The Value of Thinking for Satisfying Our Quest for Knowledge
The Relationship Between the Spiritual Science and the Natural SciencesGA 164
20 September 1915, Dornach
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Der Wert des Denkens für eine den Menschen befriedigende Erkenntnis
Vierter Vortrag
Vierter Vortrag
[ 1 ] Ich habe Ihnen in den letzten Tagen davon gesprochen, wie des Menschen Erkenntnis, die er als Erdenmensch sich auf dem physischen Plan erwerben muß, zunächst eine Art toter Erkenntnis ist, eine Erkenntnis, die sich zu dem, was wir Erkenntnis der nächsthöheren Welt nennen müssen, wie das Tote zu dem Lebendigen verhält. Ich habe versucht, anschaulich zu machen, wie diese tote, gleichsam mechanische Erkenntnis des physischen Erdenmenschen lebendig wird, wenn wir uns hinauferheben wollen auf diejenigen Erkenntnisstufen, durch die der Mensch etwas erfahren kann von den sogenannten höheren Welten.
[ 1 ] Ich habe Ihnen in den letzten Tagen davon gesprochen, wie des Menschen Erkenntnis, die er als Erdenmensch sich auf dem physischen Plan erwerben muß, zunächst eine Art toter Erkenntnis ist, eine Erkenntnis, die sich zu dem, was wir Erkenntnis der nächsthöheren Welt nennen müssen, wie das Tote zu dem Lebendigen verhält. Ich habe versucht, anschaulich zu machen, wie diese tote, gleichsam mechanische Erkenntnis des physischen Erdenmenschen lebendig wird, wenn wir uns hinauferheben wollen auf diejenigen Erkenntnisstufen, durch die der Mensch etwas erfahren kann von den sogenannten höheren Welten.
[ 2 ] Tote Erkenntnis! So tot, wie die Erkenntnis heute ist, war sie allerdings auch als physische Erdenerkenntnis nicht immer, sondern sie ist erst so geworden. Und Sie kennen ja alle die Zeit, in der die menschliche Erdenerkenntnis so tot geworden ist. Ich habe Ihnen oftmals davon gesprochen, wie, wenn wir in alte Zeiten zurückgehen, in Zeiten der Erdenentwickelung, bevor das Mysterium von Golgatha stattgefunden hatte, auch die gewöhnliche Erdenerkenntnis lebendiger war, weil eine Art uralter Erbschaft [höherer Erkenntnis] vorhanden war. Es mischte sich in die gewöhnliche Erdenerkenntnis immer etwas von der uralten Erbschaft einer höheren Erkenntnis hinein. Sie können das verfolgen in den verschiedenen Erkenntnis- und Religionsurkunden der Menschheit. Sehen Sie nur, wie in der Bibel, im Alten Testament, da, wo von den übersinnlichen Welten die Rede ist, immer gesprochen wird entweder von einem Traum oder von den Eingebungen der Propheten. Da haben wir immer ein naturgemäßes Zurückgehen auf lebendige Erkenntnis. Es war in den Menschen das als Mondenerbschaft ihnen gebliebene alte atavistische Erbgut des Hellsehens noch nicht erloschen. Das erlosch zur Zeit des Mysteriums von Golgatha.
[ 2 ] Tote Erkenntnis! So tot, wie die Erkenntnis heute ist, war sie allerdings auch als physische Erdenerkenntnis nicht immer, sondern sie ist erst so geworden. Und Sie kennen ja alle die Zeit, in der die menschliche Erdenerkenntnis so tot geworden ist. Ich habe Ihnen oftmals davon gesprochen, wie, wenn wir in alte Zeiten zurückgehen, in Zeiten der Erdenentwickelung, bevor das Mysterium von Golgatha stattgefunden hatte, auch die gewöhnliche Erdenerkenntnis lebendiger war, weil eine Art uralter Erbschaft [höherer Erkenntnis] vorhanden war. Es mischte sich in die gewöhnliche Erdenerkenntnis immer etwas von der uralten Erbschaft einer höheren Erkenntnis hinein. Sie können das verfolgen in den verschiedenen Erkenntnis- und Religionsurkunden der Menschheit. Sehen Sie nur, wie in der Bibel, im Alten Testament, da, wo von den übersinnlichen Welten die Rede ist, immer gesprochen wird entweder von einem Traum oder von den Eingebungen der Propheten. Da haben wir immer ein naturgemäßes Zurückgehen auf lebendige Erkenntnis. Es war in den Menschen das als Mondenerbschaft ihnen gebliebene alte atavistische Erbgut des Hellsehens noch nicht erloschen. Das erlosch zur Zeit des Mysteriums von Golgatha.
[ 3 ] Ich bitte Sie, diesen Satz recht genau zu nehmen. Denn wenn jemand von Ihnen irgendwo diesen Satz so kolportiert, daß er berichtet, ich hätte gesagt, durch das Mysterium von Golgatha sei die alte atavistische Erkenntnis erloschen, so sagt er das genaue Gegenteil von dem, was ich eben ausgesprochen habe. Zu der Zeit des Mysteriums von Golgatha ist diese Erkenntnis erloschen durch den ganz naturgemäßen Fortentwickelungsgang der Menschheit, und das Mysterium von Golgatha brachte für das, was allmählich verlorengegangen war, Ersatz, brachte das Leben in die menschliche Seele von einer anderen Seite her. So daß man heute vor der folgenden Tatsache steht: Man kann zurückgehen in alte menschliche Erdenüberliefetungen, da findet man ja auch schon vor der Zeit des Mysteriums von Golgatha allerlei Wissenschaftliches. Aber in diesem Wissenschaftlichen vermuteten die alten Menschen nicht etwas von einer Erkenntnis des Allerhöchsten, für den Menschen Wichtigsten, sondern es waren im Grunde genommen untergeordnetere Dinge, die man auf diese Weise zu erkennen glaubte. Alles Wichtige, alles auf die übersinnlichen Welten Bezügliche führte man zurück auf eine uralte Weisheit, auf eine Weisheit, die gleichsam durch eine Uroffenbarung der Menschheit gegeben ward. Das haben Sie ja in dem einen unserer vier Mysterien ausgedrückt. Und man stellte das so dar, daß dann dieses Erbgut von Generation zu Generation in den Weisheitsschulen weitergegeben wurde. Schon in dem Buche «Das Christentum als mystische Tatsache» finden Sie, daß wir zu erkennen versuchten, wie durch das Mysterium von Golgatha für dieses ersterbende alte Weisheitsgut ein Ersatz geschaffen worden ist, wie gewissermaßen das Urmysterium historische Tatsache auf Golgatha geworden ist, und wie dadurch, daß das Kreuz der Initiation für alle Menschen wahrnehmbar auf Golgatha aufgestellt war, Leben in die menschliche Seele gegossen werden sollte. So daß man seither sagen kann: Es gibt unsere tote Erkenntnis, die der Mensch durch seine eigene Anstrengung auf dem physischen Plan gewinnt, und es gibt daneben etwas, was in seine Seele fließt dadurch, daß durch das Mysterium von Golgatha das Substantielle, das durch den Christus in die Erdenaura hereinkommen sollte, in die Erdenaura ausgeflossen ist, und nun als eine zweite Quelle der menschlichen Erkenntnis in die menschliche Seele hereinfließt.
[ 3 ] Ich bitte Sie, diesen Satz recht genau zu nehmen. Denn wenn jemand von Ihnen irgendwo diesen Satz so kolportiert, daß er berichtet, ich hätte gesagt, durch das Mysterium von Golgatha sei die alte atavistische Erkenntnis erloschen, so sagt er das genaue Gegenteil von dem, was ich eben ausgesprochen habe. Zu der Zeit des Mysteriums von Golgatha ist diese Erkenntnis erloschen durch den ganz naturgemäßen Fortentwickelungsgang der Menschheit, und das Mysterium von Golgatha brachte für das, was allmählich verlorengegangen war, Ersatz, brachte das Leben in die menschliche Seele von einer anderen Seite her. So daß man heute vor der folgenden Tatsache steht: Man kann zurückgehen in alte menschliche Erdenüberliefetungen, da findet man ja auch schon vor der Zeit des Mysteriums von Golgatha allerlei Wissenschaftliches. Aber in diesem Wissenschaftlichen vermuteten die alten Menschen nicht etwas von einer Erkenntnis des Allerhöchsten, für den Menschen Wichtigsten, sondern es waren im Grunde genommen untergeordnetere Dinge, die man auf diese Weise zu erkennen glaubte. Alles Wichtige, alles auf die übersinnlichen Welten Bezügliche führte man zurück auf eine uralte Weisheit, auf eine Weisheit, die gleichsam durch eine Uroffenbarung der Menschheit gegeben ward. Das haben Sie ja in dem einen unserer vier Mysterien ausgedrückt. Und man stellte das so dar, daß dann dieses Erbgut von Generation zu Generation in den Weisheitsschulen weitergegeben wurde. Schon in dem Buche «Das Christentum als mystische Tatsache» finden Sie, daß wir zu erkennen versuchten, wie durch das Mysterium von Golgatha für dieses ersterbende alte Weisheitsgut ein Ersatz geschaffen worden ist, wie gewissermaßen das Urmysterium historische Tatsache auf Golgatha geworden ist, und wie dadurch, daß das Kreuz der Initiation für alle Menschen wahrnehmbar auf Golgatha aufgestellt war, Leben in die menschliche Seele gegossen werden sollte. So daß man seither sagen kann: Es gibt unsere tote Erkenntnis, die der Mensch durch seine eigene Anstrengung auf dem physischen Plan gewinnt, und es gibt daneben etwas, was in seine Seele fließt dadurch, daß durch das Mysterium von Golgatha das Substantielle, das durch den Christus in die Erdenaura hereinkommen sollte, in die Erdenaura ausgeflossen ist, und nun als eine zweite Quelle der menschlichen Erkenntnis in die menschliche Seele hereinfließt.
[ 4 ] So daß man sagen kann: Von dem geisteswissenschaftlichen Standpunkte aus betrachtet, muß die Sache so angesehen werden, daß die physische Erdenerkenntnis des Menschen eine tote ist, daß aber Leben in sie hineinkommt, wenn der Mensch diese physische Erdenerkenntnis befruchten läßt durch dasjenige, was ihm das Mysterium von Golgatha sein kann. Und dann haben wir die nächsthöhere Erkenntnisstufe,, die wir das imaginative Erkennen nennen. Das ist nun schon ein Lebendiges, ein wirklich Lebendiges. Und bei diesen lebendigen Erkennen, bei diesem imaginativen Erkennen handelt es sich um die Dinge, die wir ja in den letzten Tagen besprochen haben.
[ 4 ] So daß man sagen kann: Von dem geisteswissenschaftlichen Standpunkte aus betrachtet, muß die Sache so angesehen werden, daß die physische Erdenerkenntnis des Menschen eine tote ist, daß aber Leben in sie hineinkommt, wenn der Mensch diese physische Erdenerkenntnis befruchten läßt durch dasjenige, was ihm das Mysterium von Golgatha sein kann. Und dann haben wir die nächsthöhere Erkenntnisstufe,, die wir das imaginative Erkennen nennen. Das ist nun schon ein Lebendiges, ein wirklich Lebendiges. Und bei diesen lebendigen Erkennen, bei diesem imaginativen Erkennen handelt es sich um die Dinge, die wir ja in den letzten Tagen besprochen haben.
[ 5 ] Als wichtig möchte ich heute nochmals hervorheben, was ich schon gestern sagte, daß dieses imaginative Erkennen der Natur der Menschenseele noch verwandt ist. Es ist eine Rückkehr zur Mondenzeit. Und es ist der Natur der Menschenseele so verwandt, daß ja in der Tat in der Menschennatur heute noch, wie ich es gestern dargestellt habe, atavistisch das alte traumhafte Mondenerkennen wiederum auftauchen kann, und daß manches, was man auch durch eine höhere Hellseherkunst erkennt, gewissermaßen sich — wenn der Mondenhellseher die nötige Bescheidenheit hat — zusammenfinden kann mit dem, was durch Atavismus herauskommt.
[ 5 ] Als wichtig möchte ich heute nochmals hervorheben, was ich schon gestern sagte, daß dieses imaginative Erkennen der Natur der Menschenseele noch verwandt ist. Es ist eine Rückkehr zur Mondenzeit. Und es ist der Natur der Menschenseele so verwandt, daß ja in der Tat in der Menschennatur heute noch, wie ich es gestern dargestellt habe, atavistisch das alte traumhafte Mondenerkennen wiederum auftauchen kann, und daß manches, was man auch durch eine höhere Hellseherkunst erkennt, gewissermaßen sich — wenn der Mondenhellseher die nötige Bescheidenheit hat — zusammenfinden kann mit dem, was durch Atavismus herauskommt.
[ 6 ] Ferner aber [als das imaginative Erkennen] steht dem Menschen alles dasjenige, was auf einem inspirativen Wege, durch Inspiration, in seine Seele hereinkommt. Denn das sind ja dem Substantiellen nach die Tatsachen der alten Sonnenentwickelung, mit denen der Mensch verbunden war. Und dasjenige, was der Mensch während der alten Sonnenentwickelung in sich aufgenommen hat als Lebenselement, auch das ist da unten in den Tiefen der Menschennatur [bewahrt]. Das muß beleuchtet werden durch bewußte Erkenntnis, wenn es zur Inspiration kommen soll.
[ 6 ] Ferner aber [als das imaginative Erkennen] steht dem Menschen alles dasjenige, was auf einem inspirativen Wege, durch Inspiration, in seine Seele hereinkommt. Denn das sind ja dem Substantiellen nach die Tatsachen der alten Sonnenentwickelung, mit denen der Mensch verbunden war. Und dasjenige, was der Mensch während der alten Sonnenentwickelung in sich aufgenommen hat als Lebenselement, auch das ist da unten in den Tiefen der Menschennatur [bewahrt]. Das muß beleuchtet werden durch bewußte Erkenntnis, wenn es zur Inspiration kommen soll.
[ 7 ] Ich habe gestern angedeutet, daß bei der wirklichen, bei der wahren Kunst ein unbewußtes Heraufziehen dieser Dinge, die den alten Sonnentatsachen angehören und die der Mensch als Erbgut bewahrt hat, stattfindet; daß, wenn dieses tief in den verborgenen Untergründen der Seele Befindliche heraufgehoben wird in das bewußte Seelenleben, es da als künstlerische Inspiration dem Menschen bewußt werden kann. Der Mensch lebt dann nur in den Folgen, die von unten heraufkommen; er lebt nicht in den Ursachen. Wenn ich Ihnen schon andeuten mußte, daß der Gedanke unter der Schwelle des Bewußtseins sehr verschieden ist von dem Gedanken, den wir haben, wenn wir aus den unterbewußten Gedanken dutch die Erinnerung wieder etwas [ins Bewußtsein] heraufbringen, so muß betont werden, daß noch viel verschiedener, radikal verschieden dasjenige ist, was in Wahrheit in den Tiefen der Künstlerseele lebt, von dem, was dann in das Bewußtsein des Künstlers heraufsteigt.
[ 7 ] Ich habe gestern angedeutet, daß bei der wirklichen, bei der wahren Kunst ein unbewußtes Heraufziehen dieser Dinge, die den alten Sonnentatsachen angehören und die der Mensch als Erbgut bewahrt hat, stattfindet; daß, wenn dieses tief in den verborgenen Untergründen der Seele Befindliche heraufgehoben wird in das bewußte Seelenleben, es da als künstlerische Inspiration dem Menschen bewußt werden kann. Der Mensch lebt dann nur in den Folgen, die von unten heraufkommen; er lebt nicht in den Ursachen. Wenn ich Ihnen schon andeuten mußte, daß der Gedanke unter der Schwelle des Bewußtseins sehr verschieden ist von dem Gedanken, den wir haben, wenn wir aus den unterbewußten Gedanken dutch die Erinnerung wieder etwas [ins Bewußtsein] heraufbringen, so muß betont werden, daß noch viel verschiedener, radikal verschieden dasjenige ist, was in Wahrheit in den Tiefen der Künstlerseele lebt, von dem, was dann in das Bewußtsein des Künstlers heraufsteigt.
[ 8 ] Nun müssen wir uns eine Eigentümlichkeit recht scharf in die Seele schreiben, wenn wir überhaupt das Ganze der Inspiration verstehen wollen. Sehen Sie, für den Menschen, an den die Inspiration herankommt, gibt es keinen Unterschied zwischen einem objektiven Naturgesetz und demjenigen, was er in seiner Seele erlebt als Gedanke, als Seelenerlebnis. Das Naturgesetz empfindet er ebenso als zu sich gehörig, wie er dasjenige, was in seiner eigenen Seele lebt, als zu sich gehörig empfindet. Ich will so sagen: Wenn sich der Mensch, an den die Inspiration herankommt, zu irgend etwas entschließt, wenn er aus irgendeinem Motiv heraus etwas tut, so liegt dem eine Gesetzmäßigkeit zugrunde. Diese Gesetzmäßigkeit, die ist man zunächst befugt als eine Gesetzmäßigkeit der eigenen Brust zu empfinden, als ein eigenes Erlebnis. Aber man empfindet sie in derselben Objektivität, wie man den Aufgang der Sonne gesetzmäßig in Objektivität empfindet. Ich kann auch so sagen: Wenn ich die Uhr ergreife, so empfinde ich das als meine Angelegenheit auf dem physischen Plan. Bei der physischen Erkenntnis werde ich es nicht so als meine Angelegenheit empfinden, wenn die Sonne morgens aufgeht. In bezug auf dasjenige, was wirklich aus dem Impuls der inspirierten Welt herauskommt, empfindet man aber dasjenige, was in der Natur geschieht, als zu sich gehörig.
[ 8 ] Nun müssen wir uns eine Eigentümlichkeit recht scharf in die Seele schreiben, wenn wir überhaupt das Ganze der Inspiration verstehen wollen. Sehen Sie, für den Menschen, an den die Inspiration herankommt, gibt es keinen Unterschied zwischen einem objektiven Naturgesetz und demjenigen, was er in seiner Seele erlebt als Gedanke, als Seelenerlebnis. Das Naturgesetz empfindet er ebenso als zu sich gehörig, wie er dasjenige, was in seiner eigenen Seele lebt, als zu sich gehörig empfindet. Ich will so sagen: Wenn sich der Mensch, an den die Inspiration herankommt, zu irgend etwas entschließt, wenn er aus irgendeinem Motiv heraus etwas tut, so liegt dem eine Gesetzmäßigkeit zugrunde. Diese Gesetzmäßigkeit, die ist man zunächst befugt als eine Gesetzmäßigkeit der eigenen Brust zu empfinden, als ein eigenes Erlebnis. Aber man empfindet sie in derselben Objektivität, wie man den Aufgang der Sonne gesetzmäßig in Objektivität empfindet. Ich kann auch so sagen: Wenn ich die Uhr ergreife, so empfinde ich das als meine Angelegenheit auf dem physischen Plan. Bei der physischen Erkenntnis werde ich es nicht so als meine Angelegenheit empfinden, wenn die Sonne morgens aufgeht. In bezug auf dasjenige, was wirklich aus dem Impuls der inspirierten Welt herauskommt, empfindet man aber dasjenige, was in der Natur geschieht, als zu sich gehörig.
[ 9 ] Es dehnt sich wirklich das menschliche Interesse über die Naturangelegenheiten aus. Die Naturangelegenheiten werden die eigenen Interessen des Menschen. Solange man nicht das Leben der Pflanze in sich so vertraut empfindet wie die Erlebnisse des eigenen Herzens, so lange kann in der Inspiration keine Wahrheit sein. Solange man nicht einen fallenden Stein, der auf die Oberfläche des Wassers aufplatscht und Tropfen aufspritzen macht, in derselben Weise empfindet, wie man empfinden kann dasjenige, was im eigenen Wesen vorgeht, so lange ist die Inspiration nicht der Wahrheit entsprechend. Ich könnte auch so sagen: Alles, was im Menschen diesem näher liegt als die Natur in ihrer Fülle, das gehört nicht zu den inspirierten Wahrheiten. Ein völliger Unsinn wäre es aber, zu glauben, daß der Inspirierte, wenn ihm einer den Schädel einschlägt, dieses ebenso objektiv empfinden würde, wie er den Ausbruch eines Vulkans empfindet. Subjektiv macht er diesen Unterschied selbstverständlich; aber da ist er eben in dem Augenblick, wo ihm einer den Schädel einschlägt, nicht ein Inhaber einer Inspiration. Für alles aber, was in diesem Sinne Gebiet der Inspiration ist, ist sein Interesse über die ganze Natur hinaus erweitert. Und ich habe schon in dem Haager Zyklus darauf aufmerksam gemacht, wie die Erweiterung des Interesses es ist, worauf es bei der erweiterten Erkenntnis überhaupt ankommt. Wer nicht wenigstens für einen kurzen Zeitraum loskommen kann von dem, was ihn allein angeht, der kann selbstverständlich zu keiner Inspiration kommen. Er braucht es ja nicht immer; im Gegenteil, er wird gut tun, seine eigenen Interessen scharf abzugrenzen von demjenigen, was Gegenstand seiner Inspiration sein soll. Wenn aber der Mensch sein Interesse über die Objektivität hinaus also ausdehnt, wenn er versucht, das Leben der Pflanze in ihrem Werden so zu empfinden, wie er dasjenige, was in seinem Leben vorgeht, empfindet, wenn ihm das, was da draußen wächst und keimt und wird und vergeht, so intim vertraut ist wie das Leben im eigenen Wesen, dann ist er mit Bezug auf alles das, was so an ihn herantritt, inspiriert.
[ 9 ] Es dehnt sich wirklich das menschliche Interesse über die Naturangelegenheiten aus. Die Naturangelegenheiten werden die eigenen Interessen des Menschen. Solange man nicht das Leben der Pflanze in sich so vertraut empfindet wie die Erlebnisse des eigenen Herzens, so lange kann in der Inspiration keine Wahrheit sein. Solange man nicht einen fallenden Stein, der auf die Oberfläche des Wassers aufplatscht und Tropfen aufspritzen macht, in derselben Weise empfindet, wie man empfinden kann dasjenige, was im eigenen Wesen vorgeht, so lange ist die Inspiration nicht der Wahrheit entsprechend. Ich könnte auch so sagen: Alles, was im Menschen diesem näher liegt als die Natur in ihrer Fülle, das gehört nicht zu den inspirierten Wahrheiten. Ein völliger Unsinn wäre es aber, zu glauben, daß der Inspirierte, wenn ihm einer den Schädel einschlägt, dieses ebenso objektiv empfinden würde, wie er den Ausbruch eines Vulkans empfindet. Subjektiv macht er diesen Unterschied selbstverständlich; aber da ist er eben in dem Augenblick, wo ihm einer den Schädel einschlägt, nicht ein Inhaber einer Inspiration. Für alles aber, was in diesem Sinne Gebiet der Inspiration ist, ist sein Interesse über die ganze Natur hinaus erweitert. Und ich habe schon in dem Haager Zyklus darauf aufmerksam gemacht, wie die Erweiterung des Interesses es ist, worauf es bei der erweiterten Erkenntnis überhaupt ankommt. Wer nicht wenigstens für einen kurzen Zeitraum loskommen kann von dem, was ihn allein angeht, der kann selbstverständlich zu keiner Inspiration kommen. Er braucht es ja nicht immer; im Gegenteil, er wird gut tun, seine eigenen Interessen scharf abzugrenzen von demjenigen, was Gegenstand seiner Inspiration sein soll. Wenn aber der Mensch sein Interesse über die Objektivität hinaus also ausdehnt, wenn er versucht, das Leben der Pflanze in ihrem Werden so zu empfinden, wie er dasjenige, was in seinem Leben vorgeht, empfindet, wenn ihm das, was da draußen wächst und keimt und wird und vergeht, so intim vertraut ist wie das Leben im eigenen Wesen, dann ist er mit Bezug auf alles das, was so an ihn herantritt, inspiriert.
[ 10 ] Aber dann ist diese Art, Interesse zu haben, notwendigerweise verknüpft mit einem allmählichen Aufsteigen zu einer solchen Menschenbeurteilung, wie die von uns angedeutete Goethesche Menschenbeurteilung allmählich eine wurde. Goethe lernte dutch sein Bemühen [um lebendige Gedanken] des Menschen Verrichtungen von der menschlichen Wesenheit zu unterscheiden. Und dies ist etwas außer-, außerordentlich Wichtiges! Was wir tun oder getan haben, gehört der objektiven Welt an, ist ins Werk gesetztes Karma; was wir als Persönlichkeit sind, ist in fortwährendem Werden. Und das Urteil, das wir fällen über irgend etwas, was ein Mensch getan hat, muß im Grunde genommen auf einem ganz anderen Blatt stehen, als das Urteil, das wir fällen über den Wert oder Unwert einer menschlichen Persönlichkeit. Wir müssen, wenn wir uns den höheren Welten nähern wollen, lernen, der menschlichen Persönlichkeit so objektiv gegenüberstehen zu können, wie wir einer Pflanze oder einem Stein objektiv gegenüberstehen. Wir müssen lernen, Anteil haben zu können auch an der Persönlichkeit derjenigen Menschen, die Taten verrichtet haben, die wir vielleicht im eminentesten Sinne verurteilen müssen. Gerade diese Trennung des Menschen von seinen Taten, die Trennung des Menschen auch von seinem Karma, die muß man vollziehen können, wenn man imstande sein will, ein richtiges Verhältnis zu den höheren Welten zu gewinnen.
[ 10 ] Aber dann ist diese Art, Interesse zu haben, notwendigerweise verknüpft mit einem allmählichen Aufsteigen zu einer solchen Menschenbeurteilung, wie die von uns angedeutete Goethesche Menschenbeurteilung allmählich eine wurde. Goethe lernte dutch sein Bemühen [um lebendige Gedanken] des Menschen Verrichtungen von der menschlichen Wesenheit zu unterscheiden. Und dies ist etwas außer-, außerordentlich Wichtiges! Was wir tun oder getan haben, gehört der objektiven Welt an, ist ins Werk gesetztes Karma; was wir als Persönlichkeit sind, ist in fortwährendem Werden. Und das Urteil, das wir fällen über irgend etwas, was ein Mensch getan hat, muß im Grunde genommen auf einem ganz anderen Blatt stehen, als das Urteil, das wir fällen über den Wert oder Unwert einer menschlichen Persönlichkeit. Wir müssen, wenn wir uns den höheren Welten nähern wollen, lernen, der menschlichen Persönlichkeit so objektiv gegenüberstehen zu können, wie wir einer Pflanze oder einem Stein objektiv gegenüberstehen. Wir müssen lernen, Anteil haben zu können auch an der Persönlichkeit derjenigen Menschen, die Taten verrichtet haben, die wir vielleicht im eminentesten Sinne verurteilen müssen. Gerade diese Trennung des Menschen von seinen Taten, die Trennung des Menschen auch von seinem Karma, die muß man vollziehen können, wenn man imstande sein will, ein richtiges Verhältnis zu den höheren Welten zu gewinnen.
[ 11 ] Und hier müssen wir, wenn wir uns wahrhaftig auf den Boden der Geisteswissenschaft stellen wollen, auch wiederum sehen, daß da einer der Fälle ist, wo wir scharf in Gegensatz kommen zu dem materialistischen Denken unserer Zeit. Dieses materialistische Denken unserer Zeit hat nämlich als eine Tendenz in sich, die Persönlichkeit des Menschen immer mehr und mehr hineinzuziehen in das Richten über seine Taten. Denken Sie doch nur einmal, daß in der letzten Zeit auf dem Gebiet der äußeren Jurisprudenz immer mehr und mehr die Tendenz sich herausgebildet hat, man müsse nicht bloß, wenn ein Mensch eine bestimmte Tat begangen hat, über diese Tat richten, sondern man müsse auch die ganze menschliche Natur beobachten, müsse Rücksicht darauf nehmen, wie des Menschen Seele ist, wie er dazu gekommen ist [die Tat zu tun], ob er minderwertig oder vollwertig ist und dergleichen. Und gewisse Kreise fordern sogar schon von der äußeren Jurisprudenz, daß nicht nur Ärzte als Sachverständige bezüglich der Beurteilung von Vergehen und Verbrechen zugezogen werden sollen, sondern sogar Psychologen. Aber es ist Anmaßung, über das Wesen des Menschen zu urteilen, anstatt über Taten, die einzig und allein das äußere Leben angehen.
[ 11 ] Und hier müssen wir, wenn wir uns wahrhaftig auf den Boden der Geisteswissenschaft stellen wollen, auch wiederum sehen, daß da einer der Fälle ist, wo wir scharf in Gegensatz kommen zu dem materialistischen Denken unserer Zeit. Dieses materialistische Denken unserer Zeit hat nämlich als eine Tendenz in sich, die Persönlichkeit des Menschen immer mehr und mehr hineinzuziehen in das Richten über seine Taten. Denken Sie doch nur einmal, daß in der letzten Zeit auf dem Gebiet der äußeren Jurisprudenz immer mehr und mehr die Tendenz sich herausgebildet hat, man müsse nicht bloß, wenn ein Mensch eine bestimmte Tat begangen hat, über diese Tat richten, sondern man müsse auch die ganze menschliche Natur beobachten, müsse Rücksicht darauf nehmen, wie des Menschen Seele ist, wie er dazu gekommen ist [die Tat zu tun], ob er minderwertig oder vollwertig ist und dergleichen. Und gewisse Kreise fordern sogar schon von der äußeren Jurisprudenz, daß nicht nur Ärzte als Sachverständige bezüglich der Beurteilung von Vergehen und Verbrechen zugezogen werden sollen, sondern sogar Psychologen. Aber es ist Anmaßung, über das Wesen des Menschen zu urteilen, anstatt über Taten, die einzig und allein das äußere Leben angehen.
[ 12 ] Unter den neueren Philosophen hat einzig und allein einer einige Aufmerksamkeit auf diesem Boden bewiesen. Sie finden ihn auch in meinen «Rätseln der Philosophie» angeführt, allerdings unter anderen Gesichtspunkten. Es ist Dilthey, der aufmerksam darauf gemacht hat, daß die Jurisprudenz wiederum loskommen muß von der psychologischen Jurisprudenz und von allem ähnlichen.
[ 12 ] Unter den neueren Philosophen hat einzig und allein einer einige Aufmerksamkeit auf diesem Boden bewiesen. Sie finden ihn auch in meinen «Rätseln der Philosophie» angeführt, allerdings unter anderen Gesichtspunkten. Es ist Dilthey, der aufmerksam darauf gemacht hat, daß die Jurisprudenz wiederum loskommen muß von der psychologischen Jurisprudenz und von allem ähnlichen.
[ 13 ] Dasjenige, was der Mensch tut, geht zwei Gebiete an: erstens sein Karma. Das richtet schon durch seine Ursächlichkeit von selbst, das geht den anderen Menschen nichts an. Der Christus selber hat die Sünde der Ehebrecherin nicht gerichtet, sondern sie in den Erdboden hineingeschrieben, weil sie sich im Laufe des Karma ausleben wird. Als zweites geht die menschliche Tat das menschliche Zusammenleben an, und nur von diesem Gesichtspunkte aus ist die Menschentat zu beurteilen. Über den Menschen als solchen zu richten, steht der äußeren gesellschaftlichen Ordnung gar nicht zu.
[ 13 ] Dasjenige, was der Mensch tut, geht zwei Gebiete an: erstens sein Karma. Das richtet schon durch seine Ursächlichkeit von selbst, das geht den anderen Menschen nichts an. Der Christus selber hat die Sünde der Ehebrecherin nicht gerichtet, sondern sie in den Erdboden hineingeschrieben, weil sie sich im Laufe des Karma ausleben wird. Als zweites geht die menschliche Tat das menschliche Zusammenleben an, und nur von diesem Gesichtspunkte aus ist die Menschentat zu beurteilen. Über den Menschen als solchen zu richten, steht der äußeren gesellschaftlichen Ordnung gar nicht zu.
[ 14 ] Aber Geisteswissenschaft wird allmählich sich zu etwas anderem als zum Richten aufschwingen; aufschwingen wird sie sich zum Verständnisse. Und diejenigen Psychologen, die da heute berufen werden könnten, um als Sachverständige zu funktionieren, wenn gerichtet werden soll über die äußeren Taten des Menschen, die werden nichts nützen, denn sie werden doch nichts von der Seele eines Menschen wissen. Die Beurteilung des Menschen soll nicht dem Richten entsprechen, sondern dem Verständnis; denn zu helfen, und nicht zu richten soll unter allen Umständen die Tendenz sein. Zu helfen, und nicht zu richten! Man kann aber nur helfen, wenn man ein Verständnis hat für dasjenige, was in einer menschlichen Seele vor sich geht.
[ 14 ] Aber Geisteswissenschaft wird allmählich sich zu etwas anderem als zum Richten aufschwingen; aufschwingen wird sie sich zum Verständnisse. Und diejenigen Psychologen, die da heute berufen werden könnten, um als Sachverständige zu funktionieren, wenn gerichtet werden soll über die äußeren Taten des Menschen, die werden nichts nützen, denn sie werden doch nichts von der Seele eines Menschen wissen. Die Beurteilung des Menschen soll nicht dem Richten entsprechen, sondern dem Verständnis; denn zu helfen, und nicht zu richten soll unter allen Umständen die Tendenz sein. Zu helfen, und nicht zu richten! Man kann aber nur helfen, wenn man ein Verständnis hat für dasjenige, was in einer menschlichen Seele vor sich geht.
[ 15 ] Allerdings, wenn man in Wahrheit und nicht in Lüge die Tendenz hat zu helfen, so wird man von der Welt am allermeisten verkannt werden. Denn derjenige, dem geholfen werden soll, der wird am allerwenigsten dazu geneigt sein, den, der in der richtigen Weise helfen will, auch in richtiger Weise zu beurteilen. Derjenige, dem geholfen werden soll, der wird wollen, daß man ihm in der Art und Weise helfe, wie er es sich denkt! Aber das kann vielleicht die schlechteste Hilfe sein, die man ihm angedeihen läßt, wenn man ihm so hilft, wie er es sich selber denkt. Ein auf Grundlage des seelischen und geistigen Lebens gewonnenes Verständnis wird uns oftmals dazu führen, daß wir dem Menschen, dem wir helfen wollen, gerade das nicht tun, was er voraussetzt, daß wir für ihn tun sollen, sondern daß wir etwas ganz anderes für ihn tun. Vielleicht wird sogar manchmal das Sich-Zurückziehen von einem solchen Menschen die viel bessere Hilfe sein als das Kajolieren; wird das schroffe Zurückweisen von irgend etwas eine viel bessere, liebevollere Hilfe sein als das schmeichelnde Entgegenkommen und Eingehen auf dasjenige, was der betreffende Mensch gerade will. Derjenige kann viel liebevoller einem Menschen gegenüberstehen, der ihn unter Umständen streng behandelt, als der, der ihm in jeder Weise nachgibt. Und Verkennung kann selbstverständlich auf diesem Gebiete nicht ausbleiben, das ist ganz selbstverständlich. Vielleicht wird gerade derjenige, der sich am meisten bemüht, auf diese Art auf die Seele eines Menschen einzugehen, am allermeisten verkannt. Aber darauf kommt es nicht an, sondern darauf, daß man unter allen Umständen Verständnis sucht, und nicht ein Richteramt ausübt.
[ 15 ] Allerdings, wenn man in Wahrheit und nicht in Lüge die Tendenz hat zu helfen, so wird man von der Welt am allermeisten verkannt werden. Denn derjenige, dem geholfen werden soll, der wird am allerwenigsten dazu geneigt sein, den, der in der richtigen Weise helfen will, auch in richtiger Weise zu beurteilen. Derjenige, dem geholfen werden soll, der wird wollen, daß man ihm in der Art und Weise helfe, wie er es sich denkt! Aber das kann vielleicht die schlechteste Hilfe sein, die man ihm angedeihen läßt, wenn man ihm so hilft, wie er es sich selber denkt. Ein auf Grundlage des seelischen und geistigen Lebens gewonnenes Verständnis wird uns oftmals dazu führen, daß wir dem Menschen, dem wir helfen wollen, gerade das nicht tun, was er voraussetzt, daß wir für ihn tun sollen, sondern daß wir etwas ganz anderes für ihn tun. Vielleicht wird sogar manchmal das Sich-Zurückziehen von einem solchen Menschen die viel bessere Hilfe sein als das Kajolieren; wird das schroffe Zurückweisen von irgend etwas eine viel bessere, liebevollere Hilfe sein als das schmeichelnde Entgegenkommen und Eingehen auf dasjenige, was der betreffende Mensch gerade will. Derjenige kann viel liebevoller einem Menschen gegenüberstehen, der ihn unter Umständen streng behandelt, als der, der ihm in jeder Weise nachgibt. Und Verkennung kann selbstverständlich auf diesem Gebiete nicht ausbleiben, das ist ganz selbstverständlich. Vielleicht wird gerade derjenige, der sich am meisten bemüht, auf diese Art auf die Seele eines Menschen einzugehen, am allermeisten verkannt. Aber darauf kommt es nicht an, sondern darauf, daß man unter allen Umständen Verständnis sucht, und nicht ein Richteramt ausübt.
[ 16 ] Im Zusammenhange unserer geisteswissenschaftlichen Vorträge mußte oftmals von Ahriman und Luzifer gesprochen werden. Selbstverständlich kann man gerade nach den Ausführungen, die in der letzten Zeit gepflogen worden sind, einsehen, wie die menschliche Natur stärker oder schwächer von Ahriman und Luzifer erfaßt werden kann. Denn im Grunde genommen ist ja das Leben überhaupt ein Hin- und Herpendeln zwischen ahrimanischen und luziferischen Impulsen, nur daß die Gleichgewichtslage von dem Sein der Welt selber angestrebt wird, und das Leben gerade in dem Einhalten dieser Gleichgewichtslage besteht. Aber nun fassen Sie einen großen, einen ungeheuren Unterschied ins Auge. Man kann zweierlei tun: Man kann das Urteil fällen, irgendeine Tat eines Menschen sei ahrimanisch oder luziferisch beeinflußt, und kann danach den Menschen richten. Oder man kann das andere tun: Man kann einsehen, daß eine Tat des Menschen ahrimanisch oder luziferisch beeinflußt ist, und kann versuchen, aus dieser Tatsache heraus den Menschen zu verstehen. Und zwischen diesen beiden Urteilen ist der denkbar größte Unterschied. Denn das Urteil zu fällen, irgend etwas Ahrimanisches oder Luziferisches sei im Menschen, erfordert, daß man niemals unter einem anderen Gesichtspunkt dieses Urteil fällt als so: daß man die Menschen ebensowenig nach dieser Erkenntnis, im Menschen leben Ahriman und Luzifer, richtet, wie man irgendeine Pflanze richtet, weil sie rot und nicht blau blüht. Von der Vorstellung, irgend etwas sei im Menschen ahrimanisch oder luziferisch, muß jegliche Art eines richterlichen Urteils ausgeschlossen sein, so wie ausgeschlossen sein muß aus unserem Urteil die Abgabe irgendeines Werturteils, wenn wir die Pflanze, sei sie rot oder blau, erkennen wollen.
[ 16 ] Im Zusammenhange unserer geisteswissenschaftlichen Vorträge mußte oftmals von Ahriman und Luzifer gesprochen werden. Selbstverständlich kann man gerade nach den Ausführungen, die in der letzten Zeit gepflogen worden sind, einsehen, wie die menschliche Natur stärker oder schwächer von Ahriman und Luzifer erfaßt werden kann. Denn im Grunde genommen ist ja das Leben überhaupt ein Hin- und Herpendeln zwischen ahrimanischen und luziferischen Impulsen, nur daß die Gleichgewichtslage von dem Sein der Welt selber angestrebt wird, und das Leben gerade in dem Einhalten dieser Gleichgewichtslage besteht. Aber nun fassen Sie einen großen, einen ungeheuren Unterschied ins Auge. Man kann zweierlei tun: Man kann das Urteil fällen, irgendeine Tat eines Menschen sei ahrimanisch oder luziferisch beeinflußt, und kann danach den Menschen richten. Oder man kann das andere tun: Man kann einsehen, daß eine Tat des Menschen ahrimanisch oder luziferisch beeinflußt ist, und kann versuchen, aus dieser Tatsache heraus den Menschen zu verstehen. Und zwischen diesen beiden Urteilen ist der denkbar größte Unterschied. Denn das Urteil zu fällen, irgend etwas Ahrimanisches oder Luziferisches sei im Menschen, erfordert, daß man niemals unter einem anderen Gesichtspunkt dieses Urteil fällt als so: daß man die Menschen ebensowenig nach dieser Erkenntnis, im Menschen leben Ahriman und Luzifer, richtet, wie man irgendeine Pflanze richtet, weil sie rot und nicht blau blüht. Von der Vorstellung, irgend etwas sei im Menschen ahrimanisch oder luziferisch, muß jegliche Art eines richterlichen Urteils ausgeschlossen sein, so wie ausgeschlossen sein muß aus unserem Urteil die Abgabe irgendeines Werturteils, wenn wir die Pflanze, sei sie rot oder blau, erkennen wollen.
[ 17 ] Wir müssen vor allen Dingen suchen, die Erkenntnis rein zu halten von jeglicher Emotion, von jeglichem Subjektiven. Und wir werden das in dem Maße immer mehr können, je mehr wir uns bemühen, ein solches zu tun, je mehr wir wirklich anstreben, solche Dinge, wie sie eben ausgesprochen worden sind, mit dem allertiefsten Ernst zu nehmen.
[ 17 ] Wir müssen vor allen Dingen suchen, die Erkenntnis rein zu halten von jeglicher Emotion, von jeglichem Subjektiven. Und wir werden das in dem Maße immer mehr können, je mehr wir uns bemühen, ein solches zu tun, je mehr wir wirklich anstreben, solche Dinge, wie sie eben ausgesprochen worden sind, mit dem allertiefsten Ernst zu nehmen.
[ 18 ] Goethe ist zum Beispiel bestrebt gewesen, gerade in seiner reifsten Zeit, Ereignisse zwischen Menschen hinzustellen wie Naturereignisse. Selbstverständlich nicht von dem Gesichtspunkte aus, als wenn eine mechanische Notwendigkeit in den Menschenzusammenhängen so wie in den Naturzusammenhängen stecken würde. Davon kann keine Rede sein. Sondern die Stellung der Menschenseele zu den Ereignissen im Menschenleben wird allmählich so, daß man mit derselben objektiven Liebe, wie man Naturereignisse betrachtet, auch die Ereignisse im Menschenleben wird gelten lassen für die Erkenntnis. Das gibt jene innere Toleranz, die aus der Erkenntnis selber hervorgeht.
[ 18 ] Goethe ist zum Beispiel bestrebt gewesen, gerade in seiner reifsten Zeit, Ereignisse zwischen Menschen hinzustellen wie Naturereignisse. Selbstverständlich nicht von dem Gesichtspunkte aus, als wenn eine mechanische Notwendigkeit in den Menschenzusammenhängen so wie in den Naturzusammenhängen stecken würde. Davon kann keine Rede sein. Sondern die Stellung der Menschenseele zu den Ereignissen im Menschenleben wird allmählich so, daß man mit derselben objektiven Liebe, wie man Naturereignisse betrachtet, auch die Ereignisse im Menschenleben wird gelten lassen für die Erkenntnis. Das gibt jene innere Toleranz, die aus der Erkenntnis selber hervorgeht.
[ 19 ] Dadurch aber erwirbt man sich die Möglichkeit, allmählich hineinfließen zu lassen in die Erkenntnis dasjenige, was sonst gar nicht hineinfließen darf in die Erkenntnis: nämlich die Terminologie, die aus dem Gefühl und dem Willen heraus ist. Als ich Ihnen die Psychoanalyse dargelegt habe, haben wir gerade an einem Tage damit geschlossen, daß wir über sie ein verurteilendes Wort sprechen mußten; aber wir haben zuerst nachgewiesen, daß das aus der Sache selber folgte. Und warum konnte dieses Urteil gefällt werden? Hier darf man auch etwas Subjektives aussprechen. Warum durfte ich mir denn zutrauen, ein scheinbar ganz subjektives Urteil über die Psychoanalyse auszusprechen? Weil ich mich bemüht habe — ich spreche etwas Subjektives aus, aber dann ist es so, daß die Dinge vielleicht am leichtesten verstanden werden —, die Psychoanalyse so zu studieren, wie ich etwas studiere, was mir sehr angenehm und sehr sympathisch ist. Das heißt: dieselbe objektive Liebe dem einen wie dem anderen entgegenbringen. Und zu diesem müssen wir uns allmählich hindurchringen, wirklich hindurchringen; sonst suchen wir in der Erkenntnis auch nichts anderes als Sensation, suchen nur das Angenehme in der Erkenntnis. Aber man hat niemals Erkenntnis, wenn man in der Erkenntnis nur das Angenehme sucht!
[ 19 ] Dadurch aber erwirbt man sich die Möglichkeit, allmählich hineinfließen zu lassen in die Erkenntnis dasjenige, was sonst gar nicht hineinfließen darf in die Erkenntnis: nämlich die Terminologie, die aus dem Gefühl und dem Willen heraus ist. Als ich Ihnen die Psychoanalyse dargelegt habe, haben wir gerade an einem Tage damit geschlossen, daß wir über sie ein verurteilendes Wort sprechen mußten; aber wir haben zuerst nachgewiesen, daß das aus der Sache selber folgte. Und warum konnte dieses Urteil gefällt werden? Hier darf man auch etwas Subjektives aussprechen. Warum durfte ich mir denn zutrauen, ein scheinbar ganz subjektives Urteil über die Psychoanalyse auszusprechen? Weil ich mich bemüht habe — ich spreche etwas Subjektives aus, aber dann ist es so, daß die Dinge vielleicht am leichtesten verstanden werden —, die Psychoanalyse so zu studieren, wie ich etwas studiere, was mir sehr angenehm und sehr sympathisch ist. Das heißt: dieselbe objektive Liebe dem einen wie dem anderen entgegenbringen. Und zu diesem müssen wir uns allmählich hindurchringen, wirklich hindurchringen; sonst suchen wir in der Erkenntnis auch nichts anderes als Sensation, suchen nur das Angenehme in der Erkenntnis. Aber man hat niemals Erkenntnis, wenn man in der Erkenntnis nur das Angenehme sucht!
[ 20 ] Für unser physisches Leben gelangt das Sonnenhafte niemals anders in das Bewußtsein des Menschen herein als dadurch, daß es ihn freut oder ihn abstößt. Nur Gefühle gelangen vom Sonnenhaften herein, und wir müssen entgegenkommen dem Sonnenhaften mit unserem Verständnis, wir müssen hinunterdringen in das dem Menschen sonst Fremde. Wir sagten, das Mondenhafte ist dem Menschen verwandt, das Sonnenhafte aber ist dem Menschen nicht mehr verwandt. Wir müssen hinunterbringen, hinuntertragen in Regionen, in die wir sonst nicht eindringen, unser Verständnis, wenn wir das Sonnenhafte der Inspiration uns nahebringen wollen.
[ 20 ] Für unser physisches Leben gelangt das Sonnenhafte niemals anders in das Bewußtsein des Menschen herein als dadurch, daß es ihn freut oder ihn abstößt. Nur Gefühle gelangen vom Sonnenhaften herein, und wir müssen entgegenkommen dem Sonnenhaften mit unserem Verständnis, wir müssen hinunterdringen in das dem Menschen sonst Fremde. Wir sagten, das Mondenhafte ist dem Menschen verwandt, das Sonnenhafte aber ist dem Menschen nicht mehr verwandt. Wir müssen hinunterbringen, hinuntertragen in Regionen, in die wir sonst nicht eindringen, unser Verständnis, wenn wir das Sonnenhafte der Inspiration uns nahebringen wollen.
[ 21 ] Das wirkliche Erkennen der höheren Welten fordert in der Tat eine Präparation in der ganzen Stimmung unserer Seele, und ohne diese Stimmung in der Seele können wir nicht in die höheren Welten eindringen, ich meine jetzt nicht bloß hellseherisch eindringen, sondern auch mit Verständnis den Dingen nachgehen. Man kann die Dinge, die in der «Geheimwissenschaft» erzählt sind, nicht verstehen, wenn man sie mit der Gemütsverfassung in sich aufnehmen will, die man sonst für irgend etwas äußerlich Gleichgültiges, ich will sagen, für irgend etwas Mathematisches oder dergleichen hat; sondern man kann sie nur aufnehmen, wenn man sich erst in seinem Gemüte dafür präpariert. Derjenige, der mit dem gewöhnlichen Verständnis des physischen Planes die inspirierten Erkenntnisse in sich aufnehmen will, der gleicht dem Menschen, der da glaubt, er könne mit seinem physischen Leib in eine Pflanze hineinkriechen und so darinnen sein in ihrem Leben. Darum hat man stets versucht, die Menschen erst vorzubereiten, bevor man ihnen Erkenntnis der höheren Welten vermittelte, sie erst langsam vorzubereiten, so daß die Stimmung der Seele so war, daß in der richtigen Weise diese Erkenntnis der höheren Welten auf das Gemüt wirken konnte. Sie mußte auf das Gemüt wirken, denn diese eigentümliche Art, wie man sich zu der höheren Welt stellen muß, erfordert nun einmal eine gewisse Anspannung des Gemütes, ein gewisses Zusammenhalten, ein Zusammennehmen der inneren Seelenkräfte, sie erfordert, daß man vor allen Dingen nicht verwundet ist, daß eine gewisse innere Kraftanstrengung notwendig ist, um in richtiger Weise zu den Erkenntnissen der höheren Welten sich zu stellen.
[ 21 ] Das wirkliche Erkennen der höheren Welten fordert in der Tat eine Präparation in der ganzen Stimmung unserer Seele, und ohne diese Stimmung in der Seele können wir nicht in die höheren Welten eindringen, ich meine jetzt nicht bloß hellseherisch eindringen, sondern auch mit Verständnis den Dingen nachgehen. Man kann die Dinge, die in der «Geheimwissenschaft» erzählt sind, nicht verstehen, wenn man sie mit der Gemütsverfassung in sich aufnehmen will, die man sonst für irgend etwas äußerlich Gleichgültiges, ich will sagen, für irgend etwas Mathematisches oder dergleichen hat; sondern man kann sie nur aufnehmen, wenn man sich erst in seinem Gemüte dafür präpariert. Derjenige, der mit dem gewöhnlichen Verständnis des physischen Planes die inspirierten Erkenntnisse in sich aufnehmen will, der gleicht dem Menschen, der da glaubt, er könne mit seinem physischen Leib in eine Pflanze hineinkriechen und so darinnen sein in ihrem Leben. Darum hat man stets versucht, die Menschen erst vorzubereiten, bevor man ihnen Erkenntnis der höheren Welten vermittelte, sie erst langsam vorzubereiten, so daß die Stimmung der Seele so war, daß in der richtigen Weise diese Erkenntnis der höheren Welten auf das Gemüt wirken konnte. Sie mußte auf das Gemüt wirken, denn diese eigentümliche Art, wie man sich zu der höheren Welt stellen muß, erfordert nun einmal eine gewisse Anspannung des Gemütes, ein gewisses Zusammenhalten, ein Zusammennehmen der inneren Seelenkräfte, sie erfordert, daß man vor allen Dingen nicht verwundet ist, daß eine gewisse innere Kraftanstrengung notwendig ist, um in richtiger Weise zu den Erkenntnissen der höheren Welten sich zu stellen.
[ 22 ] Daher ist es notwendig, daß der Mensch dem ein Gegengewicht, ein richtiges Gegengewicht schafft, und zwar ein solches, daß es ihn gewissermaßen in seiner Seele nach der anderen Seite der Waage ausschlagen läßt. Wir müssen die Sache ganz genau betrachten.
[ 22 ] Daher ist es notwendig, daß der Mensch dem ein Gegengewicht, ein richtiges Gegengewicht schafft, und zwar ein solches, daß es ihn gewissermaßen in seiner Seele nach der anderen Seite der Waage ausschlagen läßt. Wir müssen die Sache ganz genau betrachten.
[ 23 ] Wenn man die Seele anstrengt — und das muß man, wenn man wirklich die geistigen Welten erfassen will, selbst nur das, was gegeben wird aus den geistigen Welten; man kann nicht einem Vortrag über die geistigen Welten folgen, wenn man nicht gut zuhört, wenn man seine Seele nicht anstrengt —, wenn man sich wirklich Mühe gibt, das zu verstehen, was über die geistige Welt gesagt wird, so spürt man, daß man sich anstrengen muß. Darüber muß man sich dann nicht wundern. Man muß nicht sagen, ja, das strengt mich an, weil es ganz natürlich ist, daß es einen anstrengt! Aber wenn es einen so anstrengt, dann wird, solange wir Erdenmenschen sind, ganz naturgemäß eine Folgeerscheinung auftreten. Und diese Folgeerscheinung ist die, daß der Egoismus im Menschen erregt wird. Je mehr der Mensch sich in sich selbst spürt, desto stärker ist sein Egoismus. Nehmen Sie nur die allergewöhnlichste Erscheinung: Solange man gesund durch die Welt geht, ist man in bezug auf den physischen Leib unegoistisch; in dem Augenblick, wo man krank wird, wo einem alles weh tut, wird man in bezug auf den äußeren Leib egoistisch. Das ist ganz naturgemäß. Und unsinnig ist es einfach, wenn man von dem Kranken verlangt, er soll in bezug auf seine Krankheit nicht egoistisch sein. Das ist einfach Unsinn. Und wenn jemand sagt: Ich bin zwar krank, aber ich nehme meine Krankheit selbstlos hin, so ist das natürlich auch nur eine Verbrämung mit unwahrer Redensart.
[ 23 ] Wenn man die Seele anstrengt — und das muß man, wenn man wirklich die geistigen Welten erfassen will, selbst nur das, was gegeben wird aus den geistigen Welten; man kann nicht einem Vortrag über die geistigen Welten folgen, wenn man nicht gut zuhört, wenn man seine Seele nicht anstrengt —, wenn man sich wirklich Mühe gibt, das zu verstehen, was über die geistige Welt gesagt wird, so spürt man, daß man sich anstrengen muß. Darüber muß man sich dann nicht wundern. Man muß nicht sagen, ja, das strengt mich an, weil es ganz natürlich ist, daß es einen anstrengt! Aber wenn es einen so anstrengt, dann wird, solange wir Erdenmenschen sind, ganz naturgemäß eine Folgeerscheinung auftreten. Und diese Folgeerscheinung ist die, daß der Egoismus im Menschen erregt wird. Je mehr der Mensch sich in sich selbst spürt, desto stärker ist sein Egoismus. Nehmen Sie nur die allergewöhnlichste Erscheinung: Solange man gesund durch die Welt geht, ist man in bezug auf den physischen Leib unegoistisch; in dem Augenblick, wo man krank wird, wo einem alles weh tut, wird man in bezug auf den äußeren Leib egoistisch. Das ist ganz naturgemäß. Und unsinnig ist es einfach, wenn man von dem Kranken verlangt, er soll in bezug auf seine Krankheit nicht egoistisch sein. Das ist einfach Unsinn. Und wenn jemand sagt: Ich bin zwar krank, aber ich nehme meine Krankheit selbstlos hin, so ist das natürlich auch nur eine Verbrämung mit unwahrer Redensart.
[ 24 ] Aber ebenso ist es, wenn man diese Anstrengung in der Seele durchmacht, die notwendig ist, um sich in die höheren Welten hinaufzuarbeiten, hinaufzuranken. Da kommt man auch ins Egoistische hinein. Man soll sich da nichts vormachen, sondern soll sich gerade, wenn man in diese Welt eindringen will, die Wahrheit vorhalten. Man muß sich sagen: Du arbeitest dich da in eine Stimmung des Egoismus hinein, wenn du in die höheren Welten hinein willst, weil du diese Anstrengungen in deinem Inneren spüren mußt.
[ 24 ] Aber ebenso ist es, wenn man diese Anstrengung in der Seele durchmacht, die notwendig ist, um sich in die höheren Welten hinaufzuarbeiten, hinaufzuranken. Da kommt man auch ins Egoistische hinein. Man soll sich da nichts vormachen, sondern soll sich gerade, wenn man in diese Welt eindringen will, die Wahrheit vorhalten. Man muß sich sagen: Du arbeitest dich da in eine Stimmung des Egoismus hinein, wenn du in die höheren Welten hinein willst, weil du diese Anstrengungen in deinem Inneren spüren mußt.
[ 25 ] Ich möchte dieses sich in die höheren Welten Hineinarbeiten mit etwas vergleichen. Ich möchte es vergleichen mit einer eigentümlichen Art künstlerischer Tätigkeit, wie sie vorhanden war bei unserem Freunde Christian Morgenstern. Diese gewisse eigentümliche Art — ich habe sie oftmals hervorgehoben — war bei Morgenstern anders als bei anderen Dichtern. Wenn er sich in das Seriöse hineinarbeitete, so war es bei ihm in einer anderen Weise als bei anderen Dichtern, es war in einem viel höheren Grade ihn selber hinauftragend in die Region des Ernsten. Daher brauchte er ein Gegengewicht, so etwas wie in dem Galgenlied:
[ 25 ] Ich möchte dieses sich in die höheren Welten Hineinarbeiten mit etwas vergleichen. Ich möchte es vergleichen mit einer eigentümlichen Art künstlerischer Tätigkeit, wie sie vorhanden war bei unserem Freunde Christian Morgenstern. Diese gewisse eigentümliche Art — ich habe sie oftmals hervorgehoben — war bei Morgenstern anders als bei anderen Dichtern. Wenn er sich in das Seriöse hineinarbeitete, so war es bei ihm in einer anderen Weise als bei anderen Dichtern, es war in einem viel höheren Grade ihn selber hinauftragend in die Region des Ernsten. Daher brauchte er ein Gegengewicht, so etwas wie in dem Galgenlied:
Ein Wiesel
saß auf einem Kiesel
inmitten Bachgetiesel.
Wißt ihr
weshalb?
Das Mondkalb
verriet es mir
im stillen:
Das raffinier—
te Tier
tat’s um des Reimes willen.
Ein Wiesel
saß auf einem Kiesel
inmitten Bachgetiesel.
Wißt ihr
weshalb?
Das Mondkalb
verriet es mir
im stillen:
Das raffinier—
te Tier
tat’s um des Reimes willen.
[ 26 ] Diese leichten Gedichte, diese satirischen Gedichte, das brauchte er als Gegengewicht, zur Balance. Diejenigen, die immer etwa dichterisch das «lange Gesicht» machen können, das sentimentalisch in die höheren Welten hinaufschaut, die sind nicht die wahren Dichter. Die Wahren sind jene, die das Gegengewicht, das Gegenstück brauchen.
[ 26 ] Diese leichten Gedichte, diese satirischen Gedichte, das brauchte er als Gegengewicht, zur Balance. Diejenigen, die immer etwa dichterisch das «lange Gesicht» machen können, das sentimentalisch in die höheren Welten hinaufschaut, die sind nicht die wahren Dichter. Die Wahren sind jene, die das Gegengewicht, das Gegenstück brauchen.
[ 27 ] Nun suchen wir ja allerdings überall, nicht wahr, die Möglichkeit, das zu verstehen, was da als Egoismuserscheinung das Streben in die höheren Welten hinauf begleiten muß. Man muß den Egoismus nicht richten, wenn er in solch einer Region auftritt, weil man ihn begreifen muß wie eine Naturerscheinung. Man muß nicht den Egoismus haben, immer den Egoismus los sein zu wollen, denn dann ist man nicht wahr. Wir schaffen zum Beispiel das Gegenstück in bezug auf manches [durch die Übungen] in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?»; zunächst die inneren Gegenstücke. Aber auch in dem, was wir als Eurythmie geschaffen haben, ist eine Art von Gegenstück da in dieser eigentümlichen Art, den Ätherleib in seine angemessenen Bewegungen zu bringen, und ein Verständnis für diese ganze Sprache des Menschen zu gewinnen. Sie wird gerade die Jugend in einer naturgemäßen Weise zu dem Hineinleben in das Geistige anhalten.
[ 27 ] Nun suchen wir ja allerdings überall, nicht wahr, die Möglichkeit, das zu verstehen, was da als Egoismuserscheinung das Streben in die höheren Welten hinauf begleiten muß. Man muß den Egoismus nicht richten, wenn er in solch einer Region auftritt, weil man ihn begreifen muß wie eine Naturerscheinung. Man muß nicht den Egoismus haben, immer den Egoismus los sein zu wollen, denn dann ist man nicht wahr. Wir schaffen zum Beispiel das Gegenstück in bezug auf manches [durch die Übungen] in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?»; zunächst die inneren Gegenstücke. Aber auch in dem, was wir als Eurythmie geschaffen haben, ist eine Art von Gegenstück da in dieser eigentümlichen Art, den Ätherleib in seine angemessenen Bewegungen zu bringen, und ein Verständnis für diese ganze Sprache des Menschen zu gewinnen. Sie wird gerade die Jugend in einer naturgemäßen Weise zu dem Hineinleben in das Geistige anhalten.
[ 28 ] Aber etwas, was betont werden muß bei dieser Gelegenheit, das ist, daß ein Element von dem Menschen, der wirklich ein rechtes Verhältnis zu den geistigen Welten gewinnen will, besonders gesucht sein sollte, das ist das Element — wundern Sie sich nicht darüber, aber es muß eben einmal auch klar ausgesprochen werden, oder wenigstens deutlicher ausgesprochen werden, als es sonst immer geschehen ist —, das ist das Element des Humors. Es ist wirklich notwendig dem Streben nach der höheren Welt nicht humorlos gegenüberzustehen! Dieses Humorlos-Gegenüberstehen, das ist dasjenige, was so furchtbare Auswüchse zeitigt. Denn wenn derjenige, der sich einbildet, Homer oder Sokrates oder Goethe zu sein, darauf käme, wie unendlich lächerlich er sich in dieser Rolle vorkommen muß, dann würde ihm dies ungeheuer zur Gesundung seiner Ansichten helfen! Aber auf solche Dinge kann ja eigentlich nur derjenige nicht kommen, der von seinem unwahren, sentimentalen Leben den Humor ferne hält. Denn wenn einer wirklich, ja, ich möchte schon sagen, das «Unglück» haben sollte, Homer gewesen zu sein, und durch ein richtiges Erkennen in einer späteren Inkarnation daraufzukommen, daß es so gewesen ist, dann würde ihm diese Erkenntnis wirklich zunächst in einem humoristischen Licht erscheinen. Gerade wenn es wahr ist, würde es ihm zunächst in einem humoristischen Lichte erscheinen. Man würde zunächst wahrhaftig sich selber auslachen!
[ 28 ] Aber etwas, was betont werden muß bei dieser Gelegenheit, das ist, daß ein Element von dem Menschen, der wirklich ein rechtes Verhältnis zu den geistigen Welten gewinnen will, besonders gesucht sein sollte, das ist das Element — wundern Sie sich nicht darüber, aber es muß eben einmal auch klar ausgesprochen werden, oder wenigstens deutlicher ausgesprochen werden, als es sonst immer geschehen ist —, das ist das Element des Humors. Es ist wirklich notwendig dem Streben nach der höheren Welt nicht humorlos gegenüberzustehen! Dieses Humorlos-Gegenüberstehen, das ist dasjenige, was so furchtbare Auswüchse zeitigt. Denn wenn derjenige, der sich einbildet, Homer oder Sokrates oder Goethe zu sein, darauf käme, wie unendlich lächerlich er sich in dieser Rolle vorkommen muß, dann würde ihm dies ungeheuer zur Gesundung seiner Ansichten helfen! Aber auf solche Dinge kann ja eigentlich nur derjenige nicht kommen, der von seinem unwahren, sentimentalen Leben den Humor ferne hält. Denn wenn einer wirklich, ja, ich möchte schon sagen, das «Unglück» haben sollte, Homer gewesen zu sein, und durch ein richtiges Erkennen in einer späteren Inkarnation daraufzukommen, daß es so gewesen ist, dann würde ihm diese Erkenntnis wirklich zunächst in einem humoristischen Licht erscheinen. Gerade wenn es wahr ist, würde es ihm zunächst in einem humoristischen Lichte erscheinen. Man würde zunächst wahrhaftig sich selber auslachen!
[ 29 ] Es ist schwer, gerade in Kürze über dieses Kapitel in der richtigen Weise zu sprechen. Aber die Seele dem Humor frei und offen zu halten, ist ein gutes Mittel, das Ernste in wirklichem Ernst zu nehmen. Sonst verunreinigt man sich, verlügt sich das Ernste durch die Sentimentalität, und die Sentimentalität ist der ärgste Feind des wirklichen Ernstes für die ernsten Dinge des Lebens. Ich könnte mir sogar vorstellen, daß jemand, der — wie einmal eine ausländische Dame gesagt hat — dem Ernste geisteswissenschaftlicher Erkenntnis nur gegenüberstehen will immerfort «mit einem Gesicht bis ans Bauch», es unangenehm hätte finden können, daß ich in diesen Tagen von den Gedanken gesprochen habe, die sich ausnehmen wie eine Maus in der Hand. Aber man befreit sich von dem Ernst der Tatsachen dadurch, daß man versucht, sie in einer solchen Form darzustellen. Denn man verfälscht leicht die Tatsachen, wenn man an sie mit bloßer Sentimentalität herantritt, weil man dann in der Sentimentalität sich schon genügend zu den höheren Welten erhoben fühlt und nicht glaubt, auch noch durch das biegsame, elastische, bewegliche Verständnis in die geistigen Welten hinaufkommen zu sollen. Und wahrhaftig, leichter ist es, davon zu sprechen, daß die elementarische Welt erobert wird, wenn man «selbstlos, recht selbstlos» ist, leichter ist es, dadurch irgendwelche verschwommene Vorstellungen von der elementarischen Welt zu bekommen, als wirklich die Sache so plastisch zu machen, daß man den Übergang des Gedankens von einem toten Gegenstand zu einem lebendigen Wesen hat. Dieses anschauliche Charakterisieren, das ist dasjenige, was angestrebt werden soll. So daß wir uns allmählich dazu trainieren, in diese geistigen Welten ohne alle Sentimentalität hinaufzusteigen. Der Ernst kommt schon. Die Anstrengung, die ergibt sich gerade aus dem schweren Sich-Erarbeiten der Geisteswissenschaft. Und das, worauf es ankommt, ist, daß wir die Kraft gewinnen, die Stellung der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung innerhalb des heutigen Materialismus in der richtigen Weise einzusehen und durch diese Kraft ein richtiges Glied der geisteswissenschaftlichen Bewegung zu werden. Diese Kraft gewinnen wir auf keinem anderen Wege, als wenn wir versuchen, in der richtigen Weise anschaulich zu verstehen, wie diese geistigen Welten in Worte, in Vorstellungen gekleidet werden können, die der physischen Welt entnommen sind, trotzdem die geistigen Welten selber so unähnlich sind der physischen Welt.
[ 29 ] Es ist schwer, gerade in Kürze über dieses Kapitel in der richtigen Weise zu sprechen. Aber die Seele dem Humor frei und offen zu halten, ist ein gutes Mittel, das Ernste in wirklichem Ernst zu nehmen. Sonst verunreinigt man sich, verlügt sich das Ernste durch die Sentimentalität, und die Sentimentalität ist der ärgste Feind des wirklichen Ernstes für die ernsten Dinge des Lebens. Ich könnte mir sogar vorstellen, daß jemand, der — wie einmal eine ausländische Dame gesagt hat — dem Ernste geisteswissenschaftlicher Erkenntnis nur gegenüberstehen will immerfort «mit einem Gesicht bis ans Bauch», es unangenehm hätte finden können, daß ich in diesen Tagen von den Gedanken gesprochen habe, die sich ausnehmen wie eine Maus in der Hand. Aber man befreit sich von dem Ernst der Tatsachen dadurch, daß man versucht, sie in einer solchen Form darzustellen. Denn man verfälscht leicht die Tatsachen, wenn man an sie mit bloßer Sentimentalität herantritt, weil man dann in der Sentimentalität sich schon genügend zu den höheren Welten erhoben fühlt und nicht glaubt, auch noch durch das biegsame, elastische, bewegliche Verständnis in die geistigen Welten hinaufkommen zu sollen. Und wahrhaftig, leichter ist es, davon zu sprechen, daß die elementarische Welt erobert wird, wenn man «selbstlos, recht selbstlos» ist, leichter ist es, dadurch irgendwelche verschwommene Vorstellungen von der elementarischen Welt zu bekommen, als wirklich die Sache so plastisch zu machen, daß man den Übergang des Gedankens von einem toten Gegenstand zu einem lebendigen Wesen hat. Dieses anschauliche Charakterisieren, das ist dasjenige, was angestrebt werden soll. So daß wir uns allmählich dazu trainieren, in diese geistigen Welten ohne alle Sentimentalität hinaufzusteigen. Der Ernst kommt schon. Die Anstrengung, die ergibt sich gerade aus dem schweren Sich-Erarbeiten der Geisteswissenschaft. Und das, worauf es ankommt, ist, daß wir die Kraft gewinnen, die Stellung der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung innerhalb des heutigen Materialismus in der richtigen Weise einzusehen und durch diese Kraft ein richtiges Glied der geisteswissenschaftlichen Bewegung zu werden. Diese Kraft gewinnen wir auf keinem anderen Wege, als wenn wir versuchen, in der richtigen Weise anschaulich zu verstehen, wie diese geistigen Welten in Worte, in Vorstellungen gekleidet werden können, die der physischen Welt entnommen sind, trotzdem die geistigen Welten selber so unähnlich sind der physischen Welt.
[ 30 ] Die Inspiration als solche handelt von denjenigen inneren Tatsachen in der Menschennatur, die Erbgut von der alten Sonnenentwickelung sind, die zusammenhängen mit alledem, was den Menschen geeignet macht, in der Welt dasjenige zu leisten, was vom Himmel ist, was richtig vom Himmel ist. Dazu aber muß der Mensch nicht nur auf dasjenige reflektieren, was im einzelnen Leben erarbeitet werden kann innerhalb derjenigen Seelenarbeit, die da vorhanden ist zwischen Geburt und Tod; sondern der Mensch muß reflektieren auf dasjenige, was in den verborgenen Untergründen seiner Seele so ist, daß die göttlichen Welten hereinarbeiten in seine Organisation. Derjenige, der ein Dichter sein soll in der Welt, muß das Gehirn eines Dichters haben, das heißt, es muß von der geistigen Welt aus sein Gehirn dazu präpariert sein. Derjenige, der ein Maler sein will, muß das Gehirn eines Malers haben. Und um dem Menschen ein Malergehirn oder ein Dichtergehirn zu verleihen, müssen diejenigen Kräfte und Impulse in der Menschennatur arbeiten, die schon während der kosmischen Entwickelung in der alten Sonnenzeit substantiell da waren und mit der menschlichen Natur verknüpft waren, als der Mensch selber noch nicht annähernd so verdichtet war, wie er es auf der Erde ist, als der Mensch selber erst bis zur Luftdichtigkeit gekommen war. Denken Sie, daß während der alten Sonnenzeit der Mensch nur aus Wärme und Luft bestand. In dem, was am Menschen arbeitet an Wärme und Luft, liegt als Erbgut aus der alten Sonnenzeit dasjenige, was des Menschen Gehirn so zubereiten kann, daß es ein Maler-, daß es ein Dichtergehirn sein kann.
[ 30 ] Die Inspiration als solche handelt von denjenigen inneren Tatsachen in der Menschennatur, die Erbgut von der alten Sonnenentwickelung sind, die zusammenhängen mit alledem, was den Menschen geeignet macht, in der Welt dasjenige zu leisten, was vom Himmel ist, was richtig vom Himmel ist. Dazu aber muß der Mensch nicht nur auf dasjenige reflektieren, was im einzelnen Leben erarbeitet werden kann innerhalb derjenigen Seelenarbeit, die da vorhanden ist zwischen Geburt und Tod; sondern der Mensch muß reflektieren auf dasjenige, was in den verborgenen Untergründen seiner Seele so ist, daß die göttlichen Welten hereinarbeiten in seine Organisation. Derjenige, der ein Dichter sein soll in der Welt, muß das Gehirn eines Dichters haben, das heißt, es muß von der geistigen Welt aus sein Gehirn dazu präpariert sein. Derjenige, der ein Maler sein will, muß das Gehirn eines Malers haben. Und um dem Menschen ein Malergehirn oder ein Dichtergehirn zu verleihen, müssen diejenigen Kräfte und Impulse in der Menschennatur arbeiten, die schon während der kosmischen Entwickelung in der alten Sonnenzeit substantiell da waren und mit der menschlichen Natur verknüpft waren, als der Mensch selber noch nicht annähernd so verdichtet war, wie er es auf der Erde ist, als der Mensch selber erst bis zur Luftdichtigkeit gekommen war. Denken Sie, daß während der alten Sonnenzeit der Mensch nur aus Wärme und Luft bestand. In dem, was am Menschen arbeitet an Wärme und Luft, liegt als Erbgut aus der alten Sonnenzeit dasjenige, was des Menschen Gehirn so zubereiten kann, daß es ein Maler-, daß es ein Dichtergehirn sein kann.
[ 31 ] Daraus sehen Sie aber, wie wir durch diese Betrachtung dessen, was im Menschen angeschaut wird und das von dem Mikrokosmos heraus in den Makrokosmos geht, sagen müssen: Der Mensch ist durch das, was altes Sonnenerbgut ist, eins mit seiner Umgebung; denn Luft und Wärme ist ebenso draußen wie drinnen. Ich habe oftmals darauf aufmerksam gemacht: Die Luftmenge, die ich jetzt in mir habe, ist im nächsten Augenblick außer mir; das geht immer aus und ein, Ausatmen, Einatmen. Die Luft hat meine Gestalt, und in dem Augenblicke, wo ich die Luft ausatme, ist es ja dieselbe Luft; sie ist dann nur draußen, außerhalb des Menschen. Aber so wahr, als meine Knochen ich selbst sind, so wahr ist von dem Moment des Einatmens bis zu dem Moment des Ausatmens die Luftgestalt dasjenige, was zu meinem eigenen Wesen gehört. So wahr die Knochen von meiner Geburt bis zu meinem Tode zu mir gehören, so gehört der Luftstrom von dem Moment, wo er eingeatmet wird, bis zu dem Moment, wo er ausgeatmet wird, zu mir. Er ist ebenso Ich, wie meine Knochen Ich sind, nur dauert das Ich-Sein jenes Luftstromes nur von einer Einatmung bis zur Ausatmung, und das Ich-Sein meiner Knochen annähernd von der Geburt bis zum Tode. Nur der Zeit nach sind diese Dinge verschieden, der Luftmensch stirbt bei der Ausatmung und er wird geboren bei der Einatmung. Und so wahr, als unsere Knochen geboren werden vor unserer physischen Geburt und allmählich langsam zugrundegehen, so wahr wird etwas in uns geboren, wenn wir einatmen, so wahr stirbt etwas in uns, wenn wir ausatmen. Dasjenige, was in uns geboren wird, wenn wir einatmen, das stirbt, wenn wir ausatmen; das gehört selber zum Erbgut von der alten Sonne her, das wurde dazumal veranlagt.
[ 31 ] Daraus sehen Sie aber, wie wir durch diese Betrachtung dessen, was im Menschen angeschaut wird und das von dem Mikrokosmos heraus in den Makrokosmos geht, sagen müssen: Der Mensch ist durch das, was altes Sonnenerbgut ist, eins mit seiner Umgebung; denn Luft und Wärme ist ebenso draußen wie drinnen. Ich habe oftmals darauf aufmerksam gemacht: Die Luftmenge, die ich jetzt in mir habe, ist im nächsten Augenblick außer mir; das geht immer aus und ein, Ausatmen, Einatmen. Die Luft hat meine Gestalt, und in dem Augenblicke, wo ich die Luft ausatme, ist es ja dieselbe Luft; sie ist dann nur draußen, außerhalb des Menschen. Aber so wahr, als meine Knochen ich selbst sind, so wahr ist von dem Moment des Einatmens bis zu dem Moment des Ausatmens die Luftgestalt dasjenige, was zu meinem eigenen Wesen gehört. So wahr die Knochen von meiner Geburt bis zu meinem Tode zu mir gehören, so gehört der Luftstrom von dem Moment, wo er eingeatmet wird, bis zu dem Moment, wo er ausgeatmet wird, zu mir. Er ist ebenso Ich, wie meine Knochen Ich sind, nur dauert das Ich-Sein jenes Luftstromes nur von einer Einatmung bis zur Ausatmung, und das Ich-Sein meiner Knochen annähernd von der Geburt bis zum Tode. Nur der Zeit nach sind diese Dinge verschieden, der Luftmensch stirbt bei der Ausatmung und er wird geboren bei der Einatmung. Und so wahr, als unsere Knochen geboren werden vor unserer physischen Geburt und allmählich langsam zugrundegehen, so wahr wird etwas in uns geboren, wenn wir einatmen, so wahr stirbt etwas in uns, wenn wir ausatmen. Dasjenige, was in uns geboren wird, wenn wir einatmen, das stirbt, wenn wir ausatmen; das gehört selber zum Erbgut von der alten Sonne her, das wurde dazumal veranlagt.
[ 32 ] Wir sehen, wie sich das Menschengebiet hinauserweitert in den Kosmos, wie der Mensch zusammenwächst mit demselben. Aber begreifen sollen wir lernen, wie der Mensch überhaupt im Geistigen drinnen lebt. Unsere Zeit hat nicht einmal das Talent dazu, in der allerprimitivsten Weise dieses Zusammensein des Menschen mit dem Geistigen ins Auge zu fassen. Dazu müssen wir auch wieder kommen. Einem Menschen alter Zeiten würde es gar nicht eingefallen sein, solche Worte zu bilden, wie sie heute gebildet werden, wenn es nötig ist, für irgendeine zusammengesetzte Substanz ein Wort zu bilden. Jetzt suchen höchstens die Chemiker nach hypothetischen Voraussetzungen sachgemäße Namen zu finden, wenn irgend etwas nach den Prinzipien der Chemie benannt werden soll. Diese Namen sind ja den Leuten sehr unangenehm, manchmal haben sie furchtbar viele Silben! Lassen Sie sich darüber unterrichten zum Beispiel von denjenigen, die unter unseren Freunden Chemiker sind! Wo aber nicht nach diesen Prinzipien benannt wird, da hängen die Namen nicht mit den Dingen zusammen.
[ 32 ] Wir sehen, wie sich das Menschengebiet hinauserweitert in den Kosmos, wie der Mensch zusammenwächst mit demselben. Aber begreifen sollen wir lernen, wie der Mensch überhaupt im Geistigen drinnen lebt. Unsere Zeit hat nicht einmal das Talent dazu, in der allerprimitivsten Weise dieses Zusammensein des Menschen mit dem Geistigen ins Auge zu fassen. Dazu müssen wir auch wieder kommen. Einem Menschen alter Zeiten würde es gar nicht eingefallen sein, solche Worte zu bilden, wie sie heute gebildet werden, wenn es nötig ist, für irgendeine zusammengesetzte Substanz ein Wort zu bilden. Jetzt suchen höchstens die Chemiker nach hypothetischen Voraussetzungen sachgemäße Namen zu finden, wenn irgend etwas nach den Prinzipien der Chemie benannt werden soll. Diese Namen sind ja den Leuten sehr unangenehm, manchmal haben sie furchtbar viele Silben! Lassen Sie sich darüber unterrichten zum Beispiel von denjenigen, die unter unseren Freunden Chemiker sind! Wo aber nicht nach diesen Prinzipien benannt wird, da hängen die Namen nicht mit den Dingen zusammen.
[ 33 ] Das war nicht immer so. Ich habe Ihnen heute von Inspiration gesprochen; ich habe Ihnen gezeigt, wie die Inspiration zurückführt auf das alte Sonnengut des Menschen. Auf der Sonne aber war der Mensch bis zum Atmen gekommen. Das heißt, dasjenige, was jetzt Atmung ist, und was im Luftelement lebt, war dazumal veranlagt. Also muß eine Beziehung sein zwischen dem Atmen des Menschen und der Inspiration. Sie brauchen ja nur sich zu überlegen, was das Wort Inspiration eigentlich ursprünglich bedeutet. In diesem Wort ist die innige Verwandtschaft des Atems mit der «Inspiration» schon ausgedrückt, denn es ist im Grunde genommen das Wort für Einatmen. Diejenigen, die die Geister leugnen wollen, die brauchten nur auf die Sprachentwickelung zu sehen. Wir haben das auch schon von anderer Seite angedeutet: man würde die Sprachgeister schon finden, aber auch finden, wie diese Sprachgeister in der menschlichen Natur wirken! Dann werden wir finden, wie wir eingebettet sind in die geistigen Welten, wie die Geister mit uns arbeiten, wie bei allem, was wir tun im Leben, die Geister mitarbeiten. Und wir werden uns in realer Weise fühlen: unser Selbst zum großen Selbst der Welt erweitert. Empfindung wird werden, was Theorie ist. Und das ist der Weg, um wirklich in die geistigen Welten hineinzukommen.
[ 33 ] Das war nicht immer so. Ich habe Ihnen heute von Inspiration gesprochen; ich habe Ihnen gezeigt, wie die Inspiration zurückführt auf das alte Sonnengut des Menschen. Auf der Sonne aber war der Mensch bis zum Atmen gekommen. Das heißt, dasjenige, was jetzt Atmung ist, und was im Luftelement lebt, war dazumal veranlagt. Also muß eine Beziehung sein zwischen dem Atmen des Menschen und der Inspiration. Sie brauchen ja nur sich zu überlegen, was das Wort Inspiration eigentlich ursprünglich bedeutet. In diesem Wort ist die innige Verwandtschaft des Atems mit der «Inspiration» schon ausgedrückt, denn es ist im Grunde genommen das Wort für Einatmen. Diejenigen, die die Geister leugnen wollen, die brauchten nur auf die Sprachentwickelung zu sehen. Wir haben das auch schon von anderer Seite angedeutet: man würde die Sprachgeister schon finden, aber auch finden, wie diese Sprachgeister in der menschlichen Natur wirken! Dann werden wir finden, wie wir eingebettet sind in die geistigen Welten, wie die Geister mit uns arbeiten, wie bei allem, was wir tun im Leben, die Geister mitarbeiten. Und wir werden uns in realer Weise fühlen: unser Selbst zum großen Selbst der Welt erweitert. Empfindung wird werden, was Theorie ist. Und das ist der Weg, um wirklich in die geistigen Welten hineinzukommen.
[ 34 ] Aber auf diese Dinge müssen wir wirklich auch eingehen. Wir müssen sie in den Einzelheiten nehmen, wir müssen versuchen, sie wirklich ernst zu nehmen, ernst zu machen mit manchem, was gerade über die Beziehung des Menschen zu den geistigen Welten in bezug auf einfachste Verhältnisse gesagt wurde.
[ 34 ] Aber auf diese Dinge müssen wir wirklich auch eingehen. Wir müssen sie in den Einzelheiten nehmen, wir müssen versuchen, sie wirklich ernst zu nehmen, ernst zu machen mit manchem, was gerade über die Beziehung des Menschen zu den geistigen Welten in bezug auf einfachste Verhältnisse gesagt wurde.
[ 35 ] Das ist dasjenige, was ich Ihnen gerade am Ende dieser Vorträge nahelegen möchte, die Ihnen von einem gewissen Gesichtspunkte aus zeigen sollten, wie eine absteigende Strömung im Menschen vorhanden ist und eine aufsteigende Strömung, und wie der Mensch drinnensteht in den auf- und absteigenden Strömungen.
[ 35 ] Das ist dasjenige, was ich Ihnen gerade am Ende dieser Vorträge nahelegen möchte, die Ihnen von einem gewissen Gesichtspunkte aus zeigen sollten, wie eine absteigende Strömung im Menschen vorhanden ist und eine aufsteigende Strömung, und wie der Mensch drinnensteht in den auf- und absteigenden Strömungen.
[ 36 ] Und wenn Faust das Buch aufschlägt und die Worte ausspricht:
[ 36 ] Und wenn Faust das Buch aufschlägt und die Worte ausspricht:
«Wie Himmelskräfte auf- und niedersteigen
Und sich die goldnen Eimer reichen!»
«Wie Himmelskräfte auf- und niedersteigen
Und sich die goldnen Eimer reichen!»
[ 37 ] da haben Sie, was ich Ihnen nahezubringen versuchte in diesen Tagen, dieses Auf- und Absteigen der Himmelskräfte, das Faust zunächst anglotzt und nicht verstehen kann. Aber es ist so ausgesprochen in dieser Faust-Dichtung, daß wir schon einmal in dem «Faust» sehen können, wohin die Neuzeit streben muß. Es muß uns recht sehr naheliegen, daß wir mit unserer Geisteswissenschaft dasjenige wollen, was die Menschen anstreben sollen. Wir dürfen nicht anders als einsehen, daß Geisteswissenschaft ein Geistesgut der Menschheit werden muß. Und sobald wir dazu gekommen sind, an diesem Werden eines neuen Geistesgutes mitzuarbeiten, müssen wir alles tun, um dieses zu verwirklichen, um dieses Ziel der Menschheit zu erreichen.
[ 37 ] da haben Sie, was ich Ihnen nahezubringen versuchte in diesen Tagen, dieses Auf- und Absteigen der Himmelskräfte, das Faust zunächst anglotzt und nicht verstehen kann. Aber es ist so ausgesprochen in dieser Faust-Dichtung, daß wir schon einmal in dem «Faust» sehen können, wohin die Neuzeit streben muß. Es muß uns recht sehr naheliegen, daß wir mit unserer Geisteswissenschaft dasjenige wollen, was die Menschen anstreben sollen. Wir dürfen nicht anders als einsehen, daß Geisteswissenschaft ein Geistesgut der Menschheit werden muß. Und sobald wir dazu gekommen sind, an diesem Werden eines neuen Geistesgutes mitzuarbeiten, müssen wir alles tun, um dieses zu verwirklichen, um dieses Ziel der Menschheit zu erreichen.
[ 38 ] Und damit halte ich diese Betrachtungen einstweilen für abgeschlossen.
[ 38 ] Und damit halte ich diese Betrachtungen einstweilen für abgeschlossen.
