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Chance, Necessity, and Providence
Imaginative Insight and Processes after Death
GA 163

4 September 1915, Dornach

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Sechster Vortrag

Sixth Lecture

[ 1 ] Wenn Sie noch einmal zurückdenken an das Auftreten der «seligen Knaben» in der letzten Szene von Goethes «Faust», so werden Sie sich an den Vers erinnern:

[ 1 ] If you think back to the appearance of the “blessed boys” in the final scene of Goethe’s *Faust*, you will recall the verse:

Knaben! Mitternachts-Geborne,
Halb erschlossen Geist und Sinn,
Für die Eltern gleich Verlorne,
Für die Engel zum Gewinn!

Boys! Born at midnight,
Minds and spirits only half-awakened,
As good as lost to their parents,
A gain for the angels!

[ 2 ] Ich habe Sie aufmerksam gemacht auf mancherlei unendlich Tiefes, das in dieser Schlußszene von Goethes «Faust» liegt. Aber es liegt viel mehr noch darinnen, als ich damals ausführen konnte und als man überhaupt in einer beschränkten Zeit ausführen kann.

[ 2 ] I have drawn your attention to some of the infinite depths contained in this final scene of Goethe’s *Faust*. But there is much more to it than I was able to explain at the time—and than one can explain at all within a limited time.

[ 3 ] Auch diese vier Zeilen, die ich eben jetzt angeführt habe, sind gewissermaßen das Leitmotiv zu tieferen geisteswissenschaftlichen Auseinandersetzungen, die wir heute, morgen und am Montag hier pflegen wollen.

[ 3 ] These four lines, which I just quoted, also serve, in a sense, as the leitmotif for the deeper discussions in Spiritual Science that we intend to have here today, tomorrow, and on Monday.

[ 4 ] Heute möchte ich gewissermaßen einleitend aufmerksam machen darauf, wie man nun im eigentlich geisteswissenschaftlichen Sinne den Ausspruch noch vertiefen kann, von dem ich bei der Charakteristik von Schlafen und Wachen und einigem anderen in den letzten Betrachtungen hier ausgegangen bin. Ich sagte, man müsse stets versuchen, den Tatsachen der Welt gegenüber — das verlange insbesondere die Geisteswissenschaft durch ihre ganze Art — den richtigen Gesichtspunkt zu finden. Und ich habe aufmerksam darauf gemacht, wie dieser richtige Gesichtspunkt zunächst nur gefunden werden kann, wenn man ihn so sucht, wie wir ihn gesucht haben für die Wechselzustände von Schlafen und Wachen. Da haben wir versucht zu verstehen, wie anders das Bewußtsein im Wachen wirkt, und wie anders im Schlafen. Aber vieles andere können wir hier noch erkennen, wenn wir die Art und Weise betrachten, wie das Bewußtsein wirkt, sei es das Bewußtsein im Menschen, sei es das Bewußtsein in anderen Wesen. Im besonderen wird ja auch in den Goetheschen vier Zeilen:

[ 4 ] Today, by way of an introduction, so to speak, I would like to draw attention to how we can further deepen—in the true sense of the Spiritual Science—the statement from which I began my recent reflections here on the characteristics of sleep and wakefulness, as well as a few other topics. I said that one must always strive to find the correct perspective when confronting the facts of the world—this is what Spiritual Science, in particular, demands by its very nature. And I have pointed out how this correct perspective can initially be found only if one seeks it in the same way we have sought it for the alternating states of sleep and wakefulness. There we tried to understand how differently consciousness functions in wakefulness and how differently in sleep. But we can recognize much more here if we consider the way in which consciousness functions, whether it be consciousness in human beings or consciousness in other beings. In particular, this is also expressed in Goethe’s four lines:

Knaben! Mitternachts-Geborne,
Halb erschlossen Geist und Sinn,
Für die Eltern gleich Verlorne,
Für die Engel zum Gewinn!

Boys! Born at midnight,
Minds and spirits only half-awakened,
As good as lost to their parents,
A gain for the angels!

[ 5 ] auf einen Bewußtseinszustand hingedeutet, der zunächst menschlicher Art ist, in dem jene Seelen waren, die den «mitternachts-geborenen Knaben» angehören, die «für die Eltern gleich verloren» waren, das heißt, die gleich nach der Geburt gestorben waren. Aber ausdrücklich wird darauf aufmerksam gemacht: für die Engel seien sie Gewinn, diese Seelen.

[ 5 ] This refers to a state of consciousness—initially of a human nature—in which those souls resided who were among the “boys born at midnight,” who were “as good as lost to their parents,” that is, who had died immediately after birth. But it is explicitly pointed out that these souls are a blessing to the angels.

[ 6 ] Wir werden sehen, wie dieser Ausspruch, daß solche Seelen «für die Engel Gewinn» sind, nur verstanden werden kann, wenn man etwas hinblickt auf den Bewußtseinszustand derjenigen Wesen, die man zu den Engeln, den Angeloi, zählt. Um aber diese Dinge, die uns tiefer in das Begreifen der geistigen Welten hineinführen sollen, etwas verständlicher zu machen, wollen wir über diese Dinge zunächst einige vorbereitende Vorstellungen uns erarbeiten.

[ 6 ] We shall see how this statement—that such souls are “a gain for the angels”—can only be understood if one considers the state of consciousness of those beings who are counted among the angels, the Angeloi. However, to make these matters—which are intended to lead us deeper into an understanding of the spiritual worlds—somewhat more comprehensible, let us first develop some preparatory mental images regarding them.

[ 7 ] Ich will davon ausgehen, daß wir ja aus verschiedenen geisteswissenschaftlichen Betrachtungen wissen, wie ferne der Realität im Grunde genommen das steht, was man im gewöhnlichen Leben die Erkenntnis, die Wahrheit, was man die Vorstellungswelt, die man auf dem physischen Plan hat, nennt. Die Menschen sind sogar froh, wenn diese Erkenntnisse, diese Vorstellungswelten, die man auf dem physischen Plane hat, nicht irgend etwas hinzubringen zur Wirklichkeit. Darin sehen die Menschen «die Treue» der Erkenntnis, darin sehen sie «die ungeschminkte Wahrheit», daß wir durch unseren Erkenntnisprozeß selbst, durch das, was wir in der Seele durchleben an den Dingen, nichts zu den Dingen hinzubringen. Denken wir nur einmal daran, wie sorgfältig in ihrer Art heute die Naturwissenschaft darauf bedacht sein will, daß ja nichts aus der Seele heraus komme, wenn sie über die Welt spricht, sondern daß alles nur ein Abbild ist desjenigen, was sich draußen abspielt. Bedenken wir, wie diejenigen, die sich irgendwie aus allen möglichen Träumereien eine Weltanschauung zusammenzimmern, bemüht sind zu zeigen, daß das, was sie sich ausdenken, gar nicht aus ihnen selber stammt, sondern daß es ihnen diktiert ist von irgendeiner außer ihnen befindlichen Wirklichkeit. Das geht herauf bis zu dem Quell jener angeblichen mehr oder weniger wertvollen «okkulten Erkenntnisse», von denen diese oder jene Leute sprechen. Im Grunde bemühen sich auch diejenigen, die okkulte Erkenntnisse haben wollen hier auf dem physischen Plan, hauptsächlich darum, daß sie selber nichts tun zu dem, was sie da als Vorstellungen entwickeln. Wie stolz sind oft solche Leute, wenn sie sagen können: Diese oder jene Wesenheiten sind ihnen erschienen, das oder jenes ist ihnen «diktiert» worden, das oder jenes ist auf geheimnisvolle Weise ihrem geistigen Ohr mitgeteilt worden. — Dann sind die Leute zufrieden, denn dann haben sie das Gefühl, daß sie gewissermaßen in den Vorstellungen, die sie geschaffen haben, nur einen Abklatsch der Wirklichkeit gegeben haben, daß sie nichts selber hervorgebracht haben. Man könnte sagen: die Menschen bemühen sich um der Treue der Erkenntnis willen, die sie anstreben, diese Erkenntnis selbst so recht das fünfte Rad am Wagen sein zu lassen. Erkenntnis soll gar nichts dazu tun zu dem, was schon da ist, dann sieht man sie als besonders treu, als besonders richtig an.

[ 7 ] I will assume that we know from various insights in Spiritual Science just how far removed from reality, in essence, is what we in everyday life call “knowledge” and “truth”—that is, the world of ideas we have on the physical plane. People are even glad when these insights—these worlds of imagination that we have on the physical plane—do not contribute anything to reality. In this, people see “the fidelity” of knowledge; in this, they see “the unvarnished truth”—that through our very process of cognition, through what we experience in our souls regarding things, we do not add anything to those things. Let us just consider for a moment how carefully modern science, in its own way, strives to ensure that nothing comes from the soul when it speaks of the world, but that everything is merely a reflection of what takes place outside. Let us consider how those who cobble together a worldview from all manner of daydreams strive to show that what they conceive does not originate from within themselves at all, but is dictated to them by some reality existing outside of them. This extends all the way back to the source of those alleged “occult insights”—of varying value—that certain people speak of. Fundamentally, even those who seek occult insights here on the physical plane are primarily concerned with ensuring that they themselves contribute nothing to the mental images they develop. How proud such people often are when they can say: This or that entity has appeared to them, this or that has been “dictated” to them, this or that has been mysteriously communicated to their spiritual ear. — Then these people are satisfied, for they feel that, in a sense, the mental images they have created are merely a pale imitation of reality, that they have produced nothing of their own. One could say: for the sake of the fidelity of the knowledge they seek, people strive to let this knowledge itself be, as it were, the fifth wheel on the wagon. Knowledge is not supposed to add anything at all to what is already there; then it is regarded as particularly faithful, as particularly correct.

[ 8 ] Wie es sich mit der Erkenntnis gegenüber der Wirklichkeit verhält — nun, davon kann man einen echten, einen wahren Begriff doch nur erhalten, wenn man allmählich aufsteigt von der gewöhnlichen Erkenntnis des physischen Planes zu den höheren Erkenntnisarten. Und da wissen wir, daß die nächsthöhere Stufe des Erkennens die sogenannte imaginative Erkenntnis ist. Die imaginative Erkenntnis kann aber nicht, wenn sie mit der Wirklichkeit etwas zu tun haben soll, erworben werden durch unser Drinnenleben im physischen Leibe. Wir müssen in die Lage kommen, um wirklich imaginative Erkenntnis zu erwerben, absehen zu können von allem Angewiesensein auf den physischen Leib. Wir müssen so weit gekommen sein, den physischen Leib nicht mehr als Werkzeug zu gebrauchen. Den Ätherleib aber benützen wir noch als Werkzeug, wenn wir imaginative Erkenntnis suchen. Ja, daß die Imaginationen für uns wirklich gegenständlich werden, daß die Imaginationen da sind, das hängt davon ab, daß wir uns unseres Ätherleibes so bedienen können bei den Imaginationen, wie wir uns unseres physischen Leibes bedienen bei den Wahrnehmungen auf dem physischen Plan. Nun zeigt sich, wenn der hellsehend Erkennende so weit gekommen ist, daß er sich gewissermaßen mit seinem Seelischen herausgerissen hat aus seinem physischen Leibe und den Ätherleib als ein Werkzeug seines Erkennens benützt, daß das, was man sonst in der physischen Welt Erkenntnisse nennt, also namentlich Erkenntnisse, die dadurch gesucht werden, daß der Mensch nichts zu den Dingen hinzubringen will, auf dem physischen Plan zurückbleibt. Von dem, was zum Beispiel der heutige Naturforscher anstrebt, ist alles gewissermaßen abgelegt, zurückgelassen auf dem physischen Plan, wenn man den physischen Plan verläßt und in die Welt der Imaginationen aufsteigt. Nichts bleibt von dem, was der Naturforscher oder der Naturphilosoph von heute als eine Welt durcheinanderwirbelnder Atome denkt — die aber erträumt ist, die keine wahre Wirklichkeit ist, wie ich oft auseinandergesetzt habe —, nichts bleibt als die Bilder von dieser Welt. Das heißt, man wird gewahrt, wenn man den physischen Plan verlassen hat, daß man die auf dem physischen Plan zurückgelassenenen Vorstellungen von einer Welt durcheinanderwirbelnder Atome geträumt hat. Im übrigen kann man von den Erkenntnissen auf dem physischen Plan für die Welt der Imagination, in die man aufgestiegen ist, direkt nichts gebrauchen. Wohl gemerkt: Direkt kann man nichts gebrauchen. Wir werden dann schon sehen, wie sich die Dinge genauer verhalten, aber wir müssen stufenweise aufsteigen.

[ 8 ] As for the relationship between cognition and reality—well, one can only gain a genuine, true understanding of this by gradually ascending from ordinary cognition on the physical plane to the higher forms of cognition. And we know that the next higher stage of cognition is what is called imaginative cognition. But if imaginative cognition is to have anything to do with reality, it cannot be acquired through our inner life within the physical body. In order to truly acquire imaginative cognition, we must be able to free ourselves from all dependence on the physical body. We must have reached the point where we no longer use the physical body as a tool. However, we still use the etheric body as a tool when we seek imaginative cognition. Indeed, for the imaginations to become truly concrete for us—for the imaginations to be present—it depends on our ability to make use of our etheric body in the process of imagination just as we make use of our physical body in perceptions on the physical plane. Now it becomes apparent that when the clairvoyant has progressed to the point where he has, so to speak, torn himself away from his physical body with his soul and uses the etheric body as an instrument of his cognition, what is otherwise called “knowledge” in the physical world, namely, knowledge sought by the human being who wishes to bring nothing of his own to bear on things, remains behind on the physical plane. Everything that, for example, today’s natural scientist strives for is, so to speak, set aside and left behind on the physical plane when one leaves the physical plane and ascends into the world of imaginations. Nothing remains of what today’s natural scientist or natural philosopher conceives as a world of swirling atoms—which, however, is a dream, not true reality, as I have often explained—nothing remains but the images of this world. This means that once one has left the physical plane, one realizes that the mental images of a world of swirling atoms left behind on the physical plane were merely dreams. Incidentally, the insights gained on the physical plane are of no direct use in the world of the imagination to which one has ascended. Mind you: they are of no direct use. We will see later how things stand in more detail, but we must ascend step by step.

[ 9 ] Nun habe ich Ihnen aber schon in früheren Vorträgen ausgeführt, daß die geistige Kraft, die dem Denken zugrunde liegt, sich verwandelt, wenn der hellsehend Erkennende loskommt vom physischen Leibe als seinem Werkzeug. Ich habe Ihnen gesagt, es sei, als ob alles Denken lebendig würde, als ob wir uns hineinleben nicht in eine solch passive Welt des Denkens, in der wir auf dem physischen Plane leben, sondern als ob alles Denken lebendig werde, als ob alles anfange sozusagen zu krabbeln, wenn wir uns da in die Welt der Imaginationen hineinfinden. Ich habe einmal einen drastischen Vergleich gebraucht — und zwar zuerst in München —, daß, wenn man in diese imaginative Welt hineinkommt, sich einem die Gedanken, die man vorher gewöhnt war, als ganz passive Tätigkeiten da und dorthin zu schicken und so zu kommandieren, so verwandeln, wie wenn man den Kopf in einen Ameisenhaufen oder in ein Wespennest hineinstecken würde und die Gedanken lebendig würden, wie wenn sie schwirren und wirbeln würden und jeder Gedanke eigenes Leben bekäme! Man muß das aushalten; man muß es so aushalten, daß man sich nicht unfrei fühlt, wenn man gleichsam sich selber entrissen wird durch dieses Eigenleben der Gedanken.

[ 9 ] But I have already explained to you in earlier lectures that the spiritual power underlying thought undergoes a transformation when the clairvoyant detaches himself from the physical body as his instrument. I have told you that it is as if all thinking were to come alive, as if we were not immersing ourselves in such a passive world of thought as we experience on the physical plane, but rather as if all thinking were to come alive, as if everything were to begin, so to speak, to crawl, when we find our way into the world of imaginations. I once used a dramatic comparison—first in Munich—that when one enters this imaginative world, the thoughts that one was previously accustomed to sending here and there as entirely passive activities and commanding in this way transform as if one were to stick one’s head into an anthill or a wasp nest, and the thoughts would come alive, as if they were buzzing and swirling, and every thought were to take on a life of its own! One must endure this; one must endure it in such a way that one does not feel unfree when, as it were, one is torn away from oneself by this independent life of the thoughts.

[ 10 ] Man macht da nun allmählich die Entdeckung, daß die Erkenntnisse, die man so erwirbt auf dem physischen Plan, die Vorstellungen, die nur Abbilder sind der äußeren Wirklichkeit, daB diese gleichsam von einem abfallen wie so ein Regen, der zurückregnet auf den physischen Plan, und der nicht mit einem hineingeht in die imaginative Welt. Diese Erkenntnisse, diese Vorstellungen, sie fallen so ab, sie bleiben zurück in der physischen Welt. Und was da zurückbleibt in der physischen Welt, das hat man dann als eine Erinnerung nur. Also man kann da zurückschauen auf alles, was durch Gedankenkraft erworben ist und in der physischen Welt bleibt; aber es bleibt eben zurück. Es ist etwas Fertiges, etwas, was man nicht weiter in seiner eigenen Gewalt, in seiner eigenen Kraft hat. So daß es also, schematisch gezeichnet, wirklich so ist:

[ 10 ] One gradually comes to realize that the insights gained in this way on the physical plane—the mental images that are merely reflections of external reality—fall away from one, as it were, like rain that falls back onto the physical plane and does not accompany one into the world of the imagination. These insights, these mental images—they fall away like that; they remain behind in the physical world. And what remains behind in the physical world is then nothing more than a memory. So one can look back on everything that has been acquired through the power of thought and remains in the physical world; but it simply remains behind. It is something finished, something that is no longer within one’s own control or power. So, to put it schematically, it really is like this:

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[ 11 ] Wir würden hier den physischen Leib haben, und der Mensch würde nun herausrücken aus seinem physischen Leibe; dann würde er sogleich sehen, wie seine physische Erkenntnis von ihm abfällt, wie Tropfen gleichsam, in die physische Welt hinein. Die physische Erkenntnis ist also draußen.

[ 11 ] We would have our physical body here, and the human being would now step out of his physical body; then he would immediately see how his physical knowledge falls away from him, as if in drops, into the physical world. Physical knowledge is thus outside.

[ 12 ] Dies ist sehr interessant und sehr merkwürdig. Wenn wir also hinaufrücken in die erste geistige, in die imaginative Welt, da sehen wir die Gedanken gleichsam von uns abtröpfeln, und dann sehen wir: Die Gedankenformen werden Wesen, die zunächst auf uns einen eigentümlichen Eindruck machen, wenn wir sie wirklich sehen. Wenn wir so diese Gedanken, die da von uns abtropfen, sehen, dann haben wir zunächst den Eindruck: Das ist etwas, was dir entrissen ist, etwas, was nur für den physischen Plan eine Bedeutung hat.

[ 12 ] This is very interesting and very strange. So when we ascend into the first spiritual, the imaginative world, we see our thoughts, as it were, dripping away from us, and then we see: the thought-forms become beings that initially make a peculiar impression on us when we truly see them. When we see these thoughts dripping away from us in this way, our initial impression is: This is something that has been torn away from you, something that has meaning only on the physical plane.

[ 13 ] Nun ist es außerordentlich schwierig, sich eine genauere Vorstellung über das zu machen, was einen da verläßt, was da aus einem heraustropft. Man kann ja, sobald man aufsteigt in die höheren Welten, kaum durch irgend etwas anderes richtige Erkenntnisse gewinnen als durch sorgfältige Vergleiche. Man muß nun erst darauf kommen, mit was man diese herausgetropften Gedanken des physischen Planes vergleichen kann. Diese herausgetropften Gedanken des physischen Planes, sie werden sehr, sehr lebhaft, sie werden sehr lebendig, und man könnte sagen: das Kuriose ist, daß diese Gedanken, die man da auf dem physischen Plan zurückbleiben sieht, wirklich allerlei Tänze aufführen, eine Art Eurythmie aufführen. Man kann sie kaum in vollständiger Ruhe finden, diese Gedanken.

[ 13 ] Now, it is extremely difficult to form a precise mental image of what is leaving one, of what is trickling out of one. As soon as one ascends into the higher worlds, one can hardly gain true insight through anything other than careful comparisons. One must first figure out what to compare these thoughts—which have trickled out of the physical plane—with. These thoughts that have trickled out of the physical plane become very, very vivid; they become very alive, and one might say: the curious thing is that these thoughts, which one sees remaining behind on the physical plane, actually perform all sorts of dances—a kind of eurythmy. One can hardly find these thoughts in a state of complete stillness.

[ 14 ] Ich sagte, eine Art Eurythmie aufführen. Es ist diese Eurythmie nicht diejenige, die bei uns gepflegt wird. Aber es ist eine Art von regelmäßigem Sich-Bewegen. Namentlich haben die Gedanken etwas sehr, sehr Eigentümliches: Sie leben innerlich, wenn sie so aus uns heraus sind. Und dieses, daß sie innerlich leben, das macht sie, ich möchte sagen, für die erste Stufe des Hellsehens, für die erste wahre Stufe des Hellsehens, zu werten Genossen.

[ 14 ] I said, to perform a kind of eurythmy. This eurythmy is not the one we practice. But it is a kind of regular movement. Specifically, the thoughts have something very, very peculiar about them: they live inwardly when they are expressed in this way from within us. And this fact—that they live inwardly—is what makes them, I would say, worthy of being considered the first stage of clairvoyance, the first true stage of clairvoyance, comrades.

[ 15 ] Wenn man im physischen Leben etwas Blitzdummes gesagt hat, also etwas sehr, sehr Dummes, dann sucht man die Dummlheit jedenfalls nicht übermäßig lange festzuhalten, sobald man sie eingesehen hat. Die meisten Menschen huschen gerne über ihre eigenen Dummheiten, wenn sie sie eingesehen haben, hinweg. Ein recht dummer Gedanke, wenn der einmal heraus ist, der lacht! Er lacht in dem Maße, in dem er dumm ist! Und so ähnlich sehen Sie auch die anderen Gedanken. Sie zeigen ein inneres Leben, diese Gedanken, ein sehr lebendiges Mienenspiel, sie überzeugen uns davon, daß wir keine Dummheit sagen können, ohne daß diese Dummheit sich verewigt.

[ 15 ] If you’ve said something incredibly stupid in real life—that is, something very, very stupid—then you certainly don’t try to hold on to that stupidity for too long once you’ve realized it. Most people like to brush off their own stupid mistakes once they’ve realized them. A truly foolish thought—once it’s out there, it laughs! It laughs in proportion to how foolish it is! And you see the other thoughts in much the same way. These thoughts reveal an inner life, a very lively play of expressions; they convince us that we cannot utter a foolishness without that foolishness becoming immortal.

[ 16 ] Gebrauchen wir einen Vergleich: Wir können nicht anders dahinterkommen, wie es sich eigentlich mit diesen sonderbaren Gedankenformen, die so belebt auftreten, verhält, als wenn wir einen Vergleich gebrauchen. Wir finden ihn nur, wenn wir in der Lage sind, so unsere Gedankenformen zu sehen, wie ich es eben beschrieben habe. Und sind wir in der Lage, so unsere Gedankenformen zu sehen, so sind wir auch zu dem anderen in der Lage, das ich jetzt aussprechen will. Wir brauchen zum Vergleich die weite Welt der Gnomen, das ganze Gnomenvolk, von dem die ganze irdische Natur draußen beherrscht ist. Diese Gnomen, die zu dem Unorganischen draußen in der Welt ebenso gehören wie andere elementarische Wesen zu den Pflanzen, zum Wasser, wie noch andere zu dem Feuer, zur Luft und so weiter gehören, diese ganze Gnomenwelt ist von demselben Charakter, trägt dieselbe innere Wesenheit an sich wie diese Gedankenformen. Ich möchte sagen: Es gehören die Gnomen zu derselben Klasse, zu der unsere Gedankenformen gehören. Aber solche Gedankenformen nur, die Vorstellungen wiedergeben, die sich auf den physischen Plan beziehen.

[ 16 ] Let’s use an analogy: We have no other way of understanding what these strange thought-forms, which appear so vividly, are really like than by using an analogy. We can only find it if we are able to see our thought-forms as I have just described. And if we are able to see our thought-forms in this way, then we are also capable of the other thing I now wish to express. For this comparison, we need the vast world of the gnomes—the entire gnome people—who govern all of earthly nature out there. These gnomes, who belong to the inorganic realm out in the world just as other elemental beings belong to the plants, to water, and just as still others belong to fire, to air, and so on—this entire world of gnomes is of the same character and possesses the same inner essence as these thought-forms. I would say: The gnomes belong to the same class as our thought-forms. But only those thought-forms that reflect mental images relating to the physical plane.

[ 17 ] Sehen Sie, jetzt haben wir einen Vergleich. Und deshalb besteht auch eine Art innerer Verwandtschaft zwischen unseren auf dem physischen Plan erworbenen Gedanken und der Gnomenwelt. Diese Gnomenwelt hat nun aber mit unserer Erkenntnis des physischen Planes eine gewisse Verwandtschaft. Ich habe Ihnen ja gesagt, wie die Menschen anstreben, daß die Erkenntnisse, die Wahrnehmungen recht treu sein sollen, daß die Erkenntnis eigentlich das fünfte Rad am Wagen sei.

[ 17 ] You see, now we have a comparison. And that is why there is also a kind of inner kinship between the thoughts we have acquired on the physical plane and the world of the gnomes. This world of the gnomes, however, has a certain kinship with our understanding of the physical plane. I have already told you how people strive for their insights and perceptions to be quite accurate, and that insight is actually the fifth wheel on the wagon.

[ 18 ] In einer ähnlichen Weise fühlen sich die Gnomen gegenüber ihrer Welt, in der sie sind. Wirklich, wenn ich so sagen kann, wenn man mit einem solchen Gnomen redet — es ist natürlich ein euphemistischer Ausdruck, aber man kann schon den Ausdruck gebrauchen, denn er entspricht der Wirklichkeit —, wenn man mit einem solchen Gnomen redet, dann sieht er auf die Welt, zu der er gehört, mit einer außerordentlichen Wehmut hin. Denn diese Welt, zu der er gehört, mit der hat er ja außerordentlich wenig zu tun. Er hat ungefähr so viel Einfluß auf diese Welt, wie der Mensch mit seinen äußeren Erkenntnissen Einfluß hat auf die umliegende physische Welt. Für die umliegende physische Welt ist es ziemlich gleichgültig, wie wir über sie mit dem Denken des physischen Planes denken. Ein Baum wächst nicht schneller und nicht langsamer, wenn wir mit der Erkenntnis des physischen Planes über ihn denken, oder wenn wir an ihm vorübergehen und nicht an ihn denken. Nur wir haben etwas davon ich habe es neulich schon ausgesprochen —, wenn wir über den Baum denken. Aber unser Gedanke ist für den Baum etwas Gleichgültiges.

[ 18 ] In a similar way, the gnomes feel about the world in which they live. Truly, if I may put it this way, when one speaks with such a gnome—it is, of course, a euphemistic expression, but one can certainly use the term, for it corresponds to reality—when one speaks with such a gnome, he looks upon the world to which he belongs with extraordinary melancholy. For this world to which he belongs—he has, after all, very little to do with it. He has about as much influence on this world as a human being, with his external knowledge, has on the surrounding physical world. It is quite irrelevant to the surrounding physical world how we think about it using the thinking of the physical plane. A tree does not grow any faster or any slower when we think about it using the knowledge of the physical plane, or when we walk past it without thinking about it. Only we benefit from it—as I mentioned recently—when we think about the tree. But our thought is something indifferent to the tree.

[ 19 ] In einer solch äußerlichen Weise steht auch die Welt der Gnomen zu der Welt, zu der sie äußerlich gehören. Ich möchte sagen: Die Welt der Gnomen gehört zwar zu dem, was wir die irdische Welt nennen, zu der Welt des Festen, aber man kann absehen, wenn man die Welt des Festen betrachtet, von der Gnomenwelt, wie man absehen kann bei der Uhr vom Uhrmacher, wenn man die Gesetzmäßigkeit der Uhr betrachtet. Es ist außerordentlich wichtig, daß man einen solchen Vergleich, wie ich ihn öfter gebraucht habe, den Vergleich des Weltenzusammenhanges mit dem Mechanismus einer Uhr, in richtigem Sinne versteht. Wer heute eine Uhr verstehen will, muß sie aus ihrem eigenen Mechanismus heraus verstehen, und es wäre Unsinn, wenn jemand sagen würde: Nun ja, die Zeiger der Uhr gehen weiter, also sitzen darin kleine Dämonen, welche die Zeiger der Uhr leiten. — Solche Dämonen sind nicht darinnen. Wenn aber einer behaupten wollte, weil er die Uhr aus sich selber versteht, so habe die Uhr nichts zu tun mit dem Uhrmacher, der die Uhr einmal fabriziert hat, so würde er natürlich einen Unsinn sagen. Ebensowenig ist es ein Beweis für das Nichtvorhandensein einer geistigen Weltengrundlage, daß man die Welt aus sich selbst begreifen kann, daß der Naturforscher in der Lage ist, Naturgesetze zu finden. Wir finden in der Uhr auch die Gesetze, nach denen sich die Uhr selbständig richtet. Wenn also gesagt wird: Man findet in der Natur die die Natur beherrschenden Gesetze, also braucht man keine Göttlichkeit in der Welt —, so ist das ebenso gedankenlos, als wenn man bei der Uhr sagen würde, man brauche keinen Uhrmacher, weil die Uhr aus sich selber erklärbar ist.

[ 19 ] The world of the gnomes also stands in such an external relationship to the world to which it outwardly belongs. I would like to say: Although the world of the gnomes belongs to what we call the earthly world—the world of the solid—one can, when considering the world of the solid, disregard the world of the gnomes, just as one can disregard the watchmaker when considering the laws governing the watch. It is extremely important to understand, in the proper sense, a comparison such as the one I have often used—the comparison of the interconnection of the worlds with the mechanism of a clock. Anyone who wants to understand a clock today must understand it from the perspective of its own mechanism, and it would be nonsense for someone to say: “Well, the hands of the clock keep moving, so there must be little demons inside guiding the hands.” — There are no such demons inside. But if someone were to claim—because he understands the clock on its own terms—that the clock has nothing to do with the clockmaker who once made it, he would, of course, be speaking nonsense. Nor is it proof of the absence of a spiritual foundation for the world that one can comprehend the world on its own terms, or that the natural scientist is able to discover the laws of nature. We also find within the clock the laws by which it governs itself. So when it is said, “Since we find in nature the laws that govern nature, we do not need a divine being in the world”—this is just as thoughtless as if one were to say, with regard to the clock, that we do not need a clockmaker because the clock can be explained by itself.

[ 20 ] In der Welt, die so ganz aus sich selber erklärbar ist in unserer Umgebung, haben die Gnomen etwas zu tun. Sie sind auch so etwas ähnliches wie eine Art fünftes Rad am Wagen; sie sind ein Begleiter der Welt, zu der sie gehören, aber sie greifen nicht tätig in sie ein. Die innere Verwandtschaft der Gnomenwelt mit unserer physischen Gedankenwelt, die bitte ich Sie ins Auge zu fassen; dann werden Sie einsehen, daß man so etwas wie die Gnomenwelt zu begreifen anfangen muß dadurch, daß man sich einen Bewußtseinszustand vor Augen führt. Dann wird man sich sagen: Wie weiß man von dieser physischen Welt? Man weiß von der physischen Welt, indem man von ihr, wie ich ausgeführt habe, ein Spiegelbild bildet. Wie das Spiegelbild nichts zu tun hat mit dem, was es abspiegelt, so hat die physische Erkenntnis nichts zu tun mit dem, wovon sie Erkenntnis ist. Sie schafft nicht im Physischen. Wenn man dieses Verhältnis der physischen Erkenntnis als Bewußtseinszustand faßt, dann begreift man in dem Erfühlen dieses Überflüssigseins des Spiegels gegenüber dem, was abgespiegelt wird — wenn man dieses Überflüssigsein sich so recht zum Bewußtsein bringt —, die über die Gnomenwelt ausgebreitete Gemütsstimmung. Das ist ihre Gemütsstimmung. Die Gnomen können daher nicht begreifen, wie man irgendwie mit dieser Welt anders zusammenhängen kann als dadurch, daß man eigentlich nicht viel mit dieser Welt zu tun hat.

[ 20 ] In the world around us—a world that is entirely self-explanatory—the gnomes have a role to play. They are something like a fifth wheel; they are companions to the world to which they belong, but they do not actively intervene in it. I ask you to consider the inner kinship between the world of the gnomes and our physical world of thought; then you will realize that one must begin to grasp something like the world of the gnomes by visualizing a state of consciousness. Then one will ask oneself: How do we know about this physical world? We know about the physical world by forming a mirror image of it, as I have explained. Just as the mirror image has nothing to do with what it reflects, so physical knowledge has nothing to do with that of which it is knowledge. It does not create in the physical realm. If one grasps this relationship of physical cognition as a state of consciousness, then—in sensing this superfluity of the mirror in relation to what is reflected—if one truly brings this superfluity to consciousness—one comprehends the mood that pervades the world of the gnomes. That is their mood. The gnomes therefore cannot comprehend how one can be connected to this world in any way other than by actually having little to do with it.

[ 21 ] Wenn der Mensch hellsichtig wäre und Leid und Schmerz empfände, wie sie mit Recht gefühlt werden können bei diesen oder jenen Ereignissen des physischen Planes, und wenn dann die Gnomen herbeikommen, wie er sie als Hellseher wahrnehmen kann, dann macht er die Erfahrung, daß die Gnomen seinen Schmerz nicht begreifen. Sie begreifen zwar, daß man im allgemeinen eine Art Traurigkeit, eine Art Depression haben kann, aber daß man an dem physischen Dasein hängen kann, das begreifen sie nicht, darüber lachen sie. Und man könnte sagen: Manches, was man als wertvoll empfindet auf dem physischen Plan, hört man auf, wertvoll zu empfinden, wenn man mit der Gnomenwelt in Beziehung tritt; denn von den Gnomen wird man gründlich ausgelacht für die Wertgefühle, die man mancherlei auf dem physischen Plane entgegenbringt!

[ 21 ] If a person were clairvoyant and felt suffering and pain—as is only natural in response to certain events on the physical plane—and if the gnomes were to approach, as he could perceive them as a clairvoyant, he would find that the gnomes do not understand his pain. They do understand that one can generally feel a kind of sadness, a kind of depression, but they do not understand that one can be attached to physical existence; they laugh at that. And one could say: Many things that one considers valuable on the physical plane cease to be valued once one enters into contact with the world of the gnomes; for the gnomes thoroughly laugh at the values one attaches to various things on the physical plane!

[ 22 ] Also den Gemütszustand der Gnomen kann man verstehen, wenn man sich diesen Bewußtseinszustand bewußt macht, den unsere physische Erkenntnisvorstellung gegenüber ihrer Welt, die sie abbildet, hat.

[ 22 ] So one can understand the gnomes’ state of mind if one becomes aware of the state of consciousness that our physical perception has in relation to their world, which it represents.

[ 23 ] Dagegen muß man sich bei den Wesenheiten, die innere Verwandtschaft jetzt nicht mit dem Irdischen, sondern mit dem Wässerigen haben, mit alledem, was dem Wasser gleich sich regt und rieselt mag man sie Undinen nennen oder wie immer —, etwas anderes vergegenwärtigen. Man kann auch eine Pflanze nicht begreifen, wenn man sie bloß anschaut und ein Bild von ihr macht, so wie sie irgendeinmal ist, denn sonst könnte man ja auch eine Pflanze aus Papiermaché nur haben. Das, was man im Bewußtsein hat, wenn man nur einmal eine Pflanze anschaut und in seiner Vorstellung die Pflanze nachbildet, gibt von der Pflanze gar kein Bild in Wirklichkeit. Geradeso ist es bei diesen Wesenheiten. Von der Pflanze hat man nur ein Bild, wenn man sie kennt, wie sie zuerst als Wurzel da ist, dann die ersten Triebe entfaltet, wie sie den Stamm heraustreibt, die Blätter bekommt, wie sie die Blüten bekommt, wie die Blüten wieder abwelken, wie die Pflanze die Früchte entwickelt und so weiter. Werdend, sagt Goethe in seinem schönen Gedicht von der Metamorphose der Pflanzen, muß man die Pflanze betrachten. In der Pflanze leben außer dem, was die Pflanze selber ist, noch andere elementarische Wesenheiten, in der Pflanze leben die beweglichen Elementarwesen, die innige Verwandtschaft haben mit dem sich gestaltenden, rieselnden, sich regenden Wasser.

[ 23 ] In contrast, when it comes to beings that have an inner kinship not with the earthly but with the aquatic—with everything that moves and trickles like water; one might call them Undines or whatever—one must keep something else in mind. Nor can one truly understand a plant by merely looking at it and forming an image of it as it happens to be at any given moment, for otherwise one might just as well have a plant made of papier-mâché. What one holds in one’s consciousness when one looks at a plant just once and creates a mental image of it does not, in reality, convey any true image of the plant. It is exactly the same with these beings. One has a true image of the plant only when one knows how it first exists as a root, then unfolds its first shoots, how it pushes forth the stem, develops leaves, produces flowers, how the flowers wither away, how the plant develops fruit, and so on. “One must observe the plant as it is becoming,” says Goethe in his beautiful poem on the metamorphosis of plants. In addition to what the plant itself is, other elemental beings live within it; within the plant live the mobile elemental beings that have an intimate kinship with the water that is taking shape, trickling, and stirring.

[ 24 ] Und nun müssen Sie sich schon damit bekanntmachen, daß die imaginative Welt, in die man sich hineinlebt, wenn man den physischen Plan überwunden hat, eine so innerlich bewegliche ist, ich möchte sagen, wie die sich umbildende Wolkenwelt, wie alles Rieselnde, wie alles Fließende. Die imaginative Welt selber hat etwas Fließendes, etwas Bewegliches. Während man sich also auf den ersten Anhub, den man in die geistige Welt hinein macht, ich möchte sagen, der Welt seiner eigenen physischen Gedanken gegenübergestellt sieht, und, wenn einem die Verhältnisse gerade günstig sind, sich der elementarischen Welt der Gnomen gegenübersicht, lebt man noch in der Welt der höheren elementarischen Wesenheiten so drinnen, wie etwa die Wasserwelle im Wasser drinnen lebt, die sich auch dazurechnen muß zum Wasser, die ein Teil des größeren Wassers ist, der größeren Wassermasse ist; so lebt man da drinnen.

[ 24 ] And now you must come to terms with the fact that the imaginative world into which one enters once one has transcended the physical plane is one of such inner movement—I would say, like the ever-changing world of clouds, like everything that trickles, like everything that flows. The imaginative world itself has something flowing, something dynamic about it. So when, at the very first step one takes into the spiritual world, —I would say, one finds oneself confronted with the world of one’s own physical thoughts, and, if circumstances are favorable, one finds oneself facing the elemental world of the gnomes—one still lives within the world of the higher elemental beings just as, for example, a water wave lives within the water, which must also be counted as part of the water, which is a part of the greater body of water, the greater mass of water; that is how one lives within it.

[ 25 ] Die Dinge sind natürlich schwer zu charakterisieren, aber auch hier müssen wir uns den Bewußtseinszustand vergegenwärtigen. Wenn ich sage, daß unser ganzes Denken anfängt zu leben, daß wir hingenommen werden von den Gedanken, die lebendig werden, wie wenn die Gedanken, die wir dann haben, und die dann imaginative Gedanken sind, ihr eigenes Leben entfalten würden, so wird es [verständlich. D. Hrsg.]. Da (siehe Zeichnung S.95) bleiben zurück die früheren rein physischen Gedanken. Zurückgelassene Welt! Dann können wir uns sagen: Ja, in der Welt, der wir da unsere physischen Gedanken übergeben haben, leben auch die Gnomen. Aber in dieser Undinenwelt, in der leben wir jetzt drinnen; die bewegt sich in demselben Element, in dem wir darinnen sind.

[ 25 ] Of course, these things are difficult to characterize, but here, too, we must keep the state of consciousness in mind. When I say that our entire thinking begins to come alive, that we are carried away by thoughts that come to life—as if the thoughts we then have, which are imaginative thoughts, were to unfold their own life—then it becomes [understandable. Ed.]. There (see drawing on p. 95), the earlier, purely physical thoughts are left behind. The world left behind! Then we can say to ourselves: Yes, the gnomes also live in the world to which we have surrendered our physical thoughts. But we now live within this world of undines; it moves in the same element in which we find ourselves.

[ 26 ] Fassen Sie das bitte recht genau ins Auge: Wir gehen aus unserem physischen Leibe, wir entfremden uns unserem physischen Leibe. Wir beginnen ein innerlich bewegtes Leben zu führen, gleichsam ein in sich fortwährend verschwimmendes, regsames Rieseln. Es wird alles innerlich lebendig, indem wir uns in unserm Ätherleibe fühlen. So auch fühlt sich, nur in getragenem Tempo, möchte ich sagen, im Ätherleib der Tote, unmittelbar nachdem der Tod eingetreten ist.

[ 26 ] Please take this very carefully into account: We step out of our physical body; we become estranged from our physical body. We begin to lead an inwardly dynamic life, like a constantly shifting, active trickle within ourselves. Everything comes alive within us as we feel ourselves in our etheric body. This is also how the deceased feels—only at a more measured pace, I would say—in the etheric body immediately after death has occurred.

[ 27 ] Dieses Mitleben der imaginativen Welt, das ist nur eine höhere Stufe dessen, was der Mensch ursprünglich auf dem Monde mitgemacht hat. Nur hat er da eine traumhafte imaginative Welt durchlebt, eine traumhafte Bilderwelt. Auf dem Jupiter wird er eine vollbewußte Bilderwelt durchleben. Zu der lebt man sich hinauf, wenn man so aus dem physischen Leibe sich herauslebt, wie ich es beschrieben habe. Stellen Sie sich das nur recht lebhaft vor: Die Welt der Sinne erlischt; das, was die Augen sehen können, wird nicht mehr gesehen, das, was die Ohren hören können, wird nicht mehr gehört. Das Fühlen hört auch auf. Die Gedanken, die sich auf die äußere Sinneswelt beziehen, die werden so abgelegt, daß man es ausdrücken könnte mit den Worten: Ihr Gnomen, da gebe ich euch meine physischen Gedanken als Genossen; unterhaltet euch mittlerweile mit meinen physischen Gedanken! — Dafür fängt aber ein inneres Leben und Weben an, ein Mitleben in alledem auf der Erde, was so innerlich rieselt und strömt und lebt, wie alles in sich Flüssige der Erde lebt und webt, ein Miterleben mit dem Irdischen, das aber zugleich erinnert an die alten Mondenzeiten. Etwas Merkwürdiges beginnt: Neben dem, was man so wahrnimmt, daß man weiß, man lebt da in einer Welt von elementarischen Wesen, die zu den Pflanzen, die zu dem fließenden Wasser gehören, weiß man noch etwas ganz Besonderes. Etwas sehr Eigentümliches weiß man: Man weiß, man lebt da in einen Rhythmus sich hinein, der mit dem inneren Rhythmus der Erde zu tun hat, der aber zu gleicher Zeit mit dem Rhythmus des Atmens zu tun hat. Man bekommt die Vorstellung: Unser Atem ist als Rhythmus innerlich verwandt mit einem Rhythmus der Erde. Kurz, man merkt etwas davon, daß man zu einem Glied in dem ganzen Erdenorganismus wird. Es wird einem wirklich so, wie wenn man zu dem Erdenorganismus dazugehörte. Man wird ergriffen von dem Erdenorganismus.

[ 27 ] This experience of the imaginative world is merely a higher stage of what human beings originally experienced on the Moon. There, however, they lived through a dreamlike imaginative world, a dreamlike world of images. On Jupiter, human beings will experience a fully conscious world of images. One ascends to this world by living one’s way out of the physical body, as I have described. Just imagine this very vividly: The world of the senses fades away; what the eyes can see is no longer seen, what the ears can hear is no longer heard. Sensation also ceases. The thoughts that relate to the external sensory world are set aside in such a way that one could express it with the words: “You gnomes, I give you my physical thoughts as companions; in the meantime, entertain yourselves with my physical thoughts!” — But in its place, an inner life and weaving begins—a sharing in all that on Earth trickles, flows, and lives inwardly, just as everything fluid within the Earth lives and weaves—a sharing in the earthly realm that at the same time recalls the ancient lunar times. Something remarkable begins: In addition to what one perceives—that one knows one is living in a world of elemental beings belonging to the plants and to the flowing water—one knows something else quite special. One knows something very peculiar: one knows that one is living into a rhythm that is connected to the inner rhythm of the Earth, yet at the same time is connected to the rhythm of breathing. One gets a mental image: Our breath, as a rhythm, is intrinsically related to a rhythm of the Earth. In short, one senses something of the fact that one is becoming a part of the entire Earth organism. It truly feels as if one belonged to the Earth organism. One is moved by the Earth organism.

[ 28 ] Es kann dann schon so sein, wie Goethe zu Eckermann am 11. April 1827 sagte: «Ich denke mir die Erde mit ihrem Dunstkreise gleichnisweise als ein großes lebendiges Wesen, das im ewigen Ein- und Ausatmen begriffen ist.» Und wie in diesem Ein- und Ausatmen fühlt man sich da drinnen. Man lebt auf eine eigentümliche Art das Leben der Erde mit.

[ 28 ] It may well be, as Goethe told Eckermann on April 11, 1827: “I imagine the Earth, with its atmosphere, as a great living being engaged in an eternal cycle of inhaling and exhaling.” And just as in this inhaling and exhaling, that is how one feels inside it. In a peculiar way, one shares in the life of the Earth.

[ 29 ] Und ich möchte auf einen wichtigen Punkt hindeuten, der Ihnen wiederum zeigen wird, wie gerade an charakteristischen Persönlichkeiten Geisteswissenschaft fruchtbar leuchtend, beleuchtend ist für die Ergebnisse der Naturwissenschaft; wie alles sich sehr schön mit den Ergebnissen der Naturwissenschaft zusammenfügt. Da muß ich Sie daran erinnern, wie einstmals Archimedes, der alte griechische Philosoph, als er im Bade war, sein weltberühmt gewordenes: Ich hab’s gefunden! — «Heureka!» — ausgerufen hat. Was hatte er gefunden? Er hat im Bade die Füße emporgestreckt aus dem Wasser und wieder heruntergelassen, und er hat dann bemerken können: Wenn die Füße im Wasser sind, sind sie leichter, als wenn sie draußen sind. Und er hat das wichtige Prinzip gefunden, daß ein jeder Körper im Wasser soviel von seinem Gewicht verliert, als das Gewicht des Wasserkörpers beträgt, den der andere, feste Körper verdrängt. Darauf beruht auch das Steigen des Luftballons, der immer soviel von seinem Gewicht verliert, als das Gewicht der verdrängten Luft beträgt. Und so ist es auch, wenn Sie Wasser haben, und in dieser Wassermasse einen festen Körper, dann verliert er so viel von seinem Gewicht innerhalb des Wassers, als das Gewicht des von ihm verdrängten Wassers beträgt, das den Raum von ihm einnimmt. Das verliert er scheinbar innerhalb des Wassers; wenn er unten liegt, verliert er es nicht, aber innerhalb des Wassers verliert er es. Das ist ein allgemeines Prinzip in der Natur. Es ist aber ein wichtiges Prinzip; denn, sehen Sie, mit diesem Prinzip hängt etwas außerordentlich Wichtiges im Menschen zusammen.

[ 29 ] And I would like to point out an important aspect that will once again show you how, particularly in the case of distinctive personalities, the Spiritual Science sheds a fruitful light on the findings of the natural sciences; how everything fits together so beautifully with the findings of the natural sciences. Here I must remind you of how Archimedes, the ancient Greek philosopher, once exclaimed his now world-famous “I’ve found it!”—“Eureka!”—while he was in the bath. What had he discovered? While in the bath, he raised his feet out of the water and then lowered them again, and he was then able to observe: When his feet are in the water, they are lighter than when they are out of it. And he discovered the important principle that every body in water loses as much of its weight as the weight of the volume of water displaced by that other, solid body. This is also the basis for the ascent of a hot-air balloon, which always loses as much of its weight as the weight of the displaced air. And the same is true when you have water and a solid object within that body of water: the object loses as much of its weight while submerged as the weight of the water it displaces, which occupies the space around it. It appears to lose this weight while submerged; when it lies on the bottom, it does not lose it, but it does lose it while submerged. This is a general principle of nature. It is, however, an important principle; for, you see, something extraordinarily important in human beings is connected to this principle.

[ 30 ] Sie werden ja schon gehört haben, wie schwer ein menschliches Gehirn ist: im Durchschnitt etwa 1350 Gramm. Es hat also ein ziemliches Gewicht, dieses menschliche Gehirn, es wiegt fast anderthalb Kilo. Nun sind unter dem Gehirn sehr zarte Organe. Wenn Sie ein Kilo auf diese zarten Organe legen würden, so würden die sogleich zusammengequetscht werden, die könnten das gar nicht ertragen. Fortwährend ist das so, daß Sie ein Gehirn von einem Gewicht in sich tragen, das durch seine Schwere veranlagt ist, die Organe, die darunterliegen, an der Gehirnbasis liegen, zu zerdrücken. Es drückt aber nicht dieses Gewicht von einem Kilogramm, sondern in Wirklichkeit drücken höchstens zwanzig Gramm auf die Gehirnbasis! Woher kommt das? Weil das Gehirn ganz schwimmt im Gehirnwasser. Und tatsächlich, bis auf zwanzig Gramm verliert das Gehirn von seinem Gewicht, weil es im Gehirnwasser schwimmt; nicht von dem Gewicht, das Abwiegegewicht ist, sondern von dem Gewicht, das unmittelbares Druckgewicht ist. Es drückt nur mit zwanzig Gramm auf die Basis. Man stellt sich die Sache ganz richtig vor, wenn man sich vorstellt: Das Gehirn (es wird gezeichnet), und das Gehirn im Gehirnwasser schwimmend, das Gehirnwasser dann durch die Rükkenmarkssäule heruntergehend.

[ 30 ] You’ve probably already heard how heavy a human brain is: on average, about 1,350 grams. So this human brain is quite heavy—it weighs almost one and a half kilos. Now, there are very delicate organs located beneath the brain. If you were to place one kilo on top of these delicate organs, they would be crushed immediately—they simply couldn’t withstand it. It is constantly the case that you carry a brain within you whose weight is such that it is bound to crush the organs lying beneath it, at the base of the brain. But it does not exert this weight of one kilogram; in reality, at most twenty grams press against the base of the brain! Why is that? Because the brain is completely suspended in cerebrospinal fluid. And in fact, the brain loses twenty grams of its weight because it floats in the cerebrospinal fluid—not the weight measured on a scale, but the weight that exerts direct pressure. It exerts only twenty grams of pressure on the base. You can create a quite correct mental image of this by imagining: the brain (as depicted), floating in cerebrospinal fluid, which then flows down through the spinal canal.

[ 31 ] Nun denken Sie sich aber, daß dieses Gehirnwasser rhythmisch auf und ab geht. So wie sich das Zwerchfell bei der Atmung auf und ab bewegt, so wie überhaupt die Ein- und Ausatmung vor sich geht, so bewegt sich rhythmisch dieses Gehirnwasser, in dem das Gehirn schwimmt und die Atmung mitmacht auf diese Weise. Und der ganze Gedankenprozeß, insofern das Gehirn sein Werkzeug ist, hat darin seinen physischen Zusammenhang mit dem Atmungsprozeß. Dadurch ist das Gehirn zu gleicher Zeit ein außerordentlich feines Empfindungsorgan für dasjenige, was im Irdischen als fortwährende Kräfte wirkt.

[ 31 ] Now imagine that this cerebrospinal fluid moves rhythmically up and down. Just as the diaphragm moves up and down during breathing, just as inhalation and exhalation occur in general, so does this cerebrospinal fluid—in which the brain floats—move rhythmically, and breathing participates in this process. And the entire thought process—insofar as the brain is its instrument—has its physical connection to the respiratory process in this way. As a result, the brain is at the same time an extraordinarily sensitive organ of perception for what acts in the earthly realm as continuous forces.

[ 32 ] Goethe, der in diese Dinge eine tiefe Einsicht hatte, wollte es zum Beispiel durchaus nicht gelten lassen, was die grobklotzige Meteorologie über das Sinken und Steigen des Batometerstandes sagt, die bloß auf äußere Luftverdickung und Luftverdünnung, auf Steigen und Sinken des Luftdruckes sieht. Goethe hat unendlich viel Zeit seines Lebens darauf verwendet, die Barometerstände der verschiedenen Gegenden sorgfältig zu notieren, und er hat versucht, zu konstatieren, wie regelmäßig das Steigen und Sinken des Barometerstandes über die ganze Erde hin ist, und wie man das vergleichen kann mit dem, was einer inneren Kraft der Erde, einem Ausatmen und Einatmen der Erde entspricht, womit zusammenhängt selbstverständlich alles Regelmäßige und alles Unregelmäßige der Meteorologie. Man braucht sich — trotzdem Regelmäßigkeit herrscht im Ein- und Ausatmen der Erde — nicht über das Wetterwendische des Barometers zu wundern; denn schließlich bekommt ja der Mensch trotz aller Regelmäßigkeit seines Atmens auch den Schnupfen und andere Zustände, die ein Barometer dafür sind, daß etwas nicht stimmt.

[ 32 ] Goethe, who had a deep understanding of these matters, absolutely refused to accept, for example, what crude meteorology says about the rise and fall of barometric pressure—which focuses solely on external air compression and rarefaction, on the rise and fall of atmospheric pressure. Goethe devoted an immense amount of his life to carefully recording barometric readings from various regions, and he sought to determine how regular the rise and fall of barometric pressure is across the entire Earth, and how this can be compared to what corresponds to an inner force of the Earth—an exhalation and inhalation of the Earth—with which, of course, all the regular and irregular phenomena of meteorology are connected. One need not—despite the regularity that prevails in the Earth’s inhalation and exhalation—be surprised by the barometer’s capriciousness; for after all, despite all the regularity of human breathing, people still catch colds and experience other conditions that serve as a barometer indicating that something is amiss.

[ 33 ] Aber diese wunderbare Gesetzmäßigkeit in der Erdenschwere, dieses Innenleben des Irdischen, das nimmt der Mensch wahr. Im physischen Leben bleibt es unterbewußt. Aber so wie der Mensch hinausguckt in die Welt oder mit dem Ohr hinaushört, geradeso nimmt er in dem fortwährenden Aufundabwogen des Gehirnwassers geheimnisvolle innere Vorgänge des «Erdentieres» wahr, über das Goethe sich so ausdrückt: Ich denke mir die Erde mit ihrem Dunstkreis gleichnisweise als ein großes lebendiges Wesen, das im ewigen Ein- und Ausatmen begriffen ist. Dieses Miterleben der Erde nimmt der Mensch wahr, aber es bleibt im Unterbewußten. Aber sobald man den Ätherleib als ein Organ hat, beginnt man, dieses Leben der Erde wahrzunehmen und mitzumachen, dann ist man ein Glied an diesem großen Erdengetier. Es ist wirklich erst unsere Zeit dazu gekommen, ich möchte sagen, solchen Dingen ganz verständnislos gegenüberzustehen. Noch Kepler, der ja als ein großer Geist gilt auch für diejenigen, die heute alle spirituelle Erkenntnis totschlagen möchten, redet davon, daß unsere Erde, wie er sich ausdrückt, eine walfischartige Respiration in Perioden, ein von der Sonnenzeit abhängiges Schlafen und Erwachen, mit Anschwellen und Sinken des Ozeans hat. Hinuntergedrängt ins Unterbewußte und ausgedrückt durch einen physischen Vorgang, der aber nichts mit dem Bewußtsein zu tun hat, erlebt der Mensch diese Dinge.

[ 33 ] But this wondrous regularity in the Earth’s gravity, this inner life of the earthly realm—that is what human beings perceive. In physical life, it remains subconscious. But just as a person looks out into the world or listens with their ears, so too do they perceive, in the ceaseless ebb and flow of the cerebrospinal fluid, the mysterious inner processes of the “earthly beast,” about which Goethe says: “I imagine the Earth, with its atmosphere, as a great living being engaged in an eternal inhalation and exhalation.” Human beings perceive this shared experience of the Earth, but it remains in the subconscious. But as soon as one has the etheric body as an organ, one begins to perceive and participate in this life of the Earth; then one is a limb of this great Earth creature. It is truly only in our time that we have come to stand before such things, I might say, completely without understanding. Even Kepler—who is regarded as a great mind even by those who today would like to stifle all spiritual knowledge—speaks of the fact that our Earth, as he puts it, has a whale-like respiration in periods, a sleeping and waking dependent on the solar cycle, accompanied by the swelling and subsiding of the ocean. Pushed down into the subconscious and expressed through a physical process that has nothing to do with consciousness, human beings experience these things.

[ 34 ] Jetzt werden Sie sich nicht mehr wundern, wenn Ihnen nun die hellseherische Erkenntnis sagt: Auf dem alten Monde, wo traumhaftes Hellsehen vorhanden war, war insbesondere das, was jetzt in das Innere des Organismus zurückgetreten ist — dieser eigentümliche Zusammenhang zwischen der äußeren Luft und unserem Denkprozesse auf dem Umwege durch das Blut und durch das Aufundabwogen des Gehirnwassers —, ein Äußeres im Organismus. Da war draußen die sich bewegende Luft. Da war der Mensch selber noch denn etwas wie Irdisches war ja noch nicht da, erst wässerig war der Mond oder höchstens verdichtetes Wasser —, wie ein Aufwirbeln in der Mondenmaterie. Und dann lebte in diesem Aufwirbeln dasjenige, was dieses Aufwirbeln wahrnahm, was da im Wasser als verdichtetes Wasser schwamm als Mensch, als Mondenmensch. Das, was wir waren als Mondenmensch, das steckt in uns drinnen. Und wenn man studiert, wie das Gehirn im Gehirnwasser drinnen ist und wie die ganzen Funktionen sind, wie das mit dem Atmungsprozeß zusammenhängt, dann sieht man: Ja, es ist so: da stehst du eigentlich, du Erbschaft vom alten Mond, du hast dich nur zurückgezogen in das Innere. Da bist du als Gehirn. — Drinnen im Gehirnwasser schwimmt das, wogt auf und ab.

[ 34 ] Now you will no longer be surprised when your clairvoyant insight tells you: On the ancient Moon, where dreamlike clairvoyance existed, what has now receded into the interior of the organism—this peculiar connection between the external air and our thought processes, mediated by the blood and the ebb and flow of cerebrospinal fluid—was an external aspect of the organism. There, outside, was the moving air. There was the human being itself—since anything earthly did not yet exist; the Moon was still watery, or at most condensed water—like a swirl within the lunar matter. And then, within this swirling, lived that which perceived this swirling—that which floated there in the water as condensed water, as a human being, as a lunar human. What we were as lunar humans is still within us. And when one studies how the brain is immersed in cerebrospinal fluid and how all its functions work, and how this relates to the respiratory process, then one sees: Yes, it is true—there you actually stand, you legacy of the ancient Moon; you have merely withdrawn into the interior. There you are as the brain.—Inside the cerebrospinal fluid, it floats, surging up and down.

[ 35 ] Da kann man daraus sehen, wie sich darinnen spiegelt das alte Monden-Aufundabwogen, das des Menschen Physisches auf dem Monde war. Und darüber hat sich gleichsam gedeckt die ganze Sinnlichkeit, die man durch die äußeren Sinne, durch die Nerven wahrnimmt, wie die äußere Hülle, die darüber ist. Und was drunter ist, ist als Erbschaft vom alten Mond zurückgeblieben.

[ 35 ] From this one can see how the ancient ebb and flow of the Moon is reflected within it—that which was the physical aspect of the human being on the Moon. And over this, as it were, the entire sensuous realm—which is perceived through the external senses and the nerves—has spread out like an outer shell covering it. And what lies beneath has remained as a legacy from the ancient Moon.

[ 36 ] So schließen sich überall die Dinge zusammen. In einer wunderschönen Weise schließen sie sich zusammen. Allerdings, solange man durch seine Augen nach außen sieht, durch seine Ohren nach außen hört, weiß man nichts von diesen Zusammenhängen durch inneres Erkennen. In dem Augenblick aber, wo man die Sinne nicht mehr benutzt und die Gedanken in der Weise zurückläßt, die ich Ihnen beschrieben habe, da fühlt man sich eins mit dem Erdenleben, und da weiß man sich eins durch seine innere Konfiguration mit der Erdenschwere unseres ätherischen Lebens, jenes Lebens, in das unmittelbar derjenige übergeht, der den physischen Leib auch verläßt, und der in den Zustand des sogenannten Todes übergeht.

[ 36 ] This is how things come together everywhere. They come together in a beautiful way. However, as long as one looks outward through one’s eyes and listens outward through one’s ears, one knows nothing of these connections through inner insight. But the moment one ceases to use the senses and sets aside one’s thoughts in the way I have described to you, one feels at one with earthly life, and one knows, through one’s inner constitution, that one is one with the earthly gravity of our ethereal life—that life into which one immediately passes upon leaving the physical body and entering the state of so-called ‘death.’