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Paths to Spiritual Insight and
the Renewal of an Artistic Worldview
GA 161

30 January 1915, Dornach

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Dritter Vortrag

Third Lecture

[ 1 ] Im Grunde genommen geht aus den mannigfaltigen Betrachtungen, die wir nun im Laufe der Zeit hier angestellt haben, doch hervor, daß wirkliche, echte Kunst zuletzt zurückgeht auf die Geheimnisse der Initiation. Wir haben das ja an verschiedenen speziellen Beispielen, wenigstens schon hinweisend, erörtert. Große Kunstepochen, solche Kunstepochen, in denen über die Menschheit hinleuchtende künstlerische Taten geschehen, ziehen ihre künstlerischen Quellen immer wieder und wiederum aus der Initiation heraus. Damit ist darauf hingewiesen, wie die Kunst das spirituelle Leben hereinbringt ins physische Leben. Die Initiation eröffnet dem Menschen die Möglichkeit, fortzuschreiten von dem physischen Plan in die geistigen Welten hinein, und was dann in den geistigen Welten erfahren, erlebt werden kann, mehr oder weniger bewußt, das wird von wahrer Kunst heruntergetragen in die physischen Formen, durch die sich die Kunst zum Ausdruck bringt.

[ 1 ] Essentially, the diverse reflections we have made here over time reveal that true, authentic art ultimately traces back to the mysteries of initiation. We have already discussed this, at least in passing, using various specific examples. Great artistic epochs—those in which artistic achievements that shine upon humanity come to pass—draw their artistic sources time and again from initiation. This points to how art brings spiritual life into physical life. Initiation opens up the possibility for human beings to progress from the physical plane into the spiritual worlds, and what can then be experienced in the spiritual worlds, more or less consciously, is carried down by true art into the physical forms through which art expresses itself.

[ 2 ] Nun wird man den ganzen Zusammenhang, der hiermit gemeint ist, doch erst so recht durchschauen, wenn man darauf Rücksicht nimmt, daß die letzten Jahrhunderte der Menschheitsentwickelung wirklich vieles zugedeckt haben, unsichtbar, unwahrnehmbar gemacht haben für die weitaus meisten Menschen, was selbst vor fünf, sechs, sieben Jahrhunderten noch durchaus nicht in demselben Grade ein Geheimnis war, wie es heute für diejenigen, die sich Kulturmenschen nennen, ein Geheimnis ist.

[ 2 ] One can only truly grasp the full context referred to here, only truly grasp the full context of what is meant here if one takes into account that the last few centuries of human development have indeed concealed much, rendering it invisible and imperceptible to the vast majority of people—things that even five, six, or seven centuries ago were by no means as much of a mystery as they are today for those who call themselves cultured people.

[ 3 ] Um auf eine bedeutsame Tatsache hinzuweisen, sei das Beispiel eines ja wirklich über die Zeiten hinleuchtenden Kunstwerkes gewählt, der «Göttlichen Komödie» Dantes. Wer wird, wenn er wirklich die «Göttliche Komödie» auf sich wirken läßt, nicht den spirituellen Zug walten sehen durch dasjenige, was Dante zum Ausdruck gebracht hat! Heute wird man gerne geneigt sein, wenn es sich darum handelt, zu sagen, wie Dante zu den grandiosen Bildern seines Gedichtes gekommen ist, das Wort «Phantasie» zu gebrauchen und sich zufrieden geben damit, daß man sagt: Nun ja, in Dante hat eben die künstlerische Phantasie gewirkt. — Selbstverständlich soll nicht geleugnet werden, daß in Dante die künstlerische Phantasie gewirkt hat. Aber selbst historisch, äußerlich historisch wäre es unrichtig, wenn man glauben wollte, daß Dante, so wie aus dem Nichts heraus, aus der Phantasie sein ganzes grandioses Gedicht geschaffen hätte.

[ 3 ] To highlight a significant fact, let us take the example of a work of art that truly shines through the ages: Dante’s Divine Comedy. Who, upon truly allowing the Divine Comedy to take hold of them, would not see the spiritual thread running through what Dante has expressed! Today, when it comes to explaining how Dante arrived at the magnificent images of his poem, people are often inclined to use the word “imagination” and content themselves with saying: Well, artistic imagination was simply at work in Dante. — Of course, it cannot be denied that artistic imagination was at work in Dante. But even historically, in a purely external sense, it would be incorrect to believe that Dante created his entire magnificent poem out of thin air, out of his imagination.

[ 4 ] Dante hatte einen Lehrer und Freund, Brunetto Latini, und ich denke, man wird aus dem, was wir gleich werden zu sagen haben, erkennen, daß Brunetto Latini im wahrhaften Sinne ein Initiierter genannt werden kann. Wenn wir damit also den Zusammenhang eines nach den Verhältnissen seiner Zeit Initiierten mit Dante haben, so haben wir ja den Zusammenhang, den wir gerade gegenüber unseren Anschauungen aufs gründlichste betonen müssen.

[ 4 ] Dante had a teacher and friend, Brunetto Latini, and I think it will become clear from what we are about to say that Brunetto Latini can truly be called an Initiate. So if we thus have the connection of an initiate—according to the standards of his time—with Dante, then we have precisely the connection that we must emphasize most thoroughly in relation to our own views.

[ 5 ] Eines wußte die damalige Zeit: daß man den Weg durch die Wiedergeburt des Menschen gehen müsse, wenn man hinter die Geheimnisse des Daseins kommen will. Und das war vor allen Dingen in der damaligen Zeit noch unbedingt lebendig, daß der Weg zur Welterkenntnis durch die Selbsterkenntnis führt. Nur darf man diese Selbsterkenntnis nicht so oberflächlich betrachten, wie man heute oftmals von Selbsterkenntnis spricht. Wer glaubt nicht, in der Lage zu sein, über sich selbst etwas zu wissen! Ich möchte durch ein kleines Beispiel einleitend Ihnen zum Bewußtsein bringen, wie schwierig Selbsterkenntnis schon in den allerelementarsten Dingen ist, wie wenig der Mensch eigentlich geneigt ist, auf das wirklich loszugehen, was man Selbsterkenntnis nennen kann.

[ 5 ] One thing was clear in those days: that one must walk the path through human rebirth if one wishes to uncover the mysteries of existence. And above all, it was still very much alive in those days that the path to knowledge of the world leads through self-knowledge. However, one must not view this self-knowledge as superficially as we often speak of self-knowledge today. Who does not believe they are capable of knowing something about themselves! I would like to begin by using a small example to make you aware of how difficult self-knowledge is even in the most elementary matters, and how little the human being is actually inclined to truly set out on what can be called self-knowledge.

[ 6 ] Ich habe hier ein Buch von einem ganz berühmten Philosophen der Gegenwart, ein Buch von Dr. Ernst Mach, der eine ganze Reihe für die Gegenwart durchaus charakteristischer Werke geschrieben hat. Er macht gleich auf Seite 3 seiner «Analyse der Empfindungen» eine Anmerkung, wo er über den Zusammenhang des Physischen mit dem Psychischen spricht, eine Anmerkung, die ganz charakteristisch ist. Er sagt: «Als junger Mensch erblickte ich einmal auf der Straße ein mir höchst unangenehmes, widerwärtiges Gesicht im Profil. Ich erschrak nicht wenig, als ich erkannte, daß es mein eigenes sei, welches ich an einer Spiegelniederlage vorbeigehend durch zwei gegen einander geneigte Spiegel wahrgenommen hatte.»

[ 6 ] I have here a book by a very famous contemporary philosopher, a book by Dr. Ernst Mach, who has written a whole series of works that are quite characteristic of our time. Right on page 3 of his Analysis of Sensations, he makes a remark in which he discusses the connection between the physical and the psychological—a remark that is quite characteristic. He says: “As a young man, I once caught sight on the street of a face in profile that was highly unpleasant and repulsive to me. I was quite startled when I realized that it was my own, which I had perceived as I passed by a mirror arrangement consisting of two mirrors inclined toward one another.”

[ 7 ] Also er ging, und sein Karma trug ihn vorbei an einer Spiegelniederlage, wo zwei Spiegel so geneigt waren, daß er sich selbst sehen konnte. Und da sah er dieses ihm unangenehme Gesicht, von dem er dann entdeckte, daß es sein eigenes sei. Also selbst in bezug auf dieses Äußerlichste ist es nicht ganz leicht, auch nur die elementarste Selbsterkenntnis zu gewinnen,

[ 7 ] So he walked on, and his karma led him past a set of mirrors where two mirrors were angled in such a way that he could see himself. And there he saw that face he found so unpleasant, which he then realized was his own. So even with regard to this most external aspect, it is not entirely easy to gain even the most basic self-knowledge,

[ 8 ] Aber noch eine andere Anmerkung macht der Betreffende. Er wird Universitätsprofessor und hat sich so eine Anschauung gebildet, wie ein höherer Schulmeister aussieht. «Vor nicht langer Zeit stieg ich nach einer anstrengenden nächtlichen Eisenbahnfahrt sehr ermüdet in einen Omnibus, eben als von der anderen Seite auch ein Mann hereinkam. «Was steigt doch da für ein herabgekommener Schulmeister ein», dachte ich. Ich war es selbst, denn mir gegenüber hing ein großer Spiegel.» Und nun fügt er erklärend hinzu: «Der Klassenhabitus war mir also viel geläufiger als mein Spezialhabitus.» Er hatte sich die Vorstellung gebildet von einem Schulmeister, und das wußte er, daß der, der da hereinstieg, so aussah wie ein herabgekommener Schulmeister. Erst hinterher entdeckte er, daß er es selber war.

[ 8 ] But the man in question makes yet another observation. He becomes a university professor and has formed a certain view of what a high school teacher looks like. “Not long ago, after a grueling overnight train ride, I boarded a bus, feeling very tired, just as a man was getting on from the other side. ‘What a shabby schoolteacher is getting on there,’ I thought. It was me, of course, because there was a large mirror hanging opposite me.” And now he adds by way of explanation: “The schoolteacher’s demeanor was thus much more familiar to me than my own professional demeanor.” He had formed a mental image of a schoolmaster, and he knew that the man who had just boarded looked like a shabby schoolmaster. Only afterward did he discover that it was himself.

[ 9 ] Das ist ein schönes Beispiel für die oft recht mangelnde Selbsterkenntnis, selbst in bezug auf die äußere Gestalt; aber mit der seelischen Selbsterkenntnis geht es noch schwieriger. Dennoch ist ja diese individuell-persönliche Selbsterkenntnis nichts anderes als der allerelementarste Anfang, der Anfang jenes Weges, der durch den Menschen hindurch in die weiten, universellen Geheimnisse des Daseins führt.

[ 9 ] This is a fine example of the often rather lacking self-knowledge, even with regard to one’s outward appearance; but when it comes to spiritual self-knowledge, the situation is even more difficult. Nevertheless, this individual, personal self-knowledge is nothing other than the most elementary beginning, the beginning of that path which leads through the human being into the vast, universal mysteries of existence.

[ 10 ] Wenn wir äußerlich auf dem physischen Plan die Welt betrachten, so haben wir ja innerhalb dieser physischen Welt wirklich nur alles dasjenige, was zum alleräußersten Wesen des Menschen gehört, nämlich zum Gefüge des physischen Menschenleibes. Wir können sagen: Wenn wir die weite Umgebung, die wir überschauen können auf dem physischen Horizont, ins Auge fassen, dann haben wir da alles dasjenige, was verwandt ist unserem äußeren physischen Menschenleib. Wir müssen uns klar sein, daß das nur ein Teil unserer Gesamtwesenheit ist, daß dahinter der Ätherleib liegt. Aber was alles ähnlich dem Ätherleib in der Umgebung des Menschen ist, das ahnt ja der Mensch zunächst nicht; noch weniger ahnt er, was ähnlich ist seinem Astralleib, was ähnlich ist seinem Ich.

[ 10 ] When we look at the world from the outside, on the physical plane, we really have within this physical world only that which belongs to the very outermost nature of the human being—namely, the structure of the physical human body. We can say: When we take in the vast surroundings that we can survey on the physical horizon, we have there everything that is related to our outer physical human body. We must be clear that this is only a part of our total being, that the etheric body lies beyond it. But what in the human environment is similar to the etheric body, the human being does not initially sense; even less does he sense what is similar to his astral body, what is similar to his I.

[ 11 ] Der Mensch muß, weil er ja zunächst hier auf der Erde für sich selbst das einzige Beispiel ist, welches ihm aus der geistigen Welt Dokumente herträgt, er muß durch diese seine eigenen Dokumente durchgehen, er muß durch sich hindurchgehen! Das haben alle diejenigen, die etwas von der Initiation erlebt haben, gewußt; das hat auch Brunetto Latini gewußt.

[ 11 ] Because human beings are, for the time being, the only example here on Earth that brings them documents from the spiritual world, they must examine these documents of their own—they must examine themselves! All those who have experienced something of initiation have known this; Brunetto Latini knew it as well.

[ 12 ] Nun ist bei ihm, bei diesem Lehrer und Freund Dantes, besonders charakteristisch, daß — was sehr häufig ist — durch ein besonderes Ereignis ausgelöst wird dasjenige, was man Initiation nennt. Im Grunde genommen erwartet eigentlich ein jeder, der sich auf den Pfad der Geisteswissenschaft begibt, daß über kurz oder lang für ihn die Tore der geistigen Welten sich öffnen werden. Sie werden es auch. Es kann ja allerdings vorkommen und kommt oftmals vor, daß das Hineingehen in . die geistige Welt allmählich erfolgt, daß wir langsam hineinwachsen in die geistige Welt; aber sehr häufig ist es auch so, daß durch eine Art plötzlichen Ereignisses, wie durch eine Art Lebensschock, der über uns hereinbricht, die geistige Welt uns geöffnet wird. Und so erzählt denn Brunetto Latini selber, wie er als Gesandter zum Beherrscher Kastiliens geschickt worden war, wie er wieder zurückkehrte, wie er auf dem Wege erfuhr, daß aus Florenz seine Partei, die Welfische Partei, vertrieben worden war, daß Florenz sich vollständig verändert hatte während seiner Abwesenheit. Das brachte ihn in Verwirrung. Mit solcher Verwirrung der äußeren, für die physische Welt geeigneten Seelenverfassung ist oftmals das verbunden, was den Anfangspunkt bildet für das Hereinkommen in die geistige Welt.

[ 12 ] Now, what is particularly characteristic of him—this teacher and friend of Dante—is that what is commonly called “initiation” is triggered, as is very often the case, by a specific event. Essentially, everyone who sets out on the path of Spiritual Science expects that, sooner or later, the gates to the spiritual worlds will open for them. And they will. It can, of course, happen—and often does—that entry into the spiritual world occurs gradually, that we slowly grow into the spiritual world; but very often it is also the case that the spiritual world is opened to us through a kind of sudden event, such as a life-shaking shock that befalls us. And so Brunetto Latini himself recounts how he had been sent as an envoy to the ruler of Castile, how he returned, how he learned on the way that his party, the Guelph party, had been driven out of Florence, that Florence had completely changed during his absence. This threw him into confusion. Such confusion of the outer state of mind, suited to the physical world, is often connected with what forms the starting point for entering the spiritual world.

[ 13 ] Er erzählt weiter, wie er infolge der Verwirrung statt nach Hause in einen benachbarten Wald hineingeritten ist, ganz besinnungslos, wie er nachher in der Erinnerung glauben muß. Als er zur Besinnung kam, war es ihm ganz eigentümlich: da sah er nicht die gewöhnliche Welt des physischen Planes um sich herum, sondern da sah er etwas wie einen mächtigen Berg vor sich. Er kam nicht zur Besinnung in dem Bewußtsein, das zunächst der physischen Welt gegenübersteht, sondern er kam zum Bewußtsein gegenüber einer ganz anderen Welt, als diejenige war, die ihn physisch umgab. Ein mächtiger Berg. Die Dinge waren aber so, daß sie kamen und gingen, entstanden und wieder vergingen. Und an der Seite dieses Berges stand eine Frau, nach deren Befehlen dasjenige, was entstand, entstand, und dasjenige, was verging, verging.

[ 13 ] He goes on to describe how, in his confusion, he rode into a nearby forest instead of heading home, completely out of his mind, as he later recalled. When he came to his senses, it was quite peculiar: he did not see the usual world of the physical plane around him, but rather he saw something like a mighty mountain before him. He did not come to his senses in the consciousness that initially faces the physical world, but rather he came to consciousness facing a world entirely different from the one that physically surrounded him. A mighty mountain. But things were such that they came and went, arose and passed away again. And at the side of this mountain stood a woman, at whose command that which arose arose, and that which passed away passed away.

[ 14 ] Die Gesetzmäßigkeit des natürlichen Geschehens sah Brunetto Latini in der Form einer Imagination. Die ganzen Naturgesetze und ihre Gesetzmäßigkeit, die schaffende, webende, wesende Natur kamen ihm vor in der Imagination in der Gestalt einer Frau, die die Befehle gab, wie da die Dinge entstehen und vergehen sollten.

[ 14 ] Brunetto Latini perceived the regularity of natural phenomena in the form of an imagination. All the laws of nature and their regularity—creative, weaving, and living nature—appeared to him in his imagination in the form of a woman who gave orders as to how things should come into being and pass away.

[ 15 ] Wir sehen, wir leben in der Zeit des 13., 14. Jahrhunderts, wir leben in der Zeit, in welcher die naturwissenschaftliche Denkweise nach und nach heranrückt. Dasjenige, was man später abstrakt die Naturgesetzlichkeit nannte, wovon man sich später durchaus nicht hat vorstellen wollen, daß etwas Wesenhaftes dahinter ist, das sah Brunetto Latini in Form der Imagination von einer Frau, aus deren Geiste, wie in einem diese von ihm auch imaginierte Natur beherrschenden Worte, dasjenige hervorging, was später in abstrakter Form als Naturgesetzmäßigkeit empfunden wurde. Diese Frau sagte ihm dann — so erzählt er —, er solle seine Seelenkräfte vertiefen, dann werde er immer tiefer in sich hineinkommen. — Und nun ist es interessant, wie sie, gleichsam ihre Kraft über ihn ausstrahlend, ihm die Möglichkeit gibt, immer tiefer in sich hineinzukommen. Es ist das Untertauchen in die eigene Wesenheit. Und die Reihenfolge, die er angibt, ist wirklich für gewisse Verhältnisse die richtige Reihenfolge der Initiation.

[ 15 ] We see that we are living in the 13th and 14th centuries, a time when scientific thinking is gradually taking hold. What was later called, in abstract terms, the laws of nature—behind which people later refused to imagine there was anything essential—Brunetto Latini saw in the form of the mental image of a woman, from whose spirit, as if in words he himself imagined to govern nature, emerged what was later perceived in abstract form as the laws of nature. This woman then told him—so he recounts—that he should deepen his soul powers, and then he would penetrate ever deeper into himself. — And now it is interesting how she, as it were radiating her power over him, gives him the possibility of penetrating ever deeper into himself. It is the immersion into one’s own being. And the sequence he describes is, in certain circumstances, truly the correct sequence of initiation.

[ 16 ] Das erste, sagt er, was er nun kennenlernte, das waren die Seelenkräfte. Also indem man da in sich untertaucht, lernt man das, was einem ja sonst unbewußt bleibt, wirklich kennen: die eigenen Seelenkräfte. Und dieses Erkennen der eigenen Seelenkräfte, das ist ja allerdings etwas, was leicht der Mensch, wenn er wirklich an sie herankommt, flieht. Denn es ist schon wirklich oftmals so, daß uns diese Seelenkräfte, wenn wir sie wahrnehmen, unsympathisch vorkommen, daß wir uns sagen: Was für eine unsympathische Seele ist das! — Und das will man dann nicht. Gerade so, wie es dem guten Professor gegangen war, als er seine eigene Gestalt gesehen hat und sie ihm recht unangenehm vorkam. Man will sie nicht sehen! Denn innerhalb dieses Chores von Seelenkräften sieht man so manches, was man an sich hat, was man sich durchaus im gewöhnlichen Leben nicht zuschreibt. Aber man sieht es in einer Weise, daß es an der Gesamtheit unseres Wesens arbeitet, an der Erhöhung, aber auch an der Verringerung unseres Wesens, daß es uns wertvoller oder weniger wertvoll macht für das Gesamtdasein des Universums.

[ 16 ] The first thing, he says, that he came to know were the powers of the soul. So by delving deep within oneself, one truly comes to know what would otherwise remain unconscious: one’s own powers of the soul. And this recognition of one’s own soul forces is, of course, something that people—when they truly come into contact with them—easily flee from. For it is indeed often the case that when we perceive these soul forces, they strike us as unsympathetic, and we say to ourselves: What an unsympathetic soul that is! — And then one does not want that. Just as it was with the good professor when he saw his own form and found it quite unpleasant. One does not want to see it! For within this chorus of soul forces, one sees many things about oneself that one would never attribute to oneself in ordinary life. But one sees it in such a way that it works on the entirety of our being, on the elevation, but also on the diminution of our being, making us more or less valuable for the total existence of the universe.

[ 17 ] Also wir steigen da zuerst herein in die Seelenkräfte. Die nächste Stufe, die man dann erlebt, ist diejenige der vier Temperamente. Wie wir da zusammengewoben sind aus dem cholerischen, melancholischen, sanguinischen, phlegmatischen Temperament, und wie dieses Zusammenweben tiefer unten liegt als die Seelenkräfte, das wird zunächst klar. Und erst wenn man durch die Temperamente gegangen ist, kommt man zu dem, was man im okkulten Sinne die fünf Sinne nennen kann. Denn so wie der Mensch zunächst von diesen fünf Sinnen spricht, ist es ja nur, wie er sie von außen kennt. Er kennt sie ja nur von außen, diese fünf Sinne. Innerlich kann man die Sinne nur kennenlernen, wenn man durch die Temperamente heruntergestiegen ist in tiefere Regionen des eigenen Selbstes. Dann sieht man die Augen, die Ohren, die anderen Sinne von innen, das heißt, man erlebt zum Beispiel seine eigenen Augen, seine eigenen Ohren, sie ausfüllend von innen. Sie müssen sich, sagen wir, folgendes vorstellen: Statt daß Sie hier hereingehen durch diese Tür in diesen Saal und hier die Gegenstände und Personen wahrnehmen, die schon darinnen sind, so kommen Sie, wenn Sie dieses Hinuntersteigenin-sich-Selbst durchmachen, in die Region, sagen wir, Ihrer Augen oder . Ohren. Innerhalb dieser Region nehmen Sie wahr, wie von innen heraus die Kräfte arbeiten, um das Sehen und das Hören zustande zu bringen. Sie nehmen eine ganz komplizierte Welt wahr, eine Welt, von der ein Mensch, der nur den äußeren physischen Plan kennt, keine Ahnung hat.

[ 17 ] So we begin by delving into the soul forces. The next stage one then experiences is that of the four temperaments. It first becomes clear how we are woven together from the choleric, melancholic, sanguine, and phlegmatic temperaments, and how this interweaving lies deeper than the soul forces. And only after one has passed through the temperaments does one arrive at what, in the occult sense, can be called the five senses. For when people speak of these five senses, they are merely describing them as they know them from the outside. They know these five senses only from the outside. One can only come to know the senses from within if one has descended through the temperaments into deeper regions of one’s own self. Then one sees the eyes, the ears, and the other senses from within; that is to say, one experiences, for example, one’s own eyes and one’s own ears, filling them from within. You must, let us say, create a mental image of the following: Instead of entering here through this door into this hall and perceiving the objects and people already inside, when you undergo this descent into your own self, you enter the region, let us say, of your eyes or ears. Within this region, you perceive how the forces work from within to bring about seeing and hearing. You perceive a very complex world, a world of which a person who knows only the outer physical plane has no idea.

[ 18 ] Gewiß wird mancher sagen: Nun ja, aber imponieren wird mir doch nicht diese Welt der Augen und Ohren! Die Welt des physischen Planes, die ich um mich habe, ist groß, aber die Welt der Augen und Ohren ist klein; da schaue ich in eine kleine Welt hinein. — Das aber ist eine Maja! Was Sie überschauen, wenn Sie in Ihrem eigenen Ohre drinnen sind, wenn Sie in Ihrem eigenen Auge drinnen sind, ist viel größer, viel voller als die äußere physische Welt; da haben Sie eine viel reichere Welt um sich herum.

[ 18 ] Certainly, some will say: Well, yes, but this world of the eyes and ears does not impress me! The world of the physical plane that surrounds me is vast, but the world of the eyes and ears is small; there I am looking into a small world. — But that is a maya! What you perceive when you are inside your own ear, when you are inside your own eye, is much larger, much fuller than the outer physical world; there you have a much richer world around you.

[ 19 ] Und dann erst, wenn man durch diese Region durchgegangen ist, kommt man in die Region der vier Elemente. Wir haben ja von all diesen Eigentümlichkeiten der einzelnen Elemente auch gesprochen. Dann erst fühlt man sich darinnen im Erdigen, im Wässerigen, Luftförmigen und Wärmeartigen.

[ 19 ] And only after passing through this region does one enter the region of the four elements. We have, of course, also spoken of all these characteristics of the individual elements. Only then does one feel oneself within the earth, the water, the air, and the heat.

Diagram 7Diagram 7

[ 20 ] So wie der Mensch seine Sinne kennt, kennt er sie von außen, aber hier lernt er sie von innen kennen. Also er geht hier mit dem Bewußtsein von innen in das Auge hinein, durchbricht dann das Auge, und so durch das Auge brechend, kommt er in die vier Elemente hinein. Er kann auch durch das Ohr durchbrechen oder durch den Geschmackssinn. Von diesen Elementen ist der Mensch fortwährend umgeben, aber er weiß doch nicht, wie sie innerlich sind. Wie sie innerlich sind, das kann man nicht sehen mit den äußeren Sinnesorganen; da muß man zuerst aus diesen Sinnesorganen herauskommen, aber von innen, muß sie dann wieder wie durch Tore verlassen, muß hinaussteigen durch seine Augen und seine Ohren. Da schlüpft man also durch das Auge durch, schlüpft durch das Ohr durch und kommt dann in die Region der Elemente hinein. Dadurch lernt man kennen, was in dieser Region der Elemente selber als Geistiges lebt: also die verschiedenen Arten von Naturgeistern und diejenigen Wesenheiten, die zu den an die Menschen zunächst angrenzenden Hierarchien gehören.

[ 20 ] Just as a person knows their senses from the outside, here they come to know them from the inside. So here they enter the eye with their consciousness from within, then break through the eye, and by breaking through the eye in this way, they enter the four elements. They can also break through via the ear or the sense of taste. Human beings are constantly surrounded by these elements, yet they do not know what they are like on the inside. One cannot see what they are like on the inside with the external sense organs; one must first step out of these sense organs, but from within, and then leave them again as if through gates, climbing out through one’s eyes and ears. Thus one slips through the eye, slips through the ear, and then enters the region of the elements. Through this one comes to know what lives as spiritual within this region of the elements itself: namely, the various kinds of nature spirits and those beings that belong to the hierarchies immediately adjacent to human beings.

[ 21 ] Dann kommt man weiter, kommt in die Region der sieben Planeten hinein. Da ist man schon weiter draußen, da lernt man schon dasjenige kennen, was schöpferisch mit uns verbunden ist im großen Universum. Und dann hat man, wie es immer genannt worden ist, Okeanos, den Ozean, zu durchschreiten.

[ 21 ] Then one moves on, entering the region of the seven planets. There, one is already further out, and begins to become acquainted with that which is creatively connected to us in the vast universe. And then, as it has always been called, one must cross Okeanos, the ocean.

Seelenkräfte
vier Temperamente
fünf Sinne
vier Elemente
sieben Planeten
Ozean

Soul Powers
Four Temperaments
Five Senses
Four Elements
Seven Planets
Ocean

[ 22 ] Dieses Durchschreiten des Ozeans bedeutet das Folgende: Man kann an die Planeten noch herankommen, wenn man, ich möchte sagen, mit dem letzten Teil seines Seelenwesens im Physischen noch drinnen ist. Aber wenn man so durch die Tore der Sinne hinausgeht, durch die Elemente und die Planeten hindurch, dann muß man zuletzt selbst die letzten Reste von seinem Seelenwesen nachziehen, so daß man bewußt in den Zustand hineinkommt, in dem man sonst nur im Schlafe ist. Wenn man so mit den Planeten ist, ist man noch immer gleichsam mit einem Stück seines Seelenwesens im Leibe drinnen (siehe Zeichnung). Zieht man dies noch heraus, dann kommt einem das so vor, als ob man durchschwimmen würde den universellen Ozean des geistigen Daseins.

[ 22 ] This crossing of the ocean means the following: One can still reach the planets if, I might say, the last part of one’s soul being is still present in the physical realm. But when one passes through the gates of the senses in this way, through the elements and the planets, one must finally draw in even the last remnants of one’s soul being, so that one consciously enters the state in which one is otherwise only found in sleep. When one is with the planets in this way, one is still, as it were, with a part of one’s soul being within the body (see drawing). If one draws this out as well, then it seems as though one were swimming through the universal ocean of spiritual existence.

Diagram 8Figure 8

[ 23 ] Dies alles unternimmt nun Brunetto Latini; er erzählt, wie er jeden dieser Schritte unternommen hat auf das Geheiß der Frau, die ihm in seiner imaginativen Erkenntnis erscheint. Dann ermahnt ihn die Frau, er solle weitergehen. Diese Ermahnung trifft ihn aber in einem besonderen Augenblick, und das ist sehr charakteristisch.

[ 23 ] Brunetto Latini now undertakes all of this; he recounts how he took each of these steps at the behest of the woman who appears to him in his imaginative vision. Then the woman urges him to go on. But this exhortation comes to him at a particular moment, and that is very characteristic.

[ 24 ] Also bedenken Sie: Der Mann reitet, weil er perplex ist über dasjenige, was in seiner Vaterstadt geschehen ist, in einen Wald, kommt zu einer Besinnung, die ihn aber nicht in die physische Welt führt, sondern durch alle diese Regionen durch. Dann tritt für ihn der Moment ein, wo er — jetzt nicht durch einen Zufall, wie man so sagt, sondern durch die Aufforderung der Frau — sich in dem Wald drinnen erblickt. Also nachdem er das alles durchgemacht hat, nachdem er hindurchgestiegen ist durch die Seelenkräfte und die Temperamente, durch die Sinne geschritten ist in die elementare Welt, dort schon reiches, geistiges Leben wahrgenommen hat, nachdem er die sieben Planeten wahrgenommen hat, durch die sieben Planeten hindurch die höheren Hierarchien, wie sie Kreis an Kreis geschlossen haben, dann sich gefühlt hat, nicht wie auf festem Grunde, sondern wie den Ozean durchschwimmend, wacht er auf in der physischen Welt.

[ 24 ] So consider this: The man rides into a forest because he is bewildered by what has happened in his hometown; he comes to a realization, but one that does not lead him back into the physical world, but rather through all these realms. Then the moment arrives for him when—not by chance, as one might say, but at the woman’s urging—he finds himself in the forest. So after he has gone through all of this, after he has ascended through the soul forces and the temperaments, passed through the senses into the elemental world, having already perceived a rich, spiritual life there, having perceived the seven planets, and through the seven planets the higher hierarchies as they closed circle upon circle, then having felt himself not as if on solid ground but as if swimming through the ocean, he awakens in the physical world.

[ 25 ] Und dies ist das außerordentlich Wichtige, das wir auch wiedererkennen bei allen diesen Initiationsvorgängen: daß die Betreffenden einen Kreislauf durchmachen, daß sie zurückkommen in die physische Welt.

[ 25 ] And this is the crucial point that we also recognize in all these initiation processes: that those involved go through a cycle, that they return to the physical world.

[ 26 ] Brunetto Latini fühlt sich, nachdem er das alles durchlebt hat, wieder in seinem Walde. Jetzt ist er von dem, was ihn physisch umgibt, wirklich umgeben. Gleich darauf steht die Frau wieder da, aber so, daß er jetzt den physischen: Wald um sich hat, und sie sagt ihm, er solle nun nach der rechten Seite reiten. Und da gibt sie ihm Anweisung, wie er kommt zur Philosophie, zu den vier menschlichen Tugenden, und zur Erkenntnis des Gottes der Liebe.

[ 26 ] After going through all of this, Brunetto Latini feels as though he is back in his forest. Now he is truly surrounded by his physical surroundings. Immediately afterward, the woman appears again, but in such a way that he is now surrounded by the physical forest, and she tells him to ride to the right. And there she instructs him on how to arrive at philosophy, the four human virtues, and the knowledge of the God of Love.

[ 27 ] Merken Sie, was da Bedeutsames dahinterliegt! Der Mensch der Gegenwart wird ohne weiteres sagen: Philosophie, na, das kenne ich, ich habe die ganze Geschichte der Philosophie studiert, weiß was Philosophie ist, was sie lehrt. Vier Tugenden: Plato hat sie genannt Weisheit, Mut, Gleichgewicht oder Mäßigkeit, Gerechtigkeit. Nun, und der Gott der Liebe, wer kennt ihn nicht? — man braucht nur die vier Evangelien zu lesen! Kurz, der Mensch der Gegenwart kennt das alles. Das ist aber das Charakteristische mit Bezug auf die geistige Erkenntnis: man fängt an zu sehen, daß man das alles nicht kennt, daß man erst hindurchgehen muß durch das Begreifen der geistigen Welt und dann zurückkommen muß zu dem, was die physische Welt gibt, und dann erst die physische Welt begreifen kann.

[ 27 ] Notice what lies behind this! People today will readily say: Philosophy? Well, I know all about that; I’ve studied the entire history of philosophy; I know what philosophy is and what it teaches. Four virtues: Plato called them wisdom, courage, temperance, and justice. Well, and the God of love—who doesn’t know him? —one need only read the four Gospels! In short, people today know all this. But this is the characteristic feature of spiritual knowledge: one begins to see that one does not know any of this, that one must first pass through an understanding of the spiritual world and then return to what the physical world offers, and only then can one understand the physical world.

[ 28 ] Also Brunetto Latini würde, wenn er jetzt aufstehen würde, und es würde zu ihm ein sehr gelehrter Herr der Gegenwart kommen, nehmen wir an, ein ganz berühmter Professor der Philosophie, und er würde sagen: Ich kenne die ganze Philosophie —, da würde Brunetto Latini antworten: Ja, gewiß kennst du sie, aber in Wahrheit weißt du gar nichts von ihr. Du mußt zunächst kennenlernen das Aussehen der übersinnlichen Welten, mußt wissen, wie es in den übersinnlichen Welten beschaffen ist; dann kommst du zurück zur Philosophie, und dann ist sie für dich etwas ganz Neues, dann erst wirst du anfangen, eine Ahnung zu haben von dem, was du jetzt glaubst, ganz genau zu wissen.

[ 28 ] So if Brunetto Latini were to stand up now, and a very learned gentleman of the present day were to approach him—let us suppose a very famous professor of philosophy—and were to say, “I know all of philosophy,” then Brunetto Latini would reply: “Yes, of course you know it, but in truth you know nothing of it. You must first become acquainted with the nature of the supersensible worlds; you must know what the supersensible worlds are like. Then you will return to philosophy, and then it will be something entirely new to you; only then will you begin to have a glimpse of what you now believe you know so well.”

[ 29 ] Man könnte dieselbe Sache auch noch anders beschreiben. Nicht wahr, wer würde es nicht absurd finden, wenn man sagen würde: ein ganz berühmter philosophischer Kopf schreibt ein philosophisches Buch, aber er versteht es nicht. Das muß er doch verstehen, nicht wahr? Wenn er ein philosophisches Buch schreibt, wie sollte er das nicht verstehen, was er selber geschrieben hat! Ja, aber es ist buchstäblich wahr, daß er das Buch geschrieben haben kann und doch nichts davon zu verstehen braucht, was er geschrieben hat. Es ist heute gar nicht schwierig, Bücher zu schreiben: sie schreiben sich von selber. Die Dinge, nicht wahr, die man nachsagen gelernt hat, die komponiert man zusammen, aber man braucht deshalb nicht einzudringen in den tieferen Sinn der Sache. Das ist das Gewaltige, das uns bei Brunetto Latini entgegentritt, daß er durch geistiges Erkennen dasjenige kennenlernen will, was die anderen durch äußeres Studium kennenlernen, und daß er erst, nachdem er hindurchgegangen ist durch die geistige Welt, dann wiederum antrifft das, was die anderen zu haben glauben von der physischen Welt her: die Erkenntnis der Philosophie, die Erkenntnis der vier Tugenden und die Erkenntnis des Gottes der Liebe.

[ 29 ] One could also describe the same thing in a different way. Wouldn’t you agree? Who wouldn’t find it absurd if someone were to say: a very famous philosopher writes a philosophical book, but he doesn’t understand it. He must understand it, doesn’t he? If he writes a philosophical book, how could he not understand what he himself has written! Yes, but it is literally true that he may have written the book and yet need not understand anything of what he has written. It is not at all difficult to write books today: they write themselves. The things, don’t you think, that one has learned to repeat—one puts them together, but that does not mean one needs to penetrate the deeper meaning of the matter. That is the powerful thing that confronts us in Brunetto Latini: that through spiritual insight he seeks to know what others come to know through external study, and that only after he has passed through the spiritual world does he then encounter what others believe they possess from the physical world: the knowledge of philosophy, the knowledge of the four virtues, and the knowledge of the God of Love.

[ 30 ] Ich möchte gerne, daß dies, was ich mit den letzten Auseinandersetzungen meine, ganz verstanden werde, meine lieben Freunde! Gewiß, eine bestimmte Art von Kenntnis der Dinge ist schon zu erlangen, auch ohne geistiges Erkennen; aber die Dinge erscheinen in einem ganz neuen Lichte, erscheinen als etwas ganz anderes, wenn man sich zuerst bekannt gemacht hat mit dem, was hinter der physischen Welt liegt. Und so sehen wir gerade an dem Beispiel des Zusammenhanges des Brunetto Latin mit Dante, das ich nur aus diesem Grunde angeführt habe, wie äußeres künstlerisches Schaffen zusammenhängt mit der Initiation, so sehen wir, wie in der Tat das große Kunstwerk Dantes zusammenhängt mit der Initiation. Dante hätte zu seiner eigentümlichen Art, sich zur geistigen Welt zu stellen, nicht kommen können, wenn er nicht Brunetto Latini zum Freund und Lehrer gehabt hätte, der ihn hinaufgezogen hat in die geistige Welt.

[ 30 ] I would very much like you to fully understand what I mean by these recent discussions, my dear friends! Certainly, a certain kind of knowledge of things can be attained even without spiritual insight; but things appear in a completely new light, appear as something entirely different, once one has first become acquainted with what lies behind the physical world. And so we see, precisely in the example of the connection between Brunetto Latini and Dante—which I have cited for this very reason—how external artistic creation is connected to initiation; we see how, in fact, Dante’s great work of art is connected to initiation. Dante could not have arrived at his unique way of relating to the spiritual world if he had not had Brunetto Latini as a friend and teacher, who drew him up into the spiritual world.

[ 31 ] Jedes Zeitalter hat eine besondere Art, die geistige Welt zu suchen. Wir finden schon in den dem Danteschen Zeitalter vorangehenden Jahrhunderten immer wieder und wiederum bei den verschiedensten Initiierten jene Frau, von der auch Brunetto Latini spricht, jenes Hineingeführtwerden in die geistige Welt durch diese Frau. Einzelne — und diese ganze Entwickelung geht ja zurück bis ins 7., 8. Jahrhundert —, einzelne nennen geradezu diese Frau «Natura», die lebendige, schaffende Natur. Alte Eingeweihte beschrieben diese Frau, die lebendige, schaffende Natur als die Beraterin des Nus, des die Welt durchschaffenden Verstandes, der die Welt als Nus durchsetzenden, weisheitsvollen Vernunft, und sie nennen diese Frau eine Verwandte der Urania. Während Nus draußen im Kosmos beraten wird von Urania, wird er in unseren Gegenden, unseren irdischen Gegenden beraten von der Natura. Und wenn man die ganze Sache durchschaut, so wird man zurückgeführt auf die andere Art, durch welche in viel älteren Zeiten die Eingeweihten gewissen Geheimnissen des Daseins nahezukommen versuchten, und dann finden wir in älteren Zeiten diese Frau wieder in Proserpina, in der Persephone, die der Mutter Demeter das Gewand webt. So verändern sich die Imaginationen im Verlaufe der Jahrhunderte, aber aus all diesen Imaginationen müssen wir entnehmen, daß das, was im fortlaufenden Strom der Menschheit gewirkt hat, eben die Geheimnisse der Initiation sind.

[ 31 ] Every age has its own particular way of seeking the spiritual world. Even in the centuries preceding Dante’s time, we find time and again, among the most diverse initiates, that woman of whom Brunetto Latini also speaks—that initiation into the spiritual world through this woman. Some—and this entire development dates back to the 7th and 8th centuries—some even call this woman “Natura,” living, creative nature. Ancient initiates described this woman, living, creative Nature, as the advisor to Nus, the intellect that creates the world, the wise reason that pervades the world as Nus, and they call this woman a relative of Urania. While Nus is advised by Urania out in the cosmos, he is advised in our regions, our earthly regions, by Natura. And when one sees through the whole matter, one is led back to the other way in which, in much earlier times, the initiates sought to approach certain mysteries of existence, and then we find this woman again in earlier times in Proserpina, in Persephone, who weaves the garment for her mother Demeter. Thus the imaginations change over the course of the centuries, but from all these imaginations we must conclude that what has worked in the continuous stream of humanity are precisely the mysteries of initiation.

[ 32 ] Um diesen Dingen recht nahezukommen, gehört allerdings dazu, daß man sich durchdringt mit dem lebendigen Gefühle, daß in allem, was in der Welt geschieht, nicht nur diejenigen Kräfte und Wesenhaftigkeiten wirksam sind, welche die äußeren Sinne und der äußere Verstand wahrnehmen können, sondern daß überall das Geistige wirksam ist. Wir müssen aber rechnen damit, daß dasjenige, was der Mensch heute, und schon seit langer Zeit, «geistige Entwickelung» nennt, ja nichts anderes ist als die Entwickelung jener Kräfte, die an die physische Leiblichkeit gebunden sind. Man nennt ja heute vielfach geistige Entwickelung die Entwickelung der Kräfte, die an die physische Leiblichkeit gebunden sind. Das hat sich nach und nach entwickelt. Wir wissen ja, daß in alten Zeiten Hellsehen als der normale menschliche Zustand vorhanden war. Dieses ist allmählich abgeflutet und abgedämmert, und das, was wir heute geistige Entwickelung nennen, ist etwas, was durchaus an den physischen Menschen gebunden ist.

[ 32 ] To truly grasp these things, however, one must be imbued with the living sense that in everything that happens in the world, it is not only those forces and essences that the external senses and the external intellect can perceive that are at work, but that the spiritual is at work everywhere. We must, however, reckon with the fact that what people today—and have done for a long time—call “spiritual development” is in fact nothing other than the development of those forces that are bound to the physical body. Today, spiritual development is often referred to as the development of the forces bound to the physical body. This has developed gradually. We know, of course, that in ancient times clairvoyance existed as the normal human state. This has gradually receded and faded, and what we call spiritual development today is something that is entirely bound to the physical human being.

[ 33 ] In der Zeit des Mysteriums von Golgatha trat allerdings mit diesem Mysterium von Golgatha etwas in die menschliche Entwickelung ein, das groß, so gewaltig ist, daß es erst nach und nach ganz wird begriffen werden können. Was der Mensch bisher hatte, war eine Art Tradition. Mit dem Aufwand der letzten Reste atavistischer Hellseherkraft haben die Evangelienschreiber aufgezeichnet, was geschehen ist; aber das ist, wie gesagt, ein letzter Aufwand. Und jetzt fangen wir an, mit der neuerschlossenen Hellseherkraft die ersten Wahrheiten des Mysteriums von Golgatha wiederum zu begreifen. Wir müssen begreifen, daß die kommenden Zeiten tiefer und tiefer hineindringen werden in diese Geheimnisse des Mysteriums von Golgatha. Wir stehen durchaus erst am Anfang davon. Doch wir fangen eben an. Gewirkt hat der Impuls des Mysteriums von Golgatha aber seit jenem Zeitpunkt, seit dem das Christus-Leben durch die Erde durchgegangen ist. Hätten die Menschen vom Christentum — ich habe das schon öfter betont — nur dasjenige gehabt, was sie einsehen können, dann hätten sie nicht viel vom Christentum gehabt. Hätte der Christus-Impuls nur durch dasjenige wirken können, was sie haben begreifen können, dann hätten sie in den verflossenen Jahrhunderten wirklich recht wenig von dem Christus gehabt.

[ 33 ] At the time of the Mystery of Golgotha, however, something entered human evolution through this Mystery of Golgotha that is so great, so immense, that it can only be fully understood little by little. What humanity had up to that point was a kind of tradition. With the last remnants of atavistic clairvoyant power, the Gospel writers recorded what had happened; but this, as I said, was a final effort. And now we are beginning, with newly awakened clairvoyant power, to grasp anew the first truths of the Mystery of Golgotha. We must realize that the times to come will penetrate deeper and deeper into these secrets of the Mystery of Golgotha. We are truly only at the beginning of this. Yet we are just beginning. The impulse of the Mystery of Golgotha, however, has been at work ever since that moment when the Christ life passed through the Earth. If people had had from Christianity—as I have often emphasized—only what they could grasp, then they would not have gained much from Christianity. If the Christ impulse could have worked only through what they were able to comprehend, then they would have gained very little indeed from the Christ in the centuries past.

[ 34 ] Ich habe öfter zwei Beispiele angeführt — ich könnte viele anführen —, aus denen wir sehen, wie der Christus wirkt in der menschlichen Seele, in dem, was also durch die historische Entwickelung der Menschheit durchgeht, von dem die Menschen aber nichts wissen können. Denn wahrhaftig, das, was der Kaiser Konstantin gewußt hat vom ChristusImpuls, als er selbst sich zum Christentum bekehrt hat und das Christentum zur Staatsreligion gemacht hat, war sicher herzlich wenig. Aber dadurch, daß Konstantin, der Sohn des Constantins Chlorus, des Blassen, den Sieg errungen hat über Maxentius, wurde in Rom der Anstoß zur Einführung des Christentums gegeben. Die ganze Einrichtung ist so, daß spezielle Kräfte zugrunde liegen, so daß überall dieser ChristusImpuls wirkt. Die Sibyllinischen Bücher wurden von Maxentius zu Rate gezogen. Sie gaben ihm die Auskunft — ich habe das zum Beispiel im Leipziger Zyklus vor einem Jahre erwähnt —, wie er es machen sollte gegenüber dem heranrückenden Heere des Konstantin. Aber auch einen Traum hatte er. Diesem Traum und den Sibyllinischen Büchern folgend, ging er mit dem Heer, das viermal stärker war als das Heer des Konstantin, aus der Stadt dem Konstantin entgegen, was nach allen Kriegsregeln ein Fehler war.

[ 34 ] I have often cited two examples—I could cite many—from which we can see how the Christ works in the human soul, in that which runs through the historical development of humanity, yet of which people can know nothing. For truly, what Emperor Constantine knew of the Christ impulse when he himself converted to Christianity and made Christianity the state religion was certainly very little. But because Constantine, the son of Constantine Chlorus the Pale, won the victory over Maxentius, the impetus for the introduction of Christianity was given in Rome. The whole structure is such that special forces underlie it, so that this Christ impulse is at work everywhere. The Sibylline Books were consulted by Maxentius. They gave him the information—I mentioned this, for example, in the Leipzig cycle a year ago—on how he should act in the face of Constantine’s advancing army. But he also had a dream. Following this dream and the Sibylline Books, he marched out of the city with an army four times stronger than Constantine’s to meet Constantine, which was a mistake by all the rules of war.

[ 35 ] Konstantin träumte auch davon, daß er siegen würde, wenn er seinem Heere vorantragen lassen würde das Symbolum des Kreuzes Christi, was er auch tat. Nicht durch alle menschliche Weisheit, deren man damals hatte teilhaftig werden können, sondern durch Träume wurde alles entschieden. Aber durch die Träume hindurch wirkte etwas, was nicht begriffen werden konnte, was aber doch der lebendige ChristusImpuls war. Wirklich, es konnten die Menschen nicht verstehen, was in ihnen wirksam, tätig, lebendig wirkte, und was die Weltentwickelung weiter brachte, was dazumal dem europäischen Kontinent sein Antlitz gab.

[ 35 ] Constantine also dreamed that he would be victorious if he had the symbol of the Cross of Christ carried at the head of his army, which he did. It was not through all the human wisdom available at that time, but through dreams that everything was decided. But working through the dreams was something that could not be comprehended, yet which was none other than the living Christ impulse. Indeed, people could not understand what was at work within them—active, alive, and effective—and what drove the development of the world, what gave the European continent its character at that time.

[ 36 ] Und wiederum finden wir eine Zeit, in welcher wir sehen können, wie die Menschen mit ihrer Vernunft, mit ihrem Verstand, auch mit ihrem Gefühlsvermögen sich herumzanken über allerlei Dogmen, Dogmen, die heute den Aufgeklärten recht sonderbar vorkommen: ob es richtig sei, die Kommunion unter einer oder unter zwei Gestalten zu nehmen und so weiter. Wir wissen, mit welcher Heftigkeit diese Streitigkeiten spielten, die dann später im Hussitismus, bei Wiclif und so weiter, zum Austrag gekommen sind. Aber solche Streitigkeiten gab es immer. Sie sind ein Beweis dafür, wie wenig heranreichte der Verstand des Menschen an dasjenige, was der Christus-Impuls wirklich war.

[ 36 ] And once again we find a time in which we can see how people, using their reason, their intellect, and even their emotions, squabble over all sorts of dogmas—dogmas that seem quite strange to the enlightened today: whether it is right to receive Communion in one form or in two, and so on. We know with what vehemence these disputes raged, which later came to a head in Hussitism, with Wycliffe, and so on. But such disputes have always existed. They are proof of how little human intellect could grasp what the Christ impulse truly was.

[ 37 ] Wo aber kam in einem wichtigen Augenblick der Christus-Impuls wirklich zum Vorschein? Ich habe auch darauf öfter hingewiesen. In einem Hirtenmädchen, in der Jungfrau von Orleans kam er in einer Art Schau zum Vorschein. Und nun müssen wir uns klar sein, daß das eine Art Nachhilfe ist der übersinnlichen, der spirituellen Kräfte, die da hereinwirken in das Gefühl der Menschen in einer Zeit, wo sie noch nicht in die menschlichen Begriffe hereinwirken konnten.

[ 37 ] But where did the Christ impulse truly come to the fore at a crucial moment? I have also pointed this out on several occasions. In a shepherdess, in the Virgin of Orleans, it manifested itself in a kind of vision. And now we must be clear that this is a kind of assistance from the supersensible, spiritual forces that are working into people’s feelings at a time when they could not yet work into human concepts.

[ 38 ] Bei Jeanne d’Arc war die Sache ja ganz besonders interessant. Ihr Inneres war aufgeschlossen; aber nicht dasjenige war aufgeschlossen, was an den physischen Leib gebunden ist, sondern aufgeschlossen war das Wahrnehmen ihres ätherischen, ihres astralischen Wesens. Aber es war so aufgeschlossen, daß wir in der Tat ein Analogon bei ihr finden für die Initiation. Inwiefern?

[ 38 ] In the case of Joan of Arc, the matter was particularly interesting. Her inner being was open; but it was not that part of her which is bound to the physical body that was open, but rather the perception of her etheric and astral beings. But it was so open that we can indeed find in her an analogue for initiation. In what sense?

[ 39 ] Nun, erinnern Sie sich einmal, wie wir neulich in einem gehörigen Zeitpunkt hier zum Vortrage gebracht haben die Geschichte von Olaf Åsteson: wie Olaf Åsteson die Tage nach Weihnachten durchschlief und erst wieder aufwachte am Dreikönigstag, am 6. Januar. Wir haben daran gewisse Bemerkungen geknüpft: daß in der Jahreszeit, wo die äußeren physischen Sonnenstrahlen die geringste Kraft haben, die geistige Kraft, welche die Erde umhüllt, die größte ist. Deshalb ist das Weihnachtsfest mit großem Recht in die Zeit gelegt, in der physisch die größte Finsternis ist. In der Finsternis kommt die geistige Erleuchtung über die menschliche Seele, die der Erleuchtung fähig ist. Deshalb wird uns die Legende von Olaf Åsteson erzählt: wie er gerade in der Zeit sein Seelisch-Inneres stimmt so, daß die Kräfte, die als geistig-spirituelle Lichtkräfte von der Sonne hineingehen in die Erdenaura in der Zeit, wo die äußere Sonnenkraft am schwächsten ist, seine Seele ergreifen, und er wirklich bis in die Zeit des 6. Januar durchmacht dasjenige, was man nennen kann: ein Hereinschreiten in die geistige Welt.

[ 39 ] Well, let’s recall how we recently told the story of Olaf Åsteson here at just the right moment: how Olaf Åsteson slept through the days after Christmas and didn’t wake up again until Epiphany, on January 6. We made certain remarks about this: that during the season when the outer physical rays of the sun have the least power, the spiritual power enveloping the Earth is at its greatest. That is why Christmas is quite rightly placed in the time of year when physical darkness is at its deepest. In the darkness, spiritual enlightenment comes upon the human soul that is capable of enlightenment. That is why the legend of Olaf Åsteson is told to us: how, precisely during this time, he attunes his inner soul so that the forces—which enter the Earth’s aura as spiritual light forces from the sun at the time when the outer power of the sun is weakest—seize his soul, and he truly experiences, right up until January 6, what one might call: a stepping into the spiritual world.

[ 40 ] Für eine große historische Mission soll die Jungfrau von Orleans angeregt werden. In ihrer Seele sollten die Impulse anwesend sein, die mit dem Christus-Impuls durch die Welt wallen und wogen. Die sollten darinnen sein in ihrer Seele. Wie konnten sie hineinkommen? Sie hätten hineinkommen können, wenn die Jungfrau von Orleans zu irgendeiner Zeit ihres Lebens etwas Ähnliches durchgemacht hätte wie Olaf Åsteson: wenn sie geschlafen hätte die dreizehn Tage nach Weihnachten und am 6. Januar aufgewacht wäre. Das hat sie allerdings nicht getan wie Olaf Åsteson; aber in gewissem Sinne hat sie in einem Schlafzustand durchgemacht diese Zeit, die der Initiation günstig ist, in den letzten dreizehn Tagen ihrer Embryonalzeit. Sie wurde von ihrer Mutter so getragen, daß sie durchmachte in den letzten dreizehn Tagen ihrer Embryonalzeit die Weihnachtszeit im Leibe ihrer Mutter, und daß sie am 6. Januar geboren wurde: denn das ist der Geburtstag der Jungfrau von Orleans. Das ist ein Hindurchgehen gerade durch diejenige Zeit, in der die geistigen Kräfte besonders stark in der Erdenaura walten.

[ 40 ] The Maid of Orleans is to be inspired for a great historical mission. The impulses that surge and swell through the world with the Christ impulse should be present in her soul. They should be present within her soul. How could they have entered? They could have entered if the Maid of Orleans had, at some point in her life, gone through something similar to what Olaf Åsteson experienced: if she had slept for the thirteen days following Christmas and awakened on January 6. She did not, however, do this as Olaf Åsteson did; but in a certain sense, she spent this time—which is conducive to initiation—in a state of sleep during the last thirteen days of her embryonic period. She was carried by her mother in such a way that she spent the Christmas season within her mother’s womb during the last thirteen days of her embryonic period, and that she was born on January 6: for that is the birthday of the Virgin of Orleans. This is a passing through precisely that time when spiritual forces are particularly strong in the Earth’s aura.

[ 41 ] Daher brauchen wir uns auch nicht zu verwundern, wenn die äußeren Dokumente es selbst feststellen, daß die Dorfbewohner an jenem 6. Januar 1412 durcheinandergerannt sind, gefühlt haben, daß etwas geschehen ist. Was denn eigentlich geschehen war an diesen 6. Januar, wußte man allerdings erst später, als die Jungfrau von Orleans ihre Mission auszuführen hatte. Für denjenigen, der die geistigen Zusammenhänge durchschaut, bedeutet es etwas Ungeheures, daß in unserem Geburtskalender eingeschrieben steht, daß Jeanne d’Arc am 6. Januar geboren ist.

[ 41 ] It is therefore no surprise that even external documents note that the villagers were in a state of confusion on that 6th of January 1412, sensing that something had happened. What had actually happened on that January 6, however, was not known until later, when the Maid of Orleans had to carry out her mission. For those who grasp the spiritual connections, it is of immense significance that our birth calendar records that Joan of Arc was born on January 6.

[ 42 ] Die Zusammenhänge in der Welt sind eben tief, und der Mensch, der aufgeklärt ist, kann auch wissen — er braucht es ja nur nachzuschauen im Konversationslexikon —, wann die Jungfrau von Orleans geboren ist. Aber er weiß damit natürlich nur das Allerwenigste. Erst derjenige, der die Bedeutung des 6. Januar durch die Geisteswissenschaft kennt, lernt die ganze Bedeutung dieses Faktums erkennen.

[ 42 ] The connections in the world are indeed profound, and an enlightened person can certainly know—he need only look it up in an encyclopedia—when the Maid of Orleans was born. But of course, that tells him very little indeed. Only those who understand the significance of January 6 through Spiritual Science come to recognize the full meaning of this fact.

[ 43 ] So sehen wir selbst bei so weithin leuchtenden Tatsachen, wie man gleichsam hindurchgehen muß durch ein Begreifen der geistigen Angelegenheiten, wie man dann wiederum zurückkommen muß zu den irdischen Angelegenheiten und diese dann erst im vollen Sinne des Wortes verstehen kann.

[ 43 ] Thus, even when faced with facts that are so clearly evident, we must, as it were, pass through an understanding of spiritual matters, and then return to earthly matters, only then can we understand them in the full sense of the word.

[ 44 ] Auch diese Betrachtung habe ich wiederum aus dem Grunde angestellt, um zu zeigen, daß wirklich dasjenige, was man heute gemeiniglich Geisteskultur nennt, alt geworden ist, dürr und trocken geworden ist, und wie derjenige, der irgend etwas begreift von den tieferen Impulsen, die durch die Welt- und Menschheitsentwickelung gehen, sich klar werden muß, daß wir vor einer Erneuerung stehen müssen, an der wir selber teilnehmen durch unser Begreifen, teilnehmen durch unsere Sehnsucht nach der spirituellen Welt. Und je intensiver wir uns vorstellen, daß eine Erneuerung eintreten muß, desto besser werden wir auch die Möglichkeit finden, mitzuwirken an einer solchen Erneuerung.

[ 44 ] I have made this observation, too, for the purpose of showing that what is commonly called “spiritual culture” today has indeed grown old, become barren and dry, and how anyone who understands anything of the deeper impulses running through the development of the world and humanity must realize that we are facing a renewal in which we ourselves must participate through our understanding, participate through our longing for the spiritual world. And the more intensely we create a mental image of a renewal that must take place, the better we will also find the opportunity to contribute to such a renewal.

[ 45 ] Mit dem bloßen kleinlichen Verändern und Reformieren des Alten ist für die Zukunft nicht mehr gedient; es handelt sich um eine radikale Erneuerung desjenigen, was man menschliches Geistesleben nennen kann. Denn so verschieden dasjenige ist, was Geisteswissenschaft in unserem Sinne genannt wird, von dem, was heute in den weitesten Kreisen draußen über das geistige Leben gelehrt wird, so verschieden wird die Zukunftskultur von der Kultur der Gegenwart sein. Und wenn heute die Menschen leicht finden, daß dasjenige, was Geisteswissenschaft treibt, eine Phantastik, vielleicht eine Narretei ist, so bedeutet das nichts Geringeres, als daß die Menschen der Gegenwart alles, was die Geisteskultur der Zukunft beherrschen wird, zugleich eine Phantasterei, eine Narretei nennen.

[ 45 ] Merely making petty changes and reforms to the old ways will no longer serve the future; what is needed is a radical renewal of what might be called human spiritual life. For just as what we call Spiritual Science differs from what is taught today in the broadest circles about spiritual life, so too will the culture of the future differ from the culture of the present. And if people today are quick to dismiss what Spiritual Science pursues as fantasy, perhaps even folly, this means nothing less than that the people of the present call everything that will dominate the spiritual culture of the future both fantasy and folly.

[ 46 ] In solcher Zeit aber muß eine Wiedergeburt des menschlichen Seelenlebens stattfinden. Da müssen sich alle Zweige des menschlichen Lebens in den Impuls dieser Erneuerung, dieser Wiedergeburt hineinleben. Da muß auch alles Künstlerische wiederum nahe an die Initiation herankommen. Und damit haben wir die Gründe angegeben, warum einmal versucht werden mußte, in unserem Dornacher Bau ein Anfangswerk zu schaffen, das bei allen seinen Unvollkommenheiten dennoch in allen seinen Einzelheiten zusammenhängt mit dem, was die Wissenschaft der Initiation für unsere Gegenwart zu sagen hat.

[ 46 ] In such times, however, a rebirth of human spiritual life must take place. All branches of human life must immerse themselves in the impulse of this renewal, this rebirth. Everything artistic must also once again come close to initiation. And with this we have stated the reasons why an attempt had to be made to create, in our building in Dornach, a foundational work which, despite all its imperfections, is nevertheless connected in every detail with what the science of initiation has to say for our present time.

[ 47 ] Nur dadurch, daß die Ergebnisse der Geisteswissenschaft lebendig in unseren Seelen werden und als lebendiges Ergebnis in der äußeren Form zum Ausdruck kommen, nur dadurch hat dasjenige, was in unserem Bau entsteht, seinen entsprechenden Wert, und wird ihn haben als Ausgangspunkt, nicht als etwas, was schon vollendet ist. Man möchte wünschen, daß die Sache so angesehen wird und daß insbesondere in unserem Kreise intensiv das Bewußtsein vorhanden ist: Es besteht ein. inniger Zusammenhang zwischen dem, was wir die Jahre hindurch uns aneignen wollten als Geisteswissenschaft, und dem, was in jeder Linie, in jeder Einzelheit unseres Baues enthalten ist. Dann, wenn wir selber von dieser Erkenntnis durchdrungen sind, werden wir durch unseren Bau der Welt dasjenige sagen können, was der Welt notwendigerweise gesagt werden muß. Und dann werden wir mit Befriedigung in die Zukunft sehen können, die aus.den elementaren, primitiven Anfängen dieses Dornacher Baues heraus immer Vollkommeneres und Vollkommeneres — aber in seiner Art — wird zu schaffen haben.

[ 47 ] Only when the findings of Spiritual Science come alive within our souls and are expressed as a living result in the outer form—only then does what is being created in our building have its true value, and will it serve as a starting point, not as something that is already complete. One would hope that the matter is viewed in this way and that, especially within our circle, there is a deep awareness: there is an intimate connection between what we have sought to acquire over the years as Spiritual Science and what is contained in every line, in every detail of our building. Then, when we ourselves are imbued with this insight, we will be able to convey to the world through our building what must necessarily be conveyed to the world. And then we will be able to look to the future with satisfaction, as from the elementary, primitive beginnings of this Dornach building, something ever more perfect—but in its own way—will be created.