Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

The Spiritual Unification of Humanity
through the Christ Impulse
GA 165

7 January 1916, Dornach

[ ] Translate the original German text into any language:

Versions Available:

The Spiritual Unification of Humanity through the Christ Impulse, tr. SOL
  1. Die geistige Vereinigung der Menschheit durch den Christus-Impuls

Wandlungen des menschlichen Empfindungs- und Gedankenelementes von der vierten zur fünften Kulturepoche II

Transformations of the Human Elements of Feeling and Thought from the Fourth to the Fifth Cultural Epoch II

[ 1 ] Ich habe gestern versucht, Sie durch gewissermaßen bildliche Darstellungen aufmerksam zu machen auf den großen Unterschied in der Seelenverfassung der Menschen innerhalb des vierten und des fünften nachatlantischen Zeitraumes, in welch letzterem wir selber leben. Dies ist ein Unterschied, auf den man in der Tat gerade heute, in unserer Gegenwart, nicht geneigt ist, viel Aufmerksamkeit zu wenden. Machen wir uns nur einmal klar, was ein Durchschnittsmensch der Gegenwart, der «gescheit» ist, das heißt, die herrschenden Grundbegriffe der Gegenwart aufgenommen hat, etwa über das gestern Angedeutete zu sagen hat. Er wird ungefähr das Folgende zu sagen haben: Das ist recht schön und gut, was da der alte Grieche über die Folge der Geschlechter von Tantalus bis zu Iphigenia in seiner Phantasie ausmalte, und das ist alles recht schön und gut, wodurch da Iphigenia gewissermaßen in eine Aura von waltendem Schicksal gestellt wird. Aber das ist doch alles eben Phantasie. — Es ist der Standpunkt, der heute ziemlich allgemein von den gescheiten Menschen eingenommen wird. Koridan, den wir eben im Pfälzischen Hirtenspiel erlebt haben, sagt vom Anfang an nicht so, aber Mops sagt so: «s’ ist ja alles nur Phantasie!» Aber es ist ungefähr diesen Dingen gegenüber der heutige Mops-(pardon!)-standpunkt.

[ 1 ] Yesterday I tried to draw your attention, through somewhat figurative descriptions, to the great difference in the spiritual constitution of human beings during the fourth and fifth post-Atlantean epochs—the latter of which we ourselves are living in. This is a difference to which, in fact, people today—in our present time—are not inclined to pay much attention. Let us just consider for a moment what an average person of the present day, who is “smart”—that is, who has internalized the prevailing concepts of our time—might have to say about what I hinted at yesterday. He will likely say something like this: It’s all well and good what that ancient Greek imagined in his mind about the succession of generations from Tantalus to Iphigenia, and it’s all well and good that Iphigenia is, in a sense, placed within an aura of prevailing fate. But that’s all just imagination, after all. — It is the viewpoint that is quite generally held by intelligent people today. Koridan, whom we have just encountered in *The Palatinate Shepherds’ Play*, does not say this from the outset, but Mops does: “It’s all just imagination!” But this is roughly the Mops-like (pardon me!) viewpoint taken today regarding these matters.

[ 2 ] Nun müssen wir nur einmal unser ganzes Augenmerk darauf lenken, welch ungeheuer überzeugende Kraft für die Gegenwartsmenschen dieser Standpunkt hat, wie unmöglich sich der Gegenwartsmensch denken könnte, daß etwa mitten in unsere Reihen herein jemand treten könnte, der- statt die Auskunft zu geben gegenüber einer solchen Persönlichkeit, «erbliche Belastung», wie ich es Ihnen gestern zitiert habe -—, etwas ähnliches aufstellen könnte wie den Iphigenia-Tantalus-Mythos. Und wenn er es aufstellen würde, so würde natürlich jeder sagen: Dichtung! In der Dichtung steht alles frei, aber mit der Wahrheit, mit der wirklichen Erkenntnis hat eine solche Dichtung ganz und gar nichts zu tun. — Und im Grunde genommen ist das der Standpunkt, den man gegenwärtig der ganzen Kunst gegenüber einnimmt. Die gegenwärtige Menschheit steht ganz und gar auf dem Standpunkt: Wahrheit kann nur erreicht werden durch Begriffe, durch Theorien, durch solche Begriffe, durch solche Theorien, die von der äußeren physischen Wirklichkeit genommen sind, und alles andere ist eben, es mag noch so schön sein, Dichtung. Man kann sich in der Gegenwart nicht denken, daß irgendein anderer Standpunkt berechtigt oder auch nur möglich sein könnte, daß jemand einen andern Standpunkt einnehmen könnte, ohne eigentlich hirnverbrannt zu sein. Man denke sich doch nur einmal, daß jemand auch nur die Anforderung stellen würde — ich wage das hier auszusprechen, aber ich bin mir wohl bewußt, daß es nur unter uns möglich ist, dies auszusprechen -, nehmen wir an, es würde sich jemand einfallen lassen zu sagen: In medizinischen Hörsälen sollte weniger von erblicher Belastung und dergleichen gesprochen werden, sondern man sollte die Dinge in einem Kleide geben, wie es einem griechischen Mythos ähnlich ist. Wenn der Betreffende das so sagen würde, als ob er gemeint hätte, man sollte es ernst nehmen, er mache nicht einen schlechten Scherz, so würde das Geringste sein können, was die gegenwärtige Kultur mit ihm vollbringt, daß sie ihn in ein Sanatorium schickt. Es ist ja kaum etwas anderes denkbar, nicht wahr! So festgewurzelt ist in der Gegenwart die Überzeugung, daß ein anderer Gesichtspunkt gar nicht möglich ist als der: Wahrheit kann nur auf die Weise gefunden werden, welche die gegenwärtig offiziell anerkannte ist, und alles, was die Menschen früher durch ihre Seele gesucht haben, das war halt Kindlichkeit, das war Mythos, das war Dichtung, das war keine Wahrheit. Aber dafür, daß wir es endlich «so herrlich weit» gebracht haben, können wir auch gewiß sein — so denkt der Mensch der Gegenwart -, daß nun die Seelen in allen künftigen Erdenzeiten nie etwas anderes als Wahrheitsbegriff empfinden werden als das, was gerade angedeutet worden ist. Man kann davon ganz überzeugt sein: Wenn es einmal gelingen würde, die Luftschiffahrt zur Ätherschiffahrt umzugestalten, und der Äther im Sinne der heutigen Physiker wirklich im Weltenall vorhanden wäre, und man einen Ballon ausgestalten würde, der einige unserer gescheiten Erdenbewohner, die niemals so töricht gewesen sind, in eine geisteswissenschaftliche Gesellschaft einzutreten, nach dem Mars bringen würde, und auf dem Mars würde man etwa andere Anschauungen von irgendeiner Wesensart her verraten als diejenige, die eben angedeutet worden ist, so würde man sagen: Selbstverständlich, diese Marsleute dichten halt! Die haben noch keinen Begriff bekommen, wie man erkennt, auf welche Weise wirklich Wahrheit gefunden werden kann. Daß ein anderer Gesichtspunkt möglich sein könnte, das kann unter Umständen in der Gegenwart einmal auch von einem Menschen ernst genommen werden, der nicht auf dem Gesichtspunkt der Geisteswissenschaft steht; aber dann steht ihm unter Umständen, wenn er wirklich ernsthaftig über Weltanschauung empfinden kann, ein schlimmes Schicksal bevor. Einer war es, Nietzsche, der versucht hat, einen andern Maßstab anzulegen und der im Sinne seines Buches «Jenseits von Gut und Böse» die Wahrheit sogar gescholten hat. Er meinte aber die Wahrheit, welche die Gegenwart allein anerkennt, und da wollte er einen andern Standpunkt geltend machen, nämlich den Standpunkt des Lebens, den Standpunkt des Lebens der Seele vor allen Dingen. Zur Geisteswissenschaft konnte er nicht kommen, und so hat er eben diesen Gesichtspunkt mit seiner seelischen Gesundheit bezahlen müssen. Ein anderer Standpunkt wäre nämlich zum Beispiel der, daß man fragte: Wie wirken auf die menschliche Seele solche Begriffe, wie sie im griechischen Mythos verarbeitet sind? Und wie wirken auf die menschliche Seele solche Begriffe, wie sie die Gegenwart verarbeitet hat nach dem Typus «erbliche Belastung»? Wie wirken diese Begriffe auf die menschliche Seele, auf das ganze Leben der menschlichen Seele? Wie wirken sie? Und da ist doch ein gewaltiger Unterschied. Der Mensch kann eine Anzahl von Generationen wie diejenigen von Tantalus bis zu Iphigenie so zusammenfassen, sei es, indem er es originell tut [wie Nietzsche], sei es, daß er an eine solche Zusammenfassung glauben kann als an etwas Wirkliches: wer solche Vorstellungen, solche mit derartigen Vorstellungen verknüpfte Empfindungen in seiner Seele beleben kann, der bringt ein belebendes Element in das ganze Seelenleben. Derjenige aber, der nur mit solchen Begriffen arbeitet, wie der ist von der erblichen Belastung, der bringt in das Seelenleben ein ertötendes Element, ein ausdörrendes Element. Und dieses ausdörrende Element wird nach und nach unter dem Einfluß der einseitigen physikalischen, biologischen und so weiter Erkenntnis bewirkt werden, ein ausdörrendes, ein ertötendes Element. Niemals wird diese physikalische, chemische, biologische Wissenschaft in der Gegenwart etwas hervorbringen können, das beitragen kann zur inneren Erfüllung des Lebens der Seele.

[ 2 ] Now we need only focus our full attention on the immensely persuasive power this viewpoint holds for people today, on how impossible it is for people today to imagine that someone might step right into our midst who—instead of offering an explanation regarding such a personality, a “hereditary burden,” as I quoted to you yesterday— could come up with something similar to the myth of Iphigenia and Tantalus. And if he were to do so, everyone would naturally say: Fiction! In fiction, anything goes, but such fiction has absolutely nothing to do with truth or with real knowledge. — And, when it comes down to it, that is the standpoint currently taken toward all art. Contemporary humanity is entirely of the view that truth can only be attained through concepts, through theories—specifically those concepts and theories derived from external physical reality—and everything else, no matter how beautiful it may be, is simply fiction. It is impossible to imagine today that any other standpoint could be justified or even possible, or that anyone could take a different standpoint without actually being out of their mind. Just imagine for a moment that someone would even make the suggestion—I dare to say this here, but I am well aware that it is only possible to say this among ourselves—let’s suppose someone were to come up with the idea of saying: In medical lecture halls, there should be less talk of hereditary predisposition and the like; instead, things should be presented in a manner reminiscent of a Greek myth. If the person in question were to say this as if he meant it to be taken seriously—as if he weren’t just making a bad joke—the very least that contemporary culture would do to him would be to send him to a sanatorium. After all, it’s hardly conceivable that anything else could happen, is it! So deeply rooted is the conviction in the present that no other perspective is even possible: truth can only be found in the manner that is currently officially recognized, and everything that people once sought through their souls was simply childishness, it was myth, it was fiction—it was not truth. But since we have finally come “so wonderfully far,” we can also be certain—so thinks the person of the present—that from now on, in all future earthly ages, souls will never perceive any concept of truth other than what has just been indicated. One can be entirely convinced of this: If it were ever possible to transform air travel into ether travel, and if the ether—in the sense understood by today’s physicists—were truly present in the universe, and if a balloon were constructed that would carry some of our intelligent Earthlings—who have never been so foolish as to join a society of Spiritual Science—to Mars, and on Mars they were to reveal views of some kind that differed from the one just suggested, one would say: Of course, these Martians are just making things up! They have not yet grasped how to recognize the way in which truth can truly be found. That another point of view might be possible is something that, under certain circumstances, might even be taken seriously in the present by a person who does not share the perspective of Spiritual Science; but then, under certain circumstances, if he is truly capable of serious reflection on worldview, a grim fate may await him. There was one man, Nietzsche, who attempted to apply a different standard and who, in the spirit of his book *Beyond Good and Evil*, even rebuked the truth. But he was referring to the truth that the present age alone recognizes, and there he sought to assert a different standpoint—namely, the standpoint of life, the standpoint of the life of the soul above all else. He was unable to arrive at Spiritual Science, and so he had to pay for this very perspective with his mental health. Another perspective, for example, would be to ask: How do concepts such as those processed in Greek mythology affect the human soul? And how do concepts such as those processed by the present day—following the model of “hereditary burden”—affect the human soul? How do these concepts affect the human soul, the entire life of the human soul? How do they affect it? And there is indeed a tremendous difference. A person can summarize a number of generations—such as those from Tantalus to Iphigenia—whether by doing so in an original way [like Nietzsche] or by believing in such a summary as something real: whoever can bring such mental images—and the feelings linked to them—to life within their soul introduces a life-giving element into the entire life of the soul. But the one who works only with concepts such as “hereditary burden” introduces into the life of the soul a deadly element, a withering element. And this withering element will gradually be brought about under the influence of one-sided physical, biological, and so on, knowledge—a withering, a deadly element. Never will this physical, chemical, and biological science of the present be able to produce anything that can contribute to the inner fulfillment of the life of the soul.

[ 3 ] Wer beobachten will, kann das schon an den äußerlichen Dingen beobachten. Machen Sie eine kleine Probe. Kaufen Sie sich das Büchelchen «Naturphilosophie» von Ostwald — das man in der ReclamBibliothek haben kann - und versuchen Sie einmal mit diesem Büchelchen zurechtzukommen, wenn Sie Nahrung für Ihre Seele fordern! Überzeugen Sie sich, wie dort dasjenige, was ein ausgezeichneter Chemiker über allerlei Naturzusammenhänge zu sagen hat, auf vielen Seiten abgehandelt ist, wie aber dasjenige, was der Seele dienen soll, auf ein paar Seiten zusammengedrängt ist und in solchen Abstraktionen aufmarschiert, daß es unmöglich etwas anderes als Ausdörrung der Seele bewirken kann! Und die Entwickelungslinie geht nicht etwa dahin, daß diese biologischen, physikalischen, chemischen Richtungen für die Zukunft etwas Seelenerfüllendes versprechen würden. Das ist ganz und gar nicht der Fall. Sondern im Gegenteil, gerade je weiter die einzelnen Wissenschaften fortschreiten werden, desto weniger werden sie irgend etwas bieten können, was einer seelischen Nahrung nur ähnlich sehen könnte. Und wenn einmal die Zeit kommen wird, wo der Zusammenhang der einzelnen Seelen mit den alten religiösen Vorstellungen durch die moderne Naturwissenschaft vollständig vertilgt sein wird, dann würde die Seele gar keine Nahrung mehr haben, dann würden die Seelen der Erwachsenen — vielleicht würde man den Kindern längere Zeit noch allerlei vorpredigen, was man selber nicht glaubt —, dann würden die Seelen der Erwachsenen ihren Tag eben damit hinbringen, daß sie beginnen mit dem Frühstück, zwischen dessen einzelnen Löffeln sie die Zeitung schlürfen. Nun wird in den Zeitungen immer weniger von den ideellen Gütern der Menschheit stehen, sondern immer mehr und mehr von anderem. Dann werden die Leute an ihr Tagewerk gehen, werden diejenigen Obliegenheiten vollbringen, welche für die materielle Versorgung der Menschheit nötig sind. Dann werden sie mittagessen, werden abends etwas ähnliches tun, und wenn es Menschen gibt, welche Zeit haben, werden sie im Spiel oder dergleichen ihre Zeit totschlagen, weil sie nicht ausgefüllt werden kann mit irgendwelchen Gedanken, die einen realen Wert besitzen über eine geistige Welt. Ja, was sie dann abends tun werden? Man wird vielleicht noch gelten lassen, daß sich die Leute Theaterstücke anschauen oder dergleichen, an die sie doch nicht glauben. Manche werden ein Buch lesen, vielleicht über solche Dinge, die in den «kindlichen» Menschheitszeiten, die ja schön waren, aber doch hervorgebracht worden sind wie Raffaelsche oder Michelangelosche Bilder. Und man kann sich ganz klar darüber sein: Recht schön ist das, aber mit Wirklichkeitswerten hat das alles nichts zu tun.

[ 3 ] Anyone who wants to can see this just by looking at external things. Try a little experiment. Buy Ostwald’s little book *Naturphilosophie*—which is available in the ReclamBibliothek—and try to make sense of it if you’re seeking nourishment for your soul! See for yourself how what an outstanding chemist has to say about all manner of natural relationships is discussed at length over many pages, while what is meant to serve the soul is crammed into just a few pages and presented in such abstract terms that it can do nothing but wither the soul! And the trajectory of development does not suggest that these biological, physical, and chemical disciplines promise anything soul-fulfilling for the future. That is by no means the case. On the contrary, the further the individual sciences advance, the less they will be able to offer anything that even remotely resembles spiritual nourishment. And when the time comes when the connection between individual souls and the old religious mental images has been completely eradicated by modern natural science, then the soul would have no nourishment at all; then the souls of adults—perhaps children would still be preached all sorts of things for a long time that their parents themselves do not believe— then the souls of adults would simply pass their days by starting with breakfast, sipping the newspaper between spoonfuls. Now, the newspapers will contain less and less about humanity’s spiritual treasures, and more and more about other things. Then people will go about their daily work, fulfilling the duties necessary for humanity’s material sustenance. Then they’ll have lunch, do something similar in the evening, and if there are people who have time, they’ll kill time with games or the like, because it cannot be filled with any thoughts that possess real value beyond a spiritual world. Yes, what will they do in the evening? Perhaps it will still be acceptable for people to watch plays or the like—even though they do not believe in them. Some will read a book, perhaps about things from the “childlike” eras of humanity—which were beautiful, after all—but which produced works like the paintings of Raphael or Michelangelo. And one can be quite clear about this: it is quite beautiful, but none of it has anything to do with reality.

[ 4 ] Man täusche sich nicht darüber, daß die Zeit entgegensteuert dem Ausdörrenden, dem Ertötenden des seelischen Lebens. Wenn wir nun gerade dasjenige, was uns das gestern Ausgeführte lehren kann, ins Auge fassen, so finden wir, daß darin schon eine ungeheure Trostlosigkeit steckt. Denn worin besteht der Sinn des Heraufkommens aus der vierten nachatlantischen Zeit über unsere fünfte nachatlantische Zeit? Dieser Sinn besteht darin, daß in der vierten nachatlantischen Zeit, in der alten griechischen Zeit zum Beispiel, die Menschen nicht so isoliert waren mit ihren Seelen wie heute, daß sie noch ein inneres Zusammenhängen der Seelen hatten, aber dieses innere Zusammenhängen der Seelen auch noch wahrnahmen in gewissen letzten Resten von Visionen, von Eingebungen der Diana, wie sie damals aufgefaßt worden sind, von Eingebungen der Diana, der Artemis, von dem, was aus den unterbewußten Seelengründen herauftaucht. Das erschien den Menschen auch wirklich in Bildern. Über menschliche Zusammenhänge, kann man sagen, über das soziale Leben hatten die Menschen noch letzte Reste von seelischen, visionären Bildern, und nach denen richteten sie sich. Es ist ganz unsinnig, zu glauben, daß die Griechen in derselben Weise etwas ausgedichter hätten, wie wir in der Gegenwart die Dinge ausdichten. Es ist ganz unsinnig, das zu glauben. Wenn die Griechen den Trojazug unternahmen und sich also für einen Zug nach Troja rüsteten, so würde es für sie ganz unmöglich gewesen sein, aus irgendwelchen Gründen heraus, die so mit dem Verstande erworben werden oder mit dem Empfinden belebt werden wie heute, zu einer solchen Unternehmung zu schreiten. Ganz undenkbar wäre das für die Griechen gewesen. Sie wußten, wenn sie so etwas zu unternehmen hatten, daß sie sich in einen größeren Menschheits- und Weltzusammenhang hineinstellen, und daß dasjenige, was da vor ihrer Seele leben müsse, nichts sein könne, was mit den gewöhnlichen, auf dem physischen Plan spielenden Empfindungen etwas zu tun haben dürfe. Sie schauten die tieferen Gründe und brachten sie in imaginativen Anschauungen zur Geltung. Gewiß sagten sie: es war ein Wettstreit zwischen den drei Göttinnen Aphrodite, Hera, Athene, und Paris sollte den Preis dieses Wettstreites erhalten, Helena. Es war ein Bild, aber in dem Bilde fühlte und empfand der Grieche große, geistige Zusammenhänge, die durch die Welt gingen.

[ 4 ] Let us make no mistake: the times are moving in the opposite direction of what withers and kills spiritual life. If we now consider precisely what yesterday’s discussion can teach us, we find that there is already an immense sense of desolation in it. For what is the meaning of the transition from the fourth post-Atlantean epoch to our fifth post-Atlantean epoch? This purpose lies in the fact that in the fourth post-Atlantean epoch—in the ancient Greek era, for example—people were not as isolated in their souls as they are today; they still possessed an inner connection among souls, but they also perceived this inner connection in certain final remnants of visions, of inspirations from Diana—as they were understood at that time—of inspirations from Diana, Artemis, and from what emerges from the subconscious depths of the soul. This truly appeared to people in images. One could say that regarding human relationships—or, to put it another way, regarding social life—people still possessed the last remnants of spiritual, visionary images, and they guided their lives by these. It is utterly nonsensical to believe that the Greeks would have invented something in the same way that we embellish things in the present. It is utterly nonsensical to believe that. When the Greeks undertook the Trojan War and thus prepared for a campaign against Troy, it would have been entirely impossible for them to embark on such an undertaking for any reasons that were acquired through the intellect or animated by emotion in the way they are today. That would have been completely unthinkable for the Greeks. They knew that if they were to undertake such a thing, they had to place themselves within a broader human and cosmic context, and that what had to live within their souls could not be anything that had anything to do with ordinary sensations operating on the physical plane. They looked to the deeper reasons and brought them to life in imaginative visions. Certainly, they said: it was a contest between the three goddesses Aphrodite, Hera, and Athena, and Paris was to receive the prize of this contest, Helen. It was an image, but within that image the Greeks felt and sensed great spiritual connections that permeated the world.

[ 5 ] Der Gegenwartsmensch stellt sich vielleicht überhaupt vor, daß die Griechen aus ähnlichen Motiven heraus, wie man es in der Gegenwart tut, den trojanischen Krieg unternommen hätten, und sich dann jemand hingesetzt und zur dichterischen Erklärung des trojanischen Krieges den ganzen Mythos ersonnen habe. Das ist wiederum eine äußerliche Vorstellung der Gegenwart. Der Mythos war geschaut, er war die imaginative Vorstellung für die tieferliegenden Kräfte, die da walteten. Nun könnte ich selbstverständlich, wenn das nicht zu weit abführen würde von der gegenwärtigen Aufgabe, auseinandersetzen, wie die Helena der Repräsentant war, die Imagination war für das ganze Verhältnis Griechenlands zu Vorderasien, wie der ganze Wettstreit der drei Göttinnen zeigte, was der Impuls des griechischen Seelenlebens war, und wie das griechische Seelenleben sich heraufarbeiten mußte zu demjenigen, was es später in der Welt vorgestellt hat. Aber wie gesagt, die Betrachtung dieses Mythos würde uns zu weit abbringen von unserer jetzigen Aufgabe.

[ 5 ] People today might even have a mental image of the Greeks waging the Trojan War for reasons similar to those we have today, and that someone then sat down and devised the entire myth as a poetic explanation of the Trojan War. But this, too, is a superficial modern mental image. The myth was a vision; it was the imaginative representation of the deeper forces at work there. Now, of course, if it did not lead us too far astray from our present task, I could discuss how Helen served as the representative—the imaginative embodiment—of Greece’s entire relationship to the Near East, how the rivalry among the three goddesses revealed the driving force of the Greek spiritual life, and how Greek spiritual life had to work its way up to what it later presented to the world. But as I said, an examination of this myth would take us too far afield from our current task.

[ 6 ] Das wollen wir ins Auge fassen, daß da noch Reste eines visionären, nach der Wahrheit in Bildern gehenden Hellsehens lebten, und daß die Dichtung nicht so war, wie sie heute ist, wo sie hingestellt wird als etwas, was ersonnen wird, sondern daß sie etwas visionär Erlebtes war, das sich dann in äußeren Formen auslebte, dem aber nicht eine trockene, pedantische, rein theoretische Wissenschaft gegenüberstand, die auf ihre Wahrheitsbegriffe stolz gewesen wäre, wie die gegenwärtige theoretische Wissenschaft ist. Zusammenhänge schaute man also noch an zwischen den Menschen. Dies hat sich vollständig verloren. Es mußte sich verlieren, weil der Individualismus heraufkommen mußte. Die Menschen wären niemals zu jenem Individualismus gekommen, für den der große Erzieher die Kultur des fünften nachatlantischen Zeitraumes sein muß, und der sich allmählich während dieses fünften nachatlantischen Zeitraumes entwickeln wird. Die Menschen mußten das alte Hellsehen auch in den letzten Resten verlieren, um ganz losgerissen zu sein — jeder einzelne für sich - von dem, was noch wahrgenommen werden kann von den Zusammenhängen. Der Mensch mußte mit seinem seelischen Erleben sozusagen eingeengt werden in seine einzelnen Daseinsformen auf dem physischen Plan. Eingeengt mußte er werden. Das konnte nur so geschehen, daß er alles dasjenige verlor, was ihn über seinen eigenen Leib hinausführte, daß er ganz eingeschlossen wurde in seinen eigenen Leib. Haben Sie von dem, was Sie mit andern Menschen verbindet, eine Vision, so haben Sie Wahrnehmung des sozialen Lebens. Das sollte der Mensch des fünften nachatlantischen Zeitraumes nicht mehr haben. Er wurde ganz darauf angewiesen, was er innerhalb seiner Haut erleben kann. Und so entstand denn der individualistische Begriff des Menschen auf seiner ersten Stufe, auf der, man kann sagen, brutalsten Stufe, auf der er in einer gewissen Weise noch immer steht.

[ 6 ] Let us consider that there were still remnants of a visionary form of clairvoyance that sought the truth through images, and that poetry was not as it is today—presented as something that is contrived—but rather that it was a visionary experience that then found expression in external forms, yet was not opposed by a dry, pedantic, purely theoretical science that would have prided itself on its concepts of truth, as contemporary theoretical science does. People still perceived the interconnections between one another. This has been completely lost. It had to be lost because individualism had to emerge. People would never have arrived at that individualism for which the great educator must be the culture of the fifth post-Atlantean epoch, and which will gradually develop during this fifth post-Atlantean epoch. People had to lose even the last remnants of the old clairvoyance in order to be completely torn away—each one on their own—from what can still be perceived of these connections. Human beings had to be, so to speak, confined in their individual forms of existence on the physical plane through their soul experiences. They had to be confined. This could only happen by their losing everything that led them beyond their own bodies, so that they became entirely enclosed within their own bodies. If you have a vision of what connects you to other human beings, then you have a perception of social life. Human beings of the fifth post-Atlantean epoch were no longer to possess this. They became entirely dependent on what they could experience within their own skin. And so the individualistic conception of the human being arose in its first stage—the stage that could be described as the most brutal—a stage on which, in a certain sense, humanity still stands today.

[ 7 ] Wenn der Mensch heute fühlen will, was er eigentlich ist, so denkt er zunächst — auch wenn er noch so schöne andere Theorien hat - an dasjenige, was er innerhalb seines Leibes, innerhalb seiner Haut ist, wirklich innerhalb seiner Haut. Es ist schwierig, gerade darüber eine deutliche Vorstellung hervorzurufen, weil es wahr ist und in der Gegenwart gar nicht geglaubt wird, weil die Menschen sich gerne allerlei Idealismus vormachen, um sich darüber hinwegzutäuschen, daß sie im Grunde genommen nur an sich glauben, insoferne sie in ihrer eigenen Haut eingeschlossen sind. Dieser Übergang mußte aber stattfinden. Aus dem Grunde mußte er stattfinden, weil der Mensch nach und nach einsehen muß, wie er sich das, was innerhalb seiner Haut ist, in gewissem Sinne und innerhalb gewisser Grenzen aus seinem Karma heraus selber zubereitet. Dasjenige, was das griechische Schicksal war, hatte sich der Mensch nicht selber zubereitet, das verband ihn mit seiner Generationenreihe. Was der Mensch der Zukunft als Karma empfinden wird, wird ihn in bewußter Weise mit den andern Menschen verbinden. Der Mensch wird sein Karma bewußt als etwas Wirkliches empfinden müssen. Das wird dem heutigen Menschen, wie Sie sich durch eine leichte Erwägung vorstellen können, noch unendlich schwer, das Karma als etwas Bewußtes zu empfinden. Als eine Theorie läßt man es gelten, aber als ein Bewußtes das Karma empfinden, das wird den heutigen Menschen wahrhaftig noch recht, recht schwer. Denn ich habe ja einmal gesagt: Nehmen wir an, wir bekommen von jemandem eine Ohrfeige. Gewiß, äußerlich, insoferne wir in unserem Leib eingeschlossen und Wesen zwischen Geburt und Tod sind, müssen wir uns dagegen wehren. Aber darüber muß der höhere Standpunkt geltend gemacht werden: Wer hat dir denn die Ohrfeige gegeben? Wer hat den, der dir die Ohrfeige gegeben hat, hingestellt, auf daß er dir die Ohrfeige gibt? Er stünde nicht da, wenn da» ihn nicht hingestellt hättest durch die Art und Weise, wie du durch das Karma mit ihm verbunden bist. — Denken Sie, wie heillos schwierig das für den Gegenwartsmenschen zu denken ist! Christen glauben ja, die Gegenwartsmenschen zu sein, aber sie werden dem noch wahrhaftig wenig nachfolgen, der ihnen den Rat gibt: Wenn dir einer einen Streich auf die linke Wange gibt, so reiche ihm die rechte hin - in Gedanken, äußerlich wird es ja nicht gehen. Und diesen Unterschied zwischen dem Innerlich und dem Außerlich machen die Menschen noch nicht. Es wird ihnen ganz heillos schwierig, irgendwie im Karma zu leben.

[ 7 ] If a person today wants to feel what he truly is, he first thinks—no matter how beautiful his other theories may be—of that which is within his body, within his skin, truly within his skin. It is difficult to form a clear mental image of this very thing, because it is true and yet is not believed at all in the present day; for people like to delude themselves with all sorts of idealism in order to hide from the fact that, deep down, they believe only in themselves, insofar as they are enclosed within their own skin. But this transition had to take place. It had to take place for this reason: because human beings must gradually come to realize how, in a certain sense and within certain limits, they themselves bring about—out of their own karma—what lies within their skin. What was “fate” in the Greek sense was not something human beings had brought upon themselves; it bound them to their lineage. What people of the future will experience as karma will consciously connect them with other human beings. People will have to consciously experience their karma as something real. As you can easily imagine, it is still infinitely difficult for people today to experience karma as something conscious. People accept it as a theory, but to perceive karma as a conscious reality—that is truly still very, very difficult for people today. For I have said before: Let us suppose we receive a slap in the face from someone. Certainly, outwardly—insofar as we are confined within our physical bodies and are beings between birth and death—we must defend ourselves against it. But a higher perspective must be applied here: Who actually gave you that slap? Who placed the one who slapped you there, so that he might slap you? He would not be standing there if you had not placed him there through the way you are connected to him by karma. — Just think how incredibly difficult it is for people today to conceive of this! Christians believe themselves to be people of the present, but they will truly follow very little of the advice given to them: “If someone strikes you on the left cheek, turn the other cheek”—in thought, at least; outwardly, it simply won’t work. And people still do not make this distinction between the inner and the outer. It becomes utterly difficult for them to live in accordance with karma in any way.

[ 8 ] Und dennoch, wenn wir uns so hereinleben von unserer Embryonalzeit durch die Geburt, durch die erste Kindheit in unser Leben, dann ist dasjenige, was mitgestaltet an unserem Leib, unser Karma. Wir haben zwischen unserem letzten Tod und unserer jetzigen Geburt durchlebt und haben es uns sogar angelegen sein lassen zu durchleben, wie wir das Karma zu erfahren haben, und was wir uns für einen Körper zu geben haben, damit er sein Karma ausleben kann. Wir wirken so, knetend, möchte ich sagen, durch die Seelenkräfte auf unseren Leib. Wir wirken sogar lokalisierend, indem wir uns an den Ort der Welt hinstellen, wo wir unser Karma ausleben können. Wir wirken also mit jenem Bewußtsein, das wir zwischen dem Tod und einer neuen Geburt haben, unser persönliches Schicksal aus.

[ 8 ] And yet, as we make our way through life—from our embryonic stage, through birth, and through early childhood—what helps shape our physical body is our karma. Between our last death and our present birth, we have lived through this experience—and have even made it a point to experience how we are to live out our karma, and what kind of body we must give ourselves so that it can live out its karma. We act—I would say, shaping—upon our body through the forces of the soul. We even act in a localizing way by placing ourselves in that part of the world where we can live out our karma. Thus, with the consciousness we possess between death and a new birth, we shape our personal destiny.

[ 9 ] Das ist die der griechischen Schicksalsidee ganz entgegengesetzte Idee. Aber um zu dieser Idee als einer lebendigen kommen zu können, muß der Mensch durchgehen durch den Individualismus, muß er sich zunächst als ein Individuum, ich möchte sagen, in ganz brutaler Weise erfassen. Und auf diesem Wege, sich als ein Individuum zu erfassen, ist der Mensch. Aber er hat, ich möchte sagen, etwas in den Kauf nehmen müssen, richtig in den Kauf nehmen müssen dafür, daß er die Empfindung ausleben mußte: Ich bin innerhalb meiner Haut und meines Fleisches eingeschlossen. Er hat etwas in den Kauf nehmen müssen, der Mensch. Das ist: daß er zum Sklaven, Seelensklaven dieser Leiblichkeit wurde. Er ließ sich versklaven von der Leiblichkeit, und der Leib wurde zunächst der Herr über ein neues, geglaubtes Schicksal. Eine Iphigenie empfand in dem Alter, von dem ich gestern gesprochen habe -— jeder einzelne Satz in der gestrigen Darstellung ist richtig: ich habe ungefähr angegeben, wieviel Jahre ihr noch bis zum zwanzigsten Lebensjahr fehlten —, eine Iphigenie, die Visionen hatte bis zu Tantalus hinauf, welche Visionen man heute deutet als Reminiszenzen, durch Vererbung bewirkt, eine solche Iphigenie ist so unmittelbar in unserer heutigen Zeit nicht mehr möglich; eine solche Iphigenie, die vor allen Dingen dasjenige, was in der Generation lebt, bis zu Tantalus hinauf lebt, moralisch, ethisch faßt: «Vernimm! Ich bin aus Tantalus Geschlecht!», das ist heute nicht möglich. Denn heute tritt der Arzt neben sie hin und erklärt ihr: Erbliche Belastung! Solchen und solchen Zustand hat dein Vater, hat deine Mutter gehabt, dein Großvater, deine Großmutter und so weiter, erbliche Belastung! Und davon kommt das alles! — Damit ist aber ausgesprochen, daß die heutige Seele keuchend dahinlebt unter dem Joche der Körperlichkeit, auch in der Anschauung, in der Empfindung keuchend.

[ 9 ] This is the idea that is completely opposed to the Greek concept of fate. But in order to arrive at this idea as a living one, a person must pass through individualism; he must first come to terms with himself as an individual—I would say, in a very brutal way. And humanity is on this path of perceiving itself as an individual. But humanity has, I would say, had to pay a price—truly had to pay a price—for having to live out the sensation: “I am enclosed within my skin and my flesh.” Humanity has had to pay a price. That is: that he became a slave—a slave of the soul—to this physicality. He allowed himself to be enslaved by physicality, and the body initially became the master of a new, believed-in destiny. An Iphigenia felt this at the age I spoke of yesterday—every single sentence in yesterday’s account is correct: I roughly indicated how many years they still had left until they turned twenty—an Iphigenia who had visions reaching all the way back to Tantalus, visions that are interpreted today as reminiscences brought about by heredity; such an Iphigenia is no longer possible in our present time; such an Iphigenia, who above all grasps—morally and ethically—that which lives within her generation, all the way up to Tantalus: “Hear this! I am of the lineage of Tantalus!”—that is not possible today. For today the doctor steps up beside her and explains: “Hereditary predisposition!” “Your father, your mother, your grandfather, your grandmother, and so on—they all had this or that condition; a hereditary predisposition! And that is the source of it all!” —But this makes it clear that the soul of today lives on, gasping for breath under the yoke of physicality, gasping even in its perception and in its feelings.

[ 10 ] Im Grunde, meine lieben Freunde, können wir dieses Keuchen unter der Körperlichkeit sehen, wenn wir darauf hinblicken, was aus den Menschen geworden ist unter einer gewissen Weltanschauungsrichtung des 19. Jahrhunderts. Man richtete den Blick nur auf das Leibliche und bekam, weil man den Blick nur auf das Leibliche richtete, die Abstammung des Menschen rein aus der Tierwelt. Auch wissenschaftlich keucht der Mensch unter dem, womit ihn seine Leiblichkeit verbindet. Und kaum wird es leicht möglich sein, die Menschen aufmerksam zu machen auf dasjenige, was da zugrunde liegt. Denn es können die Leute kommen, wenn man sie auf alles das aufmerksam macht, und können sagen: Glaubst du denn, die berechtigten Seiten des Darwinismus widerlegen zu können? Das ist doch alles gut bewiesen! -- Gewiß ist es gut bewiesen, ganz wohl ist es gut bewiesen, aber darum handelt es sich nicht, sondern darum handelt es sich, daß die Wahrheitsempfindung eine andere geworden ist. Im Sinne dieses anders gewordenen Wahrheitsempfindens kann man die ganzen Dinge streng beweisen, selbstverständlich. Man muß schon gegenwartsfremd sein, wenn man nicht empfinden kann, worum es sich da eigentlich handelt.

[ 10 ] Essentially, my dear friends, we can see this gasping beneath physicality when we consider what has become of human beings under a certain 19th-century worldview. People focused their attention solely on the physical, and because they focused solely on the physical, they concluded that human origins lay purely in the animal world. Even scientifically, human beings gasp for breath under the very bonds that tie them to their physicality. And it will hardly be easy to draw people’s attention to what lies at the root of this. For when you draw their attention to all this, people may come and say: “Do you really think you can refute the valid aspects of Darwinism? It’s all well proven, after all!” -- Certainly it is well proven, quite certainly it is well proven, but that is not the point; the point is that the sense of truth has changed. In light of this altered sense of truth, one can, of course, rigorously prove all these things. One must be out of touch with the present to fail to sense what this is actually about.

[ 11 ] Das alles hat aber seine praktischen Folgen! Mit einer ungeheuren Vehemenz steuert die äußere Kultur darauf hin, die Dinge, die gedacht werden, auch in das praktische Leben umzusetzen und innerhalb des praktischen Lebens überhaupt nicht mehr gelten zu lassen Impulse des Geistig-Seelischen. Und wie nahe ist man heute schon daran, solche Dinge geltend zu machen, zum Beispiel für die Pädagogik oder die Didaktik, für die Erziehung! Wie nahe ist man heute schon daran, solche Dinge für die Erziehung der kleinen Kinder geltend zu machen! Denken Sie aber, wenn es einmal dahin kommen wird, daß man nicht nur diejenigen Dinge fordern wird, welche man heute fordert dem kleinen Kinde gegenüber, sondern noch ganz andere Dinge, wenn es einmal dahin kommen wird, daß es allen Eltern zur Pflicht gemacht wird, ein Kind, das ein bestimmtes Alter erreicht hat - was dann durch wissenschaftlich-statistische Daten festgestellt sein wird -, von einem materialistischen Arzt auf seine vererbten Eigenschaften hin untersuchen zu lassen. Man wird mittlerweile aber das Schulwesen in verschiedene Kategorien eingeteilt haben, und nach der ärztlichen Untersuchung des materialistischen Arztes wird man dann die Kinder je nach ihrer «erblichen Belastung» in diese oder jene Schule stecken müssen, vielleicht auch schon in diesen oder jenen Kindergarten.

[ 11 ] But all of this has practical consequences! With tremendous vehemence, external culture is moving toward putting thoughts into practice in everyday life and no longer allowing impulses from the spiritual-soul realm to have any influence within that practical life at all. And how close we already are today to asserting such things—for example, in pedagogy or didactics, in education! How close we already are today to asserting such things in the education of young children! But just imagine if it ever comes to the point where people demand not only the things they demand of young children today, but entirely different things—if it ever comes to the point where all parents are required to have a child who has reached a certain age—which will then be determined by scientific and statistical data—examined by a materialistic doctor for their inherited characteristics. By then, however, the school system will have been divided into various categories, and following the medical examination by the materialistic doctor, children will have to be placed in this or that school—and perhaps even in this or that kindergarten—depending on their “hereditary burden.”

[ 12 ] Heute staunen die Menschen noch, wenn jemand von einer solchen Perspektive spricht. Aber gerade das ist das Schlimme, wenn man staunt. Man sollte gar nicht staunen über diese Dinge, denn wenn diejenige Form des Darwinismus, die heute theoretisch vertreten wird, wahr wäre, dann müßte es so gemacht werden. Das ist die Hauptsache: dann wäre das das einzige Mittel, und gewissenlos wäre es von den Menschen, wenn sie es nicht so machten. Es könnte etwa die Kleinigkeit passieren, die geringfügige Kleinigkeit, daß, sagen wir, einmal jemand, was weiß ich auf welche Art, den Arzt etwas beschwindelt hätte, und ein Arzt hätte ein Zeugnis ausgestellt, das nach der Ansicht anderer, die aber nicht offiziell dazu bestimmt sind, nicht richtig ist; während man das Kind in Abteilung zwei hätte bringen sollen, wo gewisse «erbliche Belastungen» vorhanden sind, hat man das Kind vielleicht in Abteilung fünf gebracht, wo nach dem ärztlichen Zeugnis die künftigen Genies sind, und dann könnte sich herausstellen, daß das Kind dann gescheiter geworden ist als derjenige, der es untersucht hat! Aber das könnte dann nur durch einen «Irrtum» geschehen. Daß so etwas möglich wäre, das würde ja wenig verschlagen, nicht wahr!

[ 12 ] Even today, people are still astonished when someone speaks from such a perspective. But that is precisely the problem with being astonished. One should not be astonished by these things at all, because if the form of Darwinism that is theoretically advocated today were true, then that is exactly how it would have to be done. That is the main point: then that would be the only way, and it would be unconscionable of people not to do it that way. A minor detail might occur—a trivial detail, for example—that, let’s say, someone once, in whatever way, deceived the doctor a little, and a doctor issued a certificate that, in the opinion of others who are not officially authorized to do so, is incorrect; whereas the child should have been placed in Ward Two, where certain “hereditary predispositions” exist, the child may have been placed in Ward Five, where, according to the medical certificate, the future geniuses are, and then it might turn out that the child has become smarter than the one who examined him! But that could only happen through an “error.” That something like that would be possible—well, that wouldn’t be very clever, would it!

[ 13 ] Das soll Ihnen nur einen Impuls geben, eine Anschauung darüber zu gewinnen,nach welcher Tendenz hin jene Richtung geht, die heute vielfach noch bloß theoretisch ist. Heute sind es nur die Fettaugen auf der Suppe, aber diese Fettaugen auf der Suppe werden immer mächtiger werden. Da wird immer mehr und mehr materialistisches Fett hineingegeben werden, und dann wird zuletzt der ganze Teller von diesem materialistischen Fett voll sein, und die Menschheit würde es auszulöffeln haben. Hier ist aber gerade der Punkt, wo die Menschen durch eine Weltanschauung dahin werden kommen müssen, die großen Gefahren, die in dem Praktischwerden der gegenwärtigen Theorien liegen, zu überwinden. Wenn einmal dasjenige, was in unserer Geisteswissenschaft ist, in einer großen Anzahl von Seelen innere seelische Lebendigkeit hat, dann wird man dem Menschen, bei dem die geisteswissenschaftlichen Wahrheiten innere seelische Lebendigkeit erlangt haben, nichts von allerlei «erblicher Belastung» vorreden können, sondern er wird sagen: Mögt ihr mir noch so viel nachweisen, was da meinem Vater, meiner Mutter, meinem Großvater, meiner Großmutter und so weiter gefehlt hat, ich weiß, daß ich außer dem, was ich in meinen Vererbungsimpulsen trage, noch jene Seele habe, die mit diesen Vererbungsimpulsen nichts zu tun hat, weil in der Zeit, als die vererbende, die vorhergehende Generation da war, diese Seele in der geistigen Welt zwischen dem Tod und der jetzigen Geburt war. Diese Kräfte trage ich ebenso in mir, und ich werde einmal sehen, ob ich die «erbliche Belastung» nicht besiegen werde! — Gewiß, solange man an die Vererbungstheorie glaubt, und solange nicht die geisteswissenschaftlichen Wahrheiten in Fleisch und Blut übergehen, so lange wird man die Vererbung nicht besiegen können. Besiegen wird man sie erst können, wenn die geisteswissenschaftlichen Begriffe wirklich lebendig werden in den Seelen und in Fleisch und Blut übergehen. Dazu aber muß noch vieles andere geschehen.

[ 13 ] This is simply meant to give you a sense of the direction in which this trend is heading—a direction that, in many ways, is still merely theoretical today. Today, it is merely the fat droplets on the surface of the soup, but these fat droplets will become increasingly powerful. More and more materialistic “fat” will be added to it, and eventually the entire plate will be filled with this materialistic “fat,” and humanity will have to spoon it out. But this is precisely the point at which people must arrive, through a worldview, at the ability to overcome the great dangers inherent in the practical application of current theories. Once what is contained in our Spiritual Science has attained inner spiritual vitality in a large number of souls, then no one will be able to talk about all sorts of “hereditary burdens” to a person in whom the truths of Spiritual Science have attained inner spiritual vitality; rather, that person will say: No matter how much you may try to prove to me what was lacking in my father, my mother, my grandfather, my grandmother, and so on, I know that, apart from what I carry in my hereditary impulses, I also have that soul which has nothing to do with these hereditary impulses, because at the time when the preceding generation—the one that passed on these traits—was alive, this soul was in the spiritual world between death and my present birth. I carry these forces within me as well, and one day I will see if I can overcome this “hereditary burden”! — Certainly, as long as one believes in the theory of heredity, and as long as the truths of Spiritual Science have not become second nature, one will not be able to overcome heredity. One will only be able to overcome it when the concepts of Spiritual Science truly come alive in people’s souls and become second nature. But for that to happen, much more must yet take place.

[ 14 ] Gewiß, man kann glauben, daß die geisteswissenschaftlichen Wahrheiten für diejenigen, die sie durchschauen werden, allmählich eine immer größere Überzeugungskraft gewinnen, aber manches andere wird doch hinzutreten müssen. Ich bin deshalb heute von der Einfügung eines Apergus über die Kunst ausgegangen. Bedenken Sie, wie weit sich das, was man heute die Wahrheit nennt, von Kunst und Dichtung entfernt hat seit der griechischen Zeit, wie im fünften nachatlantischen Zeitraum eine Kluft zwischen dem entstand, was die Menschen Wahrheit nennen und dem, was sie Kunst nennen. Aber das hat viel damit zu tun, wie das gegenwärtige Geschlecht, die gegenwärtige Menschheit sich überhaupt zur Kunst gestellt hat. Und da ist es wirklich nicht ohne Wert, wenn Sie einmal Umschau halten, wie die Menschen heute überhaupt zur Kunst stehen. Es gibt eine Kunst, bei der — weil sie vorzugsweise ihre Bedeutung für den fünften nachatlantischen Zeitraum und seine Folge hat — eben nicht gerade weltgeschichtliche Fehler gemacht werden können, nicht gerade, sage ich, gemacht werden können; bei der die Menschen auch heute gezwungen sind, auf das Künstlerische zu sehen: das ist die Musik. Einzig und allein in der Musik sind die Menschen heute geneigt, das Künstlerische anzuerkennen, weil sie durch die Natur der Musik gezwungen sind, die Musik nicht als eine Abbildung der äußeren Wirklichkeit anzusehen. Denn man kann nur in den alleräußersten Ausläufern des Musikalischen das Künstlerische verkennen. Wenn jemand nur da oder dort horchen würde, ob die Musik nachahmt ein Wellenrauschen oder ein Windessäuseln oder dergleichen, so würde man wissen, daß das, was da nachahmt das Wellenrauschen oder das Windessäuseln oder ähnliches, Nebensache ist in der Musik; daß es da auf ganz anderes ankommt, auf innere Gestaltung, die in Wirklichkeit nicht irgendwie äußerlich auf dem physischen Plan beobachtet werden kann. So ist die Musik durch ihre innere Natur davor geschützt, zu stark heruntergezogen zu werden in die Neigungen der fünften nachatlantischen Zeit.

[ 14 ] Certainly, one may believe that the truths of Spiritual Science will gradually gain ever greater persuasive power for those who come to understand them, but other factors will also have to come into play. That is why I began today by including an aperçu on art. Consider how far what is called “truth” today has strayed from art and poetry since Greek times, and how, in the fifth post-Atlantean epoch, a gulf arose between what people call “truth” and what they call “art.” But this has a great deal to do with how the present generation—present humanity—has positioned itself in relation to art in general. And in this regard, it is truly worthwhile for you to take a look around and see how people today relate to art in general. There is one art form in which—precisely because it is primarily significant for the fifth post-Atlantean epoch and its aftermath—world-historical errors cannot exactly be made; I say “cannot exactly be made”; in which people are compelled even today to look to the artistic: that is music. It is solely in music that people today are inclined to recognize the artistic, because the very nature of music compels them not to view it as a representation of external reality. For it is only in the very outermost reaches of music that one can fail to recognize the artistic. If one were to listen here and there to see whether music imitates the sound of waves or the rustling of the wind or the like, one would realize that what imitates the sound of waves or the rustling of the wind or similar phenomena is a secondary matter in music; that what really matters is something entirely different—inner form, which in reality cannot be observed externally on the physical plane in any way. Thus, by its very nature, music is protected from being drawn too strongly into the tendencies of the fifth post-Atlantean epoch.

[ 15 ] Weniger Anlagen hat die Gegenwart schon für die Poesie. Da treten diejenigen Dinge auf, welche vom Künstlerischen in das Nichtkünstlerische führen, und in mancher Betätigung der Poesie treten diese Dinge ganz besonders auf. Wie viele Leute werden heute noch eine wirkliche Empfindung für das Künstlerische in der Poesie haben, so wie man ein Empfinden für das Künstlerische in der Musik haben muß? Die meisten Menschen fragen, wenn ihnen irgend etwas entgegentritt: Stimmt das mit dem oder jenem Vorbilde in der Wirklichkeit draußen? Ja, wir haben eine ganze Kunst des Naturalismus, die alles Poetische nur mehr nach der Übereinstimmung mit der äußeren, physischen Wirklichkeit beurteilt, während es bei der Poesie Nebensache ist, ob irgend etwas mit der äußeren, physischen Wirklichkeit übereinstimmt. Es hat für eine Dichtung genau ebensowenig Wert, ob eine Persönlichkeit darin im äußeren, physischen Sinne wahrheitsgetreu gezeichnet ist, oder ob eine musikalische Leistung Windesbrausen oder Meereswellenspiel nachnahmt. So daß man sagen kann, das gegenwärtige Geschlecht ist für die Poesie schon weniger veranlagt als für die Musik. In Wahrheit kommt es nicht darauf an, ob ich in vier Strophen irgend etwas, was mit der oder jener Wirklichkeit stimmt, schildere, sondern darauf, wie die zweite Strophe aus der ersten, wie die dritte aus den zwei ersten entsteht und so weiter; bei einem Sonett kommt es nicht darauf an, dies oder jenes auszudrücken, sondern, wie verschlingen sich: vier, vier, drei, drei Zeilen; die vier Zeilen, wie verschlingen sich diese? Was leben darin für innere Impulse - ähnlich den Melodien oder dem Harmonischen, aber eben übertragen auf das Gebiet des Vorstellungslebens, auf das Gebiet des Lautes? — Dafür ist sogar recht wenig Empfinden vor handen.

[ 15 ] The present age has fewer inclinations toward poetry. This is where those elements come into play that lead from the artistic to the non-artistic, and in certain forms of poetic expression, these elements are particularly evident. How many people today still have a genuine appreciation for the artistic in poetry, just as one must have an appreciation for the artistic in music? When confronted with something, most people ask: Does this correspond to this or that model in the reality out there? Yes, we have an entire art of naturalism that judges everything poetic solely by its correspondence to external, physical reality, whereas in poetry it is a secondary matter whether anything corresponds to external, physical reality. It is just as irrelevant to a work of poetry whether a character is portrayed truthfully in the external, physical sense, or whether a musical composition imitates the roar of the wind or the play of ocean waves. So one might say that the present generation is less inclined toward poetry than toward music. In truth, what matters is not whether I describe something in four stanzas that corresponds to this or that reality, but rather how the second stanza emerges from the first, how the third from the first two, and so on; in a sonnet, what matters is not expressing this or that, but how the lines intertwine: four, four, three, three lines; the four lines—how do they intertwine? What inner impulses live within them—similar to melodies or harmony, but transferred to the realm of the imagination, to the realm of sound? —I have very little feeling for this.

[ 16 ] Eine Frau, eine sehr geistreiche Frau überreichte mir einmal eine Novelle - es ist lange her, etwa dreißig Jahre — und sagte, ich möchte diese Novelle lesen und ihr mein Urteil sagen. Diese Novelle war so geartet — man hatte es mit einer sehr geistreichen Frau zu tun -, daß etwas erzählt war, wie man eben ein äußeres Ereignis erzählt, so daß ich mich genötigt fand zu sagen: Die ganze Sache erfordert, daß Sie vor allen Dingen eine Gliederung vornehmen, daß Sie gewissermaßen drei novellistische Strophen herausarbeiten, eine erste novellistische Strophe - ich meine jetzt im bildlichen Sinne -, eine zweite, eine dritte, und daß da ein inneres Gefüge, eine innere Struktur künstlerischer Art hineinrage. — Sie hätten nur sehen sollen, wie mich die betreffende Dame angeschaut hat — so etwas zu verlangen! Was — sagte sie —, drei Strophen soll ich machen? - so ironisierte sie meinen Ratschlag.

[ 16 ] A woman—a very witty woman—once gave me a short story—it was a long time ago, about thirty years—and told me to read it and give her my opinion. This novella was of such a nature—one was dealing with a very witty woman—that it was told in the same way one would recount an external event, so that I found myself compelled to say: “The whole thing requires that, first and foremost, you create an outline—that you, so to speak, develop three ‘stanzas’ of the novella: a first ‘stanza’—I mean this in a figurative sense—a second, a third—and that an inner framework, an artistic structure, be woven into it.” — You should have seen the look that lady gave me—to demand something like that! “What,” she said, “am I supposed to write three stanzas?”—that’s how she mocked my advice.

[ 17 ] Dann die nächste Kunst, für die das gegenwärtige Geschlecht noch weniger Veranlagung hat, das ist die Malerei. Von der Malerei, wie sie sich herauslebt aus Form und Farbe, wie sie das Künstlerische sehen muß und nicht darauf zu sehen hat: Wie ist dasjenige, was da abgebildet ist, dem oder jenem äußerlich physisch ähnlich? Es kann auch in der physischen Ähnlichkeit das Künstlerische liegen, zum Beispiel beim Porträtieren oder bei ähnlichem, aber dann kommt es auf ganz anderes an als auf das Abbildliche. Da kommt es darauf an, daß gerade durch die Art und Weise der Behandlung dieses Künstlerische herauskommt. Und davon ist in der Menschheit gegenwärtig furchtbar wenig vorhanden. Was die Menschen in der Malerei heute zuerst beurteilen, das ist durchaus damit zu vergleichen, wenn man in der Musik die Ähnlichkeit einer Melodieform oder dergleichen mit irgend etwas AußerlichNatürlichem beurteilen will.

[ 17 ] Then there is the next art form, for which the present generation has even less aptitude: painting. Painting, as it expresses itself through form and color, must focus on the artistic rather than on the external: How does what is depicted there resemble this or that person physically? The artistic quality can also lie in physical resemblance—for example, in portraiture or similar genres—but then what matters is something entirely different from mere representation. What matters is that the artistic quality emerges precisely through the manner in which the subject is treated. And there is currently very little of this to be found among humanity. What people judge first and foremost in painting today is entirely comparable to judging, in music, the resemblance of a melodic form or the like to something external and natural.

[ 18 ] Allerdings, der Herabstieg von der Musik zur Poesie wird auch noch in anderer Weise bemerkt, ist in der Gegenwart auch noch in anderer Weise bemerklich. Für ein musikalisches Genie mag sich jemand halten, aber lernen muß er doch etwas, doch die poetischen Genies betrachten es heute schon als etwas ganz Schreckliches, wenn sie etwas für das feinere Technische gelernt haben sollen. Und fast ist eine ähnliche Neigung schon mit Bezug auf das Malerische oder dergleichen vorhanden.

[ 18 ] However, the decline from music to poetry is also evident in other ways; it is also noticeable in other ways in the present day. Someone may consider himself a musical genius, but he must still learn something; yet poetic geniuses today already regard it as something utterly dreadful if they are expected to have learned anything regarding finer technical skills. And a similar tendency is already almost present with regard to painting or the like.

[ 19 ] Noch weiter geht man aber allerdings herab in bezug auf das Verständnis der Gegenwart, wenn man sich zur Skulptur wendet. Da kommt schon fast gar nichts anderes mehr in Betracht, wenn die Menschen urteilen, als dasjenige, was etwa herauskäme, wenn eine Tonfolge gehört würde und man suchte die ganze Nacht über, welcher Naturerscheinung sie ähnlich wäre. Die meisten Urteile, die über die Plastik, die über die Skulptur gefällt werden, sind eigentlich von dieser Art, und gerade an der Skulptur kann man erst sehen, daß wiederum ein Verständnis für die Skulptur eintreten wird, wenn Geisteswissenschaft in der menschlichen Persönlichkeit lebendig gesucht werden kann. Erinnern Sie sich an manches, was ich hier vorgebracht habe — und gerade absichtlich hier vorbringen mußte — über die Art und Weise des Sich-Einfühlens in den Raum oben und unten, rechts und links, vorne und rückwärts —, erinnern Sie sich an alle diese Auseinandersetzungen. Erinnern Sie sich an jene Auseinandersetzungen, die ich über die linke und rechte Seite des Menschen gemacht habe und gedenken Sie, wie sehr das ausgebildet werden kann, dieses Erleben des Atherleibes des Menschen, der die physischen Formen erst gestaltet, ein Erleben, das der Grieche instinktiv hatte, das dem fünften nachatlantischen Zeitraum verlorengegangen ist, das wieder erstehen muß. Man kann schon sagen: Die Zeit muß kommen, wo die Skulptur so erfaßt werden wird, daß all das weggelassen wird, was heute die Leute zu ihrem Urteil drängt, und daß all das aufgenommen wird, wozu gegenwärtig die Menschen sich nur in bezug auf die Musik bequemen.

[ 19 ] However, one descends even further in terms of understanding the present when one turns to sculpture. When people pass judgment on it, they can hardly consider anything other than what might result, for example, if one heard a sequence of notes and spent the whole night trying to determine which natural phenomenon it resembled. Most judgments made about plastic art—about sculpture—are actually of this kind, and it is precisely in sculpture that one can first see that an understanding of sculpture will return when Spiritual Science can be actively sought within the human personality. Recall some of what I have presented here—and had to present here specifically—regarding the manner of empathizing with space above and below, to the right and left, in front and behind—recall all these discussions. Recall those discussions I have had regarding the left and right sides of the human being, and consider how deeply this experience of the human etheric body—which first shapes the physical forms—can be developed; an experience that the Greeks possessed instinctively, that was lost during the fifth post-Atlantean epoch, and that must be revived. One can already say: The time must come when sculpture will be understood in such a way that everything which today compels people to form their judgments is set aside, and that everything is embraced which people currently only allow themselves to experience in relation to music.

[ 20 ] Von der Architektur gar nicht zu sprechen! Denn wenn in der Gegenwart die Menschen nicht gezwungen wären, ihre Stühle irgendwo im Zimmer hinzustellen mit dem Tisch, und da eine Hülle drum zu machen, und wenn sie nicht gezwungen wären, irgendwie hineinzugehen in die Zimmer und hinauszuschauen ins Freie, dann würden sie heute überhaupt keine Formen finden, die irgendwie eine architektonische Ausgestaltung bedeuten. Denn was tun schon Architekten? Sie studieren Renaissanceformen, klassische Formen, das heißt, sie ahmen nach, weil man doch nicht überall bloße Würfelformen oder polyedrische oder ähnliche Schachteln hinstellen kann, Kästen hinstellen kann. Daß die Architektur wieder Formen wird gebären können, das wird ganz davon abhängen, daß die Menschen neuerlich lernen zu empfinden, wie sich das Weltschöpferische in die Formen hineinergießt. Denn das mußte verlorengehen in der Zeit des Individualismus. Und so ist es schon notwendig, es wieder zu beleben; notwendig, daß zu dem, was wiederum Leben in die Vorstellungen der menschlichen Seele bringen soll, auch die Auffassung des Künstlerischen hinzutritt, daß das Künstlerische wesentlich mitwirkt. Deshalb ist es gut, daß eine Anzahl unserer lieben Freunde nicht bloß theoretische Vorträge über die Kunst innerhalb unserer geisteswissenschaftlichen Bestrebungen gehört haben, sondern auch tatkräftig mitgewirkt haben an dem Schaffen von gewissen Formen und sonstigem Künstlerischem, wenn auch das, was da entsteheh kann, erst ein Anfang für etwas Zukünftiges ist.

[ 20 ] Not to mention architecture! For if people today weren’t forced to place their chairs somewhere in the room along with the table and build a shell around them, and if they weren’t forced to somehow enter the rooms and look out into the open, then they wouldn’t find any forms at all today that in any way constitute architectural design. For what do architects actually do? They study Renaissance forms, classical forms—that is, they imitate them, because one cannot simply place mere cubic forms or polyhedral or similar boxes everywhere. Whether architecture will once again be able to give birth to forms will depend entirely on people learning anew to sense how the creative force of the world pours itself into these forms. For this had to be lost in the age of individualism. And so it is already necessary to revive it; it is necessary that, alongside what is to bring life back into the mental images of the human soul, the understanding of the artistic also be incorporated—that the artistic play an essential role. That is why it is good that a number of our dear friends have not merely listened to theoretical lectures on art within the context of our efforts in Spiritual Science, but have also actively participated in the creation of certain forms and other artistic works—even if what may arise from this is only a beginning for something yet to come.

[ 21 ] Ich möchte sagen, die letzte Zufluchtsstätte, welche sich die Weltanschauungsleute der Gegenwart gewählt haben, das ist das, was sie nennen: die von der äußeren Erfahrung belehrte Vernunft. Mit dieser von der äußeren Erfahrung belehrten Vernunft haben die Menschen nun die gegenwärtige Weltanschauung des Materialismus gezimmert, und immer mehr und mehr sollen die rein mechanischen und biologischen, physikalischen, chemischen Begriffe auch für die Weltanschauung maßgebend werden, und man hat keine Neigung, einzugehen auf den Lebendigkeitswert der Begriffe, auf die Art und Weise, wie sie die Seele beleben können. Ich habe es ausdrücklich betont, daß die großen Fortschritte der naturwissenschaftlichen Forschung von unserer Geisteswissenschaft anerkannt werden müssen, daß wir uns nicht dadurch bloßstellen und blamieren sollen, daß wir immerfort gegen die naturwissenschaftlichen Fortschritte wettern. Man wettert auch nur so lange dagegen, solange man sie nicht kennt. Wenn man sie kennenlernt, bekommt man schon einen imponierenden Eindruck. Und das sollten wir uns wirklich gesagt sein lassen, daß wir nicht sollten schimpfen auf die Naturwissenschaft, weil wir zur Geisteswissenschaft gehören, wenn wir von keiner einzigen Naturwissenschaft einen irgendwie gearteten Begriff haben. Aber wir wollen noch einmal den Blick auf dasjenige wenden, was an Weltanschauungswerten in der gegenwärtigen Wissenschaft ist, oder vielmehr auf die Art und Weise, wie die gegenwärtigen wissenschaftlichen Begriffe gerade die bedeutenden Weltanschauungswerte werden können. Wir leben heute in einer schweren, in einer bedrückenden Zeit. Wir sehen, wie unendlich bedrückend der Tod über weite Flächen schreitet. Wir sehen, wie Leid und Schmerzen sich ausbreiten, ein Bild, das jede Seele heute vor sich hinstellen sollte. Gerade in unserer heutigen Zeit ist es so bedrückend, wenn die Seelen die Blicke ablenken von den großen Weltereignissen und sich so sehr mit ihren eigenen, persönlichen Angelegenheiten befassen. Von diesem Gesichtspunkte aus, meine lieben Freunde, hat es mir zum Beispiel im verlaufenen Jahre so unendlichen Schmerz bereitet, daß so viel Persönliches gerade in unseren Reihen zutage getreten ist in einer Zeit, wo die großen Menschheitsinteressen so intensiv an unsere Seele herantreten könnten. Aber ich will von dem und jenem gar nicht sprechen, ich will nur einmal darauf aufmerksam machen.

[ 21 ] I would like to say that the last refuge chosen by today’s ideologues is what they call “reason informed by external experience.” With this reason informed by external experience, people have now constructed the current worldview of materialism, and more and more, purely mechanical, biological, physical, and chemical concepts are to become decisive for the worldview as well, and there is no inclination to consider the vitality of these concepts—the way in which they can enliven the soul. I have expressly emphasized that the great advances in scientific research must be acknowledged by our Spiritual Science, and that we should not make fools of ourselves or bring disgrace upon ourselves by constantly railing against scientific progress. One rails against it only as long as one is unfamiliar with it. Once one becomes acquainted with it, one is already left with an impressive impression. And we really ought to take this to heart: we should not rail against natural science simply because we belong to Spiritual Science, if we have no understanding whatsoever of even a single branch of natural science. But let us turn our attention once more to the worldview values present in contemporary science—or rather, to the way in which contemporary scientific concepts can become significant worldview values. We are living today in a difficult, oppressive time. We see how infinitely oppressive death is sweeping across vast expanses. We see how suffering and pain are spreading—a picture that every soul should hold before its eyes today. Especially in our present age, it is so distressing when souls turn their gaze away from the great events of the world and concern themselves so much with their own personal affairs. From this perspective, my dear friends, it has caused me, for example, such infinite pain over the past year that so many personal matters have come to light right within our own ranks at a time when the great concerns of humanity could be touching our souls so intensely. But I do not wish to speak of this or that; I merely wish to draw attention to it.

[ 22 ] Wie stehen einem solchen übermächtigen Zeitereignisse dieMenschen der Gegenwart gegenüber? Da kann es die einen geben, die sagen: Tritt uns denn nicht die Vergänglichkeit des Physischen gerade in dieser Zeit, wo wir Tausende und Tausende Tode über die Erde hingehen sehen, so sehr vor Augen, daß die Menschen in sich beleben müssen alles dasjenige, was in ihnen an Vorstellungen von den ewigen Kräften der Menschenseele erstehen kann? Sind denn nicht gerade diese Ereignisse geeignet, die menschlichen Gedanken hinzuleiten zu den ewigen Kräften der Menschenseele? Und so könnte man sich denken, daß vielleicht jemand, der schon sehr geneigt war, sich ganz Ahriman, das heißt, dem Materialismus zu ergeben, gerade durch die Gewalt der gegenwärtigen Eindrücke von der Nichtigkeit des Vergänglichen, von dem Hinwelken des Vergänglichen gemahnt würde, die Blicke zum Ewigen hinzuwenden. Denkbar wäre das. Sehen wir aber manches, was in der Wirklichkeit zutage tritt, nehmen wir einen der ausgezeichnetsten naturwissenschaftlichen Weltanschauungsmenschen der Gegenwart, nehmen wir Ernst Haeckel. Welches ist der ungefähre Inhalt der «Ewigkeitsgedanken» Ernst Haeckels? Er sagt: Man sieht in der Gegenwart, wie unzählige Menschen durch den Tod gehen, wie ein unerklärliches Schicksal in das physische Erdenleben des Menschen hereinbricht — ich drücke es jetzt mit unseren Worten aus, Sieht man daraus nicht, wie wertlos jeder Gedanke an die Ewigkeit der Menschenseele ist, wenn man sieht, daß die Menschen so hingemäht werden können? Ist das nicht ein Beweis dafür, daß die naturwissenschaftliche Weltanschauung recht hat, wenn sie sagt: Nichts von einem Sinn ragt über das bloße PhysischLeibliche hinaus? Ist das, was wir jetzt erleben, nicht ein Beweis dafür, daß die unrecht haben, die von einer Ewigkeit der Menschenseele reden?

[ 22 ] How do people today respond to such overwhelming historical events? There may be some who say: Doesn’t the transience of the physical world strike us so clearly—especially at this time, when we see thousands upon thousands of deaths sweeping across the earth—that people must awaken within themselves all that can arise in them in the form of mental images about the eternal forces of the human soul? Aren’t these very events particularly suited to directing human thoughts toward the eternal forces of the human soul? And so one might imagine that perhaps someone who was already very inclined to surrender completely to Ahriman—that is, to materialism—might be prompted, precisely by the force of the present impressions of the futility of the transitory, of the withering away of the transitory, to turn their gaze toward the eternal. That would be conceivable. But let us look at some of what is actually coming to light; let us take one of the most distinguished contemporary scientists with a worldview rooted in natural science—let us take Ernst Haeckel. What is the general content of Ernst Haeckel’s “thoughts on eternity”? He says: One sees in the present how countless people pass through death, how an inexplicable fate breaks into human physical life on earth—I’ll put it in our own words now: Doesn’t this show how worthless any thought of the eternity of the human soul is, when one sees that people can be mowed down like this? Is this not proof that the scientific worldview is correct when it says: Nothing of any significance extends beyond the mere physical body? Is what we are now experiencing not proof that those who speak of the eternity of the human soul are wrong?

[ 23 ] Man kann nicht sagen, daß derjenige, der von den jetzigen Begriffen aus durch die gegenwärtigen Zeitereignisse auf Ewigkeitskräfte in der Menschenseele aufmerksam gemacht würde, logischer wäre als jener, der sagt: Wir sehen doch die Menschen hinsterben durch das, was ich nur Zufall nennen kann! Wie soll man glauben, daß wirklich Sinn in der menschlichen Entwickelung ist oder Ewigkeitswerte da sind! — Man kann nicht sagen, daß der eine logischer oder unlogischer ist von der Gegenwart aus. Sie können nicht die einen Gedanken logisch, die andern unlogisch finden, wenn Sie gerade mit der Logik ernsthaft zu Rate gehen. Denn wer so streitet, erinnert an dasjenige, was in den gegenwärtigen wissenschaftlichen Errungenschaften liegt. Man kann diese wirklich unendlich bewundern. Man kann sagen: Wozu hat es diese chemische, wozu hat es die mechanische Wissenschaft gebracht! Sie hat es vielleicht dazu gebracht, ganz Wunderbares zu leisten, wenn es sich darum handelt, dies oder jenes zum menschlichen Fortschritt herbeizuführen, aber sie hat ihre wunderbaren Errungenschaften ebenso dazu benutzt, um sehr geistvoll greuliche Mordinstrumente zu schaffen. Das eine ist dieser Wissenschaft ganz genau ebenso möglich wie das andere. Diese Wissenschaft kann ganz neutral sein. Sie kann das wunderbarste Instrument herstellen zur Erforschung der Geheimnisse der Natur, und durch dieselben Errungenschaften die greulichsten Mordinstrumente! Und so ist diese Wissenschaft überhaupt. Sie kann beweisen aus den erschütternden Ereignissen heraus, daß die Menschenseelen nicht aufgehen könnten in der Vergänglichkeit, und: daß gerade diese Ereignisse beweisen — das kann sie ebenso gut nachweisen! —, daß diese Seele der Menschen etwas Vergängliches ist. Diese Wissenschaftsbegriffe sind ganz neutral.

[ 23 ] One cannot say that the person who, based on current concepts and through present-day events, is made aware of eternal forces in the human soul is more logical than the one who says: “After all, we see people dying because of what I can only call chance!” How can one believe that there is truly meaning in human development or that eternal values exist! — One cannot say that one view is more or less logical based on the present. You cannot deem one set of ideas logical and the other illogical if you are seriously consulting logic. For whoever argues in this way is reminiscent of what lies at the heart of current scientific achievements. One can truly admire these achievements infinitely. One might say: What has chemical science achieved, and what has mechanical science achieved! It may have led to truly marvelous accomplishments when it comes to bringing about this or that for human progress, but it has also used its marvelous achievements to create ingeniously horrific instruments of murder. One is just as possible for this science as the other. This science can be entirely neutral. It can produce the most marvelous instruments for exploring the mysteries of nature, and—through those very same achievements—the most horrific instruments of murder! And that is the nature of this science. It can prove, based on harrowing events, that human souls cannot be absorbed into transience, and—it can prove this just as well!—that these very events demonstrate that the human soul is something transitory. These scientific concepts are entirely neutral.

[ 24 ] Es muß etwas Positives kommen, es muß die Botschaft, die Kundschaft, die Offenbarung von den geistigen Welten kommen, und diese geistigen Welten müssen durch ihre innere Kraft wirken! Sie wissen, dasjenige, was durch diese Offenbarungen kommt, wird nicht im Widerspruch, sondern im vollen Einklange gerade mit den naturwissenschaftlichen Errungenschaften stehen, aber es kann nicht aus ihnen heraus kommen. Deshalb behaupten diejenigen etwas ganz Unsinniges, die glauben, daß sich jemals die naturwissenschaftlichen Begriffe zu einer befriedigenden Weltanschauung heranentwickeln werden. Zu den naturwissenschaftlichen Begriffen hinzu muß die geistige Forschung kommen, und darin liegt der Weg, wie man aus den großen Gefahren der Gegenwart herauskommen kann. Der Blick muß darauf hingelenkt werden, daß die abschüssige Bahn diejenige ist, die gerade mit dem allergrößten Fortschritte verbunden ist, und daß die aufwärtssteigende Bahn diejenige ist, die aus der Offenbarung des geistigen Lebens kommen muß. Allein und einzig in diesem Tatbestand der Weltereignisse müssen wir schon radikal sein. Das ist es, worauf es ankommt. Nur Geisteswissenschaft wird in der Lage sein, wiederum etwas über tieferliegende Geheimnisse zu sprechen.

[ 24 ] Something positive must come; the message, the revelation from the spiritual worlds must come, and these spiritual worlds must work through their inner power! You know that what comes through these revelations will not contradict, but will be in full harmony with the achievements of natural science—yet it cannot arise from them. That is why those who believe that the concepts of natural science will ever develop into a satisfactory worldview are asserting something completely nonsensical. Spiritual research must be added to the concepts of natural science, and therein lies the path to escaping the great dangers of the present. We must recognize that the downward path is precisely the one associated with the greatest progress, and that the upward path is the one that must come from the revelation of spiritual life. We must be radical solely and exclusively in regard to this reality of world events. That is what matters. Only Spiritual Science will be in a position to speak once again of deeper mysteries.

[ 25 ] Wahrhaftig, meine lieben Freunde, das ist nicht leicht, daß die Anschauung von dem Karma in die Seelen einzieht. Das wird erst geschehen, wenn eine größere Anzahl von Menschen in der Lage ist, die Eingeengtheit von solchen Begriffen, wie «erbliche Belastung», die Ungültigkeit und Unfruchtbarkeit solcher Begriffe einzusehen und hinzuschauen auf dasjenige, was in den Seelen lebt. Dann, wenn die Menschen kommen und ein Kind sehen werden, von dem der physische Arzt sagt: Das lebt sich so und so aus, aber da ist nichts zu helfen, denn der Vater war so, die Mutter war so, der Großvater war so, die Großmutter so und so weiter, da muß man resignieren —, wenn das der physische Arzt sagt, dann müssen die Menschen ein Empfinden dafür haben, daß auch das wahr sein kann, daß darin eine Seele ist, die zu ganz anderem sich vorbereitet hat, als was der physische Arzt glaubt nach der Vererbung, zu ganz etwas anderem zwischen ihrem letzten Tod und der neuen Geburt, und daß vor allen Dingen das nicht brach liegen darf, sondern überhaupt diese Kräfte entwickelt werden müssen. Stimmen in der Welt müssen die geistigen Erkenntnisse werden, und als gewissenlos wird man es empfinden können, wenn man den Blick nicht hinwendet auf dasjenige, was geistig-seelisch ist. Einsehen wird man müssen, daß diese geistigen Eigenschaften, wenn man während der Erziehung den Blick nicht darauf hinwendet, eben latent bleiben. Denn in einem gewissen Lebensalter ist die Körperlichkeit schon zum Ausdruck gebracht, da kann der Geist nicht mehr durch, und dann bleibt es für die betreffende Inkarnation brach liegen, was man hätte bemerken müssen.

[ 25 ] Truly, my dear friends, it is not easy for the concept of karma to take root in people’s souls. This will only happen when a larger number of people are able to recognize the narrowness of concepts such as “hereditary burden”—the invalidity and fruitlessness of such concepts—and to look instead at what lives within the soul. Then, when people come and see a child about whom the physical doctor says: “This is how it manifests itself, but there’s nothing that can be done, because the father was like this, the mother was like that, the grandfather was like this, the grandmother was like that, and so on,” one must resign oneself—if the physical doctor says this, then people must have a sense that this, too, can be true: that there is a soul within who has prepared herself for something entirely different from what the physical doctor believes based on heredity—for something entirely different between her last death and her new birth—and that, above all, this must not be left fallow, but rather these forces must be developed at all costs. Spiritual insights must become voices in the world, and one may perceive it as unconscionable if one does not turn one’s gaze toward that which is spiritual and soulful. One will have to realize that these spiritual qualities remain latent if one does not turn one’s attention to them during the course of education. For at a certain age, physicality has already come to the fore; the spirit can no longer break through, and then what one should have noticed remains untapped for that particular incarnation.

[ 26 ] Hier gewinnt Geisteswissenschaft praktische Bedeutung. Das möchte man, daß diese praktische Bedeutung eingesehen werde. Das sind die Dinge, die ich im Zusammenhang mit dem Gestrigen noch vor Ihre Seele heute bringen wollte.

[ 26 ] This is where Spiritual Science takes on practical significance. It is my hope that this practical significance will be recognized. These are the things I wanted to bring to your attention today in connection with yesterday’s discussion.