The Spiritual Unification of Humanity
through the Christ Impulse
GA 165
27 December 1915, Dornach
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The Spiritual Unification of Humanity through the Christ Impulse, tr. SOL
Zweiter Vortrag
Second Lecture
[ 1 ] Ich machte Sie gestern darauf aufmerksam, wie die Tatsache der JesusGeburt sich erst nach und nach die Herzen, die Seelen der Menschen erobert hat, wie das Weihnachtsspiel, so wie wir es auf uns wirken lassen konnten, sich im Grunde genommen erst allmählich in dieser edel-schönen Form und zu gleicher Zeit mit all der Weihestimmung entwickelt hat, mit der es eingeflossen war während der Zeiten, in denen es geblüht hat, wie man doch im Grunde genommen von den ersten Formen dieses Weihnachtsspieles sagen kann: Die Leute versuchten durchaus, aus einer ganz profanen Stimmung heraus, an dem teilzunehmen, was das Volk jahrhundertelang in einer ihm unverständlichen Weise gesehen hat. Das Christus-Kind hat sich erst nach und nach die Herzen der Menschen erobert. Und es ging sogar recht langsam, dieses Erobern der Herzen der Menschheit. Wenn wir im 8., 9.,10., 11. Jahrhundert sehen, daß dasjenige, was dann nach und nach die Priester zuerst gespielt haben, herübergezogen wird zu einer Teilnahme des Volkes, so ist diese Teilnahme eben, so wie ich es Ihnen gestern angedeutet habe, noch nicht von der edlen Form, die später diese Weihnachtsspiele hatten, von denen wir eben zwei Beispiele kennengelernt haben.
[ 1 ] Yesterday I pointed out to you how the story of Jesus’ birth gradually won over the hearts and souls of people, and how the Christmas play, as we were able to experience it, essentially developed only gradually into this noble and beautiful form—and at the same time with all the festive spirit with which it had become imbued during the periods when it flourished—and how, in essence, one can say of the earliest forms of this Christmas play: People certainly tried, starting from a completely secular mindset, to participate in what the people had seen for centuries in a way they did not understand. The Christ Child only gradually won over people’s hearts. And this winning over of humanity’s hearts proceeded quite slowly. When we see in the 8th, 9th, 10th, and 11th centuries that what the priests had initially performed little by little was gradually extended to include the participation of the people, this participation—as I hinted to you yesterday—was not yet of the noble form that these Christmas plays later took, of which we have just seen two examples.
[ 2 ] Aber ich versuchte Sie aufmerksam zu machen, daß diese zwei Spiele ganz verschieden in ihrem Ursprunge sind, und daß man ihnen dies deutlich ansieht. Das erste Spiel hat etwas Einfach-Volkstümliches, ganz so, daß man diesem Spiel ansieht: Die Hauptsache dabei ist, vorzustellen, wie das Kind, in dem der große Weltengeist dann später verkörpert war und sich innerhalb des Erdenseins betätigte, wie dies Kind in die Welt getreten ist, wie es aufgenommen ist auf der einen Seite von den Wirtsleuten, den beiden Wirten, auf der andern Seite von den Hirten. Und im Grunde genommen tritt aus diesem Weihnachtsspiel, aus dem ersten, das wir gestern gesehen haben, ganz besonders dies zutage, wie verschieden die Aufnahme bei den Wirten und bei den Hirten war. Das prägt sich uns ganz besonders daraus ein.
[ 2 ] But I was trying to point out to you that these two plays are quite different in their origins, and that this is clearly evident. The first play has a simple, folk-like quality, just as is evident from this play: The main point here is to create a mental image of how the child—in whom the great world spirit was later embodied and who acted within earthly existence—how this child entered the world, how he was received, on the one hand, by the innkeepers, the two innkeepers, and, on the other hand, by the shepherds. And fundamentally, what emerges most clearly from this Christmas play—the first one we saw yesterday—is just how different the reception was from the innkeepers on the one hand and the shepherds on the other. This is what makes a particularly strong impression on us.
[ 3 ] Ganz anders das andere Weihnachtsspiel. Da werden wir gleich darauf geführt, daß weise Männer — was zugleich in dieser Zeit für die Völker, die dabei in Betracht kommen, weise Könige waren, Magier in den Sternen gelesen haben, welches bedeutsame Schicksal der Menschheit bevorsteht. Also wir sehen okkult alte Weisheit zugleich in die Handlung des Spieles ausgegossen. Und wir sehen dann im weiteren Verlaufe, wie dem Wesen, das nun im Sinne dieser okkulten Weisheit, dieses aus den Sternen Erkundeten eintritt in das Erdengeschehen, entgegentritt derjenige, an dessen Seite wir klar sehen das Böse, das zurückgebliebene Prinzip, das teuflische, das ahrimanisch-luziferische Prinzip — Herodes. Wir sehen, wie das Christus-Prinzip und das luziferisch-ahrimanische Prinzip einander gegenübergestellt werden. Wir sehen aber auch, wie in den Verlauf der Ereignisse hinein sich geltend macht dasjenige, was aus geistigen Sphären heraus geoffenbart wird. Wie aus geistigen Sphären heraus die Lenkung verkündend, erscheinen die Engel und leiten und lenken das Geschehen, so daß dasjenige, was Herodes will, nicht geschieht, daß etwas anderes geschieht. Die Menschen werden in ihrem Willen durchpulst von dem, was aus geistigen Welten kommt. Also wir haben ein Spiel, das uns in bezug auf die in ihm liegenden Kräfte durchaus über das bloße Erdengeschehen hinausweist.
[ 3 ] The other Christmas play is quite different. There we are immediately led to understand that wise men—who, at that time, were also wise kings for the peoples in question—were magicians who read the stars to discern the significant destiny that lay ahead for humanity. Thus, we see ancient occult wisdom woven into the plot of the play. And as the story unfolds, we see how the being who, in accordance with this occult wisdom—this knowledge gleaned from the stars—enters into earthly events is confronted by the one at whose side we clearly see evil, the backward-looking principle, the diabolical, the Ahrimanic-Luciferic principle—Herod. We see how the Christ principle and the Luciferic-Ahrimanic principle are set against one another. But we also see how, in the course of events, that which is revealed from the spiritual spheres asserts itself. Just as the angels appear from the spiritual spheres, proclaiming divine guidance, and direct and guide the course of events, so that what Herod wills does not come to pass, but something else does. Human beings’ will is permeated by what comes from the spiritual worlds. Thus, we have a play that, in terms of the forces it contains, points us far beyond mere earthly events.
[ 4 ] Wenn wir daran denken, wie diese beiden Spiele einander gegenüberstehen, das eine von primitivem Volksanschauen durchtränkt, das andere von einer Weisheit durchtränkt, die uns wirklich auf eine Urweisheit der Erdenentwickelung zurückweist, so werden wir dazu geführt, mancherlei Gedanken in uns aufsteigen zu lassen über dasjenige, was im Laufe der Zeiten geschehen ist und was mit der ganzen Bedeutung des Mysteriums von Golgatha für die Erdenentwickelung zusammenhängt. Bedenken wir einmal, daß immerhin zur Zeit — im weiteren Sinne zur Zeit —, als das Mysterium von Golgatha sich abgespielt hat, in gewissen Kreisen eine tiefe, tiefe Weisheit über geistige Angelegenheiten vorhanden war. Man nennt dasjenige, was an solcher tiefen Weisheit vorhanden war, Gnosis. In der äußeren Welt, in dem Fortgang der geistigen Kultur Europas, kann man geradezu sagen, daß diese Gnosis, dieses, was da als eine tiefgeistige Wissenschaft von den Geheimnissen der geistigen Welt vorhanden war, innerhalb der Kultur Europas für die äußere Welt verschwunden war, daß man im 3., 4., 5., 6. Jahrhundert innerhalb des geistigen Lebens wirklich noch recht wenig davon geahnt hat, was in dieser Wissenschaft enthalten war. Diejenigen, die etwas gewußt haben — ich meine diejenigen, die das gewußt haben, was man eben so einfach wissen konnte, wenn man christlicher Priester, christlicher Gelehrter war —, die wußten eigentlich von dieser Gnosis dadurch, daß es Gegner dieser Gnosis in den ersten Jahrhunderten des Christentums gegeben hat und diese Gegner dieGnosis bekämpft haben. Denken Sie sich einmal,wenn heute irgendwie zustande kommen würde, daß die sämtlichen Bücher, die wir zu unserer Literatur zählen, und alle Zyklen, ausgemerzt würden, verbrannt würden, daß nichts davon bliebe, und nur dasjenige bliebe, was die Gegner geschrieben haben — und in einigen Jahrhunderten würde jemand diese Bücher der Gegner, die da blieben, in die Hand bekommen, und er würde sich daraus eine Vorstellung zu bilden haben von demjenigen, was in unseren Büchern geschrieben stand: So war es mit der Gnosis! |
[ 4 ] When we consider how these two plays stand in contrast to one another—one steeped in primitive folk beliefs, the other steeped in a wisdom that truly points us back to a primordial wisdom of Earth’s evolution—we are led to let all manner of thoughts arise within us regarding what has happened over the course of time and what is connected to the full significance of the Mystery of Golgotha for the development of the Earth. Let us consider, after all, that at the time—in the broader sense of the word—when the Mystery of Golgotha took place, a deep, deep wisdom regarding spiritual matters existed in certain circles. What existed of this profound wisdom is called Gnosis. In the outer world, in the course of Europe’s spiritual culture, one can say quite plainly that this Gnosis—this deeply spiritual science of the mysteries of the spiritual world—had vanished from the outer world within European culture; that in the 3rd, 4th, 5th, 6th centuries, people within spiritual life had really only a very faint inkling of what was contained in this science. Those who knew something—I mean those who knew what one could so easily know if one was a Christian priest or a Christian scholar—actually knew of this Gnosis because there were opponents of this Gnosis in the first centuries of Christianity, and these opponents fought against Gnosis. Just imagine if, somehow, it were to happen today that all the books we count as part of our literature, and all the cycles, were to be eradicated, burned, so that nothing of them remained, and only what the opponents had written were left—and in a few centuries someone were to get their hands on these books by the opponents that remained, and he would have to form a mental image from them of what was written in our books: That is how it was with Gnosticism! |
[ 5 ] Einer der bedeutendsten Kirchenschriftsteller, die geschrieben haben, war Irenäus, der Schüler des Bischofs Polykarp von Kleinasien, der selber noch ein Apostelschüler war. Irenäus hat aber als Gegner der Gnosis geschrieben. Dasjenige, was die Gnostiker gelehrt haben, konnte man im Laufe der Jahrhunderte nur dadurch erfahren, daß man sah, was Irenäus angeführt hat, was er in seinem Buche verzeichnet hat, um es zu widerlegen. Also alles mußte man in Kauf nehmen von dieser alten Weisheit, was dadurch bewirkt wird, daß man diese Weisheit nur von einem Gegner überliefert hatte. Sie sehen daraus, daß eigentlich die ganze Entwickelung des Abendlandes darauf angelegt war, daß etwas, was aus der alten Zeitheraufkam, ausgemerzt, richtig ausgemerzt wurde. ÄAußerlich können Sie einfach an dieser Tatsache sehen, wie neu für die abendländische Kultur der Anfang war, der mit dem Mysterium von Golgatha gegeben war; wie es im Grunde genommen überall mit etwas ganz Neuem anfing. Wirklich, ich möchte sagen, wie eine verschüttete Stadt im Erdreich begraben ist, so begraben war das alte Schrifttum für dasjenige, was nun neu entstand aus den alten Kirchenvätern heraus über Ambrosius, Augustin, Scotus Erigena und so weiter. Ein neuer Anfang! Und wie wenn eine neue Stadt über einem scheinbar neuen Boden sich erhebt, so erhob sich das Neue — eine neue Stadt, aber auf einem Boden, in dem versunken ist, ohne daß man ahnt, wie sie ausgesehen hat, die alte Stadt. So war es wirklich mit dem Gange der europäischen Kultur. Daher ist auch zu ersehen, daß in unserer Zeit, wenn es wiederum geistige Vertiefung geben soll, die Notwendigkeit vorliegt, daß diese geistige Vertiefung aus der ursprünglichen Kraft der Menschen erreicht wird, daß die Menschen selber wiederum finden, was sie äußerlich, wenigstens innerhalb des Ganges der europäischen Geistesentwickelung, nicht überliefert erhalten haben. Und — davon kann ich heute nicht sprechen, weil das zu weit führen würde — davon kann gar keine Rede sein, daß etwa das Herbeiholen der morgenländischen Urkunden ein Ersatz sein könnte für dasjenige, was an äußeren Urkunden im abendländischen Geistesleben verschwunden ist, aus dem einfachen Grunde, weil die morgenländischen Urkunden in der Tat etwas viel, vie] Primitiveres geben, als das war, was innerhalb der Welt geworden ist, die sich über Kleinasien, über Nordafrika, über Südeuropa, auch zum Teil sogar über Mitteleuropa erstreckte. Das, wozu sich da das geistige Erkennen entwickelt hatte, war in den ersten Jahrhunderten der christlichen Entwickelung gründlich ausgemerzt worden, das kam wirklich nur durch die Bekämpfungsschriften der Gegner auf die Nachwelt.
[ 5 ] One of the most important early Christian writers was Irenaeus, a disciple of Bishop Polycarp of Asia Minor, who was himself a disciple of the apostles. Irenaeus, however, wrote as an opponent of Gnosticism. Over the centuries, the only way to learn what the Gnostics taught was by examining what Irenaeus cited—what he recorded in his book in order to refute it. Thus, everything we had to accept from this ancient wisdom was shaped by the fact that it had been handed down to us solely through the lens of an opponent. You can see from this that, in fact, the entire development of the West was geared toward eradicating—truly eradicating—something that had emerged from ancient times. Outwardly, you can simply see from this fact how new the beginning was for Western culture, a beginning marked by the Mystery of Golgotha; how, in essence, everything began anew everywhere. Truly, I would say that just as a buried city lies hidden beneath the earth, so too was the ancient literature buried beneath what was now emerging anew from the early Church Fathers—through Ambrose, Augustine, Scotus Erigena, and so on. A new beginning! And just as a new city rises from seemingly new ground, so the new arose—a new city, but on ground in which the old city has sunk, without anyone having any inkling of what it looked like. This is truly how the course of European culture unfolded. Hence it is also evident that in our time, if there is to be a return to spiritual depth, it is necessary for this spiritual depth to be attained from the original power of human beings, for people themselves to rediscover what they have not received as a legacy from the outside—at least within the course of European spiritual development. And—I cannot speak of this today, because it would lead too far afield—there can be no question whatsoever that the retrieval of Oriental documents could serve as a substitute for what has disappeared from Western spiritual life in the form of external documents, for the simple reason that the Oriental documents are in fact something much, much primitive than what had come into being within the world that extended across Asia Minor, North Africa, Southern Europe, and even, in part, Central Europe. That which intellectual cognition had developed into there had been thoroughly eradicated in the first centuries of Christian development; it was preserved for posterity only through the polemical writings of its opponents.
[ 6 ] Nun haben wir in diesen Schriften, die da ausgemerzt worden sind, nicht etwa bloß das Wissen, das geistige Wissen, welches sich bezogen hat auf die geistigen Welten, abgesehen von dem Christus, sondern es ist in diesen Schriften auch mit verlorengegangen die Anwendung der ganzen alten umfassenden Geistesweisheit auf das Mysterium des Christus Jesus. Diese Gnostiker haben in ihrer Art begreifen wollen — wenn wir sie Gnostiker nennen wollen —, was der Gang der Erdenentwickelung ist, was der Christus für eine Wesenheit ist. Es war damals noch nicht die Zeit gekommen, die Sache in der Art zu begreifen, wie wir sie jetzt wiederum begreifen, indem wir aus den ursprünglichen Geisteswelten Wahrheiten herausholen, die nicht aufgeschrieben zu werden brauchen, weil sie in der geistigen Welt unmittelbar in lebendiger Weise vorhanden sind. Die Kunde von dem Wesen des Christus Jesus so herauszuholen, war nicht möglich. Das ist erst in unserer Zeit möglich. Aber in der älteren Art wurden über den Christus gewisse Dinge gewußt in einem Wissen, das eben wirklich verlorengegangen ist. Erst in der neuesten Zeit wurden einige spärliche Reste gefunden: die Pistis-Sophia-Schrift, dann die Schrift über das «Geheimnis Jeû», die nunmehr so da sind, wie wenn durch sie die Menschen auch auf äußerliche Weise aufmerksam gemacht werden sollten, daß das Christus-Wissen, das nun auf unsere Art angestrebt wird, doch nicht so töricht ist, wie es die Gegner unserer Bewegung hinstellen wollen. Das Buch des Jeû — es ist von ihm wenig erhalten, in koptischer Schrift, aber das Wenige, das erhalten ist, ist wie ein Hinweis darauf: Seht euch dasjenige an, was in den Evangelien vorhanden ist —, das ist doch nicht das einzige, was das Denken der Menschen in den ersten Jahrhunderten der christlichen Entwickelung erfüllt hat. Dieses Buch Jeû enthält Mitteilungen darüber, wie der Christus nach der Auferstehung, nachdem er durch das Mysterium von Golgatha durchgegangen ist, zu denjenigen gesprochen hat, die ihn dazumal verstehen konnten, die seine Jünger geworden waren. Das Merkwürdige ist, daß dieses Buch Jeû — das kleine Fragment meine ich, das davon da ist — in einer ganz andern Weise als selbst das Johannes-Evangelium deutlich über den Christus und das, was er ist, spricht. Das Merkwürdige ist, daß in diesem Buch ein Wort immer wiederkehrt, das uns deutlich besagt, es soll auf etwas aufmerksam gemacht werden. Und dieses, auf was aufmerksam gemacht werden soll, möchte ich in der folgenden Weise umschreibend erklären. Nehmen Sie an, es hätte jemand in der damaligen Zeit klarmachen wollen, wozu eigentlich der Christus Jesus in die Erdenentwickelung eingetreten ist, er hätte so gesprochen, er hätte gesagt zu denjenigen, die es verstehen können: Seht, es kommt nun eine Zeit, wo die Menschen der BewußtseinsseelenEntwickelung entgegengehen werden. Es kommt eine Zeit, wo die Menschen die Welt zu begreifen haben werden durch die äußeren, physischen Organe, durch die Organe, die im wesentlichen im physischen Leib verankert sind. Jene Zeit ist vorbei, in welcher die Menschen Uroffenbarungen durch ursprünglich primitives Hellsehen gehabt haben. Die Zeit ist vorbei, wo die Menschen etwas gewußt haben nicht bloß dadurch, daß sie ihren physischen Leib mit seinen Werkzeugen in Anwendung gebracht haben, sondern dadurch, daß sie ihren Ätherleib unabhängig vom physischen Leib zu Erkenntnissen verwenden konnten. Die Menschen werden jetzt nur ihren physischen Leib als Werkzeug verwenden müssen. Aber man wird in der Zukunft auch etwas wissen können von dem, was bisher nur durch den Ätherleib gewußt worden ist. In der äußeren Welt wird es nur ein Wissen geben, das an den dem Tod unterliegenden physischen Leib gebunden ist. Aber das Wissen über die geistige Welt kann man nicht haben durch die Werkzeuge, die an den physischen Leib gebunden sind. Da muß ein Helfer kommen, der bei den Menschen dasjenige anfacht, was nur der Ätherleib wissen kann. Da muß einer kommen, der nicht das Tote des physischen Leibes anfacht, sondern der anfacht das Lebendige im Menschen, das Ätherisch-Lebendige, der mit dem Lebendigen ist, der mit dem ist, was auf der Erde nicht irdisch an dem Menschen ist. Es muß einer da sein, der herausreißt aus diesem trägen, toten physischen Leib jenen Verstand, der die geistige Welt verstehen kann, jenen Verstand, der im Menschen ist und der mit dem Himmel verbunden ist — jenen Verstand, der nicht von der Welt gekreuzigt werden kann, weil er dem Himmel angehört, der selber die Welt kreuzigt, das heißt: der die Welt überwindet.
[ 6 ] Now, in these writings that have been expunged, we do not find merely the knowledge—the spiritual knowledge—that related to the spiritual worlds, apart from Christ; rather, what has also been lost in these writings is the application of the entire ancient, comprehensive spiritual wisdom to the mystery of Christ Jesus. These Gnostics—if we wish to call them Gnostics—sought in their own way to understand the course of Earth’s evolution and the nature of the Christ as a being. At that time, the time had not yet come to understand the matter in the way we now understand it again, by drawing truths from the original spiritual worlds that need not be written down, because they are immediately present in a living way in the spiritual world. It was not possible to draw forth the knowledge of the nature of Christ Jesus in this way. That has only become possible in our time. But in the older tradition, certain things were known about Christ through a body of knowledge that has, in fact, been lost. Only in very recent times have a few sparse remnants been found: the Pistis Sophia text, then the text on the “Mystery of Jeû,” which now exist as if to draw people’s attention—even in an outward way—to the fact that the knowledge of Christ, which we now strive for in our own way, is not as foolish as the opponents of our movement would have us believe. The Book of Jeû—little of it has survived, written in Coptic—but what little has been preserved serves as a hint: Look at what is contained in the Gospels—that is not the only thing that filled people’s thoughts in the first centuries of Christian development. This Book of Jeû contains accounts of how Christ, after the Resurrection and having passed through the Mystery of Golgotha, spoke to those who were able to understand him at that time—those who had become his disciples. What is remarkable is that this book *Jeû*—I mean the small fragment that survives of it—speaks about the Christ and what he is in a way that is quite different even from the Gospel of John. What is remarkable is that a certain word recurs again and again in this book, clearly indicating that our attention is to be drawn to something. And I would like to explain what it is that we are to be made aware of in the following way. Suppose someone at that time had wanted to make clear why Christ Jesus actually entered into the development of the Earth; he would have spoken as follows, saying to those who could understand: “Behold, a time is now coming when human beings will move toward the development of the consciousness-soul.” A time is coming when human beings will have to comprehend the world through their external, physical organs—through the organs that are essentially anchored in the physical body. The time is past when human beings received revelations through a primitive form of clairvoyance. The time is past when people knew things not merely by using their physical body and its tools, but by being able to use their etheric body independently of the physical body to gain insights. People will now have to use only their physical body as a tool. But in the future, it will also be possible to know something of what until now has been known only through the etheric body. In the outer world, there will be only knowledge bound to the physical body, which is subject to death. But knowledge of the spiritual world cannot be attained through the tools bound to the physical body. A helper must come who stirs within human beings that which only the etheric body can know. One must come who does not stir the dead aspect of the physical body, but who stirs the living aspect within the human being—the etheric-living aspect—who is with the living, who is with that which, in the human being on Earth, is not earthly. There must be one who tears from this sluggish, dead physical body that intellect which can comprehend the spiritual world—that intellect which is within the human being and is connected to heaven—that intellect which cannot be crucified by the world because it belongs to heaven, which itself crucifies the world, that is to say: which overcomes the world.
[ 7 ] Vorstellen muß man sich, daß die Menschen also früher, als sie den Christus noch nicht in seiner wahren Wesenheit sehen konnten, wie er durch das Mysterium von Golgatha gegangen ist, sich mit dem Ätherleib in primitivem Hellsehen mit der geistigen Welt verbunden gefühlt haben. Wie der physische Leib immer verhärteter und verhärteter geworden ist und eben dadurch zum Instrument geworden ist; wie einer kommen mußte, eben der Christus, um herauszuholen aus dem trägen Instrument des physischen Leibes das Lebendige. Das muß man sich vorstellen.
[ 7 ] One forms a mental image of the situation in which, in earlier times, when people were not yet able to see Christ in his true essence as he passed through the Mystery of Golgotha, they felt connected to the spiritual world through their etheric bodies by means of primitive clairvoyance. Just as the physical body became harder and harder and, precisely because of this, became an instrument; just as someone had to come—namely, the Christ—to draw the living out of the inert instrument of the physical body. One must create a mental image of this.
[ 8 ] Und nun betrachten wir dieses Buch Jeû: Wie der Christus, nachdem er durch das Mysterium von Golgatha gegangen ist, zu denjenigen spricht, die gelernt haben, sich an ihn zu halten, an die Weisheit, die in seinen Worten enthalten ist, zu halten: «Ich habe euch geliebt und euch das Leben zu geben gewünscht.» Wir hören es aus dem Satze heraus: «und euch das Leben zu geben gewünscht», er hat gewünscht, diesen trägen physischen Leib herauszuholen aus seiner Trägheit und das zu geben, was nur der ätherische Leib geben kann.
[ 8 ] And now let us consider this book, *Jeû*: How Christ, after having passed through the Mystery of Golgotha, speaks to those who have learned to hold fast to him, to hold fast to the wisdom contained in his words: “I have loved you and desired to give you life.” We hear it in the phrase: “and desired to give you life”—he desired to lift this sluggish physical body out of its sluggishness and to give what only the etheric body can give.
[ 9 ] «Jesus der Lebendige, ist die Erkenntnis der Wahrheit.» Der Lebendige — also derjenige, der durch das Mysterium von Golgatha gegangen ist, spricht, indem er sich hinstellt als der Vertreter des Lebendigen.
[ 9 ] “Jesus the Living One is the knowledge of the truth.” The Living One—that is, the one who has passed through the Mystery of Golgotha—speaks by presenting himself as the representative of the Living One.
[ 10 ] Dann geht der Text weiter: «Dies ist das Buch von der Erkenntnis des unsichtbaren Gottes vermittels der verborgenen Mysterien», also derjenigen Mysterien, die im Menschen verborgen sind, «die den Weg zum auserwählten Wesen des Menschen zeigen, in der Stille hinführend zum Leben des Weltenvaters, in der Ankunft des Erlösers, des Erretters der Seelen, die das Wort des Lebens, das höher ist denn alles Leben, in sich aufnehmen werden, in der Erkenntnis Jesu, des Lebendigen, der durch den Vater aus dem Lichtäon in der Allheit des Pleroma», also anderer Äonen, aller der geistigen Wesen, «herausgekommen ist, in der Lehre, außer der es keine andere gibt, die Jesus, der Lebendige, seinen Aposteln gelehrt hat, indem er sagte: Dies ist die Lehre, in der die gesamte Erkenntnis ruht.»
[ 10 ] The text then continues: “This is the book of the knowledge of the invisible God through the hidden mysteries”—that is, those mysteries hidden within human beings—“which show the way to the chosen essence of humanity, leading in silence to the life of the Father of the Worlds, in the coming of the Redeemer, the Savior of souls, who will receive within himself the Word of Life, which is higher than all life, in the knowledge of Jesus, the Living One, who came forth through the Father from the Aeon of Light into the totality of the Pleroma,” that is, other aeons, all spiritual beings, “in the teaching—besides which there is no other—that Jesus, the Living One, taught his apostles, saying: ‘This is the teaching in which all knowledge rests.’”
[ 11 ] So also haben wir uns vorzustellen, daß der Auferstandene, der durch das Mysterium von Golgatha Gegangene, zu den Jüngern, die gelernt haben zu ihm zu gehören, spricht.
[ 11 ] This, then, is the mental image we must have of the Risen One—who passed through the Mystery of Golgotha—speaking to the disciples who have learned to belong to him.
[ 12 ] «Jesus, der Lebendige, hub an und sprach zu seinen Aposteln: «Selig ist der, welcher die Welt gekreuzigt hat und nicht die Welt hat ihn kreuzigen lassen» », der also im Menschen dasjenige erfassen kann, was nicht überwunden wird von der Materie, von der äußeren physischen Materie.
[ 12 ] “Jesus, the Living One, spoke to his apostles, saying: ‘Blessed is he who has crucified the world and has not allowed the world to crucify him,’”—that is, he who can grasp within the human being that which is not overcome by matter, by external physical matter.
[ 13 ] «Die Apostel antworteten einstimmig, indem sie sagten: «Herr, so lehre uns diese Art des Kreuzigens der Welt, damit sie uns nicht kreuzige, und wir zugrunde gehen und unser Leben verlieren könnten.»
[ 13 ] “The apostles replied with one voice, saying, ‘Lord, teach us this way of crucifying the world, so that it may not crucify us, and we might not perish and lose our lives.’”
[ 14 ] Jesus, der Lebendige, antwortete und sprach: «Der die Welt gekreuzigt hat, ist derjenige, welcher mein Wort gefunden hat und es nach dem Willen dessen, der mich gesandt hat, erfüllt hat.»
[ 14 ] Jesus, the Living One, answered and said, “The one who has crucified the world is the one who has found my word and fulfilled it according to the will of the one who sent me.”
[ 15 ] Und die Apostel antworteten, indem sie sagten: ‹Sprich zu uns, Herr, auf daß wir dich hören. Wir sind dir gefolgt mit ganzem Herzen, haben Vater und Mutter verlassen, haben Weinberge und Äcker verlassen, haben Güter verlassen, haben die Herrlichkeit des äußeren Königs verlassen und sind dir gefolgt, damit du uns das Leben deines Vaters, der dich gesandt hat, lehrest.›»
[ 15 ] And the apostles replied, saying, “Speak to us, Lord, that we may hear you.” We have followed you with all our hearts; we have left father and mother, vineyards and fields, possessions, and the glory of the earthly king, and have followed you so that you may teach us the life of your Father, who sent you.’»
[ 16 ] Und auf diese Aufforderung der Apostel erwiderte nun der Christus Jesus, der Lebendige, dasjenige, was er ihnen zu sagen hat: «Christus, der Lebendige, antwortete und sprach: ‹Das Leben meines Vaters ist dies, daß ihr aus der Menschenwesenheit jenes Verstehens eure Seele empfanget, die nicht irdisch ist›».
[ 16 ] And in response to this request from the apostles, Christ Jesus, the Living One, replied with what he had to say to them: “Christ, the Living One, answered and said: ‘The life of my Father is this: that you receive from the human realm of that understanding a soul that is not earthly.’”
[ 17 ] Also das will der Lebendige, daß diejenigen, die seine Jünger sind, verstehen lernen, daß es im Menschen ein Verständnis der geistigen Dinge gibt, das sich losreißen kann von dem physischen Leib, das nicht irdisch ist. Wenn sie das in sich rege machen, dann verstehen sie in Wahrheit sein Wort.
[ 17 ] So the Living One wants those who are his disciples to come to understand that there is within man an understanding of spiritual things that can break free from the physical body—an understanding that is not earthly. If they awaken this within themselves, then they will truly understand his word.
[ 18 ] «‹Dies Wesen aller Seelen, das verständlich wird durch das, was ich euch im Verlauf meines Wortes sage. Und daß ihr es vollendet und vor dem Archon›», vor dem Wesen dieses Äons, dieses Zeitalters, «‹und seinen Nachstellungen›», des ahrimanisch-luziferischen Wesens, «‹und seinen Nachstellungen, die kein Ende haben, damit ihr vor denen gerettet werdet. Ihr aber, meine Jünger, beeilet euch, mein Wort sorgfältig bei euch aufzunehmen, auf daß ihr es erkennt, damit der Archon dieses Äons›», also Ahriman-Luzifer, «‹mit euch nicht streite, weil er keine seiner Befehle in mir finden kann›», der also seine Befehle außerhalb desjenigen findet, der durch das Mysterium von Golgatha gegangen ist, «‹damit ihr selbst, O meine Apostel, mein Wort in bezug auf mich erfüllet und ich selbst euch frei mache, und ihr durch die Freiheit, an der kein Makel ist, heilig werdet. Wie der Geist des Heiligen Geistes heilig ist, so werdet auch ihr durch die Freiheit des Geistigen, des Heiligen Geistes, heilig werden.›
[ 18 ] “‘This essence of all souls, which becomes understandable through what I tell you in the course of my words. And that you may perfect it and stand before the Archon,’”—before the being of this Aeon, this age—“‘and his persecutions,’”—the Ahrimanic-Luciferic being—“‘and his persecutions, which have no end, so that you may be saved from them. But you, my disciples, hasten to take my word carefully to heart, so that you may recognize it, so that the Archon of this Aeon›”—that is, Ahriman-Lucifer—“‹ may not contend with you, because he cannot find any of his commands in me›”—who thus finds his commands outside of the One who has passed through the Mystery of Golgotha—“‹so that you yourselves, O my apostles, may fulfill my word concerning me, and I myself may set you free, and you may become holy through freedom that is without blemish. Just as the Spirit of the Holy Spirit is holy, so too will you become holy through the freedom of the Spiritual, the Holy Spirit.’
[ 19 ] Es antworteten alle Apostel einstimmig, Matthäus und Johannes, Philippus und Bartholomäus und Jakobus, indem sie sagten: ‹O Jesus, du Lebendiger, dessen Güte ausgebreitet ist über die, welche seine Weisheit und seine Gestalt in der Erleuchtung gefunden haben, O Licht, das in dem Lichte, das uns unsere Herzen erleuchtet hat, wie wir das Licht des Lebens empfangen, o wahrer Logos, daß durch die Gnosis uns die wahre Erkenntnis dessen wurde, aus Lebendigem gelehrt.›
[ 19 ] All the apostles answered with one voice—Matthew and John, Philip and Bartholomew and James—saying: “O Jesus, you who are the Living One, whose goodness is spread over those who have found your wisdom and your form in enlightenment; O Light, which in the light that has enlightened our hearts, as we receive the light of life; O true Logos, through whom, by gnosis, we have come to the true knowledge of that which is taught by the Living One.”
[ 20 ] Jesus, der Lebendige, antwortete und sprach: ‹Selig ist der Mensch, der dies erkannt hat und den Himmel nach unten geführt hat›», das heißt, der sich bewußt geworden ist, daß in ihm etwas ist, das nicht zusammenhängt mit diesem irdischen Leib, sondern das zusammenhängt mit den Wesenheiten der Himmel, und der das, was in ihm mit dem Himmel verbunden ist, was oben ist, unten einführt in das Erdengeschehen.
[ 20 ] Jesus, the Living One, answered and said: “‘Blessed is the person who has recognized this and brought heaven down to earth,’ that is, who has become aware that there is something within him that is not connected to this earthly body, but rather to the beings of the heavens, and who brings down into earthly life that which within him is connected to heaven—that which is above.”
[ 21 ] ««Selig ist der Mensch, der dies erkannt hat und den Himmel nach unten geführt und die Erde getragen und zum Himmel geschickt hab», dasjenige, was in ihm irdisch ist, verbunden hat mit dem, was in ihm himmlisch ist, damit er, wenn er durch die Pforte des Todes geht, mit den Früchten des Irdischen, durch das Himmlische die Erde zum Himmel wieder führen kann.
[ 21 ] «« “Blessed is the person who has recognized this and brought heaven down, upheld the earth, and sent it to heaven”—who has united that which is earthly within him with that which is heavenly within him, so that when he passes through the gate of death, he may, with the fruits of the earthly, lead the earth back to heaven through the heavenly.
[ 22 ] «Es antworteten die Apostel, indem sie sagten: ‹Jesus, du Lebendiger, erkläre uns, in welcher Weise man den Himmel nach unten führt. Denn wir sind dir gefolgt, damit du uns das wahre Licht lehrest.›
[ 22 ] “The apostles replied, saying: ‘Jesus, you who are alive, explain to us how one brings heaven down. For we have followed you so that you might teach us the true light.’
[ 23 ] Und Jesus, der Lebendige, antwortete und sprach: ‹Das Wort, das im Himmel existiert›», also er meint das, was man als Weisheit, als Erkenntnis haben kann, unabhängig von der physischen Wesenheit des Menschen. «‹Das Wort, das im Himmel existiert, bevor die Erde entstand, jene Erde, welche man Welt nennt. Ihr aber, wenn ihr mein Wort erkennt, werdet den Himmel nach unten führen, und das Wort wird in euch wohnen. Der Himmel ist das unsichtbare Wort des Vaters. Wenn ihr aber dies erkennt, werdet ihr den Himmel nach unten führen. Die Erde zum Himmel zu schicken werde ich euch zeigen, wie es ist, damit ihr es erkennt; die Erde zum Himmel zu schicken, ist: der Hörer des Wortes der Erkenntnis, der aufgehört hat, Verstand eines Erdenmenschen nur zu sein, sondern Himmelsmensch geworden ist›», der also losgerissen hat sein Verstehen in sich von dem äußeren physischen Leib, der aufgehört hat, Erdenmensch zu sein und Himmelsmensch geworden ist. Sein Verstand hat aufgehört, irdisch zu sein; er ist himmlisch geworden.
[ 23 ] And Jesus, the Living One, answered and said: “The Word that exists in heaven”—that is, he means that which one can possess as wisdom, as knowledge, independent of the physical nature of human beings. “‘The Word that exists in heaven before the earth came into being—that earth which is called the world. But you, if you recognize my Word, will bring heaven down, and the Word will dwell within you. Heaven is the invisible Word of the Father. But if you recognize this, you will bring heaven down. I will show you what it is like to send the earth to heaven, so that you may recognize it; to send the earth to heaven is: the listener to the Word of Knowledge, who has ceased to be merely the mind of an earthly human being, but has become a heavenly human being,” that is, one who has torn his understanding within himself away from the outer physical body, who has ceased to be an earthly human being and has become a heavenly human being. His mind has ceased to be earthly; it has become heavenly.
[ 24 ] «‹Deswegen werdet ihr vor dem Archon dieses Äon›», vor ahrimanisch-luziferischem Wesen, ‹gerettet werden›».
[ 24 ] “‘That is why you will be saved from the Archon of this Aeon,’ from the Ahrimanic-Luciferic being, ‘.’”
[ 25 ] Sie sehen ein Stück, das geblieben ist, wieder aufgefunden worden ist, und das die Menschen aufmerksam machen könnte, welch unendlich tiefes Wissen man einmal in den ersten christlichen Jahrhunderten verbunden hat mit dem Geheimnis des Mysteriums von Golgatha. Die Theologen in der Gegenwart werden in der Regel recht wild, wenn man irgendwie auf diese oder andere ähnliche Schriften aufmerksam machen will. Daß sie bestehen, geben sie zu, gewiß. Äußerlich, historisch, behandeln sie sie und geben Ausgaben von ihnen heraus. Aber sie sind überzeugt davon, diese normalen 'Theologen der Gegenwart, daß diese Schriften bis zu einem gewissen Grade mit Recht vergessen worden sind, weil sie doch nur allerlei phantastische Hirngespinste enthalten, mit denen sich der vernünftige Mensch der Gegenwart nicht mehr befassen soll; daß dies einem aufgeklärten Geiste nicht mehr angemessen ist. Aber in gewissem Sinne sind das Hinweise darauf, daß wir mit dem, was wir nunmehr aus dem Born, aus dem Quell der geistigen Welten herausholen, doch an etwas anknüpfen, was in der Erdenentwickelung schon da war, was nur eine Zeitlang unterirdisch fortfließen mußte, wie gewisse Wasser in den Alpen unterirdisch fortfließen, nachdem sie eine Weile oberirdisch waren; dann verschwinden sie in die Tiefen hinein und erscheinen später wieder. So war das Geisteswissen durch die Jahrhunderte wie in unterirdischen Welten fortgeflossen und soll jetzt wiederum herauskommen. Damit diejenigen, die gar nicht an solche Ursprünglichkeiten des Erfließens von spirituellen Quellen in das Erdendasein glauben können, auch äußerlich einen Hinweis bekommen, hat die Geschichte einige Stücke, einige Fetzen einer reichen alten Literatur erhalten, die ausgebreitet war, die groß und gewaltig war, und die eigentlich wirklich nur gekannt ist in den Gegenschriften, zum Beispiel denen des Irenäus und ähnlicher Leute, die sie nur widerlegen wollten.
[ 25 ] You are seeing a fragment that has survived, that has been rediscovered, and that could draw people’s attention to the infinitely profound knowledge that was once associated with the mystery of Golgotha in the early Christian centuries. Contemporary theologians generally get quite upset whenever anyone tries to draw attention to these or other similar writings. They do admit, of course, that these writings exist. Outwardly, historically, they treat them and publish editions of them. But these “modern theologians” are convinced that these writings have, to a certain extent, been justly forgotten, because they contain nothing but all sorts of fantastical flights of fancy with which the rational person of today should no longer concern themselves; that this is no longer appropriate for an enlightened mind. But in a certain sense, these are indications that what we are now drawing from the wellspring, from the source of the spiritual worlds, does indeed connect to something that was already present in the Earth’s evolution—something that simply had to flow underground for a time, just as certain waters in the Alps flow underground after having been above ground for a while; then they disappear into the depths and reappear later. Thus, spiritual knowledge has flowed on through the centuries as if in subterranean worlds and is now to emerge once more. So that those who cannot believe at all in such origins of the outflow of spiritual sources into earthly existence may also receive an outward indication, history has preserved a few fragments, a few fragments of a rich ancient literature that was once widespread, that was vast and mighty, and that is actually known only through the counter-writings—for example, those of Irenaeus and similar figures who sought only to refute it.
[ 26 ] So müssen wir sagen: Unter außerordentlich schwierigen Verhältnissen hat sich das Geheimnis von Golgatha hereingelebt in die abendländische Kultur. Und das erste war das Ergebnis des gewaltigen Wortes des Paulus, das ihm erflossen ist aus seiner Erscheinung von Damaskus: das Geheimnis von dem Tode, von dem Durchgang durch das Mysterium von Golgatha. Daran knüpften sich dann jene weitgehenden Diskussionen über die Art und Weise, wie der Christus mit dem Jesus verbunden war, wie die göttliche und Menschennatur miteinander verbunden waren, wie die drei Veranschaulichungsformen des Göttlichen, die als die drei Personen in die abendländische christliche Kulturentwickelung eintreten, sich zueinander verhalten und dergleichen. Man kann sagen: Dasjenige, was menschliche Weisheit war, ging zurück. Auch diese Kraft des Wissens ging zurück. Es war eine ungeheuer starke Weisheitskraft, die in jenen Menschen vorhanden war, die zu solchem kommen konnten, wie das ist, was ich Ihnen eben vorgelesen habe — eine starke Weisheitskraft. Es ging ganz, ganz zurück. Und man hörte viel lieber hin auf solche, die sagen konnten: Der Jesus, der Christus war da in Person auf der Erde; man weiß das, daß er da war, denn ich habe den Polykarp gekannt, und der Polykarp hat die Jesus-Schüler gekannt! — Da war eine unmittelbar persönliche Überlieferung. Es fängt an auf eine gewisse Art der Glaube an nur dasjenige, was physisch da war, an die physische Fortentwickelung. Indem allmählich die geistige Weisheit versickert, kommt der Glaube an das bloß Physische herauf. Man kann sagen: Etwa Irenäus — was war er für ein Geist? Er war ein Geist, der sagte: Da hat es Gnostiker gegeben: diese behaupten, etwas zu wissen durch einen Verstand, der unabhängig wirken kann vom physischen Leib. Das alles ist Unrecht, das alles ist, wie man damals sagte, ketzerisch, daran dürfen die Menschen nicht glauben. Und er widerlegt es. Solche Widerleger fanden sich immer mehr und mehr, immer weiter und weiter. Und es blieb selbstverständlich die Gewalt des Mysteriums von Golgatha, die Gewalt der Tatsache, die Gewalt der Überlieferung. Durch das, was man überliefert hatte, was als Tatsache wirkte, pflanzte sich jetzt das Christentum fort. Was sich als Wissenschaft fortpflanzte, das versickerte eigentlich. Und der Nachfolger des Irenäus in unserer Zeit bekämpft wiederum alles dasjenige, was also aus einem wirklichen Wissen der geistigen Welt kommt. Wer ist der Vorläufer und wer ist der Nachfolger? Irenäus, der Bischof von Lyon, der die Gnostiker bekämpfte; und der Irenäus unserer Zeit, der Bischof der Materie von Jena, ist Ernst Haeckel — der Nachfolger des Irenäus. Das ist Entwickelungslinie, meine lieben Freunde! Das andere sind nur Anachronismen, denn aus demselben Geiste heraus wirkt auch die Ablehnung des Ernst Haeckel. In bezug auf die Denkweise ist eine gerade Fortpflanzungslinie von Irenäus, dem Bischof von Lyon, bis zu Ernst Haeckel. Diese Dinge muß man nur objektiv historisch nehmen, nicht mit irgendeinem Gefühl von kritischer Sympathie oder Antipathie, sondern ganz objektiv historisch.
[ 26 ] We must therefore say: Under extraordinarily difficult circumstances, the mystery of Golgotha has taken root in Western culture. And the first was the result of Paul’s powerful message, which flowed from his vision on the road to Damascus: the mystery of death, of passing through the mystery of Golgotha. This was then followed by those far-reaching discussions about the nature of the connection between Christ and Jesus, how the divine and human natures were united, how the three forms of manifestation of the divine—which entered the development of Western Christian culture as the three Persons—relate to one another, and so on. One might say: What constituted human wisdom began to wane. This power of knowledge, too, began to wane. It was an immensely powerful force of wisdom that existed in those people who were able to attain what I have just read to you—a powerful force of wisdom. It waned greatly, greatly. And people much preferred to listen to those who could say: Jesus, the Christ, was there in person on Earth; we know he was there, for I knew Polycarp, and Polycarp knew the disciples of Jesus! — There was a direct, personal tradition. In a certain sense, faith begins to focus solely on what was physically present, on physical development. As spiritual wisdom gradually fades away, belief in the purely physical comes to the fore. One might say: Take Irenaeus, for example—what kind of spirit was he? He was a spirit who said: There were Gnostics; they claim to know something through a mind that can function independently of the physical body. All of this is wrong; all of this is, as they said at the time, heretical—people must not believe in it.” And he refuted it. Such refuters became more and more numerous, spreading farther and farther. And, of course, the power of the Mystery of Golgotha remained—the power of the fact, the power of tradition. Through what had been handed down—what functioned as fact—Christianity now propagated itself. What propagated as “science,” however, actually petered out. And the successor to Irenaeus in our time, in turn, combats everything that stems from a genuine knowledge of the spiritual world. Who is the forerunner, and who is the successor? Irenaeus, the Bishop of Lyon, who fought the Gnostics; and the Irenaeus of our time, the Bishop of Matter from Jena, is Ernst Haeckel—the successor to Irenaeus. That is the line of development, my dear friends! The rest are merely anachronisms, for the rejection of Ernst Haeckel also stems from the same spirit. In terms of the way of thinking, there is a direct line of continuity from Irenaeus, the Bishop of Lyon, to Ernst Haeckel. One must simply view these things objectively and historically, not with any sense of critical sympathy or antipathy, but entirely objectively and historically.
[ 27 ] Wenn wir uns diesen ganzen Gang der Geistesentwickelung vorstellen, dann bekommen wir ein Gefühl für etwas, was hier von einer andern Seite auch schon berührt worden ist: dafür, daß eigentlich dieser christlichen Entwickelung gar nicht entgegenkam das, was die Menschen verstehen konnten. Das Verstehen, das geistige Auffassen soll erst jetzt kommen. Denn die Menschen hatten die Kraft verloren, so etwas zu verstehen, was nur geistig zu verstehen ist, wie das Mysterium von Golgatha. Das, wodurch sich das Mysterium von Golgatha die Menschheit eroberte, das war nicht durch den Verstand, sondern das war durch die Tatsache. Und diese Tatsache wirkte eigentlich auch in einer ganz sonderbaren Weise.
[ 27 ] When we create a mental image of this entire course of spiritual development, we begin to sense something that has already been touched upon here from another perspective: namely, that what people were capable of understanding did not actually align with this Christian development. Understanding—spiritual comprehension—is only now beginning to emerge. For people had lost the power to understand something that can only be grasped spiritually, such as the Mystery of Golgotha. What enabled the Mystery of Golgotha to win over humanity was not the intellect, but the fact itself. And this fact actually worked in a very peculiar way.
[ 28 ] Jetzt ist eigentlich von dieser Sache nur noch ein ganz schwacher Nachklang vorhanden. Allein in den ersten Jahrhunderten, wenn man vorbrachte die Erzählung von dem Erscheinen des Christus auf der Erde zu Weihnachten, dann las man zunächst die ersten Kapitel der Schöpfungsgeschichte vor. Man brachte unmittelbar in Zusammenhang mit dem Weihnachtsmysterium die Schöpfungsgeschichte, den Anfang der Bibel. Jetzt ist nur noch eines im Zusammenhang damit geblieben: Wenn Sie den Kalender ansehen, haben Sie am 25. Dezember das Christfest, am 24. Adam und Eva. Daß das in unmittelbarem Zusammenhang im Kalender erscheint, ist der letzte Rest dessen, was im Bewußtsein vorhanden war: daß man zusammen dachte, als das Weihnachtsfest einmal für eine bestimmte Jahreszeit festgestellt war, die Schöpfungsgeschichte mit dem Weihnachtsmysterium. Aber nicht nur, daß man äußerlich zuerst die Schöpfungsgeschichte vorbrachte und dann das Weihnachtsmysterium, sondern es wurde auch immer wieder und wiederum aufmerksam gemacht auf eine der tiefsten Sagen, welche den Zusammenhang der Welt, des Erdenanfanges, mit dem Mysterium von Golgatha darstellen wollten. Darauf aufmerksam wurde gemacht, wie, als Adam aus dem Paradiese vertrieben worden war, der Baum, durch den er sich versündigt hatte, der Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen, auch vom Paradies entfernt worden war; wie Früchte, Keime dieses Baumes, gepflanzt wurden auf das Grab des Adam, und herauswuchs dieser Baum. Und dann kam das Holz dieses Baumes, des Paradiesbaumes, von Geschlecht zu Geschlecht bis hinunter in die Zeit, da der Christus auf Erden erschien. Und dann wurde aus diesem Holz, aus dem Holze, das nur eben wieder gewachsen war aus dem Grabe, welches das Grab Adams war, aus diesem Holz heraus wurde das Kreuz gezimmert, an dem der Erlöser hing.
[ 28 ] Now, in fact, only a very faint echo of this tradition remains. But in the early centuries, whenever the story of Christ’s appearance on earth at Christmas was recounted, the first chapters of the Book of Genesis were read aloud first. The story of Creation—the beginning of the Bible—was directly linked to the mystery of Christmas. Now only one thing remains in connection with this: If you look at the calendar, you’ll see Christmas on December 25 and Adam and Eve on the 24th. The fact that these appear in direct connection on the calendar is the last remnant of what once existed in people’s consciousness: that once Christmas had been fixed for a specific time of year, people associated the story of Creation with the Christmas mystery. But it was not merely that, outwardly, the story of Creation was presented first and then the Christmas mystery; rather, attention was repeatedly drawn to one of the deepest legends, which sought to depict the connection between the world—the beginning of the Earth—and the mystery of Golgotha. Attention was drawn to how, when Adam had been expelled from Paradise, the tree through which he had sinned—the tree of the knowledge of good and evil—had also been removed from Paradise; how fruits, the seeds of this tree, were planted on Adam’s grave, and this tree grew from them. And then the wood of this tree, the tree of Paradise, was passed down from generation to generation until the time when Christ appeared on earth. And then, from this wood—the wood that had just grown anew from the grave, which was Adam’s grave—from this wood the cross was fashioned, upon which the Savior hung.
[ 29 ] Diese Sage von dem Zusammenhang des Weltenanfangs mit dem Mysterium von Golgatha wurde in früheren Jahrhunderten den Menschen, die so etwas verstehen konnten, immer wiederholt. Es wurde ihnen also gesagt: Der Baum des Paradieses, an dem sich der Mensch versündigt hatte, wurde über das Paradies herausgeworfen, und Keime kamen in das Erdreich, das auf jenem Grabe des Adam war. Und aus diesen Keimen entstand wiederum der Baum, an dem im Paradiese die Menschen sich versündigt haben. Und dieses Holz von dem Baume wurde von Geschlecht zu Geschlecht gegeben und kam dann auf mancherlei Umwegen in die Zeit des Mysteriums von Golgatha, und das Kreuz, auf dem der Christus gehangen hat, ist aus diesem Holz gemacht.
[ 29 ] This legend about the connection between the beginning of the world and the Mystery of Golgotha was repeatedly told in earlier centuries to people who were able to understand such things. They were told, therefore: The tree of Paradise, on which humanity had sinned, was cast out of Paradise, and seeds fell into the soil that covered Adam’s grave. And from these seeds sprang once more the tree on which humanity had sinned in Paradise. And this wood from the tree was passed down from generation to generation and eventually, through various twists and turns, reached the time of the Mystery of Golgotha, and the cross on which Christ was crucified was made from this wood.
[ 30 ] In dieser Sage sind also auch die Zusammenhänge zwischen dem Erdenanfange und dem Mysterium von Golgatha enthalten. Aber die Dinge sind so miteinander verbunden, so innig miteinander verbunden, daß es gewisse Spiele gibt, welche nicht bloß Christus-Spiele sind, die zu Weihnachten aufgeführt worden sind, sondern Paradeisspiele; Paradeisspiele, wo direkt das Geheimnis von Adam und Eva und dem Sündenfall den Leuten vorgestellt wurde, wenn Weihnachten, oder besser gesagt, wenn das Erscheinungsfest, die Heiligen Drei Könige, am 6. Januar heranrückte.
[ 30 ] This legend thus also contains the connections between the beginning of the Earth and the Mystery of Golgotha. But these things are so closely intertwined—so intimately connected—that there are certain plays that were performed at Christmas which were not merely Christ plays, but Paradise plays; Paradise plays in which the mystery of Adam and Eve and the Fall was directly presented to the people as Christmas—or rather, the Feast of the Epiphany, the Feast of the Three Kings—approached on January 6.
[ 31 ] Bedenken Sie einmal, meine lieben Freunde, auf welche tief geistigen Tatsachen wir da geführt werden. Wir denken an die luziferisch-ahrimanische Verführung des Menschen, dasjenige, was aus den Menschen geworden war durch die ahrimanisch-luziferische Verführung, denken uns dies repräsentiert durch die Gestalt Adams, der der Versuchung unterlegen ist. Wenn wir diese ahrimanisch-luziferische Verführung voll verstehen, müssen wir notwendigerweise denken, daß die Erdenentwickelung eine ganz andere geworden wäre, wenn die luziferisch-ahrimanische Verführung nicht an den Menschen herangetreten wäre, ganz anders geworden wäre. Aber diese luziferisch-ahrimanische Verführung hat nur eine Bedeutung für das Erdenleben im physischen Leib. Sie kann also nur eine Bedeutung gewinnen von dem Moment an, wo wir aus der geistigen Welt heraus durch die Geburt, oder sagen wir, durch die Empfängnis ins Erdenleben hereintreten. Für das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt kann nicht die luziferisch-ahrimanische Verführung diese Bedeutung haben, denn sie hat die Bedeutung hier im Erdenleben herinnen.
[ 31 ] Just consider, my dear friends, what profound spiritual realities we are being led to here. We think of the Luciferic-Ahrimanic temptation of humanity—that which humanity had become as a result of the Ahrimanic-Luciferic temptation—and we imagine this represented by the figure of Adam, who succumbed to temptation. If we fully understand this Ahrimanic-Luciferic temptation, we must necessarily conclude that the development of the Earth would have been entirely different had the Luciferic-Ahrimanic temptation not approached humanity—it would have been entirely different. But this Luciferic-Ahrimanic temptation has significance only for earthly life in the physical body. It can therefore only take on significance from the moment we enter earthly life from the spiritual world through birth—or, let us say, through conception. For the life between death and a new birth, the Luciferic-Ahrimanic temptation cannot have this significance, for it has its significance here within earthly life.
[ 32 ] Wenn wir daher das Kind hereintreten sehen in das Erdenleben, so empfinden wir richtig, wenn wir sagen: Du erscheinst, du Seele, die du hier im Fleische bist, du erscheinst heraus aus einer Weltensphäre, die noch unberührt ist von luziferisch-ahrimanischem Wesen. Du trittst erst ein, indem du mit dem Fleische immer mehr und mehr zusammenwachsen wirst in das luziferisch-ahrimanische Wesen.
[ 32 ] When we see the child entering earthly life, we are correct in saying: You appear, O soul who are here in the flesh; you emerge from a world sphere that is still untouched by the Luciferic-Ahrimanic being. You are only just entering, and as you grow ever more closely united with the physical body, you will become part of the Luciferic-Ahrimanic nature.
[ 33 ] Und können wir so auf das Kind hinschauen, so schauen wir mit der Empfindung von einem geistigen Weltengeheimnis auf das Kind. So wie der Mensch in die Erdenentwickelung eintritt, ist er schon vorbestimmt durch seine früheren Inkarnationen, mit dem Fleische zusammenzuwachsen. Aber empfinden sollten die Menschen einmal, was es heißt, in die Erde einzutreten, ohne vorbestimmt zu sein für irdisches Leben. Daß dieser Gedanke erwachen sollte in den Menschen, der Gedanke über das, was da eigentlich im Menschen wohnt als eine Wesenheit, durch die er mit dem Himmlischen, mit dem Sonnenhaften verbunden ist, daß das erwacht in den Menschen, dazu eroberte sich das Christus-Kind die geistige Menschheitsentwickelung. Und dieses Christus-Kind eroberte sich die geistige Menschheitsentwickelung eben so, wie es sie sich erobern konnte.
[ 33 ] And when we look at the child in this way, we look upon the child with a sense of a spiritual mystery of the universe. Just as a human being enters into the evolution of the Earth, he is already predestined by his previous incarnations to grow together with the physical body. But people should once feel what it means to enter the Earth without being predestined for earthly life. So that this thought might awaken in human beings—the thought of what actually dwells within the human being as a being through which they are connected to the heavenly, to the solar—so that this might awaken in human beings, the Christ Child conquered the spiritual development of humanity. And this Christ Child conquered the spiritual development of humanity exactly as it was able to do so.
[ 34 ] Es waren im Grunde genommen in der ganzen christlichen Entwickelung zwei Strömungen. Wir können diese zwei Strömungen sehr gut begreifen. Durch zwei Leiber trat der Christus zunächst in die Welt ein: durch den nathanischen Jesus und durch den salomonischen Jesus. Durch den nathanischen Jesus trat er ein, ich möchte sagen, wie durch das Erden-Kind. Sehen Sie nur, wie ich es dargestellt habe in den Zyklen und auch in der «Geistigen Führung des Menschen und der Menschheit». Durch den nathanischen Jesus trat der Christus in die Erde so ein, daß dieser nathanische Jesus eine Wesenheit war, wie bewahrt von der bisherigen Erdenentwickelung, wie die Substanz vom Erdenanfange her. Der salomonische Jesus aber: eine durch viele, viele Erdeninkarnationen hindurchgegangene Hinaufentwickelung. Zwei Wege also, die dann auf die Art, wie ich es dargestellt habe, zusammentreffen sollten.
[ 34 ] Essentially, there were two currents throughout the entire development of Christianity. We can understand these two currents very well. Christ first entered the world through two bodies: through the Nathanic Jesus and through the Solomonic Jesus. He entered through the Nathanic Jesus, I would say, as through the earthly child. Just look at how I have described this in the cycles and also in *The Spiritual Guidance of the Individual and of Humanity*. Through the Nathanic Jesus, Christ entered the Earth in such a way that this Nathanic Jesus was a being preserved from Earth’s development up to that point, like the substance that has existed since the beginning of the Earth. The Solomonic Jesus, however, was a being who had undergone an upward evolution through many, many earthly incarnations. Thus, two paths that were then to converge in the manner I have described.
[ 35 ] Aber nun denken Sie sich das alles geschehen in einer Zeit, in der die Geistesweisheit abstirbt, in der keine Möglichkeit ist, das zu begreifen. Diese unendliche Tiefe tritt ein, daß zwei Jesusknaben da sind, durch die der Christus in die Welt hereinkommen soll. Jenes unendlich Tiefe tritt ein, welches uns die Leute, die von der ganzen Sache nichts verstehen, trotzdem sie amtlich dazu berufen sind, heute verlästern und verketzern. Jenes tritt ein, was nur durch jene Weisheit hätte verstanden werden können, die ausgemerzt worden ist. Was Wunder, daß diese Tatsache eben in einer Weise eingetreten ist, die erst nach und nach wiederum durch unsere Wissenschaft verstanden werden kann. Daher war zuerst folgendes Bestreben. Als noch mehr von der alten Weisheit wenigstens nachsickerte, so tröpfchenweise nachsickerte, wollte man noch mehr Wert legen auf die Erscheinung des Christus Jesus auf der Erde, auf das Eintreten in die großen Weltereignisse, und da hatte man am «Dreikönigsfest» das Erscheinungsfest des Herrn festgesetzt, das der 6. Januar ist. Das hängt mehr mit dem salomonischen Jesus zusammen, mit demjenigen Jesus, der als ein König eingetreten ist, der aus königlichem Geschlecht eingetreten ist. Den begriff man auch mehr durch dasjenige, was königlich-magische Weisheit war. Dagegen der andere, der nathanische Jesus, der eigentlich nichts von dem, was auf der Erde geschehen war, in seiner Substanz an sich hatte, wurde so recht auf diese tiefe Winterzeit verlegt, die jetzt das Weihnachtsfest ist. Die Menschen haben nicht begriffen, daß das zusammengehört, haben sogar die Geburtsdaten auseinandergeholt. Denn in älteren Jahrhunderten wird durchaus auch am 6. Januar wieder das Geburtsfest des Jesus empfunden. Aber daß zwei Geburtsfeste empfunden wurden — das ist dem ganz erklärlich, der von zwei Jesusknaben sprechen kann. Sogar die Art und Weise, wie man über den Jesus gedacht hat, ist eigentlich in zwei Fassungen vorhanden. Die eine bezieht sich mehr auf den Jesus, der hereintrat, ohne daß er vorher mit dem in Zusammenhang getreten ist, was durch Nationen und Stände und Rasse menschliche Differenzierungen auf der Erde hervorgerufen hat: der Jesus, der eintreten kann, verstanden durch das einfachste Volksempfinden — der LukasJesus, der nathanische Jesus. Der andere Jesus, der salomonische Jesus, mehr zu begreifen durch dasjenige, was himmlische Weisheit ist, durch eine Weisheit, durch die so durchsickert dasjenige, was von der alten magischen Weisheit so tröpfchenweise geblieben ist.
[ 35 ] But now imagine all of this happening at a time when spiritual wisdom is dying out, when there is no way to comprehend it. This infinite depth arises: there are two boys named Jesus through whom Christ is to enter the world. That infinite depth arises—the very depth that people who understand nothing of the whole matter, despite being officially called to do so, now slander and denounce. That which arises could only have been understood through the very wisdom that has been eradicated. Is it any wonder that this fact has come to pass in a way that can only gradually be understood again through our science? Hence, the initial endeavor was as follows. When even more of the ancient wisdom was still seeping through—seeping through drop by drop—people wanted to place even greater emphasis on the appearance of Christ Jesus on earth, on his entry into the great world events; and so they had set the “Feast of the Epiphany,” which falls on January 6, as the feast of the Lord’s manifestation. This is more closely connected with the Solomonic Jesus, with the Jesus who entered as a king, who came from a royal lineage. This aspect was also understood more through what was known as royal-magical wisdom. In contrast, the other Jesus—the Nathanic Jesus—who in his very essence had nothing of what had happened on earth—was thus properly assigned to this deep winter season, which is now the Christmas festival. People have not understood that these belong together; they have even separated the dates of birth. For in earlier centuries, the feast of Jesus’ birth was certainly also observed on January 6. But the fact that two birth feasts were observed—this is quite understandable to anyone who can speak of two Jesus figures. Even the way in which people thought of Jesus actually exists in two versions. One relates more to the Jesus who entered the world without having previously come into contact with what has given rise to human distinctions on Earth through nations, social classes, and race: the Jesus who can enter, understood through the simplest popular sentiment—the Luke Jesus, the Nathanic Jesus. The other Jesus, the Solomonic Jesus, is better understood through what constitutes heavenly wisdom—a wisdom through which seeps what has remained, drop by drop, of the ancient magical wisdom.
[ 36 ] Man empfindet gar nicht unrichtig, wenn man sich sagt: Wir haben zunächst das erste Jesus-Spiel gesehen, dieses einfache Jesus-Spiel, auf das gar nicht anwendbar sind die alten Überbleibsel von der magischen Weisheit: das ist der nathanische Jesusknabe. In dem andern waltet die Weisheit darinnen, die man noch hatte: jener Jesus, der aus königlichem Geblüt in die Welt eingezogen ist — das zweite Spiel, das auf uns gewirkt hat. Gewußt haben die Menschen nichts davon, aber nachgewirkt haben die beiden Jesusknaben, indem die Menschen so grundverschiedene Spiele davon gemacht haben.
[ 36 ] It is not at all wrong to say to oneself: We first saw the first Jesus play, this simple Jesus play, to which the old remnants of magical wisdom do not apply at all: that is the Nathanite Jesus boy. In the other, the wisdom that people still possessed prevails: that Jesus who entered the world from royal blood—the second play that had an effect on us. People knew nothing of this, but the two Jesus figures had a lasting impact, as people created such fundamentally different plays based on them.
[ 37 ] So wollte ich zunächst Andeutungen geben, wie das Paradeisspiel mit dem Weihnachtsspiel zusammenwuchs, so daß das Ganze eine Bedeutung hat. Wir werden morgen noch davon sprechen. Heute möchte ich Ihnen aber nur das Wort noch einmal ans Herz legen, das ich gestern am Schlusse ausgesprochen habe und auch im Verlaufe der Betrachtungen, daß diese Weihnachtsspiele zugleich — in gewissem Sinne selbst das einfachste — doch eine Mahnung sind. Und eine Mahnung waren sie auch für alle diejenigen, die zuhörten.
[ 37 ] So I wanted to begin by hinting at how the Paradise Play and the Christmas Play grew together, so that the whole has meaning. We’ll talk more about that tomorrow. Today, however, I’d just like to reiterate the point I made yesterday at the end—and also throughout my reflections—that these Christmas plays are, at the same time, a reminder—even the simplest ones, in a certain sense. And they were indeed a reminder for all those who listened.
[ 38 ] Wiederum soll dasjenige, was wir zu wollen haben, eine Art Weltenweihnacht in geistiger Beziehung sein. Der Christus soll wiederum, wenigstens für das menschliche Verständnis, auf geistige Art geboren werden. Dieses ganze Wirken innerhalb der Geisteswissenschaft ist eigentlich eine Art Weihnachtsfest, ein Geborenwerden des Christus in der menschlichen Weisheit. Es fragt sich nur, ob die Menschen zahlreich sich einfinden, die nun verstehen können. Ja, ich möchte sagen, man konnte so manchen von den Bauern hören, der da saß, wenn solch ein Weihnachtsspiel, wie das gestrige erste, aufgeführt worden ist in früheren Jahrhunderten. Da kam die ganze Gemeinde herein und nun saßen die Bauern da. Nun war es so: Da sagte manchmal einer von den Bauern zu dem andern: Jetzt sag mer amol, bist du eigentlich a Wirt oder bist du a Hirt? — Da wurde der nachdenklich, ob er ein Wirt oder ein Hirt ist. Aber ich denke, man könnte gegenüber dem, was in der neueren Wissenschaft von dem Christus vorhanden ist, auch Menschen fragen: Bist du ein Wirt oder bist du ein Hirt? Denn man hört die Wirte ganz lebhaft wettern und sagen: Was wollt ihr hier vor meiner Türe? Weg mit euch, sucht irgendwo anders eine Herberge, nicht bei uns! — Die andern sind die Hirten. Da ist auch noch ein Skeptiker drunter, der Mops, der auch den Schein nicht begreifen will, aber doch durch einen gewissen Wahrheitssinn sich durch den Koridan mitführen läßt. Ich denke schon, es könnte uns zum Nachdenken anregen die Frage und die Antwort in der Seele, mit denen manche früher hinausgegangen sind, nachdem sie das Weihnachtsspiel eben angesehen hatten, die Bauern im 16., 17., 18. Jahrhundert: Na, sag mer amol, bist du nu eigentlich a Wirt, oder bist du a Hirt? — Hoffen wir, meine lieben Freunde, daß nach und nach auf unsere Art recht viele Hirten entstehen, damit die Wirte, die ja zahlreich zu vernehmen sind, allmählich zum Verstummen gebracht werden.
[ 38 ] Once again, what we are striving for is to be, in a spiritual sense, a kind of universal Christmas. Christ is to be born anew, at least for human understanding, in a spiritual way. This entire work within Spiritual Science is actually a kind of Christmas celebration, a birth of Christ within human wisdom. The only question is whether many people who are now able to understand will come. Yes, I would say that in earlier centuries, one could hear many a farmer sitting there when a Christmas play like yesterday’s first one was performed. The whole congregation would come in, and there the farmers would sit. Now it was like this: Sometimes one of the farmers would say to another, “Tell me, are you actually an innkeeper or are you a shepherd?” — Then the other would pause to consider whether he was an innkeeper or a shepherd. But I think, in light of what modern scholarship has to say about Christ, one could also ask people: Are you an innkeeper or are you a shepherd? For one hears the innkeepers ranting quite vehemently and saying: “What do you want here at my door? Get out of here—find lodging somewhere else, not with us!”—The others are the shepherds. Among them is also a skeptic, Mops, who refuses to grasp even the pretense, yet allows himself to be led along by Koridan through a certain sense of truth. I do think the question and the answer in the soul—with which some people used to leave after watching the Christmas play, the peasants of the 16th, 17th, and 18th centuries—might give us pause for thought: “Well, tell me, are you actually an innkeeper, or are you a shepherd?” — Let us hope, my dear friends, that little by little, in our own way, quite a few shepherds will emerge, so that the innkeepers—who are, after all, heard from in great numbers—will gradually be silenced.
