The Value of Thinking for Satisfying Our Quest for Knowledge
The Relationship Between the Spiritual Science and the Natural SciencesGA 164
4 October 1915, Dornach
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The Value of Thinking for Satisfying Our Quest for Knowledge, tr. SOL
Das Verhältnis der Geisteswissenschaft zur Naturwissenschaft V
The Relationship Between the Spiritual Science and the Natural Sciences V
[ 1 ] Wir sind in der Besprechung der Wrangellschen Broschüre bis zu dem Kapitelchen gekommen, das Seite 37 beginnt und betitelt ist «Materialismus». Ich werde dieses Kapitelchen zunächst lesen:
[ 1 ] In our discussion of Wrangell’s pamphlet, we have reached the short chapter that begins on page 37 and is titled “Materialism.” I will first read this short chapter:
Materialismus
Wie bereits früher gesagt, anerkennt die materialistische Auffassung nur solche Erkenntnis, welche durch Sinneswahrnehmungen und darauf begründete logische Schlußfolgerungen gewonnen werden kann, und leugnet die Realität okkulter Wahrnehmungen. Die Sinneswahrnehmungen der meisten Menschen liefern keine unmittelbaren Beweise für die Wirklichkeit geistiger Kräfte und Erscheinungen, welche nicht an materielle Körper gebunden sind. Daraus folgert der Materialist, daß die Annahme solcher, vom Stofflichen unabhängiger Kräfte und Wesen nicht gerechtfertigt sei, und erklärt die daraus zu ziehenden Schlüsse für wertlos. Es ist nach ihm das Weltgeschehen die notwendige Folge der im Stoff von Anbeginn vorhandenen Kräfte und Zustände, die nur ezzen Verlauf zulassen, und zwar, nach dem Gesetz der Zerstreuung der Energie, schließlich zum Zustande des Gleichgewichts, folglich des ewigen Todes führen müssen. Intellektuelle Aufgabe des Menschen sei es, die Gesetze zu erforschen, nach denen der Verlauf dieser Weltentwickelung vor sich geht, um möglichst geringe Leiden und Kraftvergeudung zu erdulden, indem man sich diesen Gesetzen anpaßt.
Wenn man die okkulten Beweise für das Vorhandensein geistiger Wesenheiten grundsätzlich verwirft, so läßt sich logisch nichts gegen die materialistische Auffassung einwenden.
Materialism
As stated earlier, the materialist view recognizes only that knowledge which can be gained through sensory perceptions and the logical conclusions based on them, and denies the reality of occult perceptions. For most people, sensory perceptions provide no direct evidence of the reality of spiritual forces and phenomena that are not bound to material bodies. From this, the materialist concludes that the assumption of such forces and beings—independent of the material world—is unjustified, and declares the conclusions drawn from it to be worthless. According to the materialist, world events are the necessary consequence of forces and states present in matter from the very beginning, which allow only this course of events and—in accordance with the law of the dissipation of energy—must ultimately lead to a state of equilibrium and, consequently, to eternal death. Man’s intellectual task, they argue, is to investigate the laws governing the course of this world’s development, so as to endure as little suffering and waste of energy as possible by adapting to these laws.
If one fundamentally rejects the occult evidence for the existence of spiritual beings, then logically there is nothing to object to in the materialist view.
[ 2 ] Wir sehen hier in der Tat mit einigen prägnanten Sätzen das Wesen des materialistischen Gedankenganges charakterisiert. Aber um zu einer Klarheit über die ganze Bedeutung der materialistischen Weltanschauung in unserer Zeit zu kommen, muß man eigentlich verschiedenes berücksichtigen.
[ 2 ] Here, indeed, we see the essence of materialist thought characterized in a few concise sentences. But in order to gain a clear understanding of the full significance of the materialist worldview in our time, one must actually take various factors into account.
[ 3 ] Man muß sich klar darüber sein, daß diejenigen, die in unserer Zeit ehrliche Materialisten geworden sind, es in der Tat schwer haben, zu einer spiritualistischen Weltanschauung zu kommen. Und wenn man von «ehrlichen» Gegnern des Spiritualismus spricht, so muß man unter ihnen eigentlich in erster Linie die theoretischen Materialisten ins Auge fassen, denn diejenigen Menschen, welche von vornherein, ich möchte sagen «gewerbsmäßig» diese oder jene Weltanschauung vertreten zu müssen glauben, brauchen ja nicht immer mit dem Prädikat «ehrliche» Vertreter einer Weltanschauung bezeichnet zu werden. Aber Ludwig Büchner zum Beispiel war ein ehrlicher Vertreter des Materialismus in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, ehrlicher als viele, die von irgendeinem, wie sie meinen, religiösen Gesichtspunkte aus sich zu Gegnern einer spirituellen Weltauffassung im Sinne der Geisteswissenschaft glauben machen zu müssen.
[ 3 ] One must realize that those who have become sincere materialists in our time do indeed find it difficult to arrive at a spiritualist worldview. And when one speaks of “honest” opponents of spiritualism, one must actually consider theoretical materialists first and foremost among them, for those people who, from the outset—I might say “professionally”—believe they must advocate this or that worldview do not always need to be designated as “honest” representatives of a worldview. But Ludwig Büchner, for example, was an honest advocate of materialism in the second half of the 19th century—more honest than many who, from what they consider to be religious perspectives, feel compelled to present themselves as opponents of a spiritual worldview in the sense of Spiritual Science.
[ 4 ] Nun, ich sagte, die Materialisten haben es schwer, zu einer spirituellen Weltauffassung zu kommen. Denn der Materialismus, so wie er uns heute entgegentritt bei denen, die da sagen: Ja, der Mensch hat eben seine Sinne und nimmt durch die Sinne die Welt wahr, er beobachtet die Vorgänge, die die Sinne verfolgen können und kann nicht auf Grundlage desjenigen, was ihm die Sinne darbieten, zu der Annahme einer geistigen Wesenheit kommen, die unabhängig von der Sinneswelt ist —, dieser Materialismus ist mit einer gewissen Notwendigkeit aus der Entwickelung der neueren Menschheit hervorgegangen, denn er fußt auf etwas, was in der Entwickelung der neueren Menschheit kommen mußte.
[ 4 ] Well, I said that materialists have a hard time arriving at a spiritual worldview. For materialism, as we encounter it today among those who say: “Yes, human beings simply have their senses and perceive the world through them, he observes the processes that the senses can follow and, based on what the senses present to him, cannot arrive at the assumption of a spiritual entity that is independent of the sensory world—this materialism has emerged with a certain inevitability from the development of modern humanity, for it is based on something that was bound to arise in the development of modern humanity.
[ 5 ] Wer sich die Mühe macht, das ältere Geistesleben der Menschheit zu studieren, der findet, daß dieses mit dem 14., 15., 16. Jahrhundert bei den eigentlichen Kulturvölkern an einem Ende angekommen war. Man braucht heute nur wirklich sich mit dem auseinanderzusetzen, was die Gegenwart dem Bewußtsein des Menschen geben kann und dann ein Buch in die Hand zu nehmen, das in bezug auf seine Auffassung noch ganz darinnensteht in der Art und Weise, wie man die Welt naturwissenschaftlich betrachtet hat im 13., 14., 15. Jahrhundert, und man wird finden, daß der gegenwärtige Mensch, wenn er die Dinge ernst und würdig nimmt, kein richtiges Verständnis mehr hat und haben kann für das, was in der älteren Literatur bis zu dem gekennzeichneten Wendepunkte wirklich gesagt wird.
[ 5 ] Anyone who takes the trouble to study humanity’s earlier spiritual life will find that, among the truly cultured peoples, it had come to an end by the 14th, 15th, and 16th centuries. One need only truly engage today with what the present can offer human consciousness and then pick up a book that, in terms of its perspective, is still entirely rooted in the way the world was viewed through the lens of natural science in the 13th, 14th, 15th centuries, and one will find that modern people, if they take things seriously and with dignity, no longer have—and cannot have—a proper understanding of what was actually said in older literature up to the turning point indicated.
[ 6 ] Allerdings, es kommt ja vor, aber doch eigentlich nur bei denjenigen, die Dilettanten sind, ja sogar bei denjenigen, die noch nicht einmal Dilettanten geworden sind, daß sie immer wieder und wieder aus dieser älteren Literatur alle möglichen Schmöker ausgraben, die da über Naturwissenschaft handeln und dann zu allerlei Urteilen kommen über das, was darinnen tiefsinnig enthalten sein soll. Aber wer etwas auf wahre Beziehungen hält zu dem, was man sich aneignet, der wird finden müssen, daß der gegenwärtige Mensch eigentlich wirklich wahre Beziehungen zu dieser älteren Art der Naturanschauung nicht haben kann. Anders ist es mit der philosophischen Anschauung. Aber gerade mit der Naturanschauung der älteren Zeit kann der heutige Mensch eigentlich nichts anfangen, denn alle Begriffe, die er sich über die Natur bilden kann, sind ja erst ein paar Jahrhunderte alt, und mit diesen muß man heute an die Natur herangehen. Unsere physikalischen Begriffe gehen im Grunde genommen alle auf die galileische Weltanschauung zurück und auf nichts Früheres. Man muß schon ein ausgebreitetes historisch-wissenschaftliches Studium entfalten, wenn man sich auf frühere naturwissenschaftliche Werke einläßt, denn das genaue Durchforschen der stofflichen Welt, der äußeren Sinneswelt, in deren Strömung wir uns heute darinnen befinden, hat ja eigentlich erst seit einigen Jahrhunderten begonnen.
[ 6 ] Admittedly, it does happen—though really only among those who are dilettantes, or even among those who have not yet become dilettantes—that they repeatedly dig up all sorts of old tomes from this older literature that deal with the natural sciences, and then arrive at all manner of judgments about what is supposedly profoundly contained within them. But anyone who values a genuine connection to what they are learning will have to conclude that modern people cannot truly have a genuine connection to this older way of viewing nature. The situation is different with the philosophical view. But modern people really cannot make sense of the older view of nature, for all the concepts they can form about nature are, after all, only a few centuries old, and it is with these that we must approach nature today. Our physical concepts all trace back, fundamentally, to the Galilean worldview and to nothing earlier. One must undertake an extensive historical-scientific study if one is to engage with earlier works of natural science, for the precise investigation of the material world—the external sensory world—in whose current we find ourselves today has, in fact, only begun in the last few centuries.
[ 7 ] Erinnern Sie sich, daß wir gerade in Anlehnung an das Wrangellsche Büchelchen über das Messen gesprochen haben. Zum Messen gehört auch das Wiegen, wie wir gesehen haben. Das Wiegen aber als ein Instrument einzuführen in die naturwissenschaftlichen Methoden, ist erst üblich etwa seit Lzvozszer, in dieser Art also noch nicht über 150 Jahre alt, und alle Grundvorstellungen zum Beispiel der heutigen Chemie beruhen ja auf diesem Wiegen.
[ 7 ] Remember that we were just discussing measurement, drawing on Wrangell’s little booklet. As we have seen, weighing is also part of measurement. However, the introduction of weighing as a method in the natural sciences has only been common practice since Lzvozszer—in this form, it is not yet 150 years old—and all the fundamental concepts of, for example, modern chemistry are based on this weighing.
[ 8 ] Wiederum, wenn wir heute uns Vorstellungen bilden wollen zum Beispiel über die Wirkungsweise elektrischer Kräfte oder auch nur von Wärmekräften, so müssen es solche sein, die mit der Forschung aus der letzten Hälfte des 19. Jahrhunderts rechnen. Mit den älteren Vorstellungen kann der heutige Mensch nicht mehr zurechtkommen. Ebenso könnte man auch in bezug auf die biologische Wissenschaft sprechen. Wer allerdings den Entwickelungsgang der Wissenschaft kennen muß, müßte auch die ältere Literatur kennenlernen; aber wir, die wir Geisteswissenschaft ernst pflegen wollen, müssen uns abgewöhnen, was einem bei sogenannten Theosophen so oft entgegentreten kann. Ich habe öfters davon gesprochen, daß ich zum Beispiel in Wien in den achtziger Jahren eine Theosophengemeinde kennengelernt habe. Da war es geradezu eine Art von Usus, alle möglichen alten Schmöker herauszusuchen und darin Dinge nachzulesen, die man wirklich wenig verstanden hat, weil im Grunde genommen ziemlich viel dazu gehört, ein naturwissenschaftliches Werk zum Beispiel des 14. Jahrhunderts zu lesen. Aber die Leute bildeten sich Urteile. Diese Urteile lauteten zwar immer ziemlich gleich. Nämlich, wenn wieder einer vorgab, einen solchen Schmöker gelesen zu haben — er hat ihn zwar nur durchgeblättert —, dann sagte er «abgrundartig tief. So oder ähnlich lauteten die Urteile. Ich habe am Ende der achtziger Jahre kein Wort so oft gehört verhältnismäßig selbstverständlich — wie das Wort «abgrundartig tief». Natürlich habe ich auch oft das Wort «Untiefen» gehört.
[ 8 ] Again, if we want to form mental images today—for example, about how electrical forces work, or even just thermal forces—they must be based on research from the latter half of the 19th century. People today can no longer make sense of the older mental images. The same could be said with regard to the biological sciences. However, anyone who needs to understand the course of scientific development would also have to familiarize themselves with the older literature; but we, who wish to seriously pursue Spiritual Science, must break the habit of what one so often encounters among so-called Theosophists. I have often spoken of how, for example, I became acquainted with a Theosophical community in Vienna in the 1880s. There, it was practically a custom to dig out all sorts of old tomes and read through them for things one really understood very little of, because, after all, it takes quite a bit of effort to read a scientific work from, say, the 14th century. But people formed their own opinions. These opinions were always pretty much the same. Namely, whenever someone claimed to have read such a tome—even though they’d only skimmed through it—they’d say, “abysmally deep.” That’s how the opinions went, or something along those lines. Toward the end of the 1980s, I never heard a word used so often—and with such matter-of-factness—as the phrase “abysmally deep.” Of course, I also often heard the word “shallows.”
[ 9 ] Dasjenige, was man ins Auge fassen muß, das ist die große Bedeutung der Anschauungen, Begriffe und Vorstellungen, welche unter dem Einfluß der Anschauungen der letzten Jahrhunderte gewonnen worden sind. Wenn man die Erklärungen über die mechanischen Grundbegriffe erfahren hat, die Fülle der physikalischen, chemischen, biologischen Begriffe ins Auge faßt und auch manches, was zusammengetragen worden ist, um zu sehen, wie sich das Seelische in dem äußeren physischen Körper ausdrückt, so haben wir als Ergebnis der letzten Jahrhunderte, und namentlich der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts, ein ungeheuer ausgebreitetes Forschungsergebnis vor uns. Und dieses Forschungsergebnis muß man notwendigerweise gewinnen, nicht bloß deshalb, weil darauf alles äußere, technische, wirtschaftliche, materielle Leben beruht, zu dem es schon einmal die Menschheit bringen mußte, sondern weil darauf auch ein großer Teil unserer Weltanschauungsvorstellungen beruht. Und man ist doch eigentlich — auch wenn es in gewisser Beziehung auf einem eingeschränkten Felde nichts schadet, aber wahr ist es doch —, man ist doch eigentlich auf einem solchen Weltanschauungsgebiete wie dem der heutigen Wissenschaft ein heuriger Hase, wenn man nichts weiß von der heutigen Physik, Biologie und so weiter, wie sie sich herausgebildet haben.
[ 9 ] What one must bear in mind is the great significance of the views, concepts, and mental images that have been developed under the influence of the views of the past centuries. Once one has familiarized oneself with the explanations of the fundamental mechanical concepts, taken in the wealth of physical, chemical, and biological concepts, and also considered some of what has been compiled to understand how the soul expresses itself in the external physical body, we find before us, as the result of the past centuries—and particularly the second half of the last century—an immensely extensive body of research findings. And this body of research findings must necessarily be grasped, not merely because all external, technical, economic, and material life—to which humanity has already had to advance—is based upon it, but also because a large part of our worldview is based upon it. And yet one is actually—even if, in a certain respect, this does no harm within a limited field, though it is nonetheless true—one is actually a complete novice in a field of worldview such as that of modern science if one knows nothing of modern physics, biology, and so on, as they have developed.
[ 10 ] Gewiß, es muß immer wieder betont werden, daß die Forschungsergebnisse der Geisteswissenschaft auf Grundlage jener Wahrnehmungsfähigkeiten gewonnen werden, von denen oftmals gesprochen worden ist. Sie können nicht auf demselben Wege, obwohl mit derselben Sicherheit, wie die naturwissenschaftlich-materialistischen Resultate, gewonnen werden. Und selbstverständlich ist — wenn man sich demjenigen ergibt, was gestern angedeutet worden ist — diese Geisteswissenschaft eine Realität. Aber für unsere heutige Zeit, für unsere Gegenwart ist noch viel mehr notwendig, als nur irgendwie eine spirituelle Beziehung zu haben zu den geisteswissenschaftlichen Resultaten, die von dem gesunden Menschenverstande durchaus begriffen werden können. Viel notwendiger als irgendwie Fetzen der geistigen Welt zu erhaschen, ist es, sich mit der materialistischen Weltanschauung bekanntzumachen, wenigstens mit einem Ausschnitt, um vor der Außenwelt heute wirklich vertreten zu können, was die Geisteswissenschaft will. Denn man kann nicht vor die Welt hintreten und die Geisteswissenschaft wahrhaft vertreten, wenn man keine Ahnung hat von der Art und Weise, wie der Wissenschafter heute forscht, wie er denken muß und wie er das Forschen neben dem Klären handhaben muß. Und wenn man immer wieder verschmäht, ein naturwissenschaftliches Buch in die Hand zu nehmen, um sich mit der Naturwissenschaft von heute bekanntzumachen, so wird man es niemals vermeiden können, beim Vertreten der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung Tapsigkeiten zu begehen gegenüber dem, was der Bodensatz der äußeren Weltanschauung ist. Es ist heute auch viel weniger wichtig, auf die überlieferten Religionssysteme hinzuhören, als auf die ehrlich gewonnenen ehrwürdigen Resultate materialistischer Forschung. Man muß sich nur in richtiger Weise zu diesen materialistischen Forschungsergebnissen stellen können.
[ 10 ] Certainly, it must be emphasized time and again that the findings of Spiritual Science are derived from those perceptual abilities that have often been discussed. They cannot be obtained in the same way—though with the same certainty—as the findings of natural science and materialism. And of course—if one accepts what was hinted at yesterday—this Spiritual Science is a reality. But for our time today, for our present, much more is necessary than merely having some kind of spiritual connection to the findings of Spiritual Science, which can certainly be understood by common sense. Far more necessary than merely catching glimpses of the spiritual world is to familiarize oneself with the materialistic worldview—at least in part—so that one can truly represent what Spiritual Science stands for to the outside world today. For one cannot step before the world and truly represent Spiritual Science if one has no idea of the way in which scientists conduct research today, how they must think, and how they must balance research with clarification. And if one repeatedly refuses to pick up a book on the natural sciences to familiarize oneself with today’s natural sciences, one will never be able to avoid making blunders when representing the Spiritual Science worldview in the face of what constitutes the dregs of the external worldview. Today, it is also far less important to listen to traditional religious systems than to the honestly obtained, venerable results of materialistic research. One must simply be able to approach these materialistic research findings in the right way.
[ 11 ] Nehmen wir, nur um zu zeigen, um was es sich in dem gegenwärtigen Augenblicke handelt, irgendein Gebiet heraus; nehmen wir einmal das Gebiet der menschlichen Anatomie und Physiologie. Wenn man heute irgendein gebräuchliches Buch zur Hand nimmt und ich habe im Verlaufe der vielen Zyklen immer solche Bücher empfohlen —, so wird sich einem ein Bild ergeben, wie sich der heutige Physiologe seine Vorstellungen über den Bau des menschlichen Leibes aufbaut unter Zugrundelegung des Knochensystems, des Knorpel-, Sehnen-, Muskelsystems, des Nerven-, Blut-, Sinnes-, Hauptsystems und so weiter. Und es wird sich ein Bild ergeben, wie sich die heutigen in den materialistischen Gedanken lebenden Menschen das Zusammenwirken, sagen wir des Herzens und der Lunge, und wiederum des Herzens mit den anderen Gefäßsystemen des Leibes vorstellen. Da kann sich einem dann eine Antwort ergeben auf die Frage: Wie stellt sich eigentlich heute ein Mensch, der sich seine Begriffe aus der materialistischen Forschung heraus angeeignet hat, zu diesen Dingen? Welche Vorstellungen hat er da eigentlich in sich leben? — Und da muß man sagen: Es sind schon bedeutungsvolle Vorstellungen gewonnen worden; Vorstellungen, die so gewonnen werden mußten, daß man wirklich einmal absah von allem Spirituellen, von allem Hineintragen spiritueller Gedanken in die Forschung. Man mußte sich nun einmal einlassen auf das materielle Gebiet, so wie es sich, wie man im Populären sagt, den fünf Sinnen darbietet und auf den Zusammenhang, der sich den fünf Sinnen ergibt. Man mußte schon einmal so die Welt durchschauen, und vieles ist noch zu tun auf diesem Gebiete, auf allen möglichen Feldern naturwissenschaftlicher Forschung.
[ 11 ] Let us, just to illustrate what is at stake at this very moment, single out any field; let us take, for example, the field of human anatomy and physiology. If you pick up any standard textbook today—and I have consistently recommended such books over the course of many cycles—you will get a picture of how today’s physiologists construct their mental images of the structure of the human body based on the skeletal system, the cartilaginous, tendinous, and muscular systems, the nervous, circulatory, sensory, and central nervous systems, and so on. And a mental image will emerge of how people today, living within materialistic thought, conceive of the interaction—let us say—between the heart and the lungs, and again between the heart and the body’s other vascular systems. This may then lead to an answer to the question: How does a person today, who has acquired their concepts from materialistic research, actually view these things? What mental images actually live within them? — And here one must say: Significant insights have indeed been gained; mental images that had to be gained by truly setting aside everything spiritual, by refraining from introducing spiritual ideas into research. One simply had to engage with the material realm as it presents itself—as the popular saying goes—to the five senses, and with the context that arises from the five senses. One really had to look through the world in this way, and much remains to be done in this area, in all possible fields of scientific research.
[ 12 ] Nun aber nehmen Sie einmal an, Sie haben sich ein solches Bild vom Aufbau des menschlichen Leibes angeeignet, wie es sich der Anatom und Physiologe heute machen, dann werden Sie finden, daß der Anatom und der Physiologe sagen: Nun ja, der Mensch baut sich auf aus verschiedenen Organen und Organsystemen, und diese wirken in einer gewissen Weise zusammen.
[ 12 ] But now suppose you have acquired an understanding of the structure of the human body similar to that held by anatomists and physiologists today; then you will find that anatomists and physiologists say: Well, the human body is composed of various organs and organ systems, and these work together in a certain way.
[ 13 ] Sehen Sie, wenn heute der Anatom, der Physiologe redet und seine Vorstellungen zu einem Gesamtbilde des Menschen zusammenfaßt, dann bleibt innerhalb dieses Bildes, demselben zugrunde liegend die sinnliche Beobachtung. Daraus ergeben sich ganz bestimmte Vorstellungen, die man aufnehmen kann. Zu denen muß man sich aber in der richtigen Weise stellen. Ich kann das vielleicht durch einen Vergleich klarmachen. Es könnte zum Beispiel jemand sagen: Ich will Raffael kennenlernen, wie muß ich das machen? — Da würde ich ihm sagen: Wenn du Raffael kennenlernen willst, dann versuche dich einmal in die Bilder von Raffael zu vertiefen; studiere von den Mailänder Bildern die Hochzeit des Joseph und der Maria, weiter die verschiedenen Bilder bis zur Sixtinischen Madonna, bis zur Himmelfahrt, und mache dir einen Begriff davon, wie Raffael versucht hat, die Gestalten im Raume zu verteilen, wie er versucht hat, Licht und Schatten zu verteilen, den einen Platz im Bilde auf Kosten des anderen zu beleben, das eine hervor-, das andere zurücktreten zu lassen und so weiter, dann wirst du etwas über Raffael wissen. Dann wirst du die Vorbereitung vielleicht haben, noch mehr über Raffael kennenzulernen, dann wirst du allmählich ein Bild bekommen von der Konfiguration von Raffaels Seele, von dem, was er gewollt hat, aus welchen Quellen seines Gemütes die Schöpfungen hervorgegangen sind. — Man könnte sich nun vorstellen, daß jemand kommt und sagt: Ach, die Bilder anzuschauen, das paßt mir nicht, ich bin ein Hellseher und schaue direkt in Raffaels Seele, schaue, wie Raffael geschaffen hat und rede dann über Raffael. — Ich kann mir denken, daß jemand kommt und sagt: Ich brauche überhaupt nichts von Raffael zu sehen, sondern vertiefe mich direkt in die Seele von Raffael. — Selbstverständlich würde das in der Raffael-Forschung für einen Unsinn gehalten, aber auf dem Gebiete der Geisteswissenschaft wird das viel, viel geübt, trotz der vielen Ermahnungen in all den Jahren, in denen wir Geisteswissenschaft treiben. Man konnte sehen, wie wenige sich veranlaßt sahen, die Literatur, die im Laufe der Vortragszyklen erwähnt worden ist, zu benützen und so zu benützen, daß man von dem, was die materialistische Forschung geliefert hat, Bilder bekommt.
[ 13 ] You see, when an anatomist or physiologist speaks today and synthesizes his mental images into an overall picture of the human being, sensory observation remains the foundation of that picture. This gives rise to very specific mental images that one can take in. But one must approach them in the right way. Perhaps I can clarify this with a comparison. For example, someone might say: “I want to get to know Raphael—how should I go about it?” — To that I would say: “If you want to get to know Raphael, then try immersing yourself in Raphael’s paintings; study, among the Milanese works, *The Marriage of Joseph and Mary*, and then the various other paintings up to the *Sistine Madonna* and *The Ascension*, and get a sense of how Raphael sought to arrange the figures in space, how he sought to distribute light and shadow, to bring one part of the painting to life at the expense of another, to make one element stand out while letting another recede, and so on—then you will know something about Raphael. Then you may be prepared to learn even more about Raphael; then you will gradually gain a picture of the makeup of Raphael’s soul, of what he intended, and from which sources within his mind his creations sprang. — One could now have a mental image of someone coming along and saying: Oh, looking at the paintings—that’s not for me; I’m a clairvoyant and look directly into Raphael’s soul, see how Raphael created, and then speak about Raphael. — I can imagine someone coming along and saying: “I don’t need to see anything of Raphael at all; instead, I immerse myself directly in Raphael’s soul.” — Of course, in Raphael scholarship this would be considered nonsense, but in the field of Spiritual Science it is practiced far, far too often, despite the many warnings over all the years we have been engaged in Spiritual Science. One could see how few felt compelled to make use of the literature mentioned in the course of the lecture cycles—and to use it in such a way as to gain insights from what materialistic research has produced.
[ 14 ] Aber so, wie man nun fehlgehen würde, wenn man beim Bilde stehenbliebe und nicht zum Seelischen, das durch das Bild zum Ausdruck kommt, fortschreiten wollte, so bleibt der Materialist stehen. Was man dem Materialisten sagen könnte, ist beispielsweise das: Ja, du betrachtest ein Bild, aber du beachtest nicht, daß du das, was du betrachtest, als äußere Offenbarung eines geistigen Inneren ins Auge fassen solltest. — Aber es ist richtig, daß die materialistische Forschung ein ungeheuer reiches Material zusammengetragen hat. Wenn man das als äußere Offenbarung eines geistigen Inneren betrachtet, ist man auf dem richtigen Wege. Der Materialist begeht nur den Fehler, daß er das Materielle hat und nicht gelten lassen will, daß es der Ausdruck eines Geistigen ist. Aber andererseits muß man immer im Unrecht bleiben, wenn man irgend etwas Geistiges behauptet und einem der Materialist Dinge sagt, von denen man keine Ahnung hat. Selbstverständlich kann man das reiche Gebiet der Forschung überblicken und doch von sehr vielem keine Ahnung haben; aber von der Art und Weise, wre die Dinge gewonnen werden, muß man eine Vorstellung haben. Und wenn unsere Hochschule für Geisteswissenschaft dazu dienen wird, daß eine Anzahl von Menschen, die sich mit dem einen oder anderen Gebiete befaßt haben, interpretieren werden die materialistischen Grundvoraussetzungen, die man nach der heutigen Entwickelung haben muß, dann wird unsere Hochschule für Geisteswissenschaft sehr viel leisten.
[ 14 ] But just as one would be mistaken to stop at the image and not proceed to the spiritual aspect expressed through it, so too does the materialist stop there. What one might say to the materialist, for example, is this: Yes, you are looking at a picture, but you fail to realize that you should regard what you are looking at as the outward manifestation of a spiritual inner reality. — But it is true that materialist research has amassed an immensely rich body of material. If one regards this as the outward manifestation of a spiritual inner reality, one is on the right path. The materialist simply makes the mistake of having the material before him and refusing to accept that it is the expression of something spiritual. But on the other hand, one is bound to be in the wrong if one asserts anything spiritual and the materialist tells one things about which one has no idea. Of course, one can survey the vast field of research and yet have no idea about a great deal; but one must have a mental image of the way in which things are obtained. And if our School of Spiritual Science serves to enable a number of people who have studied one field or another to interpret the materialistic basic premises that one must accept in light of today’s developments, then our School of Spiritual Science will accomplish a great deal.
[ 15 ] Wir könnten es heute schon durchaus so machen, zu sagen: Dasjenige, was in unseren Zyklen an Material niedergelegt ist, könnte genügen; wir könnten damit abschließen und die nächste Zeit dazu verwenden, unseren Freunden vorzuführen den materiellen Grundstock von Voraussetzungen, die da sein müssen. Man wird dann schon sehen, wenn man die heutige Physik, Chemie und Biologie in entsprechender Weise betrachten wird, daß sich das, was in unseren Zyklen steht, ergeben wird. Dann würde man sich in der richtigen Weise zu dem Materialismus gestellt haben.
[ 15 ] We could certainly do it this way today: say that the material set forth in our cycles might be sufficient; we could conclude with that and use the coming period to present to our friends the material foundation of the prerequisites that must be in place. It will then become clear, when one considers today’s physics, chemistry, and biology in the appropriate way, that what is set forth in our cycles will be confirmed. Then one would have taken the correct stance toward materialism.
[ 16 ] Man geht ganz fehl, meine lieben Freunde, wenn man davon redet, der Materialismus sei falsch. Was ist das für ein Unsinn! Zu sagen, der Materialismus ist falsch, das ist ebenso wie wenn man sagen wollte: Die Sixtinische Madonna hat hier Blau, da Rot, das ist doch falsch, das ist doch nur Materie. — Der Materialismus hat auf seinem Gebiete recht; und wenn man nimmt, was er beigesteuert hat zum menschlichen Wissen, so ist das etwas Ungeheures. Man braucht nicht den Materialismus zu bekämpfen, sondern nur an der Entwickelung aufzuzeigen, wie der Materialismus, wenn er sich selber versteht, über sich hinausführt, so wie ich gezeigt habe, wie die Anatomie und die Physiologie über sich selber hinausführen und notwendig in das geistige Gebiet hineinführen.
[ 16 ] You are completely mistaken, my dear friends, when you say that materialism is wrong. What nonsense! To say that materialism is wrong is just like saying: The Sistine Madonna has blue here and red there—that’s wrong, after all, it’s just matter. — Materialism is right within its own domain; and when one considers what it has contributed to human knowledge, it is something immense. There is no need to fight materialism, but only to demonstrate, in the course of development, how materialism—when it understands itself—leads beyond itself, just as I have shown how anatomy and physiology lead beyond themselves and necessarily lead into the spiritual realm.
[ 17 ] Man kann nur fragen: Warum gibt es so viele Leute, die, statt den Materialismus als bloße Forschungsmethode gelten zu lassen, bei ihm als einer Weltanschauung stehenbleiben? — Das Richtige wäre zu sagen, daß es heute in der Tat etwas völlig Vertracktes und Törichtes wäre, wenn man Alchemie statt Chemie betriebe; man muß heute Chemie betreiben und nicht Alchemie wie im 12. Jahrhundert. Das ist selbstverständlich. Aber es ist nötig, aus der heutigen Forschung heraufzusteigen in das geistige Leben. Wenn unsere Freunde sich nur die Mühe nehmen würden, das kleine Büchelchen «Haeckel und seine Gegner» durchzustudieren, so würden sie finden, daß alle die Gedanken, die da zugrunde liegen, von dem biogenetischen Grundgesetz beherrscht sind. Es ist schon bezeichnend, daß wir gerade von diesem Schriftchen «Haeckel und seine Gegner» es noch nicht bis zu einer zweiten Auflage gebracht haben. Und doch ist es außerordentlich wichtig, daß man sich informiert, wenn auch nicht über die letzten Forschungsresultate — man braucht diese ja nicht unbedingt im einzelnen zu kennen —, aber über die Art und Weise, wie der Forscher verfährt und wie er sich nach seiner Fotschungsmethode richtet. Das ist von außerordentlicher Wichtigkeit.
[ 17 ] One can only ask: Why are there so many people who, instead of accepting materialism as a mere research method, treat it as a worldview? — It would be correct to say that today it would indeed be something completely convoluted and foolish to practice alchemy instead of chemistry; today one must practice chemistry and not alchemy as in the 12th century. That goes without saying. But it is necessary to rise from today’s research into spiritual life. If our friends would only take the trouble to study the little booklet *Haeckel and His Opponents*, they would find that all the ideas underlying it are governed by the biogenetic law. It is indeed telling that we have not yet managed to bring this very booklet, *Haeckel and His Opponents*, to a second edition. And yet it is extraordinarily important to be informed—if not about the latest research results (after all, one does not necessarily need to know these in detail)—then at least about the manner in which the researcher proceeds and how he adheres to his research method. This is of extraordinary importance.
[ 18 ] Wenn jemand sagt: Das Buch brauche ich nicht zu studieren, wozu habe ich das nötig, für mich ist die geistige Welt von vornherein eine Klarheit; ich brauche nicht die ganze Leiter hinaufzukriechen —, wenn jemand das sagt, so ist er heute ein Egoist, der nur mit sich rechnet und nicht beachtet, was die Zeit für Anforderungen an uns stellt. Aber darauf müssen wit achten, wenn wir dem Geist der Zeit Dienste leisten wollen. Es ist außerordentlich wichtig, daß wit gerade dieses ins Auge fassen. Gewiß hat man ein Recht zu sagen, wozu brauche ich eine wissenschaftliche Grundlage, für mich ist die geistige Welt klar. Das kann wahr sein. Aber will man auf dem Gebiete der geistigen Welt etwas lernen — man kann es selbstverständlich so machen, daß man interpretiert, was da ist —, will man aber etwas lernen, so muß man sich mit dem, was in der materialistischen Wissenschaft da ist, bekanntmachen.
[ 18 ] If someone says, “I don’t need to study this book; why would I need to? For me, the spiritual world is clear from the very beginning; I don’t need to climb the whole ladder”—if someone says that, then they are an egoist today, someone who thinks only of themselves and pays no heed to the demands the times place upon us. But we must pay attention to this if we want to serve the spirit of the times. It is extremely important that we keep precisely this in mind. Certainly, one has the right to say, “Why do I need a scientific foundation? For me, the spiritual world is clear.” That may be true. But if one wants to learn something in the realm of the spiritual world—one can, of course, do so by interpreting what is there—but if one wants to learn something, one must familiarize oneself with what materialistic science has to offer.
[ 19 ] Andererseits muß man fragen: Wie kommt es, daß es viele Anatomen, Physiologen, Physiker, Chemiker und so weiter heute gibt als Naturforscher, und sogar solche, welche sich Experimentalpsychologen nennen, daß diese den Materialismus nicht als Forschungsmethode, sondern als Weltanschauung festhalten wollen? Da muß man ganz ehrlich den Mut zu der Antwort haben: Um materialistisch zu forschen, dazu gehört nur, daß man auf die Welt hinstarrt mit den fünf Sinnen und die äußeren Methoden handhabt. Man braucht sich der Welt nur passiv hinzugeben, dann steht man fest. Irgendeine Pflanze zu zerzupfen, die Staubgefäße zu zählen, das Mikroskop zu nehmen, einen Querschnitt zu färben, um dann die Struktur zu studieren und so weiter — ich könnte selbstverständlich noch vieles aufzählen —, dazu bringen es die Leute. Da braucht man sich nur hinzustellen, nur passiv zu sein und die Natur auf sich wirken zu lassen. Man läßt sich von der Natur gängeln.
[ 19 ] On the other hand, one must ask: How is it that there are so many anatomists, physiologists, physicists, chemists, and so on today—natural scientists, and even those who call themselves experimental psychologists—who wish to uphold materialism not as a research method, but as a worldview? One must have the courage to answer this quite honestly: To conduct research in a materialistic way, all one needs to do is stare at the world with the five senses and apply external methods. One need only passively surrender to the world, and then one stands firm. Plucking a plant, counting the stamens, using a microscope, staining a cross-section to study the structure, and so on—I could, of course, list many more examples—people manage to do all this. All one needs to do is stand there, be passive, and let nature work its magic. One allows oneself to be led by nature.
[ 20 ] Ich habe das in den allerersten Schriften, die ich veröffentlicht habe, den Dogmatismus der Erfahrung genannt. An den Dogmatismus der Erfahrung hält man sich. Sie können in meinem Buche «Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung» nachlesen, was ich da über den Dogmatismus der Erfahrung sage. «Tatsachen-Fanatismus» habe ich ihn später auch genannt. Um aber in die geistige Welt zu kommen, muß man innerlich arbeiten, dazu ist innerliche Regsamkeit notwendig. Und da geht den Leuten durchaus die Kraft aus. Man kann in unserer Zeit sehen, daß diese Kraft ausgegangen ist. Wenn Sie zum Beispiel Vergleiche anstellen auf dem Gebiete der Anatomie, so werden Sie finden, daß man fast mit dem Finger hinzeigen kann auf den Punkt, wo die Kraft ausgegangen ist.
[ 20 ] In the very first writings I published, I called this the “dogmatism of experience.” People cling to the dogmatism of experience. You can read what I say about the dogmatism of experience in my book *Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung* (Fundamentals of an Epistemology of Goethe’s Worldview). I later also called it “fact fanaticism.” But in order to enter the spiritual world, one must work inwardly; for this, inner vitality is necessary. And that is where people’s strength is definitely running out. One can see in our time that this power has run out. If, for example, you make comparisons in the field of anatomy, you will find that one can almost point a finger at the exact spot where the power has run out.
[ 21 ] Nehmen Sie den Anatomen Ayrt/, der auf seinem Lehrstuhl von dem Anatomen Langer abgelöst wurde. Vergleichen Sie wissenschaftlich die Schriften der beiden, und Sie werden sehen, wie in der Aufeinanderfolge der beiden Gelehrten der eine sich absolut klar ist darüber, daß hinter dem Äußeren ein Geistiges steckt, und der andere sich nicht mehr darum kümmert. Worauf beruht das? Darauf, daß, so verdienstvoll der Materialismus als Forschungsmethode ist und dadurch Großes und Gewaltiges geliefert hat, ohne das die Menschen heute nicht leben könnten, die Menschen zu faul waren, um das, was sie erfaßt haben, heraufzuholen in das tätige Leben. Faulheit, wirkliche Trägheit des Geistes hat die Leute im Materialismus beharren lassen. Weil der Materialismus so beherrschend wurde und sich als Realität ausgab, deshalb ist man nicht aufgestiegen ins Geistige. Faulheit und Trägheit ist es, und man muß den Mut haben, diesen Grund einzusehen.
[ 21 ] Consider the anatomist Ayrt/, who was succeeded in his chair by the anatomist Langer. Compare the writings of the two from a scientific perspective, and you will see how, in the succession of these two scholars, one is absolutely clear that there is a spiritual dimension behind the external, while the other no longer cares about it. What is the reason for this? It is because, as commendable as materialism is as a research method—and having thereby produced great and powerful achievements without which people today could not live—people were too lazy to bring what they had grasped into active life. Laziness—true spiritual inertia—has caused people to persist in materialism. Because materialism became so dominant and presented itself as reality, people have not ascended into the spiritual realm. It is laziness and inertia, and one must have the courage to recognize this reason.
[ 22 ] Vertiefen Sie sich in die Gebiete der naturwissenschaftlichen Forschung, so werden Sie sehen, daß diese naturwissenschaftliche Forschung großartig und bewunderungswürdig ist. Vertiefen Sie sich in alles das, was von den Monisten und sonstigen Vereinen als «Weltanschauungen» fabriziert wird, so werden Sie sehen, daß sie auf einer Faulheit und Trägheit, auf einer Verknöcherung des Denkens beruhen. Das ist es, was man einmal klar ins Auge fassen muß, daß wir unterscheiden müssen — wenn wir auf dem Boden wahrer Geisteswissenschaft stehen — zwischen dem ganz und gar Berechtigten der materialistischen Forschungsmethoden und Forschungsergebnisse und der sogenannten materialistischen Weltanschauung.
[ 22 ] If you delve into the fields of scientific research, you will see that this scientific research is magnificent and admirable. If you delve into everything that is concocted by the monists and other associations as “worldviews,” you will see that they are based on laziness and inertia, on a rigidity of thought. This is what we must clearly recognize: that—if we stand on the ground of true Spiritual Science—we must distinguish between the entirely legitimate nature of materialistic research methods and findings and the so-called materialistic worldview.
[ 23 ] Meistens können diejenigen, welche materialistisch forschen, gar nicht denken, weil es leichter ist, matertalistisch zu forschen als spirituell zu denken. Ich will Ihnen an einem Beispiele anschaulich machen, daß die Materialisten einfach stolpern, wenn sie von der materialistischen Forschungsmethode aufrücken wollen zu einer Weltanschauung. Also nehmen wir an, ich habe versucht, ein atomistisches Weltanschauungsbild zu gewinnen. Ich will also sagen: die Körper bestehen aus Atomen. Diese muß man sich in Bewegung denken, so daß, wenn man ein Materienobjekt vor sich hat, es — so ist das zu denken — aus Atomen besteht. Zwischen den Atomen sind Zwischenräume. Die Atome sind in Bewegung, und durch die Bewegung wird — nach der materialistischen Weltanschauung — die Wärme erzeugt. Würde man sagen: der Wärme liegt eine Bewegung der Atome zugrunde, dann würde man Recht haben, dann würde man nur etwas konstatieren. Man kommt aber zu der Anschauung, daß es unmöglich ist, von den Atomen als von etwas tatsächlich Existierendem zu reden. Die Atome sind erdacht — und sie müssen erdacht werden, wenn sie einen Sinn haben sollen —, aber was wahrgenommen wird, soll erst durch die Atome bewirkt werden. Man kann also ein Atom nicht sehen. Man sieht, das sogenannte atomistische Weltbild ist aus nichts Sichtbarem, aus nichts sinnlich Wahrnehmbarem zusammengesetzt.
[ 23 ] Most of the time, those who conduct materialistic research are unable to think at all, because it is easier to conduct materialistic research than to think spiritually. I want to use an example to illustrate that materialists simply stumble when they try to move from the materialistic research method to a worldview. So let’s assume I have tried to develop an atomistic worldview. I want to say, then, that bodies consist of atoms. One must conceive of these as being in motion, so that when one has a material object before one, it—as one must imagine—consists of atoms. There are spaces between the atoms. The atoms are in motion, and this motion—according to the materialist worldview—generates heat. If one were to say that heat is based on the motion of atoms, one would be correct; one would merely be stating a fact. However, one comes to the conclusion that it is impossible to speak of atoms as something that actually exists. Atoms are conceived—and they must be conceived if they are to have any meaning—but what is perceived is said to be brought about by the atoms. Thus, one cannot see an atom. One sees that the so-called atomistic worldview is composed of nothing visible, of nothing perceptible to the senses.
[ 24 ] Nun kann man aber nachdenken und sagen: Die Welt besteht aus Atomen und diese sind in Bewegung. Man will nun die Art der Bewegung, die der Wärme, dem Licht, dem Magnetismus, der Elektrizität und so weiter zugrundeliegt, erforschen, und da kommt man dazu, gewisse Bewegungen der Atome als Ursachen der Sinnesempfindung anzunehmen. Man kommt also dabei zu Atomen. Man teilt also das, was gegeben ist, und wenn man immer und immer teilt, so muß man schließlich auf das Unteilbare kommen, und das ist das Atom. Teilbare Atome sind sinnlos. Die letzten Teile, also die Atome müssen unteilbar sein. Nun will man heute aber auch die Bewegung aus den Atomen erklären — ich kann das nur andeuten, aber Sie können es in der philosophisch-wissenschaftlichen Literatur der neueren Zeit weiter verfolgen —, man will also die Bewegung aus der Beschaffenheit der Atome erklären. Wenn man aber nachdenkt, wie ein Atom das andere stoßen muß, damit die Bewegung herauskommen kann, die man bei der Wärme, der Elektrizität und so weiter hat, dann kann man die Atome nicht starr denken, dann muß man sie elastisch denken. Es ist notwendig, sie elastisch zu denken, denn starre Atome gäben bei einem Stoße nicht die Bewegung, die herauskommen muß, wenn Wärme, Elektrizität oder Magnetismus herauskommen soll.
[ 24 ] But now one might reflect and say: The world consists of atoms, and these are in motion. One now wishes to investigate the nature of the motion that underlies heat, light, magnetism, electricity, and so on, and in doing so, one comes to assume that certain motions of the atoms are the causes of sensory perception. So one arrives at atoms. One divides what is given, and if one keeps dividing over and over, one must eventually arrive at the indivisible, and that is the atom. Divisible atoms make no sense. The ultimate parts—that is, the atoms—must be indivisible. Today, however, there is also an effort to explain motion in terms of atoms—I can only hint at this, but you can explore it further in recent philosophical and scientific literature—that is, to explain motion based on the nature of atoms. But if one considers how one atom must collide with another in order to produce the motion observed in heat, electricity, and so on, then one cannot conceive of atoms as rigid; one must conceive of them as elastic. It is necessary to conceive of them as elastic, because rigid atoms would not, upon collision, produce the motion required for heat, electricity, or magnetism to arise.
[ 25 ] Also diese Atome müssen elastisch sein. Was heißt das aber? Das heißt, das Atom kann zusammengedrückt werden und schnellt dann in den früheren Zustand zurück. Es muß also zusammendrückbar sein und wieder zurückschnellen, sonst kann man sich das Stoßen der Atome gar nicht denken. Nun hat man zweierlei gewonnen: Erstens, das Atom muß unteilbar sein, zweitens muß es elastisch sein. Vor diesen zwei Dingen steht das moderne Denken, das dem Atomismus huldigt. Das Atom muß unteilbar gedacht werden, sonst ist es kein Atom mehr und es muß elastisch gedacht werden, denn es würde eine sinnlose Vorstellung sein, die Atombewegung auf starre Atome zurückzuführen. Sehr scharf haben besonders englische Denker diese zwei Sätze betont: erstens, das Atom ist unteilbar, und zweitens, das Atom muß elastisch gedacht werden. — Wenn ich einen Körper elastisch sein lasse, ist es nicht anders denkbar, als daß die Teile sich zusammenschieben und dann wieder in die ursprüngliche Lage zurückspringend den elastischen Körper herstellen. Dieser ist nicht denkbar, ohne daß er teilbar, verschiebbar ist. Das Atom muß aber unteilbar sein einerseits und andererseits muß es teilbar sein, denn sonst kann es nicht elastisch sein. Was heißt das aber?
[ 25 ] So these atoms must be elastic. But what does that mean? It means that the atom can be compressed and then snaps back to its previous state. It must therefore be compressible and spring back; otherwise, it is impossible to conceive of the atoms colliding. We have thus arrived at two conclusions: First, the atom must be indivisible; second, it must be elastic. Modern thought, which pays homage to atomism, is confronted with these two principles. The atom must be conceived as indivisible; otherwise, it is no longer an atom, and it must be conceived as elastic, for it would be a meaningless mental image to attribute atomic motion to rigid atoms. English thinkers, in particular, have emphasized these two propositions very sharply: first, the atom is indivisible, and second, the atom must be conceived as elastic. — If I consider a body to be elastic, it is inconceivable that its parts do not compress and then spring back to their original positions, thereby restoring the elastic body. This body is inconceivable unless it is divisible and capable of displacement. Yet the atom must be indivisible on the one hand, and on the other hand, it must be divisible, for otherwise it cannot be elastic. But what does that mean?
[ 26 ] Das heißt, wenn wir uns Atome vorstellen wollen, so kommen wir auf zwei sich widersprechende Grundannahmen. Über diese kommt man nicht hinaus. Es ist eine ungeheuer interessante Literatur darüber vorhanden, das Weltbild aus nicht starren Atomen zusammengefügt zu denken. Dann aber ist das Atom kein Atom mehr, denn es muß teilbar gedacht werden. Das heißt, man kommt darauf, daß die Vorstellung des Atoms unmöglich ist, solange man annimmt, das Atom sei materiell. In dem Augenblicke, wo Sie das Atom nicht materiell denken, wo Sie denken, das Atom sei nicht etwas Materielles, sondern etwas anderes, kann man sich das Atom unteilbar denken, so wie das menschliche Ich auch unteilbar gedacht wird. Nehmen Sie an, das Atom sei Kraft, dann können Sie sich dasselbe auch zusammengefügt denken. Wenn Sie nicht materialistisch denken, brauchen Sie nicht zu denken, daß Zwischenräume da sind. Die beiden Dinge sind also durchaus vereinbar, wenn wir uns die Atome nicht materiell denken. Wenn wir unter sorgfältiger Berücksichtigung dessen, was uns die Optik, die Elektrizitätslehre und so weiter bietet, die letzten Konsequenzen ziehen, wie das Atom sein muß, dann kommt man dazu, zu sagen: Das Atom kann nicht materiell sein. — Da kommen Sie notwendig in das Spirituelle hinein. Aber diesen Schritt muß man machen. Es ist dann ganz gleich, ob das Atom elastisch oder starr ist; das kümmert uns nicht, da machen wir nicht mit. Aber der Materialismus muß nicht bekämpft, sondern verstanden werden. Die große Summe von Arbeit und guten Erfolgen darf von der Geisteswissenschaft nicht verachtet werden.
[ 26 ] This means that if we want to create a mental image of atoms, we arrive at two contradictory basic assumptions. There is no way around them. There is a tremendous amount of fascinating literature on the idea of constructing a worldview from non-rigid atoms. But then the atom is no longer an atom, for it must be conceived as divisible. This means one comes to the conclusion that the mental image of the atom is impossible as long as one assumes the atom is material. The moment you conceive of the atom as non-material—when you think the atom is not something material but something else—you can conceive of the atom as indivisible, just as the human “I” is also conceived as indivisible. Suppose the atom is a force; then you can also conceive of it as a composite entity. If you do not think in materialistic terms, you need not assume that there are gaps between them. The two things are therefore entirely compatible if we do not conceive of atoms as material. If, after carefully considering what optics, the study of electricity, and so on have to offer, we draw the ultimate conclusions about what the atom must be like, then we are led to say: The atom cannot be material. — That inevitably leads you into the spiritual realm. But this step must be taken. It then makes no difference whether the atom is elastic or rigid; that is of no concern to us, and we do not get involved in that. But materialism must not be fought against; rather, it must be understood. The great body of work and significant achievements must not be disregarded by Spiritual Science.
[ 27 ] Gehen wir nun zum nächsten Kapitel der Wrangell-Schrift:
[ 27 ] Let's now move on to the next chapter of Wrangell's work:
Zweifel an der materialistischen Weltanschauung
Nur tritt im Gemüt manches Menschen der Zweifel auf: sollte es wirklich sich so verhalten, daß dem Weltganzen kein vernünftiger, kein sittlicher Gedanke zugrunde liegt, und die Begriffe des Zweckmäßigen, des Sittlichen nur in der Menschenbrust entstehen, außerhalb derselben aber keine Geltung haben?
Wir fühlen in uns das Streben zum Guten, und der Begriff des Guten ist von dem Begriff der Freiheit unzertrennlich, denn wo absolute Notwendigkeit herrscht, gibt es nichts Böses und Gutes. Ein Stein muß in bestimmter Richtung mit bestimmter Geschwindigkeit fallen, und es wäre sinnlos, diesen Fall böse oder gut zu nennen.
Sollte das, was wir im Innersten als den eigentlichen Wertmesser des Lebens empfinden, nur Täuschung und Wahn sein, und sich im Weltganzen, von dem der Mensch nur ein verschwindender Bruchteil ist, sich diese Idee des Guten, also des in Freiheit gewählten Sittlichen, nicht wiederfinden? Sollte der geringe Teil, der Mensch, mit erhabenen Gefühlen und Gedanken begabt, in dieser Hinsicht höher stehen als das Ganze, das ohne Bewußtsein, ohne Zweckbegriff, gleich einem toten Räderwerk seinen Verlauf nimmt, um mit ewigem Tode zu enden? Das Gemüt der meisten Menschen widerstrebt solcher Lösung und sucht nach einer anderen.
Doubts About the Materialist Worldview
Yet doubts arise in the minds of many people: Could it really be the case that the entire world is not based on any rational or moral principle, and that the concepts of what is expedient and what is moral arise only within the human heart, but have no validity outside of it?
We feel within ourselves the striving toward the good, and the concept of the good is inseparable from the concept of freedom, for where absolute necessity reigns, there is neither good nor evil. A stone must fall in a certain direction at a certain speed, and it would be meaningless to call this fall good or evil.
Could it be that what we perceive in our innermost being as the true measure of life’s value is merely an illusion and delusion, and that in the universe as a whole—of which humanity is but a vanishingly small fraction—this idea of the good, that is, of morality chosen in freedom, is nowhere to be found? Could it be that the small part—humanity, endowed with sublime feelings and thoughts—stands higher in this regard than the whole, which, without consciousness or sense of purpose, follows its course like a dead machine, only to end in eternal death? The minds of most people resist such a conclusion and seek another.
[ 28 ] Es ist gut, davon zu sprechen, daß das Gemüt dem widerstrebt, aber viel wichtiger noch ist es in unserer Zeit zu sagen, daß das Denken dem widerstrebt. Will man sich nur auf den Boden des Materialismus stellen, so muß man zum Atom hin und es als Materie fassen. Man kann es aber auch Kraft nennen, und dann kommt man dazu, daß da, wo man die Materie hindenkt, die kosmische Gedankenwelt ist. Da hat dann die sittliche Weltordnung ihren vollen Platz darinnen.
[ 28 ] It is good to speak of the mind’s resistance to this, but it is even more important in our time to say that thought resists it. If one wishes to stand solely on the ground of materialism, one must turn to the atom and conceive of it as matter. But one can also call it force, and then one comes to the realization that where one imagines matter to be, there lies the cosmic world of thought. There, the moral order of the world has its full place within it.
[ 29 ] Nun haben es allerdings einige bequemer gefunden, zu sagen: Ja, wenn man so die Welt überdenkt, stellen sich allerdings für das Sinneswissen überall Skrupel und Zweifel ein und es geht nicht an, dieses Sinneswissen einzig und allein gelten zu lassen; aber der Mensch ist nun einmal so veranlagt, nicht tiefer hineindringen zu können. Das ergibt dann ungefähr die folgende Situation: Da steht der Mensch, der vielleicht ein sehr guter Forscher ist auf dem Gebiet der äußeren Sinnenwelt und der Bleibendes, Schönes, Großartiges hervorbringen kann als materialistischer Forscher, aber er ist nicht geneigt, weiter hineinzusteigen. Und so sagt er: Da muß so alles mögliche hinter der Materie vorhanden sein; aber wir sind mit dem menschlichen Erkenntnisvermögen nicht befähigt, dahin zu dringen. Er nennt sich selber einen Agnostiker. Er merkt nicht, daß diese Rede, der Mensch hat nicht die Fähigkeit und so weiter, von Ahriman eingegeben ist und er hört nicht das, was ihm gute Geister eingeben; darauf hört er nicht. In Wahrheit ist er nur ein Faulpelz. Faulpelz nennt man es, wenn man es ehrlich sagt, Agnostizismus nennt man es in der Wissenschaft.
[ 29 ] Now, however, some have found it more convenient to say: Yes, if one reflects on the world in this way, scruples and doubts do indeed arise everywhere regarding sensory knowledge, and it is not acceptable to accept this sensory knowledge as the sole source of truth; but human beings are simply not capable of delving any deeper. This then leads to roughly the following situation: There stands a person who may be a very good researcher in the realm of the external sensory world and who, as a materialist researcher, can produce lasting, beautiful, and magnificent works, but who is not inclined to delve any deeper. And so he says: There must be all sorts of things behind matter; but with our human capacity for knowledge, we are not able to penetrate that far. He calls himself an agnostic. He does not realize that this line of reasoning—that human beings lack the ability, and so on—is inspired by Ahriman, and he does not hear what the good spirits are telling him; he pays no heed to that. In truth, he is merely a slacker. To put it bluntly, that is what a slacker is; in academia, it is called agnosticism.
[ 30 ] Das nächste Kapitel bei Wrangell heißt nun:
[ 30 ] The next chapter in Wrangell is now titled:
Agnostizismus
Diejenige Antwort auf die Frage nach Ursprung und Ziel des Weltganzen und nach der Bestimmung des Menschen, welche dem Verstande die geringsten Schwierigkeiten bietet, dagegen die Forderungen des Gemütes ganz unbefriedigt läßt, ist der Standpunkt des Agnostikers («Nichtwissers»), wenn er sagt: diese Fragen übersteigen die Grenzen menschlicher Erkenntnis, müssen also, ihrem Wesen nach, unbeantwortet bleiben, und es ist vernünftiger, seine Zeit und Kräfte Aufgaben zu widmen, wo Aussicht vorhanden ist, sie zu bewältigen.
Agnosticism
The answer to the question of the origin and purpose of the universe as a whole and of the destiny of humankind that presents the fewest difficulties to the intellect, yet leaves the demands of the heart entirely unsatisfied, is the agnostic’s (“one who does not know”) standpoint, when he says: these questions transcend the limits of human knowledge and must therefore, by their very nature, remain unanswered; and it is more reasonable to devote one’s time and energy to tasks where there is a prospect of mastering them.
[ 31 ] — Man kann nichts dagegen haben, zu sagen, ich will mich einer Aufgabe widmen, die ich bewältigen kann. Das steht in des Menschen Freiheit. Aber es steht nicht in des Menschen Freiheit, zu sagen: Was ich nicht weiß, darf kein anderer wissen. — Alles Philosophieren über das, was der Mensch nicht wissen kann, ist eigentlich im Grunde genommen eine wissenschaftliche Infamie, und außerdem ist es eine wissenschaftliche Großmannssucht sondergleichen, weil man sich aufwirft zum Herrscher dessen, was erforscht werden darf und nicht erforscht werden darf, weil man das, was man selber annehmen will, als maßgebend für alle anderen Leute hinstellt. Welche Impotenz liegt in dem Satze: «Es gibt Grenzen des Erkennens»! Welcher Hochmut und welcher Dünkel darinnen liegt, sollte man sich aber auch einmal klarmachen. Das sollte nicht in die Ohren geraunt, sondern geschmettert werden. —
[ 31 ] — There is nothing wrong with saying, “I want to devote myself to a task that I can accomplish.” That is within a person’s freedom. But it is not within a person’s freedom to say, “What I do not know, no one else may know.” — All philosophizing about what humans cannot know is, at its core, a scientific infamy; moreover, it is a scientific megalomania without parallel, because one sets oneself up as the ruler of what may and may not be investigated, and because one presents what one wishes to accept as the standard for everyone else. What impotence lies in the statement: “There are limits to knowledge”! One should also make it clear to oneself just how much arrogance and conceit lie within it. This should not be whispered into people’s ears, but rather bellowed out loud. —
Ohne die Existenz geistiger Wesenheiten zu leugnen, behauptet der Agnostiker, dieses Gebiet sei jedenfalls nicht jedem zugänglich, während alles, was auf sinnlicher Erfahrung beruht, im Bereich der Erkenntnis des normalen Menschen liegt, und damit sollte er sich begnügen. Diejenigen Menschen, bei denen der zur Kritik geschulte Intellekt vorwiegt, können bei diesem Standpunkt verharren, ohne in ihrem Tun gelähmt zu werden; für die meisten Menschen ist diese Antwort aber keine Antwort. Stellt man sich auf den Standpunkt eines Menschen ohne persönliche okkulte Erfahrungen und ohne Kenntnis ihm glaubwürdig erscheinender Berichte anderer über solche Wahrnehmungen, so steht es ihm, logisch geurteilt, frei, sich für oder gegen die Existenz geistiger Welten auszusprechen. —
Selbstverständlich steht es im menschlichen Zusammenleben jedem frei, sich gegen die Existenz einer geistigen Welt auszusprechen. Nur sollte man sich klar sein darüber, daß ein solcher Ausspruch nichts taugt. Man kann sich auch dagegen aussprechen, daß drei mal drei neun ist.Of course, in human society, everyone is free to speak out against the existence of a spiritual world. However, one should be aware that such a statement is meaningless. One might just as well argue that three times three is not nine.Without denying the existence of spiritual beings, the agnostic asserts that this realm is by no means accessible to everyone, whereas everything based on sensory experience lies within the realm of knowledge available to the average person, and that is what they should be content with. Those people whose intellect, trained in critical thinking, predominates can maintain this position without being paralyzed in their actions; for most people, however, this answer is no answer at all. If one adopts the standpoint of a person without personal occult experiences and without knowledge of accounts from others regarding such perceptions that seem credible to him, then, judged logically, he is free to speak for or against the existence of spiritual worlds. —
Nur ist er nicht berechtigt, der entgegengesetzten Ansicht Wissenschaftlichkeit abzusprechen.
Der Grad von Glaubwürdigkeit der Berichte anderer läßt sich nicht mit objektiver, d.h. allgemeingültiger Strenge bemessen, und es wird das Urteil darüber notgedrungen in jedem Einzelfall von subjektiven Beweggründen beeinflußt.
However, he is not entitled to deny the scientific validity of the opposing view.
The degree of credibility of others’ reports cannot be measured with objective—that is, universally applicable—rigor, and judgment on this matter is inevitably influenced by subjective motives in each individual case.
[ 32 ] — Ja, das kann man zeigen.
[ 32 ] — Yes, that can be shown.
Handelt es sich um Tatsachen, die von jedem normalen Menschen geprüft werden können, so braucht man in den meisten Fällen sich nicht der Mühe zu unterziehen, sie persönlich zu prüfen, denn bei der jetzigen Organisation wissenschaftlicher Forschung ist dafür gesorgt, daß eine fehlerhafte Beobachtung oder falscher Bericht bald entdeckt wird, und das zwingt jeden Beobachter und Berichterstatter schon seines Rufes wegen zu möglichster Vorsicht und Wahrhaftigkeit, und jedenfalls bleibt ein Beobachtungsfehler nicht lange unentdeckt.
If the facts in question can be verified by any reasonable person, there is usually no need to go to the trouble of verify them personally, because the current organization of scientific research ensures that an erroneous observation or false report will be discovered quickly, and this compels every observer and reporter—if only for the sake of their reputation—to exercise the utmost caution and truthfulness; in any case, an observational error does not remain undetected for long.
[ 33 ] — Im Grunde besagt das nicht viel mehr, als wenn einer folgendes sagen würde: Bei der heutigen Art der Organisierung der wissenschaftlichen Arbeit kann man, wenn man nach Basel fährt und ein Chemiebuch kauft, dem, was darinnen steht, schon glauben, weil darinnen chemische Resultate stehen, und es einem Chemiker nicht einfallen kann, zu lügen. — Aber damit legitimierte man doch nur den Autoritätsglauben. Und wenn die Leute sich das gestehen würden, so würden sie sich klar sein, wieviel sie heute auf Treu und Glauben hinnehmen. Daß die Geisteswissenschaft zwar an ihrem Anfange steht, aber geprüft werden kann, habe ich oft betont. Die Geisteswissenschaft ist noch jung; wenn sie älter sein wird, dann wird es mit dem Geisteswissenschafter so sein, wie es heute beim Chemiker ist: man wird sich dann klar sein, daß man in der Geisteswissenschaft nicht lügt.
[ 33 ] — Essentially, this doesn’t mean much more than if someone were to say the following: Given the way scientific work is organized today, if you go to Basel and buy a chemistry textbook, you can already believe what’s written in it simply because it contains chemical results, and it wouldn’t occur to a chemist to lie. — But that merely legitimizes belief in authority. And if people were to admit this to themselves, they would realize just how much they accept today on the basis of good faith. I have often emphasized that although Spiritual Science is still in its infancy, it can be tested. Spiritual Science is still young; when it matures, the situation for spiritual scientists will be the same as it is today for chemists: people will then realize that there is no lying in Spiritual Science.
Bei okkulten Wahrnehmungen dagegen ist es anders, und dieser wesentliche Unterschied hat die an kontrollierbare Tatsachen gewohnten Männer der exakten Wissenschaft so lange veranlaßt, sich den okkulten Mitteilungen gegenüber nicht nur kritisch, d.h. prüfend, sondern skeptisch, d.h. direkt abwehrend, zu verhalten.
With occult perceptions, however, the situation is different, and this fundamental difference has long led men of the exact sciences—accustomed to verifiable facts—to regard occult reports not only critically, that is, with scrutiny, but also skeptically, that is, with outright rejection.
[ 34 ] — Der wirkliche Grund ist der, daß sie zu faul sind.
[ 34 ] — The real reason is that they're too lazy.
Jetzt scheint das aber nicht mehr möglich, denn das Beweismaterial für die immaterielle Existenz geistiger Wesenheiten ist so gewichtig, daß Männer von zweifellos wissenschaftlicher Schulung diese Frage für erwiesen halten. Es genügt, an Namen wie Zöllner, Wallace, du Prel, Crookes, Butlerow, Rochas, Oliver Lodge, Flammarion, Morselli, Schiaparelli, Ochorowicz, James u.a. zu erinnern.
Now, however, this no longer seems possible, for the evidence supporting the immaterial existence of spiritual beings is so compelling that men of undoubted scientific training consider this question to be settled. It suffices to recall names such as Zöllner, Wallace, du Prel, Crookes, Butlerow, Rochas, Oliver Lodge, Flammarion, Morselli, Schiaparelli, Ochorowicz, James, and others.
[ 35 ] — Da verläßt sich Herr von Wrangell auf diejenigen, die an atavistische Fähigkeiten anknüpfen, während wir annehmen, daß jeder Mensch die Fähigkeiten sich aneignen kann, die es ermöglichen, daß man das Geistige prüft, wie man das Wissenschaftliche prüft.
[ 35 ] — Here, Mr. von Wrangell relies on those who draw on atavistic abilities, whereas we assume that every person can acquire the abilities that make it possible to examine the spiritual just as one examines the scientific.
Diese Männer finden nicht nur keinen Widerspruch zwischen okkulten Tatsachen und feststehenden Ergebnissen exakter Sinnesforschung, sondern eben ihre Gewöhnung zu vorurteilsfreier Kritik veranlaßt sie, den Skeptizismus des Materialisten zu verwerfen und sich dem Studium okkulter Phänomene zu widmen.
Not only do these men find no contradiction between occult facts and the established findings of exact sensory research, but their very habit of unbiased criticism leads them to reject the skepticism of the materialist and devote themselves to the study of occult phenomena.
[ 36 ] — Aber sie tun es nicht auf die richtige Weise, sondern sie ziehen alles herunter auf dasselbe Laboratoriumsgebiet, in dem die Chemie steht, auch das, was nur in freier Betätigung des Denkens errungen werden kann. Statt innerlich zu konstruieren, geht man gleichsam mit dem Zollstab herum und mißt. —
[ 36 ] — But they do not do it the right way; instead, they reduce everything to the same laboratory realm as chemistry, even that which can only be attained through the free exercise of thought. Instead of constructing concepts internally, they go around, as it were, with a measuring stick and take measurements. —
Diese Autoritäten können sich in ihrem Urteil irren, ihr Standpunkt kann aber als Beweis dafür dienen, daß wir berechtigt sind, die Existenz geistiger Wesenheiten anzunehmen, ohne uns dem Vorwurf wissenschaftlicher Ignoranz auszusetzen. Vorausgesetzt, daß man selbst keine okkulten Fähigkeiten hat, ist man auf die Berichte anderer angewiesen und muß sie auf ihre Glaubenswürdigkeit prüfen.
These authorities may be mistaken in their judgment, but their position can serve as evidence that we are justified in assuming the existence of spiritual beings without exposing ourselves to the accusation of scientific ignorance. Provided that one does not possess occult abilities oneself, one is dependent on the reports of others and must examine them for their credibility.
[ 37 ] — Besser wäre es, wenn man versuchte, sich auf dasjenige einzulassen, was in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» gesagt ist. Es ist viel leichter als viele annehmen. Die meisten erkennen es nur nicht an; aber alle möglichen Vertracktheiten werden anerkannt. Es wäre wirklich verhältnismäßig sehr leicht, in ein paar Jahren wenigstens so viel von der geistigen Welt zu erleben, als nötig ist, um sie im allgemeinen anzuerkennen. Aber die Leute sagen: Das ist nichts; denn sie streben nach dem, was ich das Bauchhellsehen genannt habe. Und wenn es nicht zum Bauchhellsehen kommt, dann gilt ihnen das alles nichts.
[ 37 ] — It would be better to try to engage with what is said in *How to Gain Knowledge of the Higher Worlds*. It is much easier than many people assume. Most people simply refuse to acknowledge it; yet they accept all sorts of convoluted theories. It would actually be relatively easy to experience, in a few years, at least as much of the spiritual world as is necessary to generally acknowledge its existence. But people say: “That’s nothing,” because they strive for what I have called ‘abdominal clairvoyance.’ And if they don’t achieve abdominal clairvoyance, then none of this means anything to them.
Die Quellen des Irrtums okkulter Wahrnehmungen liegen sowohl im Subjekt wie auch im Objekt. Selbst eine oberflächliche Kenntnisnahme des von Spiritisten und anderen Okkultisten zusammengehäuften Wahrnehmungsmaterials zeigt uns, daß hier, zugestandenermaßen, die Quellen der Irrtümer überreichlich fließen ...
The sources of error in occult perceptions lie in both the subject and the object. Even a cursory review of the body of perceptual data compiled by spiritualists and other occultists shows us that, admittedly, the sources of error abound here ...
[ 38 ] — Das tun sie wahrhaftig nicht. Es ist nicht anders als wenn man sagt: Die Natur lügt nie! Aber sie lügt alle Augenblicke. Nehmen Sie ein Glas mit Wasser und stecken Sie einen Stab hinein, so erscheint er Ihnen gebrochen; er ist es aber nicht. Nehmen Sie den Gang der Sonne am Himmelsgewölbe, vergleichen Sie die Größe am Morgen und die Größe am Mittag: den ganzen Tag über lügt die Natur Sie an. Genau ebensoviel und ebensowenig lügt die geistige Welt. Es ist zum Beispiel außerordentlich interessant, die Vorgänge im Ätherischen des Menschen sich zu vergegenwärtigen, wenn man eine Unpäßlichkeit in den Gedärmen hat, oder zu beobachten, was der Ätherleib tut, wenn die Verdauungsvorgänge vor sich gehen. Es ist ebenso interessant, wie wenn man gewöhnlich Anatomie oder Physiologie studiert, ja noch interessanter. Aber unberechtigt ist es, wenn man dasjenige, was nichts anderes als ein Vorgang im Ätherleib bei der Verdauung ist, als großartigen Vorgang der kosmischen Welt ansieht. Die geistige Welt selbst lügt also nicht; man muß sie nur in der richtigen Weise deuten. Es ist auch nicht nötig, dasjenige, was bei unserer Verdauung im Ätherleibe vorgeht, zu verachten. Man darf es nur nicht mißverstehen. Auch die Sinne trügen in Wirklichkeit nicht. Wenn man hineingreift in das Wasser, so findet man mit der Tastwahrnehmung... [Lücke in der Nachschrift]. Die Naturforschung hat sich im Laufe der Zeit gute Regeln durch Studium angeeignet, während man glaubt, in der Geisteswissenschaft gelte, daß man um so besser dazu tauge, je weniger Studien man durchgemacht habe.
[ 38 ] — They certainly do not. It is no different from saying: “Nature never lies!” But she lies at every moment. Take a glass of water and stick a stick in it; it will appear broken to you, but it is not. Consider the sun’s path across the sky; compare its size in the morning with its size at noon: nature lies to you all day long. The spiritual world lies just as much—and just as little. For example, it is extraordinarily interesting to visualize the processes taking place in the human etheric body when one has an intestinal ailment, or to observe what the etheric body does as digestive processes occur. It is just as interesting as studying anatomy or physiology in the usual way—indeed, even more so. But it is unjustified to regard what is nothing more than a process in the etheric body during digestion as a magnificent process of the cosmic world. The spiritual world itself does not lie; one must simply interpret it correctly. Nor is it necessary to look down upon what takes place in our etheric body during digestion. One must simply not misunderstand it. Nor do the senses actually deceive us. When one reaches into the water, one finds through the sense of touch... [Gap in the postscript]. Over time, natural science has acquired sound principles through study, whereas in Spiritual Science it is believed that the less study one has undergone, the more suited one is to the field.
[ 39 ] Also: «Selbst eine oberflächliche Kenntnisnahme des von Spiritisten und anderen Okkultisten zusammengehäuften Wahrnehmungsmaterials zeigt uns, daß hier, zugestandenermaßen, die Quellen der Irrtümer reichlich fließen... .»
[ 39 ] In other words: “Even a cursory review of the empirical data gathered by spiritualists and other occultists shows us that, admittedly, the sources of error abound here... .”
denn sie liegen nicht nur, wie in der sinnlichen Welt, im Subjekt, sondern außerdem noch im Objekt, indem zahlreiche bösartige Wesenheiten es sich zur Aufgabe machen sollen, den forschenden Menschen irre zu leiten. Wenn man von den gewöhnlichen Sinneswahrnehmungen mit Recht sagen konnte: die Natur lügt nie, nur der Mensch mißversteht sie manchmal —, ist es, nach Aussage der Geheimforscher, in der Geisteswelt anders. Es ist also, falls die Realität geistiger, vom Stofflichen unabhängiger Erscheinungen zugestanden wird, eine große und schwierige Aufgabe, dort die Spreu vom Weizen zu scheiden. Das ist die Aufgabe der Geisteswissenschaft, die, will man sie ernst betreiben, die ganze Zeit und Kraft eines Menschen erfordert, wie das übrigens mit jedem anderen Wissenszweig der Fall ist, wenn auch vielleicht in geringerem Maße. Für die Mehrzahl der Menschen ist ein solches Studium jedoch weder möglich noch auch erforderlich. Wie man Christ sein kann und in den Lehren Jesu Trost und Erhebung finden, in seiner Person das sittliche Ideal verwirklicht sehen, ohne Theologe zu sein, so kann man in den Grundlehren der Theosophie eine Deutung des eigentlichen Sinnes und Zweckes des eigenen Lebens erkennen, ohne mit dem umfassenden Gebäude der Geheimwissenschaft vertraut zu sein.
for they are not only, as in the sensory world, within the subject, but also within the object, in that numerous malevolent entities are said to have made it their mission to mislead the inquiring human being. While it is true of ordinary sensory perceptions that “nature never lies; it is only humans who sometimes misunderstand it,” according to the researchers of the occult, the situation is different in the spiritual world. Therefore, if one acknowledges the reality of spiritual phenomena independent of the material world, it is a great and difficult task to separate the wheat from the chaff there. This is the task of Spiritual Science, which—if one wishes to pursue it seriously—requires all of a person’s time and energy, just as is the case, incidentally, with every other branch of knowledge, albeit perhaps to a lesser extent. For the majority of people, however, such a course of study is neither possible nor necessary. Just as one can be a Christian and find comfort and inspiration in the teachings of Jesus, seeing the moral ideal realized in his person, without being a theologian, so too can one recognize in the fundamental teachings of Theosophy an interpretation of the true meaning and purpose of one’s own life without being familiar with the comprehensive body of esoteric knowledge.
[ 40 ] — Das ist eine Behauptung, die nicht ohne weiteres festgehalten werden kann, denn wenn die Menschen nicht Chemiker von Fach, nicht Biologen von Fach sind, so läßt es sich heute doch leben. Aber dasjenige, was der Welt angehört, der die menschliche Seele selbst angehört, wird der Mensch nach und nach wissen müssen. Es ist eine Art ungerechtfertigter Ablehnung, wenn man so spricht, daß man, um Theosoph zu sein, ebensowenig mit der Geheimwissenschaft vertraut zu sein brauche, wie man Theologe zu sein brauche, um ein Christ zu sein.
[ 40 ] — This is a claim that cannot be accepted at face value, for even if people are not professional chemists or biologists, they can still get by in today’s world. But what belongs to the world to which the human soul itself belongs, humanity will gradually have to come to know. It is a kind of unjustified rejection to say that, in order to be a Theosophist, one need not be familiar with esoteric science any more than one needs to be a theologian to be a Christian.
Es wird diejenige Weltanschauung dem Handeln und Empfinden des Menschen am förderlichsten sein, welche sowohl seinen Verstand wie sein Gefühl am meisten befriedigt.
The worldview that is most conducive to human action and emotion is the one that satisfies both the mind and the heart the most.
[ 41 ] Das nächste Kapitel ist überschrieben:
[ 41 ] The next chapter is titled:
Fortbestehen der Seele nach dem Tode
Wenn man annimmt, das geistige Prinzip im Menschen, das, was man mit dem Worte Seele bezeichnet, sei eine Wesenheit, die auch nach dem Tode des Körpers weiterbesteht, so sind über sein ferneres Schicksal verschiedene Vorstellungen möglich, von denen wit hier, als zur Zeit für uns im Vordergrund stehend, nur die christliche Auffassung und die Lehre von der Wiederverkörperung betrachten wollen. Die Lehre Christi ist für Millionen eine Quelle von Trost und sittlicher Kraft gewesen und wird es wohl auch in Zukunft sein. Es läßt sich jedoch nicht leugnen, daß sich für den wissenschaftlich gebildeten Europäer die Schwierigkeiten intellektueller Art gehäuft haben und den Kampf zwischen Glauben und Wissen auf Grundlage der christlichen Lehre nicht zum Ausgleich kommen lassen. Der bestehende Gegensatz erheischt ein Opfer, entweder des Verstandes oder des Gemüts. Zu diesen intellektuellen Schwierigkeiten gesellen sich bei manchem schwere sittliche Bedenken gegen die übliche Auffassung des Christentums. Alle christlichen Konfessionen lehren, daß die Seele des Menschen nach seinem Tode ein Schicksal erduldet, das von ewiger Dauer ist: ewige Seligkeit oder ewige Verdammnis. Daß dieser Glaube der Forderung nach Gerechtigkeit widerspricht, empfindet wohl jeder Mensch. Die Grundlage jeder Sittlichkeit ist Gerechtigkeit.
The Survival of the Soul After Death
If one assumes that the spiritual principle in human beings—that which is referred to as the soul—is an entity that continues to exist even after the death of the body, then various mental images of its future fate are possible. Of these, we shall consider here only the Christian view and the doctrine of reincarnation, as these are currently of primary concern to us. Christ’s teaching has been a source of comfort and moral strength for millions and will likely continue to be so in the future. It cannot be denied, however, that for the scientifically educated European, intellectual difficulties have accumulated, preventing the conflict between faith and knowledge—based on Christian doctrine—from being resolved. This existing contradiction demands a sacrifice—either of the intellect or of the heart. In addition to these intellectual difficulties, many people harbor serious moral reservations about the conventional understanding of Christianity. All Christian denominations teach that after death, the human soul faces a fate of eternal duration: eternal bliss or eternal damnation. Every person surely feels that this belief contradicts the demand for justice. Justice is the foundation of all morality.
[ 42 ] — Würde man nur etwas mehr wissen! Selbstverständlich hat Wrangell recht, wenn er sagt, daß man so nicht von ewiger Seligkeit und ewiger Verdammnis sprechen kann, da diese der Gerechtigkeit widersprechen. Denn «ewig» ist ein Unding, wenn man glaubt, daß es etwas Unendliches ist. «Ewig» ist nur ein Zeitalter, ein Weltalter, und eigentlich sollte man auch im Christlichen von «ewig» nicht anders sprechen als von einem Zeitalter, und das entspricht ungefähr der Zeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt.
[ 42 ] — If only we knew a little more! Of course, Wrangell is right when he says that one cannot speak of eternal bliss and eternal damnation in this way, since these concepts contradict justice. For “eternal” is an absurdity if one believes it to be something infinite. “Eternal” is merely an age, a world age, and in Christian thought, too, one should speak of “eternal” as nothing more than an age—which roughly corresponds to the time between death and a new birth.
In jedes Menschen Brust liegt tief und unerschütterlich das Verlangen, daß jedem nach Verdienst geschehe. Die Auffassung von Verdienst ist freilich wechselnd; die Wertschätzung des Erlebten und Empfundenen gleichfalls. Aber darüber kann kein Zweifel herrschen, daß der Mensch glücklicher, besser, befriedigter wäre, wenn er die Überzeugung hätte, daß das Geschehen des Weltganzen der Forderung nach Gerechtigkeit auch im einzelnen entspricht. In dem, was wir im Verlauf des leiblichen Lebens an uns selbst und anderen erfahren, sehen wir keine Gerechtigkeit walten, gleichviel ob wir seelische, geistige oder körperliche Leiden und Freuden als Wertmesser des Erlebten ansetzen. Nach der Lehre der christlichen Kirchen soll diese scheinbare Ungerechtigkeit des irdischen Lebens im Jenseits ausgeglichen werden; sie wird aber im Grunde noch unendlich verschärft durch die ewigen Folgen zeitlicher Vergehungen beziehungsweise Verdienste.
Deep within every human heart lies an unshakable desire that everyone be treated according to their merit. Of course, the concept of merit varies; so does the value placed on what we experience and feel. But there can be no doubt that people would be happier, better, and more satisfied if they were convinced that the course of events in the world as a whole—and in every individual instance—meets the demand for justice. In what we experience in ourselves and others in the course of our physical lives, we see no justice prevailing, regardless of whether we use emotional, mental, or physical suffering and joy as a measure of the value of our experiences. According to the teachings of the Christian churches, this apparent injustice of earthly life is to be compensated for in the afterlife; yet, in essence, it is infinitely exacerbated by the eternal consequences of temporal transgressions or merits.
[ 43 ] — Es ist selbstverständlich, daß Wrangell nur von dem spricht, was die christlichen Kirchen sagen, die entstanden sind, nachdem Justznian die griechischen Philosophenschulen geschlossen hatte. Er übersieht aber, daß wir die Aufgabe haben, die versperrte Weisheit der Menschheit wieder zugänglich zu machen. Man muß schon die richtigen Gründe suchen. Man könnte auch zeigen, daß die, welche heute Christentum lehren, nicht das wahre Christentum lehren, sondern ein solches, das zurechtgemacht worden ist. —
[ 43 ] — It goes without saying that Wrangell speaks only of what the Christian churches say—churches that arose after Justinian closed the Greek philosophical schools. But he overlooks the fact that it is our task to make humanity’s locked-away wisdom accessible once again. One must indeed seek the right reasons. One could also show that those who teach Christianity today do not teach true Christianity, but rather a version that has been altered. —
[ 44 ] Das nächste Kapitel heißt:
[ 44 ] The next chapter is titled:
Wiederverkörperung und Karma
Die Lehre von der Wiederverkörperung und dem Karma bietet uns dagegen die Möglichkeit, die sichtbare Ungerechtigkeit eines Lebensschicksals dadurch aufzulösen, daß es in früheren Lebensläufen selbst verschuldet war, und daß die Möglichkeit vorliegt, es für die folgenden Wiederverkörperungen zu verbessern.
Ein solcher Glaube, wenn er zu innerer Gewißheit geworden, gibt die Kraft, ohne innere Empörung sein Schicksal, auch das härteste, zu tragen und spornt dazu an, es für die Zukunft zu verbessern, indem man der Stimme folgt, die wir «Gewissen» nennen.
Das in unserem Bewußtsein vorhandene Verantwortlichkeitsgefühl wird gekräftigt, und die Gefahr, daß die Menschheit in Sinnestaumel und Selbstsucht die kurze Spanne des zeitlichen Lebens auszunutzen sucht, wäre beseitigt. Die Lehre von der Wiedergeburt und dem Karma macht den Menschen frei, denn sie stellt ihn auf sich selbst.
Gewiß bleibt das große Rätsel von dem «Wozu» des Ganzen ungelöst, aber Zweck und Aufgabe des einzelnen Lebens sind klar und bestimmt.
Reincarnation and Karma
The doctrine of reincarnation and karma, on the other hand, offers us the possibility of resolving the apparent injustice of one’s fate by recognizing that it was self-inflicted in past lives, and that there is an opportunity to improve it for future reincarnations.
Such a belief, once it has become an inner certainty, gives one the strength to bear one’s fate—even the harshest—without inner rebellion, and spurs one on to improve it for the future by following the voice we call “conscience.”
The sense of responsibility present in our consciousness is strengthened, and the danger that humanity might seek to exploit the brief span of temporal life in a frenzy of sensual pleasure and selfishness would be eliminated. The doctrine of rebirth and karma sets people free, for it places them in charge of themselves.
Certainly, the great mystery of the “purpose” of it all remains unsolved, but the purpose and task of each individual life are clear and definite.
[ 45 ] Als nächstes Kapitel wird der Schluß von Lessings «Erziehung des Menschengeschlechtes» angeführt:
[ 45 ] The next chapter cited is the conclusion of Lessing’s *The Education of the Human Race*:
Lessings Ansicht über die Lehre der Wiedergeburt
«Ist diese Hypothese (von der Wiederverkörperung) darum so lächerlich, weil sie die älteste ist? Weil der menschliche Verstand, ehe ihn die Sophisterei und Schule zerstreut und geschwächt hatte, sogleich darauf verfiel? Warum sollte ich nicht so oft wiederkommen, als ich neue Kenntnisse, neue Fertigkeiten zu erlangen geschickt bin? Bringe ich auf einmal so viel weg, daß es der Mühe wiederzukommen etwa nicht lohnt?
Nach der Wiedergeburtslehre ist es unser Los, auf dieser Erde zu leben, bis wir unsere Bestimmung erreicht haben: Gotteserkenntnis, welche ist Selbsterkenntnis. Der Tod ist keine Vernichtung; das Ich-Bewußtsein, unser eigentliches Wesen, tritt nur in einen anderen Körper. Auch der Selbstmörder entrinnt nicht, er schneidet nur den Lebensfaden ab, der nach unerbittlichen Gesetzen wieder angeknüpft werden muß.»
Lessing’s View on the Doctrine of Reincarnation
“Is this hypothesis (of reincarnation) so ridiculous simply because it is the oldest? Because the human mind, before it was scattered and weakened by sophistry and formal education, immediately fell for it? Why should I not return as often as I am sent to acquire new knowledge and new skills? Do I accomplish so much at once that it is not worth the effort to return?
According to the doctrine of reincarnation, it is our lot to live on this earth until we have fulfilled our destiny: knowledge of God, which is self-knowledge. Death is not annihilation; the sense of self—our true essence—merely enters another body. Even the suicide cannot escape; he merely severs the thread of life, which, according to inexorable laws, must be reattached.”
[ 46 ] — So Lessing. Das waren kräftige Worte. Das waren aber auch Worte eines Mannes, der die Bildung seiner Zeit in sich hatte und durch das, was ihm diese und das Christentum geben konnten, notwendig zu dieser Lehre von der Wiederverkörperung geführt wurde. Man sieht an dieser Stelle die eminente Bildung, man sieht den Geschichtskritiker. Aber nun sagt man, natürlich ist Lessing ein großer Mann; er hat den «Nathan» geschrieben und so weiter, das ist gut, aber, alt geworden, hat er sich solchen phantastischen Träumereien hingegeben wie der Lehre von der Wiedergeburt; da kann man nicht mitgehen. — Nun, da ist eben der Hofmeisternde viel gescheiter als Lessing in seinem Alter geworden ist. So mancher glaubt ja, daß er doch viel gescheiter ist als Lessing, den man sonst sogar als großen Mann gelten läßt. Man sollte wenigstens das Lächerliche einer solchen Anerkennung einsehen; einsehen, daß man hinstreben muß zu dem, wozu Lessing sich zuletzt durchgearbeitet hatte. Man sollte das Lächerliche einsehen, wenn man nicht mitgehen will bis zu dieser reifsten Frucht des Lessingschen Denkens, geschweige nicht zu gedenken dessen, was in dem neueren Geistesleben nachgekommen ist. Diese Menschen sprechen, ohne auf den eigentlichen Grundkern einzugehen, der schon dem neuen Geistesleben zugrunde gelegen hat, der aber für viele, die es interpretieren, ein Buch mit sieben Siegeln ist. — Nun, Wrangell sagt weiter:
[ 46 ] — So said Lessing. Those were strong words. But they were also the words of a man who had absorbed the culture of his time and who, through what that culture and Christianity could offer him, was inevitably led to this doctrine of reincarnation. Here one sees his eminent education; here one sees the historical critic. But now people say, of course Lessing is a great man; he wrote *Nathan* and so on—that’s all well and good—but in his old age he indulged in such fanciful reveries as the doctrine of rebirth; one cannot go along with that. — Well, in this regard, the court tutor has become much wiser than Lessing was in his old age. Many people believe, after all, that they are much wiser than Lessing, whom one otherwise even regards as a great man. One should at least recognize the absurdity of such an assessment; recognize that one must strive toward what Lessing had ultimately worked his way toward. One should recognize the absurdity of this if one is unwilling to follow through to this ripest fruit of Lessing’s thought, let alone consider what has come after it in the newer intellectual life. These people speak without addressing the very core that already underlay the new intellectual life, but which remains a closed book to many who interpret it. — Well, Wrangell goes on to say:
Daß auch Goethe am Glauben an eine Wiedergeburt hing, wissen wir aus den Mitteilungen Eckermanns und Boisser&es. Kant sagt in seinen «Vorlesungen über Psychologie»: «Der Anfang des Lebens ist die Geburt; dieses ist aber nicht der Anfang des Lebens der Seele, sondern des Menschen. Geburt, Leben und Tod sind also nur Zustände der Seele... Mithin bleibt die Substanz, wenngleich der Körper vergeht, und also muß auch die Substanz dagewesen sein, als der Körper entstand.»
We know from the accounts of Eckermann and Boisseré that Goethe, too, held fast to the belief in reincarnation. Kant states in his “Lectures on Psychology”: “The beginning of life is birth; but this is not the beginning of the life of the soul, but of the human being. Birth, life, and death are therefore merely states of the soul... Consequently, the substance remains, even though the body perishes, and thus the substance must also have existed when the body came into being.”
[ 47 ] Jetzt folgt das letzte Kapitel:
[ 47 ] Now comes the final chapter:
Kurze Zusammenfassung des Gedankenganges
Versuchen wir, den oben niedergelegten Gedankengang kurz zusammenzufassen.
Der Begriff des Gesetzmäßigen, der notwendigen Verkettung von Ursache und Wirkung im Geschehen, ist keine ursprüngliche Erkenntnis. Das unmittelbare Bewußtsein gibt uns im Gegenteil die Vorstellung der bedingten Freiheit.
Der Begriff des Gesetzmäßigen, worauf jede Wissenschaft beruht, trat dem Menschen zuerst wohl aus Beobachtung des zeitlich regelmäßigen Verlaufs der Himmelserscheinungen entgegen. Dann wurde dieser Begriff mit immer wachsendem Erfolge auf die Erscheinungen des Unbelebten angewandt (Physik, Chemie), dann auf das Belebte, schließlich auch auf das Geistige. Geprüft und unwiderruflich erwiesen kann der Begriff der Gesetzmäßigkeit nur an solchen Erscheinungen werden, die sich quantitativ bestimmen lassen, die gemessen werden können. Die Ausdehnung der Vorstellung der Notwendigkeit vom Stofflichen auch auf das Geistige ist eine Annahme, der man, nach Analogie mit dem Geschehen im Stofflichen, zwar eine gewisse Wahrscheinlichkeit zusprechen kann, die aber nicht bewiesen werden kann, weil der Prüfstein der Meßbarkeit hier fehlt. Zahlreiche, von urteilsfähigen Männern der Wissenschaft geprüfte Tatsachen gestatten es keinem wahrheitssuchenden Menschen, die Existenz geistiger Wesen zu leugnen, ohne den Nachweis zu führen, weshalb er die betreffenden Tatsachen und ihre Beweiskraft verwirft.
Die Grundlehren der Theosophie — Wiedergeburt und Karma widersprechen keiner wissenschaftlichen Tatsache, befriedigen den Verstand und genügen, besser als andere Lehren, der Grundlage jeder Sittlichkeit — der Forderung nach Gerechtigkeit.
Der Glaube an diese Grundannahmen muß den Menschen zum Ertragen unerwünschter Lebensschicksale stärken und das Streben nach dem Guten in ihm fördern.
Brief Summary of the Line of Thought
Let us try to briefly summarize the line of thought set forth above.
The concept of regularity—the necessary chain of cause and effect in events—is not an original insight. On the contrary, immediate consciousness gives us a mental image of conditional freedom.
The concept of regularity, upon which every science is based, first presented itself to humankind, it seems, through observation of the temporally regular course of celestial phenomena. This concept was then applied, with ever-increasing success, to the phenomena of the inanimate world (physics, chemistry), then to the living world, and finally to the spiritual realm as well. The concept of regularity can only be tested and irrevocably proven in relation to phenomena that can be quantitatively determined—that is, phenomena that can be measured. The extension of the mental image of necessity from the material realm to the spiritual realm is an assumption which, by analogy with what occurs in the material realm, can indeed be accorded a certain degree of probability, but which cannot be proven because the touchstone of measurability is lacking here. Numerous facts, examined by discerning men of science, do not permit any truth-seeking person to deny the existence of spiritual beings without providing evidence as to why he rejects the facts in question and their probative value.
The fundamental teachings of Theosophy—reincarnation and karma—do not contradict any scientific fact, satisfy the intellect, and, better than other teachings, fulfill the foundation of all morality—the demand for justice.
Belief in these fundamental principles must strengthen people to endure undesirable life circumstances and encourage their striving for goodness.
[ 48 ] Nun, meine lieben Freunde, so steht diese Broschüre vor uns als ein Dokument unserer Zeit, als der Ausdruck eines Menschen, der in der Durcharbeitung wissenschaftlicher Methoden fest darinnensteht und Zeugnis ablegen will dafür, daß man ein guter, vollbewußter Wissenschafter sein kann und gerade — nicht trotzdem, sondern eben deshalb — zu einer den Geist anerkennenden Weltanschauung kommen muß.
[ 48 ] Well, my dear friends, here before us is this brochure—a document of our time, the expression of a person who is firmly grounded in the practice of scientific methods and who wishes to bear witness to the fact that one can be a good, fully conscious scientist and—not in spite of this, but precisely because of it—must arrive at a worldview that acknowledges the spirit.
[ 49 ] Sie werden gerade aus den letzten Kapiteln der Broschüre des Herrn von Wrangell ersehen haben, daß er sich noch nicht sehr tief befaßt hat mit der Geisteswissenschaft, daß er nicht an den Unterschied herangetreten ist zwischen dem, was die Geisteswissenschaft will, und der dilettierenden Theosophie. Und daher ist es um so wichtiger zu sehen, wie jemand, der wissenschaftlich geschult ist, nach dem verlangt, was nur durch die Geisteswissenschaft wirklich gegeben werden kann, so daß man sagen kann: man hat durch eine solche Broschüre kennengelernt, wie ein vorurteilsloser Wissenschafter sich zu einer Geist anerkennenden Anschauung stellen kann.
[ 49 ] You will have seen from the last few chapters of Mr. von Wrangell’s pamphlet that he has not yet delved very deeply into Spiritual Science, that he has not addressed the distinction between what Spiritual Science aims for and amateurish theosophy. And that is why it is all the more important to see how someone with a scientific background seeks what can truly be provided only by Spiritual Science, so that one can say: through such a pamphlet, one has come to understand how an unbiased scientist can approach a worldview that acknowledges the spirit.
[ 50 ] Man kann noch andere Fäden ziehen und wir werden das gelegentlich tun. Wir werden uns dadurch weiter in die Sache hineinbegeben, um nicht nur in egoistischer Weise die Geisteswissenschaft zu pflegen, sondern sie wirklich als ein Kulturferment anzusehen und durch sie an dem Entwickelungsgange der Menschheit mitzuarbeiten. Das ist das außerordentlich Wichtige, daß wir uns angewöhnen, wirklich in allem mitzugehen.
[ 50 ] There are other avenues we can explore, and we will do so from time to time. In this way, we will delve deeper into the subject, not merely to cultivate Spiritual Science in a self-serving manner, but to truly regard it as a catalyst for culture and, through it, to contribute to the course of human development. This is what is extraordinarily important: that we accustom ourselves to truly keeping pace with everything.
[ 51 ] Manchmal kann man in unseren Reihen eine bestimmte Erfahtung machen. Seien Sie nicht böse, wenn ich von dieser Erfahrung spreche, aber sie kann wirklich gemacht werden. Es gibt nämlich in unseren Reihen gewisse Mitglieder, die sagen: Öffentliche Vorträge, die sind für uns nicht wichtig —, und sie sagen das in einer Weise, aus der man sieht, wie sie nicht recht mitgehen. Sie sagen, die öffentlichen Vorträge, das ist nicht das Allerwichtigste; die Zweigvotträge ja, die sind für uns, aber über das, was die öffentlichen Vorträge geben, sind wir hinaus. — Und dabei ist es gerade so, daß die öffentlichen Vorträge eingerichtet sind für diejenigen, die einen Zusammenhang mit der Außenwelt haben. Und viel mehr wird Bezug genommen auf die zeitgenössische Wissenschaft in den öffentlichen Vorträgen als in den Privatvorträgen, die zeigen, wie sehr häufig zarte Rücksicht genommen werden muß darauf, daß man es nicht liebt, streng wissenschaftliche Fragen zugrunde zu legen. Und dieses Zarte-Rücksicht-Nehmen wird oftmals so interpretiert, daß man sagt: die öffentlichen Vorträge sind nicht so wichtig.
[ 51 ] Sometimes one can have a certain experience within our ranks. Please don’t be upset if I speak of this experience, but it really can happen. There are, in fact, certain members among us who say: “Public lectures—they’re not important to us”—and they say this in a way that makes it clear they don’t quite go along with it. They say that public lectures aren’t the most important thing; branch lectures, yes, those are for us, but we’ve moved beyond what the public lectures offer. — And yet it is precisely the case that the public lectures are designed for those who have a connection to the outside world. And much more reference is made to contemporary science in the public lectures than in the private lectures, which shows how often delicate consideration must be given to the fact that people do not like to base things on strictly scientific questions. And this delicate consideration is often interpreted in such a way that people say: the public lectures aren’t that important.
[ 52 ] In Wahrheit liegt etwas anderes vor. Es liegt auch diesen Dingen nur eine bestimmte Art von Egoismus zugrunde. Ich will keine Lanze brechen für die öffentlichen Vorträge, ich will nur das Haltlose anfechten, das viele Leute als Meinung haben. Man wird vielleicht in den Zweigvorträgen da oder dort leichter dieses oder jenes Zwischenglied vermissen können; aber die öffentlichen Vorträge müssen Glied für Glied gestaltet werden. Das lieben viele nicht, die mit ihrer Arbeit nicht in dem gesamten Kulturprozesse unserer Zeit darinnenstehen. Aber auf dieses Sich-Hineinstellen in den Kulturprozeß der Zeit, auf dieses Nicht-sich-Abschließen kommt es gerade an.
[ 52 ] In truth, the situation is different. Even these things are based on a certain kind of selfishness. I do not wish to take up the cause of public lectures; I merely wish to challenge the baseless notions that many people hold. One might perhaps more easily overlook this or that intermediate link here and there in the branch lectures; but the public lectures must be structured link by link. Many who are not deeply immersed in the overall cultural process of our time through their work do not appreciate this. But it is precisely this immersion in the cultural process of the time, this refusal to shut oneself off, that matters most.
[ 53 ] Es ist natürlich auch leichter, von Engeln, Luzifer und Ahriman zu reden als von Elektronen, Ionen und so weiter. Aber nicht wahr, wir müssen uns schon einmal auch zum Bewußtsein bringen, daß wir die Fäden nach der gegenwärtigen Kultur hin durchaus ziehen müssen. Ich bitte Sie aber, die Sache nicht wieder einseitig zu nehmen, so als wenn ich Sie auffordern wollte, Sie sollen sich morgen die ganze wissenschaftliche Sammlung Göschen kaufen und sich hinsetzen, um alles das nach und nach zusammenzuochsen, wie die Studenten sagen würden. Das meine ich durchaus nicht. Ich meine nur, daß da, wo man maßgebend reden will über die Stellung der Geisteswissenschaft zu unserer Kultur, man auch ein Bewußtsein davon haben muß und namentlich nicht in den Fehler verfallen soll, zu sagen: diese äußere Wissenschaft ist ein blauer Dunst. Man kann ja als Einzelner sagen, man habe keine Zeit, sich damit zu befassen; aber der ganzen Einrichtung, dem ganzen Betriebe sollte durch das, was ich gesagt habe, eine gewisse Richtung gegeben werden. Und es sollte nicht Verwunderung erregen, daß die geisteswissenschaftliche Hochschule einzelne Zweige der Wissenschaft so betreiben will, daß sie nach und nach zur Geisteswissenschaft hinführen werden. Wir bedürfen doch draußen der materialistischen Kultur. Und diejenigen der Anthroposophen tun Unrecht, die sagen: Was schert mich die materialistische Kultur, die geht mich nichts an, die ist für grobklotzige Materialisten; ich pflege dasjenige, was man erlebt, wenn man träumt, wenn man nicht ganz recht bei vollem Bewußtsein ist; das andere geht mich nichts an, ich habe die Lehren von Reinkarnation und Karma und so weiter. — Auf der anderen Seite ist die Welt da draußen, die sagt: Wir haben die reale Wissenschaft, die ernsten und würdigen Methoden, und da kommen nun die Anthroposophen mit ihrer Geisteswissenschaft; das sind ja die reinsten Narren.
[ 53 ] Of course, it is also easier to talk about angels, Lucifer, and Ahriman than about electrons, ions, and so on. But don’t you think we need to remind ourselves that we absolutely must draw the threads back to our present-day culture? But I ask you not to take this matter one-sidedly again, as if I were urging you to go out tomorrow and buy the entire Göschen scientific collection and sit down to work your way through it bit by bit, as the students would say. That is certainly not what I mean. I simply mean that if one wishes to speak authoritatively about the place of Spiritual Science in our culture, one must also be aware of this and, above all, must not fall into the error of saying: this external science is mere hot air. As an individual, one can certainly say one has no time to concern oneself with it; but what I have said should give the entire institution, the entire enterprise, a certain direction. And it should come as no surprise that the School of Spiritual Science wishes to pursue individual branches of science in such a way that they will gradually lead toward Spiritual Science. After all, we need materialistic culture out there. And those among the anthroposophists are wrong who say: What do I care about materialistic culture? It’s none of my business; it’s for coarse, boorish materialists. I cultivate what one experiences when dreaming, when one is not quite fully conscious; the rest is none of my concern—I have the teachings of reincarnation and karma and so on. — On the other hand, there is the world out there that says: “We have real science, serious and dignified methods, and now the anthroposophists come along with their Spiritual Science; they are, after all, the purest fools.”
[ 54 ] Bei diesem Gegensatz darf es nicht bleiben, und von draußen kann nicht erwartet werden, daß die Vermittlung kommt. Die Vermittlung muß von innen kommen. Wir müssen verstehen und dürfen uns nicht aufs Faulbett legen und sagen: Wenn wir in die geistige Welt erst hinaufklettern müssen durch die Wissenschaft, das ist uns viel zu mühsam.
[ 54 ] This conflict cannot be allowed to continue, and we cannot expect mediation to come from outside. Mediation must come from within. We must understand this and must not lie back idly and say: “If we first have to climb up into the spiritual world through science, that is far too arduous for us.”
[ 55 ] Von der Bedeutung der materialistischen Kultur wollte ich sprechen und Sie auf dieselbe aufmerksam machen, denn ich habe es oftmals betont: der Materialismus kommt von Ahriman, aber Ahriman muß man kennen, geradeso wie man Luzifer kennen und mit ihm rechnen muß. Und die Trinität, die wir gestern am Modell anschauen konnten, ist dasjenige, mit dem sich die Menschheit wird bekanntmachen müssen.
[ 55 ] I wanted to speak about the significance of materialistic culture and draw your attention to it, for I have often emphasized: materialism comes from Ahriman, but one must be aware of Ahriman, just as one must be aware of Lucifer and take him into account. And the Trinity, which we were able to examine yesterday using the model, is the very thing with which humanity will have to become acquainted.
[ 56 ] Ich möchte noch einmal wiederholen: Versuchen Sie nicht die Außenwelt zu ärgern dadurch, daß Sie von einer neuen Religion sprechen. Wenn wir von der Gruppe als «Christus-Statue» sprächen, so würde das ein großer Fehler sein. Es genügt zu sagen: Da steht der Repräsentant der Menschheit. Jeder kann sehen, was da gemeint ist. Es ist wichtig, daß wir immer die richtigen Worte finden, das heißt, daß wir bedenken, wie wir uns hineinstellen sollen in die ganze Kulturwelt und dazu kommen wollen, die Sache mit den richtigen Worten zu bezeichnen. Das ist dasjenige, was immer wieder gesagt werden muß. Wir wollen nicht zu anderen sprechen: Da haben wir erst den richtigen Christus dargestellt. — Das mögen wir wissen und für uns behalten. Für uns ist es wichtig, den ganzen Segen der materialistischen Kultur einzusehen, sonst begehen wir denselben Fehler, den die anderen begehen, die nicht prüfen.
[ 56 ] I would like to repeat once more: Do not try to provoke the outside world by speaking of a new religion. If we were to refer to the group as the “Statue of Christ,” that would be a grave mistake. It is enough to say: There stands the representative of humanity. Everyone can see what is meant by that. It is important that we always find the right words—that is, that we consider how we should position ourselves within the entire cultural world and strive to describe the matter with the right words. This is what must be said again and again. We do not want to say to others: “We are the first to have portrayed the true Christ.”—Let us know that and keep it to ourselves. It is important for us to recognize the full blessing of materialistic culture; otherwise, we will make the same mistake as those who do not examine it closely.
[ 57 ] Fragen wir uns, ob wir es nicht mit den anderen ebenso machen. Wir brauchen zwar mit dem wahren Urteil nicht zurückzuhalten, aber müssen verstehen, was draußen vorgeht. Dann werden wir auch in den richtigen Worten dem entgegentreten können, was draußen ist. Aber, meine lieben Freunde, wir werden viel, viel zu tun bekommen nach dieser Richtung, denn die Trägheit, von der ich heute gesprochen habe, ist sehr, sehr verbreitet und wir müssen den Mut finden, den Leuten zu sagen: Zu träge seid ihr, um euch in die Aktivität des Denkens zu begeben.
[ 57 ] Let us ask ourselves whether we are not doing the same thing to others. While we need not hold back from speaking the truth, we must understand what is happening out there. Then we will also be able to confront what is out there with the right words. But, my dear friends, we will have much, much to do in this regard, for the inertia I have spoken of today is very, very widespread, and we must find the courage to tell people: You are too inert to engage in the activity of thinking.
[ 58 ] Wenn wir verstehen, was draußen ist, dann dürfen wir auch starke Worte benützen, einen energischen Kampf aufnehmen. Aber wir müssen uns bekanntmachen damit und die Fäden zu der äußeren Kultur ziehen. Deshalb wollte ich auch ein Beispiel geben an der sehr verdienstvollen Wrangellschen Broschüre, die zeigt, wie jemand stark als Wissenschafter ist, aber sich nicht genügend mit der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung befaßt hat, jedoch dutch die ganze Richtung seiner Seele zur Geisteswissenschaft hinneigt.
[ 58 ] If we understand what is out there, then we can also use strong words and wage a vigorous struggle. But we must familiarize ourselves with it and draw connections to the external culture. That is why I also wanted to give an example from Wrangell’s highly commendable brochure, which shows how someone can be a strong scientist but has not sufficiently engaged with the spiritual-scientific worldview, even though the entire orientation of his soul leans toward Spiritual Science.
[ 59 ] Wir haben das Fädenziehen oft, zumeist an konkreten Persönlichkeiten gezeigt, und ich rate Ihnen, da, wo Zweige sind, das auch in Zusammenarbeit zu tun. Selbstverständlich kann das nicht die Arbeit von einem einzigen sein; da würde man nicht fertig werden. Sondern da muß einer sein, der meinetwillen eine Broschüre über die Euckensche Weltanschauung übernimmt und ein anderer nimmt eine Broschüre, die das Blut-, Muskel- und Nervensystem und so weiter zum Gegenstande hat und arbeitet sie mit den anderen durch. Das kann Zweigarbeit sein. Das kann dann so eingerichtet werden, daß man an einem Zweigabend rein geisteswissenschaftlich arbeitet und am nächsten dann eine solche Sache durchnimmt. Wenn der eine es an einem Tage getan hat, so kann es das andere Mal ein anderer tun. Es kann jeder an irgend etwas anknüpfen, was ihm irgendwie naheliegt. Und warum sollte einer, der gar keine wissenschaftliche Bildung hat, nicht auch an das oder jenes anknüpfen können? Es gibt Fragen des Leben, die auch an solche Dinge angeknüpft werden können. Es ist viel nützlicher, die Zeit zu solchen Studien zu benützen, als allerlei okkulte Vertracktheiten und Material aus Träumen herauszuholen, und das den Leuten zu erzählen. Es ist auch das nicht einseitig gemeint. Es soll nicht gesagt sein, daß man niemals von okkulten Erlebnissen sprechen könne; aber es handelt sich darum, die richtige Verbindungslinie zu ziehen. Es handelt sich nicht darum, die Wissenschaft der Sinne zu verachten, sondern sie zu beherrschen. Die Wissenschaft der Sinne soll nicht totgetreten oder vernichtet, sondern beherrscht werden.
[ 59 ] We have often demonstrated this “pulling of strings,” mostly in relation to specific individuals, and I advise you to do the same in collaboration with others wherever such opportunities arise. Of course, this cannot be the work of a single person; one would never get it done that way. Rather, there must be one person who, for my sake, takes on a brochure about Eucken’s worldview, and another who takes a brochure dealing with the blood, muscle, and nervous systems, and so on, and works through it with the others. This can be done in branches. This can then be organized so that on one branch meeting evening we work purely on Spiritual Science, and on the next we go through such a topic. If one person has done it on one day, someone else can do it the next time. Everyone can take up something that is close to their heart in some way. And why shouldn’t someone who has no scientific training at all be able to take up this or that topic as well? There are questions of life that can also be linked to such things. It is much more useful to devote time to such studies than to dig up all sorts of occult intricacies and material from dreams and tell people about them. This is not meant to be one-sided either. It is not to be said that one can never speak of occult experiences; but the point is to draw the right line of connection. It is not a matter of despising the science of the senses, but of mastering it. The science of the senses should not be trampled underfoot or destroyed, but mastered.
