Chance, Necessity, and Providence
Imaginative Insight and Processes after Death
GA 163
30 August 1915, Dornach
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Chance, Necessity, and Providence, tr. SOL
Fünfter Vortrag
Fifth Lecture
[ 1 ] Wir haben gesehen, daß das Notwendige mit dem Vergangenen zusammengedacht werden muß, daß gewissermaßen in dem Geschehen der Welt soviel Notwendiges steckt, als Vergangenes darin ist, weil sich das Vergangene in dem Gegenwärtigen, wie wir versucht haben zu begreifen, spiegelt. Und dann handelt es sich darum, daß wir gerade an solchen Begriffen, über die wir uns klarwerden wollen, gewissermaßen eine Art von Stärkung suchen, damit wir, gestärkt durch solche Begriffe, dann an eigentlich geisteswissenschaftliche Wahrheiten herangehen können. Das ist in vieler Beziehung das Verhängnisvolle, daß man oftmals ein großes Verlangen trägt nach den, wie man so sagen könnte, verborgenen geisteswissenschaftlichen Wahrheiten, und daß man sich scheut, sein Denken, sein Vorstellen zu stärken durch die Aufnahme und Durchprägung strenger Begriffe. Diese Aufnahme und Durchprägung strenger Begriffe disziplinieren unseren Geist und unsere Seele. Und wenn wir nicht scheuen, bei solcher Aufnahme und Durchprägung von Begriffen und Ideen innerlich wahr zu bleiben, dann werden wir niemals durch die eigentlichen geisteswissenschaftlichen Begriffe irgendeine Gefahr laufen können.
[ 1 ] We have seen that the necessary must be conceived in conjunction with the past, that, in a sense, there is as much of the necessary in the course of world events as there is of the past, because the past is reflected in the present, as we have tried to understand. And then the point is that we seek, as it were, a kind of strengthening precisely in such concepts as we wish to clarify for ourselves, so that, strengthened by such concepts, we can then approach what are actually truths of Spiritual Science. In many respects, this is the fatal flaw: that one often harbors a great longing for what one might call the hidden truths of Spiritual Science, yet shrinks from strengthening one’s thinking and mental images by assimilating and internalizing rigorous concepts. This assimilation and internalization of rigorous concepts disciplines our mind and our soul. And if we do not shy away from remaining true to ourselves inwardly as we assimilate and internalize such concepts and ideas, then we will never be in any danger from the actual concepts of Spiritual Science.
[ 2 ] Allerdings, ich habe es ja schon erzählt, hat sich immer wieder und wiederum gezeigt, wie überwiegend bei vielen die Sehnsucht nach geisteswissenschaftlichen Wahrheiten und wie wenig überwiegend die Sehnsucht nach der Durchprägung fester Begriffe ist. Gleich im Anfang, als wir auf unserem geisteswissenschaftlichen Gebiet zu arbeiten begannen, hat es einige gegeben, die erklärt haben, sie könnten zu meinen Vorträgen eigentlich doch nicht kommen, denn sie verfielen, weil da mit Begriffen gearbeitet werde, in eine Art von Schlafzustand! Und einzelne besonders mediale Naturen, die haben es sogar so weit gebracht, daß sie herausgehen mußten aus den Sälen, in denen in Berlin vorgetragen wurde, und eine Dame fand man einmal sogar hingefallen draußen, so stark war sie in Schlaf eingelullt worden dadurch, daß klare Begriffe gesucht wurden.
[ 2 ] However, as I have already mentioned, it has been shown time and again just how widespread the longing for truths in Spiritual Science is among many people, and how little the longing for a firm grasp of fixed concepts is. Right from the start, when we began working in our field of Spiritual Science, there were some who explained that they really couldn’t attend my lectures because, since concepts were being used, they would fall into a sort of sleep-like state! And certain individuals with particularly mediumistic dispositions even went so far as to have to leave the halls where the lectures were being held in Berlin; once, a lady was even found collapsed outside, so deeply had she been lulled to sleep by the search for clear concepts.
[ 3 ] Man hat auch einmal Goethe vorgeworfen, daß er mit seinen Begriffen von der Metamorphose der Pflanze, von der Metamorphose der Tiere, mit seinen Begriffen des auf die Farbe bezüglichen Urphänomens «blasse Begriffe» schaffe. — Er hat in seine «Weissagungen des Bakis», von denen ich auch schon gesprochen habe, eine Stelle hineingetan, die sich auf diese Scheu vor — wie die Leute sagen — «blassen Begriffen» bezieht. Allerdings ist auch dieser Vierzeiler recht mißverstanden worden von denjenigen, die die «Weissagungen des Bakis» auszulegen versucht haben. Goethe sagte: «Blaß erscheinest du mir» — der Begriff, die Idee — «und tot dem Auge. Wie rufst du, aus der inneren Kraft, heiliges Leben empor?» Das ist so richtig von Goethe geprägt, der Ausspruch derjenigen, die nicht gerne scharfe Begriffe hören, sondern dabei einschlafen, die immer gerne in wohligen Worten über geheimnisvoll Mystisches hören möchten, bei dem sich auch etwas träumen, nicht nur denken läßt. Die sagen: «Blaß erscheinest du mir, und tot dem Auge.» — Zu dem sagen sie das, der manchmal auch in etwas schärferen Begriffen sprechen will. — Und dann fragen sie ihn: «Wie rufst du, aus der inneren Kraft, heiliges Leben empor ?» Da antwortet Goethe:
[ 3 ] Goethe was once accused of creating “vague concepts” with his ideas about the metamorphosis of plants and animals, and with his concepts of the primordial phenomenon related to color. — In his “Prophecies of Baki,” which I have already mentioned, he included a passage that refers to this aversion to—as people say—“pale concepts.” However, even this four-line stanza has been quite misunderstood by those who have attempted to interpret the “Prophecies of Bakis.” Goethe said: “Pale you appear to me”—the concept, the idea—“and dead to the eye. How do you call forth, from your inner strength, sacred life?” This is so aptly put by Goethe—the sentiment of those who do not like to hear sharp concepts but fall asleep at the mention of them, who always prefer to hear about mysterious mysticism in soothing words, where one can also dream, not just think. They say: “You appear pale to me, and dead to the eye.” — They say this to the one who sometimes wishes to speak in somewhat sharper terms. — And then they ask him: “How do you summon, from your inner strength, sacred life?” To this, Goethe replies:
Wär ich dem Auge vollendet, so könntest du ruhig genießen;
Nur der Mangel erhebt über dich selbst dich hinweg.
If I were perfect to the eye, you could enjoy me with peace of mind;
Only imperfection lifts you above yourself.
[ 4 ] Das heißt, der Mangel an dem für das Auge Vollendeten, also an Sinnenfälligem, der erhebt einen über sich selbst hinweg. Sonst ist man selber tot in der Welt, wenn man nicht versucht, das, was die Menschen oftmals «blasse Begriffe» nennen, wirklich prägend in sich aufzunehmen. Und so müssen wir schon manchmal, damit alles Barock-Mystische von unserer Geisteswissenschaft weiche, uns auch der Betrachtung haarscharfer Begriffswelten hingeben.
[ 4 ] In other words, it is the absence of what is perfect to the eye—that is, of what is immediately perceptible—that lifts one beyond oneself. Otherwise, one is oneself dead in the world if one does not attempt to truly internalize what people often call “pale concepts.” And so, in order for all Baroque mysticism to give way to our Spiritual Science, we must sometimes also devote ourselves to the contemplation of conceptual worlds that differ by a hair’s breadth.
[ 5 ] Von Notwendigkeit habe ich zunächst gesprochen. Es frägt sich zunächst, ob alle die Begriffe, die wir so sehr häufig im trivialen Leben mit dem Begriff der Notwendigkeit zusammenbringen, wirklich alle zusammengebracht werden dürfen mit dem Begriff «Notwendigkeit». Mancher sagt: Das Notwendige muß geschehen. — Aber ist das nun wirklich unter allen Umständen richtig, zu sagen: Das Notwendige muß geschehen? — Sehen Sie, mit diesem «Das Notwendige muß geschehen», ist es so, wie ich es Ihnen durch einen Vergleich klarmachen möchte. Nehmen wir an, wir haben hier einen Fluß (es wird gezeichnet), hier eine Gebirgsformation, so hinansteigend, und wir nehmen wahr, daß da oben ein Fluß oder ein Bach beginnt. Nehmen wir an, es wäre uns verwehrt, weiter zu sehen als bis hierher. Wir studieren durch irgend etwas den Verlauf des Flusses oder des Baches nach der Gebirgsformation, und wir können uns sagen: Nach dem, was wir von diesem Gesichtspunkte aus vielleicht studieren können, besteht die Notwendigkeit, daß dieser Bach in diesen Fluß hineinfließt. Das ist nach der Gebirgsformation absolut notwendig, und der Satz: «Der Bach fließt in diesen Fluß hinein», der könnte absolut eine Notwendigkeit ausdrücken. Aber nehmen wir an, es hätte jemand eine Regulierung angebracht und den Bach abgeleitet, so daß er hier so herfließt. Dann würde er das Notwendige verhindert haben, dann würde das Notwendige nicht geschehen sein. Es ist ein grober Vergleich, aber im Leben und im Werden ist es so: Die Notwendigkeiten sind da, aber die Notwendigkeiten müssen nicht immer geschehen. Wir müssen dasjenige, was geschieht, und dasjenige, was notwendig ist, auseinanderhalten. Das sind zwei verschiedene Begriffe.
[ 5 ] I began by speaking of necessity. The first question is whether all the concepts that we so frequently associate with the concept of necessity in everyday life can truly all be equated with the concept of “necessity.” Some say: What is necessary must happen. — But is it really correct under all circumstances to say: What is necessary must happen? — You see, this idea that “what is necessary must happen” is something I’d like to clarify for you through an analogy. Let’s suppose we have a river here (it is drawn), a mountain range rising up here, and we observe that a river or stream begins up there. Let’s suppose we were unable to see any further than this point. We study, through some means, the course of the river or stream as it follows the mountain range, and we can say to ourselves: Based on what we might be able to observe from this vantage point, it is necessary for this stream to flow into this river. This is absolutely necessary given the mountain range, and the statement, “The stream flows into this river,” could absolutely express a necessity. But let’s suppose someone had installed a diversion and redirected the stream so that it flows this way here. Then they would have prevented what is necessary; then what is necessary would not have happened. It’s a rough comparison, but in life and in the process of becoming, it is like this: Necessities exist, but they do not always have to occur. We must distinguish between what happens and what is necessary. These are two different concepts.
[ 6 ] Nun erinnern wir uns an Verschiedenes. Erinnern wir uns zunächst an das Naheliegende, was wir uns gestern erworben haben: daß das Vergangene in das Gegenwärtige hereinwirkt und gewissermaßen in dem Gegenwärtigen als Spiegelbild vorhanden ist. Erinnern wir uns aber auch noch an etwas anderes, wo wir auch das Bild des Spiegels gebrauchen müßten. Wir haben ja des öfteren betont, wie eigentlich das menschliche Erkennen verläuft beim Walten des gewöhnlichen Tagesbewußtseins. Der Mensch ist eigentlich mit dem Teil, der erkennt, immer außerhalb seines Leibes und seiner Leibesfunktionen. Der lebt in den Dingen, habe ich oftmals gesagt. Und daß er etwas erkennt, das beruht darauf, daß sich sein Erleben in den Dingen an seinem Leibe spiegelt. So daß wir schematisch, wenn wir das als Leib ansehen (es wird gezeichnet), sagen können: Mit dem Teil der Erkenntnis sind wir außerhalb des Leibes, und am Leibe spiegelt sich dasjenige, was wir an den Dingen erleben.
[ 6 ] Now let us recall various things. Let us first recall the obvious point we learned yesterday: that the past influences the present and, in a sense, exists in the present as a reflection. But let us also recall something else where we would need to use the image of the mirror. We have, after all, often emphasized how human cognition actually proceeds under the influence of ordinary everyday consciousness. The human being, in fact, is always outside of his body and his bodily functions with the part that cognizes. “That part lives in the things,” as I have often said. And the fact that a person perceives something is based on the fact that their experience of the things is reflected in their body. So that, schematically, if we regard this as the body (it is drawn), we can say: With the part that perceives, we are outside the body, and what we experience in the things is reflected in the body.
[ 7 ] Nehmen wir also an, wir sehen eine blaue Farbe, so erleben wir eigentlich in einer blauen Blume, in der Zichorie zum Beispiel, das Blau. Nur kommt es uns da nicht zum Bewußtsein, sondern dadurch, daß es sich spiegelt im Auge. Unser Auge ist ein Teil unseres Spiegelungsapparates. Wir sehen unser Erleben, das wir in der Zichorie drinnen haben, indem wir es in unserem Auge spiegeln lassen. — Wir leben so auch in den Tönen. Aber das kommt uns zunächst nicht zum Bewußtsein, dies Leben in den Tönen; sondern erst dadurch kommt es uns zum Bewußtsein, daß es in unserem Gehörwerkzeug sich spiegelt. Unser ganzer Erkenntnisorganismus ist ein Spiegelungsapparat.
[ 7 ] So let’s assume we see the color blue; in reality, we experience that blue within a blue flower—in chicory, for example. It’s just that we don’t become aware of it there, but rather through its reflection in the eye. Our eye is part of our reflective apparatus. We see the experience we have within the chicory by allowing it to be reflected in our eye. — We also live in this way within sounds. But this life within sounds does not initially come to our consciousness; rather, it only comes to our consciousness through its reflection in our hearing organ. Our entire cognitive organism is a reflective apparatus.
[ 8 ] Das war es, was ich dazumal, bei diesem letzten Philosophenkongreß in Bologna, auch philosophisch zu begründen versuchte.
[ 8 ] That was what I tried to justify philosophically back then, at that last philosophy conference in Bologna.
[ 9 ] Unser Erkennen entsteht also als Spiegelung aus unserem Organismus, als Spiegelung desjenigen, was wir erleben. Und wenn Sie diesen Begriff des Spiegelns nehmen, sei es des Spiegelns des Vergangenen in der Gegenwart, sei es des Spiegelns unseres Erlebens durch unseren eigenen Erkenntnisorganismus, so werden Sie sich eines gestehen müssen: Dasjenige, was als Spiegelbild zu einer Sache hinzukommt oder zu einem Geschehen, das ist der Sache und dem Geschehen höchst gleichgültig. Es hat gar nichts mit der Sache und dem Geschehen unmittelbar zu tun. Wenn Sie ein Spiegelbild betrachten, so können Sie sich ganz gut denken, daß alles so ist, wie es ist, auch ohne daß Sie dieses Spiegelbild betrachten. Das Spiegelbild kommt also hinzu zu allem übrigen, zu dem, was im Spiegelbild wiedergegeben ist. Insbesondere bei unserer Erkenntnis ist es so. Dem Bild ist es ganz einerlei, ob wir uns gerade diese Erkenntnis bilden oder nicht.
[ 9 ] Our cognition thus arises as a reflection from our organism, as a reflection of what we experience. And if you take this concept of reflection—whether it be the reflection of the past in the present or the reflection of our experience through our own cognitive organism—you will have to admit one thing: what is added as a reflection to a thing or an event is of the utmost indifference to that thing and that event. It has absolutely nothing to do with the thing or the event directly. When you look at a reflection, you can easily imagine that everything is just as it is, even without looking at that reflection. The reflection, then, is simply added to everything else—to what is reproduced in the reflection. This is particularly true of our cognition. It makes no difference to the image whether we are forming this very cognition or not.
[ 10 ] Stellen Sie sich vor, Sie gehen durch eine Landschaft. Glauben Sie, daß die Landschaft weniger schön ist, oder überhaupt weniger das ist, was sie ist, wenn Sie nicht durchgehen würden und sie in sich selbst, an sich selbst spiegelnd erleben würden? Das ist etwas, was hinzukommt zu der Landschaft, der Landschaft ist das höchst gleichgültig. Ist es auch Ihnen gleichgültig? Nein, Ihnen ist es nicht gleichgültig. Denn indem Sie heute durch eine sich in Ihrem Inneren spiegelnde Landschaft gehen, dasjenige erleben, was sich da spiegelt, sind Sie in gewissen Grenzen morgen in Ihrer Seele ein anderer geworden. Das, was Sie da erlebt haben, was der Landschaft höchst gleichgültig ist, das bedeutet für Sie den Anfang eines inneren Seelenreichtums, der wachsen kann in Ihnen.
[ 10 ] Imagine you are walking through a landscape. Do you think the landscape is any less beautiful—or even any less what it is—if you were not walking through it and experiencing it as it reflects within you, in and of itself? This is something that is added to the landscape; the landscape itself is completely indifferent to it. Is it indifferent to you, too? No, it is not indifferent to you. For by walking today through a landscape reflected within you, by experiencing what is reflected there, you have, within certain limits, become a different person in your soul by tomorrow. What you have experienced there—which is utterly indifferent to the landscape—marks for you the beginning of an inner richness of the soul that can grow within you.
[ 11 ] Was heißt denn aber das eigentlich? Das heißt, wenn wir zunächst den Gesichtspunkt in bezug auf die Landschaft nehmen, daß wir sagen können: Dieses Geschehen, das spielt sich so ab bis hierher (es wird gezeichnet). Daß Sie durch die Landschaft gehen, das spielt sich extra ab, daneben. Die Landschaft spiegelt sich in Ihnen. Das wird nun weiteres Erlebnis in Ihrer Seele. Wodurch ist denn das entstanden, was da in Ihrer Seele weiter wächst und webt? Dadurch ist es entstanden, daß zu dem, was sich bis hierher abgespielt hat, etwas ganz Neues hinzugetreten ist. Es ist wirklich in Ihrer Seele aus dem Nichts etwas entstanden. Denn gegenüber allem Vorhergehenden ist das Spiegelbild ein Nichts natürlich, ein wirkliches, reales Nichts. Das heißt: Sie knüpfen an an dasjenige, an das gar nicht angeknüpft zu werden braucht. Sie kommen hinzu. Sie fallen zu dem notwendigen Geschehen hinzu als ein Lebendiges, das anknüpft etwas, was auch nicht bedingt war durch das Vorhergehende. Denn Sie hätten ja auch wegbleiben können. Dann würde nur alles dasjenige, was Sie von der Spiegelung haben, nicht eintreten.
[ 11 ] But what does that actually mean? It means that if we first consider the landscape from this perspective, we can say: This event unfolds up to this point (it is depicted). The fact that you are walking through the landscape takes place separately, alongside it. The landscape is reflected within you. This now becomes a further experience in your soul. How did that which continues to grow and weave within your soul come about? It came about because something entirely new has been added to what has unfolded up to this point. Something has truly arisen in your soul out of nothing. For in contrast to everything that has gone before, the reflection is, of course, a nothing—a true, real nothing. That is to say: you are connecting to that which does not need to be connected to at all. You are joining in. You are joining the necessary unfolding as a living being that connects to something which was also not conditioned by what came before. For you could just as well have stayed away. Then everything that you gain from the reflection would simply not occur.
[ 12 ] Indem Sie so etwas überlegen, erhalten Sie den Begriff des Zufalls. Darin steckt der wirkliche Begriff des Zufalls. Und daraus sehen Sie zugleich, daß, wo Zufall auftritt, zusammenstoßen müssen, wirklich zusammenstoßen müssen, könnte man sagen, Wesen oder Wesentliches, Daraus aber ersehen Sie, daß der Zufall möglich ist in der Welt. Und wäre er nicht möglich, so könnte diese Bereicherung nicht geschehen, die ein Wesen erfährt auf die Art, wie ich es Ihnen beschrieben habe.
[ 12 ] By thinking about something like this, you arrive at the concept of chance. That is where the true concept of chance lies. And from this you can see at the same time that, where chance occurs, essences—or the essential—must collide, truly must collide, one might say. From this, however, you can see that chance is possible in the world. And if it were not possible, this enrichment—which an essence experiences in the way I have described to you—could not take place.
[ 13 ] In dieser Form ist der Zufall durchaus ein gültiger Begriff. Er ist etwas innerhalb des Weltenwirkens, und er zeigt uns, daß neue Anknüpfungspunkte aus dem Spiegeln heraus gewonnen werden können im Weltenwerden. Würde es unmöglich sein, daß im Weltenwerden sich ein Glied an die anderen Glieder knüpft, ohne daß Spiegelung entsteht, dann würde das, was unter den Begriff der «Zufälligkeit» fällt, absolut ausgeschlossen sein. Würde es so sein, daß die Wiese Sie wie mit Fäden hinzieht, daß in ihr die Bedingungen liegen, daß Sie durchgehen, und würde nicht in Ihnen ein Spiegelbild entstehen auf die Art, wie ich es gesagt habe, daß es der Wiese gleichgültig ist, sondern würde die Wiese in Sie hineinprägen das Bild von sich aus, dann gäbe es nur dasjenige, was notwendiges gesetzliches Werden ist. Aber dann gäbe es überhaupt, so schwer das zu denken ist, nirgends Gegenwart. Nirgends gäbe es Gegenwart! — Was folgt daraus? Daß diejenigen Wesen, die ein solches Anknüpfen nicht mitmachen wollen, nicht weiter können, wenn sie ein solches Werden verfolgen; sie müssen wieder zurück (es wird gezeichnet). Denn das ist das Gesetz der Teufel und Gespenster, daß sie durch die Öffnung, durch die sie hereingekommen sind, wieder hinaus müssen. Das sehen Sie schon angeführt im Goetheschen «Faust». Sie können keine neue Werdewelle einleiten, sondern sie müssen wieder dahin, wo sie hergekommen sind. Dadurch aber, daß so etwas, eine solche neue Werdewelle, im Weltenwerden möglich ist, ist auch die Freiheit möglich.
[ 13 ] In this sense, chance is certainly a valid concept. It is something within the workings of the world, and it shows us that new points of connection can be derived from reflection in the unfolding of the world. If it were impossible for one link to connect to the other links in the world’s becoming without reflection arising, then what falls under the concept of “chance” would be absolutely ruled out. If it were the case that the meadow drew you in as if with threads, that the conditions for your passing through lay within it, and if a reflection did not arise within you in the way I have described—namely, that it is indifferent to the meadow—but rather if the meadow were to imprint its own image upon you, then there would be nothing but what is necessary, lawful becoming. But then, as difficult as it is to conceive, there would be no present anywhere at all. Nowhere would there be the present! — What follows from this? That those beings who do not wish to participate in such a connection cannot proceed further if they pursue such a becoming; they must turn back (it is depicted). For that is the law of devils and ghosts: they must exit again through the opening through which they entered. You can already see this illustrated in Goethe’s *Faust*. They cannot initiate a new wave of becoming, but must return to where they came from. Yet precisely because such a thing—a new wave of becoming—is possible in the unfolding of the world, freedom is also possible.
[ 14 ] Nun ist bei allen unseren Erkenntnissen, mit Ausnahme einer gewissen Klasse von Erkenntnissen, keine reine Spiegelung da, sondern nur eine unreine Spiegelung, insofern bei unseren Erkenntnissen mitwirken allerlei Impulse. Aus unserer Vergangenheit her sind die Erkenntnisse nicht reine Begriffe, die wir uns machen. Wenn wir uns den reinen Begriff einmal angeeignet haben, so brauchen wir nicht mehr uns bloß zu erinnern, sondern der Begriff kann immer neu gebildet werden. Gewohnheit wird er zwar, aber er ist eine Gewohnheit, die mit dem Vergangenen dann abgeschlossen hat, und die immer in dem Begriff ein neues Spiegelbild hervorruft. Die Begriffe, die wir uns bilden, die sind reine Spiegelbilder. Die kommen von der anderen Seite her durch uns zu den Dingen hinzu. Daher kann, wenn wir einen Impuls in Begriffe fassen, der Begriff Impuls der Freiheit sein. — Das ist dasjenige, was ich dazumal versuchte, des breiteren in meiner «Philosophie der Freiheit» auszuführen. Gerade dieser Gedanke ist ja in meiner «Philosophie der Freiheit» ausgeführt.
[ 14 ] Now, with the exception of a certain class of insights, none of our insights involve a pure reflection, but only an impure one, insofar as all manner of impulses play a role in our insights. Drawing from our past, these insights are not pure concepts that we form for ourselves. Once we have appropriated the pure concept, we no longer need merely to recall it; rather, the concept can be formed anew each time. It does indeed become a habit, but it is a habit that has then closed the chapter on the past and that always evokes a new reflection within the concept. The concepts we form are pure reflections. They come from the other side, passing through us to the things themselves. Therefore, when we capture an impulse in concepts, the concept can be an impulse of freedom. — This is what I attempted at the time to elaborate on more fully in my *Philosophy of Freedom*. It is precisely this thought that is elaborated upon in my *Philosophy of Freedom*.
[ 15 ] Aber der Freiheitsbegriff schließt den Zufallsbegriff notwendigerweise in sich. In diesem Sinne müssen wir uns strenge Begriffe aneignen, denn die haben auch für das Leben die tiefste Bedeutung. Ich will Ihnen einen Fall anführen, über den wir ja öfter gesprochen haben, der aber gerade hier seine besondere Beleuchtung findet. Nehmen wir einmal an, wir stehen der Krankheit gegenüber. Niemals dürfen wir der Krankheit gegenüber den Gesichtspunkt des Vergangenen, das heißt des Notwendigen entfalten, sondern wir müssen immer den Gesichtspunkt des Gegenwärtigen haben. Das heißt, wir müssen diesen Gesichtspunkt des Gegenwärtigen dadurch lebendig machen, daß wir helfen, so viel zu helfen ist. Hat die Krankheit zum Tode geführt, dann ist erst die Zeit, wo wir den Begriff der Notwendigkeit überhaupt ins Feld führen dürfen, und begreifen, daß die Sache notwendig war. Da geht das unmittelbar ins Leben über. Da müssen wir uns streng auf den Standpunkt stellen: Dem Vergangenen gegenüber Notwendigkeit, dem Gegenwärtigen gegenüber unmittelbares Leben! — So kann sich, indem wir versuchen die Begriffe von den Gesichtspunkten aus zu beleuchten, die fruchtbarer sind, uns in die Seele prägen eine gewisse Handhabung der Begriffe, wie wir an diesem einen Beispiel gesehen haben.
[ 15 ] But the concept of freedom necessarily encompasses the concept of chance. In this sense, we must adopt rigorous concepts, for they also hold the deepest significance for life. I would like to cite a case that we have discussed on several occasions, but which is particularly relevant here. Let us suppose, for a moment, that we are faced with illness. We must never approach illness from the perspective of the past—that is, of necessity—but must always maintain the perspective of the present. This means we must bring this perspective of the present to life by helping as much as we possibly can. If the illness has led to death, only then is it time to introduce the concept of necessity at all and to understand that the event was necessary. There, it immediately transitions into life. There we must strictly adopt the following standpoint: necessity in relation to the past, immediate life in relation to the present! — Thus, by attempting to illuminate concepts from perspectives that are more fruitful, a certain way of handling these concepts can become ingrained in our souls, as we have seen in this single example.
[ 16 ] Nun wäre allerdings über den Begriff des Zufalls sehr viel zu sagen. Das wird im Laufe der Zeiten schon noch geschehen. Ich wollte Ihnen zunächst einmal diesen Begriff des Zufalls prägen und Ihnen aufzeigen, inwiefern er eine Berechtigung hat. Die bequemste Art, das Werden anzuschauen, ist diese, daß wenn man einmal etwas vom Karma gehört hat, man sagt: Alles ist karmisch notwendig. — Wenn also jemand hier (es wird gezeichnet) eine Inkarnation und dazwischen das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt und hier wiederum eine Inkarnation hat, und er nun in dieser zweiten Inkarnation irgend etwas erlebt, so sagt er: Nun ja, das ist die Folge desjenigen, was in der vorhergehenden Inkarnation war. — Aber es ist nicht durchaus notwendig, daß wir den Gesichtspunkt just in der gegenwärtigen Inkarnation bloß nehmen; wir können ja an die zukünftige Inkarnation denken, an die Inkarnation drei (es wird gezeichnet). Da kann etwas geschehen, was wir im Karma auf die gegenwärtige Inkarnation zurückführen. In der gegenwärtigen Inkarnation kann es aber durchaus ein erstes sein, das heißt, es kann unmittelbar aus der Spiegelung heraus durch ein Lebendiges Wirklichkeit geworden sein. Und das ist das Wesentliche, daß aus der Spiegelung heraus, die unwirklich ist, durch ein Lebendiges etwas wirklich werde. Dadurch verwandelt sich im Werden das Zufällige in das Notwendige. Dann, wenn das Zufällige vergangen ist, wird es ein Notwendiges.
[ 16 ] Now, however, there is much to be said about the concept of chance. That will happen in due course. For now, I wanted to introduce you to this concept of chance and show you to what extent it is justified. The easiest way to look at the process of becoming is this: once you’ve heard something about karma, you say, “Everything is karmically necessary.” — So if someone has (as illustrated here) an incarnation, followed by the life between death and a new birth, and then another incarnation, and if they experience something in this second incarnation, they say: “Well, that is the consequence of what happened in the previous incarnation.” — But it is not absolutely necessary that we consider the matter solely from the perspective of the present incarnation; we can, after all, think of the future incarnation, incarnation number three (it is drawn). Something may happen there that we attribute to the present incarnation through karma. In the present incarnation, however, it may well be a first instance—that is, it may have become reality directly out of the reflection through a living being. And that is the essential point: that out of the reflection, which is unreal, something becomes real through a living being. Through this, the contingent is transformed into the necessary in the process of becoming. Then, once the contingent has passed, it becomes a necessity.
[ 17 ] In wunderschöner Weise hat Goethe uns das «Wort eines Weisen», wie er es nennt, gesagt. Er hat es gesagt, als er einen großen Schmerz im Leben erfahren hat. Da prägt er in bezug auf das Werden im Menschengeschlecht das Wort, wie er sagte, «eines Weisen». Und das hieß so: «Die vernünftige Welt ist als ein großes unsterbliches Individuum zu betrachten, das unaufhaltsam das Notwendige bewirkt», — das heißt: etwas bewirkt, und wenn es bewirkt ist, wird es der Vergangenheit einverwoben und ist ein Notwendiges, — «und dadurch sich sogar über das Zufällige zum Herrn macht». — Ein wunderschöner Meditationssatz! Lernen können wir daran zugleich etwas: daß Goethe unter dem Eindruck eines großen Schmerzes diesen Satz hingeschrieben hat, unter dem Eindruck eines Schmerzes, der sein ganzes Empfinden, sein ganzes Seelenleben veranlaßt hat, auf das Werden innerhalb der Menschheit hinzuschauen und sich zu fragen: Wie geschieht denn eigentlich dieses Werden? Und da entrang sich seiner Seele die Erkenntnis, daß die vernünftige Welt, die Menschen zusammen das Notwendige bewirken und sich dadurch über das Zufällige zum Herrn machen, das heißt, diesen Zufall ewig dem Notwendigen beischließen.
[ 17 ] Goethe beautifully conveyed to us what he called the “words of a wise man.” He spoke these words when he was experiencing great pain in his life. It was then that he coined, in reference to the evolution of the human race, the words of, as he put it, “a wise man.” And it went like this: “The rational world is to be regarded as a great, immortal individual that inexorably brings about what is necessary”—that is, it brings something about, and once it is brought about, it becomes woven into the past and is a necessity—“and thereby even makes itself master over the contingent.” — A beautiful sentence for meditation! We can also learn something from it: that Goethe wrote this sentence under the influence of great pain, a pain that caused his entire sensibility, his entire inner life, to look toward the process of becoming within humanity and to ask himself: How does this process of becoming actually take place? And then the realization welled up from his soul: that in the rational world, human beings collectively bring about the necessary and thereby make themselves masters over the contingent—that is, they eternally subordinate this contingency to the necessary.
[ 18 ] Ich möchte das, was ich hier gesagt habe, nicht ohne eine Zwischenbemerkung lassen. Eine solche Erkenntnis ist wirklich ein guter Meditationssatz, weil ungeheuer viel darin liegt und uns herausfließt, wenn wir darüber meditieren. Wir sollen nicht bloß beim abstrakten Verstehen eines solchen Satzes stehenbleiben, der aus dem uralten Goethe herausgeflossen ist, als er 1828 einen großen Schmerz erlebt hat. Da steckt viel Leben drinnen, in einem solchen Satze! Und die Zwischenbemerkung, die ich machen will, ist diese: Erkenntnisse müssen wir eigentlich immer als eine Gnade ansehen, die uns wird. Und gerade derjenige, der Erkenntnisse gewinnt aus der geistigen, aus der übersinnlichen Welt, der weiß, wie solche Erkenntnisse ihm dann gnadenvoll werden, wenn er dazu vorbereitet ist, wenn sein Eigenes entgegenkommen kann einer gewissen Strömung, die aus der geistigen Welt wie in ihn eindringt. Gerade gegenüber den übersinnlichen Erkenntnissen erfährt man es immer wieder und wiederum, daß man bereitet sein muß, und daß man auf sie muß warten können; daß man nicht jederzeit geeignet ist, eine bestimmte Erkenntnis unmittelbar aus der geistigen Welt zu gewinnen.
[ 18 ] I do not wish to leave what I have said here without a brief aside. Such an insight is truly a good meditation phrase, because there is an immense depth to it, and it flows out of us when we meditate on it. We should not merely stop at an abstract understanding of such a sentence, which flowed from the venerable Goethe when he experienced great sorrow in 1828. There is so much life within such a sentence! And the aside I wish to make is this: we must always regard insights as a grace bestowed upon us. And it is precisely the person who gains insights from the spiritual, from the supersensible world, who knows how such insights are then bestowed upon him as a grace when he is prepared for them, when his own being is able to meet a certain current that flows into him from the spiritual world. It is precisely with regard to supersensible insights that one experiences time and again that one must be prepared, and that one must be able to wait for them; that one is not always ready to gain a particular insight directly from the spiritual world.
[ 19 ] Es muß dies gesagt werden gerade da, wo man in einem solchen Zusammenhange lebt, wie der unsrige ist. Sehen Sie, gar leicht entstehen da Irrtümer über Irrtümer über die Art und Weise, wie übersinnliche Erkenntnisse überhaupt gedeihen und fruchtbar verbreitet werden können. Gar mancher kommt zu mir und fragt aus dem Blauen heraus über dies oder jenes, und erhebt oftmals den Anspruch, Auskünfte zu erhalten über Gebiete, die mir in dieser Zeit, in der er aus dem Blauen heraus frägt, ganz ferne liegen. Er macht Anspruch darauf, daß ich ihm das Allerrichtigste sage. Denn das herrscht ja allgemein als eine Überzeugung geradezu, daß derjenige, der aus der geistigen Welt heraus spricht, eigentlich alles weiß, was in der geistigen Welt ist, und daß er jederzeit über alles in beliebiger Weise Auskunft geben kann. Und wenn er dann nicht so ohne weiteres auf eine Frage hin antwortet, dann bekommt er häufig zur Antwort: Derjenige, der fragt, dürfe das wohl nicht wissen oder dergleichen. Aber das, was hier zugrunde liegt, ist ein zu grobes Nehmen der Korrespondenz, die besteht zwischen der übersinnlichen Welt und der menschlichen Seele. Man sollte sich eben dessen bewußt sein, daß « Bereitschaft zur Wahrheit» dasjenige ist, was insbesondere notwendig ist zum unmittelbaren Entgegennehmen der Wahrheiten aus der geistigen Welt. Mißverständnisse über diese Dinge müssen allmählich beseitigt werden. Gewiß, diejenigen, die gewissermaßen noch ferner stehen dem eigentlichen Wahrheitsgebiet des Geisteslebens, die werden das Bedürfnis haben, alles mögliche zu fragen. Denen können ja dann Antworten gegeben werden aus dem Gedächtnis heraus über dasjenige, was erforscht ist. Aber ursprüngliche Wahrheiten sollten von keinem Geistesforscher so ohne weiteres aus dem Blauen heraus gefordert werden, sondern man sollte sich klar sein darüber, daß er es gewissermaßen empfindet, wie wenn man — kühn ins Physische übersetzt mit einem Messer ins Fleisch schneidet, indem man verlangt, daß er über irgend etwas Auskunft gibt, das nicht im bisherigen Gebiet seines Forschens liegt.
[ 19 ] This must be said precisely in a context such as ours. You see, it is all too easy for misconceptions to pile up one on top of another regarding the way in which supersensible knowledge can flourish and be fruitfully disseminated. Quite a few people come to me and ask, out of the blue, about this or that, and often expect to receive information about areas that are completely beyond my reach at the very moment they are asking me these questions. They expect me to tell them the absolute truth. For it is, after all, a widespread conviction that whoever speaks from the spiritual world actually knows everything that exists in the spiritual world, and that he can provide information about anything at any time in any way he chooses. And if he does not answer a question immediately, he is often told: “The one who asks is probably not allowed to know that,” or something similar. But what underlies this is an overly simplistic understanding of the correspondence that exists between the supersensible world and the human soul. One should be aware that “readiness for the truth” is what is particularly necessary for the direct reception of truths from the spiritual world. Misunderstandings about these matters must gradually be dispelled. Certainly, those who are, so to speak, still further removed from the actual realm of truth in spiritual life will feel the need to ask all sorts of questions. To them, answers can then be given from memory based on what has been researched. But no spiritual researcher should be asked to produce original truths out of thin air; rather, one should be aware that the researcher experiences this, so to speak, as if—to boldly translate it into the physical realm—one were cutting into flesh with a knife by demanding that he provide information about something that lies outside the scope of his research to date.
[ 20 ] Alles dasjenige, was den Menschen eben hinaufführt in die geistigen Welten, unterliegt einmal bestimmten Gesetzen. Und diese Gesetze, die muß man sich nach und nach aneignen, damit die Mißverständnisse gegenüber dem Hereinströmen der geistigen Wahrheiten in die physische Welt immer mehr und mehr abnehmen. Nur dadurch, daß wir uns bemühen, gerade in dieser Beziehung von allem Egoismus, auch des beliebigen Erkennenwollens, frei zu werden, nur dadurch schaffen wir gesunde Grundlagen der geistigen Bewegung, wie sie jetzt sein soll und sein muß. Es müssen einfach gewisse geistige Wahrheiten der Welt heute einverleibt werden. Aber man soll ihnen nicht mit den Aspirationen entgegentreten, die man von der Welt hereinbringt, in der man früher auch gelebt hat, und alles so, wie man es früher entfaltet hat, auch gegenüber den geistigen Wahrheiten entfalten wollen. Dadurch soll man nicht diese geistige Bewegung untergraben. Geistige Bewegungen sind zumeist dadurch untergraben worden, daß die Menschen durchaus nicht ihre Lebensgewohnheiten den geistigen Wahrheiten anpassen wollten, sondern daß sie die Lebensgewohnheiten, die sie schon gehabt haben, hineinbringen in das Gebiet des Empfangens der geistigen Wahrheiten. Und so ist es denn gekommen, daß im 18. Jahrhundert aus dem Strome, der durch Ja£ob Böhme eingeflossen ist dem europäischen Geistesleben, eine Gesellschaft begründet worden ist. Berichtet wird heute, und zwar der Wahrheit gemäß, daß diese Gesellschaft eine Anzahl von Mitgliedern gehabt habe, daß aber geblieben sei ein einziger, und zwar derjenige, der die Gesellschaft begründet hat! — Nun habe ich ja immer die Hoffnung, daß bei uns mehr bleibt als ein einziger. Aber dazumal war es eben so bei einem Versuch, eine Gesellschaft zu begründen. Und erzählt wurde, daß eine ungeheuer große Anzahl derjenigen, die Anhänger geworden sind, zu ganz merkwürdigen Menschen nachher geworden sind. Ich will gar nicht alles aufzählen, was erzählt wird von den Anhängern jener Gesellschaft im 18. Jahrhundert.
[ 20 ] Everything that leads human beings upward into the spiritual worlds is ultimately subject to certain laws. And these laws must be gradually assimilated so that misunderstandings regarding the influx of spiritual truths into the physical world may diminish more and more. Only by striving to free ourselves from all selfishness in this regard—including the arbitrary desire for knowledge—can we lay a sound foundation for the spiritual movement as it should and must be today. Certain spiritual truths simply must be incorporated into the world today. But one should not oppose them with the aspirations one brings from the world in which one previously lived, nor should one seek to apply everything—just as one previously did—to the spiritual truths as well. One must not undermine this spiritual movement in this way. Spiritual movements have mostly been undermined by the fact that people were by no means willing to adapt their way of life to spiritual truths, but instead brought the way of life they had already had into the realm of receiving spiritual truths. And so it came to pass that in the 18th century, from the stream that flowed into European spiritual life through Jakob Böhme, a society was founded. It is reported today—and truthfully so—that this society had a number of members, but that only one remained: the very person who founded the society! — Now, I always hope that more than just one will remain among us. But back then, that was precisely the case in an attempt to found a society. And it was said that an enormous number of those who became followers subsequently turned into quite peculiar people. I do not wish to list everything that is said about the followers of that society in the 18th century.
[ 21 ] Man bekommt, indem man sich in die geistige Welt einlebt — und das kann man wohl durch das Empfangen der Geisteswissenschaft —, immer mehr und mehr ein Gefühl, ein Empfinden für das Beschlossensein in einer geistigen Welt. Und indem man die Welt, in der man lebt, mit scharfgeprägten Begriffen umfaßt, bereitet man sich auch vor, in der richtigen Weise in die höheren Welten begreifend sich zu erheben. Wer nicht «Notwendigkeit» und «Zufall» so scharf denken will, wie wir es jetzt versucht haben, der wird nicht leicht sich erheben zu dem Begriff der «Vorsehung». Denn sehen Sie, lernen kann man viel an den geistigen Wesenheiten, die uns umgeben.
[ 21 ] By immersing oneself in the spiritual world—and this can certainly be achieved through the study of Spiritual Science—one develops, more and more, a sense, a feeling of being immersed in a spiritual world. And by grasping the world in which one lives with clearly defined concepts, one also prepares oneself to rise in a proper and understanding way into the higher worlds. Those who are not willing to think about “necessity” and “chance” as clearly as we have just attempted to do will not easily rise to the concept of “providence.” For, you see, one can learn a great deal from the spiritual beings that surround us.
[ 22 ] Die heutige Geisteskultur ist ja vielfach geistverlassen. Wie geistverlassen sie ist, habe ich Ihnen an manchen Bemerkungen, die ich Ihnen aus Fritz Mauthner zitiert habe, klarzumachen versucht. Eine der kuriosesten Bemerkungen Fritz Mauthners möchte ich noch hinzufügen, damit Sie sehen, wozu ein ehrlicher Mensch kommt, ein Mensch, der nicht bloß von dieser Wissenschaft, wie sie heute besteht, wie sie überall vertreten wird, sagt: Nur diese Wissenschaft ist da, wir wissen eben heute das, was die dummen Vorfahren noch nicht gewußt haben, und ihr Nichtbegreifen haben wir endlich abgestreift —, sondern der das, was heute die allgemeinen Gesichtspunkte sind, ehrlich nehmen kann, und dann in bezug auf eine Sache zu merkwürdigen Konsequenzen kommt. Ich habe Ihnen schon einmal gesagt, Fritz Mauthner hat Kant «überkantet». Er hat nicht nur eine «Kritik der reinen Vernunft», sondern eine «Kritik der Sprache» geschrieben. Er geht überall auf die Worte los. Und er hat sich eine bestimmte Definition gebildet für das Übergehen eines Wortes von einem Gebiete in ein anderes Gebiet. Ich führe absichtlich ein falsches, aber von Mauthner für richtig gehaltenes Beispiel aus seinem «Wörterbuch der Philosophie» an: Im Gebiete der älteren lateinischen Kulturen gab es das Wort veritas = Wahrheit. Nun sagt er dazu, daß dieses Wort veritas in die neuere deutsche Kultur herübergenommen worden sei, daß man es einfach so herübergenommen habe, und daraus sei das Wort «Wahrheit» entstanden. So etwas nennt er eine «Lehnübersetzung». Und solche Lehnübersetzungen verfolgt er mit einer ungeheuren Scharfsinnigkeit und mit großer Gewissenhaftigkeit durch viele Kulturen hindurch. Lehnübersetzungen — wie die Worte wandern und wie solche Lehnübersetzungen sich bilden, das verfolgt er. Er kramt ungeheuer in den Worten. Er hat nirgends die Sehnsucht, zu schauen «alle Wirkungskraft und Samen», aber er kramt in den Worten mit ungeheuerem Fleiße. Und so versuchte er denn auch etwa folgendes: Nehmen wir an, innerhalb eines Volkes finden sich Anschauungen. Von diesen Anschauungen nimmt Fritz Mauthner nur die Worte, denn für ihn besteht das Denken in den Worten. Nun sagt er: Diese Worte sind da; aber wir können sie zu einem anderen Volk zurückverfolgen. Das zweite Volk, wo die Worte sind, hat Lehnübersetzungen aus dem ersten. Und da bringt er es dann fertig, folgendes zu machen. Ich muß Ihnen das Beispiel anführen, denn es ist wirklich allzu nett, um von diesem Beispiel aus so in die gegenwärtige Art, wie man eigentlich denken muß, wenn man dieser Art treu ist, hineinzukommen. Es ist sehr wichtig, daß man an solchen Dingen nicht vorbeigeht. Da verfolgt er also verschiedene Lehnübersetzungen, das heißt, er sucht die Wortwandlungen von Gebiet zu Gebiet, unter anderem die folgenden: «Kaffee ist Lehnwort oder eigentlich Fremdwort geblieben; im Deutschen wenigstens ist weder Schreibung noch Aussprache einheitlich geworden. Patate ist im Englischen Lehnwort aus irgendeiner Indianersprache; in Karzoffel haben wir entweder Lehnübersetzung oder bastardierten Bedeutungswandel, in Erdapfel und Grum-, Bodebirn, liegt Umschreibung oder Beschreibung vor. Die Römer übernahmen von den Griechen die Sitte, dem Sieger beim Wettkampf oder beim Gelage eine corona, einen Kranz aufzusetzen. Blumenkränze wand man auch wohl anderswo. Aber erst durch die Renaissarice wurden Substantiv und Verbum wieder eingeführt, es gab Dichterkronen und gekrönte Dichter, wo dann Krone wie im Lateinischen Kranz bedeutete. Ja sogar die Pflanzenart, die bei den Griechen einheimisch war, wenigstens in historischer Zeit, wurde sprachlich und real importiert. Der Lorbeer (eigentlich doch der laurus und nicht die Beere,; der baccalaureus gehörte dann wieder als ein Symbol zu einem bestimmten Titel, zum Baccalaureat, französisch bachelier, um im englischen bachelor sich zu einer wieder neuen Bedeutung zu wandeln) wurde nach Speidels witzigem Wort das Gemüse des Ruhms, und der gekrönte Dichter hieß von Petrarca bis auf Tennyson poeta laureatus. Der wohlfeile Lorbeer brauchte keinen Ersatz. Der Myrthenkranz, der irgendwo im Orient nach irgendeiner falschen Beobachtung oder nach einer noch falscheren Volksetymologie zum Symbol des Geschlechtslebens und sodann just der Keuschheit wurde, war in Deutschland als Kraut leichter zu beschaffen denn als Blüte, und so gehen unsere deutschen Bräute unter einem Kranze oder einer Krone von echten Blättern und falschen Blüten. Ganz allgemein wird bei uns zur Osterzeit die Palme durch das einzig Grüne der Jahreszeit, des Weidenkätzchens, ersetzt; und weil Palme, im Orient der natürliche Pflanzenschmuck, in den Worten Palmsonntag, Palmwoche usw. zu einem Präfix geworden ist, welches gerade diese Festzeit bezeichnet, so werden die ersetzenden grünen Weidenzweige Palmzweige, Palmkätzchen genannt.»
[ 22 ] Today’s intellectual culture is, in many ways, devoid of spirit. I have tried to illustrate just how devoid of spirit it is through some of the remarks I have quoted from Fritz Mauthner. I would like to add one of Fritz Mauthner’s most curious remarks so that you can see what an honest person comes to—a person who does not merely say of this science, as it exists today and as it is universally represented: “This is the only science that exists; we now know what our foolish ancestors did not know, and we have finally shed their lack of understanding”—but who can honestly take what are today’s general perspectives and then arrive at remarkable conclusions regarding a particular matter. I have told you before that Fritz Mauthner “outdid” Kant. He wrote not only a “Critique of Pure Reason” but also a “Critique of Language.” He attacks the words at every turn. And he has formulated a specific definition for the transition of a word from one domain to another. I deliberately cite a false example—one that Mauthner, however, considers correct—from his *Dictionary of Philosophy*: In the realm of the older Latin cultures, there was the word *veritas* = truth. Now he says that this word *veritas* was adopted into modern German culture—that it was simply adopted as is—and from this the word “Wahrheit” arose. He calls this a “loan translation.” And he traces such loan translations with tremendous acuity and great conscientiousness across many cultures. Loan translations—how words migrate and how such loan translations are formed—that is what he traces. He delves deeply into words. Nowhere does he have the desire to examine “all the power and seeds” behind them, but he delves into words with immense diligence. And so he attempted something like the following: Let’s assume that certain views exist within a people. From these views, Fritz Mauthner takes only the words, for to him, thought consists of words. Now he says: These words exist; but we can trace them back to another people. The second people, where the words are found, has loan translations from the first. And then he manages to do the following. I must give you this example, for it is truly too good to pass up as a way to arrive, from this example, at the present way of thinking—the way one must actually think if one is true to this approach. It is very important not to overlook such things. So he traces various loan translations—that is, he examines how words have changed from region to region—including the following: “Coffee has remained a loanword, or more precisely, a foreign word; in German, at least, neither its spelling nor its pronunciation has become standardized. ‘Patate’ is a loanword in English from some Native American language; in ‘Karzoffel’ we have either a loan translation or a hybrid shift in meaning; in ‘Erdapfel’ and ‘Grum-, Bodebirn,’ we have a paraphrase or descriptive term. The Romans adopted from the Greeks the custom of placing a ‘corona,’ a wreath, on the victor’s head during a competition or a feast. Floral wreaths were likely worn elsewhere as well. But it was not until the Renaissance that the noun and verb were reintroduced; there were poets’ crowns and crowned poets, where “crown” then meant “wreath,” as in Latin. Indeed, even the plant species that was native to the Greeks—at least in historical times—was imported both linguistically and in reality. The laurel (strictly speaking, the *laurus* and not the berry; the *baccalaureus*—then became, once again, a symbol associated with a specific title, the *baccalaureat* (French *bachelier*), only to take on yet another new meaning in the English *bachelor*) became, in Speidel’s witty phrase, the “vegetable of glory,” and the crowned poet was called *poeta laureatus* from Petrarch on through Tennyson. The common laurel needed no substitute. The myrtle wreath, which somewhere in the Orient—based on some erroneous observation or an even more erroneous folk etymology—became a symbol of sexual life and then, ironically, of chastity, was easier to obtain in Germany as a herb than as a flower; and so our German brides walk down the aisle under a wreath or crown of real leaves and artificial flowers. Generally speaking, during Eastertime here, the palm is replaced by the only green thing of the season, the willow catkin; and because “palm”—the natural plant decoration in the Orient—has become a prefix in words such as Palm Sunday, Palm Week, etc., denoting precisely this festive season, the substitute green willow branches are called “palm branches” or “palm catkins.”
[ 23 ] Sie sehen, er verfolgt solche Lehnübersetzungen, die von einem Volksgebiet ins andere gehen. Und daran knüpft er dann das Folgende: «Unerschöpflich für solche Realentlehnungen, auch für Verben, ist der Übergang des Christentums zu den abendländischen Völkern. Man mag die Wanderung der Realien des christlichen Kultus und die Wanderung der christlichen Gedankendinge im Buche selbst nachlesen. (Vergl. den Artikel Christentum.)»
[ 23 ] As you can see, he traces such loan translations that pass from one ethnic group to another. And he then goes on to say the following: “The spread of Christianity among the Western peoples is an inexhaustible source of such real-world loanwords, including verbs. One can read about the spread of the material elements of Christian worship and the spread of Christian ideas in the book itself. (See the article on Christianity.)”
[ 24 ] Nun, wenn wir den Artikel «Christentum» aufschlagen, so finden wir da einen schönen Satz darinnen: «Ich will hier vom Christentum, wie es als Schöpfung der germanischen und germanisch-romanischen Völker geworden ist und die abendländische Kultur durch Formen, Worte und Rücksichten vorläufig noch beherrscht, gar nichts weiter sagen und nachweisen als das Eine: daß das gesamte Christentum die ungeheuerste Lehnübersetzung oder Kette von Lehnübersetzungen darstellt, die wir im Lichte der Geschichte beobachten können.»
[ 24 ] Well, if we look up the entry “Christianity,” we find a beautiful sentence there: “I do not wish to say or prove anything more here about Christianity—as it has emerged as a creation of the Germanic and Germanic-Romance peoples and still provisionally dominates Western culture through forms, words, and considerations—than this one thing: that Christianity as a whole represents the most immense loan translation or chain of loan translations that we can observe in the light of history.”
[ 25 ] Was ist also das Christentum nach Mauthner: Eine Summe von Lehnübersetzungen! Das heißt: Worte hat man gehabt da, wo das Christentum entstanden ist! Und wenn wir es jetzt in Europa aufsuchen, dann müssen wir Lehnübersetzungen da suchen. Diese Lehnübersetzungen — das ist das Christentum, und nichts anderes —, behauptet er. Wenn durch irgendeinen Zufall etwas anderes entstanden wäre, als daß man gerade bestimmte Worte in Lehnübersetzungen übernommen hätte, so hätte die ganze andere Kultur sich anders entwikkelt. Aber das Wichtige ist, daß dies doch echte Konsequenz ist unserer gegenwärtigen wissenschaftlichen Voraussetzungen. Es ist echte, es ist ehrliche Konsequenz, und diejenigen, die diese Konsequenz nicht ziehen, sind nur unehrlicher als Fritz Mauthner. Wer auf dem Standpunkte der gegenwärtigen Wissenschaft steht, muß eben sagen: Mir ist das ganze Christentum nichts als eine Summe von Lehnübersetzungen! — Es könnte einer etwa einwenden, daß ja Mauthner nur nachweist, inwiefern «Kaffee» als Lehnübersetzung in unsere Sprache gekommen ist, aber nicht, auf welche Weise der Kaffee selbst nach Europa gekommen ist. Gewiß, man kann sagen: Der Mann hat nicht nachgewiesen, wie, weil das Christentum eine Summe von Lehnübersetzungen ist, das Christentum nach Europa kommen mußte. Er hat über die Sache überhaupt nichts entschieden. — Den Einwand kann man so ohne weiteres nicht machen, sondern man muß sagen: Wenn man im Sinne der gegenwärtigen Wissenschaft denkt, so kann man eben nichts über die Sache wissen. Man schließt sich selber von der Sache aus. Das ist es.
[ 25 ] So what is Christianity according to Mauthner: a collection of loan translations! That is to say: the words were already there where Christianity originated! And when we look for it in Europe today, we must look for loan translations there. These loan translations—that is Christianity, and nothing else—he asserts. If, by some chance, something other than the adoption of specific words in loan translations had come about, the entire culture would have developed differently. But the important thing is that this is, after all, a genuine consequence of our current scientific premises. It is a genuine, honest consequence, and those who do not draw this conclusion are simply more dishonest than Fritz Mauthner. Anyone who stands on the ground of current science must simply say: To me, the whole of Christianity is nothing but a sum of loan translations! — One might object, for example, that Mauthner merely demonstrates to what extent “coffee” entered our language as a loan translation, but not how coffee itself came to Europe. Certainly, one could say: The man has not demonstrated how, given that Christianity is a collection of loan translations, Christianity had to come to Europe. He has not decided anything on the matter at all. — One cannot simply make that objection; rather, one must say: If one thinks in terms of current scholarship, then one simply cannot know anything about the matter. One excludes oneself from the matter. That is it.
[ 26 ] Kein Wunder dann, daß ein Mensch, der neben dem, was er ist und was ich Ihnen schon geschildert habe, außerdem eigentlich noch ganz gescheit ist, das Folgende sagt: «Ich gehe nicht so weit wie James (Psychologie 5.297), der jede Verbesserung des Gedächtnisses für unmöglich hält; es wäre nicht unmöglich, daß die Organe der Gedächtnisarbeit durch Einübung leistungsfähiger würden, wie sich das von den Organen der Muskelarbeit nachweisen läßt. Jedenfalls liegt der Schulpsychologie, die das Gedächtnis der jungen Leute durch sinnlose Übungen zu stärken glaubt, die alte Assoziationspsychologie zugrunde, die im Gedächtnis das Gedankending Kraft sieht, und in den Vorstellungen anderer Gedankendinge, mit denen diese Kraft spielen lernt. Ist aber das Gedächtnis nichts außer und neben seiner Tätigkeit, wie die Seele nichts ist außer und neben ihren Erlebnissen, so bleibt kein Gedankending übrig, das gestärkt werden könnte; der eiserne Wille, der sich selbst ein Vergessen brauchbarer Kenntnisse nicht durchgehen läßt, der sich mit Anstrengung erinnert, wo es ohne Anstrengung nicht geht, der ist Charaktersache; und in diesem Sinne ist das Gedächtnis eines Individuums allerdings unveränderlich wie der Charakter. Ganz abgesehen davon aber sind die sinnlosen Einübungen unserer Schule zum mindesten so nutzlos, wie es die Einübung falscher Muskeln für den erwünschten Gebrauch der Glieder wäre. Wer in seiner Jugend nichts weiter gelernt hat als auf seinen Händen zu gehen, kann nachher keinen Gebrauch davon machen, er wollte denn im Zirkus auftreten.»
[ 26 ] No wonder, then, that a person who, in addition to being who he is and what I have already described to you, is actually quite intelligent, says the following: “I do not go as far as James (Psychology 5.297), who considers any improvement in memory to be impossible; it would not be impossible for the organs responsible for memory to become more efficient through practice, just as has been demonstrated for the organs responsible for muscular activity. In any case, school psychology—which believes it can strengthen young people’s memory through meaningless exercises—is based on the old associationist psychology, which sees in memory the “thought-thing” as a force, and in the mental images of other “thought-things” with which this force learns to interact. But if memory is nothing other than and apart from its activity—just as the soul is nothing other than and apart from its experiences—then there remains no “thought-thing” that could be strengthened; the iron will that does not allow itself to forget useful knowledge, that remembers with effort where it cannot be done without effort—that is a matter of character; and in this sense, an individual’s memory is indeed as unchangeable as character. Quite apart from that, however, the senseless drills of our school are at least as useless as training the wrong muscles would be for the desired use of the limbs. Anyone who has learned nothing more in his youth than to walk on his hands cannot make any use of it later, unless he intends to perform in the circus.”
[ 27 ] Er meint, unsere Kinder werden in der Schule so dressiert, daß sie eigentlich in falscher Weise ihr Gehirn gebrauchen lernen, so wie wenn man bloß lernen müßte, auf den Händen zu gehen, was man dann im Leben auch nicht gebrauchen kann. Aber trotzdem er das einsieht, kommt er auf gar nichts, was an die Stelle treten soll. Ich habe Ihnen erklärt, wie auch in dieser Beziehung das Aufleben dessen, was wir in unserer Eurythmie verfolgen, wichtig ist.
[ 27 ] He believes that our children are trained in school in such a way that they actually learn to use their brains incorrectly—as if they were merely required to learn to walk on their hands, a skill that is of no use to them in life. But even though he recognizes this, he cannot come up with anything to take its place. I have explained to you how, in this regard as well, the revival of what we pursue in our eurythmy is important.
[ 28 ] «Auf den Händen gehen, mit dem Kopfe abwärts, das ist die Hauptsache, worin unsere jungen Leute geübt werden. Bibelsprüche (in der Volksschule), sämtliche Nebenflüsse eines fremden Stromes (in der Mittelschule), Tabellen und fachmännische, in Nachschlagebüchern bereite Details (auf der Universität), das sind die Gedächtnisübungen, die mit der angeblichen Stärkung des Gedächtnisses verteidigt werden. Bei meiner rechtshistorischen Staatsprüfung sollte und mußte ich die dreizehn Vorrechte eines Kardinals aufzählen, nach der Gottgesetzten Reihe, auch das Vorrecht auf ein Pallium durfte ich nicht vergessen, das von bestimmten Nonnen in einem bestimmten Kloster gewebt wird.
[ 28 ] “Walking on one’s hands, head down—that is the main thing our young people are trained to do. Bible verses (in elementary school), all the tributaries of a foreign river (in middle school), tables and technical details prepared in reference books (at the university)—these are the memory exercises that are defended on the grounds that they supposedly strengthen the memory. For my state examination in legal history, I was required to list the thirteen privileges of a cardinal in the order established by God; nor was I allowed to forget the privilege of the pallium, which is woven by certain nuns in a certain convent.
[ 29 ] Und die Schule sollte sich doch darauf beschränken, den Charakter des Schülers zu üben, den Charakter an die Arbeit zu gewöhnen, die nächsten oder die bequemsten oder die besten Wege zu finden zwischen brauchbaren Vorstellungen von der Wirklichkeitswelt.»
[ 29 ] And shouldn't school limit itself to cultivating the student's character, accustoming that character to work, and finding the nearest, most convenient, or best paths between useful mental images of the real world?»
[ 30 ] Und jetzt sollte man erwarten, daß der Mann nun irgend etwas, was man an die Stelle dessen setzen soll, vorbringt! Daß das so nicht weitergeht mit der Geisteskultur, wie sie geübt wird, das sieht nun ein Mensch, der einigermaßen gescheit ist, ein. Aber man erwartet, daß jetzt das kommt, was er an die Stelle setzen will. Allein, da schließt der Artikel, es ist schon aus! Der Artikel schließt, er hat den Zopf, wie ich gestern gesagt habe, eben doch nicht erhaschen können. — Es ist fast jeder Artikel in diesem Wörterbuch so, daß er den Zopf, der hinten hängt, erreichen will und ihn nicht erreichen kann.
[ 30 ] And now one would expect the man to come up with something to take its place! Anyone who is reasonably intelligent can see that intellectual culture, as it is currently practiced, cannot go on like this. But one expects him to now present what he intends to put in its place. But then the entry ends—that’s it! The entry ends; as I said yesterday, it just couldn’t quite catch the tail. — Almost every entry in this dictionary is like that: it tries to reach the tail hanging at the back but can’t quite reach it.
[ 31 ] Wenn man sich hindurchringt durch die Begriffe «Notwendigkeit» und «Zufall» und wenn man dieses erfassen lernt, daß schon die Menschenwelt als ein «unsterbliches Individuum» zu betrachten ist, das das Notwendige immer bewirkt, und sich dadurch über das Zufällige zum Herrn macht, und dazunimmt jenen Begriff, den man haben muß, wenn man vom Hereinfließen der geistigen Welt in die menschliche Seele etwas verstehen will, dann ringt man sich allmählich hinauf zu einem Begriff, der etwas darstellt, was erhaben ist über das Notwendige und das Zufällige, und das ist der Begriff der Vorsehung. Man gewinnt schon den Begriff der Vorsehung in der Welt, wenn man sich nach und nach heraufringt dazu. Ich habe Sie ja öfter schon darauf aufmerksam gemacht, daß das Anschauen der Welt gar nichts aussagt über dasjenige, was in der Welt wirksam ist. Gut wäre es, um sich in einer richtigen Empfindung in das, was ich eben gesagt habe, hineinzuversetzen, wenn man sich nicht so wie Mauthner in die Sprache vertiefte, sondern wenn man sich ein wenig vertiefen wollte in den Genius der Sprache, der hinter den Worten lebt. Manchmal könnte man bei Mauthner selber Belege dafür finden. Denn bei dem ungeheuren Fleiß, mit dem er seine Dinge zusammensucht, wird derjenige, der den Genius in der Sprache wirksam sieht, bei Mauthner manchmal große Aufschlüsse finden, die man gewöhnlich gar nicht sieht. Der Genius der Sprache führt uns schon dazu, uns zu fühlen in einem Walten des Gefühls, das über Notwendigkeit und Zufall erhaben ist. Denn es geschieht gar manches um uns herum, an dem wir Teil haben, indem wir sprechen, von dem wir aber doch nichts Rechtes wissen, weil wir nicht imstande sind, es in unser Bewußtsein voll heraufzunehmen. Dies ist, ich möchte sagen, die geistige Welt, die um uns herum webt und waltet. Und indem wir zum Beispiel reden — das sei natürlich eben auch nur als Exempel gesagt —, sprechen in diesem Augenblick auch diese geistigen Welten. Das sollten wir versuchen, auch gewahr zu werden.
[ 31 ] If one struggles to make sense of the concepts of “necessity” and “chance,” and if one learns to grasp that the human world itself must be regarded as an “immortal individual” that always brings about what is necessary, and thereby rises above the contingent to become its master—and if one adds to this the concept one must have if one wishes to understand anything of the spiritual world’s inflow into the human soul—then one gradually works one’s way up to a concept that represents something that is exalted above the necessary and the contingent, and that is the concept of providence. One can indeed grasp the concept of Providence in the world if one gradually works one’s way up to it. I have, after all, often pointed out to you that observing the world tells us nothing at all about what is at work in the world. It would be helpful, in order to truly grasp what I have just said, not to immerse oneself in language the way Mauthner does, but rather to delve a little into the genius of language that lives behind the words. Sometimes one might even find evidence of this in Mauthner himself. For given the immense diligence with which he gathers his material, those who perceive the spirit at work in language will sometimes find profound insights in Mauthner’s work that are usually overlooked. The spirit of language already leads us to feel ourselves within a realm of feeling that transcends necessity and chance. For there are many things happening around us in which we participate through speech, yet about which we know nothing at all, because we are unable to fully bring them into our consciousness. This is, I would say, the spiritual world that weaves and reigns around us. And when we speak, for example—and this is, of course, merely an example—these spiritual worlds are also speaking at that very moment. We should try to become aware of this as well.
[ 32 ] Versuchen wir einmal nur einen kleinen Anfang damit. Vergangenheit und Notwendigkeit haben wir zusammengebracht, und Gegenwatt und unmittelbares Leben haben wir mit Zufall zusammengebracht. Denn, würde alles notwendig, so wäre alles vergangen und es könnte nichts Neues entstehen, das heißt, es könnte kein Leben sein. Wenn wir also mit unserem eigenen Leben uns hineinstellen in das Werden der Welt, so umgibt uns Notwendigkeit, das heißt, die sich spiegelnde Vergangenheit und das, was man Zufall nennt, das Leben der Gegenwart. Das greift ineinander. Wir haben gleichsam zwei Strömungen: das Leben der Gegenwart, das man nur Zufall nennt, und wie einen Unterstrom die sich spiegelnde Vergangenheit, das Notwendige. Dasjenige, was in dem gewöhnlichen Sinne des physischen Planes als wahr gilt, das kann sich im Grunde genommen, wenn wir unter Wahrheit verstehen die Übereinstimmung mit dem, was schon ist, nur auf das Vergangene, das heißt, auf das Notwendige beziehen. Wahr muß sein, was vergangen, notwendig ist; was im lebendigen Entstehen ist, das müssen wir immer produzieren. Darinnen müssen wir leben. Darinnen müssen wir uns gerade aus dem Notwendigen herausfließende, lebendige Begriffe aneignen gegenüber dem Lebendigen. Da können wir nicht auf etwas, womit der Begriff übereinstimmt, hinschauen, sondern nur in dem Begriff selber leben. Daher können wir, wenn wir mit unserem Leben dem Strom des Werdens gegenüberstehen, das Vergangene, das im Werdestrom des Lebens ist, in uns bewahren dadurch, daß wir nun das Vorgegangene in seiner Spiegelung selber zu einem Gegenwärtigen machen. Und wir können es zu einem fortlaufenden Gegenwärtigen machen.
[ 32 ] Let’s try to make just a small start on this. We have brought together the past and necessity, and we have brought together counterforce and immediate life with chance. For if everything were necessary, then everything would be past, and nothing new could come into being—that is, there could be no life. So when we place ourselves, with our own lives, within the becoming of the world, we are surrounded by necessity—that is, the reflected past—and by what is called chance: the life of the present. These are intertwined. We have, as it were, two currents: the life of the present, which is called mere chance, and, like an undercurrent, the reflected past—the necessary. That which is considered true in the ordinary sense of the physical plane can, in essence—if we understand truth to mean conformity with what already is—refer only to the past, that is, to the necessary. What is true must be what is past and necessary; what is in the process of living emergence, we must always produce. We must live within this. Within this, we must appropriate living concepts that flow directly from the necessary, in relation to the living. Here we cannot look to something with which the concept corresponds, but can only live within the concept itself. Therefore, when we face the stream of becoming with our lives, we can preserve within ourselves the past—which is part of life’s stream of becoming—by making the past itself, in its reflection, a present reality. And we can make it a continuous present reality.
[ 33 ] Es kann eine Tugend des Menschen darin bestehen, daß er das Vergangene, das eigentlich ein starres Notwendiges ist, nun lebendig fortführt, das heißt, daß er das Spiegelbild fortführt, daß er das auch in sich bewahrt und fortleben läßt. Welche "Tugend führt das Vergangene weiter im Leben? Die Treue! — Im Leben ist die Treue die Tugend, die auf das Vergangene bezüglich ist, so wie Liebe die Tugend ist, die auf das Gegenwärtige, auf das unmittelbare Leben bezüglich ist. Aber in dieser Beziehung kommen wir auf das, was ich über den Sprachgenius, den wir gewahr werden sollten, sagen will. Sehen Sie, in der deutschen Sprache ist ein Anklang an das Vergangene, Notwendige, und an die gewöhnliche Wahrheit. Denn es hängt «Wahrheit» gar nicht mit veritas zusammen. Wahrheit hängt zusammen mit «Bewahren», mit dem, was sich «bewährt», mit dem, was «währt», mit dem, was fortdauert, was von der Vergangenheit herüberkommt. Und im Englischen hat man noch einen stärkeren Anklang an diesen selben Sinn, indem das, was im Deutschen die Tugend der Treue ist, auch für das Wort «wahr» da ist: true. So wirkt der Genius der Sprache. Und in einer sprichwörtlichen Redensart hat auch das Deutsche das bewahrt. Wenn man ausdrücken will, daß ein anderer die Wahrheit gesagt hat und man ihm glaube, Objektives und Subjektives, so sagt man noch «auf Treu und Glauben», statt «auf Wahrheit und Glauben». So wirkt der Genius der Sprache, der gescheiter ist als dasjenige, was die Menschen tun.
[ 33 ] One of humanity’s virtues may lie in the fact that it carries on the past—which is, in essence, a rigid necessity—in a living way; that is, that it carries on its reflection, preserves it within itself, and allows it to live on. What “virtue” carries the past forward in life? Loyalty! — In life, fidelity is the virtue that relates to the past, just as love is the virtue that relates to the present, to immediate life. But in this regard, we come to what I wish to say about the genius of language, which we should become aware of. You see, in the German language there is an echo of the past, of what is essential, and of ordinary truth. For “truth” has nothing to do with veritas at all. Truth is connected with “preserving,” with that which “proves itself,” with that which “endures,” with that which continues, with that which comes down from the past. And in English, there is an even stronger resonance with this same meaning, in that what in German is the virtue of fidelity is also present in the word “true.” This is how the genius of language works. And German has preserved this in a proverbial expression as well. When one wants to express that another person has spoken the truth and that one believes them—both objectively and subjectively—one still says “auf Treu und Glauben” [in good faith] instead of “auf Wahrheit und Glauben” [in truth and faith]. This is how the genius of language works, which is wiser than what people do.
[ 34 ] Und wenn man sich dann aufschwingt von der Treue durch die Liebe zu dem, was man — und ich habe schon davon gesprochen — als Gnade bezeichnen kann, als dasjenige, worauf man warten muß, dann kommt man zu dem Begriff der Vorsehung, das heißt, man kommt in die Welt hinein, wo Vorsehung herrscht.
[ 34 ] And when one then moves on from fidelity, through love, to what one—as I have already mentioned—can call grace, that which one must wait for, one arrives at the concept of providence; that is, one enters the world where providence reigns.
[ 35 ] Fritz Mauthner würde, wenn er das Wort «Vorsehung» nun bekommen würde, eben suchen, woher es lehnübersetzt ist, wie es zusammenhängt mit «sehen», «vorhersehen» und so weiter! Derjenige, der auf das Reale geht, sucht aber die Welt auf, auf die gedeutet ist, wenn weder Notwendigkeit noch Zufall, sondern die Vereinigung von beiden herrschen soll. Und das ist die Welt, in der es ein Vergangenes überhaupt nicht gibt in unserem Sinn.
[ 35 ] If Fritz Mauthner were to come across the word “providence” now, he would immediately try to determine where it was borrowed from and how it relates to “to see,” “to foresee,” and so on! But the one who focuses on reality seeks out the world to which this points—a world in which neither necessity nor chance, but rather the union of both, is to prevail. And that is the world in which the past, as we understand it, does not exist at all.
[ 36 ] Wie oft habe ich Ihnen das gesagt: In dem Augenblick, wo man in die geistige Welt hineinschaut, ist es, wenn man in das Vergangene hineinsieht, so, daß das Vergangene wie stehengeblieben ist. Das ist noch da. Die Zeit wird zum Raume. Das Vergangene hört auf, unmittelbar Vergangenes zu sein. Dann hört der Begriff der Notwendigkeit auch auf einen Sinn zu haben. Man hat nicht ein Vergangenes, ein Gegenwärtiges, ein Zukünftiges, sondern man hat ein Dauerndes. Luzifer ist meinetwillen in der Mondenentwickelung so stehengeblieben, wie einer stehenbleibt, der mit einem anderen gegangen ist, und während der andere weitergeht, bleibt er, weil er zu bequem geworden ist, oder weil er wunde Füße bekommen hat, stehen. So wenig derjenige, der da stehengeblieben ist, mit dem Ort etwas zu tun hat, an dem der andere angekommen ist nach einiger Zeit, so wenig hat Luzifer direkt mit unserem Erdendasein etwas zu tun. Er ist eben im Mondendasein stehengeblieben. Da steht er heute noch. In der geistigen Welt können wir nicht sprechen von einem vergangenen, sondern nur von einem dauernden Dinge. Der Luzifer ist so da, wie er damals da war. Blickt man in die geistige Welt, so ändern sich alle Begriffe von Notwendigem und Zufälligem, da herrscht Vorsehung.
[ 36 ] How many times have I told you this: The moment you look into the spiritual world—when you look into the past—it is as if the past has come to a standstill. It is still there. Time becomes space. The past ceases to be the immediate past. Then the concept of necessity also ceases to have any meaning. One does not have a past, a present, or a future, but rather one has something enduring. For my sake, Lucifer has remained frozen in the moon’s evolution, just as someone who was walking with another person remains standing while the other continues on—because he has become too comfortable, or because his feet have grown sore. Just as the one who has remained there has nothing to do with the place where the other has arrived after some time, so too does Lucifer have nothing directly to do with our earthly existence. He has simply remained in the lunar existence. There he still stands today. In the spiritual world, we cannot speak of a past, but only of a continuous reality. Lucifer is there just as he was back then. When one looks into the spiritual world, all concepts of necessity and chance change; there, providence reigns.
[ 37 ] So wollte ich Ihnen zunächst wenigstens die Gebiete darlegen, auf denen wir das zu suchen haben, was mit den Begriffen Notwendigkeit, Zufälligkeit und Vorsehung bezeichnet wird. Es ist nur ein Anfang der Sache. Wir werden, nachdem wir wiederum eine Zeitlang anderes besprochen haben, auf diese Dinge wieder zurückkommen, um ab und zu auch uns solchen Betrachtungen hinzugeben, die von den, unter Anführungszeichen sei es gesagt, mehr «mystisch» angelegten Naturen vielleicht als unnötig angesehen werden innerhalb unserer Bewegung, von mir aber als sehr notwendig angesehen werden müssen, weil ich glaube, daß es für jeden wirklichen Mystiker notwendig ist, daß er sich auch zuweilen mit dem Denken beschäftigt.
[ 37 ] So I wanted to begin by at least outlining the areas in which we must seek what is designated by the terms necessity, chance, and providence. This is only the beginning of the matter. After we have discussed other matters for a while, we will return to these topics so that we, too, may occasionally indulge in reflections that might be regarded—in quotation marks, so to speak— “more mystical” minds—in quotation marks—might be regarded as unnecessary within our movement, but which I must regard as very necessary, because I believe that it is essential for every true mystic to engage in thinking from time to time.
