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The Value of Thinking for Satisfying Our Quest for Knowledge
The Relationship Between the Spiritual Science and the Natural SciencesGA 164

3 October 1915, Dornach

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The Value of Thinking for Satisfying Our Quest for Knowledge, tr. SOL
  1. Der Wert des Denkens für eine den Menschen befriedigende Erkenntnis

Das Verhältnis der Geisteswissenschaft zur Naturwissenschaft IV

The Relationship Between the Spiritual Science and the Natural Sciences IV

[ 1 ] Wir fahren nun fort mit den Interpretationen, die wir an die Wrangell-Broschüre «Wissenschaft und Theosophie» angeknüpft haben. Wir sind stehengeblieben bei dem Kapitelchen «Wesen der Lehre Jesu», nach dem das Wesen der Lehre Jesu bestehen soll «in der rohen Botschaft , daß der Schöpfer und Lenker des Weltalls dem Menschen, den er nach seinem Ebenbild geschaffen, ein lieber Vater ist, daß Liebe zu Gott und den Mitmenschen das höchste sittliche Gebot ist, daß die Seele des Menschen unvergänglich ist und daß ihr nach dem Tode ein Los bereitet wird, welches dem sittlichen Verhalten des Menschen während seines Lebens entspricht.»

[ 1 ] We now continue with the interpretations we began in the Wrangell brochure “Science and Theosophy.” We left off at the short chapter “The Essence of Jesus’ Teaching,” according to which the essence of Jesus’ teaching is said to consist “in the simple message that the Creator and Ruler of the universe is a loving Father to humankind, whom He created in His own image; that love for God and one’s fellow human beings is the highest moral commandment; that the human soul is immortal; and that after death, a fate awaits it that corresponds to the person’s moral conduct during their lifetime. »

[ 2 ] Wir mußten darauf aufmerksam machen, daß man wohl die Lehre Jesu so umschreiben kann, daß aber das Wesen des Christentums im geisteswissenschaftlichen Sinne nicht getroffen wird, wenn man sich nicht bewußt wird, wie in dem Erscheinen des Christus in Jesus von Nazareth und in dem Mysterium von Golgatha Tatsachen vorliegen, welche von dem verstanden werden müssen, der allmählich sich in das Wesen des Christentums hineinfinden will. Diese Tatsachen gehören zum Wesen des Christentums. Das Christentum ist, ich habe das oftmals ausgesprochen, nicht bloß eine Lehre, sondern umfaßt eine Tatsächlichkeit und diese Tatsächlichkeit, die man als das «Mysterium von Golgatha» ausdrücken kann, zu verstehen, gehört mit zum Verständnis vom Wesen des Christentums.

[ 2 ] We had to point out that while one can certainly paraphrase Jesus’ teaching in this way, the essence of Christianity in the sense of Spiritual Science is not captured unless one becomes aware that the appearance of the Christ in Jesus of Nazareth and the Mystery of Golgotha present facts that must be understood by anyone who wishes to gradually find their way into the essence of Christianity. These facts are part of the essence of Christianity. Christianity, as I have often stated, is not merely a doctrine, but encompasses a reality; and understanding this reality—which can be expressed as the “Mystery of Golgotha”—is an integral part of understanding the essence of Christianity.

[ 3 ] Dann wird darauf aufmerksam gemacht, daß die verschiedenen Religionen einen Konflikt zwischen Glauben und Wissenschaft hervorgerufen haben: «Die augenfälligen Verirrungen, in welche die organisierten christlichen Gemeinschaften, die historischen Kirchen, gerieten, haben ihre Dogmen in Gegensatz zu manchen festbegründeten wissenschaftlichen Errungenschaften gebracht und dadurch den Konflikt zwischen Glauben und Wissen, Religion und Wissenschaft, der das geistige Leben der europäischen Kulturwelt zersetzt, hervorgerufen. Aus dieser Sachlage heraus ist das Interesse zu erklären, welches sich anderen Religionssystemen zugewandt hat, welche den Anspruch erheben, mit der Wissenschaft nicht nur in Einklang zu sein, sondern sie noch zu erweitern. Unter diesen Lehren verdient die Theosophie besondere Beachtung. Seit die europäische Kulturwelt durch H.P. Blavatsky auf diese, aus Indien stammende Lehre aufmerksam gemacht wurde, hat sie verschiedene Darstellungen gefunden.»

[ 3 ] It is then pointed out that the various religions have caused a conflict between faith and science: “The glaring errors into which organized Christian communities—the historical churches—have fallen have placed their dogmas in opposition to many well-established scientific achievements, thereby giving rise to the conflict between faith and knowledge, religion and science, which is eroding the intellectual life of European civilization. This situation explains the interest that has turned toward other religious systems, which claim not only to be in harmony with science but also to expand upon it. Among these teachings, Theosophy deserves special attention. Ever since H.P. Blavatsky drew the attention of the European cultural world to this teaching, which originated in India, it has taken on various forms.”

[ 4 ] Vom geisteswissenschaftlichen Standpunkte aus muß insbesondete darauf hingewiesen werden, daß dasjenige, was die Geisteswissenschaft der modernen Menschheit notwendig ist, nicht als eine aus Indien stammende Lehre bezeichnet werden darf, sondern daß sie sich rein aus sich selbst heraus, aus den Impulsen des gegenwärtigen Entwickelungszyklus heraus gebildet hat. Und wenn Außenstehende immer wieder und wieder unserer Geisteswissenschaft gegenüber auf eine Verwandtschaft mit indischen Lehren hinweisen, so kommt das nur davon her, daß dem Abendland die Auffassung von den wiederholten Erdenleben so fremd geblieben ist, daß jeder, der von den wiederholten Erdenleben hört, gleich an Indien denkt, weil dort diese Lehre innerhalb der Religionsvorstellungen zum Dogma geworden ist. Allein wichtig ist, immer wieder zu betonen, daß das, was unser geisteswissenschaftlicher Inhalt ist, aus den Bedürfnissen der Gegenwatt selbst sich aufbaut und nicht eine von da oder dort herstammende Lehre ist, sondern aus sich selbst erfaßt und begriffen werden soll.

[ 4 ] From the perspective of Spiritual Science, it must be emphasized in particular that what Spiritual Science offers modern humanity must not be described as a doctrine originating in India, but rather that it has emerged purely from within itself, from the impulses of the present cycle of development. And when outsiders repeatedly point out a connection between our Spiritual Science and Indian teachings, this is solely because the concept of repeated earthly lives has remained so foreign to the West that anyone who hears of repeated earthly lives immediately thinks of India, since there this teaching has become a dogma within religious beliefs. What is important, however, is to emphasize time and again that the content of our Spiritual Science arises from the needs of the present age itself and is not a doctrine originating from here or there, but is to be grasped and understood from within.

[ 5 ] Schließlich muß auch hinsichtlich Blavatskys gesagt werden, daß sie zuerst mit ihren Lehren, wie sie sie zum Beispiel in der «Entschleierten Isis» zum Ausdruck gebracht hat, ganz unabhängig war von jeder orientalisierenden Kulturströmung; daß das, was in den ersten Zeiten von ihr geschrieben worden ist, ganz der europäischen Geisteskultur angehört. Nur ist es dann durch verschiedene Verwicklungen dazu gekommen, daß Blavatsky sich immer mehr und mehr zu dem Indischen hingezogen fühlte. Dadurch hat sie der von ihr stammenden und auf sie schwörenden Strömung eine Art indischer Vignette aufgedrückt, die wiederum weggenommen werden muß, weil es unmöglich wäre, in der neueren Kultur mit irgendeinem alten Religionssystem auch nur das Allergeringste zu Recht bewerkstelligen zu können. Das ist außerordentlich wichtig; es bleibt auch wichtig für die Betrachtung des besonders interessanten Kapitels unserer Broschüre, in dem die theosophischen Lehren zusammengestellt werden. Das Kapitel heißt: «Wesen der theosophischen Lehren.» Herr von Wrangell schildert hier nicht etwa, was die Geisteswissenschaft unmittelbar als solche ist, sondern dasjenige, was er in der Literatur der verschiedenen Weltanschauungen, die sich theosophisch nennen, gefunden hat. Ich werde dieses Kapitel lesen und dann wollen wir unsere Betrachtungen daran knüpfen. Also:

[ 5 ] Finally, it must also be said regarding Blavatsky that, at first, her teachings—as she expressed them, for example, in *Isis Unveiled*—were entirely independent of any cultural trend influenced by the Orient; that what she wrote in her early years belongs entirely to European intellectual culture. However, due to various complications, Blavatsky came to feel increasingly drawn to India. As a result, she imposed a sort of Indian veneer on the movement that originated with her and was devoted to her—a veneer that must in turn be removed, because it would be impossible to achieve even the slightest success in modern culture with any ancient religious system. This is extremely important; it also remains important for the consideration of the particularly interesting chapter in our brochure, in which the theosophical teachings are compiled. The chapter is titled: “The Nature of Theosophical Teachings.” Here, Mr. von Wrangell does not describe what Spiritual Science is in and of itself, but rather what he has found in the literature of the various worldviews that call themselves theosophical. I will read this chapter, and then we will base our reflections on it. So:

Wesen der theosophischen Lehren

Die wesentlichsten Annahmen, welche den verschiedenen Darstellungen und Auffassungen der Theosophie gemein sind, kann man folgendermaßen ausdrücken.

1. Es bestehen außer der, durch unsere fünf Sinne wahrnehmbaren Welt, noch andere, geistige Welten, von denen jede höhere Welt auf die niederen einwirkt.

2. Es gibt Menschen, die außer den gewöhnlichen fünf Sinnen noch andere Wahrnehmungsmöglichkeiten haben, sogenannte «okkulte Sinne».

3. Gedanken, Gefühle, Willensimpulse, kurz, das, was wir im menschlichen Erleben als «geistige Erscheinungen» bezeichnen, sind — auch wenn sie sich in der Sinneswelt nicht als Worte oder Taten geäußert haben, lebendige Wesenheiten, zu Wirkungen in den geistigen Welten und mittelbar in der Sinneswelt befähigt.

4. Das seelische Leben jedes Menschen hinterläßt unvergängliche Spuren in den höheren Welten, die in ihrer Gesamtheit von den Geheimforschern als «Akasha-Chronik» bezeichnet wird und von einigen dazu befähigten Menschen (Eingeweihten) erforscht werden kann.

5. Der lebendige Mensch ist nicht ein einfaches, aus dem belebten Körper bestehendes Wesen, sondern der physische Körper ist nur das Werkzeug, vermittelst dessen das eigentliche Wesen des Menschen, sein unzerstörbares «Ich», mit der physischen Welt in Beziehung treten kann. Diese Beziehungen werden vermittelt durch Zwischenglieder: erstens den «ätherischen Leib», der Träger des unbewußten, vegetativen Lebens ist und die materiellen Stoffe des Körpers seinen eigenen Gesetzen gemäß gestaltet; zweitens «Astralleib», Träger der Begierden, Leidenschaften, Triebe.

6. Das «Ich» des Menschen, Träger seines Selbstbewußtseins, ist mit Freiheit begabt, d.h. er kann seine Begierden, Willensimpulse, Gedanken usw. leiten, ihnen Ziel und Richtung setzen.

7. Je nachdem ob das Ich die sich ihm im Leben bietenden äußeren Möglichkeiten den ewigen Gesetzen und dem Zweck des Weltganzen gemäß ausnutzt oder aber es verabsäumt, gestaltet es sein «Karma», d.h. das im Weltganzen ihm zukommende Maß von Befriedigung oder Pein.

8. Nach dem leiblichen Tode durchzieht das unsterbliche «Ich» des Menschen verschiedene geistige Welten, die Summe der Ewigkeitswerte, die es im irdischen Leben gewonnen hat, mit sich führend. Nach einer, für jedes Einzelwesen verschiedenen Zeitdauer tritt das «Ich» die Rückwanderung an, aus den höheren Welten in die niederen, bereichert um die in jenen Welten gewonnenen Einblicke und beginnt, durch Wiederverkörperung, ein neues Erdenleben, welches sich je nach seinem Karma und je nach den Bestrebungen seines veränderten «Ich» gestaltet.

9. Das Weltgeschehen wird, dem Zwecke des Ganzen gemäß, von geistigen Wesenheiten geregelt, die — fördernd oder hemmend, je nach ihrer Beschaffenheit oder Willensrichtung, in das Geschehen eingreifen.

10. Diese Wesenheiten sind, ihrer Wirkungssphäre und Macht gemäß, hierarchisch gegliedert und unterliegen, wie alles in der Welt, der Entwickelung von niederem zum höheren.

11. Das oberste Gesetz alles Weltgeschehens ist «freies Opfer aus Liebe». Die das All umfassende Gottheit hat, diesem Gesetze folgend, sich durch Manifestation in der Außenwelt geopfert, indem sie die aus ihr entstammenden geistigen Wesenheiten mit der Fähigkeit freier Willensimpulse ausstattete. Der durch diese Tat ins Leben gerufene Kosmos ist seiner Entwickelung überlassen.

12. Diese Entwickelung führt durch Äonen hindurch vom unbewußten zum bewußten Erfassen des obersten Weltgesetzes und durch Verwirklichung desselben zur Wiedervereinigung des Einzelnen mit dem Ganzen.

The Essence of Theosophical Teachings

The most fundamental assumptions common to the various presentations and interpretations of Theosophy can be expressed as follows.

1. In addition to the world perceptible through our five senses, there are other, spiritual worlds, each higher world influencing the lower ones.

2. There are people who, in addition to the ordinary five senses, possess other means of perception, the so-called “occult senses.”

3. Thoughts, feelings, impulses of the will—in short, what we refer to in human experience as “spiritual phenomena”—are, even if they have not been expressed in the sensory world as words or deeds, living entities capable of producing effects in the spiritual worlds and, indirectly, in the sensory world.

4. The soul life of every human being leaves indelible traces in the higher worlds, which in their entirety are referred to by esoteric researchers as the “Akashic Records” and can be explored by certain individuals (initiates) who are capable of doing so.

5. The living human being is not a simple entity consisting solely of the animate body; rather, the physical body is merely the instrument through which the true essence of the human being—his indestructible “I”—can enter into relationship with the physical world. These relationships are mediated by intermediate bodies: first, the “etheric body,” which is the vehicle of unconscious, vegetative life and shapes the material substances of the body according to its own laws; second, the “astral body,” the vehicle of desires, passions, and instincts.

6. The human “I,” the bearer of self-consciousness, is endowed with freedom; that is, it can direct its desires, impulses of the will, thoughts, etc., and set their goals and direction.

7. Depending on whether the “I” makes use of the external opportunities presented to it in life in accordance with the eternal laws and the purpose of the universe as a whole, or whether it fails to do so, it shapes its “karma”—that is, the measure of satisfaction or suffering that is due to it within the universe as a whole.

8. After physical death, the immortal “I” of the human being passes through various spiritual worlds, carrying with it the sum of the eternal values it has gained during its earthly life. After a period of time that varies for each individual being, the “I” begins its return journey from the higher worlds to the lower ones, enriched by the insights gained in those worlds, and, through reincarnation, begins a new earthly life, which takes shape according to its karma and the aspirations of its transformed “I.”

9. World events are governed, in accordance with the purpose of the whole, by spiritual beings who—either promoting or hindering, depending on their nature or the direction of their will—intervene in the course of events.

10. These beings are hierarchically structured according to their sphere of influence and power and, like everything in the world, are subject to the process of evolution from the lower to the higher.

11. The supreme law of all world events is “free sacrifice out of love.” The Deity who encompasses the entire universe, in accordance with this law, has sacrificed Himself through manifestation in the external world by endowing the spiritual beings originating from Him with the capacity for free will. The cosmos brought into being by this act is left to its own development.

12. This development leads, over the course of eons, from the unconscious to the conscious comprehension of the supreme law of the universe and, through the realization of this law, to the reunification of the individual with the Whole.

[ 6 ] Wir wollen nun die einzelnen Punkte durchgehen. Unter 1. heißt es: «Es bestehen außer der, durch unsere fünf Sinne wahrnehmbaren Welt, noch andere, geistige Welten, von denen jede höhere Welt auf die niederen einwirkt.» Wir können damit einverstanden sein. Unter 2. heißt es: es gibt sogenannte okkulte Sinne. — Ich habe schon gestern gesagt, daß es notwendig ist zu betonen, daß die Geisteswissenschaft auf dem Standpunkte steht, daß durch besondere Behandlung der gewöhnlichen Fähigkeiten auch geistige Wahrnehmungsfähigkeiten im Menschen herangebildet werden können, und daß es im heutigen Entwickelungszyklus auf diese methodisch herangebildeten Fähigkeiten vorzugsweise ankommt. Man kann auch solche Fähigkeiten, welche noch aus früheren Zeiten stammen, im Menschen finden. Sie können zwar geweckt werden, da sie fast in jedem Menschen vorhanden sind, aber sie müssen so entwickelt werden, wie es in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» geschildert ist. Es ist also nicht gut, das so zu sagen wie es Herr von Wrangell sagt, sondern man müßte sagen: Es ist möglich, daß der Mensch, so wie er seine fünf Sinne durch die vorgeburtliche Entwickelung heranbildet und sie weiterentwickelt im außermütterlichen Dasein, er auch innere Kräfte entwickelt im rein Geistigen; Fähigkeiten entwickelt, um rein geistige Welten zu schauen. Solche Fähigkeiten sind bewußte Umwandlungen älterer Fähigkeiten, die für frühere Erdenepochen angemessen waren, und die in jedem Menschen schon von selber erwachen, entweder dutch äußere Veranlassung oder während der systematischen Heranbildung durch die Methoden, die in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» geschildert sind. Der Ausdruck «okkulte Sinne» sollte vermieden werden, denn man kann nicht sagen, daß der Mensch okkulte Sinne bekommt, sondern es ist eine ganz andere Art des Wahrnehmens. Man sollte das, was sich aus dem, was man die Lotosblumen nennt, organisiert, nicht Sinne, sondern höchstens Sinnesfähigkeit nennen.

[ 6 ] Let us now go through the individual points. Point 1 states: “In addition to the world perceptible through our five senses, there are other, spiritual worlds, each higher world influencing the lower ones.” We can agree with this. Point 2 states: there are so-called occult senses. — I already said yesterday that it is necessary to emphasize that Spiritual Science takes the position that, through special training of ordinary faculties, spiritual powers of perception can also be developed in human beings, and that in the current cycle of development, these methodically cultivated faculties are of primary importance. One can also find such abilities in human beings that date back to earlier times. Although they can be awakened—since they are present in almost every human being—they must be developed as described in *How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?*. It is therefore not correct to put it the way Mr. von Wrangell does; rather, one should say: It is possible that just as a human being develops their five senses through prenatal development and continues to develop them in life outside the womb, they also develop inner powers in the purely spiritual realm—abilities to perceive purely spiritual worlds. Such abilities are conscious transformations of older abilities that were appropriate for earlier epochs of Earth’s history, and which awaken in every human being of their own accord—either through external impetus or during systematic cultivation using the methods described in *How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?*. The term “occult senses” should be avoided, for one cannot say that a person acquires occult senses; rather, it is an entirely different mode of perception. What is organized from what are called the lotus flowers should not be called senses, but at most sensory faculties.

[ 7 ] Unter 3. heißt es: «Gedanken, Gefühle, Willensimpulse, kurz das, was wir im menschlichen Erleben als «geistige Erscheinungen» bezeichnen, sind — auch wenn sie sich in der Sinneswelt nicht als Worte oder Taten geäußert haben, lebendige Wesenheiten, zu Wirkungen in den geistigen Welten und mittelbar in der Sinneswelt befähigt.» — Nun, das ist oftmals sehr genau beschrieben worden, besonders in der letzten Zeit, wo ich das Übergehen der Wahrnehmung der Gedanken in das Erleben der lebendigen Gedanken geschildert habe. Und es würde sogar besser sein, wenn man sagen würde: Dasjenige, was im Menschen als Gedanken, Gefühle und Willensimpulse erscheint, ist, so wie es dem Menschen in der Seele erscheint, das Abbild von Wesenheiten der höheren Welten, der elementarischen Welt und den noch höheren Welten, so daß wir eigentlich in dem, was wir zunächst als Gedanken, Gefühle und Willensimpulse haben, ebenso die wahre Wirklichkeit haben, in derselben Art, wie man in den Sinneswahrnehmungen die wahre Wirklichkeit hat. Sie liegt ebenso hinter dem einen wie hinter dem anderen.

[ 7 ] Under 3, it states: “Thoughts, feelings, impulses of the will—in short, what we refer to in human experience as ‘spiritual phenomena’—are, even if they have not been expressed in the sensory world as words or deeds, living entities capable of exerting an influence in the spiritual worlds and, indirectly, in the sensory world.” — Well, this has often been described very precisely, especially recently, when I have described the transition from the perception of thoughts to the experience of living thoughts. And it would even be better to say: That which appears in human beings as thoughts, feelings, and impulses of the will is, just as it appears to the human being in the soul, the reflection of beings from the higher worlds—the elemental world and the even higher worlds—so that we actually have, in what we initially experience as thoughts, feelings, and impulses of the will, we also have true reality, in the same way that we have true reality in our sensory perceptions. It lies behind one just as much as it does behind the other.

[ 8 ] Der 4. Punkt heißt: «Das seelische Leben jedes Menschen hinterläßt unvergängliche Spuren in den höheren Welten, die in ihrer Gesamtheit von den Geheimforschern als ‹Akasha-Chronik› bezeichnet wird und von einigen dazu befähigten Menschen (Eingeweihten) erforscht werden kann.» — Das ist oftmals geschildert worden, und es ist von ganz besonderer Bedeutung, daß man eben das in Rechnung zieht, daß man sogleich, wenn man in die AkashaWelt eintritt, in eine lebendige Welt eintritt und nicht in eine Welt toter Bilder.

[ 8 ] The fourth point states: “The spiritual life of every human being leaves indelible traces in the higher worlds, which, taken as a whole, are referred to by esoteric researchers as the ‘Akashic Records’ and can be explored by certain individuals (initiates) who are capable of doing so.” — This has often been described, and it is of particular importance to bear in mind that the moment one enters the Akashic world, one enters a living world and not a world of dead images.

[ 9 ] Dann wird unter 5. darauf aufmerksam gemacht, daß der Mensch aus verschiedenen Gliedern seiner Wesenheit besteht. Das wissen Sie viel genauer anzugeben als es hier angegeben ist.

[ 9 ] Then, under 5, it is pointed out that human beings consist of various parts of their being. You know how to describe this in much greater detail than is given here.

[ 10 ] Wie es mit dem 6. Punkt steht, bezüglich der Freiheit, so haben wir oft davon gesprochen, daß man den Menschen auf seinem Wege der Freiheit zuführt, daß der Mensch immer freier und freier wird.

[ 10 ] As for the sixth point, concerning freedom, we have often spoken of guiding people along the path to freedom, so that they become freer and freer.

[ 11 ] Punkt 7 über Karma, das kennen Sie auch ganz genau.

[ 11 ] Point 7 on karma—you know that one very well, too.

[ 12 ] Punkt 8 heißt: «Nach dem leiblichen Tode durchzieht das unsterbliche «Ich» des Menschen verschiedene geistige Welten, die Summe der Ewigkeitswerte, die es im irdischen Leben gewonnen hat, mit sich führend. Nach einer, für jedes Einzelwesen verschiedenen Zeitdauer tritt das «Ich» die Rückwanderung an, aus den höheren Welten in die niederen, bereichert um die in jenen Welten gewonnenen Einblicke, und beginnt, durch Wiederverkörperung, ein neues Erdenleben, welches sich je nach seinem Karma und je nach den Bestrebungen seines veränderten «Ich» gestaltet.» — Sie können ganz genau, bis zu einem gewissen Grade, dasjenige, was darüber zu sagen ist, erfahren aus dem Vortragszyklus «Inneres Wesen des Menschen und Leben zwischen Tod und neuer Geburt».

[ 12 ] Point 8 states: “After physical death, the immortal ‘I’ of the human being passes through various spiritual worlds, carrying with it the sum of the eternal values it has acquired during its earthly life. After a period of time that varies for each individual being, the ‘I’ begins its return journey from the higher worlds to the lower ones, enriched by the insights gained in those worlds, and, through reincarnation, begins a new earthly life, which takes shape according to its karma and the aspirations of its transformed ‘I.’” — To a certain extent, you can learn exactly what there is to say about this from the lecture series “The Inner Being of the Human Being and Life Between Death and Rebirth.”

[ 13 ] Punkt 9: «Das Weltgeschehen wird, dem Zwecke des Ganzen gemäß, von geistigen Wesenheiten geregelt, die — fördernd oder hemmend, je nach ihrer Beschaffenheit und Willensrichtung, in das Geschehen eingreifen.» — Sie kennen das auch.

[ 13 ] Point 9: “World events are governed, in accordance with the purpose of the whole, by spiritual beings who—depending on their nature and the direction of their will—intervene in events, either promoting or hindering them.” — You are familiar with this as well.

[ 14 ] Punkt 10 heißt: «Diese Wesenheiten sind, ihrer Wirkungssphäre und Macht gemäß, hierarchisch gegliedert und unterliegen, wie alles in der Welt, der Entwickelung von niederern zum höheren.» — Es ist nicht gut, wenn alles in dieser Weise wieder generalisiert wird. Auch der Entwickelungsgedanke hat eine eingeschränkte Gültigkeit. Ich habe es oftmals gesagt, daß es notwendig ist, neue Gedanken zu formieren, wenn man in die höheren Welten hinaufsteigt. So kann man sagen, daß man beim Aufstieg in die höheren Welten zunächst Regionen durchdringt, in denen die Zeit noch eine Rolle spielt; dann aber kommt man in Regionen, die man als Regionen der Dauer bezeichnen kann. In diesen spielt die Zeit keine Rolle mehr. Da kann man nicht anders sprechen, als daß man darauf aufmerksam macht, daß das Gesetz der Entwickelung nur als ein Symbolisches gilt, wie ich das in meiner «Geheimwissenschaft» getan habe.

[ 14 ] Point 10 states: “These beings are organized hierarchically according to their sphere of influence and power and, like everything in the world, are subject to the process of evolution from the lower to the higher.” — It is not good when everything is generalized in this way again. The concept of evolution, too, has limited validity. I have often said that it is necessary to formulate new ideas when ascending into the higher worlds. Thus, one can say that when ascending into the higher worlds, one first passes through regions where time still plays a role; but then one enters regions that can be described as regions of duration. In these regions, time no longer plays a role. One cannot help but point out that the law of evolution applies only symbolically, as I have done in my *The Secret Science*.

[ 15 ] Punkt 11 heißt: «Das oberste Gesetz alles Weltgeschehens ist «freies Opfer aus Liebe». Die das All umfassende Gottheit hat, diesen Gesetze folgend, sich durch Manifestation in der Außenwelt geopfert, indem sie die aus ihr entstammenden geistigen Wesenheiten mit der Fähigkeit freier Willensimpulse ausstattete. Der durch diese Tat ins Leben gerufene Kosmos ist seiner Entwickelung überlassen.» Punkt 12: «Diese Entwickelung führt durch Äonen hindurch vom unbewußten zum bewußten Erfassen des obersten Weltgesetzes und durch Verwirklichung desselben zur Wiedervereinigung des Einzelnen mit dem Ganzen.» — Alles das ist im Zusammenhang mit der geisteswissenschaftlichen Forschung genauer ersichtlich, und Sie sehen wohl, daß diese Zusammenstellung für Außenstehende gemacht ist. Ich hoffe, daß jeder von Ihnen eine ähnliche Zusammenstellung machen könnte, die wohl genauer noch als es hier der Fall ist, sein könnte, da sie die eigentliche Geisteswissenschaft dann umschreiben würde.

[ 15 ] Point 11 states: “The supreme law of all world events is ‘free sacrifice out of love.’” The all-encompassing Deity, following this law, has sacrificed itself through manifestation in the external world by endowing the spiritual beings originating from it with the capacity for free will. The cosmos brought into being by this act is left to its own development.” Point 12: “This development leads, over the course of eons, from the unconscious to the conscious grasping of the supreme law of the universe and, through the realization of that law, to the reunification of the individual with the Whole.” — All of this becomes clearer in the context of spiritual scientific research, and you can see that this summary is intended for outsiders. I hope that each of you could compile a similar summary, which might well be even more precise than the one presented here, since it would then describe Spiritual Science itself.

[ 16 ] Nun versucht Herr von Wrangell, die angeführten Punkte noch einmal zu rekapitulieren und zu charakterisieren, indem er sagt:

[ 16 ] Mr. von Wrangell now attempts to recapitulate and characterize the points mentioned by saying:

In diesen Grundlehren sind alle Geheimforscher europäischer Kultur einig: H.P.Blavatsky, Mrs. A. Besant, Leadbeater, Dr. Hartmann, Dr.R. Steiner u.a. Dieselben Lehren sollen auch in den indischen Geheimschulen, denen H.P.Blavatsky sie entnommen hat, gelten.

All students of occultism in Europe agree on these fundamental teachings: H.P. Blavatsky, Mrs. A. Besant, Leadbeater, Dr. Hartmann, Dr. R. Steiner, and others. The same teachings are said to apply in the Indian esoteric schools from which H.P. Blavatsky derived them.

[ 17 ] Hier wissen wir nun aber, daß die Geisteswissenschaft — wie sie sich in ihrer Reinheit nach und nach vor der Welt repräsentiert —, nicht mit anderen Dingen vermischt werden darf; denn ihre Mission kann sie wirklich nur erfüllen, wenn sie mit dem Wesentlichen der abendländischen Kulturwelt und deshalb auch der abendländischen Wissenschaftlichkeit rechnet. Davon kann aber bei Persönlichkeiten wie dem verstorbenen Dr. Franz Hartmann keine Rede sein, auch nicht, daß die Gestalt, welche die Theosophie unter Führung von Mrs. Besant oder gar unter Leadbeater erhalten hat, noch etwas mit der abendländischen Kulturwelt zu tun hat, so wie diese nun einmal ihre selbstverständlichen Kulturforderungen stellt.

[ 17 ] Here, however, we know that Spiritual Science—as it gradually reveals itself to the world in its purity—must not be mixed with other things; for it can truly fulfill its mission only if it takes into account the essence of Western civilization and, therefore, of Western scholarship as well. However, this cannot be said of figures such as the late Dr. Franz Hartmann, nor can it be said that the form theosophy has taken under the leadership of Mrs. Besant—or even under Leadbeater—still has anything to do with Western civilization, as it makes its own self-evident cultural demands.

[ 18 ] Und hier darf ich wohl gerade diejenigen, die als suchende Menschen in unserer Geisteswissenschaft ein gewisses Interesse zu entwickeln beginnen und einen großen Wert darauf legen, daß unsere Geisteswissenschaft sich loslöst von demjenigen, was sonst in der Welt als Theosophie vielfach herrscht, hinweisen auf einen sehr netten und lieben Artikel, den Dr. Rittelmeyer in der Zeitschrift «Christentum und Gegenwart» geschrieben hat. Wahrhaftig, ich erwähne diesen Artikel nicht deshalb, weil Dr. Rittelmeyer darin auch einiges über mich sagt. Diejenigen, die mich besser kennen, wissen, daß ich aus diesen Gründen die Sache nicht erwähne, sondern weil mit einem gewissen liebevollen Verständnis von unserer Sache und namentlich auch von unserem Bau gesprochen wird und mit liebevollem Eingehen nach der einen oder anderen Richtung charakterisiert wird. Es scheint mir wichtig zu sein, aus diesem Artikel, den ich heute morgen bekommen habe, eine Stelle hervorzuheben:

[ 18 ] And here I would like to draw the attention of those who, as seekers, are beginning to develop a certain interest in our Spiritual Science and who attach great importance to our Spiritual Science breaking away from what is otherwise widely regarded as theosophy in the world, to a very nice and lovely article that Dr. Rittelmeyer wrote in the journal *Christentum und Gegenwart*. Truly, I am not mentioning this article because Dr. Rittelmeyer also says a few things about me in it. Those who know me better know that I am not mentioning this for those reasons, but because the article speaks of our cause—and specifically of our building—with a certain loving understanding, and characterizes it with loving consideration in one direction or another. It seems important to me to highlight a passage from this article, which I received this morning:

[ 19 ] «Außer der gemeinsamen Arbeit am Bau ist das, was die verschiedenen Völker und Menschen zusammenhält und zusammenführt, die Vorträge von Steiner. Ich bekam die freundliche Erlaubnis, mehrere dieser Vorträge mitanzuhören. Sie handelten hauptsächlich von Christus und stellten ein außerordentliches Ringen dar, die weltgeschichtliche Tatsache Christus als tiefstes und innerstes Kulturereignis nach verschiedenen Seiten hin zu erfassen. Es wird wohl auch einmal die Zeit kommen, wo dieses innere Ringen um Christus weiterem Kreis zugänglich gemacht werden wird. Denn wie sich in Steiner die alte theosophische Bewegung aus dem Dogmatischen und Mediumhaften ins Wissenschaftliche hineinarbeitet, so vollzieht sie in ihm auch den bedeutungsvollen Übergang aus dem Indischen ins Christliche.»

[ 19 ] “Apart from working together on the construction project, what binds the various peoples and individuals together and brings them closer is Steiner’s lectures. I was kindly granted permission to attend several of these lectures. They dealt mainly with Christ and represented an extraordinary struggle to grasp the world-historical reality of Christ—as the deepest and most intimate cultural event—from various perspectives. The time will surely come when this inner struggle concerning Christ will be made accessible to a wider circle. For just as the old theosophical movement works its way in Steiner from the dogmatic and mediumistic into the scientific, so too does it accomplish in him the significant transition from the Indian to the Christian.”

[ 20 ] Es ist also wichtig für diejenigen, die sich aus der abendländischen Kultur heraus interessieren wollen für dasjenige, was die Geisteswissenschaft sein will, daß wir nicht altindische Lehren aufwärmen wollen, sondern daß wir etwas aus der geistigen Welt heraus gerade für unseren Zeitenzyklus Geeignetes schaffen wollen.

[ 20 ] It is therefore important for those who, coming from Western culture, wish to take an interest in what the Spiritual Science aims to be—that we do not seek to rehash ancient Indian teachings, but rather to create something from the spiritual world that is specifically suited to our current cycle of time.

[ 21 ] Vielleicht darf ich Sie doch noch weiter auf den Artikel hinweisen. Ich kann das wohl mit Reserve tun; denn nach dem Mancherlei, was über unsere Bewegung und über meine Schriften gesagt wird, kann auch einmal etwas gesagt werden, was nicht schimpft, sondern mit einigem Verständnis darauf eingeht. Der Artikel steht in Nummer 10 der Zeitschrift «Christentum und Gegenwart» vom Oktober 1915, welche in Nürnberg, Ebnergasse 10, Buchhandlung des Vereins für innere Mission erscheint. Wie gesagt, mißverstehen Sie nicht, wenn Sie diesen Artikel lesen, diesen Hinweis. Aber nachdem ich gesagt habe, daß es gut wäre, die Vorstellungen kennenzulernen, die das außenstehende geistige Leben mit uns verbindet, so könnte es Sie auch interessieren, wenn einmal etwas erscheint, was das Gegenteil von dem tut, was sonst mit unserer Bewegung geschieht. Der Artikel heißt: «Zwei Bauten deutscher Zukunft (Dornach und Elmau)». Elmau ist eine Gründung von Dr. Müller. Es wird mit großem Verständnis gerade in diesem Artikel auf das Unterscheidende des Dornacher Baues von dem Bau in Elmau hingewiesen. Vielleicht darf ich diese Stelle vorlesen. Eine andere Stelle darf ich nicht vorlesen, weil zuviel von mir die Rede ist; aber vielleicht darf ich das Folgende vorlesen:

[ 21 ] Perhaps I may still draw your attention to the article. I can do so with some reserve; for, given the various things that are said about our movement and my writings, it is possible that something might be said for once that does not resort to abuse but addresses the matter with some understanding. The article appears in issue 10 of the journal *Christentum und Gegenwart* from October 1915, published in Nuremberg at Ebnergasse 10, at the bookstore of the Verein für innere Mission. As I said, please do not misunderstand this reference when you read the article. But since I have said that it would be good to become acquainted with the mental images that connect the outside spiritual life with us, you might also be interested if something were to appear that does the opposite of what usually happens with our movement. The article is titled: “Two Structures of Germany’s Future (Dornach and Elmau).” Elmau was founded by Dr. Müller. This article, in particular, points out with great insight the differences between the Dornach building and the one in Elmau. Perhaps I may read this passage aloud. I am not allowed to read another passage because it mentions me too much; but perhaps I may read the following:

[ 22 ] «Selbst wenn man Dr. Müller nur wenig und nur in müden Stunden sieht, empfängt man doch immer wieder den Eindruck, wie sehr es ihm ganz persönlich ernst ist mit dem Leben, von dem er redet, und wie viel unausgesetzte innerliche Bemühung um dieses Leben in seiner Seele vorhanden ist. Die «Mainberger> selbst — nun ja, es sind natürlich allerlei Leute darunter und nicht lauter sympathische, wie auch unter den «Anthroposophen; , aber man trifft doch auch immer wieder Menschen, bei denen man froh wird, daß es solche Menschen gibt, Männer und Frauen, vor deren innerem Leben und Streben man alle Hochachtung gewinnt. Hochinteressant wäre es, die Art der inneren Arbeit der Menschen an sich selbst in Dornach und in Mainberg-Elmau zu vergleichen. Welch ein bezeichnender Unterschied schon äußerlich zwischen den volkstrachtähnlichen Frauengewändern in Elmau und den stolenähnlichen, ernsten, aber zum Teile sehr geschmackvollen Frauengewändern, die man in Dornach sieht! Oder wenn einem zum Bewußtsein kommt, daß sowohl in Dornach wie in Mainberg-Elmau auf freie natürliche Körperbewegung Gewicht gelegt wird, daß dies in Elmau in der Pflege des alten deutschen Tanzes zum Ausdruck kommt, während man in Dornach ernstlich nach «Eurythmie sucht, d.h. nach einer Form körperlicher Darstellung des Geistigen, zunächst etwa beim Vortrag von Gedichten, bei der die eigentlichen inneren Erlebnisse des Körpers an der menschlichen Sprache auch äußerlich zum Ausdruck kommen. Viele Christen, denen noch die alte Mißachtung des Körpers im Blute liegt, werden das eine so wenig verstehen wie das andere.»

[ 22 ] “Even if one sees Dr. Müller only briefly and only during moments of weariness, one still gets the impression time and again of just how seriously he personally takes the life he speaks of, and how much unceasing inner striving for this life exists within his soul. The “Mainbergers” themselves—well, of course there are all sorts of people among them, and not all of them are likable, just as is the case among the “anthroposophists”; but time and again one meets people who make one glad that such people exist—men and women whose inner lives and aspirations command one’s utmost respect. It would be highly interesting to compare the nature of the inner work people do on themselves in Dornach and in Mainberg-Elmau. What a telling difference, even outwardly, between the folk-costume-like women’s garments in Elmau and the stole-like, solemn, yet in part very tasteful women’s garments one sees in Dornach! Or when one realizes that in both Dornach and Mainberg-Elmau, emphasis is placed on free, natural bodily movement; that in Elmau this is expressed through the cultivation of the old German dance, while in Dornach one earnestly seeks “eurythmy,” that is, a form of physical representation of the spiritual—initially, for example, in the recitation of poetry, in which the body’s actual inner experiences of human language are also expressed outwardly. Many Christians, for whom the old disregard for the body is still in their blood, will understand neither one nor the other.”

[ 23 ] Im Grunde sagt hier Rittelmeyer, daß man in Elmau das Alte aufwärmen will, und wir hier etwas Neues schaffen wollen. Damit können wir ja ganz zufrieden sein. Es ist sehr erfreulich, daß es doch einige Leute gibt, die Verständnis für die geisteswissenschaftliche Bewegung haben, während sie von denjenigen, die sich nicht über sie unterrichten wollen, in einer so wenig erfreulichen Weise vor der Welt angeschwärzt wird.

[ 23 ] Essentially, Rittelmeyer is saying here that in Elmau they want to rehash the old, while we want to create something new here. We can certainly be quite satisfied with that. It is very gratifying that there are, after all, some people who understand the Spiritual Science movement, even while it is being slandered in such an unpleasant manner before the world by those who refuse to learn about it.

[ 24 ] Nun sagt Herr von Wrangell weiter:

[ 24 ] Mr. von Wrangell goes on to say:

Die okkulten Fähigkeiten sollen, ähnlich wie die sinnlichen Fähigkeiten im irdischen Leben des Menschen, sehr verschiedenen Grades sein. Die höchste, zur Zeit erreichbare Stufe der Einweihung befähigt den Menschen, in wachem Zustande und im Vollbesitz seiner geistigen Fähigkeiten sich mit dem Ich nach Belieben in höhere Geisteswelten zu begeben, bis in jene Welt, wo die Akasha-Chronik über Vergangenheit des Weltganzen und jedes einzelnen Menschen Aufschluß gewährt.

Occult abilities, much like the sensory abilities in a person’s earthly life, are said to vary greatly in degree. The highest level of initiation currently attainable enables a person, while fully awake and in full possession of their mental faculties, to journey with their “I” at will into higher spiritual realms, all the way to that world where the Akashic Records provide insight into the past of the entire world and of every individual human being.

[ 25 ] Also im ganzen kann man mit der Darstellung sehr einverstanden sein. Es ist nur notwendig, daß man weiß, was unsere geisteswissenschaftliche Bewegung im besonderen will und dies scharf ins Auge faßt. Denn es ist schon notwendig, daß sie nicht verwechselt wird mit anderen, die sich auch mit den geistigen Welten befassen, aber alles in einen großen Mischmasch bringen und von einem Vertiefen ins Göttliche und so weiter reden. Da kommt es darauf an, daß dies scharf ins Auge gefaßt wird.

[ 25 ] All in all, one can very much agree with this presentation. It is simply necessary to know what our Spiritual Science movement specifically aims to achieve and to keep this clearly in mind. For it is essential that it not be confused with others who also deal with the spiritual worlds but who turn everything into a big mishmash and speak of a deepening into the divine and so on. It is therefore crucial that this be kept clearly in mind.

[ 26 ] Darauf folgt das Kapitel:

[ 26 ] This is followed by the chapter:

Geheimlehren

Die Ergebnisse der dutch den Geheimforscher gewonnenen Erkenntnisse wurden früher nur in Geheimschulen mitgeteilt, werden aber jetzt teilweise in jedermann zugänglichen Schriften und Vorträgen offenbart. Diese Mitteilungen tragen natürlich in Form und Inhalt den Stempel der Persönlichkeit des Geheimforschers. Da sie ihrer Angabe nach auf okkulten Wahrnehmungen beruhen, kann ihre Wahrheit selbständig nur von Menschen geprüft werden, die den gleichen Grad okkulter Gaben und die gleiche Urteilsfähigkeit besitzen. Denn aus den in der Geisteswelt gewonnenen Wahrnehmungen müssen ja erst Urteile gezogen und diese Schlüsse in die Sprache der irdischen Sinneswelt übertragen werden, um sie den Mitmenschen mitteilen zu können.

Secret Teachings

The findings obtained by the Dutch occult researcher were formerly communicated only in secret schools, but are now being revealed in part through writings and lectures accessible to everyone. These communications naturally bear the stamp of the occult researcher’s personality in both form and content. Since, according to their own statements, they are based on occult perceptions, their truth can be independently verified only by people who possess the same degree of occult gifts and the same capacity for judgment. For judgments must first be drawn from the perceptions gained in the spiritual world, and these conclusions must be translated into the language of the earthly sensory world in order to be communicated to fellow human beings.

[ 27 ] Demgegenüber ist darauf aufmerksam zu machen, daß zwar der Inhalt der geistigen Welten nur erforscht werden kann bei Anwesenheit jener Fähigkeiten, von denen gesprochen worden ist, daß aber das Erforschte im Grunde genommen wirklich jeder prüfen kann. Denn die Welt, die jeder beobachten kann, ist in gewisser Weise ein Abbild der geistigen Welt, in die man durch die geistige Wahrnehmungsfähigkeit hineinschauen kann. Und wenn jemand nur mit wirklich offenen Augen die Welt um sich herum betrachtet und sich frägt: Stimmt dasjenige, was in der Welt der geistigen Wirklichkeit von dem Geheimforscher erkundet wird, zusammen mit dem, was sich im Leben zuträgt, dann kann er — auch ohne okkulte Fähigkeiten zu entwickeln — alles beurteilen. Es liegt nicht daran, daß man nicht beurteilen kann, wenn man sagt, man muß dem Geheimforscher «vertrauen», sondern daran, daß man sich nicht einlassen will auf eine Prüfung. Es bewährt sich dasjenige, was von der Geisteswissenschaft gesagt wird, in Leben und Welt, und jeder kann prüfen. Wer sagt, er kann nicht prüfen, der behauptet im Grunde genommen: ich will mich nicht darauf einlassen, ob man im Leben und in der Welt die geisteswissenschaftlichen Lehren prüfen kann; ich will mich auf diese wache Anschauung nicht einlassen, ich will schlafen mit meinem Verstand und meiner Utteilskraft. — Und weil die Menschen so gerne schlafen mit ihrem Verstand und ihrer Urteilskraft, deshalb sagen sie: Man kann nicht prüfen.

[ 27 ] In contrast, it should be noted that, although the content of the spiritual worlds can only be explored in the presence of the abilities that have been discussed, what has been explored can, in essence, truly be examined by anyone. For the world that everyone can observe is, in a certain sense, a reflection of the spiritual world, into which one can look through the faculty of spiritual perception. And if someone simply observes the world around them with truly open eyes and asks themselves: Does what the occult researcher discovers in the world of spiritual reality correspond to what happens in life?—then they can assess everything, even without developing occult abilities. It is not that one cannot judge when one says one must “trust” the occult researcher, but rather that one does not want to engage in an examination. What is said by Spiritual Science proves itself in life and in the world, and everyone can verify it. Anyone who says they cannot verify it is essentially claiming: I do not want to engage with the question of whether the teachings of Spiritual Science can be tested in life and in the world; I do not want to engage with this alert perspective; I want to sleep with my intellect and my power of judgment. — And because people are so fond of sleeping with their intellect and their power of judgment, that is why they say: One cannot test it.

[ 28 ] Aber, immer wieder und wieder möchte ich der Welt sozusagen einbleuen, daß es darauf ankommt, daß die Geisteswissenschaft nicht auf Autorität hin angenommen wird, sondern geprüft werden kann an dem, was in der sinnlichen Welt vorgeht. Nur weil die Wissenschaft noch sinnlich beobachtet, läßt sie sich auf eine geistig wache Lebensbetrachtung nicht ein. Daher sieht man die Richtigkeit dessen, was der Geistesforscher sagt, nicht ein. Und deshalb versuche ich, nicht auf eine Autorität zu bauen, nicht einen Glauben in Anspruch zu nehmen, sondern ich bemühe mich immer wieder, durch dieses oder jenes in der äußeren Wissenschaft, in philosophischen Strebensrichtungen zu zeigen, wie die Leute vor der geistigen Welt stehen und nur nicht sich gestehen wollen, daß sie weitergehen müßten. Man braucht nicht auf Autorität zu bauen, sondern nur offene Augen zu haben, dann bewahrheitet sich einem das Streben in der Geisteswissenschaft als ein echtes und in unserer Zeit notwendiges.

[ 28 ] But, time and time again, I would like to drive it home to the world, so to speak, that what matters is that Spiritual Science not be accepted on the basis of authority, but that it can be tested against what takes place in the sensory world. Precisely because science still relies on sensory observation, it refuses to engage with a spiritually alert view of life. That is why people fail to see the truth of what the spiritual researcher says. And that is why I try not to rely on authority, not to claim faith, but rather I strive again and again to show—through this or that aspect of external science or philosophical endeavors—how people stand before the spiritual world yet simply refuse to admit to themselves that they must go further. One need not rely on authority, but only to have open eyes; then the pursuit of Spiritual Science will prove to be genuine and necessary in our time.

[ 29 ] Man muß sich nur andererseits darüber klar sein, daß manches, was man als Geisteswissenschaft bezeichnet, geeignet ist, den Menschen den Verstand für die wirkliche geistige Welt zu verrammeln. Das ist der Fall bei Weltanschauungen, die es sonst gut meinen, zum Beispiel bei der Euckenschen. Aber sie schlägt doch die Leute mit Blindheit, indem sie von Geist spricht in Worten, Worten, Worten, die aber nichts anderes bezeichnen als was die physische Seelenspiegelung gibt. Man braucht deshalb nicht ungerecht zu sein. Sie sehen das in meinem Buche «Die Rätsel der Philosophie» so durchgeführt, daß es nicht ungerecht genannt werden kann, was über solche Menschen wie Eucken zu sagen ist. Aber man muß auch wissen, daß durch die unrichtige Geisteswissenschaft der Ausblick auf eine richtige verstellt wird. Es ist unendlich bequemer, in der Euckenschen Weise vom Geistigen zu reden, als sich auf das wirkliche Geistige einzulassen, das erforscht werden kann.

[ 29 ] On the other hand, one must be aware that some of what is called “Spiritual Science” is capable of clouding people’s understanding of the true spiritual world. This is the case with worldviews that are otherwise well-intentioned, such as Eucken’s. But it nonetheless blinds people by speaking of the spiritual in words, words, words—words that denote nothing other than what the physical reflection of the soul provides. There is no need, therefore, to be unfair. You will see this carried out in my book *The Riddles of Philosophy* in such a way that what is said about people like Eucken cannot be called unfair. But one must also realize that incorrect Spiritual Science obscures the view of the true spiritual. It is infinitely more convenient to speak of the spiritual in Eucken’s manner than to engage with the true spiritual, which can be explored.

[ 30 ] Das nächste Kapitel:

[ 30 ] The next chapter:

Unterschied zwischen Sinneswissenschaft und Geisteswissenschaft

Darin unterscheiden sie sich wesentlich von den Wahrheiten, die man mittelst der gewöhnlichen Sinne gewinnen kann, da hier die Prüfung der Tatsachen von zahllosen Menschen vorgenommen werden kann und die logische Verkettung derselben dem Urteil eines jeden unterliegt. Bei den okkulten Erkenntnissen ist das wichtigste Kriterium für die Glaubwürdigkeit der Mitteilungen eines Geheimforschers der sittliche Wert seiner Persönlichkeit.

The Difference Between the Sciences of the Senses and the Spiritual Science

In this respect, they differ fundamentally from the truths that can be obtained through the ordinary senses, since in the latter case the facts can be verified by countless people and the logical chain of reasoning is subject to everyone’s judgment. In the case of occult knowledge, the most important criterion for the credibility of a secret researcher’s reports is the moral character of his or her personality.

[ 31 ] — Nicht das ist das Wichtige, sondern das Wichtige ist, daß er auf dem Boden wahren geistigen Strebens steht, daß er sich bemüht, die Menschen in der richtigen Weise hineinzuführen in die geistige Welt. Wenn man die Wege sieht, die in die gewöhnliche Wissenschaft hineinführen und sich dadurch die Möglichkeit vorstellen kann, wie sie weiterzuleiten ist, dann bekommt man Unterlagen, die nicht der Einwand trifft, daß man dem Geistesforscher als anständigem Menschen einfach glaubt.

[ 31 ] — That is not what is important; what is important is that he stands on the foundation of true spiritual striving, that he strives to guide people into the spiritual world in the right way. When one sees the paths that lead into conventional science and can thereby create a mental image of how it might be further developed, one obtains a foundation that cannot be dismissed with the objection that one simply believes the spiritual researcher because he is a decent person.

Liegen Gründe vor, an seiner Wahrhaftigkeit zu zweifeln, so haben seine okkulten Mitteilungen selbstverständlich nur geringen Wert.

If there are reasons to doubt his truthfulness, his occult revelations are, of course, of little value.

[ 32 ] — Das wäre ebenso, wie wenn wit, wenn einer in der gewöhnlichen Wissenschaft etwas geleistet hat, unsere persönliche Zustimmung zu seiner Forschung von seiner Persönlichkeit abhängig machen würden.

[ 32 ] — That would be just as if, when someone has made a contribution to conventional science, we were to make our personal approval of their research contingent on their personality.

Hat man kein Vertrauen zu seiner Urteilskraft im gewöhnlichen Leben, so ist es höchst unwahrscheinlich, daß er sie unter den unendlich schwierigen Verhältnissen, zum Beispiel des Erforschens der Akasha-Chronik, bewähren sollte.

If one lacks confidence in one’s own judgment in everyday life, it is highly unlikely that one would be able to demonstrate it under the infinitely difficult circumstances involved, for example, in researching the Akashic Records.

[ 33 ] — Man kann ja dem nachgehen, ob das, was aus der Akasha-Chronik entdeckt worden ist, mit dem Leben übereinstimmt.

[ 33 ] — One can certainly investigate whether what has been discovered in the Akashic Records corresponds to real life.

Aber selbst bei ungewöhnlichen okkulten Gaben, bei höchster Entwickelung des Intellekts, bei voller Unbefangenheit des Forschers, ist es nicht wahrscheinlich, daß Menschen, die in irdischen Dingen nie unfehlbar sind, es in überirdischen sein sollen.

But even in the case of unusual occult gifts, the highest level of intellectual development, and the researcher’s complete impartiality, it is unlikely that human beings—who are never infallible in earthly matters—should be so in supernatural ones.

[ 34 ] — Von Unfehlbarkeit sollte überhaupt nicht gesprochen werden, sondern selbstverständlich nur davon, daß es sich darum handelt, daß von einem gewissen Gesichtspunkte aus der Geistesforscher die Dinge darstellt. Aber das hat im Grunde genommen nichts zu tun mit der Art und Weise, wie wir uns zu den Mitteilungen des Geheimforschers stellen.

[ 34 ] — There should be no talk of infallibility at all; rather, it should simply be understood that the spiritual researcher is presenting things from a certain point of view. But this has, in essence, nothing to do with the way we approach the reports of the occult researcher.

Man ist also genötigt, den Mitteilungen des Geheimforschers mit ungleich schärferer Kritik entgegenzutreten, als es gegenüber irgendwelchem Zeugen irdischer Wahrnehmungen geboten ist.

One is therefore compelled to view the secret researcher’s reports with far sharper criticism than is warranted when dealing with any witness to earthly perceptions.

[ 35 ] — Also nicht entgegentreten mit Ablehnung oder Kritik. Das meiste, was geleistet wird, ist Ablehnung os»e Kritik; würde man 72:7 Kritik ablehnen, so würde so viel Ablehnung gar nicht herauskommen.

[ 35 ] — So don’t respond with rejection or criticism. Most of what is done is rejection or criticism; if one were to reject criticism, so much rejection would not even arise.

Da muß ein mehr oder weniger verläßliches Gefühl der Wahrscheinlichkeit die innere Übereinstimmung der verschiedenen Mitteilungen, vor allem aber das Vertrauen zur Person des Geheimforschers leiten.

A more or less reliable sense of probability must guide one’s assessment of the internal consistency of the various reports, but above all, one’s trust in the secret investigator himself.

[ 36 ] — Also von diesem Vertrauen dürfen wir uns nicht falsche Vorstellungen machen. Dagegen ist das, was jetzt kommt, besonders wichtig:

[ 36 ] — So we must not have any mental images of this trust. In contrast, what follows is particularly important:

Wenn seine Mitteilungen aus jenen, den meisten Menschen unzugänglichen Welten demjenigen widerspricht, was mittelst der Sinneswahrnehmungen untrüglich nachgewiesen ist, so wird kein unbefangener Mensch darüber schwanken, welcher Mitteilung der Vorzug gebührt. Wenn ich, um ein Beispiel anzuführen, zum Beispiel wirklich alle Tatsachen kenne, die dafür sprechen, daß die Erde frei im Raume schwebend sich dreht, und ein Geheimforscher mir mitteilt, er habe aus okkulten Wahrnehmungen entnommen, daß die Erde sich nicht dreht, sondern daß die Fixsterne sich um die Erde bewegen, so wird ein Mensch bei gesunden Sinnen solcher okkulter Forschung keine Beachtung schenken.

If his reports from those worlds—which are inaccessible to most people—contradict what has been irrefutably proven through sensory perception, no impartial person will hesitate as to which account should be given preference. If, to give an example, I truly know all the facts that indicate that the Earth rotates while floating freely in space, and a secret researcher tells me that he has deduced from occult perceptions that the Earth does not rotate, but rather that the fixed stars move around the Earth, then a person in their right mind will pay no attention to such occult research.

[ 37 ] — Also mit der äußeren Wissenschaft muß die Geheimwissenschaft übereinstimmen; und wenn sie nicht übereinstimmt, muß sie angeben, warum und versuchen, mit der Wissenschaft in Einklang zu kommen.

[ 37 ] — Thus, esoteric science must be in agreement with conventional science; and if it is not, it must explain why and attempt to reconcile itself with conventional science.

Selbstverständlich kann sich ein solcher Widerspruch nur auf Tatsachen der Sinneswelt beziehen, also nicht auf transzendente Fragen, die jenseits aller sinnlichen Erfahrung liegen.

Of course, such a contradiction can only refer to facts of the sensory world, and thus not to transcendent questions that lie beyond all sensory experience.

[ 38 ] — Dennoch, auch die transzendenten Fragen lassen sich ins Auge fassen.

[ 38 ] — Nevertheless, even the transcendent questions can be considered.

So kann, um ein anderes Beispiel anzuführen, ein Astronom, der die Kant-Laplacesche Hypothese über Entstehung des Sonnensystems für wahrscheinlich hält, dem Geheimforscher, der ihm eine ganz andere Kosmogonie mitteilt, nicht sagen, wie im ersteten Fall, daß seine Behauptung irrtümlich ist, denn die Drehung der Erde wird jeder gesunde Mensch als erwiesen ansehen, dagegen die Entstehung des Sonnensystems aus einem Nebel, nach der Kant-Laplaceschen Hypothese, kann man wohl für wahrscheinlich halten, aber nicht für erwiesen.

To give another example, an astronomer who considers the Kant-Laplace hypothesis regarding the origin of the solar system to be probable cannot tell the occult researcher, who presents him with an entirely different cosmogony, cannot say, as in the first case, that his assertion is erroneous, for any reasonable person would regard the Earth’s rotation as proven; on the other hand, the formation of the solar system from a nebula, according to the Kant-Laplace hypothesis, may well be considered probable, but not proven.

[ 39 ] — Herr von Wrangell sagt das ganz richtig. Ich habe immer auf die Unzulänglichkeit der Kant-Laplaceschen Hypothese hingewiesen, daß die Welt aus einem Urnebel heraus sich gebildet habe, was man den Kindern ja schon in der Schule an dem bekannten Experiment zeigt. Man gießt einen Öltropfen auf Wasser, durchsticht ihn mit einer Nadel, an der ein Kartenblattausschnitt befestigt ist, dreht, bewegt diese Nadel und sieht dann, wie sich die einzelnen Tropfen abspalten. Man hat dann schon den Vorgang der Entstehung eines Weltsystems, wenn man sich selbst dabei vergißt. Aber wenn man dieses Experiment macht, so müßte es so sein, daß man darauf hinweist, daß der Lehrer da ist und die Stecknadel dreht, denn sonst vergißt man auch den Lehrer, den großen, der das Weltsystem dreht.

[ 39 ] — Mr. von Wrangell is quite right. I have always pointed out the inadequacy of the Kant-Laplace hypothesis that the world was formed from a primordial nebula, which is demonstrated to children in school using the well-known experiment. You pour a drop of oil onto water, pierce it with a needle to which a piece of cardstock is attached, rotate and move the needle, and then watch as the individual droplets separate. You’ve already witnessed the process of the formation of a world system, if you forget yourself in the process. But when you perform this experiment, you must point out that the teacher is there, turning the pin; otherwise, you’ll also forget the Teacher—the great One—who turns the world system.

Es wird also, das ist meine tiefste Überzeugung, in einem Streit zwischen wirklich erwiesenen Tatsachen der Sinneswelt und Ergebnissen okkulter Forschung der Sieg immer auf Seiten der Wissenschaft bleiben.

It is therefore my deepest conviction that, in a dispute between truly proven facts of the sensory world and the findings of occult research, victory will always remain on the side of science.

[ 40 ] — Es wird keinen Sieg geben, sondern wenn die Tatsachen der Sinneswissenschaft verläßlich erforscht sind und auf der anderen Seite die Tatsachen der Geisteswissenschaft verläßlich erforscht sind, so werden sie zusammenstimmen.

[ 40 ] — There will be no victory; rather, once the facts of the natural sciences have been reliably investigated and, on the other hand, the facts of the Spiritual Science have been reliably investigated, they will agree with one another.

Wenn einige Okkultisten die Ansicht aussprechen, es gebe nichts Feststehendes in der irdischen Wissenschaft, so ist das nur für diejenigen möglich, die mit Wissenschaften nur aus zweiter Hand bekannt sind, nicht aber mit den betreffenden Fundamenten.

Jedoch die zur Zeit leitenden Theosophen Europas, Mrs. A. Besant, Dr. R. Steiner u.a., beanspruchen, daß ein Gegensatz zwischen ihren okkulten Forschungen und dem sicheren Ergebnis irdischer Wissenschaft nicht bestehe, und namentlich Dr. Steiner ist durch umfassende und gründliche Kenntnis der exakten Wissenschaften in ihrer Methoden wohl befähigt, darüber zu urteilen. Ob der Geheimforscher sich darin im einzelnen irrt, mag dahingestellt bleiben, und ist m.E. nicht von großer Bedeutung, denn wenn solcher Widerspruch nachgewiesen wäre, scheint mir damit die Frage doch nicht berührt zu werden, ob die Grundlehren der Theosophie der Wahrheit entsprechen oder nicht. All diese Lehren beziehen sich auf Gebiete, die jenseits der Sinneserfahrung liegen, können also von der ausschließlich auf Sinneswahrnehmungen begründeten Wissenschaft weder bestätigt noch widerlegt werden.

When some occultists express the view that there is nothing definitive in earthly science, this is possible only for those who are familiar with the sciences only secondhand, but not with their underlying foundations.

However, the leading Theosophists in Europe today—Mrs. A. Besant, Dr. R. Steiner, and others—claim that there is no contradiction between their occult research and the reliable findings of earthly science; Dr. Steiner, in particular, is well qualified to judge this matter due to his comprehensive and thorough knowledge of the methods of the exact sciences. Whether the occult researcher is mistaken in the details may be left open, and in my opinion is of little significance, for even if such a contradiction were proven, it does not, in my view, affect the question of whether the fundamental teachings of theosophy correspond to the truth or not. All these teachings pertain to realms that lie beyond sensory experience and can therefore neither be confirmed nor refuted by science, which is based exclusively on sensory perceptions.

[ 41 ] Das ist wichtig, weil es zeigt, daß derjenige, der sich als Wissenschafter bekennt, aus seiner wissenschaftlichen Überzeugung heraus zu der Anschauung kommt, daß eine geistige Weltanschauung notwendig ist, und daß man notwendigerweise auf sie geführt wird, wenn man ein wissenschaftlicher Mensch in unserer Zeit ist.

[ 41 ] This is important because it shows that anyone who identifies as a scientist, based on their scientific convictions, comes to the view that a spiritual worldview is necessary, and that one is inevitably led to it if one is a scientist in our time.

[ 42 ] Das nächste Kapitel ist überschrieben:

[ 42 ] The next chapter is titled:

Theosophie — eine Religion

Diese theosophischen Lehren beanspruchen, den Menschen über Zweck und Ziel des Weltganzen sowie des einzelnen Menschenlebens Aufschluß zu geben, somit eine religiöse Weltanschauung zu sein.

Theosophy — a Religion

These theosophical teachings claim to provide insight into the purpose and goal of the universe as a whole as well as of individual human life, and thus to constitute a religious worldview.

[ 43 ] Meine lieben Freunde, es ist notwendig, daß wir uns klar werden, daß die eigentliche Geisteswissenschaft, unsere geisteswissenschaftliche Bewegung, mit Religion unmittelbar wirklich nichts zu tun hat, daß sie keine religiöse Bewegung sein will. Seien wir uns darüber klar, daß in bezug auf das religiöse Leben die Geisteswissenschaft auch nichts anderes geben kann als eine innere Beziehung der menschlichen Seele mit dem Christus. Das ist das religiöse Moment, das ist das religiöse Element, das ist aber Christentum. Hege/ und insbesondere die Geisteswissenschaft erkennen an, daß das Christentum die Erfüllung des religiösen Strebens der Menschheit ist, daß neue Religionsbegründungen weder stattfinden werden noch stattfinden können. Die geistigen Tatsachen soll man kennenlernen und dafür ist die Geisteswissenschaft ein neues Instrument, will aber keine neue Religion begründen. Sie will sich nicht als eine neue Bewegung neben das Christentum hinstellen, sondern sie gibt nur die Forschungen, so wie Kopernikus seine Entdeckung gegeben hat.

[ 43 ] My dear friends, we must realize that true Spiritual Science—our Spiritual Science movement—has absolutely nothing to do with religion in any direct sense, and that it does not seek to be a religious movement. Let us be clear that, with regard to religious life, Spiritual Science can offer nothing other than an inner relationship between the human soul and Christ. That is the religious aspect; that is the religious element; but that is Christianity. Hege—and Spiritual Science in particular—recognize that Christianity is the fulfillment of humanity’s religious striving, and that new religious foundations will neither come into being nor can they come into being. One should come to know the spiritual facts, and for this purpose Spiritual Science is a new instrument; however, it does not seek to establish a new religion. It does not seek to position itself as a new movement alongside Christianity, but merely presents its research, just as Copernicus presented his discovery.

[ 44 ] Aber wie war es damals? Im 15. Jahrhundert kam Kopernikus und gab, was er zu geben hatte, aber die katholische Kirche hat erst im Jahre 1822 erlaubt, an die kopernikanische Lehre zu glauben. Und Luther sagte: Der neue Astrologe, der Kopernikus, will beweisen, daß die Erde sich bewegt und nicht der Himmel, die Sonne und der Mond. — Denken Sie nun, wie lange es gewährt hat, bis man den Kopernikus anerkannte. Wenn nun Leute kommen, die sagen, es sei eine Phantasterei, wiederholte Erdenleben zu lehren, so ist das verständlich, aber an uns ist es nicht, den Leuten die Meinung beizubringen, als ob es sich darum handle, eine neue Religion zu begründen. Das Christentum ist die Synthese, der Zusammenfluß der Weltreligionen. Durch die Geisteswissenschaft wollen wir die christlichen Wahrheiten besser verstehen lernen, als man sie ohne Geisteswissenschaft verstehen kann. Aber wir wollen es nicht in den Köpfen lassen, daß man es in der Theosophie mit einer neuen Religion, mit einer neuen religiösen Weltanschauung zu tun habe. Dagegen muß sich die Geisteswissenschaft wehren. Sie will Wissenschaft sein und dadurch auch das religiöse Leben vertiefen. Es wird aber das religiöse Leben auch vertieft durch den Kopernikanismus. So sagte der katholische Theologe Müllner, von dem ich bei Gelegenheit der Rezitation der delle Grazie’schen Gedichte gesprochen habe, in den neunziger Jahren über Galilei: Derjenige, der wirklich Christ ist und das religiöse Verhältnis der menschlichen Seele zu den göttlichen Welten versteht, der kann dadurch, daß er die Welt genauer erforscht, nur eine Vertiefung des religiösen Lebens erfahren und nicht eine Gefährdung.

[ 44 ] But what was it like back then? In the 15th century, Copernicus came along and offered what he had to offer, but the Catholic Church did not permit belief in the Copernican doctrine until 1822. And Luther said: “The new astrologer, Copernicus, wants to prove that the Earth moves and not the heavens, the Sun, and the Moon.” — Just think how long it took for Copernicus to be recognized. So when people come along and say that teaching about repeated earthly lives is mere fantasy, that is understandable; but it is not up to us to impose our views on people as if we were trying to found a new religion. Christianity is the synthesis, the convergence of the world’s religions. Through Spiritual Science, we seek to understand Christian truths more deeply than is possible without it. But we must not allow the idea to take root that theosophy is a new religion or a new religious worldview. Spiritual Science must resist this. It aims to be a science and, through that, to deepen religious life. Yet religious life is also deepened by Copernicanism. Thus the Catholic theologian Müllner—whom I mentioned on the occasion of the recitation of Delle Grazie’s poems—said the following about Galileo in the 1890s: “Anyone who is truly a Christian and understands the religious relationship of the human soul to the divine worlds can, by exploring the world more closely, only experience a deepening of religious life and not a threat to it.”

[ 45 ] Immer wieder muß betont werden, daß es eine Schwäche ist, wenn man sich dem, was von der Geisteswissenschaft an Vertiefung des Religiösen gebracht wird, entgegenstemmt. Denken Sie sich, wenn man dem Kolurmbus gesagt hätte: Nur ja nicht Amerika entdecken; denn da könnten ja andere Leute, andere Götter sein. — Denken Sie sich, was das für eine Schwäche wäre, wenn man nicht so fest auf dem Boden des Christentums steht, um sagen zu können: Was immer entdeckt werden wird, der Boden des Christentums ist so stark, daß er standhalten wird! — Daher ist es nichts anderes als ein Beweis für die Lahmheit derjenigen, die sagen, wir müssen die Geisteswissenschaft ablehnen. Denen muß man sagen: Das ist kein Christentum, wenn ihr glaubt, eure Lehren könnten durch die Geisteswissenschaft umgestoßen werden. Auch Kopernikus hat nicht umgestoßen, im Gegenteil, das religiöse Leben wurde durch ihn vertieft. Schwache Lahmherzigkeit ist es, was vom äußeren, offiziellen, sogenannten christlichen Standpunkte den Kampf aufdrängt dem, was die Geisteswissenschaft will.

[ 45 ] It must be emphasized time and again that it is a weakness to resist what Spiritual Science contributes to the deepening of religious understanding. Just imagine if someone had told Columbus: “Under no circumstances should you discover America, for there might be other people, other gods there.” — Just imagine what a sign of weakness that would be—not standing firmly enough on the ground of Christianity to be able to say: Whatever may be discovered, the foundation of Christianity is so strong that it will hold firm! — Therefore, it is nothing less than proof of the weakness of those who say we must reject Spiritual Science. To them one must say: That is not Christianity if you believe your teachings could be overturned by Spiritual Science. Even Copernicus did not overturn them; on the contrary, religious life was deepened through him. It is weak-heartedness that, from the external, official, so-called Christian standpoint, imposes a struggle on what Spiritual Science seeks.

[ 46 ] Das ist der Standpunkt, den wir einnehmen müssen gegen die, welche uns mit ihren matten, lahmherzigen Einwänden gegenüber der Theosophie kommen.

[ 46 ] This is the stance we must take against those who come at us with their feeble, half-hearted objections to theosophy.

[Das Kapitel «Die Theosophie — eine Religion» wird zu Ende gelesen: ] Es scheint zweifelhaft, ob irgendeine Lösung des Welträtsels dem zur Kritik erzogenen Menschen der Gegenwart bezüglich ihrer verstandesmäßigen Begründung voll genügen kann. Es wird sich immer nur darum handeln, wieweit Geist und Gemüt des Menschen befriedigt werden durch die sich ihm darbietende Lösung der großen, ewigen Fragen. Da hier eine verstandesmäRige Beweisführung für oder wider nicht möglich ist, muß das Gefühl über die größere oder geringere Wahrscheinlichkeit der einen oder anderen Lösung mit entscheiden.

Wir wollen einige der Weltanschauungen, wie sie sich dem gebildeten Menschen europäischer Kultur darbieten, von diesem Gesichtspunkt aus vergleichen.

[The chapter “Theosophy—A Religion” concludes: ] It seems doubtful whether any solution to the mystery of the world can fully satisfy the modern person, trained in critical thinking, in terms of its rational justification. The question will always be to what extent the human spirit and mind are satisfied by the solution to the great, eternal questions that is presented to them. Since rational argument for or against is not possible here, one’s intuition regarding the greater or lesser likelihood of one solution or another must play a part in the decision.

From this perspective, let us compare some of the worldviews as they present themselves to the educated person of European culture.

[ 47 ] In den folgenden Kapiteln vergleicht nun Wrangell den Materialismus, den Agnostizismus, den Okkultismus miteinander und hat dann noch ein Kapitel über Wiederverkörperung und Karma. Er kommt dann zu Lessings Ansicht von der Wiedergeburt und zu einer Rekapitulation des ganzen Gedankenganges. Es ist nicht mehr Zeit genug, um die Schlußkapitel zu besprechen. Wir werden daher morgen um sieben Uhr die Sache fortsetzen, denn wir haben über die Schlußkapitel noch einiges Wichtige zu sagen.

[ 47 ] In the following chapters, Wrangell compares materialism, agnosticism, and occultism with one another, and then devotes another chapter to reincarnation and karma. He then turns to Lessing’s view of rebirth and offers a recapitulation of the entire line of thought. There is not enough time left to discuss the concluding chapters. We will therefore continue tomorrow at seven o’clock, as we still have some important points to make regarding the concluding chapters.