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Paths to Spiritual Insight and
the Renewal of an Artistic Worldview
GA 161

9 January 1915, Dornach

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Erster Vortrag

First Lecture

[ 1 ] Eine Anschauung darüber, welch kompliziertes Wesen eigentlich der Mensch ist, haben wir uns bereits angeeignet. Man beachtet das nicht immer, weil man ja aus einer gewissen Erkenntnisbequemlichkeit heraus nach Einfachheit, nach einer Vereinfachung des Erkennens, nach einem gewissen Schematismus strebt. Allein ein genaueres Eingehen auf die Dinge, die wir durch Jahre hindurch betrachtet haben, kann uns zeigen, welch kompliziertes Wesen die Totalität der Menschennatur ist.

[ 1 ] We have already gained an understanding of just how complex human beings actually are. We do not always take this into account because, out of a certain intellectual laziness, we strive for simplicity, for a simplification of understanding, for a certain schematism. Yet only a closer examination of the things we have observed over the years can show us just how complex the totality of human nature is.

[ 2 ] Nehmen wir nun einmal die Tatsache, daß des Menschen physischer Leib in bezug auf seine erste Anlage entstanden ist in ururferner Vergangenheit, während der alten Saturnzeit. Das, was dazumal entstanden ist als erste Anlage des physischen Menschenleibes, das tragen wir ja heute noch in uns, aber so, daß wir es aus dem Verwandlungsprodukt heraus, das wir nach und nach geworden sind, erkennen müssen. Nachdem wir als physischer Menschenleib durch die Sonnen-, Monden- und Erdenentwickelung hindurchgegangen sind, ist es so, daß wir nicht mehr mit der gewöhnlichen Anschauung das erkennen können, was während der alten Saturnzeit entstanden ist. Denn dieser menschliche Leib ist eben. umgewandelt worden während der Sonnen-, Monden- und Erdenzeit. Er hat während der Sonnenzeit eine Umwandlung dadurch erfahren, daß der Ätherleib ihn durchdrungen hat; während der Mondenzeit hat er eine Umwandlung erfahren dadurch, daß der astralische Leib ihn durchdrungen hat, und während der Erdenzeit dadurch, daß das Ich ihn durchdrungen hart.

[ 2 ] Let us now consider the fact that the human physical body, in terms of its original form, came into being in the distant past, during the ancient Saturn epoch. What emerged back then as the first rudiment of the human physical body, we still carry within us today, but in such a way that we must recognize it from the transformed product that we have gradually become. Since we have passed through the Sun, Moon, and Earth periods as physical human bodies, we can no longer perceive with ordinary perception what came into being during the ancient Saturn period. For this human body has, in fact, been transformed during the Sun, Moon, and Earth periods. During the Sun period, it underwent a transformation through the etheric body permeating it; during the Moon period, it underwent a transformation through the astral body permeating it; and during the Earth period, through the ego permeating it.

[ 3 ] Wenn wir also zunächst nur den physischen Menschenleib betrachten, noch nicht den Ätherleib als solchen, nicht den astralischen Leib und auch nicht das Ich, sondern nur den physischen Leib, so müssen wir sagen, daß dieser physische Leib sich in der Hauptsache viermal verwandelt hat.

[ 3 ] If we consider, at first, only the physical human body—not yet the etheric body as such, nor the astral body, nor the I, but only the physical body—we must say that this physical body has undergone four main transformations.

[ 4 ] Einstmals war er da als physischer Leib, und da waren die höheren Glieder der Menschennatur noch nicht darinnen. Dann hat er sich umgewandelt unter dem Einfluß des Ätherleibes, dann unter dem Einfluß des Astralleibes und endlich unter dem Einfluß des Ich. Das alles ist aber der physische Leib, ist Umwandlungsprodukt des physischen Leibes.

[ 4 ] Once upon a time, it existed as a physical body, and the higher aspects of human nature were not yet present within it. Then it underwent transformation under the influence of the etheric body, then under the influence of the astral body, and finally under the influence of the ego. But all of this is the physical body; it is the product of the physical body’s transformation.

[ 5 ] Notieren wir uns das einmal: Da haben wir zunächst die erste Anlage des physischen Leibes während der alten Saturnzeit. Dann haben wir unter dem Einflusse der Sonnenzeit dasjenige, was der ätherische Leib aus dem physischen Leibe macht, also die ursprüngliche Anlage, und das, was die Sonnenentwickelung daraus macht. Dann haben wir unter dem Einflusse der Mondenzeit dasjenige, was der astralische Leib aus ihm macht, und während der Erdenzeit das, was das Ich aus ihm macht. Das sind vier Verwandlungsformen des physischen Leibes (siehe Schema Seite 13). Jetzt haben wir ins Auge gefaßt, was durch den ätherischen und den astralischen Leib und durch das Ich in diesem physischen Leibe bewirkt wird. Aber wir haben nicht die höheren Glieder der Menschennatur für sich ins Auge gefaßt, nicht, was für Veränderungen im Laufe der Zeit mit dem ätherischen Leibe, mit dem astralischen Leibe, mit dem Ich vor sich gegangen sind. Während der Sonnenzeit kommt der Ätherleib hinzu; der macht nun während der Sonnenzeit seine eigene Entwickelung durch und erleidet dann Veränderungen während der Mondenzeit durch den Einfluß des astralischen Leibes und während der Erdenzeit durch den Einfluß des Ich, so daß dieser ätherische Leib wiederum eine Dreigliedrigkeit hat. Endlich kommt während der Mondenzeit hinzu der astralische Leib; der entwickelt sich für sich in seiner Astralität während der Mondenzeit und während der Erdenzeit durch das Ich. Aber nun kommt nur während der Erdenzeit das Ich selber hinzu als ein einzelnes.

[ 5 ] Let’s take note of this: First, we have the initial structure of the physical body during the ancient Saturn era. Then, under the influence of the Sun era, we have what the etheric body makes of the physical body—that is, the original structure—and what the Sun’s development makes of it. Then, under the influence of the Lunar period, we have what the astral body makes of it, and during the Earth period, what the ego makes of it. These are four forms of transformation of the physical body (see diagram on page 13). We have now considered what is brought about in this physical body by the etheric and astral bodies and by the ego. But we have not considered the higher members of human nature in isolation, nor what changes have taken place over time with the etheric body, the astral body, and the ego. During the Solar Age, the etheric body is added; it undergoes its own development during the Solar Age and then undergoes changes during the Lunar Age through the influence of the astral body and during the Earth Age through the influence of the ego, so that this etheric body, in turn, has a threefold structure. Finally, during the Lunar Period, the astral body is added; it develops independently in its astral nature during the Lunar Period and during the Earth Period through the ego. But now, only during the Earth Period, the ego itself is added as a single entity.

[ 6 ] Wir können nun das Ganze auch von einem anderen Gesichtspunkte aus betrachten. Wenn wir das Ich ins Auge fassen, so haben wir eigentlich ein vierfaches Ich in uns. Wir haben in uns dasjenige, was das Ich aus dem physischen Leibe macht. Wir haben dann dasjenige, was das Ich aus dem Ätherleibe macht, dann das, was es aus dem Astralleibe macht und dann das Ich selbst in dem Ich.

[ 6 ] We can now also view the whole thing from a different perspective. When we consider the “I,” we actually have a fourfold “I” within us. We have within us that which the “I” makes of the physical body. Then we have that which the ego makes of the etheric body, then that which it makes of the astral body, and finally the ego itself within the ego.

[ 7 ] Nun wollen wir aber einmal eine andere Frage stellen. Wenn wir den Menschen sehen, wie er auf dem physischen Plan ist — wir wissen, wenn wir die Abteilungen des Schemas abzählen, daß der Mensch eine Zehnheit ist —, also wenn er so auf dem physischen Plane vor uns steht, was ist dann eigentlich von seiner ganzen Zehnheit vor uns?

[ 7 ] But let us now ask a different question. When we look at a human being as he is on the physical plane—we know, when we count the divisions of the schema, that a human being is a tenfold being—so when he stands before us like this on the physical plane, what, then, of his entire tenfold nature is actually present before us?

1. Physischer Leib 2. Ätherleib 3. Astralleib 4. Ich
5. Ätherleib 6. Astralleib 7. Ich
8. Astralleib 9. Ich
10. Ich

1. Physical body 2. Etheric body 3. Astral body 4. Ego
5. Etheric body 6. Astral body 7. Ego
8. Astral body 9. Ego
10. Ego

[ 8 ] Nun, im Grunde genommen ist zunächst von alledem nur sehr wenig auf dem physischen Plane vor uns; das meiste von dem, was ich hier aufgeschrieben habe von dieser Zehnheit, bleibt verborgen. Dasjenige, was vor uns steht, ist zunächst dieses Ich. hier (Schema S. 19: Ich 1). Was ist dieses Ich? Dieses Ich ist das, was der physische Leib ist, das, was das Ich aus dem physischen Leibe gemacht hat. Bitte, achten Sie jetzt wohl auf das, was ich sagen werde, denn man bekommt überhaupt nur dann davon einen richtigen Begriff.

[ 8 ] Well, strictly speaking, very little of all this is actually before us on the physical plane; most of what I have written here regarding this Decad remains hidden. What stands before us, for the time being, is this “I.” Here (Schema p. 19: I 1). What is this “I”? This “I” is what the physical body is—that which the “I” has made of the physical body. Please pay close attention now to what I am about to say, for only then can one truly grasp the concept.

[ 9 ] Wenn Sie einem Menschen gegenübertreten und ihn anschauen, die Form seines Kopfes, die Physiognomie der Nase, des Mundes, wenn Sie sehen, wie er ist, was er so ist — auch wenn Sie ihn als Anatom oder Physiologe zerlegen —: dann haben Sie das, was das Ich aus seinem physischen Leibe gemacht hat.

[ 9 ] When you stand before a person and look at them—the shape of their head, the features of their nose and mouth, when you see what they are like, what they are—even if you dissect them as an anatomist or physiologist—then you have what the ego has made of their physical body.

[ 10 ] Das, was das Mondendasein, das Sonnendasein, das Saturndasein aus dem physischen Leibe gemacht hat, das entgeht Ihrem Blick, das bleibt eigentlich im Verborgenen; nur das, was das Ich aus dem physischen Leibe macht, das haben Sie vor den physischen Augen. Also nur dann, wenn man darauf achtet, kann man sich einen klaren Begriff von der Sache machen.

[ 10 ] What the lunar existence, the solar existence, and the Saturnian existence have made of the physical body escapes your view; it actually remains hidden. Only what the I makes of the physical body is before your physical eyes. So only by paying attention to this can one form a clear understanding of the matter.

[ 11 ] Ich will versuchen, Ihnen noch zu Hilfe zu kommen durch eine andere Betrachtung, um die Sache zu erklären. Wenn Sie ein Tier vor sich haben, zum Beispiel einen Hund, einen Wolf, eine Katze, dann haben Sie eine Gestalt, die durch einen astralischen Leib gemacht ist. Wenn Sie den Menschen betrachten, haben Sie eine Gestalt, bis in die Blutzirkulation hinein, die durch das Ich gemacht ist. Wenn Sie dagegen ein Tier betrachten, haben Sie eine Gestalt, die durch den astralischen Leib gemacht ist.

[ 11 ] I will try to help you further by offering another perspective to explain the matter. When you look at an animal, for example a dog, a wolf, or a cat, you see a form created by the astral body. When you look at a human being, you see a form—extending all the way into the blood circulation—that is created by the ego. When you look at an animal, on the other hand, you see a form created by the astral body.

[ 12 ] Verborgen bleibt die Konfiguration des physischen Leibes, welche durch den ätherischen, den astralischen und den physischen Leib selber gemacht ist. Was wir äußerlich erleben, ist eigentlich eine Verkörperung des Ich. Fassen wir das wohl ins Auge. Das ist eine Verkörperung des Ich, und wir sollten, wenn wir genau sprechen über den Menschen, so sprechen, daß wir sagen: ein auf der Erde verkörpertes Ich ist der Mensch in seiner ganzen Gestalt bis in die Blutzirkulation hinein.

[ 12 ] What remains hidden is the configuration of the physical body, which is formed by the etheric, astral, and physical bodies themselves. What we experience externally is actually an embodiment of the I. Let us take this to heart. This is an embodiment of the I, and when we speak precisely about the human being, we should say: an I embodied on Earth is the human being in its entirety, right down to the blood circulation.

[ 13 ] Also was das Ich aus dem physischen Leibe macht, das nehmen wir wahr. Was nehmen wir aber noch nicht wahr? Was wir noch nicht wahrnehmen, ist eben dieses Ich. Wenn Sie das hier Ich 1 nennen und dies hier Ich 4 (siehe das Schema Seite 19), so ist Ich 1 von außen wahrnehmbar, Ich 4 ist das, was Sie nicht von außen wahrnehmen, sondern was Sie nur als Selbsterlebnis haben. Wenn Sie sich erleben in Ihrem Selbstbewußtsein, wenn Sie erleben, was Sie wahrnehmen, was Sie fühlen, was Sie denken, kurz, wenn Sie sich erleben als Ich, dann nehmen Sie dieses Ich als solches wahr: das ist das Ich, von dem die Philosophen sprechen. Ich 4 also nehmen Sie wahr als Innenerlebnis.

[ 13 ] So what the “I” makes of the physical body is what we perceive. But what do we not yet perceive? What we do not yet perceive is precisely this “I.” If you call this one “I 1” and this one “I 4” (see the diagram on page 19), then “I 1” is perceptible from the outside, while “I 4” is what you do not perceive from the outside, but rather experience only as a self-experience. When you experience yourself in your self-consciousness, when you experience what you perceive, what you feel, what you think—in short, when you experience yourself as the “I”—then you perceive this “I” as such: this is the “I” of which the philosophers speak. You thus perceive “I 4” as an inner experience.

[ 14 ] Nun könnten Sie es nicht als Innenerlebnis wahrnehmen, wenn wirklich nur das Ich da wäre. Ich habe Ihnen schon gesagt, daß wir nicht nur während der Nacht, sondern auch während des Tages schlafen. Wir sind uns nicht voll bewußt des ganzen inneren Erlebens, und insofern wir bei Tage schlafen, leben bei Tage auch in uns die Wesenheiten der höheren Hierarchien.

[ 14 ] Now, you would not be able to perceive it as an inner experience if only the ego were truly present. I have already told you that we sleep not only at night but also during the day. We are not fully aware of the entire inner experience, and insofar as we sleep during the day, the beings of the higher hierarchies also live within us during the day.

[ 15 ] In diesem Ich leben, von der geistigen Welt aus ihre Impulse hereiner‚streckend, die Angeloi, die Archangeloi und die Archai. In dem, was am allermeisten schläft, in dem entschiedenen Wollen, lebt zunächst die Kraft der Archai. Es leben schon auch die Angeloi und die Archangeloi im Wollen, aber die tiefsten Impulse des Wollens kommen immer von den Archai. Nur weiß der Mensch ja von seinem Wollen, wie ich Ihnen schon auseinandergesetzt habe, sehr wenig. Im Gefühle des Menschen lebt die Kraft der Archangeloi und in seinem Denken die Kraft der Angeloi. Man kann sagen: als unbewußtes Selbsterlebnis sind in uns die Willen gebenden Archai, die Gefühle gebenden Archangeloi und die Denken gebenden Angeloi. Und das alles strebt und webt in das Ich hinein und wird zuletzt zu dem, was der Mensch eben sein inneres Seelenleben nennt.

[ 15 ] Living within this “I,” drawing in their impulses from the spiritual world, are the Angeloi, the Archangeloi, and the Archai. In that which lies most deeply dormant—in the resolute will—the power of the Archai lives first and foremost. The Angeloi and the Archangeloi also live in the will, but the deepest impulses of the will always come from the Archai. Yet, as I have already explained to you, human beings know very little about their own will. The power of the Archangels lives in human feeling, and the power of the Angels in human thinking. One might say: as an unconscious self-experience, within us are the Archai who give will, the Archangels who give feeling, and the Angels who give thought. And all of this strives and weaves its way into the ego and ultimately becomes what human beings call their inner soul life.

[ 16 ] Aber bekannt ist eigentlich nur das Ich 1. Geradeso wie hinter dem, was wir als Verkörperung des Ich anschauen, das liegt, was der astralische Leib, der ätherische Leib und der physische Leib selbst aus dem physischen Leib gemacht haben, so liegt hinter dem, was wir innerlich erleben, dasjenige, was die Angeloi, die Archangeloi und die Archai bewirken. So daß wir sagen können: Im Grunde genommen kennt der Mensch sehr wenig von dem, was er eigentlich ist.

[ ] But what is actually known is only the I 1. Just as behind what we regard as the embodiment of the I lies what the astral body, the etheric body, and the physical body itself have made of the physical body, so behind what we experience inwardly lies that which the Angeloi, the Archangeloi, and the Archai bring about. So that we can say: Fundamentally, human beings know very little of what they actually are.

[ 17 ] Wenn der Mensch einem anderen Menschen begegnet, so nimmt er dessen Ich 1 wahr; wenn er in sich selber hineinblickt, so nimmt er sein Ich 4 wahr. Also acht von den zehn Gliedern bleiben zunächst im Verborgenen liegen. Wenn aber auch diese Glieder für sich selbst im Verborgenen bleiben, so kann man doch sagen, daß ihre Wirkungen in gewissen Einzelerscheinungen des menschlichen Erlebens zutage treten. Verborgen bleibt einmal, was das Ich aus dem ätherischen Leibe macht. Wie das Ich hier, welches ich das Ich 2 nennen möchte, im ätherischen Leibe sich benimmt, das bleibt zunächst — aber eigentlich nur scheinbar verborgen. Wir werden gleich sehen, daß es auch etwas herauskommt.

[ 16 ] When a person encounters another person, they perceive that person’s ego 1; when they look within themselves, they perceive their own ego 4. Thus, eight of the ten members remain hidden at first. But even if these members remain hidden in themselves, one can still say that their effects come to light in certain individual manifestations of human experience. What the ego makes of the etheric body remains hidden. How the ego here—which I would like to call the ego 2—behaves within the etheric body remains, at first, hidden—though only seemingly so. We shall see shortly that something does emerge.

[ 18 ] Wie das Ich 1 aussieht, das gibt sich uns, wenn wir einem Menschen gegenübertreten, in seiner Gestalt, in seiner Form zu erkennen. $o wie das Ich 1 in der physischen Gestalt, in der physischen Form sich kundgibt für das äußere Wahrnehmen, kann natürlich das Ich 2, also das, was das Ich aus dem ätherischen Leibe macht, nur dem Hellseher erscheinen. Der ätherische Leib ist nicht ein Formenleib, sondern ein Bewegungsleib. Ahnen können Sie, auch ohne Hellsehen, wie das Ich 2 den ätherischen Leib in ganz bestimmte rhythmische Bewegungen versetzt, so wie dem physischen Leibe das Ich 1 seine Form gibt. Aber diese rhythmischen Bewegungen, diese inneren Bewegungen des ätherischen Leibes kommen, indem sie sich durchdrücken in den physischen Leib hinein, im physischen Leibe zum Vorschein, oder besser gesagt, sie kommen in der physischen Welt zum Vorschein.

[ 17 ] The appearance of the I 1 reveals itself to us when we encounter a person, in its form and shape. $o Just as the I 1 reveals itself to external perception in its physical form, so the I 2—that is, what the I makes of the etheric body—can naturally appear only to the clairvoyant. The etheric body is not a body of form, but a body of movement. Even without clairvoyance, you can sense how the I 2 sets the etheric body in motion with very specific rhythmic movements, just as the I 1 gives the physical body its form. But these rhythmic movements, these inner movements of the etheric body, come to light in the physical body as they press their way into it—or rather, they come to light in the physical world.

[ 19 ] Wir versuchen das, was da das Ich im ätherischen Leibe darinnen an Bewegungen erzeugen kann, ich möchte sagen, herauszuholen durch die eurythmischen Bewegungen, soweit das in der Gegenwart schon geschehen kann. Wenn Sie sich ein Gedicht oder ein Musikstück eurythmisiert vorstellen und Sie könnten abstrahieren, absehen von dem physischen Leibe und nur hinsehen auf das, was der Ätherleib tut, dann würden Sie das Ich im ätherischen Leibe darinnen in Bewegung haben.

[ 18 ] We are trying to bring out—through eurythmic movements—what the “I” can generate in terms of movements within the etheric body, insofar as this is already possible today. If you have a mental image of a poem or a piece of music expressed through eurythmy, and if you could abstract from the physical body and look only at what the etheric body is doing, then you would see the “I” moving within the etheric body.

[ 20 ] Wir versuchen abzutrotzen dem Ahriman diese Eurythmie; denn dadurch, daß Ahriman in die Welt gekommen ist, ist der menschliche Ätherleib so verhärtet worden, daß er die Eurythmie nicht als natürliche Gabe entwickeln konnte. Die Menschen würden eurythmisieren, wenn Ahriman den menschlichen ätherischen Leib nicht so verhärtet hätte, daß das Eurythmische nicht zum Ausdruck kommen kann; denn dieses Eurythmische muß sich durchpressen durch nur ein einziges Glied des menschlichen physischen Leibes und wird durch die anderen Glieder des physischen Leibes in Bann gehalten.

[ 19 ] We are trying to wrest this eurythmy from Ahriman; for because Ahriman has entered the world, the human etheric body has become so hardened that it could not develop eurythmy as a natural gift. People would practice eurythmy if Ahriman had not hardened the human etheric body to such an extent that the eurythmic element cannot find expression; for this eurythmic element must force its way through a single limb of the human physical body and is held in check by the other limbs of the physical body.

[ 21 ] Der Ätherleib, der beim Musikalischen, beim Singen und auch beim Sprechen eigentlich veranlaßt ist, in eurythmischen Bewegungen zu leben, der wird durch die Schwere des physischen Leibes, also durch Ahriman, abgehalten, diese Bewegungen wirklich auszuführen und kann sie nur durch ein einziges Glied zum Ausdruck bringen: er kann sie nur in Lunge und Kehlkopf hineinlegen, indem er die Luft durch sie hindurchpreßt. Dadurch kommt die Sprache und der Gesang zustande. Wir können also sagen, daß das Ich 2, indem es den ätherischen Leib durchorganisieren, durcheurythmisieren will, sich, statt den ganzen Menschen zu ergreifen, mit einem Teile des Menschen begnügen muß im Gesang und in der Sprache.

[ 20 ] The etheric body, which is actually prompted to live in eurythmic movements during musical activity, singing, and even speaking, is prevented by the heaviness of the physical body—that is, by Ahriman—from truly carrying out these movements and can express them through only a single limb: it can only place them in the lungs and larynx by forcing air through them. This is how speech and singing come about. We can therefore say that the I, in its desire to organize and eurythmize the etheric body, must content itself with a part of the human being in singing and speech, rather than taking hold of the whole person.

[ 22 ] Wenn der Mensch singt oder spricht, dann kommt im Tone und in der Vokalisierung eigentlich immer ein Spektrum des ganzen Menschen zum Vorschein. Das, was man hört, ist der Ton, ist der Vokal. Dasjenige, was aber alles zum Vorschein kommt für das hellseherische Bewußtsein, das ist im Grunde genommen ein ganzer Mensch, der ganze Mensch in einer gewissen Bewegungsform.

[ 21 ] When a person sings or speaks, a spectrum of the whole person is actually always revealed in the tone and the vocalization. What one hears is the sound, is the vowel. But what comes to light for the clairvoyant consciousness is, in essence, a whole person—the whole person in a certain form of movement.

[ 23 ] A, E, I, O, U, das ist immer ein ganzer Mensch, nämlich ein Spektrum, ein ätherisches Gespenst des ganzen Menschen. Nur wird in einseitiger Weise der ätherische Leib bewegt, so daß, wenn Sie einen Menschen sprechen hören: A, E, I, O, U —, das so verläuft, daß Sie hintereinander fünf Menschen spektrisch sehen, nur immer in verschiedener Bewegungsform und so, daß nicht immer der ganze Mensch voll und gleichmäßig zu sehen ist, sondern manchmal mehr der Kopf, manchmal mehr die Hände, manchmal mehr die Beine. Die anderen Teile treten dann, ich möchte sagen, in Dunkelheit, in Düsterheit zurück.

[ 22 ] A, E, I, O, U—this always represents a whole human being, namely a spectrum, an ethereal phantom of the whole human being. However, the ethereal body is moved in a one-sided way, so that when you hear a person speak: A, E, I, O, U—it happens in such a way that you see five people in succession as spectral figures, but always in different forms of movement, so that the whole person is not always fully and evenly visible, but sometimes more the head, sometimes more the hands, sometimes more the legs. The other parts then recede, I would say, into darkness, into gloom.

[ 24 ] Nun steht aber in Verbindung mit jenem selben Ich 2, von dem ich Ihnen eben gesagt habe, daß es in seinen Wirkungen in die Sprache, in den Gesang hinein ertönt, wiederum eine Wesenheit aus der Reihe der Angeloi. Aber dieser Angelos ist gerade derjenige, von dem ich öfter in diesen Vorträgen gesprochen habe. Das ist das, was natürlich ganz und gar nicht zum Bewußtsein kommen kann, denn es kommt ja nicht einmal das zum Bewußtsein, was ich Ihnen soeben erzählt habe von der IchTätigkeit im ätherischen Leibe, wenn die Menschen singen oder sprechen. In alles das ergießt sich ein Wesen aus der Hierarchie der Angeloi. Das ist eben ein Diener des Volksgeistes, und auf diesem Wege kommt also aus dem Volksgeiste die Sprachfärbung, die besondere Sprache in den Menschen hinein. Dadurch, daß der Volksgeist der Hierarchie der Archangeloi angehört, hängt dies wieder mit den höheren Gebieten zusammen. Das ist ein komplizierter Weg, durch den das Volksmäßige, das Nationale, in den Menschen hineinkommt. Aber so gliedert es sich hinein, auf diesem Wege und an dieser Stelle. Denn hinter diesem Angelos steht der Volksgeist, der eine Wesenheit aus der Reihe der Archangeloi ist.

[ 23 ] Now, however, connected to that very same “I 2”—which I just told you resounds in its effects through language and song—is another being from the order of the Angeloi. But this Angelos is precisely the one I have spoken of frequently in these lectures. This is something that, of course, cannot come to consciousness at all, for not even what I have just told you about the activity of the “I” in the etheric body when people sing or speak comes to consciousness. A being from the hierarchy of the Angeloi pours itself into all of this. This is precisely a servant of the national spirit, and in this way the linguistic coloring, the particular language, flows from the national spirit into human beings. Because the national spirit belongs to the hierarchy of the Archangeloi, this is again connected to the higher realms. This is a complex path through which the national, the folk-like, enters into human beings. But this is how it is integrated—in this way and at this point. For behind this Angelos stands the folk spirit, which is a being from the order of the Archangels.

[ 25 ] Wir wollen nun dieses nächste Ich, das wiederum verborgen bleibt, Ich 3 nennen. Dieses Ich 3 erlebt der Mensch auch nicht unmittelbar. Denn dasjenige, was man unmittelbar erlebt, ist Ich 4. Was man von außen sieht, ist Ich 1. Und wenn wir von außen wahrnehmen die Wirkung von Ich 2, so ist es dann, wenn der Mensch singt oder spricht. Ich 3 lebt in sehr unterbewußten Regionen; es lebt in alle dem, dessen der Mensch fähig ist im Umfange seines Phantasieschaffens. Alles was der Mensch an Phantasiebildern in sich hervorbringen kann, an Bildern, die nicht Abbilder der physischen Außenwelt sind, das stammt von Ich 3, so daß wir sagen können: es lebt als schöpferische Phantasie im weitesten Umfange.

[ 24 ] Let us now call this next “I,” which in turn remains hidden, “I 3.” Human beings do not experience this “I 3” directly either. For what one experiences directly is “I 4.” What one sees from the outside is “I 1.” And when we perceive the effects of “I 2” from the outside, it is when a person sings or speaks. Self 3 lives in very subconscious realms; it lives in everything of which a person is capable within the scope of their imaginative creation. Everything a person can produce within themselves in terms of imaginative images—images that are not representations of the physical external world—originates from Self 3, so that we can say: it lives as creative imagination in the broadest sense.

[ 26 ] Hier müßte auch dasjenige beschrieben werden, was Sie in meiner «Philosophie der Freiheit» unter dem Titel «Moralische Phantasie» finden. Da kommt sie zum Vorschein als Moralprinzipien schaffende Phantasie. Alles Schöpferische, im Guten und im Bösen, gehört an diese Stelle der menschlichen Wesenheit. Ich sagte: «Im Guten und im Bösen», denn Sie könnten ja der Meinung sein, es gebe viele Menschen, die einen auffallenden Mangel an Phantasie zeigen. Da kann man nur sagen: Oh, hätten sie mehr wirkliche Phantasie, diese Menschen! Denn ein wenig Pflege der wirklichen Phantasie ist ein gutes Heilmittel gegenüber gewissen Schäden des Lebens.

[ 25 ] Here, too, one should describe what you will find in my Philosophy of Freedom under the heading “Moral Imagination.” There it emerges as the imagination that creates moral principles. Everything creative, in good and in evil, belongs to this aspect of the human being. I said, “In good and in evil,” for you might well be of the opinion that there are many people who display a striking lack of imagination. To that one can only say: Oh, if only these people had more true imagination! For a little cultivation of true imagination is a good remedy for certain ills of life.

[ 27 ] Ich möchte Sie nur auf eines aufmerksam machen. Es gibt Menschen, die scheinen gar keine Phantasie zu haben auf den Gebieten, auf denen man oftmals Phantasie sucht. Ja, wenn sie manchmal Gelegenheit nehmen, sich über die Phantasie zu äußern, zeigen sie sogar einen ausgesprochenen Haß gegen alle Phantasieschöpfungen. Wenn man ihnen aber zu Leibe oder, ich möchte sagen, zur Seele rückt, zeigen sie, daß sie im Grunde sehr viel Phantasie haben: kaum hören sie nämlich da oder dort ein Wort über ihren Nebenmenschen, das ihm abträglich ist, so erfinden sie ganze Geschichten und erzählen die tollsten Dinge über ihren Nebenmenschen. Alles, was man so lügt, ist ja Geschöpf der Phantasie, ist ein Umwandlungsprodukt der Phantasie ins Böse. Und wenn Sie diese Erweiterung der Phantasie ins Böse nehmen, so werden Sie gewahr werden, daß die Phantasie doch ziemlich verbreitet ist in der Welt der Menschen. Wenn Sie alle die Schöpfungen der Phantasie ins Auge fassen, welche die Menschen zuwege bringen, indem sie über ihre Mitmenschen dieses oder jenes sagen, oder auch sonst dieses oder jenes zum besten geben, so werden Sie ein ziemliches Quantum von Phantasie finden auch bei denjenigen Menschen, die im gewöhnlichen, im edleren Sinne phantasiearm sind. Die menschlichen Fähigkeiten verschlagen sich eben manchmal, und Lügenhaftigkeit und Verleumdungssucht sind eben verschlagene Phantasie.

[ 26 ] I would just like to draw your attention to one thing. There are people who seem to have no imagination whatsoever in the very areas where one often looks for it. Indeed, when they occasionally have the chance to speak about imagination, they even display a pronounced hatred for all imaginative creations. But when you get up close to them—or, I would say, to their souls—they reveal that they actually have a great deal of imagination: for as soon as they hear a word here or there about their fellow man that is detrimental to him, they invent whole stories and tell the wildest things about their fellow man. Everything that is lied about in this way is, after all, a creation of the imagination, a product of the imagination’s transformation into evil. And if you consider this extension of the imagination into evil, you will realize that the imagination is, after all, quite widespread in the human world. If you consider all the creations of the imagination that people produce by saying this or that about their fellow human beings, or by otherwise spinning this or that tale, you will find a considerable amount of imagination even in those people who, in the ordinary, more noble sense, are lacking in imagination. Human faculties are sometimes devious, and mendacity and a penchant for slander are precisely forms of devious imagination.

[ 28 ] Im ganzen können wir sagen: Da unten in der Strömung der menschlichen Wesenheit, da ruht Ich 3, denn in allem, was der Mensch schaffen kann aus sich selber, was aus den Tiefen seines Seelenlebens heraufsprudelt im Guten und im Bösen, ist dasjenige, was vom Ich 3 kommt. Aber auf dieses Ich 3 haben Einfluß Wesenheiten aus der Kategorie der Angeloi und Wesenheiten aus der Kategorie der Archangeloi, im Guten und im Bösen mit luziferischer und ahrimanischer Natur.

[ 27 ] All in all, we can say: Down there in the current of the human being, there lies the I 3, for in everything that a human being can create from within themselves—everything that wells up from the depths of their soul life, whether good or evil—is that which comes from the I 3. But this I 3 is influenced by beings from the category of the Angeloi and beings from the category of the Archangeloi, in both good and evil, of a Luciferic and Ahrimanic nature.

Diagram 1Diagram 1

[ 29 ] Sie bekommen ein Bild von der Menschennatur, wenn Sie dieses hier abgrenzen. (Siehe Schema: Ich 4, Ich 3, Ich 2, Ich 1.) Wenn Sie dieses abgrenzen, haben Sie auf der einen Seite die Offenbarung des menschlichen Ich nach außen; wenn Sie hier abgrenzen, haben Sie die Offenbarung des menschlichen Ich nach innen. Zwischen den beiden haben Sie ‚dasjenige, was, ich möchte sagen, halb außen ist, die Äußerung des Inneren nach außen; das ist Ich 2. Ich 3 ist das, was nur halb innerlich ist, nämlich von unbekannten Tiefen in das Innere hereinkommend. Dasjenige dagegen, was nach aufwärts von dieser schrägen Linie hier liegt, ist etwas von der gegen die physische Natur hin liegenden verborgenen Menschennatur. Was unterhalb dieser schrägen Linie liegt, das sind die nächsten geistigen Hierarchien, die mit dem Menschen in Zusammenhang stehen. Im Grunde genommen, wenn man auf der Erde vom Menschen spricht, hat man kaum etwas anderes im Auge als das, was innerhalb dieser Linie liegt. Darüber aber ist alles das, was als Residuum, als Rest im Menschen vorhanden ist von der alten Saturn-, Sonnen- und Mondenzeit.

[ 28 ] You get a picture of human nature when you draw a line here. (See diagram: I 4, I 3, I 2, I 1.) If you draw a line here, you have, on the one hand, the outward manifestation of the human self; if you draw a line here, you have the inward manifestation of the human self. Between the two, you have ‘that which, I would say, is half external—the expression of the inner self outward; that is I 2. I 3 is that which is only half internal, namely, coming into the inner self from unknown depths. That which, on the other hand, lies above this slanted line here is something of the hidden human nature that lies in opposition to physical nature. What lies below this slanted line are the next spiritual hierarchies connected to the human being. Basically, when one speaks of the human being on Earth, one has hardly anything else in mind than what lies within this line. Above it, however, is everything that remains in the human being as a residue from the old Saturn, Sun, and Moon epochs.

[ 30 ] Wenn Sie hier eine Linie ziehen (☾), so bekommen Sie alles das, was aus der Mondenzeit im Menschen verborgen liegt. Wenn Sie hier (○) eine Linie ziehen, bekommen Sie alles das, was aus der Sonnenzeit im Menschen verborgen liegt. Wenn Sie hier (♄) eine Linie ziehen, alles das, was aus der Saturnzeit im Menschen verborgen liegt.

[ 29 ] If you draw a line here (☾), you will reveal everything that lies hidden within a person from the Lunar era. If you draw a line here (○), you will reveal everything that lies hidden within a person from the Solar era. If you draw a line here (♄), you will reveal everything that lies hidden within the human being from the Saturn era.

[ 31 ] Ziehen Sie hier eine Linie (♃), so bekommen Sie das, was während der Jupiterzeit offenbar werden wird, wo der Mensch unter den Angeloi leben wird. Ziehen Sie hier eine Linie (♀), so bekommen Sie das, was während der Venuszeit offenbar werden wird, und hier zum Schlusse bekommen Sie das, was während der Vulkanzeit offenbar werden wird.

[ 30 ] If you draw a line here (♃), you will see what will become apparent during the Age of Jupiter, when humanity will live among the angels. Draw a line here (♀), and you will see what will be revealed during the Age of Venus, and finally, here, you will see what will be revealed during the Age of Vulcan.

[ 32 ] Nach einer gewissen Seite hin gibt Ihnen dieses Schema ungefähr einen Begriff von der Kompliziertheit der Menschennatur. Es ist gut, die Dinge nicht nur so zu betrachten, wie sie sich im Verlaufe unserer Zyklen darbieten, sondern wir sollen auch die einzelnen Dinge miteinander in Beziehung bringen. Ich wollte Ihnen heute ein Beispiel geben, wie diese Dinge miteinander in Beziehung gebracht werden können.

[ 31 ] In a certain sense, this framework gives you a rough idea of the complexity of human nature. It is good not only to view things as they present themselves in the course of our cycles, but we should also relate the individual elements to one another. Today I wanted to give you an example of how these things can be related to one another.

[ 33 ] Ein solches Schema kann man ja auf verschiedene Weise finden. Ich will Ihnen zuerst sagen, wie etwa der Hellseher auf ein solches Schema kommt. Der Hellseher wird sich sagen: Ich trete einem Menschen gegenüber; von diesem Menschen nehme ich zunächst mit der physischen Wahrnehmung seine äußere Gestalt wahr, alles was zum Äußeren gehört. Aber ich kann nun hellseherisch diese Gestalt vertiefen; da komme ich gewissermaßen auf den Grund der äußeren Gestalt. Sehe ich dann ab von der äußeren Gestalt, dann nehme ich ein ätherisches Wesen wahr, und in dieses ätherische Wesen spielen hinein die Sprache, der Gesang, wie überhaupt alle Tonäußerungen. Das vertieft mir das Äußere. Ebenso kann ich mein Inneres vertiefen. Ich kann zunächst mein Selbstbewußtsein so entwickeln, wie man es im gewöhnlichen physischen Leben entwickelt. Dann kann man es aber auch vertiefen. Man kann in die Welt, die sonst nur als Phantasiewirkung sich äußert, sein Innenleben hineinergießen. Dann entsteht aber etwas Reales. Dann entsteht wirklich Imagination, dann hört die Phantasie auf, bloße Phantasie zu sein. Es gelangt der Mensch in ein Gefühl hinein, das ihm sagt: die Phantasie ist nicht mehr bloß Phantasie, sondern taucht unter in ein Reales. Da kommt einem etwas entgegen und man weiß, das ist das Innere, und dies ist das Äußere (siehe Zeichnung), und die kommen einander entgegen.

[ 32 ] One can, of course, arrive at such a schema in various ways. I would first like to tell you how a clairvoyant, for example, arrives at such a schema. The clairvoyant will say to himself: I stand before a person; from this person I first perceive, through physical perception, his or her outer form—everything that belongs to the exterior. But I can now deepen this form clairvoyantly; in doing so, I get to the very core of the outer form, so to speak. If I then look beyond the outer form, I perceive an etheric being, and language, singing, and indeed all sound expressions play a part in this etheric being. This deepens my understanding of the outer. In the same way, I can deepen my inner self. I can first develop my self-consciousness in the same way one develops it in ordinary physical life. But then one can also deepen it. One can pour one’s inner life into the world that otherwise manifests itself only as a product of fantasy. Then, however, something real arises. Then true imagination arises; then fantasy ceases to be mere fantasy. One enters into a feeling that tells one: fantasy is no longer mere fantasy, but plunges into something real. Something comes toward one, and one knows that this is the inner, and this is the outer (see drawing), and they meet each other.

Diagram 1Diagram 2

[ 34 ] Das ist die Form, wie das hellseherische Bewußtsein dies erlebt. Dann muß es sich wie daranstückeln das, was es in der Anschauung erleben kann, indem es sich versetzt in die Monden-, Sonnen- und Saturnzeit. Auf diese Weise kann man hellseherisch, schöpferisch die Notwendigkeit eines solchen Schemas in sich erleben. Derjenige, der die ersten Stufen der Initiation durchgemacht hat, kann das so erleben.

[ 33 ] This is how clairvoyant consciousness experiences it. Then what it can experience in its vision must be pieced together by placing itself in the lunar, solar, and Saturn periods. In this way, one can experience the necessity of such a schema within oneself in a clairvoyant, creative way. Those who have passed through the first stages of initiation can experience it in this way.

[ 35 ] Aber selbst wenn man diese Stufe noch nicht erreicht hat, kann man sich bis zu einem gewissen Grade helfen, damit man nach und nach dazu kommt, das auch innerlich zu erleben, was von außen an einen herantritt. Wenn man alles das zusammennimmt, was bis jetzt vorgetragen worden ist über die Geisteswissenschaft, dann können Sie dieses Schema, so wie es hier aufgeschrieben ist, sich selbst zusammenstellen. Sie müssen sich nur die Mühe geben, nicht nur hintereinander fort zu lesen, sondern zu versuchen die Dinge zu verbinden, die vorgetragen worden sind. Man kann sich dieses Schema aus dem vorhandenen Zyklenmaterial bilden. Und das ist sehr nützlich, denn indem man so das Material verarbeitet, das in den Zyklen geboten ist, schreitet man weiter von einem äußerlichen Aufnehmen zu einem innerlichen Verarbeiten. Dieses innerliche Verarbeiten hat einen hohen Wert für das wirkliche Vorwärtskommen.

[ 34 ] But even if one has not yet reached this stage, one can help oneself to a certain extent so that, little by little, one comes to experience inwardly what approaches one from the outside. If you take everything that has been presented so far regarding Spiritual Science, then you can construct this schema for yourself, just as it is written here. You only need to make the effort not merely to read on sequentially, but to try to connect the things that have been presented. One can construct this schema from the available cycle material. And this is very useful, for by processing the material offered in the cycles in this way, one progresses from an external reception to an inner processing. This inner processing is of great value for real progress.

[ 36 ] Ich habe Ihnen heute ein Beispiel gegeben, wie man aus den Zyklen sich ein solches Schema aufbauen kann. Ich hoffe nun, daß viele von Ihnen sich solche Schemata nach und nach aufbauen werden. Dann wird erstens das wesenlose Spekulieren über den Inhalt der Zyklen geringer werden, und das ist sehr gut; und zweitens werden durch solche Zusammenstellungen wirklich innere Evolutionen durchgemacht. Es werden die einzelnen weiterkommen, wenn solche fruchtbaren Zusammenstellungen gemacht werden. Man kann nicht nur ein paar solcher Zusammenstellungen aus den Zyklen machen. Aus dem, was jetzt als Zyklenmaterial vorliegt, kann man, wenn man sie fruchtbar macht, nicht nur Hunderte, sondern viele, viele Tausende, vielleicht noch mehr, von solchen Zusammenstellungen machen. Also Sie sehen, man hat genug zu tun, wenn man in entsprechender fruchtbarer Weise dasjenige anwendet, was in den Zyklen gegeben ist.

[ 35 ] Today I have given you an example of how one can construct such a schema from the cycles. I now hope that many of you will gradually construct such schemes for yourselves. Then, first of all, the empty speculation about the content of the cycles will diminish, and that is very good; and secondly, through such compilations, one will undergo genuine inner evolution. The individuals will make progress when such fruitful compilations are made. One cannot make just a few such compilations from the cycles. From what is now available as cycle material, if one makes it fruitful, one can make not only hundreds, but many, many thousands, perhaps even more, of such compilations. So you see, one has enough to do if one applies what is given in the cycles in a correspondingly fruitful way.

[ 37 ] Geht man wiederum von einem solchen Schema zu einer Erweiterung des Schemas, dann kommt man erst recht weit. Wenn Sie dasjenige, was eigentlich auf dem physischen Erdenplane vorliegt, absondern, diese vierfache Gestaltung des Ich, so können Sie sagen: Unter dem Diagonalstreifen liegt alles das hier, und über ihm liegt alles das da. Bei diesen Punkten müssen wir nur die Anordnung umkehren. Was hier unten eingeschrieben worden ist, müssen Sie oben hinsetzen. Dann haben wir die sechs Punkte oben; wir müssen also da oben sechs Punkte machen und müßten das, was hier sechs Glieder sind, an diese sechs Punkte schreiben. Das, was hier oben ist, müßten wir unten hineinschreiben. Wir könnten wieder sechs Punkte machen, und wir könnten die sechs Punkte da hinschreiben, wo die oberen Punkte sich befinden.

[ 36 ] If, on the other hand, one proceeds from such a schema to an extension of the schema, one can go even further. If you isolate what actually exists on the physical plane of the Earth—this fourfold configuration of the I—you can say: Beneath the diagonal strip lies all that is here, and above it lies all that is there. With these points, we simply need to reverse the arrangement. What has been inscribed down here, you must place up there. Then we have the six points up there; so we must make six points up there and would have to write what are here six members onto these six points. What is up here, we would have to write down here. We could make six points again, and we could write the six points there where the upper points are located.

Diagram 1Diagram 3

[ 38 ] Das brauchen wir aber nicht zu tun, denn das hat schon der Kosmos für uns gemacht. Das, was auf der Erde ist, ist da; und obzwar das, was aus der Saturn-, aus der Sonnen- und der Mondenzeit in uns lebt, zunächst verborgen ist, und das, was als Jupiter-, Venus- und Vulkanzeit einst kommen wird, auch verborgen ist, so sind doch die Spuren dazu ‚vorhanden im Weltall, im Zodiakus, im Tierkreis.

[ 37 ] But we don’t need to do that, because the cosmos has already done it for us. What is on Earth is there; and although what lives within us from the Saturn, Sun, and Moon eras is initially hidden, and what will one day come as the Jupiter, Venus, and Vulcan eras is also hidden, the traces of these are nevertheless ‘present in the universe, in the zodiac, in the circle of the zodiac.’

[ 39 ] Man kann also dieses Schema erweitern. Alles das, was auf der Erde nicht Mensch ist, finden wir auch, wenn wir hinauf- oder hinuntersteigen. Es ist dies nur eine Andeutung, wie Sie verbinden können unsere elementarischen Lehren mit dem, was in den Zyklen enthalten ist über die geistigen Hierarchien und ihren Zusammenhang mit den Weltenkörpern.

[ 38 ] So this framework can be expanded. Everything on Earth that is not human can also be found when we ascend or descend. This is merely a hint as to how you can connect our teachings on the elemental beings with what is contained in the cycles regarding the spiritual hierarchies and their connection to the celestial bodies.

[ 40 ] Aber auch mancherlei werden Sie finden in bezug auf, sagen wir, Pädagogik. Selbst Pädagogik wird sich ergeben, wenn wir so etwas, wie wir es jetzt auseinandergesetzt haben, in der richtigen Weise betrachten.

[ 39 ] But you will also find all sorts of things regarding, say, pedagogy. Even pedagogy will become clear if we look at something like what we have just discussed in the right way.

[ 41 ] Bedenken Sie, daß wir darauf gekommen sind, daß in Ich 2 Sprache und Gesang vorhanden sind. So daß wir sagen können: die Sprache und der Gesang sind zusammengedrängt durch Ahriman aus der ganzen Menschennatur. Wenn das einmal richtig verstanden werden wird, wird sich etwas außerordentlich Wichtiges für das wirkliche Leben ergeben. Erstens wird sich ergeben für die Gesangspädagogik der Grundsatz, daß man ein Bewußtsein hervorrufen muß bei dem Singen-Lernenden von dem Anteil, den der Ätherleib dabei hat: gleichsam von dem fortwährenden Überleiten der Töne auf den Ätherleib. Erst dann, wenn diese Anteilnahme des Ätherleibes beim Singen wirklich in Betracht gezogen werden wird, wird auch jener Umwandlungsimpuls eintreten, der mit Bezug auf die Gesangspädagogik notwendigerweise aus unseren Prinzipien heraus erfolgen muß. Praktisch gesprochen wird sich das darin zeigen, daß die Gesangslehrer und -lehrerinnen den Schüler immer mehr dahin bringen werden, weniger mit Bewußtsein zu verbinden das Gefühl in den physischen Organen, dafür aber mehr Bewußtsein zu entwickeln in dem, was gewissermaßen diesen physischen Organen anliegt. Der Singende muß ein Gefühl haben, nicht so sehr von der Bewegung der Organe, sondern von dem, was die Luft in ihm und um ihn in ihrer Bewegung tut. Eine Emanzipation des bewußten Erlebens des Tones in der Luft von dem Erleben des Tones im Organe ist dasjenige, was aus dem richtigen Erkennen der geisteswissenschaftlichen Grundsätze in der Gesangspädagogik folgen wird.

[ 40 ] Consider that we have come to the conclusion that language and song are present in the “I.” Thus we can say: language and song have been forced out of the whole of human nature by Ahriman. Once this is properly understood, something extraordinarily important for real life will emerge. First, the principle will emerge for the pedagogy of singing that one must awaken in the student of singing an awareness of the part played by the etheric body in the process: as it were, of the continuous transmission of the tones to the etheric body. Only when this participation of the etheric body in singing is truly taken into account will that impulse for transformation also arise which, with regard to vocal pedagogy, must necessarily flow from our principles. In practical terms, this will be evident in the fact that singing teachers will increasingly guide the student to connect the sensation in the physical organs less with consciousness, but instead to develop greater consciousness in what, so to speak, lies close to these physical organs. The singer must have a feeling, not so much of the movement of the organs, but of what the air does within and around them as it moves. An emancipation of the conscious experience of the tone in the air from the experience of the tone in the organ is what will follow from the correct understanding of the principles of Spiritual Science in vocal pedagogy.

[ 42 ] Ebenso wird man mit Bezug auf die Sprachtechnik, namentlich was das Rezitieren betrifft, immer mehr darauf kommen, daß auch da es sich handelt um ein wirkliches Bewußtwerden von dem elementarischen Umwobensein, während man künstlerisch spricht.

[ 41 ] Similarly, with regard to speech technique—specifically in terms of recitation—one will increasingly come to realize that this, too, involves a genuine awareness of the elemental interweaving that occurs while speaking artistically.

[ 43 ] Dadurch nun ist es möglich, daß der Ton zum wirklichen Kunstton wird, daß der Sprecher ein Gefühl erhält von dem Bewußtsein, daß man, indem man künstlerisch spricht, nicht bloß in seiner Haut eingeschlossen lebt; sondern ich möchte es so ausdrücken: derjenige, der künstlerisch spricht, wird den Ton fühlen in der Luft, den Laut fühlen in der Luft als lebendiges Wesen, und durch dieses Den-Laut-Fühlen als lebendiges Wesen wird er etwas wie einen Unterton haben, wie eine Unternuance im Sprechen. Den Laut fühlen im lebendigen Sprechen: das wird wiederum eine Bereicherung der Rezitationspädagogik ergeben.

[ 42 ] This makes it possible for the sound to become a true artistic sound, for the speaker to gain a sense of the awareness that, by speaking artistically, one does not merely live confined within one’s own skin; rather, I would like to put it this way: the one who speaks artistically will feel the sound in the air, feel the sound in the air as a living being, and through this feeling of the sound as a living being, he will have something like an undertone, like a subtle nuance in his speech. Feeling the sound in living speech: this, in turn, will enrich the pedagogy of recitation.

[ 44 ] Gerade durch das Eingehen auf die Intimitäten der Geisteswissenschaft wird sich für das Lehren und das Lernen im Leben Bedeutungsvolles ergeben. Vieles von dem, was anklingt, wenn man solche Dinge berührt wie diejenigen, die heute berührt worden sind, ist eigentlich der Menschheit heute noch recht wenig bewußt. Zum Beispiel wäre es gut, ein Bewußtsein davon zu entwickeln, wie eine gewisse neue Lautformulierung in einzelnen Gebieten meiner Mysteriendramen versucht worden ist. Am leichtesten ist das im siebenten Bilde des ersten Mysteriendramas zu verfolgen. Aber auch in den anderen Mysteriendramen sind solche Partien, wo das verfolgt werden kann.

[ 43 ] It is precisely by delving into the intimate aspects of Spiritual Science that something meaningful will emerge for teaching and learning in life. Much of what resonates when one touches upon such matters as those discussed today is actually still quite little known to humanity. For example, it would be good to develop an awareness of how a certain new form of vocal expression has been attempted in individual sections of my Mystery Dramas. This is easiest to follow in the seventh scene of the first Mystery Drama. But there are also such passages in the other Mystery Dramas where this can be observed.

[ 45 ] Ein gewisses inneres Gestalten des Lautes — neben all dem, was sonst darinnen liegt — ist es, in dem sich ausdrückt ein neues Element im poetischen Schaffen, von dem heute kaum irgendwo eine Spur vorhanden ist, das aber an die Stelle treten wird dessen, was Reim, Endreim oder Anfangsreim in früheren Zeiten war. Ein gewisses innerliches, ich möchte sagen, ein ätherisch-poetisches Erleben des Lautes gegenüber dem mehr äußerlich-physischen Erleben des Lautes, wie es im Endreim oder im Anfangsreim ist. Das Bedürfnis ist ja vorhanden, schon in unserem immer mehr prosaisch werdenden Rezitieren, die alten Formen abzustreifen. Nicht leicht läßt sich heute jemand darauf ein, den Anfangsreim, die Alliteration, wie Jordan es versucht hat, zu gebrauchen; und nicht sehr läßt sich heute ein Rezitator darauf ein, den Endreim so zu betonen, wie er ursprünglich betont war. Man betont lieber sinngemäß. Aber das ist Prosa; das ist keine poetische Sprache, wenn man bloß sinngemäß rezitiert. Poetisches Rezitieren würde sein: ein Rezitieren mit vorzüglicher Betonung desjenigen, was nicht das prosaische Element ist in der künstlerischen Gestaltungsart. Das wird aber erst wiederum möglich sein, wenn man, statt in das Äußerliche der Lautkonfiguration im Reim oder äußeren Rhythmus, sich in jenen inneren Rhythmus einlebt. So wird man sich hineinleben müssen in den Laut in der Weise, wie ich es auf einem anderen Gebiete besprochen habe: wie ich es besprochen habe in den Vorträgen der letzten Zeit, wo ich von dem Hineinleben in den einzelnen Ton beim musikalischen Komponieren in der Zukunft sprach.

[ 44 ] A certain inner shaping of sound—alongside everything else that lies within it—is the means by which a new element in poetic creation finds expression; an element of which there is scarcely a trace anywhere today, but which will take the place of what rhyme, end rhyme, or initial rhyme used to be in earlier times. A certain inner, I would say, ethereal-poetic experience of sound as opposed to the more external-physical experience of sound, as found in end rhyme or initial rhyme. The need is certainly there, even in our increasingly prosaic recitation, to shed the old forms. It is not easy today for anyone to embrace the use of initial rhyme or alliteration, as Jordan attempted; nor is it easy today for a reciter to emphasize end rhyme as it was originally emphasized. One prefers to emphasize according to meaning. But that is prose; that is not poetic language if one merely recites according to meaning. Poetic recitation would be: a recitation with exquisite emphasis on that which is not the prosaic element in the artistic form of expression. But this will only be possible again when, instead of focusing on the external aspects of sound configuration in rhyme or external rhythm, one attunes oneself to that inner rhythm. Thus one will have to immerse oneself in the sound in the manner I have discussed in another field: as I have discussed in recent lectures, where I spoke of immersing oneself in the individual tone in musical composition in the future.

[ 46 ] Alle diese Beispiele zeigen, daß es mit dem Lernen der Theorien der Geisteswissenschaft durchaus nicht getan ist, sondern daß es ankommt auf ein innerliches Erleben desjenigen, was wir aufnehmen und auf ein Durchdringen der ganzen Seele mit dem, was die Geisteswissenschaft will, wie ich es bei einer anderen Gelegenheit schon gesagt habe.

[ 45 ] All these examples show that simply studying the theories of Spiritual Science is by no means enough; rather, what matters is an inner experience of what we take in and a permeation of the entire soul with what Spiritual Science aims to achieve, as I have already said on another occasion.

[ 47 ] Eben gerade damit sollte ein Anfang gemacht werden bei unserem Bau. Soweit etwas, was eine Anregung zu geben vermag, äußerlich hingestellt werden kann, sollte es in diesem Bau hingestellt werden, um durch das Anschauen von Formen und Farben eine Wirkung zu erfühlen in der ganzen Seele und nicht bloß im Auge. Völlig wird aber das, was angedeutet worden ist, nur erreicht werden, wenn wir uns veranlaßt fühlen, das ganze Leben in derselben Weise zu gestalten — da, wo es heute schon möglich ist —, wie es bei diesem Bau versucht wurde. Aber dann muß man eben auch versuchen, die Geisteswissenschaft wirklich lebendig zu machen, sie wirklich hineinzugießen in das, was wir unternehmen und tun wollen. Es ist notwendig sich bewußt zu werden, daß mit der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung etwas gegeben werden soll, was eine Art neuen Menschen in jenem alten Menschen erzeugt, der wie ein Erbstück früherer Erdenevolution auf uns gekommen ist. Wir nehmen zu gleicher Zeit mit der Geisteswissenschaft die Vorbedingungen in uns auf, die dazu dienen, dem zur Geburt zu verhelfen, was geboren werden soll für die Erdenzukunft.

[ 46 ] This is precisely where we should begin with our building. To the extent that anything capable of providing inspiration can be placed in the physical environment, it should be placed in this building so that, through the contemplation of forms and colors, an effect may be felt throughout the entire soul and not merely in the eye. However, what has been suggested will only be fully achieved if we feel compelled to shape our entire lives in the same way—wherever it is already possible today—as was attempted in this building. But then we must also strive to truly bring Spiritual Science to life, to truly infuse it into what we undertake and wish to do. It is necessary to become aware that the spiritual-scientific worldview is intended to provide something that creates a kind of new human being within that old human being who has come to us as a legacy of earlier earthly evolution. At the same time as we take in Spiritual Science, we also take in the prerequisites that serve to help bring into being what is to be born for the future of the Earth.

[ 48 ] Wenn man das will, dann muß man allerdings tief, tief mit seinem ganzen Wesen die Geisteswissenschaft verbinden. Wir haben da und dort schon schöne Beispiele von einem solchen Durchdringen erlebt. Von einem hervorragenden Beispiele haben wir des öfteren schon gesprochen. Ich möchte bei dieser Gelegenheit einige Worte unseres Freundes Christian Morgenstern zum Schlusse erwähnen, welche solch ein Beispiel darstellen, wie unter uns Geisteswissenschaft als Seelenerlebnis in Herz und Seele eindringen kann. Nicht dadurch, daß wir sie theoretisch aufnehmen, dringt ja die Geisteswissenschaft in uns wirklich so ein, wie sie es kann, sondern erst dann, wenn sie sich in jede Fiber unseres Wesens hineinlebt.

[ 47 ] If one wishes to do so, one must, however, connect with Spiritual Science deeply, deeply, with one’s entire being. We have already witnessed beautiful examples of such a deep connection here and there. We have often spoken of one outstanding example. I would like to take this opportunity to mention a few words by our friend Christian Morgenstern in conclusion, which illustrate how Spiritual Science can penetrate our hearts and souls as a spiritual experience. Spiritual Science does not truly penetrate us to the extent that it is capable of doing so simply by our accepting it theoretically, but only when it becomes part of every fiber of our being.

[ 49 ] Und das ist ein Beispiel, ein Beispiel unter vielen, daß Geisteswissenschaft so schön in einem Gedichte wie demjenigen Christian Morgensterns zum Ausdruck gekommen ist. Scheinbar könnte dieses Gedicht auch aus einer anderen Weltanschauung geschrieben worden sein, in Wirklichkeit atmet es aber ganz, in jeder Zeile nicht nur, sondern auch in der Vokalisierung — aber Vokalisierung hier seelisch genommen — den Geist unserer Geisteswissenschaft:

[ 48 ] And this is an example—one among many—of how Spiritual Science has found such beautiful expression in a poem like Christian Morgenstern’s. On the surface, this poem could have been written from a different worldview, but in reality it breathes—not only in every line, but also in its vocalization—the spirit of our Spiritual Science:

Ich bin aus Gott wie alles Sein geboren,
ich geh im Gott mit allem Mein zu sterben,
ich kehre heim, O Gott, als Dein zu leben.

Erst wurde ich aus Deinem Ich gegeben,
dann galt es dies Gegebne zu erwerben,
Dir als ein Du es Brust an Brust zu heben.

Da wollte Stolz es mittendrin verderben,
und es ward Dir, und Du warst ihm verloren...
Bis daß Du übermächtig mich beschworen!

Da ward ich Dir zum andernmal geboren:
denn ich verstand zum erstenmal zu sterben,
denn ich empfand zum erstenmal zu leben.

I was born of God, as is all that exists,
I go to God with all that is mine to die,
I return home, O God, to live as Thine.

First I was given from Your Self,
then it was necessary to acquire this gift,
to lift it to You, as a “You,” breast to breast.

Then pride sought to spoil it all in the midst of it,
and it became Yours, and You were lost to it...
Until You summoned me with overwhelming power!

Then I was born to You a second time:
for I understood how to die for the first time,
for I felt how to live for the first time.