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The Value of Thinking for Satisfying Our Quest for Knowledge
The Relationship Between the Spiritual Science and the Natural SciencesGA 164

26 September 1915, Dornach

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The Value of Thinking for Satisfying Our Quest for Knowledge, tr. SOL
  1. Der Wert des Denkens für eine den Menschen befriedigende Erkenntnis

Das Verhältnis der Geisteswissenschaft zur Naturwissenschaft I

The Relationship Between the Spiritual Science and the Natural Sciences I

[ 1 ] Heute werde ich weder einen Vortrag noch eine Vorlesung halten, sondern einiges besprechen in der Art, wie ich glaube, daß sie in unseren Zweigen noch fehlt. Ich werde dazu anknüpfen an die Broschüre «Wissenschaft und Theosophie» von F. vor Wrangell, erschienen in Leipzig im Verlage von Max Altmann im Jahre 1914.* Dabei möchte ich namentlich zeigen, wie man an eine solche Schrift Besprechungen anknüpfen kann.1Die in diesem und den nächsten Vorträgen eingerückten Zitate geben den gesamten Text der Wrangell-Broschüre wieder.

[ 1 ] Today I will not be giving a lecture or a presentation, but rather discussing a few topics in a way that I believe is still lacking in our branches. To this end, I will draw upon the pamphlet *Science and Theosophy* by F. von Wrangell, published in Leipzig by Max Altmann in 1914.* In doing so, I would like to show, in particular, how one can build upon such a work in a discussion.1The indented quotations in this and the following lectures reproduce the entire text of the Wrangell pamphlet.

[ 2 ] Mit dem Titel «Wissenschaft und Theosophie» wird hier offenbar eine Frage berührt, welche durchzudenken für uns wichtig ist, denn wir werden sehr häufig in die Lage kommen, gegen unsere Bewegung den Einwand zu hören, daß sie nicht wissenschaftlich sei oder daß der Wissenschafter nichts Rechtes mit ihr anzufangen wisse. Kurz, mit der Wissenschaft sich irgendwie auseinanderzusetzen, wird für den einen oder anderen unter uns gewiß sehr häufig notwendig sein, denn er wird diesem Einwand begegnen müssen und vielleicht auch dabei auf manches einzelne hingewiesen werden. Daher wird es gut sein, gerade einmal anzuknüpfen an die Betrachtungen eines Mannes, der von sich die Meinung hat, daß er ganz in dem wissenschaftlichen Geiste der Gegenwart darinnensteht, und von dem man, wenn man die Broschüre durchgelesen hat, ohne weiteres sagen kann, daß er sich mit der Beziehung von Wissenschaft und Theosophie in einer sehr scharfsinnigen Weise auseinandersetzt, und zwar so, daß er eine Beziehung schafft, die mancher zu schaffen versuchen wird, der gerade in dem wissenschaftlichen Betriebe unserer Zeit darinnensteht. Und mit solchen Leuten, die eine Beziehung zwischen Wissenschaft und Theosophie schaffen wollen, müssen wit, oder wenigstens eine gewisse Anzahl von uns, mitdenken können.

[ 2 ] The title “Science and Theosophy” apparently touches on an issue that is important for us to consider, for we will very often find ourselves facing the objection that our movement is not scientific, or that scientists do not know what to make of it. In short, engaging with science in some way will certainly be necessary very often for some of us, for we will have to confront this objection and may also be pointed to various specific details in the process. Therefore, it will be helpful to take up the reflections of a man who considers himself to be fully immersed in the scientific spirit of the present, and of whom, once one has read through the pamphlet, one can readily say that he deals with the relationship between science and theosophy in a very astute manner—namely, in such a way that he establishes a connection that many who are actively engaged in the scientific enterprise of our time will attempt to establish. And we—or at least a certain number of us—must be able to engage with such people who wish to establish a relationship between science and theosophy.

[ 3 ] Da die Broschüre außerdem für die Theosophie wohlwollend geschrieben ist, sind wir zunächst nicht so sehr in die Notwendigkeit versetzt, in Polemik, in Kritik zu verfallen, sondern können an die Gedanken des Verfassers einiges anknüpfen, was sich uns aus dem Spezifischen unseres geistigen Strebens ergibt. Selbstverständlich würde mancher von uns, wenn er eine solche Broschüre schreiben würde, vielleicht nach den verschiedenen Erfahrungen, die wir bei einer solchen Auseinandersetzung gemacht haben, den Titel «Theosophie» sogar vermeiden. Das ist eine Frage, die sich vielleicht im Verlaufe des Lesens der Broschüre selber noch näher beleuchten läßt.

[ 3 ] Since the brochure is also written in a spirit of goodwill toward Theosophy, we are not initially compelled to resort to polemics or criticism, but can build upon some of the author’s ideas, drawing on the specific nature of our spiritual striving. Of course, if some of us were to write such a brochure, we might even avoid the title “Theosophy” altogether, given the various experiences we have had in such debates. This is a question that can perhaps be examined more closely as we read through the brochure itself.

[ 4 ] Die Broschüre ist in einzelne, leicht überschaubare Kapitel eingeteilt und trägt als Motto einen Ausspruch Kants, der da heißt:

[ 4 ] The brochure is divided into separate, easy-to-follow chapters and features a quote from Kant as its motto, which reads:

«Es ist nicht richtig geredet, wenn man in den Hörsälen der Weisheit immer redet, es könne im metaphysischen Sinne nicht mehr als eine einzige Welt existieren.» Kant

“It is not correct to say, in the lecture halls of wisdom, that in a metaphysical sense there cannot be more than a single world.” Kant

[ 5 ] So aus dem Zusammenhang herausgerissen, kann man diesem Ausspruch Kants gewiß nicht besonders viel entnehmen. Der Verfasser dieser Schrift will jedoch sich auf Kant berufen in der Meinung, daß Kant mit diesem Ausspruch sagen wollte, daß das Weltbild, welches die äußere Wissenschaft entwirft, nicht als das einzig mögliche angesehen werden müsse. Hier ist vielleicht die Meinung Kants von dem Verfasser dieses Schriftchens nicht ganz genau getroffen, denn Kant meint in seinem Zusammenhange im Grunde doch etwas anderes. Kant meint: Wenn der Mensch nachdenkt, metaphysisch nachdenkt, so kann er sich verschiedene wirkliche Welten denken, und es ist dann die Frage, warum von diesen verschiedenen denkbaren möglichen Welten für uns gerade diejenige existiert, in der wit leben, während für den Verfasser des Schriftchens die Frage die ist: Gibt es die Möglichkeit, außer dem materialistischen Weltbilde noch andere Weltbilder zu haben? Natürlich hat er dabei die Meinung, daß sich gerade ein anderes, ein spirituelles Weltbild, auch auf diese unsere Welt beziehen müsse.

[ 5 ] Taken out of context like this, one certainly cannot glean much from this statement by Kant. However, the author of this essay wishes to invoke Kant in the belief that Kant intended to say with this statement that the worldview constructed by the empirical sciences need not be regarded as the only possible one. Here, perhaps, the author of this essay has not quite accurately grasped Kant’s view, for in the relevant context Kant essentially means something else. Kant means: When a person reflects—reflects metaphysically—he can conceive of various real worlds, and the question then arises as to why, of these various conceivable possible worlds, the one in which we live is the one that exists for us; whereas for the author of this little treatise, the question is: Is it possible to have worldviews other than the materialistic one? Of course, he holds the view that precisely such a different, spiritual worldview must also apply to this world of ours.

[ 6 ] Dann beginnt die Schrift mit ihrem ersten Aufsatz, der den Titel trägt:

[ 6 ] The journal then begins with its first article, titled:

Einleitendes

Eine mächtige spirituelle Bewegung hat gegenwärtig die europäische Kulturwelt ergriffen, im Gegensatz zu der materialistischen Geistesströmung, die um die Mitte des 19. Jahrhunderts in den geistig führenden Kreisen die herrschende war.

Introduction

A powerful spiritual movement has currently taken hold of European cultural life, in contrast to the materialistic intellectual current that prevailed in intellectual circles around the middle of the 19th century.

[ 7 ] Der Verfasser schaut also gewissermaßen das Getriebe der Geistesarbeit um sich herum an und findet, daß die Dinge anders geworden sind als sie um die Mitte des 19. Jahrhunderts waren; daß man um die Mitte des 19. Jahrhunderts das wissenschaftliche Heil gerade im Materialismus gefunden hat, während nun — in der Zeit, in der dieses Schriftchen veröffentlicht wurde, 1914 — eine mächtige spirituelle Bewegung die europäische Kultur ergriffen hat.

[ 7 ] The author thus observes, as it were, the workings of intellectual activity around him and finds that things have changed from what they were in the mid-19th century; that around the middle of the 19th century, people found the salvation of science precisely in materialism, whereas now—at the time this little book was published, in 1914—a powerful spiritual movement has taken hold of European culture.

[ 8 ] Nun sagt er weiter:

[ 8 ] He goes on to say:

Was sind die inneren Gründe dieser Gegenströmung? Mir scheinen sie nicht nur im metaphysischen Bedürfnis der Menschen zu liegen, sondern auch, zum Teil wenigstens, in dem vielfach erwachten Bewußtsein der Gefahr für die Gesittung der Menschheit, welche mit der Herrschaft einer materialistischen Weltanschauung verbunden ist.

What are the underlying reasons for this countercurrent? It seems to me that they lie not only in people’s metaphysical needs, but also—at least in part—in the widespread awareness of the danger to human civilization posed by the dominance of a materialistic worldview.

[ 9 ] Es gehört also der Verfasser dieses Schriftchens zu denen, welche nicht allein glauben, daß mit dem 20. Jahrhundert ein metaphysisches Bedürfnis der Menschheit erwacht ist, sondern auch glauben, daß eine gewiße sittliche Gefahr darinnen besteht, daß die Gemüter der Menschen von der materialistischen Weltanschauung ergriffen werden.

[ 9 ] The author of this little treatise, therefore, is among those who not only believe that a metaphysical need has awakened in humanity with the 20th century, but also believe that there is a certain moral danger in people’s minds being taken over by a materialistic worldview.

Mit wachsender Geschwindigkeit ergießt sich durch zahlreiche Kanäle die materialistische Geistesströmung von den intellektuellen Höhen in die Niederungen der menschlichen Gesellschaft und verdrängt dort die auf Ehrfurcht begründeten religiösen Überzeugungen, welche dem sittlichen Leben der Menge den festen Halt boten. Immer deutlicher wird es vielen, daß der Sieg materialistischer Weltanschauung in unabwendbarer Konsequenz zu materialistischer Lebensauffassung führt und dementsprechende Lebensführung nach sich zieht, welche in der Ausnutzung der kurzen Lebensfrist zu möglichst vielem Genuß den einzigen vernünftigen Grad des Lebens erblickt.

Auch in früheren Zeiten, wenn ein festes, auf Tradition und Autorität begründetes Sittengebäude zersetzender Verstandeskritik erlag, hat das Haschen nach rohem Sinnesgenuß die Menschheit ergriffen und auf verhängnisvolle Bahnen geführt, die sie von dem entfernten, was wir als ihre eigenste Bestimmung empfinden.

Dem widerspricht nicht die Tatsache, daß unter den Männern, welche, von unbedingter Wahrheitsliebe beseelt, die Ergebnisse ihres Forschens und Denkens ihren Mitmenschen kundtun, ohne Rücksicht darauf, welche Folgen das etwa nach sich ziehen möge daß unter den Männern viele, wenn nicht die meisten, auf einer hohen Stufe sittlicher Größe stehen und von edlen, selbstlosen Beweggründen getrieben werden, in voller Überzeugung, damit der Menschheit zu dienen.

At an ever-increasing pace, the materialistic current of thought is pouring through numerous channels from the intellectual heights into the lower strata of human society, where it is displacing the religious convictions rooted in reverence that once provided a firm foundation for the moral life of the masses. It is becoming increasingly clear to many that the triumph of the materialist worldview inevitably leads to a materialist outlook on life and entails a corresponding way of life, which regards the exploitation of life’s brief span for as much pleasure as possible as the only reasonable way to live.

Even in earlier times, when a firm moral framework grounded in tradition and authority succumbed to corrosive intellectual criticism, the pursuit of crude sensual pleasure took hold of humanity and led it down disastrous paths that distanced it from what we perceive as its very purpose.

This is not contradicted by the fact that among men who, inspired by an unconditional love of truth, make the results of their research and thought known to their fellow human beings, regardless of the consequences this may entail—that among these men, many, if not most, stand at a high level of moral greatness and are driven by noble, selfless motives, fully convinced that they are thereby serving humanity.

[ 10 ] Also hier weist der Verfasser darauf hin, daß gewisse Gefahren für das sittliche Leben der Menschen sich als Konsequenz einer materialistischen Weltanschauung ergeben müssen, und er sagt: Dieser Gefahr kann nicht allein mit dem Einwande begegnet werden, daß diejenigen Menschen, welche theoretisch eine materialistische Weltanschauung als die ihrige und als die richtige anerkennen, selber auf einer hohen Stufe sittlicher Lebensführung stehen.

[ 10 ] Here, the author points out that certain dangers to people’s moral lives must inevitably arise as a consequence of a materialistic worldview, and he says: This danger cannot be countered solely by the objection that those people who theoretically accept a materialistic worldview as their own and as the correct one are themselves at a high level of moral conduct.

[ 11 ] Der Verfasser berührt da, aus seiner Beobachtung heraus, einen Punkt, auf welchen ich in unserer Geisteswissenschaft zu wiederholten Malen, ich darf wohl sagen, von einem höheren Gesichtspunkte aus, hingedeutet habe. Wenn man nämlich sagt, ein so eminent theoretisch-materialistisch wirkender Geist wie zum Beispiel Haeckel, stünde auf dem Boden hoher sittlicher Lebensideale und zeige auch in seinem Leben eine höhere sittliche Lebensauffassung, daher brauche die materialistische Weltanschauung keine materialistische Lebensführung zu bedingen, so vergißt man eines — und darauf habe ich in verschiedenen Vorträgen, die ich gehalten habe, hingewiesen —, man vergißt nämlich, daß sich in der Menschheitsentwickelung die Gefühle und die Gedanken mit verschiedener Geschwindigkeit bewegen.

[ 11 ] Based on his observations, the author touches on a point that I have alluded to repeatedly in our Spiritual Science—and I may well say, from a higher perspective. For when one says that a mind as eminently theoretical and materialistic as Haeckel’s, for example, is grounded in high moral ideals and also demonstrates a higher moral outlook in his life—and that therefore a materialistic worldview need not entail a materialistic way of life—one overlooks one thing—and I have pointed this out in various lectures I have given— namely, that in the development of humanity, feelings and thoughts evolve at different speeds.

[ 12 ] Wenn man nur ein kurzes Stück geschichtlicher Entwickelung der Menschheit überblickt, dann findet man, daß sich die Gedanken verhältnismäßig rasch bewegen. Rasch hat sich vom 15., 16. Jahrhundert an das materialistische Denken, das Ausleben des menschlichen Theoretisierens im materialistischen Gedanken entwickelt und alle Wissenschaften sind nach und nach theoretisch von materialistischen Gedankenformen durchzogen worden. Das sittliche Leben, das sich in Gefühlen darlebt, hat sich weniger rasch entwickelt. Wenigstens zeigen die Menschen noch in ihren alten Empfindungen und Gefühlen, daß das Fühlen nicht so rasch nachgeschritten ist. Daher leben die Menschen heute noch im Sinne der moralischen Gefühle, die sich aus der vorhergehenden Weltanschauung ergeben haben, und darum ist heute ein Zwiespalt vorhanden zwischen dem materialistischen Denken und dem noch im alten Sinne nichtmaterialistischen Leben und einer nichtmaterialistischen Lebensführung. Aber die Zeit rückt heran, wo aus der materialistisch-theoretischen Weltanschauung die Konsequenzen gezogen werden, so daß vor der Türe steht, was man nennen kann: das sittliche Leben wird überflutet durch die Konsequenz der materialistischen Weltanschauung. Man kann also das Verständnis für die verschiedenen Geschwindigkeiten, die die Gefühle und Gedanken haben, wesentlich vertiefen, wenn man sie geisteswissenschaftlich ansieht.

[ 12 ] If one surveys even a brief period of human history, one finds that ideas evolve relatively quickly. Starting in the 15th and 16th centuries, materialistic thinking—the full expression of human theorizing in materialistic thought—developed rapidly, and all sciences have gradually become permeated, theoretically, by materialistic modes of thought. Moral life, which is lived out in feelings, has developed less rapidly. At least, people still show in their old sensibilities and feelings that the capacity for feeling has not advanced as rapidly. Therefore, people today still live in accordance with the moral sentiments that arose from the previous worldview, and that is why there is currently a conflict between materialistic thinking and the still-traditional, non-materialistic way of life and lifestyle. But the time is approaching when the consequences of the materialistic-theoretical worldview will be drawn, so that what one might call the moral life is about to be overwhelmed by the consequences of the materialistic worldview. One can thus significantly deepen one’s understanding of the different rates at which feelings and thoughts develop by viewing them from the perspective of Spiritual Science.

[ 13 ] Nun heißt es weiter:

[ 13 ] It goes on to say:

Wenn aber das Endergebnis dieser Geistesarbeit ein solches ist, das uns als im Widerspruch mit der Bestimmung des Menschen zu stehen scheint, so ist die Frage berechtigt, ob nicht doch im scheinbar so festen Gefüge des kritischen Gedankenganges ein grundsätzlicher Fehler liege?

But if the final result of this intellectual endeavor appears to us to be at odds with the purpose of human existence, then it is legitimate to ask whether there might not be a fundamental flaw in the seemingly so solid structure of critical thought?

[ 14 ] Der Verfasser ist also überzeugt davon, daß aus dem theoretischen Materialismus Unsittliches folgen müsse, und daß er das Heil für die Menschheit nur erwarten kann von der Sittlichkeit. Und so frägt er sich, ob nicht eine materialistische Weltanschauung, die notwendigerweise zur Unsittlichkeit führen muß, nicht nur Fehler zeigt, sondern in sich selber schon Fehler hat, wenn man sie kritisch betrachtet. Und so schreibt er weiter:

[ 14 ] The author is therefore convinced that immorality must necessarily follow from theoretical materialism, and that he can only expect salvation for humanity from morality. And so he wonders whether a materialist worldview—which must necessarily lead to immorality—not only exhibits flaws but is inherently flawed when viewed critically. And so he continues:

Bekundet sich dieser Fehler nur durch das Gefühl, oder kann er auch verstandesmäßig entdeckt werden? Auch mich hat diese Frage beschäftigt, und ich will im Nachfolgenden versuchen, mir selbst Klarheit darüber zu verschaffen. Ich hoffe, daß mein Gedankengang auch manchen Leser interessieren wird, der, gleich mir, die Überzeugung hat, daß es wirksamer ist, einen Irrtum des Verstandes mit seinen eigenen Waffen zu bekämpfen, als gegen denselben nur das Gefühl in die Schranken zu rufen. Um meinen wissenschaftlichen Standpunkt zu bezeichnen, erwähne ich, daß ich meinem Studium nach Astronom bin, daß meine selbständigen Arbeiten auf dem Gebiete der theoretischen Meteorologie und physikalischen Geographie liegen, und daß ich von früher Jugend an fast ausschließlich mich in akademischen Kreisen bewegt habe, und die Achtung vor strenger, auf kritischem Denken begründeter Wissenschaft mir sozusagen in Fleisch und Blut übergegangen ist.

Does this error manifest itself solely through emotion, or can it also be identified through reason? This question has occupied my mind as well, and in what follows I will attempt to clarify it for myself. I hope that my line of reasoning will also interest some readers who, like me, are convinced that it is more effective to combat an error of reason with its own weapons than to rely solely on emotion to counter it. To clarify my scientific standpoint, I should mention that I am an astronomer by training, that my independent work lies in the fields of theoretical meteorology and physical geography, and that from my early youth onward I have moved almost exclusively in academic circles, so that respect for rigorous science grounded in critical thinking has, so to speak, become second nature to me.

[ 15 ] Damit kann der Verfasser allerdings rechtfertigen, daß er etwas über die Beziehungen zwischen Wissenschaft und Theosophie zu sagen hat, weil er zeigt, daß er die Wissenschaft in einem gewissen Punkte kennt und sein Urteil daher unendlich mehr wert sein muß, als das Urteil von jemandem, der zum Beispiel Kant liest und sagt, das ist ja alles Unsinn, wir Theosophen brauchen Kant nicht zu lesen, und der damit nur verrät, daß er selbst vielleicht nicht fünf Zeilen von Kant ernstlich gelesen und durchdacht hat. Weiter heißt es:

[ 15 ] This, however, allows the author to justify having something to say about the relationship between science and theosophy, because he demonstrates that he is familiar with science to a certain extent, and his judgment must therefore be infinitely more valuable than that of someone who, for example, reads Kant and says, “This is all nonsense,” “we Theosophists don’t need to read Kant,” thereby revealing that he himself has probably not seriously read and reflected on even five lines of Kant. It goes on to say:

Ich habe die feste Überzeugung, daß eine Weltanschauung, welche vor strenger Verstandeskritik nicht bestehen kann, nicht von dauerndem Bestande ist, mag sie dem Gefühle noch so sehr zusagen. Diese einleitenden Worte sollten den Leser darüber unterrichten, welche Aufgabe ich mir in dieser Schrift gestellt habe und von welchem Gesichtspunkte aus ich sie zu behandeln gedachte.

I am firmly convinced that a worldview which cannot withstand rigorous intellectual scrutiny is not of lasting value, no matter how appealing it may be to the emotions. These introductory words are intended to inform the reader of the task I have set for myself in this work and the perspective from which I intend to address it.

[ 16 ] Im nächsten Aufsatz wird nun mit wenig Sätzen umschrieben, was materialistisch-mechanische Weltanschauung ist, jene Weltanschauung, die sich im Laufe der letzten Hälfte des 19. Jahrhunderts so herausgebildet hat, daß es viele, viele gegeben hat und auch heute noch gibt, die das, was hier der Verfasser mit einigen Sätzen umschreibt, für die wissenschaftlich allein mögliche Weltanschauung halten. Fassen wir ins Auge, was der Verfasser schreibt:

[ 16 ] The following essay will briefly describe what the materialistic-mechanistic worldview is—that worldview which took shape over the course of the latter half of the 19th century in such a way that there were, and still are today, many, many people who consider what the author describes here in a few sentences to be the only scientifically possible worldview. Let us consider what the author writes:

Die Grundannahmen materialistisch-mechanischer Weltanschauung

Vergegenwärtigen wir uns zuerst die wesentlichsten Grundannahmen einer materialistisch-mechanischen Weltanschauung. Man kann sie in folgende Lehren zusammenfassen:

1. Alles Geschehen, welches wir durch unsere Sinne beobachten und gedanklich wahrnehmen, verläuft gesetzmäßig, d.h. jeder Zustand des Kosmos wird notwendigerweise durch den ihm zeitlich vorhergehenden bedingt und hat ebenso notwendig die ihm nachfolgenden Zustände zur Folge. Alle Veränderungen, d.h. alles Geschehen, sind unabwendbare Folgen der im Kosmos vorhandenen Kräfte.

The Basic Assumptions of a Materialistic-Mechanistic Worldview

Let us first consider the most essential basic assumptions of a materialistic-mechanistic worldview. They can be summarized in the following principles:

1. All events that we observe through our senses and perceive intellectually proceed according to laws; that is, every state of the cosmos is necessarily determined by the state that precedes it in time and just as necessarily gives rise to the states that follow it. All changes—that is, all events—are inevitable consequences of the forces present in the cosmos.

[ 17 ] Nun, das was hier der Verfasser als Grundannahme der materialistisch-mechanischen Weltanschauung zu analysieren versucht, das ist auch im Verlaufe unserer Vorträge oft gesagt worden. Aber wenn Sie das, was der Verfasser hier sagt, vergleichen mit der Art, wie es in unseren Vorträgen gesagt wird, dann werden Sie den Unterschied merken. Und für diejenigen, welche sich in unser geisteswissenschaftliches Bewußtsein einleben wollen, ist es gut, wenn sie sich diesen Unterschied einmal zum Bewußtsein bringen.

[ 17 ] Well, what the author here attempts to analyze as the basic assumption of the materialistic-mechanistic worldview has also been mentioned frequently in the course of our lectures. But if you compare what the author says here with the way it is presented in our lectures, you will notice the difference. And for those who wish to familiarize themselves with our consciousness of Spiritual Science, it is helpful to bring this difference to their attention.

[ 18 ] Wer diesen ersten Punkt, mit dem in schöner, scharfsinniger und wissenschaftskundiger Weise die materialistisch-mechanische Weltanschauung charakterisiert wird, durchliest, der wird sehen: das ist sehr gut; das trifft die materialistisch-mechanische Weltanschauung. Aber wenn wir in den Vorträgen, die zum Zwecke unserer Bewegung gehalten werden, eine solche Charakteristik zu geben versuchen, so wird dies gerade in anderer Weise versucht, und es wäre gut, wenn man darüber nachdenken würde, wie anders bei uns in solchen Dingen verfahren wird.

[ 18 ] Anyone who reads through this first point—which characterizes the materialistic-mechanistic worldview in a beautiful, insightful, and scientifically informed manner—will see: this is very good; it accurately captures the materialistic-mechanistic worldview. But when we attempt to provide such a characterization in the lectures held for the purposes of our movement, we approach it in a different way, and it would be good to reflect on how differently we handle such matters.

[ 19 ] Nicht wahr, Herr von Wrangell gibt wieder, was man die materialistisch-mechanische Weltanschauung nennen kann. Er spricht da von sich aus einige Sätze, in denen er zusammenfaßt, was er an Eindrücken von der Sache erhalten hat. Sie werden bemerkt haben wenn Sie überhaupt darauf ausgehen, solches zu bemerken —, daß ich es in der Regel nicht so, sondern ganz anders mache. Ich gehe in der Regel aus von etwas, was da ist, was in einem geschichtlichen Verlaufe als Ergebnis wirklich da ist. Und so habe ich, wenn ich diesen Punkt charakterisieren wollte, nicht einfach solche Sätze von mir selbst aus gesagt, sondern ich habe irgendeinen der wesentlichen, und zwar der guten Autoren gewählt, um mit den Worten und in der Art eines solchen Autors auszusprechen, was die betreffende Sache ist.

[ 19 ] Isn't it true that Mr. von Wrangell is expressing what might be called a materialistic-mechanistic worldview? He speaks of his own accord, offering a few sentences in which he summarizes the impressions he has gained from the matter. You will have noticed—if you are at all inclined to notice such things—that I generally do not proceed in this way, but quite differently. I generally start from something that is there, something that truly exists as a result of a historical process. And so, if I wanted to characterize this point, I would not simply have spoken such sentences on my own, but I would have chosen one of the essential—and indeed, the good—authors in order to express, in the words and manner of such an author, what the matter in question is.

[ 20 ] So habe ich oftmals an den Namen Du» Bors-Reymond angeknüpft dasjenige, was bei meinen Vorträgen als Unterlage dienen konnte. Dadurch werden Sie vielleicht oftmals, wenn Sie nicht das Ganze im Zusammenhang sehen, die Meinung gewonnen haben, daß ich Du Bois-Reymond kritisieren wollte. Ich will aber nie kritisieren, sondern nur einen charakteristischen Vertreter herausgreifen, so daß nicht ich zu sprechen habe, sondern daß er spricht. Das ist das, was man den bei uns notwendigen Tatsachensinn nennen kann, den Sinn dafür, daß wir nicht Behauptungen hinstellen, sondern die Tatsachen sprechen lassen. So habe ich öfter erzählt, daß Du BoisReymond im Jahre 1872 auf der Leipziger Naturforscherversammlung eine Rede über das Naturerkennen gehalten hat. Er sprach damals auch über die Art und Weise, wie er aus seinen wissenschaftlichen Forschungen heraus zu seiner Auffassung von der Welt gekommen sei.

[ 20 ] I have often used the name Du Bois-Reymond as a starting point for material that could serve as a basis for my lectures. As a result, if you do not see the whole picture in context, you may often have come to believe that I intended to criticize Du Bois-Reymond. But I never intend to criticize; rather, I simply wish to highlight a characteristic representative so that it is not I who speak, but he. This is what we might call the “sense of fact” that is necessary for us—the sense that we do not make assertions, but let the facts speak for themselves. Thus, I have often recounted that Du Bois-Reymond delivered a speech on the understanding of nature at the Leipzig Congress of Natural Scientists in 1872. At that time, he also spoke about the way in which he had arrived at his conception of the world through his scientific research.

[ 21 ] Du Bois-Reymond ist seinem speziellen Forschungsgebiete nach Physiologe. Seine Hauptarbeit liegt auf dem Gebiete der Nervenphysiologie. Er hat oftmals in formgewandter Rede sich über die Weltauffassung der Naturforscher ausgesprochen. So hat er sich auch in dieser Leipziger Naturfotscherversammlung vom Jahre 1872 über die Grenzen der naturwissenschaftlichen Weltanschauung, über die Grenzen des Naturerkennens ausgesprochen, und dabei hat er auch gesprochen von dem Laplaceschen Kopfe. Was ist das? Du Bois-Reymond hat ihn damals charakterisiert. Dieser Laplacesche Kopf ist derjenige, der in Mathematik, Physik, Biologie, Chemie und so weiter der Gegenwart bewandert ist und sich aus diesen Wissenschaften heraus ein Weltbild formt. Ein solcher Laplacescher Kopf kommt also dazu, sich ein Weltbild zu bilden, welches ausgeht von sogenannten astronomischen Erkenntnissen der Wirklichkeit.

[ 21 ] Du Bois-Reymond is a physiologist by specialty. His main work lies in the field of neurophysiology. He has often spoken, in eloquent terms, about the worldview of natural scientists. For example, at the Leipzig Natural Scientists’ Conference in 1872, he spoke about the limits of the scientific worldview and the limits of our understanding of nature, and in doing so, he also spoke of the “Laplacean mind.” What is that? Du Bois-Reymond characterized it at the time. This “Laplacean mind” is one that is well-versed in contemporary mathematics, physics, biology, chemistry, and so on, and forms a worldview based on these sciences. Such a “Laplacean mind,” therefore, ends up forming a worldview that is based on so-called astronomical insights into reality.

[ 22 ] Was ist astronomische Erkenntnis der Wirklichkeit, könnten wir nun fragen; was ist astronomische Erkenntnis? Wir können es uns mit ein paar Worten klarmachen.

[ 22 ] What, we might now ask, is the astronomical understanding of reality; what is astronomical knowledge? We can clarify this in a few words.

[ 23 ] Der Astronom stellt sich vor: die Sonne, die Planeten, den Mond, die Erde; er stellt sich vor die Planeten um die Sonne kreisend oder sich in Ellipsen um sie bewegend, stellt sich vor die Anziehungskraft, die Gravitation, auf die Planeten wirkend, stellt sich vor eine Schwungkraft, und aus dieser Schwungkraft heraus stellt er sich vor, daß die Planeten um die Sonne kreisen.

[ 23 ] The astronomer creates a mental image: the Sun, the planets, the Moon, the Earth; he creates a mental image of the planets orbiting the Sun or moving in ellipses around it; he creates a mental image of the force of attraction—gravity—acting on the planets; he creates a mental image of a centripetal force; and based on this centripetal force, he creates a mental image of the planets orbiting the Sun.

[ 24 ] So hat der Astronom im Auge, daß er verfolgen könne, was um ihn herum im Weltenraum als die großen Geschehnisse vor sich geht; daß er sie verfolgen könne aus den materiellen Wesenheiten heraus, die im Raume zu sehen sind, und aus den Kräften, die sie im Raume aufeinander ausüben. Dadurch, daß die Wesenheiten materielle Kräfte aufeinander ausüben, kommen die Dinge in Bewegung; das heißt, die Dinge kommen in Bewegung, wenn man sich das Sonnensystem so vorstellt und es so anschaut. Man hat ein Bild von den Dingen, die im Raume ausgebreitet sind, und von den Geschehnissen, die im Laufe der Zeit verlaufen.

[ 24 ] Thus, the astronomer keeps in mind that he can observe the major events unfolding around him in outer space; that he can observe them through the material entities visible in space and through the forces they exert upon one another in space. Because these entities exert material forces upon one another, things are set in motion; that is to say, things are set in motion when one has a mental image of the solar system in this way and views it accordingly. One has a picture of the things spread out in space and of the events that unfold over the course of time.

[ 25 ] Nun sagt derjenige, der im Sinne Du Bois-Reymonds sich ein Weltbild, das auf der Höhe der Gegenwart steht, bilden will, das Folgende. Wir müssen annehmen, daß alle Materie aus kleinsten Teilen, aus Atomen, besteht. So, wie ein Sonnensystem aus der Sonne, aus dem Monde und aus den Planeten besteht, so besteht auch das kleinste Stückchen Materie aus etwas Ähnlichem, wie die Sonne mit den Planeten. Und wie die Sonne Kräfte ausübt, und wie die Planeten untereinander Kräfte aussenden und aufeinander wirken, so wirken auch die Kräfte unter den einzelnen Atomen. Dadurch kommen die Atome in Bewegung. Da haben wir im Inneren eines jeden materiellen Teilchens eine Bewegung. Die Atome sind, wie die Sonne und die Planeten, in Bewegung. Die Bewegungen sind zwar kleine Bewegungen, aber doch so, daß wir sie vergleichen können mit den großen Bewegungen, die draußen im Raume von den Himmelskörpern ausgeübt werden, also daß, wenn wir das kleinste Stückchen der Materie nehmen, das wir sehen können, da drinnen etwas vor sich geht, wie dasjenige, was der Astronom draußen im Weltall sich vorstellt. Und nun kam die Naturforschung dazu, sich alles das so vorzustellen, daß, wo immer etwas wirklich in Bewegung ist, dies daher rührt, daß die Atome von ihren Kräften geleitet sind.

[ 25 ] Now, anyone who, in the spirit of Du Bois-Reymond, wishes to form a worldview that is in step with the present says the following. We must assume that all matter consists of the smallest particles, of atoms. Just as a solar system consists of the sun, the moon, and the planets, so too does the smallest piece of matter consist of something similar to the sun and the planets. And just as the sun exerts forces, and just as the planets emit forces among themselves and interact with one another, so too do forces act among the individual atoms. This sets the atoms in motion. Thus, we have motion within every material particle. The atoms, like the sun and the planets, are in motion. Although these movements are small, they are such that we can compare them to the large movements exerted by the celestial bodies out there in space—that is, when we take the smallest piece of matter that we can see, something is happening inside it just as the astronomer has a mental image of it out there in the universe. And now natural science has come to create a mental image of all this in such a way that, wherever something is truly in motion, this stems from the fact that the atoms are guided by their own forces.

[ 26 ] Es hat in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts besonders die Wärmelehre, wie sie begründet worden ist durch Julius Robert Mayer, Joule, Tyndall und Helmholtz, weiter ausgebildet durch Clausius und andere, dazu beigetragen, dieses Weltbild auszubilden. So sagt man, wenn man einen Körper berührt und Wärme empfindet: Das, was man da als die Empfindung «warm» hat, ist nur Schein. Was wirklich draußen existiert, das ist, daß die kleinsten Teile, die Atome der betreffenden Substanz, in Bewegung sind; und man kennt einen Wärmezustand, wenn man weiß, wie die Atome in Bewegung sind, wenn man, um es mit den Worten Du Bois-Reymonds zu sagen, eine astronomische Kenntnis davon hat. Das Ideal des Laplaceschen Kopfes ist es, wenn man erreicht hätte zu sagen: Was geht mich die Wärme an? Mein Weltbild hängt davon ab, daß ich herausfinde die Bewegung der Atome, die durch ihre Bewegung alles, was wir an Wärme, Licht und so weiter haben, bewirken. Dieser Laplacesche Kopf also bildet sich ein Weltbild, das besteht aus Raum, Materie mit ihren wirksamen Kräften, und aus Bewegung. Du Bois-Reymond stellt also in jenem Vortrag, den er über die Grenzen des Naturerkennens in der Leipziger Naturforscherversammlung gehalten hat, dieses Ideal des Laplaceschen Kopfes auf und er fragt: Was würde solch ein Laplacescher Kopf können?

[ 26 ] In the second half of the 19th century, thermodynamics in particular—as established by Julius Robert Mayer, Joule, Tyndall, and Helmholtz, and further developed by Clausius and others—contributed to the formation of this worldview. Thus, when one touches a body and feels heat, one says: What one experiences as the sensation of “warmth” is merely an illusion. What truly exists out there is that the smallest particles—the atoms of the substance in question—are in motion; and one understands a state of heat when one knows how the atoms are moving—when, to use Du Bois-Reymond’s words, one has an “astronomical” understanding of it. The ideal of the Laplacian mind is to reach the point where one can say: What does heat have to do with me? My worldview depends on my discovering the motion of the atoms, which, through their motion, bring about everything we experience as heat, light, and so on. This Laplacian mind, then, forms a worldview consisting of space, matter with its active forces, and motion. In that lecture he gave on the limits of scientific knowledge at the Leipzig Naturalists’ Society, Du Bois-Reymond thus sets forth this ideal of the Laplacian mind and asks: What would such a Laplacian mind be capable of?

[ 27 ] Sehen Sie, sein Ideal ist die astronomische Erkenntnis der Welt. Wenn ein Mathematiker das Bild unseres Sonnensystems nimmt, wie es zu irgendeinem Zeitpunkte ist, so braucht er in seine Formel nur gewisse Zahlen einzusetzen und er bekommt ein Bild davon, wie es vor einer Stunde, vor drei Stunden, vor zehn Jahren, vor Jahrhunderten war. Wie macht man denn das, wenn man errechnen will, ob im ersten Jahrzehnt unserer Zeittechnung eine Sonnen- oder Mondfinsternis zu einer bestimmten Zeit stattgefunden hat? Da hat man nach dem gegenwärtigen Stand der Wissenschaft ausgebildete Formeln. Man braucht nur die entsprechenden Zahlen in die Formel einzusetzen, so kann man jeden einzelnen Zustand berechnen. Man kann berechnen, wann eine Sonnenfinsternis, sagen wir im Jahre 1970 oder im Jahre 2728 stattfinden wird. Kurz, man kann jeden in der Zeit vorhergehenden oder nachfolgenden Zustand berechnen. Und nun müßte der Laplacesche Kopf die Formel haben, die dieses ganze Sonnensystem umfaßt. Wer also diesen Laplaceschen Kopf hätte, der die Atome, die im Raume sind, und alle Bewegungszustände umfaßte, der könnte — und das sagt auch Du BoisReymond — heute aus der Weltformel, die er von den Atomen und ihren gegenwärtigen Bewegungszuständen hat, zum Beispiel berechnen, wann Cäsar den Rubikon überschritten hat. Er brauchte nur in die Formel das Nötige einzusetzen. Es käme nur darauf an, wie die Atome dazumal standen, und es müßte daraus folgen die Tatsache: Cäsar überschreitet den Rubikon. — Wenn man gewisse Werte in die Formel einsetzt, so müßte sich ein gewisses Bild von dem gegenwärtigen Stande der Atome ergeben, und dann würde man zum Beispiel erkennen können die Schlacht von Salamis. Man brauchte nur weiterzugehen von Differential zu Differential, und man würde die ganze Schlacht von Salamis rekonstruieren können. Das ist das Ideal des Laplaceschen Kopfes: eine Welterkenntnis, die astronomisch genannt wird. Es kann gelegentlich noch etwas hinzugefügt werden über diese Dinge. Jetzt will ich nur noch für diejenigen, die aufmerksam darauf sind, ein kleines Erlebnis erwähnen. Als Junge bekam ich einmal ein Schulprogramm in die Hand. Es werden ja solche Schulprogramme gedruckt. Darinnen steht gewöhnlich ein Aufsatz, von einem der Lehrer verfaßt. Dieser Aufsatz war für mich dazumal nicht ganz leicht zu verstehen, denn er hatte den Titel «Die Anziehungskraft betrachtet als Wirkung der Bewegung». Da hatte ich es schon dazumal mit einem Verfasser zu tun, der sozusagen auch das Ideal des Laplaceschen Kopfes sich vorgesetzt hatte; und noch manches andere hatte er ausgeführt in derselben Richtung.

[ 27 ] You see, his ideal is the astronomical understanding of the world. When a mathematician takes the image of our solar system as it is at any given moment, he need only plug certain numbers into his formula to obtain a picture of what it was like an hour ago, three hours ago, ten years ago, or centuries ago. How does one go about this if one wants to calculate whether a solar or lunar eclipse took place at a specific time during the first decade of our calendar? There are formulas developed based on the current state of science. One need only plug the corresponding numbers into the formula to calculate every single state. One can calculate when a solar eclipse will occur—say, in the year 1970 or in the year 2728. In short, one can calculate every state preceding or following that point in time. And now, a mind like Laplace’s would need to have the formula that encompasses this entire solar system. So anyone who possessed this “Laplacean mind”—one that encompassed the atoms in space and all their states of motion—could—as Du Bois-Reymond also says—use the “world formula” derived from the atoms and their current states of motion to calculate, for example, when Caesar crossed the Rubicon. He would only need to plug the necessary values into the formula. It would depend solely on how the atoms were arranged at that time, and the fact that “Caesar crossed the Rubicon” would follow from that. — If one substitutes certain values into the formula, a certain picture of the current state of the atoms would emerge, and then one could, for example, discern the Battle of Salamis. One would only need to proceed from differential to differential, and one would be able to reconstruct the entire Battle of Salamis. That is the ideal of the Laplacian mind: a knowledge of the world that is called astronomical. There may be more to add on these matters from time to time. For now, I’d just like to mention a small experience for those who are paying close attention. As a boy, I once came across a school yearbook. Such yearbooks are, of course, printed. They usually contain an essay written by one of the teachers. At the time, this essay was not entirely easy for me to understand, for it was titled “The Force of Attraction Considered as the Effect of Motion.” Even back then, I was dealing with an author who, so to speak, had also set himself the ideal of the Laplacian mind; and he had elaborated on many other points along the same lines.

[ 28 ] Wenn Sie das alles zusammennehmen, werden Sie sehen, daß ich nicht nach einer bloßen Idee von astronomisch-materialistischer Weltauffassung zu sprechen versuchte, sondern die Tatsachen, die Persönlichkeiten selbst sprechen zu lassen, so daß wirklich in einem gewissen Sinne von mir erstrebt wurde, einen Darstellungsstil zu pflegen, der das Persönliche ausschaltet. Denn wenn ich Ihnen erzählte, was Du Bois-Reymond bei einer besonderen Gelegenheit gesprochen hat, so lasse ich ihn sprechen und nicht mich. Meine Aufgabe ist es nur, dem, was die Persönlichkeiten gesprochen haben, nachzugehen; ich versuche, die Welt sprechen zu lassen. Das ist der Versuch, sich selbst auszuschalten, nicht seine eigenen Ansichten zu erzählen, sondern Tatsachen. Man sollte sich beim Lesen dieses Wrangellschen Punktes gerade bewußt werden, daß von unserer Geisteswissenschaft schon in der Art der Darstellung der Tatsachensinn angestrebt wird, der Sinn, nicht bloß am Objektiven herumzulutschen, sondern der Sinn, sich in die Tatsachen zu vertiefen, sich in sie wirklich zu versenken.

[ 28 ] If you take all of this together, you will see that I did not attempt to speak merely of an abstract idea of an astronomical-materialist worldview, but rather let the facts and the personalities themselves speak, so that, in a certain sense, I truly strove to cultivate a style of presentation that eliminates the personal. For when I tell you what Du Bois-Reymond said on a particular occasion, I let him speak and not myself. My task is simply to follow up on what these figures have said; I try to let the world speak. This is an attempt to set myself aside, not to recount my own views, but to present facts. When reading this passage by Wrangell, one should be particularly aware that our Spiritual Science already strives, in the very manner of its presentation, for a sense of the facts—not merely to skim over the objective, but to delve deeply into the facts, to truly immerse oneself in them.

[ 29 ] Jetzt werden Sie das, was von mir aus den Tatsachen herausgeschält worden ist, wiedererkennen, wenn Sie die folgenden Zeilen des Schriftchens nochmals auf sich wirken lassen: «Alles Geschehen, welches wir durch unsere Sinne beobachten und gedanklich wahrnehmen, verläuft geserzmäßig, d.h. jeder Zustand des Kosmos wird notwendigerweise dutch den ihm zeitlich vorhergehenden bedingt und hat ebenso notwendig die ihm nachfolgenden Zustände zur Folge. Alle Veränderungen, d.h. alles Geschehen, sind unabwendbare Folgen der im Kosmos vorhandenen Kräfte.»

[ 29 ] Now you will recognize what I have distilled from the facts when you let the following lines from the pamphlet sink in once more: “All events that we observe through our senses and perceive mentally proceed according to laws; that is, every state of the cosmos is necessarily conditioned by the state that precedes it in time and just as necessarily gives rise to the states that follow it. All changes—that is, all events—are inevitable consequences of the forces present in the cosmos.”

[ 30 ] Und nun heißt es weiter:

[ 30 ] And now it continues:

Es berührt das Wesen der Frage nicht, ob man — der besseren Anschaulichkeit wegen — den Träger der Kräfte «Stoff» nennt oder, nach Vorgang der Monisten, den Begriff «Energie» als einziges Wirksames sich vorstellt, welches den menschlichen Sinnen zwar verschiedene Erscheinungsformen darbietet, aber im Grunde eine unabänderliche Summe von latenten oder aktuellen Bewegungsmöglichkeiten darstellt.

It does not affect the essence of the question whether—for the sake of clarity—one calls the carrier of these forces “matter” or, following the monists, forms a mental image of “energy” as the sole active force, which, while presenting various forms of appearance to the human senses, essentially represents an unchanging sum of latent or actual possibilities of motion.

[ 31 ] Auch einen solchen Satz würde ich in den seltensten Fällen, und nur dann, wenn schon anderes zusammengefaßt ist, so prägen. Erinnern Sie sich, daß ich auch einmal von dem gesprochen habe, was in diesem Satz zum Ausdruck kommt. Da steht: «Es berührt das Wesen der Frage nicht, ob man — der besseren Anschaulichkeit wegen — den Träger der Kräfte «Stofb nennt oder, nach Vorgang der Monisten, den Begriff «Energie als einziges Wirksames sich vorstellt...». Ich würde nicht so sagen, sondern ich würde wirklich hinzeigen auf die Schüler Haeckels und Büchners, die vor allen Dingen auf den Stoff sehen, der im Raume ausgebreitet ist. Das waren, nach dem Ausdrucke des Schwaben-Vischers, die «Stoffhuber».

[ 31 ] I, too, would rarely phrase a sentence like that—and only if other ideas have already been summarized. Do you recall that I once spoke about what is expressed in this sentence? It reads: “It does not affect the essence of the question whether one—for the sake of greater clarity—calls the bearer of forces ‘matter’ or, following the monists, forms a mental image of the concept of ‘energy’ as the sole active force...” I would not put it that way, but I would indeed point to the students of Haeckel and Büchner, who focus above all on the matter spread out in space. These were, in the words of the Swabian Vischer, the “Stoffhuber.”

[ 32 ] Dann kam derjenige, der der Vorsitzende des Monistenbundes jetzt ist: Ostwald. Der hielt auf einer Naturforscherversammlung, ich glaube, es war diejenige in Kiel — ich habe davon auch schon gesprochen — einen Vortrag über die Überwindung des Materialismus durch die Energetik, durch den Energismus. Da hat er aufmerksam darauf gemacht, daß es nicht auf den Stoff ankäme, sondern auf die Kraft. Er ersetzte also den Stoff durch die Kraft. Erinnern Sie sich, wie ich seine eigenen Worte anführte, die er damals gebrauchte. Er sagte dem Sinne nach: Wenn einer von einem anderen eine Ohrfeige bekommt, so handelt es sich für den, der die Ohrfeige bekommt, nicht um den Stoff, sondern um die Kraft, mit der er die Ohrfeige bekommt. Nirgends nehmen wir den Stoff wahr, sondern die Kraft. Und daher wurde an die Stelle des Stoffes die Kraft gesetzt, oder mit einer gewissen nicht nur Umschreibung, sondern Umformung: die Energie. Aber dieser Energismus, der jetzt sich Monismus nennt, ist nichts anderes als ein maskierter Materialismus. Wiederum versuchte ich mit einem Beispiel Ihnen zu zeigen, wie es wirklich einmal eine Zeit gegeben hat, wo an die Stelle der «Stoffhuber» die «Energiehuber» traten. Nicht einen theoretischen Satz versuchte ich hinzustellen, sondern aus dem Realen heraus versuchte ich zu charakterisieren. Und das muß überhaupt unser Bestreben sein. Denn nur dadurch kommen wir dazu, Sinn für das Reale im Geistigen zu entwickeln, daß wir im Physischen Sinn für das Reale haben und nicht an unseren eigenen Behauptungen herumlutschen.

[ 32 ] Then came the man who is now the chairman of the Monist League: Ostwald. At a meeting of natural scientists—I believe it was the one in Kiel, which I have already mentioned—he gave a lecture on overcoming materialism through energetics, through “energism.” There he pointed out that what matters is not matter, but force. So he replaced matter with force. Do you remember how I quoted his own words from back then? He said, in essence: When one person slaps another, what matters to the person receiving the slap is not the matter but the force with which the slap is delivered. Nowhere do we perceive matter, but rather force. And so force was substituted for matter—or, to use not merely a rephrasing but a transformation: energy. But this “energism,” which now calls itself monism, is nothing other than masked materialism. Once again, I tried to show you with an example how there really was a time when the “matter-worshippers” were replaced by the “energy-worshippers.” I did not attempt to present a theoretical proposition, but rather sought to characterize the reality as it is. And that must be our aim in general. For it is only by having a sense of reality in the physical realm that we can develop a sense of reality in the spiritual realm—rather than merely dabbling in our own assertions.

[ 33 ] So sagt also der Verfasser des Schriftchens: «Es berührt das Wesen der Frage nicht, ob man — der besseren Anschaulichkeit wegen — den Träger der Kräfte «Stoff» nennt oder, nach Vorgang der Monisten, den Begriff Energie» als einziges Wirksames sich vorstellt...» Die Wärme ist die eine Art, gleichsam das Werkzeug, Ohrfeigen zu bekommen, das Licht ist die andere Art. Und wenn man eingeht auf die verschiedenen Sinnesorgane, so muß man sagen, da wirken die Ohrfeigen jeweils anders. Wenn sie zum Beispiel auf die Augen kommen, so wirken die gleichen Ohrfeigen als Lichterscheinungen. So ist auch die Theorie. Sehen Sie sich nur noch einmal die Worte an: «Es berührt das Wesen der Frage nicht, ob man — der besseren Anschaulichkeit wegen — den Träger der Kräfte «Stoff» nennt oder, nach Vorgang der Monisten, den Begriff «Energie als einziges Wirksames sich vorstellt, welches den menschlichen Sinnen zwar verschiedene Erscheinungsformen darbietet, aber im Grunde eine unabänderliche Summe von latenten oder aktuellen Bewegungsmöglichkeiten darstellt.»

[ 33 ] Thus, the author of the pamphlet states: “It does not affect the essence of the question whether—for the sake of greater clarity—one calls the carrier of forces ‘matter’ or, following the example of the monists, forms a mental image of the concept of ‘energy’ as the sole active force...” Heat is one way—as it were, the tool—of receiving slaps; light is the other way. And when one considers the various sense organs, one must say that the slaps have a different effect in each case. When they strike the eyes, for example, the same slaps appear as light phenomena. That is also the theory. Just look at the words once more: “It does not affect the essence of the question whether—for the sake of greater clarity—one calls the bearer of the forces ‘matter’ or, following the monists, forms a mental image of ‘energy’ as the sole active force, which, while presenting various forms of appearance to the human senses, fundamentally represents an unchanging sum of latent or actual possibilities of movement.”

[ 34 ] Was der Verfasser hier mit den Ausdruck «latente oder aktuelle Bewegungsmöglichkeiten» meint, können Sie sich so klarmachen: Denken Sie sich einmal hier irgendeine Widerlage, und darauf eine Röhre, eine Glasröhre, darinnen Wasser. Dieses Wasser drückt hier auf den Boden. In dem Augenblicke, wo ich die Widerlage wegziehe, rinnt das Wasser herunter. In dem letzteren Falle haben wir es zu tun mit einer aktuellen Bewegung; bevor ich die Widerlage weggezogen habe, war dieselbe Kraft da, nur war sie nicht aktuell, sondern ruhte. Alles, was vom Wasser dann herunterströmte und aktuell wurde, das war vorher latent, nicht aktuell.

[ 34 ] You can understand what the author means here by the phrase “latent or actual possibilities of motion” as follows: Imagine a support here, and on top of it a tube—a glass tube—containing water. This water exerts pressure on the bottom of the tube. The moment I remove the support, the water flows down. In the latter case, we are dealing with an actual movement; before I removed the support, the same force was present, but it was not active—it was at rest. Everything that then flowed down from the water and became active was previously latent, not active.

Der Verlauf alles Geschehens ist unabänderlich gegeben, und auch der Mensch ist in seinem Denken, Fühlen, Wollen ebenso unfrei, wie zum Beispiel der Stein in seinem Fallen.

The course of all events is fixed and unchangeable, and human beings, too, are just as unfree in their thinking, feeling, and willing as, for example, a stone in its fall.

[ 35 ] Das ist die notwendige Folge der Weltanschauung des Laplaceschen. Kopfes, daß, wenn ich da die Hand hinlege, das ein Bild der sich bewegenden Atome ist, und wenn der Laplacesche Kopf das Bild noch berechnen kann, wie ich das angedeutet habe, so schließt das die Freiheit des Menschen aus, das heißt, der Laplacesche Kopf schließt die Freiheit des Menschen aus.

[ 35 ] This is the necessary consequence of Laplace’s worldview. That is, if I place my hand there—which is an image of the moving atoms—and if the Laplacian mind can still calculate that image, as I have indicated, then this rules out human freedom; that is, the Laplacian mind rules out human freedom.

[ 36 ] Das ist der erste Punkt, den Herr von Wrangell anführt aus der materialistisch-mechanischen Weltanschauung heraus. Der zweite Punkt ist der folgende:

[ 36 ] This is the first point that Mr. von Wrangell raises from the perspective of a materialistic-mechanistic worldview. The second point is as follows:

2. Die inneren Erlebnisse, welche sich im Bewußtsein des Menschen abspielen (seine Gefühle, Gedanken, Willensimpulse), sind nicht wesentlich verschieden von sonstigen Vorgängen in der Natur, die der Mensch durch seine Sinne beobachtet. Diese inneren Erlebnisse sind nur Begleiterscheinungen von stofflichen Vorgängen innerhalb des menschlichen Gehirns und Nervensystems.

2. The inner experiences that take place in human consciousness (one’s feelings, thoughts, and volitional impulses) are not fundamentally different from other processes in nature that humans observe through their senses. These inner experiences are merely byproducts of material processes within the human brain and nervous system.

[ 37 ] In diesem zweiten Punkte ist also ausgedrückt, daß wenn ich denke, fühle und will, das nur eine Begleiterscheinung der inneren Vorgänge ist, die der Laplacesche Kopf sich auswählt. Wir haben es also nicht mit selbständigen Gedanken, Gefühlen und Willensimpulsen zu tun, sondern nur mit Begleiterscheinungen. Wenn Sie verfolgen, was ich zum Beispiel in dem Vortrage «Das Erbe des 19. Jahrhunderts» und in ähnlichen anderen Vorträgen gesagt habe, wenn Sie manches durchstudieren, was in den «Rätseln der Philosophie» enthalten ist, dann werden Sie sehen, wie viele Geister in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sich diese Anschauung wie eine Selbstverständlichkeit gebildet haben, daß der Mensch eigentlich nichts anderes ist als das Gefüge der materiellen Vorgänge und ihrer Energien, und daß die Gedanken, Gefühle und Willensimpulse nur Begleiterscheinungen sind.

[ 37 ] This second point thus expresses the idea that when I think, feel, and will, these are merely accompanying phenomena of the internal processes that Laplace’s head selects for itself. We are therefore not dealing with independent thoughts, feelings, and impulses of the will, but only with accompanying phenomena. If you follow what I have said, for example, in the lecture “The Legacy of the 19th Century” and in other similar lectures, if you study some of what is contained in *The Riddles of Philosophy*, then you will see how many thinkers in the second half of the 19th century came to regard as self-evident the view that human beings are in fact nothing other than the structure of material processes and their energies, and that thoughts, feelings, and impulses of will are merely accompanying phenomena.

[ 38 ] Als dritten Punkt der materialistisch-mechanischen Weltanschauung gibt Herr von Wrangell das Folgende an:

[ 38 ] As the third point of the materialistic-mechanistic worldview, Mr. von Wrangell states the following:

3. Nach dem leiblichen Tode des Menschen hört die Existenz des menschlichen Einzelwesens endgültig auf, da das sogenannte geistige Leben des Menschen an seine Körperlichkeit gebunden ist und ohne sie nicht bestehen kann.

3. After a person’s physical death, the existence of the individual human being comes to a definitive end, since a person’s so-called spiritual life is bound to their physical body and cannot exist without it.

[ 39 ] Diesen Punkt kann jeder als Konsequenz des ersten Punktes einsehen. Der erste Punkt ist das, worauf es ankommt. Der zweite und dritte sind notwendige Konsequenzen.

[ 39 ] Anyone can see this point as a consequence of the first point. The first point is what matters. The second and third are necessary consequences.

[ 40 ] In dem nächsten Aufsätzchen spricht Herr von Wrangell über dasjenige, was er nennt:

[ 40 ] In the next short essay, Mr. von Wrangell discusses what he calls:

Prüfung dieser Grundannahmen

Worauf gründen sich diese Grundannahmen der materialistischen Weltanschauung? Sind es unzweifelhaft erwiesene Tatsachen oder nur mehr oder weniger wahrscheinliche Hypothesen? Die wichtigste und folgenschwerste der drei vorerwähnten Annahmen ist die erste vom notwendigen Verlauf alles Geschehens. Ste wird nicht nur von Materialisten als über jeden Zweifel erhaben angesehen, sondern auch von vielen Spiritualisten, die zwar die selbständige Existenz geistiger Wesenheiten annehmen und an das Fortbestehen des geistigen Wesens des Menschen, ihrer «Seele», nach dem leiblichen Tode glauben, die aber das unabänderlich Gesetzmäßige innerhalb der Geisteswelt wie innerhalb der Sinneswelt annehmen. Zunächst sei also festgestellt, daß diese Vorstellung der unbedingten, ausnahmslosen Gesetzmäßigkeit, d.h. Notwendigkeit alles Geschehens, auch auf geistigem Gebiet, den Begriff der Sittlichkeit, des Guten und Bösen ausschließt, denn sittlich handeln heißt, das Gute wählen, wenn das Böse gewählt werden könnte.

Examining These Basic Assumptions

On what are these basic assumptions of the materialist worldview based? Are they indisputably proven facts, or merely more or less probable hypotheses? The most important and far-reaching of the three aforementioned assumptions is the first one—the idea of the necessary course of all events. It is regarded as beyond all doubt not only by materialists but also by many spiritualists, who, while accepting the independent existence of spiritual beings and believing in the continued existence of the human spiritual essence—their “soul”—after physical death, nevertheless accept the immutable laws governing both the spiritual world and the sensory world. First, then, let it be established that this mental image of unconditional, exceptionless regularity—that is, the necessity of all events, even in the spiritual realm—excludes the concept of morality, of good and evil; for to act morally means to choose the good when the evil could be chosen.

[ 41 ] In diesem Kapitelchen sucht sich Herr von Wrangell klarzumachen, daß es ein Sittliches nicht geben könne, wenn die materialistisch-mechanische Weltanschauung die einzig richtige ist. Denn wenn ich jeden Augenblick meines Lebens das tun muß, was nur eine Begleiterscheinung der Atome ist, dann kann von einer Freiheit nicht die Rede sein, auch von einem Sittlichen kann nicht die Rede sein, denn es wird alles mit Notwendigkeit getan. So wie man nicht sagen kann, der Stein, der zur Erde fällt, ist gut, und der, welcher nicht zur Erde fällt, ist nicht gut, so kann man auch nicht von den Handlungen der Menschen sprechen, daß sie gut oder nicht gut sind. Beim Verbrecher erfolgt alles mit Notwendigkeit; beim guten Menschen erfolgt alles mit Notwendigkeit. Daher liegt also etwas Richtiges in dem Satze: «Zunächst sei also festgestellt, daß diese Vorstellung der unbedingten, ausnahmslosen Gesetzmäßigkeit, d.h. Notwendigkeit alles Geschehens, auch auf geistigem Gebiet, den Begriff der Sittlichkeit, des Guten und Bösen ausschließt; denn sittlich handeln heißt, das Gute wählen, wenn das Böse gewählt werden könnte.» Wählen kann man aber nicht, wenn alles in die materialistische Notwendigkeit eingeschnürt ist.

[ 41 ] In this short chapter, Mr. von Wrangell attempts to make clear that morality cannot exist if the materialistic-mechanistic worldview is the only correct one. For if I must do, at every moment of my life, what is merely a byproduct of the atoms, then there can be no question of freedom, nor can there be any question of morality, since everything is done out of necessity. Just as one cannot say that a stone falling to the ground is good, and one that does not fall to the ground is not good, so too one cannot say of human actions that they are good or not good. In the case of a criminal, everything happens out of necessity; in the case of a good person, everything happens out of necessity. Therefore, there is some truth in the statement: “ First, let it be established that this mental image of unconditional, exceptionless lawfulness—that is, the necessity of all events, including those in the spiritual realm—excludes the concept of morality, of good and evil; for to act morally means to choose the good when the evil could be chosen.” But one cannot choose if everything is bound by materialistic necessity.

[ 42 ] Das nächste Kapitel ist überschrieben:

[ 42 ] The next chapter is titled:

Freiheit und Sittlichkeit

Sobald keine Freiheit des Entschlusses vorliegt, kann von Sittlichkeit nicht die Rede sein in dem Sinne, wie dieser Begriff von den Menschen aufgefaßt wird und wie er unserem inneren Empfinden entspricht. Wir können wohl von mehr oder weniger nützlichen, unfreien Handlungen und Impulsen reden, aber eine sittliche Beurteilung unfreier Handlungen oder Gefühle hat keine Berechtigung, keinen Sinn. Mit Beseitigung der Freiheit fällt auch die Verantwortlichkeit weg. Dieser zweifellose Zusammenhang zwischen Freiheit und Sittlichkeit kann nicht als Argument gegen den Begriff der Gesetzmäßigkeit gelten; es soll damit bloß in Erinnerung gebracht werden, welche logische Folgen mit der Annahme unbedingter Notwendigkeit verbunden ist.

Freedom and Morality

As soon as there is no freedom of choice, there can be no question of morality in the sense in which this concept is understood by human beings and in which it corresponds to our inner feelings. We can certainly speak of more or less useful, unfree actions and impulses, but a moral judgment of unfree actions or feelings has no justification and no meaning. With the elimination of freedom, responsibility also ceases to exist. This indisputable connection between freedom and morality cannot serve as an argument against the concept of lawfulness; it is merely intended to remind us of the logical consequences associated with the assumption of unconditional necessity.

[ 43 ] Also Herr von Wrangell sucht hier klarzumachen, daß aus der materialistisch-mechanischen Weltanschauung unbedingt folgt, daß von Freiheit und Sittlichkeit eigentlich nicht gesprochen werden kann.

[ 43 ] Thus, Mr. von Wrangell seeks to make it clear here that it necessarily follows from the materialistic-mechanistic worldview that one cannot really speak of freedom and morality.

[ 44 ] Nun ist er ein wissenschaftlicher Kopf, und ein wissenschaftlicher Kopf ist gewohnt, wirklich, in ehrlicher Weise, die Konsequenzen von Voraussetzungen zu ziehen. Unserer Zeit entgeht vieles, was auf sie sogleich absurd wirken würde, wenn sie wirklich schon das wissenschaftliche Gewissen aufgenommen hätte, wenn sie nicht ohne wissenschaftliches Gewissen alles mögliche zusammenrühren und zusammenwerfen würde. Das tut Herr von Wrangell nicht, sondern er sagt: Nehmen wir die materialistische Weltauffassung an, so dürfen wir nicht mehr von Freiheit und Sittlichkeit sprechen; denn entweder ist die materialistische Weltanschauung richtig, und dann ist es ein Unsinn, von Freiheit und Sittlichkeit zu sprechen, oder man spricht von Freiheit und Sittlichkeit, und dann hat es keinen Sinn, von der materialistisch-mechanischen Weltanschauung zu sprechen.

[ 44 ] Now, he is a scientific mind, and a scientific mind is accustomed to drawing the consequences of premises in a genuine, honest manner. Our age misses much that would immediately strike it as absurd if it had truly already adopted a scientific conscience—if it did not, lacking such a conscience, mix and jumble together all sorts of things. Mr. von Wrangell does not do this; rather, he says: If we accept the materialist worldview, we can no longer speak of freedom and morality; for either the materialist worldview is correct—in which case it is nonsense to speak of freedom and morality—or we speak of freedom and morality—in which case it makes no sense to speak of the materialist-mechanical worldview.

[ 45 ] Da aber Herr von Wrangell ein Wissenschafter ist, der schon gewohnt ist, die Konsequenzen seiner Voraussetzungen zu ziehen das ist eine wichtige Tatsache —, so ist er nicht gewohnt, die Dinge in seinem Denken so schlampig zu haben; denn es ist eine Schlamperei des Denkens, wenn einer sagt, ich bin Materialist und nicht zugleich die Sittlichkeit leugnet. Dieser Schlamperei des Denkens will et sich nicht schuldig machen. Auf der anderen Seite hat er auch die Gewohnheit, die man eben hat, wenn man Wissenschafter geworden ist, nämlich zu sagen: Möge die Welt in Trümmer gehen, das, was ich wissenschaftlich erkannt habe, muß wahr sein! Daher kann man nicht sagen, man werfe die materialistische Anschauung einfach weg, sondern wenn die materialistische Weltanschauung wahr ist, so muß sie angenommen werden und dann steht man vor der traurigen Notwendigkeit, die Sittlichkeit über Bord werfen zu müssen. Da handelt es sich also nicht bloß darum, zu fragen: Wohin kommen wir mit der Sittlichkeit? — er sagt, das genügt nicht —, sondern es muß die materialistische Weltanschauung untersucht werden, ganz abgesehen davon, was für Folgen dies für die Sittlichkeit hat. Also es muß auf eine andere Art der materialistischen Weltanschauung zu Leibe gegangen werden.

[ 45 ] But since Mr. von Wrangell is a scientist who is already accustomed to drawing the consequences of his premises—and that is an important fact—he is not accustomed to being so sloppy in his thinking; for it is a sloppiness of thought when someone says, “I am a materialist,” without at the same time denying morality. He does not wish to be guilty of this sloppiness of thought. On the other hand, he also has the habit that one tends to develop when one becomes a scientist, namely to say: “Let the world fall to pieces—what I have scientifically discovered must be true!” Therefore, one cannot simply say, “Let’s discard the materialist worldview”; rather, if the materialist worldview is true, it must be accepted—and then one is faced with the sad necessity of having to cast morality overboard. So it is not merely a matter of asking, “Where does morality lead us?”—he says that is not enough—but rather the materialist worldview must be examined, quite apart from whatever consequences this may have for morality. Thus, a different approach to the materialist worldview must be taken.

[ 46 ] Das nächste Kapitel heißt:

[ 46 ] The next chapter is titled:

Das Welträtsel

Ja, man kann sagen, daß die Frage, ob der Mensch für sein Tun verantwortlich ist, d.h. ob er die Möglichkeit hat, seine Willensimpulse nach Motiven zu regeln, die »1cAht durch seine leibliche Organisation eindeutig bestimmt sind, — daß diese Frage über Freiheit oder Unfreiheit des Willens für uns Menschen das ganze Welträtsel in sich schließt. Denn wenn diese Frage im Sinne der im ganzen Weltall unbedingt und ausnahmslos geltenden Notwendigkeit alles Geschehens beantwortet werden 722ß, dann ist der Materialismus die einzig richtige Anschauung und die Welt mit all ihrer Qual und Leiden ein zwecklos ablaufender Mecha nismus, ohne erkennbaren Anfang zwar, aber mit dem ewigen Tode des Ganzen als Endziel.

The Mystery of the World

Yes, one can say that the question of whether human beings are responsible for their actions—that is, whether they have the ability to regulate their volitional impulses according to motives that are “clearly determined by their physical constitution”—that this question of the freedom or lack of freedom of the will encompasses the entire mystery of the universe for us humans. For if this question is answered in terms of the necessity of all events—which applies absolutely and without exception throughout the entire universe—then materialism is the only correct view, and the world, with all its torment and suffering, is a mechanism operating without purpose, without a discernible beginning, but with the eternal death of the whole as its ultimate goal.

[ 47 ] Als wir mit unserer geisteswissenschaftlichen Bewegung begannen, hatte ich Veranlassung, einige Gedichte der Dichterin Marie Eugenie delle Grazie vorzulesen, die sich, man könnte sagen, durchgerungen hat zu einer materialistisch-mechanischen Weltauffassung und sogar als Dichterin wirklich die Konsequenzen daraus zieht. Daher hat sie Gedichte geformt wie «Ein schmutziger Wirbel ist das Dasein». — Darauf muß man ja kommen, wenn man in seinem Denken nicht schlampig ist, wenn man sein Denken auf seine Gefühle wirken läßt. Und nur weil die Menschen in ihrem Denken so schlampig sind und so feige, stellen sie sich nicht die Frage: Was wird aus dem Leben unter dem Eindrucke der materialistisch-mechanischen Weltanschauung? — Aber man muß doch zeigen, daß sie in sich unrichtig ist, sonst hätte man einfach die Konsequenz der delle Grazie aufgenommen.

[ 47 ] When we began our Spiritual Science movement, I had occasion to read aloud some poems by the poet Marie Eugenie delle Grazie, who, one might say, has come to embrace a materialistic-mechanistic worldview and, even as a poet, truly draws the logical conclusions from it. That is why she has written poems such as “Existence is a filthy whirlwind.” — One must surely arrive at this conclusion if one is not sloppy in one’s thinking, if one allows one’s thoughts to influence one’s feelings. And it is only because people are so careless and so cowardly in their thinking that they do not ask themselves the question: What becomes of life under the influence of a materialistic-mechanistic worldview? — But one must show that it is inherently flawed; otherwise, one would simply have accepted the consequences of delle Grazie’s view.

[ 48 ] Weiter sagt Herr von Wrangell:

[ 48 ] Mr. von Wrangell goes on to say:

Die größen Geister, die tiefsten Denker haben sich um Lösung dieser wichtigsten aller Fragen bemüht, und es scheint vermessen, da etwas Neues sagen zu wollen. Es kann sich hier aber nicht um eine allgemein gültige Antwort handeln, sondern höchstens um einen Hinweis auf den Gedankengang, der zu einer subjektiven Lösung des Rätsels geführt hat. Ein solcher Hinweis kann manchmal einer ähnlich gestimmten Seele eine Hilfe sein.

The greatest minds and the deepest thinkers have sought to solve this most important of all questions, and it seems presumptuous to attempt to say anything new on the matter. However, this cannot be a universally valid answer, but at most a hint at the train of thought that led to a subjective solution to the riddle. Such a hint can sometimes be of help to a kindred spirit.

[ 49 ] Herr von Wrangell macht also darauf aufmerksam, daß die größten Geister, Dichter und Denker sich um die Lösung dieser Frage bemüht haben, und daß es unnötig sei, da noch etwas Neues sagen zu wollen. Es könne sich höchstens um einen Hinweis handeln auf den Gedankengang, der zu einer subjektiven Lösung dieses Rätsels geführt hat; also um einen Hinweis auf seinen eigenen Gedankengang.

[ 49 ] Mr. von Wrangell thus points out that the greatest minds—poets and thinkers—have sought to resolve this question, and that it is unnecessary to attempt to say anything new on the matter. At most, it could be a reference to the train of thought that led to a subjective solution to this riddle—that is, a reference to his own train of thought.

[ 50 ] Im nächsten Kapitel untersucht er, woher es kommt, daß wir die Vorstellung haben: das Vorhergehende hat immer das Folgende gesetzmäßig nach sich ziehend. Es heißt:

[ 50 ] In the next chapter, he examines the origin of our mental image that what precedes always logically entails what follows. It states:

Ursprung der Gesetzmäßigkeit

Von diesem Gesichtspunkte aus scheint es berechtigt, die Frage aufzuwerfen: Von wo entnehmen wir die Vorstellung der unbedingten Gesetzmäßigkeit alles Geschehens? Ist es etwa eine unmittelbare, allem Denken zu Grunde liegende intuitive Wahrheit, oder hat sich die Menschheit erst allmählich, durch lange mühevolle Geistesarbeit zu dieser Vorstellung durchgerungen; eine Vorstellung, die jetzt dem am Kulturwerk der Vergangenheit zehrenden Europäer als selbstverständliche Wahrheit erscheint?

The Origin of Regularity

From this perspective, it seems justified to raise the question: From where do we derive the mental image of the unconditional regularity of all events? Is it, perhaps, an immediate, intuitive truth underlying all thought, or has humanity only gradually, through long and arduous intellectual labor, arrived at this mental image—a mental image that now appears to Europeans, who draw on the cultural achievements of the past, as a self-evident truth?

[ 51 ] Herr von Wrangell frägt hier also: Ist die Sache so, daß der Mensch immer an diese unbedingte Gesetzmäßigkeit geglaubt hat, oder sind die Menschen erst im Laufe der Zeit dazu gekommen? Dann erst kann man erkennen, welche Tragkraft diese Vorstellung hat; denn wenn der Mensch immer daran geglaubt hat, so muß sie etwas selbstverständlich Wahres haben; wenn die Menschen sich aber erst zu ihr durchgerungen haben, so kann man nachprüfen, wie sie zu dieser Vorstellung gekommen sind. So kann man sich über die Gültigkeit eine Vorstellung machen. Er sagt dazu weiter:

[ 51 ] Mr. von Wrangell asks here: Is it the case that humans have always believed in this unconditional lawfulness, or have they only come to believe in it over the course of time? Only then can one recognize the validity of this mental image; for if people have always believed in it, it must contain something that is self-evidently true; but if people have only gradually come to accept it, one can examine how they arrived at this mental image. In this way, one can form an opinion about its validity. He goes on to say:

Das letztere ist der Fall. Es ist dies eine erworbene, keine ursprüngliche Erkenntnis. Das ursprüngliche, unmittelbare Bewußtsein des Menschen gibt ihm im Gegenteil die Idee der durch äußere Verhältnisse begrenzten inneren Freiheit, der Willkür in seinen Willensentschlüssen. Die Vorstellung der Gesetzmäßigkeit ist erst allmählich aus der Erfahrung entnommen.

The latter is the case. This is an acquired, not an innate, insight. On the contrary, human beings’ innate, immediate consciousness gives them the idea of inner freedom limited by external circumstances—that is, of arbitrariness in their volitional decisions. The mental image of regularity is derived only gradually from experience.

[ 52 ] Nun, das können Sie aus unzähligen meiner Vorträge ersehen, wie langsam die Menschen zu dieser Vorstellung der Gesetzmäßigkeit gekommen sind, vom alten Hellsehen bis in die Zeit, wo die Vorstellung der Gesetzmäßigkeit gekommen ist. In Wahrheit ist die Vorstellung der Gesetzmäßigkeit erst vier Jahrhunderte alt, denn sie rührt im Grunde genommen von Galilei her. Das habe ich öfter auseinandergesetzt. Wenn man vor Galilei zurückgeht, so ist gar keine Ahnung davon da, daß alles von einer solchen Gesetzmäßigkeit durchzogen ist.

[ 52 ] Well, as you can see from countless lectures of mine, it took a long time for people to arrive at this mental image of regularity—from ancient clairvoyance all the way to the time when the mental image of regularity emerged. In truth, the mental image of regularity is only four centuries old, for it essentially stems from Galileo. I have discussed this on several occasions. If one goes back to the time before Galileo, there is absolutely no notion that everything is permeated by such regularity.

[ 53 ] Herr von Wrangell sagt: «Es ist dies eine erworbene, keine ursprüngliche Erkenntnis... Die Vorstellung der Gesetzmäßigkeit ist erst allmählich aus der Erfahrung entnommen.» — Nun, ich möchte wissen, ob das Kind durch seine inneren astralischen Verhältnisse genötigt ist, nach dem Zucker zu greifen, das heißt, ob es ihm natürlich ist, oder ob das Kind meint, schon eine Wahl zu haben. Ich habe früher schon einmal etwas wie eine Anekdote erzählt, die ich hier auch anführen möchte. Es war in meiner Studienzeit; da ging ich in der Vorhalle des Wiener Südbahnhofs mit einem Studienkollegen immer auf und ab. Der war ein hartgesottener Materialist und vertrat entschieden den Standpunkt, daß alles Denken nur so Vorgänge im Gehirn sind, so wie das Vorrücken der Zeiger an der Uhr. Und wie man nicht davon sprechen könne, daß das etwas Besonderes ist, sondern mit den mechanischen Stoffen und Kräften, die darinnen vorhanden sind, zusammenhängt, so meinte er, daß auch das Gehirn diese astronomischen Bewegungen mache. Das war ein Laplacescher Kopf; wir waren dazumal achtzehn bis neunzehn Jahre alt. Da sagte ich ihm einmal: Aber du sagst ja niemals «mein Gehirn denkt», sondern du sagst «ich denke». Warum lügst du denn da fortwährend? Warum sagst du immer «ich denke» und nicht «mein Gehirn denkt?» — Nun, dieser Studienkollege hatte nicht aus der Erfahrung, sondern aus vertrackten Theorien heraus seine Kenntnisse, die Ideen der Willensentschließung und der Gesetzmäßigkeit genommen. Er glaubte nicht an innere Willkür, er sagte aber «ich denke» und nicht «mein Gehirn denkt». Er stand also in fortwährendem Widerspruch mit sich selber.

[ 53 ] Mr. von Wrangell says: “This is an acquired, not an innate, understanding... The mental image of regularity is only gradually derived from experience.” — Well, I would like to know whether the child is compelled by its inner astral conditions to reach for the sugar—that is, whether it comes naturally to the child, or whether the child feels it already has a choice. I have told something like an anecdote before, which I would like to recount here as well. It was during my student days; I used to walk back and forth with a fellow student in the lobby of Vienna’s Südbahnhof. He was a die-hard materialist and firmly held the view that all thinking is merely a process in the brain, just like the hands of a clock moving forward. And just as one cannot speak of it as something special—but rather as something connected to the mechanical substances and forces present within it—so he believed that the brain, too, performs these astronomical movements. He had a Laplacian mind; we were eighteen or nineteen years old at the time. So I said to him once: “But you never say ‘my brain thinks’; instead, you say ‘I think.’ Why are you lying about that all the time? Why do you always say ‘I think’ and not ‘my brain thinks’?” — Well, this fellow student had derived his knowledge—the ideas of volitional decision and regularity—not from experience, but from convoluted theories. He did not believe in inner arbitrariness, yet he said “I think” and not “my brain thinks.” He was thus in constant contradiction with himself.

[ 54 ] Das nächste Kapitel heißt:

[ 54 ] The next chapter is titled:

Freiheit des Willens kann nicht erfahrungsmäßig erwiesen werden

Kann dieser Gegensatz verstandesmäßig gelöst werden? Es ist einleuchtend, daß ein auf Erfahrung begründeter Beweis für die Freiheit des Willens der Menschen oder anderer Wesen nicht erbracht werden £&a»». Dazu müßte nachgewiesen werden, daß in einem tatsächlichen Fall dasselbe Wesen unter gleichen Verhältnissen zwei verschiedene Entschlüsse gefaßt hat.

Free will cannot be proven empirically

Can this contradiction be resolved rationally? It is evident that no proof based on experience can be provided for the free will of humans or other beings. To do so would require demonstrating that, in an actual case, the same being made two different decisions under identical circumstances.

[ 55 ] Herr von Wrangell sagt also, daß man die Wahrheit der Freiheit des Willens der Menschen durch äußere Erfahrung nicht beweisen könne, weil man nämlich nur einer Entschluß fassen könne. Wollte man sie beweisen, dann müßte man zwei Entschlüsse fassen können. Nun, ich habe auch schon erzählt, daß man sich in dieser Frage gar nicht auf Erfahrung beruft, sondern eine Erfahrung konstruiert. Zum Beispiel hat man sich einmal einen Esel gedacht, der links und rechts ein Bündel Heu hat, dasselbe schmackhafte, gleich große Bündel Heu. Der Esel, der immer hungriger und hungriger wird, soll sich jetzt entschließen, ob er von dem einen oder anderen Heubündel fressen soll, denn das eine ist so schmackhaft wie das andere und so groß wie das andere. Und so weiß er nicht, ob er sich dahin oder dorthin wenden soll. Kurz, der Esel kam zu keinem entsprechenden Entschluß und mußte zwischen den zwei Bündeln Heu verhungern. — Solche Dinge hat man konstruiert, weil man fühlte, daß man erfahrungsmäßig gar nicht dahin kommen kann, die Freiheit zu beobachten. Darauf macht Herr von Wrangell aufmerksam und stellt dann die Frage:

[ 55 ] Mr. von Wrangell thus says that the truth of human free will cannot be proven through external experience, because one can make only one decision. If one wanted to prove it, one would have to be able to make two decisions. Well, I have already explained that in this matter one does not rely on experience at all, but rather constructs an experience. For example, imagine a donkey with a bundle of hay on its left and another on its right—both equally tasty and of the same size. The donkey, growing hungrier and hungrier, must now decide whether to eat from one bundle of hay or the other, since one is just as tasty as the other and just as large as the other. And so it does not know whether to turn this way or that. In short, the donkey could not reach a decision and had to starve to death between the two bundles of hay. — Such concepts were devised because people felt that, based on experience, it is impossible to observe freedom. Mr. von Wrangell draws attention to this and then asks the question:

[ 56 ] Kann aber die Freiheit des Willens erfahrungsmäßig widerlegt werden? Zur Beantwortung dieser Frage rufen wir uns zunächst einige erkenntnistheoretische Wahrheiten ins Gedächtnis!

[ 56 ] But can free will be empirically refuted? To answer this question, let us first recall a few epistemological truths!

[ 57 ] Um diese Frage zu beantworten, spricht nun Herr von Wrangell im nächsten Kapitelchen von einigen erkenntnistheoretischen Wahrheiten. Dieses Kapitel heißt:

[ 57 ] To answer this question, Mr. von Wrangell discusses several epistemological truths in the next short chapter. This chapter is titled:

Erkenntnistheoretischer Rückblick

Der Mensch hat unmittelbares Bewußtsein nur von sich selbst. Er fühlt Begierden, die er zu befriedigen sucht und die in ihm Willensimpulse auslösen; er empfängt Eindrücke, von denen er sich bald überzeugt, daß sie in Abhängigkeit von bestimmten Sinnesorganen seines Körpers stehen. Wenn er die Augen schließt, empfängt er keine Licht- und Farbeneindrücke, wenn er die Ohren verstopft, so schwächt er seine Schallempfindungen oder verliert sie ganz. Ebenso zeigt ihm die Erfahrung, daß die Nase den Geruchssinn, der Mund in seinen mit Schleimhäuten bedeckten Teilen den Geschmack vermitteln. Nur der Tastsinn scheint an keinen besonderen Körperteil gebunden, kann durch die gesamte Haut ausgeübt werden. Der normale gesunde Mensch hat in wachem Zustande fünf verschiedene Sinne, die ihm Eindrücke vermitteln, und zwar jeder Sinn seine spezifische Art von Eindrücken.

An Epistemological Retrospective

Human beings have direct consciousness only of themselves. They feel desires that they seek to satisfy and that trigger impulses of the will within them; they receive impressions of which they soon become convinced that they depend on certain sensory organs of their body. When they close their eyes, they receive no impressions of light or color; when they cover their ears, they weaken or completely lose their auditory sensations. Similarly, experience shows them that the nose mediates the sense of smell, and the mouth—in its parts covered by mucous membranes—mediates the sense of taste. Only the sense of touch seems to be unbound to any particular part of the body; it can be exercised through the entire skin. A normal, healthy person has five different senses while awake that convey impressions to him, with each sense conveying its own specific type of impression.

[ 58 ] Hier steht Herr von Wrangell unter dem Einfluß der populären Erkenntnis der Sinne. Diejenigen, die einmal zugehört haben bei einem kleinen Vortragszyklus, den ich dazumal «Anthroposophie» betitelt habe, werden gesehen haben, daß man mit fünf Sinnen gar nicht auskommt, daß man vielmehr zwölf Sinne anzunehmen hat. Unter diesen zwölf Sinnen ist auch der Sinn für das fremde Denken, für das fremde Ich, und daher kann derjenige, der unsere geisteswissenschaftliche Bewegung richtig verfolgt hat, das Mangelhafte der Wrangellschen Behauptungen erkennen. Sie sind zwar nicht unrichtig, aber sie sind auch nur bedingt richtig. Wir können nicht sagen: «Der Mensch hat unmittelbares Bewußtsein nur von sich selbst.» Das ist unrichtig. Denn da könnten wir niemals fremde Iche wahrnehmen.

[ 58 ] Here, Mr. von Wrangell is influenced by the popular understanding of the senses. Those who once attended a short series of lectures that I titled “Anthroposophy” at the time will have seen that five senses are not enough; rather, one must assume there are twelve senses. Among these twelve senses is also the sense for another’s thinking, for another’s “I”; and therefore, anyone who has properly followed our Spiritual Science movement can recognize the shortcomings of Wrangell’s assertions. They are not incorrect, to be sure, but they are only partially correct. We cannot say: “Human beings have direct consciousness only of themselves.” That is incorrect. For then we could never perceive other selves.

[ 59 ] Es gibt zwar in der neueren Zeit eine ganz vertrackte Anschauung, die von allerlei Leuten vertreten wird. Vielleicht könnte man als charakteristische Persönlichkeit unter den sie Vertretenden den Philosophen und Psychologen Lipps anführen. Die sind sich nicht bewußt, wenn ihnen ein Mensch gegenübertritt, daß sie einen unmittelbaren Eindruck von seinem Ich haben, sondern sie sagen: Wenn ich einem Menschen gegenüberttete, so hat der ein Gesicht; das macht bestimmte Bewegungen, und er redet bestimmte Dinge, und da soll man nun aus dem, was er redet und tut, schließen können, daß ein Ich dahinter ist. Also das Ich ist etwas Erschlossenes, nicht etwas unmittelbar Wahrgenommenes. Dagegen ist eine neue Philosophenschule, die ihren guten Interpreten in Max Scheler hat, anderer Ansicht. Die hat schon die Wahrnehmung gemacht, daß man einen unmittelbaren Eindruck von dem Ich des anderen Menschen haben kann. Und was von dem Ich, mehr streng wissenschaftlich, Husserl, der Philosoph, und dann etwas populärer, namentlich in seinen neueren Aufsätzen, Scheler geschrieben hat, zeigt, daß die neuere Philosophie auf dem Wege ist, anzuerkennen, daß ein unmittelbares Bewußtsein auch etwas wissen kann von einem anderen Bewußtsein. — Man kann also sagen, Herr von Wrangell ist angesteckt von der populären Erkenntnistheorie, wenn er sagt: «Der Mensch hat unmittelbares Bewußtsein nur von sich selbst.» Und weiter: «Er fühlt Begierden, die er zu befriedigen sucht und die in ihm Willensimpulse auslösen.» Und dann beschreibt er, wie der Mensch durch seine Sinne die Welt wahrnimmt.

[ 59 ] In recent times, there has indeed been a rather convoluted view held by all sorts of people. Perhaps the philosopher and psychologist Lipps could be cited as a representative figure among those who hold this view. They are not aware that when they encounter a person, they have an immediate impression of that person’s “I”; rather, they say: When I encounter a person, that person has a face; it makes certain movements, and the person says certain things, and from what the person says and does, one is supposed to be able to conclude that there is an “I” behind it all. Thus, the “I” is something inferred, not something perceived directly. In contrast, a new school of philosophy, well represented by Max Scheler, holds a different view. It has already recognized that one can have a direct impression of another person’s “I.” And what Husserl, the philosopher, wrote about the “I”—in a more strictly scientific vein—and what Scheler wrote, in a somewhat more popular style, particularly in his more recent essays, shows that modern philosophy is on the path to recognizing that direct consciousness can also know something about another consciousness. — One could therefore say that Mr. von Wrangell has been influenced by popular epistemology when he states: “Human beings have direct consciousness only of themselves.” And further: “They feel desires that they seek to satisfy and that trigger impulses of the will within them.” He then describes how human beings perceive the world through their senses.

[ 60 ] Ich habe auch schon über diese Sinnesphysiologie geschrieben. Lesen Sie nach in «Luzifer-Gnosis» und Sie werden sehen, daß ich das Unmögliche dieser Sinnesphysiologie mit dem einfachen Siegelvergleich klarzulegen versuchte. Ich sagte damals: Diese Sinnesphysiologie ist schon im Beginn materialistisch. Sie geht davon aus, daß von außen nichts in uns hineinkommen kann, weil sie sich das Draußen im Geheimen materialistisch vorstellt. Es ist aber so wie beim Petschaft und dem Siegellack: Das Petschaft bleibt immer außerhalb des Siegellacks; von dem Materiellen des Petschafts geht nichts über in den Siegellack. Aber der Name «Müller», der darin eingraviert ist, der geht doch von dem Petschaft in den Siegellack ganz über. Legt man nun den Hauptwert auf dasjenige, was sich in dem Namen Müller geistig ausdrückt, und nicht auf das Materielle, von dem nichts übergeht, so kann man sehen, daß das, was von seiten der Sinnesphysiologie vorgebracht wird, gar nichts besagt. Aber es sind so greulich in die Gehirne hineingeschlagene Lehren, denen nur die meisten nicht nachgehen, auch wenn sie Spiritualisten werden wollen. Das können Sie ausführlicher lesen in meinem Buche «Die Rätsel der Philosophie», in dem Kapitel: «Die Welt als Illusion.»

[ 60 ] I have also written about this physiology of the senses. Look it up in *Luzifer-Gnosis* and you will see that I tried to clarify the impossibility of this physiology of the senses using the simple analogy of a seal. I said at the time: This physiology of the senses is materialistic from the very outset. It assumes that nothing from the outside can enter us, because it secretly creates a materialistic mental image of the outside world. But it is just like the seal and the sealing wax: The seal always remains outside the sealing wax; nothing of the seal’s material substance passes into the sealing wax. But the name “Müller,” which is engraved on it, does indeed pass entirely from the seal into the sealing wax. If one now places the primary value on what is spiritually expressed in the name “Müller”—and not on the material aspect, from which nothing passes over—then one can see that what is put forward by sensory physiology means absolutely nothing. But these are teachings so deeply ingrained in people’s minds that most simply do not question them, even if they wish to become spiritualists. You can read more about this in my book *The Riddles of Philosophy*, in the chapter titled “The World as Illusion.”

[ 61 ] Dann fährt Herr von Wrangell weiter fort:

[ 61 ] Mr. von Wrangell then continues:

Da der Mensch sich nicht denken kann, daß ein bestehender Zustand sich ohne eine Ursache ändern könne, nimmt er an, daß die von ihm empfundenen Sinneseindrücke durch Ursachen hervorgerufen werden, die er außerhalb seines eigenen unmittelbar empfundenen Selbstes verlegt. Diese äußeren Ursachen seiner inneren Sinneseindrücke nennt er «Dinge» und in ihrer Gesamtheit «Die Welt» oder — erkenntnistheotetisch — das «Nicht-Ich», im Gegensatz zu dem unmittelbar empfundenen «Ich».

Since human beings cannot conceive of an existing state changing without a cause, they assume that the sensory impressions they perceive are brought about by causes that they locate outside their own immediately perceived self. They call these external causes of their internal sensory impressions “things” and, in their totality, “the world” or—in epistemological terms—the “non-self,” as opposed to the immediately perceived “self.”

[ 62 ] Das ist klar, man muß sich nur daran gewöhnen, daß da ein bißchen erkenntnistheoretisch gesprochen wird.

[ 62 ] That's clear; you just have to get used to the fact that the discussion touches a bit on epistemology.

Tausendfältige Erfahrung und die diesbezügliche Übereinstimmung mit Wesen, die er als gleichartig mit sich selbst erkennt seine Mitmenschen —, belehren ihn, daß diese «Dinge», das «Nicht-Ich», bestehen kann, auch unabhängig von seinem Bewußtsein.

A wealth of experience and the resulting harmony with beings he recognizes as similar to himself—his fellow human beings—teach him that these “things,” the “non-self,” can exist even independently of his consciousness.

[ 63 ] Sonst müßte der Mensch glauben, daß, wenn er sein Auge nicht nur von lebenden, sondern auch von leblosen Dingen abwendet, die Dinge zu existieren aufhören.

[ 63 ] Otherwise, a person would have to believe that when he turns his gaze away not only from living things but also from inanimate objects, those objects cease to exist.

Wenn er zum Beispiel das Bewußtsein im Schlafe verliert, so findet er beim Erwachen, daß die Dinge fortbestehen in ihrer «Wirklichkeiw, d.h. in ihrer Fähigkeit, in ihm Sinneseindrücke hervorzurufen. Auch seinen eigenen Körper erkennt der Mensch als in gewisser Hinsicht zur Welt «außer ihm» gehörig.

For example, when a person loses consciousness during sleep, upon waking he finds that things continue to exist in their “reality”—that is, in their ability to evoke sensory impressions in him. A person also recognizes his own body as, in a certain sense, belonging to the world “outside of him.”

[ 64 ] Das ist gut, wenn es betont wird, denn wir haben nicht nur Dinge, die innerhalb, sondern auch Dinge, die außerhalb sind.

[ 64 ] It's good to emphasize this, because we have not only things that are inside, but also things that are outside.

Er kann von seinen Gliedmaßen, wie von anderen Dingen, Sinneseindrücke empfangen, er kann zum Beispiel seine Hände sehen, tasten usw., und unterscheidet auch hier zwischen dem inneren Vorgang seiner Sinneseindrücke und ihrer äußeren Ursache, als welche er in diesem Fall einen seiner Körperteile erkennt. Daß es sein Körper ist, d.h. daß dieses Ding in ganz besonderer Verbindung mit seinem «Ich» steht, d.h. mit dem, was da fühlt und denkt, davon überzeugt er sich bald, vor allem durch den Tastsinn, der ihm zeigt, daß, wenn er seine eigenen Körperteile in Berührung mit anderen Dingen bringt, er die Berührung unmittelbar fühlt, er es dagegen nicht unmittelbar empfindet, wenn andere Gegenstände miteinander in Berührung gebracht werden.” 2In der Broschüre selbst folgt hier noch als Fußnote: «Die von de Rochas beobachtete «Ausscheidung des Empfindungsvermögens bei Sensitiven» ist eine besondere abnorme Erscheinung, welche eingehendes Studium verdient.»

He can receive sensory impressions from his limbs, just as he does from other things; for example, he can see his hands, touch them, etc., and here, too, he distinguishes between the internal process of his sensory impressions and their external cause, which in this case he recognizes as one of his body parts. He soon becomes convinced that it is his body—that is, that this thing is in a very special connection with his “I,” that is, with what feels and thinks there—primarily through the sense of touch, which shows him that when he brings his own body parts into contact with other things, he feels the contact directly, whereas he does not immediately perceive it when other objects are brought into contact with one another.” 2In the brochure itself, the following footnote appears here: “The ‘separation of the faculty of sensation in sensitives’ observed by de Rochas is a particular abnormal phenomenon that deserves thorough study.”

[ 65 ] Es ist sehr gut, auf so etwas aufmerksam gemacht zu werden. So also beantwortet Herr von Wrangell die Frage, wodurch der Mensch dazu kommt, unter den Dingen, die im Raume draußen sind, in einem gewissen Ding seinen eigenen Leib zu erkennen. Wer schlampig denkt, der sagt sich einfach: Über so etwas nachzudenken ist doch Unsinn; das wollen Wissenschafter sein, die über so etwas nachdenken. — Aber Wrangell sagt: Wenn diese zwei Kreiden zusammenstoßen, tut es nicht weh, aber wenn ich mit dem Körper anstoße, dann tut es weh. Das ist der Unterschied. Und weil das eine weh, das andere nicht weh tut, so bezeichne ich das eine als zu mir gehörig, und das andere als nicht zu mir gehörig. — Es ist gut, zu wissen, daß wir nichts anderes haben als die Folge dieses Bewußtseins.

[ 65 ] It is very good to have one’s attention drawn to something like this. This, then, is how Mr. von Wrangell answers the question of how a person comes to recognize his own body among the things that exist in the space outside. Those who think carelessly simply say to themselves: Thinking about something like this is nonsense; only so-called scientists would think about such things. — But Wrangell says: When these two pieces of chalk collide, it doesn’t hurt, but when I bump into something with my body, it hurts. That is the difference. And because one hurts and the other does not, I designate the one as belonging to me, and the other as not belonging to me. — It is good to know that we have nothing other than the consequence of this consciousness.

[ 66 ] Nun, sehen Sie, meine lieben Freunde, ich gedachte heute mit der Besprechung dieser Broschüre zu schließen. Wir sind aber nur bis Seite 10 gekommen. Es sollte einmal ein Versuch gemacht werden, wie man den Zusammenhang finden kann zwischen dem, was in der Welt geschrieben wird, und dem, was in strengerem Sinne unserer Geisteswissenschaft angehört. Aber die nächsten Kapitel sind doch noch zu interessant: Bildung der Begriffe, Vorstellungen von Raum und Zeit; das Kausalitätsprinzip; Anwendung der Vorstellung der Willkür auf die Umwelt; Beobachtung gleichmäßig verlaufender Erscheinungen; Wesen aller Wissenschaft; Sternenkunde, die älteste Wissenschaft; Gleichmäßige Bewegung; Das Messen; Das den Uhren zugrunde liegende Prinzip. — Es ist so interessant, daß wir doch vielleicht morgen um sieben Uhr die Besprechung fortsetzen.

[ 66 ] Well, you see, my dear friends, I had intended to conclude today’s discussion with this pamphlet. But we have only gotten as far as page 10. We should at least attempt to find the connection between what is written in the world and what, in the strictest sense, belongs to our Spiritual Science. But the next chapters are still too interesting: the formation of concepts; mental images of space and time; the principle of causality; the application of the concept of arbitrariness to the environment; the observation of uniform phenomena; the nature of all science; astronomy, the oldest science; uniform motion; measurement; and the principle underlying clocks. — It’s so interesting that perhaps we should continue our discussion tomorrow at seven o’clock.