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Artistic and Existential Questions
in the Light of Spiritual Science
GA 162

24 May 1915, Dornach

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Kunst- und Lebensfragen
  1. Artistic and Existential Questions, tr. SOL

Zweiter Vortrag

Zweiter Vortrag

[ 1 ] Versuchen wir, uns zunächst etwas vor Augen zu rücken, was öfter schon betrachtet worden ist in diesem oder jenem Zusammenhange: das ist das Verhältnis unserer Gedanken, unserer Vorstellungen zur Welt. Wie kann man sich das Verhältnis unserer Gedanken zur Welt vorstellen?

[ 1 ] Versuchen wir, uns zunächst etwas vor Augen zu rücken, was öfter schon betrachtet worden ist in diesem oder jenem Zusammenhange: das ist das Verhältnis unserer Gedanken, unserer Vorstellungen zur Welt. Wie kann man sich das Verhältnis unserer Gedanken zur Welt vorstellen?

[ 2 ] Denken wir uns in einem schematischen Bilde die Welt als äußeren Kreis und uns ihr gegenüber (Zeichnung S. 30). Nicht wahr, zunächst wird es uns allen klar sein, daß wir uns ein Bild der Welt machen in unseren Gedanken. Wie wir zu bewußten Gedanken in der physischen Welt kommen, wir haben gestern davon gesprochen. Das, was in unserem physischen Inneren durch unsere Seele vorhanden ist als unsere Gedanken, wollen wir durch diesen Kreis bezeichnen (kleiner innerer Kreis). Und ich will sagen: Dieser Kreis soll dasjenige darstellen, was wir als Inhalt unserer Seele mit Hilfe unseres Leibes, als unsere Gedanken über die Welt empfinden.

[ 2 ] Denken wir uns in einem schematischen Bilde die Welt als äußeren Kreis und uns ihr gegenüber (Zeichnung S. 30). Nicht wahr, zunächst wird es uns allen klar sein, daß wir uns ein Bild der Welt machen in unseren Gedanken. Wie wir zu bewußten Gedanken in der physischen Welt kommen, wir haben gestern davon gesprochen. Das, was in unserem physischen Inneren durch unsere Seele vorhanden ist als unsere Gedanken, wollen wir durch diesen Kreis bezeichnen (kleiner innerer Kreis). Und ich will sagen: Dieser Kreis soll dasjenige darstellen, was wir als Inhalt unserer Seele mit Hilfe unseres Leibes, als unsere Gedanken über die Welt empfinden.

[ 3 ] Nun wissen wir aus den verschiedenen Betrachtungen, daß das, was wir also Gedanken nennen, in uns eigentlich beruht auf einer gewissen Spiegelung. Ich habe ja öfter den Vergleich gebraucht, daß wir eigentlich auch wachend im Grunde außerhalb unseres physischen Leibes sind, und der physische Leib dasjenige, was uns zum Bewußtsein kommt, wie ein Spiegel zurückwirft. Wir dürfen uns also eigentlich nicht, wenn wir uns als seelisch-geistige Wesen denken, da drinnen denken, wo — um es deutlich zu sagen — unsere Gedanken durch unseren Leib zum Vorschein kommen, sondern wir müssen uns denken außerhalb unseres physischen Leibes auch im Wachzustande. So daß wir uns mit unserem Geistig-Seelischen eigentlich in die Welt hinein zu denken haben. |

[ 3 ] Nun wissen wir aus den verschiedenen Betrachtungen, daß das, was wir also Gedanken nennen, in uns eigentlich beruht auf einer gewissen Spiegelung. Ich habe ja öfter den Vergleich gebraucht, daß wir eigentlich auch wachend im Grunde außerhalb unseres physischen Leibes sind, und der physische Leib dasjenige, was uns zum Bewußtsein kommt, wie ein Spiegel zurückwirft. Wir dürfen uns also eigentlich nicht, wenn wir uns als seelisch-geistige Wesen denken, da drinnen denken, wo — um es deutlich zu sagen — unsere Gedanken durch unseren Leib zum Vorschein kommen, sondern wir müssen uns denken außerhalb unseres physischen Leibes auch im Wachzustande. So daß wir uns mit unserem Geistig-Seelischen eigentlich in die Welt hinein zu denken haben. |

[ 4 ] Und was wird denn eigentlich gespiegelt? Nun, wenn in uns Gedanken auftreten, so wird eben etwas im Weltenall gespiegelt. Es sei dasjenige, was im Weltenall lebt und in uns gespiegelt wird, durch diesen Kreis angedeutet (grün). So wie ich den gelben Kreis hier im menschlichen Organismus habe als Spiegelbild von etwas im Weltenall, so will ich etwas, was sich in unseren Gedanken spiegelt, durch diesen grünen Kreis in der Welt selber bezeichnen. Und wir können sagen: Das, was hier durch diesen grünen Kreis bezeichnet wird, das ist eigentlich das Reale, das Wirkliche, wovon unsere Gedanken nur das Bild sind, jenes Bild, das von unserem Leibe zurückgeworfen wird. Das alles ist natürlich nur schematisch gemeint.

[ 4 ] Und was wird denn eigentlich gespiegelt? Nun, wenn in uns Gedanken auftreten, so wird eben etwas im Weltenall gespiegelt. Es sei dasjenige, was im Weltenall lebt und in uns gespiegelt wird, durch diesen Kreis angedeutet (grün). So wie ich den gelben Kreis hier im menschlichen Organismus habe als Spiegelbild von etwas im Weltenall, so will ich etwas, was sich in unseren Gedanken spiegelt, durch diesen grünen Kreis in der Welt selber bezeichnen. Und wir können sagen: Das, was hier durch diesen grünen Kreis bezeichnet wird, das ist eigentlich das Reale, das Wirkliche, wovon unsere Gedanken nur das Bild sind, jenes Bild, das von unserem Leibe zurückgeworfen wird. Das alles ist natürlich nur schematisch gemeint.

Diagram 1Diagram 1

[ 5 ] Fassen wir so im richtigen Sinne auf, was eigentlich geschieht, wenn wir uns der Welt gegenüberstellen, dann müssen wir sagen, es wird etwas in uns erzeugt: Die ganze Summe unserer Vorstellungen wird in uns erzeugt als ein bloßes Bild von etwas, was in der Welt draußen ist. All das, was da in unserer Intelligenz drinnen ist, ist ein Bild von etwas, was in der Welt draußen ist.

[ 5 ] Fassen wir so im richtigen Sinne auf, was eigentlich geschieht, wenn wir uns der Welt gegenüberstellen, dann müssen wir sagen, es wird etwas in uns erzeugt: Die ganze Summe unserer Vorstellungen wird in uns erzeugt als ein bloßes Bild von etwas, was in der Welt draußen ist. All das, was da in unserer Intelligenz drinnen ist, ist ein Bild von etwas, was in der Welt draußen ist.

[ 6 ] Diejenigen, welche von dem wahren Tatbestand solcher Dinge in der Welt immer etwas gewußt haben, haben daher davon gesprochen, daß das Wahre des menschlichen Gedankeninhaltes in Wahrheit als die Weltgedanken im Universum ausgebreitet ist, und daß dasjenige, was wir als Gedankeninhalt haben, eben nur das Bild der Weltgedanken ist. Es spiegeln sich in uns die Weltgedanken. Wäre unser wahres Wesen nur in unsern Gedanken, dann wäre dieses unser wahres Wesen selbstverständlich nur Bild. Aber aus dem ganzen Zusammenhang muß uns ersichtlich sein, daß unser wahres Wesen nicht im Kopf ist, sondern daß unser wahres Wesen in der Welt darinnen ist, daß wir uns mit den Weltgedanken selber in uns nur spiegeln. Und was wir in uns finden können durch den Spiegelungsapparat unseres Leibes, das ist Bild von unserer wahren Wirklichkeit. All das ist ja in verschiedenen Zusammenhängen schon betont worden.

[ 6 ] Diejenigen, welche von dem wahren Tatbestand solcher Dinge in der Welt immer etwas gewußt haben, haben daher davon gesprochen, daß das Wahre des menschlichen Gedankeninhaltes in Wahrheit als die Weltgedanken im Universum ausgebreitet ist, und daß dasjenige, was wir als Gedankeninhalt haben, eben nur das Bild der Weltgedanken ist. Es spiegeln sich in uns die Weltgedanken. Wäre unser wahres Wesen nur in unsern Gedanken, dann wäre dieses unser wahres Wesen selbstverständlich nur Bild. Aber aus dem ganzen Zusammenhang muß uns ersichtlich sein, daß unser wahres Wesen nicht im Kopf ist, sondern daß unser wahres Wesen in der Welt darinnen ist, daß wir uns mit den Weltgedanken selber in uns nur spiegeln. Und was wir in uns finden können durch den Spiegelungsapparat unseres Leibes, das ist Bild von unserer wahren Wirklichkeit. All das ist ja in verschiedenen Zusammenhängen schon betont worden.

[ 7 ] Wenn nun im Tode der physische Leib sich auflöst, lösen sich selbstverständlich auch die Bilder auf, die in uns entstehen. Dasjenige, was von uns bleibt, unsere wahre Wirklichkeit, das ist im Grunde genommen das ganze Leben hindurch dem Kosmos eingefügt, und es entwirft von sich selber nur während unseres Lebens durch unsern Leib ein Spiegelbild von uns. Hier, sehen Sie, liegt jene Schwierigkeit, auf welche die Philosophen fortwährend kommen, und die sie mit ihrer Philosophie nicht überwinden können, die Hauptschwierigkeit. Diesen Philosophen ist ja zunächst nichts anderes gegeben als dasjenige, was sie vorstellen. Aber bedenken Sie, daß aus der Vorstellung, aus dem Inhalt des Bewußtseins das Sein gerade herausgepreßt ist. Es kann nicht darinnen sein, denn was im Bewußtsein ist, ist nur Spiegelbild. Es kann das Sein nicht darinnen sein. Nun suchen die Philosophen das Sein durch das Bewußtsein, durch das gewöhnliche physische Bewußtsein. Sie können es so nicht finden. Und es ist ganz natürlich, daß solche Philosophien entstehen mußten wie die Kantsche zum Beispiel, die da sucht durch das Bewußtsein das Sein. Aber weil das Bewußtsein ganz naturgemäfßerweise nur enthalten kann Bilder des Seins, kann man zu nichts anderem kommen als dazu, anzuerkennen, daß man an das Sein mit dem Bewußtsein niemals herankommen könne.

[ 7 ] Wenn nun im Tode der physische Leib sich auflöst, lösen sich selbstverständlich auch die Bilder auf, die in uns entstehen. Dasjenige, was von uns bleibt, unsere wahre Wirklichkeit, das ist im Grunde genommen das ganze Leben hindurch dem Kosmos eingefügt, und es entwirft von sich selber nur während unseres Lebens durch unsern Leib ein Spiegelbild von uns. Hier, sehen Sie, liegt jene Schwierigkeit, auf welche die Philosophen fortwährend kommen, und die sie mit ihrer Philosophie nicht überwinden können, die Hauptschwierigkeit. Diesen Philosophen ist ja zunächst nichts anderes gegeben als dasjenige, was sie vorstellen. Aber bedenken Sie, daß aus der Vorstellung, aus dem Inhalt des Bewußtseins das Sein gerade herausgepreßt ist. Es kann nicht darinnen sein, denn was im Bewußtsein ist, ist nur Spiegelbild. Es kann das Sein nicht darinnen sein. Nun suchen die Philosophen das Sein durch das Bewußtsein, durch das gewöhnliche physische Bewußtsein. Sie können es so nicht finden. Und es ist ganz natürlich, daß solche Philosophien entstehen mußten wie die Kantsche zum Beispiel, die da sucht durch das Bewußtsein das Sein. Aber weil das Bewußtsein ganz naturgemäfßerweise nur enthalten kann Bilder des Seins, kann man zu nichts anderem kommen als dazu, anzuerkennen, daß man an das Sein mit dem Bewußtsein niemals herankommen könne.

[ 8 ] Wer tiefer blickt, der weiß dann, daß von all dem, was im Bewußtsein vorhanden ist, draußen in der Welt das Wahre, das Wirkliche ist, das sich im Bewußtsein nur abspiegelt. Aber was geschieht denn da eigentlich zwischen der Welt und dem Bewußtsein? Was da geschieht, das muß man als Geisteswissenschafter wohl auffassen. Gewiß, Bilder sind es nur, die da erzeugt werden durch den physischen Leib. Der physische Leib ist aus dem Universum heraus geschaffen. Er kommt so weit im Verlaufe des Lebens zwischen Geburt und Tod, daß er Bilder schaffen kann, ja ein Bild des ganzen Menschen schafft, das uns immer entgegentritt, wenn wir uns selber spiegeln durch unsern Leib. Nur ein Bild ist es, aber ein Bild ist es eben. Und was hat dieses Bild für eine Aufgabe im ganzen kosmischen Zusammenhang? Ja, dieses Bild, das muß entstehen. Denn, sehen Sie, in dem Augenblicke, wo wir aus der geistigen Welt durch die Geburt ins Dasein treten, ist eigentlich im Grunde genommen eine Epoche unseres Seins in gewissem Sinne zum Abschluß gekommen. Wir sind durch einen vorigen Tod in die geistige Welt eingegangen, tragen in die geistige Welt hinein gewisse Kräfte, leben diese Kräfte aus bis zu dem, was im vierten Mysteriendrama die Mitternachtsstunde des Daseins zwischen dem 'Tod und einer neuen Geburt genannt worden ist.

[ 8 ] Wer tiefer blickt, der weiß dann, daß von all dem, was im Bewußtsein vorhanden ist, draußen in der Welt das Wahre, das Wirkliche ist, das sich im Bewußtsein nur abspiegelt. Aber was geschieht denn da eigentlich zwischen der Welt und dem Bewußtsein? Was da geschieht, das muß man als Geisteswissenschafter wohl auffassen. Gewiß, Bilder sind es nur, die da erzeugt werden durch den physischen Leib. Der physische Leib ist aus dem Universum heraus geschaffen. Er kommt so weit im Verlaufe des Lebens zwischen Geburt und Tod, daß er Bilder schaffen kann, ja ein Bild des ganzen Menschen schafft, das uns immer entgegentritt, wenn wir uns selber spiegeln durch unsern Leib. Nur ein Bild ist es, aber ein Bild ist es eben. Und was hat dieses Bild für eine Aufgabe im ganzen kosmischen Zusammenhang? Ja, dieses Bild, das muß entstehen. Denn, sehen Sie, in dem Augenblicke, wo wir aus der geistigen Welt durch die Geburt ins Dasein treten, ist eigentlich im Grunde genommen eine Epoche unseres Seins in gewissem Sinne zum Abschluß gekommen. Wir sind durch einen vorigen Tod in die geistige Welt eingegangen, tragen in die geistige Welt hinein gewisse Kräfte, leben diese Kräfte aus bis zu dem, was im vierten Mysteriendrama die Mitternachtsstunde des Daseins zwischen dem 'Tod und einer neuen Geburt genannt worden ist.

[ 9 ] In der zweiten Hälfte des Lebens zwischen Tod und neuer Geburt sammeln wir dann Kräfte. Aber wo hinaus wollen diese Kräfte, die wir dasammeln? Sie wollen den neuen physischen Leib aufbauen, und wenn der neue physische Leib da ist, so haben die Kräfte, deren wir teilhaftig werden in der zweiten Hälfte zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, ihre Aufgabe erfüllt. Denn die wollen diesen neuen Leib darstellen. Die wollen sich zusammenfügen in dem neuen Leibe. Es arbeiten, kämpfen ja wirklich, man kann sagen, ganze Hierarchien daran, daß aus dem geistigen Weltall heraus dieser Mensch durch die Geburt ins Dasein treten kann, wie ich das angedeutet habe in dem zweiten Mysteriendrama durch die Worte des Capesius. Da sehen wir, was das hervorruft im menschlichen Gemüt, wenn der Mensch gewahr wird, was es bedeutet, daß ganze Götterhierarchien beschäftigt sind damit, den Menschen in die Welt hineinzustellen.

[ 9 ] In der zweiten Hälfte des Lebens zwischen Tod und neuer Geburt sammeln wir dann Kräfte. Aber wo hinaus wollen diese Kräfte, die wir dasammeln? Sie wollen den neuen physischen Leib aufbauen, und wenn der neue physische Leib da ist, so haben die Kräfte, deren wir teilhaftig werden in der zweiten Hälfte zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, ihre Aufgabe erfüllt. Denn die wollen diesen neuen Leib darstellen. Die wollen sich zusammenfügen in dem neuen Leibe. Es arbeiten, kämpfen ja wirklich, man kann sagen, ganze Hierarchien daran, daß aus dem geistigen Weltall heraus dieser Mensch durch die Geburt ins Dasein treten kann, wie ich das angedeutet habe in dem zweiten Mysteriendrama durch die Worte des Capesius. Da sehen wir, was das hervorruft im menschlichen Gemüt, wenn der Mensch gewahr wird, was es bedeutet, daß ganze Götterhierarchien beschäftigt sind damit, den Menschen in die Welt hineinzustellen.

[ 10 ] Aber es ist, ich möchte sagen, mit diesen Kräften, indem sie den Menschen zustande bringen, etwas ganz ähnliches, wie es mit den alten Keimen einer Pflanze ist: Wenn die neue Pflanze hervorgekommen ist, dann hat der alte Keim seine Aufgabe erfüllt; er beansprucht nicht mehr, als eine Pflanze hervorzubringen. Diese Pflanze wird aufgerufen durch den Kosmos wieder einen Keim hervorzubringen. Sonst wäre keine weitere Entwickelung da, und das Pflanzenleben hätte abreißen müssen mit dieser Pflanze. So müßte, wenn hier nicht das Bilderbewußtsein auftauchen würde, das Menschenleben abschließen mit der Erneuerung des Lebens zwischen Geburt und Tod. Dies, was da als Bild der Welt erscheint, das ist der neue Keim, der nun durch den Tod geht und eben wiederum durch den Tod in ein neues Leben hinübergeht. Und dieser Keim, er ist nun wirklich so, daß er nichts von dem alten Realen hinüberbringt, sondern daß er beim Bilddasein, beim Nichts beginnt, wirklich in bezug auf die Realität, auf die äußere Realität beim Nichts beginnt.

[ 10 ] Aber es ist, ich möchte sagen, mit diesen Kräften, indem sie den Menschen zustande bringen, etwas ganz ähnliches, wie es mit den alten Keimen einer Pflanze ist: Wenn die neue Pflanze hervorgekommen ist, dann hat der alte Keim seine Aufgabe erfüllt; er beansprucht nicht mehr, als eine Pflanze hervorzubringen. Diese Pflanze wird aufgerufen durch den Kosmos wieder einen Keim hervorzubringen. Sonst wäre keine weitere Entwickelung da, und das Pflanzenleben hätte abreißen müssen mit dieser Pflanze. So müßte, wenn hier nicht das Bilderbewußtsein auftauchen würde, das Menschenleben abschließen mit der Erneuerung des Lebens zwischen Geburt und Tod. Dies, was da als Bild der Welt erscheint, das ist der neue Keim, der nun durch den Tod geht und eben wiederum durch den Tod in ein neues Leben hinübergeht. Und dieser Keim, er ist nun wirklich so, daß er nichts von dem alten Realen hinüberbringt, sondern daß er beim Bilddasein, beim Nichts beginnt, wirklich in bezug auf die Realität, auf die äußere Realität beim Nichts beginnt.

[ 11 ] Bitte fassen Sie hier einen Gedanken, der von ungeheurer Bedeutung ist. Denken Sie sich einmal, Sie stehen der Welt gegenüber. Nun gut, die Welt ist da, Sie sind auch da. Sie sind aber aus der Welt hervorgegangen, die Welt hat Sie geschaffen, Sie gehören zur Welt dazu. Nun soll es weitergehen, das Leben. In dem, was als Wirklichkeit in Ihnen ist, was die Welt in Sie hineingesetzt hat — diese Welt, die Sie anschauen innerhalb des physischen Planes —, da ist nichts, was das Leben weiterführen kann. Aber etwas kommt hinzu: Sie schauen die Welt an, machen sich ein Bild, und dieses Bild gewinnt die Kraft, Ihr Dasein hinauszutragen in weitere unendliche Fernen. Dieses Bild wird zum Keim der Zukunft.

[ 11 ] Bitte fassen Sie hier einen Gedanken, der von ungeheurer Bedeutung ist. Denken Sie sich einmal, Sie stehen der Welt gegenüber. Nun gut, die Welt ist da, Sie sind auch da. Sie sind aber aus der Welt hervorgegangen, die Welt hat Sie geschaffen, Sie gehören zur Welt dazu. Nun soll es weitergehen, das Leben. In dem, was als Wirklichkeit in Ihnen ist, was die Welt in Sie hineingesetzt hat — diese Welt, die Sie anschauen innerhalb des physischen Planes —, da ist nichts, was das Leben weiterführen kann. Aber etwas kommt hinzu: Sie schauen die Welt an, machen sich ein Bild, und dieses Bild gewinnt die Kraft, Ihr Dasein hinauszutragen in weitere unendliche Fernen. Dieses Bild wird zum Keim der Zukunft.

[ 12 ] Wenn man das nicht bedenkt, dann wird man niemals begreifen, daß neben dem Satze: Aus Nichts wird nichts —, auch der andere Satz seine volle Richtigkeit hat: Im tiefsten Sinne wird das Dasein stets aus dem Nichts erzeugt. — Beide Sätze haben ihre volle Richtigkeit; man muß sie nur an der richtigen Stelle anwenden. Die Kontinuität des Daseins hört damit nicht auf. Wenn Sie, sagen wir, am Morgen aufwachen würden und würden finden, daß gar nichts übrig geblieben wäre physisch von Ihnen — so ist es in der Tat, wenn man einer neuen Geburt entgegengeht —, aber nur die volle Erinnerung hätten an dasjenige, was geschehen wäre, also.bloß Bild hätten, so würden Sie ja ganz zufrieden sein. Tiefere Geister haben selbstverständlich solche Dinge immer gefühlt. So wenn Goethe die zwei Dichtungen nebeneinander gestellt hat: «Kein Wesen kann zu Nichts zerfallen», und unmittelbar vorangegangen war das Gedicht, das den Sinn hat: «Alles muß in Nichts zerfallen, wenn es im Sein beharren will.» Diese beiden Gedichte stehen ja bei Goethe als scheinbarer Widerspruch ganz beieinander, unmittelbar hintereinander.

[ 12 ] Wenn man das nicht bedenkt, dann wird man niemals begreifen, daß neben dem Satze: Aus Nichts wird nichts —, auch der andere Satz seine volle Richtigkeit hat: Im tiefsten Sinne wird das Dasein stets aus dem Nichts erzeugt. — Beide Sätze haben ihre volle Richtigkeit; man muß sie nur an der richtigen Stelle anwenden. Die Kontinuität des Daseins hört damit nicht auf. Wenn Sie, sagen wir, am Morgen aufwachen würden und würden finden, daß gar nichts übrig geblieben wäre physisch von Ihnen — so ist es in der Tat, wenn man einer neuen Geburt entgegengeht —, aber nur die volle Erinnerung hätten an dasjenige, was geschehen wäre, also.bloß Bild hätten, so würden Sie ja ganz zufrieden sein. Tiefere Geister haben selbstverständlich solche Dinge immer gefühlt. So wenn Goethe die zwei Dichtungen nebeneinander gestellt hat: «Kein Wesen kann zu Nichts zerfallen», und unmittelbar vorangegangen war das Gedicht, das den Sinn hat: «Alles muß in Nichts zerfallen, wenn es im Sein beharren will.» Diese beiden Gedichte stehen ja bei Goethe als scheinbarer Widerspruch ganz beieinander, unmittelbar hintereinander.

[ 13 ] Aber für die gewöhnliche Philosophie liegt hier eine Klippe vor, weil sie eben tatsächlich aufsteigen muß in die Negation des Seins.

[ 13 ] Aber für die gewöhnliche Philosophie liegt hier eine Klippe vor, weil sie eben tatsächlich aufsteigen muß in die Negation des Seins.

[ 14 ] Nun könnte man wieder die Frage aufwerfen: Was spiegelt sich denn da eigentlich, wenn das alles, was sich hier spiegelt, nur die Weltgedanken sind? Wie ist man dann eigentlich sicher, daß man da draußen in der Welt eine Wirklichkeit hat? Und da kommt man hin zu der Notwendigkeit, anzuerkennen, daß eben durch das gewöhnliche menschliche Bewußtsein überhaupt die Wirklichkeit nicht verbürgt werden kann, sondern daß die Wirklichkeit nur verbürgt werden kann durch jenes Bewußtsein, welches in uns selber heraufsteigt in die Regionen, wo die Imaginationen sind, und man hinter den Charakter der Imaginationen kommt. Dann findet man, daß da draußen in der Welt, hinter dem, was ich als grün angedeutet habe, eben nicht bloß Weltgedanken sind, daß diese Weltgedanken die Ausdrücke sind für die Weltenwesen. Aber sie sind durch die Weltgedanken verschleiert, so wie das menschliche Innere verschleiert ist durch den Inhalt des Bewußtseins. Also wir schauen in die Welt; wir vermeinen, die Welt zu haben in unserem Bewußtsein: da haben wir das Nichts, ein bloßes Spiegelbild. Dasjenige was sich spiegelt, sind selber nur Weltgedanken. Diese Weltgedanken aber gehören realen, wirklichen Wesenheiten an, den Wesenheiten, die wir eben als geistig-seelische Wesenheiten kennen, als Gruppenseelen der niederen Reiche, als die Menschenseelen, als die Seelen der höheren Hierarchien und so weiter.

[ 14 ] Nun könnte man wieder die Frage aufwerfen: Was spiegelt sich denn da eigentlich, wenn das alles, was sich hier spiegelt, nur die Weltgedanken sind? Wie ist man dann eigentlich sicher, daß man da draußen in der Welt eine Wirklichkeit hat? Und da kommt man hin zu der Notwendigkeit, anzuerkennen, daß eben durch das gewöhnliche menschliche Bewußtsein überhaupt die Wirklichkeit nicht verbürgt werden kann, sondern daß die Wirklichkeit nur verbürgt werden kann durch jenes Bewußtsein, welches in uns selber heraufsteigt in die Regionen, wo die Imaginationen sind, und man hinter den Charakter der Imaginationen kommt. Dann findet man, daß da draußen in der Welt, hinter dem, was ich als grün angedeutet habe, eben nicht bloß Weltgedanken sind, daß diese Weltgedanken die Ausdrücke sind für die Weltenwesen. Aber sie sind durch die Weltgedanken verschleiert, so wie das menschliche Innere verschleiert ist durch den Inhalt des Bewußtseins. Also wir schauen in die Welt; wir vermeinen, die Welt zu haben in unserem Bewußtsein: da haben wir das Nichts, ein bloßes Spiegelbild. Dasjenige was sich spiegelt, sind selber nur Weltgedanken. Diese Weltgedanken aber gehören realen, wirklichen Wesenheiten an, den Wesenheiten, die wir eben als geistig-seelische Wesenheiten kennen, als Gruppenseelen der niederen Reiche, als die Menschenseelen, als die Seelen der höheren Hierarchien und so weiter.

[ 15 ] Nun wissen Sie ja, daß gewissermaßen die Erdenentwickelung der Menschheit in zwei Hälften zerfällt. In der älteren Zeit war eine Art traumhaften Hellsehens vorhanden. Durch dieses traumhafte Hellsehen haben die Menschen gewußt, daß hinter dieser Welt, die zuletzt von den Menschen in Gedanken erfaßt wird, eine Welt wirklicher geistiger Wesenheiten vorhanden ist. Denn in dem alten traumhaften Hellsehen nahmen die Menschen eben nicht bloß Gedanken wahr, so wie der neuere Hellseher, der etwa durch die Methoden von «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» wiederum in ein Verhältnis zur geistigen Welt tritt, auch nicht bloße Gedanken wahrnimmt, sondern Weltenwesen. Ich habe ja das des öftern anschaulich zu machen versucht, so daß ich sogar gesagt habe in einem der Münchner Vorträge: Man steckt so in Wesen hinein den Kopf, wie wenn man in einen Ameisenhaufen hinein den Kopf stecken würde: die Gedanken beginnen zu wesen und zu leben. — So war es bei den Menschen der älteren Zeit. In ihrem wahrnehmenden Bewußtsein lebten sie nicht nur in Gedanken, sondern sie lebten in den Weltenwesen. Aber es war notwendig — und wir wissen durch die verschiedenen Vorträge, die gehalten worden sind, aus welchen Gründen es notwendig war —, daß dieses alte Hellsehen gewissermaßen abdämmerte, aufhörte. Denn dasjenige, wodurch der Mensch sein Jetziges Bewußtsein erhielt, das er notwendig braucht, um zu einer wirklichen inneren Freiheit zu kommen, das setzte voraus, daß das alte Hellsehen langsam abdämmerte, verschwand. Es mußte eine Zeit kommen, wo der Mensch gewissermaßen angewiesen blieb auf dasjenige, was er ohne jegliches Hellsehen in der Welt wahrnehmen kann. Da war er natürlich abgeschnitten, völlig abgeschnitten von der geistigen Welt, wenn man die Sache extrem ausdrückt.

[ 15 ] Nun wissen Sie ja, daß gewissermaßen die Erdenentwickelung der Menschheit in zwei Hälften zerfällt. In der älteren Zeit war eine Art traumhaften Hellsehens vorhanden. Durch dieses traumhafte Hellsehen haben die Menschen gewußt, daß hinter dieser Welt, die zuletzt von den Menschen in Gedanken erfaßt wird, eine Welt wirklicher geistiger Wesenheiten vorhanden ist. Denn in dem alten traumhaften Hellsehen nahmen die Menschen eben nicht bloß Gedanken wahr, so wie der neuere Hellseher, der etwa durch die Methoden von «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» wiederum in ein Verhältnis zur geistigen Welt tritt, auch nicht bloße Gedanken wahrnimmt, sondern Weltenwesen. Ich habe ja das des öftern anschaulich zu machen versucht, so daß ich sogar gesagt habe in einem der Münchner Vorträge: Man steckt so in Wesen hinein den Kopf, wie wenn man in einen Ameisenhaufen hinein den Kopf stecken würde: die Gedanken beginnen zu wesen und zu leben. — So war es bei den Menschen der älteren Zeit. In ihrem wahrnehmenden Bewußtsein lebten sie nicht nur in Gedanken, sondern sie lebten in den Weltenwesen. Aber es war notwendig — und wir wissen durch die verschiedenen Vorträge, die gehalten worden sind, aus welchen Gründen es notwendig war —, daß dieses alte Hellsehen gewissermaßen abdämmerte, aufhörte. Denn dasjenige, wodurch der Mensch sein Jetziges Bewußtsein erhielt, das er notwendig braucht, um zu einer wirklichen inneren Freiheit zu kommen, das setzte voraus, daß das alte Hellsehen langsam abdämmerte, verschwand. Es mußte eine Zeit kommen, wo der Mensch gewissermaßen angewiesen blieb auf dasjenige, was er ohne jegliches Hellsehen in der Welt wahrnehmen kann. Da war er natürlich abgeschnitten, völlig abgeschnitten von der geistigen Welt, wenn man die Sache extrem ausdrückt.

[ 16 ] Selbstverständlich waren ja immer einzelne Geister da, die in die geistige Welt hineinschauen konnten. Aber während das alte Hellsehen das Allgemeine war, wurde nun eine Zeit hindurch das Abgeschnittensein vom Hellsehen gewissermaßen äußere Menschheitskultur. Und wir wiederum suchen durch unsere geisteswissenschaftlichen Bestrebungen das bewußt errungene Hellsehen dieser Menschheitskultur wieder einzuprägen. So daß wir sagen können: Es sind zwei Entwickelungsperioden der Erdenmenschheit da, die getrennt sind durch eine mittlere Epoche. Die erste ist eine Periode, in der geherrscht hat traumhaftes Hellsehen: die Menschen wußten sich in Verbindung mit einer geistigen Welt, sie wußten, daß im Weltenall nicht bloß Gedanken spuken, sondern daß Weltenwesen hinter den Gedanken sind, Wesen, wie wir ja selber es sind, die diese Weltgedanken denken. Dann wird eine Zeit kommen, wo man das wiederum wissen wird, aber durch selbsterrungenes Hellsehen wissen wird. Und dazwischen liegt die Episode, wo die Menschen abgeschlossen sind. Fassen wir dasjenige, was da gesagt worden ist, einmal recht tief ins Auge, so müssen wir sagen: Eigentlich müssen wir erwarten, daß in der Menschheitsentwickelung einmal das eingetreten ist, daß man wahrgenommen hat: Ja, es hat gar keinen Sinn, bloß zu denken, da drinnen in diesem Gehirn seien Gedanken. Denn wären bloß diese Gedanken, diese Bilder da drinnen, und bildeten nichts ab, so wäre es am besten, wenn man alles Denken einstellte! Denn wozu sollte man über eine Welt denken, wenn diese Welt keine Gedanken in sich enthielte?

[ 16 ] Selbstverständlich waren ja immer einzelne Geister da, die in die geistige Welt hineinschauen konnten. Aber während das alte Hellsehen das Allgemeine war, wurde nun eine Zeit hindurch das Abgeschnittensein vom Hellsehen gewissermaßen äußere Menschheitskultur. Und wir wiederum suchen durch unsere geisteswissenschaftlichen Bestrebungen das bewußt errungene Hellsehen dieser Menschheitskultur wieder einzuprägen. So daß wir sagen können: Es sind zwei Entwickelungsperioden der Erdenmenschheit da, die getrennt sind durch eine mittlere Epoche. Die erste ist eine Periode, in der geherrscht hat traumhaftes Hellsehen: die Menschen wußten sich in Verbindung mit einer geistigen Welt, sie wußten, daß im Weltenall nicht bloß Gedanken spuken, sondern daß Weltenwesen hinter den Gedanken sind, Wesen, wie wir ja selber es sind, die diese Weltgedanken denken. Dann wird eine Zeit kommen, wo man das wiederum wissen wird, aber durch selbsterrungenes Hellsehen wissen wird. Und dazwischen liegt die Episode, wo die Menschen abgeschlossen sind. Fassen wir dasjenige, was da gesagt worden ist, einmal recht tief ins Auge, so müssen wir sagen: Eigentlich müssen wir erwarten, daß in der Menschheitsentwickelung einmal das eingetreten ist, daß man wahrgenommen hat: Ja, es hat gar keinen Sinn, bloß zu denken, da drinnen in diesem Gehirn seien Gedanken. Denn wären bloß diese Gedanken, diese Bilder da drinnen, und bildeten nichts ab, so wäre es am besten, wenn man alles Denken einstellte! Denn wozu sollte man über eine Welt denken, wenn diese Welt keine Gedanken in sich enthielte?

[ 17 ] Gewiß, im 19. Jahrhundert waren die Menschen recht zufrieden damit, daß die Welt keine Gedanken enthalte, und sie dachten doch über die Welt nach. Aber das 19. Jahrhundert hat ja eben über die intimsten Angelegenheiten des Lebens die Gedankenlosigkeit gebreitet. Es hatte die Aufgabe, diese Gedankenlosigkeit zu bringen. Aber wir dürfen doch vermuten, daß einmal vielleicht irgend jemand darauf gekommen ist, in der folgenden Weise zu denken, sich einmal zu sagen: Einen Sinn hat es doch nur, wenn man annimmt, daß nicht nur da drinnen im Gehirn Gedanken sind, sondern daß die ganze Welt von Gedanken voll ist. — Hätte er nun gleich zu unserer Geisteswissenschaft vorrücken können, ja dann würde er gesagt haben: Gewiß, da draußen im Weltenall sind Gedanken, aber es sind eben auch Wesen, die diese Gedanken hegen, so wie wir unsere Gedanken hegen. Es sind die Wesen der höheren Hierarchien.

[ 17 ] Gewiß, im 19. Jahrhundert waren die Menschen recht zufrieden damit, daß die Welt keine Gedanken enthalte, und sie dachten doch über die Welt nach. Aber das 19. Jahrhundert hat ja eben über die intimsten Angelegenheiten des Lebens die Gedankenlosigkeit gebreitet. Es hatte die Aufgabe, diese Gedankenlosigkeit zu bringen. Aber wir dürfen doch vermuten, daß einmal vielleicht irgend jemand darauf gekommen ist, in der folgenden Weise zu denken, sich einmal zu sagen: Einen Sinn hat es doch nur, wenn man annimmt, daß nicht nur da drinnen im Gehirn Gedanken sind, sondern daß die ganze Welt von Gedanken voll ist. — Hätte er nun gleich zu unserer Geisteswissenschaft vorrücken können, ja dann würde er gesagt haben: Gewiß, da draußen im Weltenall sind Gedanken, aber es sind eben auch Wesen, die diese Gedanken hegen, so wie wir unsere Gedanken hegen. Es sind die Wesen der höheren Hierarchien.

[ 18 ] Aber diese Zeit, die mußte ja erst kommen, sozusagen nachdem die Menschheit den tiefen Fall getan hat in den Materialismus, das heißt in den Glauben, daß die Welt keine Gedanken hat.

[ 18 ] Aber diese Zeit, die mußte ja erst kommen, sozusagen nachdem die Menschheit den tiefen Fall getan hat in den Materialismus, das heißt in den Glauben, daß die Welt keine Gedanken hat.

[ 19 ] Man könnte nun versucht sein, denjenigen Menschen, der diese Gedanken sich gebildet hat: Da drinnen die Gedanken können nur Bilder sein des großen Weltendenkens, man könnte versucht sein, diesen Menschen in Flegel zu suchen. Aber es würde doch nicht ganz stimmen; denn Hegel lebte in einer Periode, in der immerhin schon durch dasjenige, was vorangegangen war in Fichtes Opposition gegen Kant, aus, ich möchte sagen, neu erstandenen Keimen eines geistigen Bewußtseins geschöpft werden konnte. Es konnte die Hegelsche Philosophie nicht konzipiert werden, ohne daß schon in das materialistische Zeitalter hinein ein Funke fiel von spirituellem Denken. Wenn auch die Hegelsche Philosophie noch in vieler Beziehung ein rationalistisches Stroh ist, aus dem ausgepreßt ist der Geist, so konnten doch diese Gedanken von der Weltenlogik nur gefaßt werden aus dem Bewußtsein heraus, daß Geist in der Welt ist. Das kann es also nicht sein, was man Hegelsche Philosophie nennt, das kann es nicht sein, wo der tragische Augenblick gekommen wäre, sich zu sagen: In der Welt draußen sind Gedanken, und diese Gedanken sind das wirklich Reale, das richtige, wirkliche Reale... Und wo wäre nun die Zeit, die so weit gediehen war, daß sie sozusagen den Schleier über alles Spirituelle gezogen hatte und sich zugleich sagte: Die Gedanken sind das Reale in der Welt, und hinter diesen Gedanken können keine geistigen Wesen mehr sein? Man brauchte es nicht auszusprechen, man brauchte es nur sozusagen unbewußt zu fühlen, dann stand man da in der Welt und sagte sich: Ja, mit dem individuellen Leben ist es eigentlich nichts! Das individuelle Leben hat doch im Grunde genommen nur einen Wert zwischen Geburt und Tod. Denn dasjenige, was wirklich lebt, sind nicht die Menschengedanken, sondern sind die Weltengedanken, ist eine Weltenintelligenz, aber eine Weltenintelligenz ohne Wesenheit. — Und ich glaube, man könnte sich keine größere Tragik denken, als wenn etwa zu dieser inneren Erkenntnis-Empfindung, sagen wir, ein katholischer Priester gekommen wäre! |

[ 19 ] Man könnte nun versucht sein, denjenigen Menschen, der diese Gedanken sich gebildet hat: Da drinnen die Gedanken können nur Bilder sein des großen Weltendenkens, man könnte versucht sein, diesen Menschen in Flegel zu suchen. Aber es würde doch nicht ganz stimmen; denn Hegel lebte in einer Periode, in der immerhin schon durch dasjenige, was vorangegangen war in Fichtes Opposition gegen Kant, aus, ich möchte sagen, neu erstandenen Keimen eines geistigen Bewußtseins geschöpft werden konnte. Es konnte die Hegelsche Philosophie nicht konzipiert werden, ohne daß schon in das materialistische Zeitalter hinein ein Funke fiel von spirituellem Denken. Wenn auch die Hegelsche Philosophie noch in vieler Beziehung ein rationalistisches Stroh ist, aus dem ausgepreßt ist der Geist, so konnten doch diese Gedanken von der Weltenlogik nur gefaßt werden aus dem Bewußtsein heraus, daß Geist in der Welt ist. Das kann es also nicht sein, was man Hegelsche Philosophie nennt, das kann es nicht sein, wo der tragische Augenblick gekommen wäre, sich zu sagen: In der Welt draußen sind Gedanken, und diese Gedanken sind das wirklich Reale, das richtige, wirkliche Reale... Und wo wäre nun die Zeit, die so weit gediehen war, daß sie sozusagen den Schleier über alles Spirituelle gezogen hatte und sich zugleich sagte: Die Gedanken sind das Reale in der Welt, und hinter diesen Gedanken können keine geistigen Wesen mehr sein? Man brauchte es nicht auszusprechen, man brauchte es nur sozusagen unbewußt zu fühlen, dann stand man da in der Welt und sagte sich: Ja, mit dem individuellen Leben ist es eigentlich nichts! Das individuelle Leben hat doch im Grunde genommen nur einen Wert zwischen Geburt und Tod. Denn dasjenige, was wirklich lebt, sind nicht die Menschengedanken, sondern sind die Weltengedanken, ist eine Weltenintelligenz, aber eine Weltenintelligenz ohne Wesenheit. — Und ich glaube, man könnte sich keine größere Tragik denken, als wenn etwa zu dieser inneren Erkenntnis-Empfindung, sagen wir, ein katholischer Priester gekommen wäre! |

[ 20 ] Dasjenige, was geschieht, geschieht aus Weltennotwendigkeiten heraus. Nehmen wir an, es wäre gar ein katholischer Priester darauf gekommen — er hätte sehr leicht darauf kommen können, denn die Scholastik hat ja das Denken wunderbar geschult, und nur wenn man gedankenloses, nicht geschultes Denken hat, kann man glauben, daß die Gedanken nur im Kopf sind und nicht draußen in der Welt —, dann würde gewissermaßen dieser katholische Priester sich selber den Boden unter den Füßen entzogen haben. Denn er würde durch das, daß er als das Ewige nur die Weltgedanken anerkannt hätte, die ganze Welt weggewischt haben, welche durch die Offenbarung als geistige Welt sozusagen ihm zu glauben vorgeschrieben war.

[ 20 ] Dasjenige, was geschieht, geschieht aus Weltennotwendigkeiten heraus. Nehmen wir an, es wäre gar ein katholischer Priester darauf gekommen — er hätte sehr leicht darauf kommen können, denn die Scholastik hat ja das Denken wunderbar geschult, und nur wenn man gedankenloses, nicht geschultes Denken hat, kann man glauben, daß die Gedanken nur im Kopf sind und nicht draußen in der Welt —, dann würde gewissermaßen dieser katholische Priester sich selber den Boden unter den Füßen entzogen haben. Denn er würde durch das, daß er als das Ewige nur die Weltgedanken anerkannt hätte, die ganze Welt weggewischt haben, welche durch die Offenbarung als geistige Welt sozusagen ihm zu glauben vorgeschrieben war.

[ 21 ] Man kann wirklich sagen: Dasjenige, was durch die Geisteswissenschaft vorausgesetzt werden kann, das geschieht auch in der Welt. Wenn wir irgendwo die Notwendigkeit haben, erst etwas vorauszusetzen als notwendig und wir sagen müssen: ein Moment muß einmal in der Welt dagewesen sein, wo man so etwas gefühlt hat —, dann ist er auch dagewesen, dieser Moment, ganz gewiß dagewesen. Und selbst wenn er ganz unberücksichtigt vorübergegangen ist, so ist er dagewesen.

[ 21 ] Man kann wirklich sagen: Dasjenige, was durch die Geisteswissenschaft vorausgesetzt werden kann, das geschieht auch in der Welt. Wenn wir irgendwo die Notwendigkeit haben, erst etwas vorauszusetzen als notwendig und wir sagen müssen: ein Moment muß einmal in der Welt dagewesen sein, wo man so etwas gefühlt hat —, dann ist er auch dagewesen, dieser Moment, ganz gewiß dagewesen. Und selbst wenn er ganz unberücksichtigt vorübergegangen ist, so ist er dagewesen.

[ 22 ] Ich möchte auf diesen Moment hinweisen, diesen Moment, wo man so recht sehen kann, wie in einen Konflikt kommt dasjenige, was noch nicht da ist, aber sich vorbereiten will, Anerkennung will, Anerkennung der Weltgedanken, aber noch nichts wissen will von dem, was hinter diesen Weltgedanken als die Welt der höheren Hierarchien ist.

[ 22 ] Ich möchte auf diesen Moment hinweisen, diesen Moment, wo man so recht sehen kann, wie in einen Konflikt kommt dasjenige, was noch nicht da ist, aber sich vorbereiten will, Anerkennung will, Anerkennung der Weltgedanken, aber noch nichts wissen will von dem, was hinter diesen Weltgedanken als die Welt der höheren Hierarchien ist.

[ 23 ] 1769 erschien in London eine Broschüre «Lettres sur l’esprit du siècle». Da waren Anspielungen auf solch eine Stimmung darinnen, wie ich sie charakterisiert habe. Und 1770 erschien in Brüssel eine andere Broschüre «Système de la nature. La voix delaraison du temps et particulièrement contre celle de l’autre système de la nature.» Dieses «Autre système de la nature» war dasjenige von Baron Holbach, gegen das sich diese Broschüre gerade richtet. Diese Broschüre sagte, sie wolle auftreten gegen dasjenige, was Baron Holbach als Materialist in seinem System der Natur vertrat. Aber die zwei Broschüren wurden kaum gelesen, ganz vergessen.

[ 23 ] 1769 erschien in London eine Broschüre «Lettres sur l’esprit du siècle». Da waren Anspielungen auf solch eine Stimmung darinnen, wie ich sie charakterisiert habe. Und 1770 erschien in Brüssel eine andere Broschüre «Système de la nature. La voix delaraison du temps et particulièrement contre celle de l’autre système de la nature.» Dieses «Autre système de la nature» war dasjenige von Baron Holbach, gegen das sich diese Broschüre gerade richtet. Diese Broschüre sagte, sie wolle auftreten gegen dasjenige, was Baron Holbach als Materialist in seinem System der Natur vertrat. Aber die zwei Broschüren wurden kaum gelesen, ganz vergessen.

[ 24 ] Nun stellte sich aber das Merkwürdige heraus, daß 1865 ein schönes Buch erschien, in Poitiers, von Professor Beaussire, mit dem Titel «Antécédents de Hégélianisme dans la philosophie Française». Dieses Buch, das 1865 erschienen ist, war ein zweibändiges Werk und war etwas früher geschrieben worden als die beiden genannten Broschüren, also etwa in den Jahren 1760 — 1770 und rührte her von dem Benediktinermönch Leodegar Maria Deschamps, der 1733 in Rennes geboren und 1774 als Prior eines Benediktinerklosters in Poitou gestorben ist. Der erste Band enthielt dasjenige, was Deschamps dazumal genannt hat: «Le vrai système.» Er ist, zusammen mit Teilen des zweiten Bandes, erst 1865 erschienen. So lange lag er als Manuskript in der Bibliothek von Poitiers. Kein Mensch hat sich darum gekümmert, mit Ausnahme eben der Zeit, in der es geschrieben worden ist. Dasjenige, was Deschamps — denn von ihm rührten auch die beiden Broschüren her, von welchen ich gesprochen habe —, was Deschamps ausdrücken wollte, 1769 und 1770, das ist nun ausgedrückt in einem starken ersten Band, der nach einem Jahrhundert also herausgegeben ist von Professor Beaussire; das ist da enthalten. Und der zweite Band enthielt eine ausführliche Korrespondenz und eine Darstellung über all die Bemühungen, die sich Deschamps damals gegeben hat — versetzen wir uns in die Zeit, zu der das war: nämlich vor Ausbruch der Französischen Revolution —, schilderte all die Bemühungen, die Deschamps gemacht hat, um sein «vrai système» irgendwie zum Durchbruch zu bringen. Wir erfahren da, daß der Mann wirklich, ich möchte sagen, zwischen zwei Feuern gestanden hat: Das eine war, daß man ihm überall, wo man sein «vrai système» kennenlernte, bedeutete, daß er als Priester unbedingt den härtesten Strafen verfallen würde, wenn der Kirche das «système» irgendwie bekannt würde. Auf der anderen Seite interessierten sich aber auch die sogenannten Freigeister sehr wenig für seine Schrift. Sie faßten Interesse, aber sie alle wollten nicht einmal das tun, was er erbat: einen Verleger verschaffen. Rousseau, Robinet, Voltaire, der feinsinnige Abbé Yvon, Barthélemy, auch Diderot, sie alle kannten dieses «vrai système». Diderot wurde es sogar in seinem Salon vorgelesen. Er verstand es nicht gleich und wollte es daher zum Durchlesen behalten; aber der gute Priester Deschamps war so ängstlich, daß er es wieder mitnahm, weil er es nicht in andere Hände geben wollte. So war er immer zwischen diesen zwei Dingen: auf der einen Seite sollte sein «vrai système» ja nicht bekannt werden; auf der anderen Seite wollte er, daß es nun wirklich von der Menschheit Besitz ergreife.

[ 24 ] Nun stellte sich aber das Merkwürdige heraus, daß 1865 ein schönes Buch erschien, in Poitiers, von Professor Beaussire, mit dem Titel «Antécédents de Hégélianisme dans la philosophie Française». Dieses Buch, das 1865 erschienen ist, war ein zweibändiges Werk und war etwas früher geschrieben worden als die beiden genannten Broschüren, also etwa in den Jahren 1760 — 1770 und rührte her von dem Benediktinermönch Leodegar Maria Deschamps, der 1733 in Rennes geboren und 1774 als Prior eines Benediktinerklosters in Poitou gestorben ist. Der erste Band enthielt dasjenige, was Deschamps dazumal genannt hat: «Le vrai système.» Er ist, zusammen mit Teilen des zweiten Bandes, erst 1865 erschienen. So lange lag er als Manuskript in der Bibliothek von Poitiers. Kein Mensch hat sich darum gekümmert, mit Ausnahme eben der Zeit, in der es geschrieben worden ist. Dasjenige, was Deschamps — denn von ihm rührten auch die beiden Broschüren her, von welchen ich gesprochen habe —, was Deschamps ausdrücken wollte, 1769 und 1770, das ist nun ausgedrückt in einem starken ersten Band, der nach einem Jahrhundert also herausgegeben ist von Professor Beaussire; das ist da enthalten. Und der zweite Band enthielt eine ausführliche Korrespondenz und eine Darstellung über all die Bemühungen, die sich Deschamps damals gegeben hat — versetzen wir uns in die Zeit, zu der das war: nämlich vor Ausbruch der Französischen Revolution —, schilderte all die Bemühungen, die Deschamps gemacht hat, um sein «vrai système» irgendwie zum Durchbruch zu bringen. Wir erfahren da, daß der Mann wirklich, ich möchte sagen, zwischen zwei Feuern gestanden hat: Das eine war, daß man ihm überall, wo man sein «vrai système» kennenlernte, bedeutete, daß er als Priester unbedingt den härtesten Strafen verfallen würde, wenn der Kirche das «système» irgendwie bekannt würde. Auf der anderen Seite interessierten sich aber auch die sogenannten Freigeister sehr wenig für seine Schrift. Sie faßten Interesse, aber sie alle wollten nicht einmal das tun, was er erbat: einen Verleger verschaffen. Rousseau, Robinet, Voltaire, der feinsinnige Abbé Yvon, Barthélemy, auch Diderot, sie alle kannten dieses «vrai système». Diderot wurde es sogar in seinem Salon vorgelesen. Er verstand es nicht gleich und wollte es daher zum Durchlesen behalten; aber der gute Priester Deschamps war so ängstlich, daß er es wieder mitnahm, weil er es nicht in andere Hände geben wollte. So war er immer zwischen diesen zwei Dingen: auf der einen Seite sollte sein «vrai système» ja nicht bekannt werden; auf der anderen Seite wollte er, daß es nun wirklich von der Menschheit Besitz ergreife.

[ 25 ] Nun schauen wir uns einmal dasjenige an, was Deschamps in seinem ersten Bande als sein «vrai système» darstellte. Er stellte wirklich dasjenige dar, wovon ich eben gesprochen habe, daß es einmal auftreten mußte. Er nennt dasjenige, was da drinnen ist im Kopfe (siehe Zeichnung S. 40), indem er es als Kraft bezeichnet, «intelligence»; und er nennt dasjenige, was da draußen ist, was ich hier grün gezeichnet habe, «entendementw. Und das Bedeutsame ist, daß er erkannte: Ja, wenn man da nun dieses ganze Gedankenmassiv der Welt ins geistige Auge faßt, so ist es ein Gewebe von Weltengedanken. Schaut man nur den einzelnen Gegenstand an, so hat er eigentlich nur einen Sinn dadurch, daß er sich in das ganze Gewebe von Weltengedanken hineinstellt. Er ist im Grunde genommen für sich nichts. Das, was etwas ist, was da ist, ist das ganze Gewebe von Weltengedanken.

[ 25 ] Nun schauen wir uns einmal dasjenige an, was Deschamps in seinem ersten Bande als sein «vrai système» darstellte. Er stellte wirklich dasjenige dar, wovon ich eben gesprochen habe, daß es einmal auftreten mußte. Er nennt dasjenige, was da drinnen ist im Kopfe (siehe Zeichnung S. 40), indem er es als Kraft bezeichnet, «intelligence»; und er nennt dasjenige, was da draußen ist, was ich hier grün gezeichnet habe, «entendementw. Und das Bedeutsame ist, daß er erkannte: Ja, wenn man da nun dieses ganze Gedankenmassiv der Welt ins geistige Auge faßt, so ist es ein Gewebe von Weltengedanken. Schaut man nur den einzelnen Gegenstand an, so hat er eigentlich nur einen Sinn dadurch, daß er sich in das ganze Gewebe von Weltengedanken hineinstellt. Er ist im Grunde genommen für sich nichts. Das, was etwas ist, was da ist, ist das ganze Gewebe von Weltengedanken.

Diagram 1Diagram 1

[ 26 ] Und deshalb unterscheidet Deschamps «le tout» und «tout». «Le tout» nennt er das ganze Gedankenwesen der Welt, und er unterscheidet «le tout» vom «tout». Das erste ist die Summe von allen Einzelheiten. Ein feiner Unterschied, wie Sie sehen. «Le tout», das ist das Ganze, das All, das Universum, der Kosmos; «tout» ist alles, was als eine Einzelheit betrachtet wird. Aber das, was als Einzelheiten betrachtet wird, ist zugleich, wie er sagt, «rien»; «tout» ist «rien»; das ist eine Gleichung. Aber «le tout», das bedeutet in seinem Sinn: Gedankenuniversum.

[ 26 ] Und deshalb unterscheidet Deschamps «le tout» und «tout». «Le tout» nennt er das ganze Gedankenwesen der Welt, und er unterscheidet «le tout» vom «tout». Das erste ist die Summe von allen Einzelheiten. Ein feiner Unterschied, wie Sie sehen. «Le tout», das ist das Ganze, das All, das Universum, der Kosmos; «tout» ist alles, was als eine Einzelheit betrachtet wird. Aber das, was als Einzelheiten betrachtet wird, ist zugleich, wie er sagt, «rien»; «tout» ist «rien»; das ist eine Gleichung. Aber «le tout», das bedeutet in seinem Sinn: Gedankenuniversum.

[ 27 ] Die mehr materialistisch gesinnten Geister wie Robinet und seinesgleichen, die konnten nicht begreifen, was er eigentlich meinte. Und so konnte man ihn gar nicht verstehen. So konnte es dann kommen, weil sozusagen der materialistische Hang schon da war, daß man die Werke dieses Benediktiner-Priors vermodern ließ. Denn, nicht wahr, daß schließlich 1865 ein Professor das Werk herausgegeben hat -, ist ja schließlich nichts Besonderes. Das tat man nämlich immer, daß man solche alten Scharteken - haben sie nun was immer für einen Inhalt - sammelt und herausgibt.

[ 27 ] Die mehr materialistisch gesinnten Geister wie Robinet und seinesgleichen, die konnten nicht begreifen, was er eigentlich meinte. Und so konnte man ihn gar nicht verstehen. So konnte es dann kommen, weil sozusagen der materialistische Hang schon da war, daß man die Werke dieses Benediktiner-Priors vermodern ließ. Denn, nicht wahr, daß schließlich 1865 ein Professor das Werk herausgegeben hat -, ist ja schließlich nichts Besonderes. Das tat man nämlich immer, daß man solche alten Scharteken - haben sie nun was immer für einen Inhalt - sammelt und herausgibt.

[ 28 ] Also es ist die Zeit, die heraufziehen sollte, die Zeit des Materialismus hinweggegangen über dasjenige, was in der einsamen Seele, dem einsamen Geiste eines Benediktiner-Priors Platz gegriffen hatte.

[ 28 ] Also es ist die Zeit, die heraufziehen sollte, die Zeit des Materialismus hinweggegangen über dasjenige, was in der einsamen Seele, dem einsamen Geiste eines Benediktiner-Priors Platz gegriffen hatte.

[ 29 ] Es ist der heutigen Menschheit wahrscheinlich schwer, wenn sie nun lernen soll, sich tiefer hineinzufinden in die entsprechenden Ausdrücke, die wirklich ganz wunderbare Ausdrücke sind, namentlich durch die Art, wie hier eines zum anderen gestellt wird: «tout, rien» nennt er zugleich, indem er weiter geht die Welt zu bezeichnen, «être sensible»; und dann bildet er den Ausdruck «néantisme» auch «rienisme», ja sogar «néanteté» und «rienité». Und jetzt betrachten Sie das Verhältnis zwischen néantisme, rienisme, néanteté, rienité, und dem, was wir Maja nennen, und Sie werden sehen, wie nahe alle diese Dinge einander stehen, und wie da verschwindet in das Zeitalter des Materialismus hinein, ich möchte sagen, das, was instinktiv noch vorhanden war aus dem früheren Bewußtsein des Hineinschauens in eine geistige Welt, von dem der letzte Rest geblieben ist: «le tout», die kosmische Gedankenwelt.

[ 29 ] Es ist der heutigen Menschheit wahrscheinlich schwer, wenn sie nun lernen soll, sich tiefer hineinzufinden in die entsprechenden Ausdrücke, die wirklich ganz wunderbare Ausdrücke sind, namentlich durch die Art, wie hier eines zum anderen gestellt wird: «tout, rien» nennt er zugleich, indem er weiter geht die Welt zu bezeichnen, «être sensible»; und dann bildet er den Ausdruck «néantisme» auch «rienisme», ja sogar «néanteté» und «rienité». Und jetzt betrachten Sie das Verhältnis zwischen néantisme, rienisme, néanteté, rienité, und dem, was wir Maja nennen, und Sie werden sehen, wie nahe alle diese Dinge einander stehen, und wie da verschwindet in das Zeitalter des Materialismus hinein, ich möchte sagen, das, was instinktiv noch vorhanden war aus dem früheren Bewußtsein des Hineinschauens in eine geistige Welt, von dem der letzte Rest geblieben ist: «le tout», die kosmische Gedankenwelt.

[ 30 ] Man muß selbstverständlich bei einem solchen Denker die Größe auch dann anerkennen, wenn er einem 150 oder 160 Jahre später nicht mehr zusagen kann. So bin ich ja überzeugt, daß wenn etwa unsere lieben weiblichen Freunde diese zwei Bände sich nun aus irgendeiner Bibliothek verschaffen würden, und würden sich durch den schweren philosophischen Teil der ersten Hälfte des ersten Bandes hindurchgearbeitet haben und dann die zweite Hälfte des ersten Bandes lesen, so würden sie leise wütend werden über die Ansichten, die nun Deschamps über die Stellung der Frau entwickelt, denn darüber hat er verzweifelt unmoderne Anschauungen und betrachtet, ganz im Sinne Platos, die Frau vom Gesichtspunkte des Kommunismus. Also wir dürfen nicht etwa alles in Bausch und Bogen nehmen wollen, was bei Deschamps sich findet. Aber wodurch er eine so interessante Persönlichkeit ist, das müssen wir ins Auge fassen, gerade wenn wir den Fortgang der Entwickelung der Menschheit betrachten wollen. Das Wichtige ist aber, daß wir an ihm gleichsam verglimmen sehen eine geistgemäße Anschauung. Er wird nicht einmal gelesen, man kann sogar sagen: nicht einmal gedruckt, trotzdem ihn die bedeutendsten Geister seiner Zeit kannten. Selbst ein so großer Geist wie Diderot hat nicht einmal die Veranlassung gefunden, irgendeine Empfehlung zum Druck zu geben. Das alles ist eben hineinversunken in den heraufkommenden Materialismus,

[ 30 ] Man muß selbstverständlich bei einem solchen Denker die Größe auch dann anerkennen, wenn er einem 150 oder 160 Jahre später nicht mehr zusagen kann. So bin ich ja überzeugt, daß wenn etwa unsere lieben weiblichen Freunde diese zwei Bände sich nun aus irgendeiner Bibliothek verschaffen würden, und würden sich durch den schweren philosophischen Teil der ersten Hälfte des ersten Bandes hindurchgearbeitet haben und dann die zweite Hälfte des ersten Bandes lesen, so würden sie leise wütend werden über die Ansichten, die nun Deschamps über die Stellung der Frau entwickelt, denn darüber hat er verzweifelt unmoderne Anschauungen und betrachtet, ganz im Sinne Platos, die Frau vom Gesichtspunkte des Kommunismus. Also wir dürfen nicht etwa alles in Bausch und Bogen nehmen wollen, was bei Deschamps sich findet. Aber wodurch er eine so interessante Persönlichkeit ist, das müssen wir ins Auge fassen, gerade wenn wir den Fortgang der Entwickelung der Menschheit betrachten wollen. Das Wichtige ist aber, daß wir an ihm gleichsam verglimmen sehen eine geistgemäße Anschauung. Er wird nicht einmal gelesen, man kann sogar sagen: nicht einmal gedruckt, trotzdem ihn die bedeutendsten Geister seiner Zeit kannten. Selbst ein so großer Geist wie Diderot hat nicht einmal die Veranlassung gefunden, irgendeine Empfehlung zum Druck zu geben. Das alles ist eben hineinversunken in den heraufkommenden Materialismus,

[ 31 ] Sie sehen daraus, wie wir kraftvoll und energisch arbeiten müssen. Denn es handelt sich ja um nichts Geringeres, als einen neuen Impuls zu bringen der geistigen Entwickelung der Menschheit gegenüber dem, was, ich möchte sagen, so sicher und so stark heraufgekommen ist, daß es alles, von einem bestimmten Zeitpunkte an, totgetreten hat, was noch an etwas anderes erinnerte, als an eine mehr oder weniger materialistisch gefaßte Weltanschauung.

[ 31 ] Sie sehen daraus, wie wir kraftvoll und energisch arbeiten müssen. Denn es handelt sich ja um nichts Geringeres, als einen neuen Impuls zu bringen der geistigen Entwickelung der Menschheit gegenüber dem, was, ich möchte sagen, so sicher und so stark heraufgekommen ist, daß es alles, von einem bestimmten Zeitpunkte an, totgetreten hat, was noch an etwas anderes erinnerte, als an eine mehr oder weniger materialistisch gefaßte Weltanschauung.

[ 32 ] Und Tragik war wirklich in dieser Persönlichkeit Deschamps. Denn er war ja Benediktinerpriester. Und das Kuriose war dies: der Baron Holbach sagte in seinem «System der Natur»: Die Religion ist das Schädlichste, was das Menschengeschlecht haben kann, Religion ist der größte Betrug, und müßte so schnell wie möglich ausgerottet werden —; demgegenüber sagte Deschamps: Nein, «le vrai systeme» muß angenommen werden, und wenn die Menschen «le vrai systeme» annehmen, dann wird die Religion verschwinden. Sie muß solange aber erhalten bleiben, bis die Menschen «le vrai systeme» angenommen haben. Dann entfallen sozusagen all die Offenbarungswahrheiten, die dahinterstehen, und es setzt sich an deren Stelle das Gewebe von Weltengedanken. — Also dieser Priester, der außerdem jeden Tag seine Konviktsbuben den Katechismus und all dasjenige lehren mußte, was die Religion an Inhalt hatte, der wartete, bis sein «vrai systeme» allgemeines Menschengut werden, und die Religion dadurch verschwinden würde! Darin liegt etwas im höchsten Grade Tragisches.

[ 32 ] Und Tragik war wirklich in dieser Persönlichkeit Deschamps. Denn er war ja Benediktinerpriester. Und das Kuriose war dies: der Baron Holbach sagte in seinem «System der Natur»: Die Religion ist das Schädlichste, was das Menschengeschlecht haben kann, Religion ist der größte Betrug, und müßte so schnell wie möglich ausgerottet werden —; demgegenüber sagte Deschamps: Nein, «le vrai systeme» muß angenommen werden, und wenn die Menschen «le vrai systeme» annehmen, dann wird die Religion verschwinden. Sie muß solange aber erhalten bleiben, bis die Menschen «le vrai systeme» angenommen haben. Dann entfallen sozusagen all die Offenbarungswahrheiten, die dahinterstehen, und es setzt sich an deren Stelle das Gewebe von Weltengedanken. — Also dieser Priester, der außerdem jeden Tag seine Konviktsbuben den Katechismus und all dasjenige lehren mußte, was die Religion an Inhalt hatte, der wartete, bis sein «vrai systeme» allgemeines Menschengut werden, und die Religion dadurch verschwinden würde! Darin liegt etwas im höchsten Grade Tragisches.

[ 33 ] Wenn wir heute der äußeren Welt gegenüberstehen, die ja vielfach glaubt, schon über den Materialismus hinaus zu sein, die sich aber in dieser Beziehung furchtbar täuscht, dann handelt es sich ja natürlich vorzugsweise darum, nun zunächst den Gedanken wiederum den Menschen beizubringen, daß dasjenige, was wir als Wahrnehmungswelt in uns haben, eine Spiegelung der Wahrheit ist, und daß wir eigentlich mit unserem wahren Geistig-Seelischen immer außerhalb unseres Leibes sind. Ich habe dies schon einmal hier in anderem Zusammenhange auseinandergesetzt. Ich habe auch damals darauf aufmerksam gemacht, daß ich ja erkenntnistheoretisch rein philosophisch dies vertreten habe am letzten Philosophenkongreß von Bologna. Nur hat leider dazumal niemand von den Philosophen etwas davon verstanden, was eigentlich philosophisch gemeint sein soll. Sogar der Vorsitzende des Kongresses, der berühmte Philosoph Paul Deußen, gehört dazu. Er sagte nach meiner Rede nur: Ja, von Theosophie habe ich schon etwas gehört. Ich habe eine Broschüre, die Franz Hartmann gegen die Theosophie geschrieben hat, gelesen. — Das war es, was dazumal Deußen zu sagen wußte auf meinen Vortrag, Deußen, einer, der, wie Sie wissen, bekanntesten und auf dem Gebiete der Indologie sogar am meisten verehrten Philosophen der Gegenwart.

[ 33 ] Wenn wir heute der äußeren Welt gegenüberstehen, die ja vielfach glaubt, schon über den Materialismus hinaus zu sein, die sich aber in dieser Beziehung furchtbar täuscht, dann handelt es sich ja natürlich vorzugsweise darum, nun zunächst den Gedanken wiederum den Menschen beizubringen, daß dasjenige, was wir als Wahrnehmungswelt in uns haben, eine Spiegelung der Wahrheit ist, und daß wir eigentlich mit unserem wahren Geistig-Seelischen immer außerhalb unseres Leibes sind. Ich habe dies schon einmal hier in anderem Zusammenhange auseinandergesetzt. Ich habe auch damals darauf aufmerksam gemacht, daß ich ja erkenntnistheoretisch rein philosophisch dies vertreten habe am letzten Philosophenkongreß von Bologna. Nur hat leider dazumal niemand von den Philosophen etwas davon verstanden, was eigentlich philosophisch gemeint sein soll. Sogar der Vorsitzende des Kongresses, der berühmte Philosoph Paul Deußen, gehört dazu. Er sagte nach meiner Rede nur: Ja, von Theosophie habe ich schon etwas gehört. Ich habe eine Broschüre, die Franz Hartmann gegen die Theosophie geschrieben hat, gelesen. — Das war es, was dazumal Deußen zu sagen wußte auf meinen Vortrag, Deußen, einer, der, wie Sie wissen, bekanntesten und auf dem Gebiete der Indologie sogar am meisten verehrten Philosophen der Gegenwart.

[ 34 ] Wir müssen uns aber klar sein darüber, daß es wirklich die erste Stufe sein muß: dieses eigentümliche Verhältnis des Geistig-Seelischen zu dem Leiblichen zunächst dem Weltenbewußtsein der Menschheit plausibel zu machen. Dann wird schon der Geist, der da wirkt im Entwickelungsgange der Menschheit, es dahin bringen, daß die Menschen eben mehr erkennen werden, als man im 18. Jahrhundert erkennen konnte, daß die Menschen sehen werden hinter dem «entendement» die Hierarchien und wissen, daß das «entendement» dasjenige ist, was die Hierarchien als den Gedankeninhalt der Welt ausleben, so wie wir durch unsere Wesenheit die Intelligenz, «intelligence» ausleben.

[ 34 ] Wir müssen uns aber klar sein darüber, daß es wirklich die erste Stufe sein muß: dieses eigentümliche Verhältnis des Geistig-Seelischen zu dem Leiblichen zunächst dem Weltenbewußtsein der Menschheit plausibel zu machen. Dann wird schon der Geist, der da wirkt im Entwickelungsgange der Menschheit, es dahin bringen, daß die Menschen eben mehr erkennen werden, als man im 18. Jahrhundert erkennen konnte, daß die Menschen sehen werden hinter dem «entendement» die Hierarchien und wissen, daß das «entendement» dasjenige ist, was die Hierarchien als den Gedankeninhalt der Welt ausleben, so wie wir durch unsere Wesenheit die Intelligenz, «intelligence» ausleben.

[ 35 ] Manches aber wird notwendigerweise verbunden sein mit diesem Umschwung im geistigen Bewußtsein der Menschheit, von dem wir ja jetzt immer und auch in diesen Tagen in einem gewissen Zusammenhange gesprochen haben. Denn darauf kommt es ja vor allen Dingen bei uns an — ich muß es immer wieder und wiederum betonen —, daß wir nicht bloß ein Wissen in uns aufnehmen, sondern daß wir mit allen Fasern unseres geistig-seelischen Wesens uns verbinden mit den Ergebnissen der Geistesforschung: so daß wir lernen, im Sinne der geistigen Forschung zu denken, im Sinne der geistigen Forschung zu empfinden und zu fühlen. Dann mögen wir stehen, wo wir wollen im Leben, wo uns das Karma hingestellt hat ob wir eine mehr materielle oder eine mehr geistige Beschäftigung haben —, wir werden dasjenige, das in uns spirituell empfunden, gefühlt und gedacht ist, in die einzelnen Verzweigungen des Lebens wirklich hineintragen.

[ 35 ] Manches aber wird notwendigerweise verbunden sein mit diesem Umschwung im geistigen Bewußtsein der Menschheit, von dem wir ja jetzt immer und auch in diesen Tagen in einem gewissen Zusammenhange gesprochen haben. Denn darauf kommt es ja vor allen Dingen bei uns an — ich muß es immer wieder und wiederum betonen —, daß wir nicht bloß ein Wissen in uns aufnehmen, sondern daß wir mit allen Fasern unseres geistig-seelischen Wesens uns verbinden mit den Ergebnissen der Geistesforschung: so daß wir lernen, im Sinne der geistigen Forschung zu denken, im Sinne der geistigen Forschung zu empfinden und zu fühlen. Dann mögen wir stehen, wo wir wollen im Leben, wo uns das Karma hingestellt hat ob wir eine mehr materielle oder eine mehr geistige Beschäftigung haben —, wir werden dasjenige, das in uns spirituell empfunden, gefühlt und gedacht ist, in die einzelnen Verzweigungen des Lebens wirklich hineintragen.

[ 36 ] Und das muß ja gesagt werden: Wer einen Fortgang, einen wirklichen Fortschritt der Kultur von etwas anderem erwartet als von einer solch spirituellen Vertiefung der Menschheit, der wird ihn vergebens erwarten, wenn es nach ihm gehen müßte. Dasjenige, was die Menschheit wirklich weiterbringt, wird nur diese spirituelle Vertiefung sein; denn die Ereignisse, die sonst geschehen, sie werden nur zu einem gedeihlichen Ende gebracht werden können, wenn es möglichst viele Seelen gibt, welche spirituell fühlen, empfinden und denken können. Zusammentreffen muß das spirituelle Denken mit demjenigen, was sonst in der Welt geschieht, wenn Fortschritt sein soll in der Zukunft der Kultur.

[ 36 ] Und das muß ja gesagt werden: Wer einen Fortgang, einen wirklichen Fortschritt der Kultur von etwas anderem erwartet als von einer solch spirituellen Vertiefung der Menschheit, der wird ihn vergebens erwarten, wenn es nach ihm gehen müßte. Dasjenige, was die Menschheit wirklich weiterbringt, wird nur diese spirituelle Vertiefung sein; denn die Ereignisse, die sonst geschehen, sie werden nur zu einem gedeihlichen Ende gebracht werden können, wenn es möglichst viele Seelen gibt, welche spirituell fühlen, empfinden und denken können. Zusammentreffen muß das spirituelle Denken mit demjenigen, was sonst in der Welt geschieht, wenn Fortschritt sein soll in der Zukunft der Kultur.

[ 37 ] Das, was als Karma des Materialismus sich ausleben muß, das erleben Sie jetzt, wenn Sie Umschau halten über dasjenige, was in der Welt geschieht. Es ist das sich auslebende Karma des Materialismus. Und derjenige, der in die Dinge hineinschauen kann, wird in allen Einzelheiten finden — selbst in allen Einzelheiten — das sich auslebende Karma des Materialismus.

[ 37 ] Das, was als Karma des Materialismus sich ausleben muß, das erleben Sie jetzt, wenn Sie Umschau halten über dasjenige, was in der Welt geschieht. Es ist das sich auslebende Karma des Materialismus. Und derjenige, der in die Dinge hineinschauen kann, wird in allen Einzelheiten finden — selbst in allen Einzelheiten — das sich auslebende Karma des Materialismus.

[ 38 ] Finden wird man den Weg in eine gedeihliche Zukunft hinein nur, wenn man sich zurecht findet durch das, was, ich möchte sagen, unter der Führung des Christus, im Gleichgewicht zwischen Ahriman und Luzifer, sich für das Empfinden der Seele ergibt, wenn man dieses Empfinden der Seele orientiert an den Ergebnissen der Geisteswissenschaft. Und man darf sich keiner Illusion darüber hingeben, daß dieses Empfinden und Fühlen wirklich nur aus der Geisteswissenschaft geholt werden muß, und daß ihm alles andere in der gegenwärtigen Welt entgegen ist, und daß wir uns selber der Geisteswissenschaft entgegenstellen, wenn wir uns nicht dazu bereit finden, gewissermaßen uns ganz in ihren Sinn hinein zu begeben. Denn sie allein hat es in bezug auf die gegenwärtige Menschheit mit dem Menschen als solchem zu tun, wirklich mit dem Menschen als solchem. Alles geht ja in der gegenwärtigen Menschheit dem Ziele zu, diesen Menschen als solchen zu verleugnen und anderes als den Menschen hinzustellen als dasjenige, für das man kämpfen, für das man arbeiten, an das man denken soll.

[ 38 ] Finden wird man den Weg in eine gedeihliche Zukunft hinein nur, wenn man sich zurecht findet durch das, was, ich möchte sagen, unter der Führung des Christus, im Gleichgewicht zwischen Ahriman und Luzifer, sich für das Empfinden der Seele ergibt, wenn man dieses Empfinden der Seele orientiert an den Ergebnissen der Geisteswissenschaft. Und man darf sich keiner Illusion darüber hingeben, daß dieses Empfinden und Fühlen wirklich nur aus der Geisteswissenschaft geholt werden muß, und daß ihm alles andere in der gegenwärtigen Welt entgegen ist, und daß wir uns selber der Geisteswissenschaft entgegenstellen, wenn wir uns nicht dazu bereit finden, gewissermaßen uns ganz in ihren Sinn hinein zu begeben. Denn sie allein hat es in bezug auf die gegenwärtige Menschheit mit dem Menschen als solchem zu tun, wirklich mit dem Menschen als solchem. Alles geht ja in der gegenwärtigen Menschheit dem Ziele zu, diesen Menschen als solchen zu verleugnen und anderes als den Menschen hinzustellen als dasjenige, für das man kämpfen, für das man arbeiten, an das man denken soll.

[ 39 ] Sie wissen ja, meine lieben Freunde, aus welchen Gründen ich auf Einzelheiten unserer Zeiterscheinungen seit Weihnachten nicht mehr eingehen kann. Aber im allgemeinen muß immer wieder und wiederum wenigstens an die Empfindungswelt derer, die im Bereich der Geisteswissenschaft stehen wollen, appelliert werden: Größtes in der neueren Entwickelung, das Keime enthält für das, was die Menschheit erlangen muß. Größtes ist dadurch erreicht worden, daß zurücktrat in gewissen Strömungen der Menschheitskultur dasjenige, was bloß nationale Kultur, was bloß nationale Aspiration genannt werden kann. Denn der wahre innere Zug geht dahin, daß das Nationale durch das Geistige im Entwickelungsgang der Menschheit überwunden wird. Entgegen dem Fortschritte der Menschheit arbeitet alles das, was auf Vereinheitlichung von Weltterritorien unter nationalen Gesichtspunkten arbeitet. Gerade dort kann sich zuweilen im schönsten Maße entwickeln dasjenige, was vorwärts führt, wo abgeschlossen — von einem Gesamtmassiv getrennt — ein Teil einer Nationalität lebt, von der großen Masse der Nationalität abgesondert. Wie etwa wirklich Bedeutsames geleistet wurde dadurch, daf3 es außer den Deutschen im Deutschen Reiche noch Deutsche in Österreich und Deutsche in der Schweiz — abgesondert von den Deutschen im Deutschen Reiche, gibt. Und es wäre entgegen nicht nur dem Fortgange dessen, was man sonst denkt, sondern entgegen der Idee des Fortschritts, zu denken, daß eine Uniformität unter einem nationalen Grundgedanken diese drei Glieder in einer einzigen Nationalität zusammenschließen sollte mit Außerachtlassung eben des Großen, das gerade durch die äußere politische Trennung kommt. Und man kann gar nicht ahnen, wie unendlich bitter und traurig es ist, wenn der nationale Gesichtspunkt für die Bildung von politischen Zusammenhängen als der einzige von gewissen Seiten her heute geltend gemacht wird, wenn von nationalen Gesichtspunkten aus geradezu Abgrenzungen erstrebt werden, Absonderungen erstrebt werden. Man kann aller Politik fernstehen, aber in Trauer verfallen, wenn dieser allen wirklichen Fortschrittskräften widerstrebende Gedanke in den Vordergrund tritt.

[ 39 ] Sie wissen ja, meine lieben Freunde, aus welchen Gründen ich auf Einzelheiten unserer Zeiterscheinungen seit Weihnachten nicht mehr eingehen kann. Aber im allgemeinen muß immer wieder und wiederum wenigstens an die Empfindungswelt derer, die im Bereich der Geisteswissenschaft stehen wollen, appelliert werden: Größtes in der neueren Entwickelung, das Keime enthält für das, was die Menschheit erlangen muß. Größtes ist dadurch erreicht worden, daß zurücktrat in gewissen Strömungen der Menschheitskultur dasjenige, was bloß nationale Kultur, was bloß nationale Aspiration genannt werden kann. Denn der wahre innere Zug geht dahin, daß das Nationale durch das Geistige im Entwickelungsgang der Menschheit überwunden wird. Entgegen dem Fortschritte der Menschheit arbeitet alles das, was auf Vereinheitlichung von Weltterritorien unter nationalen Gesichtspunkten arbeitet. Gerade dort kann sich zuweilen im schönsten Maße entwickeln dasjenige, was vorwärts führt, wo abgeschlossen — von einem Gesamtmassiv getrennt — ein Teil einer Nationalität lebt, von der großen Masse der Nationalität abgesondert. Wie etwa wirklich Bedeutsames geleistet wurde dadurch, daf3 es außer den Deutschen im Deutschen Reiche noch Deutsche in Österreich und Deutsche in der Schweiz — abgesondert von den Deutschen im Deutschen Reiche, gibt. Und es wäre entgegen nicht nur dem Fortgange dessen, was man sonst denkt, sondern entgegen der Idee des Fortschritts, zu denken, daß eine Uniformität unter einem nationalen Grundgedanken diese drei Glieder in einer einzigen Nationalität zusammenschließen sollte mit Außerachtlassung eben des Großen, das gerade durch die äußere politische Trennung kommt. Und man kann gar nicht ahnen, wie unendlich bitter und traurig es ist, wenn der nationale Gesichtspunkt für die Bildung von politischen Zusammenhängen als der einzige von gewissen Seiten her heute geltend gemacht wird, wenn von nationalen Gesichtspunkten aus geradezu Abgrenzungen erstrebt werden, Absonderungen erstrebt werden. Man kann aller Politik fernstehen, aber in Trauer verfallen, wenn dieser allen wirklichen Fortschrittskräften widerstrebende Gedanke in den Vordergrund tritt.

[ 40 ] Ein trauriges Pfingsten, an welchem solche Worte sich aus der Seele herausdrängen, meine lieben Freunde!

[ 40 ] Ein trauriges Pfingsten, an welchem solche Worte sich aus der Seele herausdrängen, meine lieben Freunde!

[ 41 ] Aber halten wir an dem anderen Pfingsten fest, auf das ja gestern und auch vorgestern aufmerksam gemacht worden ist, an jenem Pfingsten, auf das sich das dritte Glied unseres Spruches bezieht: «Per spiritum sanctum reviviscimus.»

[ 41 ] Aber halten wir an dem anderen Pfingsten fest, auf das ja gestern und auch vorgestern aufmerksam gemacht worden ist, an jenem Pfingsten, auf das sich das dritte Glied unseres Spruches bezieht: «Per spiritum sanctum reviviscimus.»

[ 42 ] Halten wir fest an dem Bewußtsein, daß die Menschenseele finden kann den Weg in die geistigen Welten, und daß in unserer Zeitepoche der Entwickelungspunkt gekommen ist, wo in der geistigen Welt es vorgezeichnet ist, daß hereinfließe in die Menschheit neue Offenbarung, wissenschaftliche Offenbarung des geistigen Wissens, das die Menschenseelen ergreifen kann und ihnen das geben kann, was sie jetzt und für die Zukunft brauchen.

[ 42 ] Halten wir fest an dem Bewußtsein, daß die Menschenseele finden kann den Weg in die geistigen Welten, und daß in unserer Zeitepoche der Entwickelungspunkt gekommen ist, wo in der geistigen Welt es vorgezeichnet ist, daß hereinfließe in die Menschheit neue Offenbarung, wissenschaftliche Offenbarung des geistigen Wissens, das die Menschenseelen ergreifen kann und ihnen das geben kann, was sie jetzt und für die Zukunft brauchen.

[ 43 ] Wir dürfen es sagen, meine lieben Freunde: werden an die Stelle der jetzigen wieder einmal friedliche Zeiten gekommen sein, wir werden noch ganz anders sprechen können — wenn nicht ein ganz besonders widerwärtiges Karma das verhindern sollte —, als wir bisher auf geisteswissenschaftlichem Boden gesprochen haben. Aber all das setzt voraus, daß Geisteswissenschaft nicht bloß ein Wissen uns sei, sondern eine wirkliche, eine Welt-Pfingstgabe; daß wir wirklich Geisteswissenschaft nicht bloß mit unserem Verstande vereinigen, sondern mit unserem Herzen. Denn dann wird durch die Vereinigung von Geisteswissenschaft mit der Kraft unseres Herzens sich ballen dasjenige, was aus der geistigen Welt herunter will, zu den feurigen Zungen, die die Pfingstzungen sind.

[ 43 ] Wir dürfen es sagen, meine lieben Freunde: werden an die Stelle der jetzigen wieder einmal friedliche Zeiten gekommen sein, wir werden noch ganz anders sprechen können — wenn nicht ein ganz besonders widerwärtiges Karma das verhindern sollte —, als wir bisher auf geisteswissenschaftlichem Boden gesprochen haben. Aber all das setzt voraus, daß Geisteswissenschaft nicht bloß ein Wissen uns sei, sondern eine wirkliche, eine Welt-Pfingstgabe; daß wir wirklich Geisteswissenschaft nicht bloß mit unserem Verstande vereinigen, sondern mit unserem Herzen. Denn dann wird durch die Vereinigung von Geisteswissenschaft mit der Kraft unseres Herzens sich ballen dasjenige, was aus der geistigen Welt herunter will, zu den feurigen Zungen, die die Pfingstzungen sind.

[ 44 ] Hineinlockt in die Menschenseele dasjenige, was aus der geistigen Welt als Pfingstgabe herunter will, nicht der Verstand, sondern das Herz, das warme Herz, das empfinden kann mit der Geisteswissenschaft, nicht bloß wissen kann von der Geisteswissenschaft. Und je inniger Ihr Herz erwärmt wird durch die zuweilen scheinbar auch erkältenden Abstraktionen der Geisteswissenschaft — obwohl fast immer versucht wird, nur das Konkrete darzustellen —, desto besser. Und je mehr wir sogar einen solchen Gedanken, wie er gerade gestern ausgesprochen worden ist, mit unseren Herzen vereinigen können, um so besser!

[ 44 ] Hineinlockt in die Menschenseele dasjenige, was aus der geistigen Welt als Pfingstgabe herunter will, nicht der Verstand, sondern das Herz, das warme Herz, das empfinden kann mit der Geisteswissenschaft, nicht bloß wissen kann von der Geisteswissenschaft. Und je inniger Ihr Herz erwärmt wird durch die zuweilen scheinbar auch erkältenden Abstraktionen der Geisteswissenschaft — obwohl fast immer versucht wird, nur das Konkrete darzustellen —, desto besser. Und je mehr wir sogar einen solchen Gedanken, wie er gerade gestern ausgesprochen worden ist, mit unseren Herzen vereinigen können, um so besser!

[ 45 ] Die eine Hälfte der physischen Welt, haben wir gesagt, nimmt man gewöhnlich als Materialist nur wahr: das Wachsende, Sprießende, Sprossende. Aber wir müssen auch auf die Zerstörung sehen, müssen jedoch sehen, daß sich die Zerstörung nicht so uns aufdrängt wie dem, der das Zerstörende als ein Hineingehen in ein bloßes Nichts sieht. Wir müssen in all dem, was der Zerstörung gleich ist, auch wiederum das Aufsteigen, das Aufgehen des Geistigen sehen, müssen uns ganz verbinden mit dem, was wir durch die Ergebnisse der Geisteswissenschaft als das geistige Leben, das Spirituelle, erfühlen und innerlich erleben können. Dann werden wir mehr und mehr empfinden die Wahrheit des Spruches: Per spiritum sanctum reviviscimus.

[ 45 ] Die eine Hälfte der physischen Welt, haben wir gesagt, nimmt man gewöhnlich als Materialist nur wahr: das Wachsende, Sprießende, Sprossende. Aber wir müssen auch auf die Zerstörung sehen, müssen jedoch sehen, daß sich die Zerstörung nicht so uns aufdrängt wie dem, der das Zerstörende als ein Hineingehen in ein bloßes Nichts sieht. Wir müssen in all dem, was der Zerstörung gleich ist, auch wiederum das Aufsteigen, das Aufgehen des Geistigen sehen, müssen uns ganz verbinden mit dem, was wir durch die Ergebnisse der Geisteswissenschaft als das geistige Leben, das Spirituelle, erfühlen und innerlich erleben können. Dann werden wir mehr und mehr empfinden die Wahrheit des Spruches: Per spiritum sanctum reviviscimus.

[ 46 ] Wir werden ein wissenschaftliches Vertrauen haben, daß wir durch die Kraft des Geistes zur geistigen Welt erweckt werden. Und wir werden nicht mit Stolz, sondern in aller Demut empfinden, was durch die Geisteswissenschaft in die Welt zu tragen ist, werden es aber insbesondere empfinden in unserer harten Zeit, in unserer Zeit, die an unsere Empfindungen so viele Fragen stellt, die nur beantwortet werden können, wenn Geisteswissenschaft sich wirklich Geltung verschaffen kann. Niemandes Hochmut möchte ich aufstacheln, aber wiederholen möchte ich doch ein Wort, das einmal gesprochen worden ist, als auch bei großer Gelegenheit die Rede davon war, was geschehen soll durch die Gemüter, die etwas aufgenommen hatten, die es hinaustragen sollten. Es wurde diesen Gemütern — auch nicht um ihren Hochmut zu erregen, sondern an ihre Demut appellierend — gesagt: «Ihr seid das Salz der Erde.»

[ 46 ] Wir werden ein wissenschaftliches Vertrauen haben, daß wir durch die Kraft des Geistes zur geistigen Welt erweckt werden. Und wir werden nicht mit Stolz, sondern in aller Demut empfinden, was durch die Geisteswissenschaft in die Welt zu tragen ist, werden es aber insbesondere empfinden in unserer harten Zeit, in unserer Zeit, die an unsere Empfindungen so viele Fragen stellt, die nur beantwortet werden können, wenn Geisteswissenschaft sich wirklich Geltung verschaffen kann. Niemandes Hochmut möchte ich aufstacheln, aber wiederholen möchte ich doch ein Wort, das einmal gesprochen worden ist, als auch bei großer Gelegenheit die Rede davon war, was geschehen soll durch die Gemüter, die etwas aufgenommen hatten, die es hinaustragen sollten. Es wurde diesen Gemütern — auch nicht um ihren Hochmut zu erregen, sondern an ihre Demut appellierend — gesagt: «Ihr seid das Salz der Erde.»

[ 47 ] Verstehen wir für uns das Wort im rechten Sinne: «Ihr seid das Salz der Erde.» Und werden wir uns bewußt dessen, daß gerade, wenn die Früchte, die Früchte der blutgetränkten Erde in der Zukunft da sein werden, diese Früchte ohne Spiritualität nicht gedeihen werden: daß die Erde nachher erst recht Salz brauchen wird.

[ 47 ] Verstehen wir für uns das Wort im rechten Sinne: «Ihr seid das Salz der Erde.» Und werden wir uns bewußt dessen, daß gerade, wenn die Früchte, die Früchte der blutgetränkten Erde in der Zukunft da sein werden, diese Früchte ohne Spiritualität nicht gedeihen werden: daß die Erde nachher erst recht Salz brauchen wird.

[ 48 ] Nehmen Sie diese mit Herzblut durchtränkten Worte in Ihr eigenes Herz, in Ihre eigene Seele auf an diesem Pfingsttage, an dem wir in dem angedeuteten Sinne so recht unser ganzes Wesen durchdringen wollen mit der Wahrheit: Per spiritum sanctum reviviscimus.

[ 48 ] Nehmen Sie diese mit Herzblut durchtränkten Worte in Ihr eigenes Herz, in Ihre eigene Seele auf an diesem Pfingsttage, an dem wir in dem angedeuteten Sinne so recht unser ganzes Wesen durchdringen wollen mit der Wahrheit: Per spiritum sanctum reviviscimus.