The Connection Between
the Living and the Dead
GA 168
24 October 1916, Zurich
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Die Verbindung zwischen Lebenden und Toten
5. Karmische Wirkungen
5. Karmische Wirkungen
[ 1 ] Dasjenige, was Geisteswissenschaft über das Leben, über die Beschaffenheit der geistigen Welten zu sagen hat, wird gewonnen durch Erkenntnis der objektiven Tatsachen, in welche die entsprechenden Fähigkeiten den Menschen hineinführen können. Das ist uns ja alles bekannt. Es kann sich also, wenn es sich darum handelt, Geisteswissenschaft als solche zu begründen oder zu verteidigen gegenüber der heutigen Umwelt, niemals darum handeln, diese Verteidigungen auf etwas anderes zu stützen als darauf, daß man hinweist, wie der Mensch durch die Entwickelung gewisser Fähigkeiten zur Einsicht in die geistigen Welten kommt, und daß man dann auseinandersetzt, wie für diese Fähigkeiten eine entsprechende Gestaltung der Lebensverhältnisse der geistigen Welten sich ergibt. Den Tatsachen gegenüber, die auf diese Weise zutage treten — es ist manches fast eine Selbstverständlichkeit, allein es ist gut, wenn man darauf hinweist —, kann niemals, ebensowenig wie gegenüber den Tatsachen der physischen Welt, die mit den Sinnen beobachtet werden, ein Einwand von der Seite der menschlichen Wünsche, des menschlichen Begehrens her gemacht werden. Trotzdem dies selbstverständlich ist, hört man oftmals Einwände gegen gewisse Aussagen der Geisteswissenschaft, die gerade von dem menschlichen Wünschen, dem menschlichen Begehren herkommen, etwa von der Art, daß gesagt wird: Wenn Geisteswissenschaft dies oder jenes zu sagen hat über die geistigen Welten, dann wünsche ich nicht mit dieser Geisteswissenschaft bekannt zu werden, denn wenn es in diesen geistigen Welten so wäre, so könnte ich mich niemals mit einer solchen Gestaltung der geistigen Welten befreunden. — So absurd im Grunde genommen solch ein Einwand ist, er kommt vor. Aber er kommt nicht nur in dieser leicht durchschaubaren, absurden Form vor, sondern er kommt, ich möchte sagen maskiert in allerlei ablehnenden Haltungen vor, die der Geisteswissenschaft gegenüber eingenommen werden. Wenn also auch niemals irgendeine Erkenntnis der Geisteswissenschaft darauf gestützt werden könnte, die Welt habe nur einen Sinn, wenn es so und so in der geistigen Welt aussähe — man kann ja doch wissen, wie es wirklich in der geistigen Welt aussieht —, wenn man also von solchen Voraussetzungen aus niemals etwas sagen kann über die Beschaffenheit geistiger Welten, sondern eben nur auf Grundlage wirklicher Erkenntnis, so kann umgekehrt doch darauf hingewiesen werden, was die Geisteswissenschaft, wenn sie mit ihren Ergebnissen eben einmal da ist, für das Leben des Menschen bedeuten kann.
[ 1 ] Dasjenige, was Geisteswissenschaft über das Leben, über die Beschaffenheit der geistigen Welten zu sagen hat, wird gewonnen durch Erkenntnis der objektiven Tatsachen, in welche die entsprechenden Fähigkeiten den Menschen hineinführen können. Das ist uns ja alles bekannt. Es kann sich also, wenn es sich darum handelt, Geisteswissenschaft als solche zu begründen oder zu verteidigen gegenüber der heutigen Umwelt, niemals darum handeln, diese Verteidigungen auf etwas anderes zu stützen als darauf, daß man hinweist, wie der Mensch durch die Entwickelung gewisser Fähigkeiten zur Einsicht in die geistigen Welten kommt, und daß man dann auseinandersetzt, wie für diese Fähigkeiten eine entsprechende Gestaltung der Lebensverhältnisse der geistigen Welten sich ergibt. Den Tatsachen gegenüber, die auf diese Weise zutage treten — es ist manches fast eine Selbstverständlichkeit, allein es ist gut, wenn man darauf hinweist —, kann niemals, ebensowenig wie gegenüber den Tatsachen der physischen Welt, die mit den Sinnen beobachtet werden, ein Einwand von der Seite der menschlichen Wünsche, des menschlichen Begehrens her gemacht werden. Trotzdem dies selbstverständlich ist, hört man oftmals Einwände gegen gewisse Aussagen der Geisteswissenschaft, die gerade von dem menschlichen Wünschen, dem menschlichen Begehren herkommen, etwa von der Art, daß gesagt wird: Wenn Geisteswissenschaft dies oder jenes zu sagen hat über die geistigen Welten, dann wünsche ich nicht mit dieser Geisteswissenschaft bekannt zu werden, denn wenn es in diesen geistigen Welten so wäre, so könnte ich mich niemals mit einer solchen Gestaltung der geistigen Welten befreunden. — So absurd im Grunde genommen solch ein Einwand ist, er kommt vor. Aber er kommt nicht nur in dieser leicht durchschaubaren, absurden Form vor, sondern er kommt, ich möchte sagen maskiert in allerlei ablehnenden Haltungen vor, die der Geisteswissenschaft gegenüber eingenommen werden. Wenn also auch niemals irgendeine Erkenntnis der Geisteswissenschaft darauf gestützt werden könnte, die Welt habe nur einen Sinn, wenn es so und so in der geistigen Welt aussähe — man kann ja doch wissen, wie es wirklich in der geistigen Welt aussieht —, wenn man also von solchen Voraussetzungen aus niemals etwas sagen kann über die Beschaffenheit geistiger Welten, sondern eben nur auf Grundlage wirklicher Erkenntnis, so kann umgekehrt doch darauf hingewiesen werden, was die Geisteswissenschaft, wenn sie mit ihren Ergebnissen eben einmal da ist, für das Leben des Menschen bedeuten kann.
[ 2 ] Ich habe vor vierzehn Tagen hier auf einem gewissen Gebiete gezeigt, was geisteswissenschaftliche Gesinnung gerade in unserem Zeitalter gegenüber den großen Forderungen des Zeitalters für die Entwikkelung der Menschheit zu bedeuten hat. Ich möchte heute auf einige andere Punkte hinweisen, die in einigem tiefer eingehen werden auf dasjenige, was Geisteswissenschaft der Menschheit und insbesondere auch den Menschen der Gegenwart sein kann, die darauf tiefer eingehen werden. Und auf der anderen Seite möchte ich gerade, um eine Art von Gegenbild zu geben, hinweisen darauf, welche Widerstände aus der heutigen Geisteskultur heraus diese Geisteswissenschaft treffen können und gegen welche Widerstände man gewappnet sein muß. Die geistigen Fähigkeiten, welche den Geistesforscher dahin führen, in die Tatsachen der geistigen Welt hineinzusehen, sie entwickeln sich nach und nach in der oft beschriebenen Weise, und sie entwickeln sich so, daß man zunächst die großen Tatsachen des geistigen Lebens kennenlernt, desjenigen, was die Hauptsachen sind mit Bezug auf die Entwikkelung des Erdenlebens, mit Bezug auf die wiederholten Erdenleben, mit Bezug auf das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt und so weiter. Dann aber ist es durchaus möglich, nicht nur zu sprechen über diese allgemeinen großen Gesichtspunkte, über diese im allgemeinen richtigen Wahrheiten, sondern es ist auch zu sprechen über gewisse spezielle Wahrheiten. Und wenn wir uns mit solchen speziellen Wahrheiten immer mehr und mehr bekanntmachen, so gewinnt Geisteswissenschaft auch immer mehr und mehr Wert für das einzelne konkrete menschliche Leben. Dieses menschliche Leben muß ja für die äußere Anschauung im physischen Leib zunächst ein Rätsel sein; denn wäre dieses menschliche Leben kein Rätsel, so würde der Mensch nicht einer solchen Entwickelung unterliegen, die ihn immer fähiger und fähiger macht; denn unsere Fähigkeiten, die sich insbesondere in bezug auch auf die Seele ergeben, die müssen herauskommen aus den Überwindungen, sie müssen uns erwachsen aus den Überwindungen; und auf geistigem Gebiete müssen sie uns erwachsen dadurch, daß die Welt zuerst uns rätselhaft entgegentritt, und in der Kraft, die wir verwenden auf die Auflösung des Rätsels. In dem Sinnen, das wir darauf verwenden, die Rätsel aufzulösen, stärken sich unsere Kräfte, werden wir immer fähiger und fähiger, werden wir wirklich auch innerhalb der Menschheitsentwickelung immer vollkommener und vollkommener. Niemand braucht irgendeine Sorge davor zu haben, daß das Leben an Interesse verlieren könne, wenn der Mensch die in der physischen Welt gegebenen Rätsel dadurch, daß er in die geistige Welt hineinschaut, zum Teil löst, denn auf allen Gebieten ergeben sich Lebensrätsel. Und beim Eintreten in die geistige Welt merkt man schon neue Lebensrätsel. Aber man gewinnt auch gerade aus den Erfahrungen, die man durch die Lösung gewisser Menschen- und Lebensrätsel macht von der geistigen Welt aus in bezug auf die physische, man gewinnt Vertrauen und Erfahrung dadurch, daß sich auch die tieferen, die erst in der geistigen Welt selber sich offenbarenden Menschen- und Welträtsel lösen werden.
[ 2 ] Ich habe vor vierzehn Tagen hier auf einem gewissen Gebiete gezeigt, was geisteswissenschaftliche Gesinnung gerade in unserem Zeitalter gegenüber den großen Forderungen des Zeitalters für die Entwikkelung der Menschheit zu bedeuten hat. Ich möchte heute auf einige andere Punkte hinweisen, die in einigem tiefer eingehen werden auf dasjenige, was Geisteswissenschaft der Menschheit und insbesondere auch den Menschen der Gegenwart sein kann, die darauf tiefer eingehen werden. Und auf der anderen Seite möchte ich gerade, um eine Art von Gegenbild zu geben, hinweisen darauf, welche Widerstände aus der heutigen Geisteskultur heraus diese Geisteswissenschaft treffen können und gegen welche Widerstände man gewappnet sein muß. Die geistigen Fähigkeiten, welche den Geistesforscher dahin führen, in die Tatsachen der geistigen Welt hineinzusehen, sie entwickeln sich nach und nach in der oft beschriebenen Weise, und sie entwickeln sich so, daß man zunächst die großen Tatsachen des geistigen Lebens kennenlernt, desjenigen, was die Hauptsachen sind mit Bezug auf die Entwikkelung des Erdenlebens, mit Bezug auf die wiederholten Erdenleben, mit Bezug auf das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt und so weiter. Dann aber ist es durchaus möglich, nicht nur zu sprechen über diese allgemeinen großen Gesichtspunkte, über diese im allgemeinen richtigen Wahrheiten, sondern es ist auch zu sprechen über gewisse spezielle Wahrheiten. Und wenn wir uns mit solchen speziellen Wahrheiten immer mehr und mehr bekanntmachen, so gewinnt Geisteswissenschaft auch immer mehr und mehr Wert für das einzelne konkrete menschliche Leben. Dieses menschliche Leben muß ja für die äußere Anschauung im physischen Leib zunächst ein Rätsel sein; denn wäre dieses menschliche Leben kein Rätsel, so würde der Mensch nicht einer solchen Entwickelung unterliegen, die ihn immer fähiger und fähiger macht; denn unsere Fähigkeiten, die sich insbesondere in bezug auch auf die Seele ergeben, die müssen herauskommen aus den Überwindungen, sie müssen uns erwachsen aus den Überwindungen; und auf geistigem Gebiete müssen sie uns erwachsen dadurch, daß die Welt zuerst uns rätselhaft entgegentritt, und in der Kraft, die wir verwenden auf die Auflösung des Rätsels. In dem Sinnen, das wir darauf verwenden, die Rätsel aufzulösen, stärken sich unsere Kräfte, werden wir immer fähiger und fähiger, werden wir wirklich auch innerhalb der Menschheitsentwickelung immer vollkommener und vollkommener. Niemand braucht irgendeine Sorge davor zu haben, daß das Leben an Interesse verlieren könne, wenn der Mensch die in der physischen Welt gegebenen Rätsel dadurch, daß er in die geistige Welt hineinschaut, zum Teil löst, denn auf allen Gebieten ergeben sich Lebensrätsel. Und beim Eintreten in die geistige Welt merkt man schon neue Lebensrätsel. Aber man gewinnt auch gerade aus den Erfahrungen, die man durch die Lösung gewisser Menschen- und Lebensrätsel macht von der geistigen Welt aus in bezug auf die physische, man gewinnt Vertrauen und Erfahrung dadurch, daß sich auch die tieferen, die erst in der geistigen Welt selber sich offenbarenden Menschen- und Welträtsel lösen werden.
[ 3 ] Insbesondere ein Rätsel ist ja dasjenige, was der Mensch zwischen Geburt und Tod erlebt als Schicksal. In dieses Wort drängt sich vieles, sehr vieles hinein. Nun haben wir gestern im öffentlichen Vortrage andeuten können, wie die Schicksalsfrage durch die wiederholten Erdenleben in gewisser Beziehung eine Auflösung erlangt. Das sind allgemeine Gesichtspunkte. Aber man kann auch auf konkrete Verhältnisse hinweisen. Nehmen wir zum Beispiel an, jemand verliert im Leben einen teuren Angehörigen. Der Angehörige, sagen wir, stirbt verhältnismäßig früh, so daß derjenige, der zurückbleibt, noch ein längeres Erdenleben zu durchlaufen hat ohne diesen Angehörigen. Wir sehen, indem wir einen solchen Gedanken in uns anregen, sogleich etwas vor unser geistiges Auge treten, was Schicksalsfrage sein muß für viele Menschen. Nun handelt es sich darum, daß Geisteswissenschaft wirklich in eine solche Schicksalsfrage hineinleuchten kann. Gewiß, jeder Fall ist im Grunde genommen anders. Aber gerade dadurch, daß man einzelne Fälle geisteswissenschaftlich studiert, ergibt sich ein gewisser Einblick in den geheimnisvollen Verlauf des menschlichen Lebens. Man kann da zum Beispiel die Erfahrung machen: Ein Mensch ist in früheren Jahren gestorben, seinen Angehörigen entrissen worden. Nun, ich habe gestern gesagt: Es entwickeln sich, indem Menschen hier durch ihre physischen Leiber miteinander in Beziehungen treten, Verhältnisse zwischen diesen Menschen, die weit umfassender sind als dasjenige, was sich durch die physischen Leiber ausleben läßt. Ein viel weiterer Kreis von Zusammengehörigkeiten entwickelt sich, wenn man zehn, zwanzig, dreißig, vierzig Jahre zusammenlebt, ein viel weiterer Kreis von Kräften zwischen den beiden Menschen, als in diesen Jahren innerhalb der physischen Welt ausgelebt werden kann. Da sieht man dann oftmals, wenn man den geisteswissenschaftlichen Blick auf solche Verhältnisse lenkt, daß dasjenige, was sich da anknüpft, ein solches ist, daß es durch seine innere Natur verlangt die Fortsetzungen, die sich ergeben durch den Verlust sowohl für den übrigbleibenden Teil hier in der physischen Welt, wie für den Teil, der durch die Pforte des Todes hinübergegangen ist in die andere, in die geistige Welt. Derjenige, der hier zurückgeblieben ist, hat den Verlust zu tragen. Er hat, wenn wir es abstrakt ausdrükken, ein teures Menschenwesen aus dem physischen Gesichtskreise verloren in der Zeit, in der er nicht erwartete, es zu verlieren. Es sind ihm vielleicht Hoffnungen für das spätere Zusammenleben hier in der physischen Welt dadurch zerrissen worden, es sind Voraussetzungen für das Leben abgeschnitten worden. Die gehören alle zu den Lebenserfahrungen, die gehören aber auch alle zu dem hinzu, was gewissermaßen sich anfügt den Erlebnissen, die man im physischen Leibe miteinander gemacht hat. Daß sich Trauer, Schmerz anreiht an dasjenige, was man zusammen im physischen Leibe erlebt hat, das wirkt verändernd auf die Beziehungen, die sich nur im physischen Leibe haben anknüpfen können. Denn geradeso wie dasjenige, was wir täglich aneinander erleben, wenn wir in physischen Leibern einander gegenüberstehen, nunmehr in die karmische Linie, in die fortschreitende Entwickelungsströmung sich hineinergießt, so summiert sich hinzu zu dem, was man so täglich erlebt, dasjenige, was man unter dem Eindruck des Verlustes erlebt. Alle die Empfindungen, alle die Gefühle, die man da erlebt, die fügen sich den Erfahrungen an, die man im Leben im physischen Leibe gemacht hat. Das ist gesehen von dem Gesichtspunkte desjenigen, der da zurückbleibt in der physischen Welt.
[ 3 ] Insbesondere ein Rätsel ist ja dasjenige, was der Mensch zwischen Geburt und Tod erlebt als Schicksal. In dieses Wort drängt sich vieles, sehr vieles hinein. Nun haben wir gestern im öffentlichen Vortrage andeuten können, wie die Schicksalsfrage durch die wiederholten Erdenleben in gewisser Beziehung eine Auflösung erlangt. Das sind allgemeine Gesichtspunkte. Aber man kann auch auf konkrete Verhältnisse hinweisen. Nehmen wir zum Beispiel an, jemand verliert im Leben einen teuren Angehörigen. Der Angehörige, sagen wir, stirbt verhältnismäßig früh, so daß derjenige, der zurückbleibt, noch ein längeres Erdenleben zu durchlaufen hat ohne diesen Angehörigen. Wir sehen, indem wir einen solchen Gedanken in uns anregen, sogleich etwas vor unser geistiges Auge treten, was Schicksalsfrage sein muß für viele Menschen. Nun handelt es sich darum, daß Geisteswissenschaft wirklich in eine solche Schicksalsfrage hineinleuchten kann. Gewiß, jeder Fall ist im Grunde genommen anders. Aber gerade dadurch, daß man einzelne Fälle geisteswissenschaftlich studiert, ergibt sich ein gewisser Einblick in den geheimnisvollen Verlauf des menschlichen Lebens. Man kann da zum Beispiel die Erfahrung machen: Ein Mensch ist in früheren Jahren gestorben, seinen Angehörigen entrissen worden. Nun, ich habe gestern gesagt: Es entwickeln sich, indem Menschen hier durch ihre physischen Leiber miteinander in Beziehungen treten, Verhältnisse zwischen diesen Menschen, die weit umfassender sind als dasjenige, was sich durch die physischen Leiber ausleben läßt. Ein viel weiterer Kreis von Zusammengehörigkeiten entwickelt sich, wenn man zehn, zwanzig, dreißig, vierzig Jahre zusammenlebt, ein viel weiterer Kreis von Kräften zwischen den beiden Menschen, als in diesen Jahren innerhalb der physischen Welt ausgelebt werden kann. Da sieht man dann oftmals, wenn man den geisteswissenschaftlichen Blick auf solche Verhältnisse lenkt, daß dasjenige, was sich da anknüpft, ein solches ist, daß es durch seine innere Natur verlangt die Fortsetzungen, die sich ergeben durch den Verlust sowohl für den übrigbleibenden Teil hier in der physischen Welt, wie für den Teil, der durch die Pforte des Todes hinübergegangen ist in die andere, in die geistige Welt. Derjenige, der hier zurückgeblieben ist, hat den Verlust zu tragen. Er hat, wenn wir es abstrakt ausdrükken, ein teures Menschenwesen aus dem physischen Gesichtskreise verloren in der Zeit, in der er nicht erwartete, es zu verlieren. Es sind ihm vielleicht Hoffnungen für das spätere Zusammenleben hier in der physischen Welt dadurch zerrissen worden, es sind Voraussetzungen für das Leben abgeschnitten worden. Die gehören alle zu den Lebenserfahrungen, die gehören aber auch alle zu dem hinzu, was gewissermaßen sich anfügt den Erlebnissen, die man im physischen Leibe miteinander gemacht hat. Daß sich Trauer, Schmerz anreiht an dasjenige, was man zusammen im physischen Leibe erlebt hat, das wirkt verändernd auf die Beziehungen, die sich nur im physischen Leibe haben anknüpfen können. Denn geradeso wie dasjenige, was wir täglich aneinander erleben, wenn wir in physischen Leibern einander gegenüberstehen, nunmehr in die karmische Linie, in die fortschreitende Entwickelungsströmung sich hineinergießt, so summiert sich hinzu zu dem, was man so täglich erlebt, dasjenige, was man unter dem Eindruck des Verlustes erlebt. Alle die Empfindungen, alle die Gefühle, die man da erlebt, die fügen sich den Erfahrungen an, die man im Leben im physischen Leibe gemacht hat. Das ist gesehen von dem Gesichtspunkte desjenigen, der da zurückbleibt in der physischen Welt.
[ 4 ] Der Gesichtspunkt desjenigen, der hinübergegangen ist in die geistige Welt, ist ein etwas anderer. Derjenige, der hinübergegangen ist in die geistige Welt, ist deshalb nicht weniger mit demjenigen zusammen, den er verlassen hat. Ja, derjenige, der wirklich die geistigen Welten zu untersuchen vermag auf solche konkrete Fälle hin, dem wird es klar, daß von seiten desjenigen, der drüben ist, das bewußte Zusammensein mit Seelen, die hier zurückgeblieben sind, ein intensiveres, ein innigeres ist, als es hat sein können im physischen Leibe. Aber man merkt sehr häufig, daß dieses jetzt innigere Verhältnis dazugehört, um den Kreis von Wechselverhältnissen, der sich hier in der physischen Welt gebildet hat, in der rechten Weise zu ergänzen. Man macht da nämlich bei wirklicher positiver Untersuchung oftmals die folgende Entdekkung: Man sieht, Menschen haben sich zusammengefunden hier im physischen Leben; dadurch hat sich unter der Schwelle des Bewußtseins ein gewisser Kreis von Zusammengehörigkeitsinteressen gebildet. Wären nun die Menschen hier längere Zeit in der physischen Welt noch zusammen gewesen, so hätte die Beziehung, die sich da ergeben hat auf Grundlage des Karma aus früheren Leben, durch die Verhältnisse dieses Lebens sich nicht intensiv genug vertiefen können. Derjenige, der durch die Pforte des Todes gegangen ist, kann oftmals während der Zeit, während Seelen, die ihm nahegestanden haben, noch auf der Erde weilen, dadurch, daß er nun mit den Gedanken dieser Seelen zusammen ist, die Gedanken dieser Seelen durchdringt, durchströmt, jene notwendige, nach dem Karma notwendige Vertiefung herbeiführen, die er durch die Verhältnisse, die das Leben sonst gebracht hätte, nicht hätte herbeiführen können, wenn er nicht durch die Pforte des Todes gegangen wäre. So gehört es durchaus zu einer richtigen Erfüllung des Karma oftmals dazu, daß auf der einen Seite der Schmerz hier ertragen wird und auf der anderen Seite das intensivere Zusammensein mit den Gedanken der Zurückgebliebenen hier.
[ 4 ] Der Gesichtspunkt desjenigen, der hinübergegangen ist in die geistige Welt, ist ein etwas anderer. Derjenige, der hinübergegangen ist in die geistige Welt, ist deshalb nicht weniger mit demjenigen zusammen, den er verlassen hat. Ja, derjenige, der wirklich die geistigen Welten zu untersuchen vermag auf solche konkrete Fälle hin, dem wird es klar, daß von seiten desjenigen, der drüben ist, das bewußte Zusammensein mit Seelen, die hier zurückgeblieben sind, ein intensiveres, ein innigeres ist, als es hat sein können im physischen Leibe. Aber man merkt sehr häufig, daß dieses jetzt innigere Verhältnis dazugehört, um den Kreis von Wechselverhältnissen, der sich hier in der physischen Welt gebildet hat, in der rechten Weise zu ergänzen. Man macht da nämlich bei wirklicher positiver Untersuchung oftmals die folgende Entdekkung: Man sieht, Menschen haben sich zusammengefunden hier im physischen Leben; dadurch hat sich unter der Schwelle des Bewußtseins ein gewisser Kreis von Zusammengehörigkeitsinteressen gebildet. Wären nun die Menschen hier längere Zeit in der physischen Welt noch zusammen gewesen, so hätte die Beziehung, die sich da ergeben hat auf Grundlage des Karma aus früheren Leben, durch die Verhältnisse dieses Lebens sich nicht intensiv genug vertiefen können. Derjenige, der durch die Pforte des Todes gegangen ist, kann oftmals während der Zeit, während Seelen, die ihm nahegestanden haben, noch auf der Erde weilen, dadurch, daß er nun mit den Gedanken dieser Seelen zusammen ist, die Gedanken dieser Seelen durchdringt, durchströmt, jene notwendige, nach dem Karma notwendige Vertiefung herbeiführen, die er durch die Verhältnisse, die das Leben sonst gebracht hätte, nicht hätte herbeiführen können, wenn er nicht durch die Pforte des Todes gegangen wäre. So gehört es durchaus zu einer richtigen Erfüllung des Karma oftmals dazu, daß auf der einen Seite der Schmerz hier ertragen wird und auf der anderen Seite das intensivere Zusammensein mit den Gedanken der Zurückgebliebenen hier.
[ 5 ] Und ein weiteres ergibt sich, wenn man nunmehr gewissermaßen den Nachkommenden, den später durch die Pforte des Todes Gegangenen verfolgt in seinem Verhältnis, in das er nun eintritt, zu dem früher Gestorbenen. Da bemerkt man, daß vieles sich anders einrichtet, je nachdem der Zeitunterschied ist zwischen den beiden Toten. Es ist nicht dasselbe, ob wir, wenn wir in die geistige Welt eintreten, dort einen Menschen finden, der mit uns zugleich gestorben ist, um diesen extremen Fall anzunehmen, oder der fünfzehn Jahre früher gestorben ist. Dadurch, daß der Betreffende eine gewisse Zeit in der geistigen Welt durchgemacht hat, daß er die Erlebnisse, die er da durchgemacht hat, nunmehr in seiner Seele, die wir antreffen, hat, dadurch wirkt er in anderer Weise auf uns, und dadurch wird in entsprechender Weise das karmische Band geknüpft, das durch andere Voraussetzungen nicht in derselben Weise geknüpft werden könnte. Wir müssen alles dasjenige, was wir in dieser Art mit dem uns Nahestehenden erleben, durchaus als in dem karmischen Verhältnisse begründet ansehen. Und wenn auch das ist schon öfter von mir gesagt worden — es Trauer und Schmerz nicht lindern kann, wenn man weiß, wie alles zusammengehört, was geschieht, wie alles zusammenwirkt, was geschieht, so muß doch gesagt werden, daß, von einem gewissen Gesichtspunkte aus, das Leben so überschaut erst seinen rechten Sinn bekommt. Denn es handelt sich darum, daß wir in einem Menschenleben, das wir durchleben zwischen dem Tod und der Geburt, all die Verhältnisse, in die wir hineingestellt sind, so entfalten, daß nicht nur dieses eine Leben zu seinem Rechte kommt, sondern daß gewissermaßen die Beiträge alle zu ihrem Rechte kommen, die wir zu leisten haben durch die folgenden Erdenleben für diese Erdenentwickelung. Dasjenige, was angefangen wird durch einen schmerzlichen Verlust eines Angehörigen oder eines Freundes oder eines sonst Nahestehenden, das zeigt sich in seiner Fortwirkung in dem nächsten Erdenleben. Und in einer gewissen Beziehung sind alle diese Wirkungen schon in ihren Ursachen drinnen enthalten. Kein Verlust tritt ein in das Menschenleben, der nicht in entsprechender Weise richtig uns hineinstellte in die Aufeinanderfolge der Erdenleben. Daraus wird uns im einzelnen Falle vielleicht nicht Schmerzlinderung erfließen, aber es wird uns möglich sein von diesem Gesichtspunkte aus, dem Leben Verständnis abzugewinnen.
[ 5 ] Und ein weiteres ergibt sich, wenn man nunmehr gewissermaßen den Nachkommenden, den später durch die Pforte des Todes Gegangenen verfolgt in seinem Verhältnis, in das er nun eintritt, zu dem früher Gestorbenen. Da bemerkt man, daß vieles sich anders einrichtet, je nachdem der Zeitunterschied ist zwischen den beiden Toten. Es ist nicht dasselbe, ob wir, wenn wir in die geistige Welt eintreten, dort einen Menschen finden, der mit uns zugleich gestorben ist, um diesen extremen Fall anzunehmen, oder der fünfzehn Jahre früher gestorben ist. Dadurch, daß der Betreffende eine gewisse Zeit in der geistigen Welt durchgemacht hat, daß er die Erlebnisse, die er da durchgemacht hat, nunmehr in seiner Seele, die wir antreffen, hat, dadurch wirkt er in anderer Weise auf uns, und dadurch wird in entsprechender Weise das karmische Band geknüpft, das durch andere Voraussetzungen nicht in derselben Weise geknüpft werden könnte. Wir müssen alles dasjenige, was wir in dieser Art mit dem uns Nahestehenden erleben, durchaus als in dem karmischen Verhältnisse begründet ansehen. Und wenn auch das ist schon öfter von mir gesagt worden — es Trauer und Schmerz nicht lindern kann, wenn man weiß, wie alles zusammengehört, was geschieht, wie alles zusammenwirkt, was geschieht, so muß doch gesagt werden, daß, von einem gewissen Gesichtspunkte aus, das Leben so überschaut erst seinen rechten Sinn bekommt. Denn es handelt sich darum, daß wir in einem Menschenleben, das wir durchleben zwischen dem Tod und der Geburt, all die Verhältnisse, in die wir hineingestellt sind, so entfalten, daß nicht nur dieses eine Leben zu seinem Rechte kommt, sondern daß gewissermaßen die Beiträge alle zu ihrem Rechte kommen, die wir zu leisten haben durch die folgenden Erdenleben für diese Erdenentwickelung. Dasjenige, was angefangen wird durch einen schmerzlichen Verlust eines Angehörigen oder eines Freundes oder eines sonst Nahestehenden, das zeigt sich in seiner Fortwirkung in dem nächsten Erdenleben. Und in einer gewissen Beziehung sind alle diese Wirkungen schon in ihren Ursachen drinnen enthalten. Kein Verlust tritt ein in das Menschenleben, der nicht in entsprechender Weise richtig uns hineinstellte in die Aufeinanderfolge der Erdenleben. Daraus wird uns im einzelnen Falle vielleicht nicht Schmerzlinderung erfließen, aber es wird uns möglich sein von diesem Gesichtspunkte aus, dem Leben Verständnis abzugewinnen.
[ 6 ] Indem wir über solche Dinge reden, können wir gerade durch die Betrachtung konkreter Fälle manches lernen. Ein weiterer konkreter Fall, den ich anführen möchte, ist der, der sich ergibt, wenn das Leben eines Menschen durch einen Unglücksfall abgeschlossen wird. Man kann von vornherein einen großen Unterschied vermuten zwischen dem Falle, daß das Leben abgeschlossen wird dadurch, daß der Mensch von einem Eisenbahnzug überfahren wird oder daß er sonst auf gewaltsame Weise von außen den Tod findet, und dem anderen, daß sich das Leben vollendet im hohen Alter, oder daß es durch Krankheit ein Ende nimmt. Man kann weiter die Vermutung haben, daß ein Unterschied sein muß zwischen einem früh durch Krankheit geschlossenen Leben, oder einem im hohen Alter geschlossenen Leben.
[ 6 ] Indem wir über solche Dinge reden, können wir gerade durch die Betrachtung konkreter Fälle manches lernen. Ein weiterer konkreter Fall, den ich anführen möchte, ist der, der sich ergibt, wenn das Leben eines Menschen durch einen Unglücksfall abgeschlossen wird. Man kann von vornherein einen großen Unterschied vermuten zwischen dem Falle, daß das Leben abgeschlossen wird dadurch, daß der Mensch von einem Eisenbahnzug überfahren wird oder daß er sonst auf gewaltsame Weise von außen den Tod findet, und dem anderen, daß sich das Leben vollendet im hohen Alter, oder daß es durch Krankheit ein Ende nimmt. Man kann weiter die Vermutung haben, daß ein Unterschied sein muß zwischen einem früh durch Krankheit geschlossenen Leben, oder einem im hohen Alter geschlossenen Leben.
[ 7 ] Nun liegt ja natürlich auch für diese Fälle jede Einzelheit anders, aber man kann auch darüber gewisse Anhaltspunkte bekommen. Vor allen Dingen fragen wir uns: Was ist ein gewaltsamer Tod’? Diese Frage kann nur beantwortet werden, wenn man den Tod nicht von hier aus, von dem physischen Erdenleben aus anschaut, sondern wenn man ihn ansieht von der anderen Seite aus, von der ihn anschaut derjenige, der durch die Pforte des Todes geschritten ist. Ich habe es in Vorträgen, die ja auch schon gedruckt sind, erwähnt, daß der Tod von der anderen Seite angesehen, von der Seite der Welt, in welche der Tote eintritt durch die Pforte des Todes, das bedeutsamste Ereignis ist, das dem entkörperten, dem gestorbenen Menschen darstellt, wie das Leben immerfort siegt. Der unmittelbare Anblick des Todes von der anderen Seite, der ein erhabener, ein grandioser ist, der immer bleibt, der bedeutet aber auch, daß in uns zwischen dem Tod und einer neuen Geburt ein festes Ich-Bewußtsein ist. Wie uns hier unser Gedächtnis, das uns bis zu einem gewissen Punkte im physischen Leben zurückführt, das Ich-Bewußtsein gibt, so gibt uns der Anblick des Todes von der anderen, von der geistigen Seite das Ich-Bewußtsein zwischen dem Tod und einer neuen Geburt.
[ 7 ] Nun liegt ja natürlich auch für diese Fälle jede Einzelheit anders, aber man kann auch darüber gewisse Anhaltspunkte bekommen. Vor allen Dingen fragen wir uns: Was ist ein gewaltsamer Tod’? Diese Frage kann nur beantwortet werden, wenn man den Tod nicht von hier aus, von dem physischen Erdenleben aus anschaut, sondern wenn man ihn ansieht von der anderen Seite aus, von der ihn anschaut derjenige, der durch die Pforte des Todes geschritten ist. Ich habe es in Vorträgen, die ja auch schon gedruckt sind, erwähnt, daß der Tod von der anderen Seite angesehen, von der Seite der Welt, in welche der Tote eintritt durch die Pforte des Todes, das bedeutsamste Ereignis ist, das dem entkörperten, dem gestorbenen Menschen darstellt, wie das Leben immerfort siegt. Der unmittelbare Anblick des Todes von der anderen Seite, der ein erhabener, ein grandioser ist, der immer bleibt, der bedeutet aber auch, daß in uns zwischen dem Tod und einer neuen Geburt ein festes Ich-Bewußtsein ist. Wie uns hier unser Gedächtnis, das uns bis zu einem gewissen Punkte im physischen Leben zurückführt, das Ich-Bewußtsein gibt, so gibt uns der Anblick des Todes von der anderen, von der geistigen Seite das Ich-Bewußtsein zwischen dem Tod und einer neuen Geburt.
[ 8 ] Nun, wie ist es, wenn der Anblick dieses Todes so herbeigeführt wird, daß ein gewaltsames Lebensende den Tod herbeigeführt hat? Ein gewaltsames Lebensende ist, von der anderen Seite angesehen, eine Erfahrung, eine Wahrnehmung weittragendster Art, und so sonderbar es klingt, untersucht man diese Dinge, so stellt sich das Folgende heraus: Die Zeitverhältnisse in ihrer Wirkung auf die Erlebnisse der Seele sind ganz anders in den geistigen Welten, die wir betreten durch die Pforte des Todes, als sie hier sind, obwohl uns manche Verhältnisse hier schon erinnern an dasjenige, was in einer viel umfassenderen Weise drüben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt auftritt.
[ 8 ] Nun, wie ist es, wenn der Anblick dieses Todes so herbeigeführt wird, daß ein gewaltsames Lebensende den Tod herbeigeführt hat? Ein gewaltsames Lebensende ist, von der anderen Seite angesehen, eine Erfahrung, eine Wahrnehmung weittragendster Art, und so sonderbar es klingt, untersucht man diese Dinge, so stellt sich das Folgende heraus: Die Zeitverhältnisse in ihrer Wirkung auf die Erlebnisse der Seele sind ganz anders in den geistigen Welten, die wir betreten durch die Pforte des Todes, als sie hier sind, obwohl uns manche Verhältnisse hier schon erinnern an dasjenige, was in einer viel umfassenderen Weise drüben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt auftritt.
[ 9 ] Wenn ich dasjenige ausführen will, auf das es jetzt ankommt, so möchte ich zu einem Vergleiche greifen, der sich erst dann ergibt, wenn man die entsprechenden Tatsachen aus der geistigen Welt kennt. Sie wissen vielleicht, daß wir hier im physischen Leben oftmals Erfahrungen machen können in kurzer Zeit, vielleicht im Verlaufe eines Tages oder weniger Stunden, die uns weit mehr bedeuten, als uns sonst die Erfahrungen einer langen Zeit, von Monaten, vielleicht von Jahren bedeuten können. Wie mancher wird sich aus seinem eigenen Leben erinnern an ein wichtiges Ereignis, das er durchgemacht hat in ganz kurzer Zeit hier in der physischen Welt, das ihm an Resultaten inneren Erlebens mehr zugeführt hat, als sonst Monate oder Jahre. Die Menschen drücken das oftmals so aus, daß sie sagen: Dasjenige, was ich da erlebt habe, das werde ich niemals vergessen. — Hinter dieser einfachen Redensart verbirgt sich sehr häufig dasjenige, was ich eben charakterisiert habe. Nun ist es wirklich wahr, daß der Eindruck, den der Mensch dadurch empfängt, daß ihm eine äußere Welt, eine Welt, die nicht zu ihm gehört, den physischen Leib wegnimmt, in verhältnismäRig ganz kurzer Zeit, es kann sogar ein einziger Augenblick sein, dasjenige zusammendrängt für das Leben zwischen dem Tod und einer Geburt, was so reich sein kann wie dasjenige, das wir gewinnen im langsamen Erdenleben, das wir vielleicht noch durchgemacht hätten durch Jahrzehnte. Ich meine nicht etwa alles, was wir im Erdenleben durchgemacht haben; aber gewisse Dinge, die uns notwendig sind an Kräften für das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, für die ist es so, daß in der Tat dasjenige, was sich sonst verteilt auf einen längeren Zeitraum, zusammengedrängt werden kann, man kann sagen: in einen Augenblick. Es ist eben ein ganz anderes Erlebnis, ob man gewissermaßen den Tod herankommen sieht mit dem Unterbewußtsein dadurch, daß sich innere Kräfte geltend machen, die vom Inneren des Organismus heraus den Tod herbeiführen, oder dadurch, daß Kräfte auf diesen Organismus wirken, die mit diesem Organismus selber gar nichts zu tun haben. Solch ein Tod findet nun wiederum seine wirkliche, echte Erklärung nur dadurch, daß wir ihn im Zusammenhange mit dem ganzen Verlaufe des menschlichen Lebens durch wiederholte Erdenleben hindurch betrachten; denn Sie können aus dem, was ich über den Zusammenhang vom Ich-Bewußtsein nach dem Tode und dem Anblicke des Todes gesagt habe, sehr leicht entnehmen, daß die Wahrnehmung des Todes selber etwas sehr Bedeutsames ist für die Stärke und Intensität, die wir im Ich-Bewußtsein zwischen dem Tod und einer neuen Geburt haben.
[ 9 ] Wenn ich dasjenige ausführen will, auf das es jetzt ankommt, so möchte ich zu einem Vergleiche greifen, der sich erst dann ergibt, wenn man die entsprechenden Tatsachen aus der geistigen Welt kennt. Sie wissen vielleicht, daß wir hier im physischen Leben oftmals Erfahrungen machen können in kurzer Zeit, vielleicht im Verlaufe eines Tages oder weniger Stunden, die uns weit mehr bedeuten, als uns sonst die Erfahrungen einer langen Zeit, von Monaten, vielleicht von Jahren bedeuten können. Wie mancher wird sich aus seinem eigenen Leben erinnern an ein wichtiges Ereignis, das er durchgemacht hat in ganz kurzer Zeit hier in der physischen Welt, das ihm an Resultaten inneren Erlebens mehr zugeführt hat, als sonst Monate oder Jahre. Die Menschen drücken das oftmals so aus, daß sie sagen: Dasjenige, was ich da erlebt habe, das werde ich niemals vergessen. — Hinter dieser einfachen Redensart verbirgt sich sehr häufig dasjenige, was ich eben charakterisiert habe. Nun ist es wirklich wahr, daß der Eindruck, den der Mensch dadurch empfängt, daß ihm eine äußere Welt, eine Welt, die nicht zu ihm gehört, den physischen Leib wegnimmt, in verhältnismäRig ganz kurzer Zeit, es kann sogar ein einziger Augenblick sein, dasjenige zusammendrängt für das Leben zwischen dem Tod und einer Geburt, was so reich sein kann wie dasjenige, das wir gewinnen im langsamen Erdenleben, das wir vielleicht noch durchgemacht hätten durch Jahrzehnte. Ich meine nicht etwa alles, was wir im Erdenleben durchgemacht haben; aber gewisse Dinge, die uns notwendig sind an Kräften für das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, für die ist es so, daß in der Tat dasjenige, was sich sonst verteilt auf einen längeren Zeitraum, zusammengedrängt werden kann, man kann sagen: in einen Augenblick. Es ist eben ein ganz anderes Erlebnis, ob man gewissermaßen den Tod herankommen sieht mit dem Unterbewußtsein dadurch, daß sich innere Kräfte geltend machen, die vom Inneren des Organismus heraus den Tod herbeiführen, oder dadurch, daß Kräfte auf diesen Organismus wirken, die mit diesem Organismus selber gar nichts zu tun haben. Solch ein Tod findet nun wiederum seine wirkliche, echte Erklärung nur dadurch, daß wir ihn im Zusammenhange mit dem ganzen Verlaufe des menschlichen Lebens durch wiederholte Erdenleben hindurch betrachten; denn Sie können aus dem, was ich über den Zusammenhang vom Ich-Bewußtsein nach dem Tode und dem Anblicke des Todes gesagt habe, sehr leicht entnehmen, daß die Wahrnehmung des Todes selber etwas sehr Bedeutsames ist für die Stärke und Intensität, die wir im Ich-Bewußtsein zwischen dem Tod und einer neuen Geburt haben.
[ 10 ] Verhältnisse, die von hier aus, vom physischen Leben aus gesehen, als ein Zufall erscheinen, sind durchaus kein Zufall, sondern sind enthalten in einer Welt von Notwendigkeit. Hier mag es als ein Zufall erscheinen, daß jemand von einem Eisenbahnzug überfahren wird; von der anderen Seite aus, von der geistigen Seite aus gesehen, erscheint es als kein Zufall. Stellt man, wenn ich so sagen darf, obwohl das selbstverständlich nur vergleichsweise sein kann, von dieser anderen Seite, von der geistigen Seite aus die Frage: Wie nimmt sich ein solch gewaltsamer Tod aus in der Gesamtheit der menschlichen Erdenleben? — dann wird man immer finden, daß in den verflossenen Zeiträumen, die der Mensch durchgemacht hat durch wiederholte Erdenleben und Zwischenleben zwischen Tod und neuer Geburt bis zu dem Unglücksfalle hin, er durch verschiedene Verhältnisse ein solches Ich-Bewußtsein für die rein geistige Welt ausgebildet hat, welches eine Stärkung, eine Kräftigung brauchte. Und diese Kräftigung tritt ein dadurch, daß dem Menschen nicht von innen heraus, sondern von außen das physische Leben abgeschlossen wird. Und wir müssen rechnen damit, daß wir nicht nur zu der Umwelt in den Beziehungen stehen, die durch unsere ideellen Kräfte in der Seele herbeigeführt werden; wir können nur in den seltensten Fällen, gewöhnlich aber nicht wissen, wie unser Unterbewußtsein denkt. Sie sind öfter von mir aufmerksam darauf gemacht worden, daß das Gedankenleben nicht aufhört mit der Schwelle des Bewußtseins, sondern daß der Mensch im Unter- oder, man könnte auch sagen, Überbewußten fortwährend ein Gedankenleben führt. Nur kann der Mensch gar nicht in Erwägung ziehen, was für ihn dieses umfassendere Bewußtsein sein kann. Jeden einzelnen könnte man fragen: Warum hat Sie seit heute morgen der oder jener Unfall nicht getroffen? — Für jeden einzelnen wäre eine Möglichkeit gewesen, daß ihn dieser oder jener Unfall betroffen hätte. Manchmal tritt es einem ja, ich möchte sagen halb entgegen, wie sich die Sache verhält; aber in den seltensten Fällen sieht man die Zusammenhänge. Manchmal hat man eine gewisse Abneigung, dies oder jenes zu tun. Man geht zum Beispiel an irgendeine Sache eine halbe Stunde später, und man merkt dann nachher irgend etwas, was auf dem Wege geschehen ist, was einem selbst hätte geschehen können, wenn man eine halbe Stunde früher gegangen wäre. Da hat das Unterbewußtsein gewirkt; da hat einen das Unterbewußtsein zögern lassen. Solche Wirkungen des Unterbewußtseins sind fortwährend da, nur sind sie für den Menschen nicht wahrnehmbar.
[ 10 ] Verhältnisse, die von hier aus, vom physischen Leben aus gesehen, als ein Zufall erscheinen, sind durchaus kein Zufall, sondern sind enthalten in einer Welt von Notwendigkeit. Hier mag es als ein Zufall erscheinen, daß jemand von einem Eisenbahnzug überfahren wird; von der anderen Seite aus, von der geistigen Seite aus gesehen, erscheint es als kein Zufall. Stellt man, wenn ich so sagen darf, obwohl das selbstverständlich nur vergleichsweise sein kann, von dieser anderen Seite, von der geistigen Seite aus die Frage: Wie nimmt sich ein solch gewaltsamer Tod aus in der Gesamtheit der menschlichen Erdenleben? — dann wird man immer finden, daß in den verflossenen Zeiträumen, die der Mensch durchgemacht hat durch wiederholte Erdenleben und Zwischenleben zwischen Tod und neuer Geburt bis zu dem Unglücksfalle hin, er durch verschiedene Verhältnisse ein solches Ich-Bewußtsein für die rein geistige Welt ausgebildet hat, welches eine Stärkung, eine Kräftigung brauchte. Und diese Kräftigung tritt ein dadurch, daß dem Menschen nicht von innen heraus, sondern von außen das physische Leben abgeschlossen wird. Und wir müssen rechnen damit, daß wir nicht nur zu der Umwelt in den Beziehungen stehen, die durch unsere ideellen Kräfte in der Seele herbeigeführt werden; wir können nur in den seltensten Fällen, gewöhnlich aber nicht wissen, wie unser Unterbewußtsein denkt. Sie sind öfter von mir aufmerksam darauf gemacht worden, daß das Gedankenleben nicht aufhört mit der Schwelle des Bewußtseins, sondern daß der Mensch im Unter- oder, man könnte auch sagen, Überbewußten fortwährend ein Gedankenleben führt. Nur kann der Mensch gar nicht in Erwägung ziehen, was für ihn dieses umfassendere Bewußtsein sein kann. Jeden einzelnen könnte man fragen: Warum hat Sie seit heute morgen der oder jener Unfall nicht getroffen? — Für jeden einzelnen wäre eine Möglichkeit gewesen, daß ihn dieser oder jener Unfall betroffen hätte. Manchmal tritt es einem ja, ich möchte sagen halb entgegen, wie sich die Sache verhält; aber in den seltensten Fällen sieht man die Zusammenhänge. Manchmal hat man eine gewisse Abneigung, dies oder jenes zu tun. Man geht zum Beispiel an irgendeine Sache eine halbe Stunde später, und man merkt dann nachher irgend etwas, was auf dem Wege geschehen ist, was einem selbst hätte geschehen können, wenn man eine halbe Stunde früher gegangen wäre. Da hat das Unterbewußtsein gewirkt; da hat einen das Unterbewußtsein zögern lassen. Solche Wirkungen des Unterbewußtseins sind fortwährend da, nur sind sie für den Menschen nicht wahrnehmbar.
[ 11 ] Es ist nämlich für den, der die Verhältnisse der Welt vom geistigen Gesichtspunkte aus zu beobachten vermag, durchaus klar, daß derjenige, der einem Unglücksfall entgegengeht, durch den guten Genius, der in seinem Unterbewußtsein wirkt, nicht behütet wird, sondern dem Unglücksfall entgegengeht, daß er durch eine Notwendigkeit seines Karmas zu diesem Unglücksfall getrieben wird. Denn würde dieser Unglücksfall nicht eintreten, so würde eben das nicht eintreten können, was ich charakterisiert habe: die für ihn notwendige Stärkung seines Ich-Bewußtseins in der angedeuteten Weise. Der Mensch lebt sich herein in einem gewissen Erdenleben durch die Geburt in die Verhältnisse, in die er eben hineingestellt ist. Er lebt sich herein, aber so, daß er an sich selber beobachtet hat im letzten Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, daß sein Ich in einer gewissen Weise schwach an Kräften ist. Dieser Trieb, sein Ich zu stärken, lebt in ihm, und führt ihn mit den Verhältnissen zusammen, die seinen Unglücksfall bewirken. So muß diese Sache angesehen werden, an diesen Dingen sehen Sie, daß das Leben Zusammenhang gewinnt, wenn man es von diesem Gesichtspunkt der geisteswissenschaftlichen Erkenntnis betrachtet.
[ 11 ] Es ist nämlich für den, der die Verhältnisse der Welt vom geistigen Gesichtspunkte aus zu beobachten vermag, durchaus klar, daß derjenige, der einem Unglücksfall entgegengeht, durch den guten Genius, der in seinem Unterbewußtsein wirkt, nicht behütet wird, sondern dem Unglücksfall entgegengeht, daß er durch eine Notwendigkeit seines Karmas zu diesem Unglücksfall getrieben wird. Denn würde dieser Unglücksfall nicht eintreten, so würde eben das nicht eintreten können, was ich charakterisiert habe: die für ihn notwendige Stärkung seines Ich-Bewußtseins in der angedeuteten Weise. Der Mensch lebt sich herein in einem gewissen Erdenleben durch die Geburt in die Verhältnisse, in die er eben hineingestellt ist. Er lebt sich herein, aber so, daß er an sich selber beobachtet hat im letzten Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, daß sein Ich in einer gewissen Weise schwach an Kräften ist. Dieser Trieb, sein Ich zu stärken, lebt in ihm, und führt ihn mit den Verhältnissen zusammen, die seinen Unglücksfall bewirken. So muß diese Sache angesehen werden, an diesen Dingen sehen Sie, daß das Leben Zusammenhang gewinnt, wenn man es von diesem Gesichtspunkt der geisteswissenschaftlichen Erkenntnis betrachtet.
[ 12 ] Die Menschen — ich habe das oftmals betont — denken nicht genug nach über die Veränderungen, die sich vollzogen haben in der menschlichen Seelenentwickelung seit verhältnismäßig kurzer Zeit. Die meisten, insbesondere diejenigen, die von der heutigen Gelehrsamkeit infiziert sind, die stellen sich das Seelenleben vor Jahrhunderten einfach auch so vor, wie das Seelenleben heute. Das ist eine vollständig irrtümliche Vorstellung, wie wir wissen. Im Intimen hat sich der Ton, die Haltung des Seelenlebens der Menschen wesentlich geändert. Und dasjenige, was heute Geisteswissenschaft aus gewissen Quellen an solchem Lebensverständnis wiederum heraufbringen muß, wie es angedeutet worden ist, das war noch mehr wie eine atavistisch-hellsichtige Stimmung in den Seelen vor gar nicht so langer Zeit vorhanden. Die Menschen hatten gewissermaßen Ahnungen über die Zusammenhänge des Lebens. Aber die Menschheit schreitet vorwärts, und solche Ahnungen sind im Aussterben. Dadurch aber, daß dieser alte Zusammenhang mit der geistigen Welt für den Menschen im Verlaufe seiner Entwickelung sich zum Teile schon verloren hat und immer mehr und mehr sich verlieren wird, wird es auch immer mehr nötig, daß der Mensch durch direkte geistige Forschung wiederum sich unterrichtet über seinen Zusammenhang mit dieser geistigen Welt. Damit hängt es zusammen, daß Geisteswissenschaft gerade in unserer Zeit auftritt. In früheren Zeiten hatte man sie nicht nötig, weil die Menschheit nicht auf einer solchen Stufe der Seelenentwickelung stand. Von der Gegenwart ab ist sie aus den geschilderten Gründen nötig und wird immer nötiger und nötiger werden.
[ 12 ] Die Menschen — ich habe das oftmals betont — denken nicht genug nach über die Veränderungen, die sich vollzogen haben in der menschlichen Seelenentwickelung seit verhältnismäßig kurzer Zeit. Die meisten, insbesondere diejenigen, die von der heutigen Gelehrsamkeit infiziert sind, die stellen sich das Seelenleben vor Jahrhunderten einfach auch so vor, wie das Seelenleben heute. Das ist eine vollständig irrtümliche Vorstellung, wie wir wissen. Im Intimen hat sich der Ton, die Haltung des Seelenlebens der Menschen wesentlich geändert. Und dasjenige, was heute Geisteswissenschaft aus gewissen Quellen an solchem Lebensverständnis wiederum heraufbringen muß, wie es angedeutet worden ist, das war noch mehr wie eine atavistisch-hellsichtige Stimmung in den Seelen vor gar nicht so langer Zeit vorhanden. Die Menschen hatten gewissermaßen Ahnungen über die Zusammenhänge des Lebens. Aber die Menschheit schreitet vorwärts, und solche Ahnungen sind im Aussterben. Dadurch aber, daß dieser alte Zusammenhang mit der geistigen Welt für den Menschen im Verlaufe seiner Entwickelung sich zum Teile schon verloren hat und immer mehr und mehr sich verlieren wird, wird es auch immer mehr nötig, daß der Mensch durch direkte geistige Forschung wiederum sich unterrichtet über seinen Zusammenhang mit dieser geistigen Welt. Damit hängt es zusammen, daß Geisteswissenschaft gerade in unserer Zeit auftritt. In früheren Zeiten hatte man sie nicht nötig, weil die Menschheit nicht auf einer solchen Stufe der Seelenentwickelung stand. Von der Gegenwart ab ist sie aus den geschilderten Gründen nötig und wird immer nötiger und nötiger werden.
[ 13 ] Erhärten wir auch diese Behauptung durch gewisse konkrete Tatsachen. Heute gibt es erst ein kleines Häuflein von Menschen, welche in ihrem Leben zwischen der Geburt und dem Tode Geisteswissenschaft in ihre Seelen aufnehmen. Ich sage nicht geistige Forschung, sondern Geisteswissenschaft: Vorstellungen, Ideen, welche durch die Geisteswissenschaft geliefert werden. Dadurch erfährt der Mensch also in diesem Leben zwischen der Geburt und dem Tod etwas über die geistige Welt. Dies ist nicht bedeutungslos für das Leben, das der Mensch betritt, wenn er durch die Pforte des Todes gegangen ist. Und wiederum ist die Tatsache, auf die ich jetzt hinweisen will, so erst geworden in unserer Zeit. Wenn wir in frühere Zeiten zurückgehen, finden wir immer noch ein altes Erbgut der Menschheit in bezug auf den Zusammenhang mit der geistigen Welt. Der Mensch ging durch die Pforte des Todes, und er hatte, weil er hier durch Ahnungen, durch atavistisches Hellsehen und dergleichen einen gewissen Zusammenhang mit der geistigen Welt hatte, etwas Gemeinsames zwischen dem Leben hier im physischen Leibe und dem Leben, das er betritt, wenn er durch die Pforte des Todes geht. Daß der Mensch hier meinetwillen instinktiv etwas wußte von der geistigen Welt, das bewirkte, daß er drüben, jenseits der Pforte des Todes mehr hatte als eine bloße Summe von Gedanken, die Erinnerungen sind an das Erdenleben. Denn das ist das Eigentümliche, das immer mehr und mehr in den Menschenseelen auftreten wird von der Gegenwart ab, daß diese Menschenseelen durch die Pforte des Todes gehen werden und mit der Erde nur zusammenhängen durch Erinnerungen. Wir erinnern uns gewissermaßen an unser Erdenleben hier, und dadurch, daß wir dieses Erdenleben hier in der Erinnerung nach dem Tode haben, hängen wir noch mit dem Erdenleben zusammen. Dies ist so im strengsten, im radikalsten Sinne der Fall für den Gegenwartsmenschen, der keine Vorstellungen über die geistige Welt aus der Geisteswissenschaft aufnehmen kann. Nimmt er solche Vorstellungen auf, so bilden diese Vorstellungen nach seinem Tode etwas, was ihn befähigt, nicht nur Erinnerungen an sein Leben zu haben, sondern hereinzusehen in dieses Erdenleben. Dasjenige, was wir an Vorstellungen aufnehmen vor unserem Tode, wird zu Fähigkeiten nach unserem Tode. Gewissermaßen Fenster öffnen sich nach dem Tode aus der Geisteswelt herein in die physische Welt, auf alles das, was hier in der physischen Welt ist, dadurch, daß wir hier uns Vorstellungen über die geistige Welt aneignen. Wir tragen also gewisse Ergebnisse durch die Pforte des Todes hindurch aus dieser geistigen Wissenschaft.
[ 13 ] Erhärten wir auch diese Behauptung durch gewisse konkrete Tatsachen. Heute gibt es erst ein kleines Häuflein von Menschen, welche in ihrem Leben zwischen der Geburt und dem Tode Geisteswissenschaft in ihre Seelen aufnehmen. Ich sage nicht geistige Forschung, sondern Geisteswissenschaft: Vorstellungen, Ideen, welche durch die Geisteswissenschaft geliefert werden. Dadurch erfährt der Mensch also in diesem Leben zwischen der Geburt und dem Tod etwas über die geistige Welt. Dies ist nicht bedeutungslos für das Leben, das der Mensch betritt, wenn er durch die Pforte des Todes gegangen ist. Und wiederum ist die Tatsache, auf die ich jetzt hinweisen will, so erst geworden in unserer Zeit. Wenn wir in frühere Zeiten zurückgehen, finden wir immer noch ein altes Erbgut der Menschheit in bezug auf den Zusammenhang mit der geistigen Welt. Der Mensch ging durch die Pforte des Todes, und er hatte, weil er hier durch Ahnungen, durch atavistisches Hellsehen und dergleichen einen gewissen Zusammenhang mit der geistigen Welt hatte, etwas Gemeinsames zwischen dem Leben hier im physischen Leibe und dem Leben, das er betritt, wenn er durch die Pforte des Todes geht. Daß der Mensch hier meinetwillen instinktiv etwas wußte von der geistigen Welt, das bewirkte, daß er drüben, jenseits der Pforte des Todes mehr hatte als eine bloße Summe von Gedanken, die Erinnerungen sind an das Erdenleben. Denn das ist das Eigentümliche, das immer mehr und mehr in den Menschenseelen auftreten wird von der Gegenwart ab, daß diese Menschenseelen durch die Pforte des Todes gehen werden und mit der Erde nur zusammenhängen durch Erinnerungen. Wir erinnern uns gewissermaßen an unser Erdenleben hier, und dadurch, daß wir dieses Erdenleben hier in der Erinnerung nach dem Tode haben, hängen wir noch mit dem Erdenleben zusammen. Dies ist so im strengsten, im radikalsten Sinne der Fall für den Gegenwartsmenschen, der keine Vorstellungen über die geistige Welt aus der Geisteswissenschaft aufnehmen kann. Nimmt er solche Vorstellungen auf, so bilden diese Vorstellungen nach seinem Tode etwas, was ihn befähigt, nicht nur Erinnerungen an sein Leben zu haben, sondern hereinzusehen in dieses Erdenleben. Dasjenige, was wir an Vorstellungen aufnehmen vor unserem Tode, wird zu Fähigkeiten nach unserem Tode. Gewissermaßen Fenster öffnen sich nach dem Tode aus der Geisteswelt herein in die physische Welt, auf alles das, was hier in der physischen Welt ist, dadurch, daß wir hier uns Vorstellungen über die geistige Welt aneignen. Wir tragen also gewisse Ergebnisse durch die Pforte des Todes hindurch aus dieser geistigen Wissenschaft.
[ 14 ] So ist dasjenige, was wir uns aus Geisteswissenschaft aneignen, nicht bloß ein totes Erkenntnisgut, sondern ein Lebensgut, etwas, was weiterlebt, indem wir durch die Pforte des Todes schreiten. Ja, es ist diese Geisteswissenschaft in dem Sinne, den ich öfter erwähnt habe, sogar schon ein starkes Lebensgut dadurch, daß, weil der Tote von sich aus bewußt in unseren Gedanken lebt, wir gerade dadurch, daß wir in der Geisteswissenschaft drinnenstehen, für den Toten etwas tun können. Darauf bezieht sich dasjenige, was ich oftmals über das Vorlesen gesagt habe. Der Tote ist in unseren Gedanken, er schaut auf unsere Gedanken. Sind diese Gedanken nun so, wie wir sie hegen, wenn wir einen geisteswissenschaftlichen Gedankengang durchmachen, dem Toten also vorlesen in Gedanken oder ihm vorerzählen irgend etwas, was wir wissen oder denken über die geistigen Welten, dann ist der Tote mit diesen Gedanken, die wir hier durch Geisteswissenschaft an ihn richten. Und daß wir sie an ihn richten, das gibt das Anziehungsband zwischen hier und dort. Wir können also gewissermaßen dadurch, daß Geisteswissenschaft etwas Lebendiges ist, eine lebendige Kraft hinaufsenden, die dem Toten, der mit uns ist, eine lebendige Nahrung geben kann.
[ 14 ] So ist dasjenige, was wir uns aus Geisteswissenschaft aneignen, nicht bloß ein totes Erkenntnisgut, sondern ein Lebensgut, etwas, was weiterlebt, indem wir durch die Pforte des Todes schreiten. Ja, es ist diese Geisteswissenschaft in dem Sinne, den ich öfter erwähnt habe, sogar schon ein starkes Lebensgut dadurch, daß, weil der Tote von sich aus bewußt in unseren Gedanken lebt, wir gerade dadurch, daß wir in der Geisteswissenschaft drinnenstehen, für den Toten etwas tun können. Darauf bezieht sich dasjenige, was ich oftmals über das Vorlesen gesagt habe. Der Tote ist in unseren Gedanken, er schaut auf unsere Gedanken. Sind diese Gedanken nun so, wie wir sie hegen, wenn wir einen geisteswissenschaftlichen Gedankengang durchmachen, dem Toten also vorlesen in Gedanken oder ihm vorerzählen irgend etwas, was wir wissen oder denken über die geistigen Welten, dann ist der Tote mit diesen Gedanken, die wir hier durch Geisteswissenschaft an ihn richten. Und daß wir sie an ihn richten, das gibt das Anziehungsband zwischen hier und dort. Wir können also gewissermaßen dadurch, daß Geisteswissenschaft etwas Lebendiges ist, eine lebendige Kraft hinaufsenden, die dem Toten, der mit uns ist, eine lebendige Nahrung geben kann.
[ 15 ] So sehen wir, daß in dieser seelischen Weise Geisteswissenschaft wirklich ins Leben herein den Tod überwindet. Eine Gemeinschaft, die sonst nicht in einer so intensiven Weise in unserem heutigen Zeitenzyklus geschaffen werden kann zwischen dem Lebenden und dem Toten, wird dadurch geschaffen, daß wir uns erfüllen hier mit Gedanken, die aus der Geisteswissenschaft entnommen sind, und sie, mit dem Hinblicke auf den Toten, gewissermaßen ihm reichen. Geisteswissenschaft ist eben durchaus etwas, was lebendig in das Leben eingreift, während dem diejenige Erkenntnis, welche als gewöhnliche Wissenschaft über die physische Welt erworben wird, nur in Gedanken besteht, die allein Bedeutung haben für die Zeit zwischen Geburt und Tod, für das Leben nach dem Tode aber eine bloße Erinnerung bedeuten, kein lebendiges Hinüberwirken. Dieser Unterschied muß wohl ins Auge gefaßt werden.
[ 15 ] So sehen wir, daß in dieser seelischen Weise Geisteswissenschaft wirklich ins Leben herein den Tod überwindet. Eine Gemeinschaft, die sonst nicht in einer so intensiven Weise in unserem heutigen Zeitenzyklus geschaffen werden kann zwischen dem Lebenden und dem Toten, wird dadurch geschaffen, daß wir uns erfüllen hier mit Gedanken, die aus der Geisteswissenschaft entnommen sind, und sie, mit dem Hinblicke auf den Toten, gewissermaßen ihm reichen. Geisteswissenschaft ist eben durchaus etwas, was lebendig in das Leben eingreift, während dem diejenige Erkenntnis, welche als gewöhnliche Wissenschaft über die physische Welt erworben wird, nur in Gedanken besteht, die allein Bedeutung haben für die Zeit zwischen Geburt und Tod, für das Leben nach dem Tode aber eine bloße Erinnerung bedeuten, kein lebendiges Hinüberwirken. Dieser Unterschied muß wohl ins Auge gefaßt werden.
[ 16 ] Aber nun muß noch ein Weiteres berücksichtigt werden, gerade dann, wenn man darüber nachdenken will, welche Bedeutung Geisteswissenschaft für die gegenwärtige und zukünftige menschliche Geistesentwickelung hat. Nicht nur macht dasjenige, was wir hier an Geisteswissenschaft erwerben, oder dem Toten reichen, den Weg aus der physischen Welt in die geistige Welt hinauf, sondern dasjenige, was wir hindurchtragen durch die Pforte des Todes an Erwerbungen aus geisteswissenschaftlichem Erkennen, das wirkt wiederum zurück von der geistigen Welt auf die Erdenwelt. Und diese Erdenwelt, das dürfen wir nicht aus dem Auge verlieren, verarmt nach und nach durch die Kräfte, die von der Erde selber kommen können und die die Menschen auf der Erde entwickeln nur durch das Leben zwischen der Geburt und dem Tode. Würden keine anderen Kräfte aus der geistigen Welt herunterfließen auf die Erde, als bisher heruntergetlossen sind, so würde das Erdenleben verarmen. Es ist sogar heute schon trostlos zu sehen, wie die Menschen gedankenlos hinleben und nicht beachten, daß das Erdenleben nach und nach verarmt.
[ 16 ] Aber nun muß noch ein Weiteres berücksichtigt werden, gerade dann, wenn man darüber nachdenken will, welche Bedeutung Geisteswissenschaft für die gegenwärtige und zukünftige menschliche Geistesentwickelung hat. Nicht nur macht dasjenige, was wir hier an Geisteswissenschaft erwerben, oder dem Toten reichen, den Weg aus der physischen Welt in die geistige Welt hinauf, sondern dasjenige, was wir hindurchtragen durch die Pforte des Todes an Erwerbungen aus geisteswissenschaftlichem Erkennen, das wirkt wiederum zurück von der geistigen Welt auf die Erdenwelt. Und diese Erdenwelt, das dürfen wir nicht aus dem Auge verlieren, verarmt nach und nach durch die Kräfte, die von der Erde selber kommen können und die die Menschen auf der Erde entwickeln nur durch das Leben zwischen der Geburt und dem Tode. Würden keine anderen Kräfte aus der geistigen Welt herunterfließen auf die Erde, als bisher heruntergetlossen sind, so würde das Erdenleben verarmen. Es ist sogar heute schon trostlos zu sehen, wie die Menschen gedankenlos hinleben und nicht beachten, daß das Erdenleben nach und nach verarmt.
[ 17 ] Das ist übrigens eine Erscheinung — ich habe auch das an manchen Orten schon hervorgehoben —, die nicht nur eine Wahrheit bedeutet für das geistige Kulturleben der Menschen, sondern sogar für das physisch-dichteste Erdenleben. Man lese das schöne geologische Buch «Das Antlitz der Erde» von Eduard Sueß, und man wird darin ausgeführt finden, wie die Erde früher in bezug auf ihre physische Oberfläche ganz anders war, als sie jetzt ist, wie sie gewissermaßen als Erdoberfläche in sich erstorben ist und nicht mehr dieselben Kräfte heute in der gewöhnlichen physischen Erdoberfläche sind, wie vor längeren Zeiträumen. Zerbröckelnd ist die Erdoberfläche. Was da im physischen Leben stattfindet, das findet aber auch statt im geistigen Leben. Und, wie gesagt, es nimmt sich oftmals trostlos aus, wie die Menschen dem zusehen, ohne ein Bewußtsein davon zu haben. Für das geistige Leben ist es so, daß wenn man den Weg schildert, den die Menschheit läuft, man sagen muß: Trotz des Hochmutes, der unsere Zeit durchsetzt, stellt sich heraus, daß die Gedanken der Menschen immer unlebendiger und unlebendiger, immer toter und toter werden, und sogar immer zusammenhangloser und zusammenhangloser. Die Menschen sind selbstverständlich stolz auf ihr heutiges Denken. Und wie hoch dünkt sich oftmals dieser oder jener Gymnasiallehrer über den Plato erhaben, wenn er seinen Schülern den Plato erklärt! Der geistvolle Dichter Hebbel hat sich allerdings in sein Tagebuch geschrieben, daß er ein Drama schreiben wolle, das allerdings nicht zur Ausführung gekommen ist, dessen Held der wiederverkörperte Plato sein sollte, der im Gymnasium von seinem Lehrer bestraft wird, weil er bei der Lektüre des Plato den Plato gar nicht verstehen kann. Die Menschen würden entgegengehen gewissermaßen einer Diskontinuität ihres Gedankensystems, wenn nicht Auffrischung dieses Gedankensystems kommen würde durch die Gedanken, die aus der geisteswissenschaftlichen Erkenntnis geboren werden. So sonderbar dies heute klingt, wahr ist es: Die intensive Kraft, die der Mensch braucht, um die Gedanken richtig zu fassen, so daß sie Wirklichkeitswert haben, die erlahmt, weil der Mensch selbständig werden soll, sich eigene Kräfte erwerben soll. Deshalb, könnte ich gewissermaßen sagen, ziehen sich die Götter, die Geister zurück, die einen früher inspiriert haben zu dem Gedankenzusammenhang, und der Mensch muß selbständig Lebendigkeit in seine Gedanken wieder hineinbringen. Die wird er aber nur hineinbringen, wenn er nicht zu hochmütig ist, um jenes Leben in sich aufzunehmen, das aus der Geisteswissenschaft fließen kann.
[ 17 ] Das ist übrigens eine Erscheinung — ich habe auch das an manchen Orten schon hervorgehoben —, die nicht nur eine Wahrheit bedeutet für das geistige Kulturleben der Menschen, sondern sogar für das physisch-dichteste Erdenleben. Man lese das schöne geologische Buch «Das Antlitz der Erde» von Eduard Sueß, und man wird darin ausgeführt finden, wie die Erde früher in bezug auf ihre physische Oberfläche ganz anders war, als sie jetzt ist, wie sie gewissermaßen als Erdoberfläche in sich erstorben ist und nicht mehr dieselben Kräfte heute in der gewöhnlichen physischen Erdoberfläche sind, wie vor längeren Zeiträumen. Zerbröckelnd ist die Erdoberfläche. Was da im physischen Leben stattfindet, das findet aber auch statt im geistigen Leben. Und, wie gesagt, es nimmt sich oftmals trostlos aus, wie die Menschen dem zusehen, ohne ein Bewußtsein davon zu haben. Für das geistige Leben ist es so, daß wenn man den Weg schildert, den die Menschheit läuft, man sagen muß: Trotz des Hochmutes, der unsere Zeit durchsetzt, stellt sich heraus, daß die Gedanken der Menschen immer unlebendiger und unlebendiger, immer toter und toter werden, und sogar immer zusammenhangloser und zusammenhangloser. Die Menschen sind selbstverständlich stolz auf ihr heutiges Denken. Und wie hoch dünkt sich oftmals dieser oder jener Gymnasiallehrer über den Plato erhaben, wenn er seinen Schülern den Plato erklärt! Der geistvolle Dichter Hebbel hat sich allerdings in sein Tagebuch geschrieben, daß er ein Drama schreiben wolle, das allerdings nicht zur Ausführung gekommen ist, dessen Held der wiederverkörperte Plato sein sollte, der im Gymnasium von seinem Lehrer bestraft wird, weil er bei der Lektüre des Plato den Plato gar nicht verstehen kann. Die Menschen würden entgegengehen gewissermaßen einer Diskontinuität ihres Gedankensystems, wenn nicht Auffrischung dieses Gedankensystems kommen würde durch die Gedanken, die aus der geisteswissenschaftlichen Erkenntnis geboren werden. So sonderbar dies heute klingt, wahr ist es: Die intensive Kraft, die der Mensch braucht, um die Gedanken richtig zu fassen, so daß sie Wirklichkeitswert haben, die erlahmt, weil der Mensch selbständig werden soll, sich eigene Kräfte erwerben soll. Deshalb, könnte ich gewissermaßen sagen, ziehen sich die Götter, die Geister zurück, die einen früher inspiriert haben zu dem Gedankenzusammenhang, und der Mensch muß selbständig Lebendigkeit in seine Gedanken wieder hineinbringen. Die wird er aber nur hineinbringen, wenn er nicht zu hochmütig ist, um jenes Leben in sich aufzunehmen, das aus der Geisteswissenschaft fließen kann.
[ 18 ] Und ebenso wie mit den Gedanken, so ist es mit dem Fühlen, so ist es mit den Willensimpulsen. Diese Willensimpulse der Menschheit werden immer eigensinniger und eigensinniger werden. Man kann geradezu dieses Wort gebrauchen — sich immer mehr und mehr absondern von der gemeinsamen Menschheit, wenn nicht jene großen, umfassenden Impulse der Seele eingeimpft werden, die allein aus der Anschauung des geistigen Zusammenhanges der physischen Dinge erstehen können. Ich sage damit schwerwiegende Wahrheiten über die Entwickelung der menschlichen Zukunft; aber diese Wahrheiten müssen von demjenigen durchdrungen werden, der sich mit der Geisteswissenschaft befaßt. Denn Geisteswissenschaft soll nicht bloß ein totes Erkenntnisgut sein, das unsere Neugierde befriedigt, sondern Geisteswissenschaft soll etwas sein, was eingreifen will in den Zusammenhang der Dinge, denen der Mensch in der Zukunft entgegengeht. Dazu aber muß man einsehen, welche Kräftesysteme erlahmen und ersetzt werden müssen durch andere. Ich sagte: Erlahmen würden die menschlichen Erdenkräfte, wenn nicht Zufluß kommen würde aus den geistigen Welten. Und dasjenige, was wir aus der geisteswissenschaftlichen Erkenntnis gewinnen und durch die Pforte des Todes tragen, das gibt uns zwischen dem Tod und einer neuen Geburt nicht nur allein die Kraft, unser Leben zu gestalten zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, sondern es gibt uns Kraft, herunterkommen zu lassen geistige Kräfte auf die Erde. Und immer mehr und mehr wird das so geschehen müssen, daß diejenigen Menschen, die hier auf der Erde leben, empfangen dasjenige, was herunterkommt von spirituell durchtränkten Seelen, die durch die Pforte des Todes gegangen sind und dasjenige, was sie von hier mitgenommen haben, in der Veränderung, die es erfährt dadurch, daß es in die geistigen Welten eintritt, wiederum zurückschicken.
[ 18 ] Und ebenso wie mit den Gedanken, so ist es mit dem Fühlen, so ist es mit den Willensimpulsen. Diese Willensimpulse der Menschheit werden immer eigensinniger und eigensinniger werden. Man kann geradezu dieses Wort gebrauchen — sich immer mehr und mehr absondern von der gemeinsamen Menschheit, wenn nicht jene großen, umfassenden Impulse der Seele eingeimpft werden, die allein aus der Anschauung des geistigen Zusammenhanges der physischen Dinge erstehen können. Ich sage damit schwerwiegende Wahrheiten über die Entwickelung der menschlichen Zukunft; aber diese Wahrheiten müssen von demjenigen durchdrungen werden, der sich mit der Geisteswissenschaft befaßt. Denn Geisteswissenschaft soll nicht bloß ein totes Erkenntnisgut sein, das unsere Neugierde befriedigt, sondern Geisteswissenschaft soll etwas sein, was eingreifen will in den Zusammenhang der Dinge, denen der Mensch in der Zukunft entgegengeht. Dazu aber muß man einsehen, welche Kräftesysteme erlahmen und ersetzt werden müssen durch andere. Ich sagte: Erlahmen würden die menschlichen Erdenkräfte, wenn nicht Zufluß kommen würde aus den geistigen Welten. Und dasjenige, was wir aus der geisteswissenschaftlichen Erkenntnis gewinnen und durch die Pforte des Todes tragen, das gibt uns zwischen dem Tod und einer neuen Geburt nicht nur allein die Kraft, unser Leben zu gestalten zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, sondern es gibt uns Kraft, herunterkommen zu lassen geistige Kräfte auf die Erde. Und immer mehr und mehr wird das so geschehen müssen, daß diejenigen Menschen, die hier auf der Erde leben, empfangen dasjenige, was herunterkommt von spirituell durchtränkten Seelen, die durch die Pforte des Todes gegangen sind und dasjenige, was sie von hier mitgenommen haben, in der Veränderung, die es erfährt dadurch, daß es in die geistigen Welten eintritt, wiederum zurückschicken.
[ 19 ] So ist es eine Art, von der physischen Welt hier in die geistige hineinzuwirken, also für die Toten zu wirken dadurch, daß man ihnen vorliest, daß man Gedanken der Geisteswissenschaft an sie richtet; eine andere Art ist es, zu der physischen Bereicherung der Erdenentwickelung hereinzuwirken dadurch, daß man herunterkommen läßt dasjenige aus der geistigen Welt, was man durch die Pforte des Todes getragen und während des Aufenthaltes in der physischen Welt gewonnen hat. Denn es ist eine eigentümliche Tatsache, daß die physische Welt dasjenige entgegennehmen kann, was eine veränderte Gestalt dadurch erhalten hat, daß es als im physischen Leben erworbenes Geistesgut durch die Pforte des Todes getragen worden ist und in der geistigen Welt eine Metamorphose durchgemacht hat und als solche Metamorphose dann wiederum herunterfließt.
[ 19 ] So ist es eine Art, von der physischen Welt hier in die geistige hineinzuwirken, also für die Toten zu wirken dadurch, daß man ihnen vorliest, daß man Gedanken der Geisteswissenschaft an sie richtet; eine andere Art ist es, zu der physischen Bereicherung der Erdenentwickelung hereinzuwirken dadurch, daß man herunterkommen läßt dasjenige aus der geistigen Welt, was man durch die Pforte des Todes getragen und während des Aufenthaltes in der physischen Welt gewonnen hat. Denn es ist eine eigentümliche Tatsache, daß die physische Welt dasjenige entgegennehmen kann, was eine veränderte Gestalt dadurch erhalten hat, daß es als im physischen Leben erworbenes Geistesgut durch die Pforte des Todes getragen worden ist und in der geistigen Welt eine Metamorphose durchgemacht hat und als solche Metamorphose dann wiederum herunterfließt.
[ 20 ] Für uns selbst arbeiten wir an unserem Karma, so daß dieses Karma sich erfüllt in den wiederholten Erdenleben, immer zwischen der Geburt und dem Tode; aber an dem gesamten Menschheitskarma, das sich zusammensetzt aus dem Strome des Lebens, der hier auf Erden abfließt, und dem Strome des Lebens, der aus der geistigen Welt hereinfließt, in diesem gesamten Weltenkarma arbeiten wir auch mit mit denjenigen Kräften, die wir über unseren eigenen Bedarf hinaus zwischen dem Tod und einer neuen Geburt entwickeln. Wir sehen also, wie Geisteswissenschaft notwendig ist, wie es notwendig ist, daß sie verarbeitet wird von Menschenseelen, nicht allein zum Heile dieser einzelnen Menschenseelen, sondern zum Heile des gesamten Menschheitsfortschrittes auch auf der Erde. Von der geistigen Welt aus arbeiten wir an unserem künftigen Erdenleben, wie ich es gestern im öffentlichen Vortrage gesagt habe, indem wir uns in die Vererbungsverhältnisse durch die Generationen vor unserer Geburt hineinleben. Aber wir nehmen auch Teil an dem, was nicht uns allein angeht in einem künftigen Erdenleben, sondern was die ganze Menschheit angeht. Die Gedanken, die ich hierdurch ausspreche, sind solche, mit denen man sich ganz besonders durchdringen soll, ich möchte sagen: auf die hin man meditieren soll; denn es sind solche Gedanken, die einen in ein lebendiges Geist- und Seelenverhältnis zu der umliegenden Welt versetzen.
[ 20 ] Für uns selbst arbeiten wir an unserem Karma, so daß dieses Karma sich erfüllt in den wiederholten Erdenleben, immer zwischen der Geburt und dem Tode; aber an dem gesamten Menschheitskarma, das sich zusammensetzt aus dem Strome des Lebens, der hier auf Erden abfließt, und dem Strome des Lebens, der aus der geistigen Welt hereinfließt, in diesem gesamten Weltenkarma arbeiten wir auch mit mit denjenigen Kräften, die wir über unseren eigenen Bedarf hinaus zwischen dem Tod und einer neuen Geburt entwickeln. Wir sehen also, wie Geisteswissenschaft notwendig ist, wie es notwendig ist, daß sie verarbeitet wird von Menschenseelen, nicht allein zum Heile dieser einzelnen Menschenseelen, sondern zum Heile des gesamten Menschheitsfortschrittes auch auf der Erde. Von der geistigen Welt aus arbeiten wir an unserem künftigen Erdenleben, wie ich es gestern im öffentlichen Vortrage gesagt habe, indem wir uns in die Vererbungsverhältnisse durch die Generationen vor unserer Geburt hineinleben. Aber wir nehmen auch Teil an dem, was nicht uns allein angeht in einem künftigen Erdenleben, sondern was die ganze Menschheit angeht. Die Gedanken, die ich hierdurch ausspreche, sind solche, mit denen man sich ganz besonders durchdringen soll, ich möchte sagen: auf die hin man meditieren soll; denn es sind solche Gedanken, die einen in ein lebendiges Geist- und Seelenverhältnis zu der umliegenden Welt versetzen.
[ 21 ] Und wie ein Gegenbild möchte ich Ihnen nun zeigen, wie die Welt heute noch urteilt gegenüber dem, was sich gerade der Geisteswissenschaft enthüllt und wie die Welt gerade sich auf den Standpunkt stellt, der herbeiführen müßte das, was ich als Austrocknung gleichsam der Gedanken, als Diskontinuierlich-, Zusammenhangloswerden der Gedanken charakterisiert habe. Entsprechend auf anderen Gebieten würde sich anderes zeigen. Gerade diejenigen, die heute oftmals das große Wort in diesen oder jenen Dingen führen, die arbeiten direkt durch ihre hochmütige Ablehnung jedes Zusammenhanges mit der geistigen Welt, wie diese durch die Geisteswissenschaft vermittelt wird, sie arbeiten direkt hin auf diese trostlose Lage, die wir heute schon herankommen sehen, gerade mit Bezug auf die Gedankenwelt. Lassen Sie mich an ein Beispiel anknüpfen.
[ 21 ] Und wie ein Gegenbild möchte ich Ihnen nun zeigen, wie die Welt heute noch urteilt gegenüber dem, was sich gerade der Geisteswissenschaft enthüllt und wie die Welt gerade sich auf den Standpunkt stellt, der herbeiführen müßte das, was ich als Austrocknung gleichsam der Gedanken, als Diskontinuierlich-, Zusammenhangloswerden der Gedanken charakterisiert habe. Entsprechend auf anderen Gebieten würde sich anderes zeigen. Gerade diejenigen, die heute oftmals das große Wort in diesen oder jenen Dingen führen, die arbeiten direkt durch ihre hochmütige Ablehnung jedes Zusammenhanges mit der geistigen Welt, wie diese durch die Geisteswissenschaft vermittelt wird, sie arbeiten direkt hin auf diese trostlose Lage, die wir heute schon herankommen sehen, gerade mit Bezug auf die Gedankenwelt. Lassen Sie mich an ein Beispiel anknüpfen.
[ 22 ] Da erscheint nun wieder eine populäre Sammlung; es erscheinen heute so viele populäre Sammlungen, in denen die Menschheit erfahren kann, was alles an Weisheit diejenigen Menschen zutage gebracht haben, die da sagen: «es ist ein groß Ergetzen, sich in den Geist der Zeiten zu versetzen» und so weiter, und wie wir es dann «zuletzt so herrlich weit gebracht»: Dazu gibt es ja heute viele Mittel. Ich will Sie hinweisen auf ein Bändchen dieser Sammlung über die Religionsfragen der Gegenwart. Diese Religionsfragen werden da sehr eigentümlich behandelt. Da wird zuerst gezeigt mit aller hochmütig in Anspruch genommenen Weisheit der Gegenwart, wie der Mensch nicht befriedigt sein kann, wenn er sich bloß in das hineingestellt weiß, was die Naturwissenschaft untersucht, wenn er also bloß das naturalistische Weltbild hat; dann wird ferner gezeigt, wie der Mensch sich nicht befriedigt erklären kann, wenn er ein bloßes sittliches Weltbild hat, um dann aufzusteigen zu dem, was nun der Verfasser dieses Büchelchens sein religiöses Weltbild nennt. Das bloße Weltbild, das die sittlichen Forderungen abgeben, das kritisiert gerade dieser Religionsmann in einer sehr scharfen Weise. Er sagt: Der Pessimismus, in den auch unsere Zeit vielfach verfällt, der ist nicht etwas Unbegründetes, sondern der geht hervor aus einer lebendigen Lebenstragik, die man übrigens zu allen Zeiten empfunden hat. — Und aufmerksam macht dieser Religionsmann darauf, wie der Pessimismus der Erkenntnis sich geltend gemacht hat in verschiedenen Zeiten. Der Mensch glaubt durch seine Gedanken darauf zu kommen, daß man nichts wissen kann, daß im Grunde genommen das Erkenntnisstreben niemals befriedigt werden könne. Dafür führt er als Beispiel an allerdings wichtige Gewährsmänner, auf die man wohl hinhören soll, zum Beispiel den älteren Plinius, den größten römischen Naturforscher, der da sagt: «Der Mensch ist ein Wesen voller Widersprüche, das unglücklichste von allen Geschöpfen, insofern die übrigen Geschöpfe doch keine über die Schranken der Natur hinausgehenden Bedürfnisse haben. Aber der Mensch ist voll von ins Unendliche gehenden Wünschen und Bedürfnissen, die nie befriedigt werden können. Seine Natur ist eine Lüge, die größte Armseligkeit verbunden mit größtem Hochmut. Angesichts so großer Übel ist das Beste, was Gott dem Menschen verliehen hat, daß er sich das Leben nehmen kann.»
[ 22 ] Da erscheint nun wieder eine populäre Sammlung; es erscheinen heute so viele populäre Sammlungen, in denen die Menschheit erfahren kann, was alles an Weisheit diejenigen Menschen zutage gebracht haben, die da sagen: «es ist ein groß Ergetzen, sich in den Geist der Zeiten zu versetzen» und so weiter, und wie wir es dann «zuletzt so herrlich weit gebracht»: Dazu gibt es ja heute viele Mittel. Ich will Sie hinweisen auf ein Bändchen dieser Sammlung über die Religionsfragen der Gegenwart. Diese Religionsfragen werden da sehr eigentümlich behandelt. Da wird zuerst gezeigt mit aller hochmütig in Anspruch genommenen Weisheit der Gegenwart, wie der Mensch nicht befriedigt sein kann, wenn er sich bloß in das hineingestellt weiß, was die Naturwissenschaft untersucht, wenn er also bloß das naturalistische Weltbild hat; dann wird ferner gezeigt, wie der Mensch sich nicht befriedigt erklären kann, wenn er ein bloßes sittliches Weltbild hat, um dann aufzusteigen zu dem, was nun der Verfasser dieses Büchelchens sein religiöses Weltbild nennt. Das bloße Weltbild, das die sittlichen Forderungen abgeben, das kritisiert gerade dieser Religionsmann in einer sehr scharfen Weise. Er sagt: Der Pessimismus, in den auch unsere Zeit vielfach verfällt, der ist nicht etwas Unbegründetes, sondern der geht hervor aus einer lebendigen Lebenstragik, die man übrigens zu allen Zeiten empfunden hat. — Und aufmerksam macht dieser Religionsmann darauf, wie der Pessimismus der Erkenntnis sich geltend gemacht hat in verschiedenen Zeiten. Der Mensch glaubt durch seine Gedanken darauf zu kommen, daß man nichts wissen kann, daß im Grunde genommen das Erkenntnisstreben niemals befriedigt werden könne. Dafür führt er als Beispiel an allerdings wichtige Gewährsmänner, auf die man wohl hinhören soll, zum Beispiel den älteren Plinius, den größten römischen Naturforscher, der da sagt: «Der Mensch ist ein Wesen voller Widersprüche, das unglücklichste von allen Geschöpfen, insofern die übrigen Geschöpfe doch keine über die Schranken der Natur hinausgehenden Bedürfnisse haben. Aber der Mensch ist voll von ins Unendliche gehenden Wünschen und Bedürfnissen, die nie befriedigt werden können. Seine Natur ist eine Lüge, die größte Armseligkeit verbunden mit größtem Hochmut. Angesichts so großer Übel ist das Beste, was Gott dem Menschen verliehen hat, daß er sich das Leben nehmen kann.»
[ 23 ] Solche Aussprüche können viele, viele angeführt werden. Seneca, der weise Seneca sagt zum Beispiel: «Viele Gebildete sind es satt, immer dasselbe zu sehen und zu tun, sie hassen das Leben nicht gerade, aber sie empfinden jenen Ekel daran, der unter dem Einflusse der Philosophie immer mehr um sich greift. Sie sagen: wie lange noch immer dasselbe. Diese unerträgliche Selbstverständlichkeit des Aufstehens und Zubettegehens, des Sattseins und Hungrigwerdens, des Kalt- und wieder Warmwerdens. Kein Ding nimmt ein Ende, sondern alles ist im unaufhörlichen Kreisen begriffen. Alles ist Flüchtling und Verfolger zugleich. Der Tag verfolgt die Nacht, die Nacht den Tag. Der Sommer mündet in den Herbst, der Herbst muß dem Winter weichen, und auch des Winters Macht wird gebrochen. Alles geht dahin, um wiederzukehren. Nichts Neues sehe ich, nichts Neues tue ich, dessen ich nicht überdrüssig werde.»
[ 23 ] Solche Aussprüche können viele, viele angeführt werden. Seneca, der weise Seneca sagt zum Beispiel: «Viele Gebildete sind es satt, immer dasselbe zu sehen und zu tun, sie hassen das Leben nicht gerade, aber sie empfinden jenen Ekel daran, der unter dem Einflusse der Philosophie immer mehr um sich greift. Sie sagen: wie lange noch immer dasselbe. Diese unerträgliche Selbstverständlichkeit des Aufstehens und Zubettegehens, des Sattseins und Hungrigwerdens, des Kalt- und wieder Warmwerdens. Kein Ding nimmt ein Ende, sondern alles ist im unaufhörlichen Kreisen begriffen. Alles ist Flüchtling und Verfolger zugleich. Der Tag verfolgt die Nacht, die Nacht den Tag. Der Sommer mündet in den Herbst, der Herbst muß dem Winter weichen, und auch des Winters Macht wird gebrochen. Alles geht dahin, um wiederzukehren. Nichts Neues sehe ich, nichts Neues tue ich, dessen ich nicht überdrüssig werde.»
[ 24 ] So der weise römische Philosoph Seneca. Unser Religionsmann findet, daß darin allerdings manches Wahre steckt; aber es interessiert ihn dies weniger. Dann macht er aufmerksam auf denjenigen Pessimismus, welcher dadurch zustande kommt, daß der Mensch mehr sich seinen Gefühlen übergibt. Dadurch kommt zum Beispiel, wie er meint, der Pessimismus des Buddhismus zustande: «Das Leben ist Leiden»; da wird hingeschaut auf das Leben, wird die Summe der Leiden und Schmerzen, der Übel genommen und auf der anderen Seite die Summe der Freuden, des Glückes. Das erstere ist größer, daher wird man Pessimist. Man betrachtet das Leben überhaupt als ein Übel. So haben ja auch Schopenhauer, so Eduard von Hartmann getan. Wiederum findet unser Religionsmann, daß die Leute viel Grund dazu haben; aber auch das interessiert ihn nicht weiter. Mehr interessiert ihn der ethisch begründete Pessimismus, denn von diesem sagt er: Der ist durchaus berechtigt, wenn man das Leben anschaut, ohne es durchdrungen zu wissen von dem, was er das «Reich Gottes» nennt, von dem, was er den Inhalt des religiösen Bekenntnisses nennt. Und da konstatiert unser Religionsmann zweierlei. Das eine ist, daß der Mensch die Forderung aufstellt, entweder im Kantschen oder im Schleiermacherschen Sinne verpflichtet zu sein, einem Sittengesetze zu folgen, einem Gesetze, das einen streng verpflichtet. Aber auf der anderen Seite ist der Mensch seiner Natur unterworfen, seinen Trieben, Neigungen und Begierden. Und nun konstatiert unser Religionsmann: Ganz überwinden kann der Mensch niemals diese Triebe und Begierden; aber dem Sittengesetz soll er folgen; dieses Sittengesetz stellt seine straffen Befehle. Da kommt unbedingt ein Konflikt heraus. Dieser muß da sein im Leben und ist da. Das ist berechtigter Pessimismus. — Man muß das Leben pessimistisch auffassen, wenn man es bloß vom Standpunkte der sittlichen Forderungen aus auffaßt. Das ist das Leben angeschaut vom Standpunkt der sittlichen Forderungen: wie der Mensch hingestellt ist zwischen diese sittlichen Forderungen und sein Naturleben. Aber auch wenn man einzelne sittliche Pflichten anschaut, dann merkt man, wie der Pessimismus begründet ist. Denn der Mensch, sagt dieser Religionsmann, fühlt sich gerade oftmals in entscheidenden Lebenslagen in sittliche Konflikte hineingestellt, und solche sittliche Konflikte führt unser Mann an für wichtige Persönlichkeiten.
[ 24 ] So der weise römische Philosoph Seneca. Unser Religionsmann findet, daß darin allerdings manches Wahre steckt; aber es interessiert ihn dies weniger. Dann macht er aufmerksam auf denjenigen Pessimismus, welcher dadurch zustande kommt, daß der Mensch mehr sich seinen Gefühlen übergibt. Dadurch kommt zum Beispiel, wie er meint, der Pessimismus des Buddhismus zustande: «Das Leben ist Leiden»; da wird hingeschaut auf das Leben, wird die Summe der Leiden und Schmerzen, der Übel genommen und auf der anderen Seite die Summe der Freuden, des Glückes. Das erstere ist größer, daher wird man Pessimist. Man betrachtet das Leben überhaupt als ein Übel. So haben ja auch Schopenhauer, so Eduard von Hartmann getan. Wiederum findet unser Religionsmann, daß die Leute viel Grund dazu haben; aber auch das interessiert ihn nicht weiter. Mehr interessiert ihn der ethisch begründete Pessimismus, denn von diesem sagt er: Der ist durchaus berechtigt, wenn man das Leben anschaut, ohne es durchdrungen zu wissen von dem, was er das «Reich Gottes» nennt, von dem, was er den Inhalt des religiösen Bekenntnisses nennt. Und da konstatiert unser Religionsmann zweierlei. Das eine ist, daß der Mensch die Forderung aufstellt, entweder im Kantschen oder im Schleiermacherschen Sinne verpflichtet zu sein, einem Sittengesetze zu folgen, einem Gesetze, das einen streng verpflichtet. Aber auf der anderen Seite ist der Mensch seiner Natur unterworfen, seinen Trieben, Neigungen und Begierden. Und nun konstatiert unser Religionsmann: Ganz überwinden kann der Mensch niemals diese Triebe und Begierden; aber dem Sittengesetz soll er folgen; dieses Sittengesetz stellt seine straffen Befehle. Da kommt unbedingt ein Konflikt heraus. Dieser muß da sein im Leben und ist da. Das ist berechtigter Pessimismus. — Man muß das Leben pessimistisch auffassen, wenn man es bloß vom Standpunkte der sittlichen Forderungen aus auffaßt. Das ist das Leben angeschaut vom Standpunkt der sittlichen Forderungen: wie der Mensch hingestellt ist zwischen diese sittlichen Forderungen und sein Naturleben. Aber auch wenn man einzelne sittliche Pflichten anschaut, dann merkt man, wie der Pessimismus begründet ist. Denn der Mensch, sagt dieser Religionsmann, fühlt sich gerade oftmals in entscheidenden Lebenslagen in sittliche Konflikte hineingestellt, und solche sittliche Konflikte führt unser Mann an für wichtige Persönlichkeiten.
[ 25 ] Nur ein Beispiel lassen Sie mich vorlesen: «Ein Luther,» sagt unser Religionsmann, «der wie kein anderer seine Bestimmung erkannte und den Weg, den er zur Reformation der Kirche und der Menschen gehen mußte, genau vor seinen Augen sah, geriet in dies Dilemma» — Dilemma nennt er eben das Nichtzusammenstimmen der Pflichten — «in dem Augenblick, wo er vor der Frage stand, ob er die Doppelehe Philipps des Großmütigen billigen oder verwerfen sollte. Sehen Sie, das war für ihn der schwerste aller Konflikte. Verwarf er diese Ehe, handelte er im reinen Interesse der Menschheitswürde, dann mußte er eine seiner wichtigsten Errungenschaften auf dem Wege der Erfüllung seiner reformatorischen Bestimmung preisgeben»; denn hätte er die Doppelehe nicht gebilligt, so hätte der großmütige Herrscher sich seiner nicht weiter angenommen; mit der Reformation, meint dieser Religionsmann, wäre es nichts gewesen — «ließ er aber die Ehe zu und hielt sich damit diesen einen Weg frei, so mußte er sich sagen, daß hier ein Stachel seine Seele treffen würde, den er immer fühlen würde. Das ist ein schweres Dilemma, und der ist kein rechter Geschichtsschreiber, der kein Verständnis hat für solche Kämpfe, sondern moralistisch aburteilt.» Solche Kämpfe aber, wo Pflichten kollidieren, denen kann der Mensch gerade für die wichtigen Dinge seines Lebens, meint unser Religionsmann, nicht entgehen. Das begründet den berechtigten Pessimismus. So daß man sagen muß: Für unseren Religionsmann stellt sich die Welt, wenn man sie so übersieht, vom Standpunkt der Natur sowohl wie vom Standpunkt der Sittlichkeit durchaus so dar, daß der Pessimismus voll begründet ist.
[ 25 ] Nur ein Beispiel lassen Sie mich vorlesen: «Ein Luther,» sagt unser Religionsmann, «der wie kein anderer seine Bestimmung erkannte und den Weg, den er zur Reformation der Kirche und der Menschen gehen mußte, genau vor seinen Augen sah, geriet in dies Dilemma» — Dilemma nennt er eben das Nichtzusammenstimmen der Pflichten — «in dem Augenblick, wo er vor der Frage stand, ob er die Doppelehe Philipps des Großmütigen billigen oder verwerfen sollte. Sehen Sie, das war für ihn der schwerste aller Konflikte. Verwarf er diese Ehe, handelte er im reinen Interesse der Menschheitswürde, dann mußte er eine seiner wichtigsten Errungenschaften auf dem Wege der Erfüllung seiner reformatorischen Bestimmung preisgeben»; denn hätte er die Doppelehe nicht gebilligt, so hätte der großmütige Herrscher sich seiner nicht weiter angenommen; mit der Reformation, meint dieser Religionsmann, wäre es nichts gewesen — «ließ er aber die Ehe zu und hielt sich damit diesen einen Weg frei, so mußte er sich sagen, daß hier ein Stachel seine Seele treffen würde, den er immer fühlen würde. Das ist ein schweres Dilemma, und der ist kein rechter Geschichtsschreiber, der kein Verständnis hat für solche Kämpfe, sondern moralistisch aburteilt.» Solche Kämpfe aber, wo Pflichten kollidieren, denen kann der Mensch gerade für die wichtigen Dinge seines Lebens, meint unser Religionsmann, nicht entgehen. Das begründet den berechtigten Pessimismus. So daß man sagen muß: Für unseren Religionsmann stellt sich die Welt, wenn man sie so übersieht, vom Standpunkt der Natur sowohl wie vom Standpunkt der Sittlichkeit durchaus so dar, daß der Pessimismus voll begründet ist.
[ 26 ] Nun nimmt in seiner Art unser Religionsmann die Wendung zur Religion. Und da sagt er, er müsse eine solche Wendung zur Religion nehmen, daß vermieden werden alle falschen Wege, die gegangen werden können. Der Buddhismus, sagt er, habe vermeiden wollen die Konflikte des Lebens dadurch, daß er das Dasein überhaupt überwinden wollte, das physische wie das geistige Dasein überwinden, wegschaffen wollte, wie unser Religionsmann meint, ins wesenlose Nirwana. Plato habe die Lebenskonflikte dadurch wegschaffen wollen, daß durch die Erkenntnis die Materie vollständig überwunden werden soll, der Mensch sich aufschwingt und die Materie wegschafft; der Buddhismus wolle alles Dasein, der Platoniker die Materie wegschaffen. Der Mystiker — und zur Mystik rechnet unser Religionsmann selbstverständlich alles, was sich außer dem, was in seinen Kopf hineingeht, noch in der Welt geltend macht an Bestrebungen, in die geistige Welt hineinzukommen —, der Mystiker, der verleugnet die Individualität. Also: der Buddhist das Dasein; der Platoniker die Materie; der Mystiker die Individualität. Denn unser Religionsmann hat die Vorstellung, daß der Mystiker versucht, sich zu retten von der Sinnlichkeit, dadurch zur Ekstase kommt, seine Individualität aufgibt und im All aufgeht.
[ 26 ] Nun nimmt in seiner Art unser Religionsmann die Wendung zur Religion. Und da sagt er, er müsse eine solche Wendung zur Religion nehmen, daß vermieden werden alle falschen Wege, die gegangen werden können. Der Buddhismus, sagt er, habe vermeiden wollen die Konflikte des Lebens dadurch, daß er das Dasein überhaupt überwinden wollte, das physische wie das geistige Dasein überwinden, wegschaffen wollte, wie unser Religionsmann meint, ins wesenlose Nirwana. Plato habe die Lebenskonflikte dadurch wegschaffen wollen, daß durch die Erkenntnis die Materie vollständig überwunden werden soll, der Mensch sich aufschwingt und die Materie wegschafft; der Buddhismus wolle alles Dasein, der Platoniker die Materie wegschaffen. Der Mystiker — und zur Mystik rechnet unser Religionsmann selbstverständlich alles, was sich außer dem, was in seinen Kopf hineingeht, noch in der Welt geltend macht an Bestrebungen, in die geistige Welt hineinzukommen —, der Mystiker, der verleugnet die Individualität. Also: der Buddhist das Dasein; der Platoniker die Materie; der Mystiker die Individualität. Denn unser Religionsmann hat die Vorstellung, daß der Mystiker versucht, sich zu retten von der Sinnlichkeit, dadurch zur Ekstase kommt, seine Individualität aufgibt und im All aufgeht.
[ 27 ] Das alles sind für unseren Religionsmann keine möglichen Wege. Dafür wendet er sich zu dem Weg, den er selbstverständlich als den allein christlichen ansieht. Und da sagt er: Man muß sich wenden von der Erde zum Reich Gottes. Nun folgt eine Art Beschreibung dieses Reiches Gottes. Diese Beschreibung des Reiches Gottes durch den Kirchenmann ist für denjenigen, der — ich will gar keine anderen Forderungen stellen — nur folgerichtig zu denken vermag, der noch nicht verfallen ist in dasjenige, was ich die Diskontinuität, die Zusammenhanglosigkeit des Gedankensystems genannt habe, geradezu ein tiefer Schmerz durch die Inhaltlosigkeit, durch die Absurdität und Gedankenzusammenhanglosigkeiten, die sich in dieser Schilderung des Reiches Gottes finden. Nachdem dieser Mann wie so viele Menschen der Gegenwart alles «Mystische» abgetan hat — alles, was er zum Mystschen rechnet —, findet er eine Möglichkeit, den Leuten so recht die Worte — verzeihen Sie den trivialen Ausdruck — in den Mund hineinzuschmieren; denn man findet heute den allergrößten Beifall, wenn man vieles vorträgt über dasjenige, was die Leute nicht zu begreifen brauchen. Alles übrige ist Unsinn, kann man den Leuten sagen; und sie hören dann zu, wie man ihnen «beweist», daß es Unsinn ist und daß man sich nicht damit zu beschäftigen braucht. Zuletzt heißt es dann wenn man auch noch so gedankenlos dabei ist —: Das wahre, echte Dasein ist die Liebe, — und dann redet man lauter Zeug, das zwar keinen Inhalt hat, in dem aber das Wort Liebe, Liebe, Liebe immer wiederholt wird, wiederholt wird in einer Weise, daß dadurch wahrhaftig keine Liebe in die Welt kommt.
[ 27 ] Das alles sind für unseren Religionsmann keine möglichen Wege. Dafür wendet er sich zu dem Weg, den er selbstverständlich als den allein christlichen ansieht. Und da sagt er: Man muß sich wenden von der Erde zum Reich Gottes. Nun folgt eine Art Beschreibung dieses Reiches Gottes. Diese Beschreibung des Reiches Gottes durch den Kirchenmann ist für denjenigen, der — ich will gar keine anderen Forderungen stellen — nur folgerichtig zu denken vermag, der noch nicht verfallen ist in dasjenige, was ich die Diskontinuität, die Zusammenhanglosigkeit des Gedankensystems genannt habe, geradezu ein tiefer Schmerz durch die Inhaltlosigkeit, durch die Absurdität und Gedankenzusammenhanglosigkeiten, die sich in dieser Schilderung des Reiches Gottes finden. Nachdem dieser Mann wie so viele Menschen der Gegenwart alles «Mystische» abgetan hat — alles, was er zum Mystschen rechnet —, findet er eine Möglichkeit, den Leuten so recht die Worte — verzeihen Sie den trivialen Ausdruck — in den Mund hineinzuschmieren; denn man findet heute den allergrößten Beifall, wenn man vieles vorträgt über dasjenige, was die Leute nicht zu begreifen brauchen. Alles übrige ist Unsinn, kann man den Leuten sagen; und sie hören dann zu, wie man ihnen «beweist», daß es Unsinn ist und daß man sich nicht damit zu beschäftigen braucht. Zuletzt heißt es dann wenn man auch noch so gedankenlos dabei ist —: Das wahre, echte Dasein ist die Liebe, — und dann redet man lauter Zeug, das zwar keinen Inhalt hat, in dem aber das Wort Liebe, Liebe, Liebe immer wiederholt wird, wiederholt wird in einer Weise, daß dadurch wahrhaftig keine Liebe in die Welt kommt.
[ 28 ] So ungefähr redet ein Religionsmann der Gegenwart. So reden viele. Und dann schwingt sich unser Religionsmann auf zu allerlei Erkenntnissen, grandiosen Erkenntnissen, wie zum Beispiel zu dieser: Da die Liebe das Höchste ist, ist Gott die Liebe. — Na gut, innerhalb von gewissen Grenzen ist ja das erstens wohl nicht neu, zweitens kann man damit einverstanden sein. Aber daß es sich handeln muß um ein Wesen, das liebt und das, weil es so stark liebt, genannt werden kann «die Liebe», das ist nicht gerade etwas, was unserem Religionsmann Schmerzen macht. Aber nun will er doch ein richtiges Christentum vertreten. «Gott ist die Liebe» bedeutet zunächst etwas sehr Unpersönliches, denn die Liebe als solche ist doch gewiß unpersönlich. Aber nun, das macht unserem Religionsmann gar keine besonderen Schwierigkeiten, denn er sagt: «Das Zentrum dieser Wirklichkeit ist eben Gott. ‹Gott ist Geist› und ‹Gott ist Liebe› ... In Wirklichkeit sind Geist und Liebe eins.» Man kann in Wirklichkeit dann alles als eins erklären, wenn man in dieser Weise vorschreitet in seinen Gedanken! «Denn die Liebe ist die höchste Form des geistigen Lebens.»
[ 28 ] So ungefähr redet ein Religionsmann der Gegenwart. So reden viele. Und dann schwingt sich unser Religionsmann auf zu allerlei Erkenntnissen, grandiosen Erkenntnissen, wie zum Beispiel zu dieser: Da die Liebe das Höchste ist, ist Gott die Liebe. — Na gut, innerhalb von gewissen Grenzen ist ja das erstens wohl nicht neu, zweitens kann man damit einverstanden sein. Aber daß es sich handeln muß um ein Wesen, das liebt und das, weil es so stark liebt, genannt werden kann «die Liebe», das ist nicht gerade etwas, was unserem Religionsmann Schmerzen macht. Aber nun will er doch ein richtiges Christentum vertreten. «Gott ist die Liebe» bedeutet zunächst etwas sehr Unpersönliches, denn die Liebe als solche ist doch gewiß unpersönlich. Aber nun, das macht unserem Religionsmann gar keine besonderen Schwierigkeiten, denn er sagt: «Das Zentrum dieser Wirklichkeit ist eben Gott. ‹Gott ist Geist› und ‹Gott ist Liebe› ... In Wirklichkeit sind Geist und Liebe eins.» Man kann in Wirklichkeit dann alles als eins erklären, wenn man in dieser Weise vorschreitet in seinen Gedanken! «Denn die Liebe ist die höchste Form des geistigen Lebens.»
[ 29 ] Nun bitte ich Sie: In Wirklichkeit sind Geist und Liebe eins; aber zugleich ist die Liebe die höchste Form des geistigen Lebens. Geist und Liebe ist eins; aber die Liebe ist doch wiederum die höchste Form des Geistes, also wieder ein Teil, und der Teil ist gleich dem Ganzen! Da haben Sie die schrecklichste Zusammenhanglosigkeit des Denkens! Nun beruht alles darauf, daß er ausgeht davon, daß Gott die Liebe ist. Deshalb muß er auch sagen: «Wenn vom Zorn Gottes und von seinen Strafen die Rede ist, so muß das alles zuletzt als Äußerung seiner Liebe verstanden werden können.»
[ 29 ] Nun bitte ich Sie: In Wirklichkeit sind Geist und Liebe eins; aber zugleich ist die Liebe die höchste Form des geistigen Lebens. Geist und Liebe ist eins; aber die Liebe ist doch wiederum die höchste Form des Geistes, also wieder ein Teil, und der Teil ist gleich dem Ganzen! Da haben Sie die schrecklichste Zusammenhanglosigkeit des Denkens! Nun beruht alles darauf, daß er ausgeht davon, daß Gott die Liebe ist. Deshalb muß er auch sagen: «Wenn vom Zorn Gottes und von seinen Strafen die Rede ist, so muß das alles zuletzt als Äußerung seiner Liebe verstanden werden können.»
[ 30 ] Jetzt haben wir weiterhin die Möglichkeit, Gott als die Liebe aufzufassen, denn der Zorn Gottes, wenn er sich so recht zum Ausdruck bringt, ist auch Liebe. Gott ist Geist; allein Gott ist die Liebe, Geist und Liebe sind eins. Der Zorn ist auch die Liebe, der Zorn muß also eigentlich auch Geist sein. — Wir sehen also, da purzeln die Begriffe nur so durcheinander in diesem unzusammenhängenden Denken. Aber der Mann muß doch Christ bleiben; daher muß er in seiner Weise weiterschreiben: «Darum kann Gott nichts anderes sein als die Liebe, denn er muß die höchste Form des Geistes sein. Das ist eine unüberbietbare Weisheit, die sich hier auftut; auch die höchste Philosophie kann nicht darüber hinauskommen. Die absolute Freiheit, die Aufhebung jedes Konfliktes, das Zusichselbstkommen des Geistes, die Liebe, ist Gott. Darum ist Gott Persönlichkeit.»
[ 30 ] Jetzt haben wir weiterhin die Möglichkeit, Gott als die Liebe aufzufassen, denn der Zorn Gottes, wenn er sich so recht zum Ausdruck bringt, ist auch Liebe. Gott ist Geist; allein Gott ist die Liebe, Geist und Liebe sind eins. Der Zorn ist auch die Liebe, der Zorn muß also eigentlich auch Geist sein. — Wir sehen also, da purzeln die Begriffe nur so durcheinander in diesem unzusammenhängenden Denken. Aber der Mann muß doch Christ bleiben; daher muß er in seiner Weise weiterschreiben: «Darum kann Gott nichts anderes sein als die Liebe, denn er muß die höchste Form des Geistes sein. Das ist eine unüberbietbare Weisheit, die sich hier auftut; auch die höchste Philosophie kann nicht darüber hinauskommen. Die absolute Freiheit, die Aufhebung jedes Konfliktes, das Zusichselbstkommen des Geistes, die Liebe, ist Gott. Darum ist Gott Persönlichkeit.»
[ 31 ] Also: Gott ist die Liebe, diese Liebe ist das Zusichselbstkommen des Geistes, darum ist Gott Persönlichkeit!
[ 31 ] Also: Gott ist die Liebe, diese Liebe ist das Zusichselbstkommen des Geistes, darum ist Gott Persönlichkeit!
[ 32 ] «Es ist ja oft philosophisch und auch religiös angefochten worden, wenn Gott mit der ‹Eigenschaft› der Persönlichkeit ausgestattet wird; denn der Begriff der Persönlichkeit entstamme dem irdischen Gebiet und bedeute, auf Gott angewendet, Vermenschlichung. Das aber ist ein großes Mißverständnis.»
[ 32 ] «Es ist ja oft philosophisch und auch religiös angefochten worden, wenn Gott mit der ‹Eigenschaft› der Persönlichkeit ausgestattet wird; denn der Begriff der Persönlichkeit entstamme dem irdischen Gebiet und bedeute, auf Gott angewendet, Vermenschlichung. Das aber ist ein großes Mißverständnis.»
[ 33 ] Und so weiter. Sie sehen, was Menschen zustandebringen, welche schon völlig verfallen sind dem, was man nennen kann: Zusammenhanglosigkeit der Gedanken; denn diese wird allgemein werden, wenn die Menschen sich in ihrem Hochmut sträuben gegen die Belebung der Gedankenwelt durch das Aufnehmen der geistigen Wissenschaft.
[ 33 ] Und so weiter. Sie sehen, was Menschen zustandebringen, welche schon völlig verfallen sind dem, was man nennen kann: Zusammenhanglosigkeit der Gedanken; denn diese wird allgemein werden, wenn die Menschen sich in ihrem Hochmut sträuben gegen die Belebung der Gedankenwelt durch das Aufnehmen der geistigen Wissenschaft.
[ 34 ] Ein schöner Satz ist auch derjenige, den ich Ihnen doch noch anführen will. Damit die Zuhörer dieses Religionsmannes sich vollständig klar würden darüber, daß sie nichts brauchten als seine Vorträge, und ja nicht irgend etwas, was wie eine Wissenschaft hinweisen will auf das geistige Leben, sagt er ihnen: «Töricht und sinnlos ist es daher, von der Wissenschaft eine Antwort auf die Frage des Fortlebens nach dem Tode zu erwarten. Die aufgeregten Leute, die das getan haben und noch tun, haben sich niemals klar gemacht, was aus der Wissenschaft wird, wenn sie sich auf solche Fragen einläßt, und was die Religion dabei verliert, wenn sie bei der Wissenschaft Gewißheit borgen geht.»
[ 34 ] Ein schöner Satz ist auch derjenige, den ich Ihnen doch noch anführen will. Damit die Zuhörer dieses Religionsmannes sich vollständig klar würden darüber, daß sie nichts brauchten als seine Vorträge, und ja nicht irgend etwas, was wie eine Wissenschaft hinweisen will auf das geistige Leben, sagt er ihnen: «Töricht und sinnlos ist es daher, von der Wissenschaft eine Antwort auf die Frage des Fortlebens nach dem Tode zu erwarten. Die aufgeregten Leute, die das getan haben und noch tun, haben sich niemals klar gemacht, was aus der Wissenschaft wird, wenn sie sich auf solche Fragen einläßt, und was die Religion dabei verliert, wenn sie bei der Wissenschaft Gewißheit borgen geht.»
[ 35 ] Dieser Mann bringt das zustande, was ich Ihnen vorgeführt habe. Und dieser Mann ist zu gleicher Zeit imstande, den Leuten zu sagen: Das ist so hohe Philosophie, daß er sich etwas vergeben würde, wenn er es nur zugeben würde, daß Wissenschaft auch etwas zu sagen hat über das geistige Leben.
[ 35 ] Dieser Mann bringt das zustande, was ich Ihnen vorgeführt habe. Und dieser Mann ist zu gleicher Zeit imstande, den Leuten zu sagen: Das ist so hohe Philosophie, daß er sich etwas vergeben würde, wenn er es nur zugeben würde, daß Wissenschaft auch etwas zu sagen hat über das geistige Leben.
[ 36 ] Das ist ein Anfang zu alledem, was noch kommen wird, nur ein Anfang. Und das müssen wir ebenso ins Auge fassen, wie dasjenige, was vor vierzehn Tagen hier gesagt worden ist. Aber der Mann, von dem ich Ihnen spreche, dieser Mann «kann denken». Vorgeworfen hat er dem Buddha, daß er den Menschen vom Dasein hinweghelfen will; vorgeworfen hat er dem Plato, daß er den Menschen hinweghelfen will von der Materie; vorgeworfen hat er der Mystik, daß sie den Menschen hinweghelfen wird von der Individualität, denn dadurch würde die Persönlichkeit vernichtet, dadurch würde der Mensch herausgehoben aus seinem physischen Leib, in dem er zwischen Geburt und Tod, wie unser Religionsmann meint, verbleiben müsse. Diese Erlösungsreligionen, die können nicht gelten. Aber was bewirkt die Religion des Christentums in seiner Auffassung, wenn sie die rechte Liebe, nämlich das, was er die Liebe nennt, pflegt? Da lesen wir die Worte: «Mit anderen Worten: in der geistigen Lebenssphäre des Reiches Gottes ist aus dem sittlichen Wollen und Tun die Bewußtheit ausgeschaltet, welche innerhalb des empirischen Lebensbereiches den Freiheitsgehalt auch unserer besten Handlungen verdirbt.»
[ 36 ] Das ist ein Anfang zu alledem, was noch kommen wird, nur ein Anfang. Und das müssen wir ebenso ins Auge fassen, wie dasjenige, was vor vierzehn Tagen hier gesagt worden ist. Aber der Mann, von dem ich Ihnen spreche, dieser Mann «kann denken». Vorgeworfen hat er dem Buddha, daß er den Menschen vom Dasein hinweghelfen will; vorgeworfen hat er dem Plato, daß er den Menschen hinweghelfen will von der Materie; vorgeworfen hat er der Mystik, daß sie den Menschen hinweghelfen wird von der Individualität, denn dadurch würde die Persönlichkeit vernichtet, dadurch würde der Mensch herausgehoben aus seinem physischen Leib, in dem er zwischen Geburt und Tod, wie unser Religionsmann meint, verbleiben müsse. Diese Erlösungsreligionen, die können nicht gelten. Aber was bewirkt die Religion des Christentums in seiner Auffassung, wenn sie die rechte Liebe, nämlich das, was er die Liebe nennt, pflegt? Da lesen wir die Worte: «Mit anderen Worten: in der geistigen Lebenssphäre des Reiches Gottes ist aus dem sittlichen Wollen und Tun die Bewußtheit ausgeschaltet, welche innerhalb des empirischen Lebensbereiches den Freiheitsgehalt auch unserer besten Handlungen verdirbt.»
[ 37 ] Also, der Plato will die Menschen von der Materie befreien, der Buddha vom Dasein, die Mystik von der Individualität, und unser Religionsmann will die Menschen durch die Liebe von der Bewußtheit befreien, daß sie ohne bewußtes Bewußtsein sich hineinleben in das Reich Gottes. Zwar kommt ja solchen Leuten einigermaßen entgegen, daß man sagt: «Der Herr gibt’s den Seinigen im Schlafe.» Das ist doch etwas, was vielleicht für diesen Religionsmann wie eine Offenbarung erscheinen könnte. Man sieht, der Mann kann das Leben betrachten, kann Erfahrungen aus dem Leben ziehen. Aber daß er leidet an unzusammenhängendem Denken, das kann man ihm nachweisen, wenn man schmerzliche Sätze liest wie diese. Er wendet sich dagegen, daß man Mystiker wird, weil man die Individualität überwinden will, während man doch innerhalb des physischen Lebens gerade in der Natur drinnenstehen müsse. Wir dürfen den Lebenshemmungen gegenüber nicht verkennen: «Innerhalb des irdischen Lebens können und dürfen sie nicht abgeschüttelt werden.»
[ 37 ] Also, der Plato will die Menschen von der Materie befreien, der Buddha vom Dasein, die Mystik von der Individualität, und unser Religionsmann will die Menschen durch die Liebe von der Bewußtheit befreien, daß sie ohne bewußtes Bewußtsein sich hineinleben in das Reich Gottes. Zwar kommt ja solchen Leuten einigermaßen entgegen, daß man sagt: «Der Herr gibt’s den Seinigen im Schlafe.» Das ist doch etwas, was vielleicht für diesen Religionsmann wie eine Offenbarung erscheinen könnte. Man sieht, der Mann kann das Leben betrachten, kann Erfahrungen aus dem Leben ziehen. Aber daß er leidet an unzusammenhängendem Denken, das kann man ihm nachweisen, wenn man schmerzliche Sätze liest wie diese. Er wendet sich dagegen, daß man Mystiker wird, weil man die Individualität überwinden will, während man doch innerhalb des physischen Lebens gerade in der Natur drinnenstehen müsse. Wir dürfen den Lebenshemmungen gegenüber nicht verkennen: «Innerhalb des irdischen Lebens können und dürfen sie nicht abgeschüttelt werden.»
[ 38 ] Das vermag ein Mensch mit gesundem Verstande zu sagen, so weit ist es mit dem zusammenhanglosen Denken gekommen: «Innerhalb des irdischen Lebens können und dürfen sie nicht abgeschüttelt werden.» Innerhalb des irdischen Lebens können und dürfen sie nicht abgeschüttelt werden —, das heißt doch nichts anderes, als: Zum Monde kannst du nicht hinauffliegen und darfst du nicht hinauffliegen! — So ist «können» und «dürfen» hier zusammengestellt! In solchen Einzelheiten muß man die ganze Korruptheit eines solchen Denkens einsehen.
[ 38 ] Das vermag ein Mensch mit gesundem Verstande zu sagen, so weit ist es mit dem zusammenhanglosen Denken gekommen: «Innerhalb des irdischen Lebens können und dürfen sie nicht abgeschüttelt werden.» Innerhalb des irdischen Lebens können und dürfen sie nicht abgeschüttelt werden —, das heißt doch nichts anderes, als: Zum Monde kannst du nicht hinauffliegen und darfst du nicht hinauffliegen! — So ist «können» und «dürfen» hier zusammengestellt! In solchen Einzelheiten muß man die ganze Korruptheit eines solchen Denkens einsehen.
[ 39 ] Oder der Mann sagt, indem er spricht von dem inneren Leben: Fr will das christliche Leben nur auf dasjenige beschränken, was er das Reich Gottes nennt. Die Natur soll nicht begriffen werden auf geistige Art, denn der Mensch wird in die Natur hineingestellt, er weiß nicht wie, und dabei soll der Mensch bleiben: nicht zu wissen, wie er in die Natur hineingestellt wird. Deshalb sagt er: «Das ist für Jesus das Reich Gottes, wenn man alle Symbole und Bilder davon abstreift.»
[ 39 ] Oder der Mann sagt, indem er spricht von dem inneren Leben: Fr will das christliche Leben nur auf dasjenige beschränken, was er das Reich Gottes nennt. Die Natur soll nicht begriffen werden auf geistige Art, denn der Mensch wird in die Natur hineingestellt, er weiß nicht wie, und dabei soll der Mensch bleiben: nicht zu wissen, wie er in die Natur hineingestellt wird. Deshalb sagt er: «Das ist für Jesus das Reich Gottes, wenn man alle Symbole und Bilder davon abstreift.»
[ 40 ] Was Jesus in bedeutsamen Symbolen und Bildern über das Reich Gottes gesagt hat, das ist dem Religionsmann zuwider, das streift er ab. «Diese höchste Welt ist es, die Jesus über die moralische Weltordnung stellt. Sie ist es, von der er unaufhörlich spricht; hier können die Menschen eintreten, ohne ihr Verhältnis zur Naturordnung aufzugeben, aber auch ohne ihre Zugehörigkeit zur moralischen Welt fahren zu lassen. Hier ist alles verklärt, hier hört der Konflikt auf, der zwischen der Naturwelt und der moralischen Welt entstanden ist. Er wird gelöst durch die Liebe. Das Verhältnis des Menschen zur Natur ist ein Muß, das er nicht ändern kann; da hilft kein sittlicher Entschluß; der Mensch muß in das Reich der Natur eintreten durch die Geburt — niemand wird gefragt, ob er geboren werden will.»
[ 40 ] Was Jesus in bedeutsamen Symbolen und Bildern über das Reich Gottes gesagt hat, das ist dem Religionsmann zuwider, das streift er ab. «Diese höchste Welt ist es, die Jesus über die moralische Weltordnung stellt. Sie ist es, von der er unaufhörlich spricht; hier können die Menschen eintreten, ohne ihr Verhältnis zur Naturordnung aufzugeben, aber auch ohne ihre Zugehörigkeit zur moralischen Welt fahren zu lassen. Hier ist alles verklärt, hier hört der Konflikt auf, der zwischen der Naturwelt und der moralischen Welt entstanden ist. Er wird gelöst durch die Liebe. Das Verhältnis des Menschen zur Natur ist ein Muß, das er nicht ändern kann; da hilft kein sittlicher Entschluß; der Mensch muß in das Reich der Natur eintreten durch die Geburt — niemand wird gefragt, ob er geboren werden will.»
[ 41 ] So hilft ein Religionsmann zum Verständnis der Welt dem Menschen. Und dann sagt er weiter: «Er» — der Mensch — «wird kraft einer mechanischen Notwendigkeit, kraft einer höchsten Verfügung, die er nicht versteht, in das Verhängnis dieser Erscheinungswelt hineingeboren.»
[ 41 ] So hilft ein Religionsmann zum Verständnis der Welt dem Menschen. Und dann sagt er weiter: «Er» — der Mensch — «wird kraft einer mechanischen Notwendigkeit, kraft einer höchsten Verfügung, die er nicht versteht, in das Verhängnis dieser Erscheinungswelt hineingeboren.»
[ 42 ] Das ist Christentum! Der Mensch wird «kraft einer mechanischen Notwendigkeit, kraft einer höchsten Verfügung, die er nicht versteht», in die physische Welt hineingeboren. Für diesen Mann ist mechanische Notwendigkeit, Maschinennotwendigkeit, dasselbe wie «kraft einer höchsten Verfügung». Das wird ausgesprochen, das wird hinausgesprochen heute in die Welt von denjenigen, die berufen sich fühlen, und die von der Welt berufen sind, um wahres Christentum unter die Menschen zu bringen. Und das tritt so in die Welt, daß wir im Vorwort gleich lesen können: «Der Inhalt dieses Büchleins besteht aus 12 Reden, die ich im letzten Winter in ...» — jetzt kommt die Stadt, die ich nicht nennen will — «vor einer mehr als tausendköpfigen Zuhörerschaft gehalten habe.»
[ 42 ] Das ist Christentum! Der Mensch wird «kraft einer mechanischen Notwendigkeit, kraft einer höchsten Verfügung, die er nicht versteht», in die physische Welt hineingeboren. Für diesen Mann ist mechanische Notwendigkeit, Maschinennotwendigkeit, dasselbe wie «kraft einer höchsten Verfügung». Das wird ausgesprochen, das wird hinausgesprochen heute in die Welt von denjenigen, die berufen sich fühlen, und die von der Welt berufen sind, um wahres Christentum unter die Menschen zu bringen. Und das tritt so in die Welt, daß wir im Vorwort gleich lesen können: «Der Inhalt dieses Büchleins besteht aus 12 Reden, die ich im letzten Winter in ...» — jetzt kommt die Stadt, die ich nicht nennen will — «vor einer mehr als tausendköpfigen Zuhörerschaft gehalten habe.»
[ 43 ] Es ist schon notwendig, daß derjenige, der sich mit Geisteswissenschaft ernsthaftig befassen will, das Auge hinwendet auf dasjenige, was eigentlich in unserer Zeit lebt; denn wenn zuweilen mit ernsten und intensiven Worten auf die Notwendigkeit der Geisteswissenschaft hingewiesen wird, so ist das aus diesem Grunde, weil diejenigen Menschen, die es vermögen, sich in dieser Gegenwart bewußt werden müssen, wie diese Geisteswissenschaft eine Forderung der Zeit ist und welcher Art die geistige Verfassung in dem Lager ist, von dem die widersachenden Stimmen kommen.
[ 43 ] Es ist schon notwendig, daß derjenige, der sich mit Geisteswissenschaft ernsthaftig befassen will, das Auge hinwendet auf dasjenige, was eigentlich in unserer Zeit lebt; denn wenn zuweilen mit ernsten und intensiven Worten auf die Notwendigkeit der Geisteswissenschaft hingewiesen wird, so ist das aus diesem Grunde, weil diejenigen Menschen, die es vermögen, sich in dieser Gegenwart bewußt werden müssen, wie diese Geisteswissenschaft eine Forderung der Zeit ist und welcher Art die geistige Verfassung in dem Lager ist, von dem die widersachenden Stimmen kommen.
[ 44 ] Ich habe Ihnen heute einen Menschen angeführt — das Büchelchen richtet sich nicht ausdrücklich gegen unsere Geisteswissenschaft —, als Beispiel einer allgemeinen Zeiterscheinung. Die Geisteswissenschaft wird darin nicht erwähnt, denn die ist für den Mann, den ich persönlich auch kenne, etwas höchst Unbedeutendes, das man nicht weiter erwähnt, das nur so im allgemeinen unter Mystik mitschwingt selbstverständlich. Aber da sehen wir einen Menschen, der eine hohe Berühmtheit auf seinem Gebiete ist, als eine der ersten Autoritäten gilt, und der in seinem Gedankensysteme, wenn man es prüft, der Menschheit solches Zeug aufbindet, was von Tausenden und aber Tausenden nicht bemerkt wird, weil man gar nicht in der richtigen Weise hinschaut auf die Dinge.
[ 44 ] Ich habe Ihnen heute einen Menschen angeführt — das Büchelchen richtet sich nicht ausdrücklich gegen unsere Geisteswissenschaft —, als Beispiel einer allgemeinen Zeiterscheinung. Die Geisteswissenschaft wird darin nicht erwähnt, denn die ist für den Mann, den ich persönlich auch kenne, etwas höchst Unbedeutendes, das man nicht weiter erwähnt, das nur so im allgemeinen unter Mystik mitschwingt selbstverständlich. Aber da sehen wir einen Menschen, der eine hohe Berühmtheit auf seinem Gebiete ist, als eine der ersten Autoritäten gilt, und der in seinem Gedankensysteme, wenn man es prüft, der Menschheit solches Zeug aufbindet, was von Tausenden und aber Tausenden nicht bemerkt wird, weil man gar nicht in der richtigen Weise hinschaut auf die Dinge.
[ 45 ] Aber nicht nur einzelne bestimmte Wahrheiten über die geistige Welt sollen uns durchdringen, sondern wir sollen uns durchdringen auch mit dem Bewußtsein, wie notwendig es ist, daß lebendiges Wissen, lebendiges Wort Platz greift in der Entwickelung der Menschheit. Denn man wird schon einsehen, daß die Sackgasse in bezug auf Soziales, in bezug auf sonstiges Leben, in die die Menschheit hineingekommen ist, sich auch aus geistigen Voraussetzungen herausschiebt, daß sie das Karma ist namentlich der Gedankenlosigkeit. Die Gedankenlosigkeit ist viel, viel umfassender in unserer Gegenwart, als man glaubt. Und die Aufgabe der Geisteswissenschaft empfindungsgemäß in der richtigen Weise aufzufassen, das wird davon abhängen, daß man mit offenem Auge in die Welt hineinsieht, und daß man sich wirklich Mühe gibt, ein gesundes Urteil sich über die Welt zu bilden. Daher war es heute notwendig geworden, daß ich Ihnen nicht nur in der ersten Stunde meiner Darlegungen etwas gesagt habe direkt aus dem Inhalte der Geisteswissenschaft heraus, das Aufklärung bringen kann über wichtige Lebenszusammenhänge, sondern ich mußte schon auch das Gegenbild beleuchten, das sich ergibt, wenn man das ansieht, in was die Geisteswissenschaft hineingetragen werden soll. Denn Sie werden noch viele, viele solche Stimmen wie die gestern charakterisierte heraushören aus den Lagern aller Schattierungen, seien es religiöse, seien es gelehrte oder sonstige Leute, die die Geisteswissenschaft für ein Unding halten, für eine Phantasterei und die, trotzdem sie zu den berühmten Leuten der Gegenwart gehören, nachweislich nicht einmal denken können, und dieses Nichtdenkenkönnen zum Schaden und Unheil der Menschheitsentwickelung der Welt mitteilen. Diese Dinge muß man nur im rechten Lichte sehen. Und man ist gewissermaßen verpflichtet, sie im rechten Lichte zu sehen, wenn man wirklich mit Geisteswissenschaft sich verbinden soll, um je nach dem Platz im Leben, auf den einen das Karma gestellt hat, das, was man vermag, zu tun, um der Geisteswissenschaft in der entsprechenden Weise die Geltung zu verschaffen, die sie wahrhaftig nicht für sich, sondern für die Entwickelung der Menschheit nötig hat. Daß sie diese nötig hat, das ergibt sich dann aus der Schilderung eines solchen Gegenbildes. Solche Schilderungen könnten wahrhaftig viele, recht viele gegeben werden.
[ 45 ] Aber nicht nur einzelne bestimmte Wahrheiten über die geistige Welt sollen uns durchdringen, sondern wir sollen uns durchdringen auch mit dem Bewußtsein, wie notwendig es ist, daß lebendiges Wissen, lebendiges Wort Platz greift in der Entwickelung der Menschheit. Denn man wird schon einsehen, daß die Sackgasse in bezug auf Soziales, in bezug auf sonstiges Leben, in die die Menschheit hineingekommen ist, sich auch aus geistigen Voraussetzungen herausschiebt, daß sie das Karma ist namentlich der Gedankenlosigkeit. Die Gedankenlosigkeit ist viel, viel umfassender in unserer Gegenwart, als man glaubt. Und die Aufgabe der Geisteswissenschaft empfindungsgemäß in der richtigen Weise aufzufassen, das wird davon abhängen, daß man mit offenem Auge in die Welt hineinsieht, und daß man sich wirklich Mühe gibt, ein gesundes Urteil sich über die Welt zu bilden. Daher war es heute notwendig geworden, daß ich Ihnen nicht nur in der ersten Stunde meiner Darlegungen etwas gesagt habe direkt aus dem Inhalte der Geisteswissenschaft heraus, das Aufklärung bringen kann über wichtige Lebenszusammenhänge, sondern ich mußte schon auch das Gegenbild beleuchten, das sich ergibt, wenn man das ansieht, in was die Geisteswissenschaft hineingetragen werden soll. Denn Sie werden noch viele, viele solche Stimmen wie die gestern charakterisierte heraushören aus den Lagern aller Schattierungen, seien es religiöse, seien es gelehrte oder sonstige Leute, die die Geisteswissenschaft für ein Unding halten, für eine Phantasterei und die, trotzdem sie zu den berühmten Leuten der Gegenwart gehören, nachweislich nicht einmal denken können, und dieses Nichtdenkenkönnen zum Schaden und Unheil der Menschheitsentwickelung der Welt mitteilen. Diese Dinge muß man nur im rechten Lichte sehen. Und man ist gewissermaßen verpflichtet, sie im rechten Lichte zu sehen, wenn man wirklich mit Geisteswissenschaft sich verbinden soll, um je nach dem Platz im Leben, auf den einen das Karma gestellt hat, das, was man vermag, zu tun, um der Geisteswissenschaft in der entsprechenden Weise die Geltung zu verschaffen, die sie wahrhaftig nicht für sich, sondern für die Entwickelung der Menschheit nötig hat. Daß sie diese nötig hat, das ergibt sich dann aus der Schilderung eines solchen Gegenbildes. Solche Schilderungen könnten wahrhaftig viele, recht viele gegeben werden.
