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The Rudolf Steiner Archive

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The Spiritual Unification of Humanity
through the Christ Impulse
GA 165

28 December 1915, Basel

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The Spiritual Unification of Humanity through the Christ Impulse, tr. SOL
  1. Die geistige Vereinigung der Menschheit durch den Christus-Impuls

Der Baum Der Erkenntnis und der Weihnachtsbaum. Die Weihnachtsstimmung in Stifters Novelle «Bergkristall»

The Tree of Knowledge and the Christmas Tree. The Christmas Spirit in Stifter’s Novella “Bergkristall”

[ 1 ] Von dem innigen Verwachsensein des Weihnachtsfestes mit der Geistnatur haben Sie soeben gehört. Es ist wahr, dieser Gedanke darf besonders tief und besonders warm unsere geisteswissenschaftlichen Arbeitszweige durchdringen beim Anblicke des lichterbesetzten Baumes in der finsteren Wintermitte, Winternacht. Von all den Symbolen, welche aus einem gewissen elementarischen, nicht aus einem oberflächlich liegenden Bewußtsein heraus in das Geistesleben eingetreten sind, ist eigentlich der Weihnachtsbaum eines der jüngsten. Wenn wir um etwa zweihundert Jahre zurückgehen in der Zeit der Entwickelung des europäischen Geisteslebens, so finden wir den Weihnachtsbaum höchstens ganz vereinzelt da und dort auftreten. Er ist noch nicht alt als Weihnachtssymbol. Mit diesem Gedanken, daß der Weihnachtsbaum, der die Freude, den Impuls der Dankbarkeit des kindlichen Herzens erregt, eines der jüngsten christlichen Symbole ist, vereinigt sich bei uns wohl leicht der andere Gedanke, daß uns in vielen unserer Zweige dieser Weihnachtsbaum unendlich lieb geworden ist, und daß wir ihn dann, wenn wir in unseren Zweigen das Weihnachtsfest feiern, nicht missen möchten. Wahrhaftig, dieser Weihnachtsbaum hängt zusammen, trotzdem er aber aus unterbewußten Tiefen des menschlichen Herzens — sich erst spät zum christlichen Weihnachtssymbolum umgestaltet hat, mit tiefen Empfindungen und Gefühlen über das Wesen und die Bedeutung der Weihenacht. Im Mittelalter ist es üblich geworden, daß um die Weihnachts-, um die Neujahrs-, um die Dreikönigszeit Weihnachtsfestspiele aufgeführt wurden. Bauern, die sich lange darauf vorbereiteten, stellten, indem sie in den Dörfern herumgingen, die Geburt des Christus dar. Sie stellten dar die Erscheinung der drei Könige, der drei Magier vor dem eben geborenen Christus. Sie stellten aber auch dar im sogenannten Paradeisspiele dasjenige, was im ersten Buch Moses als die Schöpfung unserer Erdenwelt geschildert wird, diejenige Szene, die uns so gewaltig aufhellend, die Geheimnisse unserer eigenen Seele enthüllend, oftmals vor Augen treten muß, die Szene am Erdenanfang, in die hinein die bedeutungsvollen Worte tönten: Ihr sollt essen von allen Bäumen des Gartens, aber nicht essen sollt ihr vom Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen. — Jetzt ist nur noch als Erinnerung an die innere Verbindung des Erdenschöpfungsanfanges mit dem Weihnachtsfest das geblieben, daß unser Kalender am 24. Dezember «Adam und Eva» aufweist und am 25. das Geburtsfest des Christus Jesus.

[ 1 ] You have just heard about the deep connection between the Christmas festival and the spiritual realm. It is true that this thought may permeate our work in Spiritual Science with particular depth and warmth as we gaze upon the tree adorned with lights in the midst of the dark winter, on a winter night. Of all the symbols that have entered spiritual life from a certain elemental consciousness—rather than from a superficial one—the Christmas tree is actually one of the most recent. If we go back about two hundred years in the history of the development of European spiritual life, we find the Christmas tree appearing, at most, only very sporadically here and there. It is not yet an ancient Christmas symbol. This thought—that the Christmas tree, which stirs joy and a sense of gratitude in the child’s heart, is one of the most recent Christian symbols—is easily combined with the other thought that this Christmas tree has become infinitely dear to us in many of our branches, and that we would not want to do without it when we celebrate Christmas in our branches. Truly, this Christmas tree—even though it emerged from the subconscious depths of the human heart and only later took on the form of a Christian Christmas symbol—is deeply connected to profound sentiments and feelings about the nature and significance of the holy night. In the Middle Ages, it became customary to stage Christmas plays around Christmas, New Year’s, and Epiphany. Peasants, who prepared for this for a long time, went from village to village reenacting the birth of Christ. They depicted the appearance of the Three Kings, the three Magi, before the newborn Christ. But in the so-called “Paradeisspiele” (Paradise Plays), they also reenacted what is described in the first book of Moses as the creation of our earthly world—that scene which must so often come before our eyes, illuminating us so powerfully and revealing the mysteries of our own souls: the scene at the beginning of the earth, into which these meaningful words resounded: “You may eat from any tree in the garden, but you must not eat from the tree of the knowledge of good and evil.” — Now, all that remains as a reminder of the inner connection between the beginning of the creation of the earth and the Christmas festival is that our calendar lists “Adam and Eve” on December 24 and the Nativity of Jesus Christ on the 25th.

[ 2 ] Und dennoch, man kann — wie gesagt, nicht aus einem Gedanken heraus, sondern aus einem Gefühl heraus — nicht umhin, zu empfinden: Ist nicht vielleicht aus dunklen Untergründen des menschlichen, christlich fühlenden Herzens heraus der Impuls entstanden, am Geburtstage des Christus Jesus aufzustellen jenen uralten Weltenbaum, den Baum von der Mitte des Paradieses, von dem eigentlich nicht hätte gegessen werden sollen? Das Paradeisspiel wurde aufgeführt. Geblieben sein konnte von der Erinnerung an das Paradies der Paradiesesbaum, und vereinigt sein konnte der Paradiesesbaum mit den Gefühlen, die wir haben können über die Geburt des Christus Jesus.

[ 2 ] And yet—as I said, not out of a thought but out of a feeling—one cannot help but wonder: Did the impulse not perhaps arise from the dark depths of the human, Christian heart to erect, on the birthday of Christ Jesus, that ancient World Tree, the tree from the center of Paradise, from which one was not actually supposed to have eaten? The “Paradise Play” was performed. What may have remained from the memory of Paradise could be the Tree of Paradise, and the Tree of Paradise may have become united with the feelings we can have regarding the birth of Jesus Christ.

[ 3 ] Nicht Theorien will ich hier entwickeln, dazu ist der Festestag heute nicht da. Gewiß, man kann anderes sagen über die Gründe des Aufkommens des Weihnachtsbaumes, aber aus dem Gefühle heraus, wie es sich uns ergeben könnte, indem wir neben ihm stehen, indem wir aufleuchten lassen in unserer Seele gerade diejenigen Empfindungen, die uns an diesem Feste verbinden mit den kindlichsten Empfindungen des Menschen, aus diesem Gefühle heraus möchte man im Anschauen des Weihnachtsbaumes sprechen, weil man an ihm etwas sieht wie eine Erneuerung des Paradiesesbaumes. Wie ein heidnisches Symbolum nimmt sich ja dieser Weihnachtsbaum eigentlich nicht aus, auch nicht wie ein nordisch-heidnisches Symbolum. Wenn unsere Erde sich mit Schnee bedeckt, wenn die Eiszapfen von den Dachrändern der Häuser und über die Bäume hin hinunterhängen und die Menschen sich hereinflüchten aus denjenigen Gebieten der Erde, wo durch Monate hindurch das Grün und die bunte Blumenwelt das Auge entzückt, die Früchte sich dargeboten haben, die für des Menschen Notdurft nötig sind, wenn der Mensch sich hereinflüchten muß aus alldem, was draußen, zunächst wenigstens, nach seiner Empfindung für ihn da ist, mit dem er sich zu beschäftigen, womit er zu leben hat die Frühlingszeit, die Soemmerszeit hindurch, wenn er sich hereinflüchten muß in jene Stuben, durch die der Schnee hereinschaut, die Eiszapfen hereinschauen, und von innen aus sie erwärmen muß, dann empfand der Heide wohl etwas von dem, was werden könnte aus der Welt, wenn diese Welt sich selbst überlassen ist. Den großen Winter am Ende des Erdenseins empfand der Heide, wenn er so verlassen war von den Geistern der Natur, von alldem, was er als Gnomen, Undinen und Sylphen fühlte, wenn er fliehen mußte in die Ofenwärme herein, fliehen mußte von dem, was ihn verlassen machte von seiner geliebten Natur, und er nur durch eine geringfügige Offnung dasjenige erblickte, worin man nicht sein konnte. Wenn er diese Verlassenheit erleben konnte, so fühlte er in dieser Winterzeit ins Unendliche ausgebreitet, alles überschwemmend, alles übertönend, das Ende des Erdendaseins, den großen Weltenwinter.

[ 3 ] I do not intend to develop theories here; that is not the purpose of today’s celebration. Certainly, one could say other things about the origins of the Christmas tree, but from the feeling that might arise in us as we stand beside it—as we allow precisely those sentiments to shine forth in our souls that, on this feast day, connect us to the most childlike feelings of humanity—it is from this feeling that one wishes to speak while gazing at the Christmas tree, because in it one sees something like a renewal of the tree of Paradise. This Christmas tree does not, in fact, appear to be a pagan symbol—nor even a Nordic-pagan one. When our earth is covered with snow, when icicles hang down from the eaves of houses and over the trees, and people take refuge indoors from those regions of the earth where, for months on end, the greenery and the colorful world of flowers delight the eye, the fruits necessary for human sustenance have been offered, when man must take refuge from all that is outside—at least at first, according to his perception—that is there for him, with which he must occupy himself, with which he must live through the spring and summer seasons, when he must take refuge in those rooms through which the snow peeks in, where icicles peer in, and must warm them from within—then Heide surely sensed something of what might become of the world if this world were left to its own devices. Heide sensed the great winter at the end of earthly existence when he was thus forsaken by the spirits of nature, by all that he perceived as gnomes, Undines, and Sylphs—when he had to flee into the warmth of the stove, had to flee from what had caused him to be separated from his beloved nature, and through only a small opening he glimpsed that which one could not inhabit. When he could experience this desolation, he felt, spread out into infinity during this winter season, flooding everything, drowning out everything, the end of earthly existence—the great winter of the world.

[ 4 ] Der Christ würde ihm geantwortet haben, wiederum vielleicht nicht aus einem theoretischen Verständnis, aber aus einem Gefühlsverständnis heraus: Du magst recht haben, so wäre es mit der Erde gekommen, wenn der Baum seine Wirksamkeit hätte entfalten müssen, von dem die Menschen unerlaubterweise durch luziferische Verführung genossen haben die Frucht der Erkenntnis des Guten und des Bösen. Und wenn man so denkt an die Erdenentwickelung mit diesem Erdenziel nach der Verlassenheit und Einsamkeit des Winters, nach der Kälte und dem Froste, auch in bezug auf das Seelische, das allem Irdischen bevorstehen würde, und wenn man es anknüpfen kann an die Folge der luziferischen Verführung, an die Wirkungen des Genusses vom Baume der Erkenntnis des Guten und des Bösen, dann kann man auf der andern Seite so recht fühlen, was der Christ-Gedanke eigentlich zu bedeuten hat.

[ 4 ] The Christian would have replied—perhaps not out of a theoretical understanding, but out of an emotional one: You may be right; that is what would have become of the Earth if the tree had been allowed to unfold its power—the tree from which human beings, through Luciferic temptation, had unlawfully eaten the fruit of the knowledge of good and evil. And when one thinks in this way about the Earth’s development—with this earthly goal following the desolation and loneliness of winter, following the cold and frost, and also in relation to the soul, which would lie ahead of all earthly existence— and if one can connect this to the consequences of the Luciferic temptation, to the effects of partaking of the fruit of the Tree of the Knowledge of Good and Evil, then one can truly grasp, on the other hand, what the Christian idea actually means.

[ 5 ] Eher, vor dem Christ-Gedanken, kam der Ostergedanke dem Menschen der christlichen Entwickelung zum Bewußtsein, jener Gedanke, von dem durch die Ostersymbole so bedeutsam erzählt wird, wodurch der Mensch befreit worden ist von all dem, was in der luziferischen Verführung ist. Das Großartige des Erlebens des Ostergedankens kann durchbeben, durchwehen die Seele in der Frühlingszeit mit der aufwachenden Natur. Aber ein anderes ist es mit dem Weihnachtsgedanken, dieser andern Seite des Christ-Gedankens. Zum Verständnis des Ostergedankens ist schon einiges notwendig, das man an Erkenntnis vorausbekommen haben muß. Den Weihnachtsgedanken verstehen fühlend, ich möchte sagen, die kleinsten Kinder. Und was ist denn eigentlich dieser Weihnachtsgefühls-Gedanke, wenn man ihn so erforscht in den Kindern, die gerufen werden, nachdem der Weihnachtsbaum gerichtet ist, die Lichter angezündet, die Geschenke ringsherum gelegt sind, was ist denn dieser Weihnachtsgefühls-Gedanke, wenn dann die Kinder hingeführt werden zum Weihnachtsbaum, wenn sie die Gaben empfangen, wenn ihnen gesagt wird, das habe ihnen der Heilige Christ gebracht — was ist denn das Wesentliche?

[ 5 ] Even before the idea of Christ, the idea of Easter entered the consciousness of those undergoing Christian development—that idea so powerfully conveyed through the symbols of Easter, through which humanity has been liberated from all that is part of the Luciferic temptation. The grandeur of experiencing the idea of Easter can shake and sweep through the soul in the springtime as nature awakens. But it is different with the idea of Christmas, this other side of the idea of Christ. To understand the idea of Easter, one must already possess a certain amount of prior insight. Even the youngest children can intuitively grasp the idea of Christmas. And what, then, is this emotional idea of Christmas when one explores it in the children who are called after the Christmas tree has been decorated, the lights lit, and the gifts placed all around—what, then, is this Christmas sentiment when the children are led to the Christmas tree, when they receive their gifts, when they are told that the Holy Christ brought them these gifts—what, then, is the essence of it?

[ 6 ] Die Kinder wissen es vielleicht nicht, sie fühlen es aber unbewußt in jenen Gründen, die so tief in des Menschen Seele sitzen, daß man sie eben nicht immer zum Bewußtsein rufen kann. Was ist denn eigentlich dieses Wesentliche, wenn man so recht erforscht, was da eigentlich in den Kindern lebt — man tut es gewöhnlich nicht —, aber wenn man erforscht, was in den Kindern lebt, wenn sie zum Weihnachtsbaum gerufen werden und hören, diese Geschenke habe ihnen das überirdische Wesen gebracht? Es sind keine solchen Geschenke, die sie selber draußen pflücken können am Bache, in der Sommer-, in der Frühlingszeit, nein, das ist ihnen aus Überirdischem geworden. Was ist es, was dann in den Kindern lebt? Ich meine, man kann sagen, gerade wenn man tief forscht in den Herzen der Kinder mit denjenigen Augen, die man die Seheraugen nennen kann, die man sich nach und nach erwirbt: das Bedeutsamste, das intensivste Gefühl, das da in den kindlichen Herzen unbewußt lebt, ist eine ganz unendlich tief gehende Dankbarkeit. Und man empfindet dann, wenn man sich hineinfühlt, etwas wie den Gedanken, der auslöst dieses Gefühl der Dankbarkeit: Warum greift denn diese Dankbarkeit so Platz in den Herzen, in den Seelen der Kinder? Warum denn? — Weil eigentlich sich dieses Herz wieder im tiefsten Unterbewußten sagt: Dankbar müssen wir Menschenkinder sein, daß wir nicht verlassen geblieben sind, daß ein Wesen sich uns geneigt hat aus Geisteshöhen herunter, das Wohnung hat nehmen wollen innerhalb des menschlichen Erdendaseins; daß auf jener Erde, die dunkel hätte bleiben müssen infolge der Paradiesesversuchung, die erkälten und erstarren hätte müssen als die große Winterzeit, hereingetreten ist in dieses zur Erstarrung sich vorbereitende Dasein das Wesen, das man alljährlich aufs neue hereintreten sieht in die Zeit, die uns auch wirklich schon symbolisch andeutet dieses Erdenende in dem Froste des Winters, in dem Dunkel, in dem Finstern des Winters. Dankbar müssen wir sein dem Weltengeiste, der herabgestiegen ist, sich vereinigt hat mit der Erdenentwickelung der Menschen, so daß wir nicht zu fürchten brauchen, daß der große Winter kommt, sondern hoffen dürfen, daß dann, wenn durch den äußeren natürlichen Gang der Erde der große Winter in seinem Erden-Kosmos-Froste folgen würde, da sein wird dasjenige Wesen, das sich uns in Kindesform alljährlich nähert und die Erde verjüngt, daß sie nicht erstarrt hinausgetragen wird zu ihrem weiteren Dasein im Kosmos. Daher die unendliche Wärme, die gerade von diesem Weihnachtsfeste ausgeht. Und daher, ich möchte sagen, dieser eigentümlich beweisende Charakter des Weihnachtsfestes. Das Weihnachtsfest hat etwas Christ-Beweisendes.

[ 6 ] Children may not know it, but they sense it unconsciously in those depths that lie so far within the human soul that they cannot always be brought to the surface of consciousness. What, then, is this essential quality, if one were to truly investigate what actually lives within children—which one usually does not do—but if one were to investigate what lives within children when they are called to the Christmas tree and hear that these gifts were brought to them by a supernatural being? These are not the kinds of gifts they can gather for themselves outside by the stream in summer or spring; no, these have come to them from the supernatural realm. What is it, then, that lives within the children? I mean, one can say that precisely when one delves deeply into the hearts of children with those eyes that might be called the eyes of the seer—eyes one gradually acquires—the most significant, the most intense feeling that lives unconsciously in children’s hearts is a gratitude that runs infinitely deep. And when one tunes in to this, one senses something like the thought that triggers this feeling of gratitude: Why does this gratitude take such a firm hold in the hearts and souls of children? Why is that? — Because, in truth, this heart tells itself once again in the deepest subconscious: We human children must be grateful that we have not been abandoned, that a being has turned toward us from the heights of the spirit, wishing to take up residence within human existence on Earth; that on that Earth, which should have remained dark as a result of the temptation in Paradise, which should have grown cold and frozen like the great winter season, this being entered into this existence that was preparing to freeze solid—the being whom we see entering anew every year into the season that already symbolically foreshadows for us this end of the earth in the frost of winter, in the darkness, in the gloom of winter. We must be grateful to the World Spirit, who has descended and united with the earthly development of humankind, so that we need not fear the coming of the great winter, but may hope that when, through the Earth’s outer natural course, the great winter were to follow in its earthly-cosmic frost, there will be that Being who approaches us every year in the form of a child and rejuvenates the Earth, so that it is not carried away, frozen solid, to its further existence in the cosmos. Hence the infinite warmth that emanates precisely from this Christmas festival. And hence, I would say, this peculiarly affirming character of the Christmas festival. The Christmas festival has something that affirms Christ.

[ 7 ] Man kann dem Weihnachtsfeste gegenüber empfinden, daß das, was es darstellen will, wahr ist, dadurch, daß, sobald nur der Gedanke dieses Weihnachtsfestes in der Menschen-Kindesseele erfaßt ist, er sogleich in seiner ganzen Bedeutung dieses Kinderherz, diese kindliche Seele des Menschen auch ergreift und wirklich alles Kindliche in dem Menschen erfaßt, gleichgültig ob dieses Kindliche im Kindesalter oder noch im spätesten Alter sich geltend macht. Gerade Menschen, die so recht fühlen können auf der einen Seite die äußere Natur mit all ihrer Frühlings- und Sommerschönheit, die auch empfinden können diese eigentümliche Verlassenheit der Winterzeit, die fühlen können die Weihestimmung der Weihnachtszeit, die fühlen auch dieses Beweisende des Weihnachtsfestes.

[ 7 ] One can feel, with regard to the Christmas celebration, that what it seeks to represent is true, in that, as soon as the very thought of this Christmas celebration takes hold in the soul of a human child, it immediately seizes that child’s heart—that childlike soul within the human being—in all its significance and truly encompasses everything childlike in the human being, regardless of whether this childlike quality manifests itself in childhood or even in the latest stages of life. It is precisely those people who can truly feel, on the one hand, the outer natural world with all its spring and summer beauty, who can also sense this peculiar desolation of winter, who can feel the festive atmosphere of the Christmas season—they are the ones who also feel this profound significance of the Christmas celebration.

[ 8 ] Ein Dichter, der sich Zeit seines Lebens immer eingelassen hat in eine bis ins Kleinste gehende Naturbetrachtung, hat in einer seiner Dichtungen auch über das Weihnachtsfest herrlich schön gesprochen, der Dichter, von dem die Worte stammen: Da sagen die Menschen, ein Gewitter ist großartig, der Sturm sei großartig, ein Erdbeben, ein Vulkanausbruch könne großartig sein — ich finde: großartig ist das Marienkäferchen, das über das Blatt läuft, wenn man es nur in seiner richtigen Wesenheit erfühlen kann. — So ungefähr hat der Dichter Adalbert Stifter gesprochen. Und aus dieser seiner Bekanntschaft mit dem Großen im Kleinen der Natur, mit dem, was geistig alle Natur durchzieht, ist auch seine schöne Weihnachtserzählung hervorgegangen, die in ihrem Grundton das Beweisende des Weihnachtsfestes eigentlich webt und lebt.

[ 8 ] A poet who, throughout his life, always immersed himself in the observation of nature down to the smallest detail, also spoke beautifully about Christmas in one of his poems—the poet who wrote these words: People say that a thunderstorm is magnificent, that a storm is magnificent, that an earthquake or a volcanic eruption can be magnificent—but I find that what is truly magnificent is the little ladybug crawling across a leaf, if only one can sense its true essence. — That is roughly how the poet Adalbert Stifter put it. And from his familiarity with the greatness found in nature’s smallest details—with that which spiritually permeates all of nature—his beautiful Christmas story emerged, a story that, in its underlying tone, truly weaves and embodies the essence of Christmas.

[ 9 ] Wir werden durch den Dichter in ein einsames Alpental geführt, das ein Nachbartal hat. In beiden Tälern sind Dörfer. Wie es in den Alpen ist — wenigstens in früheren Zeiten war —, kommen die Bewohner des einen Tals mit den Bewohnern des andern Tals wenig zusammen. Da aber stellt sich heraus, daß sich ein Bewohner — ein Schuster ist es — aus dem einen Tal mit einer Bewohnerin des andern Tals verheiratet. Wie eine Fremde wird diejenige angesehen, die nur eine kurze Strecke weiter übers Gebirge hinüber geboren ist. Kinder bekommen sie. Die Großeltern sind drüben im andern Alptal. Der Großvater ist auf den Schwiegersohn nicht gut zu sprechen, daher sieht er sich wenig nach den Kindern um, aber die Großmutter ist früher öfter herübergekommen. Aber als die Kinder ein wenig herangewachsen, obwohl noch klein waren, war die Großmutter schon alt, konnte nicht mehr so oft herüberkommen. Da besuchten sie denn die Kinder. Einmal wurden sie hinübergesandt, es war gerade am sogenannten Heiligen Abend, in das andere Alptaldorf, bei einem Wetter, das durchaus ungefährlich war. Sie gingen dahin. Sie hatten wohl, da sie noch ganz junge Kinder waren, nur wenige Male mit einigem Bewußtsein in der nächtlichen Stille der Alpenhütte vor dem Christbaum gestanden und einige Worte gehört von dem Christ-Geheimnis, weniges nur gehört. Nun wurden sie also, als sie noch verhältnismäßig kleine Kinder waren, entlassen. Sie sollten die Großmutter besuchen. Man konnte hoffen, daß das Wetter günstig bliebe. Sie gingen hin zur Großmutter in das Nachbardorf. Die Großmutter gab ihnen ihre Geschenke mit, sie ermahnte sie, ja recht vorsichtig nach Hause zu gehen. Aber siehe da, Schneefall kam. Sie mußten über das Gebirge hinüber nach dem andern Tal. Sie verloren den Weg, sie fanden ihn nicht wieder. Sie verirrten sich. Der Knabe, der etwas größer war, nahm sich innig des kleinen Mädchens an. Sie kamen sogar über Gletscher. Sie konnten sich nur dadurch aufrechthalten, daß sie von der Großmutter etwas Kaffee mitbekommen hatten, den sie auspackten. Der Knabe hatte einmal gehört, daß man durch Kaffee das Erfrieren verhindern könne. Ja, sie konnten den Weg nach Hause nicht finden. Die Nacht wurde immer finsterer, und sie waren hoch oben mitten in Eis und Schnee, so daß, als um Mitternacht überall die Weihnachtsglocken erklangen, sie das nicht einmal hören konnten. So machten sie die Weihnachtsnacht durch, während unten im Dorfe selbstverständlich nicht nur die Eltern, sondern das ganze Dorf Furcht und Angst ergriffen hatte. Man war ausgezogen, die Kinder zu suchen. Die Kinder aber waren oben in der Einsamkeit. Sie mußten warten, indem sie sich warmhielten durch alles, was sie in ihrer kleinen Klugheit schon kannten, mußten warten, bis allmählich der Morgen kam. Da hatten sie, wie das zunächst beschrieben wird, unter sich den Schnee und das Eis, über sich die Sterne. Es kam dann, indem sie auf die Berge hinblickten, gegen Morgen eine wunderbare Helle über die Berge. Nun, man fand dann die Kinder, brachte sie halb erstarrt nach Hause, steckte sie ins Bett. Den Weihnachtsabend hatten sie versäumt, aber es wurde ihnen dann die Weihnachtsbescherung am Tag darauf. Zunächst mußten sie aber erst aus der Erstarrung herauskommen und wurden daher ins Bett gesteckt. Die Mutter — ich erzähle all die verschiedenen Szenen nicht, die nun gerade von diesem Dichter wirklich in einer Menschenherzen aufs tiefste ergreifenden Weise geschildert sind — setzt sich an das Bett des kleinen Mädchens hin, läßt sich erzählen, was die Kinder Furchtbares erlebt haben. Dann sagt das kleine Mädchen, das, wie gesagt, nur einige Male wenige Worte von der ganzen Bedeutung des Christ-Festes gehört haben wird: Mutter, wie wir da oben waren und es so, so kalt war, und wir nichts sahen als Schnee und Sterne, da schaute ich in die Sterne, und weißt du, Mutter, was ich da gesehen habe, wie ich hinaufschaute in den Himmel? Da sah ich den Heiligen Christ!

[ 9 ] The poet leads us into a secluded Alpine valley that has a neighboring valley. There are villages in both valleys. As is often the case in the Alps—at least as it used to be—the residents of one valley have little contact with those of the other. But then it turns out that a resident—a cobbler, to be precise—from one valley has married a woman from the other valley. She is regarded as a stranger, even though she was born just a short distance away across the mountains. They have children. The grandparents live over in the other Alpine valley. The grandfather doesn’t think much of his son-in-law, so he doesn’t pay much attention to the children, but the grandmother used to come over more often. But by the time the children had grown a little—though they were still small—the grandmother was already old and could no longer come over as often. So the children went to visit her instead. Once they were sent over—it was on what is called Christmas Eve—to the other Alpine valley village, in weather that was perfectly safe. They went there. Since they were still very young children, they had probably stood only a few times, with some awareness, in the nighttime silence of the Alpine hut in front of the Christmas tree and heard a few words about the mystery of Christ—only a little. And so, while they were still relatively young children, they were sent on their way. They were to visit their grandmother. One could hope that the weather would remain favorable. They set off to visit their grandmother in the neighboring village. Their grandmother gave them their gifts and urged them to be very careful on their way home. But lo and behold, it began to snow. They had to cross the mountains into the other valley. They lost their way and could not find it again. They got lost. The boy, who was a little older, took the little girl under his wing. They even crossed glaciers. They were able to keep going only because their grandmother had given them some coffee, which they unwrapped. The boy had once heard that coffee could prevent you from freezing to death. Yes, they couldn’t find their way home. The night grew darker and darker, and they were high up in the middle of ice and snow, so that when the Christmas bells rang out everywhere at midnight, they couldn’t even hear them. And so they spent Christmas Eve, while down in the village, of course, not only their parents but the entire village had been seized by fear and anxiety. People had set out to search for the children. But the children were up there in the solitude. They had to wait, keeping warm by whatever means their young wisdom had taught them, and wait until morning gradually broke. There, as it is first described, they had snow and ice beneath them and stars above them. Then, as they looked toward the mountains, a wondrous light began to spread over the mountains toward morning. Well, the children were eventually found, brought home half-frozen, and put to bed. They had missed Christmas Eve, but they received their Christmas presents the very next day. First, however, they had to recover from their numbness, which is why they were put to bed. The mother—I won’t recount all the various scenes that this poet has so profoundly and movingly depicted—sits down by the little girl’s bedside and listens as the children recount the terrible ordeal they had endured. Then the little girl—who, as I said, must have heard only a few words here and there about the full meaning of the Christmas celebration—says: “Mother, when we were up there and it was so, so cold, and we saw nothing but snow and stars, I looked up at the stars, and do you know, Mother, what I saw when I looked up at the sky? I saw the Holy Christ!”

[ 10 ] Ich sagte, eine solche Dichtung hat etwas Beweisendes, weil sie bezeugt, wie innig sich verwebt, auch wenn der Mensch noch wenig gehört hat von dem Christ-Gedanken, auf naturgemäße, elementarische Weise der Christ-Gedanke mit diesem menschlichen Herzen. Daher muß er tief im menschlichen Herzen begründet sein. In jedem Lebensalter, in dem kindlichsten Alter versteht man ihn ja. Der Dichter Adalbert Stifter hat wahr gesprochen. Man versteht ihn so, daß man in der Sternenschrift schon als ganz kleines Kind zu lesen vermag, wie der Heilige Christ spricht. Es ist wirklich zusammenhängend mit der Dankbarkeit gegenüber der Weltentatsache, daß ein Gott hat herabsteigen wollen auf die Erde, damit die Menschen mit der Erdenentwickelung nicht einsam seien. Der Einsamkeit hat uns entrissen der göttliche Helfer. Das empfindet das Kind. Und dieses Gefühl der Dankbarkeit gegenüber den Weltenmächten, das so tief sitzen kann, das ist jenes unendlich warme Gefühl, das die Herzen der Menschen durchglüht in der Weihnachts-Weihenacht; das macht auf geistige Art das Leben in der Weihnachts-Weihenacht so warm in der Kälte des Winters, das macht das Leben in der Weihnachts-Weihenacht so licht im Winterdunkel, wenn die Sonne am tiefsten steht.

[ 10 ] I said that such poetry has a revelatory quality because it bears witness to how intimately the Christian idea is interwoven—even when a person has heard little about it—with the human heart in a natural, elemental way. Therefore, it must be deeply rooted in the human heart. At every stage of life, even in the earliest childhood, one understands it. The poet Adalbert Stifter spoke the truth. One understands it in such a way that, even as a very small child, one is able to read in the writing of the stars how the Holy Christ speaks. It is truly connected to gratitude for the fact of the world that a God chose to descend to Earth so that human beings would not be alone in the course of Earth’s evolution. The divine Helper has snatched us from loneliness. The child senses this. And this feeling of gratitude toward the powers of the universe—which can run so deep—is that infinitely warm feeling that sets people’s hearts ablaze on Christmas Eve; it is what, in a spiritual sense, makes life on Christmas Eve so warm amid the cold of winter, and what makes life on Christmas Eve so bright in the darkness of winter, when the sun is at its lowest point.

[ 11 ] Und wir, die wir Erkenntnis suchen, wir müssen sie doch auf andere Weise suchen, als sie so ist, wie sie von dem Versucher hervorgegangen ist. Und Erkenntnis suchen wir doch. Ja, geistige Erkenntnis suchen wir. Wert muß uns sein der Baum der Erkenntnis; er ist es wohl auch für uns, wenn wir richtig empfinden: der Baum der Erkenntnis. Aber wir lassen uns ihn nicht reichen von luziferischen Mächten. Wir nehmen ihn entgegen von dem Christus, der herunterstieg auf die Erde. Denn so darf er entgegengenommen werden von dem menschlichen Herzen, dem menschlichen Gemüte, dem menschlichen Erkenntnisstreben, dieser Baum der Erkenntnis, so darf er entgegengenommen werden, wenn ihn der Christus uns reicht. Was Luzifer dem Menschen nicht reichen sollte, das reicht der Christus dem Menschen. Und so erneuert sich der Baum des Paradieses: Er wird zum Christbaum. Was als Versuchung Luzifer dem Menschen reichte, das reicht als Aussöhnung der Christus den Menschen wiederum. Und so wird selbst der reifste Gedanke des Erkenntnisstrebens angegliedert an den kindlichen Gedanken des Weihnachtsbaumes. Wie das Kind dasjenige entgegennimmt, von dem es sonst gesehen hat, woher es kommt, an Gaben der Natur, an Gaben der Gesellschaft, wie es das entgegennimmt als Heilige Gabe am Weihnachtsabend, so denken wir, wie wir dasjenige, was uns heilig und wert ist, die Gabe vom Baum der Erkenntnis, entgegennehmen von dem Christus, der seine Impulse mit den Erdenimpulsen hat vereinigen wollen.

[ 11 ] And we, who seek knowledge, must surely seek it in a different way than it emerged from the Tempter. And we do seek knowledge. Yes, we seek spiritual knowledge. The Tree of Knowledge must be of value to us; indeed, it is for us, if we perceive it correctly: the Tree of Knowledge. But we do not accept it from Luciferic powers. We receive it from Christ, who descended to Earth. For this is how the Tree of Knowledge may be received by the human heart, the human mind, and the human quest for knowledge—it may be received in this way when Christ offers it to us. What Lucifer should not have offered to humanity, Christ offers to humanity. And so the tree of Paradise is renewed: it becomes the Christmas tree. What Lucifer offered to humanity as temptation, Christ offers to humanity once more as reconciliation. And so even the most mature thought in the quest for knowledge is linked to the childlike thought of the Christmas tree. Just as a child receives what it has otherwise seen coming from nature and society—gifts of nature, gifts of society—as a holy gift on Christmas Eve, so do we think of how we receive that which is holy and precious to us—the gift from the Tree of Knowledge—from Christ, who sought to unite His impulses with those of the earth.

[ 12 ] Verstehen werden wir, rege zu machen gerade im Sinne unserer Weltanschauung jene warme Dankbarkeit gegenüber dem ChristusWesen, das hat auf die Erde kommen wollen, um die Menschen zu befreien von der Einsamkeit, die symbolisiert ist in der Winterfinsternis und in der Winterkälte, während auf der andern Seite symbolisiert ist die geistige Wärme, der der Mensch teilhaftig werden kann mit den geistigen Mächten in dem, was an wahrer Wärme von jenem Bewußtsein ausstrahlt, das wir in unser Herz eindringen lassen können von unserem Geiste aus, wenn wir im rechten Sinne verstehen das Symbolum des Weihnachtsbaumes, des erneuerten Baumes der Erkenntnis, des Baumes der Erkenntnis, der gereicht wird von dem Christus Jesus, wenn wir dieses die Weltenkälte erwärmende Weihnachtssymbolum zu unserer Seele, zu unserem Herzen sprechen lassen.

[ 12 ] We will come to understand how to actively cultivate—in keeping with our worldview—that warm gratitude toward the Christ Being, who chose to come to Earth to free humanity from the loneliness symbolized by the darkness and cold of winter, while, on the other hand, the spiritual warmth is symbolized—a warmth in which human beings can share with the spiritual powers through which radiates true warmth from that consciousness we can allow to penetrate our hearts from our spirit, when we understand in the right sense the symbolism of the Christmas tree—the renewed tree of knowledge, the tree of knowledge bestowed by Christ Jesus—and when we allow this Christmas symbol, which warms the coldness of the world, to speak to our soul and to our heart.