The Spiritual Unification of Humanity
through the Christ Impulse
GA 165
28 December 1915, Dornach
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The Spiritual Unification of Humanity through the Christ Impulse, tr. SOL
Dritter Vortrag
Third Lecture
[ 1 ] Auf eine wichtige Tatsache versuchte ich gestern in dem ganzen Zusammenhang des Christus-Problemes hinzuweisen, auf eine Tatsache, die etwas zweifellos Überraschendes hat: auf die Tatsache, daß ein ganzes breites Weisheitsgut eigentlich verschwunden ist, nur gekannt wird heute in wenigen Fragmenten, in wenigen Überresten, wovon einiges aus einem der Überreste gestern hier vorgebracht worden ist, nämlich der Anfang des Buches Jeû. Nun müssen wir uns fragen: Kann ein Weisheitsgut, das vorhanden war, so ohne weiteres verschwinden? Kann es für ein solches Verschwinden nur äußere Gründe geben? Ich habe einen Vergleich gebraucht: Ich habe gesagt, daß der Fall denkbar wäre, daß alles dasjenige, was von uns nun gedruckt und geblieben ist, verbrannt würde, nur die gegnerischen Schriften blieben, aus denen man dann später nachkonstruieren könnte, was von uns gesagt worden ist. Nun gewiß, der Fall könnte eintreten. Aber so ganz ohne weiteres kann diese Hypothese eigentlich doch nicht aufgestellt werden. Denn denken Sie einmal, es würden wirklich die Schriften alle verschwinden, so würden noch viele von uns da sein — wenigstens kann man das annehmen —, die wissen, was in diesen Schriften steht, und die, ohne daß sie die gegnerischen Schriften brauchen, die Sache weiter mitteilen könnten, und so würde sich doch wohl können das Weisheitsgut fortpflanzen. Damit die Sache vollständig verschwände, wäre schon notwendig, daß in einer gewissen Weise nach und nach auch die Fähigkeiten verschwinden, um die Sache zu verstehen, die Sache zu behalten, um sie von Generation zu Generation fortzupflanzen. Das muß aber dazumal geschehen sein. Es muß sich dazumal in einer gewissen Weise das vollzogen haben, daß die Menschen die Fähigkeit verloren haben, so etwas zu verstehen, wie es die Gnosis des Valentinus ist, wie es der Inhalt der Pistis-Sophia-Schrift, wie es der Inhalt des Buches Jeû ist und so weiter. Und das ist auch wirklich so gewesen, Wir müssen uns durchaus vorstellen, daß sich auf der breiten Grundlage jenes alten Erbgutes, das sich in älteren Zeiten ausgelebt hat als das primitivste Hellsehen, dann allmählich abgeblüht und abgedämmert ist, auch ein höheres Erkennen ausgebildet hat, ein höheres Wissen, Geistwissen, das allerdings nur bei wenigen, in den Mysterien Ausgebildeten, gepflegt wurde, aber das doch im weiteren Umkreis vorhanden war. Und wir müssen uns weiter vorstellen, daß durch das allmähliche Lahmwerden der Fähigkeiten, solches zu begreifen, die ganze Sache nicht nur ins Vergessen, sondern ins Verschwinden gekommen ist. Die Menschen haben einfach nicht mehr die Fähigkeit gehabt, innerhalb der abendländischen Kultur so etwas zu verstehen. Dadurch konnte allein das, was Weisheitsgut war, verlorengehen. So daß wir wirklich sagen können: Indem wir auf die Zeit blicken, die dem Mysterium von Golgatha unmittelbar vorangegangen und nachgefolgt ist, sehen wir auf eine Zeit hin, wo im weitesten Umfange alte Fähigkeiten verschwinden und ganz aus dem Frischen, aus dem Neuen heraus gearbeitet wird. Man kann schon sagen: Es gab, als es so in der Menschheitsentwickelung gegen das Mysterium von Golgatha zuging, ein Herabdämmern, ein Verschwinden einer ganz eigenen Anschauung und Denkweise, die geistiger Art war, durch die man hätte das Hereinkommen des Christus in die Welt als eines Geistwesens begreifen können.
[ 1 ] Yesterday, in the broader context of the Christ problem, I attempted to draw attention to an important fact—a fact that is undoubtedly surprising: the fact that an entire, vast body of wisdom has essentially vanished, known today only in a few fragments, in a few remnants, some of which were presented here yesterday from one of those remnants, namely the beginning of the Book of Jeû. Now we must ask ourselves: Can a body of wisdom that once existed simply vanish like that? Can there be only external reasons for such a disappearance? I used an analogy: I said that it would be conceivable that everything we have now printed and preserved might be burned, leaving only the opposing writings, from which one could later reconstruct what we had said. Now, certainly, such a scenario could occur. But this hypothesis cannot really be posited quite so readily. For just imagine: if all the writings were to truly disappear, there would still be many of us left—at least one can assume so—who know what is written in these works and who, without needing the opposing writings, could continue to pass on the knowledge; and thus the body of wisdom could surely be perpetuated. For the matter to disappear completely, it would be necessary for the abilities to understand it, to retain it, and to pass it on from generation to generation to also gradually disappear in a certain way. But that must have happened back then. At that time, something must have occurred in such a way that people lost the ability to understand such things as the Gnosticism of Valentinus, the content of the Pistis Sophia text, the content of the Book of Jeû, and so on. And that is indeed what happened. We must certainly create a mental image of that, on the broad foundation of that ancient heritage—which in earlier times manifested itself as the most primitive form of clairvoyance— which then gradually faded and waned, a higher form of cognition also developed—a higher knowledge, spiritual knowledge—which, admittedly, was cultivated only by a few who had been trained in the Mysteries, but which was nonetheless present in wider circles. And we must further create a mental image of the situation in which, through the gradual atrophy of the abilities to comprehend such things, the whole matter has not only fallen into oblivion but has actually disappeared. People simply no longer had the ability to understand such things within Western culture. As a result, the very essence of wisdom could be lost. So that we can truly say: When we look at the period immediately preceding and following the Mystery of Golgotha, we are looking at a time when, to the greatest extent, old abilities were disappearing and everything was being worked out anew, from the fresh, from the new. One might even say: As human development approached the Mystery of Golgotha, there was a fading, a disappearance of a very distinctive way of viewing and thinking—one of a spiritual nature—through which one could have understood the coming of Christ into the world as a spiritual being.
[ 2 ] Also gerade zu der Zeit, in welcher der Christus sich mit der Erdenentwickelung verbindet, verschwindet das Wissen, durch das im eigentlichen, tieferen Sinne die Natur und Wesenheit dieses Christus hätte begriffen werden können. Das ist eine wichtige Tatsache. Ich habe auch schon bei verschiedenen Stellen unserer Betrachtungen auf eines, was sehr bedeutsam ist, hingewiesen. Ich habe gesagt: Die Christus-Verkündigung als solche ist nicht etwas, was etwa mit dem Ereignis von Golgatha so ganz neu ist. Nein, in den Mysterien wurde schon von dem Christus als dem Kommenden gesprochen. Es gab Lehren in den Mysterien, daß der Christus kommen werde. Man faßte diese ChristusWesenheit so auf, wie es eben im Sinne der verschwundenen Geistesweisheit ist. Aber diese Mysterien waren allmählich zerfallen, so daß gerade, als der Christus kam, die Zeit herannahte, in der man am wenigsten als Mensch geeignet war, über diesen Christus zu sprechen. Das sieht man nicht nur an allem, worauf ich jetzt schon hingedeutet habe, sondern das sieht man auch an dem, was übriggeblieben ist bei Menschen, die sich nun wie aus dem Frischen, aus dem Neuen heraus eine Vorstellung des Christus-Geheimnisses machen wollen.
[ 2 ] So precisely at the time when Christ becomes connected with the development of the Earth, the knowledge through which the nature and essence of this Christ could have been understood in the true, deeper sense disappears. This is an important fact. I have also already pointed out something very significant at various points in our reflections. I have said: The proclamation of Christ as such is not something that is entirely new with the event at Golgotha. No, in the Mysteries, Christ was already spoken of as the One to come. There were teachings in the Mysteries that the Christ would come. This Christ-essence was understood in the manner characteristic of the lost spiritual wisdom. But these Mysteries had gradually fallen into disuse, so that just as the Christ was coming, the time was approaching when human beings were least suited to speak of this Christ. This is evident not only from everything I have already alluded to, but also from what remains among people who now wish to form a mental image of the mystery of Christ as if from something fresh and new.
[ 3 ] Da haben wir gleich in den ersten Jahrhunderten der christlichen Entwickelung solche großen Geister, wie zum Beispiel Clemens von Alexandrien und Origenes, zwei eminente Geister. Wenn man sie von einem gewissen Standpunkte aus charakterisieren will, diesen Clemens von Alexandrien, der also auf die Gnostiker folgte, als die Gnosis schon herabgedämmert war, ebenso Origenes, dann muß man sagen, sie bestreben sich, zu erkennen: Wie ist es denn eigentlich mit diesem Mysterium von Golgatha? Wir haben es auf der einen Seite zu tun mit dem Christus — das wußten sie noch. Dieser Christus kann nur als ein Geistwesen begriffen werden, das mit dem Geistigen, mit den übersinnlichen Impulsen zu tun hat. Dieser Christus steigt herunter aus kosmischen Geistregionen. — Sie wußten nicht mehr ordentlich, wie die alte Gnosis den Christus hat begreifen können, aber sie wußten, er muß mit geistigen Fähigkeiten als ein Geistwesen begriffen werden. Das wußten sie von dem Christus. Auf der andern Seite war ihnen der Jesus eine historische Persönlichkeit. Eine geschichtliche Tatsache war ihnen das Erscheinen des Jesus. Es war vor so und so viel Jahren, sagten sie sich, in einem gewissen Teile Vorderasiens eine Persönlichkeit geboren worden, Jesus, die der Christus-Träger war, ein Mensch, in dem der Gott anwesend war. Das wurde für sie die Rätselfrage. Wir haben es zu tun in der geschichtlichen Entwickelung mit einer historischen Persönlichkeit, so sagten sie sich, wir haben es zu tun im Geistbegreifen mit dem Christus. Wie sollte man sich das Vereinigtsein der beiden denken? Und bei so eminenten, bei so großen Geistern, wie Clemens von Alexandrien, wie Origenes es sind, sehen wir ein Ringen, ein Kämpfen damit: begreifen zu können, wie der Christus in dem Jesus ist, darin ist.
[ 3 ] Right from the very first centuries of Christian development, we find such great minds as, for example, Clement of Alexandria and Origen, two eminent thinkers. If one wishes to characterize them from a certain point of view—Clement of Alexandria, who followed in the footsteps of the Gnostics when Gnosticism was already in decline, as well as Origen—then one must say that they strove to understand: What is the true nature of this Mystery of Golgotha? On the one hand, we are dealing with the Christ—they still knew that. This Christ can only be understood as a spiritual being connected to the spiritual realm and to supersensible impulses. This Christ descends from cosmic spiritual realms. — They no longer fully understood how the ancient Gnostics had been able to comprehend the Christ, but they knew that he must be understood as a spiritual being through spiritual faculties. That much they knew about the Christ. On the other hand, Jesus was a historical figure to them. The appearance of Jesus was a historical fact to them. “So many years ago,” they told themselves, “in a certain part of the Near East, a figure named Jesus was born—the bearer of the Christ, a human being in whom God was present.” This became a mystery to them. “In historical development,” they told themselves, “we are dealing with a historical figure; in spiritual understanding, we are dealing with the Christ.” How was one to conceive of the unity of the two? And in such eminent, such great minds as Clement of Alexandria and Origen, we see a struggle, a wrestling with this: to be able to comprehend how the Christ is in Jesus, how He is present within him.
[ 4 ] Wenn wir zunächst auf Clemens von Alexandrien hinsehen, welcher der Katechetenschule von Alexandrien vorstand, wo diejenigen ausgebildet wurden, die zu christlichen Lehrern gehalten und gemacht werden sollten, wenn wir hinsehen auf diese bedeutsame Persönlichkeit, so finden wir unter dem, was diese Persönlichkeit lehrt, etwa das Folgende. Clemens von Alexandrien sagte sich: Der Christus gehört unter diejenigen Kräfte, die schon bei der Schöpfung der Erde tätig waren, selbstverständlich, er gehört der geistigen Welt an. Er ist durch den Leib des Jesus von Nazareth in die Erdenentwickelung eingetreten. So also richtete Clemens von Alexandrien seinen Blick zunächst auf den Christus als das Geistwesen, suchte ihn zu begreifen in Geistregionen. Nun wußte Clemens von Alexandrien auch das Folgende, was wir auch öfter schon betont haben. Er wußte, der Christus war für die Menschen eigentlich immer da, aber nicht in der Erdenregion, sondern diejenigen konnten nur zu ihm gelangen, die Kräfte in sich entwickelten durch die Mysterien, vermöge welcher sie herauskommen konnten aus dem Leibe. Wenn sie, die Menschen, aus dem Leibe herauskamen durch die Mysterienkräfte und in die geistigen Regionen hineinkamen, so erkannten sie den Christus und sie empfanden ihn als denjenigen, der da kommen werde. Das wußte Clemens von Alexandrien. Er wußte, daß in den alten Mysterien von dem Christus als dem Kommenden, der noch nicht mit der Erdenentwickelung vereinigt ist, gesprochen worden ist. Das drückte er so aus: Gewiß, die Menschen wurden dazu inspiriert, den Christus zu erwarten. Und er ging so weit, daß er sagte: Namentlich an zwei Punkten der geistigen Menschheitsentwickelung wurde das gepflegt, was vorbereiten konnte für das Herabkommen des Christus. Clemens von Alexandrien sagte: Auf der einen Seite wurde es gepflegt durch Moses und die Propheten. Was durch Moses und die Propheten in die Welt kam, sagte er, das war eine Vorbereitung. Die Menschen sollten zuerst dasjenige erfahren, was durch Moses und die Propheten kam, damit sie dann mit Hilfe eines eigenen Empfindens ein Gefühl dafür haben können: Wir haben den Christus. Das sollten sie gerade vorstellen. Also von der alten gnostischen Weisheit wußte er nichts, oder wenigstens, er wandte sie nicht an. Aber von dem, was in die menschlichen Fähigkeiten gekommen ist durch Moses und die Propheten, von dem sagte er, daß es «Vorbereitung» ist. Und dann — das ist sehr bedeutsam — als ein Zweites, was vorbereiten sollte neben Moses und den Propheten, führte Clemens von Alexandrien die griechische Philosophie an: Plato und Aristoteles — die griechische Philosophie. Er sagte gleichsam: Moses und die Propheten und die griechische Philosophie sind dazu dagewesen, um die Menschen vorzubereiten auf das Ereignis, auf die Tatsache des Mysteriums von Golgatha.
[ 4 ] If we first turn our attention to Clement of Alexandria, who headed the Catechetical School of Alexandria—where those who were to be trained and appointed as Christian teachers were educated—if we look at this significant figure, we find, among his teachings, the following. Clement of Alexandria said to himself: Christ belongs to those forces that were already at work at the time of the Earth’s creation; naturally, he belongs to the spiritual world. He entered into the Earth’s evolution through the body of Jesus of Nazareth. Thus, Clement of Alexandria first directed his gaze toward Christ as a spiritual being, seeking to comprehend him in the spiritual realms. Now Clement of Alexandria also knew the following, which we have emphasized many times before. He knew that Christ had actually always been there for humanity, but not in the earthly realm; rather, only those who developed powers within themselves through the mysteries—powers by which they could step out of the body—could reach him. When they—human beings—emerged from the body through the powers of the Mysteries and entered the spiritual realms, they recognized Christ and perceived him as the One who was to come. Clement of Alexandria knew this. He knew that in the ancient Mysteries, Christ was spoken of as the One to come, who is not yet united with earthly evolution. He expressed this as follows: Certainly, people were inspired to await the Christ. And he went so far as to say: Specifically at two points in humanity’s spiritual development was cultivated what could prepare the way for the coming of the Christ. Clement of Alexandria said: On the one hand, it was cultivated through Moses and the prophets. What came into the world through Moses and the prophets, he said, was a preparation. People were first to experience what came through Moses and the prophets so that they might then, through their own inner feeling, develop a sense of: “We have the Christ.” That was precisely the mental image they were to create. So he knew nothing of the ancient Gnostic wisdom—or at least, he did not apply it. But regarding what had entered into human capacity through Moses and the prophets, he said that it was “preparation.” And then—and this is very significant—as a second element intended to prepare people alongside Moses and the prophets, Clement of Alexandria cited Greek philosophy: Plato and Aristotle—Greek philosophy. He said, as it were: Moses and the prophets and Greek philosophy were there to prepare people for the event, for the reality of the Mystery of Golgotha.
[ 5 ] Und wiederum Origenes sagte sich: Wir haben es zu tun mit dem Christus: mit dem Christus, der als Geistwesen von geistigen Kräften verstanden werden kann, wir haben es zu tun mit dem historischen Jesus, mit jener Persönlichkeit, die einmal als eine wirkliche, der Sinnenwelt angehörige Persönlichkeit da war. Wie kommen die zwei zusammen — der Gott mit dem Menschen? Wie entsteht der Gottmensch? — Und Origenes machte sich eine Theorie zurecht. Er sagte sich: So ohne weiteres kann der Gott nicht in dem physischen Menschen wohnen, sondern es mußte zuerst in dem Jesus eine besondere Seele sein, damit diese Seele vermitteln kann den Gott mit dem Menschen, also den Gott als reines Geisteswesen mit dem physischen Menschen. Da fügte er die Seele hinein. — Und so unterschied er im Christus Jesus den Gott, das reine Pneumawesen, das reine Geistwesen, dann die Psyche, die Seele, und den physischen Leib des Jesus von Nazareth. Er suchte sich also eine Vorstellung zu bilden, wie der Christus in dem Jesus von Nazareth sein konnte. Er hatte nicht mehr die alte Gnosis, um das Verweilen des Christus auf der Erde und das Verbinden des Christus mit der Erdenevolution sich vorzustellen. Man mußte aus dem Frischen, aus dem Neuen heraus arbeiten. Man strengte sich an, um das zu erreichen. Also gerade als der Christus als reales Wesen sich mit der Erdenentwickelung vereinigt hatte, hatten die Menschen die größten Schwierigkeiten, diese Tatsache überhaupt zu verstehen. Die Fähigkeiten waren im allergeringsten Maße vorhanden.
[ 5 ] And again, Origen said to himself: We are dealing with the Christ—the Christ who, as a spiritual being, can be understood in terms of spiritual forces—and we are dealing with the historical Jesus, that personality who once existed as a real being belonging to the sensory world. How do the two come together—God and man? How does the God-man come into being?—And Origen devised a theory. He reasoned: God cannot simply dwell within the physical human being; rather, there must first have been a special soul within Jesus so that this soul could mediate between God and man—that is, between God as a pure spiritual being and the physical human being. So he introduced the concept of the soul. — And so, in Christ Jesus, he distinguished between God—the pure pneuma, the pure spiritual being—then the psyche, the soul, and the physical body of Jesus of Nazareth. He thus sought to form a mental image of how Christ could be present in Jesus of Nazareth. He no longer possessed the ancient Gnosis needed to create a mental image of Christ’s sojourn on Earth and Christ’s connection to Earth’s evolution. One had to work from scratch, from the new. People strove to achieve this. So just as the Christ, as a real being, had united with Earth’s evolution, people had the greatest difficulty even understanding this fact. The necessary abilities were present only to the very slightest degree.
[ 6 ] Und warum das war, davon hatte Clemens von Alexandrien auch noch wenigstens eine Spur von Verständnis. Er sagte sich: Wodurch sind denn diese alten Mysterienleute inspiriert worden? Dadurch, sagte sich Clemens von Alexandrien, sind diese alten Mysterienleute inspiriert worden, daß der Christus auch auf sie gewirkt hat, aber überirdisch, wenn sie aus sich herausgekommen sind. Das geschah dadurch, wie Clemens von Alexandrien es ganz deutlich ausspricht, daß er ihnen die Engel geschickt hat. So daß Clemens von Alexandrien es geradezu aussprach: Wenn im Alten Testament von dem Erscheinen eines Engels geredet ist, so bedeutete das: der Christus schickt diesen Engel. Ja, Clemens von Alexandrien läßt es ausdrücklich durchmerken: Wenn Jahve im brennenden Dornbusch dem Moses erscheint, so ist es auch eigentlich der Christus, der da erscheint, der erscheint durch die irdisch-seelisch-geistige Erscheinung. So daß Clemens von Alexandrien das ausdrücklich ausspricht: Im Altertum, vor dem Mysterium von Golgatha, ist der Christus durch die Engel den Menschen erschienen. Wenn sie sich fähig machen konnten, die Botschaft der Engel zu vernehmen, dann standen sie eigentlich dem Christus selbst als Entkörperte, initiierte Entkörperte der höheren Welt gegenüber.
[ 6 ] And Clement of Alexandria had at least a glimmer of understanding as to why that was so. He asked himself: By what means were these ancient initiates inspired? Clement of Alexandria concluded that these ancient initiates were inspired by the fact that Christ also worked upon them—but in a supernatural way—when they had transcended their own selves. This happened, as Clement of Alexandria states quite clearly, because he sent angels to them. So Clement of Alexandria put it quite plainly: When the Old Testament speaks of the appearance of an angel, it meant that Christ sent that angel. Indeed, Clement of Alexandria makes this explicitly clear: When Yahweh appears to Moses in the burning bush, it is actually Christ who appears there, manifesting through an earthly-soul-spiritual manifestation. Thus, Clement of Alexandria explicitly states: In ancient times, before the Mystery of Golgotha, Christ appeared to human beings through the angels. If they were able to make themselves receptive to the angels’ message, then they were actually standing before Christ himself as disembodied, initiated beings from the higher world.
[ 7 ] Also so weit ging noch Clemens von Alexandrien. Und dann sagte er — das ist wiederum bei ihm noch enthalten —: Im Fortschritt der Zeitentwickelung ist der Christus übergegangen von der Engelnatur zur Sohnnatur. Er ist Sohn geworden. Er konnte sich früher manifestieren, offenbaren durch die Engel oder als Engel, als eine Fülle von Engeln, als viele Engel. Wenn er dem einen erscheinen wollte als der Engel, wenn er andern erscheinen wollte als anderer Engel, so ist er durch viele Gestalten erschienen. Dann erschien er durch die eine Gestalt: der Sohn.
[ 7 ] Clement of Alexandria went that far. And then he said—and this is also found in his writings—: In the course of the development of time, Christ has passed from the nature of an angel to the nature of a Son. He became the Son. Previously, he could manifest himself, reveal himself through the angels or as an angel, as a multitude of angels, as many angels. If he wished to appear to one person as an angel, or to others as a different angel, he appeared in many forms. Then he appeared in one form: the Son.
[ 8 ] Da tritt ein sehr wichtiges Element auf. Beachten Sie das wohl, das ist außerordentlich wichtig! Clemens von Alexandrien steht noch auf dem Standpunkt, daß er sagt: Der Christus war schon da vor dem Mysterium von Golgatha in den Geistregionen. Er war so weit, daß er sich durch Engel, durch Boten kundgeben konnte. Aber er kam weiter, er kam dazu, sich als Sohn ausleben zu können. Das ist außerordentlich wichtig.
[ 8 ] Here a very important element comes into play. Please take note of this—it is extremely important! Clement of Alexandria still holds the view that Christ was already present in the spiritual realms before the Mystery of Golgotha. He had reached a stage where he could reveal himself through angels and messengers. But he went further; he came to be able to live out his life as the Son. This is extremely important.
[ 9 ] Was tritt denn da eigentlich ein in das menschliche Verständnis? — Wenn wir diese ganze alte Gnosis durchgehen, so hat sie eine Eigentümlichkeit. Wenn ich Ihnen zum Beispiel ein Schema von dieser Gnosis aufzeichnen wollte, könnte ich folgendes sagen: Diese Gnosis stellt sich eine Person der Evolution vor, die ausging von dem Vater, dem Urvater, von der sogenannten Stille oder «iyn, von dem Urgeist. Da gaben diese alten Gnostiker dreißig verschiedene solche Stufen an. Die nannten sie Äonen. Also dreißig könnte ich hier angeben. Nun gewissermaßen eine zweite Strömung; während die erste Strömung geistig ist, gaben sie eine zweite Strömung an, die seelisch ist. Innerhalb dieser Strömung kannten sie die zwei Hauptursprungsäonen in dem Christus und in der Sophia. Dann kamen wiederum eine Anzahl von Äonen. Und eine dritte Strömung gaben sie an: den Demiurg mit der Materie. Und diese fanden sich zusammen und bildeten den Menschen.
[ 9 ] What, then, actually enters into human understanding? — If we go through all of this ancient Gnosticism, we find that it has a distinctive feature. If, for example, I wanted to outline a schema of this Gnosticism for you, I could say the following: This Gnosticism envisions a process of evolution that originated with the Father, the Primordial Father, from the so-called Silence or “iyn,” from the Primordial Spirit. These ancient Gnostics identified thirty such stages. They called them Aeons. So I could list thirty here. Now, in a sense, there is a second current; while the first current is spiritual, they described a second current that is psychical. Within this current, they recognized the two primary primordial aeons: Christ and Sophia. Then came a number of other aeons. And they identified a third current: the Demiurge with matter. These three came together and formed humanity.
[ 10 ] Solche Schemen kann man aus der Vorstellungsweise machen, die diese Gnostiker hatten. Diese Vorstellungen sind nicht ganz unwirklich, nicht ganz irreal, denn der Mensch ist ein kompliziertes Wesen. Als ich einmal vorgetragen habe, wie viele sieben Teile es im Menschen gibt — Sie haben es in einem der Norweger Zyklen enthalten, ich glaube, er heißt «Der Mensch im Lichte von Okkultismus, Theosophie und Philosophie» —, da waren unsere lieben Freunde ganz betroffen, wie viel, viel Unterschiedlichkeiten eigentlich im Menschen aufgesucht werden müssen. Diese Unterschiedlichkeiten erinnern an dasjenige, was die Gnostiker von ihrem Standpunkte aus schon gewußt haben. Aber wenn man an diese Gnosis herantritt, immer ist eins darin: es spielt darin wenig der Zeitbegriff. Man kann durch Raumesschemen das Gnostische ausdrücken. Der Zeitbegriff spielt keine besondere Rolle, wenigstens durchdringt man ihn nicht verständnisvoll. Und insoferne ist doch nun ein Fortschritt von der Gnosis zu Clemens von Alexandrien. Wenn auch die ganze umfassende Fülle der Geistesweisheit verlorengegangen ist, war dennoch ein Fortschritt zu Clemens von Alexandrien, indem er den Zeitbegriff in die Entwickelung des Christus hineinbrachte und sagte: Der Christus gab sich früher, konnte sich früher kundgeben durch Engel, dann als Sohn, indem er selber fortgeschritten war. EntwickeJung kam hinein, das ist das Bedeutsame. Man kann es nicht oft genug betonen, daß dazu die abendländische Kulturentwickelung da war, den Zeitbegriff dann in die Weltanschauung in der richtigen Weise hineinzubringen, den Entwickelungsgedanken in der richtigen Weise zu verstehen. Das ist so wichtig, das ist von durchgreifender Wichtigkeit, hinzuschauen auf die Entwickelung und zu sehen, wie der Christus sich ursprünglich nur durch die Engel kundgeben konnte, und dann, nachdem er durch das Mysterium von Golgatha gegangen ist, als Sohn erscheint. Durch die Engel ist er der Botschafter von etwas, was außerhalb der Welt ist und die Welt allerdings durchdringt, was aber, wenn es erkannt werden soll, von außerhalb der Welt her erkannt werden muß: Bote, Später, als er als Sohn erscheint, durchdringt er alles. Wie der Sohn eines Blutes ist, eins mit dem Vater ist innerhalb der physischen Welt, so ist der Geist-Sohn eines Wesens vorzustellen mit dem Vater in der geistigen Welt. Sohn sein ist etwas anderes, als bloß Engel sein. Wenn also diese Wesenheit sich als Sohn offenbart, ist es ein Fortschritt gegenüber der früheren Offenbarung, wo er sich nur als Engel, als Bote, offenbaren konnte.
[ 10 ] Such mental images can be derived from the way these Gnostics conceived of things. These mental images are not entirely unreal, not entirely imaginary, for human beings are complex beings. When I once gave a lecture on how many seven parts there are in the human being—you’ll find it in one of the Norwegian cycles; I believe it’s titled *Man in the Light of Occultism, Theosophy, and Philosophy*—our dear friends were quite taken aback by just how many, many distinctions actually need to be identified within the human being. These distinctions are reminiscent of what the Gnostics already knew from their own perspective. But when one approaches this Gnosis, one thing is always present: the concept of time plays little role in it. One can express the Gnostic through spatial schemas. The concept of time plays no special role; at least, one does not penetrate it with understanding. And in this respect, there is indeed a step forward from Gnosticism to Clement of Alexandria. Even though the entire comprehensive wealth of spiritual wisdom has been lost, there was nevertheless progress toward Clement of Alexandria in that he introduced the concept of time into the development of Christ and said: Christ revealed himself earlier—he was able to make himself known earlier through angels—and then as the Son, having advanced further himself. The concept of development came into play—that is what is significant. It cannot be emphasized often enough that Western cultural development was there to introduce the concept of time into the worldview in the right way and to understand the idea of development correctly. It is so important—indeed, of profound importance—to look at this development and see how Christ could originally reveal Himself only through the angels, and then, after passing through the Mystery of Golgotha, appears as the Son. Through the angels, he is the messenger of something that is outside the world and yet permeates the world, but which, if it is to be recognized, must be recognized from outside the world: a messenger. Later, when he appears as the Son, he permeates everything. Just as the Son of Blood is one with the Father within the physical world, so the Spirit-Son is to be conceived as one with the Father in the spiritual world. Being a Son is something other than merely being an angel. Thus, when this being reveals itself as the Son, it represents a step forward from the earlier revelation, in which he could reveal himself only as an angel, as a messenger.
[ 11 ] Man hatte also im Christlichen eine Art weitergehenden Verständnisses, als noch das Verständnis war innerhalb der alten Gnosis. Aber man brauchte, ich möchte sagen, die Nachwirkungen der Gnosis noch, um auch nur das zu sagen, was Clemens von Alexandrien sagte. Als die Gnosis allmählich ganz verschwand, konnte man auch das nicht mehr sagen, was Clemens und was Origenes sagten. Man kam immer mehr dazu, sich hineinzufinden in jene Impulse, die die Impulse der späteren Zeit waren, in die rein materialistischen Impulse. Und so kam es, daß die Lehre des Origenes verdammt wurde. Sie wurde für ketzerisch erklärt. Das Element, das es ausmachte, daß sie für ketzerisch erklärt wurde, besteht namentlich darinnen, daß man verzichten wollte auf ein solches, vom Menschen selber und seinen Kräften herkommendes Verstehen der Sache. Man fühlte: das kann nicht mehr da sein. Wie erscheint uns die Sache aber jetzt? Wie muß sie uns erscheinen? Wir sehen doch, daß eine alte Geistesweisheit sich auf dem Boden des alten Hellsehens ausgebreitet hatte. Das war da, es verschwindet allmählich. Innerhalb dieser Geistesweisheit war, wenn auch auf ein außerirdisches Wesen sich beziehend, eine Weisheit über den Christus da. Gerade als der Christus auf die Erde hinuntergestiegen war, war dies verschwunden. Der wirkliche Christus war mit der Erde verbunden. Das Wissen von dem Christus war verschwunden in der Zeit. Da haben Sie noch einen Fall im Großen, den ich Sie bitte, nur richtig anzuschauen. Wir können über die damals bekannte Erde hin den Blick richten, über die Erde vor dem Mysterium von Golgatha. Je weiter wir zurückgehen, desto mehr Wissen von dem Christus finden wir, wenn es auch der Christus ist, der in übersinnlichen Regionen gedacht werden muß. Aber es ist ein Wissen, das nur durch Engel vermittelt werden kann. Das ist Evolution. Dieses Wissen, diese Vorstellung von dem Christus ist auf viele Menschen verteilt. Es lebte der Christus als der Inspirator vieler Menschen: Evolution.
[ 11 ] So within Christianity there was a kind of deeper understanding than had existed within the ancient Gnosticism. But one still needed—I would say—the aftereffects of Gnosticism even to say what Clement of Alexandria said. When Gnosticism gradually disappeared entirely, it was no longer possible to say even what Clement and Origen said. People increasingly came to identify with the impulses of later times—the purely materialistic impulses. And so it came to pass that Origen’s teaching was condemned. It was declared heretical. The element that led to its being declared heretical consists specifically in the desire to dispense with such an understanding of the matter—one derived from human beings themselves and their own powers. People sensed: this can no longer exist. But how does the matter appear to us now? How must it appear to us? We can see, after all, that an ancient spiritual wisdom had spread on the foundation of the old clairvoyance. It was there; it is gradually disappearing. Within this spiritual wisdom there was—albeit in relation to an extraterrestrial being—a wisdom concerning the Christ. Just as the Christ had descended to Earth, this had vanished. The real Christ was connected to the Earth. Knowledge of the Christ had vanished into the mists of time. Here you have another case on a grand scale, which I ask you to examine carefully. We can cast our gaze over the Earth as it was known at that time, over the Earth before the Mystery of Golgotha. The further back we go, the more knowledge of the Christ we find, even if it is the Christ who must be conceived of in supersensible regions. But it is a knowledge that can only be conveyed through angels. That is evolution. This knowledge, this mental image of the Christ, is distributed among many people. The Christ lived as the inspirer of many people: evolution.
[ 12 ] Dieses Wissen geht langsam zurück, verschwindet, dämpft sich ab, und in dem einen Wesen, in dem Jesus von Nazareth, konzentriert sich alles das, was früher verteilt war. Denken Sie sich innerhalb der Evolution einen Tropfen der Christus-Innerlichkeit bei einem der Mysterienpriester, einem zweiten, dritten, vierten und so weiter, bei jedem der Mysterieneingeweihten würde man finden: er hat etwas von dem Christus in sich, wenn er mit seinem Geist aus seinem Leibe herausgeht. Der Christus ist vervielfältigt in ihnen. Das verschwindet alles. Und an einer einzigen Stelle, in dem Leib des Jesus von Nazareth, zieht sich das alles zusammen, was da verteilt war: Involution.
[ 12 ] This knowledge is slowly receding, disappearing, fading away, and in that one being—Jesus of Nazareth—all that was once scattered is now concentrated. Imagine, within the course of evolution, a drop of the Christ’s inner essence in one of the mystery priests, a second, a third, a fourth, and so on; in each of the mystery initiates one would find: he has something of the Christ within him when he steps out of his body with his spirit. Christ is multiplied within them. All of that disappears. And in a single place—in the body of Jesus of Nazareth—everything that was once scattered converges: involution.
[ 13 ] Gerade das, was allen andern entzogen war, erschien in dem einen Leib. Und so sehen wir, so muß von der Erde verschwinden, was verteilt war, was in Evolution lebte, indem es sich auf den einen Punkt, auf den Leib des Jesus von Nazareth, konzentrierte. Das ist diese wichtige Tatsache. Innerhalb der bedeutsamsten Involution hört die Evolution auf. Jetzt beginnt also die Zeit, wo der Christus mit der Erde lebt, aber das Christus-Wissen nicht in der Erde lebt, das Christus-Wissen sich erst wiederum entwickeln muß.
[ 13 ] Precisely that which was withheld from all others appeared in that one body. And so we see that what was scattered—what lived in evolution—must disappear from the earth as it concentrates on that one point, on the body of Jesus of Nazareth. That is this important fact. Within the most significant involution, evolution comes to a halt. Now, then, begins the time when Christ lives on Earth, but Christ-knowledge does not live on Earth; Christ-knowledge must first develop anew.
[ 14 ] Nun sind die großen Schwierigkeiten da, wir haben sie schon angedeutet: Auf der einen Seite hat man den Jesus, auf der andern Seite hat man den Christus. Und denken Sie, daß man die alte Weisheit von dem Zusammenhang im Menschen überhaupt doch verloren hat. Die ganze Zeit hat nichts davon gewußt, was es mit dem Menschen eigentlich für eine Bewandtnis hat. Jetzt erst wiederum gliedern wir den Menschen in physischen Leib, Ätherleib, Empfindungsseele und so weiter. Damit fangen wir erst wiederum an. Wir unterscheiden im einzelnen Menschen jetzt wiederum das Physisch-Irdische, das in der Vererbungslinie fortgeht, und das höhere Geistige, das aus geistigen Welten wieder hinunterstieg. Das hat Origenes nicht gewußt, das hat Clemens von Alexandrien nicht gewußt. Sie wußten nicht Bescheid über das Geistig-Seelische und Leibliche des einzelnen Menschen, der auf der Erde wandelt. Daher ergab sich für sie die Schwierigkeit, die einzelnen Glieder der Christus Jesus-Wesenheit zu verstehen. Das Wissen vom Menschen war verlorengegangen, daher diese Schwierigkeit, den Gottmenschen zu verstehen. Und so fiel das Wissen vom Jesus und das Wissen vom Christus immer mehr und mehr auseinander. Und es ist unendlich wichtig, damit man unsere Zeit verstehen kann, wie dies gleichsam auf die Zeit wiederum wirkt, insofern als in ihr dasjenige erscheinen muß, was unsere Geisteswissenschaft enthält. Es ist ungeheuer wichtig, gerade auf dieses Auseinanderfallen des Jesus und des Christus hinzublicken. Das ist eine ungemein ernste, eine ungemein wichtige Angelegenheit. Und sie tritt uns so vielfach entgegen.
[ 14 ] Now we face the great difficulties; we have already hinted at them: On the one hand, there is Jesus; on the other, there is the Christ. And just think—we have completely lost the ancient wisdom regarding the inner connection within the human being. All this time, we have known nothing of what the human being is actually all about. Only now are we once again dividing the human being into physical body, etheric body, sensory soul, and so on. We are only just beginning this process anew. We now distinguish within the individual human being between the physical-earthly aspect, which continues through the line of inheritance, and the higher spiritual aspect, which descended once more from the spiritual worlds. Origen did not know this; Clement of Alexandria did not know this. They were unaware of the spiritual-soul and physical aspects of the individual human being walking on Earth. Hence, they faced the difficulty of understanding the individual members of the Christ-Jesus being. Knowledge of the human being had been lost, hence this difficulty in understanding the God-man. And so the knowledge of Jesus and the knowledge of the Christ drifted further and further apart. And it is infinitely important—in order to understand our time—to see how this, as it were, in turn affects our time, insofar as what our Spiritual Science contains must appear within it. It is immensely important to look specifically at this separation of Jesus and the Christ. This is an exceedingly serious, an exceedingly important matter. And we encounter it in so many ways.
[ 15 ] Diese Weihnachtsspiele, wir haben sie an uns vorübergehen sehen. Wir fühlten bei dem einen Weihnachtsspiel noch etwas nach von dem Christus; bei dem zweiten; die reine Jesus-Gestalt bei dem ersten, bei dem einfach-primitiven. Man kann sagen: allmählich hat sich das Jesus-Kind, also der Ausgangspunkt des Jesus, die Gemüter der Menschen erobert. In der Mitte des Mittelalters beginnt das erst, daß man auf das Kind hinblickt. Vorher haben die Christen an dem Meßopfer teilgenommen, sie haben von dem Mysterium gehört, daß der Christus durch den Tod gegangen ist, die Paulinische Lehre und so weiter. Aber die Bibel war nicht populär, die Bibel war ja nur in den Händen der Priester. Die Gläubigen hatten an dem Meßopfer teilzunehmen, das ihnen noch dazu in der lateinischen Sprache geboten wurde. Aber eine Teilnahme an den Vorgängen der heiligen Handlung gab es nicht. Und dasjenige, was in den Evangelien enthalten ist, eroberte sich erst nach und nach die Gemüter, die Seelen. Und so konnten erst wirklich von der Mitte des Mittelalters ab solche Spiele, solche Darstellungen des Erscheinens des Jesus und so weiter den Leuten geboten werden. Heute hat man eigentlich die Vorstellung: Das Mysterium von Golgatha war, und von da ab hätten die Menschen etwas von diesem Mysterium von Golgatha gewußt. Ja, was sie wußten, war, daß eben der Christus am Kreuze gestorben ist. Vorzüglich das Osterereignis haben die Leute empfunden. Aber das Weihnachtsereignis war ganz unbekannt, das schlich sich erst ganz langsam und allmählich in die Gemüter, in die Herzen der Menschen hinein. Das war die äußere Seite, wie man im Bilde kennenlernte, was in Palästina geschehen war. Erst nach und nach, durch die dramatische Vorführung, machte man sich Vorstellungen von dem, was da geschehen war in Palästina. Es war die Seite des Jesus-Geheimnisses. Es war in derselben Zeit, bedenken Sie doch, daß es in derselben Zeit war, als auf der andern Seite in der Mystik Tauler, Meister Eckhart und die andern den Christus wiederum gesucht haben, durch Mystik den Christus gesucht haben. So daß wir auf der einen Seite haben das erste Aufgehen der Weihnachtsspiele: der Jesus wird gesucht so äußerlich wie möglich, nämlich in unmittelbar äußerer Darstellung — der Jesus wird gesucht — und die Mystiker suchen den Christus, sie suchen die Seele so weit zu entwickeln, daß sie den Christus in sich aufgehen sehen, den ganz umgestalteten, ganz weltfernen, rein geistigen Christus suchen sie in der Seele zu erfahren. Die Mystik auf der einen Seite, die Weihnachtsspiele auf der andern Seite — der Jesus und der Christus auf zwei verschiedenen, weit auseinanderliegenden Wegen zu gleicher Zeit gesucht! Was bei Origenes eine theoretische Schwierigkeit war, das Nichtzusammenbringen-Können des Christus mit dem Jesus, da tritt es uns entgegen in den Dörfern draußen. Bei dem Volk wird der Jesus in der Kindheitsform gezeigt. Die tiefen Mystiker suchen den Christus, indem sie ihre eigene Seele bis zum innerlichen Erfühlen, fast bis zum innerlichen Ertasten des Christus führen wollen. Aber wo ist eine Verbindung? Wo ist sie, diese Verbindung? Die Dinge gehen nebeneinander. Denken Sie, wie weit das abliegt, was der einfache Mensch, das einfache Auge sieht in den Weihnachtsspielen, von der tiefsinnigen Mystik eines Meister Eckhart oder eines Johannes Tauler. Aber die Anfänge der Weihnachtsspiele fallen in die Zeit hinein. Die Mystik lebt sich auch weiter fort.
[ 15 ] We have watched these Christmas plays come and go. In one of them, we still sensed something of Christ; in the second, the pure figure of Jesus—in the first, the simple, primitive one. One could say: gradually, the infant Jesus—that is, the starting point of Jesus—won over people’s hearts. It was not until the middle of the Middle Ages that people began to focus on the child. Before that, Christians participated in the Mass, heard about the mystery of Christ’s death, the Pauline doctrine, and so on. But the Bible was not popular; after all, it was only in the hands of the priests. The faithful had to participate in the Mass, which was, moreover, celebrated in Latin. But there was no active participation in the proceedings of the sacred rite. And what is contained in the Gospels only gradually won over people’s minds and souls. And so it was not until the middle of the Middle Ages that such plays—such depictions of the appearance of Jesus and so on—could truly be presented to the people. Today, people generally have a mental image of the Mystery of Golgotha taking place, and that from then on, people knew something of this Mystery of Golgotha. Yes, what they knew was simply that Christ had died on the cross. People felt the Easter event most keenly. But the Christmas event was completely unknown; it only crept very slowly and gradually into people’s minds and hearts. That was the outer aspect—how people came to know, through imagery, what had happened in Palestine. Only little by little, through dramatic reenactments, did people begin to form mental images of what had actually happened in Palestine. This was the aspect of the mystery of Jesus. It was at the same time—just consider that it was at the same time—that, on the other hand, in the realm of mysticism, Tauler, Meister Eckhart, and the others were seeking Christ anew, seeking Christ through mysticism. So on the one hand, we have the first emergence of the Christmas plays: Jesus is sought as outwardly as possible, namely in an immediately external portrayal—Jesus is sought—and the mystics seek the Christ; they seek to develop the soul to such an extent that they see the Christ arise within themselves; they seek to experience in the soul the completely transformed, utterly otherworldly, purely spiritual Christ. Mysticism on the one hand, the Christmas plays on the other—Jesus and Christ sought at the same time along two different, widely divergent paths! What was a theoretical difficulty for Origen—the inability to reconcile Christ with Jesus—now confronts us in the villages out there. Among the people, Jesus is portrayed in the form of a child. The profound mystics seek the Christ by striving to lead their own souls to an inner sensing, almost to an inner touching of the Christ. But where is the connection? Where is it, this connection? The two run parallel to one another. Consider how far removed what the simple person, the simple eye, sees in the Christmas plays is from the profound mysticism of a Meister Eckhart or a Johannes Tauler. Yet the origins of the Christmas plays lie within that very era. Mysticism continues to live on.
[ 16 ] Und in unserer Zeit heute — denken Sie, was für viele Theologen das ganze Mysterium von Golgatha geworden ist! Nehmen Sie an: Diejenigen, die fortgeschrittenste Theologen sind, auf was sehen denn die eigentlich? Sie sehen darauf, daß einmal im Beginne unserer Zeitrechnung in Nazareth oder Bethlehem oder irgendwo ein auserlesener Mensch geboren worden ist, auserlesen ganz besonders dazu, des Menschen Zusammenhang mit der geistigen Welt nach und nach in sich zu erfühlen, ein edler Mensch — der edelste Mensch, ein so edler Mensch, daß man schon sagen kann, er war fast — und sogar — nicht wahr, da hapert die Geschichte ein bißchen! Man weiß sich da nicht zurechtzufinden, was man nun noch sagen soll dazu, daß er im Laufe des Christentums doch ganz als ein Gott aufgefaßt war. Und da windet man sich und dreht sich, und da kommen all die Euckenismen und Harnackismen, die so — ja, man kann es nicht fassen, aber man will auf irgendeine Weise gescheit sein und doch eine Möglichkeit haben, den Jesus als irgend etwas, Christus als irgendeinen Christus aufzufassen. Nun, und da nimmt man die Evangelien vor. Zwar, man geniert sich als ein moderner Mensch, die Wunder zuzugeben. Man streicht also, was man streichen kann, und konstruiert heraus so etwas höchst Natürliches, etwas, was nach vernünftigen Gründen geschehen sein kann. Und dann geht es zu dem Ereignis von Jerusalem, zu dem Kreuzestod. Bis zum Sterben, da geht es nun noch. Aber bis zur Auferstehung, da geht es nicht, da versteigt man sich dann zu solchen Dingen, wie sich zum Beispiel Harnack versteigt, so daß er sagt: Ja, diese Auferstehung, dieses Grab, aus dem der Christus Jesus auferstanden sein soll — das Ostergeheimnis, ja, ja, das Ostergeheimnis: man muß sich schon einmal durchringen zu der Erkenntnis, daß von dem Garten an der Schädelstätte dieses Ostergeheimnis ausgegangen ist; auferstanden ist dort das Ostergeheimnis — der Gedanke der Auferstehung ist von dort gekommen, und an den müssen wir uns halten und im übrigen nicht dahin sehen, was da eigentlich geschehen ist; die Meinung von der Auferstehung ist ausgegangen von dort.
[ 16 ] And in our time today—just think what the whole mystery of Golgotha has become for so many theologians! Suppose: those who are the most advanced theologians—what, exactly, are they focusing on? They focus on the fact that once, at the beginning of our era, in Nazareth or Bethlehem or somewhere, a chosen human being was born—chosen specifically to gradually come to feel within himself humanity’s connection to the spiritual world—a noble human being—the noblest human being, a human being so noble that one might even say, he was almost—and even—no, wait, that’s where the story gets a little tricky! One doesn’t quite know how to make sense of it, or what else to say about the fact that, in the course of Christianity, he came to be regarded entirely as a god. And so one squints and twists, and all those Euckenisms and Harnackisms come into play, which are so—yes, one can’t quite grasp it, but one wants to be intelligent in some way and yet still have a way to understand Jesus as something, Christ as some kind of Christ. Well, and so one turns to the Gospels. Admittedly, as a modern person, one is embarrassed to acknowledge the miracles. So one strikes out what one can, and constructs from them something highly natural—something that could have happened for reasonable reasons. And then one comes to the event in Jerusalem, to the death on the cross. Up to the moment of death, that’s still manageable. But as for the Resurrection—that’s where it breaks down; that’s where one resorts to such things as Harnack, for example, resorts to, so that he says: Yes, this Resurrection, this tomb from which Christ Jesus is said to have risen—the mystery of Easter, yes, yes, the mystery of Easter: one must bring oneself to recognize that this Easter mystery originated in the garden at Golgotha; the Easter mystery arose there—the idea of the Resurrection came from there, and we must hold fast to that and, for the rest, not look into what actually happened there; the belief in the Resurrection originated there.
[ 17 ] Nicht wahr, das ist etwas! Lesen Sie «Das Wesen des Christentums» von Harnack, da finden Sie diesen eigentümlichen Auferstehungsgedanken! Ich habe in einer Versammlung des Giordano Bruno-Vereins in einer Stadt einmal darauf hingewiesen und gesagt: Es ist doch ein sonderbarer Gedanke, daß man mit der Auferstehung so fertig werden will, daß man sagt, man wolle nicht rühren an dem, was da eigentlich geschehen ist, sondern wolle hinweisen darauf, daß der Auferstehungsglaube, der Glaube an das Ostergeheimnis von jenem Grabe herausgestiegen ist. — Da sagte mir jemand: Das kann nicht bei Harnack stehen! Das ist ja schon fast katholisch, das ist katholischer Aberglaube. Das ist so, als ob man noch glauben sollte, daß der heilige Rock von Trier etwas bedeute! Das ist Aberglaube, das kann nicht bei Harnack stehen. — Ja, es steht halt eben doch bei Harnack, und ich konnte nichts anderes tun — ich hatte das Buch nicht zur Hand —, als dem betreffenden Herrn am nächsten Tag eine Karte schreiben, daß es auf Seite so und so viel steht. Es sind das Dinge, die ins Schwierige hinein verlaufen. Man kommt da nicht zurecht, wenn man von dem Jesus zu dem Christus den Weg finden soll. Einer sagte mir einmal: Wir können mit einer Christologie nichts mehr anfangen, wir modernen Theologen, wir können eigentlich nur noch eine Jesulogie brauchen. — Er sagte es, nicht ich: Schade, daß der Name Jesuiten schon vergeben ist, denn eigentlich müßte man die Bekenner der modernen Theologie « Jesuiten» nennen. — Bitte, nicht ich sagte es, sondern ein Bekenner der modernen Theologie!
[ 17 ] Isn’t that something! Read Harnack’s *The Essence of Christianity*; there you’ll find this peculiar idea of the Resurrection! I once pointed this out at a meeting of the Giordano Bruno Society in a certain city and said: It is, after all, a strange idea that one would try to come to terms with the Resurrection by saying that one does not want to tamper with what actually happened there, but rather wants to point out that the belief in the Resurrection—the belief in the Easter mystery—emerged from that very tomb. — Then someone said to me: “That can’t be in Harnack! That’s almost Catholic—it’s Catholic superstition. It’s as if one were still supposed to believe that the Holy Robe of Trier means anything! That’s superstition; it can’t be in Harnack.” — Well, it is in fact in Harnack, and I could do nothing else—I didn’t have the book at hand—but write a note to the gentleman in question the next day, telling him it’s on such-and-such a page. These are matters that lead into difficult territory. One can’t find one’s way there if one is to make the transition from Jesus to Christ. Someone once told me: “We modern theologians can no longer make sense of Christology; all we really need now is a ‘Jesulogy.’” — He said it, not me: “It’s a shame the name ‘Jesuits’ is already taken, because really, the adherents of modern theology should be called ‘Jesuits.’” — Please, I didn’t say it—a proponent of modern theology did!
[ 18 ] Ja nun, das ist eine Seite in der Geschichte. Die andere Seite ist diese, daß eine Anzahl von modernen Theologen wiederum sich mehr an den Christus hält. Sie nehmen die Evangelien vor. Sie nehmen gewisse Aussprüche in den Evangelien nicht so, wie die, von denen ich jetzt eben erzählt habe, dasjenige nehmen, was man als vernünftiger Mensch in der Welt von einem Menschen glauben kann, wenn er auch ein göttlicher Mensch ist. Aber da ist man sich nicht klar, wenn man einen «göttlicher Mensch» nennt, wie weit man gehen soll mit der Anwendung des Göttlichen: Edler Mensch, aber mehr als Sokrates — aber, na, es geht nicht recht. Nun, das sind die einen, die Jesulogen, denn Theologen, das ist nun schon ein schwer auf sie anzuwendendes Wort. Theologie würde Gottesweisheit heißen. Das «Göttliche» soll aber gerade hier weggestrichen werden. Dann sind die andern; die nehmen die Aussprüche nun etwas ernster. Die finden bei gewissen Aussprüchen: Das geht doch nicht, daß man den, der sie getan hat, nur als einen gewöhnlichen Menschen auffaßt. Nicht wahr, es sind Aussprüche in den Evangelien, die nun sich einfach nicht so ohne weiteres auf ehrliche Art einem Menschen, einem bloßen Menschen in den Mund legen lassen. Und außerdem nehmen sie die Auferstehungsgeschichte ernst und so weiter. Die machen sich nun zu Christologen im Gegensatz zu den Jesulogen.
[ 18 ] Well, that’s one side of the story. The other side is that a number of modern theologians, on the other hand, adhere more closely to Christ. They examine the Gospels. They do not interpret certain sayings in the Gospels the way those I just mentioned do—that is, as what a reasonable person in the world can believe about a human being, even if he is a divine human being. But when one speaks of a “divine human being,” it is unclear just how far one should go in applying the divine: A noble human being, but more than Socrates—but, well, that doesn’t quite work. Well, those are the ones—the “Jesulogists”—because “theologians” is a term that’s hard to apply to them. Theology would mean “God’s wisdom.” But the “divine” is precisely what is to be set aside here. Then there are the others; they take the sayings a bit more seriously. When it comes to certain sayings, they find: It simply isn’t possible to regard the one who uttered them as merely an ordinary human being. After all, there are sayings in the Gospels that simply cannot be honestly attributed to a human being—a mere human being—without further ado. And besides, they take the story of the Resurrection seriously, and so on. They thus call themselves Christologists, in contrast to the “Jesuologists.”
[ 19 ] Aber nun kommen diese zu etwas anderem. Lesen Sie das Buch «Ecce Deus» und andere Bücher, da kommen Sie darauf, daß Sie sich sagen: Wenn man die Evangelien ehrlich liest, kann man nicht sagen, daß in den Evangelien von einem Menschen die Rede ist. Es ist von einem Gott die Rede, von einem wirklichen, richtigen Gott. — Es verlieren diese Leute wiederum den Jesus. Und sie verlieren ihn sehr stark, denn sie sagen jetzt: In den Evangelien ist überall von einem Gott die Rede; aber der Gott kann doch nicht existiert haben, den kann es doch nicht gegeben haben, also müssen wir den Christus beibehalten. Der Christus ist etwas, wovon die Leute gesprochen haben, aber was nicht auf der Erde gelebt hat. Christologie ohne Jesulogie, das ist die andere Richtung. Aber zusammenkommen können die beiden Richtungen nicht. Und so ist es heute schon wirklich: Diejenigen, die von dem Christus sprechen, haben den Jesus verloren, und diejenigen, die von dem Jesus sprechen, haben den Christus verloren. Der Christus ist ein unwirklicher Gott geworden, und der Jesus ist ein unwirklicher Mensch geworden. Auf dieser Bahn muß es unbedingt weitergehen, wenn nichts hinzukommt.
[ 19 ] But now these people are turning to something else. Read the book *Ecce Deus* and other books, and you’ll find yourself thinking: If you read the Gospels honestly, you can’t say that they’re talking about a human being. They’re talking about a God—a real, true God. — These people, in turn, lose sight of Jesus. And they lose him very completely, for they now say: The Gospels speak everywhere of a God; but that God cannot have existed—he cannot have been real—so we must hold on to Christ. Christ is something people spoke of, but who did not live on earth. Christology without Jesulogy—that is the other direction. But the two approaches cannot come together. And that is already the reality today: those who speak of the Christ have lost Jesus, and those who speak of Jesus have lost the Christ. The Christ has become an unreal God, and Jesus has become an unreal human being. Unless something new is added, this trajectory is bound to continue.
[ 20 ] Das, was hinzukommt, muß die Geisteswissenschaft sein, die wiederum begreifen kann, wie der Christus im Jesus gelebt hat. Und das ist im Grunde genommen gerade einer der wichtigsten Punkte der geisteswissenschaftlichen Lehre, daß sie führen kann zu einem Begreifen, wie der Christus auf dem Umweg durch die zwei Jesusse wirklich das Wesen werden konnte, das in den Mittelpunkt der Erdenentwickelung der Menschheit sich hineinstellte, weil diese Geisteswissenschaft wiederum eine Anschauung hat davon, was der Mensch ist, wie im Menschen sich Geistiges, Seelisches und Leibliches zusammenfügt. So kann man aufbauend auf diesem auch erst wiederum begreifen, wie der Christus mit dem Jesus zusammenkommt. Das ist natürlich kompliziert und nicht einfach zu verstehen, aber es ist zu verstehen. Und so sehen Sie, wie aus dem Ursprünglichen heraus dasjenige, was für die Menschheit verlorengegangen ist, wiederum hergestellt werden muß durch die Geisteswissenschaft, auch in bezug auf das Verständnis des Mysteriums von Golgatha. Als der Christus in der Welt erschienen ist, war das Verständnis für ihn nicht möglich. Dieses Verständnis muß erst nach und nach erworben werden. Was er gewirkt hat, hat er in der Tatsächlichkeit gewirkt. Aber die Ansatzpunkte sind überall da. Und auch aus dem einfachsten Weihnachtsspiel heraus lassen sich Ansatzpunkte finden.
[ 20 ] What must be added is Spiritual Science, which in turn can comprehend how Christ lived within Jesus. And this is, in essence, one of the most important points of Spiritual Science: that it can lead to an understanding of how Christ, through the detour of the two Jesus figures, could truly become the Being who placed Himself at the center of humanity’s earthly evolution—because Spiritual Science, in turn, has a vision of what a human being is, and of how the spiritual, the soul, and the physical come together within the human being. Only by building upon this can one then understand how Christ and Jesus come together. This is, of course, complicated and not easy to understand, but it can be understood. And so you see how, starting from the original, that which has been lost to humanity must be restored through Spiritual Science, including with regard to the understanding of the Mystery of Golgotha. When Christ appeared in the world, it was not possible to understand him. This understanding must first be acquired little by little. What he accomplished, he accomplished in reality. But the starting points are everywhere. And even in the simplest Christmas play, starting points can be found.
[ 21 ] Was wird denn hingestellt? Hingestellt wird besonders da deutlich, wo noch die Paradeisspiele in Betracht kommen, hingestellt wird, wie ein Mensch in die Welt hereintritt, von dem, nur durch dasjenige, was nebenbei geschieht, klar wird: es ist der Jesus. Der Mensch tritt als Kind in die Welt herein. Ich sagte: Das Paradeisspiel war damit verbunden — der Anfang der Erdenentwickelung —, mit dem Mysterium von Golgatha. Warum das? Da müssen wir in Betracht ziehen, daß im Beginne der Erdenentwickelung der Mensch der luziferischen Versuchung ausgesetzt worden ist. Dadurch ist er ein anderes Wesen geworden, als er im regulären Fortschritt geworden wäre. Wenn wir also den Adam, symbolisch gesprochen, außer dem Paradiese vor uns haben, so ist er ein anderes Wesen, als wozu er bestimmt war vor der luziferischen Versuchung. Wodurch tritt das denn zutage? Stellen Sie sich vor: Luzifer wäre nicht an den Menschen herangekommen, der Mensch würde ohne den luziferischen Impuls leben, dann würde er im Ätherleibe ganz anders leben. Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes geht und seinen Ätherleib noch hat, und ihn dann abstreift, so bleibt da dieser Ätherleib, aber in diesem Ätherleib ist abgedruckt dasjenige, was der Mensch tur und denkt durch die luziferische Verführung. Nicht wahr, der Mensch stirbt, geht also durch die Pforte des Todes. Der physische Leib wird den Elementen übergeben. Nach einigen Tagen löst sich der Ätherleib von der Wesenheit des Menschen los. Der Mensch geht dann seine weiteren Wege. Aber in diesem Ätherischen ist drinnen dasjenige, wozu dieser Ätherleib geworden ist dadurch, daß der Mensch denkt und fühlt und handelt, so wie er nach der luziferischen Versuchung denken und fühlen und handeln muß. Also nun stellen Sie sich die Erde vor. Hinein in die Erde kommt der menschliche physische Leib, er wird den Elementen der Erde übergeben. Aber sein Ätherleib, der bleibt mit der Erde verbunden. Da haben wir die Ätherleiber der Menschen, die sind nun einmal da in der Erdenatmosphäfre. Sie sind anders, als sie wären, wenn nicht die luziferische Versuchung gekommen wäre, Auf diese Ätherleiber bezieht sich natürlich alles, was ich sonst über die Ätherleiber gesagt habe. Aber auch dasjenige bezieht sich darauf, was ich heute andeute, so daß wir sagen können: Ein Mensch wird in die Erde eingebettet. Dasjenige, was er auf der Erde zurückläßt, was sein Ätherleib geworden ist während des Lebens, ist dürrer, verholzter, als es wäre, wenn die luziferische Versuchung nicht gekommen wäre. Verholzter, dürrer — es ist dieser Unterschied wirklich vorhanden. Denken Sie sich, es wäre nie die luziferische Versuchung gekommen, dann würde der Mensch bei seinem Tode einen viel «gejüngerteren» Ätherleib hinterlassen, gleichsam einen viel grüneren Ätherleib. Er läßt einen viel dürreren, ausgetrockneteren Ätherleib durch die luziferische Versuchung zurück, als er ohne die luziferische Versuchung zurücklassen würde. Es ist schon ausgedrückt in der Legende, daß aus dem Grabe Adams der verholzte Paradiesesbaum herauswächst. Aber das, was da in der Erde lebt, lebte vor dem Mysterium von Golgatha in dem luziferisch infizierten Ätherleib. Das war gerade das Element, wo hinein erlösend der Leib des Jesus von Nazareth sich begab, als Phantom, wie ich einmal durch die Karlsruher Vorträge angedeutet hatte. Also nun stellen Sie sich das Grab Adams vor: Adam als physischer Leib den Elementen der Erde übergeben, aus dem Grabe Adams heraus den verholzten Ätherleib, der der Repräsentant desjenigen ist, was am Menschen luziferisch infiziert ist und übrigbleibt nach dem Tode. Das ist zu gleicher Zeit das Holz, an dem der Mensch gekreuzigt werden kann. Und es entsteht diese Kreuzigung in dem Zurückbleiben des Phantoms von dem Jesus von Nazareth nach dem Mysterium von Golgatha, das sich gerade mit dessen Hilfe mit der Erde verbindet. Das ist ausgedrückt in der Legende, indem gesagt wird: Dieses Holz ging von Generation zu Generation und es bildete wiederum das Holz des Kreuzes von Golgatha. Dieses Bild ist das Bild, das einer wirklichen Tatsache entspricht, nämlich das, daß durch die Kreuzigung das Phantom des Jesus von Nazareth sich vereinigte mit dem, was in der Erde ätherisch lebte von all den luziferisch infizierten Ätherleibern, die natürlich ausgestreut waren und sich verdünnt und aufgelöst hatten, aber eben in ihren Kräften da waren. Es ist eine sehr bedeutende, eine ganz unendlich tiefe, die Erdengeheimnisse beleuchtende Tatsache, die wir dabei hier ins Auge zu fassen haben.
[ 21 ] What, then, is being presented? This becomes particularly clear in the context of the Paradise Dramas: it is presented how a human being enters the world—and it becomes evident, solely through what happens in passing, that this is Jesus. The human being enters the world as a child. I said: The Paradise Play—the beginning of Earth’s evolution—was connected to the Mystery of Golgotha. Why is that? We must take into account that at the beginning of Earth’s evolution, the human being was exposed to the Luciferic temptation. As a result, he became a different being than he would have become through regular evolution. So when we consider Adam, symbolically speaking, outside of Paradise, he is a different being than what he was destined to be before the Luciferic temptation. How does this become apparent? Imagine: if Lucifer had not approached humanity, if humanity were living without the Luciferic impulse, then it would live quite differently in the etheric body. When a human being passes through the gate of death and still has his etheric body—and then sheds it—this etheric body remains, but imprinted within it is everything the human being does and thinks as a result of the Luciferic temptation. Isn’t that so? The human being dies, that is, passes through the gate of death. The physical body is returned to the elements. After a few days, the etheric body detaches itself from the human being’s essence. The human being then continues on their way. But within this etheric body is contained that which it has become through the human being’s thinking, feeling, and acting—just as they must think, feel, and act following the Luciferic temptation. So now imagine the Earth. The human physical body enters the Earth; it is surrendered to the elements of the Earth. But the human etheric body remains connected to the Earth. There we have the etheric bodies of human beings; they are simply there in the Earth’s atmosphere. They are different from what they would have been had the Luciferic temptation not occurred. Naturally, everything I have said elsewhere about the etheric bodies applies to these as well. But what I am hinting at today also applies to them, so that we can say: A human being is embedded in the earth. What he leaves behind on earth—what his etheric body has become during his life—is drier and more woody than it would be if the Luciferic temptation had not occurred. More woody, drier—this difference truly exists. Imagine if the Luciferic temptation had never occurred; then, upon death, a human being would leave behind a much “younger” etheric body—as it were, a much greener etheric body. Because of the Luciferic temptation, they leave behind a much drier, more parched etheric body than they would have left behind without it. It is already expressed in the legend that the petrified Tree of Paradise grows out of Adam’s grave. But what lives there in the earth lived, before the Mystery of Golgotha, in the etheric body infected by Lucifer. That was precisely the element into which the redeeming body of Jesus of Nazareth entered, as a phantom, as I once hinted at in the Karlsruhe lectures. So now imagine Adam’s grave: Adam, as a physical body, surrendered to the elements of the earth; emerging from Adam’s grave, the lignified etheric body, which is the representative of that which is Luciferically infected in the human being and remains after death. This is at the same time the wood upon which the human being can be crucified. And this crucifixion arises from the phantom of Jesus of Nazareth remaining behind after the Mystery of Golgotha, which, precisely through its aid, connects with the earth. This is expressed in the legend, which states: “This wood passed from generation to generation and in turn formed the wood of the cross of Golgotha.” This image corresponds to a real fact, namely that through the crucifixion, the phantom of Jesus of Nazareth united with what lived etherically in the earth—all the Lucifer-infected etheric bodies that were naturally scattered and had become diluted and dissolved, yet were still present in their powers. It is a very significant, infinitely profound fact that sheds light on the mysteries of the Earth, which we must now consider here.
[ 22 ] Aber wodurch wird denn der Mensch verwandt mit diesem luziferisch infizierten Ätherleib? Dadurch, daß er sich hereinlebt in die physische Welt, wo er zum Kinde wird. Da ist es natürlich noch nicht, wo er zum Kinde wird. Daher sieht man wirklich den luziferfreien Menschen, wenn man das Kind mit dem richtigen Gefühle ansieht, wenn es in die Welt hereinkommt. Und ist man imstande, das Kind mit dem richtigen Gefühle anzusehen, wie es hereinkommt in die Welt, so sieht man schon den Menschen mit seiner Christus-Verwandtheit an. Das ist das Gefühl, das erreicht werden sollte bei denen, denen der Jesus im Weihnachtsspiel übergeben wurde: zu empfinden das, was ich angedeutet habe gleich auf den ersten Seiten der kleinen Schrift über den Fortschritt der Menschen und der Menschheit, wo ich von den drei ersten Jahren gesprochen habe, von diesem Hereintreten. Denn wenn dies, was da den Menschen durchsetzt, in der Mitte seines Lebens ihn durchdringen könnte — ich habe es darin angedeutet —, dann würde man eine Vorstellung von der Art und Weise haben, wie der Christus in dem Jesus gelebt hat. Dieses Hinblickenkönnen auf dasjenige, was noch nicht luziferisch infiziert ist in dem Kinde, das ist dasjenige, was gerade im Weihnachtsspiel vor sich gehen kann.
[ 22 ] But how does a human being become connected to this etheric body infected by Lucifer? By immersing themselves in the physical world, where they become a child. Of course, that is not yet the point at which he becomes a child. Therefore, one truly sees the Lucifer-free human being when one looks at the child with the right feeling as it enters the world. And if one is able to look at the child with the right feeling as it enters the world, one can already see the human being with his kinship to Christ. This is the feeling that should be attained by those to whom the role of Jesus was entrusted in the Christmas play: to sense what I have hinted at right on the first pages of the little treatise on the Progress of Human Beings and Humanity, where I spoke of the first three years, of this entry into the world. For if this quality that permeates the human being could penetrate him in the midst of his life—as I have hinted at there—then one would have a mental image of the way in which Christ lived within Jesus. This ability to look upon that which is not yet infected by Lucifer in the child—that is precisely what can take place in the Christmas play.
[ 23 ] Und denken Sie, was das alles schließlich ist. Es ist eigentlich etwas Ungeheures, wenn man so hinschaut auf das Kind. Ich habe in dieser kleinen Schrift darauf aufmerksam gemacht, wie wir in der Jugend gescheiter sind, wenn auch unbewußt gescheiter, weil wir unseren Leib erst nach und nach aufbauen müssen, was wir später nicht mehr können. Man ist gescheiter, man ist viel weiser, als man später ist, in dem inneren Durchdringen des Menschen, der menschlichen Wesenheit, aber man hat noch nicht Luziferisches. Indem man so innerlich arbeitet, wenn man Kind ist, bis zu dem Zeitpunkte hin, bis zu dem man sich später zurückerinnert, arbeitet man an der feinen Ausziselierung seines Leibes. Man arbeitet da nach unendlich weisheitsvollen Gesetzen, von denen man später in dem luziferisch-ahrimanisch durchsetzten Wissen niemals eine Ahnung bekommen kann. Wenn man darinnen in dieser Wesenheit arbeitet, ist man noch frei von allem, in das man später hineinkommt, indem man mit dem Leib zusammen die Welt erlebt. Man ist frei von allen Unterschieden, selbst von dem großen Unterschied des Männlichen und Weiblichen. Man ist als Kind noch nicht im Männlichen und Weiblichen darin lebend. Man ist noch nicht in einem Standes-, Rassenunterschiede darin, ist noch nicht in einem nationalen Unterschiede darin. Man ist Mensch, bloßer Mensch. Man ist real in dem darin, worin selbst diejenigen einmal gelebt haben, die sich jetzt durch das, was sie erst äußerlich erleben, durch Haß, im Kriege gegenüberstehen. Daß man sich in der Welt hassend als verschiedenen Nationen angehörig gegenübersteht, das wird erst durch diejenigen Kräfte entwickelt, in die man sich mit dem physischen Leib zusammen hineinlebt. Das Kind lebt, bevor es sich mit dem physischen Leib zusammengelebt hat, noch in dem darin, das jenseits von Nationen- und Standesunterschieden ist. Es lebt drinnen in dem, in dem nun wirklich die Seelen leben können, wo sie auch geboren sind auf der Erde. Denken Sie doch, die Menschen können sich furchtbar bekämpfend, wütig bekämpfend gegenüberstehen, sich gegenseitig totschießen — und diejenigen, die sich gegenseitig totschießen, in dem gemeinschaftlichen Christus können sie durch die Pforte des Todes durchgehen, in dem, worinnen sie sind, wenn sie noch nicht mit den Unterschieden der Menschen behaftet sind. Was sich hassend gegenübersteht, das erwirbt sich der Mensch erst im physischen Leib, das hat nichts zu tun mit dem, was außerhalb des physischen Leibes ist. Viel, viel hat die Gegenwart zu lernen, gerade die Gegenwart, indem sie sich wiederum zurückfindet zu der Verehrung des Jesus in der Zeit, wo er dargestellt wird als Kind, da er noch nicht eingetreten ist in dasjenige, was die Menschen differenziert und sie gegenseitig zu Streit und Hader bringt. Erst durch dasjenige, was der Mensch erlebt, wenn er etwas anderes wird, als das Kind ist, von dem zu Weihnachten gesprochen wird, erst durch das entsteht Krieg und Streit. Dasjenige, was zu Weihnachten gespielt wird, ist der Mensch, wirklich als in Verbindung stehend mit den kosmischen Mächten, aber so, daß in einzigartiger Gestalt äußerlich auf dem physischen Plan sich offenbart, was nicht eingeht in Streit, was in gleicher Weise diejenigen in ihrem Herzen tragen können, die sich äußerlich bis auf den Tod bekämpfen.
[ 23 ] And just think about what all this ultimately is. It is actually something tremendous when you look at the child in this way. In this short treatise, I have pointed out how we are more intelligent in our youth—albeit unconsciously so—because we must first build up our bodies little by little, something we can no longer do later on. One is wiser, one is much wiser than one is later on, in terms of the inner penetration of the human being, of the human essence; but one does not yet possess anything Luciferic. By working inwardly in this way as a child—up to the point that one later recalls—one works on the subtle refinement of one’s body. One works there according to infinitely wise laws, of which one can never gain even a hint later on in knowledge permeated by Luciferic and Ahrimanic forces. When one works within this being, one is still free from everything one later enters into by experiencing the world together with the body. One is free from all distinctions, even from the great distinction between the masculine and the feminine. As a child, one does not yet live within the male and female within it. One is not yet subject to class or racial distinctions within it, nor to national distinctions. One is a human being, simply a human being. One is truly present in that which even those once lived in—those who now stand opposed to one another in war through hatred, based on what they experience only externally. The fact that people stand opposed to one another in the world, hating one another as members of different nations, is developed only through those forces into which one lives oneself together with the physical body. Before the child has become one with the physical body, it still lives within that which lies beyond differences of nation and social class. It lives within that in which souls can truly live, wherever they may be born on Earth. Just think: people can stand opposed to one another in terrible, furious conflict, shooting each other to death—and yet those who shoot each other to death can, in the communal Christ, pass through the gate of death into that state in which they exist when they are not yet burdened by human differences. What stands in opposition through hatred is something a person acquires only in the physical body; it has nothing to do with what lies outside the physical body. The present has much, much to learn—especially the present—by returning to the veneration of Jesus at the time when he is depicted as a child, before he has entered into that which differentiates human beings and leads them into mutual strife and discord. It is only through what a person experiences when he becomes something other than the child spoken of at Christmas that war and strife arise. What is enacted at Christmas is the human being, truly connected to the cosmic powers, but in such a way that what does not give rise to strife—and which can be carried in their hearts in the same way by those who outwardly fight each other to the death—is revealed in a unique form on the physical plane.
[ 24 ] Es liegt eine ungeheure Tiefe darin, daß gerade in Anknüpfung an den nathanischen Jesusknaben diese Seite vor die Menschheit hingestellt wird, so daß sich der Mensch berührt mit jener Seite, durch die er in die Welt hereintritt ohne den Schatten einer Differenziertheit, indem er noch nicht in Nationen, in andere Unterschiede eingetreten ist, in jene Unterschiede, in die er erst eintritt durch das Zusammenleben mit dem Leib. Es berührt sich auf der einen Seite die Jesus-Idee, die sich nur voll ausleben kann in dem Jesus-Kinde, mit der Christus-Idee, die sich auslebt, wenn man wieder rein erfassen kann in dem Jesus zwischen dem dreißigsten und dreiunddreißigsten Jahre dasjenige, was nun auch geistig ist, das Christus-Wesen. In doppelter Weise, durch den nathanischen und durch den salomonischen Jesus, ist vorbereitet worden ein Leib, der nun abseits stehen kann von alldem, was sich durch die Menschen differenziert. Und nur in einem solchen Leibe kann sich der Christus offenbaren.
[ 24 ] There is an immense depth in the fact that this aspect is presented to humanity precisely in connection with the Nathanic Jesus-child, so that human beings come into contact with that aspect through which they enter the world without the slightest trace of differentiation—since they have not yet entered into nations, or other distinctions—those distinctions into which they only enter through living together with the physical body. On the one hand, the Jesus-idea—which can only be fully realized in the child Jesus—comes into contact with the Christ-idea, which is realized when one can once again perceive, in the Jesus between the ages of thirty and thirty-three, that which is now also spiritual: the Christ-being. In two ways—through the Nathanic and the Solomonic Jesus—a body has been prepared that can now stand apart from all that differentiates human beings. And only in such a body can the Christ reveal himself.
[ 25 ] So sehen wir in unserem geisteswissenschaftlichen Sinne ähnlich, wie ich es in dem Büchelchen über den Fortschritt des Menschen und der Menschheit angegeben habe, die Jesus-Idee, sehen wir die Christus-Idee zusammenwachsen. Das ist das größte, das bedeutsamste Bedürfnis in unserer Zeit. Die Menschen hatten bisher nur eine Weihnacht und nur ein Ostern, aber diese gehörten nicht zusammen. Denn das Ostern ist ein Christus-Fest, das Weihnachten ist ein Jesus-Fest. Zusammen führen das Ostern und Weihnachten nur dann, wenn man verstehen kann, wie der Christus und der Jesus zusammengehören. Und die Brücke zwischen Weihnachten und Ostern wird die Geisteswissenschaft schlagen. Und aus dem einfachen Hirtenspiel wird eine Brücke hinübergeschlagen zu dem feinsten Verständnis, das gewonnen werden kann, wenn wir die Geisteswissenschaft so weit treiben, daß wir durch sie den Christus finden. Nur müssen wir die Fähigkeit haben, mit der Gesinnung der Hirten zu gehen, nicht mit der Gesinnung der Wirte. Der Gegensatz zwischen dem Materialismus und dem Spiritualismus wird in wunderbarer Weise kontrastiert in den «Wirten» und den «Hirten». Und im Grunde genommen ist das die große Frage in unserer Zeit, ob die Leute Wirte sein wollen oder Hirten sein wollen. Ein großer Teil der Ereignisse unserer Zeit rührt davon her, daß die Leute Wirte sind. Das Wirtesein ist ausgebreitet in der Welt. Hirten zu sein, müssen wir wiederum versuchen, Hirten zu werden. Da werden sich allerdings auch noch unter den Hirten gar manche Zweifler finden, und wenn der eine sagt: Ich glaube, ich sehe dort einen Schein, das heißt, ich vernehme etwas Geistiges —, so wird der andere noch immer lange kommen und wird sagen: Das ist alles nur Phantasterei. — Gewiß,aber wenn der Mensch nur jetzt die Seiten in sich entwickeln kann, welche nicht auf dem fußen, was auf der Erde erworben ist, sondern den Zusammenhang finden kann mit dem, was der Mensch doch in seiner inneren Wesenheit aus dem Geistigen, Himmlischen herausgebracht hat, dann wird er ein Hirte sein können. Die Menschen stehen heute gar zu sehr in dem Haus darinnen, in dem sie dasjenige haben, was der Wirt hat, dasjenige, was hereingebracht worden ist aus dem, was aus der Erde ist. Das kann auch nur mit irdischen Werten bemessen werden. Diejenigen aber, die noch einen gewissen Zusammenhang mit dem haben, was geistig die Welt durchwallt und durchpulst, die die Hirtennatur noch in sich bewahrt haben, die sollen die Wege finden, finden können, daß man im Grunde genommen mit äußerem Wissen auch nur den äußeren Schein findet. Man wird anfangen allmählich, Weihnachten zu verstehen, wenn man unterscheiden lernen wird die Wirtenatur und die Hirtennatur, und wenn man wissen wird, wieviel von Wirtenatur in unserer Zeit ist. Aber über ein Kleines wird man sich allerdings hinweghelfen müssen. Selbstverständlich muß man unterscheiden zwischen Wirten- und Hirtennaturen, sind wir doch umgeben von lauter Wirten, ist man doch überall, wohin man kommt, von lauter Wirten umgeben und fühlt sich dabei so recht als ein Hirte. Selbstverständlich fühlt man sich immer als ein Hirte! Über das muß man schon hinwegkommen, daß man mindestens auch ein bißchen forscht nach dem Wirtsleuteelement, das man in sich selber trägt, und sich nicht gar zu sehr als Hirte ansieht. Sich fragen wird man manchmal müssen: Sehe ich schon den Schein, der da kommen soll und ankündigen dasjenige, was durch die neue Geisteswissenschaft kommen soll? — Pflegen wird man müssen alles dasjenige, was in uns lebendig machen kann die Empfindungen: in dieser neuen Geistesrichtung Weihnachten in seinem Herzen feiern zu können, aus der Finsternis heraus das Licht zu suchen, aber in ihm suchen und wirklich suchen wollen, richtig suchen wollen, und indem man sucht, auch wirklich das Gefühl haben, daß es mit einem Male nicht abgemacht ist, und daß man immer wieder kommen muß, wie es die Hirten getan haben, die auch versprechen, daß sie wiederkommen; daß sie es mit einem Male nicht abgemacht sein lassen wollen.
[ 25 ] In our Spiritual Science sense, as I have explained in the little book on the progress of the individual and of humanity, we see the idea of Jesus and the idea of Christ growing together. This is the greatest and most significant need of our time. Until now, people have had only one Christmas and only one Easter, but these did not belong together. For Easter is a Christ festival, while Christmas is a Jesus festival. Easter and Christmas lead together only when one can understand how Christ and Jesus belong together. And Spiritual Science will build the bridge between Christmas and Easter. And from the simple nativity play, a bridge is built to the finest understanding that can be gained when we advance Spiritual Science to the point where, through it, we find Christ. We must, however, have the ability to adopt the mindset of the shepherds, not that of the innkeepers. The contrast between materialism and spiritualism is wonderfully illustrated in the “innkeepers” and the “shepherds.” And, fundamentally, that is the great question of our time: whether people want to be innkeepers or shepherds. A large part of the events of our time stems from the fact that people are innkeepers. The mindset of the innkeeper is widespread in the world. To be shepherds, we must once again strive to become shepherds. Of course, even among the shepherds there will still be quite a few doubters, and when one says, “I think I see a glimmer there”—that is, I perceive something spiritual—the other will still be far behind and will say, “That’s all just fantasy.” — Certainly, but if a person can now develop within themselves those aspects that are not based on what has been acquired on earth, but can instead find a connection with what humanity has, after all, brought forth in its inner being from the spiritual and heavenly realms, then they will be able to become a shepherd. People today stand far too firmly within that house where they possess what the host possesses—that which has been brought in from what is of the earth. This can also be measured only by earthly values. But those who still have a certain connection to what spiritually surges and pulses through the world—those who have preserved the nature of the shepherd within themselves—should find, and be able to find, the paths that lead to the realization that, fundamentally speaking, external knowledge reveals only the outward appearance. We will gradually begin to understand Christmas when we learn to distinguish between the innkeeper’s nature and the shepherd’s nature, and when we realize how much of the innkeeper’s nature there is in our time. But there is one small thing we will certainly have to get past. Of course, one must distinguish between the nature of an innkeeper and that of a shepherd; after all, we are surrounded by nothing but innkeepers—wherever one goes, one is surrounded by nothing but innkeepers and yet feels, in doing so, very much like a shepherd. Of course, one always feels like a shepherd! One must get past this—one must at least seek out a little of the innkeeper element that one carries within oneself, and not regard oneself too much as a shepherd. Sometimes one will have to ask oneself: Do I already see the light that is to come and herald what is to come through the new Spiritual Science? — One will have to nurture everything within us that can bring to life the feelings: to be able to celebrate Christmas in one’s heart within this new spiritual orientation, to seek the light out of the darkness—but to seek it within oneself, to truly want to seek it, to want to seek it correctly—and, while seeking, to also truly feel that it is not over all at once, and that one must return again and again, just as the shepherds did, who also promise that they will return; that they do not want it to be over all at once.
[ 26 ] Ja, vieles ist noch zu lernen gerade von diesem einfachen Weihnachtsspiel, und deshalb ist es, denke ich, gut, daß man auch diese einfachste Form, das Weihnachtsmysterium zu empfinden in diesen einfachen Formen, jetzt unter uns ein bißchen pflegt. Denn mancherlei schwere Kämpfe werden gerade dem geisteswissenschaftlichen Streben in der kommenden Zeit entgegentreten, und nur diejenigen, welche wirklich gelernt haben, an der geistigen Erfassung des Weihnachtsgeheimnisses Hirten zu werden mit aller Demut der Hirten, aber auch mit allem weisen Suchen des mit der Welt in Treue verbundenen Hirten, werden den Weg finden. Schreiben wir uns das zu dieser Weihnachtszeit in die Herzen, in die Seelen ein, damit wir immer mehr und mehr suchende Hirten werden und in der Zeit lernen, das Heilige in der innersten Seelenstimmung des Menschen zu suchen, wie es gefunden worden ist aus der profanen Stimmung heraus, wie ich es Ihnen charakterisiert habe, als wie mehr aus einer Faschings-, nicht aus einer heiligen Unterhaltung heraus die weihevollste Form des Weihnachtsspiels auch nach und nach entstand.
[ 26 ] Yes, there is still much to learn, especially from this simple Christmas play, and that is why I think it is good that we now cultivate among ourselves, at least to some extent, this simplest way of experiencing the Christmas mystery in these simple forms. For all manner of difficult struggles will confront the pursuit of Spiritual Science in the time to come, and only those who have truly learned to become shepherds in their spiritual grasp of the Christmas mystery—with all the humility of shepherds, but also with all the wise seeking of the shepherd faithfully connected to the world—will find the way. Let us inscribe this in our hearts and souls during this Christmas season, so that we may become more and more like seeking shepherds and learn, in due time, to seek the sacred in the innermost mood of the human soul—just as it was discovered emerging from a profane mood, as I have described to you, when the most solemn form of the Christmas play gradually arose more from a carnival-like atmosphere than from a sacred one.
[ 27 ] Versuchen wir in Anknüpfung gerade an dasjenige, was uns die Weihnachtsspiele zeigten, das Geistige zu suchen, dann werden wir es im richtigen Sinne als Hirten finden, nicht als Wirte, die schon verloren haben — so meint es symbolisch das Weihnachtsspiel — den Zusammenhang mit dem Weihnachtskind. Und unsere Zeit hat das sehr notwendig, recht sehr notwendig, unsere Zeit, in der der Materialismus so weite, weite Gebiete der äußeren Welt, des inneren menschlichen Fühlens erworben hat, und in dem es einer spirituellen Weltauffassung so schwierig ist, auch nur gegenüber den mißbrauchten Worten, mit denen man sich ausspricht, die rechten Worte zu finden, zu sagen das, was die rechten Worte sind.
[ 27 ] If, building directly on what the Christmas plays have shown us, we seek the spiritual, then we will find it in the true sense as shepherds, not as innkeepers who—as the Christmas play symbolically suggests—have already lost their connection with the Christ Child. And our time has a great need for this, a very great need indeed—our time, in which materialism has taken over such vast, vast areas of the outer world and of inner human feeling, and in which it is so difficult for a spiritual worldview to find the right words—even in the face of the misused words people employ—to say what those right words actually are.
