The Value of Thinking for Satisfying Our Quest for Knowledge
The Relationship Between the Spiritual Science and the Natural SciencesGA 164
20 September 1915, Dornach
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The Value of Thinking for Satisfying Our Quest for Knowledge, tr. SOL
Vierter Vortrag
Fourth Lecture
[ 1 ] Ich habe Ihnen in den letzten Tagen davon gesprochen, wie des Menschen Erkenntnis, die er als Erdenmensch sich auf dem physischen Plan erwerben muß, zunächst eine Art toter Erkenntnis ist, eine Erkenntnis, die sich zu dem, was wir Erkenntnis der nächsthöheren Welt nennen müssen, wie das Tote zu dem Lebendigen verhält. Ich habe versucht, anschaulich zu machen, wie diese tote, gleichsam mechanische Erkenntnis des physischen Erdenmenschen lebendig wird, wenn wir uns hinauferheben wollen auf diejenigen Erkenntnisstufen, durch die der Mensch etwas erfahren kann von den sogenannten höheren Welten.
[ 1 ] In recent days I have spoken to you about how the knowledge that human beings, as earthly beings, must acquire on the physical plane is, at first, a kind of dead knowledge—a knowledge that stands in the same relationship to what we must call knowledge of the next higher world as the dead do to the living. I have tried to illustrate how this dead, quasi-mechanical knowledge of the physical human being on Earth comes to life when we seek to rise to those levels of knowledge through which a person can experience something of the so-called higher worlds.
[ 2 ] Tote Erkenntnis! So tot, wie die Erkenntnis heute ist, war sie allerdings auch als physische Erdenerkenntnis nicht immer, sondern sie ist erst so geworden. Und Sie kennen ja alle die Zeit, in der die menschliche Erdenerkenntnis so tot geworden ist. Ich habe Ihnen oftmals davon gesprochen, wie, wenn wir in alte Zeiten zurückgehen, in Zeiten der Erdenentwickelung, bevor das Mysterium von Golgatha stattgefunden hatte, auch die gewöhnliche Erdenerkenntnis lebendiger war, weil eine Art uralter Erbschaft [höherer Erkenntnis] vorhanden war. Es mischte sich in die gewöhnliche Erdenerkenntnis immer etwas von der uralten Erbschaft einer höheren Erkenntnis hinein. Sie können das verfolgen in den verschiedenen Erkenntnis- und Religionsurkunden der Menschheit. Sehen Sie nur, wie in der Bibel, im Alten Testament, da, wo von den übersinnlichen Welten die Rede ist, immer gesprochen wird entweder von einem Traum oder von den Eingebungen der Propheten. Da haben wir immer ein naturgemäßes Zurückgehen auf lebendige Erkenntnis. Es war in den Menschen das als Mondenerbschaft ihnen gebliebene alte atavistische Erbgut des Hellsehens noch nicht erloschen. Das erlosch zur Zeit des Mysteriums von Golgatha.
[ 2 ] Dead knowledge! However, human knowledge of the Earth was not always as dead as it is today; rather, it has only recently become this way. And you are all familiar with the period during which human knowledge of the Earth became so dead. I have often spoken to you about how, when we go back to ancient times—to periods in the Earth’s evolution before the Mystery of Golgotha had taken place—even ordinary knowledge of the Earth was more alive, because a kind of ancient heritage [of higher knowledge] was present. Something of this ancient heritage of higher knowledge was always interwoven into ordinary knowledge of the Earth. You can trace this in the various records of human knowledge and religion. Just look at how, in the Bible, in the Old Testament, wherever the supersensible worlds are mentioned, there is always talk either of a dream or of the inspirations of the prophets. There we always see a natural recourse to living knowledge. The ancient, atavistic legacy of clairvoyance—which had been passed down to humanity as a “lunar inheritance”—had not yet died out. It died out at the time of the Mystery of Golgotha.
[ 3 ] Ich bitte Sie, diesen Satz recht genau zu nehmen. Denn wenn jemand von Ihnen irgendwo diesen Satz so kolportiert, daß er berichtet, ich hätte gesagt, durch das Mysterium von Golgatha sei die alte atavistische Erkenntnis erloschen, so sagt er das genaue Gegenteil von dem, was ich eben ausgesprochen habe. Zu der Zeit des Mysteriums von Golgatha ist diese Erkenntnis erloschen durch den ganz naturgemäßen Fortentwickelungsgang der Menschheit, und das Mysterium von Golgatha brachte für das, was allmählich verlorengegangen war, Ersatz, brachte das Leben in die menschliche Seele von einer anderen Seite her. So daß man heute vor der folgenden Tatsache steht: Man kann zurückgehen in alte menschliche Erdenüberliefetungen, da findet man ja auch schon vor der Zeit des Mysteriums von Golgatha allerlei Wissenschaftliches. Aber in diesem Wissenschaftlichen vermuteten die alten Menschen nicht etwas von einer Erkenntnis des Allerhöchsten, für den Menschen Wichtigsten, sondern es waren im Grunde genommen untergeordnetere Dinge, die man auf diese Weise zu erkennen glaubte. Alles Wichtige, alles auf die übersinnlichen Welten Bezügliche führte man zurück auf eine uralte Weisheit, auf eine Weisheit, die gleichsam durch eine Uroffenbarung der Menschheit gegeben ward. Das haben Sie ja in dem einen unserer vier Mysterien ausgedrückt. Und man stellte das so dar, daß dann dieses Erbgut von Generation zu Generation in den Weisheitsschulen weitergegeben wurde. Schon in dem Buche «Das Christentum als mystische Tatsache» finden Sie, daß wir zu erkennen versuchten, wie durch das Mysterium von Golgatha für dieses ersterbende alte Weisheitsgut ein Ersatz geschaffen worden ist, wie gewissermaßen das Urmysterium historische Tatsache auf Golgatha geworden ist, und wie dadurch, daß das Kreuz der Initiation für alle Menschen wahrnehmbar auf Golgatha aufgestellt war, Leben in die menschliche Seele gegossen werden sollte. So daß man seither sagen kann: Es gibt unsere tote Erkenntnis, die der Mensch durch seine eigene Anstrengung auf dem physischen Plan gewinnt, und es gibt daneben etwas, was in seine Seele fließt dadurch, daß durch das Mysterium von Golgatha das Substantielle, das durch den Christus in die Erdenaura hereinkommen sollte, in die Erdenaura ausgeflossen ist, und nun als eine zweite Quelle der menschlichen Erkenntnis in die menschliche Seele hereinfließt.
[ 3 ] I ask you to take this statement very seriously. For if any of you were to repeat this statement elsewhere in such a way as to claim that I said the ancient atavistic knowledge had been extinguished by the Mystery of Golgotha, you would be saying the exact opposite of what I have just stated. At the time of the Mystery of Golgotha, this knowledge had died out through the entirely natural course of human evolution, and the Mystery of Golgotha provided a substitute for what had gradually been lost, bringing life into the human soul from a different direction. So today we are faced with the following fact: One can go back into ancient human traditions on Earth, where one finds all sorts of scientific knowledge even before the time of the Mystery of Golgotha. But in this scientific knowledge, the ancient people did not suspect anything of a knowledge of the Most High—which is most important for human beings—but rather, these were, in essence, subordinate matters that people believed they could recognize in this way. Everything of importance, everything pertaining to the supersensible worlds, was traced back to an ancient wisdom—a wisdom that was, as it were, bestowed upon humanity through a primordial revelation. You expressed this in one of our four mysteries. And it was presented in such a way that this heritage was then passed down from generation to generation in the schools of wisdom. Already in the book *Christianity as a Mystical Fact*, you will find that we sought to understand how, through the Mystery of Golgotha, a substitute was created for this ancient heritage of wisdom that was dying out; how, in a sense, the primordial mystery became a historical fact on Golgotha; and how, by the fact that the cross of initiation was erected on Golgotha in a way perceptible to all people, life was to be poured into the human soul. So that since then one can say: There is our dead knowledge, which human beings acquire through their own efforts on the physical plane, and alongside it there is something that flows into their souls because, through the Mystery of Golgotha, the Substantial—which was to enter the Earth’s aura through the Christ—has flowed into the Earth’s aura and now flows into the human soul as a second source of human knowledge.
[ 4 ] So daß man sagen kann: Von dem geisteswissenschaftlichen Standpunkte aus betrachtet, muß die Sache so angesehen werden, daß die physische Erdenerkenntnis des Menschen eine tote ist, daß aber Leben in sie hineinkommt, wenn der Mensch diese physische Erdenerkenntnis befruchten läßt durch dasjenige, was ihm das Mysterium von Golgatha sein kann. Und dann haben wir die nächsthöhere Erkenntnisstufe,, die wir das imaginative Erkennen nennen. Das ist nun schon ein Lebendiges, ein wirklich Lebendiges. Und bei diesen lebendigen Erkennen, bei diesem imaginativen Erkennen handelt es sich um die Dinge, die wir ja in den letzten Tagen besprochen haben.
[ 4 ] So one can say: Viewed from the perspective of Spiritual Science, the matter must be regarded in such a way that humanity’s physical knowledge of the Earth is a dead one, but that life enters into it when humanity allows this physical knowledge of the Earth to be enriched by what the Mystery of Golgotha can be for them. And then we have the next higher level of knowledge, which we call imaginative cognition. This is already something living, something truly living. And this living cognition, this imaginative cognition, concerns the very things we have been discussing over the past few days.
[ 5 ] Als wichtig möchte ich heute nochmals hervorheben, was ich schon gestern sagte, daß dieses imaginative Erkennen der Natur der Menschenseele noch verwandt ist. Es ist eine Rückkehr zur Mondenzeit. Und es ist der Natur der Menschenseele so verwandt, daß ja in der Tat in der Menschennatur heute noch, wie ich es gestern dargestellt habe, atavistisch das alte traumhafte Mondenerkennen wiederum auftauchen kann, und daß manches, was man auch durch eine höhere Hellseherkunst erkennt, gewissermaßen sich — wenn der Mondenhellseher die nötige Bescheidenheit hat — zusammenfinden kann mit dem, was durch Atavismus herauskommt.
[ 5 ] Today I would like to emphasize once again—as I said yesterday—that this imaginative understanding of the nature of the human soul is still closely related to it. It is a return to the Moon era. And it is so closely related to the nature of the human soul that, as I described yesterday, the old, dreamlike lunar perception can reemerge in an atavistic way, and that much of what is perceived through a higher form of clairvoyance can, in a sense—if the lunar clairvoyant possesses the necessary humility—converge with what emerges through atavism.
[ 6 ] Ferner aber [als das imaginative Erkennen] steht dem Menschen alles dasjenige, was auf einem inspirativen Wege, durch Inspiration, in seine Seele hereinkommt. Denn das sind ja dem Substantiellen nach die Tatsachen der alten Sonnenentwickelung, mit denen der Mensch verbunden war. Und dasjenige, was der Mensch während der alten Sonnenentwickelung in sich aufgenommen hat als Lebenselement, auch das ist da unten in den Tiefen der Menschennatur [bewahrt]. Das muß beleuchtet werden durch bewußte Erkenntnis, wenn es zur Inspiration kommen soll.
[ 6 ] Beyond [imaginative cognition], however, lies everything that enters the human soul through inspiration. For these are, in their essential nature, the facts of the ancient solar evolution with which the human being was connected. And that which human beings absorbed within themselves as a life element during the ancient solar evolution is also [preserved] there in the depths of human nature. This must be illuminated through conscious knowledge if inspiration is to arise.
[ 7 ] Ich habe gestern angedeutet, daß bei der wirklichen, bei der wahren Kunst ein unbewußtes Heraufziehen dieser Dinge, die den alten Sonnentatsachen angehören und die der Mensch als Erbgut bewahrt hat, stattfindet; daß, wenn dieses tief in den verborgenen Untergründen der Seele Befindliche heraufgehoben wird in das bewußte Seelenleben, es da als künstlerische Inspiration dem Menschen bewußt werden kann. Der Mensch lebt dann nur in den Folgen, die von unten heraufkommen; er lebt nicht in den Ursachen. Wenn ich Ihnen schon andeuten mußte, daß der Gedanke unter der Schwelle des Bewußtseins sehr verschieden ist von dem Gedanken, den wir haben, wenn wir aus den unterbewußten Gedanken dutch die Erinnerung wieder etwas [ins Bewußtsein] heraufbringen, so muß betont werden, daß noch viel verschiedener, radikal verschieden dasjenige ist, was in Wahrheit in den Tiefen der Künstlerseele lebt, von dem, was dann in das Bewußtsein des Künstlers heraufsteigt.
[ 7 ] I hinted yesterday that in true art, there is an unconscious bringing to the surface of those things that belong to the ancient solar realities and that humanity has preserved as its genetic heritage; that when what lies deep in the hidden recesses of the soul is brought up into the conscious life of the soul, it can become conscious to the human being as artistic inspiration. Human beings then live only in the consequences that rise up from below; they do not live in the causes. If I have already had to point out to you that a thought lying below the threshold of consciousness is very different from the thought we have when we bring something back [into consciousness] from the subconscious through memory, it must be emphasized that what truly lives in the depths of the artist’s soul is even more different—radically different—from what then rises into the artist’s consciousness.
[ 8 ] Nun müssen wir uns eine Eigentümlichkeit recht scharf in die Seele schreiben, wenn wir überhaupt das Ganze der Inspiration verstehen wollen. Sehen Sie, für den Menschen, an den die Inspiration herankommt, gibt es keinen Unterschied zwischen einem objektiven Naturgesetz und demjenigen, was er in seiner Seele erlebt als Gedanke, als Seelenerlebnis. Das Naturgesetz empfindet er ebenso als zu sich gehörig, wie er dasjenige, was in seiner eigenen Seele lebt, als zu sich gehörig empfindet. Ich will so sagen: Wenn sich der Mensch, an den die Inspiration herankommt, zu irgend etwas entschließt, wenn er aus irgendeinem Motiv heraus etwas tut, so liegt dem eine Gesetzmäßigkeit zugrunde. Diese Gesetzmäßigkeit, die ist man zunächst befugt als eine Gesetzmäßigkeit der eigenen Brust zu empfinden, als ein eigenes Erlebnis. Aber man empfindet sie in derselben Objektivität, wie man den Aufgang der Sonne gesetzmäßig in Objektivität empfindet. Ich kann auch so sagen: Wenn ich die Uhr ergreife, so empfinde ich das als meine Angelegenheit auf dem physischen Plan. Bei der physischen Erkenntnis werde ich es nicht so als meine Angelegenheit empfinden, wenn die Sonne morgens aufgeht. In bezug auf dasjenige, was wirklich aus dem Impuls der inspirierten Welt herauskommt, empfindet man aber dasjenige, was in der Natur geschieht, als zu sich gehörig.
[ 8 ] Now we must engrave one peculiarity quite deeply in our souls if we are to understand the whole concept of inspiration at all. You see, for the person who is touched by inspiration, there is no difference between an objective law of nature and that which he experiences in his soul as a thought, as a spiritual experience. They perceive the law of nature as belonging to them just as much as they perceive what lives within their own soul as belonging to them. Let me put it this way: When the person who is touched by inspiration decides on something, when they do something for whatever reason, there is a lawfulness underlying it. This lawfulness—one is initially entitled to perceive it as a lawfulness of one’s own heart, as one’s own experience. But one perceives it with the same objectivity as one perceives the rising of the sun as a lawful, objective phenomenon. I can also put it this way: When I pick up a watch, I perceive that as my own affair on the physical plane. In physical cognition, however, I do not perceive the sun rising in the morning as my own affair. But with regard to that which truly arises from the impulse of the inspired world, one perceives what happens in nature as belonging to oneself.
[ 9 ] Es dehnt sich wirklich das menschliche Interesse über die Naturangelegenheiten aus. Die Naturangelegenheiten werden die eigenen Interessen des Menschen. Solange man nicht das Leben der Pflanze in sich so vertraut empfindet wie die Erlebnisse des eigenen Herzens, so lange kann in der Inspiration keine Wahrheit sein. Solange man nicht einen fallenden Stein, der auf die Oberfläche des Wassers aufplatscht und Tropfen aufspritzen macht, in derselben Weise empfindet, wie man empfinden kann dasjenige, was im eigenen Wesen vorgeht, so lange ist die Inspiration nicht der Wahrheit entsprechend. Ich könnte auch so sagen: Alles, was im Menschen diesem näher liegt als die Natur in ihrer Fülle, das gehört nicht zu den inspirierten Wahrheiten. Ein völliger Unsinn wäre es aber, zu glauben, daß der Inspirierte, wenn ihm einer den Schädel einschlägt, dieses ebenso objektiv empfinden würde, wie er den Ausbruch eines Vulkans empfindet. Subjektiv macht er diesen Unterschied selbstverständlich; aber da ist er eben in dem Augenblick, wo ihm einer den Schädel einschlägt, nicht ein Inhaber einer Inspiration. Für alles aber, was in diesem Sinne Gebiet der Inspiration ist, ist sein Interesse über die ganze Natur hinaus erweitert. Und ich habe schon in dem Haager Zyklus darauf aufmerksam gemacht, wie die Erweiterung des Interesses es ist, worauf es bei der erweiterten Erkenntnis überhaupt ankommt. Wer nicht wenigstens für einen kurzen Zeitraum loskommen kann von dem, was ihn allein angeht, der kann selbstverständlich zu keiner Inspiration kommen. Er braucht es ja nicht immer; im Gegenteil, er wird gut tun, seine eigenen Interessen scharf abzugrenzen von demjenigen, was Gegenstand seiner Inspiration sein soll. Wenn aber der Mensch sein Interesse über die Objektivität hinaus also ausdehnt, wenn er versucht, das Leben der Pflanze in ihrem Werden so zu empfinden, wie er dasjenige, was in seinem Leben vorgeht, empfindet, wenn ihm das, was da draußen wächst und keimt und wird und vergeht, so intim vertraut ist wie das Leben im eigenen Wesen, dann ist er mit Bezug auf alles das, was so an ihn herantritt, inspiriert.
[ 9 ] Human interest truly extends to matters of nature. Matters of nature become part of a person’s own interests. As long as one does not feel the life of a plant within oneself as intimately as the experiences of one’s own heart, there can be no truth in inspiration. As long as one does not perceive a falling stone splashing onto the surface of the water and sending up droplets in the same way one perceives what is happening within one’s own being, inspiration does not correspond to the truth. I could also put it this way: Anything in a person that is closer to them than nature in its fullness does not belong to the realm of inspired truths. It would be utter nonsense, however, to believe that the inspired person, if someone were to smash his skull, would perceive this just as objectively as he perceives the eruption of a volcano. Subjectively, he naturally makes this distinction; but at the very moment someone smashes his skull, he is not in a state of inspiration. But for everything that, in this sense, falls within the realm of inspiration, his interest extends beyond the whole of nature. And I have already pointed out in the Hague Cycle how this expansion of interest is what expanded knowledge ultimately depends on. Anyone who cannot detach themselves, at least for a short time, from what concerns them alone cannot, of course, attain inspiration. They do not always need it; on the contrary, they would do well to sharply demarcate their own interests from that which is to be the object of their inspiration. But when a person extends their interest beyond objectivity—when they try to perceive the life of a plant in its development just as they perceive what is happening in their own life, when what grows, sprouts, develops, and fades out there is as intimately familiar to them as the life within their own being—then they are inspired by everything that comes to them in this way.
[ 10 ] Aber dann ist diese Art, Interesse zu haben, notwendigerweise verknüpft mit einem allmählichen Aufsteigen zu einer solchen Menschenbeurteilung, wie die von uns angedeutete Goethesche Menschenbeurteilung allmählich eine wurde. Goethe lernte dutch sein Bemühen [um lebendige Gedanken] des Menschen Verrichtungen von der menschlichen Wesenheit zu unterscheiden. Und dies ist etwas außer-, außerordentlich Wichtiges! Was wir tun oder getan haben, gehört der objektiven Welt an, ist ins Werk gesetztes Karma; was wir als Persönlichkeit sind, ist in fortwährendem Werden. Und das Urteil, das wir fällen über irgend etwas, was ein Mensch getan hat, muß im Grunde genommen auf einem ganz anderen Blatt stehen, als das Urteil, das wir fällen über den Wert oder Unwert einer menschlichen Persönlichkeit. Wir müssen, wenn wir uns den höheren Welten nähern wollen, lernen, der menschlichen Persönlichkeit so objektiv gegenüberstehen zu können, wie wir einer Pflanze oder einem Stein objektiv gegenüberstehen. Wir müssen lernen, Anteil haben zu können auch an der Persönlichkeit derjenigen Menschen, die Taten verrichtet haben, die wir vielleicht im eminentesten Sinne verurteilen müssen. Gerade diese Trennung des Menschen von seinen Taten, die Trennung des Menschen auch von seinem Karma, die muß man vollziehen können, wenn man imstande sein will, ein richtiges Verhältnis zu den höheren Welten zu gewinnen.
[ 10 ] But then this kind of interest is necessarily linked to a gradual ascent toward a way of judging human beings such as the Goethean judgment of human beings we have alluded to gradually became. Goethe learned to distinguish his striving [for living thoughts] from the activities of the human being as a human entity. And this is something extraordinarily, extraordinarily important! What we do or have done belongs to the objective world; it is karma put into action; what we are as personalities is in a state of constant becoming. And the judgment we pass on anything a person has done must, fundamentally speaking, be on an entirely different level than the judgment we pass on the worth or unworthiness of a human personality. If we wish to approach the higher worlds, we must learn to view the human personality as objectively as we view a plant or a stone. We must learn to be able to share in the personality even of those people who have committed acts that we may have to condemn in the most emphatic sense. It is precisely this separation of the human being from his or her deeds—and also the separation of the human being from his or her karma—that one must be able to accomplish if one wishes to be capable of establishing a proper relationship with the higher worlds.
[ 11 ] Und hier müssen wir, wenn wir uns wahrhaftig auf den Boden der Geisteswissenschaft stellen wollen, auch wiederum sehen, daß da einer der Fälle ist, wo wir scharf in Gegensatz kommen zu dem materialistischen Denken unserer Zeit. Dieses materialistische Denken unserer Zeit hat nämlich als eine Tendenz in sich, die Persönlichkeit des Menschen immer mehr und mehr hineinzuziehen in das Richten über seine Taten. Denken Sie doch nur einmal, daß in der letzten Zeit auf dem Gebiet der äußeren Jurisprudenz immer mehr und mehr die Tendenz sich herausgebildet hat, man müsse nicht bloß, wenn ein Mensch eine bestimmte Tat begangen hat, über diese Tat richten, sondern man müsse auch die ganze menschliche Natur beobachten, müsse Rücksicht darauf nehmen, wie des Menschen Seele ist, wie er dazu gekommen ist [die Tat zu tun], ob er minderwertig oder vollwertig ist und dergleichen. Und gewisse Kreise fordern sogar schon von der äußeren Jurisprudenz, daß nicht nur Ärzte als Sachverständige bezüglich der Beurteilung von Vergehen und Verbrechen zugezogen werden sollen, sondern sogar Psychologen. Aber es ist Anmaßung, über das Wesen des Menschen zu urteilen, anstatt über Taten, die einzig und allein das äußere Leben angehen.
[ 11 ] And here, if we truly wish to stand on the ground of Spiritual Science, we must once again recognize that this is one of those cases where we come into sharp contrast with the materialistic thinking of our time. This materialistic thinking of our time has, in fact, a tendency to draw the human personality more and more into the judgment of one’s actions. Just consider that in recent times, in the field of external jurisprudence, a tendency has increasingly emerged that one must not merely judge a specific act when a person has committed it, but must also observe the person’s entire human nature, take into account the state of the person’s soul, how the person came to [commit the act], whether the person is inferior or fully developed, and so on. And certain circles are even demanding that external jurisprudence not only consult physicians as experts in the assessment of offenses and crimes, but also psychologists. But it is presumptuous to judge the nature of human beings rather than their actions, which pertain solely to external life.
[ 12 ] Unter den neueren Philosophen hat einzig und allein einer einige Aufmerksamkeit auf diesem Boden bewiesen. Sie finden ihn auch in meinen «Rätseln der Philosophie» angeführt, allerdings unter anderen Gesichtspunkten. Es ist Dilthey, der aufmerksam darauf gemacht hat, daß die Jurisprudenz wiederum loskommen muß von der psychologischen Jurisprudenz und von allem ähnlichen.
[ 12 ] Among the more recent philosophers, only one has shown any interest in this area. You will also find him mentioned in my *Riddles of Philosophy*, though from a different perspective. It is Dilthey who has pointed out that jurisprudence must, in turn, break away from psychological jurisprudence and everything similar to it.
[ 13 ] Dasjenige, was der Mensch tut, geht zwei Gebiete an: erstens sein Karma. Das richtet schon durch seine Ursächlichkeit von selbst, das geht den anderen Menschen nichts an. Der Christus selber hat die Sünde der Ehebrecherin nicht gerichtet, sondern sie in den Erdboden hineingeschrieben, weil sie sich im Laufe des Karma ausleben wird. Als zweites geht die menschliche Tat das menschliche Zusammenleben an, und nur von diesem Gesichtspunkte aus ist die Menschentat zu beurteilen. Über den Menschen als solchen zu richten, steht der äußeren gesellschaftlichen Ordnung gar nicht zu.
[ 13 ] What a person does concerns two areas: first, their karma. This is settled by its own causality; it is none of other people’s business. Christ himself did not judge the sin of the adulteress, but inscribed it into the earth, because it will play out in the course of karma. Second, human actions concern human coexistence, and it is only from this perspective that human actions should be judged. It is not at all the place of the external social order to judge human beings as such.
[ 14 ] Aber Geisteswissenschaft wird allmählich sich zu etwas anderem als zum Richten aufschwingen; aufschwingen wird sie sich zum Verständnisse. Und diejenigen Psychologen, die da heute berufen werden könnten, um als Sachverständige zu funktionieren, wenn gerichtet werden soll über die äußeren Taten des Menschen, die werden nichts nützen, denn sie werden doch nichts von der Seele eines Menschen wissen. Die Beurteilung des Menschen soll nicht dem Richten entsprechen, sondern dem Verständnis; denn zu helfen, und nicht zu richten soll unter allen Umständen die Tendenz sein. Zu helfen, und nicht zu richten! Man kann aber nur helfen, wenn man ein Verständnis hat für dasjenige, was in einer menschlichen Seele vor sich geht.
[ 14 ] But Spiritual Science will gradually rise above the mere act of judgment; it will rise to the level of understanding. And those psychologists who might be called upon today to serve as experts when judgments are to be made about a person’s outward actions—they will be of no use, for they will know nothing of a person’s soul. The assessment of a person should not correspond to judgment, but to understanding; for the tendency under all circumstances should be to help, not to judge. To help, not to judge! But one can only help if one has an understanding of what is going on within a human soul.
[ 15 ] Allerdings, wenn man in Wahrheit und nicht in Lüge die Tendenz hat zu helfen, so wird man von der Welt am allermeisten verkannt werden. Denn derjenige, dem geholfen werden soll, der wird am allerwenigsten dazu geneigt sein, den, der in der richtigen Weise helfen will, auch in richtiger Weise zu beurteilen. Derjenige, dem geholfen werden soll, der wird wollen, daß man ihm in der Art und Weise helfe, wie er es sich denkt! Aber das kann vielleicht die schlechteste Hilfe sein, die man ihm angedeihen läßt, wenn man ihm so hilft, wie er es sich selber denkt. Ein auf Grundlage des seelischen und geistigen Lebens gewonnenes Verständnis wird uns oftmals dazu führen, daß wir dem Menschen, dem wir helfen wollen, gerade das nicht tun, was er voraussetzt, daß wir für ihn tun sollen, sondern daß wir etwas ganz anderes für ihn tun. Vielleicht wird sogar manchmal das Sich-Zurückziehen von einem solchen Menschen die viel bessere Hilfe sein als das Kajolieren; wird das schroffe Zurückweisen von irgend etwas eine viel bessere, liebevollere Hilfe sein als das schmeichelnde Entgegenkommen und Eingehen auf dasjenige, was der betreffende Mensch gerade will. Derjenige kann viel liebevoller einem Menschen gegenüberstehen, der ihn unter Umständen streng behandelt, als der, der ihm in jeder Weise nachgibt. Und Verkennung kann selbstverständlich auf diesem Gebiete nicht ausbleiben, das ist ganz selbstverständlich. Vielleicht wird gerade derjenige, der sich am meisten bemüht, auf diese Art auf die Seele eines Menschen einzugehen, am allermeisten verkannt. Aber darauf kommt es nicht an, sondern darauf, daß man unter allen Umständen Verständnis sucht, und nicht ein Richteramt ausübt.
[ 15 ] However, if one’s inclination to help is rooted in truth rather than falsehood, one will be most misunderstood by the world. For the very person who is to be helped will be the least inclined to judge correctly the one who wishes to help in the right way. The person who is to be helped will want to be helped in the way he imagines! But helping him exactly as he imagines—that may well be the worst kind of help one can offer him. An understanding gained on the basis of spiritual and mental life will often lead us to do for the person we wish to help not exactly what they expect us to do for them, but rather something entirely different. Perhaps sometimes even withdrawing from such a person will be far better help than flattery; perhaps a brusque rejection of something will be far better and more loving help than flattering accommodation and going along with whatever that person happens to want at the moment. The person who treats someone sternly under certain circumstances may show them far more love than the one who yields to them in every way. And, of course, misunderstandings are inevitable in this area; that goes without saying. Perhaps it is precisely the person who makes the greatest effort to respond to another’s soul in this way who is most misunderstood. But that is not what matters; what matters is that one seeks understanding under all circumstances and does not act as a judge.
[ 16 ] Im Zusammenhange unserer geisteswissenschaftlichen Vorträge mußte oftmals von Ahriman und Luzifer gesprochen werden. Selbstverständlich kann man gerade nach den Ausführungen, die in der letzten Zeit gepflogen worden sind, einsehen, wie die menschliche Natur stärker oder schwächer von Ahriman und Luzifer erfaßt werden kann. Denn im Grunde genommen ist ja das Leben überhaupt ein Hin- und Herpendeln zwischen ahrimanischen und luziferischen Impulsen, nur daß die Gleichgewichtslage von dem Sein der Welt selber angestrebt wird, und das Leben gerade in dem Einhalten dieser Gleichgewichtslage besteht. Aber nun fassen Sie einen großen, einen ungeheuren Unterschied ins Auge. Man kann zweierlei tun: Man kann das Urteil fällen, irgendeine Tat eines Menschen sei ahrimanisch oder luziferisch beeinflußt, und kann danach den Menschen richten. Oder man kann das andere tun: Man kann einsehen, daß eine Tat des Menschen ahrimanisch oder luziferisch beeinflußt ist, und kann versuchen, aus dieser Tatsache heraus den Menschen zu verstehen. Und zwischen diesen beiden Urteilen ist der denkbar größte Unterschied. Denn das Urteil zu fällen, irgend etwas Ahrimanisches oder Luziferisches sei im Menschen, erfordert, daß man niemals unter einem anderen Gesichtspunkt dieses Urteil fällt als so: daß man die Menschen ebensowenig nach dieser Erkenntnis, im Menschen leben Ahriman und Luzifer, richtet, wie man irgendeine Pflanze richtet, weil sie rot und nicht blau blüht. Von der Vorstellung, irgend etwas sei im Menschen ahrimanisch oder luziferisch, muß jegliche Art eines richterlichen Urteils ausgeschlossen sein, so wie ausgeschlossen sein muß aus unserem Urteil die Abgabe irgendeines Werturteils, wenn wir die Pflanze, sei sie rot oder blau, erkennen wollen.
[ 16 ] In the context of our lectures on Spiritual Science, we have often had to speak of Ahriman and Lucifer. Of course, especially in light of the explanations that have been given recently, one can see how human nature can be influenced to a greater or lesser degree by Ahriman and Lucifer. For, fundamentally speaking, life itself is a constant oscillation between Ahrimanic and Luciferic impulses, except that the state of equilibrium is sought by the very being of the world itself, and life consists precisely in maintaining this state of equilibrium. But now consider a great, an immense difference. One can do two things: One can pass judgment that a particular human action is influenced by Ahriman or Lucifer, and judge the person accordingly. Or one can do the opposite: One can recognize that a human action is influenced by Ahriman or Lucifer, and try to understand the person based on this fact. And between these two judgments lies the greatest conceivable difference. For to pass judgment that there is something Ahrimanic or Luciferic in a human being requires that one never pass this judgment from any other point of view than this: that one judges human beings no more on the basis of this insight—that Ahriman and Lucifer live within them—than one judges any plant because it blooms red rather than blue. Any kind of judgmental assessment must be excluded from the mental image that anything in human beings is Ahrimanic or Luciferic, just as any value judgment must be excluded from our assessment when we wish to recognize a plant, whether it is red or blue.
[ 17 ] Wir müssen vor allen Dingen suchen, die Erkenntnis rein zu halten von jeglicher Emotion, von jeglichem Subjektiven. Und wir werden das in dem Maße immer mehr können, je mehr wir uns bemühen, ein solches zu tun, je mehr wir wirklich anstreben, solche Dinge, wie sie eben ausgesprochen worden sind, mit dem allertiefsten Ernst zu nehmen.
[ 17 ] Above all, we must strive to keep our understanding free from all emotion and all subjectivity. And we will be able to do this to an ever-greater extent the more we strive to do so, the more we truly endeavor to take such things—as they have just been expressed—with the deepest seriousness.
[ 18 ] Goethe ist zum Beispiel bestrebt gewesen, gerade in seiner reifsten Zeit, Ereignisse zwischen Menschen hinzustellen wie Naturereignisse. Selbstverständlich nicht von dem Gesichtspunkte aus, als wenn eine mechanische Notwendigkeit in den Menschenzusammenhängen so wie in den Naturzusammenhängen stecken würde. Davon kann keine Rede sein. Sondern die Stellung der Menschenseele zu den Ereignissen im Menschenleben wird allmählich so, daß man mit derselben objektiven Liebe, wie man Naturereignisse betrachtet, auch die Ereignisse im Menschenleben wird gelten lassen für die Erkenntnis. Das gibt jene innere Toleranz, die aus der Erkenntnis selber hervorgeht.
[ 18 ] Goethe, for example, strove—especially during his most mature period—to portray events between people as if they were natural phenomena. Of course, not from the perspective that there is a mechanical necessity inherent in human relationships just as there is in natural ones. That is out of the question. Rather, the human soul’s relationship to events in human life gradually becomes such that one comes to regard events in human life with the same objective love with which one observes natural phenomena, for the sake of knowledge. This gives rise to that inner tolerance which springs from knowledge itself.
[ 19 ] Dadurch aber erwirbt man sich die Möglichkeit, allmählich hineinfließen zu lassen in die Erkenntnis dasjenige, was sonst gar nicht hineinfließen darf in die Erkenntnis: nämlich die Terminologie, die aus dem Gefühl und dem Willen heraus ist. Als ich Ihnen die Psychoanalyse dargelegt habe, haben wir gerade an einem Tage damit geschlossen, daß wir über sie ein verurteilendes Wort sprechen mußten; aber wir haben zuerst nachgewiesen, daß das aus der Sache selber folgte. Und warum konnte dieses Urteil gefällt werden? Hier darf man auch etwas Subjektives aussprechen. Warum durfte ich mir denn zutrauen, ein scheinbar ganz subjektives Urteil über die Psychoanalyse auszusprechen? Weil ich mich bemüht habe — ich spreche etwas Subjektives aus, aber dann ist es so, daß die Dinge vielleicht am leichtesten verstanden werden —, die Psychoanalyse so zu studieren, wie ich etwas studiere, was mir sehr angenehm und sehr sympathisch ist. Das heißt: dieselbe objektive Liebe dem einen wie dem anderen entgegenbringen. Und zu diesem müssen wir uns allmählich hindurchringen, wirklich hindurchringen; sonst suchen wir in der Erkenntnis auch nichts anderes als Sensation, suchen nur das Angenehme in der Erkenntnis. Aber man hat niemals Erkenntnis, wenn man in der Erkenntnis nur das Angenehme sucht!
[ 19 ] But this makes it possible to gradually allow into our understanding that which would otherwise be entirely excluded from it: namely, the terminology that arises from feeling and the will. When I explained psychoanalysis to you, we concluded on one particular day that we had to pass judgment on it; but we first demonstrated that this followed from the matter itself. And why could this judgment be passed? Here, too, one may express something subjective. Why, then, was I able to trust myself to express a seemingly entirely subjective judgment about psychoanalysis? Because I have made an effort—I am expressing something subjective, but then it is the case that things are perhaps most easily understood—to study psychoanalysis in the same way that I study something that is very pleasant and very appealing to me. That is to say: to show the same objective love toward one as toward the other. And we must gradually bring ourselves to do this—truly bring ourselves to do it; otherwise, we seek nothing but sensation in knowledge, seeking only what is pleasant in knowledge. But one never attains knowledge if one seeks only what is pleasant in knowledge!
[ 20 ] Für unser physisches Leben gelangt das Sonnenhafte niemals anders in das Bewußtsein des Menschen herein als dadurch, daß es ihn freut oder ihn abstößt. Nur Gefühle gelangen vom Sonnenhaften herein, und wir müssen entgegenkommen dem Sonnenhaften mit unserem Verständnis, wir müssen hinunterdringen in das dem Menschen sonst Fremde. Wir sagten, das Mondenhafte ist dem Menschen verwandt, das Sonnenhafte aber ist dem Menschen nicht mehr verwandt. Wir müssen hinunterbringen, hinuntertragen in Regionen, in die wir sonst nicht eindringen, unser Verständnis, wenn wir das Sonnenhafte der Inspiration uns nahebringen wollen.
[ 20 ] In our physical life, the solar aspect never enters human consciousness in any other way than by either delighting or repelling us. Only feelings come to us from the solar aspect, and we must meet the solar aspect with our understanding; we must delve into what is otherwise foreign to human beings. We said that the lunar aspect is akin to human beings, but the solar aspect is no longer akin to them. We must bring our understanding down into regions we would not otherwise enter if we wish to bring the solar aspect of inspiration closer to us.
[ 21 ] Das wirkliche Erkennen der höheren Welten fordert in der Tat eine Präparation in der ganzen Stimmung unserer Seele, und ohne diese Stimmung in der Seele können wir nicht in die höheren Welten eindringen, ich meine jetzt nicht bloß hellseherisch eindringen, sondern auch mit Verständnis den Dingen nachgehen. Man kann die Dinge, die in der «Geheimwissenschaft» erzählt sind, nicht verstehen, wenn man sie mit der Gemütsverfassung in sich aufnehmen will, die man sonst für irgend etwas äußerlich Gleichgültiges, ich will sagen, für irgend etwas Mathematisches oder dergleichen hat; sondern man kann sie nur aufnehmen, wenn man sich erst in seinem Gemüte dafür präpariert. Derjenige, der mit dem gewöhnlichen Verständnis des physischen Planes die inspirierten Erkenntnisse in sich aufnehmen will, der gleicht dem Menschen, der da glaubt, er könne mit seinem physischen Leib in eine Pflanze hineinkriechen und so darinnen sein in ihrem Leben. Darum hat man stets versucht, die Menschen erst vorzubereiten, bevor man ihnen Erkenntnis der höheren Welten vermittelte, sie erst langsam vorzubereiten, so daß die Stimmung der Seele so war, daß in der richtigen Weise diese Erkenntnis der höheren Welten auf das Gemüt wirken konnte. Sie mußte auf das Gemüt wirken, denn diese eigentümliche Art, wie man sich zu der höheren Welt stellen muß, erfordert nun einmal eine gewisse Anspannung des Gemütes, ein gewisses Zusammenhalten, ein Zusammennehmen der inneren Seelenkräfte, sie erfordert, daß man vor allen Dingen nicht verwundet ist, daß eine gewisse innere Kraftanstrengung notwendig ist, um in richtiger Weise zu den Erkenntnissen der höheren Welten sich zu stellen.
[ 21 ] True knowledge of the higher worlds does indeed require a certain preparation in the very disposition of our soul, and without this disposition in the soul we cannot penetrate the higher worlds—and by this I do not mean merely to penetrate them clairvoyantly, but also to investigate them with understanding. One cannot understand the things described in *The Secret Science* if one attempts to take them in with the same state of mind one would otherwise reserve for something outwardly indifferent—that is to say, for something mathematical or the like; rather, one can only take them in if one first prepares one’s mind for them. Anyone who seeks to take in these inspired insights with the ordinary understanding of the physical plane is like a person who believes he can crawl into a plant with his physical body and thus be present within its life. That is why one has always sought to prepare people first before imparting to them knowledge of the higher worlds—to prepare them slowly, so that the mood of the soul was such that this knowledge of the higher worlds could act upon the mind in the proper way. It had to affect the mind, for this peculiar way in which one must approach the higher world requires a certain tension of the mind, a certain gathering together, a focusing of the inner soul forces; it requires, above all, that one not be wounded, and that a certain inner effort be made in order to approach the knowledge of the higher worlds in the right way.
[ 22 ] Daher ist es notwendig, daß der Mensch dem ein Gegengewicht, ein richtiges Gegengewicht schafft, und zwar ein solches, daß es ihn gewissermaßen in seiner Seele nach der anderen Seite der Waage ausschlagen läßt. Wir müssen die Sache ganz genau betrachten.
[ 22 ] Therefore, it is necessary for human beings to create a counterbalance—a true counterbalance—one that, so to speak, causes their soul to tip the scales toward the other side. We must examine this matter very carefully.
[ 23 ] Wenn man die Seele anstrengt — und das muß man, wenn man wirklich die geistigen Welten erfassen will, selbst nur das, was gegeben wird aus den geistigen Welten; man kann nicht einem Vortrag über die geistigen Welten folgen, wenn man nicht gut zuhört, wenn man seine Seele nicht anstrengt —, wenn man sich wirklich Mühe gibt, das zu verstehen, was über die geistige Welt gesagt wird, so spürt man, daß man sich anstrengen muß. Darüber muß man sich dann nicht wundern. Man muß nicht sagen, ja, das strengt mich an, weil es ganz natürlich ist, daß es einen anstrengt! Aber wenn es einen so anstrengt, dann wird, solange wir Erdenmenschen sind, ganz naturgemäß eine Folgeerscheinung auftreten. Und diese Folgeerscheinung ist die, daß der Egoismus im Menschen erregt wird. Je mehr der Mensch sich in sich selbst spürt, desto stärker ist sein Egoismus. Nehmen Sie nur die allergewöhnlichste Erscheinung: Solange man gesund durch die Welt geht, ist man in bezug auf den physischen Leib unegoistisch; in dem Augenblick, wo man krank wird, wo einem alles weh tut, wird man in bezug auf den äußeren Leib egoistisch. Das ist ganz naturgemäß. Und unsinnig ist es einfach, wenn man von dem Kranken verlangt, er soll in bezug auf seine Krankheit nicht egoistisch sein. Das ist einfach Unsinn. Und wenn jemand sagt: Ich bin zwar krank, aber ich nehme meine Krankheit selbstlos hin, so ist das natürlich auch nur eine Verbrämung mit unwahrer Redensart.
[ 23 ] If one exerts one’s soul—and one must do so if one truly wishes to grasp the spiritual worlds, even if only that which is given from the spiritual worlds; one cannot follow a lecture on the spiritual worlds unless one listens carefully, unless one exerts one’s soul—if one truly makes an effort to understand what is being said about the spiritual world, one senses that one must exert oneself. One should not be surprised by this. One need not say, “Yes, this strains me,” because it is only natural that it strains one! But when it strains one so much, then—as long as we are earthly human beings—a natural consequence will arise. And this consequence is that selfishness is aroused in the human being. The more a person feels within themselves, the stronger their selfishness becomes. Just take the most common example: As long as one goes through life in good health, one is unselfish with regard to the physical body; the moment one becomes ill, when everything hurts, one becomes selfish with regard to the outer body. That is entirely natural. And it is simply nonsensical to demand that a sick person not be selfish with regard to their illness. That is simply nonsense. And if someone says, “I may be sick, but I accept my illness selflessly,” that is, of course, merely a euphemism—a false way of speaking.
[ 24 ] Aber ebenso ist es, wenn man diese Anstrengung in der Seele durchmacht, die notwendig ist, um sich in die höheren Welten hinaufzuarbeiten, hinaufzuranken. Da kommt man auch ins Egoistische hinein. Man soll sich da nichts vormachen, sondern soll sich gerade, wenn man in diese Welt eindringen will, die Wahrheit vorhalten. Man muß sich sagen: Du arbeitest dich da in eine Stimmung des Egoismus hinein, wenn du in die höheren Welten hinein willst, weil du diese Anstrengungen in deinem Inneren spüren mußt.
[ 24 ] But the same is true when one undergoes this inner struggle that is necessary to work one’s way up into the higher worlds, to climb upward. There, too, one enters into selfishness. One should not delude oneself, but rather, especially when one wishes to enter this world, one must keep the truth before one’s eyes. One must tell oneself: You are working your way into a mood of egoism if you want to enter the higher worlds, because you must feel these efforts within yourself.
[ 25 ] Ich möchte dieses sich in die höheren Welten Hineinarbeiten mit etwas vergleichen. Ich möchte es vergleichen mit einer eigentümlichen Art künstlerischer Tätigkeit, wie sie vorhanden war bei unserem Freunde Christian Morgenstern. Diese gewisse eigentümliche Art — ich habe sie oftmals hervorgehoben — war bei Morgenstern anders als bei anderen Dichtern. Wenn er sich in das Seriöse hineinarbeitete, so war es bei ihm in einer anderen Weise als bei anderen Dichtern, es war in einem viel höheren Grade ihn selber hinauftragend in die Region des Ernsten. Daher brauchte er ein Gegengewicht, so etwas wie in dem Galgenlied:
[ 25 ] I would like to compare this process of working one’s way into the higher worlds to something. I would like to compare it to a peculiar kind of artistic activity, such as that found in our friend Christian Morgenstern. This particular, peculiar quality—which I have often emphasized—was different in Morgenstern than in other poets. When he immersed himself in serious subjects, he did so in a different way than other poets; it carried him to a much greater degree into the realm of the serious. That is why he needed a counterbalance, something like what is found in “The Gallows Song”:
Ein Wiesel
saß auf einem Kiesel
inmitten Bachgetiesel.
Wißt ihr
weshalb?
Das Mondkalb
verriet es mir
im stillen:
Das raffinier—
te Tier
tat’s um des Reimes willen.
A weasel
sat on a pebble
amidst the babbling brook.
Do you know
why?
The moon calf
told me
in a whisper:
The clever—
animal
did it for the sake of the rhyme.
[ 26 ] Diese leichten Gedichte, diese satirischen Gedichte, das brauchte er als Gegengewicht, zur Balance. Diejenigen, die immer etwa dichterisch das «lange Gesicht» machen können, das sentimentalisch in die höheren Welten hinaufschaut, die sind nicht die wahren Dichter. Die Wahren sind jene, die das Gegengewicht, das Gegenstück brauchen.
[ 26 ] These lighthearted poems, these satirical poems—that’s what he needed as a counterweight, to restore balance. Those who are always capable of pulling a “long face”—in a poetic sort of way—and gazing sentimentally up toward the higher realms are not the true poets. The true ones are those who need the counterweight, the counterpart.
[ 27 ] Nun suchen wir ja allerdings überall, nicht wahr, die Möglichkeit, das zu verstehen, was da als Egoismuserscheinung das Streben in die höheren Welten hinauf begleiten muß. Man muß den Egoismus nicht richten, wenn er in solch einer Region auftritt, weil man ihn begreifen muß wie eine Naturerscheinung. Man muß nicht den Egoismus haben, immer den Egoismus los sein zu wollen, denn dann ist man nicht wahr. Wir schaffen zum Beispiel das Gegenstück in bezug auf manches [durch die Übungen] in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?»; zunächst die inneren Gegenstücke. Aber auch in dem, was wir als Eurythmie geschaffen haben, ist eine Art von Gegenstück da in dieser eigentümlichen Art, den Ätherleib in seine angemessenen Bewegungen zu bringen, und ein Verständnis für diese ganze Sprache des Menschen zu gewinnen. Sie wird gerade die Jugend in einer naturgemäßen Weise zu dem Hineinleben in das Geistige anhalten.
[ 27 ] Now, of course, we are searching everywhere for the possibility of understanding what it is—as a manifestation of egoism—that must accompany the striving upward toward the higher worlds. One need not judge egoism when it occurs in such a region, because one must understand it as a natural phenomenon. One need not be driven by the egoism of always wanting to be free of egoism, for then one is not true to oneself. For example, we create the counterpart to certain things [through the exercises] in *How to Attain Knowledge of the Higher Worlds*; first, the inner counterparts. But even in what we have created as eurythmy, there is a kind of counterpart in this unique way of bringing the etheric body into its appropriate movements and gaining an understanding of this entire human language. It will encourage young people in particular, in a natural way, to live into the spiritual realm.
[ 28 ] Aber etwas, was betont werden muß bei dieser Gelegenheit, das ist, daß ein Element von dem Menschen, der wirklich ein rechtes Verhältnis zu den geistigen Welten gewinnen will, besonders gesucht sein sollte, das ist das Element — wundern Sie sich nicht darüber, aber es muß eben einmal auch klar ausgesprochen werden, oder wenigstens deutlicher ausgesprochen werden, als es sonst immer geschehen ist —, das ist das Element des Humors. Es ist wirklich notwendig dem Streben nach der höheren Welt nicht humorlos gegenüberzustehen! Dieses Humorlos-Gegenüberstehen, das ist dasjenige, was so furchtbare Auswüchse zeitigt. Denn wenn derjenige, der sich einbildet, Homer oder Sokrates oder Goethe zu sein, darauf käme, wie unendlich lächerlich er sich in dieser Rolle vorkommen muß, dann würde ihm dies ungeheuer zur Gesundung seiner Ansichten helfen! Aber auf solche Dinge kann ja eigentlich nur derjenige nicht kommen, der von seinem unwahren, sentimentalen Leben den Humor ferne hält. Denn wenn einer wirklich, ja, ich möchte schon sagen, das «Unglück» haben sollte, Homer gewesen zu sein, und durch ein richtiges Erkennen in einer späteren Inkarnation daraufzukommen, daß es so gewesen ist, dann würde ihm diese Erkenntnis wirklich zunächst in einem humoristischen Licht erscheinen. Gerade wenn es wahr ist, würde es ihm zunächst in einem humoristischen Lichte erscheinen. Man würde zunächst wahrhaftig sich selber auslachen!
[ 28 ] But one thing that must be emphasized on this occasion is that there is an element which should be particularly sought after by anyone who truly wishes to establish a proper relationship with the spiritual worlds—and do not be surprised by this, but it simply must be stated clearly, or at least more clearly than has usually been the case—and that is the element of humor. It is truly necessary not to approach the pursuit of the higher world without a sense of humor! This humorless approach is precisely what gives rise to such terrible excesses. For if the person who imagines himself to be Homer or Socrates or Goethe were to realize how infinitely ridiculous he must appear in this role, it would help him immensely in bringing his views back to a healthy state! But such insights can really only elude those who keep humor at a distance from their false, sentimental lives. For if someone were truly—yes, I would even say—to have the “misfortune” of having been Homer, and through true recognition in a later incarnation were to realize that this was indeed the case, then this realization would truly appear to him, at first, in a humorous light. Precisely if it were true, it would initially appear to him in a humorous light. One would truly laugh at oneself at first!
[ 29 ] Es ist schwer, gerade in Kürze über dieses Kapitel in der richtigen Weise zu sprechen. Aber die Seele dem Humor frei und offen zu halten, ist ein gutes Mittel, das Ernste in wirklichem Ernst zu nehmen. Sonst verunreinigt man sich, verlügt sich das Ernste durch die Sentimentalität, und die Sentimentalität ist der ärgste Feind des wirklichen Ernstes für die ernsten Dinge des Lebens. Ich könnte mir sogar vorstellen, daß jemand, der — wie einmal eine ausländische Dame gesagt hat — dem Ernste geisteswissenschaftlicher Erkenntnis nur gegenüberstehen will immerfort «mit einem Gesicht bis ans Bauch», es unangenehm hätte finden können, daß ich in diesen Tagen von den Gedanken gesprochen habe, die sich ausnehmen wie eine Maus in der Hand. Aber man befreit sich von dem Ernst der Tatsachen dadurch, daß man versucht, sie in einer solchen Form darzustellen. Denn man verfälscht leicht die Tatsachen, wenn man an sie mit bloßer Sentimentalität herantritt, weil man dann in der Sentimentalität sich schon genügend zu den höheren Welten erhoben fühlt und nicht glaubt, auch noch durch das biegsame, elastische, bewegliche Verständnis in die geistigen Welten hinaufkommen zu sollen. Und wahrhaftig, leichter ist es, davon zu sprechen, daß die elementarische Welt erobert wird, wenn man «selbstlos, recht selbstlos» ist, leichter ist es, dadurch irgendwelche verschwommene Vorstellungen von der elementarischen Welt zu bekommen, als wirklich die Sache so plastisch zu machen, daß man den Übergang des Gedankens von einem toten Gegenstand zu einem lebendigen Wesen hat. Dieses anschauliche Charakterisieren, das ist dasjenige, was angestrebt werden soll. So daß wir uns allmählich dazu trainieren, in diese geistigen Welten ohne alle Sentimentalität hinaufzusteigen. Der Ernst kommt schon. Die Anstrengung, die ergibt sich gerade aus dem schweren Sich-Erarbeiten der Geisteswissenschaft. Und das, worauf es ankommt, ist, daß wir die Kraft gewinnen, die Stellung der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung innerhalb des heutigen Materialismus in der richtigen Weise einzusehen und durch diese Kraft ein richtiges Glied der geisteswissenschaftlichen Bewegung zu werden. Diese Kraft gewinnen wir auf keinem anderen Wege, als wenn wir versuchen, in der richtigen Weise anschaulich zu verstehen, wie diese geistigen Welten in Worte, in Vorstellungen gekleidet werden können, die der physischen Welt entnommen sind, trotzdem die geistigen Welten selber so unähnlich sind der physischen Welt.
[ 29 ] It is difficult to speak properly about this chapter, especially in a few words. But keeping one’s spirit free and open to humor is a good way to take seriousness seriously. Otherwise, one taints oneself and distorts seriousness through sentimentality, and sentimentality is the worst enemy of true seriousness when it comes to the serious matters of life. I could even have a mental image of someone who—as a foreign lady once said—wishes to face the seriousness of Spiritual Science knowledge only “with a face down to the belly” finding it unpleasant that I have spoken these past few days of thoughts that feel like a mouse in one’s hand. But one frees oneself from the seriousness of the facts by attempting to present them in such a form. For one easily distorts the facts when approaching them with mere sentimentality, because one then feels, in that sentimentality, that one has already risen sufficiently to the higher worlds and does not believe one should also have to ascend to the spiritual worlds through flexible, elastic, and agile understanding. And truly, it is easier to speak of conquering the elemental world by being “selfless, truly selfless”; it is easier to form some vague mental images of the elemental world in this way than to actually make the matter so vivid that one experiences the transition of thought from a lifeless object to a living being. This vivid characterization is precisely what we should strive for. So that we gradually train ourselves to ascend into these spiritual worlds without any sentimentality. The seriousness will come in due course. The effort arises precisely from the arduous process of mastering Spiritual Science. And what matters is that we gain the strength to correctly understand the place of the spiritual-scientific worldview within today’s materialism and, through this strength, become a true member of the spiritual-scientific movement. We can gain this strength in no other way than by attempting to understand vividly and correctly how these spiritual worlds can be clothed in words and mental images drawn from the physical world, even though the spiritual worlds themselves are so dissimilar to the physical world.
[ 30 ] Die Inspiration als solche handelt von denjenigen inneren Tatsachen in der Menschennatur, die Erbgut von der alten Sonnenentwickelung sind, die zusammenhängen mit alledem, was den Menschen geeignet macht, in der Welt dasjenige zu leisten, was vom Himmel ist, was richtig vom Himmel ist. Dazu aber muß der Mensch nicht nur auf dasjenige reflektieren, was im einzelnen Leben erarbeitet werden kann innerhalb derjenigen Seelenarbeit, die da vorhanden ist zwischen Geburt und Tod; sondern der Mensch muß reflektieren auf dasjenige, was in den verborgenen Untergründen seiner Seele so ist, daß die göttlichen Welten hereinarbeiten in seine Organisation. Derjenige, der ein Dichter sein soll in der Welt, muß das Gehirn eines Dichters haben, das heißt, es muß von der geistigen Welt aus sein Gehirn dazu präpariert sein. Derjenige, der ein Maler sein will, muß das Gehirn eines Malers haben. Und um dem Menschen ein Malergehirn oder ein Dichtergehirn zu verleihen, müssen diejenigen Kräfte und Impulse in der Menschennatur arbeiten, die schon während der kosmischen Entwickelung in der alten Sonnenzeit substantiell da waren und mit der menschlichen Natur verknüpft waren, als der Mensch selber noch nicht annähernd so verdichtet war, wie er es auf der Erde ist, als der Mensch selber erst bis zur Luftdichtigkeit gekommen war. Denken Sie, daß während der alten Sonnenzeit der Mensch nur aus Wärme und Luft bestand. In dem, was am Menschen arbeitet an Wärme und Luft, liegt als Erbgut aus der alten Sonnenzeit dasjenige, was des Menschen Gehirn so zubereiten kann, daß es ein Maler-, daß es ein Dichtergehirn sein kann.
[ 30 ] Inspiration as such concerns those inner realities in human nature that are the legacy of the ancient solar evolution, realities connected with everything that enables human beings to accomplish in the world that which is of heaven—that which is truly of heaven. To achieve this, however, a person must not only reflect on what can be developed in the individual life through the soul work that takes place between birth and death; rather, a person must reflect on what lies in the hidden depths of their soul in such a way that the divine worlds work their way into their being. Anyone who is to be a poet in the world must have the brain of a poet; that is to say, their brain must have been prepared for this purpose by the spiritual world. Anyone who wants to be a painter must have the brain of a painter. And in order to endow a human being with a painter’s brain or a poet’s brain, those forces and impulses must be at work within human nature that were already substantially present during cosmic evolution in the old Sun Age and were linked to human nature—at a time when human beings themselves were not nearly as densified as they are on Earth, when human beings themselves had only reached the density of air. Consider that during the ancient Sun Age, human beings consisted only of warmth and air. In the warmth and air that act upon human beings lies, as genetic material from the ancient Sun Age, that which can prepare the human brain so that it can become the brain of a painter or a poet.
[ 31 ] Daraus sehen Sie aber, wie wir durch diese Betrachtung dessen, was im Menschen angeschaut wird und das von dem Mikrokosmos heraus in den Makrokosmos geht, sagen müssen: Der Mensch ist durch das, was altes Sonnenerbgut ist, eins mit seiner Umgebung; denn Luft und Wärme ist ebenso draußen wie drinnen. Ich habe oftmals darauf aufmerksam gemacht: Die Luftmenge, die ich jetzt in mir habe, ist im nächsten Augenblick außer mir; das geht immer aus und ein, Ausatmen, Einatmen. Die Luft hat meine Gestalt, und in dem Augenblicke, wo ich die Luft ausatme, ist es ja dieselbe Luft; sie ist dann nur draußen, außerhalb des Menschen. Aber so wahr, als meine Knochen ich selbst sind, so wahr ist von dem Moment des Einatmens bis zu dem Moment des Ausatmens die Luftgestalt dasjenige, was zu meinem eigenen Wesen gehört. So wahr die Knochen von meiner Geburt bis zu meinem Tode zu mir gehören, so gehört der Luftstrom von dem Moment, wo er eingeatmet wird, bis zu dem Moment, wo er ausgeatmet wird, zu mir. Er ist ebenso Ich, wie meine Knochen Ich sind, nur dauert das Ich-Sein jenes Luftstromes nur von einer Einatmung bis zur Ausatmung, und das Ich-Sein meiner Knochen annähernd von der Geburt bis zum Tode. Nur der Zeit nach sind diese Dinge verschieden, der Luftmensch stirbt bei der Ausatmung und er wird geboren bei der Einatmung. Und so wahr, als unsere Knochen geboren werden vor unserer physischen Geburt und allmählich langsam zugrundegehen, so wahr wird etwas in uns geboren, wenn wir einatmen, so wahr stirbt etwas in uns, wenn wir ausatmen. Dasjenige, was in uns geboren wird, wenn wir einatmen, das stirbt, wenn wir ausatmen; das gehört selber zum Erbgut von der alten Sonne her, das wurde dazumal veranlagt.
[ 31 ] From this, however, you can see how, through this consideration of what is observed in the human being—and which extends from the microcosm out into the macrocosm—we must say: The human being is one with his surroundings through what is the ancient solar heritage; for air and warmth are present just as much outside as inside. I have often pointed this out: The volume of air I now have within me is outside of me the very next moment; it is constantly flowing in and out—exhaling, inhaling. The air takes on my form, and at the moment I exhale it, it is indeed the same air; it is then simply outside, beyond the human being. But just as surely as my bones are myself, so surely, from the moment of inhalation to the moment of exhalation, the form of the air is that which belongs to my own being. Just as surely as my bones belong to me from my birth until my death, so the stream of air belongs to me from the moment it is inhaled until the moment it is exhaled. It is just as much “I” as my bones are “I,” only the “I”-ness of that stream of air lasts only from one inhalation to the next exhalation, and the “I”-ness of my bones lasts approximately from birth to death. These things differ only in terms of time; the air-human dies upon exhalation and is born upon inhalation. And just as surely as our bones are born before our physical birth and gradually, slowly perish, so surely something is born within us when we inhale, and so surely something dies within us when we exhale. That which is born within us when we inhale dies when we exhale; it belongs to the genetic heritage of the ancient Sun and was predisposed at that time.
[ 32 ] Wir sehen, wie sich das Menschengebiet hinauserweitert in den Kosmos, wie der Mensch zusammenwächst mit demselben. Aber begreifen sollen wir lernen, wie der Mensch überhaupt im Geistigen drinnen lebt. Unsere Zeit hat nicht einmal das Talent dazu, in der allerprimitivsten Weise dieses Zusammensein des Menschen mit dem Geistigen ins Auge zu fassen. Dazu müssen wir auch wieder kommen. Einem Menschen alter Zeiten würde es gar nicht eingefallen sein, solche Worte zu bilden, wie sie heute gebildet werden, wenn es nötig ist, für irgendeine zusammengesetzte Substanz ein Wort zu bilden. Jetzt suchen höchstens die Chemiker nach hypothetischen Voraussetzungen sachgemäße Namen zu finden, wenn irgend etwas nach den Prinzipien der Chemie benannt werden soll. Diese Namen sind ja den Leuten sehr unangenehm, manchmal haben sie furchtbar viele Silben! Lassen Sie sich darüber unterrichten zum Beispiel von denjenigen, die unter unseren Freunden Chemiker sind! Wo aber nicht nach diesen Prinzipien benannt wird, da hängen die Namen nicht mit den Dingen zusammen.
[ 32 ] We see how the human realm expands out into the cosmos, how humanity grows together with it. But we must learn to understand how humanity actually lives within the spiritual realm. Our age lacks even the capacity to conceive of this coexistence of humanity with the spiritual realm in the most primitive way. We must return to this as well. It would never have occurred to a person of ancient times to coin words such as those used today when it is necessary to create a term for some compound substance. Nowadays, at most, chemists seek to find appropriate names based on hypothetical assumptions when something is to be named according to the principles of chemistry. These names are, of course, very unappealing to people—sometimes they have an awful lot of syllables! Ask, for example, those among our friends who are chemists to tell you more about this! But where names are not assigned according to these principles, the names have no connection to the things themselves.
[ 33 ] Das war nicht immer so. Ich habe Ihnen heute von Inspiration gesprochen; ich habe Ihnen gezeigt, wie die Inspiration zurückführt auf das alte Sonnengut des Menschen. Auf der Sonne aber war der Mensch bis zum Atmen gekommen. Das heißt, dasjenige, was jetzt Atmung ist, und was im Luftelement lebt, war dazumal veranlagt. Also muß eine Beziehung sein zwischen dem Atmen des Menschen und der Inspiration. Sie brauchen ja nur sich zu überlegen, was das Wort Inspiration eigentlich ursprünglich bedeutet. In diesem Wort ist die innige Verwandtschaft des Atems mit der «Inspiration» schon ausgedrückt, denn es ist im Grunde genommen das Wort für Einatmen. Diejenigen, die die Geister leugnen wollen, die brauchten nur auf die Sprachentwickelung zu sehen. Wir haben das auch schon von anderer Seite angedeutet: man würde die Sprachgeister schon finden, aber auch finden, wie diese Sprachgeister in der menschlichen Natur wirken! Dann werden wir finden, wie wir eingebettet sind in die geistigen Welten, wie die Geister mit uns arbeiten, wie bei allem, was wir tun im Leben, die Geister mitarbeiten. Und wir werden uns in realer Weise fühlen: unser Selbst zum großen Selbst der Welt erweitert. Empfindung wird werden, was Theorie ist. Und das ist der Weg, um wirklich in die geistigen Welten hineinzukommen.
[ 33 ] It wasn’t always this way. Today I spoke to you about inspiration; I showed you how inspiration traces back to humanity’s ancient solar heritage. But on the Sun, humanity had already reached the stage of breathing. That is to say, what is now breathing—and what lives in the air element—was already present back then. So there must be a connection between human breathing and inspiration. You need only consider what the word “inspiration” actually meant originally. This word already expresses the intimate relationship between the breath and “inspiration,” for it is, in essence, the word for inhalation. Those who wish to deny the existence of spirits need only look at the development of language. We have already hinted at this from another angle: one would indeed find the spirits of language, but one would also discover how these spirits of language work within human nature! Then we will discover how we are embedded in the spiritual worlds, how the spirits work with us, and how, in everything we do in life, the spirits are at work alongside us. And we will feel in a real sense that our self has expanded into the great Self of the world. What is now theory will become a lived experience. And that is the path to truly entering the spiritual worlds.
[ 34 ] Aber auf diese Dinge müssen wir wirklich auch eingehen. Wir müssen sie in den Einzelheiten nehmen, wir müssen versuchen, sie wirklich ernst zu nehmen, ernst zu machen mit manchem, was gerade über die Beziehung des Menschen zu den geistigen Welten in bezug auf einfachste Verhältnisse gesagt wurde.
[ 34 ] But we really must address these matters as well. We must examine them in detail; we must try to take them seriously and give serious consideration to some of what has just been said about the relationship between human beings and the spiritual worlds in terms of the simplest circumstances.
[ 35 ] Das ist dasjenige, was ich Ihnen gerade am Ende dieser Vorträge nahelegen möchte, die Ihnen von einem gewissen Gesichtspunkte aus zeigen sollten, wie eine absteigende Strömung im Menschen vorhanden ist und eine aufsteigende Strömung, und wie der Mensch drinnensteht in den auf- und absteigenden Strömungen.
[ 35 ] This is precisely what I would like to emphasize to you at the end of these lectures, which were intended to show you, from a certain perspective, how there is a descending current and an ascending current within the human being, and how the human being stands within these ascending and descending currents.
[ 36 ] Und wenn Faust das Buch aufschlägt und die Worte ausspricht:
[ 36 ] And when Faust opens the book and utters the words:
«Wie Himmelskräfte auf- und niedersteigen
Und sich die goldnen Eimer reichen!»
“As the heavenly forces ascend and descend
And pass the golden buckets to one another!”
[ 37 ] da haben Sie, was ich Ihnen nahezubringen versuchte in diesen Tagen, dieses Auf- und Absteigen der Himmelskräfte, das Faust zunächst anglotzt und nicht verstehen kann. Aber es ist so ausgesprochen in dieser Faust-Dichtung, daß wir schon einmal in dem «Faust» sehen können, wohin die Neuzeit streben muß. Es muß uns recht sehr naheliegen, daß wir mit unserer Geisteswissenschaft dasjenige wollen, was die Menschen anstreben sollen. Wir dürfen nicht anders als einsehen, daß Geisteswissenschaft ein Geistesgut der Menschheit werden muß. Und sobald wir dazu gekommen sind, an diesem Werden eines neuen Geistesgutes mitzuarbeiten, müssen wir alles tun, um dieses zu verwirklichen, um dieses Ziel der Menschheit zu erreichen.
[ 37 ] There you have what I have been trying to convey to you these past few days: this rising and falling of the celestial forces, which Faust initially stares at in bewilderment and cannot understand. But it is expressed so clearly in this Faust poem that we can already see in *Faust* the direction toward which the modern age must strive. It must be very close to our hearts that, through Spiritual Science, we aim for what humanity should strive toward. We cannot help but recognize that Spiritual Science must become a spiritual asset of humanity. And as soon as we have come to the point of collaborating in the creation of this new spiritual asset, we must do everything we can to bring it to fruition, to achieve this goal for humanity.
[ 38 ] Und damit halte ich diese Betrachtungen einstweilen für abgeschlossen.
[ 38 ] And with that, I consider these reflections concluded for the time being.
