The Connection Between
the Living and the Dead
GA 168
10 October 1916, Zurich
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The Connection Between the Living and the Dead, tr. SOL
4. Wie Kann die seelische not der Gegenwart Überwunden Werden?
4. How Can the Spiritual Distress of the Present Be Overcome?
[ 1 ] Was wir suchen als geisteswissenschaftliche Wahrheiten, soll uns nicht sein ein totes, sondern ein lebendiges Erkennen, ein Erkennen, das wirklich in das Leben, an allen Stellen dieses Lebens und an den wichtigsten Punkten dieses Lebens, seinen Einzug halten kann. Es ist nur natürlich und selbstverständlich, daß Geisteswissenschaft heute noch vielfach recht abstrakt aufgenommen wird und daß man in dieser Abstraktheit, in der man die Geisteswissenschaft aufnimmt, durch sie vielleicht sogar zu einer Art abgezogenen Wissens kommt, das sich zunächst wenig fruchtbar für das Leben erweist und das insbesondere den Leuten, die noch wenig Kenntnis genommen haben von der Geisteswissenschaft, den Eindruck macht: Was soll denn das eigentlich alles, wenn man da nun schon weiß, der Mensch bestehe aus soundso viel Gliedern, die Menschheit habe sich durch verschiedene Kulturepochen entwickelt und werde sich weiterentwickeln — und so weiter. Menschen, die da glauben, nach den Anforderungen unserer heutigen Zeit so ganz im praktischen Leben drinnenstehen zu sollen, denen kommt dann Geisteswissenschaft oftmals recht unfruchtbar vor. Und unfruchtbar wird sie ja vielfach auch von solchen, die auch heute schon etwas Herz und Sinn für sie haben, getrieben.
[ 1 ] What we seek as truths of the humanities should not be a dead form of knowledge, but a living one—a form of knowledge that can truly take root in life, in all its aspects and at its most important junctures. It is only natural and to be expected that spiritual science is still often received in a rather abstract way today, and that through this abstractness with which spiritual science is received, one might even arrive at a kind of detached knowledge that initially proves to be of little benefit to life and that, in particular, gives people who have not yet become familiar with spiritual science the impression: What is the point of all this, after all, when one already knows that the human being consists of so many parts, that humanity has developed through various cultural epochs and will continue to develop—and so on. To people who believe they must be fully engaged in practical life in accordance with the demands of our time, spiritual science often seems quite unproductive. And indeed, it is often rendered unproductive even by those who already have some heart and interest in it today.
[ 2 ] Dennoch, Geisteswissenschaft selbst ist, so wie sie ist, etwas unendlich Lebendiges, etwas, das bis in die äußersten Lebenspraktiken hinein lebendig werden kann und auch im Laufe der Zeit lebendig werden muß. Wir wollen das, was ich so einleitungsweise gesagt habe, heute uns einmal an einem besonderen Beispiel klarlegen. Wir wollen etwas herausgreifen aus unserer Geisteswissenschaft, das wir ja alle voraussichtlich kennen, das uns gut bekannt ist, an dem wir aber zeigen wollen, wie es nach und nach, indem man es lebensvoll betrachtet, erst recht lebendig wird.
[ 2 ] Nevertheless, spiritual science itself, just as it is, is something infinitely alive, something that can come alive even in the most practical aspects of life and must also come alive over time. Today, let us use a specific example to clarify what I said in my introduction. Let us take something from our spiritual science—something we are all presumably familiar with, something well known to us—but which we want to use to show how, little by little, by viewing it in a life-affirming way, it becomes all the more alive.
[ 3 ] Die meisten von uns werden öfter gehört haben und sich öfter durch die Seele haben ziehen lassen, daß unserer Zeit vorangegangen ist die sogenannte vierte nachatlantische Kulturperiode, in welcher die Griechen und die Römer die bedeutendsten Völker waren, daß aber auch die folgenden Jahrhunderte bis ins 14., 15. Jahrhundert herein noch beeinflußt waren von den Impulsen dieser vierten nachatlantischen Kulturperiode und daß wir seit dem 15. Jahrhundert in der fünften nachatlantischen Kulturperiode drinnenstehen, in dieser Periode in unsere Jetzige Inkarnation hineingeboren sind und noch viele Jahrhunderte die Menschen in dieser Kulturperiode leben werden. Wir wissen ferner und haben es oftmals, wenigstens die meisten von uns, durch unsere Seele ziehen lassen, daß in der vierten nachatlantischen, der griechisch-römischen Kulturperiode vorzugsweise in der Menschheit ausgebildet worden ist durch alles das, was äußere Kultur und äußere Arbeit war, die sogenannte Verstandes- oder Gemütsseele und daß jetzt die Aufgabe ist, auszubilden die Bewußiseinsseele.
[ 3 ] Most of us have likely heard many times—and have often let the thought sink deep into our souls—that our era was preceded by the so-called fourth post-Atlantean cultural epoch, in which the Greeks and Romans were the most significant peoples; but that the centuries that followed, up through the 14th, 15th centuries were still influenced by the impulses of this fourth post-Atlantean cultural period; and that since the 15th century we have been living in the fifth post-Atlantean cultural period, were born into our present incarnation during this period, and that people will continue to live in this cultural period for many centuries to come. We also know—and most of us, at least, have often allowed this to sink into our souls—that during the fourth post-Atlantean, the Greco-Roman cultural period, what was primarily developed in humanity through all that constituted external culture and external work was the so-called intellectual or emotional soul, and that the task now is to develop the consciousness soul.
[ 4 ] Was heißt das: die Bewußtseinsseele soll ausgebildet werden? Richtig verstanden, schließt das, was eben jetzt in abstrakter Form vorgebracht worden ist, das Schicksal unserer ganzen fünften nachatlantischen Kulturperiode für die Menschheit ein. Die verschiedenen Völker dieser fünften nachatlantischen Kulturperiode sollen zusammenwirken, um die Bewußtseinsseele zum Ausdruck zu bringen. Dies drückt sich aus wirklich in allen Lebensverhältnissen und Lebensumständen. Wenn wir das Leben richtig betrachten, so bestätigt es uns überall die Wahrheit, daß unsere Zeit die Auslebung der Bewußtseinsseele darstellt. Das ganze Menschenleben war in dem vorhergehenden, in dem griechisch-römischen Zeitraume anders. Da ist gewissermaßen auf der Stufe, auf der die Menschheit eben stand in der nachatlantischen Zeit, dieser Menschheit geschenkt worden die Kraft des Verstandes und die Kraft des Gemütes. Verstand ist etwas, was vieles in sich schließt. Man betrachtet das heute nicht mehr vollständig genau. Die Griechen, die Römer waren anders von ihrem Verstande in ihrer Seele abhängig als die Menschen der heutigen fünften Kulturperiode. Die Griechen und Römer, sie bekamen gewissermaßen den Verstand, soweit sie ihn brauchten, fertig mit in ihre natürliche Entwickelungsanlage hinein. Es war ganz, ganz anders. Der Mensch wuchs auf, und so wie die natürlichen Anlagen sich entwickelten, so wuchs in einer gewissen Weise der natürliche Verstand mit. Man brauchte den natürlichen Verstand nicht in derselben Weise auszubilden, wie das heute schon notwendig ist und in der fünften nachatlantischen Zeit immer notwendiger und notwendiger werden wird; er entwickelte sich wie eine natürliche Fähigkeit. Und entweder ergab es sich, daß ein Mensch in einer Inkarnation, wenn er sich einfach unter den natürlichen Verhältnissen entwickelte, Verstand hatte, oder er hatte ihn nicht. Dann war das etwas Krankhaftes. Aber es war eben auch etwas Abnormes, es war nicht das Gewöhnliche.
[ 4 ] What does it mean to say that the consciousness soul is to be developed? Properly understood, what has just been presented in abstract form encompasses the destiny of our entire fifth post-Atlantean cultural epoch for humanity. The various peoples of this fifth post-Atlantean cultural period are to work together to give expression to the soul of consciousness. This truly manifests itself in all aspects and circumstances of life. If we observe life correctly, it confirms to us everywhere the truth that our time represents the full expression of the soul of consciousness. Human life as a whole was different in the preceding, Greco-Roman period. There, at the stage at which humanity stood in the post-Atlantean era, so to speak, the power of the intellect and the power of the soul were bestowed upon humanity. The intellect is something that encompasses many things. Today, this is no longer viewed with complete accuracy. The Greeks and Romans were dependent on their intellect within their souls in a different way than people in today’s fifth cultural epoch. The Greeks and Romans, so to speak, were born with the intellect—to the extent they needed it—already incorporated into their natural developmental makeup. It was very, very different. A person grew up, and as their natural faculties developed, their natural intellect grew along with them in a certain way. There was no need to train the natural intellect in the same way that is already necessary today and will become increasingly necessary in the fifth post-Atlantean epoch; it developed like a natural ability. And either it turned out that a person, in a given incarnation, possessed intellect simply by developing under natural conditions, or they did not. In the latter case, it was something pathological. But it was also something abnormal; it was not the norm.
[ 5 ] Und ebenso war es mit dem Gemüte. So wie es angemessen war für diese vierte nachatlantische Zeit, so entwickelte sich das Gemüt. Wenn ein Mensch einem anderen Menschen gegenübertrat, so wußte er sich — die Geschichte erzählt uns davon wenig, aber es war doch so —, er wußte sich einzustellen auf den anderen Menschen. Das insbesondere ergibt einen großen Unterschied zwischen den Menschen der früheren Jahrhunderte bis ins 15. Jahrhundert und den Menschen unserer jetzigen Zeit. Die Menschen dieser früheren Jahrhunderte gingen nicht, ich möchte sagen, so stark interesselos aneinander vorbei, wie das oftmals in der heutigen Zeit der Fall ist. Heute brauchen wir, wenn ein Mensch dem anderen begegnet, oftmals lange Zeit zum rechten Bekanntwerden. Man muß dies oder jenes gegenseitig von sich kennenlernen, bis man anfängt, sich zu trauen, bis man Vertrauen gewinnt. Dasjenige, was heute erst nach langem Umgang gewonnen wird und auch da oftmals nicht, das wurde in früheren Jahrhunderten, namentlich in der Zeit der griechisch-römischen Kulturperiode, mit einem Schlag erobert, wenn die Menschen einander begegneten. Wie sie zueinander kommen konnten vermöge ihrer Individualitäten, das wurde rasch entwickelt; man brauchte nicht so lange Gedanken und Gefühle auszutauschen. Es wurde rasch Bekanntschaft geschlossen, soweit eben diese Bekanntschaft zum Heile war für die beiden Menschen oder auch für mehrere Menschen, die sich zu einer Gesellschaft zusammenschlossen, soweit das eben irgend vonnöten war. Das Gemüt des einen Menschen wirkte noch viel spiritueller in das Gemüt des anderen Menschen hinüber. So wie man heute noch durch seine Sinne die Farben der Pflanzen richtig erkennen kann — in der siebenten nachatlantischen Kulturperiode wird man das auch nicht mehr so ohne weiteres können, sondern da werden besondere Umstände nötig sein, um sogar die Natur kennenzulernen —, also so, wie man heute noch die Pflanzen auf einen Schlag kennenlernt, nicht erst durch einen näheren Umgang — durch den lernt man das Intimere kennen, aber das, was der gewöhnliche Mensch kennenlernt von den Pflanzen, lernt er erkennen auf den ersten Eindruck hin —, so war es auch mehr den Menschen gegenüber. Aber diese Art reichte auch nur aus für die einfacheren Lebensverhältnisse der damaligen Zeit. Wir müssen denken, daß diese Art des Gemütszusammenhanges zwischen den Menschen für den vierten nachatlantischen Zeitraum wohl angemessen war. Denn heute umspannt die Welt ein ganz anderes Netz von Gefühlszusammenhängen als damals. Denken Sie doch, daß das weitaus meiste in den Verhältnissen der Menschen im vierten nachatlantischen Zeitraum beruhte auf dem persönlichen Zusammentreffen, und daß dasjenige, was die Menschen untereinander auszumachen hatten, durch das persönliche Zusammentreffen ausgemacht worden ist. Die Buchdruckerkunst, die den Verkehr unpersönlich, in unpersönlicher Weise schon bis heute gestaltet hat und ihn immer mehr und mehr gestalten wird, gehört erst dem fünften nachatlantischen Zeitraume an. Und die modernen Verkehrsverhältnisse bringen die Menschen so zueinander, daß im Grunde genommen Verhältnisse, die sich auf einen Schlag bilden, gar nicht zum Heil sein könnten. So treten durch diese ganzen modernen Verkehrsverhältnisse die Menschen viel, viel unpersönlicher einander in der Welt entgegen.
[ 5 ] And the same was true of the human spirit. The spirit developed in a way that was appropriate for this fourth post-Atlantean epoch. When one person encountered another, they knew how—history tells us little about this, but it was indeed so—they knew how to attune themselves to the other person. This, in particular, marks a major difference between the people of earlier centuries—up through the 15th century—and the people of our present time. The people of those earlier centuries did not, I would say, pass each other by with such indifference as is often the case today. Today, when one person meets another, it often takes a long time to truly get to know one another. We have to get to know this or that about one another before we begin to trust each other, before we gain confidence. What today is only gained after a long period of interaction—and even then often not at all—was achieved in a single moment in earlier centuries, particularly during the Greco-Roman cultural period, when people met one another. How they could relate to one another through their individualities was quickly established; there was no need to spend so much time exchanging thoughts and feelings. Acquaintances were made swiftly, insofar as this acquaintance was beneficial for the two people—or even for several people who came together to form a community—whenever that was necessary. One person’s spirit had a much more profound spiritual influence on another’s. Just as today we can still correctly perceive the colors of plants through our senses—in the seventh post-Atlantean cultural period, this will no longer be possible so readily, but special circumstances will be necessary even to come to know nature— just as today one still comes to know plants at a glance, not only through closer interaction—through which one comes to know their more intimate aspects, but what the ordinary person learns about plants, they recognize at first glance—so it was also the case with people. But this approach was sufficient only for the simpler living conditions of that time. We must consider that this kind of emotional connection between people was quite appropriate for the fourth post-Atlantean epoch. For today, the world is encompassed by a very different network of emotional connections than it was back then. Just consider that the vast majority of human relationships in the fourth post-Atlantean epoch was based on personal encounters, and that whatever people had to settle among themselves was settled through these personal encounters. The art of printing, which has already shaped communication in an impersonal way up to the present day and will continue to do so more and more, belongs only to the fifth post-Atlantean epoch. And modern conditions of communication bring people together in such a way that, fundamentally speaking, relationships that form in an instant could not possibly be beneficial. Thus, through all these modern forms of communication, people encounter one another in the world in a much, much more impersonal way.
[ 6 ] Daraufhin ist auch die Menschheit organisiert, die nun nicht fertig mitbekommt Gemüt, das schlagkräftig wirkt, nicht fertig mitbekommt Verstand, der durchdringend wirkt, sondern, durch die Bewußtseinsseele ausgebildet, ich möchte sagen etwas viel Abgesonderteres, Individuelleres, mehr auf den Egoismus hin, auf die menschliche Einsamkeit im eigenen Leibe hin Organisiertes mitbekommt, als Verstandes- oder Gemütsseele es waren. Durch die Bewußtseinsseele ist der Mensch viel mehr ein einzelnes Individuum, ein Einsiedler, der durch die Welt wandelt, als er es war durch die Verstandes- oder Gemütsseele. Und das ist auch das wichtigste Charakteristikum schon geworden für unsere Zeit und wird es immer mehr und mehr werden, daß sich die Menschen in sich abschließen werden. Die Bewußtseinsseele gibt den Charakter des Sich-Abschließens von der übrigen Menschheit, des mehr Isoliert-Lebens. Daher macht es größere Schwierigkeit, mit dem anderen bekannt und namentlich vertraut zu werden; es bedarf erst der Verhältnisse eines umständlichen Kennenlernens, um mit dem anderen vertraut zu werden.
[ 6 ] Humanity, too, is organized accordingly; it no longer fully grasps a soul that acts with power, nor does it fully grasp a mind that acts with penetrating insight, but—shaped by the soul of consciousness— I would say, perceives something far more distinct, more individual, organized more toward egoism, toward human loneliness within one’s own body, than the intellectual or emotional soul ever were. Through the soul of consciousness, the human being is much more of an individual, a hermit wandering through the world, than he was through the soul of the intellect or the soul of feeling. And this has already become the most important characteristic of our time—and will become so more and more—that people will withdraw into themselves. The consciousness soul gives rise to a tendency to withdraw from the rest of humanity and to live a more isolated life. Consequently, it becomes more difficult to get to know others and become familiar with them by name; it first requires the process of a laborious getting-to-know-you phase in order to become familiar with the other person.
[ 7 ] Was soll denn durch dieses alles erreicht werden? Das werden wir am besten einsehen, wenn wir eine gewisse geisteswissenschaftliche Wahrheit wohl erwägen, die uns sagt: So wie wir Menschen überhaupt im Leben heute zusammenkommen, so ist das nicht zufällig, wahrhaftig nicht zufällig. Die Lebensbahnen führen uns mit gewissen Menschen zusammen, mit anderen führen sie uns nicht zusammen. Das aber beruht heute durchaus auf den Wirkungen des Karma der einzelnen Menschen. Denn wir sind in eine Entwickelungsperiode der Menschheit eingetreten, die in gewisser Beziehung zu einer Höhe gebracht hat die früheren karmischen Entwickelungen, die die Menschen durchgemacht haben. Denken Sie doch, wieviel weniger die Menschen Karma angesammelt hatten, als die ersten Zeiten der Erdenentwickelung da waren! Mit jedem Male, wenn wir inkarniert werden, bildet sich neues Karma. Die Menschen mußten ja erst auf der Erde einander gegenübertreten in Verhältnissen, ohne daß sie früher zusammen gewesen waren, wo sie erst neue Verhältnisse anspinnen mußten. Aber wir sind allmählich dadurch, daß wir oft und oft auf der Welt inkarniert waren, in solche Verhältnisse eingetreten, daß wir eigentlich in der Regel keinem Menschen entgegentreten, mit dem wir nicht dieses oder jenes in früheren Inkarnationen durchgemacht haben. Wir werden durch dasjenige, was wir in früheren Inkarnationen durchgemacht haben, mit den Menschen zusammengeführt. Es erscheint «zufällig», daß diese oder jene Menschen sich treffen; in Wahrheit beruht das alles auf den früheren Inkarnationen, wo man sich schon getroffen hat, wo die Kräfte erzeugt wurden, daß man in einer gewissen Weise jetzt wieder zusammengeführt wird.
[ 7 ] What is the purpose of all this? We can best understand this by carefully considering a certain spiritual-scientific truth that tells us: The way we human beings come together in life today is not by chance—truly, not by chance. Our life paths bring us together with certain people, but not with others. And this is entirely due to the effects of each individual’s karma. For we have entered a period of human development that, in a certain sense, has brought the earlier karmic developments that people have undergone to a higher level. Just think how much less karma people had accumulated in the earliest days of Earth’s development! Every time we incarnate, new karma is formed. At first, people had to encounter one another on Earth in relationships where they had never been together before, and where they first had to forge new bonds. But gradually, through having incarnated time and again in this world, we have entered into such relationships that, as a rule, we do not encounter anyone with whom we have not experienced this or that in previous incarnations. We are brought together with other people through what we have experienced in previous incarnations. It may seem “coincidental” that this or that person meets another; in truth, all of this is based on previous incarnations, where we have already met, where the forces were generated that now bring us together again in a certain way.
[ 8 ] Nun kann sich — was geschehen soll für unseren Zeitpunkt — die in sich abgeschlossene Bewußtseinsseele nur ausbilden, wenn weniger in Betracht kommt dasjenige, was jetzt in der Gegenwart zwischen Menschen und Menschen sich abspielt, als wenn wirksam werden kann im Inneren, einsiedlerisch, das, was aufsteigt in uns als Ergebnis früherer Inkarnationen. In der griechisch-römischen Zeit war es noch so, daß, wenn zwei Menschen einander begegneten, sie einen gegenseitigen Eindruck aufeinander machen sollten, und dieser sollte schlagkräftig wirken. Jetzt, wenn wir zusammentreffen, damit die mehr im Menschen isolierte Bewußtseinsseele sich entwickeln kann, jetzt soll mehr die Sache so sein: Ein Mensch trifft den anderen; da soll mehr wirksam werden das, was in dem einen oder in dem anderen Menschen auftaucht als Ergebnis früherer Inkarnationen. Das braucht länger als das unmittelbare Kennenlernen, ich möchte sagen auf den Augenschein hin; das braucht, daß die Menschen erst nach und nach, gefühlsmäßig, instinktmäßig heraufkommen lassen dasjenige, was sie mit dem anderen Menschen durchlebt haben. Das ist eben das, was wir heute fordern: daß wir einander kennenlernen, daß sich die Individualitäten erst abschleifen. Denn in diesem Kennenlernen, Abschleifen der Individualitäten, darin liegt es, daß aufsteigen noch unbewußt, instinktiv die Reminiszenzen, die Nachwirkungen der früheren Inkarnationen. Und nur, wenn so der Mensch mehr aus seinem Inneren heraus auch in ein Verhältnis zu anderen Menschen tritt, kann die Bewußtseinsseele sich ausbilden; während mehr durch das schlagkräftige Sich-Kennenlernen im Gegenübertreten die Verstandes- und Gemütsseele sich ausbildet.
[ 8 ] Now—and this is what must happen at our present time—the self-contained soul of consciousness can develop only if less attention is paid to what is currently taking place between people in the present than to what can take effect within, in solitude, that which arises within us as a result of earlier incarnations. In Greco-Roman times, it was still the case that when two people met, they were expected to make a mutual impression on one another, and this impression was supposed to have a powerful effect. Now, when we come together so that the consciousness soul—which is more isolated within the human being—can develop, the situation should be more like this: One person meets another; what emerges in one or the other as a result of past incarnations should play a greater role. This takes longer than getting to know one another immediately—I would say at first glance; it requires that people gradually, through feeling and instinct, bring to the surface what they have experienced together with the other person. This is precisely what we call for today: that we get to know one another, that our individualities first be smoothed out. For it is in this process of getting to know one another—this smoothing out of individualities—that the reminiscences and aftereffects of past incarnations rise up, still unconsciously and instinctively. And only when a person enters into a relationship with others more from within can the consciousness soul develop; whereas the intellectual and emotional souls develop more through the powerful process of getting to know one another in face-to-face encounters.
[ 9 ] So sind die Dinge recht einander angepaßt. Und was ich Ihnen jetzt charakterisiert habe, ist für den fünften nachatlantischen Zeitraum erst im Anfange. Immer schwieriger und schwieriger werden es die Menschen haben, indem dieser fünfte nachatlantische Zeitraum abläuft, sich in ein rechtes Verhältnis zueinander zu bringen, weil dieses Sich-in-ein-rechtes-Verhältnis-Bringen eben Aufwendung innerer Entwickelung, innerer Betätigung fordert. Es hat schon begonnen; aber das, was begonnen hat, wird immer weiter und weiter sich verbreiten, intensiver und intensiver werden. Wie ist es heute schon für Menschen, die durch das Karma zusammengeführt werden, schwierig geworden, sich unmittelbar zu verstehen, weil sie vielleicht wiederum durch andere karmische Verhältnisse nicht die Kraft finden, alle Beziehungen sich instinktiv zu vergegenwärtigen, die aus früheren Inkarnationen bestehen! Menschen werden zusammengeführt, lieben sich; das rührt her von gewissen Wirkungen aus früheren Inkarnationen. Aber andere Kräfte wirken dem entgegen, wenn solch eine Reminiszenz aufsteigt; sie kommen wieder auseinander. Und nicht nur Menschen, die sich so im Leben getroffen haben, müssen probieren, ob das, was in ihnen aufsteigt, wirklich ausreicht, um ein dauerndes Verhältnis zu begründen, sondern immer schwieriger wird es, daß die Söhne, die Töchter die Väter und Mütter verstehen, immer schwieriger und schwieriger wird es, daß die Eltern ihre Kinder verstehen, immer schwieriger wird es, daß die Geschwister einander verstehen. Das gegenseitige Verständnis wird immer schwieriger und schwieriger, weil immer mehr und mehr es notwendig wird, daß die Menschen dasjenige, was karmisch in ihnen sitzt, erst wirklich aus dem Inneren aufsteigen lassen.
[ 9 ] This is how things are properly aligned with one another. And what I have just described to you is only just beginning for the fifth post-Atlantean epoch. As this fifth post-Atlantean epoch progresses, it will become increasingly difficult for people to establish the right relationship with one another, because establishing this right relationship requires the effort of inner development and inner activity. It has already begun; but what has begun will spread farther and farther and become more and more intense. How difficult it has already become today for people who are brought together by karma to understand one another immediately, because—perhaps due to other karmic circumstances—they cannot find the strength to instinctively recall all the relationships that stem from past incarnations! People are brought together and fall in love; this stems from certain effects of past incarnations. But other forces work against this when such a reminiscence arises; they drift apart again. And it is not only people who have met in this way in life who must test whether what arises within them is truly sufficient to establish a lasting relationship; it is also becoming increasingly difficult for sons and daughters to understand their fathers and mothers, increasingly difficult for parents to understand their children, and increasingly difficult for siblings to understand one another. Mutual understanding is becoming increasingly difficult because it is becoming more and more necessary for people to first allow what lies within them karmically to truly rise up from within.
[ 10 ] Sie sehen, welche Perspektive negativer Art sich da über den fünften nachatlantischen Zeitraum hin eröffnet — Schwierigkeit im gegenseitigen Verständnis der Menschen. Das aber erfordert, daß wir dieser Entwickelungsbedingung klar ins Auge schauen, daß wir nicht träumerisch im Dunkeln hinleben wollen; denn diese Entwickelungsbedingung ist durchaus notwendig. Würde das nicht über die fünfte nachatlantische Menschheit verhängt sein, daß das gegenseitige Kennenlernen schwierig ist, so würde sich nicht die Bewußtseinsseele ausbilden können, so würden die Menschen mehr im Gemeinsamen aus natürlichen Anlagen leben müssen. Dann würde sich nicht das Individuelle der Bewußtseinsseele ausbilden können. Also es muß so sein, die Menschen müssen diese Prüfung durchmachen. Aber auf der anderen Seite muß dem klar ins Auge geschaut werden, denn selbstverständlich würde, wenn nur diese negative Seite der Entwickelungsbedingungen des fünften nachatlantischen Zeitraumes herauskommen würde, Krieg und Streit bis in die kleinsten Verhältnisse hinein in der fünften nachatlantischen Menschheit entstehen müssen. Daher sehen wir instinktiv heraufkommen eine gewisse Summe von Bedürfnissen in dieser fünften nachatlantischen Zeit, die sich aber immer bewußter und bewußter gestalten müssen. Und sie bewußter und bewußter zu gestalten, ist eine der Aufgaben der Geisteswissenschaft für die fünfte nachatlantische Menschheit.
[ 10 ] You can see what kind of negative perspective is opening up here over the fifth post-Atlantean epoch—difficulty in mutual understanding among people. But this requires that we look this condition of development squarely in the face, that we do not want to live dreamily in the dark; for this condition of development is absolutely necessary. If it were not the case that mutual understanding is difficult for humanity in the fifth post-Atlantean epoch, the consciousness soul would not be able to develop, and people would have to live more in community based on natural inclinations. Then the individuality of the consciousness soul would not be able to develop. So it must be this way; people must undergo this trial. But on the other hand, this must be clearly recognized, for it goes without saying that if only this negative aspect of the developmental conditions of the fifth post-Atlantean period were to come to the fore, war and strife would inevitably arise even in the smallest spheres of life among the fifth post-Atlantean humanity. Therefore, we instinctively perceive a certain set of needs emerging in this fifth post-Atlantean era, which, however, must take shape in an ever more conscious manner. And shaping them in an ever more conscious manner is one of the tasks of spiritual science for fifth post-Atlantean humanity.
[ 11 ] Ich brauche nur ein Wort zu nennen, dann wird jedem von uns gleich aufgehen, wie ein Heilmittel gesucht wird für die eine Richtung, die notwendig auftreten muß, für die Schwierigkeit des gegenseitigen Verständnisses. Ich brauche nur das Wort zu nennen: Es muß, und zwar bewußt, weil wir im Zeitalter der Bewußtseinsseele leben, immer mehr und mehr Sinn erweckt werden in diesem fünften nachatlantischen Zeitraum für soziales Verständnis. Das ist dasjenige, was in einem Worte zusammenfaßt Bedürfnisse, die im vierten nachatlantischen Zeitraum durchaus nicht in demselben Maße vorhanden waren. Wer die Struktur des Griechentums, die Struktur des Römertums richtig zu studieren vermag, der weiß, daß der Individualismus innerhalb dieses Griechentums und Römertums in der Menschheit nicht so veranlagt war, wie er jetzt veranlagt ist in der europäischen oder überhaupt auch in der von der europäischen abhängigen amerikanischen Menschheit. Sie werden besonders das begreifen, wenn Sie den Menschen vergleichen — damit man vergleichen kann, kann man gleich radikale Vergleiche nehmen — mit einer Tiergattung. Warum lebt eine Tiergattung unter sich in gewissen Grenzen verbunden? Doch aus dem Grunde, weil sie durch ihre Gruppenseele, durch ihre Gattungsseele dazu veranlagt ist. Den Tiergattungen ist es eingeboren, das ist da eine Selbstverständlichkeit; sie können aber auch nicht herauswachsen, sie bleiben darinnen. Der Mensch muß herauswachsen. Jeder einzelne Mensch muß individuell sich ausbilden, und insbesondere in unserer heutigen Zeit der Bewußtseinsseele ist eine der Hauptsachen dieses individuelle Sich-Ausbilden. Über der griechischen und römischen Kultur ist durchaus noch ein Anflug von Gattungsseelentum. Wir sehen den Menschen noch hineingestellt auch in eine soziale Ordnung, die, wenn sie auch mehr durch moralische Kräfte ihre Struktur, ihre Formation hatte, so doch eine feste Formation hatte. Aber diese Formationen werden im fünften nachatlantischen Zeitraum immer mehr und mehr aufgelöst werden. Dieser Anflug von Gruppenseelentum, der noch über dem vierten nachatlantischen Zeitraum war, der hat keinen Sinn mehr für diesen fünften nachatlantischen Zeitraum. Dafür aber muß bewußterweise soziales Verständnis auftauchen, das heißt, es muß auftauchen alles dasjenige, was hervorgeht aus einem tieferen Verständnis für richtige individuelle menschliche Wesenheit. Dafür wird erst Geisteswissenschaft dieses richtige Verständnis entwickeln. Und Platz greifen wird, wenn die Geisteswissenschaft aus dem Abstrakten ins Konkrete, ins Lebensvolle sich immer mehr und mehr hineinentwickeln wird, innerhalb der Kreise, welche Geisteswissenschaft treiben, eine ganz besondere Art, ich möchte sagen von Menschenkunde, von Erweckung für menschliches Interesse. Da wird es geben diejenigen, die gewisse Anlagen dazu haben, ihre Mitmenschen zu unterrichten darüber, wie die Menschen verschiedene Temperamente haben, wie die Menschen verschiedene Charakteranlagen haben, wie der eine Mensch, der ein solches Temperament hat, so genommen werden muß, wie ein anderer Mensch, der eine solche Charakteranlage hat, mit diesem Temperament wieder anders genommen werden muß; da werden die Menschen, die besonders dafür begabt sind, andere Menschen, die etwas lernen müssen, darinnen unterrichten: Sehet es euch genauer an: Es gibt diesen Menschentyp, es gibt einen anderen Menschentyp, und man muß den einen Menschen so nehmen und den anderen anders nehmen. — Praktische Psychologie, praktische Seelenkunde, aber auch praktische Lebenskunde wird getrieben werden, und durch dieses wird sich ergeben ein wirkliches soziales Verständnis der Menschheitsentwickelung.
[ 11 ] I need only mention one word, and it will immediately become clear to each of us how to find a remedy for the one direction that must necessarily arise—the difficulty of mutual understanding. I need only mention the word: In this fifth post-Atlantean epoch, a sense of social understanding must be awakened more and more—and consciously, because we live in the age of the conscious soul. This is what, in a word, sums up needs that were by no means present to the same degree in the fourth post-Atlantean epoch. Anyone who is able to study the structure of Greek civilization and the structure of Roman civilization correctly knows that individualism within these civilizations was not as deeply ingrained in humanity as it is now in European society—or indeed in American society, which is dependent on Europe. You will understand this particularly well if you compare human beings—and to make a comparison, one can take radical examples—with an animal species. Why does an animal species live together within certain boundaries? Precisely because it is predisposed to do so by its group soul, by its species soul. It is innate to animal species; this is a matter of course. Yet they cannot grow beyond it; they remain within it. Human beings must grow beyond it. Every single human being must develop individually, and especially in our present age of the consciousness soul, this individual development is one of the most important things. A hint of species-soul mentality still lingers over Greek and Roman culture. We still see human beings placed within a social order which, even if its structure and form were shaped more by moral forces, nevertheless possessed a firm structure. But these structures will be dissolved more and more in the fifth post-Atlantean epoch. This vestige of group soul life, which still prevailed in the fourth post-Atlantean epoch, no longer has any meaning for this fifth post-Atlantean epoch. Instead, however, a conscious social understanding must emerge—that is, everything that arises from a deeper understanding of true individual human being must come to the fore. It is spiritual science alone that will develop this true understanding. And as spiritual science develops more and more from the abstract into the concrete, into the living, a very special kind of—I would say—human studies, an awakening to human interest, will take hold within the circles that practice spiritual science. There will be those who have a particular aptitude for teaching their fellow human beings about how people have different temperaments, how people have different character traits, how one person with a certain temperament must be treated in one way, while another person with a certain character trait must be treated differently in relation to that temperament; there will be people who are particularly gifted in this regard, who will teach others who need to learn: Look at it more closely: There is this type of person, there is another type of person, and one must treat one person in one way and another person in another way. — Practical psychology, practical psychology of the soul, but also practical life studies will be pursued, and through this a genuine social understanding of human development will emerge.
[ 12 ] Was ist denn bis jetzt aufgetreten als soziales Verständnis? Bis jetzt sind aufgetreten abstrakte Ideale, die mannigfaltigsten abstrakten Ideale von Menschheits-, von Völkerbeglückung, diese und jene Sozialiismen. Wenn man diese da oder dort auftretenden sozialen Ideen wirklich einführen wollte in die Welt, würde man erst sehen, wie man es nicht machen kann. Dasjenige, um was es sich handelt, ist ja zunächst gar nicht, Gesellschaften oder Sekten zu gründen mit bestimmten Programmen, sondern Menschenkunde, praktische Menschenkenntnis zu verbreiten, namentlich auch solche Menschenkenntnis, die uns möglich macht, den werdenden, den aufwachsenden Menschen richtig zu verstehen, das Kind richtig zu verstehen, wie sich jedes Kind mit einer eigenen Individualität entwickelt. Dadurch lernen wir uns ins Leben so hineinzustellen, daß wir die richtigen karmischen Wirkungen, die in uns sind, wenn wir dann durch das Karma einem Menschen gegenübergestellt werden, mit dem wir ein näheres solches oder solches Verhältnis bekommen sollen, daß wir die richtigen, die Dauerbeziehungen entwickeln, diejenigen Beziehungen, die wirklich am fruchtbarsten für das Leben werden können. Praktische Menschenkunde, praktisch wirkendes Menschheitsinteresse, das ist es, worauf es ankommt. Heute ist die Menschheit auf diesem Gebiete noch gar nicht besonders weit, noch sehr wenig weit gediehen. Wie urteilen wir denn heute, wenn wir einem Menschen gegenübertreten? Er ist uns sympathisch oder antipathisch. Gehen Sie durch die Welt und sehen Sie, wie in den meisten Fällen dies das einzige Urteil ist, oder, wenn mehrere Urteile auftreten, wie sie doch ganz beherrscht sind von diesem einzigen Gesichtspunkte: der ist mir sympathisch, der ist mir antipathisch, oder: das an ihm ist mir sympathisch, das an ihm ist mir antipathisch. Vorgefaßte Meinungen! Man stellt sich vor: so und so sollte der Mensch eigentlich sein; wenn man dann sieht, er ist in dem oder jenem anders, dann fällt man über ihn ein Urteil. Ehe nicht diese Art des Sympathisch- oder Antipathischfindens aus Vorurteilen, aus besonderen Liebhabereien heraus, die man über diesen oder jenen Menschencharakter hat, aufhört, und ehe sich nicht verbreitet die Gesinnung, den Menschen zu nehmen, wie er ist, kann nicht vorwärtsgeschritten werden in wirklicher praktischer Menschenkenntnis.
[ 12 ] What, then, has emerged so far in terms of social understanding? So far, what has emerged are abstract ideals—the most diverse abstract ideals of the happiness of humanity and of nations—this or that form of socialism. If one truly wanted to introduce these social ideas, which arise here and there, into the world, one would first see how impossible it is to do so. What is at stake here is not, at first, the founding of societies or sects with specific programs, but rather the dissemination of human knowledge—practical knowledge of human nature—and specifically that kind of knowledge which enables us to correctly understand the developing, growing human being, to correctly understand the child, and to see how each child develops with its own individuality. Through this, we learn to position ourselves in life in such a way that, when karma brings us face to face with a person with whom we are meant to form a closer relationship of one kind or another, we can respond to the right karmic effects within us—so that we develop the right, lasting relationships, those relationships that can truly be the most fruitful for life. Practical knowledge of human nature, a practical concern for humanity—that is what matters. Today, humanity has not yet progressed very far in this area; it has advanced only very little. How do we judge a person today when we encounter them? We find them likable or unlikable. Go out into the world and see how, in most cases, this is the only judgment we make—or, if multiple judgments arise, how they are nevertheless entirely dominated by this single point of view: I find this person likable, I find that person unlikable; or: I find this aspect of them likable, I find that aspect of them unlikable. Preconceived notions! People imagine: this or that is how a person should actually be; and when they then see that he is different in this or that way, they pass judgment on him. Until this kind of feeling of sympathy or antipathy—arising from prejudices and from particular preferences one has regarding this or that human character—ceases, and until the attitude of accepting people as they are becomes widespread, no progress can be made in true, practical knowledge of human nature.
[ 13 ] Denken Sie doch, wie heute sehr häufig, wenn zwei Menschen einander gegenübertreten unter diesen oder jenen Voraussetzungen, in dem einen sogleich etwas auftaucht von Antipathie — er mag den anderen nicht — und wie dann alles das, was er diesem Menschen gegenüber tut, in das Licht dieses Nichtmögens gestellt wird. Dadurch wird sehr häufig ein karmisches Verhältnis ganz und gar ausgelöscht, ganz und gar auf eine falsche Fährte geführt und muß erst wiederum zurückgelegt werden bis in die nächste Inkarnation, wo diese Menschen wiederum zusammentreffen. Sympathien und Antipathien sind die größten Feinde des wirklichen sozialen Interesses. Das beachtet man sehr häufig nicht. Derjenige, der weiß, was in wirklichem, sozialem Verständnis liegt für die Weiterentwickelung der Menschheit, der beachtet mit manchmal furchtbar beklommenem Herzen, wie Lehrer in der Schule wirken, die aus gewissen Vorurteilen heraus den einen Schüler von vornherein sympathisch oder nicht sympathisch dem anderen gegenüber finden. Das ist oft furchtbar; während es sich darum handelt, jeden zu nehmen, wie er ist, und aus dem, was er ist, das Allerbeste zu machen.
[ 13 ] Just think how often it happens today that when two people meet under certain circumstances, one of them immediately feels a sense of antipathy—he doesn’t like the other—and how everything he does toward that person is then viewed through the lens of that dislike. As a result, a karmic relationship is very often completely obliterated, led entirely astray, and must be worked through again until the next incarnation, when these people meet once more. Sympathies and antipathies are the greatest enemies of genuine social concern. This is very often overlooked. Those who understand what true social understanding entails for the further development of humanity observe—sometimes with a heavy heart—how teachers in schools act when, based on certain prejudices, they find one student more or less likable than another from the very beginning. This is often terrible; whereas the point is to accept everyone as they are and to make the very best of who they are.
[ 14 ] Das geht aber dann in die Einrichtungen hinein. Unsere Einrichtungen, unsere sozialen Gesetze, die die Individualität der Lehrer oftmals furchtbar auslöschen, die sind schon so, daß auf die Individualität in Wirklichkeit nicht eingegangen werden kann. Da muß wirkliches Verständnis für Geisteswissenschaft so wirken, daß praktische Seelenkunde und praktische Menschenkunde in das allgemeine Interesse aufgenommen werden. Das ist notwendig zum sozialen Verständnis, um in dem sozialen Verständnis gewissermaßen den anderen Pol zu schaffen für das Schwierigwerden des Sich-Verstehens.
[ 14 ] But this then extends into the institutions themselves. Our institutions, our social laws—which often terribly stifle the individuality of teachers—are such that, in reality, individuality cannot be addressed. A genuine understanding of spiritual science must take effect in such a way that practical psychology and practical anthropology are incorporated into the public interest. This is necessary for social understanding, in order to create, so to speak, the other pole within social understanding to counteract the growing difficulty of mutual understanding.
[ 15 ] Das ist dasjenige, was im fünften nachatlantischen Zeitraum ganz besonders auftreten muß, damit die Menschheit die Bewußtseinsseele voll entwickeln kann. Die Menschen müssen die Dinge alle durch Prüfungen durchmachen, indem sich ihnen gewissermaßen die Gegenkräfte in den Weg stellen. So werden die Sympathie- und Antipathiegefühle wirklich sich ausbreiten, und nur im Bekämpfen, im bewußten Bekämpfen der oberflächlichen Sympathie- und Antipathiegefühle wird die Bewußtseinsseele richtig geboren werden können. Ebenso werden entgegentreten sozialem Verständnis zwischen Mensch und Mensch immer mehr und mehr die nationalen Gefühle und Empfindungen, die im Grunde genommen erst im 19. Jahrhundert in der Form, wie sie jetzt vorhanden sind, überhandgenommen haben und die in eminentester Weise entgegenwirken dem sozialen Verständnisse, dem wirklichen Interesse von Mensch zu Mensch. Und so, wie heute diese nationalen Gegensätze, nationalen Sympathie- und Antipathiegefühle auftreten, so sind sie eine starke, eine furchtbare Prüfung für die Menschheit, weil ein Heil nur darinnen liegen kann, daß sie überwunden werden. Würden die Sympathie- und Antipathiegefühle, die aus dem nationalen Empfinden hervorgehen, weiter überhandnehmen, wie sie sich angelassen haben, dann würde die Menschheit verträumen die Entwickelung der Bewußtseinsseele. Denn die nationalen Gefühle gehen nach der entgegengesetzten Richtung hin; die gehen darauf hin, den Menschen nicht selbständig werden zu lassen, sondern ihn so zu machen, daß er nur wie ein Abklatsch, wie ein Abbild erscheint dieser oder jener Gruppenhaftigkeit, Nationalität.
[ 15 ] This is precisely what must occur in the fifth post-Atlantean epoch so that humanity can fully develop the consciousness soul. People must put everything to the test, as it were, by having opposing forces stand in their way. In this way, feelings of sympathy and antipathy will truly spread, and only through the struggle—the conscious struggle against these superficial feelings of sympathy and antipathy—will the soul of consciousness be able to be truly born. Likewise, social understanding between people will be increasingly opposed by national sentiments and feelings, which, in essence, only gained the upper hand in the 19th century in the form in which they now exist, and which work in the most profound way against social understanding and genuine interest from person to person. And just as these national antagonisms—these national feelings of sympathy and antipathy—manifest themselves today, they constitute a severe, a terrible trial for humanity, because salvation can lie only in their being overcome. If the feelings of sympathy and antipathy arising from national sentiment were to continue to run rampant, as they have begun to do, then humanity would squander the development of the conscious soul. For national sentiments point in the opposite direction; they aim not to allow human beings to become independent, but to make them appear merely as a pale imitation, as a reflection of this or that group identity, this or that nationality.
[ 16 ] Das ist das erste, was wir ins Auge fassen müssen, wenn wir praktisch den sonst abstrakten Satz vor unsere Seele hinführen, daß in diesem fünften nachatlantischen Zeitraum die Bewußtseinsseele besonders zur Entwickelung kommen müsse.
[ 16 ] This is the first thing we must consider when we bring before our minds—in a practical way—the otherwise abstract statement that, in this fifth post-Atlantean epoch, the consciousness soul must develop in a special way.
[ 17 ] Ein Weiteres muß eintreten in diesem fünften nachatlantischen Zeitraum, wenn die Bewußtseinsseele sich wirklich entfalten soll. Das ist, daß in den Menschen, insofern sie individueller und immer individueller werden, ein gewisses Veröden, ein richtiges Veröden des religiösen Lebens eintreten muß, wenn dieses religiöse Leben sich nicht anpassen will dem fünften nachatlantischen Zeitraum, sondern so bleiben will, wie es richtig war für den vierten nachatlantischen Zeitraum. Für den vierten nachatlantischen Zeitraum mußten, weil die Menschen noch mehr auf die Gruppenhaftigkeit angelegt waren, Gruppenreligionen entstehen. Es mußte gleichsam über Menschengruppen ausgegossen werden durch Macht Gemeinsames in Dogmen, Gemeinsames in religiösen Grundsätzen, in religiösen Gedanken. Weil aber der Drang nach Individualität durch die Bewußtseinsseele immer stärker und stärker werden wird im fünften nachatlantischen Zeitraum, wird es so sein, daf3 dasjenige, was so spricht aus den Gruppenreligionen heraus, nicht mehr zum Herzen, nicht mehr zur Individualität der einzelnen Seelen dringen wird. Und die Menschen werden einfach nicht verstehen dasjenige, was aus den Gruppenreligionen heraus kommt. Im vierten nachatlantischen Zeitraum konnte man noch die Menschen gruppenhaft über den Christus unterrichten, im fünften nachatlantischen Zeitraum zieht in Wirklichkeit der Christus in die einzelnen Seelen schon hinein. Wir tragen im Unbewußten oder Unterbewußten alle den Christus schon in uns. Aber er muß erst in uns selber wiederum zum Verständnis gebracht werden. Das geschieht nicht dadurch, daß den Menschen festgestellte, starre, erstarrte Dogmen aufgedrängt werden, sondern das geschieht dadurch, daß versucht wird, alles dasjenige, was beitragen kann, den Christus allseitig den Menschen verständlich zu machen, oder überhaupt das religiöse Erkennen allseitig, vielseitig zu fördern, daß alles, was dies fördern kann, auch wirklich versucht wird. Daher muß in diesem fünften nachatlantischen Zeitraum immer mehr und mehr Toleranz gerade in bezug auf die Gedanken des religiösen Lebens eintreten. Und während im vierten nachatlantischen Zeitraum die Sache noch so war, daß derjenige, der für die Religion gewirkt hat, so gewirkt hat, daß er seinen Mitmenschen eine gewisse Anzahl Dogmen, fester Sätze vermittelt hat, muß das im fünften nachatlantischen Zeitraum ganz, ganz anders werden. Da handelt es sich um etwas ganz anderes. Da handelt es sich darum, daß eben, weil die Menschen immer individueller und individueller werden, versucht wird, vom Dogma ganz freizukommen und dogmenfrei dasjenige, was man mehr aus persönlichem innerem Erleben dem anderen Menschen erzählen, beschreiben kann, wirklich so vor ihn hinzubringen, daß sein eigenes, freies religiöses Gedankenleben individuell in ihm entwickelt werden kann. Die Dogmenreligionen, die einzelnen festen Dogmen, Konfessionen, die werden im fünften nachatlantischen Zeitraum das religiöse Leben in Wahrheit ertöten. Daher beginnt man richtig für den fünften nachatlantischen Zeitraum, wenn man den Menschen immer mehr und mehr begreiflich macht: In den ersten Jahrhunderten des Christentums war dieses ganz besonders für die Menschen geeignet, wirkte das, in den folgenden Jahrhunderten ein anderes. Aber es gibt andere Religionen. Man versucht, das Wesen anderer Religionen verständlich zu machen; man versucht, verschiedene Seiten der Christus- Auffassung verständlich zu machen. Dadurch bringt man vor jede Seele dasjenige, was diese Seele vertiefen kann. Aber man formt die Seele selber nicht, man läßt ihr, namentlich auf religiösem Gebiet, ihre Gedankenfreiheit, um diese Gedankenfreiheit zur Entfaltung zu bringen.
[ 17 ] Something else must occur in this fifth post-Atlantean epoch if the consciousness soul is to truly unfold. That is, as human beings become more and more individual, a certain desolation—a true desolation of religious life—must set in if this religious life refuses to adapt to the fifth post-Atlantean epoch and instead insists on remaining as it was appropriate for the fourth post-Atlantean epoch. In the fourth post-Atlantean epoch, because human beings were still more inclined toward group solidarity, group religions had to emerge. A sense of the common—in dogmas, in religious principles, and in religious ideas—had to be, as it were, poured out over groups of people through a higher power. But because the urge toward individuality, driven by the consciousness soul, will grow stronger and stronger in the fifth post-Atlantean epoch, it will be the case that what is proclaimed from within the group religions will no longer penetrate the heart or the individuality of each soul. And people will simply not understand what comes from the group religions. In the fourth post-Atlantean epoch, it was still possible to teach people about Christ as a group; in the fifth post-Atlantean epoch, Christ is in fact already drawing into the individual souls. We all already carry Christ within us in the unconscious or subconscious. But he must first be brought to our understanding within ourselves. This does not happen by imposing fixed, rigid, ossified dogmas on people, but rather by striving to do everything that can help make Christ comprehensible to people from every angle—or, indeed, to promote religious understanding in a comprehensive and multifaceted way—so that everything capable of fostering this is genuinely pursued. Therefore, in this fifth post-Atlantean epoch, there must be ever-increasing tolerance, especially with regard to the ideas of religious life. And whereas in the fourth post-Atlantean epoch the situation was still such that those who worked for religion did so by imparting a certain number of dogmas and fixed tenets to their fellow human beings, this must become quite, quite different in the fifth post-Atlantean epoch. Here, the matter at hand is something entirely different. It is a matter of the fact that, precisely because people are becoming more and more individual, an attempt is being made to free oneself entirely from dogma and, free of dogma, to truly convey to others—based more on personal inner experience—what one can tell and describe to them, in such a way that their own free religious life of thought can develop individually within them. Dogmatic religions—the individual, fixed dogmas and denominations—will, in truth, kill off religious life in the fifth post-Atlantean epoch. Therefore, one truly begins to prepare for the fifth post-Atlantean epoch by helping people understand more and more: In the first centuries of Christianity, this was particularly suited to people; in the following centuries, something else took effect. But there are other religions. One tries to make the essence of other religions understandable; one tries to make various aspects of the conception of Christ understandable. In this way, one presents to each soul that which this soul can deepen. But one does not shape the soul itself; one allows it—especially in the religious sphere—its freedom of thought, so that this freedom of thought may unfold.
[ 18 ] So wie soziales Verständnis in dem einen Punkte notwendig ist, den ich charakterisiert habe für die fünfte nachatlantische Periode, so ist zur Entwickelung der Bewußtseinsseele Gedankenfreiheit auf dem Gebiete der Religion die Grundbedingung: Soziales Verständnis auf dem Gebiete des menschlichen Zusammenlebens — Gedankenfreiheit auf dem Gebiete der Religion, des religiösen Lebens.
[ 18 ] Just as social understanding is necessary in the one respect I have characterized for the fifth post-Atlantean period, so too is freedom of thought in the realm of religion the fundamental condition for the development of the consciousness soul: social understanding in the realm of human coexistence—freedom of thought in the realm of religion and religious life.
[ 19 ] Dies, daß wir versuchen, das religiöse Leben immer mehr und mehr zu verstehen, es zu durchdringen, und wir uns daher mit unseren Mitmenschen verstehen können, auch wenn jeder sein eigenes religiöses Leben entfaltet, das muß immer mehr und mehr ins Auge gefaßt werden, weil das eine Grundbedingung ist für den fünften nachatlantischen Zeitraum, etwas, was sich die Menschheit durch eigene Kraft bewußt erwerben muß. Eben im Zeitalter der Bewußtseinsseele stürmen die ahrimanischen Mächte am allermeisten gerade wiederum gegen diese Gedankenfreiheit an, und wir sehen, wie die Konfessionen überall den einen Grundnerv der geisteswissenschaftlichen Weltanschauungsströmung — die Verbreitung der Gedankenfreiheit feindlich ins Auge fassen, wie viele Verleumdungen gerade der Geisteswissenschaft Platz greifen aus dem einfachen Grunde, weil Geisteswissenschaft mit vollem, lichtvollem Verständnisse eingehen will auf die Geburt der Bewußtseinsseele und nicht verbreiten will solches religiöses Leben, welches noch gebaut ist auf die Verbreitung, auf die Förderung der Verstandes- oder Gemütsseele, wie es im vierten nachatlantischen Zeitraum der Fall war. Die Formen des Christentums sind noch begründet worden im vierten nachatlantischen Zeitraum aus dem Bedürfnisse der griechisch-römischen Kultur heraus. Sie sind als Kirchenformen ungeeignet jetzt schon und werden immer ungeeigneter und ungeeigneter werden, Gedankenfreiheit heraufkommen zu lassen, die immer mehr und mehr heraufkommen muß.
[ 19 ] The fact that we are striving to understand religious life more and more deeply, to penetrate it, and that we can therefore understand one another even as each person develops their own religious life—this must be taken into account more and more, because it is a fundamental condition for the fifth post-Atlantean epoch, something that humanity must consciously attain through its own efforts. It is precisely in the Age of the Consciousness Soul that the Ahrimanic forces are once again launching their most intense assault against this freedom of thought, and we see how religious denominations everywhere view the very lifeblood of the spiritual-scientific worldview—the spread of freedom of thought—with hostility, and how many slanders against spiritual science gain ground for the simple reason that spiritual science seeks to engage with the birth of the consciousness soul with full, luminous understanding and does not wish to promote a religious life that is still built upon the propagation and fostering of the intellectual or emotional soul, as was the case in the fourth post-Atlantean epoch. The forms of Christianity were established in the fourth post-Atlantean epoch out of the needs of Greco-Roman culture. As church forms, they are already unsuitable—and will become increasingly so—for allowing the freedom of thought to emerge, which must emerge more and more.
[ 20 ] Und in derselben Zeit, in welcher sich regte aus dem modernen Leben heraus, ich möchte sagen der erste Keim des Bedürfnisses nach Gedankenfreiheit, ist auch die entgegengesetzte Macht sogleich ans Werk getreten in dem, was man nennen könnte — obwohl dabei vieles umfaßt ist, was wiederum im einzelnen, im Detail, charakterisiert werden müßte — den Jesuitismus der verschiedenen Religionen. Der ist eigentlich ins Leben gerufen worden, um den stärksten Widerstand zu bieten der Gedankenfreiheit, die ein Lebensbedürfnis des fünften nachatlantischen Zeitraums ist. Und immer mehr und mehr wird es notwendig sein, den der Gedankenfreiheit entgegengesetzten Jesuitismus auf allen Gebieten für den fünften nachatlantischen Zeitraum auszumerzen; denn vom religiösen Leben ausstrahlend, muß sich die Gedankenfreiheit immer mehr und mehr auf allen Lebensgebieten entfalten. Aber da sie selbständig erworben werden muß, so ist die Menschheit gewissermaßen in eine Prüfung hineingestellt, und es erwachsen überall die größten Schwierigkeiten. Und diese Schwierigkeiten werden um so größer, als die Menschheit der fünften nachatlantischen Zeitepoche sich eben gerade zur Bewußtseinsklarheit entwickeln soll, aber dies als ein Unbequemes zunächst empfindet und daher sich in vieler Beziehung betäubt.
[ 20 ] And at the very same time that the first seed of the need for freedom of thought—so to speak—began to stir within modern life, the opposing force immediately sprang into action in what one might call—although this term encompasses much that would need to be characterized in greater detail—the “Jesuitism” of the various religions. This was actually brought into being to offer the strongest resistance to freedom of thought, which is a vital necessity of the fifth post-Atlantean epoch. And it will become increasingly necessary to eradicate this Jesuitism—which stands in opposition to freedom of thought—in all areas during the fifth post-Atlantean epoch; for, radiating from religious life, freedom of thought must unfold more and more in all spheres of life. But since it must be acquired independently, humanity is, so to speak, placed in a trial, and the greatest difficulties arise everywhere. And these difficulties become all the greater because humanity in the fifth post-Atlantean epoch is precisely meant to develop clarity of consciousness, yet initially perceives this as uncomfortable and therefore numbs itself in many respects.
[ 21 ] So sehen wir, daß ein scharfer Kampf besteht zwischen dem Aufkeimen der Gedankenfreiheit und der aus alten Zeiten hereinwirkenden, in unsere Zeit hereinwirkenden Autorität. Und die betäubende Sucht, sich über den Autoritätsglauben Täuschungen hinzugeben, ist vorhanden! In unserer Zeit ist der Autoritätsglaube ungeheuer gewachsen, ungeheuer intensiv geworden, und unter seinem Einfluß entwickelt sich eine gewisse Hilflosigkeit der Menschen in bezug auf das Urteilen. Im vierten nachatlantischen Zeitraum war dem Menschen als natürliche Gabe ein gesunder Verstand mitgegeben; jetzt muß er sich ihn erwerben, ihn entwickeln. Autoritätsglaube hält ihn zurück. Aber wir werden ganz eingespannt in Autoritätsglauben. Denken Sie doch, wie da die Menschen sich hilflos ausnehmen gegenüber den vernunftlosen Tiergeschöpfen! Wieviel hat das Tier in sich von Instinkten, die es in für es heilsamer Weise leiten, selbst aus der Krankheit heraus wiederum zur Gesundheit in heilsamer Weise leiten, und wie sehr arbeitet die heutige Menschheit entgegen dem Urteil auf solchen Gebieten. Da unterwirft sich die moderne Menschheit ganz und gar der Autorität. Ein Urteil über die heilsamen Lebensbedingungen will die moderne Menschheit nicht leicht erwerben. Gewiß, es bestehen löbliche Bestrebungen in allerlei Vereinen und dergleichen. Aber diese Bestrebungen müssen alle viel, viel intensiver werden, und vor allen Dingen muß verstanden werden, wie wir immer mehr und mehr dem Autoritätsglauben entgegengehen und wie ganze Theorien sich bilden, die wiederum die Unterlage von Gesinnungen sind, um den Autoritätsglauben geradezu zu befestigen. Auf dem Gebiete der Medizin, auf dem Gebiete der Jurisprudenz, aber auch auf allen sonstigen Gebieten erklären sich die Menschen von vornherein für unzuständig, ein Verständnis zu erwerben, und nehmen dasjenige nun, was die Wissenschaft sagt, hin. Bei der Kompliziertheit des modernen Lebens ist das ja auch schließlich begreiflich. Aber die Menschen werden unter dem Einflusse einer solchen Autoritätskraft immer hilfloser und hilfloser, und systematisch diese Autoritätskraft, diese Autoritätsgesinnung auszubilden, das ist eigentlich das Prinzip des Jesuitismus. Und der Jesuitismus in der katholischen Religion ist nur eine Spezialisierung von Leistungen, die auf anderen Gebieten ebenso auftreten, wo man es nur nicht so merkt. Jesuitismus hat zunächst begonnen mit dem Jesuitismus auf kirchlichdogmatischem Gebiete, mit der Tendenz, die Macht des Papsttums, die aus der vierten nachatlantischen Periode herüberragte in die fünfte nachatlantische Periode, für diese fünfte nachatlantische Periode, für die sie nicht mehr taugt, aufrechtzuerhalten. Aber dasselbe jesuitische Prinzip wird sich nach und nach übertragen auf andere Gebiete des Lebens. Heute sehen wir bereits im Arzttum einen Jesuitismus heraufragen, der kaum anders ist als der Jesuitismus auf dem Gebiete der dogmatischen Religion. Wir sehen, wie gestrebt wird aus einer gewissen medizinischen Dogmatik heraus nach einer Erhöhung der Macht des Ärztestandes. Und das ist das Wesentliche des jesuitischen Strebens auch auf verschiedenen anderen Gebieten. Dies wird immer stärker und stärker werden. Die Menschen werden immer mehr und mehr eingeschnürt werden in das, was die Autorität über sie verhängt. Und das Heil des fünften nachatlantischen Zeitraums wird darin bestehen, gegen diese ahrimanischen Widerstände — denn solche sind es — geltend zu machen das Recht der Bewußtseinsseele, die sich entwickeln will. Das kann aber nur dadurch geschehen, daß die Menschen, da sie jetzt natürlichen Verstand nicht wie ihre beiden Arme mitbekommen, wie es vergleichsweise noch der Fall war in der vierten nachatlantischen Periode, wirklich auch Verstand, gesunde Urteilskraft entwickeln wollen. Die Entwickelung der Bewußtseinsseele fordert Gedankenfreiheit, aber diese Gedankenfreiheit kann nur in einer ganz bestimmten Aura, in einer ganz bestimmten Atmosphäre gedeihen.
[ 21 ] Thus we see that there is a fierce struggle between the emergence of freedom of thought and the authority that has been at work since ancient times and continues to influence our era. And the numbing addiction to succumbing to delusions through belief in authority is very much present! In our time, belief in authority has grown immensely and become incredibly intense, and under its influence, a certain helplessness has developed in people when it comes to making judgments. In the fourth post-Atlantean epoch, human beings were endowed with sound judgment as a natural gift; now they must acquire it and develop it themselves. Belief in authority holds them back. But we are completely ensnared by belief in authority. Just think how helpless people seem in comparison to irrational animals! How many instincts does the animal possess that guide it in a way that is beneficial to it—even leading it back from illness to health in a healing way—and how much does modern humanity work against sound judgment in such areas. Here, modern humanity submits itself completely to authority. Modern humanity is not eager to form its own judgment regarding wholesome living conditions. Certainly, there are commendable efforts in all sorts of associations and the like. But all these efforts must become much, much more intense, and above all, it must be understood how we are increasingly moving away from a belief in authority and how entire theories are forming that, in turn, serve as the basis for attitudes designed to actually reinforce that belief in authority. In the fields of medicine and jurisprudence, but also in all other fields, people declare themselves from the outset to be incapable of acquiring an understanding and simply accept whatever science says. Given the complexity of modern life, this is, after all, understandable. But under the influence of such a force of authority, people become increasingly helpless, and systematically cultivating this force of authority—this mindset of authority—is, in fact, the principle of Jesuitism. And Jesuitism within the Catholic religion is merely a specialization of practices that occur just as frequently in other fields, where they simply go unnoticed. Jesuitism began, first of all, in the realm of church dogma, with the tendency to maintain the power of the papacy—which had carried over from the fourth post-Atlantean period into the fifth post-Atlantean period—for this fifth post-Atlantean period, for which it is no longer suitable. But the same Jesuit principle is gradually spreading to other areas of life. Today we are already seeing a form of Jesuitism emerge in the medical profession that is hardly any different from Jesuitism in the realm of dogmatic religion. We see how, out of a certain medical dogmatism, efforts are being made to increase the power of the medical profession. And this is the essence of Jesuit striving in various other fields as well. This will become stronger and stronger. People will be increasingly constrained by what authority imposes upon them. And the salvation of the fifth post-Atlantean epoch will consist in asserting, against these Ahrimanic forces of resistance—for that is what they are—the right of the consciousness soul that seeks to develop. But this can only happen if people—since they no longer possess natural intellect as naturally as their two arms, as was still comparatively the case in the fourth post-Atlantean period—truly wish to develop intellect and sound judgment. The development of the consciousness soul requires freedom of thought, but this freedom of thought can only flourish in a very specific aura, in a very specific atmosphere.
[ 22 ] Ich habe Sie hingewiesen auf die Schwierigkeiten, welche bestehen im fünften nachatlantischen Zeitraum. Denn der fünfte nachatlantische Zeitraum drängt nach einer ganz bestimmten Entwickelungsrichtung: nach der Entwickelung der Bewußtseinsseele. Aber diese Bewußtseinsseele, eben weil sie sich gerade als Bewußtseinsseele entwikkeln soll, muß Widerstände haben, muß durch Prüfungen hindurchgehen. So sehen wir, daß sowohl dem sozialen Verständnisse wie der Gedankenfreiheit die heftigsten Widerstände erwachsen. Und man versteht heute nicht einmal, daß diese Widerstände da sind; denn in den weitesten Kreisen werden diese Widerstände gerade als das Richtige betrachtet, dem nicht entgegengewirkt werden soll, sondern das gerade ganz besonders ausgebildet werden soll.
[ 22 ] I have pointed out to you the difficulties that exist in the fifth post-Atlantean epoch. For the fifth post-Atlantean epoch is moving toward a very specific direction of development: the development of the consciousness soul. But this soul of consciousness—precisely because it is meant to develop as a soul of consciousness—must face resistance; it must undergo trials. Thus we see that the fiercest resistance arises against both social understanding and freedom of thought. And people today do not even realize that these obstacles exist; for in the broadest circles, these obstacles are regarded precisely as the right thing—something that should not be counteracted, but rather something that should be cultivated in a very special way.
[ 23 ] Es gibt aber schon viele, viele Menschen, die ein offenes Herz und ein gutes Verständnis haben für dasjenige, in was der moderne Mensch hineingestellt ist, die einen offenen Sinn und ein gutes Verständnis haben für das, was heute schon zu sehen ist: wie dadurch, daß die karmischen Verhältnisse der Menschen in die eben charakterisierte Krisis eingetreten sind, es anfängt, daß die Kinder die Eltern, die Eltern die Kinder nicht mehr verstehen, daß die Geschwister einander nicht mehr verstehen, die Völker einander nicht mehr verstehen; es gibt heute schon genug Menschen, die diesen zwar notwendigen, aber eben nur richtig wirkenden, wenn mit Verständnis durchdrungenen Verhältnissen blutenden Herzens gegenüberstehen. Denn aus dem Herzblut heraus müssen bewußt die Impulse für dies neue Weltenwirken gewonnen werden. Was von selbst entstehen wird, wird Entfremdung der einzelnen untereinander sein. Was aus dem menschlichen Herzen herausquellen wird müssen, das wird bewußt anzustreben sein. Schwierigkeiten geht jede einzelne Seele im fünften nachatlantischen Zeitraum entgegen. Denn nur in der Überwindung dieser Schwierigkeiten werden sich die Prüfungen ergeben, unter denen die Bewußtseinsseele entwickelt werden kann.
[ 23 ] There are, however, already many, many people who have an open heart and a deep understanding of the circumstances in which modern humanity finds itself, who have an open mind and a deep understanding of what is already evident today: how, as a result of human karmic conditions having entered the crisis just described, children are beginning to no longer understand their parents, parents their children, siblings one another, and peoples one another; there are already enough people today who face these circumstances—which are indeed necessary but can only function properly when imbued with understanding—with a bleeding heart. For the impulses for this new world activity must be consciously drawn from the very depths of the heart. What will arise of its own accord will be alienation among individuals. What must well up from the human heart is what must be consciously strived for. Every single soul faces difficulties in the fifth post-Atlantean epoch. For it is only through the overcoming of these difficulties that the trials will arise under which the consciousness soul can develop.
[ 24 ] Da kommt heute mancher, der sagt: Ach, ich fühle nicht, was ich aus mir machen soll, ich weiß nicht, wie ich mich hineinstellen soll in die Lebenszusammenhänge. — Das rührt davon her, daß er noch nicht die richtige Möglichkeit gefunden hat, klar über die Bedürfnisse der heutigen Zeit und des Darinnenstehens eines Menschen nachzudenken. Bis zur physischen Krankheit, bis zur physischen Haltlosigkeit entwickeln sich heute schon bei vielen Menschen die Verhältnisse. Richtiges Verständnis dafür, das ist dasjenige, was immer mehr und mehr und immer intensiver und intensiver gefordert werden muß. Dasjenige, was sich ausgießen wird über die Menschheit, weil es notwendig ist im fünften nachatlantischen Zeitraum, das wird sein die Gefahr der Seelennot, Seelennot in der besonderen Nuance, wie es geschildert worden ist durch dasjenige, was eben heute vorgetragen worden ist. Viele Menschen sehen das, was ich geschildert habe, und fühlen, daß es notwendig ist, richtig notwendig ist, daß die Menschen kommen auf der einen Seite zum sozialen Verständnisse und auf der anderen Seite zur Gedankenfreiheit. Aber wenige, sehr wenige sind heute noch geneigt, zu den rechten Mitteln zu greifen. Denn demjenigen, was für das soziale Verständnis notwendig ist, wird oftmals mit allerlei idealistisch klingenden Redensarten zu dienen gesucht. Was wird heute alles geschrieben über die Notwendigkeit einer individuellen Behandlung des aufwachsenden Menschen! Was werden für ausführliche Theorien ersonnen auf allen möglichen pädagogischen Gebieten! Das ist es weniger, um was es sich handelt. Möglichst viele positive Schilderungen, wie die Menschen sich wirklich entwickeln, positive, ich möchte sagen Naturgeschichte individueller Menschenentwickelung, das ist es, was verständnisvoll verbreitet werden soll; wo wir nur können, erzählen, wie sich der Mensch A, der Mensch B, der Mensch C entwickelt hat, und liebevoll eingehen können auf die Entwickelung eines Menschen, die sich vor uns abspielt. Das ist vor allen Dingen vonnöten: Lebensstudium, der Wille zur Lebenskunde, nicht zum Programm; denn das theoretische Programm ist der Feind der fünften nachatlantischen Kulturperiode.
[ 24 ] Today, there are some who say: “Oh, I don’t feel like I know what to do with myself; I don’t know how to fit into the fabric of life.” — This stems from the fact that they have not yet found the right way to think clearly about the needs of the present time and about what it means to be a human being within it. For many people today, circumstances are already developing to the point of physical illness and physical instability. A proper understanding of this—that is what must be demanded more and more, and with ever-increasing intensity. What will wash over humanity—because it is necessary in the fifth post-Atlantean epoch—will be the danger of spiritual distress, spiritual distress in the specific nuance described in what has just been presented today. Many people see what I have described and feel that it is necessary—truly necessary—for people to attain, on the one hand, social understanding and, on the other hand, freedom of thought. But few—very few—are still inclined today to resort to the right means. For what is necessary for social understanding is often addressed with all sorts of idealistic-sounding platitudes. How much is written today about the necessity of treating the growing human being as an individual! What elaborate theories are devised in all manner of educational fields! That is not really what matters. As many positive descriptions as possible of how people truly develop—positive, I would say, natural histories of individual human development—that is what should be thoughtfully shared; wherever we can, we should recount how Person A, Person B, and Person C have developed, and lovingly engage with the development of a person unfolding before us. This is what is needed above all else: the study of life, the will to learn about life—not a program; for the theoretical program is the enemy of the fifth post-Atlantean cultural epoch.
[ 25 ] Wenn Gesellschaften auftreten, so sollten sie eigentlich nach dem Sinn der fünften nachatlantischen Kulturperiode so auftreten, daß die Menschen, die in diesen Gesellschaften zusammenkommen, die Hauptsache sind und daß sich aus dem gegenseitigen Verkehre dieser positiven Menschen das ergebe, was sich ergeben kann. Da werden sich recht individuelle Dinge ergeben, wenn darauf geachtet wird. Was tut man heute gewöhnlich? Man beginnt damit, daß man Statuten aufstellt. Gewiß, das mag sehr schön sein, ist ja vielleicht notwendig, weil eben die äußeren Verhältnisse Statuten verlangen. Aber man soll sich gerade klar sein auf unserem Gebiete, daß alles Reden über Programme und Statuten nur eine Konzession an die Welt ist, daß dasjenige, um was es sich handelt, das individuelle Zusammenleben sein muß, was sich aus dem positiven Menschen heraus ergibt, daß gegenseitiges Verständnis dasjenige ist, auf was es ankommt. Dann werden sich schon für den fünften nachatlantischen Zeitraum, denn wir haben ja Jahrhunderte vor uns, die Möglichkeiten ergeben, daß auch hinausdringt aus dem Kreise derer, die dafür Verständnis haben, das Verständnis für individuelles Entwickeln, für lebensvolles Entwickeln in die allgemeine Welt, die heute alles in Paragraphen hinein wie in spanische Stiefel schnürt, in Paragraphen oder Gesetze oder in sonst etwas Ähnliches. Daher sehen wir die heilsam klingenden Lehren überall auftauchen von den Kanzeln, von den sonstigen Tribünen, in denen das Leben belehrt werden soll. Wir sehen die Lehren überall auftreten, die von Abstraktionen nur so triefen, in denen den Menschen alle möglichen Ideen und Ideale vorgeführt werden. Darum kann es sich nicht handeln, sondern allein darum, ins Konkrete, ins wirkliche Leben verständnisvoll einzudringen. Wie kann das nun geschehen?
[ 25 ] When societies emerge, they should—in accordance with the spirit of the fifth post-Atlantean cultural epoch—emerge in such a way that the people who come together in these societies are the main focus, and that what naturally arises from the mutual interaction of these positive individuals is allowed to unfold. Truly individual things will emerge if attention is paid to this. What is the usual practice today? One begins by drawing up bylaws. Certainly, that may be very fine; indeed, it may even be necessary, precisely because external circumstances demand bylaws. But we must be particularly clear in our field that all talk of programs and statutes is merely a concession to the world; that what is at stake must be individual coexistence, which arises from the positive human being; and that mutual understanding is what really matters. Then, by the fifth post-Atlantean epoch—for we have centuries ahead of us—the possibilities will arise for an understanding of individual development and of vibrant, life-affirming development to extend beyond the circle of those who already share this understanding, into the wider world, which today squeezes everything into paragraphs as if into Spanish boots—into paragraphs, laws, or anything else of that sort. That is why we see these seemingly salutary teachings popping up everywhere—from pulpits and other platforms where life is supposed to be taught. We see teachings appearing everywhere that are dripping with abstractions, in which all manner of ideas and ideals are presented to people. That cannot be the point; rather, the sole aim must be to penetrate concretely and with understanding into real life. How, then, can this be achieved?
[ 26 ] Ganz selbstverständlich wird mit vollem, vollem Recht eingewendet werden dem, was da gesagt worden ist: Ja wir können doch nicht alle das beurteilen lernen, was heute aus den autoritativen Zusammenhängen herauskommt. Man denke nur — werden die Menschen sagen —, was alles einer, der Arzt werden will, lernen muß! Es ist gerecht, daß er es lernt; aber wir können doch nicht das lernen und noch dazu lernen das, was jeder, der Jurist werden soll, lernt, und noch dazu lernen das, was jeder, der Maler werden will, lernen muß und so weiter. Das können wir doch nicht! — Gewiß, das können wir nicht, das ist ohne Frage; aber wir brauchen auch nicht schöpferisch zu sein, wir brauchen nur urteilsfähig zu sein. Wir müssen in die Lage kommen, zwar die Autorität schaffen zu lassen, aber die Autorität beurteilen zu können. Das lernen wir nicht, das eignen wir uns nicht an dadurch, daß wir auf alle einzelnen Spezialitäten wirklich eingehen, sondern dadurch, daß wir uns aus etwas, was umfassend unseren Verstand, unsere Urteilskraft bilden kann, heraus die Möglichkeit eines Urteils aneignen. Das kann aber nie geschehen aus dem materiellen Erkennen der einzelnen Spezialitäten heraus, sondern aus dem umfassenden Geist-Erkennen.
[ 26 ] Quite naturally, and with every right, an objection will be raised to what has been said here: “But surely we cannot all learn to judge everything that emerges today from authoritative sources.” Just think—people will say—of everything someone who wants to become a doctor has to learn! It is only fair that he should learn it; but we certainly cannot learn all that, and on top of that, learn what everyone who wants to become a lawyer must learn, and on top of that, learn what everyone who wants to become a painter must learn, and so on. We simply cannot do that! — Certainly, we cannot do that; there’s no question about it; but we don’t need to be creative either—we just need to be capable of judgment. We must put ourselves in a position where we allow authority to be established, yet are able to evaluate that authority. We do not learn this, nor do we acquire it, by delving deeply into every single specialty, but rather by deriving the capacity for judgment from something that can comprehensively shape our intellect and our power of judgment. However, this can never come about through the mere factual knowledge of individual specialties, but rather through comprehensive spiritual knowledge.
[ 27 ] Geisteswissenschaft muß das zentrale Erkennen sein. Denn diese Geisteswissenschaft wird nicht nur aufklären über die Zusammenhänge in der Entwickelung des Menschen, sondern durch die Art von Gedanken, die sie hat, wird sie uns gesunden Verstand entwickeln, der heute aus größeren Tiefen hervorgeholt werden muß, als er in der griechisch-römischen Kulturepoche, der vierten nachatlantischen Kulturperiode, herausgeholt, hervorgeholt werden mußte. Die von dem anderen Wissenschaftlichen verschiedene Art des Begriffebildens, des Vorstellungbildens, die notwendig ist für die Geisteswissenschaft, die befähigt uns nicht, eine Autorität auf diesem oder jenem Gebiete zu werden, aber urteilsfähig zu werden. Und warum das so ist, man wird es immer mehr und mehr einsehen, denn es bestehen geheimnisvolle Kräfte in der menschlichen Seele, und diese geheimnisvollen Kräfte, diese Mysterienkräfte, die werden zusammenbinden die Menschenseele mit der geistigen Welt und werden durch dieses Band, das sich bildet zwischen der Menschenseele und der geistigen Welt dadurch, daß wir eingehen auf die Geisteswissenschaft, uns im einzelnen Falle, wenn wir der Autorität gegenüberstehen, urteilsfähig erscheinen lassen. Wir werden nicht dasjenige wissen, was die Autorität wissen kann; aber wenn die Autorität etwas weiß und im einzelnen Falle dies oder jenes tut, werden wir fähig sein, es zu beurteilen.
[ 27 ] Spiritual science must be the central source of knowledge. For this spiritual science will not only shed light on the interrelationships in human development, but through the nature of its thinking, it will help us develop sound judgment—a judgment that today must be drawn from greater depths than was necessary during the Greco-Roman cultural epoch, the fourth post-Atlantean cultural period. The way of forming concepts and images—which differs from that of other sciences and is necessary for spiritual science—does not enable us to become an authority in this or that field, but rather to become capable of sound judgment. And why this is so, will become increasingly clear, for there are mysterious forces within the human soul, and these mysterious forces—these forces of the mysteries—bind the human soul to the spiritual world. Through this bond, which is formed between the human soul and the spiritual world as we engage with spiritual science, we are enabled to exercise sound judgment in specific cases when we are confronted with authority. We will not know what the authority knows; but when the authority knows something and acts in a particular way in a specific case, we will be able to judge it.
[ 28 ] Dies müssen wir besonders betonen als etwas, was durch die Geisteswissenschaft gebracht werden muß, daß sie nicht nur die Menschen belehrt, sondern die Menschen in dieser Beziehung urteilsfähig macht, das heißt, ihnen erst die Möglichkeit der Gedankenfreiheit gibt, die Gedankenunabhängigkeit erst in ihnen fördert. Geisteswissenschaft macht uns nicht zu Medizinern, aber Geisteswissenschaft befähigt uns, dasjenige, was durch den Mediziner in das öffentliche Leben eintritt, zu beurteilen, wenn wir nur richtig in die Geisteswissenschaft hineindringen. Wird das einmal verstanden werden, was ich jetzt mit diesen Worten meine, dann wird man viel, viel von den heilsamen Kräften des fünften nachatlantischen Zeitraums verstehen. Denn es ist sehr, sehr viel gesagt mit dem, was ich damit eigentlich meine, daß Geisteswissenschaft gleichsam ummodeln wird das menschliche Verständnis, so daß der Mensch urteilsfähig wird, Verstandeskraft entbindet aus seinem Seelenleben. Erst dadurch kann er sich die Gedankenfreiheit in Wirklichkeit erwerben.
[ 28 ] We must particularly emphasize this as something that must be achieved through the humanities: that they not only instruct people, but also enable them to exercise judgment in this regard—that is, that they first give people the possibility of freedom of thought and foster independence of thought within them. Spiritual science does not make us physicians, but it enables us to assess what enters public life through the physician—provided we truly delve into spiritual science. Once people understand what I mean by these words, they will understand much, much more about the healing forces of the fifth post-Atlantean epoch. For there is a great, great deal of truth in what I actually mean when I say that spiritual science will, as it were, reshape human understanding, so that the human being becomes capable of judgment and liberates the power of reason from his soul life. Only through this can he truly attain freedom of thought.
[ 29 ] Wenn ich jetzt etwas bildlich sprechen darf, so möchte ich Ihnen diesen Gedanken noch in bildlicher, in imaginativer Form ausführen. Wir hören in der Geisteswissenschaft von wirklicher geistiger Welt, von konkreter geistiger Welt, von elementarischen Wesenheiten, die uns umgeben; wir hören von den Hierarchien, Angeloi, Archangeloi und so weiter. Die Welt bevölkert sich für uns mit konkreten geistigen Inhalten oder mit geistigen Kräften und geistigen Wesenheiten. Diesen Wesenheiten, die da in den geistigen Welten leben, ist es nicht gleichgültig, daß wir von ihnen wissen! Es war ihnen noch mehr oder weniger gleichgültig in der vierten nachatlantischen Periode, aber in der fünften nachatlantischen Periode ist es ihnen schon nicht mehr gleichgültig, sondern es ist, wie wenn ihnen etwas entzogen würde an geistiger Nahrung, wenn die Menschen hier auf der Erde von ihnen nichts wissen. Die geistige Welt steht durchaus in Verbindung mit der hiesigen physischen Erdenwelt. Das werden Sie am besten verstehen, wenn ich Ihnen eines sage, was Ihnen vielleicht selber jetzt noch paradox erscheinen wird, was aber einfach wahr ist. Und es müssen doch heute, obwohl man heute noch nicht vieles sagen kann, es müssen doch manche Wahrheiten schon heute ausgesprochen werden, weil die Menschen nicht ohne diese Wahrheiten leben sollen.
[ 29 ] If I may speak figuratively for a moment, I would like to elaborate on this idea in a figurative, imaginative way. In spiritual science, we hear about the real spiritual world, the concrete spiritual world, and the elemental beings that surround us; we hear about the hierarchies, angels, archangels, and so on. For us, the world is populated with concrete spiritual content or with spiritual forces and spiritual beings. These beings, who live in the spiritual worlds, are not indifferent to the fact that we know about them! They were still more or less indifferent to this during the fourth post-Atlantean period, but in the fifth post-Atlantean period they are no longer indifferent; rather, it is as if something were being taken away from them in terms of spiritual nourishment when people here on Earth know nothing of them. The spiritual world is very much connected to the physical world here on Earth. You will understand this best if I tell you something that may still seem paradoxical to you now, but which is simply true. And even though we cannot say much yet today, certain truths must already be spoken today, because people should not live without these truths.
[ 30 ] Sehen Sie, für die Menschen, die hier auf der Erde leben, ist es ein richtiger Gesichtspunkt, zu sagen: Mit dem Mysterium von Golgatha ist der Christus in das Erdenleben eingetreten, und seither ist er im Erdenleben. Und man kann von einem gewissen Empfindungsstandpunkte aus es als ein Glück des Erdenlebens ansehen, daß der Christus eingetreten ist. Aber nun stelle man sich auf den Standpunkt der Angeloi — und dieser Standpunkt ist keine Erfindung meinerseits, dieser Standpunkt ist dasjenige, was dem wirklichen okkulten Forscher sich als etwas Reales ergibt —, man versetze sich auf den Standpunkt der Angeloi. Die haben etwas anderes erlebt in ihrer geistigen Sphäre: die haben das Umgekehrte erlebt! Der Christus ist aus ihrer Sphäre zu den Menschen gegangen, er hat ihre Sphäre verlassen. Die müssen für sich sagen: Aus unserer Welt ist der Christus durch das Mysterium von Golgatha weggegangen. — Darüber haben sie Grund, ebenso traurig zu sein, wie die Menschen es als heilsam empfinden können, daß der Christus zu ihnen gekommen ist, insofern die Menschen im physischen Leibe leben. Und das ist auch ein realer Gedankengang, und derjenige, der wirklich die geistige Welt kennt, der weiß, wie es nur eine Erlösung für die Angeloi gibt, für die das richtig ist, was ich zum Ausdruck gebracht habe, und das ist das, daß die Menschen unten auf der Erde in ihren physischen Leibern mit dem Christus-Gedanken leben und der Christus-Gedanke zu den Angeloi wie ein Licht hinaufstrahlt, seit dem Mysterium von Golgatha wie ein Licht hinaufstrahlt zu den Angeloi. Die Menschen sagen: Der Christus ist in uns eingezogen, und wir können uns entwickeln so, daß der Christus in uns leben wird — «Nicht ich, sondern der Christus in mir». Die Angeloi aber sagen: Aus unserem Inneren ist der Christus für unsere Sphäre weggegangen, und er glänzt uns herauf wie so und so viele Sterne in dem Christ-Gedanken der einzelnen Menschen; da erkennen wir ihn wieder, da ist er aufgestrahlt seit dem Mysterium von Golgatha. — Es ist eine reale Beziehung zwischen der geistigen Welt und der menschlichen Welt. Und diese reale Beziehung kommt auch dadurch zum Ausdruck, daß die geistigen Wesen, die die geistige Welt außer uns bewohnen, daß diese geistigen Wesen mit Wohlgefallen, mit Befriedigung, mit Genugtuung hinblicken können auf die Gedanken, die wir uns über ihre Welt machen können. Nur dann können sie uns helfen, wenn wir uns Gedanken über sie machen können, wenn wir auch noch nicht dahingelangt sind, hellseherisch in die geistige Welt hineinzublicken, sie können uns helfen, wenn wir von ihnen wissen. Dafür, daß wir Geisteswissenschaft studieren, kommt uns aus der geistigen Welt Hilfe. Es sind nicht bloß die Dinge, die wir lernen, die Erkenntnisse, sondern es sind die Wesen der höheren Hierarchien selber, die uns helfen, wenn wir von ihnen wissen. Stehen wir also den Autoritäten fernerhin gegenüber in der fünften nachatlantischen Periode, dann ist es für uns heilsam, wenn wir hinter uns haben nicht bloß unseren eigenen menschlichen Verstand, sondern das, was die geistigen Wesen in unserem Verstande zu wirken vermögen, wenn wir von ihnen wissen. Die befähigen uns zum Urteilen gegenüber der Autorität. Die geistige Welt hilft uns. Wir brauchen sie, wir müssen von ihr wissen, wir müssen sie wissentlich aufnehmen. Das ist das dritte, das kommen muß für den fünften nachatlantischen Zeitraum.
[ 30 ] You see, for the people who live here on Earth, it is a valid point of view to say: With the Mystery of Golgotha, the Christ entered earthly life, and He has been in earthly life ever since. And from a certain emotional perspective, one can regard Christ’s entry as a blessing of earthly life. But now let us take the perspective of the angels—and this perspective is not an invention of mine; it is what reveals itself to the true occult researcher as a reality—let us place ourselves in the perspective of the angels. They have experienced something different in their spiritual sphere: they have experienced the opposite! Christ has gone from their sphere to humanity; he has left their sphere. They must say to themselves: Christ has departed from our world through the Mystery of Golgotha. — They have reason to be just as sad about this as human beings may find it healing that Christ has come to them, insofar as human beings live in physical bodies. And this, too, is a valid line of thought; and anyone who truly knows the spiritual world knows that there is only one salvation for the angels—for whom what I have expressed is true—and that is that human beings down here on Earth, in their physical bodies, live with the Christ-thought, and the Christ-thought shines upward toward the angels like a light, has been shining upward like a light to the Angeloi ever since the Mystery of Golgotha. People say: Christ has taken up residence within us, and we can develop in such a way that Christ will live within us—“Not I, but Christ in me.” But the angels say: “Christ has departed from our inner being for our sphere, and He shines up to us like so many stars in the Christ-thought of individual human beings; there we recognize Him again; there He has been shining ever since the Mystery of Golgotha.” — There is a real connection between the spiritual world and the human world. And this real connection is also expressed in the fact that the spiritual beings who inhabit the spiritual world outside of us—that these spiritual beings can look upon the thoughts we form about their world with pleasure, satisfaction, and contentment. They can help us only if we are able to reflect on them; even if we have not yet reached the point where we can look into the spiritual world clairvoyantly, they can help us if we know about them. Help comes to us from the spiritual world because we study spiritual science. It is not merely the things we learn, the insights, but the beings of the higher hierarchies themselves who help us when we know about them. So when we face authorities in the fifth post-Atlantean period, it is beneficial for us to have behind us not merely our own human intellect, but also what the spiritual beings are able to work within our intellect—provided we are aware of them. They enable us to exercise judgment in the face of authority. The spiritual world helps us. We need it; we must know about it; we must consciously take it in. This is the third thing that must come about for the fifth post-Atlantean epoch.
[ 31 ] Das erste ist soziales Menschenverständnis, das zweite ist Erwerbung der Gedankenfreiheit, das dritte ist lebendiges Wissen von der geistigen Welt durch die Geisteswissenschaft. Diese drei Dinge müssen die großen, realen Ideale für den fünften nachatlantischen Zeitraum sein. Auf dem Gebiete des sozialen Lebens muß kommen soziales Verständnis; auf dem Gebiete des religiösen und sonstigen Zusammenlebens der Seelen Gedankenfreiheit; und auf dem Gebiete der Erkenntnis muß kommen Geist-Erkenntnis. Soziales Verständnis, Gedankenfreiheit, Geist-Erkenntnis — das sind die drei großen Ziele, Impulse des fünften nachatlantischen Zeitraums. Unter diesen Lichtern müssen wir uns entwickeln, denn das sind die richtigen Lichter für unseren Zeitpunkt. Intensiv fühlen manche Menschen, daß so etwas notwendig ist, namentlich daß eine andere Art des gegenwärtigen Zusammenlebens der Menschen heraufziehen muß, daß andere Begriffe kommen müssen. Aber die letzten Konsequenzen, die entziehen sich entweder dem guten Willen oder der Erkenntnis der Menschen. Das können wir gerade an dem Verhältnis, in dem sich manche Menschen gegenüber dem Streben der Geisteswissenschaft oder Anthroposophie befinden, sehen. Wir brauchen dabei gar nicht zu denken an dasjenige, was böswillig Geisteswissenschaft, Theosophie oder Anthroposophie verleumdet oder was ihr aus irgendwelchem Grunde sonst böswillig, gegnerisch böswillig gegenübersteht, sondern wir können denken an ehrliches Wollen, was ja genugsam vorhanden ist innerhalb der gegenwärtigen Menschheit, an ehrliches Wollen, das dahin zielt, solche Impulse in der Menschheit zu schaffen, welche in der Richtung der richtigen Impulse des fünften nachatlantischen Zeitraums liegen. Denken Sie sich nur: wie viele «Reform»-Menschen treten auf den verschiedensten Gebieten auf, wie viele soziale Pastoren, soziale sonstige Prediger, wiederum soziale Prediger aus den nichttheologischen oder nichtreligiösen Kreisen heraus. Wie tritt das alles auf; wie ist das oftmals von dem allerallerbesten Willen beseelt! Es will das die Menschen zu irgend etwas führen, wozu das Leben drängt in unserer Zeit! Guter Wille ist vielfach vorhanden, und wir wollen in diesem Augenblicke auf dasjenige sehen, was unter dem guten Willen steht, nicht was unter dem bösen Willen steht. Aber solange dieser gute Wille nur in allgemeinen Redensarten bleibt, wenn sie auch von noch so heißen Gefühlen getragen werden, es hilft nichts, wenn nicht die Erkenntnis, die nur aus der Geisteswissenschaft kommen kann, lebendig wird, daß die drei großen realen Ideale erfüllt werden können: Soziales Verständnis — soziales Menschenkennen —, Gedankenfreiheit, Geist-Erkenntnis. Aber dazu ist das Verständnis der Menschen in der Gegenwart noch nicht einmal im Anfange angelangt, außer bei dem kleinen Häuflein, das sich zusammengeschart hat innerhalb der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung.
[ 31 ] The first is a social understanding of humanity; the second is the attainment of freedom of thought; the third is living knowledge of the spiritual world through spiritual science. These three things must be the great, real ideals for the fifth post-Atlantean epoch. In the realm of social life, social understanding must emerge; in the realm of religious and other forms of spiritual coexistence, freedom of thought; and in the realm of knowledge, spiritual knowledge must emerge. Social understanding, freedom of thought, spiritual knowledge—these are the three great goals, the driving forces of the fifth post-Atlantean epoch. We must develop under these lights, for these are the right lights for our time. Some people feel intensely that something like this is necessary—namely, that a different kind of human coexistence must emerge, that new concepts must take hold. But the ultimate consequences elude either people’s good will or their understanding. We can see this precisely in the attitude some people hold toward the endeavors of spiritual science or anthroposophy. We need not even think of those who maliciously slander spiritual science, theosophy, or anthroposophy, or what for whatever reason is otherwise maliciously, antagonistically opposed to them; rather, we can think of sincere will—which is indeed abundantly present within present-day humanity—a sincere will that aims to create within humanity impulses that align with the true impulses of the fifth post-Atlantean epoch. Just consider: how many “reform” advocates are active in the most diverse fields, how many social pastors, social preachers of various kinds, and social preachers emerging from non-theological or non-religious circles. How all this manifests itself; how often it is inspired by the very, very best of intentions! It seeks to lead people toward something to which life is urging us in our time! Good will is abundant, and at this moment we want to look at what lies beneath that good will, not what lies beneath evil will. But as long as this good will remains merely in general platitudes—even if they are carried by the most ardent feelings—it is of no help unless the insight, which can come only from spiritual science, comes alive: that the three great, real ideals can be fulfilled: Social understanding—social knowledge of human nature—, freedom of thought, and spiritual knowledge. But people’s understanding of this has not even begun to take shape in the present day, except among the small group that has gathered within the spiritual scientific worldview.
[ 32 ] Wir können heute hinblicken auf manche schöne, edle Erkenntnis in dieser Richtung. Ich möchte Ihnen davon eine Probe geben, die sich mir, wie man so sagt «zufällig», in Wirklichkeit durch das Karma ergeben hat, daß ich in einem Schaufenster einfach ein Büchelchen gefunden habe, das ich aus irgendeinem Eindruck heraus, den der Titel machte, mir gekauft habe. Da wird gesprochen von dem modernen Menschen, was dieser Mensch sucht, unter welchem Eindrucke dieser moderne Mensch aufwächst; da wird gesagt, wie vieles da ist in der modernen Welt, in der modernen Außenwelt, was diesen modernen Menschen fördert, was ihm das Leben bequem macht, das Leben leicht macht, wie das Leben unter dem Einfluß gewisser Bequemlichkeiten, die die neuere Dampfkraft, die neuere Elektrizität gebracht hat, eine Lust ist; das alles wird angeführt. Dann aber wird doch eines tief betont. Es wird betont, wie der moderne Mensch zwar da hineingekommen ist in ein rasenderes, bewegteres Leben, als das in früheren Zeiten der Fall war, wie aber sein Leben reicher geworden ist. Das alles wird betont mit einer gewissen Freude, mit einer gewissen Innigkeit; an hervorragenderen geistigen Erscheinungen der neueren Zeit wird geschildert, wie es der moderne Mensch besser hat im Gegensatze zu dem mehr dumpfen, traurigen, instinktgemäßen Leben früherer Zeiten. Dann aber wird weiter richtig geschildert dasjenige, was ich vorhin angedeutet habe als die Schwierigkeiten des fünften nachatlantischen Zeitraums. Nur wird nicht erkannt, daß das gerade aus dieser Eigentümlichkeit des fünften nachatlantischen Zeitraums und seiner Anforderung — der Bildung der Bewußtseinsseele — herausquillt. Klar und deutlich hell wird nicht gesehen. Das ist es, worauf es ankommt. Aber empfunden wird mit offenem Herzen. Da wird gesagt: «Merkwürdig: von der Lebensfreude, von der Daseinslust durften wir bei der Beschreibung des inneren Bildungsganges unserer Zeit ausgehen. Und von tiefgehender, innerer Seelennot müssen wir am Schluß dieses Abschnittes sprechen. Was wir hier im kleinen erleben, macht unsere Zeit im großen durch.» — Er meint mit «im kleinen» den Ort, an dem er gerade lebt. — «Eine Kulturfülle ohnegleichen, eine Lebensentfaltung in Kraft und Schönheit, wie kaum eine zweite in der Geschichte; und dabei eine Seelennot, die heraufzieht und ganze Volksschichten ergreift.»
[ 32 ] Today we can look back on many beautiful, noble insights in this regard. I would like to give you a sample of this, which came to me—as one might say, “by chance”—but which in reality was the result of karma: I simply found a little book in a store window and, moved by some impression the title made on me, bought it. It speaks of modern man—what he seeks, the influences under which he grows up; it describes how much there is in the modern world, in the modern external world, that fosters this modern man, that makes his life comfortable and easy, and how life, under the influence of certain conveniences brought about by modern steam power and electricity, is a pleasure; all of this is cited. But then one thing is deeply emphasized. It is emphasized how modern man has indeed entered into a more frenzied, more dynamic life than was the case in earlier times, yet how his life has become richer. All of this is emphasized with a certain joy, with a certain fervor; through descriptions of the more outstanding spiritual phenomena of recent times, it is shown how modern human beings are better off in contrast to the more dull, sad, instinct-driven life of earlier times. But then what I indicated earlier as the difficulties of the fifth post-Atlantean epoch is correctly described. Yet it is not recognized that this springs precisely from this characteristic of the fifth post-Atlantean epoch and its demand—the formation of the consciousness soul. It is not seen clearly and distinctly. That is what matters. But it is felt with an open heart. It is said: “Strange: in describing the inner educational process of our time, we were able to start from a sense of joy in life, a zest for existence. And yet, at the end of this section, we must speak of a profound, inner spiritual distress. What we experience here on a small scale is what our time is going through on a grand scale.” — By “on a small scale,” he means the place where he currently lives. — “An unparalleled cultural richness, a flowering of life in strength and beauty, the like of which is rarely seen in history; and yet, a spiritual anguish that is rising and seizing entire segments of the population.”
[ 33 ] Und nun, nachdem er so richtig erkannt hat, der Mann, geht er verschiedenes durch, was dahin führen soll, nun nicht bloß bei einem hilflosen Schildern der Seelennot stehenzubleiben, sondern das Richtige zu finden, damit die Impulse der neueren Menschheit in der richtigen Weise gelenkt werden können. Unter diesen verschiedenen Dingen schildert er nun auch das, was er die Theosophie nennt, wie er die Theosophie kennengelernt hat. Wir treffen da unter den vielen gegnerischen Menschen einen solchen, der dieser Theosophie wohlwollend gegenübersteht, mit allerbestem Willen, mit dem Willen, sie wirklich kennenzulernen, der sich auch bekanntgemacht hat damit und der deshalb für uns in Betracht kommt. Wirklich nicht aus der Albernheit heraus, dieses gerade vorzubringen, bringe ich es vor, sondern weil es wirklich ganz wichtig und wesentlich ist, daß wir uns um solche positiven Zusammenhänge unserer Geisteswissenschaft mit dem äußeren Leben auch bekümmern.
[ 33 ] And now, having truly come to this realization, the man explores various avenues intended not merely to remain stuck in a helpless description of the soul’s distress, but to find the right path so that the impulses of the new humanity can be guided in the proper way. Among these various things, he now also describes what he calls theosophy—how he came to know theosophy. Among the many opponents, we encounter one who is favorably disposed toward this theosophy, with the very best of intentions, with the desire to truly get to know it, who has also familiarized himself with it, and who is therefore worthy of our consideration. I am not bringing this up out of frivolity, but because it is truly very important and essential that we also concern ourselves with such positive connections between our spiritual science and external life.
[ 34 ] Nachdem der Mann besprochen hat, was die Mystik, die nicht bis zur «Mystik» kommt, auch an Vertiefung des Lebens leisten will, an Abhilfe der Seelennot, sagt er: «Neben der Mystik steht die Theosophie. Es gibt manche, welche in ihr nur eine Erscheinung sehen, welche darauf aus ist, Surrogate zu setzen an die Stelle bewährter Kräfte, oder welche in ihr nur einen Hang zum Synkretismus und Eklektizismus finden» — also zur Zusammenfassung von allerlei Religionsbekenntnissen und Weltanschauungen. Diejenigen, die nicht näher auf die Geisteswissenschaft eingehen, reden ja davon, daß in ihr Gnostizismus aufgewärmt werden soll und so weiter; aber dieser Mann, der geht einen Schritt weiter. Er sagt also: Solche, «welche in ihr nur einen Hang zum Synkretismus und Eklektizismus finden, individueller Neigung entsprechend, und sie zusammenwerfen mit weniger hellen Begleiterscheinungen des Gegenwartslebens, mit Aberglauben, Spiritismus, Geistersehen, Symbolismus und ähnlichen durch das Geheimnisvolle die Menschen reizenden Äußerungen geistiger Spielerei. Dem ist aber nicht so. Es heißt dieser Bewegung unrecht tun, wenn man nicht die in ihr zum Ausdruck kommenden, tief innerlichen Beziehungen und Werte anerkennen will.» Wir stehen also einem wohlwollenden Menschen gegenüber. Er sagt: «Wir müssen sie, wenigstens in dem um Steiner gesammelten Kreis, vielmehr zu verstehen suchen als eine religiöse Bewegung unter unseren Zeitgenossen, wenn auch nicht ursprünglicher, sondern nur synkretistischer Art, aber doch auf den Grund alles Lebens gerichtet;» — ich hoffe, er wird auch noch auf die Ursprünglichkeit kommen, der Mann, nachdem er so viel guten Willen hat — «wir dürfen sie beurteilen als eine Bewegung zur Befriedigung der übersinnlichen Interessen der Menschen, und damit als ein Hinauswachsen über den am Sinnlichen haftenden Realismus; wir dürfen in ihr vor allem eine Bewegung erkennen, welche die Menschen zur Selbstbesinnung auf die sittlichen Probleme, die ihnen gestellt sind, hinweist, und welche auf eine Arbeit zur inneren Wiedergeburt hinzielt aus einem peinlichen Achten auf die Selbsterziehung heraus;» — wie gesagt, ich lese es nicht aus irgendeiner albernen Empfindung heraus vor; sondern bei dem, was sonst über Anthroposophie gesprochen wird, ist es schon nicht gerade unerheblich, daß wir auch solche Urteile kennenlernen «man braucht nur das Steinersche Buch zur Einführung in die Theosophie zu lesen, um zu merken, mit welchem Ernste hier der Mensch auf die Arbeit an seiner sittlichen Läuterung und Selbstvervollkommnung gewiesen wird. Sie ist weiter in ihrer auf das übersinnliche gerichteten Spekulation eine Reaktion gegen den Materialismus; allerdings» — und nun kommt etwas, worauf ich Sie bitte, besonders zu achten — «verliert sie dabei leicht den Boden der Wirklichkeit und versteigt sich in Hypothesen, in hellsehende Phantasien, in ein Reich der Träume, so daß sie für die Wirklichkeit der individuellen und sozialen Lebensgestaltung keine genügende Kraft mehr übrig behält. Aber immerhin, wir wollen und müssen die Theosophie als eine Korrekturerscheinung im Bildungsgang der Gegenwart registrieren.»
[ 34 ] After discussing what mysticism—which does not quite reach the level of “mysticism”—seeks to achieve in terms of deepening life and alleviating the distress of the soul, the man says: “Alongside mysticism stands theosophy. There are some who see in it merely a phenomenon aimed at substituting surrogates for tried-and-true forces, or who find in it only a tendency toward syncretism and eclecticism”—that is, toward the synthesis of all manner of religious creeds and worldviews. Those who do not delve deeper into spiritual science speak of it as a means of reviving Gnosticism and so on; but this man goes a step further. He says, then: Those “who see in it only a tendency toward syncretism and eclecticism, in accordance with individual inclinations, and who lump it together with the less enlightened phenomena of contemporary life—superstition, spiritualism, clairvoyance, symbolism, and similar expressions of intellectual playfulness that appeal to people through their mysterious nature. But this is not the case. It is doing this movement an injustice if one refuses to acknowledge the deeply inner relationships and values expressed within it.” We are thus dealing with a well-meaning person. He says: “We must, at least within the circle gathered around Steiner, seek to understand it rather as a religious movement among our contemporaries—albeit not of an original nature, but rather of a syncretic kind, yet directed toward the very foundation of all life;” —I hope he will also come to address the question of originality, this man, given that he has so much goodwill—‘we may regard it as a movement aimed at satisfying people’s supersensory interests, and thus as a transcendence of the realism that clings to the sensible; we may recognize in it, above all, a movement that directs people toward self-reflection on the moral problems they face, and that aims at a process of inner rebirth arising from a painstaking focus on self-education;” — as I said, I am not reading this out of some silly sentiment; rather, given what is otherwise said about anthroposophy, it is by no means insignificant that we also become acquainted with such judgments: “One need only read Steiner’s book as an introduction to theosophy to realize with what seriousness people are here directed toward the work of their moral purification and self-perfection. Furthermore, in its speculation directed toward the supersensible, it is a reaction against materialism; however”—and now comes something to which I ask you to pay particular attention—“it easily loses touch with reality in the process and gets carried away by hypotheses, clairvoyant fantasies, and a realm of dreams, so that it no longer retains sufficient strength for the reality of individual and social life. But in any case, we want to—and must—recognize theosophy as a corrective phenomenon in the educational development of the present.”
[ 35 ] Das einzige eigentlich also, was dem Mann nicht gefällt, ist das Aufsteigen zur Geistes-Erkenntnis, zur konkreten, realen Geist-Erkenntnis; das heißt, er möchte das haben, was aus der Theosophie — auch nach seiner Ansicht — quellen kann an Impulsen für moralische Vervollkommnung des Menschen; aber er erkennt noch nicht, daß dies hier im fünften nachatlantischen Zeitraum nur kommen kann aus der wirklichen, konkreten Geist-Erkenntnis. Er erkennt nicht die Wurzeln. Er möchte die Früchte haben ohne die Wurzeln. Er erkennt nicht den ganzen Zusammenhang. Gerade dieser Mann ist außerordentlich interessant, weil er auch, wie man sieht, mit Hingabe mein Buch «Theosophie» studiert hat, gar nicht einsieht, daß das eine nicht ohne das andere vorhanden ist. Er möchte gern den Kopf abschlagen diesem Buch und doch den Körper noch behalten; denn er betrachtet diesen Körper noch als etwas Wertvolles.
[ 35 ] So, in essence, the only thing this man does not like is the ascent to spiritual knowledge—to concrete, real spiritual knowledge; that is to say, he wants what can spring from Theosophy—even in his own view—in terms of impulses for the moral perfection of humanity; but he does not yet realize that here, in the fifth post-Atlantean epoch, this can only come from true, concrete spiritual knowledge. He does not recognize the roots. He wants the fruits without the roots. He does not grasp the whole context. This man in particular is extraordinarily interesting because, as one can see, he has studied my book Theosophy with devotion, yet fails to see that one cannot exist without the other. He would like to cut off the head of this book and still keep the body; for he still regards this body as something valuable.
[ 36 ] Das ist es, was Bezug hat auf das, was ich Ihnen vorhin darstellte. Daß notwendig ist soziales Verständnis, Gedankenfreiheit, das verstehen solche Menschen schon; daß aber das dritte, Geist-Erkenntnis, die Grundlage bilden muß für unseren fünften nachatlantischen Zeitraum, das wollen sie noch nicht anerkennen; das ist dasjenige, zu dem sie noch nicht kommen können. Das ist eine der wichtigsten Aufgaben der geisteswissenschaftlichen Weltanschauungsströmung, auch dafür Verständnis zu erwecken. Phantastisch nennen noch vielfach die Menschen das Hinaufsteigen in die geistigen Welten; sie sehen eben nicht ein, daß der Verlust der Erkenntnis der geistigen Welten gerade den Materialismus und die damit verbundene soziale Verständnislosigkeit und das materialistische Leben und die materialistische Lebensgesinnung der neueren Zeit hervorgebracht hat. Gerade bei den Wohlwollenden müssen wir studieren, wie es heute noch den Menschen schwer wird, die Notwendigkeit konkreter geistiger Welten anzuerkennen. Daher müssen wir um so mehr versuchen, Verständnis zu gewinnen für solche Impulse, wie diejenigen sind, von denen ich im heutigen Vortrage habe sprechen wollen.
[ 36 ] This is what relates to what I described to you earlier. Such people already understand that social understanding and freedom of thought are necessary; but they are not yet willing to acknowledge that the third element—spiritual knowledge—must form the foundation for our fifth post-Atlantean epoch; that is the point they have not yet been able to reach. It is one of the most important tasks of the spiritual-scientific worldview movement to awaken understanding for this as well. People still often call the ascent into the spiritual worlds “fantastical”; they simply do not realize that the loss of knowledge of the spiritual worlds has precisely given rise to materialism and the associated lack of social understanding, as well as the materialistic way of life and materialistic outlook of modern times. We must study, especially among well-meaning people, how difficult it still is for people today to acknowledge the necessity of concrete spiritual worlds. Therefore, we must strive all the more to gain understanding for impulses such as those I have sought to discuss in today’s lecture.
[ 37 ] Das Büchelchen, von dem ich gesprochen habe, heißt «Die Gedankenwelt der Gebildeten, Probleme und Aufgaben». Wie gesagt, es ist mir «zufällig» in die Hände gefallen, denn es ist schon 1914 in Hamburg erschienen, in der Agentur des Rauhen Hauses, und gibt wieder einen Vortrag auf dem 37. Kongreß für Innere Mission in Hamburg am 23. September 1913 von Professor Dr. Friedrich Mahling. Ich wundere mich nur darüber — wie gesagt, mir ist es ganz zufällig vor einigen Tagen in dem Schaufenster einer Buchhandlung in die Hand gefallen —, daß niemand irgend etwas gerade über dieses Buch aus unserem Kreise erwähnt hat; denn dem einen oder dem anderen hätte es, nachdem es 1914 schon erschienen ist, doch in die Hände fallen können. Und es wäre eigentlich notwendig, uns gerade um die verschiedenen Fäden, die hinüber- und herüberlaufen zwischen den verschiedensten Gebieten, heute zu kümmern. Es wäre notwendig, sich zu kümmern um die eine Nuance, die man ja viel häufiger finden wird, die des wüsten Schimpfens und Verlachens unserer Bewegung, aber auch darum können wir uns kümmern, wenn einmal ehrlichstes Verständnis gesucht wird wie in diesem Fall, wo wir geradezu daraus lernen können, welche Schwierigkeiten der Mensch, der ehrlichstes Verständnis sucht, auch heute noch hat.
[ 37 ] The little book I mentioned is titled The World of Ideas of the Educated: Problems and Tasks. As I said, it “happened” to fall into my hands, for it was published as early as 1914 in Hamburg by the Rauhes Haus agency, and it reproduces a lecture given by Professor Dr. Friedrich Mahling at the 37th Congress for the Inner Mission in Hamburg on September 23, 1913. I’m just surprised—as I said, it happened to catch my eye a few days ago in a bookstore window—that no one in our circle has mentioned anything specifically about this book; after all, since it was already published in 1914, one or the other of us might well have come across it. And it is actually necessary for us to pay attention today to the various threads that run back and forth between the most diverse fields. It would be necessary to address the one nuance—which, of course, one will encounter much more frequently—namely, the wild railing and mockery directed at our movement; but we can also address that when the most sincere understanding is sought, as in this case, where we can actually learn from it just what difficulties a person seeking the most sincere understanding still faces even today.
[ 38 ] Den heutigen Vortrag wollte ich gerade daraufhin einrichten, zu zeigen, welches die drei großen Ideale sein sollen, die konkreten Ideale für den fünften nachatlantischen Zeitraum: soziales konkretes Menschenverständnis, Gedankenfreiheit, Geist-Erkenntnis. Die drei konkreten Ideale müssen den Wissenschaften die Richtungen geben in der Zukunft. Sie müssen das Leben läutern und reinigen, müssen der Moral die Impulse geben, müssen in weitestem Umfange orientierend und richtunggebend, lebendurchdringend, lebenfördernd innerhalb der modernen Menschheit werden. Nicht aber werden die beiden ersten Forderungen erfüllt werden können — soziales Verständnis und Gedankenfreiheit —, wenn nicht die Geist-Erkenntnis dazukommt als das dritte, denn Bewußtseinsseele soll entwickelt werden. Diese Bewußtseinsseele hat als ihre höchste Stufe eben schon das Geistselbst, das in der sechsten nachatlantischen Kulturperiode veranlagt werden muß. Das wird nicht entwickelt werden können, wenn nicht vorbereitet wird jene innere Verselbständigung des Menschen, die erreicht wird durch die Entfaltung der Bewußtseinsseele. Das ist es, was wir mitberücksichtigen müssen bei unserem geisteswissenschaftlichen Streben, daß dasjenige, was wir als abstrakte Wahrheiten erkennen, wirklich die Zauberkraft in sich hat, die man nur entfesseln muß, um helles Licht hinzuwerfen auf alles Leben. Und wo im Leben auch der einzelne steht, ob er auf diesem oder jenem Gebiete der Wissenschaft, auf diesem oder jenem Gebiete der praktischen Arbeit, sei es auch der kleinsten Arbeit steht: der Mensch wird, wenn er für sein Gebiet lebendig zu machen weiß dasjenige, was wir in unseren Zusammenkünften als abstrakte Wahrheiten aufnehmen, in dem Sinne, wie es sein soll, mitarbeiten an den großen Aufgaben unserer Zeit. Und dann wird Frohsinn in die Seele des Menschen einziehen, Frohsinn, der nicht bloß heitere Oberflächlichkeit ist, der zugleich verknüpft ist mit jenem Ernst, der lebentragend ist, der unsere Kräfte erhöht, der uns nicht bloß das Leben genießen lassen will, sondern der uns zu tüchtigen Arbeitern im Leben macht.
[ 38 ] I wanted to structure today’s lecture precisely to show what the three great ideals—the concrete ideals—for the fifth post-Atlantean epoch should be: a concrete, social understanding of humanity, freedom of thought, and spiritual knowledge. These three concrete ideals must provide the sciences with their future direction. They must purify and refine life, provide impetus for morality, and, to the greatest extent possible, serve as a guiding force, permeating life and fostering it within modern humanity. However, the first two requirements—social understanding and freedom of thought—cannot be fulfilled unless spiritual knowledge is added as the third, for the consciousness soul must be developed. This consciousness soul already has, as its highest stage, the spiritual self, which must be laid the foundation for in the sixth post-Atlantean cultural period. This cannot be developed unless that inner self-reliance of the human being—which is achieved through the unfolding of the soul of consciousness—is prepared. This is what we must take into account in our spiritual scientific endeavors: that what we recognize as abstract truths truly possesses within itself the magical power that need only be unleashed to shed bright light on all of life. And no matter where an individual stands in life—whether in this or that field of science, in this or that field of practical work, even the smallest of tasks—if they know how to bring to life in their own field what we take in as abstract truths during our gatherings, in the way it is meant to be, they will be contributing to the great tasks of our time. And then joy will enter the human soul—a joy that is not merely cheerful superficiality, but is at the same time linked to that seriousness which sustains life, which enhances our strength, which does not merely seek to let us enjoy life, but which makes us capable workers in life.
[ 39 ] In diesem Sinne werden die drei angeführten konkreten sozialen Ideale und Erkenntnisideale auch dasjenige sein, was der Bewußtseinsseele die Fähigkeit geben wird, in einer neuen Weise im fünften nachatlantischen Zeitraum das Mysterium von Golgatha zu verstehen, den Christus aufzunehmen; denn ein reales Band mit den geistigen Welten müssen wir knüpfen, kennenlernen, wie auch diese zu diesem Zentralimpuls der Erdenentwickelung stehen, zu dem Christus-Impuls. Das wird uns der Christus-Impuls erst werden unter dem Einflusse der Gedanken, die aus der geistigen Welt hereinkommen ins Erdendasein, weil im Erdendasein seit dem Mysterium von Golgatha Gedanken in den Menschenseelen aufglänzen können, die als helle Sterne tröstend, wie ich ausgeführt habe, selbst zu der Welt der Angeloi hinaufleuchten, die den Christus aus ihrer Sphäre verloren haben, um ihn aus der Sphäre der Menschengedanken sich entgegenleuchten zu sehen.
[ 39 ] In this sense, the three specific social and epistemological ideals mentioned will also be what gives the consciousness soul the ability to understand the Mystery of Golgotha in a new way during the fifth post-Atlantean epoch and to receive Christ; for we must forge a real connection with the spiritual worlds and come to know how they, too, relate to this central impulse of Earth’s evolution—the Christ impulse. This will only become the Christ impulse for us under the influence of the thoughts that flow from the spiritual world into earthly existence, because, since the Mystery of Golgotha, thoughts have been able to shine forth in human souls on Earth—thoughts that, as I have explained, shine upward like bright, comforting stars even toward the world of the Angeloi, who have lost Christ from their own sphere, only to see him shining back at them from the sphere of human thought.
[ 40 ] Nein, Geist-Erkenntnis ist nicht etwas, was als eine Phantastik geschildert werden darf; Geist-Erkenntnis ist dasjenige, was bestrebt ist, auf diejenige Wirklichkeit erst den Einfluß zu finden, aus welcher die Seelennot, die notwendigerweise mit dem fünften nachatlantischen Zeitraum verknüpft sein muß, behoben werden kann. Das wollte ich heute zu Ihnen sprechen. Hoffentlich sehen wir uns in nicht sehr ferner Zeit auch wiederum in dieser Stadt. Ich hoffe, daß wir bis dahin in Gedanken gut zusammenhalten und im Geiste unserer Bewegung auch hier weiterarbeiten.
[ 40 ] No, spiritual knowledge is not something that can be described as fantasy; spiritual knowledge is that which strives to find a way to influence the very reality from which the spiritual distress—which must necessarily be linked to the fifth post-Atlantean epoch—can be alleviated. That is what I wanted to speak to you about today. Hopefully we will see each other again in this city in the not-too-distant future. I hope that until then we will remain closely united in thought and continue to work here in the spirit of our movement.
