The Present and the Past in the Human Spirit
GA 167
11 April 1916, Berlin
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The Present and the Past in the Human Spirit, tr. SOL
5. Die Uroffenbarung der Menschheit
5. The Original Revelation to Humanity
[ 1 ] In der schweren Zeit, in der wir leben, und deren Schwierigkeiten täglich neu und vergrößert fühlbar werden, ziemt es sich wohl, gerade solche Betrachtungen hier in unserem Kreise anzustellen, welche geeignet sind, uns bekannt zu machen mit den großen geschichtlichen Menschheitszielen und Menschheitsimpulsen. Dabei liegt der Gedanke zugrunde, daß es gerade tief, tief nötig ist in unserer Zeit, sich an das Große, Bedeutungsvolle, das sich aus der geistigen Welt uns offenbaren kann, zu wenden, weil dasjenige, was wir jetzt durchleben, ganz gewiß Zeiten heraufbringen wird, in denen man gar sehr bedürftig sein wird desjenigen, was der Menschenseele Stärkung und Kraft und Trost und Hoffnung und Zuversicht aus den geistigen Welten heraus bringen kann. Wir müssen diesen Gedanken um so mehr hegen, als wir zugleich in einer Zeit leben, in der richtige geistige Vertiefung, das heißt Vertiefung in das wahre Geistesleben, das der Mensch braucht, wiederum für die Menschheit unendlich schwierig ist, unermeßlichen Hindernissen eigentlich begegnet. Es sind Hindernisse, für die in einem gewissen höheren Sinne der Mensch der Gegenwart eigentlich gar nichts kann, die sich ihm auftürmen einfach aus den Bedingungen und Entwickelungsimpulsen der Gegenwart heraus, die ihn zurückhalten vor einem wahren Ergreifen des geistigen Lebens, wie es eben so nötig wird, nötiger, möchte man sagen, in unserer Gegenwart von Woche zu Woche, und besonders nötig sein wird in der Zeit, die auf die unsrige nahe folgt, und die in vielen Beziehungen keineswegs leichter sein wird als diejenige unserer unmittelbaren Tage.
[ 1 ] In these difficult times in which we live—times in which the hardships are felt anew and with increasing intensity every day—it is surely fitting to engage in reflections within our circle that are suited to familiarizing us with the great historical goals and impulses of humanity. Underlying this is the idea that it is deeply, deeply necessary in our time to turn to the great and meaningful things that can be revealed to us from the spiritual world, because what we are now going through will most certainly bring about times in which people will be in great need of that which can bring the human soul strength, power, comfort, hope, and confidence from the spiritual worlds. We must cherish this thought all the more because we are living at a time when true spiritual deepening—that is, deepening into the true spiritual life that human beings need—is, in turn, infinitely difficult for humanity and actually encounters immeasurable obstacles. These are obstacles for which, in a certain higher sense, people of the present day are actually not at all to blame; they simply arise from the conditions and developmental impulses of the present, holding people back from truly embracing spiritual life—which is becoming so necessary, one might say even more necessary, in our present time from week to week, and will be especially necessary in the time that closely follows our own—a time that, in many respects, will by no means be any easier than that of our immediate present.
[ 2 ] Nun habe ich versucht, Betrachtungen anzustellen vor Ihnen in den vorangehenden Stunden über den Zusammenhang gewisser, in einzelnen geistigen Gemeinschaften gepflogener Erkenntnisse und Verrichtungen mit dem allgemeinen Entwickelungsgange der Menschheit. Heute möchte ich diese Betrachtungen in einer gewissen Beziehung vertiefen, obwohl dasjenige, was ich zu sagen habe, ganz unabhängig sein wird von dem, was gesagt worden ist und ohne das auch verstanden werden kann. Nur darauf möchte ich noch einmal aufmerksam machen, daß ich ja ausgeführt habe, wie gewissermaßen über die ganze gegenwärtige gebildete Welt, auch über die ungebildete, ja, vielleicht sogar noch mehr, wenn auch in anderem Sinne, gewisse Menschengemeinschaften verbreitet sind, welche okkultes Wissen pflegen und welche auch okkultes Wissen, wie ich ja gezeigt habe, dazu verwenden, um es in einer gewissen Weise einfließen zu lassen in dasjenige, was sie tun und wodurch sie versuchen, den Entwickelungsgang der Menschheit in ihrer Art im Rechten oder im Nicht-Rechten zu beeinflussen. Nun ist eines bemerkbar in einem großen Teile solcher geistigen Gemeinschaften, namentlich derjenigen, die diese geistigen Gemeinschaften heraufentwickelt haben bis in unsere Zeit und dasjenige, was in unserer Zeit als eine besondere Notwendigkeit neu hereintreten muß in solchen Gemeinschaften, noch nicht verstehen, die also zwar die alten Traditionen haben, die alten Überlieferungen, aber noch nicht verstehen, was hineinkommen muß durch dasjenige, was sich jetzt offenbart aus der geistigen Welt heraus. Bei diesen geistigen Gemeinschaften also, die noch nicht auf der vollen Höhe der Zeit stehen können, ist gewissermaßen eine gemeinsame Formel da, die eine große Reihe dieser Gemeinschaften beherrscht. Und diese Formel ist die, durch die sie sprechen von der schöpferischen Gewalt, welche die Welten durchpulst und durchzieht. Wenn sie ihren Sinn richten wollen auf diese schöpferischen Gewalten, die die Welt durchpulsen und durchziehen, auf das Göttlich-Geistige also, was die Welt durchpulst und durchzieht, so sprechen diese Gemeinschaften von dem «erhabenen Baumeister der Welt». Das ist eine vielgebrauchte Formel: von dem erhabenen Baumeister der Welt.
[ 2 ] In the past few hours, I have attempted to present some reflections to you on the connection between certain insights and practices cultivated in individual spiritual communities and the general course of human development. Today I would like to delve deeper into these reflections in a certain respect, although what I have to say will be entirely independent of what has been said and can be understood without it. I would just like to draw your attention once more to the fact that I have already explained how, in a sense, throughout the entire educated world today—and even among the uneducated, indeed, perhaps even more so, albeit in a different sense, certain human communities are widespread that cultivate occult knowledge and that also use occult knowledge—as I have shown—to infuse it, in a certain way, into what they do, thereby attempting to influence the course of human development, in their own way, for better or for worse. Now, one thing is noticeable in a large portion of such spiritual communities—namely, those that have developed these spiritual communities up to our time—and they do not yet understand what must now emerge anew in such communities as a special necessity in our time; that is, although they possess the old traditions and the old teachings, but do not yet understand what must be incorporated through that which is now revealing itself from the spiritual world. In these spiritual communities, then, which are not yet able to stand at the full height of the times, there is, so to speak, a common formula that dominates a large number of them. And this formula is the one through which they speak of the creative power that pulses through and permeates the worlds. When they wish to direct their attention to these creative forces that pulse through and permeate the world—that is, to the divine-spiritual that pulses through and permeates the world—these communities speak of the “sublime Architect of the World.” This is a frequently used expression: the sublime Architect of the World.
[ 3 ] Für denjenigen, der aus der Geisteswissenschaft heraus den Gang der Menschheitsentwickelung kennt, beweist die Tatsache, daß gesprochen wird, sagen wir zum Beispiel in gewissen maurerischen Gemeinschaften, aber auch in anderen, von dem erhabenen Baumeister der Welten, das uralte Bestehen solcher Gemeinschaften und ihr Zurückgehen auf uralte Einrichtungen. Es beweist, daß alles dasjenige, was historisch mit einem gewissen Rechte gesagt werden kann über ein späteres Entstehen solcher Gemeinschaften, unrichtig ist, daß in Wahrheit solche Gemeinschaften doch weit, weit zurückgehen, wenn sie auch früher andere Formen gehabt haben, und zwar in ununterbrochener Folge zu uralten Gemeinschaften, die da im vierten nachatlantischen Zeitraum bei den Griechen, bei den Römern, aber auch bei den alten Ägyptern bestanden haben, ja, wir könnten noch weiter zurückgehen. Und von diesen Gemeinschaften uralter Zeiten leiten sich dann auch die gegenwärtigen Gemeinschaften her, die solcher Art sind, wie ich es beschrieben habe, nur daß diese gegenwärtigen gleichsam nicht in einem so unmittelbaren Verkehr ihrer Vorsteher stehen mit der geistigen Welt, wie die früheren Gemeinschaften, sondern dasjenige, was sie als Wissen haben, mehr als überliefertes Wissen bewahren.
[ 3 ] For those who, through the study of the Spiritual Science, understand the course of human development, the fact that—for example, in certain Masonic communities, but also in others—people speak of the Sublime Architect of the Worlds proves the ancient existence of such communities and their origins in ancient institutions. It proves that everything that can historically be said with a certain degree of justification about the later emergence of such communities is incorrect; that in truth such communities do indeed go back far, far into the past—even if they took different forms in earlier times—and in an unbroken succession to ancient communities that existed during the fourth post-Atlantean epoch among the Greeks, the Romans, but also among the ancient Egyptians—indeed, we could go back even further. And it is from these communities of ancient times that the present-day communities, which are of the kind I have described, are derived—except that these present-day communities do not, so to speak, stand in such direct communication with the spiritual world as their leaders did in the earlier communities, but rather preserve what they possess as knowledge more as handed-down knowledge.
[ 4 ] Wenn man verstehen will, was die Formel von dem erhabenen Baumeister der Welten bedeutet, oder vielmehr warum gerade die Formel von dem erhabenen Baumeister der Welten, dem großen Architekten des Universums, angewendet wird, dann muß man an verschiedenes erinnern, was gegenwärtig eigentlich durchaus schon gewußt werden könnte, aber durchaus noch nicht in das allgemeine Bewußtsein der Menschheit, auch der gelehrten Menschheit, eingedrungen ist. In einzelnen Schriften aufgeklärterer Theologiekundiger oder Altertumskundiger finden Sie heute nämlich schon den Begriff der Ur-Offenbarung. Was nennen die Leute Ur-Offenbarung ?
[ 4 ] If one wishes to understand what the phrase “the sublime Architect of the Worlds” means—or rather, why this particular phrase is used to refer to the sublime Architect of the Worlds, the great Architect of the Universe—then one must recall various facts that, in truth, could already be known today, but which has by no means yet penetrated the general consciousness of humanity, not even among scholars. In certain writings by more enlightened theologians or scholars of antiquity, you can already find the concept of “primordial revelation” today. What do people mean by “primordial revelation”?
[ 5 ] Dieser Begriff der Ur-Offenbarung tritt in solchen Schriften auf, die heute durchaus schon in der wissenschaftlichen Welt einen gewissen Wert haben, die nicht so als verrücktes Zeug angesehen werden wie unsere Schriften. Also es tritt der Begriff der Ur-Offenbarung immerhin schon in denjenigen Schriften auf, die wenigstens bis zu einem gewissen Grade ernst genommen werden in dem Umfang der vier Fakultäten. Nun, dieser Begriff der Ur-Offenbarung, der kann einem besonders klar werden, wenn man versucht, sich bekannt zu machen mit alten Religionsschriften. Man braucht eigentlich nur zurückzugehen bis zu den Schriften des Gotama Buddha. Da findet man, wenn man zu diesen Schriften, zu älteren Religionsurkunden überhaupt zurückgeht, wenn man nur unbefangen genug ist, wenn man nicht so töricht ist, wie zum Beispiel der Schreiber über gewisse ägyptische Zustände, der im letzten «Zeitgeist» geschrieben hat — wenn man also einigermaßen unbefangen ist, so merkt man in den alten religiösen Schriften, daß die Leute, die mit dem Zustandekommen dieser Schriften etwas zu tun gehabt haben, vor Jahrtausenden ein Wissen gehabt haben, das verloren gegangen ist für die Menschheit, das allmählich, ich möchte sagen, versickert ist unter dem zunehmenden Materialismus. Wie gesagt, Sie brauchen nur mit Unbefangenheit die Schriften, die Ihnen erreichbar sind von dem Gotama Buddha, zu lesen, so werden Sie sehen: Was da gesagt wird, ist auf Grundlage eines großen Wissens, das aber schon für ihn überliefert sein muß, das auf viel, viel ältere Zeiten zurückgeht, auf ein Ur-Wissen, aufgebaut. Nun, auf diejenige Art und Weise, wie die Menschen jetzt ihr Wissen bekommen in den vier Fakultäten, konnte selbstverständlich dieses Wissen nicht erreicht werden. Das, glaube ich, wird auch ein unbefangener Betrachter der gegenwärtigen Gelehrsamkeit nicht gerade in Abrede stellen. Und ein Befangener erst recht nicht, denn ein Befangener lehnt all dieses Wissen ab und betrachtet es als törichtes Zeug. Nicht wahr, historisch betrachtet er es und läßt Bücher, die sich historisch darüber ergehen, ja gewiß gelten, wenn sie Belegstellen haben, Anführungen machen können. Aber das Wissen selber, das läßt er nicht gelten. Also kann er auch durchaus nicht zugeben, daß man auf dem gegenwärtigen natürlichen Wege zu solchem Wissen kommen könne, denn er läßt es ja nicht gelten, nicht wahr?
[ 5 ] This concept of “primordial revelation” appears in writings that are already recognized as having a certain value in the academic world today—writings that are not regarded as “crazy stuff” the way our writings are. So the concept of primordial revelation does, after all, appear in those writings that are taken seriously—at least to a certain degree—within the realm of the four faculties. Now, this concept of primordial revelation can become particularly clear when one tries to familiarize oneself with ancient religious texts. One really only needs to go back to the writings of Gotama Buddha. There, if one goes back to these writings—to older religious texts in general—if one is open-minded enough, if one is not as foolish as, for example, the writer who discussed certain Egyptian conditions in the latest issue of Zeitgeist—if, that is, one is reasonably open-minded, you will notice in the ancient religious texts that the people who were involved in the creation of these texts possessed, millennia ago, a knowledge that has been lost to humanity—a knowledge that has, I would say, gradually seeped away amid increasing materialism. As I said, you need only read the writings of Gotama Buddha that are available to you with an open mind, and you will see: what is said there is based on a vast body of knowledge—knowledge that must already have been handed down to him, dating back to much, much earlier times, to a primordial knowledge. Well, given the way people now acquire their knowledge in the four faculties, this knowledge could not, of course, have been attained. I believe that even an unbiased observer of contemporary scholarship would not exactly dispute this. And a biased person certainly would not, for a biased person rejects all this knowledge and regards it as foolish nonsense. Isn’t that right? He views it historically and certainly accepts books that deal with it historically—provided they have sources and can cite evidence. But the knowledge itself—he does not accept that. So he certainly cannot admit that one could arrive at such knowledge through current natural methods, for he does not accept it, does he?
[ 6 ] Also auf ein Ur-Wissen werden wir da zurückgeführt. Wir müssen danach annehmen — und jeder Unbefangene muß das nach den alten Religionsurkunden annehmen —, daß man zurückgehen kann von jetzt in die Zeiten der Menschheitsentwickelung und daß man da kommt, von der jetzigen Zeit, in der wir es auf allen Gebieten so herrlich weit gebracht haben, bis zu dem furchtbaren gegenwärtigen Morden sogar gebracht haben, nicht wahr, zurückgehend durch die früheren Jahrhunderte, auf dasjenige, was die Leute früher gewußt haben, was für unsere Zeit, die es so herrlich weit gebracht hat, so ein verwirrtes Zeug ist, wie wir es bei Jakob Böhme, Paracelsus und so weiter finden. Und dann kommt man zurück auf die Zeit, wo die Leute in Retorten alchimistisches Zeug getrieben haben, und dann immer weiter und weiter, wo sie, selbst wenn sie gelehrt waren, nach den Vorstellungen der Gegenwart nun einmal «abergläubisch» waren, und dann geht es immer weiter zurück. Aber wir sagen, wenn der Unbefangene nun die Jahrhunderte durch das Römertum, Griechentum, Ägyptertum zurückgeht, so kommt er zurück zu einer Menschheit, die einmal ein Wissen gehabt hat, das ausgebreitet war über die Welt auf eine Weise, wie es der gegenwärtige Mensch nicht erringen kann. Eine Vorstellung ist ja natürlich für diesen gegenwärtigen Menschen schwer zu gewinnen, denn er versetzt in die Zeit, von der wir da sprechen, den Menschen, der eigentlich erst noch ein Affe war, Pithecanthropus erectus, den Affenmenschen. Aber trotz all dieser Theorien von dem Affenmenschen muß der Unbefangene, wie gesagt, aus wirklichen Urkunden selbst heute annehmen, daß da ursprünglich ein Wissen war, welches der Mensch eben mit seiner gegenwärtigen Gescheitheit nicht erreichen kann, das unendlich tief ist und das sich über die geistigen Welten in einem hervorragenden Maße so erstreckt, daß in diesem Wissen enthalten ist nicht nur ein Bewußtsein davon, daß man hinaufsteigen kann in geistige Welten, sondern daß man in diesen geistigen Welten andere Wesen findet, die nicht im Fleisch verkörpert sind, Wesen, die wir heute zusammenfassen, wenn wir von den höheren Hierarchien der Angeloi, Archangeloi und so weiter sprechen. Wir finden sogar in diesen uralten Religionsschriften, daß die Leute von diesen höheren Geistwesen wie von Wesen sprechen, mit denen sie verkehrt haben. Wie gesagt, das läßt sich aus den Schriften selber nachweisen.
[ 6 ] So we are led back to a primordial knowledge. We must therefore assume—and anyone with an open mind must accept this based on the ancient religious texts—that it is possible to go back from the present to earlier periods of human development, and that we can trace a path from the present day, in which we have made such magnificent progress in every field, and have even brought about the terrible murders of the present day, haven’t we?—back through the earlier centuries to what people used to know, which, for our time—which has come so wonderfully far—is such confused nonsense as we find in Jakob Böhme, Paracelsus, and so on. And then we come back to the time when people were conducting alchemical experiments in retorts, and then further and further back, to a time when—even if they were learned—they were, by today’s standards, simply “superstitious,” and then we go back even further. But we say that if the open-minded person now traces the centuries back through Roman, Greek, and Egyptian civilizations, they will arrive at a humanity that once possessed a body of knowledge that was spread throughout the world in a way that modern humans cannot attain. Of course, it is difficult for modern people to form a mental image of this concept, for they imagine that the human being of the time we are speaking of was, in fact, still merely an ape—Pithecanthropus erectus, the ape-man. But despite all these theories about the ape-man, the unbiased observer must, as I said, conclude even today from actual historical records that there was originally a body of knowledge which modern humans, with their present-day intellect, cannot attain—a knowledge that is infinitely deep and extends to an extraordinary degree across the spiritual worlds, that this knowledge contains not only an awareness that one can ascend into spiritual worlds, but also that one finds in these spiritual worlds other beings who are not embodied in flesh—beings whom we today encompass when we speak of the higher hierarchies of the Angeloi, Archangeloi, and so on. We even find in these ancient religious texts that people speak of these higher spiritual beings as beings with whom they have interacted. As I said, this can be verified from the texts themselves.
[ 7 ] Was liegt dieser Tatsache eigentlich zugrunde? Nun kann man ja von einem gewissen Gesichtspunkte einer Initiiertenstufe unmittelbar hinter dieses Geheimnis, das hiermit angedeutet ist, kommen. Aber man kann schon, ich möchte sagen, von einem gewissen niedrigeren Initiations-Standpunkte, von dem ganz gewöhnlichen leicht zu erreichenden Initiations-Standpunkte, durch einen Analogieschluß zu dem kommen, was eigentlich diesem Geheimnis zugrunde liegt. Wir wissen ja, daß um uns herum sich in der Welt nicht bloß dasjenige ausbreitet, wovon die heutige Sinnes-Wissenschaft spricht, sondern daß dieser Natur, von der wir heute sprechen, zugrunde liegt die sogenannte elementarische Welt, zugrunde liegt die Welt, für die wir nur Bezeichnungen haben, wenn wir auf die alte Mythologie zurückgehen, in den verschiedenen Elementarwesen, die zugrunde liegen dem mineralischen Reich als Gnomen, dem wässerigen, pflanzlichen Reich als Undinen, dem luftförmig belebten Reiche als Sylphen, und dem ganzen Irdischen als Salamanderwesen.
[ 7 ] What actually underlies this fact? Well, from a certain point of view—that of an initiate—one can come directly to the heart of this mystery that is hinted at here. But one can already—I would say—from a certain lower level of initiation, from the very ordinary, easily attainable level of initiation, arrive at what actually underlies this mystery through a process of analogy. We know, after all, that the world around us is not limited to what modern sensory science describes, but that this nature we speak of today is underpinned by the so-called elemental world—the world for which we have terms only when we go back to ancient mythology, in the various elemental beings that underlie the mineral kingdom as gnomes, the aquatic and plant kingdoms as undines, the air-animated kingdom as sylphs, and the entire earthly realm as salamanders.
[ 8 ] Man muß sich schon, wenn man nicht gerade in dieser erleuchteten Gesellschaft ist, sogar heute schämen, von diesen Dingen im Ernste zu sprechen; aber wir sind ja unter uns und können davon sprechen. Es liegen also dieser Welt, der Natur, die uns umgibt, elementarische Wesenheiten zugrunde. Nun darf man sich nicht vorstellen, daß diese elementarischen Wesenheiten nur dazu da sind, um sich von den Menschen erkennen zu lassen, die hellsichtig werden, und daß sie sich im übrigen nur auf die faule Haut zu legen brauchen und nichts zu tun haben. Das darf man sich natürlich nicht vorstellen, sondern diese Wesenheiten haben ihre gute Aufgabe in der Welt, diese Wesenheiten haben sehr viel zu tun. Sie haben zu tun in der Art, von der man allerdings meint in der äußeren materialistischen Wissenschaft: es macht sich alles von selbst. Aber es macht sich nicht von selbst! Derjenige, dessen Augen geöffnet sind für diese elementarische Welt, der sieht, wie diese elementarischen Wesen im Grunde genommen wirklich im Verlaufe des Jahres eine Art Jahreskursus durchzunehmen haben: wie in anderer Weise gewirkt wird von den geistigen Welten herunter auf diese Wesen im Frühling, im Sommer, im Herbst, im Winter, das heißt wie sie hier auf der Erde um uns herum ein elementarisches Reich ausbreiten, das in der angedeuteten Weise dem Naturreich zugrunde liegt, und wie sich herunterströmend ergießt, man kann nicht sagen ein Unterricht, aber etwas, was an Kräften sich ergießt, damit diese Wesen im Frühling die Macht bekommen, aus der Erde die Pflanzendecke herauszuformen. Es tragen herunter die Kräfte der Geister der Form gewisse Geisteswesenheiten, die sie diesen elementarischen Wesenheiten mitteilen, so daß eine neue Formenwelt im Frühling heraussprießt. Indem es dem Sommer zugeht, bekommen sie gleichsam einen späteren Kursus, so daß sie dasjenige wieder bewirken können, was gegen den Sommer zu sich vollzieht. Und so vollzieht sich im Jahreslauf eine Wechselwirkung zwischen den Geistern der höheren Hierarchien und den elementarischen Wesen, die weben und leben in der Natur, die uns umgibt. Das heißt, wir haben es fortwährend zu tun mit einem Auf- und Abschweben, mit einem Auf- und Abströmen von Geistwesenheiten der höheren Hierarchien, deren Zöglinge, deren Schüler die Wesenheiten sind, welche die belebenden Kräfte wieder abzugeben haben für alles dasjenige, was im Jahreslauf sprießt und sproßt. Denn alles dasjenige, was im Jahreslauf sprießt und sproßt, was entsteht und vergeht, alles das ist nicht bloß herausgewachsen aus unserer Erde, sondern steht in unmittelbarer Wechselwirkung mit dem Himmlisch-Geistigen. Und diejenigen Menschen, die glauben, daß die Pflanzen, daß die Tiere, die da aufleben in jedem Frühling, so aus den Kräften der Erde nur herauswachsen, diese Menschen sind zu vergleichen, sagen wir, mit Würmern, die unter der Erdendecke immerfort hinkriechen und niemals an die Oberfläche der Erde kommen, und die glauben würden, indem sie von Pflanzenwurzel zu Pflanzenwurzel kriechen: Es gibt nur Pflanzenwurzeln, und dasjenige, was da oberhalb der Erde ist, in das sie niemals einen Blick tun, das werden sie selbstverständlich ableugnen. Und wenn dann doch einmal ein Wurm kommt und ein Loch sich bohrt und heraufkommt und sieht, daß da oben Blätter und Blüten sind, daß von den Wurzeln etwas heraufreicht in das Licht der Sonne, und er wiederum zurückkommt und den Würmern, die unten kriechen und nur die Pflanzenwurzeln kennen, erzählt davon, dann werden sie sagen: Du bist ein ganz verrückter Wurm, du bist ein ganz verdrehter Wurmzwickel, das gibt es ja alles nicht, wovon du uns da erzählst! _ Ja, wir haben dies vielleicht unter den Würmern nicht, die Würmer sind vermutlich gescheiter; aber unter den Menschen haben wir das allerdings.
[ 8 ] Unless one happens to be part of this enlightened society, one must, even today, feel ashamed to speak of these things in all seriousness; but we are among ourselves, after all, and can discuss them. This world—the nature that surrounds us—is thus founded upon elemental beings. Now, one must not form a mental image of these elemental beings as merely existing to be recognized by people who become clairvoyant and to simply laze about with nothing to do. Of course, one must not form such an image; rather, these beings have an important role to play in the world—they have a great deal to do. They are active in a way that, however, is often dismissed in external, materialistic science as “everything happens on its own.” But it does not happen on its own! Those whose eyes are open to this elemental world can see how these elemental beings, in essence, must undergo a sort of annual cycle throughout the year: how forces from the spiritual worlds act upon these beings in different ways in spring, summer, fall, and winter—that is, how they spread out an elemental realm here on Earth around us, which underlies the natural realm in the manner described, and how these forces pour down, one cannot call it a lesson, but a pouring forth of forces, so that in spring these beings gain the power to form the plant cover from the earth. Certain spiritual beings carry down the forces of the Spirits of Form and impart them to these elemental beings, so that a new world of forms sprouts forth in spring. As summer approaches, they receive, as it were, a later course of instruction, so that they can once again bring about what takes place toward the end of summer. And so, over the course of the year, an interaction takes place between the spirits of the higher hierarchies and the elemental beings who weave and live in the nature that surrounds us. This means that we are constantly dealing with a rising and falling, a flowing up and down of spiritual beings from the higher hierarchies, whose pupils and students are the beings that must in turn impart the life-giving forces to everything that sprouts and grows throughout the course of the year. For everything that sprouts and grows in the course of the year, everything that comes into being and passes away—all of this has not merely grown out of our earth, but stands in direct interaction with the heavenly-spiritual realm. And those people who believe that the plants and animals that come to life each spring simply grow out of the forces of the earth—these people can be compared, let us say, to worms that constantly crawl beneath the earth’s surface and never come to the surface, and who, as they crawl from plant root to plant root, would believe: “There are only plant roots,” and whatever lies above the earth—which they never even catch a glimpse of—they will, of course, deny. And if, just once, a worm were to come along, burrow a hole, come up, and see that there are leaves and flowers up there—that something from the roots reaches up into the sunlight—and if it were to return and tell the worms crawling below, who know only the plant roots, about this, then they would say: “You’re a completely crazy worm, you’re a totally twisted little worm—none of what you’re telling us even exists!” _ Yes, perhaps we don’t have this among worms; worms are probably smarter; but among humans, we certainly do.
[ 9 ] Also wie gesagt, dasjenige, was sprießt und sproßt im Jahreslauf, das steht in unmittelbarer Wechselwirkung mit den Wesen, die ihre Kräfte auf- und abströmen lassen und sie ergießen in diese elementarische Welt. So aber, meine lieben Freunde, wie heute Sylphen und Gnomen und Undinen und Salamander ihre Einflüsse erhalten von diesen Wesen der höheren Hierarchien, die auf- und niedersteigen, je nach dem Jahreslauf, so bekam der Mensch, als er noch nicht so dicht mit seinem physischen Leibe verwachsen war, in alten Zeiten den Unterricht von den auf- und abschwebenden Geistern der höheren Hierarchien. Und all die Sagen und Mythen, die geblieben sind und die uns sagen, daß in alten Zeiten der Mensch den Unterricht solcher Wesen genossen hat, die selber herunterstiegen aus der geistigen Welt, diese Mythen beruhen durchaus auf Wahrheit. Der Mensch befand sich selber unter denjenigen Geistern, unter denen sich heute nur Gnomen, Sylphen, Undinen und so weiter befinden. Und während diese Geister diejenigen Kräfte empfangen, durch die sie die Formen, die im Jahreslauf aus der Erde auf- und absprießen, entwickeln, bekam der Mensch in alten Zeiten von den auf- und abschwebenden Wesen der höheren Hierarchien seinen Unterricht. Und dasjenige, was er da bekam in uralten Zeiten, das ist das, dessen letzter Rest geblieben ist in solchen Schriften, die uns heute noch aufbewahrt sind, und aus denen ein Unbefangener nachweisen kann — wie gesagt, aus äußeren Schriften —, daß solch eine UrOffenbarung stattgefunden hat.
[ 9 ] So, as I said, whatever sprouts and grows throughout the course of the year is in direct interaction with the beings who allow their forces to flow upward and downward and pour them into this elemental world. But just as today, my dear friends, sylphs, gnomes, undines, and salamanders receive their influences from these beings of the higher hierarchies—who ascend and descend according to the course of the year—so too, in ancient times, when human beings were not yet so closely bound to their physical bodies, they received instruction from the spirits of the higher hierarchies as they floated up and down. And all the legends and myths that have survived—which tell us that in ancient times human beings received instruction from such beings who themselves descended from the spiritual world—these myths are based entirely on truth. Humanity itself was among those spirits, among whom today only gnomes, sylphs, undines, and so on are found. And while these spirits receive the forces through which they develop the forms that spring up from and down into the earth throughout the course of the year, in ancient times humanity received its instruction from the beings of the higher hierarchies who soared up and down. And what he received in those ancient times is what remains in the form of the last vestiges found in such writings that have been preserved for us to this day, and from which an unbiased person can demonstrate—as I said, from external writings—that such a primordial revelation took place.
[ 10 ] Also eine solche Ur-Offenbarung hat stattgefunden. Und in denjenigen Zeiten, die vorangehen dem achten vorchristlichen Jahrhundert, sind die letzten Reste dieser Ur-Offenbarung zu der Menschheit heruntergeflossen. Geradezu können wir das Jahr 747 angeben, in dem gewissermaßen der Mensch durch die weitere Entwickelung seiner physischen Natur ausgeschlossen worden ist von der unmittelbaren Teilnahme — selbstverständlich geschieht ja das alles nach und nach — an solchem Unterricht, wie ich ihn jetzt angedeutet habe. Alles dasjenige, was alte Wissenschaft war, ist auf diese Weise durch den unmittelbaren Unterricht der geistigen Wesenheiten in die Menschen hineingeflossen. Und die uralten Wissenschaften, die überliefert sind und die heute nicht mehr verstanden werden, sind auf diese Weise den Menschen zugekommen. Die letzte Wissenschaft nun, die auf diese Weise den Menschen zugekommen ist, müssen wir einmal ins Auge fassen. Was hat denn der Mensch im Laufe der Zeit, von der ersten Zeit an in der alten Atlantis, wo solche Ur-Offenbarung heruntergeflossen ist, erfahren? Er hat erfahren den Zusammenhang, in dem er selbst als Mensch steht mit den geistigen Welten. Denn der Mensch ist ein Mikrokosmos, und in ihm spielen alle die Kräfte und Vorgänge im Kleinen sich ab, die sonst sich in der großen Welt abspielen. Das Letzte, was der Mensch auf diese Weise gelernt hat, was von außen ihm zugeflossen ist, das ist die Geometrie und Arithmetik. Und derjenige, der heute noch Geometrie und Arithmetik im wahren Sinne des Wortes auf sich wirken läßt, wird noch etwas verspüren davon, daß darin etwas anderes an ihn herankommt als anderes Wissen. Anderes Wissen sammelt man so aus der Erfahrung zusammen. Aber Geometrie und Arithmetik ist etwas, worinnen man spürt, daß es wahr ist abgesehen von der äußeren Erfahrung, abgesehen von aller Sinneserfahrung. Kein Mensch kann dadurch, daß er es sich aufzeichnet und in der Sinneserfahrung ein Dreieck vorstellt, beweisen, indem er abmißt die Winkel, daß dieselben hundertachtzig Grad sind. Da kann er höchstens darauf kommen; aber beweisen kann er es sich nur durch das innere Gedankenerlebnis. Und ebenso kann sich kein Mensch beweisen, daß drei mal drei neun ist, bloß durch äußeres Zählen, sondern nur durch innere Vorstellung. Man braucht da keine Erbsen oder Bohnen zu haben, auch nicht die Finger, sondern man braucht es sich nur innerlich vorzustellen, und man wird innerlich zu der Wahrheit kommen: drei mal drei ist neun.
[ 10 ] So such a primordial revelation did take place. And in the times preceding the eighth century B.C., the last remnants of this primordial revelation flowed down to humanity. We can even specify the year 747, in which, so to speak, human beings—through the further development of their physical nature—were excluded from direct participation—though, of course, all this happens gradually—in the kind of instruction I have just described. All that constituted ancient science flowed into humanity in this way through the direct instruction of spiritual beings. And the ancient sciences that have been handed down—and which are no longer understood today—came to humanity in this way. We must now consider the last science that came to humanity in this manner. What, then, has humanity experienced over the course of time, beginning in the earliest days of ancient Atlantis, when such primordial revelation flowed down? Humanity has come to understand the connection in which it itself, as human beings, stands in relation to the spiritual worlds. For the human being is a microcosm, and within them all the forces and processes that otherwise take place in the greater world unfold on a smaller scale. The last thing humanity has learned in this way—that which has flowed to them from without—is geometry and arithmetic. And anyone who still allows geometry and arithmetic to take effect upon them in the true sense of the word will still sense that something different approaches them through these subjects than through other forms of knowledge. Other forms of knowledge are gathered from experience. But geometry and arithmetic are something in which one senses that they are true apart from external experience, apart from all sensory experience. No one can prove—by drawing a triangle and creating a mental image of it in sensory experience, then measuring the angles—that they total one hundred eighty degrees. At most, one might arrive at that conclusion; but one can prove it only through the inner experience of thought. And likewise, no one can prove that three times three is nine merely by external counting, but only through a mental image. One does not need peas or beans for this, nor even one’s fingers; one need only create a mental image, and one will arrive at the truth inwardly: three times three is nine.
[ 11 ] Im weiteren Umfange aber liegt dem, was da als Geometrie und Arithmetik gedacht wird, zugrunde alles dasjenige, was in den Formen der Baukunst zum Ausdruck kommt. Schon in den Zeiten der Ägypter wurde angeschlossen an noch Älteres, an ein Urwissen, darin geoffenbart wurde die Geometrie und Arithmetik. In den griechisch-lateinischen Zeiten wurde dann dasjenige, was altes Wissen war, in den Mysterien den Menschen so vermittelt, daß man ihnen sagte: Wenn du dich recht in dich vertiefst, dann bringst du das aus dir heraus, was in früheren Zeiten, in denen du auf der Erde gelebt hast, von den Geistern der höheren Hierarchien geoffenbart worden war. — In den ägyptischen Mysterien brauchte man das nicht zu tun, da kamen die hohen Wesen noch selber herab. In der griechisch-lateinischen Zeit versammelte der Meister seine Schüler, indem er ihnen sagte: Ihr wart da in früheren Inkarnationen, da gingt ihr durch eine Menschenentwickelung hindurch, woran teilnahmen die Geister der höheren Hierarchien. Das hat sich in euren Seelen festgesetzt — holt es herauf! — So ließ der Meister der griechischen, der römischen Mysterien noch dasjenige heraufholen, was auf diese Weise in der Menschenseele war. Denn alles ist in der Menschenseele zu finden, weil in der Ur-Offenbarung alles durch die Geister in die Menschen heruntergeströmt ist. Was wir heute aus uns herausbringen, wirklich aus uns herausbringen, das haben wir ja schon einmal durchlaufen im Unterricht von den höheren Hierarchien aus.
[ 11 ] In a broader sense, however, what is understood here as geometry and arithmetic is based on everything that finds expression in the forms of architecture. Even in Egyptian times, there was a connection to something even older—a primordial knowledge in which geometry and arithmetic were revealed. In the Greco-Roman era, this ancient knowledge was then imparted to people in the mysteries in such a way that they were told: If you look deep within yourself, you will bring forth from within what had been revealed to you in earlier times, when you lived on Earth, by the spirits of the higher hierarchies. — In the Egyptian mysteries, this was not necessary, for the high beings still descended themselves. In the Greco-Roman era, the Master gathered his disciples by telling them: “You were there in earlier incarnations; you went through a process of human development in which the spirits of the higher hierarchies participated.” This has become firmly established in your souls—bring it forth!—Thus, the Master of the Greek and Roman Mysteries still had his disciples bring forth what was present in the human soul in this way. For everything can be found in the human soul, because in the primordial revelation, everything flowed down into humanity through the spirits. What we bring forth from within ourselves today—truly bring forth from within ourselves—is something we have already experienced once before in the teachings imparted by the higher hierarchies.
[ 12 ] Dann kam das Jahr 1413/14. Und da kann sich der Mensch nicht mehr dessen bewußt werden — denn da besonders beginnt das materialistische Zeitalter —, was in ihm aus früherem spirituellem Unterricht eigentlich enthalten ist. Von da ab deckt die dichte Vereinigung der Seele mit dem physischen Leibe dieses, was da in unseren Seelen ist, zu. Aber in der ganzen Zeit von 747 vor Christus bis 1413 war das möglich, daß das heraufgeholt wurde aus der Seele, was in früheren Zeiten auf die angedeutete Weise eingeströmt ist. Denken Sie, wie solch ein Mensch, insbesondere in der alten Griechenzeit, nun eigentlich empfunden haben muß. Gerade in der alten Griechenzeit hat er so empfunden, wie ich Ihnen jetzt andeute. Er hat sich gesagt: Geometrie, wie sie sich in den Formen eines Bauwerkes zum Ausdruck bringt, ist früher heruntergeflossen durch göttlich-geistigen Unterricht aus der Außenwelt. Es hat sich dargestellt. Der Mensch war eingesäumt von Formen. Jetzt, wenn der Mensch ein Dreieck zeichnen will, nimmt er die Kreide und zeichnet sich das auf. Das brauchte der alte Grieche noch nicht, sondern der brauchte sich nur auf sich zu besinnen, dann konnte er noch gleichsam hellsehend, ätherisch-hellsichtig, das Dreieck vor sich sehen. Also er konnte dasjenige, was Geometrie war, noch hellsichtig vor sich hinzeichnen. So war es ja auch in der Urzeit mit der Schrift, aber in einer älteren Urzeit. Da brauchte man nicht bloß auf Papyrus zu schreiben, sondern man schrieb auch vor sich hin, hellsichtig schrieb man vor sich hin. Aber wie gesagt, dasjenige, was in die Formen der Baukunst einfloß, setzte der Mensch rings um sich herum, so daß er also so unterrichtet wurde in einer gewissen Zeit der griechischen Mysterien, daß ihm gesagt wurde: Jetzt besinne dich ganz deutlich auf dich! Wenn du dich auf den göttlichen Menschen, der in dir lebt, besinnst, wenn du also nicht deinen vorübergehenden Erdenmenschen nur ins Auge faßt, sondern wenn du dich auf den göttlichen Menschen in dir besinnst, dann wird sich um dich herum ein Bauwerk aufbauen, das aus den Formen der Geometrie zusammengefügt ist; du bist mitten darinnen.
[ 12 ] Then came the year 1413/14. And from that point on—for that is when the materialistic age truly begins—human beings can no longer become aware of what is actually contained within them from earlier spiritual teachings. From that point on, the close union of the soul with the physical body veils what is within our souls. But throughout the entire period from 747 B.C. to 1413, it was possible to draw up from the soul what had flowed into it in earlier times in the manner I have described. Think about how such a person, especially in ancient Greece, must actually have felt. Precisely in ancient Greece, he felt as I am now suggesting to you. He said to himself: Geometry, as it finds expression in the forms of a building, once flowed down from the outer world through divine-spiritual instruction. It revealed itself. People were surrounded by forms. Now, when a person wants to draw a triangle, they take a piece of chalk and draw it. The ancient Greeks did not yet need to do that; instead, they only had to turn their attention inward, and then they could still see the triangle before them, as it were, through clairvoyance—etheric clairvoyance. So they could still “draw” what constituted geometry before their eyes through clairvoyance. It was the same in prehistoric times with writing, but in an even earlier prehistoric era. Back then, people didn’t just write on papyrus; they also wrote before their eyes—they wrote before their eyes through clairvoyance. But as I said, what found its way into the forms of architecture, people placed all around themselves, so that during a certain period of the Greek mysteries, they were instructed in such a way that they were told: “Now reflect very clearly upon yourself!” If you reflect on the divine human being who lives within you—that is, if you do not merely focus on your transient earthly human being, but instead reflect on the divine human being within you—then a structure composed of geometric forms will arise around you; you are right in the midst of it.
[ 13 ] Wie die Spinne ihr Spinnennetz um sich herum spinnt, so spann ätherisch um sich herum solch ein Schüler der griechischen Mysterien; er spann sich noch das Ganze geometrisch, und in das stellte sich ihm dann das andere Menschenwissen hinein. Das brauchte er dann nur um sich herum äußerlich herzustellen: dann hatte er den griechischen Tempel. Der griechische Tempel ist nichts anderes, als die Ausfüllung mit physischer Materie desjenigen, was auf diese Weise sich in geometrischen Formen hellsichtig um den Menschen hinstellt. Der griechische Tempel gibt nur die Steine hinein in das, was sich so hinstellt. Daher hat der Grieche auch immer die Tendenz, in den Tempel eine Götterfigur hineinzustellen, wie er sich eigentlich seinen eigenen göttlichen Menschen da drinnen denken muß. So baut er in den Zeiten, in denen die Tempel wirklich gebaut werden, nicht einfach einen Tempel hin, sondern innen das Götterbild, die Pallas Athene oder irgendeinen anderen Gott, weil das zusammengehört, weil das gleichsam dasjenige ist, was um sich herum das Bauwerk errichtet: Der Mikrokosmos mit dem zusammen, was aus dem Makrokosmos heraus sich offenbart, aber jetzt natürlich von innen heraus sich offenbaren muß aus dem angedeuteten Grunde. Also Sie sehen hier den Zusammenhang des Bauens des Tempels mit einem ursprünglichen Hellsehen.
[ 13 ] Just as a spider spins its web around itself, so did such a student of the Greek mysteries spin an ethereal web around himself; he spun the whole thing geometrically, and into this the rest of human knowledge then found its place. All he then needed to do was to create this externally around himself: then he had the Greek temple. The Greek temple is nothing other than the filling with physical matter of that which, in this way, stands around the human being in geometric forms, visible to the clairvoyant eye. The Greek temple merely inserts stones into what stands there in this way. That is why the Greek always has a tendency to place a divine figure inside the temple, just as he must actually conceive of his own divine human being there within. Thus, in the times when temples were actually being built, he did not simply construct a temple, but rather, within it, the image of a god—Pallas Athena or some other deity—because these belong together; because this is, as it were, what erects the structure around itself: the microcosm together with that which reveals itself from the macrocosm, but which now, of course, must reveal itself from within for the reason indicated. So here you see the connection between the building of the temple and a primal form of clairvoyance.
[ 14 ] Daher fühlten diejenigen, die in dieser Zeit bauten, in der Baukunst doch etwas Göttliches, etwas, was mit allen inneren Offenbarungen des Menschen im höchsten Maße zusammenhängt. Sie fühlten, daß man nicht so wie heute baut, wo man auf der Hochschule allerlei lernt und dann baut. Deshalb finden ja die Leute so unnatürlich, daß wir aus unserer eigenen Geisteswissenschaft heraus den Dornacher Bau bauen wollen. Sie fänden es natürlich, wenn ihn ein gewöhnlicher Baumeister baute, und von dem gewöhnlichen Baumeister würden sie nicht verlangen, daß er irgendein Sterbenswörtchen wüßte von unserer Geisteswissenschaft. Denn heute weiß man nicht, daß dasjenige, dem der Bau dient, in der ganzen Umgebung, in dem ganzen Bauwerke sich zum Ausdruck bringen muß. Aber in der Zeit, in der der Mensch den Bau empfunden hat wie die Offenbarung der Geister der Form, da war es so. Daher die eigentümliche Art, in der noch Vitravius, der große Baumeister aus dem Zeitalter des Augustus, von dem Baumeister spricht. Da spricht er von den moralischen Eigenschaften, die der Baumeister haben muß, von seinem Sinn für den göttlichen Sinn des Universums. Und dann möchte ich Ihnen eine merkwürdige Stelle aus Vitruv vorlesen, die Ihnen zeigen soll, was Vitruv verlangt von dem Baumeister. Der sagt von dem Baumeister: «Er muß daher nicht allein Naturgaben, sondern auch Lernbegierde besitzen; denn weder Genie ohne wissenschaftliche Bildung, noch wissenschaftliche Bildung ohne Genie kann einen vollkommenen Künstler machen. Er muß fertig im Schreiben, erfahren im Zeichnen, der Geometrie kundig, in der Optik nicht unwissend, in der Arithmetik unterrichtet sein; er muß viele Geschichten wissen, die Philosophie fleißig gehört haben, Musik verstehen, von Medizin Kenntnis haben, mit der Rechtsgelehrsamkeit bekannt sein und mit der Sternkunde samt dem Himmelslaufe sich vertraut gemacht haben.»
[ 14 ] That is why those who built during that era sensed something divine in architecture—something deeply connected to all of humanity’s inner revelations. They felt that building should not be done as it is today, where one learns all sorts of things in college and then sets out to build. That is why people find it so unnatural that we want to build the Dornach building based on our own Spiritual Science. They would find it natural if an ordinary architect were to build it, and they would not expect that ordinary architect to know the first thing about our Spiritual Science. For today people do not realize that what the building serves must find expression in the entire surroundings, in the entire structure. But in the era when people perceived architecture as the revelation of the spirits of form, that was indeed the case. Hence the distinctive way in which even Vitruvius, the great architect of the age of Augustus, speaks of the architect. He speaks of the moral qualities that the architect must possess, of his sense for the divine meaning of the universe. And now I would like to read to you a remarkable passage from Vitruvius, which is intended to show you what Vitruvius demands of the architect. He says of the architect: “He must therefore possess not only natural gifts but also a thirst for learning; for neither genius without scholarly education nor scholarly education without genius can make a perfect artist. He must be proficient in writing, experienced in drawing, knowledgeable in geometry, not ignorant of optics, and well-versed in arithmetic; he must know many stories, have studied philosophy diligently, understand music, have knowledge of medicine, be familiar with jurisprudence, and have made himself acquainted with astronomy and the movements of the heavens.”
[ 15 ] Warum muß der Baumeister nach Vitruvs Anschauung dies alles kennen? Aus dem Grunde, weil die Formen des Baues die Offenbarungen sind der höheren Hierarchien — dessen war man sich bewußt —, weil man in denjenigen, die schufen, die Wesenheiten der höheren Hierarchien eigentlich sah. Das ist das ungeheuer Bedeutsame. Und welches Gefühl hatte solch ein Baumeiser? Nicht wahr, der heutige Baumeister würde ein sonderbares Gesicht machen, wenn man von ihm verlangen würde, er solle nicht nur dasjenige wissen, was man heute an den technischen Hochschulen lernt, sondern er solle auch noch Medizin, Philosophie, sogar Sternkunde und den Himmelslauf kennen, er solle also in einer gewissen Weise in den Geisteswissenschaften ein Eingeweihter sein. Weshalb war das so? Es war so, weil Vitruv selber noch das Folgende empfand: Wenn ich baue, sagte er sich, da darf nicht dieser endliche Mensch bauen, sondern da muß dieser endliche Mensch zum Werkzeug werden für ein Wesen höherer Hierarchien, das durch ihn wirkt.
[ 15 ] Why, according to Vitruvius, must the architect know all this? For the reason that the forms of architecture are the manifestations of the higher hierarchies—people were aware of this—because in those who created them, people actually saw the beings of the higher hierarchies. That is what is immensely significant. And what was the mindset of such an architect? Wouldn’t today’s architect look rather puzzled if he were asked not only to know what is taught today at technical universities, but also to be knowledgeable in medicine, philosophy, even astronomy and the movements of the heavens—in other words, to be, in a certain sense, an initiate in the Spiritual Science? Why was that the case? It was so because Vitruvius himself still felt the following: “When I build,” he told himself, “it is not this finite human being who must build, but rather this finite human being must become an instrument for a being of higher hierarchies, who acts through him.”
[ 16 ] Aber diese Möglichkeit, in Zusammenhang zu kommen mit den höheren Hierarchien, so daß, wenn Stein auf Stein gefügt wird im Bauwerk, nicht dieser endliche Mensch schafft, sondern die Geister der höheren Hierarchien schaffen, diese Möglichkeit bekam man nur in den geheimen Mysterienstätten. Da mußte man eingeweiht werden in den Zusammenhang des Göttlichen und des Menschlichen. Man mußte Medizin aus dem Grunde kennen, weil man die Formen so fügen mußte, daß sie wirklich waren wie ein Abdruck des menschlichen Wesens selber, vergleichbar in gewissem Sinne wie das Schneckenhaus ein Abdruck der Schnecke ist, wie das aus ihrem Wesen heraus, das in sie gelegt ist, aus dem Makrokosmos heraus gebaut wird. So fühlte sich der Mensch, daß in ihm wirkte dieses göttlich-geistige Wesen, und daß es seine Hände führt, daß es seinen Geist führt und in die Formen der Baukunst hineinwirkt.
[ 16 ] But this possibility of entering into connection with the higher hierarchies—so that when stone is set upon stone in a building, it is not this finite human being who creates, but rather the spirits of the higher hierarchies—this possibility was available only in the secret mystery temples. There, one had to be initiated into the connection between the divine and the human. One had to have a fundamental understanding of medicine because one had to shape the forms in such a way that they were truly like an imprint of the human being itself—comparable, in a certain sense, to how a snail’s shell is an imprint of the snail, built from within its very being, which is imbued in it, emerging from the macrocosm. Thus did the human being feel that this divine-spiritual being was at work within him, guiding his hands and his spirit, and working its way into the forms of architecture.
[ 17 ] Weil die Formen der Baukunst das Letzte waren, was geoffenbart worden ist, geht deshalb alles dasjenige, was in solchen okkulten Gesellschaften lebt und in deren Anhängseln, von denen ich das letzte Mal gesprochen habe, von der wirklichen Baukunst und von der Stimmung, die der Baukünstler in der wirklichen Baukunst hatte, aus. Vor allen Dingen lebt in diesen okkulten Gesellschaften, wenn auch im Zerrbild, in der Karikatur, daß derjenige, der eintritt, auf den Weg sich begibt in die geistigen Welten hinein: Erster Grad. Der da hineintritt, begibt sich auf den Weg in die geistige Welt. Zweiter Grad: Er stellt mit denjenigen, die mit ihm zusammen in den okkulten Gemeinschaften sind, solche Beziehungen her, die nicht bloß von äußeren sozialen Verhältnissen herrühren, nicht durch sie bestimmt sind, sondern die von Seele zu Seele gehen. Er wird Geselle, Genosse im zweiten Grad. Und endlich lernt er fühlen, was es heißt: Hier stehe ich als Mensch und fühle mich als Mensch wie die Umhüllung desjenigen, was in mir als der Geistesmensch lebt, mit dem die Wesen der höheren Hierarchien sprechen, zu dem sie sich hinunterneigen, der kein Wort sprechen darf, das nicht inspiriert ist von diesen Geistern der höheren Hierarchien. — Wenn auch wenig Bewußtsein davon vorhanden ist bei denjenigen, die als im dritten Grade in solchen okkulten Verbrüderungen sind und die sich dann die Meister nennen, die Meister des dritten Grades, — aber diese Tatsache liegt zugrunde. Und weil die Offenbarungen nicht mehr stattfinden, weil die Dinge nicht so intensiv wirkend gelassen werden heute, weil kein unmittelbarer Zusammenhang mit der geistigen Welt ist, nimmt man die Überlieferungen, nimmt dasjenige, was überliefert worden ist, breitet dann das Geheimnis darüber, läßt andere nicht teilnehmen, damit andere das nicht wissen. Aber es wird in solchen Gemeinschaften von Jahrhundert zu Jahrhundert, von Generation zu Generation das Urwissen fortbewahrt, allerdings oftmals in jenen Unfug verkehrt, in jener schlechten Weise für das Menschheitswissen angewendet, wie ich das auch das letzte Mal angeführt habe.
[ 17 ] Because the forms of architecture were the last things to be revealed, everything that lives in such occult societies and in their offshoots—which I spoke of last time—stems from true architecture and from the spirit that the architect possessed in true architecture. Above all, what lives on in these occult societies—albeit as a distorted image, a caricature—is the idea that whoever joins them sets out on the path into the spiritual worlds: First Degree. Whoever enters sets out on the path into the spiritual world. Second degree: He establishes relationships with those who are with him in the occult communities—relationships that do not merely stem from external social circumstances, nor are they determined by them, but rather extend from soul to soul. He becomes a fellow member, a comrade, in the second degree. And finally, he learns to feel what it means: Here I stand as a human being and feel myself, as a human being, to be the outer shell of that which lives within me as the Spirit-Man—to whom the beings of the higher hierarchies speak, toward whom they stoop, and who must not utter a single word that is not inspired by these spirits of the higher hierarchies. — Even if there is little awareness of this among those who are in the third degree of such occult brotherhoods and who then call themselves Masters—Masters of the third degree—this fact nevertheless underlies it all. And because the revelations no longer take place, because things are not allowed to have such an intense effect today, because there is no direct connection with the spiritual world, they take the traditions—they take what has been handed down—and then shroud it in secrecy, not allowing others to participate, so that others do not know. But in such communities, the primordial knowledge is preserved from century to century, from generation to generation—though often distorted into that nonsense, applied in that harmful way to human knowledge, as I also mentioned last time.
[ 18 ] Die vierte nachatlantische Periode bis in das fünfzehnte Jahrhundert, bis zum Jahre 1413 ungefähr, ist geradezu dazu da, um langsam absickern zu lassen den unmittelbaren Zusammenhang mit der geistigen Welt. Das Merkwürdige ist, daß feinere, sensitivere Geister gerade in der Zeit, wo so die Jahre vorbei waren, in denen das abgesickert ist, was früher Zusammenhang mit der geistigen Welt war, das durchaus fühlten. Die ganze Zeit hindurch — ich habe das schon angedeutet — vom Jahre 747 vor Christus bis zum Jahre 1413 ungefähr nach Christus war ja ein gewisser Zusammenhang mit der geistigen Welt da. Man konnte ihn wenigstens aus dem Inneren heraus beleben in diesen Jahren, wenigstens aus der Erinnerung heraus beleben. Das hörte eben mit dem vierzehnten Jahrhundert auf. Und über das vierzehnte Jahrhundert hinaus fühlten sensitive Geister noch, daß gewissermaßen der Geist noch hereinspielt. Die Leute, die heute Geschichte lernen, die lernen Geschichte ja so — ich habe das oft angedeutet —, wie wenn es immer so gewesen wäre mit den Menschen, wie in der Zeit von heute, wo wir es so herrlich weit gebracht. Aber so war es nicht immer! Wer zum Beispiel begreifen will das fünfzehnte, sechzehnte, siebzehnte Jahrhundert, der muß sich eine Ahnung davon verschaffen, daß das doch Zeiten waren, in denen gewissermaßen der Hauch des geistigen Lebens noch über die Erde hinzog. In älteren Zeiten fühlte ja der Mensch, wenn er das, was in seiner Umgebung war, ins seelische Auge faßte, nicht bloß: da draußen sind Pflanzen, da sind Wolken, stürmt der Wind, sind Blitze, sondern da fühlte er sich umgeben von den elementarischen Wesen, da fühlte er das ebenso da, wie Pflanzen und Tiere. Aber das versickerte, das verschwand — natürlich nicht auf einmal —, so daß wir uns die Zeiten schon vom vierzehnten, fünfzehnten, sechzehnten, auch noch vom siebzehnten. Jahrhundert so vorzustellen haben, daß empfänglichere Naturen wußten: um uns herum webt und lebt der Geist.
[ 18 ] The fourth post-Atlantean period, extending into the fifteenth century—until about the year 1413—serves precisely to allow the direct connection with the spiritual world to gradually fade away. The remarkable thing is that finer, more sensitive souls were acutely aware of this precisely during the time when the years had passed in which what had previously been a connection to the spiritual world had gradually faded away. Throughout that entire period—as I have already indicated—from the year 747 B.C. to approximately 1413 A.D., a certain connection to the spiritual world did indeed exist. During those years, it was still possible to bring it to life from within, at least from memory. That came to an end with the fourteenth century. And even beyond the fourteenth century, sensitive souls still sensed that the spirit, so to speak, was still at work. People who study history today—as I have often pointed out—approach it as if human life had always been the way it is today, when we have made such magnificent progress. But that was not always the case! Anyone who wants to understand, for example, the fifteenth, sixteenth, and seventeenth centuries must gain an inkling that those were, in a sense, times when the breath of spiritual life still swept across the earth. In earlier times, when a person took in their surroundings with their inner eye, they did not merely perceive: “Out there are plants, there are clouds, the wind is storming, there is lightning”—but rather, they felt themselves surrounded by elemental beings; they sensed them just as much as they sensed plants and animals. But that faded away, it disappeared—not all at once, of course—so that we must create a mental image of the times that are as early as the fourteenth, fifteenth, sixteenth, and even the seventeenth centuries in such a way that more receptive souls knew: the spirit weaves and lives all around us.
[ 19 ] Nun, dasjenige, was hereinspielte aus der geistigen Welt, wurde dazumal noch nicht so genommen wie heute. Heute sagt man, wenn irgend jemand die geistige Welt hereinspielen hat: Hysterie, hystetisch! — Selbstverständlich, hysterisch, aber das will ja nichts besagen. Es kann ja hysterisch sein; deshalb kann ja trotzdem die geistige Welt hereinspielen. Diese beiden Dinge haben miteinander gar nichts zu tun. Man begnügt sich nur heute mit der materialistischen Auslegung. Aber in den damaligen Zeiten wußte man noch etwas von den Tatsachen, da nahm man nicht als bloße Krankheitserscheinungen — was sie ja auch daneben noch sein können in unserem materialistischen Sinne — dasjenige, was sich hereinlebte aus der geistigen Welt in die Welt des Menschen. Wir begreifen gewisse Dinge durchaus nicht, wenn man dieses nicht ins Auge faßt.
[ 19 ] Well, what came through from the spiritual world was not viewed back then in the same way as it is today. Today, when someone is influenced by the spiritual world, people say: “Hysteria, hysterical!” — Of course, it may be hysterical, but that doesn’t mean anything. It may well be hysterical; yet the spiritual world can still influence the person. These two things have absolutely nothing to do with each other. Today, people are content with the materialistic interpretation. But in those days, people still knew something of the facts; they did not regard what came into the human world from the spiritual world as mere symptoms of illness—which, of course, they can also be in our materialistic sense. We simply do not understand certain things if we do not take this into account.
[ 20 ] Ich will Sie auf eine Tatsache aufmerksam machen. Der heutige Historiker redet zum Beispiel über die Zeit des Savonarola im fünfzehnten Jahrhundert so, daß er wirklich über das damalige Florenz redet, wie man über eine heutige Stadt redet, nicht wahr, so wie man erzählen würde, wie heute die Leute meinetwillen vor den Butterläden sich ansammeln und dort in einer gewissen Stimmung sind. So redet man über das damalige Florenz. Man bedenkt nicht, daß man sich da erst in die Stimmung der damaligen Zeit versetzen muß, in jene Stimmung, wo man das Geistige noch etwas miterlebte. Was war es denn, was in einer gewissen Woche in Florenz jeden, jedermann, den man auf der Straße sehen kann, mit gedrücktem Leibe, mit trübem Auge, wie unter einer schweren Last dahinwandeln ließ? Das war es, daß Savonarola am letzten Sonntag gesagt hatte: Wenn die Moral so fortgehen werde, wie sie war, dann werde hereinbrechen die Sintflut. Und geschlossen hatte er mit den Worten: Ecce ego aducam aquas super terram — Ich sage euch, die Wasser werden über die Erde fließen! — Und diese Worte waren belebt von Geist, und der Geist strömte aus. Und unter diesem geistigen Einflusse standen eine Woche lang die Bewohner von Florenz und wandelten so, wie ich es geschildert habe. Einer der Zeitgenossen des Savonarola war Pico della Mirandola, der Graf Mirandola, der am Ende des fünfzehnten Jahrhunderts gelebt hat und ganz darinnen war in der Stimmung, die dazumal in Florenz lebte. Sie sehen, wir sind in dem Jahrhundert, wo der vierte nachatlantische Zeitraum in den fünften nachatlantischen Zeitraum übergeht. Pico von Mirandola ist einer derjenigen Geister, die zu den empfänglichen gehörten, die fühlten, der Geist verschwindet aus unserer Umgebung, und der zu gleicher Zeit eine innigste Sehnsucht bekam, diesen Geist noch zu fühlen, ihn hereinzubekommen. Ja, es war eine ganze Anzahl von Menschen dazumal in Florenz, in dieser Zeit, welche in dieser Stimmung lebten. Sie fühlten: für das normale menschliche Leben verweht der Geist; aber wir müssen ihn hereinbekommen. Neuplatoniker nannten sich dazumal diese RenaissanceMenschen. Und derjenige konnte nicht in ihre Akademie eintreten, der nicht wenigstens ein Erlebnis hatte, durch das er Zusammenhänge seiner Seele, Kräfte bewiesen hätte, welche zeigten, daß er noch eine unmittelbare Anschauung gehabt habe von dem Geiste, der um uns herum wirkt und ist. Das war noch im fünfzehnten Jahrhundert. In die Akademie von Florenz, die den Neuplatonismus, die Wiederauflebung Platos, pflegte, durfte man gar nicht eintreten, wenn man sich nicht bemühte, ein Erlebnis zuerst gehabt zu haben, durch das man unmittelbar wußte: der Geist lebt sich herein in das Sinnenleben. Und Pico hatte solcher Augenblicke mehrere. Und daher verstand er die Worte Savonarolas, die, wenn auch in einer eigenartigen Weise, durchtränkt waren von solchen geistigen Strömungen. Dieser Pico verstand in seiner Art den Savonarola. Pico von Mirandola war nur zu eitel dazu, um auf dasjenige einzugehen, was Savonarola für ihn wollte. Der wollte ihn eigentlich zu seinem Genossen machen. Aber Pico von Mirandola konnte das nicht mit seiner Eitelkeit in Vereinbarung bringen. Als Pico von Mirandola, noch als verhältnismäßig junger Mensch, dem Tode nahe war, da hatte er wiederum solch ein Erlebnis. Und dieses Erlebnis prägte sich ihm so aus: Indem er sein Ende herankommen fühlte — er war noch ganz jung —, sah er in die geistige Welt hinein. Die Formen, in denen sich dann die Wesen der geistigen Welt ausprägen, richten sich ja nach dem Subjektiven des Menschen. Was sich dem Pico aus der geistigen Welt offenbarte, kleidete sich ihm in das Bild der Madonna. Kurz, die Madonna erschien ihm, so können wir sagen, und sie sagte: Ich werde dich noch nicht völlig dem Tode überliefern. — Mirandola verstand das nicht einmal gleich. Er glaubte, er könne als physischer Mensch weiterleben. Dennoch starb er, und Savonarola hielt selber die Leichenrede. Und es ist bedeutsam, uns in die ganze Stimmung hinein zu versetzen, die den Übergang bildete zwischen dem vierten und dem fünften nachatlantischen Zeitraum. Es ist vielleicht gut, einmal die Worte, die Savonarola am Grabe des Pico von Mirandola gesprochen hat, sich ins Gedächtnis zu rufen, denn man sieht in diesen Worten, wie dazumal ernst genommen wurde die Tatsache, daß solch ein Mensch wie Pico von Mirandola eine solche Beziehung zur geistigen Welt hatte, daß sich ihm noch vor dem Tode in einer solchen Weise die geistige Welt zeigte in einem Bilde. Savonarola sagte dazumal an dem Grabe des Pico von Mirandola — es ist dies zugleich ein Zeichen dafür, daß dazumal Leichenreden nicht bloß zur Schmeichelei gehalten worden sind —:
[ 20 ] I would like to draw your attention to a fact. Today’s historians, for example, speak of the time of Savonarola in the fifteenth century in such a way that they are really talking about Florence back then just as one would talk about a city today, wouldn’t you agree—just as one might describe how people today, for my sake, gather in front of the butter shops and are in a certain mood there. That is how one speaks of Florence back then. People don’t consider that one must first put oneself in the mood of that time, in that atmosphere where the spiritual was still somewhat experienced. What was it, after all, that during a certain week in Florence caused everyone—every single person one might see on the street—to walk along with slumped shoulders and downcast eyes, as if under a heavy burden? It was because Savonarola had said the previous Sunday: “If morality continues as it has been, then the Flood will come.” And he had concluded with the words: “Ecce ego aducam aquas super terram”—“I tell you, the waters will flow over the earth!”—And these words were animated by the Spirit, and the Spirit poured forth. And under this spiritual influence, the inhabitants of Florence remained for a week, walking as I have described. One of Savonarola’s contemporaries was Pico della Mirandola, the Count of Mirandola, who lived at the end of the fifteenth century and was fully immersed in the spirit that prevailed in Florence at that time. You see, we are in the century where the fourth post-Atlantean epoch transitions into the fifth post-Atlantean epoch. Pico of Mirandola is one of those souls who were among the most receptive, who sensed that the Spirit was disappearing from our surroundings, and who at the same time felt a deep longing to still feel this Spirit, to bring it back in. Yes, there were quite a number of people in Florence at that time, during that era, who lived in this spirit. They felt: for ordinary human life, the spirit is fading away; but we must bring it back. These Renaissance figures called themselves Neoplatonists at that time. And no one could enter their academy unless they had at least one experience through which they had demonstrated connections within their soul—forces that showed they had still had a direct perception of the Spirit that acts and exists around us. That was still in the fifteenth century. One was not even permitted to enter the Academy of Florence, which cultivated Neoplatonism—the revival of Plato—unless one had first striven to have an experience through which one knew directly: the spirit lives its way into the life of the senses. And Pico had several such moments. And that is why he understood Savonarola’s words, which, albeit in a peculiar way, were imbued with such spiritual currents. This Pico understood Savonarola in his own way. Pico of Mirandola was simply too vain to respond to what Savonarola wanted for him. Savonarola actually wanted to make him his comrade. But Pico of Mirandola could not reconcile this with his vanity. When Pico of Mirandola, still a relatively young man, was nearing death, he had such an experience once again. And this experience made a deep impression on him: As he sensed his end approaching—he was still very young—he looked into the spiritual world. The forms in which the beings of the spiritual world manifest themselves depend, of course, on the individual’s subjective state. What was revealed to Pico from the spiritual world took the form of the Madonna. In short, the Madonna appeared to him, so to speak, and she said: “I will not yet completely surrender you to death.” — Mirandola did not even understand this at first. He believed he could continue to live as a physical human being. Nevertheless, he died, and Savonarola himself delivered the eulogy. And it is significant for us to immerse ourselves in the entire atmosphere that marked the transition between the fourth and fifth post-Atlantean epochs. It may be good to recall the words Savonarola spoke at the grave of Pico della Mirandola, for in these words one sees how seriously people at that time took the fact that a man like Pico della Mirandola had such a relationship with the spiritual world that, even before his death, the spiritual world revealed itself to him in this way through a vision. Savonarola said at the time at the grave of Pico della Mirandola—and this is also a sign that funeral orations were not merely delivered as flattery back then—:
[ 21 ] «Keiner ist unter euch, der Giovanni Pico nicht gekannt hätte. Mit großen Wohltaten und hohen Gunsterweisungen hat Gott ihn überhäuft. Mannigfaltig war sein Wissen, und sein Geist ragte empor über die Sterblichen. Auch für die Kirche bedeutet sein Tod einen schweren Verlust. Wäre seine Lebenszeit nicht so kurz gewesen, so hätte er, nach meiner festen Überzeugung, alle Gelehrten der letzten achthundert Jahre in den Schatten gestellt. Eine göttliche Stimme in seinem Herzen rief ihm zu, die Weihen zu nehmen. Bisweilen war er willens, dem Rufe Folge zu leisten. Aber er verschob immer wieder den Eintritt in das Kloster, sei es aus Undankbarkeit gegen Gott, sei es, weil die Sinnlichkeit ihn zurückhielt, oder weil er bei der Zartheit seines Körpers vor den Anstrengungen des Mönchslebens zurückschreckte, oder endlich, weil er durch seine wissenschaftlichen Arbeiten schon an sich der Religion förderlich sein zu können glaubte. Deshalb drohte ich ihm seit zwei Jahren mit der Geißel Gottes, und ich bekenne, daß ich den Höchsten anflehte, den Säumigen ein wenig zu züchtigen. Aber selbst ihm gegenüber zeigte sich Gott in seiner Nachsicht. Zwar ist des Toten Seele noch nicht eingegangen zur himmlischen Seligkeit im Schoße des Vaters, doch ist sie auch nicht zu den Martern der Hölle auf ewig verdammt, denn sie empfängt eine bestimmte Zeit lang ihre Sühne im Feuer des Purgatoriums. Was ich euch über Picos Tod verkündete, das wird nicht durch das ihm gewordene Versprechen der heiligen Jungfrau widerlegt. Zuerst hielt ich dieses Versprechen überhaupt für die Vorspiegelung eines Dämons» — Savonarola spricht also von dem letzten Gesichte des Pico von Mirandola —, «dann wurde mir jedoch klar, daß der Sterbende in der Sinnesverwirrung der letzten Stunde unter jener Verheißung den ersten Tod, die Madonna aber den ewigen gemeint habe.» Das heißt, die Madonna hat ihm gesagt: er werde nicht auf immer in Strafe genommen werden, sondern nur kurze Zeit nach seinem Tode — so meint Savonarola.
[ 21 ] “There is no one among you who did not know Giovanni Pico. God showered him with great blessings and high favors. His knowledge was vast, and his spirit soared above that of mortals. His death is also a grave loss for the Church. Had his life not been so short, I am firmly convinced that he would have eclipsed all the scholars of the past eight hundred years. A divine voice in his heart called upon him to take holy orders. At times, he was willing to heed that call. But he kept postponing his entry into the monastery, whether out of ingratitude toward God, or because sensuality held him back, or because, given the delicacy of his constitution, he shrank from the hardships of monastic life, or finally, because he believed that his scholarly work alone was already sufficient to further the cause of religion. For this reason, I had been threatening him with the scourge of God for two years, and I confess that I implored the Most High to chastise the procrastinator a little. But even toward him, God showed His forbearance. Although the soul of the deceased has not yet entered into heavenly bliss in the bosom of the Father, neither is it eternally condemned to the torments of hell, for it is undergoing its atonement for a certain time in the fires of Purgatory. What I have told you about Pico’s death is not contradicted by the promise made to him by the Blessed Virgin. “At first I considered this promise to be nothing more than a delusion inspired by a demon”—Savonarola is thus referring to Pico of Mirandola’s final vision—“but then it became clear to me that, in the confusion of his final hour, the dying man had meant ‘the first death’ by that promise, while the Madonna had meant ‘eternal death.’” That is to say, the Madonna told him that he would not be punished forever, but only for a short time after his death—so Savonarola believes.
[ 22 ] Die Stimmung, in der dazumal bei solchen Gelegenheiten von geistigen Erscheinungen gesprochen worden ist, diese Stimmung wollte ich nur charakterisieren. Und man darf sie mit diesem Beispiel charakterisieren, denn Savonarola ist kein Mensch, der sich bloß aus Heuchelei, weil er Priester war, zu geistigen Erscheinungen bekannt haben würde. Savonarola war ein Mensch von der Art, daß man ihm zumuten mußte: In jeder Lage und in jeder Stellung, in der er war, folgte er nur der Stimme dessen, wovon er sich persönlich überzeugt hatte. Er sprach nicht nur, um der Kirche zu gefallen, der er ja auch wirklich nicht gefiel und die ihn entsprechend behandelt hat, sondern er sprach, indem er von den geistigen Welten sprach, von dem, wovon er wußte aus seiner eigenen Erfahrung. Denn dasjenige, was Pico wußte von der geistigen Welt aus seiner unmittelbaren Erfahrung, wurde natürlich weit übertroffen durch die unmittelbaren Offenbarungen, die Savonarola selber von der geistigen Welt hatte.
[ 22 ] I simply wanted to characterize the atmosphere in which spiritual phenomena were discussed on such occasions back then. And this example serves to characterize it, for Savonarola was not the sort of person who would have professed belief in spiritual phenomena merely out of hypocrisy, simply because he was a priest. Savonarola was the kind of person of whom one had to assume that, in every situation and every position he found himself in, he followed only the voice of that which he had personally come to believe. He did not speak merely to please the Church—which, in fact, did not approve of him and treated him accordingly—but rather, when he spoke of the spiritual worlds, he spoke of what he knew from his own experience. For what Pico knew of the spiritual world from his direct experience was, of course, far surpassed by the direct revelations that Savonarola himself had received from the spiritual world.
[ 23 ] Ich wollte Ihnen damit nur charakterisieren, wie sehr wir die Stimmung gegenüber der geistigen Welt ins Auge fassen müssen, wenn wir verstehen wollen, wie dieser rasche, plötzliche Übergang ist vom vierzehnten ins fünfzehnte Jahrhundert. Wie eine Sehnsucht spricht uns das an, was wir gehört haben: zurück in die Zeit, wo man leichter noch empfangen hat die Eindrücke der geistigen Welt! Aber diese Menschen, sie waren jetzt vereinzelt. Sie mußten besondere asketische Übungen machen, um das, was sie ersehnten, wenigstens in gewissen Augenblicken des Lebens, vielleicht sogar auf eine verzerrte Art, zu bekommen. Es ist wirklich nicht so, wie sich die heutige Gelehrsamkeit das vorstellt, daß alles sich so langsam und allmählich entwickele. Die Natur macht keine Sprünge, sagt man. Es ist das Blödeste, was man sagen kann. Sprünge macht sie allerdings nicht, aber fortwährend Übergänge, starke Übergänge. Das Blumenblatt verwandelt sich nicht allmählich in ein bissel weniger Blumenblatt, und wieder ein bissel weniger Blumenblatt in das Blütenblatt, sondern das grüne Pflanzenblatt schließt ab mit dem Kelchblatt, und das farbige Blumenblatt ist da. Unsinn, zu sagen, die Natur mache keine Sprünge! Aber solche Worte werden als Trivialworte immer wieder und wiederum fortgepflanzt.
[ 23 ] I simply wanted to illustrate to you just how much we must take into account the prevailing attitude toward the spiritual world if we are to understand this rapid, sudden transition from the fourteenth to the fifteenth century. What we have heard speaks to us like a longing: a longing to return to a time when it was still easier to receive impressions from the spiritual world! But these people were now isolated. They had to perform special ascetic exercises in order to attain what they longed for—at least in certain moments of life, perhaps even in a distorted way. It really isn’t the way today’s scholarship has in its mental image—that everything develops so slowly and gradually. “Nature doesn’t make leaps,” they say. That’s the most foolish thing one can say. It doesn’t make leaps, to be sure, but it does make constant transitions—powerful transitions. The flower petal does not gradually transform into a slightly smaller flower petal, and then again into an even smaller flower petal until it becomes a petal; rather, the green plant leaf ends with the sepal, and the colorful flower petal is there. It is nonsense to say that nature makes no leaps! But such words are perpetuated time and again as trivialities.
[ 24 ] Die nächste Aufgabe, die nun da war, die war diese: nunmehr zu appellieren an diejenigen Kräfte, welche an die Stelle der alten Auffassungskraft des Geistigen treten mußten. Und da kam es, daß es gewöhnlich zwei Wege waren. Der eine Weg war einfach der der Fortpflanzung durch Tradition. Man war zufrieden, man pflanzte das, was die Alten gesehen haben, was die Alten geoffenbart haben, durch Tradition fort. Dadurch entstanden viele geheime Gesellschaften. Aber es gab auch Leute, die bemühten sich, mit der neuen Seelenkraft, die heraufgekommen war, zu rechnen. Sie versuchten, dasjenige, was früher in ganz anderer Form, in Form des Bildes, in Form der unmittelbaren Anschauung da war, zu übersetzen in die Form der Verstandeskraft, die an den physischen Leib gebunden ist, diese Verstandeskraft, die wir jetzt haben als normale Menschenkraft im fünften nachatlantischen Zeitalter. Einer derjenigen, der sich nun bemühte, heraufzubekommen in das richtige Zeitverhältnis das ehemalige Bauprinzip, das uns natürlich in ganz anderer Weise in Bildern und Symbolen obliegt, das ist der große Amos Comenius. Ich glaube, die Leute wissen schon heute nicht mehr viel von Amos Comenius, dem eigentlichen Begründer des ganzen modernen Schulwesens, dem Begründer der Fibel, dem Manne, der, im sechzehnten Jahrhundert lebend, eigentlich dasjenige bewirkt hat, was heute den ganzen Kinderunterricht ausmacht. Vielleicht ist es doch nicht uninteressant, in dieser Beziehung einiges vorzulesen, weil heute so wenig vorhanden ist von dem, was man nennen kann ein Bewußtsein von Amos Comenius. Unter den mancherlei Büchern, die ich nicht etwa alle gut nennen will, unter den Sammelwerken, die jetzt erscheinen, ist auch das Buch: «Comenius und die Böhmischen Brüder» von Friedrich Eckstein. Friedrich Eckstein ist einer von denjenigen, die mit mir vereinigt waren am Ende der achtziger Jahre in Wien zu einer kleineren theosophischen Gemeinschaft. Er ist dann seine eigenen Wege gegangen. Ich habe lange nichts von ihm gehört, und jetzt ist dieses Büchelchen über Amos Comenius von ihm erschienen, das sehr verdienstvoll zusammengestellt ist. Ecksteinsagt über den sogenannten «Orbis pictus», «daß dessen primitive Abbildungen, wenn auch in modern verstümmelten und abgeschwächten Ausgaben, uns alle in unserer Jugend erfreut haben. In den 150 Holzschnitten der Originalausgabe mit ihrem kurzen deutschen und lateinischen Text, ganz im Sinne jenes Zugleich von Real- und Sprachunterricht, wurden dem Geiste des Kindes die Hauptbegriffe des Lebens, beginnend mit Gott, der Welt, dem Himmel und den Elementen, den Pflanzen, Früchten, Tieren, dem menschlichen Körper und seinen Gliedern, bis zu den einzelnen Tätigkeiten und Handwerken, mit ergreifender, zum Herzen dringender Einfalt und Klarheit in Wort und Bild vorgeführt, und man versteht sogleich, wie dieses Buch auf die Kinder vieler Generationen den tiefsten Eindruck machen mußte. Herder und Goethe haben es in ihrer Kindheit über alles geliebt und daraus zweifellos Impulse für das Leben erhalten. «Man hatte zu der Zeit noch keine Bibliotheken für Kinder veranstaltet , berichtet Goethe im ersten Buch von «Dichtung und Wahrheib., — «die Alten hatten selbst noch kindliche Gesinnungen und fanden es bequem, ihre eigene Bildung der Nachkommenschaft mitzuteilen. Außer dem «Orbis pictuss des Amos Comenius kam uns kein Buch dieser Art in die Hände .»
[ 24 ] The next task that now lay before us was this: to appeal to those forces that were to take the place of the old capacity for understanding the spiritual. And so it came to pass that there were usually two paths. One path was simply that of transmission through tradition. People were content; they passed on through tradition what the ancients had seen and revealed. This gave rise to many secret societies. But there were also people who strove to come to terms with the new power of the soul that had emerged. They attempted to translate what had previously existed in a completely different form—in the form of images, in the form of direct perception—into the form of intellectual power bound to the physical body, this intellectual power that we now possess as a normal human faculty in the fifth post-Atlantean epoch. One of those who strove to bring the former architectural principle—which naturally presents itself to us in a completely different way through images and symbols—into the proper context of the times was the great Amos Comenius. I believe that even today people no longer know much about Amos Comenius, the true founder of the entire modern school system, the creator of the primer, the man who, living in the sixteenth century, actually brought about what today constitutes the entire system of children’s education. Perhaps it is not uninteresting, after all, to read a few passages on this subject, since so little remains today of what one might call an awareness of Amos Comenius. Among the various books—not all of which I would call good—and among the anthologies now being published is the book Comenius and the Bohemian Brethren by Friedrich Eckstein. Friedrich Eckstein is one of those who, along with me, were part of a small theosophical community in Vienna at the end of the 1980s. He then went his own way. I hadn’t heard from him in a long time, and now this little book on Amos Comenius has been published by him, which is very commendably compiled. Eckstein says of the so-called “Orbis pictus” that “its primitive illustrations, even in modern, truncated, and watered-down editions, delighted us all in our youth.” In the 150 woodcuts of the original edition, with their brief German and Latin text—entirely in keeping with the dual purpose of teaching both the real world and language—the main concepts of life were presented to the child’s mind, beginning with God, the world, the heavens, and the elements, plants, fruits, animals, the human body and its limbs, all the way to individual activities and crafts, were presented to the child’s mind with moving, heartfelt simplicity and clarity in both word and image, and one immediately understands how this book must have made the deepest impression on children of many generations. Herder and Goethe loved it above all else in their childhood and undoubtedly drew inspiration for life from it. “At that time, no libraries for children had yet been established,” Goethe reports in the first volume of Poetry and Truth—“the older generation still had a childlike spirit and found it convenient to pass on their own education to their descendants. Apart from Amos Comenius’s Orbis Pictus, no book of this kind ever came into our hands.”
[ 25 ] Und die ganze Art, Kinderbücher, das heißt Schulkinderbücher zu machen, fußte auf dem Amos Comenius. Aber dieser Amos Comenius war ein Mann — er ist in Mähren geboren —, der im Verlaufe seines Lebens in Zusammenhang gekommen ist mit den zahlreichen über ganz Europa ausgegossenen geheimen Brüderschaften, wie die sind, von denen ich Ihnen erzählt habe; denn die waren ja überall zu finden. Und mit allen ist er in reale Beziehung getreten, auf alle versuchte er zu wirken. Und wie er zu wirken wußte, das zeigt besonders schön dasjenige, was er in seiner «Pansophie» sagt.
[ 25 ] And the entire approach to creating children’s books—that is, books for schoolchildren—was based on the work of Amos Comenius. But this Amos Comenius was a man—born in Moravia—who, in the course of his life, came into contact with the numerous secret brotherhoods scattered throughout Europe, such as those I have told you about; for they were to be found everywhere. And he established genuine relationships with all of them; he sought to influence them all. And just how he knew how to exert this influence is particularly well illustrated by what he says in his Pansophy.
[ 26 ] Also da haben wir in Amos Comenius im sechzehnten, siebzehnten Jahrhundert, im Anfange unseres Zeitraums, einen Menschen, der wußte: Jetzt ist Umschwung, es kommt ein anderes Zeitalter herauf. Man muß in die Form des äußeren Verstandes umsetzen dasjenige, was früher war. Man darf es nicht in Form einer bloßen Tradition behalten. Die Tradition ging auf das Letzte aus, was geoffenbart war, auf den Tempelbau. Ob man nun den griechischen Tempel oder den salomonischen Tempel nahm, darauf kommt es nicht an. Auf den Tempelbau, auf die Bilder des Tempelbaues ging es hinaus, und von den Bildern des Tempelbaues wurde alles genommen, symbolisch, imaginativ.
[ 26 ] So here we have Amos Comenius in the sixteenth and seventeenth centuries, at the beginning of our period, a man who knew: A turning point has come; a new era is dawning. One must translate what once was into the form of the external intellect. One must not preserve it merely as tradition. Tradition culminated in the last thing that had been revealed: the building of the temple. Whether one took the Greek temple or the Temple of Solomon is irrelevant. It all came down to the building of the temple, to the images of the temple’s construction, and everything was derived from those images—symbolically, imaginatively.
[ 27 ] Amos Comenius stellte sich zur Aufgabe, in seiner «Pansophie» alles umzusetzen in die Art und Weise, wie die Seele wirkt im fünften nachatlantischen Zeitraum. Er sagt:
[ 27 ] In his Pansophy, Amos Comenius set out to describe how the soul functions in the fifth post-Atlantean epoch. He says:
[ 28 ] «Möge nun dieser oder jener Name gefallen, wir zogen den der Pansophie vor, weil wir alle Menschen anregen wollten, alles zu erkennen und überhaupt weise zu sein, mit der Wahrheit der Dinge den Geist zu erfüllen und nicht mit dem Rauch von Meinungen. Man könnte sie auch die Wissenschaft vom Besten, vom Auserwählten, oder sogar die Wissenschaft vom Nichtswissen nennen, wenn man sich an Sokrates oder an den Apostel erinnern möchte. Warum aber soll der Tempel der Pansophie errichtet werden nach den Ideen, Richtmaßen und Gesetzen des höchsten Baumeisters selbst ?»
[ 28 ] “Whatever name one might prefer, we chose that of Pansophy because we wanted to inspire all people to understand everything and to be wise in general, to fill the mind with the truth of things and not with the smoke of opinions. One could also call it the science of the Best, of the Chosen, or even the science of not knowing, if one wishes to recall Socrates or the Apostle. But why should the temple of Pansophy be erected according to the ideas, standards, and laws of the supreme Architect himself?”
[ 29 ] Hier knüpft Amos Comenius an den «erhabenen Baumeister der Welten» an. Diesen «erhabenen Baumeister der Welten», ihn ruft man an, weil man weiß, was Baukunst, die wirkliche Baukunst in alten Zeiten war. Es ist ganz wörtlich zu nehmen, aber geistigwörtlich. Aber Amos Comenius versucht das nun in die Sprache des fünften nachatlantischen Zeitraumes umzusetzen. Hören Sie, wie er es umsetzt:
[ 29 ] Here, Amos Comenius draws on the “sublime Architect of the Worlds.” This “sublime Architect of the Worlds” is invoked because we know what architecture—true architecture—was in ancient times. It is to be taken quite literally, but in a spiritual sense. Yet Amos Comenius now attempts to translate this into the language of the fifth post-Atlantean epoch. Listen to how he does so:
[ 30 ] «Warum aber soll der Tempel der Pansophie errichtet werden nach den Ideen, Richtmaßen und Gesetzen des höchsten Baumeisters selbst? Weil wir dem Urbilde des Ganzen nach Maß, Zahl, Lage und Zweck der Teile so folgen, wie es die Weisheit Gottes selbst vorgezeichnet, und zwar zuerst bei Moses in der Errichtung der Stiftshütte, dann bei Salomo in Erbauung des Tempels und endlich bei Ezechiel in der Wiederherstellung des Tempels.» — Er könnte ebensogut den griechischen Tempel anführen. — «Wenn wir den Weisheitstempel aufrichten wollen, so müssen wir uns stets daran erinnern, daß der zu bauende Tempel groß, herrlich und preisenswert war durch alle Lande, weil unser Gott über alle Götter ist. Die würdigen und tüchtigen Bauleute müssen daher herbeigerufen werden, wo sie nur zu finden sind, damit sie das Nötige finden und schaffen helfen. Der Tempel Salomos wurde auf Gottes Befehl auf dem Berge Moriah gebaut; Moriah heißt Gesicht Gottes.» — Ebenso wie herausgebaut worden ist der Mensch aus dem Schoße der Gottheit! Sie haben ja gesehen: Vitruv hat verlangt, daß der Baumeister alle Weisheit über den Menschen in seinem Geiste hat. — «Die Grundlage des Weisheitstempels wird also ein Gesicht von Gott sein» — so soll durch das neuere Wissen auch geoffenbart werden das Gesicht Gottes, das heißt die Offenbarung Gottes —, «das heißt, es soll durch alles Sichtbare hindurch der unsichtbare Stuhlmeister der Welt mit seiner Allmacht, Weisheit und Güte von dem Geiste des Menschen erkannt und geschaut werden. Die Baustoffe des Salomonischen Tempels waren Steine, Holz, Metalle, und zwar kostbare Steine, Marmor und Edelsteine, und saftige und wohltiechende Hölzer, Tannen und Zedern, und reinstes Metall, Probegold. Zum Weisheitstempel liefern drei Wälder das Bauholz» — jetzt übersetzt er —, «der der Sinne, der Vernunft und der göttlichen Offenbarung; der erste liefert das Begreifliche, der zweite das Lebendige und der dritte das Unvergängliche.» — Früher hatte man es in den Bildern von Stein und Holz, das eingelegte Gold. Das übersetzt er in die Sprache des fünften nachatlantischen Zeitraumes: Das erste liefert das Begreifliche — die Sinne; die Vernunft liefert das Lebendige; die Offenbarung liefert das Unvergängliche. Da haben Sie die Übersetzung. — «Aus den Steinen», sagt er weiter, «wurden Wände, aus dem Holz Täfelwerk, und aus dem Golde wurden Bleche zum Überziehen des Täfelwerks und des Marmorpflasters, dann die heiligen Gefäße und Gerätschaften. So werden die Wände des Weisheitstempels aus dem, dessen Wahrheit bis zur sinnlichen Gewißheit sich erhebt», — also das, was die Sinne liefern, bildet die Wände unseres Weisheitstempels — «das Täfelwerk liefern die Vernunftschlüsse, die hinzukommen» — das Holz — «und das Gold daran kommt aus der Harmonie des Erkannten mit der Offenbarung. Der Salomonische Tempel entstand aus vollkommen behauenen Steinen, und während des Baus hörte man keinen Hammer, kein Beil, kein Eisenzeug. So soll bei dem Bau des Weisheitstempels kein Zank und Streit sein, sondern alles im Quadrat bearbeitet sein, so daß es nur der Zusammensetzung bedarf; die Weisheit muß schon vorher erörtert, in allen Dingen herausgearbeitet sein.»
[ 30 ] “But why should the Temple of Pansophy be erected according to the ideas, standards, and laws of the Supreme Architect Himself? Because we follow the archetype of the whole in terms of the dimensions, numbers, arrangement, and purpose of the parts, just as the wisdom of God Himself has prescribed—first with Moses in the construction of the Tabernacle, then with Solomon in the building of the Temple, and finally with Ezekiel in the restoration of the Temple.”—He might just as well have cited the Greek temple. — “If we wish to erect the Temple of Wisdom, we must always remember that the temple to be built was great, magnificent, and worthy of praise throughout all lands, for our God is above all gods. The worthy and skilled builders must therefore be summoned from wherever they can be found, so that they may help find and create what is necessary. Solomon’s Temple was built on Mount Moriah by God’s command; Moriah means ‘the vision of God.’” — Just as man was fashioned from the bosom of the Deity! You have seen: Vitruvius demanded that the architect possess all wisdom concerning man in his spirit. — “The foundation of the Temple of Wisdom will thus be a vision of God”—so through modern knowledge, too, the vision of God, that is, the revelation of God, is to be revealed—“that is, through all that is visible, the invisible Master Builder of the world, with His omnipotence, wisdom, and goodness, is to be recognized and beheld by the human spirit. The building materials of Solomon’s Temple were stones, wood, and metals—namely, precious stones, marble, and gemstones; rich and fragrant woods, firs, and cedars; and the purest metal, refined gold. “Three forests provide the timber for the Temple of Wisdom”—he now translates—“that of the senses, that of reason, and that of divine revelation; the first provides the comprehensible, the second the living, and the third the imperishable.” — In the past, this was depicted in images of stone and wood, with inlaid gold. He translates this into the language of the fifth post-Atlantean epoch: The first provides the comprehensible—the senses; reason provides the living; revelation provides the imperishable. There you have the translation. — “From the stones,” he continues, “walls were made; from the wood, paneling; and from the gold, sheets to cover the paneling and the marble paving, and then the sacred vessels and utensils. Thus, the walls of the Temple of Wisdom are made of that whose truth rises to the level of sensory certainty”—that is, what the senses provide forms the walls of our Temple of Wisdom—“the paneling is provided by the rational conclusions that are added”—the wood—“and the gold on it comes from the harmony of what is known with revelation. The Temple of Solomon was built of perfectly hewn stones, and during its construction no hammer, no axe, and no iron tools were heard. Likewise, in the construction of the Temple of Wisdom there should be no strife or contention, but everything must be prepared in advance so that it requires only assembly; wisdom must already have been discussed and worked out in every detail beforehand.”
[ 31 ] Kein Zank und Streit beim Suchen nach der Weisheit! Deshalb, meine lieben Freunde, ist das, was in unserer Gesellschaft wiederum gesucht werden soll: die geistige Weisheit, auch davon abhängig, daß unter den Mitgliedern nicht Zank und Streit herrscht. Zank und Streit ist ja, wenn unser Ziel erreicht werden soll, aus unsern Reihen ausgeschlossen. Sie wissen ja, besonders die letzten Zeiten haben gezeigt, wie stark diese goldene Regel befolgt wird. — Amos Comenius sagt weiter:
[ 31 ] No quarrels or disputes in the pursuit of wisdom! Therefore, my dear friends, what we must once again seek in our society—spiritual wisdom—also depends on there being no quarrels or disputes among our members. If we are to achieve our goal, quarrels and disputes must be excluded from our ranks. As you know, recent times in particular have shown how strictly this golden rule is followed. — Amos Comenius goes on to say:
[ 32 ] «Die Teile des Salomonischen Tempels waren im schönsten und vollkommensten Verhältnisse nach Zahl und Maß, und ein Engel mit einer Meßschnur usw. machte dem Ezechiel den Riß.» — Da haben Sie wieder die Hindeutung auf den Angelos. — «So soll auch im Weisheitstempel alles wohl bemessen sein, damit der Geist vor allem Abirren bewahrt werde. Im Salomonischen Tempel gab es Zieraten, Bildhauerei, getriebene Arbeiten, Cherubim, Palmen und Blumen. Im Weisheitstempel soll Schönheit, die schöne Darstellung, der Schmuck sein. Alles im Umfange des Salomonischen Tempels Eingeschlossene war heilig. So soll es auch mit dem Weisheitstempel sein; sein Inhalt soll rein und heilig, den höchsten Zwecken gewidmet sein. Was aber Gott einst den Erbauern des Jerusalemischen Tempels verhieß, seine Gegenwart, seine Hilfe, seinen Segen, das können die Errichter des Weisheitstempels auch erwarten; denn er sagt: Ich liebe, die mich lieben usw. und fülle ihre Schätze. Endlich, als bei jenem Salomonischen Tempel der Grund zu den Mauern gelegt wurde, standen die Leviten und Priester in ihrem Schmuck und lobten mit Zimbeln und Pfeifen gemeinschaftlich mit dem Volke den Herrn.»
[ 32 ] “The parts of Solomon’s Temple were in the most beautiful and perfect proportions in terms of number and measurement, and an angel with a measuring line, etc., drew up the blueprint for Ezekiel.” — There you have the reference to the Angelos again. — “So, too, in the Temple of Wisdom, everything is to be well proportioned, so that the Spirit may be preserved from all error. In the Temple of Solomon there were ornaments, sculptures, embossed work, cherubim, palm trees, and flowers. In the Temple of Wisdom, beauty—the beautiful representation—is to be the ornament. Everything enclosed within the walls of the Temple of Solomon was holy. So it shall also be with the Temple of Wisdom; its contents shall be pure and holy, dedicated to the highest purposes. But what God once promised to the builders of the Temple in Jerusalem—His presence, His help, His blessing—the builders of the Temple of Wisdom may also expect; for He says: ‘I love those who love Me,’ etc., and ‘I will fill their treasures.’ Finally, when the foundation of the walls of that Temple of Solomon was laid, the Levites and priests stood in their finery and, together with the people, praised the Lord with cymbals and flutes.”
[ 33 ] So geht es auch, wie Sie wissen, in unserer Zeit! Hier wird gesucht die geistige Weisheit, wie sie sich offenbart durch die geistigen Welten, und die Pfarrer aller Konfessionen stehen draußen, wie Sie wissen, und loben dasjenige, was gefunden wird, mit Zimbeln und mit Pfeifen gemeinschaftlich mit dem Volke des Herrn. Das haben Sie ja wohl schon gesehen, wie das geschieht bei diesen Pfarrern und Gelehrten der gegenwärtigen Zeit!
[ 33 ] That’s how it is in our time, as you know! Here, people seek spiritual wisdom as it is revealed through the spiritual worlds, and the pastors of all denominations stand outside—as you know—and praise what is found with cymbals and pipes, together with the people of the Lord. Surely you have already seen how this happens among these pastors and scholars of the present day!
[ 34 ] «So sollten bei der Errichtung des Weisheitstempels auch alle gottinnigen Leute zusammentreten und den Namen des Herrn preisen von nun an bis in Ewigkeit, vom Aufgange der Sonne bis zu ihrem Niedergange. Wir wünschen eine Schule der Weisheit, universaler Weisheit, eine pansophische oder Allweisheitsschule, das heißt eine Werkstatt, wo alle zur Ausbildung zugelassen, in allem für das Leben — das gegenwärtige und zukünftige — Nötigen Übung erlangen, und zwar ganz vollständig. Und dies auf so sicherem Wege, daß niemand dort gefunden wird, der durchaus nichts von den Dingen wüßte, durchaus nichts verstände, keine wahre und notwendige Anwendung zu machen imstande wäre.»
[ 34 ] “Thus, when the Temple of Wisdom is built, all god-fearing people should gather together and praise the name of the Lord from now on and forevermore, from the rising of the sun to its setting. We desire a school of wisdom, of universal wisdom—a pansophic or all-wisdom school—that is, a workshop where all are admitted for training and gain practice in everything necessary for life—both present and future—and do so in a thoroughly comprehensive manner. And this in such a sure way that no one will be found there who knows absolutely nothing about these matters, understands absolutely nothing, or is incapable of making true and necessary use of this knowledge.”
[ 35 ] Man kann sagen: Was Goethe in «Wilhelm Meister», namentlich in den «Wanderjahren» darstellt, was er aus dem Menschen machen will, ist eine Fortsetzung desjenigen, was Amos Comenius gewollt hat. Und wiederum, ohne daß wir unbescheiden zu sein brauchen, sondern nur indem wir in objektiver Weise blicken auf dasjenige, was Ziel unseres Strebens sein soll: wir können sehen, wie schon im sechzehnten, siebzehnten Jahrhundert der Anfang gemacht wird und wie wir nur die Aufgabe haben, uns in rechter Weise hineinzustellen in den Entwickelungsgang der Menschheit. Dann wird es schon ganz richtig sein, was wir wollen; nicht was aus subjektiver Willkür heraus entsteht, sondern was durch den Entwickelungsgang der Menschheit notwendig geworden ist.
[ 35 ] One might say: What Goethe depicts in Wilhelm Meister, particularly in the Wanderjahre (Years of Wandering), and what he seeks to make of human beings, is a continuation of what Amos Comenius had envisioned. And again, without needing to be immodest, but simply by looking objectively at what should be the goal of our striving, we can see how the foundation was laid as early as the sixteenth and seventeenth centuries, and how our task is simply to position ourselves correctly within the course of human development. Then what we want will indeed be quite right—not what arises from subjective whim, but what has become necessary through the course of human development.
[ 36 ] Den Glauben kann man haben — und ich habe das öfter ausgesprochen —: die heutige Naturwissenschaft arbeitet von der einen Seite her, und die Geisteswissenschaft arbeitet von der anderen Seite, und sie müssen sich in der Mitte treffen zur Gesamtwahrheit. Naturwissenschaft und Geisteswissenschaft widersprechen sich nicht. Wie diejenigen, die einen Tunnel bauen, gewissermaßen von der einen und von der anderen Seite arbeiten können und sich in der Mitte richtig treffen, wenn alles in der richtigen Weise geometrisch angeordnet ist, wenn das Nivellement und alles stimmt, so müssen sich die heutige Naturwissenschaft, wenn sie ehrlich und rechtschaffen zu Werke geht, und die Geisteswissenschaft, wenn sie ehrlich und rechtschaffen zu Werke geht, treffen. Und sie können sich treffen, sie werden sich wirklich treffen. Auch dafür haben wir heute schon Beweise, und dafür möchte ich zum Schlusse noch einiges anführen. Ich könnte viele Beweise anführen, aber zum Schlusse möchte ich nur erwähnen:
[ 36 ] One can hold the belief—and I have often expressed this—that modern natural science works from one side, and Spiritual Science works from the other, and they must meet in the middle to arrive at the whole truth. Natural science and Spiritual Science do not contradict each other. Just as those who build a tunnel can, so to speak, work from one side and the other and meet precisely in the middle if everything is arranged geometrically in the correct way, if the leveling and everything else is correct, so too must modern natural science—if it proceeds honestly and uprightly—and Spiritual Science—if it proceeds honestly and uprightly—meet. And they can meet; they will indeed meet. We already have evidence of this today, and I would like to cite a few examples of this in conclusion. I could cite many examples, but in closing I would just like to mention:
[ 37 ] Es ist in den letzten Tagen ein Buch erschienen von Karl Ludwig Schleich, ein Buch, das aus der Naturwissenschaft heraus arbeitet. «Vom Schaltwerk der Gedanken» heißt es. Ein außerordentlich interessantes Buch, ein Buch eines ehrlichen Naturforschers und Arztes, der aus demjenigen heraus arbeiten will, was ihm die ganze Breite der Sinneswissenschaft gibt. In diesem Buch ist auch ein höchst merkwürdiges Kapitel, das geradezu berufen ist, Epoche zu machen in unserer Zeit, weil es wirklich so dasteht, daß man sagen kann: das arbeitet von der einen Seite her und muß zusammentreffen mit demjenigen, was von der anderen Seite her die Geisteswissenschaft gibt. Dieses Kapitel heißt: «Die Hysterie — ein metaphysisches Problem.» Da werden allerdings merkwürdige hystetische Krankheitsfälle aufgezählt. Ich will Ihnen ein paar nur vorlesen:
[ 37 ] A book by Karl Ludwig Schleich has been published in recent days—a book grounded in the natural sciences. It is titled The Mechanism of Thought. It is an extraordinarily interesting book, written by an honest natural scientist and physician who seeks to work from the full breadth of sensory science. This book also contains a most remarkable chapter that is virtually destined to mark a new era in our time, because it truly stands in such a way that one can say: this approaches the subject from one side and must converge with what Spiritual Science offers from the other side. This chapter is titled: “Hysteria—A Metaphysical Problem.” It does, however, list some remarkable cases of hysteria. I’d like to read just a few of them to you:
[ 38 ] «Eine hysterische junge Dame sitzt auf ihrem Diwan. Ein Ventilator, elektrisch bewegt, steht in der einen Ecke des Zimmers auf einem Tischchen. Bei einem Krankenbesuch sagt, furchtbar erschreckend, die junge Dame echt hysterisch: «Mein Gott, das summt ja so! Wenn das nun eine große Biene wäre.» — Also ein Ventilator! — «Nun, Fräulein, dann würden wir sie zum Fenster hinausjagen» «Nein! nein! sie könnte mich stechen. O Gott! wenn das mein Auge träfe» Während ich sie zu beruhigen suchte, daß ja selbst das ein reparabler, nicht tödlicher Schaden sei, schwoll während meines Zuredens und während dauernder Wehklagen das untere Augenlid der Ärmsten zu einer wirklich hühnereigroßen Geschwulst (Ödem) an, mit teigiger Konsistenz und deutlich entzündlicher Rötung von großer Schmerzhaftigkeit.»
[ 38 ] “A hysterical young lady is sitting on her divan. An electric fan stands on a small table in one corner of the room. During a visit to a sick person, the young lady—truly hysterical and utterly terrifying—says: ‘My God, it’s buzzing so loudly! What if it were a big bee?’ — So it’s a fan! — “Well, young lady, then we’d shoo it out the window.” “No! No! It might sting me. Oh God! If it were to hit my eye…” While I tried to reassure her that even that would be a treatable, non-fatal injury, the poor woman’s lower eyelid swelled—amid my soothing words and her constant wailing—into a swelling (edema) truly the size of a chicken egg, with a doughy consistency and a distinctly inflammatory redness that was extremely painful.”
[ 39 ] Also die Einbildung, daß da eine große Biene ist, während nur ein Ventilator summt, hat genügt, eine wirkliche Geschwulst am Unterlid, die so groß ist, daß man sagen kann hühnereigroß, zu erzeugen! Andere Dinge eignen sich hier vielleicht weniger zum Vorlesen. Aber einen interessanten Fall möchte ich vorlesen, der doch ganz bedeutsam ist, einen «Fall aus der jüngsten Vergangenheit unserer Lazarett-Erfahrungen»:
[ 39 ] So the mere imagination that there was a large bee there, when in fact it was just a fan humming, was enough to cause a real swelling on the lower eyelid—one so large that you could say it was the size of a chicken egg! Other things may be less suitable for reading aloud here. But I would like to read aloud an interesting case that is quite significant—a “case from the recent past of our military hospital experiences”:
[ 40 ] «Ein Unteroffizier, schwarz wie ein Italiener mit dunklen brennenden Augen und schwer zähmbarem, wildem Temperament kam zu uns mit beiderseits durchschossenen Oberarmkugeln und mit schweren Gelenkeiterungen rechts und links. Es gelang, ihn der Heilung nahezuführen, das heißt das Fieber war fort, an den Oberarmknochenstümpfen schon so weit Beweglichkeit, daß er wieder Mundharmonika spielen konnte, diese Lieblingsharfe unserer Armee. Da wurde ein Soldat ihm vis-a-vis ins Bett gebracht, mit Hirnschuß, fiebernd, halb bewußtlos, mit zeitweisen Krämpfen. Bei der Besprechung der Indikation zur Operation fiel in demselben Saale das unvorsichtige Wort: «Vielleicht ist es auch Tetanus) Nun, es war nicht Tetanus (Wundstarrkrampf), ein Stück Schädelknochen wurde entfernt und der Patient geheilt, aber, inzwischen, am dritten Tage nach der Einlieferung des Kopfschusses bekam unser Unteroffizier mit den fast verheilten Oberarmschüssen den ersten Wundstarrkrampf (tetanischen Anfall).» — Also bloß dadurch, daß er das Wort «Tetanus» gehört hatte und wußte, daß das Wundstarrkrampf ist! — «Und das vier Monate nach seiner Einlieferung.» — Also jede Infektion vollständig ausgeschlossen, der andere hatte noch gar nicht Wundstarrkrampf gehabt! — «Alle Symptome waren vorhanden, nur Fieber fehlte. Wir spritzten ihm Antitoxin ins Rückenmark, ohne Erfolg. Mich machte der Anblick des Patienten stutzig. Wir machten die übliche, absolut zuverlässige Probe der Impfung am Kaninchen mit dem Blutwasser des Rückenmarkskanals. Die Probe verlief negativ. Es waren auch keine Tetanusbazillen zu finden. Nach einigen Tagen dann Heilung durch kategorische Erklärung: «Es ist gar kein Wundstarrkrampf'» Also der Fall war ein hysterischer Tetanus.»
[ 40 ] “A noncommissioned officer, as dark-skinned as an Italian, with dark, fiery eyes and a wild, uncontrollable temperament, came to us with bullet wounds through both upper arms and severe joint abscesses on both sides. We managed to bring him close to recovery—that is, the fever was gone, and there was already enough mobility in the stumps of his upper arm bones that he could play the harmonica again, that favorite harp of our army. Then a soldier was brought into the bed opposite him, with a gunshot wound to the brain, feverish, half-unconscious, and suffering from intermittent convulsions. During the discussion of the indications for surgery, the careless remark was made in the same room: “Perhaps it’s tetanus.” Well, it wasn’t tetanus; a piece of skull bone was removed and the patient was cured, but in the meantime, on the third day after being admitted with the head wound, our sergeant—whose upper arm wounds had almost healed—suffered his first tetanic seizure.” — So simply because he had heard the word “tetanus” and knew that it was tetanus! — “And that was four months after his admission.” — So any infection was completely ruled out; the other man hadn’t even had tetanus yet! — “All the symptoms were present; only a fever was missing. We injected antitoxin into his spinal cord, to no avail. The sight of the patient made me suspicious. We performed the standard, absolutely reliable test of inoculating a rabbit with the cerebrospinal fluid from the spinal canal. The test came back negative. No tetanus bacilli were found either. After a few days, he recovered following a definitive explanation: ‘It’s not tetanus at all.’ So the case was a case of hysterical tetanus.”
[ 41 ] Also er hatte nichts von Tetanus in Wirklichkeit, physisch hatte er nichts von Tetanus an sich. Und nun sagt Professor Schleich weiter:
[ 41 ] So he didn't actually have tetanus; physically, there was no sign of tetanus in him. And now Professor Schleich goes on to say:
[ 42 ] «Und nun noch einige Erfahrungen, welche beweisen, daß bis zum letzten, schwersten Prozeß, einer aktiven Hemmung des Lebens, die Hysterie führen kann. Es gibt Fälle von hysterischem Scheintod, die gleichfalls Arndt erwähnt, und so weiter... Scheintote durch Hysterie sind von anderen Autoren sicher beobachtet. Ich kenne sie nicht aus eigener Anschauung.»
[ 42 ] “And now a few more observations that demonstrate that hysteria can lead all the way to the final, most severe stage—an active inhibition of life. There are cases of hysterical apparent death, which Arndt also mentions, and so on... Cases of apparent death due to hysteria have certainly been observed by other authors. I am not familiar with them from personal experience.”
[ 43 ] Ich betone ausdrücklich, daß alle die Fälle, die hier aufgezählt werden, der Geisteswissenschaft sehr gut bekannt sind, für die Geisteswissenschaft durchaus nicht irgendwie etwas Besonderes darstellen. Aber den heutigen Mediziner überraschen sie dann doch. Aber nun ein ganz besonderer Fall:
[ 43 ] I would like to emphasize that all the cases listed here are very well known to Spiritual Science and are by no means anything out of the ordinary for it. Yet they still come as a surprise to today’s medical professionals. But now for a very special case:
[ 44 ] «Ein sehr vermögender Kaufmann, der sein Büro persönlich leitete, kam eines Tages zu mir und bat mich flehend, ihm den Arm abzunehmen, denn er habe sich mit der Feder in den Finger gestochen, und er wüßte, daß er nun an Blutvergiftung sterben müßte. Ich hätte gelacht, wenn nicht die angstverzerrten Züge des Mannes jeden Spott erstickt hätten. Er sei schon bei mehreren ersten Chirurgen, auch bei von Bergmann gewesen, sie alle hätten sich geweigert, ihn zu amputieren. Ich solle mich seiner erbarmen, und ihm den Oberarm, wo es schon überall zucke und muckere, abnehmen. Auch ich mußte natürlich ihn unter allen möglichen Trostversuchen nach Hause gehen lassen. Ich habe ihn an demselben Abend besucht. Keine Temperatursteigerung, keine Spur Schwellung oder Entzündung an der übrigens gereinigten, verbundenen und von mir sogar ausgesaugten kleinen Wunde. Aber ungeheure Aufregung. «Warum amputiert man nicht? Ich könnte gerettet werden» Am nächsten Morgen war der Mann eine Leiche. Mein Freund Langerhans hat die Obduktion gemacht. Keine Infektion. Keine Toxine im Blut. Überhaupt keine Todesursache. Meine Diagnose: Tod aus Hysterie.»
[ 44 ] “A very wealthy merchant, who ran his office personally, came to me one day and begged me to amputate his arm, for he had pricked his finger with a pen and knew that he would now die of blood poisoning. I would have laughed, had the man’s fear-stricken features not stifled any mockery. He said he had already been to several leading surgeons, including von Bergmann, and they had all refused to amputate his arm. I should take pity on him and amputate his upper arm, where it was already twitching and throbbing all over. Naturally, I, too, had to send him home after trying every possible way to comfort him. I visited him that same evening. No rise in temperature, no sign of swelling or inflammation at the small wound—which, incidentally, I had cleaned, bandaged, and even suctioned. But he was in a state of immense agitation. “Why won’t they amputate? I could be saved.” The next morning, the man was dead. My friend Langerhans performed the autopsy. No infection. No toxins in the blood. No cause of death at all. My diagnosis: death from hysteria.”
[ 45 ] Also Sie sehen: Man kann, wie Schleich voll zugibt, durch den Gedanken nicht nur sich eine Augenlidgeschwulst und so weiter zuziehen, sondern man kann sich töten. Das ist die Macht des Gedankens. Das bringt den modernen Arzt, der ehrlich ist mit seiner Wissenschaft, wie in diesem Fall, dazu, zu sagen: Im ersteren Fall, dem der Gewebe-Produktion durch den hysterischen Impuls, liegt das metaphysische Problem der Inkarnation vor. Also der moderne Arzt spricht von Inkarnation: der Gedanke inkarniert, verfleischt sich, wie sich die Seele verfleischt, wenn sie aus den geistigen Welten heruntersteigt und den ganzen Organismus anfacht. Also der Arzt ist sehr weit von der anderen Seite im Entgegenkommen. Und im zweiten, dem des mediumistischen Schauens: eine Art Hellsehen von Krankheitsmöglichkeiten. Von Hellsehen und Inkarnation muß der ehrliche moderne Naturforscher sprechen, wenn er nachdenken will über dasjenige, was ihm einfach die Erfahrung liefert.
[ 45 ] So you see: As Schleich fully admits, through the power of thought one can not only cause a swelling of the eyelid and so on, but one can even kill oneself. That is the power of thought. This leads the modern physician, who is honest about his science—as in this case—to say: In the former case—that of tissue production through a hysterical impulse—the metaphysical problem of incarnation arises. So the modern physician speaks of incarnation: the thought incarnates, takes on a physical form, just as the soul takes on a physical form when it descends from the spiritual worlds and stirs the entire organism. Thus, the physician is very far from the other side in terms of openness. And in the second case, that of mediumistic vision: a kind of clairvoyance regarding potential illnesses. The honest modern natural scientist must speak of clairvoyance and incarnation if he wishes to reflect on what experience simply provides him with.
[ 46 ] Sie sehen, es ist nicht aus der Luft gegriffen, wenn gesagt wird, wir wollen nichts Willkürliches, sondern Naturwissenschaft und Geisteswissenschaft müssen von zwei Seiten aus arbeiten. Im Worte werden sie sich begegnen. Das ist nicht aus einer Willkür, nicht aus einer fanatischen Agitationssucht heraus gesprochen, sondern das ist aus der Erkenntnis der Zeitbedingungen heraus gesprochen. Nur wird selbstverständlich eine Untersuchung nötig, man wird leicht erkennen: Der gewöhnliche Gedanke kann natürlich nicht eine Anschwellung erzeugen. Versuchen Sie es nur, denken Sie noch so sehr, Sie werden eine Geschwulst bekommen: Sie werden schon nicht diese Geschwulst bekommen. Gott sei Dank, möchte ich sagen, der gewöhnliche Gedanke kann das nicht, der gewöhnliche Gedanke tötet Sie auch nicht, da können Sie ganz getrost sein. Dahinter stecken überall Mysterien. Aber vor allen Dingen steckt eines dahinter: Solange man bei dem gewöhnlichen Ich bleibt und dem Inhalte der Gedanken, kommt man nicht zurecht. Was ist bei der hysterischen Dame geschehen, die die Anschwellung des Unterlids bekommen hatte? Der Gedanke, der sich ihr bildlich gestaltet hat an der Ventilation, er ist zur Imagination geworden und hinuntergerollt zum astralischen Leib. Da kann er dann durch den Ätherleib und in den physischen Leib hinein sich inkarnieren. Darüber muß man sich klar sein: Wenn man beim Ich stehen bleibt und dem astralischen Leibe, und nicht den Ätherleib und physischen Leib dazu hat, kann man das alles nicht erklären. Der Ich-Gedanke tötete auch diesen Kaufmann nicht, sondern da war, was in diesem Ich-Gedanken lebte, hinuntergedrungen in den astralischen Leib, und der steht mit den Entstehungs- und Vergehungskräften in unmittelbarem Zusammenhang. Man wird also eben erst dasjenige finden müssen, was die Geisteswissenschaft von der anderen Seite der Naturwissenschaft zuträgt. Leider reden wir vielfach in den Worten noch aneinder vorbei. In den Tatsachen treffen wir uns schon, aber in den Worten reden wir vielfach aneinander vorbei, und es wäre gut, wenn das auch einmal aufhören würde.Und wahrhaftig, nicht um dieses ausgezeichnete Buch zu kritisieren, das wirklich Epoche machen kann auch von diesem Gesichtspunkte aus, den ich angedeutet habe, sondern um zu zeigen, wie man aneinander vorbeitedet durch die Zeitverhältnisse, möchte ich dieses zeigen. Gerade bei einem durch und durch ehrlichen Forscher ist es vielleicht besser, dieses zu zeigen, als bei jemandem, bei dem diese Ehrlichkeit nicht über allen Zweifel erhaben ist. Sehen Sie, Schleich redet in diesem Buche auch, und zwar in demjenigen Kapitel, das dem andern vorangeht, über den «Mythos vom Stoffwechsel im Gehirn». Der Mythos vom Stoffwechsel im Gehirn ist ihm schon bloß ein Mythos. Das ist sehr schön, das ist epochemachend. Aber nun sagt er: Goethe habe schon gewußt, daß der Schädel, die Schädelknochen, umgewandelte Wirbelknochen sind. Das ist ja natürlich sehr weit bekannt. Nun kommt er darauf, daß man damit aber sich nicht begnügen muß, daß man nicht dabei stehen bleiben muß. Das ist sehr schön von Schleich, daß er darauf kommt, daß man damit sich nicht begnügen muß, sondern: der ganze Schädel selber ist umgewandeltes Ganglion, umgewandelte Rückenmarksteile. Und nun sagt er, Goethe war doch wirklich in seiner Art ein Seher, und meint, Goethe hätte vielleicht auch auf diese Idee schon kommen können, daß nicht nur die Knochen umgewandelt sind aus den Rückenwirbelknochen, sondern daß auch das ganze Gehirn umgewandelt ist. Sehr schön schließt Schleich dieses Kapitel über den Mythos vom Stoffwechsel im Gehirn, indem er sagt:
[ 46 ] You see, it is not just a figment of the imagination when we say that we do not want anything arbitrary, but rather that the natural sciences and Spiritual Science must work from two sides. In the word, they will meet. This is not spoken out of caprice, nor out of a fanatical craving for agitation, but rather out of an understanding of the conditions of our time. Of course, an investigation is necessary, and one will easily recognize: Ordinary thought cannot, of course, produce a swelling. Just try it—no matter how hard you think, you will not develop a tumor: You certainly will not develop such a tumor. Thank God, I would say—ordinary thought cannot do that, nor will ordinary thought kill you; you can rest assured of that. There are mysteries behind all of this. But above all, there is one thing behind it: as long as one remains with the ordinary “I” and the content of one’s thoughts, one will not find a way forward. What happened to the hysterical woman who developed swelling in her lower eyelid? The thought that took on a visual form in her mind—the image of the ventilation—became an imagination and rolled down into the astral body. From there, it can then incarnate through the etheric body and into the physical body. One must be clear about this: If one stops at the “I” and the astral body, and does not include the etheric body and the physical body, one cannot explain any of this. The “I”-thought did not kill this merchant either; rather, what lived within that “I”-thought had penetrated down into the astral body, and the astral body stands in direct connection with the forces of creation and decay. So we will first have to discover what Spiritual Science contributes from the other side of natural science. Unfortunately, we often still talk past one another in our words. We already agree on the facts, but in our words we often talk past one another, and it would be good if that would finally come to an end. And truly, not to criticize this excellent book—which can indeed mark a new era even from the perspective I have indicated—but to show how we talk past one another due to the circumstances of the times, I would like to point this out. It is perhaps better to demonstrate this in the case of a thoroughly honest researcher than in the case of someone whose honesty is not beyond all doubt. You see, Schleich also discusses in this book—specifically in the chapter preceding the other one—the “myth of metabolism in the brain.” For him, the myth of metabolism in the brain is nothing more than a myth. That is very fine; it is epoch-making. But now he says: Goethe already knew that the skull—the skull bones—are transformed vertebral bones. That is, of course, widely known. Now he points out, however, that one need not be satisfied with this, that one need not stop there. It is very insightful of Schleich to realize that one need not be satisfied with this, but rather: the entire skull itself is transformed ganglion, transformed parts of the spinal cord. And now he says that Goethe was truly a seer in his own way, and suggests that Goethe might also have already come up with the idea that not only are the bones transformed from the vertebrae, but that the entire brain is also transformed. Schleich concludes this chapter on the myth of metabolism in the brain very beautifully by saying:
[ 47 ] «Wenn Goethe, dieser Seher und Prophet, so vieles Zusammenhängende der Gottnatur bemerkte und bewies, daß der Schädel mit allen seinen Schalen nichts ist als ein plattenförmig aufgerollter Halswirbel, weil alle Bestandteile des Letzteren an der beinernen Hülle des Gehirns nachweisbar sind, so sollte mich wundernehmen, ob er nicht auch den Gedanken, den wir eben aussprachen, «von dem Auftürmen des Gehirns aus den Elementen des Rückenmarks» gleich uns im Labyrinth seiner Gedanken gewälzt hat. Es würde mich nicht überraschen, wenn darüber noch einmal irgendein Goethesches Zettelchen gefunden würde. Denn wozu sollte der Wirbel sich mit Schwanenflügeln emporgewölbt haben, wenn er nicht etwas zu empfangen, zu bedecken, zu schützen gehabt hätte: den emporsteigenden Kuppelbau des Zentralorgans ?»
[ 47 ] “If Goethe, that seer and prophet, observed so many interconnected aspects of the divine nature and proved that the skull, with all its layers, is nothing more than a cervical vertebra rolled up into a flat disc—since all the components of the latter can be detected in the bony shell of the brain—then I would be surprised if he had not also been tossed about, just as we have been, in the labyrinth of his thoughts by the very idea we have just expressed, “of the brain’s formation from the elements of the spinal cord”—just as we have, in the labyrinth of his thoughts. It would not surprise me if some little note by Goethe on this subject were to be found once again. For why else would the vertebra have arched upward with swan’s wings, if it had not had something to receive, to cover, to protect: the soaring domed structure of the central organ?”
[ 48 ] Also 1916 sagt Schleich, es wird ihn gar nicht wundern, wenn von Goethe ein Zettel gefunden würde, worauf das steht, daß er das gefunden hat. 1892 habe ich diesen Zettel bereits gefunden im Weimarer Goethe- und Schiller-Archiv, und habe auch wiederholt diesen ganzen Gedanken, den Schleich heute wiedergibt, mit diesem Fund aus dem Goethe- und Schiller-Archiv zusammen veröffentlicht. Also dasjenige, was Schleich meint, daß einmal solch ein Zettel gefunden werden könnte, das ist 1892 geschehen und ist bekannt. Sie sehen, wir reden aneinander vorbei. Man kann es objektiv nachweisen, daß wir aneinander vorbeireden, weil leider die Einrichtungen des heutigen Literaturbetriebes nicht so sind, daß man wirklich, ich möchte sagen, wie selbstverständlich hingetrieben wird zur Verständigung. Hier haben wir ein eklatantes Beispiel, wo aus dem besten Willen heraus und auch mit dem nötigen Genie jemand darauf kommt: es könnte dies ja da sein. Es ist da seit mehr als zwanzig Jahren! Aber heute spricht er davon so, daß er sich nicht wundern würde, wenn es einmal gefunden würde. Sehr interessant, sehen Sie, für die ganze Art und Weise, wie das Zusammenwirken gegenwärtig ist zwischen dem, was Wissenschaft treibt. An solchen Dingen ist außerordentlich viel besonders dann zu lernen, wenn man gerade sicher sein kann, daß nicht ein Funke böser Wille dahinter ist, sondern daß die Sache absolut mit ehrlichen Dingen zugeht. Aber Sie sehen daraus zugleich, wie dasjenige, was geschieht von seiten der Geisteswissenschaft, wahrhaftig nicht auf Willkür beruht, sondern wie es darauf beruht, daß erkannt wird eine innere Notwendigkeit des Geistesganges der Menschheit. Und dieser Geistesgang der Menschheit, er zeigt uns schon wirklich, daß eine gewisse Summe von geistigen Erkenntnissen in die Menschheit einströmen und zum Heile der Menschheit gestaltet werden müsse.
[ 48 ] So in 1916, Schleich said he wouldn’t be at all surprised if a note by Goethe were found stating that he had discovered this. I had already found this note in 1892 at the Goethe and Schiller Archive in Weimar, and I have also repeatedly published this entire line of thought—which Schleich is now repeating—along with this discovery from the Goethe and Schiller Archive. So what Schleich is referring to—that such a note might one day be found—actually happened in 1892 and is well known. You see, we’re talking past each other. It can be objectively demonstrated that we’re talking past each other, because, unfortunately, the structures of today’s literary world aren’t such that one is truly—I’d say—naturally led toward mutual understanding. Here we have a striking example where, out of the best of intentions and with the necessary genius, someone comes to the conclusion: “This might actually be there.” It’s been there for more than twenty years! But today he speaks of it in such a way that he wouldn’t be surprised if it were ever discovered. Very interesting, you see, for the whole nature of the current interplay between what science is pursuing. There is an extraordinary amount to be learned from such things, especially when one can be certain that there isn’t a shred of ill will behind them, but that the matter is being handled with absolute honesty. But at the same time, you can see from this how what is happening on the part of Spiritual Science is truly not based on arbitrariness, but rather on the recognition of an inner necessity in the spiritual development of humanity. And this spiritual development of humanity truly shows us that a certain body of spiritual knowledge must flow into humanity and be shaped for the benefit of humanity.
[ 49 ] Die Zeit ist auch in dieser Beziehung für vieles reif, und es darf nicht übersehen werden, heute, in der Zeit, wo das Blut eine solche Morgenröte für eine neuere Zeit bildet, wo so viele Seelen zu uns sprechen, die durch des Todes Pforte als Opfer der Zeit gegangen sind, daß die geistige Welt pocht an den Toren, die von der Geisteswelt in unsere Welt hereinführen. Es darf nicht übersehen werden, es darf der Ruf nach Geistigem heute nicht überhört werden. Denn der Geist kommt schon. Er kündet sich in der verschiedensten Weise an. Er muß nur in die richtigen Bahnen geleitet werden. Und da muß man allerdings sagen: Da wird demjenigen, was auf diesen richtigen Bahnen schreiten will, nicht immer auch in der entsprechend richtigen Weise begegnet. Wenn wie bei uns versucht wird, in einer wirklich von Wissenschaftlichkeit getragenen Art, die geistige Welt hereinzubringen, dann findet das wahrhaftig nicht die Zimbeln und Pfeifen der heutigen Priester und Leviten, sondern es findet allerlei Gegnerschaft, Gegnerschaft zuweilen durchaus nicht einwandfreier Art. Man muß nur die ganze Bedeutsamkeit, die hinter dieser Tatsache liegt, ins Auge fassen. Da hat man auf der einen Seite den Versuch, in einer von Wissenschaftlichkeit getragenen Art die Offenbarungen der geistigen Welt der Menschheit zu eröffnen. Da kommen dann allerlei Leute, die in solcher Weise diesen Versuchen begegnen, wie immer ihnen begegnet wird von denjenigen, die Sie schon kennen, bis zu solchen Leuten herab, die wahrhaftig mit den Mienen von ganz gescheiten, wie etwa Thassilo von Scheffer oder ähnliche, alles dasjenige, was von unserer Seite gerade kommt, mit ihrem leeren Wortgerede bedenken. Aber auf der anderen Seite sehen wir, wie, ich möchte sagen, gewaltsam hereingerissen werden gewisse Wahrheiten der geistigen Welt in die Kanäle, durch die sie heute kommen können. Nicht nur, daß jetzt zum Beispiel überall aufgeführt wird das bedeutsame «Traumspiel» von Strindberg, in dem gesehen werden kann ein solches Hereinbrechen der geistigen Welt, ein Hereinbrechen, an dem viel erkannt werden kann, wir haben auch andere, nicht so schöne, nicht so bedeutsame Arten des Hereinbrechens der geistigen Welt in unsere physische Welt. Da haben Sie heute einen Schriftsteller, der in weiteren Kreisen wirken kann, auf der einen Seite, weil er wirklich den Leuten interessant sein kann, weil sich ihm bis zu ganz außerordentlichen Weiten gewisse Zugänge zur geistigen Welt öffnen. Es strömt vieles in ihn ein, es wird in ihm nur alles verzerrt, karikiert, aber dadurch vielleicht gerade interessant für sehr viele Leute der Gegenwart. Und dadurch hat er die Möglichkeit, auf diese Leute zu wirken, denn er schildert geradezu futuristisch, nicht als Maler, sondern als Schriftsteller. Wenn Sie den «Golem» von Gustav Meyrink lesen, so haben Sie darin etwas, von dem man nur sagen kann: Gewaltsam bricht herein ein Strom des geistigen Lebens, aber verzertt, karikiert, in Formen, wo es mehr schaden als nützen kann für denjenigen, der nicht fest steht. Aber es kommt als Zeitphänomen hinzu. Es bricht herein ein Strom von geistiger Welt, der fortlebt in der kleinen, ausgezeichneten Erzählung «Der Kardinal Napellus». Gerade in diesem «Kardinal Napellus» finden Sie gewisse Erkenntnisse, die der Mann hat von dem eigentümlichen Spielen der Akasha-Chronik und so weiter, in einer wunderbaren Weise. Das ist sogar ohne all die wüste, wilde Futuristik geschildert, die in dem «Golem» zutage tritt. Da finden Sie wirklich — und solche Erscheinungen könnte man viele und viele in der gegenwärtigen Zeit aufzählen —, die geistige Welt will herein. Und es gehört einfach zu dem Ernst, zu dem wir heute aufgefordert werden, daß man Verständnis gewinnt auch für diese Seite des Ernstes, der da führt zu einem Öffnen unserer Seele, unseres Herzens, unseres Kopfes gegenüber den Strömungen der geistigen Welt.
[ 49 ] In this regard, too, the time is ripe for many things, and it must not be overlooked—today, at a time when blood heralds such a dawn for a new era, when so many souls speak to us who have passed through the gate of death as victims of the times—that the spiritual world is knocking at the gates that lead from the spiritual world into ours. This must not be overlooked; the call for the spiritual must not be ignored today. For the Spirit is already coming. It announces itself in the most diverse ways. It only needs to be guided along the right paths. And here one must certainly say: What seeks to walk along these right paths is not always met in the correspondingly right way. When, as in our case, an attempt is made to introduce the spiritual world in a manner truly grounded in scientific rigor, this is certainly not met with the cymbals and pipes of today’s priests and Levites, but rather with all manner of opposition—opposition that is at times by no means above board. One need only consider the full significance behind this fact. On the one hand, there is the attempt to open up the revelations of the spiritual world to humanity in a manner grounded in scientific rigor. Then all sorts of people come along who meet these attempts in various ways—ranging from those you already know, down to people who, with the air of being quite intelligent—such as Thassilo von Scheffer or the like—criticize everything coming from our side with their empty rhetoric. But on the other hand, we see how—I would say—certain truths of the spiritual world are being forcibly drawn into the channels through which they can come today. Not only is Strindberg’s significant A Dream Play, for example, now being performed everywhere—in which one can see such an irruption of the spiritual world, an irruption from which much can be recognized—but we also have other, less beautiful, less significant forms of the spiritual world’s irruption into our physical world. Take, for example, a writer today who can have an impact on a wider audience—on the one hand, because he can genuinely be of interest to people, since certain avenues into the spiritual world open up to him to an extraordinary degree. Much flows into him, yet within him everything is distorted and caricatured—but perhaps that is precisely what makes it interesting to so many people today. And this gives him the ability to influence these people, for he depicts things in a truly futuristic way—not as a painter, but as a writer. When you read Gustav Meyrink’s The Golem, you encounter something about which one can only say: A torrent of spiritual life bursts in violently, yet distorted and caricatured, taking forms that can do more harm than good to those who lack a firm foundation. But it emerges as a phenomenon of our time. A torrent from the spiritual world bursts in, one that lives on in the short, excellent story Cardinal Napellus. It is precisely in this “Cardinal Napellus” that you will find, in a wonderful way, certain insights the man has into the peculiar workings of the Akashic Records and so on. This is depicted even without all the chaotic, wild futurism that comes to the fore in “The Golem.” There you will truly find—and one could list many, many such phenomena in the present time—that the spiritual world is seeking to enter. And it is simply part of the seriousness to which we are called today that we also gain an understanding of this aspect of that seriousness, which leads to an opening of our soul, our heart, and our mind to the currents of the spiritual world.
[ 50 ] Dann kann sich in dem Sinne, wie ich das öfter gesagt habe, das erfüllen, was sich erfüllen muß insbesondere durch geisteswissenschaftliche Bestrebungen gegenüber den großen, schweren Tatsachen unserer Zeit:
[ 50 ] Then, in the sense that I have often spoken of, what must come to pass—particularly through endeavors in the field of Spiritual Science in the face of the great, weighty realities of our time—can be fulfilled:
Aus dem Mut der Kämpfer,
Aus dem Blut der Schlachten,
Aus dem Leid Verlassener,
Aus des Volkes Opfertaten
Wird erwachsen Geistesfrucht
Lenken Seelen geistbewußt
Ihren Sinn ins Geisterreich.
From the courage of the fighters,
From the blood of the battles,
From the suffering of the forsaken,
From the sacrifices of the people
The fruit of the spirit grows
Guiding souls with spiritual awareness
Their minds toward the spirit realm.
