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Paths to Spiritual Insight and
the Renewal of an Artistic Worldview
GA 161

10 January 1915, Dornach

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Zweiter Vortrag

Second Lecture

[ 1 ] In Erinnerung an das, was wir gestern zu betrachten versuchten, denken wir daran, wie es zunächst mit dem, was wir die Saturnentwickelung des Menschen nennen, eigentlich beschaffen sein muß.

[ 1 ] Recalling what we attempted to consider yesterday, let us reflect on what the so-called Saturn phase of human development must actually entail.

[ 2 ] Wenn wir das ins Auge fassen, was wir gestern ausgeführt haben, so wissen wir, daß in uns, ich möchte sagen, in unserer Menschenwesenheit auf verborgene Art dasjenige vorhanden ist, was in der Saturnzeit zuerst in uns verpflanzt worden ist: die erste Anlage der physischen Leiblichkeit. Das was die alte Saturnentwickelung an uns getan hat, das ist heute nicht mehr irgendwo innerhalb unserer äußeren Welt anzutreffen. Diese alte Saturnentwickelung ist in urferner Vergangenheit einmal heraufgezogen, ist wiederum vergangen, hat Eigentümlichkeiten, Kräfte gehabt, die wir heute, wenn wir um uns herumblicken, zunächst vergeblich suchen. Denn auch, wenn wir zu den Sternen aufschauen in den Weltenraum hinaus, finden wir heute zunächst nicht das, was innerhalb der alten Saturnentwickelung herrschend war.

[ 2 ] If we consider what we discussed yesterday, we know that within us—or rather, within our human being—there exists, in a hidden way, that which was first implanted in us during the Saturnic era: the first rudiment of physical corporeality. What the ancient Saturn evolution did to us can no longer be found anywhere within our outer world today. This ancient Saturn evolution arose once in the distant past, has since passed away, and possessed characteristics and forces that we today, when we look around us, initially seek in vain. For even when we look up at the stars out into outer space, we do not initially find today what was dominant within the ancient Saturn evolution.

[ 3 ] Es ist ja, nachdem diese alte Saturnentwickelung abgedämmert war, die Sonnenentwickelung und dann die Mondenentwickelung gekommen. Heute leben wir innerhalb der Erdenentwickelung. Drei Entwickelungsperioden sind vergangen. Das, was ihre Eigentümlichkeiten waren, ist mit vergangen, ist jetzt nicht mehr, ich möchte sagen, inunseremBlickfelde. Nur unter den verborgenen, unter den okkulten Wirkungen, die die Welt durchwallen, können wir das finden, was Eigentümlichkeit der alten Saturnentwickelung war. Wir können noch die Kräfte gewissermaßen entdecken, die dazumal an unserem physischen Leibe gearbeitet haben.

[ 3 ] It is true that, after this ancient Saturnic phase had come to an end, the Solar phase and then the Lunar phase followed. Today we are living within the Earth phase. Three phases of development have passed. The characteristics of those periods have passed away; they are no longer, I might say, within our field of vision. Only among the hidden, occult forces that permeate the world can we find what was characteristic of the ancient Saturn evolution. We can still, in a sense, discover the forces that once worked upon our physical bodies.

[ 4 ] Wenn Sie sich erinnern an das, was in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» dargestellt ist, so werden Sie wissen, daß damals tätig war ein Zusammenwirken der Geister des Willens und der Geister der Persönlichkeit. Dieses Zusammenwirken ist auch heute noch da, aber, wie gesagt, wir können es nicht im äußeren Blickfelde finden. Wir finden es, wenn wir in das hineinblicken, was wir unser persönliches Schicksal nennen. Unser persönliches Schicksal wird ja so gewoben, daß in den aufeinanderfolgenden Inkarnationen das, was uns trifft, wie Ursache und Wirkung zusammenhängt. Und was da wirksam ist in unserem persönlichen Schicksalsstrom, das sind keine Kräfte, die der äußere Naturwissenschafter untersuchen kann. Denn er wird unter den Kräften, die er auf dem Gebiete der Physik, Chemie, Biologie, Physiologie und so weiter entdeckt, nichts finden, was hervorruft jenen Zusammenhang von Ursache und Wirkung, der in unserem persönlichen Karma zum Ausdruck kommt. Die Gesetze, die da walten, entziehen sich der physikalischen Beobachtung. Aber sie entziehen sich auch der historischen Beobachtung, derjenigen Beobachtung, die die sogenannten Kulturwissenschafter materialistischer Färbung heute pflegen. Wie man untersucht, was im geschichtlichen Werden vor sich geht, wie man heute Geschichte schreibt, von den persischen, ägyptischen, griechischen und römischen Zeiten bis in unsere Gegenwart, das enthält Gesetze, die nichts zu tun haben mit jenen Kräften, die in unserem Karma wirksam sind. Daher kommt der Historiker, der heutige Kulturwissenschafter materialistischer Färbung auch nicht auf die Gesetze, die abhängen von dem persönlichen Karma der Menschen.

[ 4 ] If you recall what is described in my Outline of Esoteric Science, you will know that at that time there was an interaction between the spirits of the will and the spirits of the personality. This interaction still exists today, but, as I said, we cannot perceive it in the outer realm. We find it when we look into what we call our personal destiny. Our personal destiny is woven in such a way that, in successive incarnations, what befalls us is connected as cause and effect. And what is at work in the current of our personal destiny are not forces that the external natural scientist can investigate. For among the forces he discovers in the fields of physics, chemistry, biology, physiology, and so on, he will find nothing that brings about that connection of cause and effect which is expressed in our personal karma. The laws that govern this elude physical observation. But they also elude historical observation—the kind of observation practiced today by so-called cultural scientists of a materialistic bent. The way we examine what takes place in historical development, the way history is written today—from Persian, Egyptian, Greek, and Roman times up to the present—contains laws that have nothing to do with the forces at work in our karma. Therefore, the historian—today’s cultural scientist of a materialistic bent—does not arrive at the laws that depend on people’s personal karma.

[ 5 ] Die Geschichte wird so betrachtet wie ein fortlaufender Strom, und es wird zum Beispiel ganz außer acht gelassen, inwiefern das geschichtliche Werden davon abhängt, daß, sagen wir, Menschenseelen, die Persönlichkeiten waren in der alten Römerzeit, heute wiederum vorhanden sind, daß sie teilnehmen an den Ereignissen, die um uns herum sind, und so teilnehmen, daß die Art, wie sie heute teilnehmen, aus ihrem persönlichen Karma fließt. Das wird ausgeschaltet bei dem Historiker materialistischer Färbung.

[ 5 ] History is viewed as a continuous stream, and, for example, it is completely disregarded to what extent historical development depends on the fact that, let us say, human souls who were personalities in ancient Roman times are present again today, that they participate in the events around us, and participate in such a way that the manner of their participation today flows from their personal karma. This is disregarded by the historian of a materialistic bent.

[ 6 ] Also wenn wir suchen, was noch vorhanden ist an Kräften, die, ich möchte sagen, die Naturkräfte der alten Saturnentwickelung waren, so müssen wir zu der Gesetzmäßigkeit unseres persönlichen Karmas gehen. Erst wenn wir lernen, den Kosmos, der in unserem Blickfelde ist, nicht bloß zu betrachten, sondern zu lesen das, was in ihm ist, dann bekommen wir einen Einblick, wie in dem, was um uns herum ist, noch immer die alten Saturngesetze in einer gewissen Weise wirksam sind.

[ 6 ] So when we seek out what remains of the forces that, I would say, were the natural forces of the ancient Saturn evolution, we must turn to the laws of our personal karma. Only when we learn not merely to observe the cosmos within our field of vision, but to read what is within it, do we gain an insight into how the ancient Saturn laws are still active in a certain way in what surrounds us.

[ 7 ] Wenn wir die Anordnung und Ausstrahlung der zwölf Tierkreiszeichen wie eine kosmische Schrift ins Auge fassen, wenn wir ins Auge fassen, welche Kräfteausstrahlungen sich hineinergießen in das Menschenleben von Widder, Stier, Zwillingen und so weiter, dann denken wir im Sinne derjenigen Kräfte, die Saturnkräfte waren. Und wenn wir versuchen, das persönliche Karma in Zusammenhang zu bringen mit den Konstellationen, die sich auf diese Tierkreiszeichen beziehen, dann leben wir ungefähr in der Sphäre der Weltbetrachtung, die angewendet werden müßte auf die Gesetze der alten Saturnepoche.

[ 7 ] When we consider the arrangement and influence of the twelve signs of the zodiac as a kind of cosmic script, when we consider the forces that flow into the lives of Aries, Taurus, Gemini, and so on, we are thinking in terms of those forces that were once the forces of Saturn. And when we try to relate personal karma to the constellations associated with these zodiac signs, we are operating roughly within the sphere of a worldview that would have to be applied to the laws of the ancient Saturn epoch.

[ 8 ] Es ist also zurückgeblieben gewissermaßen nichts, was man sehen kann, sondern etwas Unsichtbares, was aber noch aus den Zeichen des Kosmos zu deuten ist. Derjenige, der glauben würde, der Widder, der Stier, die Zwillinge machen sein Schicksal, der würde in demselben Irrtume leben wie derjenige, der durch einen gewissen Gesetzesparagraphen verurteilt wird und nun auf diesen Gesetzesparagraphen einen besonderen Haß bekäme und glaubte, daß der ihn ins Gefängnis geschickt habe. So wenig ein einzelner Gesetzesparagraph — das, was auf dem weißen Blatt als Druckschrift steht — einen Menschen verurteilen kann, so wenig können der Widder, der Stier oder die Zwillinge das Schicksal bewirken. Aber lesen kann man dasjenige aus der Sternenschrift, was aus dem Kosmos heraus mit dem Menschenschicksal zusammenhängt. Wir können also sagen: Das, was so aus der Sternenschrift folgt, ist ein Rest der alten Saturnentwickelung, ist die alte Saturnentwikkelung, rein geistig geworden, nur ihre Zeichen zurücklassend in der Sternenschrift des Kosmos. .

[ 8 ] So, in a sense, nothing remains that can be seen, but rather something invisible that can still be interpreted from the signs of the cosmos. Anyone who believes that Aries, Taurus, or Gemini determine their fate would be living under the same delusion as someone who is convicted under a certain section of the law and then develops a particular hatred for that section, believing it to be the cause of their imprisonment. Just as a single legal provision—what is printed on a white sheet of paper—cannot condemn a person, so too can Aries, Taurus, or Gemini not bring about destiny. But one can read from the star script what is connected to human destiny from the cosmos. We can therefore say: What follows from the star script is a remnant of the ancient Saturn evolution; it is the ancient Saturn evolution, having become purely spiritual, leaving only its signs behind in the star script of the cosmos. .

[ 9 ] Wenn wir von der alten Saturnentwickelung fortschreiten zur Mondenentwickelung, dann müssen wir uns klarmachen, daß wir auch zunächst von der Mondenentwickelung so unmittelbar — ich sage: zunächst, so unmittelbar — nichts in unserem Blickfelde haben, das uns umgibt. Das, was äußere Naturwirkungen sind, enthält zunächst in der Hauptsache keine Kräfte, die etwa gleichkämen den Kräften der alten Mondenentwickelung. Auch die Kräfte der alten Mondenentwickelung haben sich gewissermaßen ins Verborgene zurückgezogen, aber sie sind noch nicht in demselben Grade geistig geworden wie die alten Saturngesetze. Die alten Saturngesetze sind so geistig geworden, daß wir sie in den Gesetzen unseres persönlichen Schicksals, also ich möchte sagen, ganz außerhalb des Raumes und der Zeit nur erforschen können. Wenn wir das Menschenleben im ganzen betrachten, so finden wir heute noch diese alten Saturngesetze, finden noch das, was wir, wenn wir dem Menschen entgegentreten in der physischen Welt, nicht sehen können.

[ 9 ] As we move from the ancient Saturn evolution to the lunar evolution, we must realize that, at first, we do not have anything from the lunar evolution—I say: at first, nothing so immediate—within our field of vision that surrounds us. The forces of external nature, for the time being, contain no forces that are comparable to the forces of the ancient lunar evolution. The forces of the ancient lunar evolution have, so to speak, withdrawn into the hidden realm, but they have not yet become spiritual to the same degree as the ancient laws of Saturn. The ancient Saturn laws have become so spiritual that we can only explore them in the laws of our personal destiny—that is to say, entirely outside of space and time. When we consider human life as a whole, we still find these ancient Saturn laws today; we still find what we cannot see when we encounter human beings in the physical world.

[ 10 ] Wir haben gesagt: Wenn wir dem Menschen in der physischen Welt entgegentreten, haben wir den physischen Leib als Rest der alten Saturnentwickelung, den Ätherleib als Rest der alten Sonnenentwickelung, den Astralleib als Rest der alten Mondenentwickelung, und das Ich. Und eigentlich nur die Verkörperung dieses Ich sehen wir nicht als Rest, wenn wir den Menschen äußerlich anschauen, wenn wir seine Gestalt betrachten. Die Gesetze also, die waltend und wirksam sind, indem das Ich sich den Menschen gestaltet, sich verkörpert, sind die Erdengesetze. Und schon die Gesetze des astralischen Leibes, die Gesetze der Mondenentwickelung, haben sich zurückgezogen, sind nicht mehr äußerlich wirksam. Aber sie sind so, daß wir, wenn wir dem Menschen gegenübertreten, sagen werden: Du, Mensch, bist, wie du mir gegenübertreten als materieller Mensch, eine Verkörperung des Ich. Aber tief im Hintergrunde deines Wesens liegt dein unsichtbares, persönliches Schicksal. Wie dieses unsichtbare, persönliche Schicksal bestimmt ist, so walten in ihm die alten Saturngesetze. Da appellieren wir schon an etwas ganz Geistiges, wenn wir von der Verkörperung des Ich, also von den Erdengesetzen, auf die alten Saturngesetze hinblicken. Nicht etwas so Geistiges ist es, wenn wir von dem, was vor uns steht im Menschen, hinblicken auf das, was in ihm von den alten Mondengesetzen noch waltet. Aber auch das hat sich zurückgezogen von der äußeren Weltwirksamkeit, auch das ist nicht so unmittelbar sozusagen unter den Wirkungskräften des Erdendaseins.

[ 10 ] We have said: When we encounter a human being in the physical world, we find the physical body as a remnant of the old Saturn evolution, the etheric body as a remnant of the old Sun evolution, the astral body as a remnant of the old Moon evolution, and the I. And in fact, it is only the embodiment of this ego that we do not see as a remnant when we look at a human being externally, when we observe their form. Thus, the laws that are active and effective as the ego takes shape in the human being, as it incarnates, are the laws of the Earth. And even the laws of the astral body, the laws of the lunar evolution, have withdrawn; they are no longer outwardly effective. But they are such that when we stand before a human being, we will say: You, human being, are—as you stand before me as a material human being—an embodiment of the I. But deep in the background of your being lies your invisible, personal destiny. Just as this invisible, personal destiny is determined, so do the ancient Saturn laws reign within it. Here we are already appealing to something entirely spiritual when we look from the embodiment of the I—that is, from the laws of the Earth—toward the ancient Saturn laws. It is not something so spiritual when we look from what stands before us in the human being to what still reigns within him from the old lunar laws. But that, too, has withdrawn from outer world activity; that, too, is not so immediately, so to speak, under the active forces of earthly existence.

[ 11 ] Wo müssen wir es suchen, was von der alten Mondenwirksamkeit zurückgeblieben ist? Wir müssen es suchen geschützt und eingebettet, verhüllt vom Erdendasein. Denn es ist wirksam in der Zeit bevor der Mensch durch seine physische Geburt ins Erdendasein tritt, es ist wirksam bevor der äußere, physische Lichtstrahl in sein Auge dringen kann, es ist wirksam bevor er den ersten Atemzug begonnen hat. Es ist wirksam von der Empfängnis bis zur Geburt, wirksam im Embryonalleben, aber nicht wirksam — das bitte ich ausdrücklich zu beachten — in dem, was sich zum äußeren physischen Menschen entwickelt von der Eizelle aus, also in dem, was von der Eizelle aus wächst, durch fortwährende Zellteilung größer und größer wird — da sind die Erdengesetze drinnen —, sondern wirksam in dem, was nur in der Mutter vorhanden ist und abstirbt während der Embryonalentwickelung, um sich mit der Geburt zu verlieren und in den Tod überzugehen. In dem, was da die Mutter umhüllt und für die Ernährung des Erdenmenschen sorgt, solange er noch nicht geboren ist, was einhüllt den werdenden Menschen und dann von ihm abfällt: in dem walten die alten Mondengesetze. Und mit dem hängt zusammen dasjenige, was über das einzelne Menschenleben hinausgeht, was einen Zusammenhang schafft zwischen dem einzelnen Menschen und seinen Vorfahren, was sich einschließt in den Begriff der Vererbung.

[ 11 ] Where must we look for what remains of the old lunar influence? We must seek it protected and embedded, veiled by earthly existence. For it is active in the time before the human being enters earthly existence through physical birth; it is active before the outer, physical ray of light can penetrate the eye; it is active before the first breath has been taken. It is active from conception to birth, active in embryonic life, but not active—and I ask you to note this explicitly—in what develops into the outer physical human being from the egg cell, that is, in what grows from the egg cell, becoming larger and larger through continuous cell division—the laws of the Earth are at work there—but effective in what exists only within the mother and dies off during embryonic development, to be lost at birth and pass into death. In that which envelops the mother and provides nourishment for the earthly human being as long as he has not yet been born, that which envelops the developing human being and then falls away from him: in that, the ancient laws of the Moon prevail. And connected to this is that which transcends the individual human life, that which creates a connection between the individual human being and his ancestors, that which is encompassed by the concept of heredity.

[ 12 ] So sehen wir allerdings dasjenige noch wirksam, was während der alten Mondenentwickelung da war, aber nicht in der äußeren Welt. In der äußeren Welt wirkt es nur gleichsam als Absterbendes im Menschenwerden. Es wird überwunden, sobald der Mensch seinen ersten, wirksamen Atemzug für sein Erdenleben tut.

[ 12 ] In this way, however, we can still perceive what was present during the ancient lunar evolution, though not in the outer world. In the outer world, it acts only, as it were, as something that is dying out in the process of human becoming. It is overcome as soon as the human being takes their first, active breath of life on Earth.

[ 13 ] Will man die Gesetze des alten Mondenseins studieren, rein physiologisch, nicht hellseherisch, so würde es heute keinen anderen Weg geben — wenigstens für einen Teil dieser Gesetze der alten Mondenwirksamkeit —, als die Gesetze zu studieren, die wirksam sind in den Hüllen, die den menschlichen Embryo umgeben, bevor er seinen ersten Atemzug tut, die ihn umhüllen und ernähren. Was da eingeschlossen ist im Leibe der Mutter, was da gedeihen kann während der Erdenentwickelung nur unter der schützenden Hülle des Mutterleibes, das war ganz Natur während der alten Mondenentwickelung, das erfüllte das ganze Blickfeld während der alten Mondenentwickelung.

[ 13 ] If one wishes to study the laws of the old lunar existence—purely physiologically, not clairvoyantly—there would be no other way today—at least for a part of these laws of the old lunar activity—than to study the laws that are active in the membranes surrounding the human embryo before it takes its first breath, which envelop and nourish it. What is enclosed within the mother’s body, what can thrive during Earth’s development only under the protective covering of the womb—that was the very essence of nature during the old lunar development; it filled the entire field of vision during the old lunar development.

[ 14 ] So ersterben nicht nur die Wesen, insofern sie eine Hüllennatur haben, sondern so ersterben ganze Typen von Naturgesetzlichkeiten und sind bloß noch in ihren Resten vorhanden in den folgenden Zeiten.

[ 14 ] Thus, not only do beings perish insofar as they have a physical form, but entire types of natural laws also perish, surviving only in their remnants in subsequent eras.

[ 15 ] Nun werden Sie die Frage aufwerfen müssen: Wie ist es denn mit dem, was von der Sonne herrührt? — Betrachten wir das gestrige Schema. Wir haben gesehen, daß durch all die Komplikationen, die hier eintreten, wir es zu tun haben bei dem vollständigen Menschen mit seinem physischen Leibe, Ätherleibe, Astralleibe, Ich; Ätherleib, Astralleib, Ich; Astralleib, Ich; und mit dem Ich selber. Im Grunde genommen ist alles das, was hier oben ist (über der Abgrenzung), der verborgene Teil der Menschennatur. Wenn wir die in der physischen Leibesanlage wirksamen Gesetze studieren wollen, müssen wir hinblicken auf das, was im Menschen schicksalbestimmende Gesetze, übersinnliche, schicksalbestimmende Gesetze sind. Wenn wir hinschauen auf das, was im Astralleibe waltet und seine Verkörperung findet im physischen Leibe, dann haben wir nicht so Geistiges, nicht so Übersinnliches, aber wir haben ein sich vom Sinnlichen ins Übersinnliche Auflösendes. Denn das, was da abfällt von dem menschlichen Embryo, das wird immer, ich möchte sagen, atomistischer und atomistischer, je mehr der Mensch zur Geburt heranreift; es geht materiell seiner Auflösung entgegen. Und in demselben Maße, in dem es materiell seiner Auflösung entgegengeht, wird es geistiger und geistiger, denn was sich da angliedert an den Menschen als astralischer Leib und ätherischer Leib, das entsteht durch die Vergeistigung dieser abfallenden Teile der Hüllen, der embryonalen Hüllen.

[ 15 ] Now you will have to ask the question: What about that which originates from the sun? — Let us consider yesterday’s diagram. We have seen that, due to all the complications that arise here, we are dealing with the complete human being and his physical body, etheric body, astral body, and I; etheric body, astral body, and I; astral body and I; and with the I itself. Basically, everything that is up here (above the boundary) is the hidden part of human nature. If we want to study the laws at work in the physical body, we must look at what in the human being are the laws that determine destiny—super-sensory, destiny-determining laws. When we look at what reigns in the astral body and finds its embodiment in the physical body, then we do not have something so spiritual, not something so supersensible, but we have something dissolving from the sensible into the supersensible. For what falls away from the human embryo becomes, I might say, more and more atomistic the more the human being matures toward birth; it is moving toward its dissolution in a material sense. And to the same extent that it moves toward its dissolution in a material sense, it becomes more and more spiritual, for what attaches itself to the human being as the astral body and the etheric body arises through the spiritualization of these shedding parts of the sheaths, the embryonic sheaths.

Diagram 4Figure 4

[ 16 ] Nun könnte die Frage entstehen: Wie ist es denn nun aber mit dem Sonnenteile? Können wir irgendwo in der Welt finden den Sonnenteil? Auch dieser Sonnenteil entzieht sich der sinnlichen Beobachtung. Während das, was wir Karma nennen, das persönliche Schicksal, ich möchte sagen, der Saturnteil des Menschen, in hochgeistigen Regionen liegt, brauchen wir, wie wir gesehen haben, beim Mondenteil nicht so hoch hinaufzusteigen, denn wir finden ihn noch im Sinnlichen verhüllt. Beim Sonnenteil brauchen wir auch nicht so hoch hinaufzusteigen wie beim Saturnteile. Er ist gleichsam noch ergreifbar, dieser Sonnenteil des Menschen, aber er wird nicht leicht erkannt. Ergreifbar ist er, aber er ist nicht leicht zu erkennen.

[ 16 ] Now the question might arise: But what about the solar aspect? Can we find the solar aspect anywhere in the world? This solar aspect, too, eludes sensory observation. While what we call karma—personal destiny, I might say, the Saturn part of the human being—lies in highly spiritual regions, as we have seen, we do not need to ascend so high to reach the Moon part, for we still find it veiled in the sensory realm. With the solar aspect, we also do not need to ascend as high as with the Saturn aspect. This solar aspect of the human being is, as it were, still graspable, but it is not easily recognized. It is graspable, but it is not easily recognized.

[ 17 ] Ich möchte ein Beispiel anführen für etwas, wo Sie den Sonnenteil, der wirksam ist, noch erkennen können, wenn auch nur verhüllt auf ihn aufmerksam gemacht werden kann. Diejenigen der lieben Freunde, welche sich bekannt gemacht haben mit meinem Buche in der neuen Auflage «Die Rätsel der Philosophie, im Umriß dargestellt», werden gefunden haben, daß unterschieden worden sind vier Epochen der philosophischen Entwickelung. Eine erste Epoche, die etwa währt — ich habe sie überschrieben «Die Weltanschauungen der griechischen Denker» — vom Jahre 800, das ist rund genommen, oder 600 vor Christus bis zu Christi Geburt, also bis in die Zeit der Entstehung des Christentums; eine zweite Epoche, welche währt von der Entstehung des Christentums bis etwa 800 bis 900 Jahre nach Christo, also bis zu der Zeit des Johannes Scotus Eriugena; dann eine Zeit, welche ich genannt habe «Die Weltanschauungen im Mittelalter»; eine dritte Epoche, die etwa dauert vom Jahre 800 oder 900 bis zum 16. Jahrhundert nach Christo; und eine vierte Epoche vom 16. Jahrhundert bis auf weiteres. Wir sind grade drinnen in dieser Epoche. Sieben- bis achthundertjährige Epochen in der Philosophiegeschichte sind angegeben worden, so wie ich sie darstellen konnte in diesem Buche für die noch ganz von der Geisteswissenschaft unberührte Welt.

[ 17 ] I would like to give an example of something where you can still recognize the active part of the Sun, even if attention can only be drawn to it in a veiled way. Those of my dear friends who have familiarized themselves with my book in its new edition, The Riddles of Philosophy, Presented in Outline, will have found that four epochs of philosophical development have been distinguished. A first epoch, which lasts roughly—I have titled it “The Worldviews of the Greek Thinkers”—from the year 800, that is, roughly speaking, or 600 B.C. until the birth of Christ, that is, until the time of the emergence of Christianity; a second epoch, which lasts from the emergence of Christianity until about 800 to 900 years after Christ, that is, up to the time of John Scotus Eriugena; then a period which I have called “Worldviews in the Middle Ages”; a third epoch, which lasts roughly from the year 800 or 900 to the 16th century AD; and a fourth epoch from the 16th century to the present. We are currently in the midst of this epoch. Epochs spanning seven to eight hundred years in the history of philosophy have been outlined, as I have been able to present them in this book for a world still entirely untouched by Spiritual Science.

[ 18 ] Es sollte etwas gegeben werden, was anregen kann, wenigstens einmal die geistige Struktur dieser Epochen auf sich wirken zu lassen. Das Eigentümliche der ersten Epoche besteht darinnen, daß der Übergang gefunden wird aus einem sehr merkwürdigen alten Denken zu dem, was man nennen kann das Leben des Gedankens im alten Griechenland. Unsere Zeit ist ja wirklich noch nicht sehr weit in dem Verstehen solcher Unterschiede wie desjenigen zwischen dem Gedankenleben unserer Zeit und dem Gedankenleben des alten Griechenlands. Unser grobklotziges Denken meint, der Gedanke habe in einem alten griechischen Kopf so gelebt, wie der Gedanke in einem jetzigen Kopfe lebt. In Sokrates, in Plato und auch in Aristoteles lebte der Gedanke in ganz anderer Weise als in einem modernen Menschen, und dieses Gedankenleben ist im 7. oder 6. Jahrhundert vor der christlichen Zeitrechnung im Grunde erst erwacht. Vorher gab es nicht so recht ein eigentliches Gedankenleben. So wie es in meinem Buche dargestellt ist, kann man von einem Anfange, von einer Geburt des Gedankenlebens in dieser Zeit des alten Griechenlands sprechen.

[ 18 ] There should be something that can inspire us to let the spiritual structure of these epochs sink in, at least once. The distinctive feature of the first epoch is that it marks the transition from a very peculiar ancient way of thinking to what might be called the life of thought in ancient Greece. Our time has not yet come very far in understanding such differences as that between the intellectual life of our time and the intellectual life of ancient Greece. Our crude way of thinking assumes that thought lived in an ancient Greek mind just as thought lives in a modern mind. In Socrates, in Plato, and also in Aristotle, thought lived in a completely different way than in a modern person, and this life of thought essentially first awakened in the 7th or 6th century B.C. Before that, there was not really an intellectual life to speak of. As it is presented in my book, one can speak of a beginning, of a birth of intellectual life in this era of ancient Greece.

[ 19 ] Die kuriosesten Vorstellungen hat man gefaßt über die ersten griechischen Philosophen, über jene großen Philosophengestalten Thales, Anaxagoras, Anaximenes und so weiter, indem man zum Beispiel hingewiesen hat darauf, daß Thales die Welt aus dem Wasser entstehen ließ, Anaximenes aus der Luft, Heraklit aus dem Feuer. Ich habe darauf hingewiesen, daß diese alten Philosophen ihre Philosophien noch aus dem menschlichen Temperamente hervorgehen ließen, daß diese Lehren nicht auf Spekulation beruhten, sondern daß Thales das Wasser als den Urgrund der Dinge hinstellte, weil er von wässerigem Temperamente war, daß Heraklit die Feuerphilosophie fand, weil er von feurigem Temperamente war und so weiter. Das finden Sie im einzelnen nachgewiesen in meinem Buche.

[ 19 ] The most curious mental images have been formed about the early Greek philosophers—those great figures such as Thales, Anaxagoras, Anaximenes, and so on—by pointing out, for example, that Thales believed the world arose from water, Anaximenes from air, and Heraclitus from fire. I have pointed out that these ancient philosophers derived their philosophies from human temperaments, that these teachings were not based on speculation, but that Thales posited water as the primordial source of all things because he had a watery temperament, that Heraclitus developed the philosophy of fire because he had a fiery temperament, and so on. You will find this demonstrated in detail in my book.

[ 20 ] Dann kommt das eigentliche Gedankenleben. Und noch in der Epoche, die hier geschildert ist, ist dieses Gedankenleben anders als das heutige Gedankenleben, wesentlich anders als das heutige Gedankenleben. Der griechische Denker zieht nicht den Gedanken aus dem Grunde seiner Seele herauf, sondern bei ihm offenbart sich der Gedanke, wie sich für den heutigen Menschen der äußere Ton oder die Farbe offenbart. Der Grieche nimmt den Gedanken wahr; von außen her nimmt er ihn wahr, und wir müssen, wenn wir von der griechischen Philosophie sprechen, nicht von einem solchen Denken sprechen, wie heute gedacht wird, sondern von Gedankenwahrnehmung. Also in der ersten Epoche haben wir es zu tun mit Gedankenwahrnehmung. Plato und Aristoteles denken nicht so, wie ein heutiger Philosoph denkt, sondern sie denken so, wie man heute anschaut, wie man heute wahrnimmt. Sie blicken gleichsam in die Welt hinein und nehmen die Gedanken, die sie uns erzählen in ihren Philosophien, so wahr, wie man eine Symphonie wahrnimmt. Sie sind Gedankenwahrnehmer. Die Welt offenbart ihnen ein Gedankenwerk: das ist das Wesentliche der griechischen Denker. Und in bezug auf diese Wahrnehmung des Gedankenwerkes der Welt bringen es die griechischen Denker zu einer hohen, zu einer höchsten Vollendung.

[ 20 ] Then comes the actual life of thought. And even in the epoch described here, this life of thought is different from today’s life of thought—fundamentally different from today’s life of thought. The Greek thinker does not draw the thought up from the depths of his soul, but rather the thought reveals itself to him just as external sound or color reveals itself to people today. The Greek perceives the thought; he perceives it from the outside, and when we speak of Greek philosophy, we must not speak of thinking as it is practiced today, but rather of the perception of thought. So in the first epoch we are dealing with the perception of thought. Plato and Aristotle do not think as a modern philosopher thinks, but they think as one observes today, as one perceives today. They look, as it were, into the world and perceive the thoughts they convey to us in their philosophies just as one perceives a symphony. They are perceivers of thought. The world reveals to them a work of thought: that is the essence of the Greek thinkers. And with regard to this perception of the world’s work of thought, the Greek thinkers bring it to a high, indeed the highest, perfection.

[ 21 ] Wenn heute die Philosophen glauben, das schon verstanden zu haben, was Plato und Aristoteles wie eine große Weltsymphonie von Gedanken wahrgenommen haben, so rührt dies nur von einer kindischen Einstellung der gegenwärtigen Philosophen her. Das, was Aristoteles als Entelechie, was er als Seelenglieder der Menschennatur — Ästhetikon, Orektikon, Kinetikon und so weiter — darlegt, vollständig zu begreifen, dazu werden die modernen Philosophen noch lange Wege machen müssen. Jenes innere Gedankenarbeiten, wo man die Gedanken aus sich herausholt, wo man subjektive Anstrengungen machen muß, um zu denken, das gab es in Griechenland noch gar nicht. Ganz unsinnig ist es, zu glauben, daß Plato gedacht hat; er hat Gedanken wahrgenommen. Daß Aristoteles im heutigen Sinne schon gedacht hätte, ist ein Unsinn; er hat Gedanken wahrgenommen.

[ 21 ] If philosophers today believe they have already understood what Plato and Aristotle perceived as a grand symphony of thought, this stems solely from a childish attitude on the part of contemporary philosophers. To fully comprehend what Aristotle describes as entelechy—what he presents as the soul’s faculties of human nature—the aesthetic, the appetitive, the kinetic, and so on—modern philosophers still have a long way to go. That kind of inner mental work, where one draws thoughts from within oneself, where one must make subjective efforts to think—that did not yet exist in Greece. It is completely nonsensical to believe that Plato thought; he perceived thoughts. To say that Aristotle already thought in the modern sense is nonsense; he perceived thoughts.

[ 22 ] Wie das eigentlich ist, kann der moderne Mensch sich kaum denken, weil er sich gar keine Vorstellung macht von der wirklichen Entwickelung. Er bekommt eine leichte Gänsehaut, wenn man ihm sagt, Plato und Aristoteles haben gar nicht gedacht im modernen Sinne; und dennoch ist es so. Damit das Denken im modernen Sinne überhaupt Platz greifen konnte in der modernen Menschenseele, mußte ein Impuls kommen, der das Innerste dieser Menschenseele erfaßte, ein Impuls, der nichts zu tun, hat mit der Gedankensymphonie in der Umwelt des Menschen, sondern der ins innerste Wesen des Menschen hineingreift. Dieser Impuls kam von dem Mysterium von Golgatha. Daher geht geradezu bis zu Christus diese philosophische Epoche.

[ 22 ] Modern people can hardly imagine how this actually is, because they have no mental image of the true course of development. They get a slight chill when told that Plato and Aristotle did not think in the modern sense; and yet it is so. For thinking in the modern sense to take root at all in the modern human soul, an impulse had to arise that grasped the innermost core of that human soul—an impulse that has nothing to do with the symphony of thoughts in the human environment, but rather reaches into the innermost being of the human being. This impulse came from the Mystery of Golgotha. That is why this philosophical epoch extends all the way back to Christ.

[ 23 ] In der zweiten Epoche haben wir es zwar schon mit einem Denken zu tun, aber mit einem Denken, das eigentlich noch kein eigenes Denken der Menschen ist, das durch einen Impuls, der von der geistigen Welt kommt, angeregt ist. Gehen Sie durch die Gedankensysteme all der Philosophen dieser zweiten Epoche, so werden Sie überall finden, wie der christliche Impuls darinnen waltet bis zu Scotus Eriugena herauf. Es ist, man möchte sagen, etwas ausgeflossen von Christus selber, was den ersten Antrieb, Gedanken von innen heraus zu erzeugen, in dem Menschen hervorbringt. Das gibt der patristischen Philosophie, der Philosophie der Kirchenväter, der Philosophie des Augustinus, der Philosophie herauf bis zu Scotus Eriugena das Gepräge, die Physiognomie. So daß wir sagen können: Jetzt haben wir es nicht mehr mit Gedankenwahrnehmung zu tun, sondern mit vom Geiste angeregter Gedankeninspiration.

[ 23 ] In the second epoch, we are indeed already dealing with a form of thinking, but one that is not yet truly human thinking in its own right; rather, it is stimulated by an impulse that comes from the spiritual world. If you examine the systems of thought of all the philosophers of this second epoch, you will find everywhere how the Christian impulse prevails within them, right up to Scotus Eriugena. It is, one might say, something that has flowed forth from Christ himself, which brings about in human beings the first impulse to generate thoughts from within. This gives patristic philosophy—the philosophy of the Church Fathers, the philosophy of Augustine, and the philosophy up to Scotus Eriugena—its character, its physiognomy. So that we can say: Now we are no longer dealing with the perception of thoughts, but with thought inspiration stimulated by the spirit.

[ 24 ] Wieder anders wird es in der dritten Epoche, wo dieser innere Impuls, der vom Christentum ausgeht, beginnt von den Menschen selber erfaßt zu werden. Der Mensch wird jetzt, in dieser dritten Epoche, gewahr, daß er es ja ist, der denkt. Plato und Aristoteles haben noch nicht gedacht. Die konnten daher ebensowenig zweifeln, daß der Gedanke eine volle, objektive Gültigkeit habe, wie der Mensch zweifeln kann daran, daß, wenn er Grün am Baume sieht, das Grün wirklich volle, objektive Gültigkeit hat.

[ 24 ] Things take a different turn in the third epoch, when this inner impulse, which emanates from Christianity, begins to be grasped by human beings themselves. Now, in this third epoch, human beings become aware that it is indeed they who think. Plato and Aristotle did not yet think. They could therefore have no more doubt that thought possesses full, objective validity than a person can doubt that, when they see green on a tree, that green truly possesses full, objective validity.

[ 25 ] In der zweiten Epoche, da war es der intensive Glaube an den Christus-Impuls, der dem erwachenden Denken Sicherheit gegeben hat. Aber jetzt begann die Epoche, wo die Menschenseele anfing zu sagen: Ja, du bist es doch eigentlich selbst, der denkt, die Gedanken steigen aus dir heraus. — Der Christus-Impuls verblaßte allmählich, der Mensch‘ wurde gewahr, die Gedanken steigen aus ihm heraus, und er kam zu der Frage: Machst du dir vielleicht Gedanken, die gar nichts zu tun haben mit dem, was draußen ist? Könnte nicht vielleicht die objektive Außenwelt nichts zu tun haben mit deinen Gedanken?

[ 25 ] In the second epoch, it was the intense faith in the Christ impulse that gave the awakening mind a sense of security. But now began the epoch in which the human soul started to say: Yes, it is actually you yourself who thinks; thoughts arise from within you. — The Christ impulse gradually faded; the human being became aware that thoughts arise from within him, and he came to ask: Are you perhaps forming thoughts that have nothing at all to do with what is out there? Could it not be that the objective external world has nothing to do with your thoughts?

[ 26 ] Denken Sie sich den großen Unterschied gegenüber dem Denken des Plato und Aristoteles! Plato und Aristoteles nahmen Gedanken wahr; da konnten sie nicht zweifeln, daß die Gedanken draußen sind. Jetzt, in der dritten Epoche, wurden sich die Menschen bewußt: Man erzeugt selber den Gedanken, und sie begannen zu fragen: Ja, was haben denn die Gedanken mit dem objektiven Sein draußen zu tun? — Und nun entstand das Bedürfnis, dem Denken Sicherheit zu geben, wie man sagte, das Denken zu beweisen. Erst in dieser Epoche konnte zum Beispiel Anselm von Canterbury daran denken, einen Beweis für die Gültigkeit der Idee Gottes zu schaffen. Das wäre früher völliger Unsinn gewesen in dem griechischen Denken, aus dem Grunde, weil man da die Gedanken gesehen hat. Wie soll man zweifeln, daß Gott existiert, wenn man so sieht, außen, die Gedanken der Gottheit, wie man draußen sieht die Grünheit des Baumes? Der Zweifel begann erst in der dritten Epoche, als man sich klar wurde, daß man selbst es ist, der denkt. Es entstand das Bedürfnis, zu beweisen, nachzudenken über den Zusammenhang dessen, was man denkt, mit dem, was da draußen ist. Und das ist im wesentlichen die Epoche der Scholastik: das Gewahrwerden der Subjektivität des Denkens.

[ 26 ] Just imagine the huge difference compared to the thinking of Plato and Aristotle! Plato and Aristotle perceived thoughts; they could not doubt that thoughts existed outside themselves. Now, in the third epoch, people became aware: We generate thoughts ourselves, and they began to ask: Well, what do thoughts have to do with objective existence out there? — And now the need arose to give certainty to thinking, as they said, to prove thinking. It was only in this epoch, for example, that Anselm of Canterbury could conceive of creating a proof for the validity of the idea of God. That would have been utter nonsense in earlier Greek thought, for the simple reason that there one saw the thoughts. How could one doubt that God exists when one sees, out there, the thoughts of the deity, just as one sees the greenness of the tree out there? Doubt began only in the third epoch, when it became clear that it is oneself who thinks. The need arose to prove, to reflect on the connection between what one thinks and what is out there. And that is essentially the era of Scholasticism: the realization of the subjectivity of thought.

[ 27 ] Wenn Sie das ganze Gedankengebäude des Thomas von Aguino nehmen, so steht es in dieser Epoche drinnen, ist ganz von dieser Epoche beherrscht. Überall ist das Bewußtsein vorhanden: die Begriffe werden im Inneren erzeugt, die Begriffe werden so zusammengefügt, wie die Gesetze der Subjektivität sind. Also muß man eine Stütze finden dafür, daß das, was in dem Inneren erzeugt wird, auch äußerlich vorhanden ist. Es wird noch zunächst appelliert an die überlieferte Dogmatik, aber man ist nicht mehr in solcher Weise verknüpft mit dem Christus-Impulse, wie es in der zweiten Epoche der Philosophie-Entwickelung der Fall war.

[ 27 ] If you take the entire intellectual framework of Thomas Aquinas, it is situated within this epoch and is entirely dominated by it. This awareness is present everywhere: concepts are generated internally, and concepts are assembled in accordance with the laws of subjectivity. So one must find a basis for the fact that what is generated internally is also present externally. At first, one still appeals to traditional dogmatics, but one is no longer connected to the Christ impulse in the same way as was the case in the second epoch of the development of philosophy.

[ 28 ] Dann kommt die vierte Entwickelungsperiode, das freie Walten des Gedankens im Inneren, ein noch weiteres Emanzipieren des Gedankens von der äußeren Gedankenwahrnehmung, jenes freie Gedankenschaffen im Inneren, das so großartig hervortritt in den Gedankengebäuden des Giordano Bruno, Spinoza, des Cartesius und der Folgenden, Leibniz und so weiter. Wenn wir diese Gedankengebäude verfolgen, so merken wir an ihnen, daß sie ganz aus dem Inneren heraus geschaffen sind. Und überall finden wir das intensive Bedürfnis dieser Denker, Gründe dafür anzugeben, daß das, was sie im Inneren schaffen, auch wirklich eine äußere Gültigkeit habe. Spinoza schafft ein wunderbares Ideengebäude. Die Frage entsteht aber: Ja, ist das alles bloß drinnen im menschlichen Geiste geschaffen, oder hat es eine Bedeutung da draußen in der Welt? Giordano Bruno, Leibniz schaffen die Monade. Die Monade soll etwas Reales sein. Wie kommt dasjenige, was die Menschen ausdenken als Monade, dazu, da draußen in der Welt etwas Reales zu sein? Alle Fragen, die seit dem 16., 17. Jahrhundert heraufgekommen sind, stehen noch immer unter dem Eindruck dieses Strebens, das freie Gedankenschaffen in Einklang zu bringen mit dem Weltendasein draußen. Der Mensch fühlt sich vereinsamt, verlassen von der Welt in seinem freien Gedankenschaffen. Da stehen wir noch jetzt mitten darinnen.

[ 28 ] Then comes the fourth period of development: the free play of thought within, a further emancipation of thought from external perception of thought—that free creation of thought within which emerges so magnificently in the thought structures of Giordano Bruno, Spinoza, Descartes, and their successors, Leibniz, and so on. When we follow these intellectual edifices, we notice that they are created entirely from within. And everywhere we find these thinkers’ intense need to provide reasons why what they create internally also has real external validity. Spinoza creates a marvelous edifice of ideas. But the question arises: Is all of this merely created within the human mind, or does it have meaning out there in the world? Giordano Bruno and Leibniz create the monad. The monad is supposed to be something real. How does what people conceive of as a monad come to be something real out there in the world? All the questions that have arisen since the 16th and 17th centuries are still shaped by this quest to reconcile free thought with the existence of the world out there. Human beings feel isolated, abandoned by the world in their free thinking. We are still right in the midst of this today.

Diagram 5Figure 5

[ 29 ] Was ist denn aber das Ganze jetzt hier? (Siehe Schema.) Wenn wir zurückgehen in die Gedankenwahrnehmung, wie sie war bei den alten griechischen Philosophen, dann müssen wir sagen: Das philosophische Denken im alten Griechenland wirkt so, daß — trotzdem im allgemeinen im alten Griechenland die Zeit der Verstandes- oder Gemütsseele ist dieses alte Denken noch ein Wahrnehmungsdenken ist, tief beeinflußt noch ist von der Empfindungsseele, sogar noch von dem Empfindungsleibe, dem astralischen Leibe. Es haftet noch an dem Äußeren.

[ 29 ] But what exactly is this all about? (See diagram.) If we go back to the perception of thought as it was among the ancient Greek philosophers, then we must say: Philosophical thinking in ancient Greece works in such a way that—even though ancient Greece was generally the era of the intellectual or emotional soul—this ancient thinking is still a form of perceptual thinking, still deeply influenced by the feeling soul, and even by the feeling body, the astral body. It still clings to the external world.

[ 30 ] Das Denken des Thales, der ersten Philosophen, war noch beeinflußt von dem Ätherleibe. Das Temperament sitzt im Ätherleibe und aus dem Temperament heraus schaffen sie ihre Wasser-, Luft-, Feuerphilosophien; so daß man sagen kann: der Philosophie des Empfindungsleibes geht eine Philosophie des Ätherleibes voraus. — Dann kommen wir in die christliche Zeit hinein. Der christliche Impuls dringt in die Empfindungsseele. Die Philosophie wird innerlich erlebt, innerlich empfunden, aber in Zusammenhang mit dem, was man glauben, was man fühlen kann; es sind da die Einflüsse der Empfindungsseele vorhanden.

[ 30 ] The thinking of Thales, the first philosopher, was still influenced by the etheric body. Temperament resides in the etheric body, and it is from this temperament that they create their philosophies of water, air, and fire; so that one can say: the philosophy of the sensory body is preceded by a philosophy of the etheric body. — Then we enter the Christian era. The Christian impulse penetrates the soul of feeling. Philosophy is experienced inwardly, felt inwardly, but in connection with what one can believe and feel; the influences of the soul of feeling are present there.

[ 31 ] In der dritten Epoche, in der Epoche der Scholastik, da haben wir als das wesentliche Element des philosophischen Werdens die Verstandes- oder Gemütsseele. Sie sehen, das philosophische Werden geht einen anderen Gang als die allgemeine Menschheitsentwickelung. Und jetzt erst, seit dem 16. Jahrhundert, haben wir allerdings die Philosophie zusammenfallend mit dem, was auch sonst allgemeine Menschheitsentwickelung ist: da haben wir den freien Gedanken in der Bewußtseinsseele waltend. Das großartigste Beispiel, wie der freie Gedanke von der Abstraktion des Seins bis in die höchste Geistigkeit hinauf waltet, wie ein Gedankenorganismus, ganz von der Welt ausgehend, nur in sich selber waltet, das ist die Philosophie Hegels: der nur im Bewußtsein lebende Gedanke.

[ 31 ] In the third epoch, the epoch of Scholasticism, the essential element of philosophical development is the intellectual or emotional soul. As you can see, philosophical development follows a different course than the general development of humanity. And only now, since the 16th century, has philosophy indeed come to coincide with what is otherwise the general development of humanity: here we have free thought reigning in the conscious soul. The most magnificent example of how free thought reigns from the abstraction of being up to the highest spirituality, how a thought-organism, proceeding entirely from the world, reigns only within itself—that is Hegel’s philosophy: thought living only in consciousness.

[ 32 ] Wenn Sie das hier verfolgen, so ist es allerdings der Teil, den ich nicht in meinem Buche darstellen konnte für die Außenwelt; aber es liegt darinnen. Und wenn Sie die Beschreibungen lesen, die von den einzelnen Epochen gegeben werden, so werden Sie, wenn Sie ordentliche Anthroposophen sind, sehr klar auf das hingewiesen werden, was ich hier links (siehe Schema) angeschrieben habe. Es entwickelt sich alles etwa so, wie sich der Mensch selber entwickelt: vom Ätherleib zum Empfindungsleibe, zur Empfindungsseele, zur Verstandesseele, zur Bewußtseinsseele. Wir verfolgen einen Gang, wie den Gang der Menschheitsentwickelung, aber anders geordnet. Es ist nicht der Gang der Menschheitsentwickelung, es ist etwas anderes. Wesen entwickeln sich, und die benützen die menschlichen Kräfte in der Empfindungsseele, in der Verstandesseele und so weiter. Durch den Menschen und sein Arbeiten gehen andere Wesen hindurch mit anderen Gesetzen, als die Gesetze des Menschenwerdens sind.

[ 32 ] If you follow this, however, this is the part that I was unable to present in my book to the outside world; but it is contained within it. And if you read the descriptions given of the individual epochs, then, if you are proper anthroposophists, you will be very clearly pointed to what I have written here on the left (see diagram). Everything develops in much the same way as the human being develops: from the etheric body to the sensory body, to the sensory soul, to the intellectual soul, to the conscious soul. We follow a path similar to the path of human evolution, but arranged differently. It is not the path of human evolution; it is something else. Beings develop, and they utilize the human faculties in the soul of feeling, in the soul of understanding, and so on. Through the human being and their work, other beings pass through, governed by laws different from those of human becoming.

[ 33 ] Sehen Sie, das sind Wirksamkeiten der Sonnengesetze. Da brauchen wir nicht in solch übersinnliche Regionen hinaufzusteigen, wie wenn wir das persönliche Schicksal untersuchen. Von dem, was als Rest der Sonnengesetze hier zu suchen ist, davon sehen wir ein Beispiel in der philosophischen Entwickelung der Menschheit.

[ 33 ] You see, these are the effects of the solar laws. We do not need to ascend into such supernatural realms as when we examine personal destiny. We see an example of what remains of the solar laws here in the philosophical development of humanity.

[ 34 ] Wir haben gestern, als entsprechend dem Ätherleibe, hierher Angelo zu schreiben gehabt.

[ 34 ] Yesterday, in accordance with the etheric body, we had to write to Angelo here.

Diagram 6Figure 6

[ 35 ] Solche Angeloi entwickeln sich. Und während die Menschen glauben selber zu philosophieren, wirken in ihnen, indem sie die Sonnenentwikkelung in sich tragen — das heißt das, was als Sonnenentwickelung in ihrem physischen Leibe veranlagt war und auch in ihrem Ätherleibe wirkt —, die Gesetze des Sonnendaseins. Und die Gesetze des Sonnendaseins, von Epoche zu Epoche wirkend, sie wirken so, daß die Philosophie so wird, wie sie eben ist. Weil es Sonnengesetze sind, kann in ihnen auch der Christus, das Sonnenwesen, eingreifen in der zweiten Epoche. Es wird vorbereitet durch die erste Epoche, und dann greift der Christus, das Sonnenwesen, in der zweiten Epoche ein.

[ 35 ] Such angels evolve. And while human beings believe they are philosophizing on their own, the laws of solar existence are at work within them because they carry the solar evolution within themselves—that is, what was predisposed as solar evolution in their physical body and also acts in their etheric body. And the laws of solar existence, working from epoch to epoch, operate in such a way that philosophy becomes exactly what it is. Because they are solar laws, Christ, the solar being, can also intervene within them in the second epoch. This is prepared by the first epoch, and then Christ, the solar being, intervenes in the second epoch.

[ 36 ] Sie sehen, wie sich alles zusammenschließt. Aber indem der Christus, das Sonnenwesen, eingreift, kommt er in Zusammenhang mit einer Entwickelung, die nicht die menschliche Entwickelung ist, nicht die menschliche Erdenentwickelung, sondern eigentlich Sonnenentwickelung innerhalb des Erdendaseins.

[ 36 ] You can see how everything comes together. But when Christ, the solar being, intervenes, he becomes connected with a process of development that is not human development, not human development on Earth, but rather solar development within Earthly existence.

[ 37 ] Sonnenentwickelung innerhalb des Erdendaseins! Denken Sie sich einmal, wozu wir da in dieser Betrachtung eigentlich kommen. Wir betrachten den Gang der philosophischen Entwickelung, betrachten den Lauf des philosophischen Denkens seit der alten griechischen Zeit, und wir sagen uns, wenn wir das alles vor uns hinstellen, wie das philosophische Denken von Philosoph zu Philosoph sich entwickelt hat: Da sind wirksam darinnen nicht Erdengesetze, sondern Sonnengesetze. Die Gesetze, die dazumal sich abgespielt haben zwischen den Geistern der Weisheit und den Erzengeln, treten in dem philosophischen Weisheitsstreben auf der Erde wiederum zutage. Lesen Sie nach in der «Geheimwissenschaft», wie während der Sonnenentwickelung die Geister der Weisheit eingreifen. Jetzt wiederholen sie dieses Eingreifen während der Erdenentwickelung, nicht in der neuen, sondern in den Resten der alten Sonnenentwickelung. Und indem der Mensch nicht bemerkt, daß in der philosophischen Entwickelung die Geister der Weisheit sein Gemüt durchpulsen, entwickelt er seine Philosophie. Das alte Sonnendasein lebt in der philosophischen Entwickelung. Es lebt wirklich und wahrhaftig darinnen. Dadurch aber, daß das die alte Sonnenentwickelung ist, lebt auch herein damit etwas Zurückgebliebenes, etwas, was mit der alten Sonnenentwickelung zusammenhängt.

[ 37 ] The development of the Sun within the Earth’s existence! Just imagine what we are actually getting at in this discussion. We are examining the course of philosophical development, observing the progression of philosophical thought since ancient Greek times, and we tell ourselves, when we lay all this out before us and see how philosophical thought has developed from philosopher to philosopher: it is not earthly laws that are at work here, but solar laws. The laws that once played out between the spirits of wisdom and the archangels come to light again in the philosophical quest for wisdom on Earth. Read in Esoteric Science how the spirits of wisdom intervene during the solar evolution. Now they repeat this intervention during Earth’s evolution, not in the new, but in the remnants of the old solar evolution. And because human beings do not realize that the spirits of wisdom pulse through their minds in philosophical development, they develop their philosophy. The old solar existence lives on in philosophical development. It truly and genuinely lives within it. But because this is the old solar development, something backward also lives within it—something connected to the old solar development.

[ 38 ] Die Menschen, von Generation zu Generation gehend, entwickeln sich als äußere menschliche Persönlichkeiten in der Erdenentwickelung. Aber jetzt geht eine philosophische Entwickelung da hindurch, von Thales bis auf unsere heutige Zeit: da geht die Sonnenentwickelung hinein. Das gibt Anlaß, daß Wesenheiten, die zurückgeblieben sind, benützen können die Kräfte der philosophischen Entwickelung, um ihr altes Sonnendasein weiterzuführen, Wesen, die zurückgeblieben sind während der alten Sonnenzeit, die dazumal versäumt haben, die Entwikkelung durchzumachen, die man durchmachen kann in seinem Ätherleib, Empfindungsleib und in der Empfindungsseele, im Zusammenwirken von Geistern der Weisheit und Archangeloi. Diese Geister, die ihre Entwickelung während der Sonnenzeit versäumt haben, die können die menschliche philosophische Entwickelung benützen, um als Parasiten in der menschlichen Entwickelung darinnen zu sein. Das sind ahrimanische Geister!

[ 38 ] Human beings, passing from generation to generation, develop as external human personalities within the course of Earth’s evolution. But now a philosophical development runs through this, from Thales to the present day: the solar evolution is woven into it. This gives rise to the possibility that beings who have remained behind can use the forces of philosophical development to continue their former solar existence—beings who remained behind during the old solar era, who at that time failed to undergo the development that can be experienced in one’s etheric body, sensory body, and in the sensory soul, through the cooperation of spirits of wisdom and archangels. These spirits, who failed to undergo their development during the Sun era, can use human philosophical development to exist within it as parasites. These are Ahrimanic spirits!

[ 39 ] Ahrimanische Geister unterliegen der Verlockung, in das, was die Menschen philosophisch erstreben, parasitisch hineinzukriechen und ihr eigenes Dasein dadurch zu pflegen. So können sich die Menschen philosophisch entwickeln, sind aber zugleich mit dieser philosophischen Entwickelung ausgesetzt ahrimanischen Geistern, mephistophelischen Geistern.

[ 39 ] Ahrimanic spirits are tempted to parasitically insinuate themselves into what people strive for philosophically, thereby sustaining their own existence. Thus, while people can develop philosophically, they are simultaneously exposed to Ahrimanic spirits—Mephistophelean spirits—through this philosophical development.

[ 40 ] Sie wissen, daß Ahriman und Luzifer schädliche Geister sind, solange man ihrer nicht gewahr wird, solange sie gleichsam im Verborgenen wirken. Solange sie nicht so heraustreten, daß die Menschen sich ihnen im Geiste Auge in Auge gegenüberstellen, sind Ahriman und Luzifer schädliche Geister, schädlich in dieser oder jener Weise. Nehmen wir an, ein Philosoph tritt auf und entwickelt den Gedanken, und zwar den Gedanken, insofern man ihn im bloßen Erdensein erfassen kann. Dann entwickelt er den Gedanken so, wie er leben kann durch das Instrument der irdischen Vernunft. Das ist der Hegelsche Gedanke! Er ist reiner Gedanke, aber nur ein Gedanke, wie er gefaßt werden kann mit dem Werkzeug des physischen Leibes, der aber abstirbt mit dem Tode.

[ 40 ] You know that Ahriman and Lucifer are harmful spirits as long as one is not aware of them, as long as they are, so to speak, working in secret. As long as they do not step forward in such a way that people confront them face to face in spirit, Ahriman and Lucifer are harmful spirits, harmful in one way or another. Let us suppose a philosopher appears and develops the idea—namely, the idea insofar as it can be grasped in mere earthly existence. Then he develops the idea in a way that it can live through the instrument of earthly reason. That is the Hegelian idea! It is pure thought, but only a thought as it can be grasped with the instrument of the physical body, which, however, dies with death.

[ 41 ] Hegel hat das Tiefste gedacht, was gedacht werden kann im Erdenleben, was aber in seiner Konfiguration mit dem Tode abstirbt. Und Hegels Tragik besteht darinnen: er hat nicht bemerkt, daß er den Geist in der Logik, in der Natur, im Seelenleben erfaßt, aber nur denjenigen Geist, der in der Form des Gedankens existiert, der aber nicht mitgeht, wenn wir durch den Tod gehen. Um dieses klar vor die Seele zu stellen, hätte er sich sagen müssen: Wenn ich glauben könnte, daß das, was durch das Denken hindurchgeht, was ich also denke vom abstrakten Sein durch die Logik, durch die Naturgedanken, durch die Seelengedanken und herauf bis zur Philosophie, wenn ich glauben könnte, daß das mich hinter die Kulissen des Daseins führt, dann wäre ich von Mephistopheles verlockt!

[ 41 ] Hegel conceived the deepest thoughts conceivable in earthly life, but these die with death in their very configuration. And Hegel’s tragedy lies in this: he did not realize that he grasps the spirit in logic, in nature, in the life of the soul, but only that spirit which exists in the form of thought, which, however, does not accompany us when we pass through death. To bring this clearly before the soul, he would have had to say to himself: If I could believe that what passes through thought—that is, what I think of abstract being through logic, through thoughts of nature, through thoughts of the soul, and up to philosophy—if I could believe that this leads me behind the scenes of existence, then I would be tempted by Mephistopheles!

[ 42 ] Das hat ein anderer wahrgenommen, das hat Goethe wahrgenommen, und das hat er in seinem «Faust» dargestellt: den Kampf des denkenden Menschen mit Mephistopheles, mit Ahriman. Und in dieser vierten Epoche der philosophischen Entwickelung sehen wir, wie in die Sonnenentwickelung hineinragt Ahriman und wie man in klarer Weise sich diesem Ahriman gegenüberzustellen hat, indem man seine Wesenheit wirklich erkennend erfaßt.

[ 42 ] Someone else perceived this; Goethe perceived it, and he depicted it in his Faust: the struggle of the thinking human being with Mephistopheles, with Ahriman. And in this fourth epoch of philosophical development, we see how Ahriman extends into the solar evolution and how one must clearly confront this Ahriman by truly grasping his essence.

[ 43 ] Deshalb stehen wir heute an einer Wende auch des äußeren philosophischen Denkens, deshalb muß dieses philosophische Denken, um nicht den Verlockungen des Ahriman zu verfallen, um nicht mephistophelische Weisheit zu sein, hinter diese Wesenheit kommen, muß sie erfassen, muß einmünden in die Geisteswissenschaft.

[ 43 ] That is why we are today at a turning point in external philosophical thought as well; that is why this philosophical thought, in order not to succumb to the temptations of Ahriman, in order not to be Mephistophelean wisdom, must go beyond this entity, must grasp it, must lead into Spiritual Science.

[ 44 ] Lesen Sie nach die beiden Kapitel, welche dem Schlußkapitel des zweiten Bandes meiner «Rätsel der Philosophie» vorangehen, wo ich die Weltanschauungen darzustellen versuchte, die draußen als philosophische Weltanschauungen existieren, um dann das Schlußkapitel hinzuzufügen «Skizzenhaft dargestellter Ausblick auf eine Anthroposophie». Da werden Sie sehen, wie die Philosophie heute im freien, emanzipierten Gedankenleben zwar darstellt etwas, was heraufgeht bis in die Bewußtseinsseele, wie sie aber innerhalb dieses Lebens in der Bewußtseinsseele erfassen muß das, was vom Geistselbst kommt — zunächst philosophisch —, da sonst die Philosophie in die Dekadenz verfallen, sich auflösen müßte.

[ 44 ] Read the two chapters that precede the concluding chapter of the second volume of my Rätsel der Philosophie (The Riddles of Philosophy), in which I attempted to describe the worldviews that exist in the wider world as philosophical worldviews, and then add the concluding chapter, “A Sketch of a Prospect for Anthroposophy.” There you will see how philosophy today, in a free, emancipated life of thought, does indeed represent something that rises up into the conscious soul, but how, within this life in the conscious soul, it must grasp that which comes from the Spirit-Self—initially philosophically—since otherwise philosophy would fall into decadence and be forced to dissolve.

[ 45 ] So sehen Sie wenigstens ein Beispiel des Hereinwirkens der Sonnenentwickelung in das menschliche Erdenleben. Ich sagte, man kann diese Sonnengesetze erhaschen, indem man den Werdegang der Philosophie studiert, aber man erkennt nicht immer, daß darinnen die Sonnengesetze wirksam sind. Die Geisteswissenschaft hat das zu erkennen. Denken Sie nur einmal, daß in Wahrheit sich eine Wesenheit entwickelt, die nach und nach dieselben Glieder ansetzt wie der Mensch selber.

[ 45 ] Here, at least, is one example of how the evolution of the Sun influences human life on Earth. I said that one can catch a glimpse of these solar laws by studying the history of philosophy, but one does not always recognize that the solar laws are at work within it. Spiritual Science must recognize this. Just consider for a moment that, in truth, a being is developing that is gradually acquiring the same limbs as human beings themselves.

[ 46 ] Wenn man noch weiter zurückgehen würde in den alten Zeiten, so würde man finden, daß nicht nur der Ätherleib, sondern auch der physische Leib Veranlasser war von Weltanschauungsimpulsen. Es ist schwierig, jene Zeit, die hinter das 12. bis 14. Jahrhundert vor Christi Geburt zurückgeht, die also vor Homer liegt, klarzumachen in ihren Eigentümlichkeiten, denn sie geht ja hinter alle Geschichte zurück. Da aber entwickelt sich etwas, was nun nicht Mensch ist, so wie der Mensch auf der Erde lebt.

[ 46 ] If one were to go back even further into ancient times, one would find that not only the etheric body but also the physical body was the source of impulses shaping worldviews. It is difficult to elucidate the peculiarities of that time, which lies beyond the 12th to 14th centuries B.C., that is, before Homer, for it lies beyond all history. But there something develops that is not human in the sense that human beings live on Earth.

[ 47 ] In der Geschichte lebt etwas, was durch den Ätherleib, durch den Empfindungsleib und so weiter geht: eine wirkliche, reale Wesenheit. Ich habe in meinem Buche gesagt: In der griechischen Zeit wird der Gedanke geboren. Aber in der neueren Zeit kommt der Gedanke wirklich zum Selbstbewußtsein in der Bewußtseinsseele. Der Gedanke ist ein selbsteigen wirksames Wesen. Dieses letzte konnte natürlich nicht gesagt werden in einem exoterischen, für die ganze äußere Welt bestimmten Buch. Der Anthroposoph wird es aber finden, wenn er das Buch sinnend liest und merkt, was eigentlich das Beherrschende der Darstellung gewesen ist, was aber nicht hineingetragen ist, sondern sich eben aus der Sache selbst ergibt.

[ 47 ] There is something alive in history that passes through the etheric body, the sensory body, and so on: a true, real entity. I have said in my book: Thought is born in the Greek era. But in more recent times, thought truly comes to self-consciousness in the soul of consciousness. Thought is a self-active being. This last point, of course, could not be stated in an exoteric book intended for the entire outer world. The anthroposophist, however, will discover it if he reads the book thoughtfully and perceives what has actually been the dominant theme of the exposition—something that has not been explicitly stated, but rather emerges from the subject matter itself.

[ 48 ] Sie sehen daraus, daß viele, viele Umwandlungsimpulse in bezug auf das geistige Leben in unserer Zeit sich geltend machen. Denn wir haben hier etwas sich weiter entwickeln sehen, was wie ein Mensch ist, nur daß es eine längere Lebensdauer als der einzelne Mensch hat. Der einzelne Mensch lebt auf dem physischen Plane: sieben Jahre entwickelt er den physischen Leib, sieben Jahre den Ätherleib, sieben Jahre den Empfindungsleib und so weiter. Und das Wesen, das sich als Philosophie entwickelt — wir nennen es mit dem abstrakten Namen «Philosophie» —, das lebt im Ätherleibe 700 Jahre, im Empfindungsleibe 700 bis 800 Jahre — die Zeit ist ja nur approximativ —, in der Empfindungsseele 700 bis 800 Jahre, in der Gemüts- oder Verstandesseele 700 bis 800 Jahre und ' wiederum in der Bewußtseinsseele 700 bis 800 Jahre. Ein Wesen entwikkelt sich herauf, von dem wir sagen können: Blicken wir auf die allerersten Anfänge der griechischen Philosophie, dann hat dieses Wesen gerade die Entwickelungsstufe erlangt, die beim Menschen der Geschlechtsreife entspricht: geradeso ist es als Wesen wie der Mensch, wenn er sein 14. bis 16. Jahr erreicht hat. Dann lebt es herauf bis zu der Zeit, wo der Mensch das erlebt, was er vom 14. bis zum 21. Jahre erlebt: das ist die Zeit der griechischen Philosophie, des griechischen Denkens. Dann kommt die Zeit der nächsten sieben Jahre, was der Mensch vom 21. bis 28. Jahre erlebt: der Christus-Impuls geht hinein in die philosophische Entwicklung. Dann kommt die Zeit von Scotus Eriugena bis in die neuere Zeit hinauf: dieses Wesen entwickelt in den nächsten 700 bis 800 Jahren dasjenige, was der Mensch entwickelt im Alter vom 28. bis zum 35. Jahre. Und jetzt leben wir in der Entwickelung dessen, was der Mensch in seiner Bewußstseinsseele erlebt: wir erleben die Bewußtseinsseele der Philosophie, des philosophischen Gedankens. Die Philosophie ist tatsächlich in die Vierzigerjahre gekommen, nur daß sie ein Wesen ist, das eine viel längere Lebensdauer hat. Was bei dem Menschen ein Jahr ist, das ist bei diesem philosophischen Wesen ein Jahrhundert. Da sehen wir durch die Geschichte ein Wesen hindurch walten, für das ein Jahrhundert ein Jahr ist. Man nimmt es nur nicht wahr; dieses Wesen entwickelt sich eben mit Sonnengesetzlichkeit.

[ 48 ] You can see from this that many, many transformative forces are at work in our time with regard to spiritual life. For we have seen something here that continues to develop, something that is like a human being, except that it has a longer lifespan than the individual human being. The individual human being lives on the physical plane: for seven years they develop the physical body, for seven years the etheric body, for seven years the sensory body, and so on. And the being that develops as philosophy—we call it by the abstract name “philosophy”—lives in the etheric body for 700 years, in the feeling body for 700 to 800 years—the time is, of course, only approximate—in the feeling soul for 700 to 800 years, in the emotional or intellectual soul for 700 to 800 years, and again in the conscious soul for 700 to 800 years. A being evolves upward, of which we can say: If we look at the very earliest beginnings of Greek philosophy, then this being has just reached the stage of development that corresponds to sexual maturity in humans: it is just like a human being when they have reached the age of 14 to 16. Then it lives through the period when a human being experiences what they experience from the ages of 14 to 21: this is the time of Greek philosophy, of Greek thought. Then comes the period of the next seven years, what a human being experiences from the ages of 21 to 28: the Christ impulse enters into philosophical development. Then comes the period from Scotus Eriugena up to modern times: over the next 700 to 800 years, this being develops what a human being develops between the ages of 28 and 35. And now we are living in the development of what the human being experiences in their consciousness soul: we are experiencing the consciousness soul of philosophy, of philosophical thought. Philosophy has indeed entered its forties, only that it is a being with a much longer lifespan. What is a year for a human being is a century for this philosophical being. There we see a being ruling through history for whom a century is a year. One simply does not perceive it; this being develops precisely according to solar laws.

[ 49 ] Und dahinter liegt dann erst dasjenige, was noch übersinnlicher ist als dieses Wesen, das sich wie ein Mensch entwickelt, nur eben wie ein Mensch, bei dem ein Jahr wie ein Jahrhundert lang ist: hinter diesem steht ein Wesen, welches sich so entwickelt, daß sein äußerer Ausdruck unser persönliches Schicksal ist, wie wir dieses tragen durch noch längere Zeiträume, von Verkörperung zu Verkörperung. In diesem leben sich die unser äußeres Schicksal regelnden Geister aus, für die eine noch längere Lebensdauer vorhanden ist als für jene, von denen wir sagen müssen, daß für sie ein Jahrhundert gleich einem Jahre ist.

[ 49 ] And behind this lies that which is even more supersensible than this being, which develops like a human being—only like a human being for whom a year is as long as a century: behind this stands a being that develops in such a way that its outer expression is our personal destiny, as we carry it through even longer periods of time, from incarnation to incarnation. In this, the spirits who govern our outer destiny find their fulfillment; for them, a still longer lifespan exists than for those of whom we must say that for them a century is like a year.

[ 50 ] So sehen Sie, wie wir da hineinblicken gleichsam in Schichtungen von Wesenheiten, und wie wir, wenn wir nur wollen, sogar, ich möchte sagen, die Biographie eines Wesens schreiben könnten, das um so viel höher steht als der Mensch in bezug auf Geistigkeit, wie ein Jahrhundert länger ist als ein Jahr.

[ 50 ] So you see how we look into it, as it were, through layers of beings, and how, if we only wanted to, we could even—I would say—write the biography of a being that stands so much higher than humanity in terms of spirituality as a century is longer than a year.

[ 51 ] Versucht ist einmal worden, die Biographie eines solchen Wesens zu schreiben, das seine Geschlechtsreife zur Zeit des Thales hatte, zur Zeit des Anaxagoras, und jetzt zum Gebrauche seines Selbstbewußtseins gekommen ist, das seit dem 16. Jahrhundert gleichsam in die Vierzigerjahre getreten ist: die Biographie dieses Wesens ergab eine Geschichte der Philosophie.

[ 51 ] An attempt was once made to write the biography of such a being, who reached sexual maturity in the time of Thales, in the time of Anaxagoras, and has now come to the use of his self-consciousness, which has, as it were, entered its forties since the 16th century: the biography of this being resulted in a history of philosophy.

[ 52 ] Daraus ersehen Sie aber zugleich, wie wirklich die Geisteswissenschaft das, was sonst abstrakt ist, lebendig macht, richtig belebt. Was für trockenes Gestrüpp ist zuweilen das, was man sonst «Geschichte der Philosophie» nennt! Und was wird aus dieser Geschichte der Philosophie, wenn man weiß, sie ist die Biographie eines Wesens, das da hineinverwoben ist in unser Dasein, nur daß es sich statt mit Erdengesetzen mit Sonnengesetzen entwickelt!

[ 52 ] From this, however, you can also see how truly the Spiritual Science brings to life—truly animates—what is otherwise abstract. What dry undergrowth is sometimes what is otherwise called the “history of philosophy”! And what becomes of this history of philosophy when one knows that it is the biography of a being that is woven into our existence, only that it develops according to the laws of the sun rather than the laws of the earth!

[ 53 ] Solches wollte ich noch hinzufügen zu allem, was ich Ihnen in diesen Zeiten gesagt habe über die Lebenskräfte, die uns aufgehen, wenn wir die Geisteswissenschaft nicht wie eine Theorie betrachten, sondern wenn wir in ihr suchen die Führerschaft zum Lebendigen. Und wir finden das Lebendige eben durch die Geisteswissenschaft. Dasjenige, was so unlebendig ist, so strohern wie die Geschichte der Philosophie oftmals ist, das wird, wenn wir uns der Führung der Geisteswissenschaft anvertrauen, so, daß uns aus dem Nebel der Geschichte der Philosophie ein Wesen entgegentritt, zu dem wir aufschauen wie zu einer Göttin, die herabsteigt aus göttlichen Wolkenhöhen, die wir jung sehen in alten Zeiten, die wir heranwachsen sehen, allerdings mit der Langsamkeit, daß ein Jahrhundert einem Jahre des Menschenlebens entspricht. Aber lebendig wird das alles. Die Sonne geht uns auf, wie die Sonne innerhalb des Erdendaseins selber. Denn so wie die Sonne aufgeht auf dem physischen Plan, so sehen wir die alte Sonne noch hereinstrahlen in die Erdenwelt in einem Wesen, das eine längere Lebensdauer hat wie der Mensch. Wie wir das Werden eines Menschen auf dem physischen Plan von der Geburt bis zum Tode verfolgen, so verfolgen wir das philoso_phische Werden, indem wir ein Wesen in ihm schauen.

[ 53 ] I wanted to add this to everything I have told you in recent times about the life forces that arise within us when we do not regard Spiritual Science as a theory, but rather seek in it guidance toward the living. And it is precisely through Spiritual Science that we find the living. That which is so lifeless, so straw-like as the history of philosophy often is, becomes—when we entrust ourselves to the guidance of Spiritual Science—such that a being emerges from the fog of the history of philosophy, to whom we look up as to a goddess descending from divine cloud heights, whom we see as young in ancient times, whom we see growing up, albeit with the slowness such that a century corresponds to a single year of human life. But all of this comes alive. The sun rises for us, just as the sun rises within earthly existence itself. For just as the sun rises on the physical plane, so do we see the ancient sun still shining into the earthly world in a being that has a longer lifespan than a human. Just as we follow the development of a human being on the physical plane from birth to death, so do we follow the philosophical development by beholding a being within it.

[ 54 ] Wenn wir so anschauen das, was uns die Anthroposophie sein kann, dann kommen wir dazu, in dieser Anthroposophie zu schauen eine wirkliche Führerin nicht nur zur Erkenntnis, sondern eine Führerin zu lebendigen Wesen, die uns umgeben, ohne daß wir von ihnen etwas wissen.

[ 54 ] When we consider what anthroposophy can be for us, we come to see in it a true guide—not only to knowledge, but also to the living beings that surround us, even though we know nothing about them.

[ 55 ] Ja, meine lieben Freunde, so etwas erfühlte auch Christian Morgenstern. Und indem er solches fühlte, fühlte in dem Tiefsten seines Seelenwesens, konnte er aufzeichnen — unser Freund Christian Morgenstern — eine schöne Empfindung, die so recht eine anthroposophische Empfindung ist, die zeigt, wie eine Seele sich aussprechen kann, welche im tiefsten Inneren sich eins weiß mit unserer Anthroposophie, nicht bloß als mit etwas, was uns Erkenntnis über dieses oder jenes gibt, sondern als etwas, was uns belebt. Ein wunderbares Beispiel für ein solches Sich-Belebenlassen von der Anthroposophie ist das, was wir in dem schönen Gedicht «Lucifer» unseres Christian Morgenstern finden, in jenem Gedichte, das, ich möchte sagen, in bezug auf die Empfindung so ganz in dem Hauche lebt, von dem man etwas fühlt, wenn man so, wie es heute versucht worden ist anzudeuten, den Übergang findet von der Darstellung der Idee in der Anthroposophie zu dem Ergreifen lebendiger Wesenheiten.

[ 55 ] Yes, my dear friends, Christian Morgenstern felt something like this as well. And because he felt this—deep within the very core of his soul—he was able to record it—our friend Christian Morgenstern — a beautiful feeling that is truly an anthroposophical feeling, one that shows how a soul can express itself, a soul that knows itself to be one with our anthroposophy in its deepest core, not merely as something that gives us knowledge about this or that, but as something that enlivens us. A wonderful example of such an enlivening by anthroposophy is what we find in the beautiful poem “Lucifer” by our Christian Morgenstern, in that poem which, I would say, in terms of feeling, lives so completely in that breath of which one senses something when, as has been attempted to suggest today, one finds the transition from the presentation of the idea in anthroposophy to the grasping of living beings.

Ich will mein Licht vor eurem Licht verschließen,
ich will euch nicht, ihr sollt mich nicht genießen,
bevor ich nicht ein Eigenlicht geworden.

So bring ich wohl das Böse zur Erscheinung,
als Geist der Sonderheit und der Verneinung,
doch neue Welt erschafft mein Geisterorden.

Aus Widerspruch zum unbeirrten Wesen,
aus Irrtum soll ein Götterstamm genesen,
der sich aus sich — und nicht aus euch — entscheidet.

Der nicht von Anbeginn in Wahrheit wandelt,
der sich die Wahrheit leidend erst erhandelt,
der sich die Wahrheit handelnd erst erleidet.

I will hide my light from your light,
I do not want you; you shall not enjoy me,
until I have become a light of my own.

Thus I bring evil to light,
as the spirit of separateness and negation,
yet my order of spirits creates a new world.

From contradiction to the unwavering essence,
from error a race of gods shall arise,
which decides from within itself—and not from you.

He who does not walk in truth from the beginning,
who first bargains for the truth through suffering,
who first endures the truth through action.

[ 56 ] Wenn Sie die Empfindung dieses Gedichtes so nehmen, daß Sie dabei bedenken, wie lebendig werden kann das, was in der Anthroposophie theoretisch verstanden wird, so daß man gleichsam durch unsere Geisteswissenschaft anfassen kann die Wesen, die aus dem dunklen Abgrunde des Seins an uns herantreten, wenn Sie dieses Gedicht so nehmen, wie Sie angeregt werden können durch die Empfindungen, die ich durch den heutigen Vortrag anregen wollte, dann werden Sie sehen, daß diese Gestalt des Luzifer wirklich in wunderbarer Weise empfunden, gestaltet ist. Damit ist ein Musterbeispiel gegeben, wie dasjenige, was die Anthroposophie an uns heranbringt, in uns lebendig werden kann, unsere ganze Seele ergreifen kann.

[ 56 ] If you approach this poem in such a way that you reflect on how vividly what is understood theoretically in anthroposophy can come to life, so that, as it were, through our Spiritual Science we can grasp the beings who approach us from the dark abyss of being—if you take this poem in such a way that you are inspired by the feelings I sought to evoke through today’s lecture, then you will see that this figure of Lucifer is truly perceived and shaped in a wondrous way. This provides a prime example of how what anthroposophy brings to us can come alive within us and take hold of our entire soul.