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The Value of Thinking for Satisfying Our Quest for Knowledge
The Relationship Between the Spiritual Science and the Natural SciencesGA 164

4 October 1915, Dornach

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Das Verhältnis der Geisteswissenschaft zur Naturwissenschaft V

Das Verhältnis der Geisteswissenschaft zur Naturwissenschaft V

[ 1 ] Wir sind in der Besprechung der Wrangellschen Broschüre bis zu dem Kapitelchen gekommen, das Seite 37 beginnt und betitelt ist «Materialismus». Ich werde dieses Kapitelchen zunächst lesen:

[ 1 ] Wir sind in der Besprechung der Wrangellschen Broschüre bis zu dem Kapitelchen gekommen, das Seite 37 beginnt und betitelt ist «Materialismus». Ich werde dieses Kapitelchen zunächst lesen:

Materialismus

Wie bereits früher gesagt, anerkennt die materialistische Auffassung nur solche Erkenntnis, welche durch Sinneswahrnehmungen und darauf begründete logische Schlußfolgerungen gewonnen werden kann, und leugnet die Realität okkulter Wahrnehmungen. Die Sinneswahrnehmungen der meisten Menschen liefern keine unmittelbaren Beweise für die Wirklichkeit geistiger Kräfte und Erscheinungen, welche nicht an materielle Körper gebunden sind. Daraus folgert der Materialist, daß die Annahme solcher, vom Stofflichen unabhängiger Kräfte und Wesen nicht gerechtfertigt sei, und erklärt die daraus zu ziehenden Schlüsse für wertlos. Es ist nach ihm das Weltgeschehen die notwendige Folge der im Stoff von Anbeginn vorhandenen Kräfte und Zustände, die nur ezzen Verlauf zulassen, und zwar, nach dem Gesetz der Zerstreuung der Energie, schließlich zum Zustande des Gleichgewichts, folglich des ewigen Todes führen müssen. Intellektuelle Aufgabe des Menschen sei es, die Gesetze zu erforschen, nach denen der Verlauf dieser Weltentwickelung vor sich geht, um möglichst geringe Leiden und Kraftvergeudung zu erdulden, indem man sich diesen Gesetzen anpaßt.

Wenn man die okkulten Beweise für das Vorhandensein geistiger Wesenheiten grundsätzlich verwirft, so läßt sich logisch nichts gegen die materialistische Auffassung einwenden.

Materialismus

Wie bereits früher gesagt, anerkennt die materialistische Auffassung nur solche Erkenntnis, welche durch Sinneswahrnehmungen und darauf begründete logische Schlußfolgerungen gewonnen werden kann, und leugnet die Realität okkulter Wahrnehmungen. Die Sinneswahrnehmungen der meisten Menschen liefern keine unmittelbaren Beweise für die Wirklichkeit geistiger Kräfte und Erscheinungen, welche nicht an materielle Körper gebunden sind. Daraus folgert der Materialist, daß die Annahme solcher, vom Stofflichen unabhängiger Kräfte und Wesen nicht gerechtfertigt sei, und erklärt die daraus zu ziehenden Schlüsse für wertlos. Es ist nach ihm das Weltgeschehen die notwendige Folge der im Stoff von Anbeginn vorhandenen Kräfte und Zustände, die nur ezzen Verlauf zulassen, und zwar, nach dem Gesetz der Zerstreuung der Energie, schließlich zum Zustande des Gleichgewichts, folglich des ewigen Todes führen müssen. Intellektuelle Aufgabe des Menschen sei es, die Gesetze zu erforschen, nach denen der Verlauf dieser Weltentwickelung vor sich geht, um möglichst geringe Leiden und Kraftvergeudung zu erdulden, indem man sich diesen Gesetzen anpaßt.

Wenn man die okkulten Beweise für das Vorhandensein geistiger Wesenheiten grundsätzlich verwirft, so läßt sich logisch nichts gegen die materialistische Auffassung einwenden.

[ 2 ] Wir sehen hier in der Tat mit einigen prägnanten Sätzen das Wesen des materialistischen Gedankenganges charakterisiert. Aber um zu einer Klarheit über die ganze Bedeutung der materialistischen Weltanschauung in unserer Zeit zu kommen, muß man eigentlich verschiedenes berücksichtigen.

[ 2 ] Wir sehen hier in der Tat mit einigen prägnanten Sätzen das Wesen des materialistischen Gedankenganges charakterisiert. Aber um zu einer Klarheit über die ganze Bedeutung der materialistischen Weltanschauung in unserer Zeit zu kommen, muß man eigentlich verschiedenes berücksichtigen.

[ 3 ] Man muß sich klar darüber sein, daß diejenigen, die in unserer Zeit ehrliche Materialisten geworden sind, es in der Tat schwer haben, zu einer spiritualistischen Weltanschauung zu kommen. Und wenn man von «ehrlichen» Gegnern des Spiritualismus spricht, so muß man unter ihnen eigentlich in erster Linie die theoretischen Materialisten ins Auge fassen, denn diejenigen Menschen, welche von vornherein, ich möchte sagen «gewerbsmäßig» diese oder jene Weltanschauung vertreten zu müssen glauben, brauchen ja nicht immer mit dem Prädikat «ehrliche» Vertreter einer Weltanschauung bezeichnet zu werden. Aber Ludwig Büchner zum Beispiel war ein ehrlicher Vertreter des Materialismus in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, ehrlicher als viele, die von irgendeinem, wie sie meinen, religiösen Gesichtspunkte aus sich zu Gegnern einer spirituellen Weltauffassung im Sinne der Geisteswissenschaft glauben machen zu müssen.

[ 3 ] Man muß sich klar darüber sein, daß diejenigen, die in unserer Zeit ehrliche Materialisten geworden sind, es in der Tat schwer haben, zu einer spiritualistischen Weltanschauung zu kommen. Und wenn man von «ehrlichen» Gegnern des Spiritualismus spricht, so muß man unter ihnen eigentlich in erster Linie die theoretischen Materialisten ins Auge fassen, denn diejenigen Menschen, welche von vornherein, ich möchte sagen «gewerbsmäßig» diese oder jene Weltanschauung vertreten zu müssen glauben, brauchen ja nicht immer mit dem Prädikat «ehrliche» Vertreter einer Weltanschauung bezeichnet zu werden. Aber Ludwig Büchner zum Beispiel war ein ehrlicher Vertreter des Materialismus in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, ehrlicher als viele, die von irgendeinem, wie sie meinen, religiösen Gesichtspunkte aus sich zu Gegnern einer spirituellen Weltauffassung im Sinne der Geisteswissenschaft glauben machen zu müssen.

[ 4 ] Nun, ich sagte, die Materialisten haben es schwer, zu einer spirituellen Weltauffassung zu kommen. Denn der Materialismus, so wie er uns heute entgegentritt bei denen, die da sagen: Ja, der Mensch hat eben seine Sinne und nimmt durch die Sinne die Welt wahr, er beobachtet die Vorgänge, die die Sinne verfolgen können und kann nicht auf Grundlage desjenigen, was ihm die Sinne darbieten, zu der Annahme einer geistigen Wesenheit kommen, die unabhängig von der Sinneswelt ist —, dieser Materialismus ist mit einer gewissen Notwendigkeit aus der Entwickelung der neueren Menschheit hervorgegangen, denn er fußt auf etwas, was in der Entwickelung der neueren Menschheit kommen mußte.

[ 4 ] Nun, ich sagte, die Materialisten haben es schwer, zu einer spirituellen Weltauffassung zu kommen. Denn der Materialismus, so wie er uns heute entgegentritt bei denen, die da sagen: Ja, der Mensch hat eben seine Sinne und nimmt durch die Sinne die Welt wahr, er beobachtet die Vorgänge, die die Sinne verfolgen können und kann nicht auf Grundlage desjenigen, was ihm die Sinne darbieten, zu der Annahme einer geistigen Wesenheit kommen, die unabhängig von der Sinneswelt ist —, dieser Materialismus ist mit einer gewissen Notwendigkeit aus der Entwickelung der neueren Menschheit hervorgegangen, denn er fußt auf etwas, was in der Entwickelung der neueren Menschheit kommen mußte.

[ 5 ] Wer sich die Mühe macht, das ältere Geistesleben der Menschheit zu studieren, der findet, daß dieses mit dem 14., 15., 16. Jahrhundert bei den eigentlichen Kulturvölkern an einem Ende angekommen war. Man braucht heute nur wirklich sich mit dem auseinanderzusetzen, was die Gegenwart dem Bewußtsein des Menschen geben kann und dann ein Buch in die Hand zu nehmen, das in bezug auf seine Auffassung noch ganz darinnensteht in der Art und Weise, wie man die Welt naturwissenschaftlich betrachtet hat im 13., 14., 15. Jahrhundert, und man wird finden, daß der gegenwärtige Mensch, wenn er die Dinge ernst und würdig nimmt, kein richtiges Verständnis mehr hat und haben kann für das, was in der älteren Literatur bis zu dem gekennzeichneten Wendepunkte wirklich gesagt wird.

[ 5 ] Wer sich die Mühe macht, das ältere Geistesleben der Menschheit zu studieren, der findet, daß dieses mit dem 14., 15., 16. Jahrhundert bei den eigentlichen Kulturvölkern an einem Ende angekommen war. Man braucht heute nur wirklich sich mit dem auseinanderzusetzen, was die Gegenwart dem Bewußtsein des Menschen geben kann und dann ein Buch in die Hand zu nehmen, das in bezug auf seine Auffassung noch ganz darinnensteht in der Art und Weise, wie man die Welt naturwissenschaftlich betrachtet hat im 13., 14., 15. Jahrhundert, und man wird finden, daß der gegenwärtige Mensch, wenn er die Dinge ernst und würdig nimmt, kein richtiges Verständnis mehr hat und haben kann für das, was in der älteren Literatur bis zu dem gekennzeichneten Wendepunkte wirklich gesagt wird.

[ 6 ] Allerdings, es kommt ja vor, aber doch eigentlich nur bei denjenigen, die Dilettanten sind, ja sogar bei denjenigen, die noch nicht einmal Dilettanten geworden sind, daß sie immer wieder und wieder aus dieser älteren Literatur alle möglichen Schmöker ausgraben, die da über Naturwissenschaft handeln und dann zu allerlei Urteilen kommen über das, was darinnen tiefsinnig enthalten sein soll. Aber wer etwas auf wahre Beziehungen hält zu dem, was man sich aneignet, der wird finden müssen, daß der gegenwärtige Mensch eigentlich wirklich wahre Beziehungen zu dieser älteren Art der Naturanschauung nicht haben kann. Anders ist es mit der philosophischen Anschauung. Aber gerade mit der Naturanschauung der älteren Zeit kann der heutige Mensch eigentlich nichts anfangen, denn alle Begriffe, die er sich über die Natur bilden kann, sind ja erst ein paar Jahrhunderte alt, und mit diesen muß man heute an die Natur herangehen. Unsere physikalischen Begriffe gehen im Grunde genommen alle auf die galileische Weltanschauung zurück und auf nichts Früheres. Man muß schon ein ausgebreitetes historisch-wissenschaftliches Studium entfalten, wenn man sich auf frühere naturwissenschaftliche Werke einläßt, denn das genaue Durchforschen der stofflichen Welt, der äußeren Sinneswelt, in deren Strömung wir uns heute darinnen befinden, hat ja eigentlich erst seit einigen Jahrhunderten begonnen.

[ 6 ] Allerdings, es kommt ja vor, aber doch eigentlich nur bei denjenigen, die Dilettanten sind, ja sogar bei denjenigen, die noch nicht einmal Dilettanten geworden sind, daß sie immer wieder und wieder aus dieser älteren Literatur alle möglichen Schmöker ausgraben, die da über Naturwissenschaft handeln und dann zu allerlei Urteilen kommen über das, was darinnen tiefsinnig enthalten sein soll. Aber wer etwas auf wahre Beziehungen hält zu dem, was man sich aneignet, der wird finden müssen, daß der gegenwärtige Mensch eigentlich wirklich wahre Beziehungen zu dieser älteren Art der Naturanschauung nicht haben kann. Anders ist es mit der philosophischen Anschauung. Aber gerade mit der Naturanschauung der älteren Zeit kann der heutige Mensch eigentlich nichts anfangen, denn alle Begriffe, die er sich über die Natur bilden kann, sind ja erst ein paar Jahrhunderte alt, und mit diesen muß man heute an die Natur herangehen. Unsere physikalischen Begriffe gehen im Grunde genommen alle auf die galileische Weltanschauung zurück und auf nichts Früheres. Man muß schon ein ausgebreitetes historisch-wissenschaftliches Studium entfalten, wenn man sich auf frühere naturwissenschaftliche Werke einläßt, denn das genaue Durchforschen der stofflichen Welt, der äußeren Sinneswelt, in deren Strömung wir uns heute darinnen befinden, hat ja eigentlich erst seit einigen Jahrhunderten begonnen.

[ 7 ] Erinnern Sie sich, daß wir gerade in Anlehnung an das Wrangellsche Büchelchen über das Messen gesprochen haben. Zum Messen gehört auch das Wiegen, wie wir gesehen haben. Das Wiegen aber als ein Instrument einzuführen in die naturwissenschaftlichen Methoden, ist erst üblich etwa seit Lzvozszer, in dieser Art also noch nicht über 150 Jahre alt, und alle Grundvorstellungen zum Beispiel der heutigen Chemie beruhen ja auf diesem Wiegen.

[ 7 ] Erinnern Sie sich, daß wir gerade in Anlehnung an das Wrangellsche Büchelchen über das Messen gesprochen haben. Zum Messen gehört auch das Wiegen, wie wir gesehen haben. Das Wiegen aber als ein Instrument einzuführen in die naturwissenschaftlichen Methoden, ist erst üblich etwa seit Lzvozszer, in dieser Art also noch nicht über 150 Jahre alt, und alle Grundvorstellungen zum Beispiel der heutigen Chemie beruhen ja auf diesem Wiegen.

[ 8 ] Wiederum, wenn wir heute uns Vorstellungen bilden wollen zum Beispiel über die Wirkungsweise elektrischer Kräfte oder auch nur von Wärmekräften, so müssen es solche sein, die mit der Forschung aus der letzten Hälfte des 19. Jahrhunderts rechnen. Mit den älteren Vorstellungen kann der heutige Mensch nicht mehr zurechtkommen. Ebenso könnte man auch in bezug auf die biologische Wissenschaft sprechen. Wer allerdings den Entwickelungsgang der Wissenschaft kennen muß, müßte auch die ältere Literatur kennenlernen; aber wir, die wir Geisteswissenschaft ernst pflegen wollen, müssen uns abgewöhnen, was einem bei sogenannten Theosophen so oft entgegentreten kann. Ich habe öfters davon gesprochen, daß ich zum Beispiel in Wien in den achtziger Jahren eine Theosophengemeinde kennengelernt habe. Da war es geradezu eine Art von Usus, alle möglichen alten Schmöker herauszusuchen und darin Dinge nachzulesen, die man wirklich wenig verstanden hat, weil im Grunde genommen ziemlich viel dazu gehört, ein naturwissenschaftliches Werk zum Beispiel des 14. Jahrhunderts zu lesen. Aber die Leute bildeten sich Urteile. Diese Urteile lauteten zwar immer ziemlich gleich. Nämlich, wenn wieder einer vorgab, einen solchen Schmöker gelesen zu haben — er hat ihn zwar nur durchgeblättert —, dann sagte er «abgrundartig tief. So oder ähnlich lauteten die Urteile. Ich habe am Ende der achtziger Jahre kein Wort so oft gehört verhältnismäßig selbstverständlich — wie das Wort «abgrundartig tief». Natürlich habe ich auch oft das Wort «Untiefen» gehört.

[ 8 ] Wiederum, wenn wir heute uns Vorstellungen bilden wollen zum Beispiel über die Wirkungsweise elektrischer Kräfte oder auch nur von Wärmekräften, so müssen es solche sein, die mit der Forschung aus der letzten Hälfte des 19. Jahrhunderts rechnen. Mit den älteren Vorstellungen kann der heutige Mensch nicht mehr zurechtkommen. Ebenso könnte man auch in bezug auf die biologische Wissenschaft sprechen. Wer allerdings den Entwickelungsgang der Wissenschaft kennen muß, müßte auch die ältere Literatur kennenlernen; aber wir, die wir Geisteswissenschaft ernst pflegen wollen, müssen uns abgewöhnen, was einem bei sogenannten Theosophen so oft entgegentreten kann. Ich habe öfters davon gesprochen, daß ich zum Beispiel in Wien in den achtziger Jahren eine Theosophengemeinde kennengelernt habe. Da war es geradezu eine Art von Usus, alle möglichen alten Schmöker herauszusuchen und darin Dinge nachzulesen, die man wirklich wenig verstanden hat, weil im Grunde genommen ziemlich viel dazu gehört, ein naturwissenschaftliches Werk zum Beispiel des 14. Jahrhunderts zu lesen. Aber die Leute bildeten sich Urteile. Diese Urteile lauteten zwar immer ziemlich gleich. Nämlich, wenn wieder einer vorgab, einen solchen Schmöker gelesen zu haben — er hat ihn zwar nur durchgeblättert —, dann sagte er «abgrundartig tief. So oder ähnlich lauteten die Urteile. Ich habe am Ende der achtziger Jahre kein Wort so oft gehört verhältnismäßig selbstverständlich — wie das Wort «abgrundartig tief». Natürlich habe ich auch oft das Wort «Untiefen» gehört.

[ 9 ] Dasjenige, was man ins Auge fassen muß, das ist die große Bedeutung der Anschauungen, Begriffe und Vorstellungen, welche unter dem Einfluß der Anschauungen der letzten Jahrhunderte gewonnen worden sind. Wenn man die Erklärungen über die mechanischen Grundbegriffe erfahren hat, die Fülle der physikalischen, chemischen, biologischen Begriffe ins Auge faßt und auch manches, was zusammengetragen worden ist, um zu sehen, wie sich das Seelische in dem äußeren physischen Körper ausdrückt, so haben wir als Ergebnis der letzten Jahrhunderte, und namentlich der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts, ein ungeheuer ausgebreitetes Forschungsergebnis vor uns. Und dieses Forschungsergebnis muß man notwendigerweise gewinnen, nicht bloß deshalb, weil darauf alles äußere, technische, wirtschaftliche, materielle Leben beruht, zu dem es schon einmal die Menschheit bringen mußte, sondern weil darauf auch ein großer Teil unserer Weltanschauungsvorstellungen beruht. Und man ist doch eigentlich — auch wenn es in gewisser Beziehung auf einem eingeschränkten Felde nichts schadet, aber wahr ist es doch —, man ist doch eigentlich auf einem solchen Weltanschauungsgebiete wie dem der heutigen Wissenschaft ein heuriger Hase, wenn man nichts weiß von der heutigen Physik, Biologie und so weiter, wie sie sich herausgebildet haben.

[ 9 ] Dasjenige, was man ins Auge fassen muß, das ist die große Bedeutung der Anschauungen, Begriffe und Vorstellungen, welche unter dem Einfluß der Anschauungen der letzten Jahrhunderte gewonnen worden sind. Wenn man die Erklärungen über die mechanischen Grundbegriffe erfahren hat, die Fülle der physikalischen, chemischen, biologischen Begriffe ins Auge faßt und auch manches, was zusammengetragen worden ist, um zu sehen, wie sich das Seelische in dem äußeren physischen Körper ausdrückt, so haben wir als Ergebnis der letzten Jahrhunderte, und namentlich der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts, ein ungeheuer ausgebreitetes Forschungsergebnis vor uns. Und dieses Forschungsergebnis muß man notwendigerweise gewinnen, nicht bloß deshalb, weil darauf alles äußere, technische, wirtschaftliche, materielle Leben beruht, zu dem es schon einmal die Menschheit bringen mußte, sondern weil darauf auch ein großer Teil unserer Weltanschauungsvorstellungen beruht. Und man ist doch eigentlich — auch wenn es in gewisser Beziehung auf einem eingeschränkten Felde nichts schadet, aber wahr ist es doch —, man ist doch eigentlich auf einem solchen Weltanschauungsgebiete wie dem der heutigen Wissenschaft ein heuriger Hase, wenn man nichts weiß von der heutigen Physik, Biologie und so weiter, wie sie sich herausgebildet haben.

[ 10 ] Gewiß, es muß immer wieder betont werden, daß die Forschungsergebnisse der Geisteswissenschaft auf Grundlage jener Wahrnehmungsfähigkeiten gewonnen werden, von denen oftmals gesprochen worden ist. Sie können nicht auf demselben Wege, obwohl mit derselben Sicherheit, wie die naturwissenschaftlich-materialistischen Resultate, gewonnen werden. Und selbstverständlich ist — wenn man sich demjenigen ergibt, was gestern angedeutet worden ist — diese Geisteswissenschaft eine Realität. Aber für unsere heutige Zeit, für unsere Gegenwart ist noch viel mehr notwendig, als nur irgendwie eine spirituelle Beziehung zu haben zu den geisteswissenschaftlichen Resultaten, die von dem gesunden Menschenverstande durchaus begriffen werden können. Viel notwendiger als irgendwie Fetzen der geistigen Welt zu erhaschen, ist es, sich mit der materialistischen Weltanschauung bekanntzumachen, wenigstens mit einem Ausschnitt, um vor der Außenwelt heute wirklich vertreten zu können, was die Geisteswissenschaft will. Denn man kann nicht vor die Welt hintreten und die Geisteswissenschaft wahrhaft vertreten, wenn man keine Ahnung hat von der Art und Weise, wie der Wissenschafter heute forscht, wie er denken muß und wie er das Forschen neben dem Klären handhaben muß. Und wenn man immer wieder verschmäht, ein naturwissenschaftliches Buch in die Hand zu nehmen, um sich mit der Naturwissenschaft von heute bekanntzumachen, so wird man es niemals vermeiden können, beim Vertreten der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung Tapsigkeiten zu begehen gegenüber dem, was der Bodensatz der äußeren Weltanschauung ist. Es ist heute auch viel weniger wichtig, auf die überlieferten Religionssysteme hinzuhören, als auf die ehrlich gewonnenen ehrwürdigen Resultate materialistischer Forschung. Man muß sich nur in richtiger Weise zu diesen materialistischen Forschungsergebnissen stellen können.

[ 10 ] Gewiß, es muß immer wieder betont werden, daß die Forschungsergebnisse der Geisteswissenschaft auf Grundlage jener Wahrnehmungsfähigkeiten gewonnen werden, von denen oftmals gesprochen worden ist. Sie können nicht auf demselben Wege, obwohl mit derselben Sicherheit, wie die naturwissenschaftlich-materialistischen Resultate, gewonnen werden. Und selbstverständlich ist — wenn man sich demjenigen ergibt, was gestern angedeutet worden ist — diese Geisteswissenschaft eine Realität. Aber für unsere heutige Zeit, für unsere Gegenwart ist noch viel mehr notwendig, als nur irgendwie eine spirituelle Beziehung zu haben zu den geisteswissenschaftlichen Resultaten, die von dem gesunden Menschenverstande durchaus begriffen werden können. Viel notwendiger als irgendwie Fetzen der geistigen Welt zu erhaschen, ist es, sich mit der materialistischen Weltanschauung bekanntzumachen, wenigstens mit einem Ausschnitt, um vor der Außenwelt heute wirklich vertreten zu können, was die Geisteswissenschaft will. Denn man kann nicht vor die Welt hintreten und die Geisteswissenschaft wahrhaft vertreten, wenn man keine Ahnung hat von der Art und Weise, wie der Wissenschafter heute forscht, wie er denken muß und wie er das Forschen neben dem Klären handhaben muß. Und wenn man immer wieder verschmäht, ein naturwissenschaftliches Buch in die Hand zu nehmen, um sich mit der Naturwissenschaft von heute bekanntzumachen, so wird man es niemals vermeiden können, beim Vertreten der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung Tapsigkeiten zu begehen gegenüber dem, was der Bodensatz der äußeren Weltanschauung ist. Es ist heute auch viel weniger wichtig, auf die überlieferten Religionssysteme hinzuhören, als auf die ehrlich gewonnenen ehrwürdigen Resultate materialistischer Forschung. Man muß sich nur in richtiger Weise zu diesen materialistischen Forschungsergebnissen stellen können.

[ 11 ] Nehmen wir, nur um zu zeigen, um was es sich in dem gegenwärtigen Augenblicke handelt, irgendein Gebiet heraus; nehmen wir einmal das Gebiet der menschlichen Anatomie und Physiologie. Wenn man heute irgendein gebräuchliches Buch zur Hand nimmt und ich habe im Verlaufe der vielen Zyklen immer solche Bücher empfohlen —, so wird sich einem ein Bild ergeben, wie sich der heutige Physiologe seine Vorstellungen über den Bau des menschlichen Leibes aufbaut unter Zugrundelegung des Knochensystems, des Knorpel-, Sehnen-, Muskelsystems, des Nerven-, Blut-, Sinnes-, Hauptsystems und so weiter. Und es wird sich ein Bild ergeben, wie sich die heutigen in den materialistischen Gedanken lebenden Menschen das Zusammenwirken, sagen wir des Herzens und der Lunge, und wiederum des Herzens mit den anderen Gefäßsystemen des Leibes vorstellen. Da kann sich einem dann eine Antwort ergeben auf die Frage: Wie stellt sich eigentlich heute ein Mensch, der sich seine Begriffe aus der materialistischen Forschung heraus angeeignet hat, zu diesen Dingen? Welche Vorstellungen hat er da eigentlich in sich leben? — Und da muß man sagen: Es sind schon bedeutungsvolle Vorstellungen gewonnen worden; Vorstellungen, die so gewonnen werden mußten, daß man wirklich einmal absah von allem Spirituellen, von allem Hineintragen spiritueller Gedanken in die Forschung. Man mußte sich nun einmal einlassen auf das materielle Gebiet, so wie es sich, wie man im Populären sagt, den fünf Sinnen darbietet und auf den Zusammenhang, der sich den fünf Sinnen ergibt. Man mußte schon einmal so die Welt durchschauen, und vieles ist noch zu tun auf diesem Gebiete, auf allen möglichen Feldern naturwissenschaftlicher Forschung.

[ 11 ] Nehmen wir, nur um zu zeigen, um was es sich in dem gegenwärtigen Augenblicke handelt, irgendein Gebiet heraus; nehmen wir einmal das Gebiet der menschlichen Anatomie und Physiologie. Wenn man heute irgendein gebräuchliches Buch zur Hand nimmt und ich habe im Verlaufe der vielen Zyklen immer solche Bücher empfohlen —, so wird sich einem ein Bild ergeben, wie sich der heutige Physiologe seine Vorstellungen über den Bau des menschlichen Leibes aufbaut unter Zugrundelegung des Knochensystems, des Knorpel-, Sehnen-, Muskelsystems, des Nerven-, Blut-, Sinnes-, Hauptsystems und so weiter. Und es wird sich ein Bild ergeben, wie sich die heutigen in den materialistischen Gedanken lebenden Menschen das Zusammenwirken, sagen wir des Herzens und der Lunge, und wiederum des Herzens mit den anderen Gefäßsystemen des Leibes vorstellen. Da kann sich einem dann eine Antwort ergeben auf die Frage: Wie stellt sich eigentlich heute ein Mensch, der sich seine Begriffe aus der materialistischen Forschung heraus angeeignet hat, zu diesen Dingen? Welche Vorstellungen hat er da eigentlich in sich leben? — Und da muß man sagen: Es sind schon bedeutungsvolle Vorstellungen gewonnen worden; Vorstellungen, die so gewonnen werden mußten, daß man wirklich einmal absah von allem Spirituellen, von allem Hineintragen spiritueller Gedanken in die Forschung. Man mußte sich nun einmal einlassen auf das materielle Gebiet, so wie es sich, wie man im Populären sagt, den fünf Sinnen darbietet und auf den Zusammenhang, der sich den fünf Sinnen ergibt. Man mußte schon einmal so die Welt durchschauen, und vieles ist noch zu tun auf diesem Gebiete, auf allen möglichen Feldern naturwissenschaftlicher Forschung.

[ 12 ] Nun aber nehmen Sie einmal an, Sie haben sich ein solches Bild vom Aufbau des menschlichen Leibes angeeignet, wie es sich der Anatom und Physiologe heute machen, dann werden Sie finden, daß der Anatom und der Physiologe sagen: Nun ja, der Mensch baut sich auf aus verschiedenen Organen und Organsystemen, und diese wirken in einer gewissen Weise zusammen.

[ 12 ] Nun aber nehmen Sie einmal an, Sie haben sich ein solches Bild vom Aufbau des menschlichen Leibes angeeignet, wie es sich der Anatom und Physiologe heute machen, dann werden Sie finden, daß der Anatom und der Physiologe sagen: Nun ja, der Mensch baut sich auf aus verschiedenen Organen und Organsystemen, und diese wirken in einer gewissen Weise zusammen.

[ 13 ] Sehen Sie, wenn heute der Anatom, der Physiologe redet und seine Vorstellungen zu einem Gesamtbilde des Menschen zusammenfaßt, dann bleibt innerhalb dieses Bildes, demselben zugrunde liegend die sinnliche Beobachtung. Daraus ergeben sich ganz bestimmte Vorstellungen, die man aufnehmen kann. Zu denen muß man sich aber in der richtigen Weise stellen. Ich kann das vielleicht durch einen Vergleich klarmachen. Es könnte zum Beispiel jemand sagen: Ich will Raffael kennenlernen, wie muß ich das machen? — Da würde ich ihm sagen: Wenn du Raffael kennenlernen willst, dann versuche dich einmal in die Bilder von Raffael zu vertiefen; studiere von den Mailänder Bildern die Hochzeit des Joseph und der Maria, weiter die verschiedenen Bilder bis zur Sixtinischen Madonna, bis zur Himmelfahrt, und mache dir einen Begriff davon, wie Raffael versucht hat, die Gestalten im Raume zu verteilen, wie er versucht hat, Licht und Schatten zu verteilen, den einen Platz im Bilde auf Kosten des anderen zu beleben, das eine hervor-, das andere zurücktreten zu lassen und so weiter, dann wirst du etwas über Raffael wissen. Dann wirst du die Vorbereitung vielleicht haben, noch mehr über Raffael kennenzulernen, dann wirst du allmählich ein Bild bekommen von der Konfiguration von Raffaels Seele, von dem, was er gewollt hat, aus welchen Quellen seines Gemütes die Schöpfungen hervorgegangen sind. — Man könnte sich nun vorstellen, daß jemand kommt und sagt: Ach, die Bilder anzuschauen, das paßt mir nicht, ich bin ein Hellseher und schaue direkt in Raffaels Seele, schaue, wie Raffael geschaffen hat und rede dann über Raffael. — Ich kann mir denken, daß jemand kommt und sagt: Ich brauche überhaupt nichts von Raffael zu sehen, sondern vertiefe mich direkt in die Seele von Raffael. — Selbstverständlich würde das in der Raffael-Forschung für einen Unsinn gehalten, aber auf dem Gebiete der Geisteswissenschaft wird das viel, viel geübt, trotz der vielen Ermahnungen in all den Jahren, in denen wir Geisteswissenschaft treiben. Man konnte sehen, wie wenige sich veranlaßt sahen, die Literatur, die im Laufe der Vortragszyklen erwähnt worden ist, zu benützen und so zu benützen, daß man von dem, was die materialistische Forschung geliefert hat, Bilder bekommt.

[ 13 ] Sehen Sie, wenn heute der Anatom, der Physiologe redet und seine Vorstellungen zu einem Gesamtbilde des Menschen zusammenfaßt, dann bleibt innerhalb dieses Bildes, demselben zugrunde liegend die sinnliche Beobachtung. Daraus ergeben sich ganz bestimmte Vorstellungen, die man aufnehmen kann. Zu denen muß man sich aber in der richtigen Weise stellen. Ich kann das vielleicht durch einen Vergleich klarmachen. Es könnte zum Beispiel jemand sagen: Ich will Raffael kennenlernen, wie muß ich das machen? — Da würde ich ihm sagen: Wenn du Raffael kennenlernen willst, dann versuche dich einmal in die Bilder von Raffael zu vertiefen; studiere von den Mailänder Bildern die Hochzeit des Joseph und der Maria, weiter die verschiedenen Bilder bis zur Sixtinischen Madonna, bis zur Himmelfahrt, und mache dir einen Begriff davon, wie Raffael versucht hat, die Gestalten im Raume zu verteilen, wie er versucht hat, Licht und Schatten zu verteilen, den einen Platz im Bilde auf Kosten des anderen zu beleben, das eine hervor-, das andere zurücktreten zu lassen und so weiter, dann wirst du etwas über Raffael wissen. Dann wirst du die Vorbereitung vielleicht haben, noch mehr über Raffael kennenzulernen, dann wirst du allmählich ein Bild bekommen von der Konfiguration von Raffaels Seele, von dem, was er gewollt hat, aus welchen Quellen seines Gemütes die Schöpfungen hervorgegangen sind. — Man könnte sich nun vorstellen, daß jemand kommt und sagt: Ach, die Bilder anzuschauen, das paßt mir nicht, ich bin ein Hellseher und schaue direkt in Raffaels Seele, schaue, wie Raffael geschaffen hat und rede dann über Raffael. — Ich kann mir denken, daß jemand kommt und sagt: Ich brauche überhaupt nichts von Raffael zu sehen, sondern vertiefe mich direkt in die Seele von Raffael. — Selbstverständlich würde das in der Raffael-Forschung für einen Unsinn gehalten, aber auf dem Gebiete der Geisteswissenschaft wird das viel, viel geübt, trotz der vielen Ermahnungen in all den Jahren, in denen wir Geisteswissenschaft treiben. Man konnte sehen, wie wenige sich veranlaßt sahen, die Literatur, die im Laufe der Vortragszyklen erwähnt worden ist, zu benützen und so zu benützen, daß man von dem, was die materialistische Forschung geliefert hat, Bilder bekommt.

[ 14 ] Aber so, wie man nun fehlgehen würde, wenn man beim Bilde stehenbliebe und nicht zum Seelischen, das durch das Bild zum Ausdruck kommt, fortschreiten wollte, so bleibt der Materialist stehen. Was man dem Materialisten sagen könnte, ist beispielsweise das: Ja, du betrachtest ein Bild, aber du beachtest nicht, daß du das, was du betrachtest, als äußere Offenbarung eines geistigen Inneren ins Auge fassen solltest. — Aber es ist richtig, daß die materialistische Forschung ein ungeheuer reiches Material zusammengetragen hat. Wenn man das als äußere Offenbarung eines geistigen Inneren betrachtet, ist man auf dem richtigen Wege. Der Materialist begeht nur den Fehler, daß er das Materielle hat und nicht gelten lassen will, daß es der Ausdruck eines Geistigen ist. Aber andererseits muß man immer im Unrecht bleiben, wenn man irgend etwas Geistiges behauptet und einem der Materialist Dinge sagt, von denen man keine Ahnung hat. Selbstverständlich kann man das reiche Gebiet der Forschung überblicken und doch von sehr vielem keine Ahnung haben; aber von der Art und Weise, wre die Dinge gewonnen werden, muß man eine Vorstellung haben. Und wenn unsere Hochschule für Geisteswissenschaft dazu dienen wird, daß eine Anzahl von Menschen, die sich mit dem einen oder anderen Gebiete befaßt haben, interpretieren werden die materialistischen Grundvoraussetzungen, die man nach der heutigen Entwickelung haben muß, dann wird unsere Hochschule für Geisteswissenschaft sehr viel leisten.

[ 14 ] Aber so, wie man nun fehlgehen würde, wenn man beim Bilde stehenbliebe und nicht zum Seelischen, das durch das Bild zum Ausdruck kommt, fortschreiten wollte, so bleibt der Materialist stehen. Was man dem Materialisten sagen könnte, ist beispielsweise das: Ja, du betrachtest ein Bild, aber du beachtest nicht, daß du das, was du betrachtest, als äußere Offenbarung eines geistigen Inneren ins Auge fassen solltest. — Aber es ist richtig, daß die materialistische Forschung ein ungeheuer reiches Material zusammengetragen hat. Wenn man das als äußere Offenbarung eines geistigen Inneren betrachtet, ist man auf dem richtigen Wege. Der Materialist begeht nur den Fehler, daß er das Materielle hat und nicht gelten lassen will, daß es der Ausdruck eines Geistigen ist. Aber andererseits muß man immer im Unrecht bleiben, wenn man irgend etwas Geistiges behauptet und einem der Materialist Dinge sagt, von denen man keine Ahnung hat. Selbstverständlich kann man das reiche Gebiet der Forschung überblicken und doch von sehr vielem keine Ahnung haben; aber von der Art und Weise, wre die Dinge gewonnen werden, muß man eine Vorstellung haben. Und wenn unsere Hochschule für Geisteswissenschaft dazu dienen wird, daß eine Anzahl von Menschen, die sich mit dem einen oder anderen Gebiete befaßt haben, interpretieren werden die materialistischen Grundvoraussetzungen, die man nach der heutigen Entwickelung haben muß, dann wird unsere Hochschule für Geisteswissenschaft sehr viel leisten.

[ 15 ] Wir könnten es heute schon durchaus so machen, zu sagen: Dasjenige, was in unseren Zyklen an Material niedergelegt ist, könnte genügen; wir könnten damit abschließen und die nächste Zeit dazu verwenden, unseren Freunden vorzuführen den materiellen Grundstock von Voraussetzungen, die da sein müssen. Man wird dann schon sehen, wenn man die heutige Physik, Chemie und Biologie in entsprechender Weise betrachten wird, daß sich das, was in unseren Zyklen steht, ergeben wird. Dann würde man sich in der richtigen Weise zu dem Materialismus gestellt haben.

[ 15 ] Wir könnten es heute schon durchaus so machen, zu sagen: Dasjenige, was in unseren Zyklen an Material niedergelegt ist, könnte genügen; wir könnten damit abschließen und die nächste Zeit dazu verwenden, unseren Freunden vorzuführen den materiellen Grundstock von Voraussetzungen, die da sein müssen. Man wird dann schon sehen, wenn man die heutige Physik, Chemie und Biologie in entsprechender Weise betrachten wird, daß sich das, was in unseren Zyklen steht, ergeben wird. Dann würde man sich in der richtigen Weise zu dem Materialismus gestellt haben.

[ 16 ] Man geht ganz fehl, meine lieben Freunde, wenn man davon redet, der Materialismus sei falsch. Was ist das für ein Unsinn! Zu sagen, der Materialismus ist falsch, das ist ebenso wie wenn man sagen wollte: Die Sixtinische Madonna hat hier Blau, da Rot, das ist doch falsch, das ist doch nur Materie. — Der Materialismus hat auf seinem Gebiete recht; und wenn man nimmt, was er beigesteuert hat zum menschlichen Wissen, so ist das etwas Ungeheures. Man braucht nicht den Materialismus zu bekämpfen, sondern nur an der Entwickelung aufzuzeigen, wie der Materialismus, wenn er sich selber versteht, über sich hinausführt, so wie ich gezeigt habe, wie die Anatomie und die Physiologie über sich selber hinausführen und notwendig in das geistige Gebiet hineinführen.

[ 16 ] Man geht ganz fehl, meine lieben Freunde, wenn man davon redet, der Materialismus sei falsch. Was ist das für ein Unsinn! Zu sagen, der Materialismus ist falsch, das ist ebenso wie wenn man sagen wollte: Die Sixtinische Madonna hat hier Blau, da Rot, das ist doch falsch, das ist doch nur Materie. — Der Materialismus hat auf seinem Gebiete recht; und wenn man nimmt, was er beigesteuert hat zum menschlichen Wissen, so ist das etwas Ungeheures. Man braucht nicht den Materialismus zu bekämpfen, sondern nur an der Entwickelung aufzuzeigen, wie der Materialismus, wenn er sich selber versteht, über sich hinausführt, so wie ich gezeigt habe, wie die Anatomie und die Physiologie über sich selber hinausführen und notwendig in das geistige Gebiet hineinführen.

[ 17 ] Man kann nur fragen: Warum gibt es so viele Leute, die, statt den Materialismus als bloße Forschungsmethode gelten zu lassen, bei ihm als einer Weltanschauung stehenbleiben? — Das Richtige wäre zu sagen, daß es heute in der Tat etwas völlig Vertracktes und Törichtes wäre, wenn man Alchemie statt Chemie betriebe; man muß heute Chemie betreiben und nicht Alchemie wie im 12. Jahrhundert. Das ist selbstverständlich. Aber es ist nötig, aus der heutigen Forschung heraufzusteigen in das geistige Leben. Wenn unsere Freunde sich nur die Mühe nehmen würden, das kleine Büchelchen «Haeckel und seine Gegner» durchzustudieren, so würden sie finden, daß alle die Gedanken, die da zugrunde liegen, von dem biogenetischen Grundgesetz beherrscht sind. Es ist schon bezeichnend, daß wir gerade von diesem Schriftchen «Haeckel und seine Gegner» es noch nicht bis zu einer zweiten Auflage gebracht haben. Und doch ist es außerordentlich wichtig, daß man sich informiert, wenn auch nicht über die letzten Forschungsresultate — man braucht diese ja nicht unbedingt im einzelnen zu kennen —, aber über die Art und Weise, wie der Forscher verfährt und wie er sich nach seiner Fotschungsmethode richtet. Das ist von außerordentlicher Wichtigkeit.

[ 17 ] Man kann nur fragen: Warum gibt es so viele Leute, die, statt den Materialismus als bloße Forschungsmethode gelten zu lassen, bei ihm als einer Weltanschauung stehenbleiben? — Das Richtige wäre zu sagen, daß es heute in der Tat etwas völlig Vertracktes und Törichtes wäre, wenn man Alchemie statt Chemie betriebe; man muß heute Chemie betreiben und nicht Alchemie wie im 12. Jahrhundert. Das ist selbstverständlich. Aber es ist nötig, aus der heutigen Forschung heraufzusteigen in das geistige Leben. Wenn unsere Freunde sich nur die Mühe nehmen würden, das kleine Büchelchen «Haeckel und seine Gegner» durchzustudieren, so würden sie finden, daß alle die Gedanken, die da zugrunde liegen, von dem biogenetischen Grundgesetz beherrscht sind. Es ist schon bezeichnend, daß wir gerade von diesem Schriftchen «Haeckel und seine Gegner» es noch nicht bis zu einer zweiten Auflage gebracht haben. Und doch ist es außerordentlich wichtig, daß man sich informiert, wenn auch nicht über die letzten Forschungsresultate — man braucht diese ja nicht unbedingt im einzelnen zu kennen —, aber über die Art und Weise, wie der Forscher verfährt und wie er sich nach seiner Fotschungsmethode richtet. Das ist von außerordentlicher Wichtigkeit.

[ 18 ] Wenn jemand sagt: Das Buch brauche ich nicht zu studieren, wozu habe ich das nötig, für mich ist die geistige Welt von vornherein eine Klarheit; ich brauche nicht die ganze Leiter hinaufzukriechen —, wenn jemand das sagt, so ist er heute ein Egoist, der nur mit sich rechnet und nicht beachtet, was die Zeit für Anforderungen an uns stellt. Aber darauf müssen wit achten, wenn wir dem Geist der Zeit Dienste leisten wollen. Es ist außerordentlich wichtig, daß wit gerade dieses ins Auge fassen. Gewiß hat man ein Recht zu sagen, wozu brauche ich eine wissenschaftliche Grundlage, für mich ist die geistige Welt klar. Das kann wahr sein. Aber will man auf dem Gebiete der geistigen Welt etwas lernen — man kann es selbstverständlich so machen, daß man interpretiert, was da ist —, will man aber etwas lernen, so muß man sich mit dem, was in der materialistischen Wissenschaft da ist, bekanntmachen.

[ 18 ] Wenn jemand sagt: Das Buch brauche ich nicht zu studieren, wozu habe ich das nötig, für mich ist die geistige Welt von vornherein eine Klarheit; ich brauche nicht die ganze Leiter hinaufzukriechen —, wenn jemand das sagt, so ist er heute ein Egoist, der nur mit sich rechnet und nicht beachtet, was die Zeit für Anforderungen an uns stellt. Aber darauf müssen wit achten, wenn wir dem Geist der Zeit Dienste leisten wollen. Es ist außerordentlich wichtig, daß wit gerade dieses ins Auge fassen. Gewiß hat man ein Recht zu sagen, wozu brauche ich eine wissenschaftliche Grundlage, für mich ist die geistige Welt klar. Das kann wahr sein. Aber will man auf dem Gebiete der geistigen Welt etwas lernen — man kann es selbstverständlich so machen, daß man interpretiert, was da ist —, will man aber etwas lernen, so muß man sich mit dem, was in der materialistischen Wissenschaft da ist, bekanntmachen.

[ 19 ] Andererseits muß man fragen: Wie kommt es, daß es viele Anatomen, Physiologen, Physiker, Chemiker und so weiter heute gibt als Naturforscher, und sogar solche, welche sich Experimentalpsychologen nennen, daß diese den Materialismus nicht als Forschungsmethode, sondern als Weltanschauung festhalten wollen? Da muß man ganz ehrlich den Mut zu der Antwort haben: Um materialistisch zu forschen, dazu gehört nur, daß man auf die Welt hinstarrt mit den fünf Sinnen und die äußeren Methoden handhabt. Man braucht sich der Welt nur passiv hinzugeben, dann steht man fest. Irgendeine Pflanze zu zerzupfen, die Staubgefäße zu zählen, das Mikroskop zu nehmen, einen Querschnitt zu färben, um dann die Struktur zu studieren und so weiter — ich könnte selbstverständlich noch vieles aufzählen —, dazu bringen es die Leute. Da braucht man sich nur hinzustellen, nur passiv zu sein und die Natur auf sich wirken zu lassen. Man läßt sich von der Natur gängeln.

[ 19 ] Andererseits muß man fragen: Wie kommt es, daß es viele Anatomen, Physiologen, Physiker, Chemiker und so weiter heute gibt als Naturforscher, und sogar solche, welche sich Experimentalpsychologen nennen, daß diese den Materialismus nicht als Forschungsmethode, sondern als Weltanschauung festhalten wollen? Da muß man ganz ehrlich den Mut zu der Antwort haben: Um materialistisch zu forschen, dazu gehört nur, daß man auf die Welt hinstarrt mit den fünf Sinnen und die äußeren Methoden handhabt. Man braucht sich der Welt nur passiv hinzugeben, dann steht man fest. Irgendeine Pflanze zu zerzupfen, die Staubgefäße zu zählen, das Mikroskop zu nehmen, einen Querschnitt zu färben, um dann die Struktur zu studieren und so weiter — ich könnte selbstverständlich noch vieles aufzählen —, dazu bringen es die Leute. Da braucht man sich nur hinzustellen, nur passiv zu sein und die Natur auf sich wirken zu lassen. Man läßt sich von der Natur gängeln.

[ 20 ] Ich habe das in den allerersten Schriften, die ich veröffentlicht habe, den Dogmatismus der Erfahrung genannt. An den Dogmatismus der Erfahrung hält man sich. Sie können in meinem Buche «Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung» nachlesen, was ich da über den Dogmatismus der Erfahrung sage. «Tatsachen-Fanatismus» habe ich ihn später auch genannt. Um aber in die geistige Welt zu kommen, muß man innerlich arbeiten, dazu ist innerliche Regsamkeit notwendig. Und da geht den Leuten durchaus die Kraft aus. Man kann in unserer Zeit sehen, daß diese Kraft ausgegangen ist. Wenn Sie zum Beispiel Vergleiche anstellen auf dem Gebiete der Anatomie, so werden Sie finden, daß man fast mit dem Finger hinzeigen kann auf den Punkt, wo die Kraft ausgegangen ist.

[ 20 ] Ich habe das in den allerersten Schriften, die ich veröffentlicht habe, den Dogmatismus der Erfahrung genannt. An den Dogmatismus der Erfahrung hält man sich. Sie können in meinem Buche «Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung» nachlesen, was ich da über den Dogmatismus der Erfahrung sage. «Tatsachen-Fanatismus» habe ich ihn später auch genannt. Um aber in die geistige Welt zu kommen, muß man innerlich arbeiten, dazu ist innerliche Regsamkeit notwendig. Und da geht den Leuten durchaus die Kraft aus. Man kann in unserer Zeit sehen, daß diese Kraft ausgegangen ist. Wenn Sie zum Beispiel Vergleiche anstellen auf dem Gebiete der Anatomie, so werden Sie finden, daß man fast mit dem Finger hinzeigen kann auf den Punkt, wo die Kraft ausgegangen ist.

[ 21 ] Nehmen Sie den Anatomen Ayrt/, der auf seinem Lehrstuhl von dem Anatomen Langer abgelöst wurde. Vergleichen Sie wissenschaftlich die Schriften der beiden, und Sie werden sehen, wie in der Aufeinanderfolge der beiden Gelehrten der eine sich absolut klar ist darüber, daß hinter dem Äußeren ein Geistiges steckt, und der andere sich nicht mehr darum kümmert. Worauf beruht das? Darauf, daß, so verdienstvoll der Materialismus als Forschungsmethode ist und dadurch Großes und Gewaltiges geliefert hat, ohne das die Menschen heute nicht leben könnten, die Menschen zu faul waren, um das, was sie erfaßt haben, heraufzuholen in das tätige Leben. Faulheit, wirkliche Trägheit des Geistes hat die Leute im Materialismus beharren lassen. Weil der Materialismus so beherrschend wurde und sich als Realität ausgab, deshalb ist man nicht aufgestiegen ins Geistige. Faulheit und Trägheit ist es, und man muß den Mut haben, diesen Grund einzusehen.

[ 21 ] Nehmen Sie den Anatomen Ayrt/, der auf seinem Lehrstuhl von dem Anatomen Langer abgelöst wurde. Vergleichen Sie wissenschaftlich die Schriften der beiden, und Sie werden sehen, wie in der Aufeinanderfolge der beiden Gelehrten der eine sich absolut klar ist darüber, daß hinter dem Äußeren ein Geistiges steckt, und der andere sich nicht mehr darum kümmert. Worauf beruht das? Darauf, daß, so verdienstvoll der Materialismus als Forschungsmethode ist und dadurch Großes und Gewaltiges geliefert hat, ohne das die Menschen heute nicht leben könnten, die Menschen zu faul waren, um das, was sie erfaßt haben, heraufzuholen in das tätige Leben. Faulheit, wirkliche Trägheit des Geistes hat die Leute im Materialismus beharren lassen. Weil der Materialismus so beherrschend wurde und sich als Realität ausgab, deshalb ist man nicht aufgestiegen ins Geistige. Faulheit und Trägheit ist es, und man muß den Mut haben, diesen Grund einzusehen.

[ 22 ] Vertiefen Sie sich in die Gebiete der naturwissenschaftlichen Forschung, so werden Sie sehen, daß diese naturwissenschaftliche Forschung großartig und bewunderungswürdig ist. Vertiefen Sie sich in alles das, was von den Monisten und sonstigen Vereinen als «Weltanschauungen» fabriziert wird, so werden Sie sehen, daß sie auf einer Faulheit und Trägheit, auf einer Verknöcherung des Denkens beruhen. Das ist es, was man einmal klar ins Auge fassen muß, daß wir unterscheiden müssen — wenn wir auf dem Boden wahrer Geisteswissenschaft stehen — zwischen dem ganz und gar Berechtigten der materialistischen Forschungsmethoden und Forschungsergebnisse und der sogenannten materialistischen Weltanschauung.

[ 22 ] Vertiefen Sie sich in die Gebiete der naturwissenschaftlichen Forschung, so werden Sie sehen, daß diese naturwissenschaftliche Forschung großartig und bewunderungswürdig ist. Vertiefen Sie sich in alles das, was von den Monisten und sonstigen Vereinen als «Weltanschauungen» fabriziert wird, so werden Sie sehen, daß sie auf einer Faulheit und Trägheit, auf einer Verknöcherung des Denkens beruhen. Das ist es, was man einmal klar ins Auge fassen muß, daß wir unterscheiden müssen — wenn wir auf dem Boden wahrer Geisteswissenschaft stehen — zwischen dem ganz und gar Berechtigten der materialistischen Forschungsmethoden und Forschungsergebnisse und der sogenannten materialistischen Weltanschauung.

[ 23 ] Meistens können diejenigen, welche materialistisch forschen, gar nicht denken, weil es leichter ist, matertalistisch zu forschen als spirituell zu denken. Ich will Ihnen an einem Beispiele anschaulich machen, daß die Materialisten einfach stolpern, wenn sie von der materialistischen Forschungsmethode aufrücken wollen zu einer Weltanschauung. Also nehmen wir an, ich habe versucht, ein atomistisches Weltanschauungsbild zu gewinnen. Ich will also sagen: die Körper bestehen aus Atomen. Diese muß man sich in Bewegung denken, so daß, wenn man ein Materienobjekt vor sich hat, es — so ist das zu denken — aus Atomen besteht. Zwischen den Atomen sind Zwischenräume. Die Atome sind in Bewegung, und durch die Bewegung wird — nach der materialistischen Weltanschauung — die Wärme erzeugt. Würde man sagen: der Wärme liegt eine Bewegung der Atome zugrunde, dann würde man Recht haben, dann würde man nur etwas konstatieren. Man kommt aber zu der Anschauung, daß es unmöglich ist, von den Atomen als von etwas tatsächlich Existierendem zu reden. Die Atome sind erdacht — und sie müssen erdacht werden, wenn sie einen Sinn haben sollen —, aber was wahrgenommen wird, soll erst durch die Atome bewirkt werden. Man kann also ein Atom nicht sehen. Man sieht, das sogenannte atomistische Weltbild ist aus nichts Sichtbarem, aus nichts sinnlich Wahrnehmbarem zusammengesetzt.

[ 23 ] Meistens können diejenigen, welche materialistisch forschen, gar nicht denken, weil es leichter ist, matertalistisch zu forschen als spirituell zu denken. Ich will Ihnen an einem Beispiele anschaulich machen, daß die Materialisten einfach stolpern, wenn sie von der materialistischen Forschungsmethode aufrücken wollen zu einer Weltanschauung. Also nehmen wir an, ich habe versucht, ein atomistisches Weltanschauungsbild zu gewinnen. Ich will also sagen: die Körper bestehen aus Atomen. Diese muß man sich in Bewegung denken, so daß, wenn man ein Materienobjekt vor sich hat, es — so ist das zu denken — aus Atomen besteht. Zwischen den Atomen sind Zwischenräume. Die Atome sind in Bewegung, und durch die Bewegung wird — nach der materialistischen Weltanschauung — die Wärme erzeugt. Würde man sagen: der Wärme liegt eine Bewegung der Atome zugrunde, dann würde man Recht haben, dann würde man nur etwas konstatieren. Man kommt aber zu der Anschauung, daß es unmöglich ist, von den Atomen als von etwas tatsächlich Existierendem zu reden. Die Atome sind erdacht — und sie müssen erdacht werden, wenn sie einen Sinn haben sollen —, aber was wahrgenommen wird, soll erst durch die Atome bewirkt werden. Man kann also ein Atom nicht sehen. Man sieht, das sogenannte atomistische Weltbild ist aus nichts Sichtbarem, aus nichts sinnlich Wahrnehmbarem zusammengesetzt.

[ 24 ] Nun kann man aber nachdenken und sagen: Die Welt besteht aus Atomen und diese sind in Bewegung. Man will nun die Art der Bewegung, die der Wärme, dem Licht, dem Magnetismus, der Elektrizität und so weiter zugrundeliegt, erforschen, und da kommt man dazu, gewisse Bewegungen der Atome als Ursachen der Sinnesempfindung anzunehmen. Man kommt also dabei zu Atomen. Man teilt also das, was gegeben ist, und wenn man immer und immer teilt, so muß man schließlich auf das Unteilbare kommen, und das ist das Atom. Teilbare Atome sind sinnlos. Die letzten Teile, also die Atome müssen unteilbar sein. Nun will man heute aber auch die Bewegung aus den Atomen erklären — ich kann das nur andeuten, aber Sie können es in der philosophisch-wissenschaftlichen Literatur der neueren Zeit weiter verfolgen —, man will also die Bewegung aus der Beschaffenheit der Atome erklären. Wenn man aber nachdenkt, wie ein Atom das andere stoßen muß, damit die Bewegung herauskommen kann, die man bei der Wärme, der Elektrizität und so weiter hat, dann kann man die Atome nicht starr denken, dann muß man sie elastisch denken. Es ist notwendig, sie elastisch zu denken, denn starre Atome gäben bei einem Stoße nicht die Bewegung, die herauskommen muß, wenn Wärme, Elektrizität oder Magnetismus herauskommen soll.

[ 24 ] Nun kann man aber nachdenken und sagen: Die Welt besteht aus Atomen und diese sind in Bewegung. Man will nun die Art der Bewegung, die der Wärme, dem Licht, dem Magnetismus, der Elektrizität und so weiter zugrundeliegt, erforschen, und da kommt man dazu, gewisse Bewegungen der Atome als Ursachen der Sinnesempfindung anzunehmen. Man kommt also dabei zu Atomen. Man teilt also das, was gegeben ist, und wenn man immer und immer teilt, so muß man schließlich auf das Unteilbare kommen, und das ist das Atom. Teilbare Atome sind sinnlos. Die letzten Teile, also die Atome müssen unteilbar sein. Nun will man heute aber auch die Bewegung aus den Atomen erklären — ich kann das nur andeuten, aber Sie können es in der philosophisch-wissenschaftlichen Literatur der neueren Zeit weiter verfolgen —, man will also die Bewegung aus der Beschaffenheit der Atome erklären. Wenn man aber nachdenkt, wie ein Atom das andere stoßen muß, damit die Bewegung herauskommen kann, die man bei der Wärme, der Elektrizität und so weiter hat, dann kann man die Atome nicht starr denken, dann muß man sie elastisch denken. Es ist notwendig, sie elastisch zu denken, denn starre Atome gäben bei einem Stoße nicht die Bewegung, die herauskommen muß, wenn Wärme, Elektrizität oder Magnetismus herauskommen soll.

[ 25 ] Also diese Atome müssen elastisch sein. Was heißt das aber? Das heißt, das Atom kann zusammengedrückt werden und schnellt dann in den früheren Zustand zurück. Es muß also zusammendrückbar sein und wieder zurückschnellen, sonst kann man sich das Stoßen der Atome gar nicht denken. Nun hat man zweierlei gewonnen: Erstens, das Atom muß unteilbar sein, zweitens muß es elastisch sein. Vor diesen zwei Dingen steht das moderne Denken, das dem Atomismus huldigt. Das Atom muß unteilbar gedacht werden, sonst ist es kein Atom mehr und es muß elastisch gedacht werden, denn es würde eine sinnlose Vorstellung sein, die Atombewegung auf starre Atome zurückzuführen. Sehr scharf haben besonders englische Denker diese zwei Sätze betont: erstens, das Atom ist unteilbar, und zweitens, das Atom muß elastisch gedacht werden. — Wenn ich einen Körper elastisch sein lasse, ist es nicht anders denkbar, als daß die Teile sich zusammenschieben und dann wieder in die ursprüngliche Lage zurückspringend den elastischen Körper herstellen. Dieser ist nicht denkbar, ohne daß er teilbar, verschiebbar ist. Das Atom muß aber unteilbar sein einerseits und andererseits muß es teilbar sein, denn sonst kann es nicht elastisch sein. Was heißt das aber?

[ 25 ] Also diese Atome müssen elastisch sein. Was heißt das aber? Das heißt, das Atom kann zusammengedrückt werden und schnellt dann in den früheren Zustand zurück. Es muß also zusammendrückbar sein und wieder zurückschnellen, sonst kann man sich das Stoßen der Atome gar nicht denken. Nun hat man zweierlei gewonnen: Erstens, das Atom muß unteilbar sein, zweitens muß es elastisch sein. Vor diesen zwei Dingen steht das moderne Denken, das dem Atomismus huldigt. Das Atom muß unteilbar gedacht werden, sonst ist es kein Atom mehr und es muß elastisch gedacht werden, denn es würde eine sinnlose Vorstellung sein, die Atombewegung auf starre Atome zurückzuführen. Sehr scharf haben besonders englische Denker diese zwei Sätze betont: erstens, das Atom ist unteilbar, und zweitens, das Atom muß elastisch gedacht werden. — Wenn ich einen Körper elastisch sein lasse, ist es nicht anders denkbar, als daß die Teile sich zusammenschieben und dann wieder in die ursprüngliche Lage zurückspringend den elastischen Körper herstellen. Dieser ist nicht denkbar, ohne daß er teilbar, verschiebbar ist. Das Atom muß aber unteilbar sein einerseits und andererseits muß es teilbar sein, denn sonst kann es nicht elastisch sein. Was heißt das aber?

[ 26 ] Das heißt, wenn wir uns Atome vorstellen wollen, so kommen wir auf zwei sich widersprechende Grundannahmen. Über diese kommt man nicht hinaus. Es ist eine ungeheuer interessante Literatur darüber vorhanden, das Weltbild aus nicht starren Atomen zusammengefügt zu denken. Dann aber ist das Atom kein Atom mehr, denn es muß teilbar gedacht werden. Das heißt, man kommt darauf, daß die Vorstellung des Atoms unmöglich ist, solange man annimmt, das Atom sei materiell. In dem Augenblicke, wo Sie das Atom nicht materiell denken, wo Sie denken, das Atom sei nicht etwas Materielles, sondern etwas anderes, kann man sich das Atom unteilbar denken, so wie das menschliche Ich auch unteilbar gedacht wird. Nehmen Sie an, das Atom sei Kraft, dann können Sie sich dasselbe auch zusammengefügt denken. Wenn Sie nicht materialistisch denken, brauchen Sie nicht zu denken, daß Zwischenräume da sind. Die beiden Dinge sind also durchaus vereinbar, wenn wir uns die Atome nicht materiell denken. Wenn wir unter sorgfältiger Berücksichtigung dessen, was uns die Optik, die Elektrizitätslehre und so weiter bietet, die letzten Konsequenzen ziehen, wie das Atom sein muß, dann kommt man dazu, zu sagen: Das Atom kann nicht materiell sein. — Da kommen Sie notwendig in das Spirituelle hinein. Aber diesen Schritt muß man machen. Es ist dann ganz gleich, ob das Atom elastisch oder starr ist; das kümmert uns nicht, da machen wir nicht mit. Aber der Materialismus muß nicht bekämpft, sondern verstanden werden. Die große Summe von Arbeit und guten Erfolgen darf von der Geisteswissenschaft nicht verachtet werden.

[ 26 ] Das heißt, wenn wir uns Atome vorstellen wollen, so kommen wir auf zwei sich widersprechende Grundannahmen. Über diese kommt man nicht hinaus. Es ist eine ungeheuer interessante Literatur darüber vorhanden, das Weltbild aus nicht starren Atomen zusammengefügt zu denken. Dann aber ist das Atom kein Atom mehr, denn es muß teilbar gedacht werden. Das heißt, man kommt darauf, daß die Vorstellung des Atoms unmöglich ist, solange man annimmt, das Atom sei materiell. In dem Augenblicke, wo Sie das Atom nicht materiell denken, wo Sie denken, das Atom sei nicht etwas Materielles, sondern etwas anderes, kann man sich das Atom unteilbar denken, so wie das menschliche Ich auch unteilbar gedacht wird. Nehmen Sie an, das Atom sei Kraft, dann können Sie sich dasselbe auch zusammengefügt denken. Wenn Sie nicht materialistisch denken, brauchen Sie nicht zu denken, daß Zwischenräume da sind. Die beiden Dinge sind also durchaus vereinbar, wenn wir uns die Atome nicht materiell denken. Wenn wir unter sorgfältiger Berücksichtigung dessen, was uns die Optik, die Elektrizitätslehre und so weiter bietet, die letzten Konsequenzen ziehen, wie das Atom sein muß, dann kommt man dazu, zu sagen: Das Atom kann nicht materiell sein. — Da kommen Sie notwendig in das Spirituelle hinein. Aber diesen Schritt muß man machen. Es ist dann ganz gleich, ob das Atom elastisch oder starr ist; das kümmert uns nicht, da machen wir nicht mit. Aber der Materialismus muß nicht bekämpft, sondern verstanden werden. Die große Summe von Arbeit und guten Erfolgen darf von der Geisteswissenschaft nicht verachtet werden.

[ 27 ] Gehen wir nun zum nächsten Kapitel der Wrangell-Schrift:

[ 27 ] Gehen wir nun zum nächsten Kapitel der Wrangell-Schrift:

Zweifel an der materialistischen Weltanschauung

Nur tritt im Gemüt manches Menschen der Zweifel auf: sollte es wirklich sich so verhalten, daß dem Weltganzen kein vernünftiger, kein sittlicher Gedanke zugrunde liegt, und die Begriffe des Zweckmäßigen, des Sittlichen nur in der Menschenbrust entstehen, außerhalb derselben aber keine Geltung haben?

Wir fühlen in uns das Streben zum Guten, und der Begriff des Guten ist von dem Begriff der Freiheit unzertrennlich, denn wo absolute Notwendigkeit herrscht, gibt es nichts Böses und Gutes. Ein Stein muß in bestimmter Richtung mit bestimmter Geschwindigkeit fallen, und es wäre sinnlos, diesen Fall böse oder gut zu nennen.

Sollte das, was wir im Innersten als den eigentlichen Wertmesser des Lebens empfinden, nur Täuschung und Wahn sein, und sich im Weltganzen, von dem der Mensch nur ein verschwindender Bruchteil ist, sich diese Idee des Guten, also des in Freiheit gewählten Sittlichen, nicht wiederfinden? Sollte der geringe Teil, der Mensch, mit erhabenen Gefühlen und Gedanken begabt, in dieser Hinsicht höher stehen als das Ganze, das ohne Bewußtsein, ohne Zweckbegriff, gleich einem toten Räderwerk seinen Verlauf nimmt, um mit ewigem Tode zu enden? Das Gemüt der meisten Menschen widerstrebt solcher Lösung und sucht nach einer anderen.

Zweifel an der materialistischen Weltanschauung

Nur tritt im Gemüt manches Menschen der Zweifel auf: sollte es wirklich sich so verhalten, daß dem Weltganzen kein vernünftiger, kein sittlicher Gedanke zugrunde liegt, und die Begriffe des Zweckmäßigen, des Sittlichen nur in der Menschenbrust entstehen, außerhalb derselben aber keine Geltung haben?

Wir fühlen in uns das Streben zum Guten, und der Begriff des Guten ist von dem Begriff der Freiheit unzertrennlich, denn wo absolute Notwendigkeit herrscht, gibt es nichts Böses und Gutes. Ein Stein muß in bestimmter Richtung mit bestimmter Geschwindigkeit fallen, und es wäre sinnlos, diesen Fall böse oder gut zu nennen.

Sollte das, was wir im Innersten als den eigentlichen Wertmesser des Lebens empfinden, nur Täuschung und Wahn sein, und sich im Weltganzen, von dem der Mensch nur ein verschwindender Bruchteil ist, sich diese Idee des Guten, also des in Freiheit gewählten Sittlichen, nicht wiederfinden? Sollte der geringe Teil, der Mensch, mit erhabenen Gefühlen und Gedanken begabt, in dieser Hinsicht höher stehen als das Ganze, das ohne Bewußtsein, ohne Zweckbegriff, gleich einem toten Räderwerk seinen Verlauf nimmt, um mit ewigem Tode zu enden? Das Gemüt der meisten Menschen widerstrebt solcher Lösung und sucht nach einer anderen.

[ 28 ] Es ist gut, davon zu sprechen, daß das Gemüt dem widerstrebt, aber viel wichtiger noch ist es in unserer Zeit zu sagen, daß das Denken dem widerstrebt. Will man sich nur auf den Boden des Materialismus stellen, so muß man zum Atom hin und es als Materie fassen. Man kann es aber auch Kraft nennen, und dann kommt man dazu, daß da, wo man die Materie hindenkt, die kosmische Gedankenwelt ist. Da hat dann die sittliche Weltordnung ihren vollen Platz darinnen.

[ 28 ] Es ist gut, davon zu sprechen, daß das Gemüt dem widerstrebt, aber viel wichtiger noch ist es in unserer Zeit zu sagen, daß das Denken dem widerstrebt. Will man sich nur auf den Boden des Materialismus stellen, so muß man zum Atom hin und es als Materie fassen. Man kann es aber auch Kraft nennen, und dann kommt man dazu, daß da, wo man die Materie hindenkt, die kosmische Gedankenwelt ist. Da hat dann die sittliche Weltordnung ihren vollen Platz darinnen.

[ 29 ] Nun haben es allerdings einige bequemer gefunden, zu sagen: Ja, wenn man so die Welt überdenkt, stellen sich allerdings für das Sinneswissen überall Skrupel und Zweifel ein und es geht nicht an, dieses Sinneswissen einzig und allein gelten zu lassen; aber der Mensch ist nun einmal so veranlagt, nicht tiefer hineindringen zu können. Das ergibt dann ungefähr die folgende Situation: Da steht der Mensch, der vielleicht ein sehr guter Forscher ist auf dem Gebiet der äußeren Sinnenwelt und der Bleibendes, Schönes, Großartiges hervorbringen kann als materialistischer Forscher, aber er ist nicht geneigt, weiter hineinzusteigen. Und so sagt er: Da muß so alles mögliche hinter der Materie vorhanden sein; aber wir sind mit dem menschlichen Erkenntnisvermögen nicht befähigt, dahin zu dringen. Er nennt sich selber einen Agnostiker. Er merkt nicht, daß diese Rede, der Mensch hat nicht die Fähigkeit und so weiter, von Ahriman eingegeben ist und er hört nicht das, was ihm gute Geister eingeben; darauf hört er nicht. In Wahrheit ist er nur ein Faulpelz. Faulpelz nennt man es, wenn man es ehrlich sagt, Agnostizismus nennt man es in der Wissenschaft.

[ 29 ] Nun haben es allerdings einige bequemer gefunden, zu sagen: Ja, wenn man so die Welt überdenkt, stellen sich allerdings für das Sinneswissen überall Skrupel und Zweifel ein und es geht nicht an, dieses Sinneswissen einzig und allein gelten zu lassen; aber der Mensch ist nun einmal so veranlagt, nicht tiefer hineindringen zu können. Das ergibt dann ungefähr die folgende Situation: Da steht der Mensch, der vielleicht ein sehr guter Forscher ist auf dem Gebiet der äußeren Sinnenwelt und der Bleibendes, Schönes, Großartiges hervorbringen kann als materialistischer Forscher, aber er ist nicht geneigt, weiter hineinzusteigen. Und so sagt er: Da muß so alles mögliche hinter der Materie vorhanden sein; aber wir sind mit dem menschlichen Erkenntnisvermögen nicht befähigt, dahin zu dringen. Er nennt sich selber einen Agnostiker. Er merkt nicht, daß diese Rede, der Mensch hat nicht die Fähigkeit und so weiter, von Ahriman eingegeben ist und er hört nicht das, was ihm gute Geister eingeben; darauf hört er nicht. In Wahrheit ist er nur ein Faulpelz. Faulpelz nennt man es, wenn man es ehrlich sagt, Agnostizismus nennt man es in der Wissenschaft.

[ 30 ] Das nächste Kapitel bei Wrangell heißt nun:

[ 30 ] Das nächste Kapitel bei Wrangell heißt nun:

Agnostizismus

Diejenige Antwort auf die Frage nach Ursprung und Ziel des Weltganzen und nach der Bestimmung des Menschen, welche dem Verstande die geringsten Schwierigkeiten bietet, dagegen die Forderungen des Gemütes ganz unbefriedigt läßt, ist der Standpunkt des Agnostikers («Nichtwissers»), wenn er sagt: diese Fragen übersteigen die Grenzen menschlicher Erkenntnis, müssen also, ihrem Wesen nach, unbeantwortet bleiben, und es ist vernünftiger, seine Zeit und Kräfte Aufgaben zu widmen, wo Aussicht vorhanden ist, sie zu bewältigen.

Agnostizismus

Diejenige Antwort auf die Frage nach Ursprung und Ziel des Weltganzen und nach der Bestimmung des Menschen, welche dem Verstande die geringsten Schwierigkeiten bietet, dagegen die Forderungen des Gemütes ganz unbefriedigt läßt, ist der Standpunkt des Agnostikers («Nichtwissers»), wenn er sagt: diese Fragen übersteigen die Grenzen menschlicher Erkenntnis, müssen also, ihrem Wesen nach, unbeantwortet bleiben, und es ist vernünftiger, seine Zeit und Kräfte Aufgaben zu widmen, wo Aussicht vorhanden ist, sie zu bewältigen.

[ 31 ] — Man kann nichts dagegen haben, zu sagen, ich will mich einer Aufgabe widmen, die ich bewältigen kann. Das steht in des Menschen Freiheit. Aber es steht nicht in des Menschen Freiheit, zu sagen: Was ich nicht weiß, darf kein anderer wissen. — Alles Philosophieren über das, was der Mensch nicht wissen kann, ist eigentlich im Grunde genommen eine wissenschaftliche Infamie, und außerdem ist es eine wissenschaftliche Großmannssucht sondergleichen, weil man sich aufwirft zum Herrscher dessen, was erforscht werden darf und nicht erforscht werden darf, weil man das, was man selber annehmen will, als maßgebend für alle anderen Leute hinstellt. Welche Impotenz liegt in dem Satze: «Es gibt Grenzen des Erkennens»! Welcher Hochmut und welcher Dünkel darinnen liegt, sollte man sich aber auch einmal klarmachen. Das sollte nicht in die Ohren geraunt, sondern geschmettert werden. —

[ 31 ] — Man kann nichts dagegen haben, zu sagen, ich will mich einer Aufgabe widmen, die ich bewältigen kann. Das steht in des Menschen Freiheit. Aber es steht nicht in des Menschen Freiheit, zu sagen: Was ich nicht weiß, darf kein anderer wissen. — Alles Philosophieren über das, was der Mensch nicht wissen kann, ist eigentlich im Grunde genommen eine wissenschaftliche Infamie, und außerdem ist es eine wissenschaftliche Großmannssucht sondergleichen, weil man sich aufwirft zum Herrscher dessen, was erforscht werden darf und nicht erforscht werden darf, weil man das, was man selber annehmen will, als maßgebend für alle anderen Leute hinstellt. Welche Impotenz liegt in dem Satze: «Es gibt Grenzen des Erkennens»! Welcher Hochmut und welcher Dünkel darinnen liegt, sollte man sich aber auch einmal klarmachen. Das sollte nicht in die Ohren geraunt, sondern geschmettert werden. —

Ohne die Existenz geistiger Wesenheiten zu leugnen, behauptet der Agnostiker, dieses Gebiet sei jedenfalls nicht jedem zugänglich, während alles, was auf sinnlicher Erfahrung beruht, im Bereich der Erkenntnis des normalen Menschen liegt, und damit sollte er sich begnügen. Diejenigen Menschen, bei denen der zur Kritik geschulte Intellekt vorwiegt, können bei diesem Standpunkt verharren, ohne in ihrem Tun gelähmt zu werden; für die meisten Menschen ist diese Antwort aber keine Antwort. Stellt man sich auf den Standpunkt eines Menschen ohne persönliche okkulte Erfahrungen und ohne Kenntnis ihm glaubwürdig erscheinender Berichte anderer über solche Wahrnehmungen, so steht es ihm, logisch geurteilt, frei, sich für oder gegen die Existenz geistiger Welten auszusprechen. —

Ohne die Existenz geistiger Wesenheiten zu leugnen, behauptet der Agnostiker, dieses Gebiet sei jedenfalls nicht jedem zugänglich, während alles, was auf sinnlicher Erfahrung beruht, im Bereich der Erkenntnis des normalen Menschen liegt, und damit sollte er sich begnügen. Diejenigen Menschen, bei denen der zur Kritik geschulte Intellekt vorwiegt, können bei diesem Standpunkt verharren, ohne in ihrem Tun gelähmt zu werden; für die meisten Menschen ist diese Antwort aber keine Antwort. Stellt man sich auf den Standpunkt eines Menschen ohne persönliche okkulte Erfahrungen und ohne Kenntnis ihm glaubwürdig erscheinender Berichte anderer über solche Wahrnehmungen, so steht es ihm, logisch geurteilt, frei, sich für oder gegen die Existenz geistiger Welten auszusprechen. —

Selbstverständlich steht es im menschlichen Zusammenleben jedem frei, sich gegen die Existenz einer geistigen Welt auszusprechen. Nur sollte man sich klar sein darüber, daß ein solcher Ausspruch nichts taugt. Man kann sich auch dagegen aussprechen, daß drei mal drei neun ist.

Selbstverständlich steht es im menschlichen Zusammenleben jedem frei, sich gegen die Existenz einer geistigen Welt auszusprechen. Nur sollte man sich klar sein darüber, daß ein solcher Ausspruch nichts taugt. Man kann sich auch dagegen aussprechen, daß drei mal drei neun ist.

Nur ist er nicht berechtigt, der entgegengesetzten Ansicht Wissenschaftlichkeit abzusprechen.

Der Grad von Glaubwürdigkeit der Berichte anderer läßt sich nicht mit objektiver, d.h. allgemeingültiger Strenge bemessen, und es wird das Urteil darüber notgedrungen in jedem Einzelfall von subjektiven Beweggründen beeinflußt.

Nur ist er nicht berechtigt, der entgegengesetzten Ansicht Wissenschaftlichkeit abzusprechen.

Der Grad von Glaubwürdigkeit der Berichte anderer läßt sich nicht mit objektiver, d.h. allgemeingültiger Strenge bemessen, und es wird das Urteil darüber notgedrungen in jedem Einzelfall von subjektiven Beweggründen beeinflußt.

[ 32 ] — Ja, das kann man zeigen.

[ 32 ] — Ja, das kann man zeigen.

Handelt es sich um Tatsachen, die von jedem normalen Menschen geprüft werden können, so braucht man in den meisten Fällen sich nicht der Mühe zu unterziehen, sie persönlich zu prüfen, denn bei der jetzigen Organisation wissenschaftlicher Forschung ist dafür gesorgt, daß eine fehlerhafte Beobachtung oder falscher Bericht bald entdeckt wird, und das zwingt jeden Beobachter und Berichterstatter schon seines Rufes wegen zu möglichster Vorsicht und Wahrhaftigkeit, und jedenfalls bleibt ein Beobachtungsfehler nicht lange unentdeckt.

Handelt es sich um Tatsachen, die von jedem normalen Menschen geprüft werden können, so braucht man in den meisten Fällen sich nicht der Mühe zu unterziehen, sie persönlich zu prüfen, denn bei der jetzigen Organisation wissenschaftlicher Forschung ist dafür gesorgt, daß eine fehlerhafte Beobachtung oder falscher Bericht bald entdeckt wird, und das zwingt jeden Beobachter und Berichterstatter schon seines Rufes wegen zu möglichster Vorsicht und Wahrhaftigkeit, und jedenfalls bleibt ein Beobachtungsfehler nicht lange unentdeckt.

[ 33 ] — Im Grunde besagt das nicht viel mehr, als wenn einer folgendes sagen würde: Bei der heutigen Art der Organisierung der wissenschaftlichen Arbeit kann man, wenn man nach Basel fährt und ein Chemiebuch kauft, dem, was darinnen steht, schon glauben, weil darinnen chemische Resultate stehen, und es einem Chemiker nicht einfallen kann, zu lügen. — Aber damit legitimierte man doch nur den Autoritätsglauben. Und wenn die Leute sich das gestehen würden, so würden sie sich klar sein, wieviel sie heute auf Treu und Glauben hinnehmen. Daß die Geisteswissenschaft zwar an ihrem Anfange steht, aber geprüft werden kann, habe ich oft betont. Die Geisteswissenschaft ist noch jung; wenn sie älter sein wird, dann wird es mit dem Geisteswissenschafter so sein, wie es heute beim Chemiker ist: man wird sich dann klar sein, daß man in der Geisteswissenschaft nicht lügt.

[ 33 ] — Im Grunde besagt das nicht viel mehr, als wenn einer folgendes sagen würde: Bei der heutigen Art der Organisierung der wissenschaftlichen Arbeit kann man, wenn man nach Basel fährt und ein Chemiebuch kauft, dem, was darinnen steht, schon glauben, weil darinnen chemische Resultate stehen, und es einem Chemiker nicht einfallen kann, zu lügen. — Aber damit legitimierte man doch nur den Autoritätsglauben. Und wenn die Leute sich das gestehen würden, so würden sie sich klar sein, wieviel sie heute auf Treu und Glauben hinnehmen. Daß die Geisteswissenschaft zwar an ihrem Anfange steht, aber geprüft werden kann, habe ich oft betont. Die Geisteswissenschaft ist noch jung; wenn sie älter sein wird, dann wird es mit dem Geisteswissenschafter so sein, wie es heute beim Chemiker ist: man wird sich dann klar sein, daß man in der Geisteswissenschaft nicht lügt.

Bei okkulten Wahrnehmungen dagegen ist es anders, und dieser wesentliche Unterschied hat die an kontrollierbare Tatsachen gewohnten Männer der exakten Wissenschaft so lange veranlaßt, sich den okkulten Mitteilungen gegenüber nicht nur kritisch, d.h. prüfend, sondern skeptisch, d.h. direkt abwehrend, zu verhalten.

Bei okkulten Wahrnehmungen dagegen ist es anders, und dieser wesentliche Unterschied hat die an kontrollierbare Tatsachen gewohnten Männer der exakten Wissenschaft so lange veranlaßt, sich den okkulten Mitteilungen gegenüber nicht nur kritisch, d.h. prüfend, sondern skeptisch, d.h. direkt abwehrend, zu verhalten.

[ 34 ] — Der wirkliche Grund ist der, daß sie zu faul sind.

[ 34 ] — Der wirkliche Grund ist der, daß sie zu faul sind.

Jetzt scheint das aber nicht mehr möglich, denn das Beweismaterial für die immaterielle Existenz geistiger Wesenheiten ist so gewichtig, daß Männer von zweifellos wissenschaftlicher Schulung diese Frage für erwiesen halten. Es genügt, an Namen wie Zöllner, Wallace, du Prel, Crookes, Butlerow, Rochas, Oliver Lodge, Flammarion, Morselli, Schiaparelli, Ochorowicz, James u.a. zu erinnern.

Jetzt scheint das aber nicht mehr möglich, denn das Beweismaterial für die immaterielle Existenz geistiger Wesenheiten ist so gewichtig, daß Männer von zweifellos wissenschaftlicher Schulung diese Frage für erwiesen halten. Es genügt, an Namen wie Zöllner, Wallace, du Prel, Crookes, Butlerow, Rochas, Oliver Lodge, Flammarion, Morselli, Schiaparelli, Ochorowicz, James u.a. zu erinnern.

[ 35 ] — Da verläßt sich Herr von Wrangell auf diejenigen, die an atavistische Fähigkeiten anknüpfen, während wir annehmen, daß jeder Mensch die Fähigkeiten sich aneignen kann, die es ermöglichen, daß man das Geistige prüft, wie man das Wissenschaftliche prüft.

[ 35 ] — Da verläßt sich Herr von Wrangell auf diejenigen, die an atavistische Fähigkeiten anknüpfen, während wir annehmen, daß jeder Mensch die Fähigkeiten sich aneignen kann, die es ermöglichen, daß man das Geistige prüft, wie man das Wissenschaftliche prüft.

Diese Männer finden nicht nur keinen Widerspruch zwischen okkulten Tatsachen und feststehenden Ergebnissen exakter Sinnesforschung, sondern eben ihre Gewöhnung zu vorurteilsfreier Kritik veranlaßt sie, den Skeptizismus des Materialisten zu verwerfen und sich dem Studium okkulter Phänomene zu widmen.

Diese Männer finden nicht nur keinen Widerspruch zwischen okkulten Tatsachen und feststehenden Ergebnissen exakter Sinnesforschung, sondern eben ihre Gewöhnung zu vorurteilsfreier Kritik veranlaßt sie, den Skeptizismus des Materialisten zu verwerfen und sich dem Studium okkulter Phänomene zu widmen.

[ 36 ] — Aber sie tun es nicht auf die richtige Weise, sondern sie ziehen alles herunter auf dasselbe Laboratoriumsgebiet, in dem die Chemie steht, auch das, was nur in freier Betätigung des Denkens errungen werden kann. Statt innerlich zu konstruieren, geht man gleichsam mit dem Zollstab herum und mißt. —

[ 36 ] — Aber sie tun es nicht auf die richtige Weise, sondern sie ziehen alles herunter auf dasselbe Laboratoriumsgebiet, in dem die Chemie steht, auch das, was nur in freier Betätigung des Denkens errungen werden kann. Statt innerlich zu konstruieren, geht man gleichsam mit dem Zollstab herum und mißt. —

Diese Autoritäten können sich in ihrem Urteil irren, ihr Standpunkt kann aber als Beweis dafür dienen, daß wir berechtigt sind, die Existenz geistiger Wesenheiten anzunehmen, ohne uns dem Vorwurf wissenschaftlicher Ignoranz auszusetzen. Vorausgesetzt, daß man selbst keine okkulten Fähigkeiten hat, ist man auf die Berichte anderer angewiesen und muß sie auf ihre Glaubenswürdigkeit prüfen.

Diese Autoritäten können sich in ihrem Urteil irren, ihr Standpunkt kann aber als Beweis dafür dienen, daß wir berechtigt sind, die Existenz geistiger Wesenheiten anzunehmen, ohne uns dem Vorwurf wissenschaftlicher Ignoranz auszusetzen. Vorausgesetzt, daß man selbst keine okkulten Fähigkeiten hat, ist man auf die Berichte anderer angewiesen und muß sie auf ihre Glaubenswürdigkeit prüfen.

[ 37 ] — Besser wäre es, wenn man versuchte, sich auf dasjenige einzulassen, was in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» gesagt ist. Es ist viel leichter als viele annehmen. Die meisten erkennen es nur nicht an; aber alle möglichen Vertracktheiten werden anerkannt. Es wäre wirklich verhältnismäßig sehr leicht, in ein paar Jahren wenigstens so viel von der geistigen Welt zu erleben, als nötig ist, um sie im allgemeinen anzuerkennen. Aber die Leute sagen: Das ist nichts; denn sie streben nach dem, was ich das Bauchhellsehen genannt habe. Und wenn es nicht zum Bauchhellsehen kommt, dann gilt ihnen das alles nichts.

[ 37 ] — Besser wäre es, wenn man versuchte, sich auf dasjenige einzulassen, was in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» gesagt ist. Es ist viel leichter als viele annehmen. Die meisten erkennen es nur nicht an; aber alle möglichen Vertracktheiten werden anerkannt. Es wäre wirklich verhältnismäßig sehr leicht, in ein paar Jahren wenigstens so viel von der geistigen Welt zu erleben, als nötig ist, um sie im allgemeinen anzuerkennen. Aber die Leute sagen: Das ist nichts; denn sie streben nach dem, was ich das Bauchhellsehen genannt habe. Und wenn es nicht zum Bauchhellsehen kommt, dann gilt ihnen das alles nichts.

Die Quellen des Irrtums okkulter Wahrnehmungen liegen sowohl im Subjekt wie auch im Objekt. Selbst eine oberflächliche Kenntnisnahme des von Spiritisten und anderen Okkultisten zusammengehäuften Wahrnehmungsmaterials zeigt uns, daß hier, zugestandenermaßen, die Quellen der Irrtümer überreichlich fließen ...

Die Quellen des Irrtums okkulter Wahrnehmungen liegen sowohl im Subjekt wie auch im Objekt. Selbst eine oberflächliche Kenntnisnahme des von Spiritisten und anderen Okkultisten zusammengehäuften Wahrnehmungsmaterials zeigt uns, daß hier, zugestandenermaßen, die Quellen der Irrtümer überreichlich fließen ...

[ 38 ] — Das tun sie wahrhaftig nicht. Es ist nicht anders als wenn man sagt: Die Natur lügt nie! Aber sie lügt alle Augenblicke. Nehmen Sie ein Glas mit Wasser und stecken Sie einen Stab hinein, so erscheint er Ihnen gebrochen; er ist es aber nicht. Nehmen Sie den Gang der Sonne am Himmelsgewölbe, vergleichen Sie die Größe am Morgen und die Größe am Mittag: den ganzen Tag über lügt die Natur Sie an. Genau ebensoviel und ebensowenig lügt die geistige Welt. Es ist zum Beispiel außerordentlich interessant, die Vorgänge im Ätherischen des Menschen sich zu vergegenwärtigen, wenn man eine Unpäßlichkeit in den Gedärmen hat, oder zu beobachten, was der Ätherleib tut, wenn die Verdauungsvorgänge vor sich gehen. Es ist ebenso interessant, wie wenn man gewöhnlich Anatomie oder Physiologie studiert, ja noch interessanter. Aber unberechtigt ist es, wenn man dasjenige, was nichts anderes als ein Vorgang im Ätherleib bei der Verdauung ist, als großartigen Vorgang der kosmischen Welt ansieht. Die geistige Welt selbst lügt also nicht; man muß sie nur in der richtigen Weise deuten. Es ist auch nicht nötig, dasjenige, was bei unserer Verdauung im Ätherleibe vorgeht, zu verachten. Man darf es nur nicht mißverstehen. Auch die Sinne trügen in Wirklichkeit nicht. Wenn man hineingreift in das Wasser, so findet man mit der Tastwahrnehmung... [Lücke in der Nachschrift]. Die Naturforschung hat sich im Laufe der Zeit gute Regeln durch Studium angeeignet, während man glaubt, in der Geisteswissenschaft gelte, daß man um so besser dazu tauge, je weniger Studien man durchgemacht habe.

[ 38 ] — Das tun sie wahrhaftig nicht. Es ist nicht anders als wenn man sagt: Die Natur lügt nie! Aber sie lügt alle Augenblicke. Nehmen Sie ein Glas mit Wasser und stecken Sie einen Stab hinein, so erscheint er Ihnen gebrochen; er ist es aber nicht. Nehmen Sie den Gang der Sonne am Himmelsgewölbe, vergleichen Sie die Größe am Morgen und die Größe am Mittag: den ganzen Tag über lügt die Natur Sie an. Genau ebensoviel und ebensowenig lügt die geistige Welt. Es ist zum Beispiel außerordentlich interessant, die Vorgänge im Ätherischen des Menschen sich zu vergegenwärtigen, wenn man eine Unpäßlichkeit in den Gedärmen hat, oder zu beobachten, was der Ätherleib tut, wenn die Verdauungsvorgänge vor sich gehen. Es ist ebenso interessant, wie wenn man gewöhnlich Anatomie oder Physiologie studiert, ja noch interessanter. Aber unberechtigt ist es, wenn man dasjenige, was nichts anderes als ein Vorgang im Ätherleib bei der Verdauung ist, als großartigen Vorgang der kosmischen Welt ansieht. Die geistige Welt selbst lügt also nicht; man muß sie nur in der richtigen Weise deuten. Es ist auch nicht nötig, dasjenige, was bei unserer Verdauung im Ätherleibe vorgeht, zu verachten. Man darf es nur nicht mißverstehen. Auch die Sinne trügen in Wirklichkeit nicht. Wenn man hineingreift in das Wasser, so findet man mit der Tastwahrnehmung... [Lücke in der Nachschrift]. Die Naturforschung hat sich im Laufe der Zeit gute Regeln durch Studium angeeignet, während man glaubt, in der Geisteswissenschaft gelte, daß man um so besser dazu tauge, je weniger Studien man durchgemacht habe.

[ 39 ] Also: «Selbst eine oberflächliche Kenntnisnahme des von Spiritisten und anderen Okkultisten zusammengehäuften Wahrnehmungsmaterials zeigt uns, daß hier, zugestandenermaßen, die Quellen der Irrtümer reichlich fließen... .»

[ 39 ] Also: «Selbst eine oberflächliche Kenntnisnahme des von Spiritisten und anderen Okkultisten zusammengehäuften Wahrnehmungsmaterials zeigt uns, daß hier, zugestandenermaßen, die Quellen der Irrtümer reichlich fließen... .»

denn sie liegen nicht nur, wie in der sinnlichen Welt, im Subjekt, sondern außerdem noch im Objekt, indem zahlreiche bösartige Wesenheiten es sich zur Aufgabe machen sollen, den forschenden Menschen irre zu leiten. Wenn man von den gewöhnlichen Sinneswahrnehmungen mit Recht sagen konnte: die Natur lügt nie, nur der Mensch mißversteht sie manchmal —, ist es, nach Aussage der Geheimforscher, in der Geisteswelt anders. Es ist also, falls die Realität geistiger, vom Stofflichen unabhängiger Erscheinungen zugestanden wird, eine große und schwierige Aufgabe, dort die Spreu vom Weizen zu scheiden. Das ist die Aufgabe der Geisteswissenschaft, die, will man sie ernst betreiben, die ganze Zeit und Kraft eines Menschen erfordert, wie das übrigens mit jedem anderen Wissenszweig der Fall ist, wenn auch vielleicht in geringerem Maße. Für die Mehrzahl der Menschen ist ein solches Studium jedoch weder möglich noch auch erforderlich. Wie man Christ sein kann und in den Lehren Jesu Trost und Erhebung finden, in seiner Person das sittliche Ideal verwirklicht sehen, ohne Theologe zu sein, so kann man in den Grundlehren der Theosophie eine Deutung des eigentlichen Sinnes und Zweckes des eigenen Lebens erkennen, ohne mit dem umfassenden Gebäude der Geheimwissenschaft vertraut zu sein.

denn sie liegen nicht nur, wie in der sinnlichen Welt, im Subjekt, sondern außerdem noch im Objekt, indem zahlreiche bösartige Wesenheiten es sich zur Aufgabe machen sollen, den forschenden Menschen irre zu leiten. Wenn man von den gewöhnlichen Sinneswahrnehmungen mit Recht sagen konnte: die Natur lügt nie, nur der Mensch mißversteht sie manchmal —, ist es, nach Aussage der Geheimforscher, in der Geisteswelt anders. Es ist also, falls die Realität geistiger, vom Stofflichen unabhängiger Erscheinungen zugestanden wird, eine große und schwierige Aufgabe, dort die Spreu vom Weizen zu scheiden. Das ist die Aufgabe der Geisteswissenschaft, die, will man sie ernst betreiben, die ganze Zeit und Kraft eines Menschen erfordert, wie das übrigens mit jedem anderen Wissenszweig der Fall ist, wenn auch vielleicht in geringerem Maße. Für die Mehrzahl der Menschen ist ein solches Studium jedoch weder möglich noch auch erforderlich. Wie man Christ sein kann und in den Lehren Jesu Trost und Erhebung finden, in seiner Person das sittliche Ideal verwirklicht sehen, ohne Theologe zu sein, so kann man in den Grundlehren der Theosophie eine Deutung des eigentlichen Sinnes und Zweckes des eigenen Lebens erkennen, ohne mit dem umfassenden Gebäude der Geheimwissenschaft vertraut zu sein.

[ 40 ] — Das ist eine Behauptung, die nicht ohne weiteres festgehalten werden kann, denn wenn die Menschen nicht Chemiker von Fach, nicht Biologen von Fach sind, so läßt es sich heute doch leben. Aber dasjenige, was der Welt angehört, der die menschliche Seele selbst angehört, wird der Mensch nach und nach wissen müssen. Es ist eine Art ungerechtfertigter Ablehnung, wenn man so spricht, daß man, um Theosoph zu sein, ebensowenig mit der Geheimwissenschaft vertraut zu sein brauche, wie man Theologe zu sein brauche, um ein Christ zu sein.

[ 40 ] — Das ist eine Behauptung, die nicht ohne weiteres festgehalten werden kann, denn wenn die Menschen nicht Chemiker von Fach, nicht Biologen von Fach sind, so läßt es sich heute doch leben. Aber dasjenige, was der Welt angehört, der die menschliche Seele selbst angehört, wird der Mensch nach und nach wissen müssen. Es ist eine Art ungerechtfertigter Ablehnung, wenn man so spricht, daß man, um Theosoph zu sein, ebensowenig mit der Geheimwissenschaft vertraut zu sein brauche, wie man Theologe zu sein brauche, um ein Christ zu sein.

Es wird diejenige Weltanschauung dem Handeln und Empfinden des Menschen am förderlichsten sein, welche sowohl seinen Verstand wie sein Gefühl am meisten befriedigt.

Es wird diejenige Weltanschauung dem Handeln und Empfinden des Menschen am förderlichsten sein, welche sowohl seinen Verstand wie sein Gefühl am meisten befriedigt.

[ 41 ] Das nächste Kapitel ist überschrieben:

[ 41 ] Das nächste Kapitel ist überschrieben:

Fortbestehen der Seele nach dem Tode

Wenn man annimmt, das geistige Prinzip im Menschen, das, was man mit dem Worte Seele bezeichnet, sei eine Wesenheit, die auch nach dem Tode des Körpers weiterbesteht, so sind über sein ferneres Schicksal verschiedene Vorstellungen möglich, von denen wit hier, als zur Zeit für uns im Vordergrund stehend, nur die christliche Auffassung und die Lehre von der Wiederverkörperung betrachten wollen. Die Lehre Christi ist für Millionen eine Quelle von Trost und sittlicher Kraft gewesen und wird es wohl auch in Zukunft sein. Es läßt sich jedoch nicht leugnen, daß sich für den wissenschaftlich gebildeten Europäer die Schwierigkeiten intellektueller Art gehäuft haben und den Kampf zwischen Glauben und Wissen auf Grundlage der christlichen Lehre nicht zum Ausgleich kommen lassen. Der bestehende Gegensatz erheischt ein Opfer, entweder des Verstandes oder des Gemüts. Zu diesen intellektuellen Schwierigkeiten gesellen sich bei manchem schwere sittliche Bedenken gegen die übliche Auffassung des Christentums. Alle christlichen Konfessionen lehren, daß die Seele des Menschen nach seinem Tode ein Schicksal erduldet, das von ewiger Dauer ist: ewige Seligkeit oder ewige Verdammnis. Daß dieser Glaube der Forderung nach Gerechtigkeit widerspricht, empfindet wohl jeder Mensch. Die Grundlage jeder Sittlichkeit ist Gerechtigkeit.

Fortbestehen der Seele nach dem Tode

Wenn man annimmt, das geistige Prinzip im Menschen, das, was man mit dem Worte Seele bezeichnet, sei eine Wesenheit, die auch nach dem Tode des Körpers weiterbesteht, so sind über sein ferneres Schicksal verschiedene Vorstellungen möglich, von denen wit hier, als zur Zeit für uns im Vordergrund stehend, nur die christliche Auffassung und die Lehre von der Wiederverkörperung betrachten wollen. Die Lehre Christi ist für Millionen eine Quelle von Trost und sittlicher Kraft gewesen und wird es wohl auch in Zukunft sein. Es läßt sich jedoch nicht leugnen, daß sich für den wissenschaftlich gebildeten Europäer die Schwierigkeiten intellektueller Art gehäuft haben und den Kampf zwischen Glauben und Wissen auf Grundlage der christlichen Lehre nicht zum Ausgleich kommen lassen. Der bestehende Gegensatz erheischt ein Opfer, entweder des Verstandes oder des Gemüts. Zu diesen intellektuellen Schwierigkeiten gesellen sich bei manchem schwere sittliche Bedenken gegen die übliche Auffassung des Christentums. Alle christlichen Konfessionen lehren, daß die Seele des Menschen nach seinem Tode ein Schicksal erduldet, das von ewiger Dauer ist: ewige Seligkeit oder ewige Verdammnis. Daß dieser Glaube der Forderung nach Gerechtigkeit widerspricht, empfindet wohl jeder Mensch. Die Grundlage jeder Sittlichkeit ist Gerechtigkeit.

[ 42 ] — Würde man nur etwas mehr wissen! Selbstverständlich hat Wrangell recht, wenn er sagt, daß man so nicht von ewiger Seligkeit und ewiger Verdammnis sprechen kann, da diese der Gerechtigkeit widersprechen. Denn «ewig» ist ein Unding, wenn man glaubt, daß es etwas Unendliches ist. «Ewig» ist nur ein Zeitalter, ein Weltalter, und eigentlich sollte man auch im Christlichen von «ewig» nicht anders sprechen als von einem Zeitalter, und das entspricht ungefähr der Zeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt.

[ 42 ] — Würde man nur etwas mehr wissen! Selbstverständlich hat Wrangell recht, wenn er sagt, daß man so nicht von ewiger Seligkeit und ewiger Verdammnis sprechen kann, da diese der Gerechtigkeit widersprechen. Denn «ewig» ist ein Unding, wenn man glaubt, daß es etwas Unendliches ist. «Ewig» ist nur ein Zeitalter, ein Weltalter, und eigentlich sollte man auch im Christlichen von «ewig» nicht anders sprechen als von einem Zeitalter, und das entspricht ungefähr der Zeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt.

In jedes Menschen Brust liegt tief und unerschütterlich das Verlangen, daß jedem nach Verdienst geschehe. Die Auffassung von Verdienst ist freilich wechselnd; die Wertschätzung des Erlebten und Empfundenen gleichfalls. Aber darüber kann kein Zweifel herrschen, daß der Mensch glücklicher, besser, befriedigter wäre, wenn er die Überzeugung hätte, daß das Geschehen des Weltganzen der Forderung nach Gerechtigkeit auch im einzelnen entspricht. In dem, was wir im Verlauf des leiblichen Lebens an uns selbst und anderen erfahren, sehen wir keine Gerechtigkeit walten, gleichviel ob wir seelische, geistige oder körperliche Leiden und Freuden als Wertmesser des Erlebten ansetzen. Nach der Lehre der christlichen Kirchen soll diese scheinbare Ungerechtigkeit des irdischen Lebens im Jenseits ausgeglichen werden; sie wird aber im Grunde noch unendlich verschärft durch die ewigen Folgen zeitlicher Vergehungen beziehungsweise Verdienste.

In jedes Menschen Brust liegt tief und unerschütterlich das Verlangen, daß jedem nach Verdienst geschehe. Die Auffassung von Verdienst ist freilich wechselnd; die Wertschätzung des Erlebten und Empfundenen gleichfalls. Aber darüber kann kein Zweifel herrschen, daß der Mensch glücklicher, besser, befriedigter wäre, wenn er die Überzeugung hätte, daß das Geschehen des Weltganzen der Forderung nach Gerechtigkeit auch im einzelnen entspricht. In dem, was wir im Verlauf des leiblichen Lebens an uns selbst und anderen erfahren, sehen wir keine Gerechtigkeit walten, gleichviel ob wir seelische, geistige oder körperliche Leiden und Freuden als Wertmesser des Erlebten ansetzen. Nach der Lehre der christlichen Kirchen soll diese scheinbare Ungerechtigkeit des irdischen Lebens im Jenseits ausgeglichen werden; sie wird aber im Grunde noch unendlich verschärft durch die ewigen Folgen zeitlicher Vergehungen beziehungsweise Verdienste.

[ 43 ] — Es ist selbstverständlich, daß Wrangell nur von dem spricht, was die christlichen Kirchen sagen, die entstanden sind, nachdem Justznian die griechischen Philosophenschulen geschlossen hatte. Er übersieht aber, daß wir die Aufgabe haben, die versperrte Weisheit der Menschheit wieder zugänglich zu machen. Man muß schon die richtigen Gründe suchen. Man könnte auch zeigen, daß die, welche heute Christentum lehren, nicht das wahre Christentum lehren, sondern ein solches, das zurechtgemacht worden ist. —

[ 43 ] — Es ist selbstverständlich, daß Wrangell nur von dem spricht, was die christlichen Kirchen sagen, die entstanden sind, nachdem Justznian die griechischen Philosophenschulen geschlossen hatte. Er übersieht aber, daß wir die Aufgabe haben, die versperrte Weisheit der Menschheit wieder zugänglich zu machen. Man muß schon die richtigen Gründe suchen. Man könnte auch zeigen, daß die, welche heute Christentum lehren, nicht das wahre Christentum lehren, sondern ein solches, das zurechtgemacht worden ist. —

[ 44 ] Das nächste Kapitel heißt:

[ 44 ] Das nächste Kapitel heißt:

Wiederverkörperung und Karma

Die Lehre von der Wiederverkörperung und dem Karma bietet uns dagegen die Möglichkeit, die sichtbare Ungerechtigkeit eines Lebensschicksals dadurch aufzulösen, daß es in früheren Lebensläufen selbst verschuldet war, und daß die Möglichkeit vorliegt, es für die folgenden Wiederverkörperungen zu verbessern.

Ein solcher Glaube, wenn er zu innerer Gewißheit geworden, gibt die Kraft, ohne innere Empörung sein Schicksal, auch das härteste, zu tragen und spornt dazu an, es für die Zukunft zu verbessern, indem man der Stimme folgt, die wir «Gewissen» nennen.

Das in unserem Bewußtsein vorhandene Verantwortlichkeitsgefühl wird gekräftigt, und die Gefahr, daß die Menschheit in Sinnestaumel und Selbstsucht die kurze Spanne des zeitlichen Lebens auszunutzen sucht, wäre beseitigt. Die Lehre von der Wiedergeburt und dem Karma macht den Menschen frei, denn sie stellt ihn auf sich selbst.

Gewiß bleibt das große Rätsel von dem «Wozu» des Ganzen ungelöst, aber Zweck und Aufgabe des einzelnen Lebens sind klar und bestimmt.

Wiederverkörperung und Karma

Die Lehre von der Wiederverkörperung und dem Karma bietet uns dagegen die Möglichkeit, die sichtbare Ungerechtigkeit eines Lebensschicksals dadurch aufzulösen, daß es in früheren Lebensläufen selbst verschuldet war, und daß die Möglichkeit vorliegt, es für die folgenden Wiederverkörperungen zu verbessern.

Ein solcher Glaube, wenn er zu innerer Gewißheit geworden, gibt die Kraft, ohne innere Empörung sein Schicksal, auch das härteste, zu tragen und spornt dazu an, es für die Zukunft zu verbessern, indem man der Stimme folgt, die wir «Gewissen» nennen.

Das in unserem Bewußtsein vorhandene Verantwortlichkeitsgefühl wird gekräftigt, und die Gefahr, daß die Menschheit in Sinnestaumel und Selbstsucht die kurze Spanne des zeitlichen Lebens auszunutzen sucht, wäre beseitigt. Die Lehre von der Wiedergeburt und dem Karma macht den Menschen frei, denn sie stellt ihn auf sich selbst.

Gewiß bleibt das große Rätsel von dem «Wozu» des Ganzen ungelöst, aber Zweck und Aufgabe des einzelnen Lebens sind klar und bestimmt.

[ 45 ] Als nächstes Kapitel wird der Schluß von Lessings «Erziehung des Menschengeschlechtes» angeführt:

[ 45 ] Als nächstes Kapitel wird der Schluß von Lessings «Erziehung des Menschengeschlechtes» angeführt:

Lessings Ansicht über die Lehre der Wiedergeburt

«Ist diese Hypothese (von der Wiederverkörperung) darum so lächerlich, weil sie die älteste ist? Weil der menschliche Verstand, ehe ihn die Sophisterei und Schule zerstreut und geschwächt hatte, sogleich darauf verfiel? Warum sollte ich nicht so oft wiederkommen, als ich neue Kenntnisse, neue Fertigkeiten zu erlangen geschickt bin? Bringe ich auf einmal so viel weg, daß es der Mühe wiederzukommen etwa nicht lohnt?

Nach der Wiedergeburtslehre ist es unser Los, auf dieser Erde zu leben, bis wir unsere Bestimmung erreicht haben: Gotteserkenntnis, welche ist Selbsterkenntnis. Der Tod ist keine Vernichtung; das Ich-Bewußtsein, unser eigentliches Wesen, tritt nur in einen anderen Körper. Auch der Selbstmörder entrinnt nicht, er schneidet nur den Lebensfaden ab, der nach unerbittlichen Gesetzen wieder angeknüpft werden muß.»

Lessings Ansicht über die Lehre der Wiedergeburt

«Ist diese Hypothese (von der Wiederverkörperung) darum so lächerlich, weil sie die älteste ist? Weil der menschliche Verstand, ehe ihn die Sophisterei und Schule zerstreut und geschwächt hatte, sogleich darauf verfiel? Warum sollte ich nicht so oft wiederkommen, als ich neue Kenntnisse, neue Fertigkeiten zu erlangen geschickt bin? Bringe ich auf einmal so viel weg, daß es der Mühe wiederzukommen etwa nicht lohnt?

Nach der Wiedergeburtslehre ist es unser Los, auf dieser Erde zu leben, bis wir unsere Bestimmung erreicht haben: Gotteserkenntnis, welche ist Selbsterkenntnis. Der Tod ist keine Vernichtung; das Ich-Bewußtsein, unser eigentliches Wesen, tritt nur in einen anderen Körper. Auch der Selbstmörder entrinnt nicht, er schneidet nur den Lebensfaden ab, der nach unerbittlichen Gesetzen wieder angeknüpft werden muß.»

[ 46 ] — So Lessing. Das waren kräftige Worte. Das waren aber auch Worte eines Mannes, der die Bildung seiner Zeit in sich hatte und durch das, was ihm diese und das Christentum geben konnten, notwendig zu dieser Lehre von der Wiederverkörperung geführt wurde. Man sieht an dieser Stelle die eminente Bildung, man sieht den Geschichtskritiker. Aber nun sagt man, natürlich ist Lessing ein großer Mann; er hat den «Nathan» geschrieben und so weiter, das ist gut, aber, alt geworden, hat er sich solchen phantastischen Träumereien hingegeben wie der Lehre von der Wiedergeburt; da kann man nicht mitgehen. — Nun, da ist eben der Hofmeisternde viel gescheiter als Lessing in seinem Alter geworden ist. So mancher glaubt ja, daß er doch viel gescheiter ist als Lessing, den man sonst sogar als großen Mann gelten läßt. Man sollte wenigstens das Lächerliche einer solchen Anerkennung einsehen; einsehen, daß man hinstreben muß zu dem, wozu Lessing sich zuletzt durchgearbeitet hatte. Man sollte das Lächerliche einsehen, wenn man nicht mitgehen will bis zu dieser reifsten Frucht des Lessingschen Denkens, geschweige nicht zu gedenken dessen, was in dem neueren Geistesleben nachgekommen ist. Diese Menschen sprechen, ohne auf den eigentlichen Grundkern einzugehen, der schon dem neuen Geistesleben zugrunde gelegen hat, der aber für viele, die es interpretieren, ein Buch mit sieben Siegeln ist. — Nun, Wrangell sagt weiter:

[ 46 ] — So Lessing. Das waren kräftige Worte. Das waren aber auch Worte eines Mannes, der die Bildung seiner Zeit in sich hatte und durch das, was ihm diese und das Christentum geben konnten, notwendig zu dieser Lehre von der Wiederverkörperung geführt wurde. Man sieht an dieser Stelle die eminente Bildung, man sieht den Geschichtskritiker. Aber nun sagt man, natürlich ist Lessing ein großer Mann; er hat den «Nathan» geschrieben und so weiter, das ist gut, aber, alt geworden, hat er sich solchen phantastischen Träumereien hingegeben wie der Lehre von der Wiedergeburt; da kann man nicht mitgehen. — Nun, da ist eben der Hofmeisternde viel gescheiter als Lessing in seinem Alter geworden ist. So mancher glaubt ja, daß er doch viel gescheiter ist als Lessing, den man sonst sogar als großen Mann gelten läßt. Man sollte wenigstens das Lächerliche einer solchen Anerkennung einsehen; einsehen, daß man hinstreben muß zu dem, wozu Lessing sich zuletzt durchgearbeitet hatte. Man sollte das Lächerliche einsehen, wenn man nicht mitgehen will bis zu dieser reifsten Frucht des Lessingschen Denkens, geschweige nicht zu gedenken dessen, was in dem neueren Geistesleben nachgekommen ist. Diese Menschen sprechen, ohne auf den eigentlichen Grundkern einzugehen, der schon dem neuen Geistesleben zugrunde gelegen hat, der aber für viele, die es interpretieren, ein Buch mit sieben Siegeln ist. — Nun, Wrangell sagt weiter:

Daß auch Goethe am Glauben an eine Wiedergeburt hing, wissen wir aus den Mitteilungen Eckermanns und Boisser&es. Kant sagt in seinen «Vorlesungen über Psychologie»: «Der Anfang des Lebens ist die Geburt; dieses ist aber nicht der Anfang des Lebens der Seele, sondern des Menschen. Geburt, Leben und Tod sind also nur Zustände der Seele... Mithin bleibt die Substanz, wenngleich der Körper vergeht, und also muß auch die Substanz dagewesen sein, als der Körper entstand.»

Daß auch Goethe am Glauben an eine Wiedergeburt hing, wissen wir aus den Mitteilungen Eckermanns und Boisser&es. Kant sagt in seinen «Vorlesungen über Psychologie»: «Der Anfang des Lebens ist die Geburt; dieses ist aber nicht der Anfang des Lebens der Seele, sondern des Menschen. Geburt, Leben und Tod sind also nur Zustände der Seele... Mithin bleibt die Substanz, wenngleich der Körper vergeht, und also muß auch die Substanz dagewesen sein, als der Körper entstand.»

[ 47 ] Jetzt folgt das letzte Kapitel:

[ 47 ] Jetzt folgt das letzte Kapitel:

Kurze Zusammenfassung des Gedankenganges

Versuchen wir, den oben niedergelegten Gedankengang kurz zusammenzufassen.

Der Begriff des Gesetzmäßigen, der notwendigen Verkettung von Ursache und Wirkung im Geschehen, ist keine ursprüngliche Erkenntnis. Das unmittelbare Bewußtsein gibt uns im Gegenteil die Vorstellung der bedingten Freiheit.

Der Begriff des Gesetzmäßigen, worauf jede Wissenschaft beruht, trat dem Menschen zuerst wohl aus Beobachtung des zeitlich regelmäßigen Verlaufs der Himmelserscheinungen entgegen. Dann wurde dieser Begriff mit immer wachsendem Erfolge auf die Erscheinungen des Unbelebten angewandt (Physik, Chemie), dann auf das Belebte, schließlich auch auf das Geistige. Geprüft und unwiderruflich erwiesen kann der Begriff der Gesetzmäßigkeit nur an solchen Erscheinungen werden, die sich quantitativ bestimmen lassen, die gemessen werden können. Die Ausdehnung der Vorstellung der Notwendigkeit vom Stofflichen auch auf das Geistige ist eine Annahme, der man, nach Analogie mit dem Geschehen im Stofflichen, zwar eine gewisse Wahrscheinlichkeit zusprechen kann, die aber nicht bewiesen werden kann, weil der Prüfstein der Meßbarkeit hier fehlt. Zahlreiche, von urteilsfähigen Männern der Wissenschaft geprüfte Tatsachen gestatten es keinem wahrheitssuchenden Menschen, die Existenz geistiger Wesen zu leugnen, ohne den Nachweis zu führen, weshalb er die betreffenden Tatsachen und ihre Beweiskraft verwirft.

Die Grundlehren der Theosophie — Wiedergeburt und Karma widersprechen keiner wissenschaftlichen Tatsache, befriedigen den Verstand und genügen, besser als andere Lehren, der Grundlage jeder Sittlichkeit — der Forderung nach Gerechtigkeit.

Der Glaube an diese Grundannahmen muß den Menschen zum Ertragen unerwünschter Lebensschicksale stärken und das Streben nach dem Guten in ihm fördern.

Kurze Zusammenfassung des Gedankenganges

Versuchen wir, den oben niedergelegten Gedankengang kurz zusammenzufassen.

Der Begriff des Gesetzmäßigen, der notwendigen Verkettung von Ursache und Wirkung im Geschehen, ist keine ursprüngliche Erkenntnis. Das unmittelbare Bewußtsein gibt uns im Gegenteil die Vorstellung der bedingten Freiheit.

Der Begriff des Gesetzmäßigen, worauf jede Wissenschaft beruht, trat dem Menschen zuerst wohl aus Beobachtung des zeitlich regelmäßigen Verlaufs der Himmelserscheinungen entgegen. Dann wurde dieser Begriff mit immer wachsendem Erfolge auf die Erscheinungen des Unbelebten angewandt (Physik, Chemie), dann auf das Belebte, schließlich auch auf das Geistige. Geprüft und unwiderruflich erwiesen kann der Begriff der Gesetzmäßigkeit nur an solchen Erscheinungen werden, die sich quantitativ bestimmen lassen, die gemessen werden können. Die Ausdehnung der Vorstellung der Notwendigkeit vom Stofflichen auch auf das Geistige ist eine Annahme, der man, nach Analogie mit dem Geschehen im Stofflichen, zwar eine gewisse Wahrscheinlichkeit zusprechen kann, die aber nicht bewiesen werden kann, weil der Prüfstein der Meßbarkeit hier fehlt. Zahlreiche, von urteilsfähigen Männern der Wissenschaft geprüfte Tatsachen gestatten es keinem wahrheitssuchenden Menschen, die Existenz geistiger Wesen zu leugnen, ohne den Nachweis zu führen, weshalb er die betreffenden Tatsachen und ihre Beweiskraft verwirft.

Die Grundlehren der Theosophie — Wiedergeburt und Karma widersprechen keiner wissenschaftlichen Tatsache, befriedigen den Verstand und genügen, besser als andere Lehren, der Grundlage jeder Sittlichkeit — der Forderung nach Gerechtigkeit.

Der Glaube an diese Grundannahmen muß den Menschen zum Ertragen unerwünschter Lebensschicksale stärken und das Streben nach dem Guten in ihm fördern.

[ 48 ] Nun, meine lieben Freunde, so steht diese Broschüre vor uns als ein Dokument unserer Zeit, als der Ausdruck eines Menschen, der in der Durcharbeitung wissenschaftlicher Methoden fest darinnensteht und Zeugnis ablegen will dafür, daß man ein guter, vollbewußter Wissenschafter sein kann und gerade — nicht trotzdem, sondern eben deshalb — zu einer den Geist anerkennenden Weltanschauung kommen muß.

[ 48 ] Nun, meine lieben Freunde, so steht diese Broschüre vor uns als ein Dokument unserer Zeit, als der Ausdruck eines Menschen, der in der Durcharbeitung wissenschaftlicher Methoden fest darinnensteht und Zeugnis ablegen will dafür, daß man ein guter, vollbewußter Wissenschafter sein kann und gerade — nicht trotzdem, sondern eben deshalb — zu einer den Geist anerkennenden Weltanschauung kommen muß.

[ 49 ] Sie werden gerade aus den letzten Kapiteln der Broschüre des Herrn von Wrangell ersehen haben, daß er sich noch nicht sehr tief befaßt hat mit der Geisteswissenschaft, daß er nicht an den Unterschied herangetreten ist zwischen dem, was die Geisteswissenschaft will, und der dilettierenden Theosophie. Und daher ist es um so wichtiger zu sehen, wie jemand, der wissenschaftlich geschult ist, nach dem verlangt, was nur durch die Geisteswissenschaft wirklich gegeben werden kann, so daß man sagen kann: man hat durch eine solche Broschüre kennengelernt, wie ein vorurteilsloser Wissenschafter sich zu einer Geist anerkennenden Anschauung stellen kann.

[ 49 ] Sie werden gerade aus den letzten Kapiteln der Broschüre des Herrn von Wrangell ersehen haben, daß er sich noch nicht sehr tief befaßt hat mit der Geisteswissenschaft, daß er nicht an den Unterschied herangetreten ist zwischen dem, was die Geisteswissenschaft will, und der dilettierenden Theosophie. Und daher ist es um so wichtiger zu sehen, wie jemand, der wissenschaftlich geschult ist, nach dem verlangt, was nur durch die Geisteswissenschaft wirklich gegeben werden kann, so daß man sagen kann: man hat durch eine solche Broschüre kennengelernt, wie ein vorurteilsloser Wissenschafter sich zu einer Geist anerkennenden Anschauung stellen kann.

[ 50 ] Man kann noch andere Fäden ziehen und wir werden das gelegentlich tun. Wir werden uns dadurch weiter in die Sache hineinbegeben, um nicht nur in egoistischer Weise die Geisteswissenschaft zu pflegen, sondern sie wirklich als ein Kulturferment anzusehen und durch sie an dem Entwickelungsgange der Menschheit mitzuarbeiten. Das ist das außerordentlich Wichtige, daß wir uns angewöhnen, wirklich in allem mitzugehen.

[ 50 ] Man kann noch andere Fäden ziehen und wir werden das gelegentlich tun. Wir werden uns dadurch weiter in die Sache hineinbegeben, um nicht nur in egoistischer Weise die Geisteswissenschaft zu pflegen, sondern sie wirklich als ein Kulturferment anzusehen und durch sie an dem Entwickelungsgange der Menschheit mitzuarbeiten. Das ist das außerordentlich Wichtige, daß wir uns angewöhnen, wirklich in allem mitzugehen.

[ 51 ] Manchmal kann man in unseren Reihen eine bestimmte Erfahtung machen. Seien Sie nicht böse, wenn ich von dieser Erfahrung spreche, aber sie kann wirklich gemacht werden. Es gibt nämlich in unseren Reihen gewisse Mitglieder, die sagen: Öffentliche Vorträge, die sind für uns nicht wichtig —, und sie sagen das in einer Weise, aus der man sieht, wie sie nicht recht mitgehen. Sie sagen, die öffentlichen Vorträge, das ist nicht das Allerwichtigste; die Zweigvotträge ja, die sind für uns, aber über das, was die öffentlichen Vorträge geben, sind wir hinaus. — Und dabei ist es gerade so, daß die öffentlichen Vorträge eingerichtet sind für diejenigen, die einen Zusammenhang mit der Außenwelt haben. Und viel mehr wird Bezug genommen auf die zeitgenössische Wissenschaft in den öffentlichen Vorträgen als in den Privatvorträgen, die zeigen, wie sehr häufig zarte Rücksicht genommen werden muß darauf, daß man es nicht liebt, streng wissenschaftliche Fragen zugrunde zu legen. Und dieses Zarte-Rücksicht-Nehmen wird oftmals so interpretiert, daß man sagt: die öffentlichen Vorträge sind nicht so wichtig.

[ 51 ] Manchmal kann man in unseren Reihen eine bestimmte Erfahtung machen. Seien Sie nicht böse, wenn ich von dieser Erfahrung spreche, aber sie kann wirklich gemacht werden. Es gibt nämlich in unseren Reihen gewisse Mitglieder, die sagen: Öffentliche Vorträge, die sind für uns nicht wichtig —, und sie sagen das in einer Weise, aus der man sieht, wie sie nicht recht mitgehen. Sie sagen, die öffentlichen Vorträge, das ist nicht das Allerwichtigste; die Zweigvotträge ja, die sind für uns, aber über das, was die öffentlichen Vorträge geben, sind wir hinaus. — Und dabei ist es gerade so, daß die öffentlichen Vorträge eingerichtet sind für diejenigen, die einen Zusammenhang mit der Außenwelt haben. Und viel mehr wird Bezug genommen auf die zeitgenössische Wissenschaft in den öffentlichen Vorträgen als in den Privatvorträgen, die zeigen, wie sehr häufig zarte Rücksicht genommen werden muß darauf, daß man es nicht liebt, streng wissenschaftliche Fragen zugrunde zu legen. Und dieses Zarte-Rücksicht-Nehmen wird oftmals so interpretiert, daß man sagt: die öffentlichen Vorträge sind nicht so wichtig.

[ 52 ] In Wahrheit liegt etwas anderes vor. Es liegt auch diesen Dingen nur eine bestimmte Art von Egoismus zugrunde. Ich will keine Lanze brechen für die öffentlichen Vorträge, ich will nur das Haltlose anfechten, das viele Leute als Meinung haben. Man wird vielleicht in den Zweigvorträgen da oder dort leichter dieses oder jenes Zwischenglied vermissen können; aber die öffentlichen Vorträge müssen Glied für Glied gestaltet werden. Das lieben viele nicht, die mit ihrer Arbeit nicht in dem gesamten Kulturprozesse unserer Zeit darinnenstehen. Aber auf dieses Sich-Hineinstellen in den Kulturprozeß der Zeit, auf dieses Nicht-sich-Abschließen kommt es gerade an.

[ 52 ] In Wahrheit liegt etwas anderes vor. Es liegt auch diesen Dingen nur eine bestimmte Art von Egoismus zugrunde. Ich will keine Lanze brechen für die öffentlichen Vorträge, ich will nur das Haltlose anfechten, das viele Leute als Meinung haben. Man wird vielleicht in den Zweigvorträgen da oder dort leichter dieses oder jenes Zwischenglied vermissen können; aber die öffentlichen Vorträge müssen Glied für Glied gestaltet werden. Das lieben viele nicht, die mit ihrer Arbeit nicht in dem gesamten Kulturprozesse unserer Zeit darinnenstehen. Aber auf dieses Sich-Hineinstellen in den Kulturprozeß der Zeit, auf dieses Nicht-sich-Abschließen kommt es gerade an.

[ 53 ] Es ist natürlich auch leichter, von Engeln, Luzifer und Ahriman zu reden als von Elektronen, Ionen und so weiter. Aber nicht wahr, wir müssen uns schon einmal auch zum Bewußtsein bringen, daß wir die Fäden nach der gegenwärtigen Kultur hin durchaus ziehen müssen. Ich bitte Sie aber, die Sache nicht wieder einseitig zu nehmen, so als wenn ich Sie auffordern wollte, Sie sollen sich morgen die ganze wissenschaftliche Sammlung Göschen kaufen und sich hinsetzen, um alles das nach und nach zusammenzuochsen, wie die Studenten sagen würden. Das meine ich durchaus nicht. Ich meine nur, daß da, wo man maßgebend reden will über die Stellung der Geisteswissenschaft zu unserer Kultur, man auch ein Bewußtsein davon haben muß und namentlich nicht in den Fehler verfallen soll, zu sagen: diese äußere Wissenschaft ist ein blauer Dunst. Man kann ja als Einzelner sagen, man habe keine Zeit, sich damit zu befassen; aber der ganzen Einrichtung, dem ganzen Betriebe sollte durch das, was ich gesagt habe, eine gewisse Richtung gegeben werden. Und es sollte nicht Verwunderung erregen, daß die geisteswissenschaftliche Hochschule einzelne Zweige der Wissenschaft so betreiben will, daß sie nach und nach zur Geisteswissenschaft hinführen werden. Wir bedürfen doch draußen der materialistischen Kultur. Und diejenigen der Anthroposophen tun Unrecht, die sagen: Was schert mich die materialistische Kultur, die geht mich nichts an, die ist für grobklotzige Materialisten; ich pflege dasjenige, was man erlebt, wenn man träumt, wenn man nicht ganz recht bei vollem Bewußtsein ist; das andere geht mich nichts an, ich habe die Lehren von Reinkarnation und Karma und so weiter. — Auf der anderen Seite ist die Welt da draußen, die sagt: Wir haben die reale Wissenschaft, die ernsten und würdigen Methoden, und da kommen nun die Anthroposophen mit ihrer Geisteswissenschaft; das sind ja die reinsten Narren.

[ 53 ] Es ist natürlich auch leichter, von Engeln, Luzifer und Ahriman zu reden als von Elektronen, Ionen und so weiter. Aber nicht wahr, wir müssen uns schon einmal auch zum Bewußtsein bringen, daß wir die Fäden nach der gegenwärtigen Kultur hin durchaus ziehen müssen. Ich bitte Sie aber, die Sache nicht wieder einseitig zu nehmen, so als wenn ich Sie auffordern wollte, Sie sollen sich morgen die ganze wissenschaftliche Sammlung Göschen kaufen und sich hinsetzen, um alles das nach und nach zusammenzuochsen, wie die Studenten sagen würden. Das meine ich durchaus nicht. Ich meine nur, daß da, wo man maßgebend reden will über die Stellung der Geisteswissenschaft zu unserer Kultur, man auch ein Bewußtsein davon haben muß und namentlich nicht in den Fehler verfallen soll, zu sagen: diese äußere Wissenschaft ist ein blauer Dunst. Man kann ja als Einzelner sagen, man habe keine Zeit, sich damit zu befassen; aber der ganzen Einrichtung, dem ganzen Betriebe sollte durch das, was ich gesagt habe, eine gewisse Richtung gegeben werden. Und es sollte nicht Verwunderung erregen, daß die geisteswissenschaftliche Hochschule einzelne Zweige der Wissenschaft so betreiben will, daß sie nach und nach zur Geisteswissenschaft hinführen werden. Wir bedürfen doch draußen der materialistischen Kultur. Und diejenigen der Anthroposophen tun Unrecht, die sagen: Was schert mich die materialistische Kultur, die geht mich nichts an, die ist für grobklotzige Materialisten; ich pflege dasjenige, was man erlebt, wenn man träumt, wenn man nicht ganz recht bei vollem Bewußtsein ist; das andere geht mich nichts an, ich habe die Lehren von Reinkarnation und Karma und so weiter. — Auf der anderen Seite ist die Welt da draußen, die sagt: Wir haben die reale Wissenschaft, die ernsten und würdigen Methoden, und da kommen nun die Anthroposophen mit ihrer Geisteswissenschaft; das sind ja die reinsten Narren.

[ 54 ] Bei diesem Gegensatz darf es nicht bleiben, und von draußen kann nicht erwartet werden, daß die Vermittlung kommt. Die Vermittlung muß von innen kommen. Wir müssen verstehen und dürfen uns nicht aufs Faulbett legen und sagen: Wenn wir in die geistige Welt erst hinaufklettern müssen durch die Wissenschaft, das ist uns viel zu mühsam.

[ 54 ] Bei diesem Gegensatz darf es nicht bleiben, und von draußen kann nicht erwartet werden, daß die Vermittlung kommt. Die Vermittlung muß von innen kommen. Wir müssen verstehen und dürfen uns nicht aufs Faulbett legen und sagen: Wenn wir in die geistige Welt erst hinaufklettern müssen durch die Wissenschaft, das ist uns viel zu mühsam.

[ 55 ] Von der Bedeutung der materialistischen Kultur wollte ich sprechen und Sie auf dieselbe aufmerksam machen, denn ich habe es oftmals betont: der Materialismus kommt von Ahriman, aber Ahriman muß man kennen, geradeso wie man Luzifer kennen und mit ihm rechnen muß. Und die Trinität, die wir gestern am Modell anschauen konnten, ist dasjenige, mit dem sich die Menschheit wird bekanntmachen müssen.

[ 55 ] Von der Bedeutung der materialistischen Kultur wollte ich sprechen und Sie auf dieselbe aufmerksam machen, denn ich habe es oftmals betont: der Materialismus kommt von Ahriman, aber Ahriman muß man kennen, geradeso wie man Luzifer kennen und mit ihm rechnen muß. Und die Trinität, die wir gestern am Modell anschauen konnten, ist dasjenige, mit dem sich die Menschheit wird bekanntmachen müssen.

[ 56 ] Ich möchte noch einmal wiederholen: Versuchen Sie nicht die Außenwelt zu ärgern dadurch, daß Sie von einer neuen Religion sprechen. Wenn wir von der Gruppe als «Christus-Statue» sprächen, so würde das ein großer Fehler sein. Es genügt zu sagen: Da steht der Repräsentant der Menschheit. Jeder kann sehen, was da gemeint ist. Es ist wichtig, daß wir immer die richtigen Worte finden, das heißt, daß wir bedenken, wie wir uns hineinstellen sollen in die ganze Kulturwelt und dazu kommen wollen, die Sache mit den richtigen Worten zu bezeichnen. Das ist dasjenige, was immer wieder gesagt werden muß. Wir wollen nicht zu anderen sprechen: Da haben wir erst den richtigen Christus dargestellt. — Das mögen wir wissen und für uns behalten. Für uns ist es wichtig, den ganzen Segen der materialistischen Kultur einzusehen, sonst begehen wir denselben Fehler, den die anderen begehen, die nicht prüfen.

[ 56 ] Ich möchte noch einmal wiederholen: Versuchen Sie nicht die Außenwelt zu ärgern dadurch, daß Sie von einer neuen Religion sprechen. Wenn wir von der Gruppe als «Christus-Statue» sprächen, so würde das ein großer Fehler sein. Es genügt zu sagen: Da steht der Repräsentant der Menschheit. Jeder kann sehen, was da gemeint ist. Es ist wichtig, daß wir immer die richtigen Worte finden, das heißt, daß wir bedenken, wie wir uns hineinstellen sollen in die ganze Kulturwelt und dazu kommen wollen, die Sache mit den richtigen Worten zu bezeichnen. Das ist dasjenige, was immer wieder gesagt werden muß. Wir wollen nicht zu anderen sprechen: Da haben wir erst den richtigen Christus dargestellt. — Das mögen wir wissen und für uns behalten. Für uns ist es wichtig, den ganzen Segen der materialistischen Kultur einzusehen, sonst begehen wir denselben Fehler, den die anderen begehen, die nicht prüfen.

[ 57 ] Fragen wir uns, ob wir es nicht mit den anderen ebenso machen. Wir brauchen zwar mit dem wahren Urteil nicht zurückzuhalten, aber müssen verstehen, was draußen vorgeht. Dann werden wir auch in den richtigen Worten dem entgegentreten können, was draußen ist. Aber, meine lieben Freunde, wir werden viel, viel zu tun bekommen nach dieser Richtung, denn die Trägheit, von der ich heute gesprochen habe, ist sehr, sehr verbreitet und wir müssen den Mut finden, den Leuten zu sagen: Zu träge seid ihr, um euch in die Aktivität des Denkens zu begeben.

[ 57 ] Fragen wir uns, ob wir es nicht mit den anderen ebenso machen. Wir brauchen zwar mit dem wahren Urteil nicht zurückzuhalten, aber müssen verstehen, was draußen vorgeht. Dann werden wir auch in den richtigen Worten dem entgegentreten können, was draußen ist. Aber, meine lieben Freunde, wir werden viel, viel zu tun bekommen nach dieser Richtung, denn die Trägheit, von der ich heute gesprochen habe, ist sehr, sehr verbreitet und wir müssen den Mut finden, den Leuten zu sagen: Zu träge seid ihr, um euch in die Aktivität des Denkens zu begeben.

[ 58 ] Wenn wir verstehen, was draußen ist, dann dürfen wir auch starke Worte benützen, einen energischen Kampf aufnehmen. Aber wir müssen uns bekanntmachen damit und die Fäden zu der äußeren Kultur ziehen. Deshalb wollte ich auch ein Beispiel geben an der sehr verdienstvollen Wrangellschen Broschüre, die zeigt, wie jemand stark als Wissenschafter ist, aber sich nicht genügend mit der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung befaßt hat, jedoch dutch die ganze Richtung seiner Seele zur Geisteswissenschaft hinneigt.

[ 58 ] Wenn wir verstehen, was draußen ist, dann dürfen wir auch starke Worte benützen, einen energischen Kampf aufnehmen. Aber wir müssen uns bekanntmachen damit und die Fäden zu der äußeren Kultur ziehen. Deshalb wollte ich auch ein Beispiel geben an der sehr verdienstvollen Wrangellschen Broschüre, die zeigt, wie jemand stark als Wissenschafter ist, aber sich nicht genügend mit der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung befaßt hat, jedoch dutch die ganze Richtung seiner Seele zur Geisteswissenschaft hinneigt.

[ 59 ] Wir haben das Fädenziehen oft, zumeist an konkreten Persönlichkeiten gezeigt, und ich rate Ihnen, da, wo Zweige sind, das auch in Zusammenarbeit zu tun. Selbstverständlich kann das nicht die Arbeit von einem einzigen sein; da würde man nicht fertig werden. Sondern da muß einer sein, der meinetwillen eine Broschüre über die Euckensche Weltanschauung übernimmt und ein anderer nimmt eine Broschüre, die das Blut-, Muskel- und Nervensystem und so weiter zum Gegenstande hat und arbeitet sie mit den anderen durch. Das kann Zweigarbeit sein. Das kann dann so eingerichtet werden, daß man an einem Zweigabend rein geisteswissenschaftlich arbeitet und am nächsten dann eine solche Sache durchnimmt. Wenn der eine es an einem Tage getan hat, so kann es das andere Mal ein anderer tun. Es kann jeder an irgend etwas anknüpfen, was ihm irgendwie naheliegt. Und warum sollte einer, der gar keine wissenschaftliche Bildung hat, nicht auch an das oder jenes anknüpfen können? Es gibt Fragen des Leben, die auch an solche Dinge angeknüpft werden können. Es ist viel nützlicher, die Zeit zu solchen Studien zu benützen, als allerlei okkulte Vertracktheiten und Material aus Träumen herauszuholen, und das den Leuten zu erzählen. Es ist auch das nicht einseitig gemeint. Es soll nicht gesagt sein, daß man niemals von okkulten Erlebnissen sprechen könne; aber es handelt sich darum, die richtige Verbindungslinie zu ziehen. Es handelt sich nicht darum, die Wissenschaft der Sinne zu verachten, sondern sie zu beherrschen. Die Wissenschaft der Sinne soll nicht totgetreten oder vernichtet, sondern beherrscht werden.

[ 59 ] Wir haben das Fädenziehen oft, zumeist an konkreten Persönlichkeiten gezeigt, und ich rate Ihnen, da, wo Zweige sind, das auch in Zusammenarbeit zu tun. Selbstverständlich kann das nicht die Arbeit von einem einzigen sein; da würde man nicht fertig werden. Sondern da muß einer sein, der meinetwillen eine Broschüre über die Euckensche Weltanschauung übernimmt und ein anderer nimmt eine Broschüre, die das Blut-, Muskel- und Nervensystem und so weiter zum Gegenstande hat und arbeitet sie mit den anderen durch. Das kann Zweigarbeit sein. Das kann dann so eingerichtet werden, daß man an einem Zweigabend rein geisteswissenschaftlich arbeitet und am nächsten dann eine solche Sache durchnimmt. Wenn der eine es an einem Tage getan hat, so kann es das andere Mal ein anderer tun. Es kann jeder an irgend etwas anknüpfen, was ihm irgendwie naheliegt. Und warum sollte einer, der gar keine wissenschaftliche Bildung hat, nicht auch an das oder jenes anknüpfen können? Es gibt Fragen des Leben, die auch an solche Dinge angeknüpft werden können. Es ist viel nützlicher, die Zeit zu solchen Studien zu benützen, als allerlei okkulte Vertracktheiten und Material aus Träumen herauszuholen, und das den Leuten zu erzählen. Es ist auch das nicht einseitig gemeint. Es soll nicht gesagt sein, daß man niemals von okkulten Erlebnissen sprechen könne; aber es handelt sich darum, die richtige Verbindungslinie zu ziehen. Es handelt sich nicht darum, die Wissenschaft der Sinne zu verachten, sondern sie zu beherrschen. Die Wissenschaft der Sinne soll nicht totgetreten oder vernichtet, sondern beherrscht werden.