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Paths to Spiritual Insight and
the Renewal of an Artistic Worldview
GA 161

2 February 1915, Dornach

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Vierter Vortrag

Fourth Lecture

[ 1 ] Es ist schon öfter bei unseren Auseinandersetzungen die Gelegenheit gewesen, darauf aufmerksam zu machen, daß derjenige, welcher das Leben und das Dasein wirklich verstehen will, nicht eigentlich sich auf den Satz berufen darf, daß das Leben und das Dasein etwas Einfaches sei. Auf die Kompliziertheit und das Mannigfaltige der Weltenharmonie, in welche der Mensch einverwoben ist, mußte öfter aufmerksam gemacht werden, schon aus dem Grunde, weil man ja immer wieder und wieder hört, daß die Leute sagen, die Wahrheit — und sie meinen damit gewöhnlich die Wahrheit über die allerhöchsten Dinge — müsse einfach sein. Und am liebsten haben es die Menschen, wenn ihnen jemand diese Wahrheit über die allerhöchsten Dinge so charakterisiert, daß man sie eigentlich nicht zu erlernen braucht, sondern daß man sie ohne alles Lernen, so wie durch sich selbst, einfach hat.

[ 1 ] On numerous occasions during our discussions, we have had the opportunity to point out that anyone who truly wishes to understand life and existence must not simply rely on the assertion that life and existence are simple matters. Attention has had to be drawn time and again to the complexity and diversity of the harmony of the world in which human beings are woven, if only because one hears people say, time and again, that the truth—and by this they usually mean the truth about the highest things—must be simple. And people like it best when someone characterizes this truth about the highest things in such a way that one does not actually need to learn it, but rather possesses it simply, as if by oneself, without any learning.

[ 2 ] Jeder Mensch — ich habe das öfter gesagt — gibt zu, daß er eine Uhr nicht verstehen kann, wenn er nicht gelernt hat, das Ineinandergreifen der Räder und des sonstigen Mechanismus zu begreifen. Nur gegenüber der großen, herrlichen, gewaltigen Weltenschöpfung möchten die Menschen gern, daß man sie verstehen kann, ohne sich irgendwie anzustrengen. Nun ist im Grunde genommen die ganze Geisteswissenschaft dazu da, uns langsam und allmählich ein Verständnis zu gewähren von dem, was eigentlich der Sinn, die Bedeutung des Daseins und des Lebens ist.

[ 2 ] Every person—as I have often said—admits that they cannot understand a watch unless they have learned to grasp how the gears and other mechanisms interlock. Only when it comes to the great, magnificent, and mighty creation of the universe do people wish to be able to understand it without making any effort whatsoever. Now, fundamentally speaking, the entire field of Spiritual Science exists to grant us, slowly and gradually, an understanding of what the true meaning and significance of existence and life actually is.

[ 3 ] Ich möchte heute ein Kleines hinzufügen zu den Dingen, die wir schon betrachtet haben; ich möchte dabei anknüpfen an uns geläufige Begriffe und Ideen, an Ideen, die wir öfter in uns aufgenommen haben. Ausgehen möchte ich davon, daß wir oftmals vom Standpunkte der Geisteswissenschaft aus die Worte gebrauchen müssen: Das äußere Dasein, in dem wir leben, ist eine Maja oder die Maja, die große Täuschung. — Ich habe betont: Nicht das kann unsere Anschauung, innerhalb der abendländischen Weltanschauung sein, als ob alles, was uns umgibt, Täuschung wäre im Sinne davon, daß es unwahr wäre. Nicht die Welt als solche, die auf unsere Sinne einwirkt, die wir erfassen mit unserem Verstande, ist eine Maja; diese Welt ist in dem innersten Wesen wahrhafte Wirklichkeit. Aber die Art, wie sie der Mensch anschaut, wie sie dem Menschen erscheint, das macht die Welt zur Maja, das macht sie zur großen Täuschung. Und wenn wir durch unsere innere Seelenarbeit dahin kommen, zu dem, was uns die Sinne zeigen, zu dem, was uns unser Verstand sagt, die eigentlich tieferen Grundlagen zu finden, dann werden wir bald einsehen, inwiefern die äußere Welt als eine Täuschung aufgefaßt werden kann. Denn dann erscheint sie uns in ihrem wahren Lichte, erscheint sie uns in der Wahrheit, wenn wir sie überall zu ergänzen, zu durchdringen wissen mit dem, was uns gegenüber der ersten Betrachtung, die wir der Welt zuwenden, verborgen sein muß.

[ 3 ] Today I would like to add a few words to the topics we have already discussed; in doing so, I would like to build on concepts and ideas that are familiar to us, on ideas that we have often taken to heart. I would like to start from the premise that, from the standpoint of Spiritual Science, we often have to use the words: The external existence in which we live is a maya, or the maya, the great illusion. — I have emphasized: This cannot be our view within the Western worldview, as if everything that surrounds us were an illusion in the sense that it were untrue. Not the world as such, which acts upon our senses, which we grasp with our intellect, is a maya; this world is true reality in its innermost essence. But the way in which human beings view it, the way it appears to them—that is what makes the world a maya, that is what makes it the great illusion. And when, through our inner spiritual work, we come to find the deeper foundations underlying what our senses show us and what our intellect tells us, then we will soon realize to what extent the outer world can be understood as an illusion. For then it appears to us in its true light, it appears to us in truth, when we know how to supplement it everywhere, to penetrate it with that which must be hidden from us in our first observation of the world.

[ 4 ] Das gibt dem Menschen gerade sein Wesen, seine Würde, seine Bestimmung, daß er vom Weltenall, vom Universum nicht wie ein unmündiges Kind behandelt wird, dem man die Wahrheit so ohne weiteres in den Schoß wirft, sondern daß vorausgesetzt wird, daß er sich durch seine eigene Arbeit, die Arbeit seines ganzen Lebens, die Wahrheit erarbeitet. Gewissermaßen rechnen die Weltenmächte auf unsere Mitarbeit. beim Erringen der Wahrheit, sie rechnen auf unsere Freiheit, auf unsere Würde.

[ 4 ] What gives human beings their very essence, their dignity, and their purpose is not that the cosmos, the universe, treats them like an immature child to whom the truth is simply handed on a silver platter, but rather that it is expected that they will earn the truth through their own labor—the labor of their entire lives. In a sense, the powers of the universe count on our cooperation in the pursuit of truth; they count on our freedom, on our dignity.

[ 5 ] Nun ist das ganze Menschenleben, so wie es zunächst verläuft zwischen Geburt und Tod, eine Maja, eine Täuschung. Es muß dieses Menschenleben eine Täuschung sein aus dem Grunde, weil wir ja stets, wenn wir die Welt nur in bezug auf ihre äußeren physischen Dinge und Vorgänge betrachten, außer acht lassen die andere Seite der Welt und dieses Weltendaseins, soferne es den Menschen betrifft, außer acht lassen dasjenige, was der Mensch durchlebt zwischen dem Tode und einer neuen Geburt.

[ 5 ] Now, the whole of human life, as it initially unfolds between birth and death, is a maya, an illusion. This human life must be an illusion for the reason that, whenever we view the world solely in terms of its external physical things and events, we disregard the other side of the world and, as far as human existence is concerned, disregard what a person experiences between death and a new birth.

[ 6 ] Nun möchte man gewiß sagen: Man versteht das Menschenleben zwischen der Geburt und dem Tode, wenn man es einfach betrachtet; wozu braucht man denn da die andere Seite, das Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt? — Aber schon dieses ist eine ganz unrichtige Auffassung, einfach aus dem Grunde, weil das Leben zwischen der Geburt und dem Tode eine Spiegelung ist des Lebens zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Dasjenige, was wir durchlebt haben in dem Leben, das unserem jetzigen physischen Leben vorangegangen ist, spiegelt sich ab in dem Leben, das wir verbringen zwischen der Geburt und dem Tode.

[ 6 ] Now one might certainly say: We understand human life between birth and death when we simply look at it; why, then, do we need the other side—life between death and a new birth? — But this is already a completely incorrect view, simply because life between birth and death is a reflection of life between death and a new birth. What we have experienced in the life that preceded our present physical life is reflected in the life we spend between birth and death.

[ 7 ] Zum Verständnis dieser Spiegelung ist es notwendig, daß wir noch zwei Dinge ins Auge fassen. Das erste ist, daß wir gewisse Etappen, gewisse Hauptpunkte unseres Lebens zwischen der Geburt und dem Tode betrachten, und gerade untersuchen, inwiefern sich diese Punkte spiegeln, herausspiegeln aus dem Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Dann ist es notwendig, ins Auge zu fassen, daß das Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt in viel intensiverem Maße verbunden ist mit den unbekannten Welten, von denen wir sprechen durch die Geisteswissenschaft: mit jenen Vorgängen, die sich vor unserer Erdenbildung auf dem abgespielt haben, was wir den alten Saturn, die alte Sonne und den alten Mond nennen. Diese Vorgänge auf dem Saturn, der Sonne und dem Monde sind viel mehr verbunden mit dem Leben, das wir durchleben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, als mit dem Leben, das wir durchleben zwischen der Geburt und dem Tode.

[ 7 ] To understand this reflection, we must consider two further points. The first is that we look at certain stages, certain key points in our lives between birth and death, and examine precisely to what extent these points are reflected, or mirrored, in the life between death and a new birth. Then it is necessary to consider that the life between death and a new birth is connected to a much greater degree with the unknown worlds of which we speak through Spiritual Science: with those processes that took place before the formation of our Earth on what we call the ancient Saturn, the ancient Sun, and the ancient Moon. These processes on Saturn, the Sun, and the Moon are far more closely connected to the life we experience between death and a new birth than to the life we experience between birth and death.

[ 8 ] Wir können sogar so sagen: Das Leben zwischen dem Tode und der Geburt ist von allen Seiten her überall beeinflußt von jenen vergangenen Leben, die wir kennen als die vergangenen planetarischen Leben von Saturn, Sonne und Mond. Dasjenige, was das Saturn-, das Sonnen- und Mondenleben bewirken in unserem verborgenen Erdenleben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, spiegelt sich wiederum in dem Leben zwischen der Geburt und dem Tode, so daß das Leben zwischen der Geburt und dem Tode ein Spiegelbild dessen ist, was zwischen dem Tode und einer neuen Geburt vor sich geht, und das, was zwischen dem Tode und einer neuen Geburt vor sich geht, das wird direkt beeinflußt von dem, was sich auf dem alten Saturn, der alten Sonne und dem alten Monde abspielte.

[ 8 ] We can even say this: Life between death and birth is influenced from all sides and in every way by those past lives we know as the past planetary lives of Saturn, the Sun, and the Moon. What the Saturn, Sun, and Moon lives bring about in our hidden earthly life between death and a new birth is in turn reflected in the life between birth and death, so that the life between birth and death is a mirror image of what takes place between death and a new birth, and what takes place between death and a new birth is directly influenced by what occurred on the ancient Saturn, the ancient Sun, and the ancient Moon.

[ 9 ] Gewisse Hauptpunkte, gewisse Etappen unseres Erdenlebens müssen wir ins Auge fassen, wenn wir den Vorgang im einzelnen besser verstehen wollen.

[ 9 ] We must consider certain key points and stages of our earthly life if we wish to better understand the process in detail.

[ 10 ] Das erste, was zum Erdenleben gehört, ist ja das, was wir im physischen Dasein des Menschen die Empfängnis nennen, auf welche das Embryonalleben des Menschen folgt. Dann erst erfolgt ja die Geburt des Menschen, sein Betreten des physischen Planes.

[ 10 ] The first stage of earthly life is, of course, what we call conception in the physical existence of human beings, which is followed by the embryonic life of the human being. Only then does the birth of the human being take place—their entry into the physical plane.

[ 11 ] Nun enthüllt sich der Geisteswissenschaft eine sehr eigentümliche Tatsache in bezug auf das Menschenleben. Eigentlich haben wir in unserem ganzen Menschenleben, insofern wir es im physischen Leibe verbringen, nur einen einzigen Vorgang, der durchaus zusammenhängt mit dem Erdenleben, der also gewissermaßen rein aus dem Erdenleben heraus erklärbar ist: und das ist die Empfängnis. Sonst nichts im menschlichen Leben als die Empfängnis hat im Grunde etwas zu tun mit dem Erdenleben, unmittelbar, ausschließlich. Auf dieses Wort «ausschließlich» bitte ich Wert zu legen. Dasjenige, was geschieht bei der Empfängnis, hat nichts zu tun mit dem Monden-, Sonnen- und Saturnleben; sondern zu dem, was durch die Empfängnis geschieht, sind die Ursachen geschaffen innerhalb des Erdenlebens.

[ 11 ] Now a very peculiar fact regarding human life is revealed to Spiritual Science. In fact, throughout our entire human life—insofar as we spend it in the physical body—there is only a single event that is entirely connected to earthly life, and which can therefore, in a sense, be explained purely from within earthly life: and that is conception. Nothing else in human life, apart from conception, has anything to do with earthly life—directly and exclusively. I ask you to pay particular attention to the word “exclusively.” What happens at conception has nothing to do with the lunar, solar, and Saturn lives; rather, the causes for what happens through conception are created within earthly life.

[ 12 ] Weil die äußere Biologie, die äußere physische Wissenschaft vorzugsweise sich mit dem Erdenleben nur befassen will, und von ihrem Gesichtspunkte aus alles, was auf das Monden-, Sonnen- und Saturnleben geht, als Narrheit betrachtet, so kann diese äußere Wissenschaft Wahrheit im physischen Wortsinne nur über die Empfängnis finden. Daher finden wir auch, wenn wir solche Werke wie etwa die von Ernst Haeckel durchlesen, daß am allerausführlichsten behandelt wird das, was den Menschen zusammenstellt mit den Vorgängen in den anderen Organismen und daß man sich immer auf dasjenige verlegt, was mit der Empfängnis irgendwie zusammenhängt. Überlegen sie sich das, und vergleichen Sie es mit dem, was die äußere Wissenschaft zu sagen hat, und Sie werden es bewahrheitet finden. Es geht die physisch-wissenschaftliche Betrachtung, wenn sie die Vorgänge im Menschen betrachtet, gewöhnlich zurück bis zu den einfachsten Zellenwesen. Solche Zellenwesen, von deren Gestalt ja auch der Mensch ausgeht — er entwickelt sich ja auch aus der befruchteten Eizelle —, solche Zellenwesen hat es aber wirklich auf dem alten Saturn, der alten Sonne und dem alten Monde nicht gegeben. Diese finden sich nur auf der Erde, und auf der Erde findet eine solche Vereinigung von Zellen statt, auf die ein so großer Wert gelegt wird von der äußeren physischen Wissenschaft.

[ 12 ] Because external biology, the external physical science, is primarily concerned only with life on Earth, and from its perspective regards everything pertaining to life on the Moon, the Sun, and Saturn as folly, this external science can find truth in the physical sense of the word only through conception. That is why, when we read works such as those by Ernst Haeckel, we find that the most detailed treatment is given to what connects human beings with the processes in other organisms, and that the focus is always on whatever is in some way related to conception. Consider this, and compare it with what external science has to say, and you will find it to be true. When physical science examines the processes within the human being, it usually goes back as far as the simplest cellular organisms. Such cellular organisms, from whose form human beings also originate—after all, they too develop from the fertilized egg cell—such cellular organisms did not actually exist on the ancient Saturn, the ancient Sun, or the ancient Moon. These are found only on Earth, and on Earth such a union of cells takes place, to which external physical science attaches such great importance.

[ 13 ] Diese besondere Stufe unseres Lebens ist nun nichts anderes als die Spiegelung eines wirklichen realen Vorganges, der vor der Empfängnis sich schon abspielt und der mit dem menschlichen Leben zusammenhängt. Wir sind selbstverständlich in den letzten Zeiten unseres Lebens zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, aber auch zu der Zeit, da wir physisch empfangen werden, in der geistigen Welt. Da geht immer etwas im geistigen Leben vor sich mit uns; und von dem, was da vor sich geht, ist die Empfängnis nichts anderes als ein Spiegelbild, eine Maja. Der wirkliche Vorgang spielt sich in der geistigen Welt ab, und dasjenige, was sich in der physischen Welt abspielt, ist ein Spiegelbild, eine Maja. Dasjenige aber, was in der geistigen Welt geschieht, ist ein Vorgang, der sich abspielt zwischen der Sonne und der Erde, und zwar so, daß das weibliche Element dabei die Beeinflussung von der Sonne her, das männliche Element die Beeinflussung von der Erde her erfährt. Also es ist der Vorgang der Empfängnis die Spiegelung eines Zusammenwirkens von der Sonne und der Erde.

[ 13 ] This particular stage of our life is nothing other than a reflection of a real, actual process that takes place even before conception and is connected to human life. We are, of course, in the spiritual world during the final stages of our life between death and a new birth, but also at the time when we are physically conceived. Something is always happening to us in the spiritual life; and of what is happening there, conception is nothing other than a reflection, a maya. The actual process takes place in the spiritual world, and what takes place in the physical world is a reflection, a maya. But what happens in the spiritual world is a process that takes place between the Sun and the Earth, in such a way that the feminine element experiences the influence from the Sun, and the masculine element experiences the influence from the Earth. Thus, the process of conception is the reflection of an interaction between the Sun and the Earth.

Diagram 9Diagram 9

[ 14 ] Dadurch allerdings wird dieser Vorgang, den die Menschen oftmals in ein die Menschheit so erniedrigendes Reich herunterdrücken, zu dem bedeutsamen Mysterium, zu der Spiegelung eines kosmischen Weltenvorganges. Interessant ist dabei noch, auf einige Details aufmerksam zu machen. In demjenigen, der sich dem Zeitpunkte nähert, da er die Erde wieder betreten soll, bildet sich seelenhaft die Vorstellung der Eltern, durch die er die Erde betritt. Wie er gerade zu dem einen Elternpaar hin getrieben wird, davon kann ein anderes Mal gesprochen werden, das hängt mit dem Karma des Menschen zusammen. Das aber, worauf ich heute aufmerksam machen will, das ist, daß derjenige, der zur Geburt schreitet, von dem, was auf der Erde physisch vorhanden ist, ein Bild, hauptsächlich zunächst von der Mutter, erhält. Also es schaut derjenige, der zur Geburt schreitet, vorzugsweise auf die Mutter herab. Von dem Vater erhält er — und ich bitte das ins Auge zu fassen, denn es ist eine sehr bedeutsame Erscheinung — ein Bild dadurch, daß die Mutter von dem Vater ein Bild in ihrer Seele trägt. Der Vater wird also gesehen durch das Bild, das die Mutter von dem Vater in ihrer Seele trägt.

[ 14 ] However, this transforms the process—which people often reduce to a realm so degrading to humanity—into a significant mystery, into a reflection of a cosmic world process. It is also interesting to draw attention to a few details here. In the individual approaching the moment when he is to set foot on Earth again, the mental image of the parents through whom he enters the world takes shape in his soul. How he is drawn specifically to this particular pair of parents is a topic for another time; it is connected to the person’s karma. But what I wish to draw attention to today is that the one who is approaching birth receives an image of what is physically present on Earth, primarily of the mother at first. So the one who is about to be born looks down primarily upon the mother. From the father, he receives—and I ask you to bear this in mind, for it is a very significant phenomenon—an image through the fact that the mother carries an image of the father in her soul. The father is thus seen through the image that the mother carries of him in her soul.

[ 15 ] Das ist natürlich etwas, ich möchte sagen, radikal ausgesprochen, aber es ist im wesentlichen das Richtige. Man kann ja über diese übersinnlichen Vorgänge nur so sprechen, daß man sie im wesentlichen charakterisiert. Damit Sie nicht eine allzu feste Vorstellung bekommen, möchte ich hinzufügen, daß allerdings dann zum Beispiel, wenn es sich darum handelt, daß die geistig-seelische Erbschaft von des Vaters Seite her eine besondere Rolle zu spielen hat, daß also besondere geistig-seelische Eigenschaften von dem Vater auf den Menschen, der geboren werden soll, übertragen werden sollen, auch ein direktes Bild des Vaters zustande kommen kann. In demselben Maße aber, wie das Bild des Vaters direkt zur Wahrnehmung kommt, schwächt sich das Bild der Mutter ab.

[ 15 ] This is, of course, something I would say is expressed rather radically, but it is essentially correct. One can only speak of these supersensory processes by characterizing them in their essence. So that you do not form too fixed a mental image, I would like to add that, for example, when the spiritual-soul heritage from the father’s side is to play a special role—that is, when particular spiritual-soul qualities are to be transmitted from the father to the human being who is to be born—a direct image of the father can also come into being. But to the same extent that the image of the father comes directly into perception, the image of the mother fades.

[ 16 ] Die nächste Stufe des physischen Erdenlebens ist dann das Leben, das zwischen der Empfängnis und der Geburt zugebracht wird. Auch dieses Leben ist im wesentlichen — wir nennen es das Embryonalleben — die Spiegelung eines anderen Vorganges, der sich vor diesem zuerst genannten Vorgang in der geistigen Welt abspielt. Während also die Geburt im physischen Leben selbstverständlich auf die Empfängnis folgt, geht dasjenige, wovon die Geburt eine Spiegelung ist, voran jenem SonnenErdenvorgange, von dem die Empfängnis eine Spiegelung ist.

[ 16 ] The next stage of physical life on Earth is the life spent between conception and birth. This life, too—which we call embryonic life—is essentially a reflection of another process that takes place in the spiritual world prior to the first-mentioned process. Thus, while birth in physical life naturally follows conception, that of which birth is a reflection precedes the solar-earth process of which conception is a reflection.

[ 17 ] Dieses Leben, das der Mensch zubringt zwischen der Empfängnis und der Geburt, ist schon ganz und gar nicht erklärbar aus den Verhältnissen, die sonst auf der Erde sind; und es erklären wollen aus den Kräften, aus den Gesetzen der Erde, ist einfach nichts anderes als ein ganz gewöhnlicher Unsinn. Denn es ist eben die Spiegelung eines vorgeburtlichen Vorganges, und dieser vorgeburtliche Vorgang ist im wesentlichen beeinflußt von dem, was von dem vorirdischen Mond und von der vorirdischen Sonne geblieben ist. Es ist ein Vorgang, der sich zwischen der Sonne und dem Monde abspielt, also wesentlich ein überirdischer Vorgang.

[ 17 ] This life that a human being spends between conception and birth cannot be explained at all by the conditions that otherwise prevail on Earth; and to attempt to explain it through the forces and laws of the Earth is simply nothing but utter nonsense. For it is precisely the reflection of a pre-birth process, and this pre-birth process is essentially influenced by what remains of the pre-earthly Moon and the pre-earthly Sun. It is a process that takes place between the Sun and the Moon, and is thus essentially a super-earthly process.

Diagram 10Diagram 10

[ 18 ] Die Kräfte, die da tätig sind, sind vorzugsweise diejenigen, welche spielen zwischen der Sonne und dem Monde. Die äußere Wissenschaft hat in ihrem Bewußtsein noch etwas bewahrt von dieser Tatsache, indem sie das Embryonalleben nach Mondmonaten zählt und davon spricht, daß es zehn Mondmonate in Anspruch nehme.

[ 18 ] The forces at work here are primarily those that interact between the sun and the moon. Conventional science has retained some awareness of this fact by counting embryonic life in lunar months and stating that it takes ten lunar months.

[ 19 ] So aufgefaßt, haben wir zu berücksichtigen, daß wir in dem Leben, das wir verbringen zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, einen realen, wirklichen Einfluß erfahren von der Sonne und dem Monde her, daß wir aber in dem Leben, das wir später physisch zubringen, zwischen der Empfängnis und der Geburt, abspiegeln diesen Vorgang, der ein Sonnen- und Mondenvorgang ist.

[ 19 ] Viewed in this way, we must take into account that in the life we spend between death and a new birth, we experience a real, tangible influence from the sun and the moon; yet in the life we later spend physically, between conception and birth, we reflect this process, which is a process of the sun and the moon.

[ 20 ] Beachten Sie, daß selbstverständlich hier das Wort spiegeln in einem etwas anderen als dem räumlichen Sinne gebraucht ist. Beim räumlichen Spiegeln hat man den Gegenstand und das Bild zugleich, aber hier hat man das, was der reale Vorgang ist, sich zutragend vor der Geburt; das, was sich spiegelt, spiegelt sich zeitlich später. Es ist also eine Maja eines übersinnlichen, vorgeburtlichen Vorganges.

[ 20 ] Note that, of course, the word “reflect” is used here in a sense somewhat different from the spatial one. In spatial reflection, one has the object and the image at the same time, but here one has the actual process taking place before birth; what is reflected appears later in time. It is thus a maya of a supersensory, prenatal process.

[ 21 ] Was wir dann ins Auge fassen müssen, ist zunächst die Zeit zwischen der Geburt und jenem oftmals erwähnten, wichtigen Zeitpunkte des Menschenlebens, wo wir beginnen, unser Ich-Bewußtsein zu entfalten, wo wir anfangen, in bewußter Weise zu uns «Ich» zu sagen. Wir können es das eigentliche Kindheitsleben nennen. Diese Zeit, die wir da zubringen, die erste Kindheit — meinetwillen nenne man es das Säuglingsleben ist wieder eine Spiegelung eines Vorganges, der nun noch weiter zurückliegt im Geistigen. Der reale Vorgang, der sich spiegelt in der Zeit, wo wir anfangen zu lallen, ohne daß wir das Sprechen mit dem IchBewußtsein in Beziehung bringen, ist eine Spiegelung eines vorgeburtlichen Vorganges, der noch weiter in den Kosmos hinausreicht. Und zwar wirken da zusammen, wir können sagen, die Sonne und die gesamte Planetenwelt, welche zur Sonne gehört, also die Sonne und ihre Planeten rings um sie herum, mit Ausnahme des Mondes. Die Kräfte, die zwischen der Sonne und ihren Planeten spielen, wirken herein in unser Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, und dieses, was da lange vor unserer Geburt entsteht, spiegelt sich in dem Leben, das wir in den allerersten Kindesjahren zubringen.

[ 21 ] What we must then consider is, first of all, the period between birth and that often-mentioned, crucial point in human life when we begin to develop our sense of self, when we start to consciously say “I” to ourselves. We can call this the actual childhood. This time we spend there, early childhood—call it infancy, if you will—is again a reflection of a process that lies even further back in the spiritual realm. The actual process reflected in the time when we begin to babble, without relating speech to the sense of self, is a reflection of a pre-birth process that extends even further out into the cosmos. And here, we might say, the Sun and the entire planetary world belonging to the Sun—that is, the Sun and its planets surrounding it, with the exception of the Moon—work together. The forces at play between the Sun and its planets influence our lives between death and a new birth, and what arises there long before our birth is reflected in the life we spend in our very earliest childhood years.

Diagram 11Diagram 11

[ 22 ] Sie sehen daraus, daß das Kind in sein Leben hereinspielen hat die Spiegelung desjenigen, was noch mehr als der Mond von dem Irdischen abgelöst ist. Dies hat eine ungeheure, eine tief bedeutungsvolle, praktische Konsequenz; es hat die Konsequenz, daß der Mensch nicht gestört werden darf in dieser Zeit seines Lebens in bezug auf das Empfangen der Kräfte, respektive in bezug auf die Verwertung der Kräfte, die er empfangen hat. Bedenken Sie nur einmal, was da eigentlich vorliegt. Vor unserer Geburt haben Kräfte aus dem Kosmos heraus auf uns gewirkt, die zwischen der Sonne und ihren Planeten spielen. Diese Kräfte sind in dem Kinde, das durch die Geburt gegangen ist und das Erdenleben betreten hat. Diese Kräfte wollen aus dem Kinde heraus. Diese Kräfte sind wirklich in dem Kinde. Insofern ist das Kind, wenn wir auf sein innerstes Wesen sehen, ein Himmelsbote, und die Kräfte wollen heraus. Wir können im Grunde genommen nichts anderes tun, als diesen Kräften die größtmögliche Gelegenheit geben, herauszukommen. Darin besteht im Grunde genommen alles, was wir zu tun haben bei der ersten Säuglingserziehung des Menschen: wir dürfen nicht stören die Kräfte, die herauskommen wollen.

[ 22 ] You can see from this that the child must bring into its life a reflection of that which is even more detached from the earthly realm than the moon. This has an immense, deeply significant, practical consequence; it means that the human being must not be disturbed during this period of life with regard to receiving these forces, or with regard to utilizing the forces they have received. Just consider for a moment what is actually taking place here. Before our birth, forces from the cosmos—those that interact between the Sun and its planets—have acted upon us. These forces are present in the child who has passed through birth and entered earthly life. These forces want to emerge from the child. These forces are truly within the child. In this respect, when we look at the child’s innermost being, the child is a heavenly messenger, and the forces want to emerge. Basically, we can do nothing else but give these forces the greatest possible opportunity to emerge. This is essentially all we have to do in the early education of the human infant: we must not interfere with the forces that want to emerge.

[ 23 ] Ich möchte sagen, ein Zug von demütiger Gesinnung geht aus von einer solchen Erkenntnis. Während der Mensch gewöhnlich glaubt, daß er dem Kinde ungeheuer viel sein kann, handelt es sich vor allen Dingen darum, daß er möglichst wenig stört dasjenige, was heraus will. Nicht als ob der erziehende Mensch dem Kinde nichts wäre. Er ist ihm schon etwas. Denn das, was da herauskommt — beachten Sie das wohl —, ist ja ein Spiegelbild, und diesem Spiegelbild müssen wir Realität verleihen als Erzieher; diesem Spiegelbild müssen wir Festigkeit geben.

[ 23 ] I would say that such an insight gives rise to a spirit of humility. While people usually believe that they can mean an enormous amount to a child, the most important thing is that they interfere as little as possible with what is trying to emerge. Not that the educator is nothing to the child. He is indeed something to the child. For what emerges—take note of this—is, after all, a reflection, and as educators we must give this reflection reality; we must give this reflection stability.

[ 24 ] Was wir tun als Erzieher, das läßt sich folgendermaßen vergleichen: Wenn wir hier einen Gegenstand haben, und der spiegelt sich dort, so haben wir hier das Spiegelbild, und dann haben wir in das Spiegelbild etwas hineinzutragen, das es innerlich fester mache, als es ist als Bild. Der Mensch kommt in der Tat als Spiegelbild zur Welt, und er muß sich erwerben das Festmachen, das Realwerden dieser Spiegelung. Das ist eben seine Entwickelung zwischen der Geburt und dem Tode. Das, was heraus will, müssen wir möglichst wenig stören. Heraus kommen die Spiegelbilder der Vorgänge, die wir uns schon vor der Geburt aus dem Kosmos heraus erworben haben. Aber durch unser Einwirken müssen wir das, was da als Spiegelbild herauskommt, zur Realität befestigen, und insofern wir es zur falschen Realität befestigen, also korrigieren wollen, insofern können wir es stören. Aber es ist etwas Außerirdisches.

[ 24 ] What we do as educators can be compared to the following: If we have an object here, and it is reflected there, then we have the reflection here, and we must then imbue that reflection with something that makes it internally more solid than it is as an image. Human beings are indeed born as mirror images, and they must acquire the solidification, the becoming real of this reflection. That is precisely their development between birth and death. We must interfere as little as possible with what wants to emerge. What emerges are the mirror images of the processes we have already acquired from the cosmos before birth. But through our intervention, we must anchor what emerges as a mirror image into reality, and to the extent that we anchor it into a false reality—that is, to the extent that we wish to correct it—to that extent we can disturb it. But it is something otherworldly.

Diagram 12Diagram 12

[ 25 ] Jetzt können Sie die ungeheuer bedeutungsvolle Konsequenz einsehen, die sich daraus ergibt. Angewiesen ist derjenige, der ein Kind aufziehen will, darauf, daß er in seiner eigenen Seele, die er so darlebt neben dem Kinde, übersinnliche Vorstellungen und Empfindungen hat; denn durch alles, was wir an bloß materiellen Vorstellungen, an bloß an das Materielle anknüpfenden Empfindungen an das Kind heranbringen, stören wir die Entwickelung des Kindes.

[ 25 ] Now you can see the immensely significant consequence that follows from this. Anyone who wishes to raise a child must ensure that they possess spiritual mental images and feelings within their own soul, which they live out alongside the child; for through everything we bring to the child in the way of purely material mental images and feelings tied solely to the material world, we disrupt the child’s development.

[ 26 ] Oftmals wird gefragt: Was können wir am besten tun, um ein Kind aufzuziehen? Wie bei so vielen Sachen handelt es sich nicht so sehr darum, daß wir ein paar Grundsätze aufstellen, die wir in der Westentasche oder im Pompadour herumtragen, um uns darnach richten zu können; es handelt sich darum, daß wir bei uns selber anfangen, daß wir uns bemühen, einen Fond übersinnlicher Vorstellungen in uns zu tragen, daß wir von einer ins Übersinnliche gehenden Gesinnung und Empfindung durchdrungen sind. Denn diese wirken viel mehr als dasjenige, was wir nach äußerlichen Verstandesgrundsätzen und nach einer Verstandespädagogik bewirken können. Ein liebevolles Gemüt, das durchdrungen ist von der übersinnlichen Welt und dadurch alle Empfindungen vertieft, kommt dadurch auch in die Lage, ich möchte sagen — bitte das Wort nicht mißzuverstehen —, mit der Kindeserziehung einen gewissen Kultus zu treiben, der aber darin besteht, daß wir ein Wesen lieben, das uns aus der geistigen Welt geschickt worden ist, der in einer Vergeistigung der Kindesliebe besteht, in einem Durchdrungensein von dem Gefühl: dadurch, daß wir dem Kinde die Hände reichen, können wir uns sagen: Du reichst dem Kinde etwas durch die Hand, aber du mußt ihm ein Repräsentant sein derjenigen Kräfte, die nicht auf der Erde zu finden sind, sondern im Übersinnlichen.

[ 26 ] People often ask: What is the best way to raise a child? As with so many things, it is not so much a matter of establishing a few principles that we carry around in our pocket or in our handbag so that we can follow them; it is a matter of starting with ourselves, of striving to carry within us a reservoir of supersensible mental images, of being imbued with a mindset and sensibility that reaches into the supersensible. For these have a far greater effect than what we can achieve through external intellectual principles and intellectual pedagogy. A loving heart, imbued with the spiritual world and thereby deepening all feelings, is thus also able to I would like to say—please do not misunderstand the word—to engage in a certain form of worship through the upbringing of the child, which consists in loving a being sent to us from the spiritual world, in a spiritualization of love for the child, in being permeated by the feeling: by reaching out our hands to the child, we can say to ourselves: You are giving the child something through your hand, but you must be a representative to them of those forces that are not to be found on earth, but in the supersensible.

[ 27 ] Alles was man ausklügeln kann über mancherlei pädagogische Grundsätze, wird ungeheuer wenig fruchten, solange die Wissenschaft auf materialistischen Bahnen wandelt. Erst dasjenige wird fruchtbar für die wirkliche Erziehung des Kindes sein können, was sich aus der Geisteswissenschaft ergibt. Und das Wichtigste ist das, was wir aus uns selber machen. In der äußeren, materiellen Welt mögen wir viel wirken durch das, was wir tun; als Erzieher wirken wir viel mehr durch dasjenige, was wir sind. Ich bitte, das wohl zu beachten. Wir können geradezu als ein Motto, als eine Devise einer guten Pädagogik betrachten den Grundsatz: Für die äußere materielle Welt wirkst du durch das, was du tust; als Erzieher wirkst du durch das, was du bist.

[ 27 ] No matter how much we may devise regarding various educational principles, it will bear very little fruit as long as science follows a materialistic path. Only that which arises from Spiritual Science can be fruitful for the true education of the child. And the most important thing is what we make of ourselves. In the outer, material world, we may have a great impact through what we do; as educators, we have a far greater impact through what we are. I ask you to bear this in mind. We can regard the following principle as a motto, as a guiding principle of good pedagogy: In the outer, material world, you have an impact through what you do; as an educator, you have an impact through what you are.

[ 28 ] Dann folgt die Zeit, in der wir das Knaben- oder Mädchenalter vollbringen, das Alter, in dem wir noch immer erzogen werden, in der Tat aber in einer anderen Weise erzogen werden als in der Zeit, während welcher wir Säuglinge sind. Das ist die weitere Etappe, die weitere Stufe, die wir betrachten wollen. Sie soll alles dasjenige umfassen von dem Zeitpunkte an, wo der Mensch anfängt, bewußt zu sich «Ich» zu sagen, bis zu dem Zeitpunkte, wo wir ihn entlassen dürfen aus der eigentlichen Erziehung, wo er frei in das Leben hinaustritt, dem Zeitpunkt, wo er sich als wohlerzogener oder ungezogener Mensch dem Strudel des Lebens zu übergeben hat.

[ 28 ] Then comes the period when we pass through boyhood or girlhood, the age in which we are still being educated, though in fact in a different way than during the time when we are infants. This is the next stage, the next level, that we wish to consider. It is intended to encompass everything from the point in time when a person begins to consciously say “I” to themselves, up to the point in time when we may release them from their actual upbringing, when they step freely out into life, the point in time when they must surrender themselves—as a well-bred or ill-bred person—to the maelstrom of life.

[ 29 ] Auch dies ist eine Spiegelung, äußerlich durchaus Maja, und zwar eine Spiegelung wiederum von Vorgängen, die vorher liegen. Die realen Wirklichkeiten liegen nun wieder zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Und zwar wirkt hier zusammen das vollständige Planetensystem von der Sonne bis hinauf zum Saturn, oder, wenn Sie nach der neueren Astronomie wollen, bis zum Neptun. Also das ganze Planeten‚system wirkt hier zusammen mit dem gesamten Sternenhimmel, und was sich da abspielt zwischen dem Sternenhimmel und dem gesamten Planetensystem, das sind Kräfte, die in uns tätig sind in der Zeit, in der wir erzogen werden.

[ 29 ] This, too, is a reflection—outwardly quite clearly maya—and specifically a reflection of events that occurred earlier. The true realities now lie once again between death and a new birth. Specifically, the entire planetary system—from the Sun up to Saturn, or, if you prefer the terms of modern astronomy, up to Neptune—is at work here. Thus, the entire planetary system interacts here with the entire starry sky, and what takes place between the starry sky and the entire planetary system consists of forces that are active within us during the time we are being raised.

Diagram 13Diagram 13

[ 30 ] So wenig begreift man die Realität des Menschen aus den bloßen Vorgängen auf der Erde, daß man diesen Menschen nur verstehen kann in bezug auf die Zeiten, wo er erzogen wird, wenn man sich klar ist darüber, daß da Kräfte in ihm spielen in dem Gesamtleben, die nicht auf der Erde sind, die nicht einmal im Planetensystem, sondern außerhalb des Umkreises der Planeten liegen und wirken im Zusammenspiel mit dem ganzen Sternenhimmel.

[ 30 ] One understands so little of the reality of the human being from mere earthly processes that one can only understand this human being in relation to the times in which he is being raised, if one is clear about the fact that forces are at work within him throughout his entire life that are not on Earth, that are not even within the planetary system, but lie outside the orbit of the planets and act in interaction with the entire starry sky.

[ 31 ] Haben wir ein Kind vor uns, das schon zu sich «Ich» sagt, das wir also in gewissem Sinne als einen Menschen ansprechen, so müssen wir uns klar sein darüber: in ihm wohnt etwas, was eine Spiegelung ist von etwas, das nicht nur außerhalb unserer Erde, sondern außerhalb unseres Planetensystems tätig ist.

[ 31 ] When we are faced with a child who already refers to himself as “I”—that is, whom we address, in a certain sense, as a human being—we must be clear about this: within him dwells something that is a reflection of a force active not only beyond our Earth, but beyond our solar system.

[ 32 ] Daher gilt natürlich viel mehr noch und in viel höherem Maße für die spätere Erziehung, was für die erste Kindeserziehung gesagt worden ist, nämlich der Satz: Eine gute Pädagogik wird es erst dann geben, wenn die Pädagogik aus der Geisteswissenschaft geschöpft sein wird, wenn der Lehrer durchdrungen ist davon, daß außerhalb des Planetensystems eine Welt vorhanden ist, die im Menschen sich entfaltet, und wenn er nicht nur theoretisch, sondern in seiner Empfindung und in seiner Gesinnungsweise durchdrungen ist davon, wenn er selbst durchlebt hat die Wahrheit dieser überplanetarischen Welt. Die Tapserei eines solchen Lehrers kann oftmals besser sein als die ausgeklügelten pädagogischen Grundsätze eines materialistischen Lehrers. Denn das, was wir tapsen, was unsere Torheit vollbringt, das bessert sich im Laufe des Lebens. Nicht korrigiert sich im Laufe des Lebens aber das, was von uns aus geschieht durch das, was wir sind.

[ 32 ] Therefore, what has been said about early childhood education applies even more so—and to a much greater extent—to later education, namely the statement: Good pedagogy will only exist when pedagogy is drawn from Spiritual Science, when the teacher is imbued with the knowledge that there is a world beyond the planetary system that unfolds within the human being, and when he is imbued with this not only theoretically but also in his feelings and in his attitude, when he himself has lived through the truth of this extra-planetary world. The clumsiness of such a teacher can often be better than the sophisticated pedagogical principles of a materialistic teacher. For what we fumble, what our folly accomplishes, improves over the course of life. But what arises from us through what we are does not correct itself over the course of life.

[ 33 ] Es wäre zu wünschen, daß unter dem mancherlei, was die Geisteswissenschaft metamorphosieren oder transformieren soll, auch dieses wäre: man sollte immer mehr und mehr einsehen, daß diejenigen, die Lehrer und Erzieher werden wollen — im Grunde genommen also auch alle, die Eltern werden wollen —, darauf zu sehen haben, daß sie gute Erzieher werden durch Aufnahme spiritueller Vorstellungen, die sie in ihrer eigenen Seele ansammeln. Die meiste Arbeit hat man an sich selber vorzunehmen, wenn man ein guter Erzieher werden will. Und mehr kommt zum Beispiel beim Lehrer in Betracht, daß er in dem Lehrstoff, den er am nächsten Tage in der Schule durchnehmen will, mit seinem ganzen Herzen lebt, bevor er die Schule betritt, als daß er möglichst gute pädagogische Grundsätze hat, wie er das oder jenes machen soll. Nachdem er den Lehrstoff liebgewonnen hat, ihn geistig innerlich in Liebe geboren hat, kann er selbst tapsen in der Unterrichtsstunde — obwohl ich das nicht empfehlen will —, und er wird Besseres leisten als derjenige, der mit allen möglichen Grundsätzen die Schule betritt, in die sein Gehirn eingeschnürt ist wie in spanische Stiefel, und der alles weiß, wie man es am richtigsten macht.

[ 33 ] It would be desirable that among the many things that Spiritual Science is meant to metamorphose or transform, this too should be included: one should increasingly come to realize that those who wish to become teachers and educators—and, fundamentally speaking, all those who wish to become parents as well—must ensure that they become good educators by assimilating spiritual mental images that they accumulate within their own souls. The greatest work must be done on oneself if one wishes to become a good educator. And for a teacher, for example, it is more important that he live with his whole heart in the lesson material he intends to cover the next day at school before he enters the classroom, than that he have the best possible pedagogical principles for how to do this or that. Once he has grown to love the subject matter, having spiritually and inwardly given birth to it in love, he can even stumble through the lesson—though I do not recommend this—and he will perform better than the one who enters the school armed with all manner of principles, his brain constricted as if in Spanish boots, and who knows everything about how to do things most correctly.

[ 34 ] Wir wissen, daß vorläufig noch in entgegengesetztem Sinne in der Welt verfahren wird. Diejenigen, die heute Erzieher sein sollen, die prüft man ja vor allen Dingen in bezug auf dasjenige, was sie wissen, was sie an inhaltlichem Wissen in sich aufgenommen haben. Fast möchte man ja schon sagen: man prüft sie über dasjenige, was sie in Büchern finden können, wovon es besser wäre, daß sie sich darüber eine Bibliothek anlegten. Man prüft am allermeisten über das, was man jederzeit in der Bibliothek nachschlagen kann, wenn man das Nachschlagen gelernt hat. Namentlich bei der Lehrerprüfung müßte die Hauptsache nicht dasjenige sein, was der Betreffende, wenn er es braucht, leicht finden kann; auf das Wissen wäre weniger Wert zu legen. Dagegen müßte jeder Lehrer angesehen werden daraufhin, wie er in seiner Gesinnung, in seiner Empfindung verbunden sein kann mit dem, was die Menschen sich als Erkenntnis, als Gefühl für die Entwickelung des ganzen Universums aneignen können. An dem Gefühl, das man gegenüber der Menschenn- und Weltenentwickelung hat, sollte abgemessen werden, ob ein Mensch als Lehrer tauglich ist oder nicht. Dann würden allerdings diejenigen in ihrem Examen durchfallen, welche nur am meisten wissen, und diejenigen würden das Examen am besten bestehen, die im geistigen Sinne gute Menschen sind.

[ 34 ] We know that, for the time being, the world still operates in the opposite way. Those who are to be educators today are, above all, assessed on the basis of what they know—the factual knowledge they have acquired. One is almost tempted to say: they are tested on what they can find in books—information for which it would be better if they simply built up a library of their own. They are tested most of all on what can be looked up in the library at any time, provided one has learned how to look things up. Especially in the case of the teacher certification exam, the main focus should not be on what the candidate can easily find when they need it; less emphasis should be placed on knowledge. Instead, every teacher should be assessed based on how their mindset and sensibility can connect with what people can acquire as insight and as a sense of the development of the entire universe. A person’s suitability as a teacher should be measured by the feeling they have toward the development of humanity and the world. Then, indeed, those who merely know the most would fail their exams, and those who are good people in a spiritual sense would pass the exams best.

[ 35 ] Dahin wird es auch zuletzt noch kommen. Das ist das, wohin wir zuletzt tendieren müssen: Ein Mensch, der kein guter Mensch ist, dessen Seele nicht dem geistigen Leben zugeneigt ist, würde künftig beim Lehrerexamen durchfallen, wenn er auch noch so viel weiß, wenn er auch alles im kleinen Finger hat, was man wissen muß heute.

[ 35 ] That is where we will ultimately end up. That is the direction we must ultimately take: A person who is not a good person, whose soul is not inclined toward spiritual life, would fail the teacher certification exam in the future, no matter how much they know, no matter how thoroughly they have mastered everything one needs to know today.

[ 36 ] So wird gerade hier sich das Feld eröffnen, auf dem weniger auf das Gehirnwissen Wert gelegt wird, sondern viel mehr auf die ganze Entfaltung der Seele. Noch einmal sei es betont: Da kommt es nicht darauf an, daß wir wertvoll sind durch das, was wir im äußeren materiellen Felde bewirken, durch das, was wir tun; als Erzieher sind wir vor allem wertvoll durch dasjenige, was wir sind.

[ 36 ] It is precisely here that a new field will open up, one in which less emphasis is placed on intellectual knowledge and much more on the full development of the soul. Let it be emphasized once more: what matters is not that we are valuable because of what we accomplish in the external material realm, because of what we do; as educators, we are valuable above all because of who we are.

[ 37 ] Nun handelt es sich darum, daß wir alles das beachten, was sich auf jenen realen Vorgang bezieht, der sich in der Empfängnis abspiegelt. Alles das gehört der Erde an. Aber insofern es vor der Geburt liegt, gehört es dem Zusammenwirken von Sonne und Erde an; es vollzieht sich in der Erdenaura. In der Erdenaura spielt sich vor der menschlichen Empfängnis ein bedeutungsvoller geistiger Vorgang ab, der sich dann wieder in der Empfängnis spiegelt. Dasjenige, was sich dann zwischen dem Zeitpunkte, der sich in der Geburt spiegelt und dem eben genannten Zeitpunkt abspielt, das ist, in der Realität, vor der Geburt ein Zusammenwirken von Sonne und Mond, und dieses ist im wesentlichen eine Wiederholung der Vorgänge, die sich früher abgespielt haben während der alten Mondenzeit der Erde.

[ 37 ] The point is that we must take into account everything that relates to that real process which is reflected in conception. All of this belongs to the Earth. But insofar as it lies before birth, it belongs to the interaction of the Sun and the Earth; it takes place in the Earth’s aura. In the Earth’s aura, a significant spiritual process takes place before human conception, which is then reflected in conception itself. That which then takes place between the point in time reflected in birth and the point just mentioned is, in reality, a cooperation of the Sun and Moon prior to birth, and this is essentially a repetition of the processes that took place earlier during the Earth’s ancient Moon era.

[ 38 ] Also während des Embryonallebens spielt sich ab die Spiegelung eines realen Vorganges, und der reale Vorgang spielt sich vor der Geburt ab, und der ist wie eine Wiederholung der Vorgänge, die sich auf dem alten Mond abgespielt haben. Ebenso ist dasjenige, was sich abspielt in dem Vorgange, der widergespiegelt wird durch die Zeit zwischen dem Ende der Kindheit, dem Zeitpunkt, wo der Mensch zum bewußten Ich-sagen kommt, und dem Zeitpunkt der Geburt, eine Wiederholung der alten Sonnenwirkung. Dasjenige, was sich noch vorher abspielt, was sich in. dem Erziehungszeitalter spiegelt, das ist eine Wiederholung der alten Saturnvorgänge der Erde.

[ 38 ] Thus, during embryonic life, a reflection of a real process takes place, and the real process occurs before birth; this is like a repetition of the processes that took place on the ancient moon. Likewise, what takes place in the process reflected by the period between the end of childhood—the point at which the human being arrives at the conscious “I”—and the moment of birth is a repetition of the ancient solar influence. What takes place even earlier, what is reflected in the formative years, is a repetition of the ancient Saturn processes of the Earth.

[ 39 ] Und nun gar, wenn wir als wohlerzogener oder ungezogener Mensch entlassen werden aus der Erziehung und frei in die Welt hinausgeschickt werden, was spiegeln sich denn dann für Vorgänge? Dann spiegeln sich Vorgänge, die noch vor der Saturnzeit liegen, dann spiegeln sich Vorgänge in uns, die überhaupt nicht zur sichtbaren Welt gehören, nicht einmal so zur sichtbaren Welt gehören, daß sie ein Korrelat haben in den äußeren sichtbaren Sternen. Das Korrelat von dem, was wir bis zum Ende unserer Eziehung erleben, davon könnte man sagen, man sieht es doch noch. Die äußersten Sterne, die noch sichtbar sind, haben noch Beziehung dazu. Aber das, was wir dann noch erleben, was dann noch in uns gebildet werden kann, gehört gänzlich der unsichtbaren Welt an. Aus aller sichtbaren Welt werden wir entlassen, wenn wir unsere Erziehung wirklich vollendet haben.

[ 39 ] And now, when we—whether well-behaved or ill-behaved—are released from our upbringing and sent out into the world as free individuals, what processes are then reflected? Then processes are reflected that lie even before the Saturn era; then processes are reflected within us that do not belong to the visible world at all, not even in such a way that they have a correlate in the outer visible stars. One could say that the correlation of what we experience up to the end of our education is still visible. The outermost stars that are still visible still have a connection to it. But what we then experience, what can still be formed within us, belongs entirely to the invisible world. We are released from the entire visible world when we have truly completed our education.

[ 40 ] Und da handelt es sich natürlich dann darum, daß wir unsere Seele bereichern oder schon bereichert haben durch dasjenige, was Wahrheiten der übersinnlichen Welten sind. Denn nur dadurch finden wir den Weg durch das Leben wirklich; sonst sind wir eine Puppe, ein Popanz, geführt von den Kräften, von denen geführt zu werden wir eigentlich nicht berufen sind. Der Mensch, der nach der Saturnspiegelung in seiner Entwickelung frei in die Welt entlassen ist, und der in seiner Seele keine Vorstellung hat von einer übersinnlichen Welt, der ist nicht in dem Elemente, zu dem er eigentlich berufen ist, sondern er wird mitgenommen von den unsichtbaren Kräften, wie der Harlekin, die Marionette mitgenommen werden von den Kräften, welche in den Fäden, an denen man zieht, vorhanden sind.

[ 40 ] And of course, this means that we enrich our soul—or have already enriched it—through the truths of the supersensible worlds. For only in this way do we truly find our way through life; otherwise, we are a puppet, a phantom, guided by forces to which we are not actually meant to be guided. The human being who, after the Saturn phase of his development, is set free into the world and who has no mental image in his soul of a supersensible world is not in the element to which he is actually called, but is carried along by invisible forces, just as the harlequin or the marionette is carried along by the forces present in the strings by which they are pulled.

[ 41 ] Dasjenige in sich aufnehmen, was Geisteswissenschaft geben kann, das bedeutet Mensch werden, das bedeutet nicht Popanz, nicht Marionette, nicht Puppe der sinnlichen Welt bleiben, sondern zur Freiheit kommen, welche sozusagen das Element sein soll, in dem der Mensch wirkt und lebt sein Leben lang. Die Freiheit ist überhaupt nur zu verstehen aus solchen Begriffen heraus, welche nicht aus der sinnlichen Welt stammen. Denn mit allem, was wir aus der Sinnenwelt haben, können wir nicht frei werden. Das hatte ich im Auge, als ich meine «Philosophie der Freiheit» schrieb, wo ich betont habe — wie es sozusagen ohne die Vorstellungen der Geisteswissenschaft geschehen kann —, daß die Grundlagen der Ethik, der Sittenlehre bezeichnet werden müssen als moralische Phantasie; das heißt, sie müssen gefunden werden auf Grundlage der moralischen Phantasie, obwohl man das natürlich nicht bloß als Phantasiebild betrachten darf, was sittlich ist, aber sie müssen gefunden werden durch die moralische Phantasie, durch dasjenige, was aus keiner Sinnenwelt heraus genommen werden kann. Das ganze Kapitel, das geschrieben worden ist über «die moralische Phantasie» ist eine Bekräftigung davon, daß der Mensch sein Leben hindurch, insofern er es in Freiheit zubringen soll, sich in Zusammenhang wissen muß mit dem, was ihm kein aus der Sinnenwelt heraus genommenes Bild ist, sondern was in ihm frei aufsteigen muß, was er in sich trägt, was selbst über die sichtbaren Sterne erhaben ist, was er nicht aus der sinnlichen Welt schöpfen kann, was er einzig schöpfen kann durch innerliches, schöpferisches Verfahren. Das ist gemeint gewesen mit dem Kapitel über die moralische Phantasie.

[ 41 ] To take in what Spiritual Science has to offer means to become human; it means not remaining a mere figurehead, a puppet, or a doll of the sensory world, but rather attaining the freedom that is, so to speak, the element in which a human being acts and lives throughout their life. Freedom can only be understood at all through concepts that do not originate in the sensory world. For with everything we have from the sensory world, we cannot become free. This was what I had in mind when I wrote my *Philosophy of Freedom*, where I emphasized—as it can happen, so to speak, without the mental images of Spiritual Science—that the foundations of ethics, of moral teaching, must be designated as moral imagination; that is to say, they must be found on the basis of moral imagination, although one must not, of course, regard what is moral merely as an image of the imagination, but they must be found through moral imagination, through that which cannot be derived from the sensory world. The entire chapter written on “moral imagination” is an affirmation of the fact that throughout his life, insofar as he is to live it in freedom, must know himself to be connected with that which is not an image taken from the sensory world, but which must rise freely within him, which he carries within himself, which is itself exalted above the visible stars, which he cannot draw from the sensory world, which he can create only through an inner, creative process. This is what was meant by the chapter on moral imagination.

[ 42 ] Es war dies wieder eine Betrachtung, dazu bestimmt zu zeigen, wie mannigfaltig die Zusammenhänge sind, in die wir im Leben hineingestellt werden. Wie das Leben vor der Geburt vorbereitend ist für seine Spiegelung, so ist wieder die Spiegelung zwischen der Geburt und dem Tode vorbereitend für das geistige Leben, das nachher kommt zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Je mehr wir hineintragen können aus diesem Leben in das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, desto reicher kann die Entfaltung in diesem Leben sein. Denn selbst die Begriffe, die wir uns aneigenen müssen für jenes Leben, für die Wahrheiten zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, diese Begriffe müssen sehr verschieden sein von denjenigen, die wir uns für die irdische Maja, wenn wir sie verstehen wollen, aneignen müssen. Einige von jenen Begriffen, die wir uns aneignen müssen, finden Sie in dem Wiener Vortragszyklus von 1914 «Inneres Wesen des Menschen und Leben zwischen Tod und neuer Geburt». Da werden Sie finden, wie man sich neue Begriffe zum Verständnisse desjenigen aneignen muß, was als die andere Seite des menschlichen Lebens verfließt zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Es ist manchmal recht schwierig, nach und nach die Begriffe und Ideen herauszuarbeiten, die man für dieses andersgeartete Leben braucht. Und Sie werden es gerade einem solchen Vortragszyklus, wenn Sie ihn durchlesen, anmerken, wie nach Ausdrücken gerungen wird, die einigermaßen diese ganz andersartigen Verhältnisse wiedergeben.

[ 42 ] This was yet another reflection intended to show how manifold are the relationships into which we are placed in life. Just as life before birth prepares us for its reflection, so too does the reflection between birth and death prepare us for the spiritual life that follows between death and a new birth. The more we can carry over from this life into the life between death and a new birth, the richer the unfolding in that life can be. For even the concepts we must acquire for that life—for the truths between death and a new birth—must be very different from those we must acquire for earthly maya, if we are to understand it. You will find some of the concepts we must acquire in the 1914 Vienna lecture series “The Inner Being of the Human Being and Life Between Death and a New Birth.” There you will find how one must acquire new concepts to understand what, as the other side of human life, flows between death and a new birth. It is sometimes quite difficult to gradually work out the concepts and ideas needed for this different kind of life. And you will notice, especially in such a lecture series when you read through it, how the speaker struggles to find expressions that somewhat reflect these entirely different conditions.

[ 43 ] Insbesondere möchte ich in diesem Zeitpunkte, in dem in unser anthroposophisches Leben die Tode teurer Mitglieder hineinspielen, auf eines aufmerksam machen. Eine andere Rolle spielt im Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt der Zeitpunkt des Todes, als in unserem jetzigen Leben zwischen der Geburt und dem Tode der Zeitpunkt der Geburt. Der Zeitpunkt der Geburt ist derjenige Zeitpunkt, an den sich unter gewöhnlichen Verhältnissen des irdischen Lebens der Mensch nicht erinnert. Der Mensch erinnert sich nicht an seine Geburt im gewöhnlichen Leben. Der Zeitpunkt des Todes ist aber derjenige, welcher für das ganze Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt den allertiefsten Eindruck zurückläßt, der am meisten von allen erinnert wird, der immer dasteht gewissermaßen, aber in einer anderen Gestalt, als er angesehen wird von dieser Seite des Lebens aus. Von dieser Seite des Lebens aus erscheint der Tod als eine Auflösung, als etwas, wovor der Mensch leicht Furcht und Grauen hat. Von der anderen Seite erscheint der Tod als der lichtvollste Anfang des geistigen Erlebens, als dasjenige, was etwas Sonnenhaftes ausbreitet über das ganze spätere Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, dasjenige, was am meisten mit Freuden die Seele durchwärmt im Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, dasjenige, auf das immer wieder mit tiefer Sympathie zurückgeblickt wird. Das ist der Moment des Todes. Wenn wir ihn in irdischen Ausdrücken schildern wollen: Das Allererfreulichste, das Allerentzückendste im Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt ist, von der anderen Seite angesehen, der Moment des Todes.

[ 43 ] At this particular time, when the deaths of dear members are affecting our anthroposophical life, I would like to draw attention to one thing. The moment of death plays a different role in the life between death and a new birth than the moment of birth does in our present life between birth and death. The moment of birth is the moment that, under ordinary circumstances of earthly life, a person does not remember. A person does not remember their birth in ordinary life. The moment of death, however, is the one that leaves the deepest impression on the entire life between death and a new birth; it is the one most vividly remembered, the one that always stands there, so to speak, but in a different form than it is viewed from this side of life. From this side of life, death appears as a dissolution, as something that easily fills a person with fear and dread. From the other side, death appears as the most luminous beginning of spiritual experience, as that which spreads something sun-like over the entire subsequent life between death and a new birth, that which most joyfully warms the soul in the life between death and a new birth, that which is looked back upon again and again with deep sympathy. That is the moment of death. If we wish to describe it in earthly terms: the most joyful, the most enchanting thing in life between death and a new birth is, viewed from the other side, the moment of death.

[ 44 ] Wenn wir uns die Vorstellung etwa aus der materialistischen Weltanschauung heraus gebildet haben, daß der Mensch mit dem Tode das Bewußtsein verloren habe, wenn wir keine richtige Vorstellung gewinnen können über diesen Fortgang des Bewußtseins — ich spreche das am heutigen Tage besonders aus, weil die Ursache, die Veranlassung dazu das Zusammenleben mit den lieben Toten ist, die in der letzten Zeit von uns gegangen sind —, wenn wir uns so schwer eine Vorstellung davon machen können, daß ein Bewußtsein über den Tod hinaus existiert, wenn man glaubt, das Bewußtsein verdunkelt sich — es scheint auch so, daß sich das Bewußtsein nach dem Tode verdunkelt —, dann müssen wir uns klar sein: Es ist nicht wahr, denn es ist das Bewußtsein ein überaus helles, und nur weil der Mensch noch ungewohnt ist, in der allerersten Zeit nach dem Tode in diesem übermäßig klaren Bewußtsein zu leben, tritt zunächst unmittelbar nach dem Tode etwas wie einSchlafzustand ein.

[ 44 ] If we have formed the mental image—based, for example, on a materialistic worldview—that human beings lose consciousness upon death, if we cannot gain a proper understanding of this continuation of consciousness—I am emphasizing this point today in particular, because the cause, the reason for this, is our coexistence with our beloved dead who have recently passed away—if we find it so difficult to create a mental image of consciousness that exists beyond death, if one believes that consciousness darkens—it also seems that consciousness darkens after death—then we must be clear: It is not true, for consciousness is exceedingly bright, and only because human beings are still unaccustomed to living in this exceedingly clear consciousness in the very first moments after death does something like a state of sleep set in immediately after death.

[ 45 ] Dieser Schlafzustand ist aber das Entgegengesetzte von dem Schlafzustande, den wir im gewöhnlichen Leben verbringen. Im gewöhnlichen Leben schlafen wir, weil das Bewußtsein herabgedämpft ist. Nach dem Tode sind wir in gewissem Sinne bewußtlos, weil das Bewußtsein zu stark, zu kräftig ist, weil wir ganz in Bewußtsein leben, und was wir brauchen in den ersten Tagen, ist ein Hineinleben in diesen übermäßigen Bewußtseinszustand. Wir müssen uns erst orientieren lernen in diesem übermäßigen Bewußtseinszustande. Wenn es uns dann gelingt, uns so weit darinnen zu orientieren, daß wir wie aus der Fülle der Weltgedanken heraus aufgehen fühlen: Das warst du! — in dem Augenblicke, wo wir zu unterscheiden anfangen aus der Fülle der Weltgedanken unser vergangenes Erdenleben, erleben wir in dieser Fülle des Bewußtseins darinnen den Moment, von dem wir sagen können: Wir wachen auf. Wir werden vielleicht erweckt durch ein Ereignis, das besonders bedeutsam in unser Erdenleben eingegriffen hat, das auch in die Ereignisse nach unserem Erdenleben eingreift.

[ 45 ] This state of sleep, however, is the opposite of the state of sleep we experience in ordinary life. In ordinary life, we sleep because our consciousness is subdued. After death, we are, in a certain sense, unconscious because consciousness is too strong, too powerful; because we live entirely in consciousness, and what we need in the first few days is to settle into this state of heightened consciousness. We must first learn to orient ourselves within this state of heightened consciousness. When we then succeed in orienting ourselves within it to such an extent that we feel ourselves rising up, as it were, out of the abundance of worldly thoughts: “That was you!”—at the very moment when we begin to distinguish our past earthly life from the abundance of worldly thoughts, we experience within this abundance of consciousness the moment of which we can say: “We are waking up.” We may be awakened by an event that has intervened in our earthly life in a particularly significant way, an event that also intervenes in the events following our earthly life.

[ 46 ] Also es ist ein Sich-Gewöhnen an das übersinnliche Bewußtsein, an das Bewußtsein, das nicht auf der Grundlage und Stütze der physischen Welt aufgebaut ist, sondern das in sich selber wirkt. Das ist es, was wir «Aufwachen» nennen nach dem Tode. Man möchte sagen, dieses Aufwachen besteht in einem Sich-Zurechttasten des Willens, der, wie Sie wissen und wie Sie aus dem angeführten Vortragszyklus ersehen können, nach dem Tode sich besonders entwickeln kann. Ich habe da gesprochen von dem gefühlsartigen Willen, von dem willensartigen Gefühl. Wenn dieses willensartige Gefühlsleben sich hineintastet in die übersinnliche Welt, wenn es den ersten Taster macht, dann ist das Aufwachen eingetreten.

[ 46 ] So it is a matter of becoming accustomed to the supersensory consciousness, to the consciousness that is not built upon the foundation and support of the physical world, but which acts within itself. This is what we call “awakening” after death. One might say that this awakening consists in a feeling-out of the will, which, as you know and as you can see from the lecture series cited, can develop particularly after death. I spoke there of the emotional will, of the volitional feeling. When this volitional emotional life feels its way into the supersensible world, when it takes its first tentative steps, then awakening has occurred.

[ 47 ] Das sind die Dinge, über die wir, wenn die Ereignisse es gestatten, noch weiter reden wollen.

[ 47 ] These are the things we would like to discuss further, if circumstances permit.