The Value of Thinking for Satisfying Our Quest for Knowledge
The Relationship Between the Spiritual Science and the Natural SciencesGA 164
17 September 1915, Dornach
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The Value of Thinking for Satisfying Our Quest for Knowledge, tr. SOL
Erster Vortrag
First Lecture
[ 1 ] Für das Forschen und Sinnen in der physischen Welt ist es vor allen Dingen, man kann sagen, eine Herzensangelegenheit des Menschen, sich zurechtzufinden in den Beziehungen der physischen Welt — in welcher er sein Dasein zubringt zwischen der Geburt und dem Tode — zu den höheren Welten, denen er eigentlich angehört. Wir sind uns ja ganz klar darüber, daß im Menschen, wenn auch ein noch so unbestimmtes Denken, so doch ein eminent deutliches Gefühl, eine deutliche Empfindung davon lebt, daß er in irgendeiner Form wenigstens etwas über diese Beziehungen wissen müsse. Denn mag der Mensch auch noch so unbestimmt über die höheren Welten denken, mag er selbst aus verschiedenen Gründen heraus verzweifeln an einer Möglichkeit, über sie etwas wissen zu können: es ist nun einmal dem menschlichen Fühlen und Empfinden natürlich und angemessen, sich zu einer höheren Welt in Beziehung zu setzen.
[ 1 ] When it comes to exploring and reflecting on the physical world, it is, above all—one might say—a matter close to the human heart to find one’s way within the relationships between the physical world—in which one spends one’s existence between birth and death—and the higher worlds to which one actually belongs. We are, after all, quite aware that within every human being—even if their thoughts on the matter are still vague—there lives an eminently clear feeling, a distinct sense that they must, in some form, know at least something about these relationships. For no matter how vague a person’s thoughts about the higher worlds may be, no matter how much they may despair—for various reasons—of ever being able to know anything about them: it is simply natural and appropriate for human feeling and perception to relate to a higher world.
[ 2 ] Gewiß läßt sich dagegen einwenden, daß es aber doch, insbesondere in unserer heutigen materialistischen Zeit, zahlreiche Menschen gibt, welche entweder in irgendeiner Form leugnen, daß es überhaupt eine geistige Welt gibt, oder wenigstens leugnen, daß der Mensch von ihr etwas wissen könne. Man kann aber auch sagen, daß man erst lernen muß, sich gewissermaßen «negativ» zur geistigen Welt zu verhalten; denn «natürlich» ist es dem Menschen nicht, eine geistige, eine übersinnliche Welt abzuleugnen. Man muß erst durch allerlei Theorien dazu kommen; man muß erst, man könnte sagen «verlehrt» werden, um eine geistige Welt mit irgendeinem Grade des Ernstes zu leugnen. So daß, wenn man vom natürlichen Menschen spricht, man doch so sprechen kann, daß es seinem Empfinden angemessen ist, den Seelenblick in irgendeiner Art hinaufzuwenden zu den geistigen Welten.
[ 2 ] Of course, one might object that, especially in our materialistic age, there are numerous people who either deny in some way that a spiritual world exists at all, or at least deny that human beings can know anything about it. But one can also say that one must first learn to adopt a sort of “negative” attitude toward the spiritual world; for it is not “natural” for human beings to deny a spiritual, a supersensible world. One must first arrive at this conclusion through all sorts of theories; one must first, one might say, be “misled” in order to deny a spiritual world with any degree of seriousness. So that when speaking of the natural human being, one can still say that it is in keeping with his sensibilities to turn his soul’s gaze upward in some way toward the spiritual worlds.
[ 3 ] Nun muß aber, wenn überhaupt nur die Möglichkeit besteht, daß es Leute gibt, die von geistigen Welten ganz und gar nichts wissen wollen, in der Menschennatur irgend etwas vorliegen, das es schwierig macht, das Verhältnis zur geistigen Welt zu bestimmen. Und schwierig, schwierig zu denken, scheint ja dieses Verhältnis zu sein. Denn wir sehen, daß im Laufe der Geschichte, die wir verfolgen können, eine ganze große Anzahl von allerlei Philosophien und Weltanschauungen aufgetreten sind, die sich scheinbar widersprechen. Ich habe aber schon öfters ausgeführt, daß es nur scheinbar ist, denn wenn es für den Menschen leicht wäre, sein Verhältnis zur übersinnlichen Welt zu bestimmen, so würden nicht einander scheinbar widersprechende Weltanschauungen die Weltanschauungsgeschichte erfüllen. Also schon daraus geht hervor, daß es gewissermaßen schwierig ist, das Verhältnis zur geistigen Welt zu bestimmen. Und deshalb kann auch einmal die Frage aufgeworfen werden, woher denn diese Schwierigkeit kommt, was da in der Seele des Menschen eigentlich vorliegt, daß er es schwer hat, sich in ein Verhältnis zur geistigen Welt zu setzen.
[ 3 ] But if there is even the slightest possibility that there are people who want nothing whatsoever to do with spiritual worlds, then there must be something in human nature that makes it difficult to define our relationship to the spiritual world. And this relationship does indeed seem difficult—difficult to comprehend. For we see that, throughout the history we can trace, a great many different philosophies and worldviews have emerged that appear to contradict one another. But I have often pointed out that this is only an illusion, for if it were easy for human beings to define their relationship to the supersensible world, the history of worldviews would not be filled with seemingly contradictory worldviews. This alone shows, then, that it is, in a sense, difficult to define one’s relationship to the spiritual world. And that is why the question may be raised as to where this difficulty comes from—what is actually present in the human soul that makes it so hard for a person to establish a relationship with the spiritual world.
[ 4 ] Nun, wenn man alle die Versuche prüft, die zunächst außerhalb einer geisteswissenschaftlichen Weltanschauung, also sagen wir in der bloßen Philosophie oder in der äußeren Wissenschaft gemacht werden und sich frägt, worauf denn diese Versuche eigentlich gehen, was ihnen zugrundeliegt, dann muß man sagen: Wenn man mit diesen Versuchen sich beschäftigt, wenn man nachsieht, was für eine Seelenkraft die Menschen hauptsächlich anwenden, um hinter das Verhältnis der physischen zur geistigen Welt zu kommen, so findet man, daß die Menschen immer wieder und wieder — ich möchte sagen vereinzelte Versuche abgerechnet — vor allen Dingen doch in dem Denken diejenige Seelenfähigkeit, Seelentätigkeit sehen, welche, richtig angewendet, dahin führen könnte, etwas auszusagen, etwas zu bestimmen über die Beziehungen des Menschen zu den übersinnlichen Welten. Es ist also gewissermaßen notwendig, das Denken, die Denkarbeit der Seele ins Auge zu fassen und sich zu fragen: Wie ist es denn mit dem Denken, mit dem Sich-Gedanken-Machen gegenüber dem Verhältnis des Menschen, der in der physischen Welt lebt, zu den geistigen Welten? Wie ist es denn mit diesem Verhältnis des Denkens zu den geistigen Welten?
[ 4 ] Now, if one examines all the attempts that are initially made outside the framework of a spiritual-scientific worldview—that is, let us say, in mere philosophy or in the external sciences—and asks oneself what these attempts are actually aiming at, what underlies them, then one must say: When one engages with these attempts, when one examines what kind of soul power people primarily employ to get to the bottom of the relationship between the physical and spiritual worlds, one finds that time and again—setting aside isolated attempts—people see, above all else, in thinking that soul capacity, that soul activity which, when properly applied, could lead to making a statement, to determining something about the relationships of human beings to the supersensible worlds. It is therefore, in a sense, necessary to consider thinking—the soul’s thinking activity—and to ask: What is the nature of thinking, of forming thoughts, in relation to the connection between human beings living in the physical world and the spiritual worlds? What, then, is the nature of this relationship between thinking and the spiritual worlds?
[ 5 ] Also die Frage: Wie steht es mit dem Wert des Denkens für eine den Menschen befriedigende Erkenntnis? — diese Frage möchte ich heute einmal vorbereitend ins Auge fassen, um dann anschließend andere Fragen vor Ihnen zu besprechen. Ich möchte, daß wir uns gleichsam zu einer würdigen Besprechung dadurch vorbereiten, daß wir einmal die Frage nach dem Wert des Denkens für die Erkenntnis ins Auge fassen.
[ 5 ] So the question is: What is the value of thinking for knowledge that satisfies human beings? — I would like to begin by addressing this question today as a preliminary step, so that I can then go on to discuss other questions with you. I would like us to prepare, as it were, for a meaningful discussion by first considering the question of the value of thinking for knowledge.
[ 6 ] Nun, wir kommen gewissermaßen hinter das Denken, wenn wit in der folgenden Weise zu Werke gehen. Wir haben ja im Laufe der letzten Vorträge schon angedeutet, daß gewisse Eigentümlichkeiten gerade des Denkens, oder noch besser gesagt, der Gedanken, ins Auge zu fassen sind. Ich habe darauf aufmerksam gemacht, wie es viele Menschen gibt, die geradezu einen Fehler alles wissenschaftlichen Denkens darinnen sehen, wenn dieses wissenschaftliche Denken nicht nur ein bloßer Abklatsch, gleichsam eine gedankliche Photographie einer äußeren Wirklichkeit ist. Denn diese Menschen sagen: Wenn das Denken überhaupt irgendeine Beziehung haben soll zum Realen, zur Wirklichkeit, so darf es aus sich selbst gar nichts zu dieser Wirklichkeit dazubringen; denn in dem Augenblicke, wo das Denken etwas zu der Wirklichkeit hinzubringt, habe man es eben nicht mit einem Abbilde, mit einer Photographie einer Wirklichkeit zu tun, sondern mit einer Phantasie, mit einem Phantasiebilde. Und damit man es nicht mit einem solchen Phantasiebilde zu tun habe, müsse man streng darauf sehen, daß niemand in seine Gedanken etwas hereinnehme, was nicht eine bloße Photographie der äußeren Wirklichkeit ist.
[ 6 ] Well, we can, so to speak, get beyond thinking if we proceed in the following manner. We have already hinted in the course of the previous lectures that certain peculiarities of thought itself—or, to put it even better, of thoughts—must be taken into account. I have pointed out how there are many people who see it as a fundamental flaw in all scientific thought if this scientific thought is not merely a pale imitation, as it were, a mental photograph of an external reality. For these people say: If thinking is to have any relation at all to the real, to reality, then it must not contribute anything of its own to this reality; for the moment thinking adds something to reality, one is no longer dealing with an image, with a photograph of reality, but with a fantasy, with a figment of the imagination. And in order to ensure that one is not dealing with such a figment of the imagination, one must strictly ensure that no one includes in their thoughts anything that is not a mere photograph of external reality.
[ 7 ] Nun werden Sie durch einen leichten Gedankengang sogleich dahin kommen, sich zu sagen: Ja, für die äußere physische Welt, für das, was wir den physischen Plan nennen, scheint dies ohne weiteres ganz richtig zu sein. Es scheint einer ganz richtigen Empfindung zu entsprechen, daß man durch das Denken nichts hinzutun dürfe zu der Wirklichkeit, wenn man nicht statt eines Abbildes der Wirklichkeit Phantasiebilder haben will. Für den physischen Plan kann man auch wirklich sagen, daß es absolut richtig ist, sich jeder Zutat des Denkens zu dem, was man da von außen herein durch die Wahrnehmung empfängt, zu enthalten.
[ 7 ] Now, with a little thought, you will immediately come to the conclusion: Yes, for the external physical world—for what we call the physical plane—this seems quite correct at first glance. It seems to correspond to a perfectly correct intuition that one should not add anything to reality through thought, unless one wishes to have images of the imagination instead of a reflection of reality. For the physical plane, one can indeed say that it is absolutely correct to refrain from adding anything from one’s own thoughts to what one receives from the outside through perception.
[ 8 ] Nun möchte ich Sie gegenüber der Anschauung, die sich in dem eben Ausgesprochenen findet, auf zwei Philosophen aufmerksam machen: auf Aristoteles und Leibniz.
[ 8 ] Now, in light of the view expressed above, I would like to draw your attention to two philosophers: Aristotle and Leibniz.
[ 9 ] Aristoteles — gewissermaßen der Zusammenfasser der griechischen Weltanschauung — ist ein Philosoph, der selber nicht mehr in die Geheimnisse der geistigen Welt irgendwie eingeweiht war, aber in der allerersten Zeit nach dem, ich möchte sagen «Einweihungszeitalter» lebte. Während vorher alle Philosophen noch irgendwie berührt waren von der Einweihung, wenn sie das, was sie als Eingeweihte wußten, philosophisch ausdrückten — Plato zum Beispiel, der im höchsten Grade eine Art Eingeweihter war, aber sich philosophisch ausgesprochen hat —, muß man bei Aristoteles sagen, daß er auch keine Spur mehr von einer Einweihung hatte, aber doch noch allerlei Nachwirkungen einer Einweihung da waren. Das ist also ein Philosoph, der nur philosophisch spricht, ohne Einweihung, ohne irgendeinen Initiationsimpuls, aber in seiner Philosophie dasjenige auf verstandesmäßige Weise gibt, was die Eingeweihten, die vor ihm waren, auf geistige Weise gegeben haben. Das ist also Aristoteles.
[ 9 ] Aristotle—in a sense, the synthesizer of the Greek worldview—is a philosopher who was no longer himself initiated in any way into the mysteries of the spiritual world, but who lived in the very earliest period following what I would call the “Age of Initiation.” Whereas previously all philosophers were still somehow touched by initiation when they expressed philosophically what they knew as initiates — Plato, for example, who was, to the highest degree, a kind of initiate but expressed himself philosophically —, in Aristotle’s case one must say that he no longer had even a trace of initiation, yet all manner of aftereffects of initiation were still present. He is, therefore, a philosopher who speaks solely in philosophical terms, without initiation, without any initiatory impulse, yet who conveys in his philosophy, in an intellectual manner, what the initiates who came before him had conveyed in a spiritual manner. Such is Aristotle.
[ 10 ] Von Aristoteles rührt der Satz her, den wir nun ins Auge fassen wollen. [Es wurde an die Tafel geschrieben]:
[ 10 ] The statement we are now going to examine comes from Aristotle. [It was written on the board]:
Es ist nichts in der Intelligenz, was nicht in den Sinnen ist.
There is nothing in the intellect that is not in the senses.
[ 11 ] Also halten wir einmal diesen Satz fest: Es ist nichts in der — wir können dazusetzen — «menschlichen» Intelligenz, was nicht in den Sinnen ist.
[ 11 ] So let us take note of this statement: There is nothing in — we might add — “human” intelligence that is not found in the senses.
[ 12 ] Dieser Satz des Aristoteles darf in keiner Art materialistisch gedeutet werden, denn Aristoteles ist weit entfernt von einer jeden auch nur irgendwie materialistisch gefärbten Weltanschauung. Dieser Satz ist bei Aristoteles nicht weltanschauungsmäßig, sondern erkenntnistheoretisch zu nehmen. Das heißt, Aristoteles lehnt es ab, daran zu glauben, daß man von innen heraus Erkenntnisse über irgendeine Welt erhalten könne, sondern behauptet, man kann Erkenntnisse nur dadurch haben, daß man die Sinne auf die Außenwelt richtet, daß man Sinneseindrücke empfängt und sich dann durch den Verstand von diesen Sinneseindrücken Begriffe macht; aber daß man mit den Sinneseindrücken Geistiges herein empfängt, das leugnet er natürlich nicht ab. Er denkt die Natur durchdrungen von dem Geist; nur kann man, so meint er, nicht auf das Geistige kommen, wenn man nicht hinausblickt in die Natur.
[ 12 ] This statement by Aristotle must not be interpreted in any materialistic way, for Aristotle is far removed from any worldview that is even remotely materialistic in nature. In Aristotle’s work, this statement should be understood not in terms of worldview but in terms of epistemology. That is to say, Aristotle rejects the belief that one can gain knowledge of any world from within; rather, he asserts that knowledge can be obtained only by directing the senses toward the external world, receiving sensory impressions, and then forming concepts from these impressions through the intellect; but he does not, of course, deny that one receives spiritual elements along with these sensory impressions. He conceives of nature as permeated by the spirit; however, he believes that one cannot arrive at the spiritual unless one looks out into nature.
[ 13 ] Hier merken Sie doch den Unterschied zum Matertalisten. Der Materialist schließt: draußen sei nur Materielles, und man mache sich nur Begriffe vom Matetriellen. Aristoteles denkt die ganze Natur durchgeistigt, aber den Weg der menschlichen Seele, um zum Geiste zu kommen, als einen solchen, daß man von der Sinnesanschauung ausgehen und die Sinneseindrücke zu Begriffen verarbeiten muß. Wäre Aristoteles noch selber berührt gewesen von einem Initiationsimpuls, so würde er das nicht gesagt haben; denn dann würde er gewußt haben, daß, wenn man sich frei macht von der Sinnesanschauung auf die Art, wie wir es geschildert haben, man von innen heraus Erkenntnis der geistigen Welt erlangt. Also nicht ableugnen wollte er die geistige Welt, sondern nur den Weg zeigen, den die menschliche Erkenntnis nehmen muß.
[ 13 ] Here you can see the difference from the materialist. The materialist concludes that only material things exist in the external world, and that we form concepts solely from the material. Aristotle conceives of all of nature as imbued with spirit, but he sees the path of the human soul toward the spirit as one in which one must start from sensory perception and process sensory impressions into concepts. Had Aristotle himself still been touched by an initiatory impulse, he would not have said this; for then he would have known that when one frees oneself from sensory perception in the way we have described, one attains knowledge of the spiritual world from within. Thus, he did not wish to deny the spiritual world, but only to show the path that human knowledge must take.
[ 14 ] Dieser Satz hat dann im Mittelalter eine große Rolle gespielt und ist in der materialistischen Zeit materialistisch umgedeutet worden. Man braucht ja in diesem Satz des Aristoteles — es gibt nichts in der Welt für den Intellekt, was nicht in den Sinnen ist — nur ein Kleines zu verändern, so haben wir gleich den Materialismus daraus gebildet. Nicht wahr, man braucht nur dasjenige, was im Sinne des Aristoteles menschlicher Erkenntnisweg ist, zum Prinzip einer Weltanschauung zu machen, dann haben wit den Materialismus.
[ 14 ] This statement played a major role in the Middle Ages and was reinterpreted in materialistic terms during the materialist era. After all, in this statement by Aristotle—there is nothing in the world for the intellect that is not in the senses—one need only change a small thing, and we have immediately derived materialism from it. Isn’t that right? One need only make that which, in Aristotle’s sense, is the path of human knowledge the principle of a worldview, and then we have materialism.
[ 15 ] Leibniz trat mit einem ähnlichen Satze auf, und auch diesen Satz wollen wir uns ansehen. Leibniz liegt ja noch gar nicht so weit hinter uns; im 17. Jahrhundert. Diesen Satz des Leibniz wollen wir uns nun auch vor die Seele führen. Also Leibniz sagt nun: Es ist nichts in der, wir können wieder sagen, «menschlichen» Intelligenz — ich setze nur «menschlichen» dazu —, was nicht in den Sinnen ist, außer der Intelligenz selbst, außer dem Intellekt selbst.
[ 15 ] Leibniz put forward a similar proposition, and we will examine this one as well. After all, Leibniz is not that far behind us—he lived in the 17th century. Let us now also take this proposition of Leibniz to heart. So Leibniz says: There is nothing in—we can say again—“human” intelligence—I’m just adding “human” here—that is not in the senses, except for intelligence itself, except for the intellect itself.
[ 16 ] [Es wurde an die Tafel geschrieben]:
[ 16 ] [It was written on the board]:
Es ist nichts in der menschlichen Intelligenz, was nicht in den Sinnen ist, außer der Intelligenz selbst, außer dem Intellekt selbst.
There is nothing in human intelligence that is not in the senses, except for intelligence itself, except for the intellect itself.
[ 17 ] Also der Intellekt, den der Mensch arbeitend in sich hat, der ist nicht in den Sinnen. Gerade in diesen zwei Sätzen sehen Sie so rechte Schulbeispiele davon, wie man ganz einverstanden sein kann mit der Formulierung eines Satzes, und wie der Satz doch unvollständig sein kann.
[ 17 ] So the intellect that a person possesses while working is not located in the senses. These two sentences in particular are textbook examples of how one can fully agree with the wording of a sentence, and yet how the sentence can still be incomplete.
[ 18 ] Nun will ich mich jetzt nicht darüber ergehen, inwiefern auch noch dieser Satz des Leibniz philosophisch unvollständig ist. Halten wit nur zunächst fest, daß Leibniz der Anschauung war, daß der Intellekt selber nicht in den Sinnen irgendwie schon begründet ist, sondern daß der Mensch zu dem, was ihm die Sinne geben, die Arbeit des Intellekts hinzubringen müsse. So daß man sagen kann: Der Intellekt selber ist eine innere Tätigkeit, die noch nicht durch die Sinne gegangen ist.
[ 18 ] I do not wish to dwell here on the extent to which this statement by Leibniz is also philosophically incomplete. Let us simply note for now that Leibniz held the view that the intellect itself is not in any way already grounded in the senses, but that human beings must apply the work of the intellect to what the senses provide them. So that one can say: The intellect itself is an inner activity that has not yet passed through the senses.
[ 19 ] Wenn Sie die letzten Vorträge verfolgt haben, so wissen Sie, daß diese innere Arbeit schon frei von den Sinnen ist und im Ätherleib des Menschen stattfindet. In unserer Sprache können wir sagen: Es ist nichts in der im Ätherleib arbeitenden Intelligenz, was nicht in den Sinnen ist, außer der im Ätherleib arbeitenden Intelligenz selber; was da drinnen arbeitet, das kommt nicht aus den Sinnen herein.
[ 19 ] If you have been following the recent lectures, you know that this inner work is already free from the senses and takes place in the human etheric body. In our language, we can say: There is nothing in the intelligence working within the etheric body that is not in the senses, except for the intelligence working within the etheric body itself; what works there does not come in from the senses.
[ 20 ] Das Denken als solches ist aber in Wirklichkeit, wenn man es recht in wahrer Selbsterkenntnis betrachtet, dieses Arbeiten im Ätherleib, und das nennen die Philosophen den Intellekt. Dieses Denken ist also eine Arbeit, ein Arbeiten können wir sagen. Und weil für unser geisteswissenschaftliches Einsehen Leibniz, wenn er auch nicht absolut recht hat, doch mehr recht hat als Aristoteles, so können wir sagen: Dieses Denken — besser ausgedrückt, diese denkerische Betätigung, dieses denkerische Arbeiten im Menschen, das eine Verrichtung des Ätherleibes ist —, das ist nicht in der äußeren Wirklichkeit des physischen Planes. Denn der physische Plan erschöpft sich ja in dem, was er uns durch die Sinne erkennen läßt. Also, indem wir uns als Mensch hineinstellen in den physischen Plan, bringen wir in diesen den Intellekt hinein, der aber selbst nicht in der physischen Welt darinnen ist.
[ 20 ] Thinking as such, however, is in reality—if one considers it correctly in true self-knowledge—this activity within the etheric body, and this is what philosophers call the intellect. This thinking is therefore an activity; we can say it is a form of work. And because, from the perspective of our Spiritual Science, Leibniz—even if he is not absolutely correct—is nevertheless more correct than Aristotle, we can say: This thinking—or, to put it better, this thinking activity, this intellectual work within the human being, which is a function of the etheric body—does not exist in the outer reality of the physical plane. For the physical plane is, after all, limited to what it allows us to perceive through the senses. Thus, by placing ourselves as human beings within the physical plane, we bring the intellect into it; yet the intellect itself is not contained within the physical world.
[ 21 ] Und hier kommen wir nun darauf, worin die Schwierigkeit derjenigen Philosophen liegt, welche durch den Intellekt hinter das Welträtsel kommen wollen. Die Leute müssen sich sagen: Ja, wenn ich es techt bedenke, so gehört der Intellekt der Sinnenwelt ja nicht an; aber ich bin nun in einer eigentümlichen Lage. Ich weiß von keiner anderen geistigen Welt als nur dem Intellekt; der ist eine geistige Welt hinter der Sinnlichkeit. Was habe ich also vom Intellekt? Er kann ja nichts bekommen, keinen Inhalt, wenn er sich nicht von der äußeren physischen Welt durch die Sinne unterrichtet. Er ist nur für sich dastehend. — Da aber steht dann der Philosoph vor einer eigentlich recht eigentümlichen Sache. Er muß sich ja überlegen: Ich habe in mir eine Tätigkeit, die Tätigkeit des Intellekts. Durch diese Tätigkeit des Intellekts will ich hinter die Geheimnisse der Sinneswelt kommen. Doch kann ich mir von dem, was da draußen in der Sinneswelt ist, ja nur Gedanken machen; diese entstehen aber dutch etwas, was selber nicht der Sinneswelt angehört. Also was haben diese Gedanken denn mit der Sinneswelt zu tun? Wenn ich nun auch weiß, daß der Intellekt ein Geistiges ist, so muß ich doch daran verzweifeln, daß ich durch das Geistige, welches ich da habe, an irgend etwas herankäme, was Wirklichkeit ist.
[ 21 ] And here we come to the difficulty faced by those philosophers who seek to unravel the mystery of the world through the intellect. People must say to themselves: Yes, when I really think about it, the intellect does not belong to the sensory world; but I now find myself in a peculiar situation. I know of no other spiritual world besides the intellect; it is a spiritual world beyond the sensory realm. So what good is the intellect to me? It cannot receive anything—no content—unless it is informed by the external physical world through the senses. It stands alone. — But then the philosopher is faced with something that is actually quite peculiar. He must reflect: I have within me an activity, the activity of the intellect. Through this activity of the intellect, I wish to penetrate the mysteries of the sensory world. Yet I can only form thoughts about what is out there in the sensory world; but these thoughts arise through something that itself does not belong to the sensory world. So what do these thoughts have to do with the sensory world? Even if I know that the intellect is a spiritual entity, I must nevertheless despair of ever being able to approach anything that is reality through the spiritual entity that I possess.
[ 22 ] Nun will ich durch einen Vergleich versuchen, der Sache nahezukommen. Wir haben ja dieselbe Sache in den letzten Vorträgen in einer anderen Art ausgedrückt. Wir haben sie dadurch ausgedrückt, daß wir uns dahin geführt haben, zu erkennen, daß wir in dem, was wir durch unser Denken zustandebringen, Spiegelbilder der Wirklichkeit haben, daß diese Spiegelbilder eigentlich zur Wirklichkeit hinzukommen und selber keine Realitäten sind.
[ 22 ] Now I will try to get to the heart of the matter by drawing a comparison. We have, after all, expressed the same idea in a different way in the previous lectures. We expressed it by leading ourselves to recognize that what we bring about through our thinking are reflections of reality, that these reflections are in fact additions to reality and are not realities in and of themselves.
[ 23 ] Sehen Sie, das ist dieselbe Wahrheit, die hier nur philosophisch anders ausgedrückt wird. Wir mußten sagen: der Intellekt bildet Spiegelbilder. Diese Spiegelbilder als Bild der Wirklichkeit, die abgespiegelt wird, sind der Wirklichkeit gleichgültig, denn die Wirklichkeit, die abgespiegelt wird, die braucht ja diese Spiegelbilder nicht. So daß man dazu kommen könnte, überhaupt an der ganzen Realität, an dem ganzen Realitätswert des Denkens, der Intelligenz zu zweifeln, sich zu fragen: Hat denn das Denken eine reale Bedeutung? Bringt es nicht eigentlich schon durch das, was es ist, etwas zu der äußeren Wirklichkeit hinzu? Hat irgendein einzelner Gedanke einen realen Wert, wenn er eigentlich im Verhältnis zur Wirklichkeit nichts anderes ist als ein Spiegelbild?
[ 23 ] You see, this is the same truth, only expressed here in a different philosophical way. We had to say: the intellect forms mirror images. These mirror images, as representations of the reality being reflected, are irrelevant to reality, for the reality being reflected has no need for these mirror images. So one might be led to doubt the entire reality—the entire reality value—of thought and intelligence, and to ask oneself: Does thought have any real significance? Does it not, simply by virtue of what it is, already add something to external reality? Does any single thought have any real value if, in relation to reality, it is nothing more than a mirror image?
[ 24 ] Wir wollen uns nun aber bemühen, richtig die Realität des Gedankens aufzusuchen. Mit anderen Worten, wir wollen die Frage beantworten: Ist denn der Gedanke nun wirklich etwas bloß Eingebildetes, das gar keinen realen Wert hat? Oder, wir können von einer anderen Seite die Frage anfassen: Wo hat denn der Gedanke eine Realität? — Nun, ich sagte schon, ich will versuchen, durch einen Vergleich das anschaulich zu machen. Hier liegt eine Uhr; ich hebe die Uhr auf, habe die Uhr jetzt in der Hand. Alles was an der Uhr ist, ist außerhalb der Muskeln und der Nerven meiner Hand. Meine Hand und die Uhr sind zweierlei. Aber nehmen wir nun an, es sei hier finster, ich hätte die Uhr nie gesehen und würde die Uhr nur durch das Gefühl wahrnehmen, so würde ich etwas von der Uhr wahrnehmen dadurch, daß ich meine Hand ausstrecke und die Uhr ergreife. Lenken Sie die Aufmerksamkeit auf die Uhr, so werden Sie sich sagen, von der Realität der Uhr kann ich dadurch etwas erfahren, daß ich sie in der Hand habe, daß ich sie ergreife. Aber nehmen wit zunächst für einen Augenblick hypothetisch an, ich hätte nur eine Hand und keine zwei, so würde ich nicht mit der zweiten Hand die erste ergreifen können, wie ich sie nun tatsächlich ergreifen kann. Mit meiner einen Hand würde ich wohl die Uhr ergreifen können, aber die Hand selber würde ich nicht anfassen können mit einer anderen Hand, höchstens mit der Nase berühren, davon wollen wir aber jetzt absehen, nicht wahr. Dennoch ist die Hand ebenso real wie die Uhr. Wie überzeuge ich mich von der Realität der Uhr? Dadurch, daß ich sie in die Hand nehme, anfasse. Wie überzeuge ich mich von der Realität der Hand? Ich könnte mich nicht dadurch überzeugen, daß ich sie anfasse, wenn ich nicht eine zweite Hand hätte; aber ich weiß doch aus innerer Gewißheit heraus, daß ich eine Hand habe, daß ich das, was ich an mir habe, um die Uhr zu ergreifen, ebenso real habe, wie ich die Uhr real verbürgen kann, indem ich sie angreife. Merken Sie den Unterschied zwischen der realen Hand und der realen Uhr? Ich muß die Realität der Hand auf eine andere Art erfahren als die Realität der Uhr.
[ 24 ] But let us now endeavor to properly explore the reality of thought. In other words, let us answer the question: Is thought really just something imagined, having no real value at all? Or, we can approach the question from another angle: Where does thought have a reality? — Well, as I said, I’ll try to illustrate this with an analogy. Here is a watch; I pick up the watch and now hold it in my hand. Everything that constitutes the watch lies outside the muscles and nerves of my hand. My hand and the watch are two distinct things. But let’s now suppose it were dark here, that I had never seen the watch and could perceive it only through touch; in that case, I would perceive something of the watch by extending my hand and grasping it. If you focus your attention on the watch, you will say to yourself: I can learn something about the reality of the watch by holding it in my hand, by grasping it. But let’s first assume hypothetically for a moment that I had only one hand and not two; then I would not be able to grasp the first hand with the second, as I can actually do now. With my one hand, I could probably grasp the watch, but I would not be able to touch the hand itself with another hand—at most, I could touch it with my nose, but let’s leave that aside for now, shall we? Nevertheless, the hand is just as real as the watch. How do I convince myself of the reality of the watch? By taking it in my hand, by touching it. How do I convince myself of the reality of the hand? I could not convince myself by touching it if I did not have a second hand; but I know with inner certainty that I have a hand, that what I possess within myself to grasp the watch is just as real as I can verify the watch’s reality by touching it. Do you notice the difference between the real hand and the real watch? I must experience the reality of the hand in a different way than the reality of the watch.
[ 25 ] Sie können diesen Vergleich ganz übertragen auf das Menschendenken, auf den Intellekt. Sie können niemals dasjenige, was der Intellekt begreift, durch den Intellekt selber so unmittelbar erfassen; geradesowenig wie Sie mit einer Hand die Hand selber anfassen können. Der Intellekt kann sich selbst nicht so wahrnehmen, wie er die anderen Dinge wahrnimmt; aber er ist doch von seiner Realität durch innere Gewißheit überzeugt. Es ist eine innere Gewißheit, wodurch der Intellekt von seiner Realität überzeugt ist. Aber man muß dann diesen Intellekt, dieses Arbeiten des Intellektes eben als eine Tätigkeit des menschlichen Subjektes auffassen; man muß sich klar sein, daß der Intellekt geistig gleichsam nur eine Hand ist, die ausgestreckt wird, um etwas zu ergreifen. Das alles ist bildlich gesprochen, aber es sind sehr reale Bilder. Und ebenso, wie einerseits meine Hand imstande ist, mich von der Realität der Uhr zu überzeugen — dadurch nämlich, daß ich zum Beispiel in der Lage bin, mit der Hand die Schwere der Uhr, die Glätte der Uhr zu fühlen, ich also in der Lage bin, durch die Beschaffenheit meiner Hand alles das zu erfahren, was an der Uhr real ist —, so bin ich auf der anderen Seite durch das Reale des Intellekts in der Lage, anderes über die Dinge zu erfahren, als was die Sinne erfahren. Der Intellekt ist also ein Greiforgan im geistigen Sinne, das wir an #»s wahrnehmen müssen, nicht in der Außenwelt.
[ 25 ] You can apply this analogy entirely to human thought, to the intellect. You can never grasp what the intellect comprehends through the intellect itself in such a direct way; just as you cannot touch your own hand with one hand. The intellect cannot perceive itself in the same way it perceives other things; yet it is convinced of its own reality through inner certainty. It is an inner certainty through which the intellect is convinced of its own reality. But one must then understand this intellect, this workings of the intellect, precisely as an activity of the human subject; one must be clear that, spiritually speaking, the intellect is, as it were, merely a hand that is extended to grasp something. All of this is figurative, but these are very real images. And just as, on the one hand, my hand is capable of convincing me of the reality of the watch—namely, by the fact that I am, for example, able to feel with my hand the weight of the watch and its smoothness, and am thus able, through the nature of my hand, to experience everything that is real about the watch—so, on the other hand, through the reality of the intellect, I am able to experience things in a way that differs from what the senses experience. The intellect is thus an organ of grasping in a spiritual sense, which we must perceive in #»s, not in the external world.
[ 26 ] Und sehen Sie, hier liegt die Schwierigkeit für die Philosophen. Sie glauben, wenn sie Gedanken bekommen über die Welt, dann müßten ihnen die Gedanken von außen herein kommen, und dann merken sie, sie kommen gar nicht von außen herein, sondern der Intellekt macht diese Gedanken. Und da sie den Intellekt als fremd der äußeren Wirklichkeit betrachten, so müssen sie eigentlich alle Gedanken als Phantasiebilder betrachten. Aber man muß dem Intellekt eine subjektive Realität zuschreiben, eine Realität, die innerlich erlebt ist. Dann hat man das Gebiet der Realität, in dem der Intellekt wahrgenommen wird. So kommen wir, indem wir die eigentliche Natur des Intellektes prüfen, dahin, uns sagen zu können: Jawohl, alles, was der Intellekt zustande bringt, darf oder braucht nur ein Spiegelbild von der äußeren Realität zu sein, aber es ist dieses Spiegelbild entstanden durch die Arbeit des realen Intellekts. Das ist eine menschliche Betätigung. Deren Realität besteht darin, daß der Mensch arbeitet, indem er sich dutch den Intellekt von der Realität des Intellekts Kenntnis verschafft. So daß wir sagen können, die intellektuelle Tätigkeit des Menschen, die arbeitet in dem Menschen, aber sie arbeitet zunächst so, daß es ganz berechtigt ist zu sagen: Das, was dieser Intellekt erarbeitet, hat für die Welt, in der er arbeitet, keine Bedeutung — so wie für die Uhr die Hand keine Bedeutung hat; für die Uhr ist es höchst gleichgültig, ob sie von der Hand ergriffen ist oder nicht —, es ist etwas, was für den Menschen und am Menschen da ist, daß er sich durch den Intellekt irgendwelche Bilder von den Dingen macht. In bezug auf die Dinge des physischen Planes ist aber alles, was dieser Intellekt erarbeitet, unreal, Spiegelbild, tot, nichts Lebendiges. Wir können sagen, die im Intellekt erarbeiteten Bilder der physischen Welt sind leblose, tote Bilder.
[ 26 ] And you see, this is where the difficulty lies for philosophers. They believe that when they have thoughts about the world, those thoughts must come to them from the outside; but then they realize that they do not come from the outside at all, but rather that the intellect creates these thoughts. And since they regard the intellect as foreign to external reality, they must actually regard all thoughts as figments of the imagination. But one must attribute a subjective reality to the intellect—a reality that is experienced internally. Then one has the realm of reality in which the intellect is perceived. Thus, by examining the true nature of the intellect, we arrive at the point where we can say to ourselves: Indeed, everything that the intellect produces may or need only be a reflection of external reality, but this reflection has come into being through the work of the real intellect. This is a human activity. Its reality consists in the fact that the human being works by gaining knowledge of the reality of the intellect through the intellect itself. So that we can say: the intellectual activity of the human being, which operates within the human being, operates in such a way at first that it is entirely justified to say: What this intellect produces has no significance for the world in which it operates—just as the hand has no significance for the clock; for the clock, it is utterly irrelevant whether it is grasped by the hand or not— it is something that exists for the human being and within the human being, enabling him to form certain images of things through the intellect. With regard to things on the physical plane, however, everything that this intellect produces is unreal, a reflection, dead, nothing living. We can say that the images of the physical world produced in the intellect are lifeless, dead images.
[ 27 ] [Es wurde an die Tafel geschrieben]:
[ 27 ] [It was written on the board]:
Intellektuelle Tätigkeit — tote Bilder.
Intellectual Activity — Dead Images.
[ 28 ] So sind auch die Bilder, die sich der Mensch von der physischen Welt macht, tote Bilder. Man verkennt die eigentliche Natur dieses Inhaltes des Intellekts, wenn man ihm etwas anderes zuschreibt, als daß er ein Abklatsch sein kann von der physischen Welt.
[ 28 ] Thus, the images that humans form of the physical world are also lifeless images. One fails to recognize the true nature of this content of the intellect if one attributes to it anything other than that it can be a mere reflection of the physical world.
[ 29 ] Aber die Sache wird sogleich ganz anders, wenn der Mensch dazu kommt, mit den Erlebnissen seines Daseins in der Zeit zu leben. Wenn wir den Dingen der Außenwelt gegenüberstehen und uns durch den Intellekt Bilder von ihnen machen, so bekommen wir tote Begriffe; aber wenn wir diese Begriffe in unserer Seele anwesend sein lassen, so können wir nach einiger Zeit, wenn das Erlebnis, von dem wir uns ein Bild gemacht haben, längst vorbei ist, durch die Erinnerung, wie wir sagen, das Bild dieses Erlebnisses aus der Erinnerung heraufholen. Wir können sagen: Ja, jetzt weiß ich nichts von dem Erlebnis; aber wenn ich mich erinnere, dann kommt es herauf. Zwar war es nicht in meinem Bewußtsein, bevor ich mich erinnert habe, aber es ist da, irgendwo in meiner Seele unten, also unbewußt, ich muß es nur erst aus dem Unbewußten heraufholen.
[ 29 ] But the situation changes completely as soon as a person begins to live with the experiences of their existence in time. When we face the things of the external world and form images of them through our intellect, we end up with lifeless concepts; but when we allow these concepts to remain present in our soul, then after some time—even when the experience we formed an image of has long since passed—we can, as we say, bring the image of that experience to mind through memory. We can say: Yes, right now I know nothing of the experience; but when I remember, it comes to mind. It was not in my consciousness before I remembered it, but it is there, somewhere deep within my soul—that is, in the unconscious—I just have to bring it up from the unconscious first.
[ 30 ] Das Bild eines vergangenen Erlebnisses, das ich gesehen habe in der Vergangenheit, ist also da unten im Unbewußten. Schön, da unten ist es, da hole ich es herauf. Aber da unten ist es nicht so bedeutungslos. Sie brauchen nur den ganz gewöhnlichen Unterschied zu nehmen zwischen einer Vorstellung, die wir von einem Erlebnis so empfangen, daß sie uns Freude gemacht hat, uns erhoben hat, und einer Vorstellung von irgendeinem Erlebnis, das uns keine Freude gemacht hat. Wir können nun eine Vorstellung, die uns Freude gemacht, ins Unbewußte hinunterdrängen, und können eine Vorstellung, die uns keine Freude gemacht hat, ins Unbewußte hinunterdrängen. Das, was nun über den Unterschied solch einer freudebereitenden und einer trauer-, einer schmerzbereitenden Vorstellung zu sagen ist, das überlegen sich die wenigsten Menschen. Aber es ist ein gewaltiger Unterschied. Und dieser Unterschied tritt insbesondete dann auf, wenn man versucht, hinter den Wirklichkeitswert von solchen Vorstellungen zu kommen, die eigentlich schon aus der normalen Erinnerung geschwunden sind.
[ 30 ] So the image of a past experience that I saw in the past is down there in the unconscious. Fine, it’s down there; I’ll bring it up. But down there, it’s not so meaningless. You need only consider the very ordinary difference between a mental image of an experience that we received in such a way that it gave us joy and uplifted us, and a mental image of any experience that did not give us joy. We can now repress a mental image that gave us joy into the unconscious, and we can repress a mental image that did not give us joy into the unconscious. Very few people give any thought to what can be said about the difference between such a joy-inducing mental image and one that causes sorrow or pain. But it is a tremendous difference. And this difference becomes particularly apparent when one tries to get to the bottom of the reality of such mental images, which have actually already faded from normal memory.
[ 31 ] Wir wollen uns also an eine Vorstellung halten, an der der Mensch wohl Freude gehabt hat, aber an die er keine Veranlassung gehabt hat, im späteren Leben wieder zurückzudenken, oder an eine Vorstellung, die ihm Schmerz gemacht hat, und an die er auch wenig Veranlassung hatte zurückzudenken. Sie kommen nicht in sein Bewußtsein herauf, aber sie spielen im unbewußten Seelenleben eine Rolle. Wenn die Menschen nur aus Geisteswissenschaft heraus erkennen wollten, was in der Seele aufgespeicherte Vorstellungen bedeuten, auch wenn sie ganz vergessen sind. Wir sind eigentlich immer das Ergebnis unserer Erlebnisse. Welches Antlitz wir an uns tragen, namentlich in der intimeren Gebärde, das ist wirklich ein Abklatsch desjenigen, was wir erlebt haben in unserer diesmaligen Inkarnation. Man kann Menschen, die in ihrer Kindheit viel Trauriges erlebt haben, dies an ihrem Gesicht ablesen. Also das, was da unten voigeht, ist, mit andern Worten, an den Lebensvorgängen des Menschen beteiligt. Was an hemmenden, traurigen Vorstellungen in die Vergessenheit, ins Unbewußte hinuntergedrängt wird, das zehrt an uns, es unterbindet uns die Lebenskraft. Das, was wir an Freudigem, an Erhebendem erlebt haben, das belebt uns. Und wenn man das Schicksal unseres Vorstellungslebens im Unbewußten studiert, dann findet man, wie ungeheuer abhängig die gegenwärtige Stimmung, die ganze Verfassung eines Menschen von dem ist, was da in seinem Unterbewußtsein unten ruht.
[ 31 ] Let us therefore consider a mental image that a person may well have enjoyed, but which gave him no reason to recall it later in life, or a mental image that caused him pain and which he likewise had little reason to recall. They do not rise to the surface of their consciousness, but they play a role in the unconscious life of the soul. If only people were willing to recognize, through Spiritual Science, what the mental images stored in the soul mean—even when they are completely forgotten. We are, in fact, always the result of our experiences. The expression we carry within us—especially in our more intimate gestures—is truly a reflection of what we have experienced in this present incarnation. You can tell from the faces of people who experienced a great deal of sadness in their childhood. In other words, what is going on down there is involved in the course of a person’s life. The inhibiting, sad mental images that are pushed down into oblivion, into the unconscious, wear us down; they sap our life force. The joyful and uplifting experiences we have had, on the other hand, enliven us. And when one studies the fate of our imaginative life in the unconscious, one discovers how immensely a person’s current mood and entire state of being depend on what lies dormant in their subconscious.
[ 32 ] Jetzt vergleichen Sie die Erinnerungsvorstellungen, die Vorstellungen, die dann schon in das unbewußte Seelenleben hineingegangen sind, mit den Vorstellungen, die wir gegenwärtig im Bewußtsein haben. Dann werden Sie sich sagen: Die Vorstellungen, die wir gegenwärtig im Bewußtsein haben, sind tot. Tote Vorstellungen beteiligen sich nicht an unserem Lebensprozeß. Erst wenn sie ins Unbewußte hinuntertauchen, fangen sie an, sich am Lebensprozeß zu beteiligen und werden dann lebenfördernde oder lebenhemmende Vorstellungen. So daß die Vorstellungen dadurch, daß sie hinuntergedrängt werden in die tieferen Untergründe der Seele, erst so richtig zu leben beginnen. Ich habe in den Vorträgen, die ich an verschiedenen Orten über die verborgenen Gründe des Seelenlebens gehalten habe, immer darauf aufmerksam gemacht. Also die Vorstellungen, die zunächst tote Vorstellungen sind, fangen an zu leben, wenn sie unserem Seelenleben eingepflanzt werden; aber sie leben um so mehr, je unbewußter sie uns werden.
[ 32 ] Now compare the memories—the mental images that have already entered the unconscious life of the soul—with the mental images we currently have in our consciousness. Then you will say to yourself: The mental images we currently have in our consciousness are dead. Dead mental images do not participate in our life process. Only when they sink into the unconscious do they begin to participate in the life process and then become mental images that either promote or inhibit life. Thus, it is precisely by being pushed down into the deeper recesses of the soul that these mental images truly begin to live. I have always drawn attention to this in the lectures I have given in various places on the hidden foundations of the life of the soul. Thus, the mental images that are initially dead mental images begin to live when they are implanted in our soul life; but the more unconscious they become to us, the more they live.
[ 33 ] Wenn man nun mit geisteswissenschaftlicher Erkenntnis den Prozeß verfolgt, dann geschieht da etwas sehr Eigentümliches, das ich eigentlich nur so bezeichnen kann [es wird zu zeichnen begonnen]:
[ 33 ] When one follows the process using insights from Spiritual Science, something very peculiar happens—something I can really only describe as follows [begins to draw]:
[ 34 ] Nehmen Sie an, hier sei die Grenze zwischen bewußt und unbewußt,; diese Linie, dieser Strich sei die Grenze zwischen «bewußt», das oben ist, und «unbewußt», das unten ist. Und nun haben wir uns in unserem Bewußtsein allerlei Vorstellungen gebildet. Ich will sie schematisch bezeichnen durch allerlei Figuren. Diese Vorstellungen haben wir uns gebildet; nehmen wir an, diese Vorstellungen gehen ins Unbewußte hinunter. Sie gehen da hinunter [es wurden die Pfeile gezeichnet].
[ 34 ] Suppose this is the boundary between the conscious and the unconscious; let this line, this dash, be the boundary between “conscious”—which is above—and “unconscious”—which is below. And now we have formed all sorts of mental images in our consciousness. I will represent them schematically using various figures. We have formed these mental images; let us assume that these mental images descend into the unconscious. They descend there [arrows were drawn].


[ 35 ] Ja, sehen Sie, wenn nun mit geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen diese Vorstellungen, die da hinuntergehen, verfolgt werden, dann verwandeln sie sich. Äußerlich haben wir erkannt, daß sie lebenfördernd oder lebenhemmend werden; innerlich zeigt sich durch die geisteswissenschaftliche Erkenntnis, daß sie, indem sie gleichsam unter die Oberfläche hinuntergleiten, Imaginationen werden. Da im Un- oder Unterbewußten, da wird alles, was hinuntergeht, Imagination, alles wird Bild. Sie können in Ihrem gewöhnlichen Tagesbewußtsein die abstraktesten Vorstellungen haben: wenn Sie unter die Schwelle des gewöhnlichen Tagesbewußtseins hinuntergehen, so wird alles Imagination. Das heißt, es ist im Menschen ein Prozeß, eine Summe von Vorgängen, die stets bemüht ist — dadurch, daß die toten Vorstellungen des irdischen, gewöhnlichen, materialistischen Bewußtseins ins Unterbewußte gehen —, in jedem Menschen, bevor er zum imaginativen Erkennen kommt, im Unbewußten alle seine Bewußtseinsvorstellungen in Bilder, in Imaginationen zu verwandeln.
[ 35 ] Yes, you see, when these mental images that descend are explored using insights from the Spiritual Science, they are transformed. Externally, we have recognized that they either promote or inhibit life; internally, Spiritual Science insight reveals that, as they slip beneath the surface, so to speak, they become imaginations. There, in the unconscious or subconscious, everything that descends becomes imagination; everything becomes an image. You may have the most abstract mental images in your ordinary daily consciousness: when you descend below the threshold of ordinary daily consciousness, everything becomes imagination. That is to say, there is a process within the human being—a sum of processes—that is constantly striving—through the dead mental images of earthly, ordinary, materialistic consciousness descending into the subconscious—to transform, in every human being, before they attain imaginative cognition, all their conscious mental images into images, into imaginations, within the unconscious.
[ 36 ] Wollen wir also das, was wir im Unbewußten von unserem Vorstellungsleben haben, bezeichnen, wollen wir es kennenlernen, dann müssen wir eigentlich sagen: das alles besteht aus unbewußten Imaginationen, und alle Vorstellungen, die wir wiederum aus dem Unbewußten ins Bewußte heraufheben können, müssen wir durch eine Tätigkeit, die uns auch unbewußt bleibt, heraufbringen. Wir müssen sie wieder ins Bewußtsein zurückbringen, aber sie ihres Bildcharakters entkleiden, sie wieder in abstrakte, in unbildliche Vorstellungen zurückverwandeln. Und wenn Sie in der Tätigkeit sind, daß Sie nachdenken: Ach, ich habe da etwas erlebt; was war es denn nur? — und sich bemühen — Sie kennen ja alle den Prozeß —, sich an etwas zu erinnern, dann ist es die Anstrengung, der Sie sich hingeben müssen, um das Bild, das da unten sitzt, des Bildcharakters zu entkleiden und in die Vorstellungsform des Bewußtseins wieder zurückzuverwandeln.
[ 36 ] If we wish to describe what we have in the unconscious realm of our imaginative life, if we wish to get to know it, then we must actually say: all of this consists of unconscious imaginations, and all the mental images that we can in turn bring up from the unconscious into the conscious must be brought up through an activity that also remains unconscious to us. We must bring them back into consciousness, but strip them of their pictorial character, transforming them back into abstract, non-pictorial mental images. And when you find yourself thinking: “Oh, I experienced something there; what was it again?”—and you make an effort—you all know the process—to remember something, then it is the effort you must devote yourself to in order to strip the image that lies there beneath of its pictorial character and transform it back into the conceptual form of consciousness.
[ 37 ] Daraus aber werden Sie ersehen, daß die Vorstellungen, wenn wir sie in das Unbewußte hinunterdrängen, geistiger werden. Wir müssen also sagen: Wenn wir das, was uns der Intellekt bietet, ins Unbewußte aufnehmen, dann müssen wir die Vorstellungswelt, die da in uns ist und die wir hinuntergestoßen haben, als eine höhere, als eine geistigere Welt charakterisieren. Wir müssen also sagen: Die Welt der Erinnerungsmöglichkeit — bitte wohl zu beachten, daß ich sage, die Welt der Erinnerungssmöglichkeit; es brauchen ja nicht alle Vorstellungen, die da hinuntergehen, wieder einmal erinnert zu werden, aber sie sind doch alle da unten im unbewußten Seelenleben —, die Welt der Erinnerungsmöglichkeit besteht eigentlich in Imaginationen, in unbewußten Imaginationen.
[ 37 ] From this, however, you will see that when we push our mental images down into the unconscious, they become more spiritual. We must therefore say: When we take what the intellect offers us and absorb it into the unconscious, we must characterize the world of ideas that exists within us—and which we have pushed down—as a higher, more spiritual world. We must therefore say: The world of potential recollection—please note carefully that I say the world of potential recollection; after all, not all mental images that descend there need to be recalled again, but they are all down there in the unconscious life of the soul—the world of potential recollection actually consists of imaginations, of unconscious imaginations.
[ 38 ] [Es wurde an die Tafel geschrieben]:
[ 38 ] [It was written on the board]:
Welt der Erinnerungsmöglichkeit — Imaginationen.
The World of Possibilities for Memory — Imaginations.
[ 39 ] Nun besteht für das normale Bewußtsein des Menschen zuweilen die Möglichkeit — und über andere solche Möglichkeiten werden wir ja vielleicht in den nächsten Tagen sprechen können —, diese Bilder, die sonst niemals von der Erinnerungsmöglichkeit in die Erinnerungswirklichkeit übergehen würden, ins Bewußtsein heraufzubekommen. Nehmen Sie die Erfahrungen, die manchmal Ertrinkende machen! Und könnten Sie damit vergleichen die Erfahrungen, die diejenigen Menschen machen, welche durch die Pforte des Todes gegangen sind, so würden Sie finden, daß selbst da manche Vorstellung, wo die Anstrengung im gewöhnlichen physischen Leben nicht ausreicht, sie wieder heraufzubringen, dann wie von selbst heraufgeht. Aber Episoden, Teile gehen auch herauf in der gewöhnlichen Traumeswelt. Auch der Traum, so wie er uns entgegentritt, ist ja eine komplizierte Wirklichkeit, denn dasjenige, was erlebt wird, liegt eigentlich vielfach dahinter. Aber die Vorstellungen, die wir darüberhüllen, die sind aus der Erinnerung entnommen. Also der Traum, die Erfahrungen der mit dem Tode Ringenden, wie Ertrinkende und dergleichen, und Erfahrungen, die unmittelbar nach dem Durchgehen durch die Todespforte gemacht werden, die zeigen diese Welt der Imagination, die eine geistigere Welt ist als die Welt der gewöhnlichen menschlichen Intelligenz auf dem physischen Plan.
[ 39 ] Now, for the ordinary human consciousness, there is sometimes the possibility—and we may well be able to discuss other such possibilities in the coming days—of bringing these images, which would otherwise never pass from the realm of potential memory into the reality of memory, up into consciousness. Consider the experiences that people who are drowning sometimes have! And if you were to compare them to the experiences of those who have passed through the gate of death, you would find that even there, certain mental images—which cannot be brought back through ordinary physical effort—rise up of their own accord. But episodes and fragments also surface in the ordinary world of dreams. Even the dream, as it presents itself to us, is, after all, a complex reality, for what is actually experienced often lies far beyond the surface. But the mental images with which we cloak these experiences are drawn from memory. Thus, dreams—the experiences of those struggling with death, such as drowning victims and the like, and experiences had immediately after passing through the Gate of Death—reveal this world of imagination, which is a more spiritual world than the world of ordinary human intelligence on the physical plane.
[ 40 ] Wenn Sie aber das nehmen, was ich vorhin geschildert habe, daß diese Vorstellungen, die in die Region der Erinnerungsmöglichkeit übergegangen sind, an der Lebensförderung oder Lebenshemmung arbeiten, so werden Sie sich sagen: Da ist etwas Leben drinnen. Während die Vorstellungen des gewöhnlichen Intellektes tot sind, kommt da etwas Leben hinein, doch es ist kein besonders starkes Leben drinnen. Aber auch da kann schon die gewöhnliche Erfahrung etwas bieten, was Ihnen zeigen kann, daß doch das, was mit diesen in die unterbewußte Region hinabtretenden Vorstellungen vorgeht, ein noch stärkeres Leben bedeuten kann.
[ 40 ] But if you take what I described earlier—that these mental images, which have passed into the realm of what can be remembered, work to either promote or inhibit life—then you will say to yourself: There is some life in there. While the mental images of the ordinary intellect are dead, some life enters there, though it is not a particularly strong life. But even here, ordinary experience can offer something that shows you that what happens with these mental images descending into the subconscious realm can indeed signify an even stronger life.
[ 41 ] Ich habe die sehr gewöhnliche Tatsache schon hervorgehoben, daß Leute, die etwas auswendig zu lernen haben, um es dann aufzusagen, zu rezitieren, das lernen und beschlafen, und daß dieses Beschlafen dazugehört, um das Gedächtnis fähiger zu machen. Das ist allerdings nur eine leise Hindeutung auf etwas, was die Geisteswissenschaft viel klarer, ja vollständig klar zeigt, nämlich, daß unsere gesamte Vorstellungswelt, indem wir sie ausbilden und ins Unterbewußte hinunterdrängen, im Unterbewußten immer lebendiger und lebendiger wird, während sie im Bewußtsein tot ist.
[ 41 ] I have already emphasized the very common fact that people who have to memorize something in order to recite it or recite it aloud learn it and then sleep on it, and that this process of sleeping on it is part of making the memory more effective. This, however, is only a faint hint at something that Spiritual Science demonstrates much more clearly—indeed, completely clearly—namely, that our entire world of imagination, as we develop it and push it down into the subconscious, becomes ever more alive in the subconscious, while it remains dead in consciousness.
[ 42 ] Nun sind aber die Vorstellungen, welche wieder heraufkommen, noch gar nicht einmal diejenigen, die am meisten an der Lebensförderung oder Lebenshemmung beteiligt sind, sondern diejenigen Vorstellungen sind es, die sich viel inniger noch mit uns verbinden. Vorstellungen, die wir oftmals sogar nur wie das Leben begleitend aufnehmen, gar nicht einmal so ungemein stark im Leben beachten, die verbinden sich mit unseren lebenfördernden oder lebenhemmenden Kräften in viel stärkerem Maße. Nehmen wir einmal an, jemand beschäftige sich mit Geisteswissenschaft. Er nimmt sie zunächst auf, diese Geisteswissenschaft, als erarbeitet durch den physischen Intellekt. Davon muß er ja ausgehen. Wir müssen anknüpfen ani das, was der physische Intellekt durch die Sinne wahrnimmt. Ich könnte ja sonst gar nicht über die geistige Welt sprechen, weil die Sprache für die physische Welt da ist. Aber es ist doch ein Unterschied, wie wit, ich möchte sagen, in das Leben eingekleidet solch eine Vorstellungswelt aufnehmen.
[ 42 ] However, the mental images that resurface are not even the ones that play the greatest role in promoting or hindering life; rather, they are the mental images that are connected to us in an even more intimate way. Mental images that we often simply accept as accompanying life—without even paying them that much attention—are connected to our life-promoting or life-inhibiting forces to a much greater degree. Let us suppose, for example, that someone is engaged in Spiritual Science. At first, they accept this Spiritual Science as having been developed by the physical intellect. They must, after all, start from that premise. We must build upon what the physical intellect perceives through the senses. Otherwise, I could not speak about the spiritual world at all, because language is meant for the physical world. But there is a difference in how we—I would say—incorporate such a world of ideas into our lives.
[ 43 ] Nehmen Sie einmal an, ein Mensch nimmt die Wahrheiten der Geisteswissenschaft in Ernst und Würde auf, gleichsam so, daß er fühlt: Ernst, tiefer Ernst ist dabei. Ein anderer Mensch nimmt die Vorstellungen der Geisteswissenschaft so auf, daß er sie eigentlich nur theoretisch anhört und sie nicht sehr ernst an sich herankommen läßt. Der eine nimmt sie gleichsam in einer Atmosphäre der Oberflächlichkeit, der andere in einer Atmosphäre des Ernstes auf. Es braucht uns gar nicht stark zum Bewußtsein zu kommen, wie wir sie aufnehmen; das hängt so mehr zusammen mit dem, wie man durchs Leben geht, ohne immer darüber nachzudenken. Wer dazu veranlagt ist oder sich gewöhnt hat, die Dinge, die ernst zu nehmen sind, eben ernst zu nehmen und nicht frivol oder zynisch, der denkt nicht immer erst nach, wie er sie aufzufassen hat, er benimmt sich ernst und natürlich. Ebenso nimmt sie der, der nur oberflächlich veranlagt ist, in Oberflächlichkeit auf; er kann nicht anders. Damit begleiten wir unser Vorstellungsleben mit etwas, was wir uns nicht zur Vorstellung bringen, was wirklich etwas ist, das neben dem Bewußten einhergeht. Aber was da neben dem Bewußtsein einhergeht, geht viel tiefer ins Unbewußtte hinunter als dasjenige, was wir ganz bewußt denken. Die Art, wie wir also unsere Vorstellungen uns bilden, die geht viel tiefer ins Unbewußte hinunter als das, was wir bewußt denken. Und wenn der Mensch schläft und sein astralischer Leib und sein Ich heraus sind aus dem physischen und Ätherleib, dann spielt in dem astralischen Leib und Ich diese Art, die Vorstellungen sich zu bilden, eine unendlich große Rolle. Da kann man sagen: Wer mit dem nötigen Ernst irgendwelche Vorstellungen aufnimmt, der hat diese Vorstellungen in seinem Astralleibe und in seinem Ich so, daß sie da drinnen sind wie belebende Sonnenkraft für die Pflanze. Es sind wirklich im höchsten Grad belebende Kräfte. Und er nimmt in diese Vorstellungen das hinein, was belebend ist, belebend und über die gegenwärtige Inkarnation hinausgehend, und die Vorbedingungen schaffend für die nächste Inkarnation. Da zeigt sich schon durch die schaffende Seele, daß Sie etwas im Unterbewußten haben, was geistiger ist als das, was durch den Traum heraufgeholt werden kann.
[ 43 ] Suppose a person accepts the truths of Spiritual Science with seriousness and dignity, in such a way that he feels: there is seriousness, deep seriousness in this. Another person takes in the mental images of Spiritual Science in such a way that they really only listen to them theoretically and do not allow them to touch them very deeply. One person takes them in, as it were, in an atmosphere of superficiality; the other, in an atmosphere of seriousness. We don’t even need to be strongly aware of how we take them in; that has more to do with how one goes through life, without always thinking about it. Those who are predisposed to—or have become accustomed to—taking things that should be taken seriously actually seriously, rather than frivolously or cynically, do not always first have to think about how to interpret them; they behave seriously and naturally. Likewise, those who are only superficially inclined take them in superficially; they cannot do otherwise. In this way, we accompany our mental images with something we cannot bring to consciousness—something that truly exists alongside the conscious. But what exists alongside consciousness delves much deeper into the unconscious than what we think quite consciously. The way we form our mental images, then, goes much deeper into the unconscious than what we think consciously. And when a person sleeps and their astral body and ego have left the physical and etheric bodies, this way of forming mental images plays an infinitely great role in the astral body and the ego. One might say: Whoever absorbs any mental images with the necessary seriousness holds these mental images in their astral body and in their “I” in such a way that they are present there like life-giving solar energy for a plant. They are truly life-giving forces of the highest degree. And within these mental images, the person incorporates what is life-giving—life-giving and extending beyond the present incarnation—and creates the prerequisites for the next incarnation. Here it becomes evident, through the creative soul, that you possess something in the subconscious that is more spiritual than what can be brought up through dreams.
[ 44 ] Da haben wir eine Welt des unbewußten Vorstellungslebens, zusammenhängend mit dem ganzen Wesenskern des Menschen. Es dringt diese Art, das Leben zu nehmen, gleichsam in unsere geistigen Lebenskräfte ein, und es ist ganz gleich unbewußter Inspiration.
[ 44 ] Here we have a world of unconscious imagination, connected to the very core of the human being. This way of approaching life penetrates, as it were, into our spiritual life forces, and it is quite akin to unconscious inspiration.
[ 45 ] [Es wurde an die Tafel geschrieben]:
[ 45 ] [It was written on the board]:
Welt des unbewußten Vorstellungslebens — Inspirationen.
The World of the Unconscious Imagination — Inspirations.
[ 46 ] Ich werde Ihnen dann darlegen — heute ist nicht mehr die Zeit dazu — wie schon das gewöhnliche Leben zeigt, daß diese unbewußten Inspirationen unbewußt dann doch im Menschen auch schon in der Inkarnation, in der sie gebildet werden, wirken, aber eben unbewußt. Dann werde ich Ihnen weiter zeigen, daß es noch eine höhere Welt für den Menschen gibt. Aber Sie sehen aus dem heute Dargestellten, daß das menschliche Seelenleben eine innere Bewegung hat, daß dasjenige, was auf dem physischen Plan durch die physische Intelligenz erlebt wird, weiter unten erlebt wird, daß es dann hinaufsteigt in geistigere Regionen, in noch geistigere Regionen zuletzt, als wir es auf dem physischen Plan erleben. [Es wurden die Pfeile gezeichnet.] Also das Vorstellungsleben ist in innerer Bewegung, in aufsteigender Bewegung. Und jetzt erinnern Sie sich an das, was ich Ihnen gestern aufgezeichnet habe: wie gewisse Prozesse des Menschen in absteigender Bewegung dargestellt waren. So daß Sie sich sagen können: Wenn ich den Menschen vor mir habe, so ist im Menschen eine absteigende Strömung und eine aufsteigende Strömung, und die wirken zusammen. Wie sie zusammenwirken, das wird dann morgen zu besprechen sein.
[ 46 ] I will then explain to you—there is no longer time for that today—how even ordinary life shows that these unconscious inspirations do, in fact, work unconsciously within the human being even during the very incarnation in which they are formed, but precisely unconsciously. Then I will go on to show you that there is an even higher world for human beings. But you can see from what has been presented today that the human soul life has an inner movement, that what is experienced on the physical plane through physical intelligence is experienced at a lower level, and that it then ascends into more spiritual regions—ultimately into regions even more spiritual than what we experience on the physical plane. [Arrows were drawn.] So the life of the imagination is in inner motion, in an upward movement. And now recall what I outlined for you yesterday: how certain human processes were depicted as moving downward. So that you can say to yourselves: When I have a human being before me, there is a downward current and an upward current within that person, and they interact. How they interact will be discussed tomorrow.
[ 47 ] [Schema an der Tafel]:
[ 47 ] [Diagram on the board]:
Welt des unbewußten Vorstellungslebens: Inspirationen
Welt der Erinnerungsmöglichkeit: Imaginationen
Intellektuelle TätigkeitL tote Bilder
The World of the Unconscious Imagination: Inspirations
The World of Potential Memories: Imaginations
Intellectual Activity: Dead Images
