Chance, Necessity, and Providence
Imaginative Insight and Processes after Death
GA 163
5 September 1915, Dornach
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Chance, Necessity, and Providence, tr. SOL
Siebenter Vortrag
Seventh Lecture
[ 1 ] Ich habe es öfter erwähnt, daß wir nur dann die richtigen Impulse von der Geisteswissenschaft haben können, wenn wir versuchen, immer weiter und weiter zu gehen in dem positiven, in dem konkreten Verständnis der Tatsache von den \WWesenheiten, von denen uns die Geisteswissenschaft berichten will. Ich habe schon einmal hier erwähnt, daß man gewiß erst wissen muß: die menschliche Wesenheit trägt in sich physischen Leib, Ätherleib, astralischen Leib und so weiter. Man muß wissen, wie sich diese einzelnen Glieder zunächst äußerlich zueinander verhalten. Aber dann genügt es nicht, wenn man die richtigen Impulse von Geisteswissenschaft haben will, bei diesen, ich möchte sagen, Abstraktionen stehenzubleiben, sondern es handelt sich darum, daß man nun wirklich die Zusammenhänge, die Weltzusammenhänge kennenlernt, durch die man durch diese seine Menschheitsglieder in das ganze Weltgeschehen hineingestellt ist.
[ 1 ] I have often mentioned that we can only gain the right insights from Spiritual Science if we strive to go ever further and further in our positive, concrete understanding of the reality of the \WWesens, about which Spiritual Science seeks to inform us. I have already mentioned here that one must certainly first know that the human being carries within itself a physical body, an etheric body, an astral body, and so on. One must know how these individual members relate to one another, at least outwardly. But then, if one wishes to receive the right impulses from Spiritual Science, it is not enough to remain at these—I would say—abstractions; rather, the point is to truly come to know the connections, the world connections, through which one is placed, by means of these human members, within the whole of world events.
[ 2 ] Unser physischer Leib stellt uns in die physische Welt hinein, er stellt uns auf den physischen Plan. Unser physischer Leib macht uns durch die Vererbungsverhältnisse in der physischen Fortentwickelung der Menschheit ähnlich Eltern, Voreltern und so weiter. Er macht uns dadurch ähnlich, daß er eben selber gewisse Vorbedingungen des Ähnlichseins mit den Vorfahren in sich trägt. Durch vieles andere noch sind wir durch den physischen Leib in die physische Welt hineingestellt. Wir haben gestern etwas darauf aufmerksam gemacht, wie der Mensch, indem er allmählich zur sogenannten hellseherischen Erkenntnis vorrückt, sich in seiner Beziehung zur Welt unabhängig macht von dem Werkzeug, das wir den physischen Leib nennen.
[ 2 ] Our physical body places us within the physical world; it places us on the physical plane. Through the laws of heredity in the physical evolution of humanity, our physical body makes us similar to our parents, ancestors, and so on. It makes us similar in that it itself bears within it certain prerequisites for this resemblance to our ancestors. In many other ways as well, we are placed within the physical world through the physical body. Yesterday we drew attention to how, as a human being gradually advances toward what is called clairvoyant knowledge, they become independent in their relationship to the world from the instrument we call the physical body.
[ 3 ] Das nächste ist dann, daß sich der Mensch nicht des physischen Leibes als eines unmittelbaren Werkzeuges seines Verkehrs mit der Welt bedient, sondern seines Ätherleibes, und daß an die Stelle derjenigen Vorstellungen und Erkenntnisse, die wir durch unseren physischen Leib, das heißt durch seine Sinnesorgane, durch sein Gehirn bekommen, daß an die Stelle dieser Erkenntnis die imaginative Erkenntnis tritt. Und ich habe gestern in einer etwas anschaulicheren Form zu schildern versucht, wie sich die Seele verändert fühlt, wenn sie den Übergang durchmacht von der Benützung des physischen Leibes zu der Benützung des Ätherleibes.
[ 3 ] The next step is that human beings no longer use the physical body as a direct instrument for their interaction with the world, but rather their etheric body; and that in place of the mental images and insights we gain through our physical body—that is, through its sense organs and brain—imaginative insight takes their place. And yesterday I tried to describe in a somewhat more vivid way how the soul feels itself changing as it undergoes the transition from using the physical body to using the etheric body.
[ 4 ] Gewiß, der Mensch benutzt seinen ätherischen Leib immer, wenn er nicht gerade schläft. Der Mensch benutzt aber seinen ätherischen Leib so, daß dieser ätherische Leib in dem physischen Leib drinnen webt und beide gleichzeitig benutzt werden in dem Wachzustande des physischen Planes. Aber kennenlernen kann man die Eigentümlichkeiten desjenigen, was dieser ätherische Leib eigentlich ist, wenn man ihn gewissermaßen heraushebt aus seinem Zusammenhange mit dem physischen Leib und ihn allein, ohne den physischen Leib, als ein Werkzeug benützt. Wir wissen, daß auf ganz naturgemäße Weise, unmittelbar nach dem Tode, der Mensch in dieser Lage ist, daß er, nachdem er seinen physischen Leib abgelegt hat, wenn auch nur kurze Zeit, seinen Ätherleib allein benützt, bis auch dieser dann abgelegt wird.
[ 4 ] Certainly, a person always uses their etheric body when they are not asleep. However, a person uses their etheric body in such a way that this etheric body weaves within the physical body, and both are used simultaneously in the waking state of the physical plane. But one can come to understand the peculiarities of what this etheric body actually is by, so to speak, separating it from its connection with the physical body and using it alone, without the physical body, as an instrument. We know that, in a completely natural way, immediately after death, a person finds themselves in a situation where, having shed their physical body—even if only for a short time—they use their etheric body alone until that, too, is shed.
[ 5 ] So müssen wir unterscheiden, ich möchte sagen, das erste Todesfaktum: die Loslösung des Menschen von dem physischen Leib, von dem zweiten kurz darauf folgenden Todesfaktum, der Loslösung von dem ätherischen Leib. Der physische Leib, sagte ich, bindet uns gewissermaßen an all dasjenige, was wir vom physischen Plan haben. Woran bindet uns der ätherische Leib? Dieser ätherische Leib bindet uns an all dasjenige, was wir als Zusammenhang mit dem Kosmos haben, mit dem Außerirdischen, mit dem, was in uns lebt, ohne daß wir sagen können, es sei unmittelbar heraus aus dem physischen Weltenzusammenhang. Wenn der Mensch, sagen wir, von vornherein ein physisch mangelhaftes Ohr hat, so wird er kein Musiker werden können, aber ein physisch mangelhaftes Ohr hat man aus physischer Vererbung. Das ist nur ein radikaler Fall, an dem man sehen kann, wie wir hineingestellt sind in den fortlaufenden Vererbungsprozeß. Aber man muß von dem, wozu uns unser physischer Leib bereit macht, übergehen zu dem, wozu uns unser Ätherleib bereit macht. Das tritt mehr zutage in den eigentlichen seelischen Veranlagungen. Nur der Stumpfsinnige kann unberücksichtigt lassen, daß die Menschen in seelischer Beziehung ganz verschieden veranlagt sind. Den stumpfsinnigen Materialisten werden manchmal intime Verschiedenheiten der Menschen in seelischer Beziehung nicht besonders interessieren, er will nur die äußere Formenwelt untersuchen; aber jedem wirklich auf das Leben Aufmerksamen fällt hinlänglich auf, wie kein Mensch in bezug auf seine Individualität dem anderen Menschen gleicht.
[ 5 ] Thus we must distinguish—I would say—between the first fact of death: the separation of the human being from the physical body, and the second fact of death, which follows shortly thereafter: the separation from the etheric body. The physical body, as I said, binds us, so to speak, to everything we have on the physical plane. To what does the etheric body bind us? This etheric body binds us to everything we have in connection with the cosmos, with the extraterrestrial, with that which lives within us without our being able to say that it originates directly from the physical world. If a person, let us say, has a physically defective ear from the outset, he will not be able to become a musician; but a physically defective ear is the result of physical heredity. This is merely a radical example that illustrates how we are embedded in the ongoing process of heredity. But we must move from what our physical body prepares us for to what our etheric body prepares us for. This becomes more evident in our actual soul dispositions. Only the dull-witted person can fail to take into account that human beings are very differently disposed in soul terms. The narrow-minded materialist is sometimes not particularly interested in the intimate differences between people in terms of their souls; he wants only to examine the world of external forms; but anyone who is truly attentive to life will readily notice how no human being is alike another in terms of individuality.
[ 6 ] Diejenigen, die in theosophischen Vorstellungen eine Zeitlang gelebt haben, befriedigen sich daran, daß sie sagen: Nun, das ist ja erklärlich, daß die Menschen individuell verschieden sind, denn es gibt eben eine Reinkarnation, eine Folge von wiederholten Erdenleben, und dasjenige, was wir uns als Bedingungen aus früheren Leben mitbringen, das lebt sich als unsere individuellen Verschiedenheiten aus. — Das ist selbstverständlich ganz richtig, aber das Richtige allein genügt nicht, wenn wir die Welt verstehen wollen. Denn denken Sie sich einmal, ein Mensch würde mit einem feinen musikalischen Ohr geboren, aber es würden ihm vorenthalten in der Welt die Mittel musikalischer Ausbildung: Das musikalische Ohr würde unausgebildet bleiben. Daß er musikalisch ausgebildet werden kann, hängt mit seinem musikalischen Ohr zusammen, gewiß; aber die äußeren Mittel müssen dazu da sein, das Milieu, in das der Mensch versetzt ist oder wird, das muß da sein, die Bedingungen müssen da sein. Es gibt Seelen, welche mit einer einseitigen Erklärung der Tatsachen sich befriedigt erklären, die immer wieder darauf zurückfallen, wie die Katze auf die Pfoten, daß sie sagen: Nun ja, alles macht das höhere Ich des Menschen, oder das höhere Selbst. Das höhere Selbst ist eigentlich die ganze Welt! — Gewiß, solche Dinge können wahr sein, aber sie reichen eben zur Erklärung der Tatsachen der Welt durchaus nicht aus. Daß wir durch unser Karma, durch ein inneres Karma in verschiedener Weise veranlagt sind, das ist richtig. DaB die Verschiedenheiten der Menschenindividualitäten davon abhängen, wie diese Menschen in den aufeinanderfolgenden Leben sich entwickelt haben, das ist ganz richtig; aber allein genügt es nicht, zu wissen, daß der Mensch durch verschiedene Erdenleben geht und seine Individualität ausbildet, sondern wir müssen wissen, woher es kommt, daß eine Möglichkeit besteht, dasjenige, was wir uns als Individualität erworben haben, nun wirklich auszuleben.
[ 6 ] Those who have lived with theosophical mental images for some time are satisfied to say: Well, it’s only natural that people are individually different, for there is reincarnation—a series of repeated earthly lives—and what we bring with us as conditions from past lives manifests itself as our individual differences. — That is, of course, entirely correct, but correctness alone is not enough if we want to understand the world. For just imagine that a person were born with a keen musical ear, but were denied the means of musical education in the world: that musical ear would remain undeveloped. That he can receive a musical education is certainly connected to his musical ear; but the external means must be available for this—the environment into which the person is placed or will be placed must be there, and the conditions must be present. There are souls who are satisfied with a one-sided explanation of the facts, who keep falling back on it—like a cat on its paws—saying: Well, everything is done by the human being’s higher I, or the higher Self. The higher Self is actually the whole world!” — Certainly, such things may be true, but they are by no means sufficient to explain the facts of the world. It is true that we are predisposed in various ways by our karma, by an inner karma. It is quite true that the differences among human individualities depend on how these people have developed in their successive lives; but it is not enough merely to know that a person goes through various earthly lives and develops their individuality—we must also know where the possibility comes from that we can now truly live out what we have acquired as individuality.
[ 7 ] Nehmen Sie das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Verschiedenes kennen Sie, namentlich aus dem Zyklus, der gedruckt vorliegt «Das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt». Aus diesem können Sie entnehmen, daß in dem Leben zwischen Tod und neuer Geburt die verschiedenen Tatsachen zusammenkommen müssen, die den Menschen zu einer neuen Geburt, zu einer neuen Einkörperung in einen physischen Leib vorbereiten. Aber es muß in der geistigen Welt eine Möglichkeit da sein, daß auch dem Menschen dasjenige wird, was notwendig ist, daß seine individuellen Anlagen zur Ausbildung kommen. Man kann sich denken, daß wir durch ein Erdenleben gegangen sind, in diesem Erdenleben uns Bedingungen geschaffen haben für ein folgendes Erdenleben in einer gewissen Weise, daß wir aber zwischen dem Tod und einer neuen Geburt nicht die Möglichkeit finden, das, was wir da in uns verpflanzt haben als Anlage für ein künftiges Erdenleben, wirklich zur Entfaltung zu bringen. Ein Pflanzenkeim kann gut veranlagt sein; wenn er nicht in ein ihm günstiges Erdreich gesetzt werden kann, ist es ihm unmöglich, sich zu entfalten. In unserer Individualität kann noch so viel drinnen sein: wenn wir nicht imstande sind, in der geistigen Welt zwischen Tod und neuer Geburt Tatsachen zu finden, welche so auf uns wirken wie der Nährboden auf den Pflanzenkeim, dann können die in uns gesetzten Lebensbedingungen für eine künftige Inkarnation eben nicht ausgebildet werden.
[ 7 ] Consider the life between death and a new birth. You are familiar with various aspects of this, particularly from the published series *Life Between Death and a New Birth*. From this, you can gather that in the life between death and a new birth, the various factors must come together that prepare a person for a new birth, for a new incarnation into a physical body. But there must be a possibility in the spiritual world for a person to receive what is necessary so that their individual aptitudes can be developed. One can imagine that we have gone through an earthly life, and in that earthly life we have, in a certain way, created the conditions for a subsequent earthly life; yet between death and a new birth we do not find the opportunity to truly bring to fruition what we have planted within ourselves as a predisposition for a future earthly life. A plant seed may have excellent potential; but if it cannot be planted in soil favorable to it, it is impossible for it to develop. No matter how much potential may lie within our individuality, if we are unable to find circumstances in the spiritual world between death and a new birth that affect us in the same way that fertile soil affects a plant seed, then the conditions for a future incarnation that have been planted within us simply cannot be developed.
[ 8 ] Wir ahnen daraus, daß die Welt tiefe Geheimnisse verbirgt, die wir nach und nach enthüllen können, wenn wir in die konkreten, in die tatsächlichen Verhältnisse des Lebens mit der Geisteswissenschaft hineinleuchten. Denn ein paar Schlagtheorien — Schlagworte, wie man sagt —, daß der Mensch verschiedene Erdenleben habe und seiner Individualität nach diese Erdenleben so weiter trägt, das genügt nicht; das erklärt nicht zuletzt dasjenige, was uns als Rätsel des Lebens berührt im Leben. Man muß überall, das habe ich betont gerade in diesen Tagen, die richtigen Gesichtspunkte finden. Und manches berührt uns ja als tiefes Rätsel im Leben, das wenigstens bis zu einem gewissen Grad für uns gelöst werden muß, wenn wir nicht wie ohnmächtige Kämpfer uns fühlen sollen im Leben, die zwar sehen, was das Leben an Rätseln ihnen aufgibt, die aber eben ohnmächtig wären, diese Rätsel des Lebens zu bezwingen.
[ 8 ] We can surmise from this that the world conceals profound mysteries, which we can gradually uncover as we shed light on the concrete, actual conditions of life through Spiritual Science. For a few catch-all theories—buzzwords, as they say—that human beings have various earthly lives and carry these lives forward through their individuality, are not enough; they do not explain, not least, what touches us in life as the mystery of life. One must find the right perspectives everywhere—as I have emphasized especially in recent days. And there are indeed many things that strike us as profound mysteries in life, which must be solved for us at least to a certain extent if we are not to feel like powerless fighters in life—who, though they see the mysteries that life presents to them, would nevertheless be powerless to overcome these mysteries of life.
[ 9 ] Da ist ein Rätsel, und ich nenne es im voraus, weil es den geistigen Forscher in Zusammenhang bringt mit der Frage, wie die Bedingungen herbeigeführt werden zur Entwickelung unserer Individualität. Ich werde es nachher charakterisieren. Es ist das Rätsel, das sich uns aufgibt im Leben, wenn wir sehen, in welch verschiedenen Lebensaltern die Menschen sterben. Der eine, es ist leicht gesagt, wird uralt, der andere stirbt ganz jung. In jedem Lebensalter sterben die Menschen. Dies kann man, ich möchte sagen, gedankenlos so aussprechen. Und die Menschen sind am wenigsten geneigt, dem gegenüber das Rätselhafte zu empfinden, das sich fortwährend wiederholt. Aber gerade in diesen alleralltäglichsten Tatsachen des Lebens sprechen sich die größten Rätsel aus.
[ 9 ] There is a mystery here, and I mention it in advance because it connects the spiritual seeker with the question of how the conditions for the development of our individuality are brought about. I will describe it in more detail later. It is the mystery that presents itself to us in life when we see at what different ages people die. One person—it’s easy to say—lives to a ripe old age, while another dies quite young. People die at every age. One might, I would say, utter this without giving it a second thought. And people are least inclined to perceive the mystery in this phenomenon, which repeats itself constantly. But it is precisely in these most mundane facts of life that the greatest mysteries are revealed.
[ 10 ] Wir kommen diesem Rätsel nahe, wenn wir ein wenig das Verhältnis des menschlichen Ätherleibes zur Gesamtwelt ins Auge fassen. Jedem ist bekannt, denn das ist eine Tatsache des äußeren Lebens, daß wir altern in bezug auf unseren physischen Leib. Wir werden immer älter. Und worinnen das Älterwerden besteht, das weiß ja jeder. Und in bezug auf unseren Ätherleib ist das Umgekehrte der Fall: da werden wir nämlich immer jünger, richtig jünger! Und wenn wir ganz alte Leute geworden sind, so sind wir in bezug auf unseren physischen Leib alt, in bezug auf unseren Ätherleib jung geworden. Einige sind ja unter Ihnen, die auch das schon in Vorträgen von mir gehört haben, ich will aber heute über diese Sache noch einmal in einem anderen Zusammenhang sprechen. Wir müssen unseren Ätherleib so ausbilden im Verlaufe unseres Erdenlebens, daß wenn wir am Ende unseres Erdenlebens angekommen sind, unser astralischer Leib in diesen Ätherleib so eingebettet ist, daß er sich so drinnen fühlt, wie er beschaffen sein muß, um das nächste Leben in entsprechender Weise anzutreten. Man kann wirklich sagen: Wenn der Mensch alt, grau, runzlig geworden ist, so blüht sein Ätherleib auf, wird frisch; denn sein astralischer Leib muß sich dann gewöhnen, in einem Ätherleib so zu leben, daß da schon das Keimhafte drinnen liegt. Wie nun dieser astralische Leib in dem nächsten Erdenwerden die physische Leiblichkeit des Kindes durchdringt, wie er da drinnen arbeitet, das muß sich in einer gewissen Weise schon durch das Leben mit dem junggewordenen Ätherleib ausdrücken.
[ 10 ] We come closer to solving this mystery when we consider, even briefly, the relationship of the human etheric body to the world as a whole. Everyone knows—for this is a fact of external life—that we age in terms of our physical body. We grow older and older. And everyone knows what aging entails. But with regard to our etheric body, the opposite is true: there, in fact, we are becoming younger and younger—truly younger! And when we have become very old, we are old in relation to our physical body, but young in relation to our etheric body. Some of you have already heard me speak about this in lectures, but today I would like to address this topic once more in a different context. We must develop our etheric body over the course of our earthly life in such a way that, when we reach the end of our earthly life, our astral body is so embedded within this etheric body that it feels, within it, exactly as it must be in order to enter the next life in the appropriate manner. One can truly say: When a person has grown old, gray, and wrinkled, their etheric body blossoms and becomes fresh; for their astral body must then accustom itself to living within an etheric body in such a way that the seed of the new life is already present within it. How this astral body will then permeate the physical body of the child in the next earthly incarnation, and how it will work within it, must already be expressed in a certain way through life with the newly formed etheric body.
[ 11 ] Es ist merkwürdig, wie man im Sprachgenius oftmals Geheimnisse bewahrt hat. Ich habe bei anderen Gelegenheiten schon darauf aufmerksam gemacht: Sie werden in Goethes «Faust» ein schönes Wort finden, das gebraucht wird statt geboren werden; im «Faust» heißt es: «Im Nebelalter jung geworden», er sagt nicht: geboren worden, sondern «jung geworden» — Junggewordensein im Gegensatz zum Altgewordensein. Also wenn man geboren wird, wird man «jung».
[ 11 ] It is remarkable how secrets have often been preserved in the genius of language. I have already pointed this out on other occasions: In Goethe’s *Faust*, you will find a beautiful word used in place of “to be born”; in *Faust* it says, “Become young in the age of mist”—he does not say “to have been born,” but rather “to have become young”—becoming young as opposed to growing old. So when one is born, one “becomes young.”
[ 12 ] Dem liegt natürlich die Vorstellung zugrunde, daß die Präexistenz der Seele dem Kindwerden vorangeht. Aber das, was diese Seele an Kräften entwickelt, um nun den kindlichen Leib durcharbeiten zu können, das muß sie sich aneignen, wenn der Ätherleib im letzten, im vorhergehenden Leben beim physischen Altern jung wird.
[ 12 ] This is, of course, based on the mental image that the pre-existence of the soul precedes the child’s birth. But the powers that this soul develops in order to work through the child’s body must be acquired when the etheric body becomes young again during physical aging in the last, preceding life.
[ 13 ] Die Materialisten finden eine besondere Bekräftigung ihrer materialistischen Theorien darin, daß selbst geniale oder für genial gehaltene Menschen im Alter manchmal schwachsinnig werden können. Es wird mit besonderer Vorliebe angeführt, daß Kart im Alter schwachsinnig geworden ist. Aber die Leute, die sich auf solche Dinge berufen, verstehen nicht, wie dasjenige, was als Seele wirkt hier auf dem physischen Plan, sich nur durch die körperlichen Organe kundgeben kann. Kants Gehirn war eben nicht mehr imstande, als Werkzeug zu dienen den Seelenkräften, die in ihm ausgebildet waren. Daher erscheint er am Ende seines Lebens schwachsinnig. In ihm lebte schon die Seele — das war wirklich der Fall —, die sich vorbereitete, den nächsten physischen Leib durchzuorganisieren; aber die konnte sich in dem bisherigen physischen Leib nicht so verhalten, daß der bisherige physische Leib ein ordentliches Werkzeug gewesen wäre.
[ 13 ] Materialists find particular support for their materialistic theories in the fact that even people who are brilliant—or considered to be brilliant—can sometimes become mentally deficient in old age. It is cited with particular relish that Kant became mentally impaired in old age. But the people who invoke such examples do not understand how that which functions as the soul here on the physical plane can manifest itself only through the physical organs. Kant’s brain was simply no longer capable of serving as an instrument for the soul forces that had developed within him. That is why he appeared to be mentally impaired at the end of his life. The soul was already living within him—that was truly the case—and was preparing to organize the next physical body; but it could not function within his previous physical body in such a way that the previous physical body would have been a proper instrument.
[ 14 ] Nun ist ein großer, gewaltiger Unterschied, der Ihnen einleuchten wird, wenn Sie das, was ich eben gesagt habe, voraussetzen, ein gewaltiger Unterschied, ob man uralt stirbt, oder ob man in der Jugend stirbt, vielleicht gar als Kind. Denn stirbt man in der Jugend, dann ist der Ätherleib noch nicht so jung geworden. Wenn man von dem physischen Menschen spricht, kann man sagen: er altert. Wenn man von dem Ätherleib spricht, müßte man eigentlich sagen: er jüngert. Das wäre ein ganz richtiges Wort! Es wäre gut, wenn unsere Sprache bereichert würde durch solche Worte. Er jüngert, der Ätherleib, aber er ist noch nicht so gejüngert, wenn der Mensch im jugendlichen Alter stirbt. Ich habe das früher einmal dadurch anzudeuten versucht, daß ich gesagt habe: Wenn der Mensch im jugendlichen, kindlichen Alter stirbt, so ist sein Ätherleib im Grunde genommen unverbraucht. Er hätte ein ganzes Leben damit ausgereicht, mit diesem Ätherleib. Man hätte sechzig, achtzig Jahre alt werden können mit diesem Ätherleib, den man zur Verfügung hat, wenn man nicht jung gestorben wäre. Aber sowenig wie in der äußeren physischen Welt irgendeine Kraft verlorengeht, sowenig geht die Kraft eines solchen Ätherleibes verloren. Die bleibt vorhanden. Nur müssen wir etwas genauer auf das Besondere, Eigentümliche dieser Kraft eingehen.
[ 14 ] Now there is a great, enormous difference—one that will become clear to you if you take what I have just said as a given—an enormous difference between dying at a very old age and dying in youth, perhaps even as a child. For if one dies in youth, the etheric body has not yet become so young. When speaking of the physical human being, one can say: he ages. When speaking of the etheric body, one would actually have to say: it grows younger. That would be a perfectly correct term! It would be good if our language were enriched by such words. The etheric body grows younger, but it has not yet grown that much younger when a person dies in youth. I once tried to hint at this by saying: When a person dies in youth or childhood, their etheric body is, in essence, unspent. This etheric body would have been sufficient for a whole lifetime. One could have lived to be sixty or eighty years old with this etheric body at one’s disposal, had one not died young. But just as no force is lost in the outer physical world, so too is the force of such an etheric body not lost. It remains intact. We simply need to examine the specific, distinctive nature of this force in somewhat greater detail.
[ 15 ] Wenn der Mensch ein, wie man sagt, normales Alter, also ein Alter von siebzig, achtzig Jahren erreichen kann, ist sein Ätherleib sehr jung geworden. Und in diesem junggewordenen Ätherleib sitzt, ich möchte sagen, das Fazit seines Lebens, das Lebensergebnis darinnen, das drückt sich darinnen aus, und der astralische Leib ergreift dann Besitz davon. Denn das geschieht ja so: Stellen wir uns einmal vor, der Mensch hätte seinen physischen Leib abgelegt, der Ätherleib wäre aus dem physischen Leib herausgetreten. Während der Ätherleib noch im physischen Leib ist, kann er das, was er sich im Leben angeeignet hat an eigentlichen Kräften, nicht entfalten, weil er in den physischen Leib gebannt ist. Denken Sie sich, wir haben uns im Leben, das wir zuletzt auf der Erde gelebt haben, diese oder jene Fähigkeit erworben. Das bedeutet, daß wir uns diese Fähigkeit mit dem physischen Leib, den wir aus der vorhergehenden Inkarnation haben, erworben haben. Aber was wir in der jetzigen Inkarnation dazubekommen, dazu haben wir noch nicht die Organe, die müssen wir uns erst bilden für die nächste Inkarnation. Aber im Ätherleib, der elastischer, flüssiger ist als der physische Leib, sitzt das drinnen. Nur kann es sich nicht entfalten, solange der Ätherleib im physischen Leib drinnen ist. Ist jetzt der physische Leib abgefallen, dann wird der Ätherleib frei. Und dieser Ätherleib erscheint nun zunächst mit dem ganzen Ergebnis des Lebens, das wir eben durchlebt haben, wenn wir durch den Tod gegangen sind. Daher zeigt er auch das ganze Lebenspanorama, das sich während weniger Tage über das ganze verflossene Leben ausdehnt, damit wir all das, was wir lernen können, uns aneignen können, aus dem Lebenspanorama herausziehen können. Das geschieht eben in diesen paar Tagen, in denen wir dieses Lebenspanorama durchblicken.
[ 15 ] When a person reaches what is called a normal age—that is, the age of seventy or eighty—his etheric body has become very young. And within this rejuvenated etheric body resides, I would say, the sum total of their life—the result of their life—which is expressed within it, and the astral body then takes possession of it. For this is how it happens: Let us imagine for a moment that a person has shed their physical body, and the etheric body has stepped out of the physical body. While the etheric body is still within the physical body, it cannot unfold the actual powers it has acquired during life, because it is bound within the physical body. Imagine that in the life we most recently lived on Earth, we acquired this or that ability. This means that we acquired this ability with the physical body we have from the previous incarnation. But for what we gain in the present incarnation, we do not yet have the organs; we must first develop them for the next incarnation. But this potential is contained within the etheric body, which is more elastic and fluid than the physical body. It simply cannot unfold as long as the etheric body is enclosed within the physical body. Once the physical body has been shed, the etheric body becomes free. And this etheric body now appears, initially bearing the entire sum of the life we have just lived, once we have passed through death. That is why it also reveals the entire panorama of life, which unfolds over the course of a few days, encompassing the whole of our past life, so that we can absorb everything we can learn and draw it from this panorama of life. This takes place precisely during these few days in which we survey this panorama of life.
[ 16 ] Wenn unser astralischer Leib jeden Morgen beim Aufwachen in den physischen und Ätherleib hineingeht, muß er sich anpassen dem, was aus dem physischen und Ätherleib aus der vorigen Inkarnation geworden ist, da trifft er all das, was man geworden ist. Der astralische Leib kommt nie herein in den Ätherleib so, daß er sich bedienen kann desjenigen, was der Ätherleib erst in der jetzigen Inkarnation geworden ist. Aber jetzt, nach dem Tode, ist das der Fall. Er ist so mit dem Ätherleib verbunden, daß der Astralleib spürt, wahrnimmt, empfindet, was man als Fazit, als Resultat von dem eben abgelaufenen Leben hat. Und wenn sich dann der astralische Leib von dem Ätherleib nach einigen Tagen trennt, dann ist im astralischen Leib das ganze Ergebnis des Lebens dadurch drinnen, daß er es aus dem Ätherleib herausgezogen hat, daß er es im Ätherleib ein paar Tage erlebt hat. Dazu braucht er nicht länger als ein paar Tage, um in dem Ätherleib, der frei geworden ist, das ganze Ergebnis, das Fazit des Lebens zu durchleben. Lange braucht er dann, um das, was er jetzt da erlebt hat, so auszugestalten, daß ein neues Erdenleben gezimmert werden kann.
[ 16 ] When our astral body enters the physical and etheric bodies every morning upon waking, it must adapt to what has become of the physical and etheric bodies from the previous incarnation; there it encounters everything that one has become. The astral body never enters the etheric body in such a way that it can make use of what the etheric body has become only in the present incarnation. But now, after death, this is the case. It is so connected to the etheric body that the astral body senses, perceives, and feels what one has as a conclusion, as a result, of the life that has just ended. And when the astral body separates from the etheric body after a few days, the entire outcome of life is contained within the astral body because it has drawn it out of the etheric body and experienced it there for a few days. It takes no longer than a few days for the astral body to live through the entire outcome—the sum total of life—within the etheric body, which has now been set free. It then takes a long time for it to shape what it has now experienced in such a way that a new earthly life can be fashioned.
[ 17 ] Ja, sehen Sie, um ein neues Erdenleben zu zimmern, dazu gehört sehr viel. Und wenn es der menschlichen Weisheit so unmittelbar überlassen wäre, ein neues Erdenleben durch sich selbst zu zimmern, da käme ganz sicher nichts Ordentliches zustande. Setzen Sie sich einmal in den Fall, Sie sollten aus Ihrem Bewußtsein heraus das ganze physische Instrument des Menschen formen. Da müßten Sie es doch eben kennen, nicht wahr? Aber jeder Blick in die äußere Wissenschaft sagt einem, wieviel der Mensch von der Zusammensetzung seines physischen Leibes kennt! Zwischen Tod und neuer Geburt kann er es soweit, daß er den physischen Leib so formen kann, daß dieser physische Leib wirklich bis in seine feinsten Ziselierungen hinein geeignet ist, das zum Ausdruck zu bringen, was aus dem früheren Erdenleben veranlagt ist.
[ 17 ] Yes, you see, there is a great deal involved in crafting a new earthly life. And if it were left entirely up to human wisdom to craft a new earthly life on its own, nothing proper would certainly come of it. Just imagine for a moment that you were to shape the entire physical instrument of a human being from your own consciousness. You’d have to know it, wouldn’t you? But any glance at external science tells us just how little a human being knows about the composition of his own physical body! Between death and a new birth, he is able to shape the physical body in such a way that this physical body—right down to its finest details—is truly suited to expressing what has been predisposed from the previous earthly life.
[ 18 ] Wenn jemand Sie fragen sollte: Wie muß ich es machen mit einer bestimmten Gehirnwindung, daß ich ihr da in ihrer Linie diejenige Wendung gebe, die gerade dem entspricht, was ich mir im vorigen Leben angeeignet habe? Ja, wenn Sie die Frage entscheiden sollten, ob ich sie hier ein bißchen drehen oder vielleicht so machen soll (es wird gezeichnet) — Sie würden es nicht entscheiden können, wenn jemand Sie examinieren würde, und nicht sagen können: Drehst du diese Gehirnwindung so herum, dann entspricht das dem Umstande, daß du in der früheren Inkarnation ein Redner warst, und das dann zur Ausarbeitung bringen kannst. Wie sollten Sie das beantworten können mit dem Bewußtsein des physischen Planes? Zwischen dem Tod und einer neuen Geburt muß der Mensch das beantworten, denn er muß sich in dem neuen Ätherleib diese feine Ausziselierung seiner Organe veranlagen. Das muß alles geschehen. — Was dazu notwendig ist, das läßt sich leicht mit einem Worte bezeichnen, aber ich wollte ein Gefühl davon hervorrufen, was dieses Wort umschließt: Weisheit ist dazu notwendig, Weisheit! Und diese Weisheit muß wirklich im Menschen sein.
[ 18 ] If someone were to ask you: How should I handle a particular twist of the brain so that I give it—in its own line—the twist that corresponds exactly to what I acquired in my previous life? Yes, if you were to decide whether I should twist it a little here or perhaps do it this way (a drawing is made) — you wouldn’t be able to decide if someone were to examine you, nor could you say: ‘If you twist this brain fold this way, it corresponds to the fact that you were an orator in your previous incarnation, and you can then develop that further.’ How could you possibly answer that with the consciousness of the physical plane? Between death and a new birth, the human being must answer this, for in the new etheric body, he must arrange for this fine chiseling of his organs. All of this must take place. — What is necessary for this can easily be described in a single word, but I wanted to evoke a sense of what that word encompasses: Wisdom is necessary for this, wisdom! And this wisdom must truly be within the human being.
[ 19 ] Wenn Kant auch im Alter schwachsinnig geworden war, seine Seele, das heißt sein astralischer Leib, insofern er in seinem neugewobenen Ätherleib drinnen war, seine Seele war weise, denn die hatte die Weisheit schon in sich, nur konnte es das Ich nicht mit dem Gehirn ins Bewußtsein heraufheben. Seine Seele hatte in sich die Weisheit, die nun herauskommen sollte zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, und die weisheitsvoll in die neue Inkarnation des Kant in späterer Zeit kommen sollte. Kant ist ein alter Mann geworden. Je älter man wird im physischen Leib, desto mehr prägt sich im Menschen dieses Moment der Weisheit aus.
[ 19 ] Even though Kant had become mentally impaired in his old age, his soul—that is, his astral body, insofar as it was contained within his newly woven etheric body—was wise, for it already possessed that wisdom within itself; it was simply that the “I” could not bring it up into consciousness through the brain. His soul possessed within itself the wisdom that was now to emerge between death and a new birth, and that was to enter, as wisdom, into Kant’s new incarnation at a later time. Kant had grown old. The older one becomes in the physical body, the more this aspect of wisdom becomes evident in the human being.
[ 20 ] Aber bei denjenigen, die jung sterben, da ist es anders, da hat der Ätherleib nicht so «gejüngert», und die Folge davon ist, daß weniger Weisheit, die auf der Erde erworben ist, in diesem Ätherleib aufgespeichert ist, denn es handelt sich wirklich um die auf der Erde erworbene Weisheit. Dafür ist etwas anderes darin: In dem alten, noch nicht gejüngerten Ätherleib eines Frühverstorbenen, da ist um so mehr Wille darinnen; direktes Willenselement, Liebeselement, schöpferisches Liebeselement ist darinnen. Das ist nämlich der Unterschied zwischen dem Ätherleib eines altgewordenen Menschen, der mehr durchdrungen ist mit dem Weisheitscharakter, und dem Ätherleib eines jung verstorbenen Menschen, der durchdrungen ist mit dem Willenselement. Der Ätherleib eines jung verstorbenen Menschen strömt Liebe aus, warme Liebe, warmes Ätherisches der Liebe. Der Ätherleib des altgewordenen Menschen strömt aus weisheitsvolles Aurtisches, Lichtvolles.
[ 20 ] But for those who die young, it is different; in their case, the etheric body has not “rejuvenated” to the same extent, and the result is that less of the wisdom acquired on Earth is stored in this etheric body, for it is indeed the wisdom acquired on Earth. Instead, there is something else within it: In the old, not yet “rejuvenated” etheric body of someone who died young, there is all the more will within it; a direct element of will, an element of love, and a creative element of love are present within it. For this is the difference between the etheric body of a person who has lived to old age—which is more permeated with the character of wisdom—and the etheric body of a person who has died young, which is permeated with the element of will. The etheric body of a person who died young radiates love—warm love, the warm etheric essence of love. The etheric body of a person who lived to old age radiates a wisdom-filled, luminous aura.
[ 21 ] Nun können wir uns die Frage, die uns da interessiert, dadurch beantworten, daß wir die Geisteswissenschaft fragen: Was würde eintreten, wenn auf irgendeine Weise alle Menschen achtzig oder neunzig Jahre alt, also ganz alt werden könnten, wenn gar keiner jung stürbe, was würde dann eintreten? — Dann würden alle Ätherleiber, die von ihren Seelen verlassen würden, von liebevoller Weisheit durchsetzt sein. Es würden die Menschen auf der Erde in ihrem historischen Fortgang die Möglichkeit haben, während des physischen Lebens zwischen Geburt und Tod viel zu lernen auf der Erde, denn die physischen Leiber würden weisheitsvoll gestaltet werden. Die Menschen würden gewissermaßen undifferenziert geboren werden, einer wäre wie der andere, aber sie könnten sehr viel lernen auf dem physischen Plan. Ich möchte sagen, sie wären fein-weisheitsvoll gebaut und könnten sehr viel lernen hier auf dem physischen Plan. Allerdings würde ein solches Lernen verbunden sein mit einer außerordentlich labil sich haltenden Konstitution. Die Menschen würden gewissermaßen, weil alles so außerordentlich fein, ich möchte sagen, mechanistisch-weisheitsvoll in ihrem physischen Organismus gebildet wäre, ein labiles Gleichgewicht haben, aus dem sie leicht herauskommen könnten. Es würde einer viel lernen können, aber er würde furchtbar nervös werden, wie man heute im «nervösen Zeitalter» sagt. Es würde eine Menschheit sein, die immerfort zappelt und immerfort aus dem Gleichgewicht kommen würde, eine sehr für das Lernen auf dem physischen Plan begabte, aber recht zappelige Menschheit. Es ist besser, «zappelig» zu sagen als «nervös». Warum soll man die Dinge nicht so nennen, daß man das Richtige dabei fühlt? Denn, sehen Sie, als nervös hat man früher, noch vor ein paar Jahrhunderten, in ganz Europa einen Menschen bezeichnet, der stark, kräftig durchnervt war, der nervig war, der etwas aushalten konnte. Weil diese Menschen nicht mehr so den Ton angeben wie früher, so hat man dieses Wort für das gerade Gegenteil angewendet. Aber ausbleiben würde in der Menschheitsentwicklung, wenn alle Menschen alt werden würden, wenn keiner jung sterben würde, ausbleiben würde die seelische Differenzierung, die wir mitbringen, wenn wir aus der geistigen Welt in eine Inkarnation hereingehen. Das Anlagen-Haben, das gewissermaßen mit geistigen Gaben Ausgestattetsein, das würde ganz ausbleiben. Die Menschen würden sozusagen alle ziemlich gleich, undifferenziert in die Welt hereintreten, würden nur verschieden werden dadurch, daß sie auf dem physischen Plan in verschiedene Verhältnisse kommen und Verschiedenes lernen würden; sie würden sich in allen Verhältnissen ziemlich gleich zurechtfinden. Das Karma würde sie in das für sie besonders Geeignete durch die physischen Vererbungsmerkmale hereintragen. Im übrigen würde fehlen in der Welt gerade das, was wir als Veranlagtheit für besonderes Seelisches haben. Das Innere des Menschen in seiner Differenziertheit würde nicht da sein.
[ 21 ] Now we can answer the question that interests us by asking Spiritual Science: What would happen if, in some way, all people could live to be eighty or ninety years old—that is, grow very old—and if no one died young at all? What would happen then? — Then all the etheric bodies, once abandoned by their souls, would be imbued with loving wisdom. In the course of their historical development, people on Earth would have the opportunity to learn a great deal during their physical lives between birth and death, for the physical bodies would be formed with wisdom. People would, so to speak, be born undifferentiated—one would be just like the other—but they could learn a great deal on the physical plane. I would say they would be constructed with subtle wisdom and could learn a great deal here on the physical plane. However, such learning would be associated with an extraordinarily unstable constitution. Because everything would be so extraordinarily fine—I would say, mechanistically and wisely formed—in their physical organism, human beings would, so to speak, have an unstable equilibrium from which they could easily lose their balance. One could learn a great deal, but one would become terribly nervous, as we say today in the “nervous age.” It would be a humanity that is constantly fidgeting and constantly losing its balance—a humanity highly gifted for learning on the physical plane, but quite fidgety. It is better to say “fidgety” than “nervous.” Why shouldn’t we name things in a way that conveys the right feeling? Because, you see, in the past—just a few centuries ago—people throughout Europe used the term “nervous” to describe someone who was strong, robust, and well-nerved—someone who was resilient and could endure a great deal. Since such people no longer set the tone as they once did, this word has come to be applied to the exact opposite. But human development would come to a standstill if everyone were to grow old, if no one were to die young; the spiritual differentiation that we bring with us when we enter an incarnation from the spiritual world would cease to exist. The possession of predispositions—being endowed, as it were, with spiritual gifts—would be entirely absent. People would, so to speak, all enter the world quite alike, undifferentiated, and would become different only by finding themselves in various circumstances on the physical plane and learning different things; they would cope with all circumstances in much the same way. Karma would guide them into what is particularly suited to them through their physical hereditary traits. Moreover, the world would lack precisely what we regard as a predisposition for specific spiritual qualities. The inner life of the human being, in all its diversity, would be absent.
[ 22 ] Aber wie alles in der Welt nicht bloß auf Einseitigkeit beruht, sondern, wie ich Ihnen ausgeführt habe, auf Gleichgewicht beruhen muß, so muß das Menschenleben darauf beruhen, daß der Mensch einerseits in seinen physischen Organismus das ergießen kann, was beim Jüngern des Ätherleibs als Weisheit angehäuft wird für ein weiteres physisches Leben. [Andererseits werden die Willensimpulse Jungverstorbener benötigt.] Ich habe Ihnen an vielen Beispielen schon auseinandergesetzt, wie ganz jung gestorbene Kinder ihren Ätherleib unverwendet lassen. Wir selber leben in der Aura eines Ätherleibes, wie ich ausführte, hier in diesem Bau. Aus jenem Ätherleib heraus kommen diejenigen Impulse, die künstlerisch anregen können im Bau. Ich habe angeführt, wie ein zum Bau gehöriges Kind nach seinem Tode den Ätherleib hinterlassen hat und dieser Ätherleib eine Aura bildet, in die unser Bau eingebettet ist. Und wenn man wahrnehmen kann, was für Impulse kommen können aus diesem Ätherleib, dann hat man Unterstützung für die künstlerischen Impulse, die im Bau auszuleben sind.
[ 22 ] But just as everything in the world is not based solely on one-sidedness, but—as I have explained to you—must be based on balance, so human life must be based on the fact that, on the one hand, a person can pour into their physical organism what is accumulated as wisdom during the maturation of the etheric body for a subsequent physical life. [On the other hand, the impulses of the will of those who have died young are needed.] I have already explained to you with many examples how children who die very young leave their etheric bodies unused. We ourselves live in the aura of an etheric body, as I explained, here in this building. From that etheric body come the impulses that can provide artistic inspiration in the building. I have described how a child associated with the building left behind his or her etheric body after death, and how this etheric body forms an aura in which our building is embedded. And if one can perceive the kinds of impulses that can arise from this etheric body, then one has support for the artistic impulses that are to be lived out in the building.
[ 23 ] So ist es aber mit den Ätherleibern der Jungverstorbenen überhaupt; sie gehen zurück, sie sind noch nicht so gejüngert, daß sie ganz abgeschwächt haben das Element des Willens, sondern Wille, schöpferische Liebekraft geht mit ihnen ein in die geistige Welt. Und es muß nun eine fortwährende Wechselwirkung stattfinden zwischen den ganz gejüngerten Ätherleibern und den noch weniger gejüngerten Ätherleibern. Fortwährend findet eine gegenseitige Unterstützung statt in der geistigen Welt zwischen dem, was von der Erde heraufkommt in Ätherleibern von ganz alten Menschen und diesen Ätherleibern von jungen Menschen oder selbstverständlich auch solchen, die dazwischen liegen. Wenn ganz kleine Kinder sterben, eben wie es im «Faust» heißt: «Mitternachts-Geborne», so sind die Ätherleiber ganz alte, greisenhafte, aber stark von Wille. Solche Ätherleiber werden mit starker Kraft wirken können gerade auf solche Ätherleiber, die nun durch ein langes Leben gegangen sind, die von physisch altgewordenen Menschen herrühren.
[ 23 ] This is generally the case with the etheric bodies of those who have died young; they return, for they have not yet been purified to the point where the element of will has been completely weakened—rather, will and creative love-force accompany them into the spiritual world. And there must now be a continuous interaction between the fully matured etheric bodies and the less matured etheric bodies. There is a constant mutual support in the spiritual world between what ascends from the earth in the etheric bodies of very old people and these etheric bodies of young people—or, of course, those that lie in between. When very young children die—just as it says in *Faust*: “those born at midnight”—their etheric bodies are very old, senile, yet strong in will. Such etheric bodies will be able to exert a powerful influence precisely on those etheric bodies that have now passed through a long life, those originating from people who have grown old physically.
[ 24 ] Denken Sie sich, was es für eine geniale Idee von Goethe war, den altgewordenen, hundertjährigen Faust, der zum Himmel fährt, umringt sein zu lassen von den Ätherleibern ganz junger Knaben, «Mitternachts-Gebornen», andeutend, daß ein solcher Austausch stattfinden muß!
[ 24 ] Just imagine what a brilliant idea it was of Goethe’s to have the aged, hundred-year-old Faust, as he ascends to heaven, surrounded by the ethereal bodies of very young boys, “midnight-born,” suggesting that such an exchange must take place!
[ 25 ] Immerfort findet diese Wechselwirkung statt. So daß wir sagen können: Da in der geistigen Welt haben wir die Ätherleiber der physisch altgewordenen Menschen, in denen geht Verschiedenes vor (siehe Zeichnung, lila); dann haben wir die Ätherleiber physisch jungverstorbener Menschen (rot), in denen geht auch Verschiedenes vor: Da findet eine Wechselwirkung, ein gegenseitiger Austausch statt. Und das, was wir antreffen in dem Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, finden wir dadurch, daß Tatsachen hervorgerufen werden in diesem Austausch zwischen den Ätherleibern der Jungverstorbenen und den Ätherleibern der Altverstorbenen. Diese Wechselwirkung brauchen wir. Es könnte die Menschheitsentwickelung auf der Erde gar nicht in der richtigen Weise vor sich gehen, wenn nicht die Wechselwirkung der Ätherleiber Jungverstorbener und Altverstorbener in der geistigen Welt stattfinden würde.
[ 25 ] This interaction takes place constantly. So we can say: In the spiritual world, we have the etheric bodies of people who have grown old physically; various processes take place within them (see illustration, purple); then we have the etheric bodies of people who died young (red), in which various processes are also taking place: there is an interaction, a mutual exchange. And what we encounter in the life between death and a new birth arises from the facts brought about by this exchange between the etheric bodies of those who died young and those who died of old age. We need this interaction. Human development on Earth could not proceed in the proper way at all if the interaction between the etheric bodies of those who died young and those who died old did not take place in the spiritual world.


[ 26 ] Und die Leiter dieser Betätigung sind in der Region in der Hierarchie der Angeloi zu finden, so daß wir in der geistigen Welt, in die wir unmittelbar eingebettet sind, wirklich ein solches Ineinanderwirken der einen Art von Ätherleibern mit der anderen Art von Ätherleibern anerkennen müssen. Wie wenn zwei Flüsse etwa zusammenfließen würden in einen, so fließen diese Wirkungen zusammen. Aber dann werden sie geordnet, geregelt, in der richtigen Weise geleitet. Und das geschieht von Wesen aus der Hierarchie der Angeloi. Zu den anderen Aufgaben haben diese Wesen auch noch diese Aufgabe. Wenn also ein Mensch mit besonderen Anlagen in die Welt hereinkommen kann, dann rührt das davon her, daß sich zwischen dem Tod und einer neuen Geburt nicht bloß die Möglichkeit, daß Weisheit, materialistische, auf der Erde gesammelte Weisheit in die physischen Leiber hineingeprägt wird, sondern daß dasjenige, was noch nicht für die Erde voll ausgebildet war — von jung Verstorbenen herrührende Ätherleiber —, auch als Wirkungen da sind, als Kräfte da sind, die mit hineinverwoben werden können da, wo die menschlichen Anlagen gebildet werden.
[ 26 ] And the leaders of this activity are to be found in the region within the hierarchy of the Angeloi, so that in the spiritual world in which we are directly embedded, we must truly recognize such an interplay between one type of etheric body and another. Just as two rivers might flow together into one, so do these forces flow together. But then they are organized, regulated, and guided in the proper way. And this is accomplished by beings from the hierarchy of the Angeloi. In addition to their other tasks, these beings also have this task. So when a human being with special aptitudes is able to enter the world, it stems from the fact that between death and a new birth, there is not merely the possibility that wisdom—materialistic wisdom gathered on Earth—is imprinted into the physical bodies, but that what was not yet fully developed for the Earth—etheric bodies originating from those who died young— is also present as effects, as forces that can be woven into the process where human aptitudes are formed.
[ 27 ] Sie sehen, wie Geisteswissenschaft, wenn man sich wirklich in ihre Geheimnisse vertieft, ausmünden kann in lebendiges Fühlen und Empfinden. Wenn ein alter Mensch stirbt, so wissen wir durch die Geisteswissenschaft uns zu erheben zu dem Mysterium seines Todes in geistiger Beziehung. Denn wir sagen uns: alt werden die Menschen, damit die Entwickelung der Menschheit, insofern die physischen Leibeswerkzeuge gebraucht werden können, für alle Zukunft in der richtigen Weise vor sich gehe. Was wir an Früchten in der Erdenentwickelung der Menschheit haben, wir ahnen es voraus, wir empfinden es voraus bei jedem Tode eines älteren Menschen. Wenn wir auf uns wirken lassen das andere, was einen Einblick uns geben kann, wenn wir in die Zukunft blicken, so sagen wir uns: es muß allezeit in der Fortentwickelung der Menschheit besondere Anlagen geben; der eine muß zu dem, der andere zu jenem veranlagt sein; bis hinauf zu der Genialität, bis hinauf zu den genialen Menschen müssen die Veranlagungen da sein. Niemals könnte das sein, wenn nicht auch Menschen jung sterben müßten in der Welt! Und wenn wir aufblicken zu besonders genialen Menschen, so ist die Genialität verdankt der Tatsache, daß Menschen auch jung sterben müssen. So blicken wir zu dem Mysterium des Todes Jungverstorbener, indem wir uns sagen: Weisheitsvoll eingefügt in das ganze Gewebe ist auch der frühe Tod Jungverstorbener. Denn aus dem frühen Tode Jungverstorbener erstehen die Keime für die seelischen Anlagen, welche die Menschheit in ihrer Fortentwickelung braucht.
[ 27 ] You can see how Spiritual Science, when one truly delves into its mysteries, can lead to a living sense of feeling and perception. When an elderly person dies, Spiritual Science enables us to rise to the mystery of their death in a spiritual sense. For we tell ourselves: people grow old so that the development of humanity—insofar as the physical instruments of the body can be used—may proceed in the right way for all time to come. We foresee the fruits of humanity’s earthly development; we sense them in advance with every death of an elderly person. When we allow ourselves to be influenced by the other perspective that can give us insight as we look into the future, we tell ourselves: there must always be special predispositions in the ongoing development of humanity; one person must be predisposed to this, another to that; right up to genius, right up to genius itself, these predispositions must exist. This could never be the case if people did not also have to die young in the world! And when we look up to particularly brilliant individuals, their brilliance is owed to the fact that people must also die young. Thus we contemplate the mystery of the death of those who die young, telling ourselves: The early death of those who die young is also wisely woven into the entire fabric of existence. For from the early death of those who die young arise the seeds of the spiritual aptitudes that humanity needs for its further development.
[ 28 ] Sobald wir uns erheben können von unserem persönlichen Empfinden dem Tode gegenüber zu dem, was die ganze Menschheit braucht, erscheint uns das Weisheitsvolle bei dem Tode junger und bei dem Tode älterer Menschen. Das ist das Bedeutungsvolle, daß wirklich echt und redlich betriebene Geisteswissenschaft uns nicht bloß Theorien gibt, sondern daß die recht verstandenen Theorien immer ausmünden in Empfindungen und Gefühle, durch die wir mehr Harmonie im Leben gewinnen können, als wir ohne die Geisteswissenschaft dem Leben gegenüber haben. Dazu sollen wir Geisteswissenschaft haben, daß dann, wenn Dissonanzen im Leben vorhanden sind, die wir als Dissonanzen nicht mehr ertragen können, wir durch einen tieferen Blick hinter diese Dissonanzen zur Auffassung vom Zusammenklang, vom harmonischen Zusammenklang kommen.
[ 28 ] As soon as we are able to rise above our personal feelings toward death and consider what all of humanity needs, we begin to see the wisdom in the deaths of both young and older people. This is what is significant: that Spiritual Science, when pursued in a truly genuine and sincere manner, does not merely provide us with theories, but that theories properly understood always lead to feelings and emotions through which we can gain more harmony in life than we would have without Spiritual Science. This is why we should study Spiritual Science: so that when there are dissonances in life that we can no longer bear as dissonances, we may, by looking more deeply behind these dissonances, arrive at an understanding of harmony—of harmonious unity.
[ 29 ] Auch die Opfer, die wir im Leben zu bringen haben, wir lernen sie verstehen durch Geisteswissenschaft. Wir lernen manches, was uns Schmerz macht, verstehen, wenn wir wissen, daß dadurch, daß wir Schmerz erleben müssen, das ganze Weltall in seiner richtigen Weisheit allein bestehen kann. Wir müssen uns nur dazu aufschwingen können, zu empfinden, daß zum Beispiel kein Homer, kein Shakespeare, kein Goethe, Michelangelo, Raffael und wie sie alle heißen, die Hunderte und Hunderte, auf denen die Fortentwickelung der Menschheit beruht, insofern die Fortentwickelung der Menschheit Genialität braucht, daß die alle nicht hätten sein können, wenn nicht der Boden dazu bereitet würde dadurch, daß auch Menschen jung sterben müssen.
[ 29 ] We also learn to understand the sacrifices we must make in life through Spiritual Science. We learn to understand many things that cause us pain when we realize that it is only through our experience of pain that the entire universe can exist in accordance with its true wisdom. We need only be able to rise to the level of realizing that, for example, no Homer, no Shakespeare, no Goethe, Michelangelo, Raphael, or any of the hundreds and hundreds upon whom the further development of humanity depends—insofar as that development requires genius—could have existed if the groundwork for it had not been laid by the fact that people must also die young.
[ 30 ] Das hat nun nichts mit der einzelnen Individualität zu tun, sondern derjenige, welcher jung stirbt, gibt, indem er seinen Ätherleib hinopfert in seiner Jugend, dem ganzen Kosmos einen fruchtbaren Boden für die Ausreifung der inneren seelischen Anlagen der Menschen.
[ 30 ] This has nothing to do with individuality; rather, those who die young, by sacrificing their etheric body in their youth, provide the entire cosmos with fertile ground for the maturation of humanity’s inner spiritual potential.
[ 31 ] Wir wachsen zusammen mit dem Weltenall, indem wir nicht als Abstraktion die Geisteswissenschaft nehmen, sondern als ein Suchen von solchen Impulsen, die warm in unsere Seele fließen, indem sie uns mit der Welt versöhnen, die tief unsere Seele ergreifen, indem sie uns zeigen, daß wir Menschen allerdings auch Schmerz ertragen müssen, aber den Schmerz ertragen müssen um der Harmonie des ganzen Weltenalls willen.
[ 31 ] We grow together with the universe by not treating Spiritual Science as an abstraction, but rather as a search for those impulses that flow warmly into our souls, reconciling us with the world; that deeply move our souls by showing us that we humans must indeed endure pain, but must endure it for the sake of the harmony of the entire universe.
[ 32 ] Nicht leicht ist es zuweilen, in dieser Weise abzulenken den Blick von dem einzelnen Menschenleben zu dem Leben der ganzen Welt. Aber indem dasjenige, was wir erreichen sollen, schwierig ist, wachsen uns auch die Kräfte, und indem wir durch Schmerzen uns aneignen das Gefühl für die Gesamtheit, wird dieses Gefühl für die Gesamtheit der Weltenordnung um so intensiver, um so intimer unser Innerstes in der Seele ergreifen. Und wir werden uns dadurch bereit machen, Glieder in der Weltenordnung zu sein, welche die Götter gebrauchen können.
[ 32 ] It is not always easy to shift one’s gaze in this way from the life of an individual to the life of the entire world. But as the goal we are to attain is difficult, so too do our strengths grow; and as we acquire, through suffering, a sense of the whole, this sense of the totality of the world order will grip the innermost depths of our souls all the more intensely and intimately. And through this, we will prepare ourselves to be members of the world order whom the gods can use.
