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Artistic and Existential Questions
in the Light of Spiritual Science
GA 162

23 May 1915, Dornach

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Erster Vortrag

Erster Vortrag

[ 1 ] Der Mensch nimmt wahr an sich und in der Natur dasjenige, was man Wachsen nennt, und dasjenige, was man Zerstören, Zerstörung, was man Auflösung nennt. Und seine Vorstellungen richtet der Mensch aus selbstverständlichen Instinkten, aus der physischen Welt heraus eigentlich so ein, daß er mit einem gewissen Glauben an die Wirklichkeit sich dann durchdringt, wenn er Aufbau, Wachsen an sich und in der Natur wahrnimmt. Und über dasjenige, was gewissermaßen aus der Wirklichkeit herausgeht, was die Wirklichkeit verliert, über das bildet sich der Mensch Vorstellungen dadurch, daß er den Blick auf das Zerstörende, die Zerstörung, auf die Auflösung richte, so daß es dem Menschen ganz natürlich erscheint, etwas als aus der Wirklichkeit hinausgehend zu bezeichnen, wenn er daran wahrnimmt, es löse sich auf, es gehe allmählich ins sogenannte Nichts der physischen Welt über.

[ 1 ] Der Mensch nimmt wahr an sich und in der Natur dasjenige, was man Wachsen nennt, und dasjenige, was man Zerstören, Zerstörung, was man Auflösung nennt. Und seine Vorstellungen richtet der Mensch aus selbstverständlichen Instinkten, aus der physischen Welt heraus eigentlich so ein, daß er mit einem gewissen Glauben an die Wirklichkeit sich dann durchdringt, wenn er Aufbau, Wachsen an sich und in der Natur wahrnimmt. Und über dasjenige, was gewissermaßen aus der Wirklichkeit herausgeht, was die Wirklichkeit verliert, über das bildet sich der Mensch Vorstellungen dadurch, daß er den Blick auf das Zerstörende, die Zerstörung, auf die Auflösung richte, so daß es dem Menschen ganz natürlich erscheint, etwas als aus der Wirklichkeit hinausgehend zu bezeichnen, wenn er daran wahrnimmt, es löse sich auf, es gehe allmählich ins sogenannte Nichts der physischen Welt über.

[ 2 ] Wenn man — das ist oftmals betont worden — wirklich zu Vorstellungen über die geistige Welt kommen will, dann muß man die Vorstellungen, die man in der physischen Welt gewonnen hat, vielfach modifizieren. Über vieles muß man andere Vorstellungen sich bilden, als man sie zunächst in der physischen Welt gewinnt, wenn man überhaupt mit seinem Denken an die geistige Welt herantreten will. Und ganz besonders bedeutsam ist es, daß wir uns einen Begriff bilden, der im Grunde genommen schon überall in unseren geisteswissenschaftlichen Betrachtungen ausgebreitet liegt, den wir uns aber, ich möchte sagen, nicht oft genug vor die Seele rücken können: es ist der Begriff von einem Zusammenhang unseres Bewußtseins mit entsprechenden Vorgängen in unserem physischen Organismus während des Lebens in der physischen Welt. Wir werden niemals das Wirken des Bewußtseins in der physischen Welt begreifen, wenn wir es nicht zusammenbringen können mit dem Begriffe der Zerstörung, der Auflösung. Würde in uns als physische Wesenheiten nur Wachstum, nur Entwickelung sein, so würden wir niemals bewußte Wesen in der physischen Welt sein können. Dasjenige, was in uns sich darstellt durch Wachsen, durch Sprossen, Sprießen, das führt niemals in der physischen Welt zu einem Bewußtsein. Bewußtsein kann erst da beginnen, wo in die Wachstumsprozesse eingegriffen wird mit Zerstörung, mit auflösenden, mit abbauenden Prozessen. Auf solcher Grundlage müssen wir uns auch vertraut machen mit den Vorstellungen, welche die Initiation über die sogenannte menschliche Entwickelung ergibt.

[ 2 ] Wenn man — das ist oftmals betont worden — wirklich zu Vorstellungen über die geistige Welt kommen will, dann muß man die Vorstellungen, die man in der physischen Welt gewonnen hat, vielfach modifizieren. Über vieles muß man andere Vorstellungen sich bilden, als man sie zunächst in der physischen Welt gewinnt, wenn man überhaupt mit seinem Denken an die geistige Welt herantreten will. Und ganz besonders bedeutsam ist es, daß wir uns einen Begriff bilden, der im Grunde genommen schon überall in unseren geisteswissenschaftlichen Betrachtungen ausgebreitet liegt, den wir uns aber, ich möchte sagen, nicht oft genug vor die Seele rücken können: es ist der Begriff von einem Zusammenhang unseres Bewußtseins mit entsprechenden Vorgängen in unserem physischen Organismus während des Lebens in der physischen Welt. Wir werden niemals das Wirken des Bewußtseins in der physischen Welt begreifen, wenn wir es nicht zusammenbringen können mit dem Begriffe der Zerstörung, der Auflösung. Würde in uns als physische Wesenheiten nur Wachstum, nur Entwickelung sein, so würden wir niemals bewußte Wesen in der physischen Welt sein können. Dasjenige, was in uns sich darstellt durch Wachsen, durch Sprossen, Sprießen, das führt niemals in der physischen Welt zu einem Bewußtsein. Bewußtsein kann erst da beginnen, wo in die Wachstumsprozesse eingegriffen wird mit Zerstörung, mit auflösenden, mit abbauenden Prozessen. Auf solcher Grundlage müssen wir uns auch vertraut machen mit den Vorstellungen, welche die Initiation über die sogenannte menschliche Entwickelung ergibt.

[ 3 ] Wir wissen ja, daß das Kind zunächst hineinwächst in die Welt wie in einer Art von Traumleben. Dieses Traumleben des Kindes ist aber verknüpft mit Wachstum, mit sprießenden, sprossenden Vorgängen; und in einem je früheren Lebensalter des Kindes wir den Blick auf dasselbe hinwenden, um so mehr Sprießendes, Sprossendes tritt uns entgegen. Und erst wenn die Individualität im menschlichen Organismus so viel Gewalt bekommt, daß sie sich auflehnen kann gegen das Sprießen und Sprossen und eingliedern kann dem Sprießen und Sprossen Zerstörungsprozesse, dann tritt volleres und immer volleres Bewußtsein auf. In dem Maße, in dem wir imstande sind, abzubauen dasjenige, was da innere Natur in uns aufbaut, in dem Maße werden wir uns bewußt.

[ 3 ] Wir wissen ja, daß das Kind zunächst hineinwächst in die Welt wie in einer Art von Traumleben. Dieses Traumleben des Kindes ist aber verknüpft mit Wachstum, mit sprießenden, sprossenden Vorgängen; und in einem je früheren Lebensalter des Kindes wir den Blick auf dasselbe hinwenden, um so mehr Sprießendes, Sprossendes tritt uns entgegen. Und erst wenn die Individualität im menschlichen Organismus so viel Gewalt bekommt, daß sie sich auflehnen kann gegen das Sprießen und Sprossen und eingliedern kann dem Sprießen und Sprossen Zerstörungsprozesse, dann tritt volleres und immer volleres Bewußtsein auf. In dem Maße, in dem wir imstande sind, abzubauen dasjenige, was da innere Natur in uns aufbaut, in dem Maße werden wir uns bewußt.

[ 4 ] Wenn derjenige, der durch die Initiation gegangen ist, hinblickt darauf, wie Bewußtsein im Menschen entsteht, dann findet er, daß jeder bewußte Gedanke, der gefaßt wird, jede bewußte Empfindung, die sich geltend macht, damit verbunden sind, daß Zerstörungsprozesse den Aufbauprozessen des Organismus abgerungen werden. Man sieht auf die Zerstörung hin, indem man hinblickt auf bewußtes Leben. Und man muß sich gewöhnen, nicht bloß ein positives Gefühl von Wirklichkeit zu haben, indem man Prozesse des Sprießens, des Sprossens, des Wachsens sieht, sondern man muß sich dazu aufraffen, Gefühl gerade für bewußtes Geistesleben dadurch zu haben, daß man darauf hinblickt, inwiefern sich dieses bewußte Geistesleben in der physischen Welt abspielt, daß man hinblickt auf Absterbeprozesse, auf Zerstörungsprozesse. Darum müssen wir ja die bewußten Prozesse mit den unbewußten Prozessen des Schlafes vertauschen, damit dasjenige, was wir während des wachen Gedankenlebens zerstört haben, wiederum aufgebaut werden kann durch die unbewußten Kräfte der Natur in unserem Organismus. Das ist der Pendelschlag des Lebens; daß die Seelenkraft, indem sie zum Bewußtsein aufwacht, dasjenige abträgt, zerstört, was die bloße Natur im Menschenorganismus schafft; und daß von dem Augenblick an, wo die Seele im Schlafe das natürliche Leben des Leibes verläßt, die Prozesse, die Tätigkeiten des Sprießens, des Sprossens wiederum vor sich gehen. Daher ist es nicht richtig, wenn man glaubt, daß verglichen werden dürfe das wache Tagesleben des Menschen mit dem Leben zur Sommerzeit, wenn die Erde sprießt und sproßt. Nein, die Erde selber als geistige Wesensgestalt wird wach indem Moment, wo gegen den Herbst zu die Absterbeprozesse beginnen; und das vollwache Leben der Erde ist während der Winterzeit. Während der Sommerzeit aber, während die sprießenden, sprossenden Prozesse da sind, ist das Schlafesleben der Erde. Der Erdengeist schläft während des Sommers und wacht während des Winters.

[ 4 ] Wenn derjenige, der durch die Initiation gegangen ist, hinblickt darauf, wie Bewußtsein im Menschen entsteht, dann findet er, daß jeder bewußte Gedanke, der gefaßt wird, jede bewußte Empfindung, die sich geltend macht, damit verbunden sind, daß Zerstörungsprozesse den Aufbauprozessen des Organismus abgerungen werden. Man sieht auf die Zerstörung hin, indem man hinblickt auf bewußtes Leben. Und man muß sich gewöhnen, nicht bloß ein positives Gefühl von Wirklichkeit zu haben, indem man Prozesse des Sprießens, des Sprossens, des Wachsens sieht, sondern man muß sich dazu aufraffen, Gefühl gerade für bewußtes Geistesleben dadurch zu haben, daß man darauf hinblickt, inwiefern sich dieses bewußte Geistesleben in der physischen Welt abspielt, daß man hinblickt auf Absterbeprozesse, auf Zerstörungsprozesse. Darum müssen wir ja die bewußten Prozesse mit den unbewußten Prozessen des Schlafes vertauschen, damit dasjenige, was wir während des wachen Gedankenlebens zerstört haben, wiederum aufgebaut werden kann durch die unbewußten Kräfte der Natur in unserem Organismus. Das ist der Pendelschlag des Lebens; daß die Seelenkraft, indem sie zum Bewußtsein aufwacht, dasjenige abträgt, zerstört, was die bloße Natur im Menschenorganismus schafft; und daß von dem Augenblick an, wo die Seele im Schlafe das natürliche Leben des Leibes verläßt, die Prozesse, die Tätigkeiten des Sprießens, des Sprossens wiederum vor sich gehen. Daher ist es nicht richtig, wenn man glaubt, daß verglichen werden dürfe das wache Tagesleben des Menschen mit dem Leben zur Sommerzeit, wenn die Erde sprießt und sproßt. Nein, die Erde selber als geistige Wesensgestalt wird wach indem Moment, wo gegen den Herbst zu die Absterbeprozesse beginnen; und das vollwache Leben der Erde ist während der Winterzeit. Während der Sommerzeit aber, während die sprießenden, sprossenden Prozesse da sind, ist das Schlafesleben der Erde. Der Erdengeist schläft während des Sommers und wacht während des Winters.

[ 5 ] Ich habe ja schon angedeutet, daß es aus der geistigen Intuition hervorgegangen ist, daß der Moment, wo der Mensch sich verbinden soll mit dem, was die Erdenentwickelung in das vollste Wachleben rufen soll, mit dem Christus—Impuls, in die Mitte der Winterzeit verlegt worden ist, nicht in die Sommerzeit: das Christfest. Dagegen in jener älteren Zeit, wo der Menschen Wissen hervorgegangen ist aus einem Miterleben mehr des Schlafzustandes der Erde, wo sich die Seele des Menschen in die schlafende Erdenseele zu versenken hatte, um die Imagination, die traumhafte Imagination der alten Geistesanschauung zu bekommen, da war die entsprechende Festeshandlung in der heißen Sommerzeit vorzunehmen: das Johannifest. Das Johannifest bedeutet ein Sich—Verbinden, ich möchte sagen, ein Sich—Verbinden in Traum und Rausch mit dem schlafenden, träumenden Erdengeist. Das Weihnachtsfest bedeutet ein bewußtes Sich—Verbinden mit dem wachenden Erdengeist. — Gerade durch solche Vorstellungen kommen wir wiederum hinein in ein Erfühlen des Zusammenhanges des Menschen mit dem Kosmos. Wir kommen hinein in einer konkreten Weise. Nicht indem wir im allgemeinen davon schwärmen, daß der Mensch ein Mikrokosmos gegenüber dem Makrokosmos sei, sondern dadurch, daß wir uns wirklich Erkenntnisse davon verschaffen, wie das große Wesen Erde schläft und wacht im Gegensatz zu dem Menschen, der innerhalb vierundzwanzig Stunden sein Schlafen und Wachen vollbringt, während die Erde, der Erdengeist dieses Schlafen und Wachen in Jahrestrist vollbringt.

[ 5 ] Ich habe ja schon angedeutet, daß es aus der geistigen Intuition hervorgegangen ist, daß der Moment, wo der Mensch sich verbinden soll mit dem, was die Erdenentwickelung in das vollste Wachleben rufen soll, mit dem Christus—Impuls, in die Mitte der Winterzeit verlegt worden ist, nicht in die Sommerzeit: das Christfest. Dagegen in jener älteren Zeit, wo der Menschen Wissen hervorgegangen ist aus einem Miterleben mehr des Schlafzustandes der Erde, wo sich die Seele des Menschen in die schlafende Erdenseele zu versenken hatte, um die Imagination, die traumhafte Imagination der alten Geistesanschauung zu bekommen, da war die entsprechende Festeshandlung in der heißen Sommerzeit vorzunehmen: das Johannifest. Das Johannifest bedeutet ein Sich—Verbinden, ich möchte sagen, ein Sich—Verbinden in Traum und Rausch mit dem schlafenden, träumenden Erdengeist. Das Weihnachtsfest bedeutet ein bewußtes Sich—Verbinden mit dem wachenden Erdengeist. — Gerade durch solche Vorstellungen kommen wir wiederum hinein in ein Erfühlen des Zusammenhanges des Menschen mit dem Kosmos. Wir kommen hinein in einer konkreten Weise. Nicht indem wir im allgemeinen davon schwärmen, daß der Mensch ein Mikrokosmos gegenüber dem Makrokosmos sei, sondern dadurch, daß wir uns wirklich Erkenntnisse davon verschaffen, wie das große Wesen Erde schläft und wacht im Gegensatz zu dem Menschen, der innerhalb vierundzwanzig Stunden sein Schlafen und Wachen vollbringt, während die Erde, der Erdengeist dieses Schlafen und Wachen in Jahrestrist vollbringt.

[ 6 ] Nun müssen wir die Blicke noch einmal genauer auf dasjenige wenden, was sich in der physischen Welt als Bewußtsein darlebt. Nehmen wir einmal an, wir bezeichneten dasjenige, was sprießendes, sprossendes Leben unseres Nervensystems ist, schematisch durch eine solche Zeichnung:

[ 6 ] Nun müssen wir die Blicke noch einmal genauer auf dasjenige wenden, was sich in der physischen Welt als Bewußtsein darlebt. Nehmen wir einmal an, wir bezeichneten dasjenige, was sprießendes, sprossendes Leben unseres Nervensystems ist, schematisch durch eine solche Zeichnung:

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[ 7 ] In der Tat erschaut ja das Hellsehen das sprießende, sprossende Leben, zum Beispiel des Nervensystems, namentlich des Gehirns, wie eine solche feurige Welle. Nun, in Wahrheit ist aber außerhalb dieses sprossenden, sprießenden Lebens—des Menschen Seelenleben. Würde ich das menschliche Seelenleben für die Nacht zu zeichnen haben, für das Schlafen, so würde ich es ganz außerhalb dieser Figur zu zeichnen haben; für das wache Tagesleben aber müssen wir das Seelenleben als sich durchdringend mit diesem sprießenden, sprossenden, ich möchte sagen, feurigen Leben uns vorstellen:

[ 7 ] In der Tat erschaut ja das Hellsehen das sprießende, sprossende Leben, zum Beispiel des Nervensystems, namentlich des Gehirns, wie eine solche feurige Welle. Nun, in Wahrheit ist aber außerhalb dieses sprossenden, sprießenden Lebens—des Menschen Seelenleben. Würde ich das menschliche Seelenleben für die Nacht zu zeichnen haben, für das Schlafen, so würde ich es ganz außerhalb dieser Figur zu zeichnen haben; für das wache Tagesleben aber müssen wir das Seelenleben als sich durchdringend mit diesem sprießenden, sprossenden, ich möchte sagen, feurigen Leben uns vorstellen:

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[ 8 ] Wenn also das Seelenleben nur das physisch—organische Leben durchdringen würde, so würde kein Bewußtsein entstehen. Wie entsteht Bewußtsein? Da muß zunächst das Seelische am Physischen arbeiten. Im Physischen sind zunächst sprießende, sprossende Wachstumsprozesse, feine Wachstumsprozesse, die meinetwillen über das Nervenleben zerstreut sind. Diese Wachstumsprozesse werden abgebaut, sie werden zerstört. Es entsteht ein ganz ähnlicher Prozeß, wie er entsteht, wenn die sprießende, sprossende Pflanze allmählich übergeht ins Welken und ins Verdorre, so daß das Seelenleben in diesem sprießenden, sprossenden Leben Zerstörungsprozesse anrichtet, die ich durch diese Einschnitte oder Unterbrechungen des Schraffierten hier zeichne.

[ 8 ] Wenn also das Seelenleben nur das physisch—organische Leben durchdringen würde, so würde kein Bewußtsein entstehen. Wie entsteht Bewußtsein? Da muß zunächst das Seelische am Physischen arbeiten. Im Physischen sind zunächst sprießende, sprossende Wachstumsprozesse, feine Wachstumsprozesse, die meinetwillen über das Nervenleben zerstreut sind. Diese Wachstumsprozesse werden abgebaut, sie werden zerstört. Es entsteht ein ganz ähnlicher Prozeß, wie er entsteht, wenn die sprießende, sprossende Pflanze allmählich übergeht ins Welken und ins Verdorre, so daß das Seelenleben in diesem sprießenden, sprossenden Leben Zerstörungsprozesse anrichtet, die ich durch diese Einschnitte oder Unterbrechungen des Schraffierten hier zeichne.

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[ 9 ] Also, wenn wir wach leben, so zerstört zunächst unser Seelenleben die physischen Wachstumsprozesse, baut sie ab. Und von dem, was da geschieht, von diesem Abbauen weiß der Mensch in der Regel nichts. Erst die hellseherische Betrachtung gibt uns die Möglichkeit, wirklich uns zu sagen: Indem du dich mit der geistigen Welt — ich sage jetzt ausdrücklich nicht mit der physischen Welt, sondern mit der geistigen Welt — in Beziehung setzest, mußt du, wenn du dir Vorstellungen machen willst, in dir etwas zerstören.

[ 9 ] Also, wenn wir wach leben, so zerstört zunächst unser Seelenleben die physischen Wachstumsprozesse, baut sie ab. Und von dem, was da geschieht, von diesem Abbauen weiß der Mensch in der Regel nichts. Erst die hellseherische Betrachtung gibt uns die Möglichkeit, wirklich uns zu sagen: Indem du dich mit der geistigen Welt — ich sage jetzt ausdrücklich nicht mit der physischen Welt, sondern mit der geistigen Welt — in Beziehung setzest, mußt du, wenn du dir Vorstellungen machen willst, in dir etwas zerstören.

[ 10 ] Sehen Sie, das ist das furchtbar Erschütternde im Initiationsprozeß, daß man dieses Zerstören sieht, daß man weiß, indem man sich mit irgendeinem Wesen, etwa einem Angelos—, Archangeloswesen der geistigen Welt in Beziehung setzt und Vorstellungen darüber gewinnen will, das heißt sie wirklich wahrnehmen will, muß man in sich etwas zerstören.Nicht durch die Initiation wird etwas zerstört, sondern durch sie wird nur gewußt, was im alltäglichen Wahrnehmungsprozeß zerstört wird.

[ 10 ] Sehen Sie, das ist das furchtbar Erschütternde im Initiationsprozeß, daß man dieses Zerstören sieht, daß man weiß, indem man sich mit irgendeinem Wesen, etwa einem Angelos—, Archangeloswesen der geistigen Welt in Beziehung setzt und Vorstellungen darüber gewinnen will, das heißt sie wirklich wahrnehmen will, muß man in sich etwas zerstören.Nicht durch die Initiation wird etwas zerstört, sondern durch sie wird nur gewußt, was im alltäglichen Wahrnehmungsprozeß zerstört wird.

[ 11 ] Man tut das auch, wenn man sich mit einer Blume, einem Tier in Verbindung setzt; nur weiß der Mensch es nicht im gewöhnlichen Verlauf des Lebens. Man fängt erst an es zu wissen, wenn diese Zerstörungsprozesse nun wie Spiegel zurück in das Seelenleben wirken. Das ist die Wandlung. Also denken Sie: Sie sehen eine rote Blume an. Dasjenige, was Sie mit der roten Blume erleben, das veranlaßt Sie zunächst, in sich einen Zerstörungsprozeß hervorzurufen. Das wissen Sie bloß nicht. Aber was da zerstört ist, das spiegelt sich in der Seele zurück, und das bewirkt, daß Sie dann die rote Blume als Vorstellung, als Wahrnehmung haben. Sie müssen also zuerst in sich selber ein Abbild schaffen von der roten Blume dadurch, daß Sie die sprießenden, sprossenden Prozesse abbauen, und indem Sie diese abbauen, schaffen Sie das, was Sie dann sehen. In solchen Abbauvorgängen, denen wieder Aufbauvorgänge folgen, besteht das bewußte Leben. Es ist ein inneres Arbeiten an dem eigenen Organismus, wie es im Grunde genommen schließlich auch allem menschlichen Kulturarbeiten zugrunde liegt. — Wenn wir Kulturarbeiten verrichten, so zerstören wir auch die Natur zunächst. Wir können kein Haus bauen, wenn wir nicht das Holz von draußen nehmen, indem wir zerstören, und dann dasjenige, was Zerstörungsprodukt ist, was wir aus der Natur herausgerissen haben, dann aufbauen zu unseren Kunstprodukten. So machen wir es im Grunde genommen mit aller Künstlerschaft. Hier machen wir es gerade so wie das Zerstörende, Abbauende an dem sprießenden, sprossenden Prozesse es macht: diese heben gewisse Wachstumsprozesse auf; und das, was dadurch eingebettet wird in den Organismus als ein herausgepreßtes Totes in das Lebendige, das ist der Inhalt des bewußten Seins. Wir versetzen fortwährend Totes in das Lebendige, indem wir Bewußtsein entwickeln; und je bewußter wir uns werden, desto mehr pressen wir in unseren lebendigen Menschen einen toten hinein.

[ 11 ] Man tut das auch, wenn man sich mit einer Blume, einem Tier in Verbindung setzt; nur weiß der Mensch es nicht im gewöhnlichen Verlauf des Lebens. Man fängt erst an es zu wissen, wenn diese Zerstörungsprozesse nun wie Spiegel zurück in das Seelenleben wirken. Das ist die Wandlung. Also denken Sie: Sie sehen eine rote Blume an. Dasjenige, was Sie mit der roten Blume erleben, das veranlaßt Sie zunächst, in sich einen Zerstörungsprozeß hervorzurufen. Das wissen Sie bloß nicht. Aber was da zerstört ist, das spiegelt sich in der Seele zurück, und das bewirkt, daß Sie dann die rote Blume als Vorstellung, als Wahrnehmung haben. Sie müssen also zuerst in sich selber ein Abbild schaffen von der roten Blume dadurch, daß Sie die sprießenden, sprossenden Prozesse abbauen, und indem Sie diese abbauen, schaffen Sie das, was Sie dann sehen. In solchen Abbauvorgängen, denen wieder Aufbauvorgänge folgen, besteht das bewußte Leben. Es ist ein inneres Arbeiten an dem eigenen Organismus, wie es im Grunde genommen schließlich auch allem menschlichen Kulturarbeiten zugrunde liegt. — Wenn wir Kulturarbeiten verrichten, so zerstören wir auch die Natur zunächst. Wir können kein Haus bauen, wenn wir nicht das Holz von draußen nehmen, indem wir zerstören, und dann dasjenige, was Zerstörungsprodukt ist, was wir aus der Natur herausgerissen haben, dann aufbauen zu unseren Kunstprodukten. So machen wir es im Grunde genommen mit aller Künstlerschaft. Hier machen wir es gerade so wie das Zerstörende, Abbauende an dem sprießenden, sprossenden Prozesse es macht: diese heben gewisse Wachstumsprozesse auf; und das, was dadurch eingebettet wird in den Organismus als ein herausgepreßtes Totes in das Lebendige, das ist der Inhalt des bewußten Seins. Wir versetzen fortwährend Totes in das Lebendige, indem wir Bewußtsein entwickeln; und je bewußter wir uns werden, desto mehr pressen wir in unseren lebendigen Menschen einen toten hinein.

[ 12 ] Der Schlaf hat dann die Aufgabe, die toten Einschlüsse wieder aufzulösen bis auf gewisse Reste, die da bleiben und die durch das ganze physische Leben in der gleichen Weise als Prozesse durchgehen und dem Gedächtnis, der Erinnerung zugrunde liegen. Würde alles durch den Schlaf wieder aufgelöst werden, so würden wir kein Gedächtnis, keine Erinnerung haben. Also Sie sehen, wir müssen uns bekanntmachen mit einem richtigen Winter in unserem Leben, wenn wir Bewußtsein erringen wollen. Bewußt sein wollen heißt über das sprießende, sprossende Sommerleben das zerstörende, verdorrende Winterleben ausbreiten. Wir müssen Winter machen in uns, wenn wir bewußt sein wollen. Wir müssen also in einer gewissen Weise den Winter schätzen lernen, weil, wenn es immer Sommer wäre im Leben, der Geist im Physischen nicht bewußt erleben könnte, sondern immer unbewußt bliebe.

[ 12 ] Der Schlaf hat dann die Aufgabe, die toten Einschlüsse wieder aufzulösen bis auf gewisse Reste, die da bleiben und die durch das ganze physische Leben in der gleichen Weise als Prozesse durchgehen und dem Gedächtnis, der Erinnerung zugrunde liegen. Würde alles durch den Schlaf wieder aufgelöst werden, so würden wir kein Gedächtnis, keine Erinnerung haben. Also Sie sehen, wir müssen uns bekanntmachen mit einem richtigen Winter in unserem Leben, wenn wir Bewußtsein erringen wollen. Bewußt sein wollen heißt über das sprießende, sprossende Sommerleben das zerstörende, verdorrende Winterleben ausbreiten. Wir müssen Winter machen in uns, wenn wir bewußt sein wollen. Wir müssen also in einer gewissen Weise den Winter schätzen lernen, weil, wenn es immer Sommer wäre im Leben, der Geist im Physischen nicht bewußt erleben könnte, sondern immer unbewußt bliebe.

[ 13 ] Noch ein anderes mag Ihnen aber hervorgehen aus diesen Betrachtungen. Der materialistische Weltbetrachter wird leicht sagen: Ja, in.die Art und Weise, wie das Bewußtsein im physischen Leibe arbeitet, kann man ja nicht hineinschauen. — Gewiß, solange man nicht Geisteswissenschaft studiert, kann man nicht hineinschauen. Wenn man aber durch Geisteswissenschaft erfährt, daß ein Parallelismus besteht, wie er angedeutet worden ist, der Parallelismus zwischen dem einzelnen Leben des Menschen und dem Leben des Erdengeistes, dann kommt man ja zu folgendem. Dann sagt man sich, wenn man einen Begriff sich machen will von dem schlafenden Menschen, von dem, was eigentlich der schlafende Mensch ist: Nun, dann stelle man sich einfach hin während der sprießenden, sprossenden Sommerzeit und sehe an, wie da alles sprießt und sproßt. Wie es da draußen.in der Erde zugeht, so geht es — nur im kleinen, so daß man es nicht sehen kann — vor sich in der physischen Natur des Menschen. Einfach Sommer würde man erleben im Menschen, wenn man den schlafenden Menschen betrachtet, und Winter würde man erleben im Menschen, wenn man den wachenden Menschen betrachtet. Will man wissen, wie es das Bewußtsein macht, indem es sich des physischen Leibes als eines Werkzeuges bedient, dann muß man darauf hinblicken, wie im Herbst alles beginnt zu dorren, zu welken, alles beginnt abzusterben, wie man sagt. Und mit dem, was man sich da äußerlich als Bild machen kann von der Winterzeit, hat man eine rechte Vorstellung von dem, was das wachende Bewußtsein im physischen Organismus des Menschen verrichtet, indem es sich des physischen Leibes als Werkzeug bedient.

[ 13 ] Noch ein anderes mag Ihnen aber hervorgehen aus diesen Betrachtungen. Der materialistische Weltbetrachter wird leicht sagen: Ja, in.die Art und Weise, wie das Bewußtsein im physischen Leibe arbeitet, kann man ja nicht hineinschauen. — Gewiß, solange man nicht Geisteswissenschaft studiert, kann man nicht hineinschauen. Wenn man aber durch Geisteswissenschaft erfährt, daß ein Parallelismus besteht, wie er angedeutet worden ist, der Parallelismus zwischen dem einzelnen Leben des Menschen und dem Leben des Erdengeistes, dann kommt man ja zu folgendem. Dann sagt man sich, wenn man einen Begriff sich machen will von dem schlafenden Menschen, von dem, was eigentlich der schlafende Mensch ist: Nun, dann stelle man sich einfach hin während der sprießenden, sprossenden Sommerzeit und sehe an, wie da alles sprießt und sproßt. Wie es da draußen.in der Erde zugeht, so geht es — nur im kleinen, so daß man es nicht sehen kann — vor sich in der physischen Natur des Menschen. Einfach Sommer würde man erleben im Menschen, wenn man den schlafenden Menschen betrachtet, und Winter würde man erleben im Menschen, wenn man den wachenden Menschen betrachtet. Will man wissen, wie es das Bewußtsein macht, indem es sich des physischen Leibes als eines Werkzeuges bedient, dann muß man darauf hinblicken, wie im Herbst alles beginnt zu dorren, zu welken, alles beginnt abzusterben, wie man sagt. Und mit dem, was man sich da äußerlich als Bild machen kann von der Winterzeit, hat man eine rechte Vorstellung von dem, was das wachende Bewußtsein im physischen Organismus des Menschen verrichtet, indem es sich des physischen Leibes als Werkzeug bedient.

[ 14 ] Daher kommt es auch, daß, wenn die Seele außerhalb des Leibes ist und dieses hellseherische Bewußtsein hinblickt auf den Leib, aus dem jetzt die Seele draußen ist, dieses hellseherische Bewußtsein den Leib wahrnimmt wie eine sprossende, sprießende Welt. Es ist eine kindliche Vorstellung, wenn man glaubt, daß der Hellseher, wenn er mit seiner Seele außerhalb des Leibes ist, den Leib so sieht, wie man einen anderen Menschen im physischen Leben sieht. Das ist ja das Falsche, daß die Menschen sich vorstellen, daß der Mensch daliege und die Seele darüber schwebe und die Seele so zurückblicke auf den Leib und den Menschen da unten liegen sehe. Das ist aber nicht der Fall. In dem Augenblick, wo die Seele herausgeht, wird der Leib zur Welt, zur Sommerwelt; und wenn die Seele hellsehend bleibt und in den Leib wieder hineingeht, so erlebt sie den persönlichen, den individuellen Winter in sich.

[ 14 ] Daher kommt es auch, daß, wenn die Seele außerhalb des Leibes ist und dieses hellseherische Bewußtsein hinblickt auf den Leib, aus dem jetzt die Seele draußen ist, dieses hellseherische Bewußtsein den Leib wahrnimmt wie eine sprossende, sprießende Welt. Es ist eine kindliche Vorstellung, wenn man glaubt, daß der Hellseher, wenn er mit seiner Seele außerhalb des Leibes ist, den Leib so sieht, wie man einen anderen Menschen im physischen Leben sieht. Das ist ja das Falsche, daß die Menschen sich vorstellen, daß der Mensch daliege und die Seele darüber schwebe und die Seele so zurückblicke auf den Leib und den Menschen da unten liegen sehe. Das ist aber nicht der Fall. In dem Augenblick, wo die Seele herausgeht, wird der Leib zur Welt, zur Sommerwelt; und wenn die Seele hellsehend bleibt und in den Leib wieder hineingeht, so erlebt sie den persönlichen, den individuellen Winter in sich.

[ 15 ] Einen innigen Zusammenhang also entdecken wir auf diese Weise zwischen dem Leben des Menschen und dem Leben der Erde. Wenn wir nun dieses Leben der Erde uns vorhalten und blicken zunächst auf die Sommerzeit hin, dann zeigt uns, außer uns hingestellt, diese Sommerzeit alles dasjenige, was gleichartig auch in uns wirkt und webt, wirkt und webt.aber an uns im schlafenden Zustande. Und wenn wir nun nach einem Ausdruck suchen, der uns in Kürze die Empfindung von diesem Wirken und Weben im Schlafzustande geben soll, dann ist es der Ausdruck: Das ist alles die Welt des Geborenwerdens, des Entstehens. Und wenn wir uns selber in dieser Welt fühlen, dann können wir sagen: Aus dem Göttlichen sind wir geboren. — Denn insofern wir mit unseren eigenen Kräften dieser Welt angehören, dieser sprießenden und sprossenden Welt, müssen wir sagen: «Ex Deo nascimur. Aus dem Göttlichen sind wir geboren.» Dieses «Ex Deo nascimur» konnten die Menschen sagen zu jeder Zeit der Erdenentwickelung, und werden es auch in Zukunft zu jeder Zeit der Erdenentwickelung sagen können. |

[ 15 ] Einen innigen Zusammenhang also entdecken wir auf diese Weise zwischen dem Leben des Menschen und dem Leben der Erde. Wenn wir nun dieses Leben der Erde uns vorhalten und blicken zunächst auf die Sommerzeit hin, dann zeigt uns, außer uns hingestellt, diese Sommerzeit alles dasjenige, was gleichartig auch in uns wirkt und webt, wirkt und webt.aber an uns im schlafenden Zustande. Und wenn wir nun nach einem Ausdruck suchen, der uns in Kürze die Empfindung von diesem Wirken und Weben im Schlafzustande geben soll, dann ist es der Ausdruck: Das ist alles die Welt des Geborenwerdens, des Entstehens. Und wenn wir uns selber in dieser Welt fühlen, dann können wir sagen: Aus dem Göttlichen sind wir geboren. — Denn insofern wir mit unseren eigenen Kräften dieser Welt angehören, dieser sprießenden und sprossenden Welt, müssen wir sagen: «Ex Deo nascimur. Aus dem Göttlichen sind wir geboren.» Dieses «Ex Deo nascimur» konnten die Menschen sagen zu jeder Zeit der Erdenentwickelung, und werden es auch in Zukunft zu jeder Zeit der Erdenentwickelung sagen können. |

[ 16 ] Dagegen ist es für unseren Zeitenzyklus, der nach dem Eintritt des Mysteriums von Golgatha liegt, wesentlich, daß wir verstehen, daß ja in uns wirken die Kräfte des absterbenden Lebens, die Kräfte des hinschmelzenden, des sich auflösenden Lebens, und daß mit diesem Hinschmelzen, Sich-Auflösen des Lebens das Bewußtsein zusammenhängt. Das Bewußtsein der Erde, das wache Erdenleben finden wir zur Winterzeit. Wir müssen, um im Winter mit der Erde zu leben in der physischen Welt, untertauchen in das Ersterbende. Aber nach dem Mysterium von Golgatha tauchen wir unter, indem wir den Christus-Impuls mit in dieses Ersterbende hineinnehmen: «In Christo morimur.» Und wir machen dies zum Geleitspruch durch die andere Hälfte des Jahres, indem die Erde wacht, wacht im ersterbenden Leben: «In dem Christus sterben wir.»

[ 16 ] Dagegen ist es für unseren Zeitenzyklus, der nach dem Eintritt des Mysteriums von Golgatha liegt, wesentlich, daß wir verstehen, daß ja in uns wirken die Kräfte des absterbenden Lebens, die Kräfte des hinschmelzenden, des sich auflösenden Lebens, und daß mit diesem Hinschmelzen, Sich-Auflösen des Lebens das Bewußtsein zusammenhängt. Das Bewußtsein der Erde, das wache Erdenleben finden wir zur Winterzeit. Wir müssen, um im Winter mit der Erde zu leben in der physischen Welt, untertauchen in das Ersterbende. Aber nach dem Mysterium von Golgatha tauchen wir unter, indem wir den Christus-Impuls mit in dieses Ersterbende hineinnehmen: «In Christo morimur.» Und wir machen dies zum Geleitspruch durch die andere Hälfte des Jahres, indem die Erde wacht, wacht im ersterbenden Leben: «In dem Christus sterben wir.»

[ 17 ] Und so teilt sich uns das Erdenjahr in zwei Hälften, in diejenige Hälfte, die zu Johanni ihren Höhepunkt hat und für die uns der Spruch gilt: «Ex Deo nascimur», und in die andere Hälfte, die um die Weihnachtszeit ihren Höhepunkt hat und für die uns der Spruch gilt: «In Christo morimur.»

[ 17 ] Und so teilt sich uns das Erdenjahr in zwei Hälften, in diejenige Hälfte, die zu Johanni ihren Höhepunkt hat und für die uns der Spruch gilt: «Ex Deo nascimur», und in die andere Hälfte, die um die Weihnachtszeit ihren Höhepunkt hat und für die uns der Spruch gilt: «In Christo morimur.»

[ 18 ] Man soll nicht glauben, daß, richtig gefaßt, die Anschauung von dem Menschen als Mikrokosmos gegenüber dem Makrokosmos nur eine abstrakte ist. Man soll auch nicht glauben, daß man mit abstrakten Vorstellungen dieser Anschauung gegenüber viel ausrichten kann. Man soll sich vielmehr klar sein, daß man immer mehr und mehr diese Anschauung trifft, wenn man zu dem wirklichen Leben des Erdengeistes wirklich kommt.

[ 18 ] Man soll nicht glauben, daß, richtig gefaßt, die Anschauung von dem Menschen als Mikrokosmos gegenüber dem Makrokosmos nur eine abstrakte ist. Man soll auch nicht glauben, daß man mit abstrakten Vorstellungen dieser Anschauung gegenüber viel ausrichten kann. Man soll sich vielmehr klar sein, daß man immer mehr und mehr diese Anschauung trifft, wenn man zu dem wirklichen Leben des Erdengeistes wirklich kommt.

[ 19 ] Sehen Sie, wenn man so im Winter die Erde betrachtet mit ihrem ersterbenden, erfrierenden Leben, so ist dieses ersterbende, erfrierende Leben der Ausdruck des Denkens, des Fühlens und Empfindens des wachenden Erdengeistes. Aber diesen Erdengeist müssen ‚wir uns im Zusammenhang denken mit dem, was uns zunächst als unsere Welt umgibt. Wir müssen uns gleichsam die Welt vorstellen wie ein großes Geistwesen, welches an der Erde sein physisches Werkzeug hat. Und diese Vorstellung von dem, was die Erde denkt, was die Erde insbesondere wachend zur Winterzeit denkt, bekommt man dann, wenn man die ganze Art, wie die Erdenumgebung in die Erde hineinwirkt, in Betracht zieht. Denken Sie sich in einer Winternacht den Blick hinausgerichtet auf die Sterne, etwa inmitten der Sterne den Mond, so muß man sagen: Die Konstellation dieser Sternenwelt, die ist ein äußerer Ausdruck, ein Bild desjenigen, was bewußt auf der Erde gedacht wird, und wir leben darinnen, indem das Weltenall mit der Erde in ein Verhältnis eingeht. Da sehen Sie lebendig uns drinnen stehend in dem Erdendenken, in dem, was die Erde umwebt und umspült als Erdendenken [im Winter so], wie wir im Sommer im Erdenschlafe drinnen stehen, lebendig mit unserer eigenen Seele.

[ 19 ] Sehen Sie, wenn man so im Winter die Erde betrachtet mit ihrem ersterbenden, erfrierenden Leben, so ist dieses ersterbende, erfrierende Leben der Ausdruck des Denkens, des Fühlens und Empfindens des wachenden Erdengeistes. Aber diesen Erdengeist müssen ‚wir uns im Zusammenhang denken mit dem, was uns zunächst als unsere Welt umgibt. Wir müssen uns gleichsam die Welt vorstellen wie ein großes Geistwesen, welches an der Erde sein physisches Werkzeug hat. Und diese Vorstellung von dem, was die Erde denkt, was die Erde insbesondere wachend zur Winterzeit denkt, bekommt man dann, wenn man die ganze Art, wie die Erdenumgebung in die Erde hineinwirkt, in Betracht zieht. Denken Sie sich in einer Winternacht den Blick hinausgerichtet auf die Sterne, etwa inmitten der Sterne den Mond, so muß man sagen: Die Konstellation dieser Sternenwelt, die ist ein äußerer Ausdruck, ein Bild desjenigen, was bewußt auf der Erde gedacht wird, und wir leben darinnen, indem das Weltenall mit der Erde in ein Verhältnis eingeht. Da sehen Sie lebendig uns drinnen stehend in dem Erdendenken, in dem, was die Erde umwebt und umspült als Erdendenken [im Winter so], wie wir im Sommer im Erdenschlafe drinnen stehen, lebendig mit unserer eigenen Seele.

[ 20 ] Und doch müssen wir uns im Sommer wachend in das Erdenleben hineinstellen. Wir müssen, ich möchte sagen, alle astralen Kräfte anwenden, damit wir nicht verfallen dem Erdenschlafe. Viele Menschen schlafen ja bei der Soemmerhitze wirklich sehr leicht ein, weil ihre astralischen Kräfte nicht stark genug sind, sich gegen den allgemeinen Erdenschlaf aufrechtzuerhalten. Wenn wir selber schlafen während der Sommerzeit, dann ist unsere Tätigkeit gleichartig mit der Erdentätigkeit. Im Winter müssen wir uns wiederum im Unterbewußten solche Kräfte entwickeln für den Schlaf, die dem allgemeinen Erdenleben widerstreben, und für das Wachleben haben wir während der Winterzeit diejenigen Kräfte nötig, die in der Richtung des Wachlebens des Erdengeistes liegen. So, möchte ich sagen, schwingen wir mit unserem eigenen Leben, mit den kleinen Schwingungen unseres eigenen Lebens mit in den Jahresschwingungen des Erdenwesens, des bewußten Erdenwesens. Und dieses bewußte Erdenwesen, das ist ganz und gar abhängig von der Konstellation der Sterne. Und da bekommen Sie einen lebendigen Eindruck von dem Durchwebtwerden des eigenen Seelenlebens durch das Sternenleben auf dem Umwege des Erdenschlafens und des Erdenwachens. Da bekommen Sie eine lebendige Vorstellung von dem, was Astrologie wirklich sein sollte, wenn sie überhaupt ernsthaft in Betracht kommen soll. Deshalb ist es so, wie ich oftmals sagte: Astrologie ist entweder der purste Dilettantismus oder aber sie kann nur errungen werden als Wesensglied einer wirklichen Vertiefung in geisteswissenschaftliche Studien und Erkenntnisse.

[ 20 ] Und doch müssen wir uns im Sommer wachend in das Erdenleben hineinstellen. Wir müssen, ich möchte sagen, alle astralen Kräfte anwenden, damit wir nicht verfallen dem Erdenschlafe. Viele Menschen schlafen ja bei der Soemmerhitze wirklich sehr leicht ein, weil ihre astralischen Kräfte nicht stark genug sind, sich gegen den allgemeinen Erdenschlaf aufrechtzuerhalten. Wenn wir selber schlafen während der Sommerzeit, dann ist unsere Tätigkeit gleichartig mit der Erdentätigkeit. Im Winter müssen wir uns wiederum im Unterbewußten solche Kräfte entwickeln für den Schlaf, die dem allgemeinen Erdenleben widerstreben, und für das Wachleben haben wir während der Winterzeit diejenigen Kräfte nötig, die in der Richtung des Wachlebens des Erdengeistes liegen. So, möchte ich sagen, schwingen wir mit unserem eigenen Leben, mit den kleinen Schwingungen unseres eigenen Lebens mit in den Jahresschwingungen des Erdenwesens, des bewußten Erdenwesens. Und dieses bewußte Erdenwesen, das ist ganz und gar abhängig von der Konstellation der Sterne. Und da bekommen Sie einen lebendigen Eindruck von dem Durchwebtwerden des eigenen Seelenlebens durch das Sternenleben auf dem Umwege des Erdenschlafens und des Erdenwachens. Da bekommen Sie eine lebendige Vorstellung von dem, was Astrologie wirklich sein sollte, wenn sie überhaupt ernsthaft in Betracht kommen soll. Deshalb ist es so, wie ich oftmals sagte: Astrologie ist entweder der purste Dilettantismus oder aber sie kann nur errungen werden als Wesensglied einer wirklichen Vertiefung in geisteswissenschaftliche Studien und Erkenntnisse.

[ 21 ] Ich habe in den letzten Zeiten oft betont, wie notwendig es ist, daß sich diejenigen, die der Geisteswissenschaft nahestehen, solche Vorstellungen aneignen, die aus dem bloß Gedanklichen ins Lebendige führen. Denken Sie, daß da ganz neue Seiten des Lebens sich erschließen, wenn wir nun wissen, daß das Bewußtsein in Abbau, in Zerstörung begründet ist, daß Zerstörung da sein muß, damit innerhalb des Physischen das Bewußtsein Werkzeuge haben kann. Denn wahrhaftig, ebensowenig, wie wir in der physischen Welt arbeiten können, ohne die Natur zu zerstören, ebensowenig können wir in uns bewußt werden, ohne daß die Wachstumsprozesse in uns zerstört werden. Hinschauen muß das Hellsehen auf diese fortdauernden Zerstörungsprozesse, rückhältlos hinschauen auf sie, wie, man möchte sagen das ganze Leben hindurch ein sukzessiver Tod sich abspielt, damit Bewußtsein sein kann. Und die Initiation besteht ja darin, daß man im Bild wie konzentriert empfängt diesen sonst auf die ganze Zeit zwischen Geburt und Tod ausgedehnten Zerstörungsprozeß. Aber im wirklichen physischen Tod ist er also konzentriert; und wenn der physische Tod nicht eintreten würde, so würden wir niemals ein Bewußtsein entwickeln können in der geistigen Welt nach dem Tode. Der Tod, das heißt die Zerstörung des physischen und des Ätherleibes, ist die Grundbedingung für die Entwickelung des Bewußtseins in der Zeit zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Wie die Pflanze nicht da sein kann, wenn die Wurzel nicht da ist, so könnte das Bewußtsein zwischen dem Tod und einer neuen Geburt nicht da sein, wenn es nicht herauswurzelte aus dem Todesprozesse. Wie wir uns in den ersten Jahren unseres physischen Lebens die Möglichkeit erringen müssen, seelisch zu zerstören die zuerst wachsenden, sprießenden Prozesse, und das Bewußtsein erst in dem Grade erwacht, wie wir Zerstörungsprozesse hineinbetten können in die Wachstumsprozesse, wie erst wenn diese Kraft der Zerstörungsprozesse einen genügenden Grad erlangt hat, ein Bewußtsein sich überhaupt bildet, so müssen wir den ganzen Leib zerstören, abwerfen; und die Tat, die wir damit tun, dieses Abwerfen zunächst des physischen, dann des Ätherleibes, diese Tat ist die Ausgangstat für das Bewußtsein zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Damit erwerben wir uns die Fähigkeit des Bewußtseins zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, daß wir — man darf schon sagen, denn es entspricht der Richtigkeit — uns sozusagen töten können, das heißt die Prozesse durchmachen können, die im Tode vor sich gehen.

[ 21 ] Ich habe in den letzten Zeiten oft betont, wie notwendig es ist, daß sich diejenigen, die der Geisteswissenschaft nahestehen, solche Vorstellungen aneignen, die aus dem bloß Gedanklichen ins Lebendige führen. Denken Sie, daß da ganz neue Seiten des Lebens sich erschließen, wenn wir nun wissen, daß das Bewußtsein in Abbau, in Zerstörung begründet ist, daß Zerstörung da sein muß, damit innerhalb des Physischen das Bewußtsein Werkzeuge haben kann. Denn wahrhaftig, ebensowenig, wie wir in der physischen Welt arbeiten können, ohne die Natur zu zerstören, ebensowenig können wir in uns bewußt werden, ohne daß die Wachstumsprozesse in uns zerstört werden. Hinschauen muß das Hellsehen auf diese fortdauernden Zerstörungsprozesse, rückhältlos hinschauen auf sie, wie, man möchte sagen das ganze Leben hindurch ein sukzessiver Tod sich abspielt, damit Bewußtsein sein kann. Und die Initiation besteht ja darin, daß man im Bild wie konzentriert empfängt diesen sonst auf die ganze Zeit zwischen Geburt und Tod ausgedehnten Zerstörungsprozeß. Aber im wirklichen physischen Tod ist er also konzentriert; und wenn der physische Tod nicht eintreten würde, so würden wir niemals ein Bewußtsein entwickeln können in der geistigen Welt nach dem Tode. Der Tod, das heißt die Zerstörung des physischen und des Ätherleibes, ist die Grundbedingung für die Entwickelung des Bewußtseins in der Zeit zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Wie die Pflanze nicht da sein kann, wenn die Wurzel nicht da ist, so könnte das Bewußtsein zwischen dem Tod und einer neuen Geburt nicht da sein, wenn es nicht herauswurzelte aus dem Todesprozesse. Wie wir uns in den ersten Jahren unseres physischen Lebens die Möglichkeit erringen müssen, seelisch zu zerstören die zuerst wachsenden, sprießenden Prozesse, und das Bewußtsein erst in dem Grade erwacht, wie wir Zerstörungsprozesse hineinbetten können in die Wachstumsprozesse, wie erst wenn diese Kraft der Zerstörungsprozesse einen genügenden Grad erlangt hat, ein Bewußtsein sich überhaupt bildet, so müssen wir den ganzen Leib zerstören, abwerfen; und die Tat, die wir damit tun, dieses Abwerfen zunächst des physischen, dann des Ätherleibes, diese Tat ist die Ausgangstat für das Bewußtsein zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Damit erwerben wir uns die Fähigkeit des Bewußtseins zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, daß wir — man darf schon sagen, denn es entspricht der Richtigkeit — uns sozusagen töten können, das heißt die Prozesse durchmachen können, die im Tode vor sich gehen.

[ 22 ] Wie das Leben hier zwischen der Geburt und dem Tode seinen Ausgangspunkt hat zuerst in dem bloß pflanzlichen Kindesleben, so hat das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt seinen Ausgangspunkt in dem Todesprozesse. Da sehen wir also auf radikale Zerstörungsprozesse hin. Und das ist eben wichtig, daß wir uns in einer solchen Weise aneignen die Möglichkeit eines Hineinlebens in den gesamten Verlauf der Natur und des ganzen, auch geistigen Weltenalls.

[ 22 ] Wie das Leben hier zwischen der Geburt und dem Tode seinen Ausgangspunkt hat zuerst in dem bloß pflanzlichen Kindesleben, so hat das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt seinen Ausgangspunkt in dem Todesprozesse. Da sehen wir also auf radikale Zerstörungsprozesse hin. Und das ist eben wichtig, daß wir uns in einer solchen Weise aneignen die Möglichkeit eines Hineinlebens in den gesamten Verlauf der Natur und des ganzen, auch geistigen Weltenalls.

[ 23 ] Wenn Sie das neuere Geistesleben betrachten, dann werden Sie finden, daß im Grunde genommen immer mehr und mehr — ich habe auch darauf schon aufmerksam gemacht — die Entwickelung des Menschen sich zurückzieht von dem inneren Prozeß des Daseins, und man die Welt nur äußerlich ansehen will. Es entwickelt sich immer mehr und mehr die Abneigung, die ganze Natur anzusehen; und es entwickelt sich auch mehr und mehr die Hinneigung, bloß, ich möchte sagen die Hälfte der Natur zu betrachten, nämlich die wachsenden, sprießenden, sprossenden Prozesse. Da, wo die Vernichtung beginnt, da, denkt man, höre das Dasein eben auf. Der Materialist kann gar nicht anders als so denken, denn er kann ja niemals Vorstellungen über das geistige Leben in der physischen Welt gewinnen, weil diese Vorstellungen über das geistige Leben in der physischen Welt eben da beginnen, wo die Zerstörungsprozesse beginnen. Aber er will nur die sprossenden Prozesse untersuchen, weil für ihn eigentlich nur die das Reale sind. Wenn etwas anfängt abzuwelken, da fängt er schon wiederum an, dasjenige zu untersuchen, was dann hinüberwächst, oder er untersucht in dem absterbenden Prozesse dasjenige, was dann als chemischer Rest übrigbleibt, das heißt auch wiederum das, was sich da herausentwickelt als das Entstehende. Das Wichtige ist, man will nicht hinlenken das Auge auf die eine Hälfte, auf das Vergehen. Aber [nur] aus dem Vergehen allein kann man eine Anschauung gewinnen über das Dasein des bewußten Seelenlebens. Das ist eine ungeheuer wichtige Vorstellung.

[ 23 ] Wenn Sie das neuere Geistesleben betrachten, dann werden Sie finden, daß im Grunde genommen immer mehr und mehr — ich habe auch darauf schon aufmerksam gemacht — die Entwickelung des Menschen sich zurückzieht von dem inneren Prozeß des Daseins, und man die Welt nur äußerlich ansehen will. Es entwickelt sich immer mehr und mehr die Abneigung, die ganze Natur anzusehen; und es entwickelt sich auch mehr und mehr die Hinneigung, bloß, ich möchte sagen die Hälfte der Natur zu betrachten, nämlich die wachsenden, sprießenden, sprossenden Prozesse. Da, wo die Vernichtung beginnt, da, denkt man, höre das Dasein eben auf. Der Materialist kann gar nicht anders als so denken, denn er kann ja niemals Vorstellungen über das geistige Leben in der physischen Welt gewinnen, weil diese Vorstellungen über das geistige Leben in der physischen Welt eben da beginnen, wo die Zerstörungsprozesse beginnen. Aber er will nur die sprossenden Prozesse untersuchen, weil für ihn eigentlich nur die das Reale sind. Wenn etwas anfängt abzuwelken, da fängt er schon wiederum an, dasjenige zu untersuchen, was dann hinüberwächst, oder er untersucht in dem absterbenden Prozesse dasjenige, was dann als chemischer Rest übrigbleibt, das heißt auch wiederum das, was sich da herausentwickelt als das Entstehende. Das Wichtige ist, man will nicht hinlenken das Auge auf die eine Hälfte, auf das Vergehen. Aber [nur] aus dem Vergehen allein kann man eine Anschauung gewinnen über das Dasein des bewußten Seelenlebens. Das ist eine ungeheuer wichtige Vorstellung.

[ 24 ] Indem sich die neuere Weltanschauung in der eben angedeuteten Weise entwickelt hat, indem sie nur immer den Blick hingerichtet hat auf das Sprießende, Sprossende, hat sie sich auch in die Unmöglichkeit versetzt, Geistiges zu schauen, denn das Geistige schlüpft aus den Dingen dort hervor, wo sie anfangen sich aufzulösen. So lange sie sprießen und sprossen, da arbeitet das Geistige in den Wesen drinnen, da tritt es nicht als Geistiges auf, da offenbart es sich äußerlich durch die materiellen Prozesse. Wenn das Geistige an sich erscheinen soll, dann müssen Zerstörungsprozesse vor sich gehen. Die Geister der Blüten, die Elementargeister der Pflanzen dürfen nicht bleiben, wenn die Blüten aufwachen, wenn die Blüten sich entwikkeln, wenn die Sonne hervorzaubert durch ihre tönende Welle das sprießende und sprossende Leben. «Trifft es euch, so seid ihr taub!» Man lese diese Worte vom Beginne des zweiten Teiles von Goethes «Faust» mit Verstand: Da müssen sie untertauchen; sie können dann heraus, wenn das sprießende, sprossende Leben zurücktritt.

[ 24 ] Indem sich die neuere Weltanschauung in der eben angedeuteten Weise entwickelt hat, indem sie nur immer den Blick hingerichtet hat auf das Sprießende, Sprossende, hat sie sich auch in die Unmöglichkeit versetzt, Geistiges zu schauen, denn das Geistige schlüpft aus den Dingen dort hervor, wo sie anfangen sich aufzulösen. So lange sie sprießen und sprossen, da arbeitet das Geistige in den Wesen drinnen, da tritt es nicht als Geistiges auf, da offenbart es sich äußerlich durch die materiellen Prozesse. Wenn das Geistige an sich erscheinen soll, dann müssen Zerstörungsprozesse vor sich gehen. Die Geister der Blüten, die Elementargeister der Pflanzen dürfen nicht bleiben, wenn die Blüten aufwachen, wenn die Blüten sich entwikkeln, wenn die Sonne hervorzaubert durch ihre tönende Welle das sprießende und sprossende Leben. «Trifft es euch, so seid ihr taub!» Man lese diese Worte vom Beginne des zweiten Teiles von Goethes «Faust» mit Verstand: Da müssen sie untertauchen; sie können dann heraus, wenn das sprießende, sprossende Leben zurücktritt.

[ 25 ] Sehen Sie, so lebendig ist die dichterische Anschauung zum Beispiel bei Goethe, daß er durchaus das empfindet: Wie nun das Sprießende, Sprossende der Sonnenoffenbarung hervorkommt, da müssen sich die Elfenwesen wieder zurückziehen. Wir haben das ja dargestellt zur Freude unserer Kleinen, die sich sehr gerne geduckt haben, als sie das hörten. Aber das wird Ihnen ersichtlich sein, daß gewissermaßen aus dem Anblick der physisch absterbenden Welt, das Geisternebelreich und schließlich überhaupt das Geisterreich ersteht. Es ist nicht so ganz ohne Sinn, wenn die Volksvorstellung sagt, daß die Bäume erst faulen müssen, um geistig zu werden, und uns nur da, wo sie faulen, Geist erscheinen lassen. Wenn wir hinausgehen und irgendwo einen faulenden, dürren Baumstamm haben, dann zeigt er eigentlich erst das Geist-Erscheinen. Es muß überall erst Zerstörung da sein, wenn das Geistige erscheinen soll.

[ 25 ] Sehen Sie, so lebendig ist die dichterische Anschauung zum Beispiel bei Goethe, daß er durchaus das empfindet: Wie nun das Sprießende, Sprossende der Sonnenoffenbarung hervorkommt, da müssen sich die Elfenwesen wieder zurückziehen. Wir haben das ja dargestellt zur Freude unserer Kleinen, die sich sehr gerne geduckt haben, als sie das hörten. Aber das wird Ihnen ersichtlich sein, daß gewissermaßen aus dem Anblick der physisch absterbenden Welt, das Geisternebelreich und schließlich überhaupt das Geisterreich ersteht. Es ist nicht so ganz ohne Sinn, wenn die Volksvorstellung sagt, daß die Bäume erst faulen müssen, um geistig zu werden, und uns nur da, wo sie faulen, Geist erscheinen lassen. Wenn wir hinausgehen und irgendwo einen faulenden, dürren Baumstamm haben, dann zeigt er eigentlich erst das Geist-Erscheinen. Es muß überall erst Zerstörung da sein, wenn das Geistige erscheinen soll.

[ 26 ] Allerdings besteht das neuere Geistesleben gerade darin, daß sich gewissermaßen die Seelen zurückgezogen haben von einem so intimen Miterleben mit der Außenwelt, daß man wirklich auch das Vergehende und damit das Geistig-Lebendige fühlen kann. Und daher ist es so, daß die Menschen, wenn man ihnen heute von dem Geistigen redet, sich überhaupt gar keine Vorstellung machen können. Denn die Welt betrachten sie nur soweit sie sprießt und sproßt; wenn sie [damit] aufhört, wenn sie sich abbaut, ja dann geht sie eben aus der Wirklichkeit hinaus. Wenn man nun den Menschen von dem wirklichen, wahren Leben spricht und davon, daß Geistiges aufsteigt aus dem Vergehen, da finden sie, daß sie von irgend etwas hören, was ihnen gar nichts gibt, gar nichts sagt. Und so kann es denn wirklich passieren, daß man heute zu einer äußeren Versammlung, die noch nicht vorbereitet ist durch gewisse geisteswissenschaftliche Begriffe, redet von dem, was als Geistiges in der Welt lebt, und die Leute nicht wissen, ob man ihnen überhaupt von irgend etwas redet. Und so ist denn für solche Leute die Weltanschauungsfrage vollständig in das Gebiet des Gleichgültigen gekommen. Es ist ihnen schon ganz gleichgültig geworden, was man als den Dingen zugrunde liegend findet.

[ 26 ] Allerdings besteht das neuere Geistesleben gerade darin, daß sich gewissermaßen die Seelen zurückgezogen haben von einem so intimen Miterleben mit der Außenwelt, daß man wirklich auch das Vergehende und damit das Geistig-Lebendige fühlen kann. Und daher ist es so, daß die Menschen, wenn man ihnen heute von dem Geistigen redet, sich überhaupt gar keine Vorstellung machen können. Denn die Welt betrachten sie nur soweit sie sprießt und sproßt; wenn sie [damit] aufhört, wenn sie sich abbaut, ja dann geht sie eben aus der Wirklichkeit hinaus. Wenn man nun den Menschen von dem wirklichen, wahren Leben spricht und davon, daß Geistiges aufsteigt aus dem Vergehen, da finden sie, daß sie von irgend etwas hören, was ihnen gar nichts gibt, gar nichts sagt. Und so kann es denn wirklich passieren, daß man heute zu einer äußeren Versammlung, die noch nicht vorbereitet ist durch gewisse geisteswissenschaftliche Begriffe, redet von dem, was als Geistiges in der Welt lebt, und die Leute nicht wissen, ob man ihnen überhaupt von irgend etwas redet. Und so ist denn für solche Leute die Weltanschauungsfrage vollständig in das Gebiet des Gleichgültigen gekommen. Es ist ihnen schon ganz gleichgültig geworden, was man als den Dingen zugrunde liegend findet.

[ 27 ] Da kann man etwas erleben, wie es einmal bei einem Vortrage geschah. Sie wissen ja, unser innerstes Bestreben ist, diejenigen fern zu halten, die zumeist als die wenigst [Vor]gebildeten in den Vorträgen sitzen: das sind diejenigen, die in den Zeitungen schreiben; die verstehen ja zumeist am allerwenigsten von dem, was da geredet wird. Aber zuweilen kommt es vor, daß solche ganz gescheiten Leute der Gegenwart doch nicht ferne gehalten werden können. Es kann ja nicht überall so radikal vorgegangen werden, wie jüngst an einem ‚Orte Österreichs, wo einfach, als der Journalist angekommen ist, unser Vorsitzender gesagt hat: Sie werden ja doch nichts verstehen, bleiben Sie lieber weg. — Der Mann hatte noch dazu ein gekauftes Billett, [nicht einmal ein Freibillett]. Es kann ja nicht überall so gehen. Und so kam es wirklich ein anderes Mal auch vor, daß der Berichterstatter geschrieben hat: Ja, was soll denn überhaupt die ganze Geisteswissenschaft? Es ist doch klar: der eine stellt sich die Welt so vor, der andere so. Alles das hat gleiches Recht. — Und so breitet sich die üppigste Interesselosigkeit, gleichzeitig mit ungeheuerster Frivolität über alles, was Weltanschauungsfrage ist, an vielen Orten in unserer Zeit aus. So ist einmal über einen Vortrag geschrieben worden: «Nun ja, der eine sieht eben die Welt an als einen Baukasten, der andere braut Krötengallen mit Gedärmen von Tigern zusammen, der dritte ist Monist, der vierte starrt in das Dickicht und denkt gar nichts dabei, der fünfte sieht durch zwei Brillen die Seelenkräfte an, und so könnte» — sagt der Betreffende — «man noch weiter fortfahren.» Es ist ihm also alles gleichgültig.

[ 27 ] Da kann man etwas erleben, wie es einmal bei einem Vortrage geschah. Sie wissen ja, unser innerstes Bestreben ist, diejenigen fern zu halten, die zumeist als die wenigst [Vor]gebildeten in den Vorträgen sitzen: das sind diejenigen, die in den Zeitungen schreiben; die verstehen ja zumeist am allerwenigsten von dem, was da geredet wird. Aber zuweilen kommt es vor, daß solche ganz gescheiten Leute der Gegenwart doch nicht ferne gehalten werden können. Es kann ja nicht überall so radikal vorgegangen werden, wie jüngst an einem ‚Orte Österreichs, wo einfach, als der Journalist angekommen ist, unser Vorsitzender gesagt hat: Sie werden ja doch nichts verstehen, bleiben Sie lieber weg. — Der Mann hatte noch dazu ein gekauftes Billett, [nicht einmal ein Freibillett]. Es kann ja nicht überall so gehen. Und so kam es wirklich ein anderes Mal auch vor, daß der Berichterstatter geschrieben hat: Ja, was soll denn überhaupt die ganze Geisteswissenschaft? Es ist doch klar: der eine stellt sich die Welt so vor, der andere so. Alles das hat gleiches Recht. — Und so breitet sich die üppigste Interesselosigkeit, gleichzeitig mit ungeheuerster Frivolität über alles, was Weltanschauungsfrage ist, an vielen Orten in unserer Zeit aus. So ist einmal über einen Vortrag geschrieben worden: «Nun ja, der eine sieht eben die Welt an als einen Baukasten, der andere braut Krötengallen mit Gedärmen von Tigern zusammen, der dritte ist Monist, der vierte starrt in das Dickicht und denkt gar nichts dabei, der fünfte sieht durch zwei Brillen die Seelenkräfte an, und so könnte» — sagt der Betreffende — «man noch weiter fortfahren.» Es ist ihm also alles gleichgültig.

[ 28 ] Diese Interesselosigkeit gegenüber dem geistigen Ergreifen der Welt, die ist nicht im Schwinden, sondern die ist gerade im Ausbreiten, die wird immer zunehmen, wenn nicht geisteswissenschaftliche Vertiefung in unsere Welt hineindringt. Geisteswissenschaftliche Vertiefung wird ja den allergrößten Wert dadurch haben, daß sie eben nicht bloß das Begriffsvermögen, das Ideenvermögen der Menschen in Anspruch nimmt, sondern daß sie die ganze Seele der Menschen ergreift, durchtränkt, daß der Mensch sich wirklich darinnenstehend fühlt als der Mikrokosmos im Makrokosmos, daß er wirklich im einzelnen darinnen erlebt dasjenige, was, ich möchte sagen, sich erst aufbaut auf den Zerstörungsprozessen. Dadurch erlangen wir ja allein ein wirkliches Miterleben mit den Toten, daß wir indem Zerstörungsprozeß des Todes den Prozeß sehen, aufgrund dessen sich erhebt das geistige Sein des Menschen nach dem Tode, das dann wirkt bis zu einer neuen Geburt.

[ 28 ] Diese Interesselosigkeit gegenüber dem geistigen Ergreifen der Welt, die ist nicht im Schwinden, sondern die ist gerade im Ausbreiten, die wird immer zunehmen, wenn nicht geisteswissenschaftliche Vertiefung in unsere Welt hineindringt. Geisteswissenschaftliche Vertiefung wird ja den allergrößten Wert dadurch haben, daß sie eben nicht bloß das Begriffsvermögen, das Ideenvermögen der Menschen in Anspruch nimmt, sondern daß sie die ganze Seele der Menschen ergreift, durchtränkt, daß der Mensch sich wirklich darinnenstehend fühlt als der Mikrokosmos im Makrokosmos, daß er wirklich im einzelnen darinnen erlebt dasjenige, was, ich möchte sagen, sich erst aufbaut auf den Zerstörungsprozessen. Dadurch erlangen wir ja allein ein wirkliches Miterleben mit den Toten, daß wir indem Zerstörungsprozeß des Todes den Prozeß sehen, aufgrund dessen sich erhebt das geistige Sein des Menschen nach dem Tode, das dann wirkt bis zu einer neuen Geburt.

[ 29 ] So muß denn Geisteswissenschaft zugleich werden ein Hineinleben in die Wahrheit der Dinge, ein Ergriffenwerden von der Wahrheit der Dinge. Neueres Geistesleben ist ein Sich-Entfernen von der Wahrheit, ein Gleichgültigwerden. Es wird einem gleichgültig, ob man hellseherisch in die Dinge hineinschaut oder ob man «Krötengalle mit Tigerdärmen zusammenbraut». In kulturell-ethischer Beziehung ist das neuere Geistesleben auf dem Wege der frivolsten, der zynischen Gleichgültigkeit gegenüber allem Dasein, das in den Tiefen der Wesen vorhanden ist. Demgegenüber entwickelt sich die Geisteswissenschaft, und sie kann sich naturgemäß entwickeln, da die Seele des Menschen einfach dadurch, daß er sich für die Ergebnisse der Geistesforschung interessiert, ergriffen, hineingetragen und verwoben wird in den kosmischen Prozeß. Man braucht nicht hell. sehend zu sein, sondern nur wacker mitzuerleben die Ergebnisse des Hellsehertums, sich bekannt zu machen mit der Geisteswissenschaft, da wird man von dem, was man da als geisteswissenschaftliche Begriffe aufnimmt, gepackt und hineingetragen in ein lebendiges Miterleben und Mitempfinden des Kosmos. Dazu ist allerdings notwendig, daß man nicht bloß Geisteswissenschaft so betrachtet wie etwas, wodurch man sein Leben genießt, sondern immer wieder und wiederum das, was Geisteswissenschaft gibt, in seiner Seele lebendig macht, und weiter und weiter dringend in Gedanken durcharbeitet; man braucht zunächst nicht hellseherisch zu sein, aber man muß sich gewöhnen, die Dinge des Lebens von den verschiedenen Seiten im geisteswissenschaftlichen Sinne zu betrachten. Daher werden die Dinge bei uns von den verschiedensten Seiten her charakterisiert. Dann packen einen einfach die Erlebnisse und tragen die Seele mit ihrem Empfinden, wenn auch noch nicht mit ihrem Erkennen, hinein in das Leben der geistigen Welt und in das sich materiell offenbarende Geistige. |

[ 29 ] So muß denn Geisteswissenschaft zugleich werden ein Hineinleben in die Wahrheit der Dinge, ein Ergriffenwerden von der Wahrheit der Dinge. Neueres Geistesleben ist ein Sich-Entfernen von der Wahrheit, ein Gleichgültigwerden. Es wird einem gleichgültig, ob man hellseherisch in die Dinge hineinschaut oder ob man «Krötengalle mit Tigerdärmen zusammenbraut». In kulturell-ethischer Beziehung ist das neuere Geistesleben auf dem Wege der frivolsten, der zynischen Gleichgültigkeit gegenüber allem Dasein, das in den Tiefen der Wesen vorhanden ist. Demgegenüber entwickelt sich die Geisteswissenschaft, und sie kann sich naturgemäß entwickeln, da die Seele des Menschen einfach dadurch, daß er sich für die Ergebnisse der Geistesforschung interessiert, ergriffen, hineingetragen und verwoben wird in den kosmischen Prozeß. Man braucht nicht hell. sehend zu sein, sondern nur wacker mitzuerleben die Ergebnisse des Hellsehertums, sich bekannt zu machen mit der Geisteswissenschaft, da wird man von dem, was man da als geisteswissenschaftliche Begriffe aufnimmt, gepackt und hineingetragen in ein lebendiges Miterleben und Mitempfinden des Kosmos. Dazu ist allerdings notwendig, daß man nicht bloß Geisteswissenschaft so betrachtet wie etwas, wodurch man sein Leben genießt, sondern immer wieder und wiederum das, was Geisteswissenschaft gibt, in seiner Seele lebendig macht, und weiter und weiter dringend in Gedanken durcharbeitet; man braucht zunächst nicht hellseherisch zu sein, aber man muß sich gewöhnen, die Dinge des Lebens von den verschiedenen Seiten im geisteswissenschaftlichen Sinne zu betrachten. Daher werden die Dinge bei uns von den verschiedensten Seiten her charakterisiert. Dann packen einen einfach die Erlebnisse und tragen die Seele mit ihrem Empfinden, wenn auch noch nicht mit ihrem Erkennen, hinein in das Leben der geistigen Welt und in das sich materiell offenbarende Geistige. |

[ 30 ] Aber damit stellt sich dasjenige, was Geisteswissenschaft bewirken will in Erkenntnis, in Kunst, in dem religiösen Empfinden, in dem ethischen Wollen, hinein in unser Geistesleben als etwas, wovon man sich bewußt sein muß, daß es als ein Neues in der heutigen Bildung aufgeht. Und derjenige, der Geisteswissenschafter ist, muß sich dieser Neuheit bewußt werden. Ich habe das gestern in einem anderen Falle angedeutet, nämlich mit Bezug darauf, daß wir selbst den Christus-Impuls neu zu gestalten haben und daß unsere ChristusFigur gegenüber dem Michelangeloschen Christus eigentlich sehr verändert gestaltet ist. So gründlich müssen wir mutvoll unser Denken und Empfinden gegenüber der Welt neu gestalten können. Dann wird die Menschheit wiederum eine Ahnung bekommen von demjenigen, was ganzes Leben ist, wirkliches intensives, lebendiges Leben. Denn das hat aufgehört; wo wir hinschauen in unserer Umgebung, hat das aufgehört, dasjenige, was noch Goethe empfand als er sagte: Die Kunst muß sein der Ausdruck, der wahre Ausdruck lebendiger Weltengesetze. Sie muß sein eine Interpretation geheimnisvoller Naturgesetze. — Das wird in unserer Gegenwart nicht mehr verstanden. Daher sieht man, wie auf allen Gebieten sich allmählich von dem inneren wirklichen Wahrheitsleben abgliedert dasjenige, was als Erkenntnis auf der einen, was als Kunst auf der anderen Seite auftritt. Man spricht heute in der Kunst so gerne von Kompositionen, von Zusammenstellungen einzelner Glieder. Es ist schon ganz, ich möchte sagen entschwunden, was Kunst in älteren Zeiten war und was sie wieder werden muß: ein Herauserschaffen aus der Wahrheit der Dinge selber. Es ist im eminentesten Sinne, man möchte sagen eine ahrimanische Verschwörung gegen die Wahrheit, die durch die Welt gegenwärtig zieht und die sowohl auf künstlerischen wie auch auf Erkenntnisgebieten zutage tritt.

[ 30 ] Aber damit stellt sich dasjenige, was Geisteswissenschaft bewirken will in Erkenntnis, in Kunst, in dem religiösen Empfinden, in dem ethischen Wollen, hinein in unser Geistesleben als etwas, wovon man sich bewußt sein muß, daß es als ein Neues in der heutigen Bildung aufgeht. Und derjenige, der Geisteswissenschafter ist, muß sich dieser Neuheit bewußt werden. Ich habe das gestern in einem anderen Falle angedeutet, nämlich mit Bezug darauf, daß wir selbst den Christus-Impuls neu zu gestalten haben und daß unsere ChristusFigur gegenüber dem Michelangeloschen Christus eigentlich sehr verändert gestaltet ist. So gründlich müssen wir mutvoll unser Denken und Empfinden gegenüber der Welt neu gestalten können. Dann wird die Menschheit wiederum eine Ahnung bekommen von demjenigen, was ganzes Leben ist, wirkliches intensives, lebendiges Leben. Denn das hat aufgehört; wo wir hinschauen in unserer Umgebung, hat das aufgehört, dasjenige, was noch Goethe empfand als er sagte: Die Kunst muß sein der Ausdruck, der wahre Ausdruck lebendiger Weltengesetze. Sie muß sein eine Interpretation geheimnisvoller Naturgesetze. — Das wird in unserer Gegenwart nicht mehr verstanden. Daher sieht man, wie auf allen Gebieten sich allmählich von dem inneren wirklichen Wahrheitsleben abgliedert dasjenige, was als Erkenntnis auf der einen, was als Kunst auf der anderen Seite auftritt. Man spricht heute in der Kunst so gerne von Kompositionen, von Zusammenstellungen einzelner Glieder. Es ist schon ganz, ich möchte sagen entschwunden, was Kunst in älteren Zeiten war und was sie wieder werden muß: ein Herauserschaffen aus der Wahrheit der Dinge selber. Es ist im eminentesten Sinne, man möchte sagen eine ahrimanische Verschwörung gegen die Wahrheit, die durch die Welt gegenwärtig zieht und die sowohl auf künstlerischen wie auch auf Erkenntnisgebieten zutage tritt.

[ 31 ] Auf dem Erkenntnisgebiete sehen wir ja überall ein Haften an dem bloß sinnenfällig Wahrgenommenen. Wir sehen Ähnliches auch in der Kunst. Wir sehen, wie allmählich in den Menschen die Möglichkeit erstirbt, die innere Wahrheit der Dinge zu fühlen und zu empfinden. Und so können Kunstwerke entstehen und sogar, ich möchte sagen weit über die gebildete Welt hin bewundert werden, wie der Roman «Jean-Christophe» von Romain Rolland.

[ 31 ] Auf dem Erkenntnisgebiete sehen wir ja überall ein Haften an dem bloß sinnenfällig Wahrgenommenen. Wir sehen Ähnliches auch in der Kunst. Wir sehen, wie allmählich in den Menschen die Möglichkeit erstirbt, die innere Wahrheit der Dinge zu fühlen und zu empfinden. Und so können Kunstwerke entstehen und sogar, ich möchte sagen weit über die gebildete Welt hin bewundert werden, wie der Roman «Jean-Christophe» von Romain Rolland.

[ 32 ] Aber wenn jemand aus wirklicher Kunst heraus bildet, jemand, der innere Wahrheit, innere waltende Wahrheit empfindet, der braut nicht ein solches «Kunstwerk» wie den «Jean-Christophe» zusammen; der weiß, daß die Individualität eines Beethoven, Richard Wagner, Strauß, Gustav Mahler jede für sich innere Wahrheit haben. Braut man sie zusammen, so erzeugt man ein widerwärtiges Chaos einer dekadenten Kunst, wie es dieser widerwärtige «Jean-Christophe» ist, der aber zum Leidwesen aller derjenigen, die mit wirklicher Kunst etwas zu tun haben — es muß auch solches gesagt werden —, über die ganze gebildete Kulturwelt hin bewundert wird, bewundert wird, weil, ich möchte sagen eine geheime Verschwörung besteht gegenwärtig gegen die wirkliche wesenhafte Wahrheit. Ja, man merkt gar nicht einmal, daß man sich durch die Bewunderung eines solchen sogenannten Kunstwerkes gegen die Wahrheit, gegen die wirkliche, wesenhafte Wahrheit versündigt, wenn man statt lebendiger Individualitäten, die aus dem lebendig Einheitlichen heraus gebildet sind, ein chaotisches, törichtes Zeug, das aus allem Möglichen [zusammen]komponiert ist, gelten läßt.

[ 32 ] Aber wenn jemand aus wirklicher Kunst heraus bildet, jemand, der innere Wahrheit, innere waltende Wahrheit empfindet, der braut nicht ein solches «Kunstwerk» wie den «Jean-Christophe» zusammen; der weiß, daß die Individualität eines Beethoven, Richard Wagner, Strauß, Gustav Mahler jede für sich innere Wahrheit haben. Braut man sie zusammen, so erzeugt man ein widerwärtiges Chaos einer dekadenten Kunst, wie es dieser widerwärtige «Jean-Christophe» ist, der aber zum Leidwesen aller derjenigen, die mit wirklicher Kunst etwas zu tun haben — es muß auch solches gesagt werden —, über die ganze gebildete Kulturwelt hin bewundert wird, bewundert wird, weil, ich möchte sagen eine geheime Verschwörung besteht gegenwärtig gegen die wirkliche wesenhafte Wahrheit. Ja, man merkt gar nicht einmal, daß man sich durch die Bewunderung eines solchen sogenannten Kunstwerkes gegen die Wahrheit, gegen die wirkliche, wesenhafte Wahrheit versündigt, wenn man statt lebendiger Individualitäten, die aus dem lebendig Einheitlichen heraus gebildet sind, ein chaotisches, törichtes Zeug, das aus allem Möglichen [zusammen]komponiert ist, gelten läßt.

[ 33 ] Man muß schon nach den verschiedenen Quellen des Verkehrten hinschauen, aus denen in unserer Gegenwart die Seelen so gerne schöpfen; man muß ruhig und mutig dieses Verkehrte sich eingestehen, um das ganz Bedeutsame des Impulses der Geisteswissenschaft, um sein Eingreifen in die lebendige Wahrheitswelt der Menschheit sich zum Bewußtsein zu bringen. Dann aber wird man auch verstehen, daß wir in einem Zeitalter leben, in dem klar werden muß das, was uns anschaut: auf der einen Seite Sommerleben, sprießendes, sprossendes Leben: «Ex Deo nascimur»; [auf der anderen Seite Winterleben,] Zerstören des Lebens, aber hervorgehend Geist aus diesem zerstörten Leben in unserer Zeit nach dem Mysterium von Golgatha: «In Christo morimur.» Aber stehen bleiben darf die Menschheit in der Zukunft nicht allein auf diesem Boden, sondern wenn dieses sprießende und sprossende Sommerleben kommt, wenn der Schlaf des Erdengeistes kommt, dann müssen wir die Kraft finden, in den Schlaf des Erdengeistes hinein ein höheres, aus den Ergebnissen der hellseherischen Wissenschaft herauskommendes Leben der Seele zu entwickeln. Dann müssen wir sagen: So wie die Welt ist, ist Sommerleben «Ex Deo nascimur»; Winterleben — so wie die Welt ist und und wie das Mysterium von Golgatha hineingestellt ist — «In Christo morimur». Aber indem wir dem Schlafe des äußeren Erdenorganismus entgegengehen, dem Sommerleben, seien wir uns bewußt, daß wir hineintragen können in diese Zeit dasjenige, was wir nun fühlen aus diesem wirklichen Miterleben der geistigen Welt heraus das, was der Geist hineinträgt in die Zeit, da die Erde schläft: Pfingststimmung. Wenn wir so recht empfunden haben «In Christo morimur», dann tragen wir die Pfingststimmung in diesen Schlafzustand der Erde hinein, indem wir hineinnehmen die Impulse, die uns Geisteswissenschaft geben kann.

[ 33 ] Man muß schon nach den verschiedenen Quellen des Verkehrten hinschauen, aus denen in unserer Gegenwart die Seelen so gerne schöpfen; man muß ruhig und mutig dieses Verkehrte sich eingestehen, um das ganz Bedeutsame des Impulses der Geisteswissenschaft, um sein Eingreifen in die lebendige Wahrheitswelt der Menschheit sich zum Bewußtsein zu bringen. Dann aber wird man auch verstehen, daß wir in einem Zeitalter leben, in dem klar werden muß das, was uns anschaut: auf der einen Seite Sommerleben, sprießendes, sprossendes Leben: «Ex Deo nascimur»; [auf der anderen Seite Winterleben,] Zerstören des Lebens, aber hervorgehend Geist aus diesem zerstörten Leben in unserer Zeit nach dem Mysterium von Golgatha: «In Christo morimur.» Aber stehen bleiben darf die Menschheit in der Zukunft nicht allein auf diesem Boden, sondern wenn dieses sprießende und sprossende Sommerleben kommt, wenn der Schlaf des Erdengeistes kommt, dann müssen wir die Kraft finden, in den Schlaf des Erdengeistes hinein ein höheres, aus den Ergebnissen der hellseherischen Wissenschaft herauskommendes Leben der Seele zu entwickeln. Dann müssen wir sagen: So wie die Welt ist, ist Sommerleben «Ex Deo nascimur»; Winterleben — so wie die Welt ist und und wie das Mysterium von Golgatha hineingestellt ist — «In Christo morimur». Aber indem wir dem Schlafe des äußeren Erdenorganismus entgegengehen, dem Sommerleben, seien wir uns bewußt, daß wir hineintragen können in diese Zeit dasjenige, was wir nun fühlen aus diesem wirklichen Miterleben der geistigen Welt heraus das, was der Geist hineinträgt in die Zeit, da die Erde schläft: Pfingststimmung. Wenn wir so recht empfunden haben «In Christo morimur», dann tragen wir die Pfingststimmung in diesen Schlafzustand der Erde hinein, indem wir hineinnehmen die Impulse, die uns Geisteswissenschaft geben kann.

[ 34 ] Wir sind aus dem Göttlichen geboren, das sprießende, sprossende Natursommerleben ist Zeuge dafür. Wir leben mit dem Christus, das fühlen wir; indem wir in die Winterzeit hineinleben, da die Erde wacht, nehmen wir die Christus-Impulse mit hinein in das Naturersterbende Leben: «In Christo morimur.»

[ 34 ] Wir sind aus dem Göttlichen geboren, das sprießende, sprossende Natursommerleben ist Zeuge dafür. Wir leben mit dem Christus, das fühlen wir; indem wir in die Winterzeit hineinleben, da die Erde wacht, nehmen wir die Christus-Impulse mit hinein in das Naturersterbende Leben: «In Christo morimur.»

[ 35 ] Aber indem wir wiederum dem Sommer entgegengehen mit dem Mysterium von Golgatha, tragen wir Pfingststimmung in das Leben hinein, damit es wache in der Finsternis des Sommers, im Sprießenden und Sprossenden, daß inmitten schlafender Erdengeister wir selber im Geiste erwachen: «Per spiritum sanctum reviviscimus.»

[ 35 ] Aber indem wir wiederum dem Sommer entgegengehen mit dem Mysterium von Golgatha, tragen wir Pfingststimmung in das Leben hinein, damit es wache in der Finsternis des Sommers, im Sprießenden und Sprossenden, daß inmitten schlafender Erdengeister wir selber im Geiste erwachen: «Per spiritum sanctum reviviscimus.»