The Value of Thinking for Satisfying Our Quest for Knowledge
The Relationship Between the Spiritual Science and the Natural SciencesGA 164
9 October 1915, Dornach
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Der Wert des Denkens für eine den Menschen befriedigende Erkenntnis
Das Verhältnis der Geisteswissenschaft zur Naturwissenschaft VI
Das Verhältnis der Geisteswissenschaft zur Naturwissenschaft VI
[ 1 ] Wir haben anhand der Wrangellschen Broschüre über «Wissenschaft und Theosophie» verschiedene Gedanken auseinanderzusetzen versucht, die zeigen, wie derjenige, der ganz feststehen will auf dem Boden der modernen Wissenschaft, dennoch hingedrängt wird zur Anerkennung einer Erkenntnis des geistigen Lebens. Und wie Sie gesehen haben, haben wir gegen die Wrangellsche Broschüre eigentlich weniger etwas einzuwenden, als vielmehr im Sinne der Geisteswissenschaft nur Ergänzungen zu geben gehabt. Es liegt also in dieser Broschüre ein, wie es zunächst scheint, subjektives Urteil vor darüber, wie der Weg des modernen Wissenschafters zur Geisteswissenschaft hin ist, wie man, mit anderen Worten, ganz gut moderner Wissenschafter sein und dennoch den Weg zur Geisteswissenschaft finden kann.
[ 1 ] Wir haben anhand der Wrangellschen Broschüre über «Wissenschaft und Theosophie» verschiedene Gedanken auseinanderzusetzen versucht, die zeigen, wie derjenige, der ganz feststehen will auf dem Boden der modernen Wissenschaft, dennoch hingedrängt wird zur Anerkennung einer Erkenntnis des geistigen Lebens. Und wie Sie gesehen haben, haben wir gegen die Wrangellsche Broschüre eigentlich weniger etwas einzuwenden, als vielmehr im Sinne der Geisteswissenschaft nur Ergänzungen zu geben gehabt. Es liegt also in dieser Broschüre ein, wie es zunächst scheint, subjektives Urteil vor darüber, wie der Weg des modernen Wissenschafters zur Geisteswissenschaft hin ist, wie man, mit anderen Worten, ganz gut moderner Wissenschafter sein und dennoch den Weg zur Geisteswissenschaft finden kann.
[ 2 ] Es ist wichtig, gerade diesen Gedankengang einmal ins Auge zu fassen, weil es mir durchaus nötig erscheint, daß von denjenigen, die auf dem Boden der Geisteswissenschaft stehen, klar erkannt werde, daß die Einwände von den sogenannten Wissenschaftern eben durchaus nicht wirklich wissenschaftlich sind, sondern daher kommen, daß man eben heute ein ausgezeichneter Wissenschafter sein kann, der die materialistischen wissenschaftlichen Methoden auf irgendeinem Gebiete der Wissenschaft ganz gut zu handhaben versteht und daneben in allen anderen Weltanschauungsfragen durchaus Dilettant sein kann.
[ 2 ] Es ist wichtig, gerade diesen Gedankengang einmal ins Auge zu fassen, weil es mir durchaus nötig erscheint, daß von denjenigen, die auf dem Boden der Geisteswissenschaft stehen, klar erkannt werde, daß die Einwände von den sogenannten Wissenschaftern eben durchaus nicht wirklich wissenschaftlich sind, sondern daher kommen, daß man eben heute ein ausgezeichneter Wissenschafter sein kann, der die materialistischen wissenschaftlichen Methoden auf irgendeinem Gebiete der Wissenschaft ganz gut zu handhaben versteht und daneben in allen anderen Weltanschauungsfragen durchaus Dilettant sein kann.
[ 3 ] Nun möchte ich heute — sozusagen in Fortsetzung der anhand der Broschüre entwickelten Gedanken — noch einige andere für uns wichtige Gedanken entwickeln. Ich möchte zeigen, wie die gegenwärtige Entwickelung der Menschheit an einem Punkt angelangt ist, der gerade dem einsichtigen Wissenschafter, dem, der es mit der Wissenschaft wirklich ernst nimmt und sie zu würdigen weiß, es nahelegen müßte, auf das geisteswissenschaftliche Studium einzugehen und es nicht so zu machen, wie man es eben bisher vorzugsweise gemacht hat: es als etwas von vornherein Abzulehnendes zu betrachten.
[ 3 ] Nun möchte ich heute — sozusagen in Fortsetzung der anhand der Broschüre entwickelten Gedanken — noch einige andere für uns wichtige Gedanken entwickeln. Ich möchte zeigen, wie die gegenwärtige Entwickelung der Menschheit an einem Punkt angelangt ist, der gerade dem einsichtigen Wissenschafter, dem, der es mit der Wissenschaft wirklich ernst nimmt und sie zu würdigen weiß, es nahelegen müßte, auf das geisteswissenschaftliche Studium einzugehen und es nicht so zu machen, wie man es eben bisher vorzugsweise gemacht hat: es als etwas von vornherein Abzulehnendes zu betrachten.
[ 4 ] Ich habe ja — und manche von Ihnen werden sich dessen erinnern — den Betrachtungen, die an die Wrangellsche Broschüre angeknüpft worden sind, in gewisser Beziehung geradezu einen Lobgesang angestimmt auf die materialistische wissenschaftliche Methode. Ich habe gesagt, daß sie große und bedeutsame Ergebnisse in der neueren Zeit gezeitigt hat, daß man nur einen richtigen Gesichtspunkt zu gewinnen braucht gegenüber dieser materialistischen wissenschaftlichen Methode und man wird sie schätzen und nicht unterschätzen. Man wird sich mit ihren Resultaten vertraut machen gerade dann, wenn man notwendigerweise die Fäden zwischen ihr und der Geisteswissenschaft zu ziehen beabsichtigt.
[ 4 ] Ich habe ja — und manche von Ihnen werden sich dessen erinnern — den Betrachtungen, die an die Wrangellsche Broschüre angeknüpft worden sind, in gewisser Beziehung geradezu einen Lobgesang angestimmt auf die materialistische wissenschaftliche Methode. Ich habe gesagt, daß sie große und bedeutsame Ergebnisse in der neueren Zeit gezeitigt hat, daß man nur einen richtigen Gesichtspunkt zu gewinnen braucht gegenüber dieser materialistischen wissenschaftlichen Methode und man wird sie schätzen und nicht unterschätzen. Man wird sich mit ihren Resultaten vertraut machen gerade dann, wenn man notwendigerweise die Fäden zwischen ihr und der Geisteswissenschaft zu ziehen beabsichtigt.
[ 5 ] Nun möchte ich zuerst ausgehen von einem gewissermaßen naturwissenschaftlichen Gedankengang, der uns zeigen kann, wie der denkende Naturwissenschafter — gerade dann, wenn er sich selbst in der richtigen Weise versteht — an die Türe der Geisteswissenschaft pochen sollte. Ich möchte auf ein Kapitel der modernen Naturwissenschaft aufmerksam machen, das auch in sozialethischer Beziehung eine große Bedeutung hat, diese aber in einer menschlich befriedigenden Weise nicht gewinnen kann, solange eben die Naturwissenschaft den Weg zur Geisteswissenschaft nicht gefunden hat. Ich möchte etwas eingehen auf einige Gedankengänge der sogenannten Kriminalanthropologie.
[ 5 ] Nun möchte ich zuerst ausgehen von einem gewissermaßen naturwissenschaftlichen Gedankengang, der uns zeigen kann, wie der denkende Naturwissenschafter — gerade dann, wenn er sich selbst in der richtigen Weise versteht — an die Türe der Geisteswissenschaft pochen sollte. Ich möchte auf ein Kapitel der modernen Naturwissenschaft aufmerksam machen, das auch in sozialethischer Beziehung eine große Bedeutung hat, diese aber in einer menschlich befriedigenden Weise nicht gewinnen kann, solange eben die Naturwissenschaft den Weg zur Geisteswissenschaft nicht gefunden hat. Ich möchte etwas eingehen auf einige Gedankengänge der sogenannten Kriminalanthropologie.
[ 6 ] Einer der großen Forscher der Kriminalanthropologie ist der von mir schon öfter genannte Professor Dr. Moriz Benedikt. Er hat als einer der ersten in ganz moderner systematischer Weise Verbrechergehirne untersucht, indem er Verbrecher, insbesondere Mörder, die zum Tode verurteilt worden waren, nachher seziert hat. Die Ergebnisse waren gegenüber so mancherlei Anschauungen, die vordem bestanden, in der Tat so überraschend, daß er zunächst, nach den ersten Untersuchungen, denken konnte, er habe es mit einer Art wissenschaftlichem Abenteuer zu tun und durchaus nicht mit irgend etwas auf der Fährte der Wahrheit. Wenn er also Verbrechergehirne untersuchte, so zeigten sich immer — das heißt für denjenigen, der mit der Konfiguration, mit der Plastik des normalen menschlichen Gehirns vertraut ist — ganz bestimmte innere Strukturen, mit ganz bestimmten, von der Struktur des Gehirns eines Menschen, der kein Verbrecher war, abweichenden Merkmalen. Und damit wir uns nicht zu sehr verbreiten, will ich mich an das Hauptmerkmal halten.
[ 6 ] Einer der großen Forscher der Kriminalanthropologie ist der von mir schon öfter genannte Professor Dr. Moriz Benedikt. Er hat als einer der ersten in ganz moderner systematischer Weise Verbrechergehirne untersucht, indem er Verbrecher, insbesondere Mörder, die zum Tode verurteilt worden waren, nachher seziert hat. Die Ergebnisse waren gegenüber so mancherlei Anschauungen, die vordem bestanden, in der Tat so überraschend, daß er zunächst, nach den ersten Untersuchungen, denken konnte, er habe es mit einer Art wissenschaftlichem Abenteuer zu tun und durchaus nicht mit irgend etwas auf der Fährte der Wahrheit. Wenn er also Verbrechergehirne untersuchte, so zeigten sich immer — das heißt für denjenigen, der mit der Konfiguration, mit der Plastik des normalen menschlichen Gehirns vertraut ist — ganz bestimmte innere Strukturen, mit ganz bestimmten, von der Struktur des Gehirns eines Menschen, der kein Verbrecher war, abweichenden Merkmalen. Und damit wir uns nicht zu sehr verbreiten, will ich mich an das Hauptmerkmal halten.
[ 7 ] Es zeigte sich, daß ein bestimmter Teil des menschlichen Gehirns, den man den Hinterhauptslappen nennt und der das Kleinhirn bedeckt, bei den Verbrechern zu klein ist, so daß er das Kleinhirn, das er sonst ganz bedeckt, nur spärlich oder gar nicht bedeckt.
[ 7 ] Es zeigte sich, daß ein bestimmter Teil des menschlichen Gehirns, den man den Hinterhauptslappen nennt und der das Kleinhirn bedeckt, bei den Verbrechern zu klein ist, so daß er das Kleinhirn, das er sonst ganz bedeckt, nur spärlich oder gar nicht bedeckt.
[ 8 ] Nun denken Sie sich einmal, man seziert ein Verbrechergehirn und findet, daß dieses Verbrechergehirn sich von einem normalen Gehirn so unterscheidet, daß der Hinterhauptslappen das Kleinhirn nicht ganz bedeckt, dann muß man doch zu der Schlufßfolgerung kommen: Wenn man so geboren ist, daß man unmöglich den Hinterhauptslappen so weit entwickeln kann, daß er das Kleinhirn bedeckt, dann kann man im Leben überhaupt tun was man will, man wird eben ein Verbrecher und folglich könne man nichts dafür. Und wenn man nun Affengehirne untersucht, so zeigt sich die gleiche Eigentümlichkeit: der Hinterhauptslappen bedeckt das Kleinhirn nicht ganz. So daß man sagen muß: Bei den verschiedenen Fortentwickelungsmomenten auf dem Wege vom Affen zum Menschen ist auch zu beachten, daß der Mensch über die Affenentwickelung hinausgekommen und ein vollkommeneres Wesen dadurch geworden ist, daß sein Hinterhauptslappen gewachsen ist und das Kleinhirn völlig bedeckt. Das heißt also: Wenn der Mensch Verbrecher wird, so fällt er zurück in die Affenorganisation. Beim Verbrecher haben wir es also mit einem ausgesprochenen Atavismus zu tun. Das heißt nichts anderes, als daß unter den Menschen solche Individuen herumgehen, welche in der Gehirnstruktur atavistisch in das Affenbild zurückgefallen sind. Diese atavistischen Individuen werden eben Verbrecher.
[ 8 ] Nun denken Sie sich einmal, man seziert ein Verbrechergehirn und findet, daß dieses Verbrechergehirn sich von einem normalen Gehirn so unterscheidet, daß der Hinterhauptslappen das Kleinhirn nicht ganz bedeckt, dann muß man doch zu der Schlufßfolgerung kommen: Wenn man so geboren ist, daß man unmöglich den Hinterhauptslappen so weit entwickeln kann, daß er das Kleinhirn bedeckt, dann kann man im Leben überhaupt tun was man will, man wird eben ein Verbrecher und folglich könne man nichts dafür. Und wenn man nun Affengehirne untersucht, so zeigt sich die gleiche Eigentümlichkeit: der Hinterhauptslappen bedeckt das Kleinhirn nicht ganz. So daß man sagen muß: Bei den verschiedenen Fortentwickelungsmomenten auf dem Wege vom Affen zum Menschen ist auch zu beachten, daß der Mensch über die Affenentwickelung hinausgekommen und ein vollkommeneres Wesen dadurch geworden ist, daß sein Hinterhauptslappen gewachsen ist und das Kleinhirn völlig bedeckt. Das heißt also: Wenn der Mensch Verbrecher wird, so fällt er zurück in die Affenorganisation. Beim Verbrecher haben wir es also mit einem ausgesprochenen Atavismus zu tun. Das heißt nichts anderes, als daß unter den Menschen solche Individuen herumgehen, welche in der Gehirnstruktur atavistisch in das Affenbild zurückgefallen sind. Diese atavistischen Individuen werden eben Verbrecher.
[ 9 ] Nun denken Sie an die ethischen und sozialen Folgen einer solchen Anschauung und dann wissen Sie, was es unter den Auspizien der gegenwärtigen materialistischen Weltanschauung — ich meine nicht die geltende Naturwissenschaft — heißt, sich diesen Tatsachen fügen zu müssen. Denn die Tatsachen sind vorhanden und nur ein Narr könnte sie ableugnen. Es steht also der, welcher sich von der materialistischen Weltanschauung leiten läßt, vor der Aufforderung: Sieh dir doch nur einmal Verbrechergehirne an, da kannst du sehen, daß die Gehirnstruktur ins Affenhafte zurückfällt. Also siehst du doch deutlich, wie dasjenige, was sich im Menschen sittlich offenbart, einfach eine Folge der materiellen Organisation des Körperlichen ist. Da siehst du es doch augenscheinlich. Der Mensch, der dieses Gehirn gehabt hat, war ein Verbrecher geworden, gerade weil er dieses Gehirn gehabt hat. Mit derselben Notwendigkeit, mit der das Uhrwerk uns bedient, wenn es richtig geht, um den Zug um zehn Uhr zu erreichen, während ein falschgehendes Uhrwerk, das vielleicht erst sieben Uhr zeigt, uns zum Zug zu spät kommen läßt, mit derselben Notwendigkeit zeigt ein Gehirn, das es nicht zur vollen Ausbildung des Hinterhauptslappens gebracht hat, einen verbrechetischen Menschen an, der zurückgeblieben ist. Da du dich sicherlich nicht wirst entschließen können, einen Dämon in die Uhr hineinzuphantasieren, der die Zeiger herumtreibt, so wirst du dich auch nicht entschließen können, den Dämon «Seele» in das Gehirn hineinzuträumen.
[ 9 ] Nun denken Sie an die ethischen und sozialen Folgen einer solchen Anschauung und dann wissen Sie, was es unter den Auspizien der gegenwärtigen materialistischen Weltanschauung — ich meine nicht die geltende Naturwissenschaft — heißt, sich diesen Tatsachen fügen zu müssen. Denn die Tatsachen sind vorhanden und nur ein Narr könnte sie ableugnen. Es steht also der, welcher sich von der materialistischen Weltanschauung leiten läßt, vor der Aufforderung: Sieh dir doch nur einmal Verbrechergehirne an, da kannst du sehen, daß die Gehirnstruktur ins Affenhafte zurückfällt. Also siehst du doch deutlich, wie dasjenige, was sich im Menschen sittlich offenbart, einfach eine Folge der materiellen Organisation des Körperlichen ist. Da siehst du es doch augenscheinlich. Der Mensch, der dieses Gehirn gehabt hat, war ein Verbrecher geworden, gerade weil er dieses Gehirn gehabt hat. Mit derselben Notwendigkeit, mit der das Uhrwerk uns bedient, wenn es richtig geht, um den Zug um zehn Uhr zu erreichen, während ein falschgehendes Uhrwerk, das vielleicht erst sieben Uhr zeigt, uns zum Zug zu spät kommen läßt, mit derselben Notwendigkeit zeigt ein Gehirn, das es nicht zur vollen Ausbildung des Hinterhauptslappens gebracht hat, einen verbrechetischen Menschen an, der zurückgeblieben ist. Da du dich sicherlich nicht wirst entschließen können, einen Dämon in die Uhr hineinzuphantasieren, der die Zeiger herumtreibt, so wirst du dich auch nicht entschließen können, den Dämon «Seele» in das Gehirn hineinzuträumen.
[ 10 ] Wollte man sich gegen die gesicherten Ergebnisse der kriminalanthropologischen Untersuchungen von Verbrechergehirnen so ohne weiteres sträuben, so bedeutet das Vogel-Strauß-Politik in der Wissenschaft betreiben, bedeutete einfach, mit denjenigen Dingen, die absolut erforscht sind, nicht rechnen zu wollen.
[ 10 ] Wollte man sich gegen die gesicherten Ergebnisse der kriminalanthropologischen Untersuchungen von Verbrechergehirnen so ohne weiteres sträuben, so bedeutet das Vogel-Strauß-Politik in der Wissenschaft betreiben, bedeutete einfach, mit denjenigen Dingen, die absolut erforscht sind, nicht rechnen zu wollen.
[ 11 ] Nun gibt es, wie Sie wissen, außer der materialistischen Wissenschaft noch eine Philosophie. Aber wenn Sie diese Philosophie betrachten, vielleicht gerade bei denen, die heute oft zu deren bedeutendsten Vertretern gezählt werden, so werden Sie finden, daß diese Philosophie gegenüber den materialistischen Methoden vollständig machtlos ist. Die Begriffe, die die Philosophen gewinnen, laufen entweder darauf hinaus so zu sagen, wie ich es Ihnen an Otto Liebmann gezeigt habe, der ein sehr scharfsinniger Mensch ist und der sagt, daß man über gewisse Punkte nicht hinauskomme, daß man gewisse Grenzen nicht überschreiten könne. Ich habe Ihnen das Beispiel vom Hühnerei angeführt. Oder nehmen Sie die Philosophie Rudolf Euckens in Jena, so können Sie sehen, wie herumgeredet wird und die Worte schön frisiert werden, aber wie die Begriffe, die da entwickelt werden, an die materialistischen Methoden nicht heran können. Sie sind wie das Tun eines Menschen, der hier an einem Ufer des Flusses steht und alle möglichen Anstrengungen macht, um ans andere Ufer hinüberzukommen, aber nicht hinüberkommen kann.1Hier wurde offensichtlich an die Tafel gezeichnet; die Zeichnung ist jedoch nicht überliefert worden. Drüben ist die materialistische naturwissenschaftliche Methode, aber er kommt nicht hinüber; daher bleibt das Philosophieren nur ein Herumreden.
[ 11 ] Nun gibt es, wie Sie wissen, außer der materialistischen Wissenschaft noch eine Philosophie. Aber wenn Sie diese Philosophie betrachten, vielleicht gerade bei denen, die heute oft zu deren bedeutendsten Vertretern gezählt werden, so werden Sie finden, daß diese Philosophie gegenüber den materialistischen Methoden vollständig machtlos ist. Die Begriffe, die die Philosophen gewinnen, laufen entweder darauf hinaus so zu sagen, wie ich es Ihnen an Otto Liebmann gezeigt habe, der ein sehr scharfsinniger Mensch ist und der sagt, daß man über gewisse Punkte nicht hinauskomme, daß man gewisse Grenzen nicht überschreiten könne. Ich habe Ihnen das Beispiel vom Hühnerei angeführt. Oder nehmen Sie die Philosophie Rudolf Euckens in Jena, so können Sie sehen, wie herumgeredet wird und die Worte schön frisiert werden, aber wie die Begriffe, die da entwickelt werden, an die materialistischen Methoden nicht heran können. Sie sind wie das Tun eines Menschen, der hier an einem Ufer des Flusses steht und alle möglichen Anstrengungen macht, um ans andere Ufer hinüberzukommen, aber nicht hinüberkommen kann.1Hier wurde offensichtlich an die Tafel gezeichnet; die Zeichnung ist jedoch nicht überliefert worden. Drüben ist die materialistische naturwissenschaftliche Methode, aber er kommt nicht hinüber; daher bleibt das Philosophieren nur ein Herumreden.
[ 12 ] Was liegt da eigentlich vor? Nun, gehen wir einmal zurück auf etwas uns lange Bekanntes; gehen wir zurück auf die Gliederung des Menschen in physischen Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich. Diese gröbste Einteilung, wie sie sich uns geboten hat im Laufe unserer geisteswissenschaftlichen Untersuchungen, nehmen wir zunächst und fragen uns einmal: Was geschieht denn, wenn wir irgend etwas äußerlich Sinnliches betrachten — und ein Verbrechergehirn ist durchaus auch etwas äußerlich Sinnliches —, was geschieht da? Da wirkt das äußere Sinnliche auf unsere Sinnesorgane. Die sind im physischen Leibe. Da kommt die sinnliche Wahrnehmung zustande. Die leugnet niemand ab. Wir wären Toren, wenn wir sie als Geisteswissenschafter ableugnen würden. Es wäre Stumpfsinn, wenn wir uns mit solchen Ergebnissen, wie ich sie aus der Kriminalanthropologie angeführt habe, nicht befassen würden. Wir dürfen auch ihre Tragkraft nicht leugnen, denn sie beweisen durchaus, daß der Verbrecher mit einem Affengehirn herumgeht und der normale Mensch dieses Affengehirn nicht mehr hat. Wenn wir also philosophieren, so wie es die heutigen Philosophen tun, was machen wir dann? In welchen Regionen des menschlichen Wesens bewegen wir uns denn dann? Dann bewegen wir uns in der Sphäre des Ich. Da sind heute alle philosophischen Begriffe. Und gerade bei denjenigen, die heute am scharfsinnigsten philosophieren, werden Sie überall sehen können, daß sie in der Region des Ich gleichsam nur so herumschwimmen. Einen wissenschaftlichen Beweis dafür können Sie in dem Einleitungskapitel meiner «Rätsel der Philosophie» finden, wo ich gezeigt habe, wie in unserer Zeit die Philosophie dahin tendiert, daß das wesentliche ein Schwimmen im Ich ist. Aber zwischen der Naturwissenschaft und der Philosophie ist ein weiter Abstand, das ist der Fluß, über den die Philosophie nicht hinüberkommen kann, das heißt, daß die philosophischen Begriffe auf der einen Seite — innerlich im Menschen — sind, und alle sinnlichen Wahrnehmungen draußen, auf der anderen Seite.
[ 12 ] Was liegt da eigentlich vor? Nun, gehen wir einmal zurück auf etwas uns lange Bekanntes; gehen wir zurück auf die Gliederung des Menschen in physischen Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich. Diese gröbste Einteilung, wie sie sich uns geboten hat im Laufe unserer geisteswissenschaftlichen Untersuchungen, nehmen wir zunächst und fragen uns einmal: Was geschieht denn, wenn wir irgend etwas äußerlich Sinnliches betrachten — und ein Verbrechergehirn ist durchaus auch etwas äußerlich Sinnliches —, was geschieht da? Da wirkt das äußere Sinnliche auf unsere Sinnesorgane. Die sind im physischen Leibe. Da kommt die sinnliche Wahrnehmung zustande. Die leugnet niemand ab. Wir wären Toren, wenn wir sie als Geisteswissenschafter ableugnen würden. Es wäre Stumpfsinn, wenn wir uns mit solchen Ergebnissen, wie ich sie aus der Kriminalanthropologie angeführt habe, nicht befassen würden. Wir dürfen auch ihre Tragkraft nicht leugnen, denn sie beweisen durchaus, daß der Verbrecher mit einem Affengehirn herumgeht und der normale Mensch dieses Affengehirn nicht mehr hat. Wenn wir also philosophieren, so wie es die heutigen Philosophen tun, was machen wir dann? In welchen Regionen des menschlichen Wesens bewegen wir uns denn dann? Dann bewegen wir uns in der Sphäre des Ich. Da sind heute alle philosophischen Begriffe. Und gerade bei denjenigen, die heute am scharfsinnigsten philosophieren, werden Sie überall sehen können, daß sie in der Region des Ich gleichsam nur so herumschwimmen. Einen wissenschaftlichen Beweis dafür können Sie in dem Einleitungskapitel meiner «Rätsel der Philosophie» finden, wo ich gezeigt habe, wie in unserer Zeit die Philosophie dahin tendiert, daß das wesentliche ein Schwimmen im Ich ist. Aber zwischen der Naturwissenschaft und der Philosophie ist ein weiter Abstand, das ist der Fluß, über den die Philosophie nicht hinüberkommen kann, das heißt, daß die philosophischen Begriffe auf der einen Seite — innerlich im Menschen — sind, und alle sinnlichen Wahrnehmungen draußen, auf der anderen Seite.
[ 13 ] Ich habe einmal symptomatisch, aber nur symptomatisch, meine lieben Freunde, diesen Abgrund zwischen dem Philosophieren und dem naturwissenschaftlichen Wahrnehmen recht anschaulich vor mir gehabt — aber ich bitte zu beachten, daß dies nur symptomatisch gemeint ist —, als der sechzigste Geburtstag von Ernst Haeckel gefeiert wurde. Da habe ich an der Feier in Jena teilgenommen. Es haben da die verschiedensten Leute gesprochen, Anhänger Haeckels und so weiter. Nun war es mir interessant zu erfahren, was herauskommen würde, wenn auch die philosophischen Kollegen Haeckels, unter denen auch Dr. Rudolf Eucken war, während des Mittagsmahles, wie das so üblich ist, einen sogenannten Toast ausbringen würden. Denn dann hätte man irgendwie sehen können, wie sich die Vertreter der Philosophie einer Universität zu den Vertretern der Naturwissenschaft und der sinnlichen Wahrnehmung stellen. Der Toast — er wurde von Eucken ausgebracht — hatte ungefähr folgenden Inhalt; ich gebe nur den Hauptgedanken. Eucken sagte etwa: Bei einer Geburtstagsfeier wie der heutigen ist es üblich, daß man sagen muß, was das Geburtstagskind besonders charakterisiert. Nun habe ich versucht nachzudenken, was unser Geburtstagskind besonders charakterisieren könnte, aber ich habe in meinem eigenen Denken nichts besonderes gefunden. Da habe ich bei der Tochter unseres Jubilars angefragt und sie hat mir gesagt, daß es zu den charakteristischen Eigentümlichkeiten unseres Jubilars gehöre, daß er zum Beispiel mit seinem Schlips nicht zurechtkomme, wenn er ihn umlegen will. — In diesem Ton ging der Toast weiter.
[ 13 ] Ich habe einmal symptomatisch, aber nur symptomatisch, meine lieben Freunde, diesen Abgrund zwischen dem Philosophieren und dem naturwissenschaftlichen Wahrnehmen recht anschaulich vor mir gehabt — aber ich bitte zu beachten, daß dies nur symptomatisch gemeint ist —, als der sechzigste Geburtstag von Ernst Haeckel gefeiert wurde. Da habe ich an der Feier in Jena teilgenommen. Es haben da die verschiedensten Leute gesprochen, Anhänger Haeckels und so weiter. Nun war es mir interessant zu erfahren, was herauskommen würde, wenn auch die philosophischen Kollegen Haeckels, unter denen auch Dr. Rudolf Eucken war, während des Mittagsmahles, wie das so üblich ist, einen sogenannten Toast ausbringen würden. Denn dann hätte man irgendwie sehen können, wie sich die Vertreter der Philosophie einer Universität zu den Vertretern der Naturwissenschaft und der sinnlichen Wahrnehmung stellen. Der Toast — er wurde von Eucken ausgebracht — hatte ungefähr folgenden Inhalt; ich gebe nur den Hauptgedanken. Eucken sagte etwa: Bei einer Geburtstagsfeier wie der heutigen ist es üblich, daß man sagen muß, was das Geburtstagskind besonders charakterisiert. Nun habe ich versucht nachzudenken, was unser Geburtstagskind besonders charakterisieren könnte, aber ich habe in meinem eigenen Denken nichts besonderes gefunden. Da habe ich bei der Tochter unseres Jubilars angefragt und sie hat mir gesagt, daß es zu den charakteristischen Eigentümlichkeiten unseres Jubilars gehöre, daß er zum Beispiel mit seinem Schlips nicht zurechtkomme, wenn er ihn umlegen will. — In diesem Ton ging der Toast weiter.
[ 14 ] Nun, ich sagte schon, symptomatisch trat mir da entgegen, was die Philosophie-Vertreter einer Universität über den Vertreter der sinnlichen, naturwissenschaftlichen Wahrnehmungen zu sagen hatten. Es ist wirklich symptomatisch, denn es gibt zwischen der heutigen Philosophie und der Naturwissenschaft keine wirkliche Brücke, weil die Begriffe der Philosophen ganz dünn sind und die sinnlichen Tatsachen, welche die Naturwissenschaft zutage fördert, jenseits ihres Ufers sind. Man kommt mit den philosophischen Begriffen nicht hinüber.
[ 14 ] Nun, ich sagte schon, symptomatisch trat mir da entgegen, was die Philosophie-Vertreter einer Universität über den Vertreter der sinnlichen, naturwissenschaftlichen Wahrnehmungen zu sagen hatten. Es ist wirklich symptomatisch, denn es gibt zwischen der heutigen Philosophie und der Naturwissenschaft keine wirkliche Brücke, weil die Begriffe der Philosophen ganz dünn sind und die sinnlichen Tatsachen, welche die Naturwissenschaft zutage fördert, jenseits ihres Ufers sind. Man kommt mit den philosophischen Begriffen nicht hinüber.
[ 15 ] Nun habe ich Sie schon darauf aufmerksam gemacht, daß es eine Möglichkeit gibt, die naturwissenschaftlichen Tatsachen in Fluß zu bringen, richtig in Fluß zu bringen. Diese Möglichkeit besteht darin, daß man sich auf den Geist der Goetheschen naturwissenschaftlichen Betrachtungen wirklich einläßt. Erinnern Sie sich nur, daß ich Ihnen auseinandergesetzt habe, wie Goethe darauf gekommen ist, die Schädelknochen, trotzdem sie in der äußeren Form ganz abweichen von den Wirbelknochen, dennoch als umgewandelte Rückenwirbelknochen anzusehen. Ich habe Sie auf diese Umwandlungstheorie aufmerksam gemacht, als ich Ihnen davon gesprochen habe, daß unser Heizhaus nur eine Umwandlung unseres Hauptbaues ist, indem es einesteils vergrößert und andernteils verkümmert ist. Ich habe Sie auch bei einem anderen Vortrag darauf aufmerksam gemacht, daß wenn man von gewöhnlichen Begriffen zu geisteswissenschaftlichen Begriffen aufsteigt, man die Begriffe in Bewegung zu bringen hat. Ich habe dazu empfohlen, die Gedichte von Goethe über die Metamorphose der Pflanzen und der Tiere zu lesen. Da werden Sie sehen, wie beweglich die Begriffe sind, und wie er das alles geformt hat.
[ 15 ] Nun habe ich Sie schon darauf aufmerksam gemacht, daß es eine Möglichkeit gibt, die naturwissenschaftlichen Tatsachen in Fluß zu bringen, richtig in Fluß zu bringen. Diese Möglichkeit besteht darin, daß man sich auf den Geist der Goetheschen naturwissenschaftlichen Betrachtungen wirklich einläßt. Erinnern Sie sich nur, daß ich Ihnen auseinandergesetzt habe, wie Goethe darauf gekommen ist, die Schädelknochen, trotzdem sie in der äußeren Form ganz abweichen von den Wirbelknochen, dennoch als umgewandelte Rückenwirbelknochen anzusehen. Ich habe Sie auf diese Umwandlungstheorie aufmerksam gemacht, als ich Ihnen davon gesprochen habe, daß unser Heizhaus nur eine Umwandlung unseres Hauptbaues ist, indem es einesteils vergrößert und andernteils verkümmert ist. Ich habe Sie auch bei einem anderen Vortrag darauf aufmerksam gemacht, daß wenn man von gewöhnlichen Begriffen zu geisteswissenschaftlichen Begriffen aufsteigt, man die Begriffe in Bewegung zu bringen hat. Ich habe dazu empfohlen, die Gedichte von Goethe über die Metamorphose der Pflanzen und der Tiere zu lesen. Da werden Sie sehen, wie beweglich die Begriffe sind, und wie er das alles geformt hat.
[ 16 ] Wenn Sie das, was ich bei den verschiedenen Gelegenheiten gesagt habe, zusammennehmen mit dem, worauf wir heute geführt werden müssen, dann werden Sie sich sagen: Wenn ich unmittelbar die sinnlichen Wahrnehmungen nehme, so sind sie stärker begrenzt, gehe ich aber zur Goetheschen Weltanschauung über, dann erscheint mir ein solcher Rückenwirbelknochen so, daß er elastischer, weicher ist, so daß allmählich ein Teil des Schädels daraus wird. Ich schaue so hinein in die schaffende Natur. Ich sche, wie zum Beispiel noch bei den Fischen die einzelnen Schädelknochen sehr ähnlich sind den Rückenwirbelknochen, wie dann die Heraufbildung zum Menschen geschieht, indem die Rückenwirbelknochen heraufgebildet werden zum Schädelknochen... .*
[ 16 ] Wenn Sie das, was ich bei den verschiedenen Gelegenheiten gesagt habe, zusammennehmen mit dem, worauf wir heute geführt werden müssen, dann werden Sie sich sagen: Wenn ich unmittelbar die sinnlichen Wahrnehmungen nehme, so sind sie stärker begrenzt, gehe ich aber zur Goetheschen Weltanschauung über, dann erscheint mir ein solcher Rückenwirbelknochen so, daß er elastischer, weicher ist, so daß allmählich ein Teil des Schädels daraus wird. Ich schaue so hinein in die schaffende Natur. Ich sche, wie zum Beispiel noch bei den Fischen die einzelnen Schädelknochen sehr ähnlich sind den Rückenwirbelknochen, wie dann die Heraufbildung zum Menschen geschieht, indem die Rückenwirbelknochen heraufgebildet werden zum Schädelknochen... .*
[ 17 ] Das können Sie allerdings nur geistig verfolgen; das können Sie nicht sinnlich anschauen. Wollten Sie es sinnlich anschauen, so müßten Sie Tausende, Millionen von Jahren lang beobachten, wie das eine in das andere übergeht. Also man muß die Anschauung, die sinnliche Wahrnehmung vergeistigen.
[ 17 ] Das können Sie allerdings nur geistig verfolgen; das können Sie nicht sinnlich anschauen. Wollten Sie es sinnlich anschauen, so müßten Sie Tausende, Millionen von Jahren lang beobachten, wie das eine in das andere übergeht. Also man muß die Anschauung, die sinnliche Wahrnehmung vergeistigen.
[ 18 ] Sehen Sie, diese Vergeistigung der sinnlichen Wahrnehmung hat Goethe instinktiv richtig gemacht. Ich habe öfter auf jenes bedeutungsvolle Gespräch zwischen ihm und Schiller aufmerksam gemacht, als sie einmal zusammen nach einer Vorlesung des Botanikers Batsch aus der Naturforschenden Gesellschaft in Jena hinausgingen. Schiller sagte da, er habe bei Batsch alles nur so nebeneinander gefunden. Daraufhin zeichnete Goethe seine Urpflanze auf, die man bekommt, wenn man von der einen Pflanzenform zu der andern übergeht. Da sagte Schiller: Das ist aber keine Wahrnehmung, das ist eine Idee — und Goethe erwiderte: Dann habe ich meine Ideen vor Augen. — Er war sich bewußt, daß er nicht nur die einzelnen Verwandlungen sah, sondern daß er in allen Pflanzenteilen eine Pflanze sah. Dem liegt zugrunde, daß Goethe instinktiv alles so betrachtete, wie man nicht nur betrachten kann mit den physischen Sinnen, sondern wenn man die physische Wahrnehmung sogleich einfängt in die Betrachtung des Ätherleibes. Das heißt, Goethe nimmt die metamorphosierende Wahrnehmung — und diese ist eine fortwährend bewegliche Wahrnehmung — hinein in seine Naturanschauung. Dadurch kommt ihm die ganze Sinneswelt in Bewegung. Das Einzelne ist dann nur ein Spezialausdruck eines ganz Allgemeinen, aber nicht eines so Allgemeinen, wie es die abstrakten Philosophen machen, sondern eines Allgemeinen, das sich hindurchschlängelt dutch die einzelnen sinnlichen Wahrnehmungen. Da sehen Sie ein Heraufheben der sinnlichen Wahrnehmung in das Imaginative, das im Menschen entsteht, wenn man es nicht verschmäht, seinen Ätherleib zu der sinnlichen Wahrnehmung hinzuzunehmen.
[ 18 ] Sehen Sie, diese Vergeistigung der sinnlichen Wahrnehmung hat Goethe instinktiv richtig gemacht. Ich habe öfter auf jenes bedeutungsvolle Gespräch zwischen ihm und Schiller aufmerksam gemacht, als sie einmal zusammen nach einer Vorlesung des Botanikers Batsch aus der Naturforschenden Gesellschaft in Jena hinausgingen. Schiller sagte da, er habe bei Batsch alles nur so nebeneinander gefunden. Daraufhin zeichnete Goethe seine Urpflanze auf, die man bekommt, wenn man von der einen Pflanzenform zu der andern übergeht. Da sagte Schiller: Das ist aber keine Wahrnehmung, das ist eine Idee — und Goethe erwiderte: Dann habe ich meine Ideen vor Augen. — Er war sich bewußt, daß er nicht nur die einzelnen Verwandlungen sah, sondern daß er in allen Pflanzenteilen eine Pflanze sah. Dem liegt zugrunde, daß Goethe instinktiv alles so betrachtete, wie man nicht nur betrachten kann mit den physischen Sinnen, sondern wenn man die physische Wahrnehmung sogleich einfängt in die Betrachtung des Ätherleibes. Das heißt, Goethe nimmt die metamorphosierende Wahrnehmung — und diese ist eine fortwährend bewegliche Wahrnehmung — hinein in seine Naturanschauung. Dadurch kommt ihm die ganze Sinneswelt in Bewegung. Das Einzelne ist dann nur ein Spezialausdruck eines ganz Allgemeinen, aber nicht eines so Allgemeinen, wie es die abstrakten Philosophen machen, sondern eines Allgemeinen, das sich hindurchschlängelt dutch die einzelnen sinnlichen Wahrnehmungen. Da sehen Sie ein Heraufheben der sinnlichen Wahrnehmung in das Imaginative, das im Menschen entsteht, wenn man es nicht verschmäht, seinen Ätherleib zu der sinnlichen Wahrnehmung hinzuzunehmen.
[ 19 ] Man versteht nicht, was Goethe über Tiere und Pflanzen geschrieben hat, wenn man nicht ins Auge faßt, daß er den Ätherleib mitgenommen hat. Jetzt haben Sie das schon etwas höher geschoben. Wir würden nun etwas getan haben, wenn wir auch noch die philosophischen Begriffe hier herübergeschoben hätten, so daß sie sich [den Wahrnehmungen] nähern könnten (...).2Hier folgen im Originalstenogramm noch einige lückenhafte Zeilen, die keinen zusammenhängenden Sinn erkennen lassen.
[ 19 ] Man versteht nicht, was Goethe über Tiere und Pflanzen geschrieben hat, wenn man nicht ins Auge faßt, daß er den Ätherleib mitgenommen hat. Jetzt haben Sie das schon etwas höher geschoben. Wir würden nun etwas getan haben, wenn wir auch noch die philosophischen Begriffe hier herübergeschoben hätten, so daß sie sich [den Wahrnehmungen] nähern könnten (...).2Hier folgen im Originalstenogramm noch einige lückenhafte Zeilen, die keinen zusammenhängenden Sinn erkennen lassen.
[ 20 ] Nun nehmen Sie das, was wir im Laufe der Jahre oft betrachtet haben — es gehört dies zur ersten Stufe dessen, was in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» steht, daß man die physische, die gegenständliche Anschauung auf eine höhere Stufe, in die imaginative Anschauung heraufheben kann. Aber erinnern Sie sich an die Charakteristik, die ich immer und immer wieder gegeben habe — in unzähligen Stellen unserer Zyklen steht das —, worin diese imaginative Anschauung besteht. Sie besteht darin, daß durch das Ich wieder in den ätherischen Leib zurückgearbeitet wird. Solange man nur gegenständliche Begriffe formt, wie es der Philosoph auch tut — denn daß er im Geist arbeitet, ist nur sein Größenwahn —, kommt man nicht weiter. Man muß dazu übergehen, daß man vom gegenständlichen zum imaginativen Erkennen aufsteigt, das heißt, sobald Leben in die Begriffe hineinkommt, kommt man aus dem bloßen Ich in den ätherischen Leib zurück. Man bearbeitet den astralischen Leib zum Geistselbst, das heißt, man kann sagen, die philosophischen Begriffe werden zu imaginativen Begriffen oder Vorstellungen, wenn man das Wort «Begriff» da noch anwenden kann.
[ 20 ] Nun nehmen Sie das, was wir im Laufe der Jahre oft betrachtet haben — es gehört dies zur ersten Stufe dessen, was in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» steht, daß man die physische, die gegenständliche Anschauung auf eine höhere Stufe, in die imaginative Anschauung heraufheben kann. Aber erinnern Sie sich an die Charakteristik, die ich immer und immer wieder gegeben habe — in unzähligen Stellen unserer Zyklen steht das —, worin diese imaginative Anschauung besteht. Sie besteht darin, daß durch das Ich wieder in den ätherischen Leib zurückgearbeitet wird. Solange man nur gegenständliche Begriffe formt, wie es der Philosoph auch tut — denn daß er im Geist arbeitet, ist nur sein Größenwahn —, kommt man nicht weiter. Man muß dazu übergehen, daß man vom gegenständlichen zum imaginativen Erkennen aufsteigt, das heißt, sobald Leben in die Begriffe hineinkommt, kommt man aus dem bloßen Ich in den ätherischen Leib zurück. Man bearbeitet den astralischen Leib zum Geistselbst, das heißt, man kann sagen, die philosophischen Begriffe werden zu imaginativen Begriffen oder Vorstellungen, wenn man das Wort «Begriff» da noch anwenden kann.
[ 21 ] Aber jetzt haben sich die Dinge geeinigt: Die imaginativen Begriffe sind nicht mehr durch eine Kluft von den sich metamorphosierenden Wahrnehmungen getrennt, sondern sie sind unmittelbar anschließend.
[ 21 ] Aber jetzt haben sich die Dinge geeinigt: Die imaginativen Begriffe sind nicht mehr durch eine Kluft von den sich metamorphosierenden Wahrnehmungen getrennt, sondern sie sind unmittelbar anschließend.
[ 22 ] Wir werden nun sehen, daß, während Philosophie und Sinneswahrnehmung durch eine Kluft getrennt sind und nicht zusammenkommen können, weil die physische Wahrnehmung im physischen Leib ihren Prozeß hat und der Philosoph im Ich seinen Prozeß hat, hier aber [es wurde offenbar wieder gezeichnet] die imaginativen Begriffe und die Wahrnehmungen zusammenkommen, weil der gegenständliche Begriff im physischen Leib ist und die metamorphosierten Begriffe im Ätherleib sind. Es ist also eine Vertiefung nach beiden Richtungen. Nach der einen Seite muß man mit dem ganzen Menschen an die Welt herankommen und auf der andern Seite muß man die Begriffe vertiefen, indem sie lebendig werden, indem sie zu Imaginationen werden.
[ 22 ] Wir werden nun sehen, daß, während Philosophie und Sinneswahrnehmung durch eine Kluft getrennt sind und nicht zusammenkommen können, weil die physische Wahrnehmung im physischen Leib ihren Prozeß hat und der Philosoph im Ich seinen Prozeß hat, hier aber [es wurde offenbar wieder gezeichnet] die imaginativen Begriffe und die Wahrnehmungen zusammenkommen, weil der gegenständliche Begriff im physischen Leib ist und die metamorphosierten Begriffe im Ätherleib sind. Es ist also eine Vertiefung nach beiden Richtungen. Nach der einen Seite muß man mit dem ganzen Menschen an die Welt herankommen und auf der andern Seite muß man die Begriffe vertiefen, indem sie lebendig werden, indem sie zu Imaginationen werden.
[ 23 ] Das wollen die Philosophen vermeiden. Sie können sich nicht einlassen auf den Begriff der Imagination, und die Naturwissenschafter nicht auf ein Ergreifen der sich metamorphosierenden Wahrnehmung. Das wird aber durch die Geisteswissenschaft herbeigeführt. Unsere ganze Geisteswissenschaft ist eben eine Antwort auf die Frage: Wie nimmt der vernünftige, in seinem astralischen Leibe lebende Mensch die in seinem Ätherleibe lebenden und sich metamorphosierenden Wahrnehmungen wahr? Wie denkt er sie? Das ist es, was so wichtig ist, daß wir wirklich wissen, daß wir die Außenwelt der Innenwelt näherbringen, daß sie sich einander nähern, daß wir sie zusarmmenführen.
[ 23 ] Das wollen die Philosophen vermeiden. Sie können sich nicht einlassen auf den Begriff der Imagination, und die Naturwissenschafter nicht auf ein Ergreifen der sich metamorphosierenden Wahrnehmung. Das wird aber durch die Geisteswissenschaft herbeigeführt. Unsere ganze Geisteswissenschaft ist eben eine Antwort auf die Frage: Wie nimmt der vernünftige, in seinem astralischen Leibe lebende Mensch die in seinem Ätherleibe lebenden und sich metamorphosierenden Wahrnehmungen wahr? Wie denkt er sie? Das ist es, was so wichtig ist, daß wir wirklich wissen, daß wir die Außenwelt der Innenwelt näherbringen, daß sie sich einander nähern, daß wir sie zusarmmenführen.
[ 24 ] Jetzt können wir erst einen Lichtblick gewinnen in bezug darauf, was es eigentlich mit so etwas, wie der Realität der Kriminalanthropologie auf sich hat. Selbstverständlich wird einer, der so geboren ist, daß er in seinem Wachstum gerade das hat, daß der Hinterhauptslappen nicht ordentlich das Kleinhirn bedeckt, das ganze Leben mit einem solchen affenhaften Hinterhauptslappen herumlaufen. Aber woher kommt denn ein solcher affenhafter Hinterhauptslappen? Ein solcher ergibt sich geisteswissenschaftlich als die Folge des vorhergegangenen Lebens, denn an seiner Leibesbildung schafft von innen heraus das, was der Mensch früher gewesen ist. So schafft er sich seine Struktur des Leibes und des Gehirns und so auch seines Hinterhauptlappens. Wir können also sagen: Wenn ein Mensch mit einem verkümmerten Hinterhauptslappen herumläuft, so hat er im vorigen Leben sich nicht genug Kräfte errungen, um den Hinterhauptslappen normal zu bilden. Ein Trost ist dies zwar nicht, denn immer bleibt die Möglichkeit bestehen, daß ein solcher Mensch zum Verbrecher werden wird, denn vergrößert kann der Hinterhauptslappen ja nicht werden. Da könnte man nun sagen: Die Menschen sind dann ja in zwei Teile geteilt, in solche, die einen zu kleinen Hinterhauptslappen haben und die sind zu Verbrechern geboren, und in solche, die einen voll ausgebildeten Hinterhauptslappen haben, die nicht Verbrecher werden. — Für die materialistische Weltanschauung gibt es da kaum einen Irrtum. Sie wird zu diesem Schluß kommen. Für die Geisteswissenschaft gibt es theoretisch auch keine andere Antwort, aber da sie weiß, daß der physische Leib nicht der einzige Leib ist, sondern auch noch einen Ätherleib in sich trägt, so ändert sich für sie die Situation. Denn wenn ein Mensch mit einem verkümmerten Hinterhauptslappen, also mit einer ungünstigen Veranlagung zur Welt kommt, dann können wir diesen Menschen immer noch ordentlich erziehen. Wir können die Erziehung so gestalten, daß wir ihm entsprechende moralisch-ethische Begriffe beibringen. Dadurch kann zwar in der gegenwärtigen Inkarnation der physische Leib nicht geändert werden, wohl aber der Ätherteil des Hinterhauptlappens. Der kann vergrößert werden durch dasjenige, was man durch die richtige Erziehung dem Menschen beibringt. Man kann also sehr wohl einem Menschen, welcher auf Grund der vorhergegangenen Inkarnation einen zu kurzen Hinterhauptslappen hat, dutch eine geeignete Erziehung etwas helfen. Dadurch, daß wir einen solchen Menschen richtig erziehen, machen wir den Ätherteil des Hinterhauptlappens größer und der betreffende Mensch kann dadurch vor dem Verbrechertum bewahrt werden.
[ 24 ] Jetzt können wir erst einen Lichtblick gewinnen in bezug darauf, was es eigentlich mit so etwas, wie der Realität der Kriminalanthropologie auf sich hat. Selbstverständlich wird einer, der so geboren ist, daß er in seinem Wachstum gerade das hat, daß der Hinterhauptslappen nicht ordentlich das Kleinhirn bedeckt, das ganze Leben mit einem solchen affenhaften Hinterhauptslappen herumlaufen. Aber woher kommt denn ein solcher affenhafter Hinterhauptslappen? Ein solcher ergibt sich geisteswissenschaftlich als die Folge des vorhergegangenen Lebens, denn an seiner Leibesbildung schafft von innen heraus das, was der Mensch früher gewesen ist. So schafft er sich seine Struktur des Leibes und des Gehirns und so auch seines Hinterhauptlappens. Wir können also sagen: Wenn ein Mensch mit einem verkümmerten Hinterhauptslappen herumläuft, so hat er im vorigen Leben sich nicht genug Kräfte errungen, um den Hinterhauptslappen normal zu bilden. Ein Trost ist dies zwar nicht, denn immer bleibt die Möglichkeit bestehen, daß ein solcher Mensch zum Verbrecher werden wird, denn vergrößert kann der Hinterhauptslappen ja nicht werden. Da könnte man nun sagen: Die Menschen sind dann ja in zwei Teile geteilt, in solche, die einen zu kleinen Hinterhauptslappen haben und die sind zu Verbrechern geboren, und in solche, die einen voll ausgebildeten Hinterhauptslappen haben, die nicht Verbrecher werden. — Für die materialistische Weltanschauung gibt es da kaum einen Irrtum. Sie wird zu diesem Schluß kommen. Für die Geisteswissenschaft gibt es theoretisch auch keine andere Antwort, aber da sie weiß, daß der physische Leib nicht der einzige Leib ist, sondern auch noch einen Ätherleib in sich trägt, so ändert sich für sie die Situation. Denn wenn ein Mensch mit einem verkümmerten Hinterhauptslappen, also mit einer ungünstigen Veranlagung zur Welt kommt, dann können wir diesen Menschen immer noch ordentlich erziehen. Wir können die Erziehung so gestalten, daß wir ihm entsprechende moralisch-ethische Begriffe beibringen. Dadurch kann zwar in der gegenwärtigen Inkarnation der physische Leib nicht geändert werden, wohl aber der Ätherteil des Hinterhauptlappens. Der kann vergrößert werden durch dasjenige, was man durch die richtige Erziehung dem Menschen beibringt. Man kann also sehr wohl einem Menschen, welcher auf Grund der vorhergegangenen Inkarnation einen zu kurzen Hinterhauptslappen hat, dutch eine geeignete Erziehung etwas helfen. Dadurch, daß wir einen solchen Menschen richtig erziehen, machen wir den Ätherteil des Hinterhauptlappens größer und der betreffende Mensch kann dadurch vor dem Verbrechertum bewahrt werden.
[ 25 ] Nun müßte man aber zu der Tatsache, daß man bei denen, die zu Verbrechern geworden sind, einen zu kurzen Hinterhauptslappen findet, auch das umgekehrte Experiment machen. Man müßte normale Menschen sezieren und beweisen, daß sie alle normal entwickelte Hinterhauptslappen hatten; und dabei könnte man dann entdecken, daß es selbst bei normal entwickelten Menschen vorkommt, daß sie einen zu kleinen Hinterhauptslappen haben, aber trotzdem keine Verbrecher geworden sind, weil eben durch entsprechende Erziehung der ätherische Hinterhauptslappen größer geworden ist.
[ 25 ] Nun müßte man aber zu der Tatsache, daß man bei denen, die zu Verbrechern geworden sind, einen zu kurzen Hinterhauptslappen findet, auch das umgekehrte Experiment machen. Man müßte normale Menschen sezieren und beweisen, daß sie alle normal entwickelte Hinterhauptslappen hatten; und dabei könnte man dann entdecken, daß es selbst bei normal entwickelten Menschen vorkommt, daß sie einen zu kleinen Hinterhauptslappen haben, aber trotzdem keine Verbrecher geworden sind, weil eben durch entsprechende Erziehung der ätherische Hinterhauptslappen größer geworden ist.
[ 26 ] Die ethische Erziehung fügt also der ätherischen, nicht der physischen Konstitution etwas hinzu. Die Erziehung muß jedoch so eingerichtet werden, daß sie den geistigen Gesetzen entspricht. Nehmen Sie das, was als ein Erziehungsprinzip entwickelt worden ist in der kleinen Schrift «Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft», so werden Sie finden, daß den Prinzipien der Entwickelung von sieben zu sieben Jahren nachgegangen worden ist. Wenn man anfängt, diese Gesetze zu ergreifen und sie in entsprechende Maßnahmen umzusetzen, dann greift man tiefer ein als mit den rein rationalistischen Erziehungsmethoden, wie sie seit langem gang und gäbe sind. Man kommt auch nicht weiter mit dem, was als Fröbelismus heraufgekommen ist. Mit alle dem, was man heute an Erziehungsmethoden betreibt, kommt man nur an das Ich heran. Solange man aber nur an das Ich herankommt, kann man nichts machen, da bleibt der Hinterhauptslappen zu klein. Wenn Sie aber dem geistigen Dasein die Geheimnisse ablauschen und Erziehungsmaßnahmen daraus machen, so kommen Sie in den ätherischen Leib hinein. Da machen Sie wirklich den ätherischen Leib normal, das heißt, sie gewinnen mit der Geisteswissenschaft mächtige Begriffe, Begriffe, die wirklich eine Macht haben über den Menschen, die ihn umändern können. Wenn Sie die Begriffe nehmen, die heute gewonnen werden können — sei es auf der einen Seite aus der Beobachtung der sinnlichen Wahrnehmungswelt, sei es auf der anderen Seite aus dem abstrakten Gerede, das nur aus dem Ich stammt —, so bekommen Sie keine Erziehungsprinzipien und auch keine Prinzipien für das soziale Leben, die wirklich in den Menschen eingreifen. Die Begriffe bleiben machtlos. Sie können ganze Bibliotheken durchforschen — und es wird genügend geschrieben über das Erziehungswesen —, aber alles das ist ein Regelnwollen aus dem Ich heraus, ganz gleich, ob Sie glauben, mehr theoretisch oder sonstwie zu erziehen. Solange es nicht dem Geheimnis der Menschennatur und den geistigen Erziehungsprinzipien abgelauscht ist und dadurch bis in den ätherischen Leib hinein wirksam gemacht wird, so lange bleiben die Begriffe machtlos gegenüber dem, was im Menschen heranwächst. So nähern wir uns mit den Begriffen, die mächtiger werden, auch dem, was wird und wächst in der Welt, so daß wir uns praktisch nichts Theoretisches eingliedern. Wenn wir von philosophischen zu imaginativen Begriffen gehen, wie das die Geisteswissenschaft macht, und wenn Sie vom sinnlichen Wahrnehmen zu dem sich metamorphosierenden Wahrnehmen übergehen, so nähern wir unsere Grundsätze dem Geistigen an, und dann werden wir aus der Geisteswissenschaft entsprechende Maßnahmen und Grundsätze gewinnen.
[ 26 ] Die ethische Erziehung fügt also der ätherischen, nicht der physischen Konstitution etwas hinzu. Die Erziehung muß jedoch so eingerichtet werden, daß sie den geistigen Gesetzen entspricht. Nehmen Sie das, was als ein Erziehungsprinzip entwickelt worden ist in der kleinen Schrift «Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft», so werden Sie finden, daß den Prinzipien der Entwickelung von sieben zu sieben Jahren nachgegangen worden ist. Wenn man anfängt, diese Gesetze zu ergreifen und sie in entsprechende Maßnahmen umzusetzen, dann greift man tiefer ein als mit den rein rationalistischen Erziehungsmethoden, wie sie seit langem gang und gäbe sind. Man kommt auch nicht weiter mit dem, was als Fröbelismus heraufgekommen ist. Mit alle dem, was man heute an Erziehungsmethoden betreibt, kommt man nur an das Ich heran. Solange man aber nur an das Ich herankommt, kann man nichts machen, da bleibt der Hinterhauptslappen zu klein. Wenn Sie aber dem geistigen Dasein die Geheimnisse ablauschen und Erziehungsmaßnahmen daraus machen, so kommen Sie in den ätherischen Leib hinein. Da machen Sie wirklich den ätherischen Leib normal, das heißt, sie gewinnen mit der Geisteswissenschaft mächtige Begriffe, Begriffe, die wirklich eine Macht haben über den Menschen, die ihn umändern können. Wenn Sie die Begriffe nehmen, die heute gewonnen werden können — sei es auf der einen Seite aus der Beobachtung der sinnlichen Wahrnehmungswelt, sei es auf der anderen Seite aus dem abstrakten Gerede, das nur aus dem Ich stammt —, so bekommen Sie keine Erziehungsprinzipien und auch keine Prinzipien für das soziale Leben, die wirklich in den Menschen eingreifen. Die Begriffe bleiben machtlos. Sie können ganze Bibliotheken durchforschen — und es wird genügend geschrieben über das Erziehungswesen —, aber alles das ist ein Regelnwollen aus dem Ich heraus, ganz gleich, ob Sie glauben, mehr theoretisch oder sonstwie zu erziehen. Solange es nicht dem Geheimnis der Menschennatur und den geistigen Erziehungsprinzipien abgelauscht ist und dadurch bis in den ätherischen Leib hinein wirksam gemacht wird, so lange bleiben die Begriffe machtlos gegenüber dem, was im Menschen heranwächst. So nähern wir uns mit den Begriffen, die mächtiger werden, auch dem, was wird und wächst in der Welt, so daß wir uns praktisch nichts Theoretisches eingliedern. Wenn wir von philosophischen zu imaginativen Begriffen gehen, wie das die Geisteswissenschaft macht, und wenn Sie vom sinnlichen Wahrnehmen zu dem sich metamorphosierenden Wahrnehmen übergehen, so nähern wir unsere Grundsätze dem Geistigen an, und dann werden wir aus der Geisteswissenschaft entsprechende Maßnahmen und Grundsätze gewinnen.
[ 27 ] Aus dem, was ich gesagt habe, ersehen Sie, wie richtig, wie notwendig es in unserer Zeit ist — nachdem gerade durch eine jahrhundertelange Entwickelung die Welt hingewiesen worden ist auf die bloße Sinneswahrnehmung und dadurch zurückgedrängt worden ist zum bloßen Begreifen im Ich —, wie notwendig es ist, äußere Wahrnehmung und inneres Seelenleben wieder einander zu nähern, sowohl für die Betrachtung wie auch für das praktische Leben. Mit der Geisteswissenschaft gewinnen wir mächtige, in das Leben eingreifende Begriffe, Begriffe, welche wirklich mit dem Leben etwas zu tun haben. Solche Begriffe wie die der Euckenschen Philosophie greifen nie in das wirkliche Leben ein. Mit der Geisteswissenschaft fassen wir das Wirkliche an, wir fassen es da an, wo es wirklicher ist als die Sinneswahrnehmung.
[ 27 ] Aus dem, was ich gesagt habe, ersehen Sie, wie richtig, wie notwendig es in unserer Zeit ist — nachdem gerade durch eine jahrhundertelange Entwickelung die Welt hingewiesen worden ist auf die bloße Sinneswahrnehmung und dadurch zurückgedrängt worden ist zum bloßen Begreifen im Ich —, wie notwendig es ist, äußere Wahrnehmung und inneres Seelenleben wieder einander zu nähern, sowohl für die Betrachtung wie auch für das praktische Leben. Mit der Geisteswissenschaft gewinnen wir mächtige, in das Leben eingreifende Begriffe, Begriffe, welche wirklich mit dem Leben etwas zu tun haben. Solche Begriffe wie die der Euckenschen Philosophie greifen nie in das wirkliche Leben ein. Mit der Geisteswissenschaft fassen wir das Wirkliche an, wir fassen es da an, wo es wirklicher ist als die Sinneswahrnehmung.
[ 28 ] Wenn wir mit unseren gewöhnlichen Begriffen, mit der gewöhnlichen sinnlichen Wahrnehmung an das Wirkliche herangehen, dann schauen wir das an, was an der Oberfläche ist; da schauen wir mit unseren sinnlichen Werkzeugen. Da schauen wir zum Beispiel den Berg mit seiner Pflanzenwelt an. Und nun gibt es diese zweierlei Leute: Die einen schauen den Berg mit seiner Pflanzenwelt an und vergessen sich selbst (Haeckel), die anderen schauen nichts an von der Außenwelt, sondern reden nur in Begriffen herum und starren ins Leere; dadurch wird die Philosophie leer (Euckensche Philosophie). Die Geisteswissenschaft geht an das Wirkliche heran mit dem sich metamorphosierenden Wahrnehmen und schaut dadurch etwas an, was sich nicht an der Oberfläche ausspricht, sondern etwas, was darunter liegt. Aber auch, wenn sie den Menschen anschaut, geht ste von der bloßen Sinneswahrnehmung der physischen Sinnesorgane zurück zum metamorphosierenden Wahrnehmen (Ätherleib) und von dem bloßen philosophischen Begriff zum imaginativen Vorstellen und hat dadurch etwas wie eine Art unterirdischen Kanal zwischen der bloßen Sinneswahrnehmung (physischen Sinnesorganen) und dem bloßen philosophischen Begriff (Ich). Jetzt werden Sie auch verstehen, daß eine trostlose Weltanschauung auftreten muß, wenn nicht die Geisteswissenschaft Platz greift, denn die Philosophie wird selbstverständlich mit ihren Begriffen ganz ohnmächtig werden gegenüber dem Menschen, man wird ihr nicht glauben, das entwickelt sich auch schon. Die sinnliche Wahrnehmung kann man ja nicht ableugnen; sie wird man immer weniger ableugnen können. So ist es selbstverständlich, daß die materialistische Weltanschauung sagen wird: Was kann man dafür, daß man ein Verbrecher wird? Was kann man dafür, daß man einen zu kurzen Hinterhauptslappen hat? — Denken Sie sich, was dadurch aus dem Begriffe der Verantwortung und aus den juristischen Begriffen werden muß! Diese Perspektive muß man sich vor Augen führen. Es ist feige, sie sich nicht vor Augen zu führen.
[ 28 ] Wenn wir mit unseren gewöhnlichen Begriffen, mit der gewöhnlichen sinnlichen Wahrnehmung an das Wirkliche herangehen, dann schauen wir das an, was an der Oberfläche ist; da schauen wir mit unseren sinnlichen Werkzeugen. Da schauen wir zum Beispiel den Berg mit seiner Pflanzenwelt an. Und nun gibt es diese zweierlei Leute: Die einen schauen den Berg mit seiner Pflanzenwelt an und vergessen sich selbst (Haeckel), die anderen schauen nichts an von der Außenwelt, sondern reden nur in Begriffen herum und starren ins Leere; dadurch wird die Philosophie leer (Euckensche Philosophie). Die Geisteswissenschaft geht an das Wirkliche heran mit dem sich metamorphosierenden Wahrnehmen und schaut dadurch etwas an, was sich nicht an der Oberfläche ausspricht, sondern etwas, was darunter liegt. Aber auch, wenn sie den Menschen anschaut, geht ste von der bloßen Sinneswahrnehmung der physischen Sinnesorgane zurück zum metamorphosierenden Wahrnehmen (Ätherleib) und von dem bloßen philosophischen Begriff zum imaginativen Vorstellen und hat dadurch etwas wie eine Art unterirdischen Kanal zwischen der bloßen Sinneswahrnehmung (physischen Sinnesorganen) und dem bloßen philosophischen Begriff (Ich). Jetzt werden Sie auch verstehen, daß eine trostlose Weltanschauung auftreten muß, wenn nicht die Geisteswissenschaft Platz greift, denn die Philosophie wird selbstverständlich mit ihren Begriffen ganz ohnmächtig werden gegenüber dem Menschen, man wird ihr nicht glauben, das entwickelt sich auch schon. Die sinnliche Wahrnehmung kann man ja nicht ableugnen; sie wird man immer weniger ableugnen können. So ist es selbstverständlich, daß die materialistische Weltanschauung sagen wird: Was kann man dafür, daß man ein Verbrecher wird? Was kann man dafür, daß man einen zu kurzen Hinterhauptslappen hat? — Denken Sie sich, was dadurch aus dem Begriffe der Verantwortung und aus den juristischen Begriffen werden muß! Diese Perspektive muß man sich vor Augen führen. Es ist feige, sie sich nicht vor Augen zu führen.
[ 29 ] Es gibt aber eine Möglichkeit, darüber hinauszuführen, wenn man den Ätherleib von innen durch entsprechend gute Erziehung bearbeitet, so daß dadurch der ätherische Hinterhauptslappen entwickelt wird. Diese Erziehung muß aber eine Herzens- und Liebeserziehung sein, wie sie in der Schrift «Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft» gezeigt worden ist. Wenn man das einsieht, dann sagt man sich: Gewiß, ein solcher Mensch mit einem zu kurzen Hinterhauptslappen wird sein ganzes Leben mit dem verkürzten Hinterhauptslappen herumlaufen und in Versuchung kommen. Aber durch die Entwickelung des ätherischen Hinterhauptlappens wird er immer das nötige Gleichgewicht finden können. So wird die Geisteswissenschaft ein großer Faktor werden, wenn die, welche nur die Errungenschaften der materialistischen Weltanschauung kennen, an die Pforte der Geisteswissenschaft klopfen.
[ 29 ] Es gibt aber eine Möglichkeit, darüber hinauszuführen, wenn man den Ätherleib von innen durch entsprechend gute Erziehung bearbeitet, so daß dadurch der ätherische Hinterhauptslappen entwickelt wird. Diese Erziehung muß aber eine Herzens- und Liebeserziehung sein, wie sie in der Schrift «Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft» gezeigt worden ist. Wenn man das einsieht, dann sagt man sich: Gewiß, ein solcher Mensch mit einem zu kurzen Hinterhauptslappen wird sein ganzes Leben mit dem verkürzten Hinterhauptslappen herumlaufen und in Versuchung kommen. Aber durch die Entwickelung des ätherischen Hinterhauptlappens wird er immer das nötige Gleichgewicht finden können. So wird die Geisteswissenschaft ein großer Faktor werden, wenn die, welche nur die Errungenschaften der materialistischen Weltanschauung kennen, an die Pforte der Geisteswissenschaft klopfen.
[ 30 ] Als zweites möchte ich Ihnen eine andere Sache, die man dem seelischen Leben entnehmen kann, vorführen. Gerade in unserer heutigen Zeit haben wir ja die Möglichkeit, zu sehen, daß sich über ganze Volksgemeinschaften Gefühle ausbreiten, zum Beispiel Gefühle des Hasses. Nun wird derjenige, der auf dem Standpunkt einer naiven Weltanschauung noch steht, wenn man ihn frägt: Warum hassest du? — selbstverständlich weiß derjenige nicht genau, warum etwas hassenswert ist, weil er noch die naive Weltanschauung hat —, er wird vielleicht sagen: Ich hasse, weil ich es hassenswert finde. Nun gibt es heute eine psychologische Weltanschauung, die über diese Naivität hinaus ist, die mehr weiß, als daß man etwas haft, weil es hassenswert ist, ebenso wie der Kriminalanthropologe mehr weiß als der, der glaubt, daß ein Mensch Verbrecher geworden ist, weil er ein schlechter Kerl war und nicht besser geworden ist; denn der Kriminalanthropologe weiß, daß der Betreffende einen zu kleinen Hinterhauptslappen hat. Und so ist auch das ein naives Urteil, wenn man sagt: Ich hasse dies oder das, weil es hassenswert ist. Nun, auch da haben sich schon Menschen aufgeschwungen zu einem richtigen Urteil. Wer die Menschennatur näher betrachtet, sieht, wie die Gefühle, die in der Seele entwickelt werden, zu dem Rüstzeug, zu den Lebensbedingungen der Seele gehören. Und wenn man nicht naiv, sondern mit wirklicher Beobachtung der Tatsachen heute die Seelenwelt betrachtet, kommt man darauf, daß in dem Menschen latent aufgespeichert ist, ohne daß es sichtbar wird, ein gewisses Quantum von Hassensnotwendigkeit. Er muß hassen. Und wenn so viel Haß sich angesammelt hat, daß gewissermaßen das Faß übergeht, so sucht er sich ein Objekt seiner Hassenskraft. Betrachten Sie nun einmal die Art und Weise, wie der Mensch zu einer Weltanschauung kommt. Wir bemühen uns zu zeigen, wie man zu einer geisteswissenschaftlichen Weltanschauung kommen soll in einer objektiven Weise. Aber so kommt man nicht immer zu einer geisteswissenschaftlichen, auch nicht zu einer materialistischen Weltanschauung, sondern weil man dazu gefühlsmäßig prädestiniert ist. Was logisch für eine Weltanschauung spricht, kommt erst in zweiter oder gar dritter Beziehung in Betracht. Gehen Sie zum Beispiel durch die Versammlungen der Kommunisten oder Materialisten und prüfen Sie, was sie vorbringen, um logisch ihre Weltanschauung zu fundieren, dann können Sie bemerken, daß nicht ihre Logik, sondern ihr Gefühl dafür prädestiniert ist. Und so ist es auch mit der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung. Vielleicht haben Sie die mystische Weltanschauung aus Ihrem Gefühl heraus, weil sie Ihnen mehr wohl tut als eine matetialistische Weltanschauung. Der Gefühls-, der Affektfaktor spielt da eine ungeheuere Rolle. Ebenso ist es auch mit dem Haß gegenüber der Außenwelt. Wenn der Mensch etwas haßt, so wird der Psychologe nicht fragen: Wie ist das Objekt?, sondern er wird fragen: Wie ist der Mensch? — Das Haßbedürfnis ist in ihm und das Objekt ergibt sich einem dann von selbst. Er muß hassen, wie man zu bestimmten Zeiten essen muß. Das ist eine Erkenntnis, zu der es die gegenwärtige Psychologie schon gebracht hat.
[ 30 ] Als zweites möchte ich Ihnen eine andere Sache, die man dem seelischen Leben entnehmen kann, vorführen. Gerade in unserer heutigen Zeit haben wir ja die Möglichkeit, zu sehen, daß sich über ganze Volksgemeinschaften Gefühle ausbreiten, zum Beispiel Gefühle des Hasses. Nun wird derjenige, der auf dem Standpunkt einer naiven Weltanschauung noch steht, wenn man ihn frägt: Warum hassest du? — selbstverständlich weiß derjenige nicht genau, warum etwas hassenswert ist, weil er noch die naive Weltanschauung hat —, er wird vielleicht sagen: Ich hasse, weil ich es hassenswert finde. Nun gibt es heute eine psychologische Weltanschauung, die über diese Naivität hinaus ist, die mehr weiß, als daß man etwas haft, weil es hassenswert ist, ebenso wie der Kriminalanthropologe mehr weiß als der, der glaubt, daß ein Mensch Verbrecher geworden ist, weil er ein schlechter Kerl war und nicht besser geworden ist; denn der Kriminalanthropologe weiß, daß der Betreffende einen zu kleinen Hinterhauptslappen hat. Und so ist auch das ein naives Urteil, wenn man sagt: Ich hasse dies oder das, weil es hassenswert ist. Nun, auch da haben sich schon Menschen aufgeschwungen zu einem richtigen Urteil. Wer die Menschennatur näher betrachtet, sieht, wie die Gefühle, die in der Seele entwickelt werden, zu dem Rüstzeug, zu den Lebensbedingungen der Seele gehören. Und wenn man nicht naiv, sondern mit wirklicher Beobachtung der Tatsachen heute die Seelenwelt betrachtet, kommt man darauf, daß in dem Menschen latent aufgespeichert ist, ohne daß es sichtbar wird, ein gewisses Quantum von Hassensnotwendigkeit. Er muß hassen. Und wenn so viel Haß sich angesammelt hat, daß gewissermaßen das Faß übergeht, so sucht er sich ein Objekt seiner Hassenskraft. Betrachten Sie nun einmal die Art und Weise, wie der Mensch zu einer Weltanschauung kommt. Wir bemühen uns zu zeigen, wie man zu einer geisteswissenschaftlichen Weltanschauung kommen soll in einer objektiven Weise. Aber so kommt man nicht immer zu einer geisteswissenschaftlichen, auch nicht zu einer materialistischen Weltanschauung, sondern weil man dazu gefühlsmäßig prädestiniert ist. Was logisch für eine Weltanschauung spricht, kommt erst in zweiter oder gar dritter Beziehung in Betracht. Gehen Sie zum Beispiel durch die Versammlungen der Kommunisten oder Materialisten und prüfen Sie, was sie vorbringen, um logisch ihre Weltanschauung zu fundieren, dann können Sie bemerken, daß nicht ihre Logik, sondern ihr Gefühl dafür prädestiniert ist. Und so ist es auch mit der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung. Vielleicht haben Sie die mystische Weltanschauung aus Ihrem Gefühl heraus, weil sie Ihnen mehr wohl tut als eine matetialistische Weltanschauung. Der Gefühls-, der Affektfaktor spielt da eine ungeheuere Rolle. Ebenso ist es auch mit dem Haß gegenüber der Außenwelt. Wenn der Mensch etwas haßt, so wird der Psychologe nicht fragen: Wie ist das Objekt?, sondern er wird fragen: Wie ist der Mensch? — Das Haßbedürfnis ist in ihm und das Objekt ergibt sich einem dann von selbst. Er muß hassen, wie man zu bestimmten Zeiten essen muß. Das ist eine Erkenntnis, zu der es die gegenwärtige Psychologie schon gebracht hat.
[ 31 ] Ich habe in der Hand ein Heft der Zeitschrift «Die Zukunft» vom 25. September 1915. Darin findet sich ein Aufsatz «Wahrheiten» von Franz Blei. Da wird so etwas auseinandergesetzt, wie ich es jetzt getan habe. Dann wird ausgeführt, was Avenarius — Franz Blei ist ein Schüler des Avenarius — begründet hat in seinem empirischen Kritizismus. Das wird in einzelnen Sätzen zusammengefaßt und da finden Sie in diesen Sätzen sehr schön ausgedrückt, was heute schon als psychologische Forschungsergebnisse aufgefaßt werden kann: «Reine Gefühle sind als den mit ideellen Komponenten befrachteten Gefühlen präexistent theoretisch anzunehmen und nicht erfahrbar. Praktisch kennen wir kein Gefühl, das keinen ideellen Komponenten hat.» — Dieser Satz betrifft nicht gerade dasjenige, was wir brauchen, daher wollen wir uns bei diesem Satze nicht weiter aufhalten. Es ist nicht nötig, daß wir ihn auseinanderschälen, sonst müßten wit auf die Begriffe eingehen, die da gebraucht worden sind. Aber ein anderer Satz kann für uns schon wichtiger sein, nämlich der: «Reine Ideen sind als den menschlich gedachten Ideen präexistent theoretisch anzunehmen und nicht rein erfahrbar. Praktisch kennen wir keine Idee (Gedanke, Bild), die nicht schon als Komponente zu einem Gefühl gedient hat.»
[ 31 ] Ich habe in der Hand ein Heft der Zeitschrift «Die Zukunft» vom 25. September 1915. Darin findet sich ein Aufsatz «Wahrheiten» von Franz Blei. Da wird so etwas auseinandergesetzt, wie ich es jetzt getan habe. Dann wird ausgeführt, was Avenarius — Franz Blei ist ein Schüler des Avenarius — begründet hat in seinem empirischen Kritizismus. Das wird in einzelnen Sätzen zusammengefaßt und da finden Sie in diesen Sätzen sehr schön ausgedrückt, was heute schon als psychologische Forschungsergebnisse aufgefaßt werden kann: «Reine Gefühle sind als den mit ideellen Komponenten befrachteten Gefühlen präexistent theoretisch anzunehmen und nicht erfahrbar. Praktisch kennen wir kein Gefühl, das keinen ideellen Komponenten hat.» — Dieser Satz betrifft nicht gerade dasjenige, was wir brauchen, daher wollen wir uns bei diesem Satze nicht weiter aufhalten. Es ist nicht nötig, daß wir ihn auseinanderschälen, sonst müßten wit auf die Begriffe eingehen, die da gebraucht worden sind. Aber ein anderer Satz kann für uns schon wichtiger sein, nämlich der: «Reine Ideen sind als den menschlich gedachten Ideen präexistent theoretisch anzunehmen und nicht rein erfahrbar. Praktisch kennen wir keine Idee (Gedanke, Bild), die nicht schon als Komponente zu einem Gefühl gedient hat.»
[ 32 ] Also, wenn eine Idee in uns auftaucht, so müssen wir uns fragen: Welches Gefühl hat uns zu dieser Idee getrieben? In dem einen taucht die Idee auf: Die Welt ist auflösbar in Atome. — Welches Gefühl hat ihn dazu getrieben? In einem anderen taucht die Idee auf: Die Welt hat eine Hierarchie, eine Stufenleiter. — Welches Gefühl trieb ihn dazu? Also die Komponente des Gefühls ist überall darinnen. Und wenn einer haßt, welches Gefühl drängt ihn dazu? Blei sagt: «Nicht Ideen rufen Gefühle hervor, sondern die reinen Gefühle bemächtigen sich der Ideen, die diese Gefühle befriedigen können.» Zum Beispiel: Der Sozialdemokrat haßt den Bourgeois. Er haßt ihn deshalb, weil ihm ein Quantum von Haß notwendig ist und das wendet er dem Bourgeois zu. Oder der Antisemit hat Haß notwendig und dazu bietet sich ihm der Jude dar. Franz Blei sagt in Punkt 8: «Nicht die Wahrheit einer Idee an sich entscheidet für ihre Annahme durch die Menschen, sondern ihr affektiver Gehalt.»
[ 32 ] Also, wenn eine Idee in uns auftaucht, so müssen wir uns fragen: Welches Gefühl hat uns zu dieser Idee getrieben? In dem einen taucht die Idee auf: Die Welt ist auflösbar in Atome. — Welches Gefühl hat ihn dazu getrieben? In einem anderen taucht die Idee auf: Die Welt hat eine Hierarchie, eine Stufenleiter. — Welches Gefühl trieb ihn dazu? Also die Komponente des Gefühls ist überall darinnen. Und wenn einer haßt, welches Gefühl drängt ihn dazu? Blei sagt: «Nicht Ideen rufen Gefühle hervor, sondern die reinen Gefühle bemächtigen sich der Ideen, die diese Gefühle befriedigen können.» Zum Beispiel: Der Sozialdemokrat haßt den Bourgeois. Er haßt ihn deshalb, weil ihm ein Quantum von Haß notwendig ist und das wendet er dem Bourgeois zu. Oder der Antisemit hat Haß notwendig und dazu bietet sich ihm der Jude dar. Franz Blei sagt in Punkt 8: «Nicht die Wahrheit einer Idee an sich entscheidet für ihre Annahme durch die Menschen, sondern ihr affektiver Gehalt.»
[ 33 ] Also sehen Sie, das weiß der auch schon! Ein materialistischer Monist wird man nicht, weil man die Wahrheit einsieht, sondern weil man durch sein Gefühl dafür prädestiniert ist und ein Spiritualist wird man nicht, weil es wahr ist, sondern weil man durch das Gefühl dazu prädestiniert ist.
[ 33 ] Also sehen Sie, das weiß der auch schon! Ein materialistischer Monist wird man nicht, weil man die Wahrheit einsieht, sondern weil man durch sein Gefühl dafür prädestiniert ist und ein Spiritualist wird man nicht, weil es wahr ist, sondern weil man durch das Gefühl dazu prädestiniert ist.
[ 34 ] Weiter heißt es in diesem Aufsatz: «Ideen werden angenommen, deren Wahrscheinlichkeit Null ist, andere wieder zusammen und zugleich mit solchen, die der ersten Gegenteil sind. Man denke an die Vielfachheit des «Du sollst nicht töten! . Hier ist nur dem Gläubigen ein Einwand gestattet, dem einst Hegel den Ausdruck von der «List der Idee» gegeben hat, die sich unserer Leidenschaften zu ihrer Realisierung bediene, indem die Menschen meinen, für sich zu arbeiten, während sie es in Wirklichkeit für den «Weltgeist tun. Der Christgläubige spricht von der Unerforschlichkeit der Wege Gottes.»
[ 34 ] Weiter heißt es in diesem Aufsatz: «Ideen werden angenommen, deren Wahrscheinlichkeit Null ist, andere wieder zusammen und zugleich mit solchen, die der ersten Gegenteil sind. Man denke an die Vielfachheit des «Du sollst nicht töten! . Hier ist nur dem Gläubigen ein Einwand gestattet, dem einst Hegel den Ausdruck von der «List der Idee» gegeben hat, die sich unserer Leidenschaften zu ihrer Realisierung bediene, indem die Menschen meinen, für sich zu arbeiten, während sie es in Wirklichkeit für den «Weltgeist tun. Der Christgläubige spricht von der Unerforschlichkeit der Wege Gottes.»
[ 35 ] Der ganze Aufsatz handelt also davon, daß es nicht die Ideen, die sogenannten Wahrheiten sind, die den Menschen ergreifen, sondern der Gefühlsgehalt.
[ 35 ] Der ganze Aufsatz handelt also davon, daß es nicht die Ideen, die sogenannten Wahrheiten sind, die den Menschen ergreifen, sondern der Gefühlsgehalt.
[ 36 ] Wer die Welt heute betrachtet, wie sie sich nach und nach entwickelt hat, der wird das ganz richtig finden und es ist sehr bedeutsam, daß eine Philosophenschule wie die des Avenarius dahintergekommen ist, daß der Sozialdemokrat nicht den Bourgeois haßt, weil er ihn hassenswert findet, sondern weil er selbst ein bestimmtes Quantum Haß notwendig hat. Dahinter ist also die Philosophenschule des Avenarius heute schon gekommen.
[ 36 ] Wer die Welt heute betrachtet, wie sie sich nach und nach entwickelt hat, der wird das ganz richtig finden und es ist sehr bedeutsam, daß eine Philosophenschule wie die des Avenarius dahintergekommen ist, daß der Sozialdemokrat nicht den Bourgeois haßt, weil er ihn hassenswert findet, sondern weil er selbst ein bestimmtes Quantum Haß notwendig hat. Dahinter ist also die Philosophenschule des Avenarius heute schon gekommen.
[ 37 ] Aber bedenken wir, was das wiederum für eine soziale Konsequenz hat. Stellen Sie sich nur einmal auf den Standpunkt — und man möchte sagen, dieser Standpunkt muß sich, wenn man überhaupt noch ein wirkliches Gefühl hat, zu der allerbittersten Seelenpille verwandeln —, daß Sie diese Dinge im Ernste als Wahrheiten nehmen, so werden Sie sich sagen müssen: Da entscheidet die Wahrheit über gar nichts mehr, sondern die Affekte entscheiden. Ich werde zwar in eine Weltanschauung hineingebracht, aber nur deshalb, weil ich die Wahrheit nicht kenne. Das führt dann in die absolute Trostlosigkeit hinein. Da gibt es kein Entrinnen. So wie es auch in der Kriminalanthropologie kein Entrinnen gibt gegenüber dem Zugeben dessen, daß ein zu kurzer Hinterhauptslappen einen Verbrecher gibt, so gibt es auch gegenüber der äußeren Psychologie kein Entrinnen gegenüber der Tatsache, daß die Menschen durch ihre Affekte zu dem getrieben werden, was sie Wahrheit nennen.
[ 37 ] Aber bedenken wir, was das wiederum für eine soziale Konsequenz hat. Stellen Sie sich nur einmal auf den Standpunkt — und man möchte sagen, dieser Standpunkt muß sich, wenn man überhaupt noch ein wirkliches Gefühl hat, zu der allerbittersten Seelenpille verwandeln —, daß Sie diese Dinge im Ernste als Wahrheiten nehmen, so werden Sie sich sagen müssen: Da entscheidet die Wahrheit über gar nichts mehr, sondern die Affekte entscheiden. Ich werde zwar in eine Weltanschauung hineingebracht, aber nur deshalb, weil ich die Wahrheit nicht kenne. Das führt dann in die absolute Trostlosigkeit hinein. Da gibt es kein Entrinnen. So wie es auch in der Kriminalanthropologie kein Entrinnen gibt gegenüber dem Zugeben dessen, daß ein zu kurzer Hinterhauptslappen einen Verbrecher gibt, so gibt es auch gegenüber der äußeren Psychologie kein Entrinnen gegenüber der Tatsache, daß die Menschen durch ihre Affekte zu dem getrieben werden, was sie Wahrheit nennen.
[ 38 ] Am klarsten, höchst bedeutend und einleuchtend hat das Friedrich Nietzsche in den verschiedensten Varianten seiner Weltanschauung darzustellen versucht. Dem ganzen Nietzscheanismus liegt das zugrunde. Ich habe die Stelle selbst angeführt in meinem Buche «Friedrich Nietzsche, ein Kämpfer gegen seine Zeit». Es handelt sich da um die Frage: Was ist Wahrheit? Und weil Nietzsche die Richtigkeit dieses Satzes nicht angenommen hat wegen der Wahrheit, sondern ihn abgelehnt hat wegen der ganzen Präparierung der menschlichen Subjektivität, deshalb wollte Nietzsche Schluß machen mit der Phantasie [vom Willen zur Wahrheit], das heißt also auch mit dem Christentum. Daher schrieb er den «Antichrist», das nächste sollte sein «Die Immoralisten» und das Ganze sollte dann «Der Wille zur Macht» sein.
[ 38 ] Am klarsten, höchst bedeutend und einleuchtend hat das Friedrich Nietzsche in den verschiedensten Varianten seiner Weltanschauung darzustellen versucht. Dem ganzen Nietzscheanismus liegt das zugrunde. Ich habe die Stelle selbst angeführt in meinem Buche «Friedrich Nietzsche, ein Kämpfer gegen seine Zeit». Es handelt sich da um die Frage: Was ist Wahrheit? Und weil Nietzsche die Richtigkeit dieses Satzes nicht angenommen hat wegen der Wahrheit, sondern ihn abgelehnt hat wegen der ganzen Präparierung der menschlichen Subjektivität, deshalb wollte Nietzsche Schluß machen mit der Phantasie [vom Willen zur Wahrheit], das heißt also auch mit dem Christentum. Daher schrieb er den «Antichrist», das nächste sollte sein «Die Immoralisten» und das Ganze sollte dann «Der Wille zur Macht» sein.
[ 39 ] Trostlosigkeit, absoluter Nihilismus ist es, zu dem gerade solche Philosophenschulen führen mit ihrer Erkenntnis, daß wer dazu veranlagt ist, daß er glaubt, am besten in ein Verhältnis zur Welt zu kommen dadurch, daß er sich an die Materie hält, Materialist wird; und wer glaubt, daß er durch eine Abhängigkeit von der geistigen Welt lebt, Spiritualist wird aus seinem Affekt heraus.
[ 39 ] Trostlosigkeit, absoluter Nihilismus ist es, zu dem gerade solche Philosophenschulen führen mit ihrer Erkenntnis, daß wer dazu veranlagt ist, daß er glaubt, am besten in ein Verhältnis zur Welt zu kommen dadurch, daß er sich an die Materie hält, Materialist wird; und wer glaubt, daß er durch eine Abhängigkeit von der geistigen Welt lebt, Spiritualist wird aus seinem Affekt heraus.
[ 40 ] — Nun, meine lieben Freunde, dagegen braucht man nur eines zu nehmen, man braucht nur aufzuschlagen das letzte Kapitel der «Theosophie», wo der Weg zur Erkenntnis geschildert wird und die Tatsache nehmen, wovon da ausgegangen wird. Es wird da nämlich gar nicht ausgegangen davon, daß man logisch spintisieren soll, um zu diesen Wahrheiten zu kommen, sondern es wird ausgegangen davon, daß es nötig ist, die ganze affektive Welt des Menschen, die Gefühlsrichtung in einer bestimmten Weise zu bilden und zu gestalten. Da wird auf dasjenige eingegangen, was dem Suchen nach der Wahrheit zugrunde liegt. Da wird das in Angriff genommen, worauf die Psychologie hindeutet, womit sie aber nichts anzufangen weiß. Warum wird von uns nicht der Materialismus mit logischen Gründen widerlegt, warum wird nicht der Spiritualismus mit logischen Gründen begründet? Weil das alles nichts heißt. Es ist vielmehr etwas anderes zu zeigen. Es ist zu zeigen: Das und das mußt du mit deinen Affekten machen, so daß du nicht mehr durch das Subjektive geführt wirst, sondern... . [Lücke].
[ 40 ] — Nun, meine lieben Freunde, dagegen braucht man nur eines zu nehmen, man braucht nur aufzuschlagen das letzte Kapitel der «Theosophie», wo der Weg zur Erkenntnis geschildert wird und die Tatsache nehmen, wovon da ausgegangen wird. Es wird da nämlich gar nicht ausgegangen davon, daß man logisch spintisieren soll, um zu diesen Wahrheiten zu kommen, sondern es wird ausgegangen davon, daß es nötig ist, die ganze affektive Welt des Menschen, die Gefühlsrichtung in einer bestimmten Weise zu bilden und zu gestalten. Da wird auf dasjenige eingegangen, was dem Suchen nach der Wahrheit zugrunde liegt. Da wird das in Angriff genommen, worauf die Psychologie hindeutet, womit sie aber nichts anzufangen weiß. Warum wird von uns nicht der Materialismus mit logischen Gründen widerlegt, warum wird nicht der Spiritualismus mit logischen Gründen begründet? Weil das alles nichts heißt. Es ist vielmehr etwas anderes zu zeigen. Es ist zu zeigen: Das und das mußt du mit deinen Affekten machen, so daß du nicht mehr durch das Subjektive geführt wirst, sondern... . [Lücke].
[ 41 ] Nehmen Sie dieses Kapitel der «Theosophie» und Sie werden sehen, daß alles auf ein Objektivieren des affektiven Lebens ankommt und dann können Sie sehen, wie hierdurch eingegriffen wird in die Sackgasse der modernen Weltanschauung... [Die Schlußsätze sind im Stenogramm nicht mehr zu entziffern.]
[ 41 ] Nehmen Sie dieses Kapitel der «Theosophie» und Sie werden sehen, daß alles auf ein Objektivieren des affektiven Lebens ankommt und dann können Sie sehen, wie hierdurch eingegriffen wird in die Sackgasse der modernen Weltanschauung... [Die Schlußsätze sind im Stenogramm nicht mehr zu entziffern.]
