can certainly, with clear thinking, attest to the correctness of a non-swimmer’s judgment: I will swim across because I must swim. What value does such a judgment have? Oh, it has great value, for it gives strength, it gives courage and confidence, it permeates the will; it is a judgment that spurs the will on. It is not a judgment that recognizes something, but one through which the will is steeled. This is what makes the judgment significant and important. Do not misunderstand such things. They are cited to show that clear, penetrating thinking is, after all, something other than what is so often claimed to be it. In our time, materialistic habits of thought are exceptionally widespread and strong.

[ 6 ] Am meisten aber wird unser Urteil dann getrübt, wenn wir uns darauf einlassen sollten, dasjenige zu prüfen in unserem Urteil, was der Geisteswissenschafter sagt. Es ist einmal so, daß alles dasjenige, was der Geisteswissenschafter sagt, auch wenn man nie einen Blick in die geistige Welt gemacht hat, eingesehen werden kann, wenn man ein wirklich gesundes, richtiges Denken anwendet. Es gibt keinen Menschen, der, auch ohne hellsichtig zu sein, wenn er nur ein gesundes Urteil hat, Gegner der Geisteswissenschaft sein müßte. Gegner der Geisteswissenschaft zu sein, dafür gibt es tatsächlich ganz andere Gründe in der Natur des Menschen, der Seele des Menschen. Einer dieser Gründe ist vor allen Dingen der folgende.

[ 6 ] But our judgment is clouded most of all when we try to evaluate in our own minds what the person who studies Spiritual Science says. The fact is that everything the Spiritual Science scientist says can be understood—even if one has never cast a glance into the spiritual world—provided one applies truly sound, correct thinking. There is no person who, even without being clairvoyant, would have to be an opponent of Spiritual Science if they only possess sound judgment. There are, in fact, entirely different reasons for being an opponent of Spiritual Science, rooted in the nature of the human being, in the human soul. One of these reasons is, above all, the following.

[ 7 ] Wenn der Mensch in der physischen Welt mit seinem Wahrnehmen darinsteht, dann kommt ihm zu diesem Wahrnehmen in der physischen Welt immer zu Hilfe die Unterstützung seines physischen Leibes, seines Ätherleibes, auch seines astralischen Leibes. Diese — der physische Leib, der Ätherleib, der Astralleib — sind lange im Weltengang darinnen gewesen, durch die Saturn-, Sonnen- und Mondenzeit, und sind aus den Kräften der göttlichen Hierarchien dem Menschen auferbaut worden. Sie sind heute das, was sie in der Vergangenheit geworden sind. Der Mensch wird hineinversetzt, wenn er sein physisches Dasein in der Welt betritt, in dasjenige, was ihm durch lange Zeiten hindurch vorbereitet worden ist. Das alles unterstützt ihn, wenn er in der physischen Wahrnehmung darinsteht. Jedesmal, wenn wir eine Wahrnehmung machen, eine Vorstellung uns bilden, wird nämlich ein Abdruck in unseren physischen Leib gemacht. Wir wissen nichts davon, aber dieser Abdruck im physischen Leibe geschieht. Und daß er geschieht, das ist der Grund, warum wir während des physischen Lebens ein Gedächtnis haben. Man muß sich diese Sache nur richtig vorstellen. Stellen wir die Frage: Warum haben wir ein Gedächtnis im physischen Leben? — da müssen wir sagen: Jedesmal, wenn wir eine Vorstellung bilden, wird ein Eindruck auf den physischen Leib gemacht. Dieser Eindruck ist sogar mehr oder weniger menschenähnlich. Jede Vorstellung, die wir uns bilden, macht nicht nur, wie der materialistisch-phantastisch Denkende meint, da oder dort im Gehirn einen Eindruck, sondern auf den ganzen Menschen macht jede Vorstellung einen Eindruck. Und mit Bezug auf eine Art Nachformung des Kopfes und noch sogar des oberen Teiles der Brust des Menschen, liefert wirklich jede Vorstellung, die wir uns bilden, einen Abdruck. Es ist wirklich war: Wenn ich jetzt zu Ihnen spreche, in der Minute vielleicht hundert Silben, so haben Sie während dieser Minuten rasch hintereinander fünfzig Menschen in sich gebildet, jedoch fünfzig Menschenbilder rasch weggeschafft, das eine wechselt rasch mit dem andern ab. Nun, Sie können sich denken, wie viele solche Menschenbilder Sie in sich gebildet haben, wenn die Stunde der Betrachtung vorüber ist. Diese Menschenbilder sind mehr oder weniger gleich in ihrer äußeren Gestalt, aber doch wiederum ungleich; keines ist dem andern vollständig gleich. Jedes ist von dem andern verschieden, wenn auch eben nur etwas verschieden. Es ist eine kindliche Vorstellung, wenn etwa jemand glauben wollte, daß, wenn er jetzt einen Eindruck der Außenwelt hat und sich morgen daran erinnert, dieser Eindruck in irgendeiner Form in ihm gesessen habe. Er hat gar nicht gesessen, sondern ein Bild, das menschenähnlich ist, ist in dem Menschen geblieben. Wirklich, von jedem Eindruck der Außenwelt bleibt ein Bild, das menschenähnlich ist. Und wenn Sie sich morgen wieder an den Eindruck erinnern, dann versetzen Sie Ihre Seele in dieses Menschenbild, das in Ihnen ist. Und der Grund, warum Sie morgen nicht dieses Menschenbild sehen, sondern sich an den Eindruck erinnern, ist der, daß Sie in Ihrem Astralleib lesen. Es ist eine richtige Lesetätigkeit, eine unterbewußte Lesetätigkeit; geradeso wie wenn Sie irgend etwas aufschreiben und später lesen wollen, Sie nicht die Buchstaben beschreiben, sondern das, was die Buchstaben bedeuten, so ist es morgen, wenn Sie sich an das heute Erlebte erinnern. Sie schauen nicht das Bild an, das in Ihnen entstanden ist, das Menschenphantom, das da in Ihnen lebt, sondern Sie deuten es. Sie versetzen sich in der Seele in dieses Menschenphantom, und Ihre Seele erlebt etwas ganz anderes als dieses Menschenphantom. Sie erlebt dasjenige, was sie gestern erlebt hat, noch einmal. Gar so sehr zu wundern braucht sich der Mensch darüber nicht, denn wenn Sie heute Goethes «Faust» lesen — was haben Sie in ihm vor sich? So und so viel bloßes Papier und Druckerschwärze in einer beliebigen Form. Das ist äußerlich materiell der ganze «Faust». Und Sie würden niemals den Goetheschen «Faust» haben, wenn Sie nicht seelenhaft irgend etwas hantieren könnten mit dem, was Sie an Papier und Druckerschwärze vor sich haben. Wenn Sie das nicht entziffern könnten, so wäre es eben Papier und Druckerschwärze. Mit Bezug auf die äußere Welt debattieren fortwährend die Materialisten, daß dasjenige, wovon der Geisteswissenschafter sagt, daß es auch da ist, eben nicht da sei.

[ 7 ] When a human being stands in the physical world with their perception, their perception in the physical world is always aided by the support of their physical body, their etheric body, and also their astral body. These—the physical body, the etheric body, the astral body—have long been present in the course of the world’s history, through the Saturn, Sun, and Moon eras, and have been built up for the human being from the forces of the divine hierarchies. They are today what they have become in the past. When a human being enters physical existence in the world, they are placed into that which has been prepared for them over long ages. All of this supports them as they stand within physical perception. For every time we perceive something or form a mental image, an imprint is made in our physical body. We are unaware of it, but this imprint in the physical body does occur. And the fact that it occurs is the reason why we have a memory during physical life. One must only picture this matter correctly. Let us ask the question: Why do we have a memory in physical life? — then we must say: Every time we form a mental image, an impression is made on the physical body. This impression is even more or less human-like. Every mental image we form does not merely, as the materialistic-fantastical thinker believes, make an impression here or there in the brain, but every mental image makes an impression on the whole human being. And with regard to a kind of re-forming of the head and even the upper part of the human chest, every mental image we form truly leaves an imprint. It is truly so: If I am speaking to you now—perhaps a hundred syllables in a minute—then during these minutes you have rapidly formed fifty human beings within yourself, yet you have just as rapidly dispelled fifty human images, one swiftly alternating with the other. Now, you can imagine how many such human images you have formed within yourself by the time the hour of contemplation is over. These human images are more or less alike in their outward form, yet at the same time unequal; none is completely alike to the other. Each is different from the other, even if only slightly so. It is a childish mental image to believe that if one has an impression of the external world now and remembers it tomorrow, that impression has remained within one in some form. It has not remained at all; rather, an image that is human-like has remained within the person. Truly, from every impression of the external world, an image remains that is human-like. And when you recall the impression again tomorrow, you place your soul into this human image that is within you. And the reason why you do not see this human image tomorrow, but rather recall the impression, is that you are reading within your astral body. It is a genuine act of reading, a subconscious act of reading; just as when you write something down and want to read it later, you do not describe the letters but what the letters mean—so it is tomorrow when you recall what you experienced today. You do not look at the image that has arisen within you, the human phantom that lives there, but you interpret it. You put yourself in the soul of this human phantom, and your soul experiences something quite different from this human phantom. It experiences once again what it experienced yesterday. One need not be all that surprised by this, for when you read Goethe’s “Faust” today—what do you have before you? Just so much paper and ink in some arbitrary form. That is, outwardly and materially, the whole of “Faust.” And you would never have Goethe’s “Faust” if you could not, in a soulful way, do something with what you have before you in the form of paper and ink. If you could not decipher it, it would simply be paper and ink. With regard to the external world, materialists constantly argue that what the Spiritual Science scholar says is there is, in fact, not there.

[ 8 ] Aber diese Materialisten sind so gescheit, wie ein Mensch gescheit wäre, der sagen würde: Was redest du uns da vor von dem Goetheschen «Faust», er ist gar nicht da, da ist ja nur Papier und Druckerschwärze! — Dieses Urteil über den «Faust» ist ganz das gleiche wie das Urteil, das heute die Materialisten über die Welt fällen. Aber so ist es auch mit unseren Erinnerungen. Morgen ist nichts da in unseren Menschenwesen von einem Eindruck von heute als das Phantom, das Abbild, und alles übrige muß die Arbeit der Seele an diesem Phantom besorgen. Und so wie aus dem Papier und der Druckerschwärze in unserer Seele das ganze Gewebe des Goetheschen «Faust» herauftaucht, so taucht aus dem, was als Phantom in uns geblieben ist, dasjenige herauf, was eine Wiederbelebung des heutigen Eindrucks ist, wenn wir uns morgen daran erinnern. Aber diese Tätigkeit, die ausgeführt werden muß, damit wir uns erinnern können, führt für uns dasjenige aus, was durch Saturn-, Sonnen- und Mondenzeit vorbereitet ist, die führt unser so wunderbar gestalteter physischer Leib, dann unser ätherischer Leib aus. Sie gestalten, sie tun das für uns. Und das verspürt, das empfindet: der materialistisch denkende Mensch. Nun denken Sie, die geistigen Wahrheiten, die gewonnen werden, werden ja ohne diese Hilfe so gewonnen, daß die Hilfe des äußeren physischen Leibes nicht in Anspruch genommen wird. Da müssen die Kräfte, die sonst im äußeren Leibe arbeiten, vom Inneren der Seele herkommen; da muß aus dem Seelischen heraus gearbeitet werden. Wenn man eine geistige Anschauung hat, die nicht durch die äußere Welt zustande gebracht ist, dann können wir nicht, wenn wir uns an sie erinnern wollen, uns in ein inneres Phantom versetzen, das geblieben ist; das ist ja im Leibe. Da müssen wir durch eine viel stärkere Kraft, ohne diese Unterstützung, die ganze Sache vom Inneren heraus wiederum erarbeiten, richtig erarbeiten. Also auch das ist nichts besonders Wunderbares. Denn denken Sie einmal bloß an den Unterschied, wie er die Sache, die ich jetzt meine, im Kleinen abspiegelt. Nehmen Sie an, jemand liest heute ein Gedicht, und dieses Gedicht, das er heute gelesen hat, hebt er sich gedruckt bis morgen auf. Dann kann er es morgen wieder ablesen, übermorgen wieder. Aber nehmen wir an, er hebt es sich nicht auf, dann muß er es aus dem Gedächtnis wiederum sagen. Sie sehen den Unterschied: Das eine Mal tun wir gewissermaßen etwas, womit wir nichts zu tun haben; was wir sonst tun müßten, trägt von der einen Zeit in die andere das äußere Papier herüber; wir haben eine Stütze an dem Papier. Wir müssen uns mehr anstrengen, wenn wir das Gedicht aus der Seele wieder konstruieren. So muß sich derjenige, der in der geistigen Welt lebt, innerlich mit seinem Willen mehr anstrengen als der, welcher sich auf die Unterstützung seines Leibes verläßt. Das aber hängt damit zusammen, daß alles dasjenige, was im Geisteswissenschaftlichen errungen wird, ja, was nur verstanden werden soll, überhaupt ein großes seelisches Anstrengen fordert. Man kann viel träger, fauler sein, wenn man Materialist ist, als wenn man Geisteswissenschafter ist. Und dieses ist der Grund, warum die Menschen Materialisten sind, oder wenigstens einer der Gründe. Sie sind nicht Materialisten aus dem Grunde, weil sie ihrerseits durch eine Logik dazu gezwungen werden, sondern sie sind Materialisten aus Furcht, aber auch aus Trägheit, weil sie wollen, daß alles dasjenige, was da sich abspielt in der Seele, sich nicht durch die inneren Kräfte der Seele abspielt, sondern sich abspielt durch das, was im Leibe geschrieben ist, was da aufgezeichnet wird. Das sind Dinge, die wir durchaus bedenken müssen, wenn wir die Gründe einsehen wollen, warum so mancher ein Gegner der Geisteswissenschaft ist. Vor allen Dingen aber ist es schwierig, mit dem Denken dann ganz zurechtzukommen, wenn etwas erreicht werden soll, was der Mensch dennoch erreichen muß, wenn er durch die Pforte des Todes schreitet.

[ 8 ] But these materialists are as clever as a person who would say: What are you talking about with this Goethean *Faust*? It doesn’t even exist—there’s nothing but paper and ink! — This judgment about “Faust” is exactly the same as the judgment materialists pass on the world today. But it is the same with our memories. Tomorrow, nothing remains in our human beings of today’s impression except the phantom, the image, and everything else must be accomplished by the soul’s work on this phantom. And just as the entire fabric of Goethe’s *Faust* emerges in our soul from the paper and ink, so too does that which is a revival of today’s impression emerge from what has remained within us as a phantom when we recall it tomorrow. But this activity, which must be carried out so that we can remember, is performed for us by what has been prepared through the Saturn, Sun, and Moon periods; it is carried out by our so wonderfully formed physical body, then by our etheric body. They shape it, they do this for us. And what senses this, what feels this: the materialistically thinking human being. Now consider this: the spiritual truths that are gained are, after all, gained without this aid, in such a way that the aid of the outer physical body is not called upon. There, the forces that otherwise work in the outer body must come from within the soul; there, the work must be done from the soul itself. If one has a spiritual insight that has not been brought about by the external world, then, if we wish to recall it, we cannot place ourselves within an inner phantom that has remained; for that is, after all, in the body. There we must, through a much stronger power and without this support, work out the whole matter anew from within, work it out correctly. So that, too, is nothing particularly wondrous. For just think of the difference, how it reflects the matter I am now referring to on a small scale. Suppose someone reads a poem today, and this poem, which he has read today, he keeps in printed form until tomorrow. Then he can read it again tomorrow, and the day after tomorrow. But suppose they don’t keep it; then they must recite it from memory again. You see the difference: in one instance, we are, so to speak, doing something that has nothing to do with us; what we would otherwise have to do is carried over from one moment to the next by the external paper; we have a support in the paper. We have to exert ourselves more when we reconstruct the poem from the soul. Thus, the one who lives in the spiritual world must exert himself more inwardly with his will than the one who relies on the support of his body. But this is connected to the fact that everything that is achieved in Spiritual Science—indeed, everything that is merely to be understood—demands a great deal of mental effort in the first place. One can be much more sluggish and lazy as a materialist than as a person involved in Spiritual Science. And this is the reason why people are materialists, or at least one of the reasons. They are not materialists because they are compelled to it by logic, but they are materialists out of fear, and also out of laziness, because they want everything that takes place in the soul not to be brought about by the soul’s inner forces, but rather by what is inscribed in the body, by what is recorded there. These are things we must certainly take into account if we wish to understand the reasons why so many are opponents of Spiritual Science. Above all, however, it is difficult to come to terms with thinking when something is to be achieved that a human being must nevertheless achieve when he passes through the gate of death.

[ 9 ] Ich habe schon vorgestern darauf hingedeutet, was das Wesentliche für das Durchschreiten der Todespforte ist: Das ist die Selbsterkenntnis. Nun ist selbstverständlich diese Selbsterkenntnis keineswegs etwas so ganz Leichtes. Einige von Ihnen haben ja schon gehört, wie ich darüber gesprochen habe, wie selbst mit Bezug auf die äußere Gestalt die Menschen sehr häufig dem größten Irrtum unterliegen. Da ist ein jetzt oftmals genannter Philosoph, der in Wien gelebt hat, Mach, ich meine nicht den Hamburger Theosophiebeschimpfer Maack, sondern Ernst Mach, den ernst zu nehmenden Philosophen. Der hat eine «Analyse der Empfindungen» geschrieben. Darin sagt er mit großer Naivität das Folgende: Ich ging einmal auf der Straße; plötzlich mußte ich einhalten, denn es begegnete mir ein Mensch, und ich dachte: Das ist aber ein Mensch mit einem sehr unsympathischen Gesicht, ja, mit einem unerträglichen Gesicht. Und siehe da, ich entdecke, daß ich an einer Spiegelscheibe vorübergegangen war, und die Spiegel hingen so, daß ich mich selbst gesehen hatte. Da wurde ich darauf aufmerksam, wie wenig ich mit meiner eigenen Gestalt bekannt war. — Als er sich selbst sah, hielt er sich also für einen unsympathischen Menschen mit einem unerträglichen Gesicht. Das ist ein Philosophieprofessor, ein berühmter Professor der Gegenwart. Und um dasjenige, was ihm so passiert ist, noch zu bekräftigen, fügt er noch etwas anderes hinzu: Als er schon lange Professor war, fuhr er eines Tages mit der Eisenbahn, kam sehr müde in einer Stadt an und bestieg dort einen Omnibus. Da sah er auf der andern Seite auch einen Mann einsteigen, und er dachte: Da steigt aber ein herabgekommener Schulmeister ein! — Dann sah er aber, daß auf der Gegenseite wieder ein Spiegel hing, und er entdeckte, daß er sich selbst als herabgekommenen Schulmeister bezeichnet hatte. Er macht darauf aufmerksam, daß er, wie er sagt, den Gattungstypus genauer kannte als seine Spezialgestalt.

[ 9 ] I already hinted at this the day before yesterday: what is essential for passing through the gate of death is self-knowledge. Now, of course, this self-knowledge is by no means an easy thing. Some of you have already heard me speak about how, even with regard to outward appearance, people very often fall into the greatest error. There is a philosopher who is often mentioned these days, who lived in Vienna—Mach. I do not mean the Hamburg-based critic of theosophy, Maack, but Ernst Mach, the philosopher who should be taken seriously. He wrote an “Analysis of Sensations.” In it, he says the following with great naivety: I was walking down the street one day; suddenly I had to stop, because I encountered a person, and I thought: But this is a person with a very unsympathetic face, indeed, with an unbearable face. And lo and behold, I discovered that I had walked past a mirror, and the mirrors were hung in such a way that I had seen myself. Then I realized how little I was acquainted with my own appearance. — When he saw himself, he thus considered himself an unsympathetic person with an unbearable face. This is a professor of philosophy, a famous contemporary professor. And to further underscore what happened to him, he adds something else: When he had already been a professor for a long time, he was traveling by train one day, arrived very tired in a city, and boarded a bus there. There he saw a man getting on from the other side, and he thought: But there goes a run-down schoolteacher getting on! — But then he saw that there was a mirror hanging on the opposite side, and he realized that he had described himself as a down-and-out schoolteacher. He points out that, as he says, he knew the generic type better than its specific form.

[ 10 ] Nun, ist es schon so schwierig, sich selber zu erkennen in bezug auf das Äußere des Menschen — bei Damen ist es vielleicht leichter, weil sie öfter in den Spiegel schauen —, so ist es noch ganz anders, wenn es auf das Seelische ankommt. Da gibt es kaum eine andere Möglichkeit für unseren Zeitenzyklus, sich selbst zu erkennen, als sich die Erkenntniskräfte durch dasjenige zu schärfen, was wir in der Geisteswissenschaft aufnehmen können. Die Begriffe, die Vorstellungen, die wir durch die Geisteswissenschaft aufnehmen, sind gerade im besten Sinne geeignet, unsere Selbsterkenntnis zu schärfen. Auf das Selbsterkennen im allgemeinen ist ja im Grunde genommen alles veranlagt, was wir durch das Buch «Die Geheimwissenschaft im Umriß» in uns aufnehmen. Alle die Vorstellungen, die wir durch dieses Buch aufnehmen, laufen eigentlich darauf hinaus, uns selber zu erkennen, zu wissen, was der Mensch eigentlich ist. Indem wir studieren, wie der menschliche physische Leib, der Ätherleib, der Astralleib nach und nach durch Saturn-, Sonnen- und Mondenentwickelung geworden sind, lernen wir das kennen, was in uns ist. Und dadurch, daß wir so im allgemeinen kennenlernen, was in uns ist, werden unsere Vorstellungskräfte geschärft, um uns auch im Speziellen viel bessert, als es sonst irgend möglich ist, zu erkennen.

[ 10 ] Now, if it is already so difficult to recognize oneself in terms of one’s outward appearance—perhaps it is easier for women, since they look in the mirror more often—it is quite a different matter when it comes to the soul. There is hardly any other way for our present age to gain self-knowledge than by sharpening our powers of insight through what we can absorb from Spiritual Science. The concepts and mental images we take in through Spiritual Science are, in the best sense, precisely suited to sharpening our self-knowledge. In fact, everything we take in through the book *Outline of Esoteric Science* is fundamentally geared toward self-knowledge in general. All the mental images we absorb through this book actually boil down to knowing ourselves, to knowing what the human being actually is. By studying how the human physical body, the etheric body, and the astral body have gradually come into being through Saturn, Sun, and Moon evolution, we come to know what is within us. And by coming to know in this general way what is within us, our powers of imagination are sharpened, enabling us to perceive specific details far better than would otherwise be possible.

[ 11 ] Inwiefern hat nun diese Selbsterkenntnis eine Bedeutung für den Moment des Todes? Solange wir hier im physischen Leibe verweilen, ist Selbsterkenntnis eben Erkenntnis. Wenn wir aber durch die Pforte des Todes gehen, verwandelt sich alles, was wir uns als Selbsterkenntnis angeeignet haben, in Willenskräfte. Je besser wir uns selbst erkennen, desto stärker wird eine Art von Willenskraft gerade dann, wenn wir den physischen Leib abgelegt haben. Nehmen wir zum Beispiel einmal an, wir haben hier eingesehen, wir waren in bezug auf gewisse Dinge, sagen wir, ein heftiger Mensch. Nun, Sie wissen, wie schwierig es ist, uns im physischen Leben ganz und gar umzuformen, etwa die Heftigkeit, wenn wir sie auch einsehen, wirklich abzulegen. Aber in dem Augenblick, wo wir den physischen Leib ablegen, wo wir nur wissen: Du warst heftig —, wird das zum Willen. Und dieser Wille richtet sich darauf, aus unserem Wesen die Heftigkeit auszuschalten. Jedes Erkenntnisurteil wird, indem wir durch die Pforte des Todes gehen, ein Willensurteil; es wird eine Willenskraft. Und da tritt dann etwas sehr Bedeutsames ein, das wir in gewissem Sinne nennen können die Umkehrung von etwas, was vor der Geburt des Menschen erlebt wird, was aber vergessen wird, weil der Mensch nicht zurückschauen kann in die Zeiten, die er vor seiner Geburt durchgemacht hat. Denken wir uns aber, der Mensch könnte jetzt schon dasjenige, was er im Jupiterdasein entwickeln wird: Wenn er sich aus der geistigen Welt heraus allmählich anschickt, wiederum zu einer Inkarnation zu kommen, so würde er in höchst merkwürdiger Weise etwas erleben wie ein Hinblicken auf seine künftige Gestalt, sein künftiges Leben. Er würde wirklich auch etwas von seiner physischen Gestalt schauen. Aber gerade das eine würde er niemals durchdringen in dieser physischen Gestalt, was ihm darin wie zwei Punkte vorkommen würde. Denken wir uns, wir würden, wenn wir zur Geburt schreiten, gleichsam wie in einem Nebel unsere physische Gestalt vor uns schwindend haben. Wir würden es wie Licht sehen, aber da darin würden wir undurchdringliche, finstere Punkte, finstere Kugeln sehen, auch noch manches andere, aber eben auch diese finsteren Kugeln. Lange bevor der Mensch seiner physischen Geburt zuschtreitet, sieht er — gleichsam in der Zeit, nicht im Raume — vor sich: Das wirst du! Und er sieht gewissermaßen schon, wie aus dem Wesen der Geister der Form heraus sich seine Physis formt. Diese erscheint ihm mehr oder weniger als eine Lichtgestalt, aber darin wie schwebend zwei finstere Kugeln. Wenn der Mensch nun entgegenlebt dem physischen Leben, dann tut er dies teilweise schon im Leibe der Mutter; da nimmt er gewisse Kräfte aus dieser Umgebung auf, die dann die Mutter bildet. Er fühlt sich allmählich verbunden mit dieser Lichtgestalt, und dann fühlt er, als ob er insbesondere in diesen zwei Kugeln darinstecken würde. Vorher sind sie ihm wie undurchdringlich erschienen, jetzt ist er selbst darin und fühlt dann die Kräfte, die ihm von allen Seiten her kommen, die gehen in ihn hinein. Dann durchsticht er diese zwei Kugeln, den Raum der Kugeln; der Raum verliert seine Undurchdringlichkeit. Und das sind die Stellen, wo dann später die Augen sind. Wenn man sich so der physisch-irdischen Inkarnation nähert, so ist dasjenige, was man gerade nicht sieht, was aber bewirkt, daß wir sehen, die Augen. Sie sind wie undurchdringliche Kugeln, denen wir entgegenleben. Dann durchdringt man sie in der letzten Phase, bevor man die physische Welt betritt. Würde man das bewußt durchleben, so wäre das eigentlich ein wunderbares Phänomen. Denken Sie sich, wie man sich, herauswandelnd aus der geistigen Welt in die physische Welt hinein, sagt: Jetzt gehst du mit deiner Seele dieser physischen Gestalt entgegen. Du wirst da zwei finstere Kugeln finden. Die kannst du mit deinem jetzigen Seelensehen nicht durchschauen; das ist ganz voll von geistiger Substanz! — Dann bekommt man die Kraft, das zuerst geistig Undurchsichtige durchsichtig zu machen. Und wenn man dann, wie man sagt, «das Licht der Welt erblickt», dann sind diese Räume, die undurchsichtig waren, gerade der Grund, warum man sieht. Die Augen kann man nicht selber sehen; würde man sie sehen, so würde man die Welt nicht sehen.

[ 11 ] To what extent does this self-knowledge have significance for the moment of death? As long as we remain here in the physical body, self-knowledge is simply knowledge. But when we pass through the gate of death, everything we have acquired as self-knowledge is transformed into forces of the will. The better we know ourselves, the stronger a certain kind of willpower becomes precisely when we have shed the physical body. Let us suppose, for example, that we have realized here that we were, in regard to certain things, let us say, a violent person. Now, you know how difficult it is to completely transform ourselves in physical life—to truly shed that vehemence, even if we recognize it. But the moment we shed the physical body, the moment we simply know: “You were vehement”—that becomes will. And this will is directed toward eliminating that vehemence from our being. Every judgment of knowledge becomes, as we pass through the gate of death, a judgment of will; it becomes a force of will. And then something very significant occurs, which we can in a certain sense call the reversal of something experienced before the birth of the human being, but which is forgotten because the human being cannot look back on the times he lived through before his birth. But let us imagine that the human being could already now experience what he will develop in his Jupiter existence: When he gradually prepares himself from the spiritual world to come into incarnation once more, he would experience, in a most remarkable way, something like a glimpse of his future form, his future life. He would indeed also see something of his physical form. But there is one thing in particular that he would never be able to penetrate in this physical form, which would appear to him as two points. Let us imagine that, as we approach birth, we see our physical form fading before us, as it were, in a mist. We would see it as light, but within it we would see impenetrable, dark points, dark spheres, and many other things as well, but also these dark spheres. Long before a human being approaches physical birth, they see—as it were in time, not in space—before them: This is what you will become! And they already see, as it were, how their physical form is taking shape out of the essence of the spirits of form. This appears to them more or less as a figure of light, but within it, as if floating, two dark spheres. When a human being now lives toward physical life, they do so in part already within the mother’s womb; there they absorb certain forces from this environment, which the mother then shapes. They gradually feel connected to this luminous figure, and then they feel as if they were particularly immersed within these two spheres. Before, they seemed impenetrable to him; now he is inside them himself and feels the forces coming at him from all sides, flowing into him. Then he pierces through these two spheres, the space within the spheres; the space loses its impenetrability. And these are the places where the eyes will later be. When one approaches physical-earthly incarnation in this way, what one does not see at that moment, yet which enables us to see, are the eyes. They are like impenetrable spheres toward which we are moving. Then, in the final phase before entering the physical world, one penetrates them. If one were to experience this consciously, it would actually be a marvelous phenomenon. Imagine how, as you emerge from the spiritual world into the physical world, you say to yourself: Now you are going with your soul toward this physical form. There you will find two dark spheres. You cannot see through them with your present soul-vision; they are completely filled with spiritual substance! — Then one gains the power to make what was initially spiritually opaque transparent. And when one then, as they say, “sees the light of the world,” these spaces that were opaque are precisely the reason why one sees. One cannot see one’s own eyes; if one were to see them, one would not see the world.

[ 12 ] Wenn man nun durch die Pforte des Todes schreitet, dann ist hinterher der Anblick des Todes auch deshalb eine so wunderbare Erscheinung im geistigen Menschenleben nach dem Tode, weil mit dem ganzen Menschen etwas Ähnliches vorgeht, was hier mit den Augen vorging. Nur wird dasjenige, was jetzt mit dem ganzen Menschen vorgeht, bewußt durchgemacht. Man muß nach dem Tode im innerlichen Erlebnis das Gefühl bekommen: Da bist du herausgegangen aus der Welt. Bisher hatte man im Auge die physische Welt als ein physisches Erlebnis, dasjenige, was gerade als Tableau der ätherische Leib zuletzt noch zeigt. Nun kommt man mit dem, was man als Selbsterkenntnis erworben hat, durch die Pforte des Todes, und das wird dann Willenskraft. — Nun denken Sie, hier wäre der Tote. Er läßt zurück seine physischen Erlebnisse. Er strahlt seine Willenskraft aus, diese Willenskraft, die er sich durch Selbsterkenntnis erworben hat. Diese strahlende Willenskraft, die durch Selbsterkenntnis erworben ist, schafft dasjenige weg, was uns hindert, in die geistige Umwelt hineinzuschauen. Wie wir beim Hineingehen in die Geburt sozusagen die Durchtrübung des Auges fortschaffen, so schaffen wir das, was uns hindert, in die geistige Welt hineinzuschauen, durch diese Willenskraft weg. Wir machen uns nach dem Tode durchsichtig. Das ist das bedeutsame Ereignis.

[ 12 ] When one passes through the gate of death, the sight of death that follows is such a wondrous phenomenon in the spiritual life after death because something similar happens to the whole person as what happened here with the eyes. Only now is what happens to the whole human being experienced consciously. After death, one must gain the feeling in one’s inner experience: There you have stepped out of the world. Until now, one had the physical world before one’s eyes as a physical experience—that which the etheric body last reveals as a tableau. Now one passes through the gate of death with what one has acquired as self-knowledge, and this then becomes willpower. — Now imagine that the deceased is here. He leaves behind his physical experiences. He radiates his willpower—this willpower he has acquired through self-knowledge. This radiant willpower, acquired through self-knowledge, removes what prevents us from looking into the spiritual world. Just as, when entering birth, we remove the cloudiness of the eye, so to speak, so we remove what prevents us from looking into the spiritual world through this willpower. We make ourselves transparent after death. That is the significant event.

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[ 13 ] Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes tritt, dann ist es ja, solange er den Ätherleib noch an sich hat, so, daß er wie in einem mächtigen Tableau übersieht sein ganzes Leben. Das steht vor ihm. Aber jetzt bekommt er auch das Gefühl: Du siehst dich! Das bist du, als du zwischen Geburt und Tod lebtest, das bist du alles selbst! — Nun regt sich in ihm alle Kraft der Selbsterkenntnis, die er sich erworben hat, und durchsticht es gleichsam so, wie ich es geschildert habe; dadurch geht der Ätherleib weg. Dann ist es, wie wenn ein Schleier fiele, und das, was dahinter ist, kommt erst zum Vorschein, und das ist die geistige Welt. Es ist das ein ungeheures Erlebnis, durch die Pforte des Todes zu gehen und dadurch, daß der Ätherleib frei geworden ist, das ganze letzte Leben vor sich zu haben und das Gefühl zu bekommen: Dieses letzte Leben ist ein Schleier, der dir eine ungeheure Welt zudeckt, die du während des Lebens nicht hast schen können. Nun kämpft gegen diesen Schleier, ihn beseitigend, die aus der Selbsterkenntnis hervorgegangene Willenskraft an. Und indem der Schleier zerreißt, erscheint die geistige Welt dahinter.

[ 13 ] When a person passes through the gate of death, as long as they still possess their etheric body, they look back on their entire life as if viewing a vast tableau. It lies before them. But now they also get the feeling: You see yourself! That is you, as you lived between birth and death; that is all of you! — Now all the power of self-knowledge they have acquired stirs within them and pierces through it, as it were, just as I have described; through this, the etheric body departs. Then it is as if a veil were falling, and what lies behind it comes into view for the first time, and that is the spiritual world. It is an immense experience to pass through the gate of death and, because the etheric body has been set free, to have one’s entire last life before oneself and to feel: This last life is a veil that conceals from you an immense world which you were unable to perceive during your life. Now the willpower arising from self-knowledge struggles against this veil, removing it. And as the veil tears apart, the spiritual world behind it appears.

[ 14 ] Man braucht nicht ängstlich zu sein etwa aus dem Grunde, weil sich jemand sagen könnte: In unserer gegenwärtigen Zeit haben doch so viele Menschen gar nichts getan, um zu einiger Selbsterkenntnis zu kommen. Man kann ja nach dem Urteil vieler Leute schon kaum gescheiter und intelligenter sein als ein gegenwärtiger Universitätsprofessor der Philosophie; das ist doch das Ideal der Intelligenz in der Gegenwart. Und man kann doch so wenig veranlagt sein zur Selbsterkenntnis wie ein so berühmter Mann, noch sogar ein Philosoph, Ernst Mach, der wirklich ein bedeutender Mensch ist! Es könnte also jemand kleinmütig werden und sagen: Um die Selbsterkenntnis steht es doch schlecht. — Freilich, wenn die Sache so läge, daß die Menschen darauf angewiesen wären, nur diejenige Willenskraft aus der Selbsterkenntnis zu haben, welche aus dem Leben der Gegenwart folgt, dann stünde es recht schlimm um die Menschen! Die Menschen in der Gegenwart sind ja sehr stolz auf die ungeheuren Erkenntnisfortschritte, die erreicht worden sind, von einer gewissen Seite her auch mit Recht. Denken Sie nur, wie ein Arzt der Gegenwart, der alles das kennt, was jetzt Arzneimode ist, stolz herabblickt auf diejenigen, die noch vor gar nicht langer Zeit Ärzte waren. Das waren ja alles Toren, denkt er selbstverständlich. Mit Bezug auf die äußeren Erkenntnisse haben die Menschen im Laufe der letzten Jahrhunderte Mannigfaltiges gewonnen und erfahren über die äußere Welt, wie die äußerlichen Erscheinungen zusammenhängen und so weiter. Darin sind große Fortschritte gemacht worden. Aber mit Bezug auf Selbsterkenntnis waren die älteren Zeiten, die wir in früheren Inkarnationen durchgemacht haben, der Gegenwart weit voran; so weit voran eigentlich, daß der gegenwärtige Mensch, wenn er materialistisch denkt, gar keine Vorstellung hat, was er mit dem, was aus alten Zeiten stammt, anfangen soll. Denn, was die Menschen heute als alte Vorurteile ansehen, war im Grunde alles, indem es von den Seelen älterer Zeiten erlebt wurde, Selbsterkenntnis. Und was aufgezeichnet ist, das sind nur die letzten Reste der Selbsterkenntnis.

[ 14 ] There is no need to be anxious, for example, simply because someone might say: In our present age, so many people have done absolutely nothing to achieve any self-knowledge. After all, according to many people’s judgment, one can hardly be any wiser or more intelligent than a contemporary university professor of philosophy; that is, after all, the ideal of intelligence in the present day. And one can hardly be any less inclined toward self-knowledge than such a famous man, or even a philosopher like Ernst Mach, who is truly a significant figure! One might therefore become disheartened and say: Things look rather bleak for self-knowledge. — Of course, if the situation were such that people were dependent on deriving from self-knowledge only that willpower which follows from present-day life, then things would be quite dire for humanity! People today are, after all, very proud of the tremendous advances in knowledge that have been achieved—and rightly so, from a certain perspective. Just think how a modern doctor, who knows everything that is currently fashionable in medicine, looks down with pride on those who were doctors not so long ago. They were all fools, he naturally thinks. With regard to external knowledge, people have gained and learned a great deal over the course of the last few centuries about the external world, how external phenomena are connected, and so on. Great progress has been made in this regard. But with regard to self-knowledge, the older times we experienced in past incarnations were far ahead of the present; so far ahead, in fact, that modern people, when they think materialistically, have no mental image of what to do with what comes from ancient times. For what people today regard as old prejudices was, in essence, self-knowledge, insofar as it was experienced by the souls of earlier times. And what has been recorded are merely the last remnants of that self-knowledge.

[ 15 ] Nun ist es ja für das Erdenleben so, daß der Mensch mit dem gewöhnlichen äußeren Bewußtsein von seinen früheren Inkarnationen nichts weiß. Wir wissen zwar, daß es unter den Theosophen Menschen gibt, die nach verhältnismäßig kurzer Zeit anfangen, furchtbar viel von ihren früheren Inkarnationen zu wissen. Ich lernte einmal in einer Stadt Europas eine Gesellschaft kennen, da saßen an einem Kaffeetisch zusammen Seneca, Friedrich der Große, Kaiser Joseph, der Herzog von Reichstadt, Madame Pompadour, Marie-Antoinette und noch einige. Aber abgesehen von denen, die über ihre frühere Inkarnation so viel wissen, nachdem sie ein wenig Theosophie gelernt haben, wissen die Menschen bekanntlich durch die gewöhnliche äußere Erkenntnis nicht sehr viel oder gar nichts von ihrer früheren Inkarnation. Denn, so wahr es ist, daß der Mensch durch das, was ihm eben der gegenwärtige Menschheitszyklus gibt, nichts von der vorhergehenden Inkarnation weiß, so wahr ist es, daß er für seine Willensentfaltung nach dem Tode alles hat, was ihm aus früheren Leben geblieben ist. Da ist es nämlich anders, zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Während zwischen der Geburt und dem Tod hier die Menschen nichts wissen von ihren früheren Inkarnationen, haben sie im Leben zwischen Tod und neuer Geburt alle Kräfte ihrer früheren Inkarnationen in sich, aber auch dasjenige, was immer durchlebt worden ist zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Wenn der Mensch also durch die Pforte des "Todes geht, hat er nicht nur jene Willenskraft, die aus der Selbsterkenntnis kommt, welche die Menschen heute meistens nicht haben, sondern alle Willenskräfte, die nicht aus der Selbsterkenntnis in diesem Leben kommen, sie kommen aus der Selbsterkenntnis, die der Mensch in früheren Zeiten durchgemacht hat. So daß es dem Menschen, wenn er durch die Pforte des Todes geht, eben an der Willenskraft nicht fehlt, die dieses Gewebe wegschafft, das durch das eigene Leben geflochten ist. Wenn der Mensch aber im Laufe der nächsten Jahrtausende sich neue Willenskräfte erwerben will, würde in dem gegenwärtigen Zeitenzyklus auch diese Selbsterkenntnis aus alten Zeiten immer mehr geschätzt werden. Daher muß eben für die weitere Menschheitsentwickelung die Geisteswissenschaft auftreten. Denn es ist der Gang der Menschheit so, daß die Willenskraft des Menschen zwar heute noch ausreicht, daß aber jetzt auch die Zeit beginnt, wo während der Erdenentwickelung diese Willenskraft dadurch gestärkt werden kann, daß der Mensch sich mit der geistigen Welt bekanntmacht.

[ 15 ] Now, as far as earthly life is concerned, it is the case that, with ordinary external consciousness, a person knows nothing of their past incarnations. We do know, however, that among theosophists there are people who, after a relatively short time, begin to know an awful lot about their past incarnations. I once met a group in a European city where Seneca, Frederick the Great, Emperor Joseph, the Duke of Reichstadt, Madame Pompadour, Marie Antoinette, and a few others were sitting together at a coffee table. But apart from those who know so much about their past incarnations after having studied a little theosophy, people, as is well known, know very little or nothing at all about their past incarnations through ordinary external knowledge. For just as it is true that, through what the present cycle of humanity provides, a person knows nothing of their previous incarnation, so it is true that for the development of their will after death, they possess everything that has remained from their past lives. For things are different between death and a new birth. While here, between birth and death, people know nothing of their past incarnations, in the life between death and a new birth they possess within themselves all the powers of their past incarnations, as well as whatever has been experienced between death and a new birth. So when a person passes through the gate of “death,” they possess not only that willpower that comes from self-knowledge—which most people today lack—but all the forces of the will that do not stem from self-knowledge in this life; rather, they stem from the self-knowledge the person has undergone in earlier times. So that when a person passes through the gate of death, they do not lack the willpower that removes this fabric woven through their own life. But if humanity wishes to acquire new powers of will over the course of the next millennia, this self-knowledge from ancient times would also be increasingly valued in the present cycle of time. This is precisely why Spiritual Science must emerge for the further development of humanity. For the course of human history is such that, although human willpower is still sufficient today, the time is now beginning when, during the course of Earth’s development, this willpower can be strengthened by humanity becoming acquainted with the spiritual world.

[ 16 ] Einer Gefahr würde die Erdenentwickelung der Menschheit ausgesetzt sein, wenn die Menschen sich etwa bis zum Ende der Erdenentwickelung von jetzt ab selber in jeder Beziehung sträuben würden, etwas von Geisteswissenschaft aufzunehmen. Dann würde der Mensch allerdings immer mehr und mehr dazukommen, drüben in der geistigen Welt wenig wahrnehmen zu können von den geistigen Dingen und Ereignissen. Er würde dies weniger und weniger können. Er würde immer weniger den Schleier, von dem ich sprach, durchdringen können. So sehen Sie, welche Bedeutung die zur Willenskraft umgewandelte Selbsterkenntnis hat. Hier ist diese Erkenntnis Selbstanschauung, drüben ist sie Selbstwillen, der darauf gerichtet ist, den Schleier von der geistigen Welt hinwegzuziehen. Gerade an denjenigen, die durch die Pforte des Todes gehen, nimmt man wahr, wie wichtig es für sie ist, daß sie sich selber stärken in der Willenskraft, wie sie jetzt gekennzeichnet worden ist, in der Willenskraft, die aus der Selbsterkenntnis kommt. Daher ist es recht bedeutsam, daß der Mensch, indem er dutch die Pforte des Todes geht, durch diese verschiedenen Stadien sich beschäftigt mit demjenigen, was in ihm ist, was in seinem Selbst ist, was er war während des irdischen Lebens. Und wenn jemand Gemeinschaft hat mit einem Toten, dann ist von einer großen, einer wesentlichen Bedeutung, diese Gemeinschaft auch dadurch noch besonders fruchtbar zu machen, daß man dem Toten, der hinwegging, zu Hilfe kommt in der Stärkung seines Selbstbewußtseins, in der Erfüllung dieses Selbstbewußtseins. Das ist konkret so gemeint: Denken wir etwa, irgend jemand, der hier im physischen Leben mit uns war, ginge durch die Pforte des Todes. Indem wir mit ihm gelebt haben, wissen wir, wie er war, wissen wir, was er besonders gern getan hat und so weiter. Wenn er durch die Pforte des Todes gegangen ist, dann hat er notwendig, dringend notwendig, gewissermaßen alles dasjenige, was et will, durch starke innere Kräfte aufzubringen. Das muß ja herausfließen aus seiner Rückschau. Und wir können ihm zu Hilfe kommen, wenn wir so an ihn denken, wie er uns im Leben erschienen ist; wenn wir uns damit beschäftigen, ihm die Gedanken zuschicken, welche ihn selber charakterisieren. Neben den verschiedenen Dingen, die schon gesagt worden sind über unsere Beschäftigung mit den Toten, die von uns hinweggegangen sind, können wir den Toten auch dadurch zu Hilfe kommen, daß wir ihnen gleichsam das Bild von ihrem Wesen entgegenbringen. Damit nehmen wir ihnen eine gewisse Anstrengung ab in der Entfaltung jenes Willens, der den charakterisierten Schleier zerreißen muß. Daher kam es, daß sich mir nun das andere ergeben hat, von dem ich schon vorgestern zu Ihnen gesprochen habe. Ergeben hat sich mir, als ich bei der Bestattung von Freunden vor kurzer Zeit zu sprechen hatte, daß ich mich in die Notwendigkeit versetzt fühlte, dasjenige, was in den Freunden lebt als ihr Wesen, gerade bei der Bestattung auszusprechen. Da ist nicht aus der Erinnerung heraus gesprochen worden, sondern es ist so heraus gesprochen worden aus meiner eigenen Seele, daß diese Seele sich ganz in die andere Seele versetzt hat, nachdem diese schon durch die Pforte des Todes geschritten war.

[ 16 ] Humanity’s earthly evolution would be in danger if, from now on until the end of earthly evolution, people were to resist in every way the absorption of Spiritual Science. Then, indeed, human beings would find themselves increasingly unable to perceive much of the spiritual things and events in the spiritual world. They would be able to do so less and less. They would be able to penetrate the veil I spoke of less and less. So you see what significance self-knowledge, transformed into willpower, has. Here this insight is self-observation; over there it is self-will directed toward drawing back the veil from the spiritual world. It is precisely in those who pass through the gate of death that one perceives how important it is for them to strengthen themselves in the willpower as it has now been described—the willpower that arises from self-knowledge. It is therefore quite significant that, as a person passes through the gate of death, they engage through these various stages with what is within them, what is in their self, what they were during their earthly life. And when someone has a connection with a deceased person, it is of great, essential importance to make this connection particularly fruitful by helping the departed person to strengthen their self-awareness and to fulfill this self-awareness. This is what is meant in concrete terms: Let us suppose, for example, that someone who was with us here in physical life passes through the gate of death. Because we lived with him, we know what he was like, we know what he particularly enjoyed doing, and so on. Once they have passed through the gate of death, they have a necessity—an urgent necessity—to summon, as it were, everything they desire through strong inner forces. This must flow forth from their looking back. And we can come to their aid if we think of them as they appeared to us in life; if we engage in sending them the thoughts that characterize them. In addition to the various things that have already been said about our concern for the dead who have passed from us, we can also come to the aid of the dead by, as it were, presenting them with the image of their being. In this way, we relieve them of a certain effort in the unfolding of that will which must tear through the veil of the unrecognized. That is why the other thing I spoke to you about the day before yesterday has now occurred to me. It occurred to me, when I had to speak at the funeral of friends a short time ago, that I felt compelled to express, precisely at the funeral, that which lives in the friends as their essence. What was spoken did not come from memory, but was spoken from my own soul in such a way that this soul had completely placed itself within the other soul, after the latter had already passed through the gate of death.

[ 17 ] Wenn man es mit einer Seele zu tun hat, die schon durch die Pforte des Todes geschritten ist, dann handelt es sich darum, daß man sich in diese Seele versetzt. Hier in der physischen Welt ist der Gegenstand da, man schaut ihn von außen an. Im Geistigen ist es so, daß man mit seinem ganzen Wesen in diesem Geistig-Seelischen selber darin ist. Und da verhält es sich in dem einzelnen Falle, von dem ich vorgestern sprach, so, daß es eben möglich war, sich hineinzuversetzen in die Seele dieser Persönlichkeit, die da durch die Pforte des Todes gegangen war und die von mir also charakterisiert worden ist als eine Persönlichkeit, die sich durch lange Jahre vor ihrem Tode viel mit dieser unserer Weltanschauung beschäftigt hat, die ganz darin lebte, so daß sie ihren eigenen Inhalt, das, was sie als Wesen dadurch war, daß sie sich in Geisteswissenschaft eingelebt und gewisse Kräfte aufgenommen hatte, nun in Worte fassen konnte, solange sie noch in ihrem Ätherleibe war. Das gelang mir aufzufangen von der Toten, die durch die Pforte des Todes gegangen war, und das mußte ich bei der Bestattung sprechen.

[ 17 ] When dealing with a soul that has already passed through the gate of death, the task is to put oneself in that soul’s place. Here in the physical world, the object is present; one looks at it from the outside. In the spiritual realm, however, one is present within the spiritual-soul realm itself with one’s entire being. And in the specific case I spoke of the day before yesterday, it was precisely possible to put oneself in the soul of this personality who had passed through the gate of death and whom I thus characterized as a personality who, for many years before her death, had engaged deeply with our worldview, who lived entirely within it, so that she was now able to put into words her own inner content—that which she was as a being by virtue of having immersed herself in Spiritual Science and having absorbed certain forces—while she was still in her etheric body. I was able to receive this from the deceased who had passed through the gate of death, and I had to speak of this at the funeral.

[ 18 ] In andern Fällen war es dann anders. Als ich zu sprechen hatte bei der Bestattung unseres lieben Fritz Mitscher, der ja den Mitgliedern unseres Zweiges hier besonders teuer sein muß, war es so, daß ich die Notwendigkeit fühlte, mich auch in diese Seele, die durch die Pforte des Todes gegangen war, voll zu versetzen. Aber nun ergab sich die Notwendigkeit, das, was diese Seele im Leben war für diejenigen, die mit ihr befreundet und um sie herum waren, auch als Mitglieder unserer anthroposophischen Bewegung, es ergab sich die Notwendigkeit, das in Worte zu fassen, um mit dieser Seele zusammen nach dem Tode das durchzudenken und gemeinschaftlich zu durchleben, was Anspornung und Vergrößerung jenes Willens ist, der aus der Selbsterkenntnis folgt. Da ergab sich dann die Notwendigkeit, gerade bei dieser Bestattung Dinge zu sagen, welche zusammenklingen mit dem, was unser lieber Freund Fritz Mitscher in den Zeiten seiner Entwickelung, nachdem er in unsere geisteswissenschaftliche Bewegung hereingekommen war, durchmachte, was er sich angeeignet hat, wie ihn da sein inneres Karma getrieben hat. Und die Worte, die ich da zu sprechen hatte, sind ja, wie gesagt, nicht meine Worte, sie sind aus den Kräften seiner eigenen Seele hervorgegangen, aber so geformt, daß sie das Wesentliche der Jahre ausdrückten, die seinem Tode vorausgegangen sind. Ich mußte das sagen — nicht: ich wollte das sagen, was ich da zu sagen hatte. Natürlich ist es nicht etwas, was unmittelbar seine eigenen Worte waren; die betreffende Seele würde dies niemals von sich selber im Leben gesagt haben. Es ist dasjenige, was doch die andere Seele empfunden hat, die aber dann verbunden ist mit der Seele des Abgeschiedenen, so wie man nur mit einer Seele empfinden kann, die schon entkörpert ist. Ich will Ihnen diese Worte, die ich bei der Bestattung zu sprechen hatte, mitteilen:

[ 18 ] In other cases, things were different. When I was to speak at the funeral of our dear Fritz Mitscher—who must surely be particularly dear to the members of our branch here—I felt the need to fully put myself in the place of this soul who had passed through the gate of death. But now it became necessary to express in words what this soul had been in life for those who were friends with her and surrounded her, including as members of our anthroposophical movement, it became necessary to put this into words, so that, together with this soul after death, we might think through and collectively experience what serves as the inspiration and expansion of that will which arises from self-knowledge. Then the need arose, particularly at this funeral, to say things that resonate with what our dear friend Fritz Mitscher went through during his development after he had joined our Spiritual Science movement—what he had taken to heart, how his inner karma had driven him there. And the words I had to speak there are, as I said, not my own words; they sprang from the forces of his own soul, but were shaped in such a way that they expressed the essence of the years that preceded his death. I had to say that—not: I wanted to say what I had to say there. Of course, it is not something that was directly his own words; the soul in question would never have said this of himself in life. It is what the other soul felt, which is then connected to the soul of the departed, just as one can only feel with a soul that has already left the body. I would like to share with you these words that I had to speak at the funeral:

Eine Hoffnung, uns beglückend:
So betratest Du das Feld,
Wo der Erde Geistesblüten,
Durch die Kraft des Seelenseins,
Sich dem Forschen zeigen möchten.

Lautrer Wahrheitliebe Wesen
War Dein Sehnen urverwandt;
us dem Geisteslicht zu schaffen,
War das ernste Lebensziel,
Dem Du rastlos nachgestrebt.

Deine schönen Gaben pflegtest Du,
Um der Geist-Erkenntnis hellen Weg,
Unbeirrt vom Welten-Widerspruch
Als der Wahrheit treuer Diener
Sichern Schrittes hinzuwandeln.

Deine Geistorgane übtest Du,
Daß sie tapfer und beharrlich
An des Weges beide Ränder
Dir den Irrtum drängten
Und Dir Raum für Wahrheit schufen.

Dir Dein Selbst zur Offenbarung
Reinen Lichtes zu gestalten,
Daß die Seelen-Sonnenkraft
Dir im Innern machtvoll strahle,
War Dir Lebenssorg’ und Freude.

Andre Sorgen, andre Freuden,
Sie berührten Deine Seele kaum,
Weil Erkenntnis Dir als Licht,
Das dem Dasein Sinn verleiht,
Als des Lebens wahrer Wert erschien.

Eine Hoffnung, uns beglückend:
So betratest Du das Feld,
Wo der Erde Geistesblüten
Durch die Kraft des Seelenseins
Sich dem Forschen zeigen möchten.

Ein Verlust, der tief uns schmerzt,
So entschwindest Du dem Feld,
Wo des Geistes Erdenkeime
In dem Schoß des Seelenseins
Deinem Sphärensinne reiften.

Fühle, wie wir liebend blicken
In die Höhen, die Dich jetzt
Hin zu andrem Schaffen rufen.
eiche den verlaß’nen Freunden
Deine Kraft aus Geistgebieten.

Höre unsrer Seelen Bitte,
Im Vertrau’n Dir nachgesandt:
Wir bedürfen hier zum Erdenwerk
Starker Kraft aus Geistes-Landen,
Die wir toten Freunden danken.

Eine Hoffnung, uns beglückend,
in Verlust, der tief uns schmerzt:
Laß uns hoffen, daß Du ferne-nah,
Unverloren unsrem Leben, leuchtest
Als ein Seelenstern im Geistbereich.

A hope that brings us joy:
Thus you entered the field,
Where the spirit’s blossoms of the earth,
Through the power of the soul’s being,
Wish to reveal themselves to the seeker.

Beings who love truth above all else
Your yearning was akin to;
To create from the light of the spirit,
Was the serious goal of life,
Which you pursued tirelessly.

You cultivated your beautiful gifts,
To walk the bright path of spiritual knowledge,
Unperturbed by the world’s contradictions
As a faithful servant of truth
To walk with sure steps.

You trained your spiritual faculties,
So that they, brave and steadfast
On both sides of the path
Pushed error away from you
And created space for truth.

To shape your self into a revelation
Of pure light,
So that the soul’s solar power
Might shine powerfully within you,
Was your life’s concern and joy.

Other concerns, other joys,
Barely touched your soul,
Because knowledge, as light,
That gives meaning to existence,
Appeared as the true value of life.

A hope that brings us joy:
Thus you entered the field,
Where the spirit-blossoms of the earth
Through the power of soul-being
Wish to reveal themselves to inquiry.

A loss that pains us deeply,
Thus you vanish from the field,
Where the spirit’s earthly seeds
In the bosom of soul-being
Matured in your sphere of perception.

Feel how we gaze lovingly
Toward the heights that now
Call us onward to other work.
Grant to the friends you have left behind
Your strength from the realms of the spirit.

Hear the plea of our souls,
Sent to you in trust:
Here, for our earthly work, we need
Strong power from the lands of the spirit,
For which we thank our departed friends.

A hope that brings us joy,
In a loss that pains us deeply:
Let us hope that You, far yet near,
Unlost to our lives, shine
As a soul-star in the spiritual realm.

[ 19 ] Wenn diese Worte nicht so genommen werden dürften, daß sie etwa von der Seele selbst gesprochen werden, so sind sie doch in solcher Gemeinschaft mit der Seele gesprochen gewesen, daß nach verhältnismäßig ganz kurzer Zeit sich von dieser Seele etwas offenbarte, was aber jetzt nur von der Seele kam; also nun gar nicht von meiner Seele, sondern nur von der Seele, die durch die Pforte des Todes gegangen war. Und das klang dann so, und wiederholt seit jener Zeit her klingen mir immer wiederum diese Worte:

[ 19 ] Even if these words should not be taken to mean that they were spoken by the soul itself, they were nevertheless spoken in such communion with the soul that, after a relatively short time, something was revealed from this soul—something that now came only from the soul; that is, not at all from my soul, but only from the soul that had passed through the gate of death. And that is how it sounded then, and ever since that time these words have echoed in my ears again and again:

Mir mein Selbst zur Offenbarung
Reinen Lichtes zu gestalten,
Daß die Seelen-Sonnenkraft
Mir im Innern machtvoll strahle,
War mir Lebenssorg’ und Freude.

Andre Sorgen, andre Freuden,
Sie berührten meine Seele kaum,
Weil Erkenntnis mir als Licht,
Das dem Dasein Sinn verleiht,
Als des Lebens wahrer Wert erschien.

To shape my self into a revelation
Of pure light,
So that the soul’s solar power
Might shine powerfully within me,
Was my life’s concern and joy.

Other cares, other joys,
They scarcely touched my soul,
For knowledge appeared to me as light,
That gives meaning to existence,
As the true value of life.

[ 20 ] So klangen die Worte zurück. Ich hatte selbst erst nachher entdeckt, daß die zwei Strophen, die mitten darinnen sind, sich unmittelbar aus dem Du ins Ich und aus dem Dir ins Mir umwandeln lassen. Ich hatte es vorher nicht gewußt. Denn ich hatte die Strophen so vernommen, wie ich sie Ihnen zuerst gelesen habe. Und nun kamen sie zurück aus dem Wesen des Toten, von ihm gesprochen:

[ 20 ] That is how the words echoed back. It was only later that I myself discovered that the two stanzas in the middle can be directly transformed from “you” to “I” and from “you” to “me.” I hadn’t known that before. For I had heard the stanzas just as I first read them to you. And now they came back from the essence of the dead man, spoken by him:

Mir mein Selbst zur Offenbarung
Reinen Lichtes zu gestalten,
Daß die Seelen-Sonnenkraft
Mir im Innern machtvoll strahle,
War mir Lebenssorg’ und Freude.

Andre Sorgen, andre Freuden,
Sie berührten meine Seele kaum,
Weil Erkenntnis mir als Licht,
Das dem Dasein Sinn verleiht,
Als des Lebens wahrer Wert erschien.

To shape my self into a revelation
Of pure light,
So that the soul’s solar power
Might shine powerfully within me,
Was my life’s concern and joy.

Other cares, other joys,
They scarcely touched my soul,
For knowledge appeared to me as light,
That gives meaning to existence,
As the true value of life.

Und als ich zum erstenmal, seither ist es öfter geschehen, diese Worte von dieser durch den Tod gegangenen Seele hörte, da kam ich erst darauf — denn dasjenige, was da vorgelesen worden ist, ist wirklich wortwörtlich so geschrieben, wie es gehört worden ist im Zusammenhang mit der andern Seele —, da kam ich erst darauf, daß ein Zwiegespräch entstehen konnte. Bei der Einäscherung war gesagt worden:

And when I first heard these words from that soul who had passed away—and it has happened often since then—it was only then that it occurred to me—for what was read aloud there is truly written word for word as it was heard in connection with the other soul—it was only then that it occurred to me that a dialogue could take place. At the cremation, it had been said:

Dir Dein Selbst zur Offenbarung,
Reinen Lichtes zu gestalten...

To reveal your true self,
To shape pure light...

[ 21 ] Dir und Dein, das kommt in diesen Strophen vor. Aber es war nicht irgendwie gemacht von mir. Ich merkte erst, als die Worte zurückkamen aus der verstorbenen Seele, daß diese Worte so geformt waren, daß man sie eben auch in der ersten Person zurückgeben könne:

[ 21 ] “You” and “your” appear in these verses. But I didn't write them myself. It wasn't until the words came back from the departed soul that I realized they were phrased in such a way that they could also be rendered in the first person:

Mir mein Selbst zur Offenbarung
einen Lichtes zu gestalten...

To reveal my true self
and shape a light...

[ 22 ] Sie sehen da ein über das Grab hinausreichendes Zwiegespräch, eine Art Verständigung.

[ 22 ] You see there a dialogue that extends beyond the grave, a kind of understanding.

[ 23 ] Ich möchte an dieses anknüpfend von etwas sprechen, was in unserer geisteswissenschaftlichen Bewegung ja oftmals erwähnt wird, wovon man aber nicht oft genug sprechen kann. Sie finden in den Strophen, die an eine durch die Pforte des Todes gegangene Seele gesprochen worden sind, etwas anklingend, das am bedeutsamsten da ausgesprochen ist, wo gesagt wird:

[ 23 ] Building on this, I would like to speak about something that is often mentioned in our Spiritual Science movement, but which cannot be discussed often enough. In the verses addressed to a soul that has passed through the gate of death, you will find an echo of what is most significantly expressed there, where it is said:

Höre unsrer Seelen Bitte,
Im Vertrau’n Dir nachgesandt:
Wir bedürfen hier zum Erdenwerk
Starker Kraft aus Geistes-Landen,
Die wir toten Freunden danken.

Hear the plea of our souls,
Sent to you in trust:
For our earthly work here,
We need the strong power from the realms of the spirit,
For which we thank our departed friends.

[ 24 ] Nehmen Sie eine solche Sache nicht als bloße Worte. Das spricht von etwas, was im tiefsten Sinne bedeutungsvoll mit dem ganzen Wesen unserer geisteswissenschaftlichen Bewegung zusammenhängt.

[ 24 ] Do not dismiss such a thing as mere words. It speaks to something that is profoundly and meaningfully connected to the very essence of our Spiritual Science movement.

[ 25 ] Wenn eine Seele so gestrebt hat wie diejenige, von der hier die Rede ist, so daß sie das, was sie sich aneignen konnte an Wissen, an Erfahrungen, durchdringen wollte mit den geisteswissenschaftlichen Impulsen, und sie geht so frühzeitig durch die Pforte des Todes, dann ist es wirklich so, daß solch eine Seele ein treuer Mitarbeiter bleiben kann. So war es etwas wie eine Bitte, wenn ich dieser Seele diese Worte nachgerufen habe, daß sie Helfer werde für dasjenige, was wir wollen müssen in die Erdenzukunft hinein. Denn das können Sie als ganz sicher betrachten: Die Kluft zwischen den Lebenden und den Toten muß im Laufe der Erdenentwickelung durch unsere Geisteswissenschaft wirklich lebendig überbrückt werden. Wir müssen lernen, ebenso wie wir mit den im physischen Leibe Lebenden zusammen sind, die Toten nicht als Tote, sondern als unter uns Lebende zu betrachten, als mit uns Lebende und Schaffende. Diejenigen, welche die sogenannten Toten sind, wirken dann mit uns mit jenen Kräften, die ihnen zur Verfügung stehen.

[ 25 ] When a soul has strived as the one we are speaking of here has, so that it sought to permeate all the knowledge and experience it could acquire with the impulses of Spiritual Science, and it passes through the gate of death so early, then it is truly the case that such a soul can remain a faithful co-worker. So it was something like a plea when I called out these words to this soul, asking that it become a helper for what we must bring into the future of the Earth. For you can regard this as quite certain: the gulf between the living and the dead must truly be bridged in a living way through our Spiritual Science in the course of Earth’s evolution. We must learn, just as we are together with those living in physical bodies, to regard the dead not as dead, but as living among us, as living and working with us. Those who are the so-called dead then work with us using the forces at their disposal.

[ 26 ] Wir müssen lebendig und nicht als Theorie das zu erfassen trachten, was die Geisteswissenschaft in uns an Impulsen schaffen und umsetzen soll in das lebendige Leben, das wir gerade der Kulturentwickelung aus dem Geiste heraus einfügen wollen. Und man muß wahrhaftig sagen: Man wird nach der Beschaffenheit unserer äußeren Kultur in der Zukunft die Hilfe derjenigen brauchen, die in den geistigen Welten droben sind. Diejenigen, die hier auf Erden der geisteswissenschaftlichen Bewegung wirklich Eingang verschaffen, die werden die toten Seelen brauchen. Daher wurde das gesagt, daß wir zum Erdenwerke der Kraft aus Geisteslanden bedürfen, die wir toten Freunden danken. Es ist gleichsam ein bittender Auftrag, daß diese weiterarbeitenden Seelen mit den Kräften, die gestärkt werden durch das, was sie hier aufnahmen, und durchdrungen von dem, was sie in Geisteslanden aufgenommen haben, mit uns wirken sollen auf Erden; daß sich diese durchdringen mit dem, was von derselben Art ist mit dem, was wit wollen.

[ 26 ] We must strive to grasp—not as a theory but in a living way—the impulses that Spiritual Science is meant to create within us and translate into the living reality that we wish to integrate into cultural development from a spiritual perspective. And one must truly say: In the future, given the nature of our external culture, we will need the help of those who are in the spiritual worlds above. Those who truly bring the Spiritual Science movement to life here on earth will need the dead souls. That is why it was said that for our earthly work we need the power from the spiritual realms, for which we thank our departed friends. It is, as it were, a plea that these souls who continue to work—with the powers strengthened by what they absorbed here and imbued with what they absorbed in the spiritual realms—should work with us on Earth; that they may be imbued with that which is of the same nature as what we wish to achieve.

[ 27 ] Ach, es kommt ja so manchmal symptomatisch heraus, welche Schwierigkeiten und Hemmnisse dasjenige, was wir unser anthroposophisches Erdenwerk nennen, findet. Unter mancherlei, was sich immer wieder beobachten läßt, sei jetzt nur das eine hervorgehoben. Da erschien in einer süddeutschen Zeitschrift vor einigen Jahren ein Artikel, der Aufsehen machte, weil die Kunde herumgetragen wurde, er rühre von einem sehr bedeutenden Philosophen her. Derjenige, der die Zeitschrift redigiert, heißt Karl Muth. Jener Karl Muth hat dazumal einen vielseitigen Artikel aufgenommen; als meine «Geheimwissenschaft im Umriß» erschienen ist, hat er diesen Artikel gebracht, eben in Anknüpfung an dieses Buch «Die Geheimwissenschaft». Es wäre mir vielleicht gar nicht so besonders schwierig gewesen, wenigstens das Schlimmste, das in dem Artikel stand, die törichtsten Behauptungen, etwas auszumerzen. Denn mit der Wahrheit jenes großen Philosophen verhält es sich ja folgendermaßen: Er gilt vielen wirklich als ein großer Philosoph. Aber manchen, denen er im Leben nahegetreten ist — er braucht ihnen gar nicht besonders nahe getreten zu sein, ihnen nur einmal gegenübergesessen zu haben —, denen erscheint er wie eine Art Klette, die sich anhängt. Und so erschien er mir, und ich habe mich seiner zu erwehren gehabt. Aber nachdem er mir Postkarte nach Postkarte, Brief nach Brief geschrieben hatte, schickte er mir auch als Manuskript diesen Artikel. Ich konnte mich nicht entschließen, den Artikel zu lesen, weil er schon zu töricht anfing. Da hieß es zum Beispiel: Geheimwissenschaft nenne Steiner das, was er da in seinem Buche schrieb. Aber eine geheime Wissenschaft könne es gar nicht geben, denn das sei das Wesen der Wissenschaft, daß sie nicht geheim, sondern öffentlich sei. — Also, eine Geheimwissenschaft widerspricht dem Wesen der Wissenschaft selbst! So fing es an. Und wo man blätterte, kam man auf solche unverschämten Torheiten, daß es mir fatal war, weiterzulesen, das Manuskript zu lesen. Es liegt immer noch irgendwo da. Es ist eine Torheit, dieses von der «Geheimwissenschaft», denn man braucht bloß deutsch zu können, um diese Torheit zu empfinden. Es ist das gerade, als wenn jemand sagte: Natürliche Wissenschaft gibt es nicht. Es gibt aber Naturwissenschaft! Eine geheime Wissenschaft gibt es freilich nicht, aber eine Geheimwissenschaft gibt es. Es war also zu töricht, aber der Herausgeber der Zeitschrift fand, daß es ein besonders bedeutender Artikel sei. Der Artikel ist viel gelesen worden, und es galt als etwas sehr Gescheites, was über die Geisteswissenschaft geschrieben worden ist, wo sie ja in Grund und Boden hinein kritisiert worden ist.

[ 27 ] Ah, it sometimes becomes symptomatically clear just what difficulties and obstacles are encountered by what we call our anthroposophical work on earth. Among the many things that can be observed time and again, let us highlight just one. A few years ago, an article appeared in a South German journal that caused a stir because word spread that it originated from a very prominent philosopher. The editor of the magazine is named Karl Muth. That same Karl Muth published a wide-ranging article at the time; when my *Outline of Esoteric Science* was published, he included this article, specifically in connection with that book, *Esoteric Science*. It might not have been all that difficult for me to at least weed out the worst parts of the article—the most foolish claims. For the truth about that great philosopher is as follows: many truly regard him as a great philosopher. But to some whom he has offended in life—he need not have offended them particularly, merely having sat across from them once—he appears as a sort of leech that latches on. And so he appeared to me, and I had to defend myself against him. But after he had written me postcard after postcard, letter after letter, he also sent me this article as a manuscript. I couldn’t bring myself to read the article because it started off so foolishly. For example, it said: Steiner calls what he wrote in his book “secret science.” But a secret science could not possibly exist, for the very essence of science is that it is not secret but public. — So, a secret science contradicts the very essence of science itself! That’s how it began. And wherever one turned the page, one came across such outrageous nonsense that it was fatal for me to continue reading the manuscript. It’s still lying around somewhere. This talk of “secret science” is sheer nonsense, for one need only know German to perceive this nonsense. It is just as if someone were to say: There is no such thing as natural science. But there is natural science! There is certainly no such thing as a “secret science,” but there is such a thing as “Geheimwissenschaft.” It was, therefore, utterly foolish, yet the editor of the journal considered it a particularly significant article. The article was widely read, and what was written about Spiritual Science—which had, after all, been thoroughly criticized—was regarded as something very clever.

[ 28 ] Jetzt ist der Krieg gekommen. Jener Philosoph ist kein Deutscher, sondern er rechnet sich jetzt zu den ärgsten Feinden Deutschlands. Und nun schreibt er eine Anzahl von Briefen an denselben Karl Muth, der dazumal — verzeihen Sie den trivialen Ausdruck — sich die Finger abgeleckt hat, daß er den Artikel von dem berühmten Philosophen bekommen hat. Es ist schon viel an Gift und Galle über Deutschland und das deutsche Volk ausgeschüttet worden, aber so giftig, so schaurig wie dasjenige, was dieser berühmte Philosoph in Briefen an Karl Muth schrieb, ist eigentlich wenig verfaßt worden. Da finden sich wirklich die gräßlichsten Urteile und Kritiken über das Deutschtum und deutsches Wesen. Das Folgende kann nun sogar als ein gutes Zeichen betrachtet werden. Der betreffende Philosoph schrieb, nachdem er Gift und Galle gespuckt hat, leider nicht mit «geheimer Wissenschaft», weil die Zensur es gar nicht hinderte, über die Grenze zu gehen, so daß es sogar in München ankam, und Muth den Mut fand, diese Gift und Galle wieder abzudrucken; jetzt aber nicht, um den «bedeutenden Aufsatz eines bedeutenden Mannes» abzudrucken, sondern — nach Jahren druckt derselbe Karl Muth diese Schrift über die Deutschen ab und schreibt: Selbstverständlich müsse man einen Mann, der so schreibe, sich so vorstellen, daß er ins Narrenhaus gehöre! — Sie sehen, für Karl Muth bedurfte es dieser Schrift über das deutsche Wesen, um darauf zu kommen, daß der Mann ein Narr ist. Vor einigen Jahren aber hat er denselben Narren auf unsere Geisteswissenschaft losgelassen. Ein vernünftiger Mensch konnte das schon dazumal wissen, aber Narren gelten oftmals auch als berühmte Philosophen; darauf kommt es nicht an! Aber Sie sehen daraus, wie die Dinge stehen, welchen Fährlichkeiten Geisteswissenschaft eigentlich ausgesetzt ist. Wäre der Krieg nicht gekommen und Karl Muth darüber belehrt worden, daß eigentlich der gute Mann, dieser Professor Wincenty Lutoslawski, ein Narr ist, so würde er bei Gelegenheit wiederum einen die Geisteswissenschaft vernichtenden Artikel aus der Feder dieses «berühmten Philosophen» angenommen haben.

[ 28 ] Now war has come. That philosopher is not German; on the contrary, he now counts himself among Germany’s worst enemies. And now he is writing a number of letters to the very same Karl Muth who, back then—forgive the trite expression—licked his fingers with glee at having received the article from the famous philosopher. Much venom and bile has already been poured out over Germany and the German people, but little has actually been written as poisonous, as ghastly as what this famous philosopher wrote in letters to Karl Muth. There one finds truly the most appalling judgments and criticisms of Germanness and the German character. The following can now even be regarded as a good sign. The philosopher in question, after spewing venom and bile, unfortunately did not write using “secret science,” because the censors did not prevent it from crossing the border at all, so that it even reached Munich, and Muth found the courage to reprint this venom and bile; but now not to reprint the “significant essay by a significant man,” but—years later, the same Karl Muth reprints this treatise on the Germans and writes: Of course, one must have a mental image of a man who writes like this as belonging in a madhouse! — You see, for Karl Muth, it took this treatise on the German character to realize that the man is a fool. A few years ago, however, he unleashed the same fool on our Spiritual Science. A reasonable person could have known that even back then, but fools are often regarded as famous philosophers; that is not the point! But you can see from this how things stand, what dangers Spiritual Science is actually exposed to. Had the war not come and had Karl Muth not been informed that this good man, Professor Wincenty Lutosławski, is actually a fool, he would have accepted another article from the pen of this “famous philosopher” that would have destroyed Spiritual Science.

[ 29 ] Daraus ersehen Sie auch, wie in unserer Zeit die Menschen oft nicht geneigt sind, durch ihre Urteilskraft darauf zu kommen, welchen Standpunkt sie der Geisteswissenschaft gegenüber einzunehmen haben. Das führe ich nur an, um an einem Beispiel zu zeigen — man könnte ja viele solche Beispiele anführen —, welchen Hindernissen unsere geisteswissenschaftliche Bewegung ausgesetzt ist; daß sogar diejenigen, die später als Narren angesehen werden müssen, gegen sie losgelassen werden. Dann darf vielleicht auch das Urteil berechtigt sein, daß auch manches andere, was gegen diese Geisteswissenschaft gesagt wird, nicht gescheiter ist. Denn, wo es einmal recht eklatant bewiesen werden konnte, da ist es ja bewiesen worden.

[ 29 ] From this you can also see how, in our time, people are often not inclined to use their own judgment to determine what stance they should take toward Spiritual Science. I mention this only to illustrate—and one could cite many such examples—the obstacles our Spiritual Science movement faces; that even those who must later be regarded as fools are set upon it. Then perhaps the judgment is also justified that many other things said against the Spiritual Science are no more sensible. For where it could once be proven quite strikingly, there it has indeed been proven.

[ 30 ] Das müssen wir uns schon klarmachen, daß wir zum Lebendigmachen dessen, was die geisteswissenschaftlichen Impulse sind, auch die Kräfte gerade derjenigen brauchen, die durch des Todes Pforte gegangen sind, und die, bevor sie durch diese Pforte schritten, dasjenige aufgenommen haben, was im Lichte der Geisteswissenschaft enthalten ist. Die Kluft zwischen Lebenden und Toten muß vor allen Dingen zuerst auf unserem geisteswissenschaftlichen Felde selbst hinweggeräumt werden. Darum muß immer wieder und wiederum etwas wie eine Ermahnung auftauchen: Das Bewußtsein, daß wir nahestehende Seelen hatten, solange sie im physischen Leibe unter uns wandelten, das wollen wir bewahren, ganz so wie es war vorher, nur eben entsprechend gerichtet nach der andern Lebensform; das wollen wir bewahren, auch wenn die betreffenden Seelen durch die Pforte des Todes gegangen sind. Denn zu dem Schönsten, zu dem Bedeutsamsten, was wir uns aus der Geisteswissenschaft erringen können, wird es gehören, wenn wir diejenigen, die durch die Pforte des Todes gegangen sind, ansehen können wie unter uns Lebende, wie uns Begegnende; ganz so, wie uns diejenigen begegnen, die im physischen Leibe leben. Und das wird eine wesentliche Unterstützung finden dadurch, daß jetzt so viele Seelen auf den Feldern, wo Neues sich vorbereitet aus Blut und Tod heraus, in frühen physischen Lebensaltern durch die Pforte des Todes gehen und unverbrauchte Ätherleiber der geistigen Welt überliefern.

[ 30 ] We must realize that, in order to bring to life the impulses of Spiritual Science, we also need the very forces of those who have passed through the gate of death and who, before they crossed that threshold, absorbed what is contained in the light of Spiritual Science. The gulf between the living and the dead must first and foremost be bridged within the field of Spiritual Science itself. That is why something like a reminder must arise again and again: the awareness that we had souls close to us while they walked among us in their physical bodies—let us preserve that, just as it was before, only now directed toward the other form of life; let us preserve that, even when the souls in question have passed through the gate of death. For it will be among the most beautiful, the most significant things we can attain through Spiritual Science, when we can regard those who have passed through the gate of death as living among us, as meeting us; just as those who live in physical bodies meet us. And this will find substantial support in the fact that so many souls are now passing through the gate of death at an early physical age in the realms where new life is being prepared out of blood and death, and are handing over their unused etheric bodies to the spiritual world.

[ 31 ] Der Ätherleib des Menschen ist ja so zubereitet, daß er bis in das höchste Alter hinein den Menschen mit Lebenskraft versorgen kann. Geht der Mensch nun im jugendlichen Alter durch die Pforte des Todes, so bleiben die Kräfte unverbraucht, die hier noch hätten verwendet werden können, wenn der Mensch ein höheres Alter erteicht hätte. Und wir können jetzt hinaufschauen in die geistige, die ätherische Welt, wo der Mensch noch einige Zeit bleibt, wenn er den physischen Plan verlassen hat; da sind von denen, die auf den Feldern der Ereignisse gefallen sind, die durch die Pforte des Todes gegangen sind, eben viele jugendliche Ätherleiber vorhanden, die sich nicht gleich auflösen, sondern die bleiben, zusammenhaltend und die Kräfte enthaltend, die lange Zeit noch hätten Lebensverhältnisse versorgen können.

[ 31 ] The human etheric body is, in fact, constituted in such a way that it can supply the human being with life force well into old age. If a person passes through the gate of death while still young, the forces that could have been utilized here remain unspent—forces that would have been used had the person lived to a more advanced age. And we can now look up into the spiritual, the etheric world, where a person remains for some time after leaving the physical plane; there are, among those who have fallen in the fields of events and passed through the gate of death, many youthful etheric bodies that do not dissolve immediately, but remain, holding together and containing the forces that could have sustained life for a long time yet.

[ 32 ] Diese Ätherleiber aber, sie werden da sein, sie werden Kräfte sein, die dann den Menschen zu Hilfe kommen können, wenn diese mit dem Bewußtsein der Geisteswissenschaft sehnend hinaufschauen, dahin, wo dasjenige sein wird, was in unverbrauchten Ätherleibern enthalten ist. Jene Kräfte von oben werden sich verbinden denen, die sich bewußt verbinden wollen mit diesen Kräften aus dem geisteswissenschaftlichen Bewußtsein heraus. Dieses fühlend und empfindend, sollen wir uns zu ihnen wenden. Wir sollen uns bekennen zu der geistigen Welt in lebendiger Weise. Wir sollen uns sagen können: Menschen muß es geben gerade in der Zukunft, in der Zeit, die auf diesen Krieg folgen wird, hier auf dieser unserer Erde, welche Seelen in sich tragen, die so in die geistige Welt hinaufschauen können, daß ihnen diese unverbrauchten Ätherleiber Realitäten sein werden; daß ihnen das zur Realität wird durch die Erkenntnis der geistigen Welt. Dann wird Geisteswissenschaft sich als gewachsen zeigen dem, was nicht nur Erkenntnis ist, sondern reales Leben; reales Leben auch durch die schicksaltragenden Ereignisse unserer Zeit. Und dann wird man sagen können: Dadurch, daß Seelen vorhanden sein werden in der Welt, die aufblicken zu den Ätherleibern da oben, die unverbraucht ihre Kräfte entwickeln, dadurch werden jene Menschenseelen auf der Erde aufnehmen können diese Kräfte und um so stärker wirken können. Und fruchtbar für die Erdenseelen in der Zukunft werden diese unverbrauchten Ätherleiberkräfte derjenigen sein, die heute auf den Feldern von Blut und Tod ihre Opfer dargebracht haben.

[ 32 ] But these etheric bodies will be there; they will be forces that can then come to the aid of human beings when they look up longingly, with the consciousness of Spiritual Science, toward where that which is contained in the unspent etheric bodies will be. Those forces from above will unite with those who consciously seek to connect with them out of a consciousness of Spiritual Science. Feeling and sensing this, we should turn to them. We should profess our belief in the spiritual world in a living way. We should be able to say to ourselves: There must be people, especially in the future, in the time that will follow this war, here on our Earth, who carry within them souls that can look up into the spiritual world in such a way that these unspent etheric bodies will be realities to them; that this will become a reality to them through the knowledge of the spiritual world. Then Spiritual Science will prove itself equal to what is not merely knowledge, but real life; real life also through the fateful events of our time. And then one will be able to say: Because there will be souls in the world who look up to the etheric bodies above, which are developing their powers undiminished, through this those human souls on Earth will be able to absorb these powers and thus work all the more strongly. And these untapped etheric body forces of those who have offered their sacrifices today on the fields of blood and death will be fruitful for the souls on Earth in the future.

[ 33 ] Aus diesem Grunde wollen wir auch heute wiederum gedenken jenes Zusammenwirkens, das entstehen kann zwischen den Seelen, die künftig durchseelt und durchgeistigt von geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen hinaufblicken zu dem, was aus diesem Kriege von den Ätherleibern zurückbleibt, was entstehen kann aus diesem inneren seelischen Zusammenwirken. Wir wollen auch heute wiederum jene Worte in unsere Seelen schreiben, die ich jetzt gerne am Ende unserer Zweigbetrachtungen spreche, aus dem ganzen Zusammenhang der Zeitereignisse heraus:

[ 33 ] For this reason, let us once again today reflect on the spiritual interaction that can arise between souls who, inspired and enlightened by insights from Spiritual Science, look upward toward what remains of this war in the etheric bodies—what can emerge from this inner spiritual interaction. Let us once again inscribe in our souls those words that I now wish to speak at the end of our branch reflections, drawn from the entire context of current events:

Aus dem Mut der Kämpfer,
Aus dem Blut der Schlachten,
Aus dem Leid Verlassener,
Aus des Volkes Opfertaten
Wird erwachsen Geistesfrucht
Denken Seelen geistbewußt
Ihren Sinn ins Geisterreich.

From the courage of the fighters,
From the blood of the battles,
From the suffering of the forsaken,
From the sacrifices of the people
The fruit of the spirit grows
Souls, spiritually aware,
Send their meaning into the spirit realm.