The Connection Between
the Living and the Dead
GA 168
3 December 1916, Zurich
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The Connection Between the Living and the Dead, tr. SOL
8. Der Zusammenhang des Menschen mit der geistigen Welt
8. Man's Connection to the Spiritual World
[ 1 ] Sie konnten aus dem öffentlichen Vortrage gestern ersehen, wie ineinandergreifen die geistige Welt, in der wir sind zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, und die physische Welt, wie ja im Grunde genommen auch ineinandergreifen geistige Welt und physische Welt in unserem sogenannten physischen Leben zwischen Geburt und Tod. Die Direktion gewissermaßen zu der Art und Weise, wie wir mit diesen oder jenen Eigenschaften geboren werden, geben wir uns selber, indem wir zwischen dem Tode und einer neuen Geburt im Zusammenhange stehen mit dem, was hier in der physischen Welt geschieht, also auch mit der Vererbungsströmung, die schließlich zu unserer Geburt führt.
[ 1 ] As you could see from yesterday’s public lecture, the spiritual world in which we find ourselves between death and a new birth is intertwined with the physical world—just as, in essence, the spiritual and physical worlds are also intertwined in our so-called physical life between birth and death. We determine, so to speak, the manner in which we are born with certain characteristics by remaining connected—between death and a new birth—to what happens here in the physical world, including the hereditary currents that ultimately lead to our birth.
[ 2 ] Wir können nun die ganze Entwickelung, die wir gestern mehr äußerlich betrachtet haben, auch noch etwas innerlicher betrachten, indem wir versuchen, den Zusammenhang des Menschen mit der geistigen Welt von einem gewissen Gesichtspunkte aus uns vor die Seele zu führen. Zwischen Geburt und Tod leben wir hier in der physischen Welt. Diese physische Welt ist uns bekannt durch unsere sinnlichen Wahrnehmungen. Es ist ja eine Trivialität, man braucht es kaum zu sagen: Hätten wir nicht unsere Sinnesorgane, so würden wir nichts wissen können von unserem Zusammenhange mit der physischen Welt. Aber alles dasjenige, was uns durch unsere Sinnesorgane vermittelt den Zusammenhang mit der physischen Welt, das löst sich selbstverständlich dann von uns, wenn wir durch die Pforte des Todes gehen, so daß wir geradezu sagen können: Bekanntschaft mit der physischen Welt zu machen ist unsere Aufgabe zwischen Geburt und Tod. Wir werden in diesen physischen Leib eingegliedert, um durch ihn unsere Bekanntschaft mit der physischen Welt zu machen.
[ 2 ] We can now examine the entire process of development—which we considered more from an external perspective yesterday—from a somewhat more internal perspective as well, by attempting to bring to mind the connection between human beings and the spiritual world from a certain point of view. Between birth and death, we live here in the physical world. We know this physical world through our sensory perceptions. It is, of course, a truism—one hardly needs to say it—that if we did not have our sense organs, we would know nothing of our connection to the physical world. But everything that conveys our connection to the physical world through our sense organs naturally separates from us when we pass through the gate of death, so that we can say quite literally: becoming acquainted with the physical world is our task between birth and death. We are incorporated into this physical body in order to become acquainted with the physical world through it.
[ 3 ] Nun sind wir aber nicht nur Angehörige der physischen Welt, sondern wir sind Angehörige ebensogut von geistigen Welten. Die nächste geistige Welt, die gewissermaßen an unsere physische Welt stößt, ist diejenige, die wir gewohnt worden sind — ob der Ausdruck nun geeignet ist oder nicht, darauf kommt es weniger an —, die ätherische Welt, auch die elementarische Welt zu nennen. Diese elementarische Welt ist zunächst für den Menschen, so wie er nun einmal in der physischen Welt lebt, eine unbekannte Welt. Sie ist die erste übersinnliche Welt. Aber indem sie die erste übersinnliche Welt ist, ist sie darum nicht weniger bedeutungsvoll für den Menschen als die physische Welt, als die sinnliche Welt. Sobald dem Menschen der Sinn aufgeht für diese elementarische Welt, welches dadurch geschieht, daß der Mensch imaginativ wahrnehmen kann, ist es ihm klar, daß diese elementarische Welt ebenso reichlich bevölkert ist von Wesenheiten wie die physische Welt. Der Mensch selber, insoferne er einen Ätherleib hat, gehört dieser elementarischen Welt an. Er ist als Ätherwesen ein Bürger dieser elementarischen Welt. Nur sind die Verhältnisse in dieser elementarischen Welt etwas anders als die Verhältnisse in der physischen Welt.
[ 3 ] But we are not only members of the physical world; we are just as much members of spiritual worlds. The next spiritual world, which in a sense adjoins our physical world, is the one we have come to call—whether the term is appropriate or not is of little consequence—the etheric world, also known as the elemental world. This elemental world is, at first, an unknown world to human beings as they live in the physical world. It is the first supersensible world. But just because it is the first supersensible world does not make it any less significant for human beings than the physical world, than the sensory world. As soon as human beings develop an understanding of this elemental world—which happens when they are able to perceive imaginatively—it becomes clear to them that this elemental world is just as richly populated by beings as the physical world. Human beings themselves, insofar as they have an etheric body, belong to this elemental world. As etheric beings, they are citizens of this elemental world. However, the conditions in this elemental world are somewhat different from those in the physical world.
[ 4 ] Zunächst möchte ich eine Bemerkung darüber machen, daß eine Wahrnehmung in der elementarischen Welt erst dann beginnen kann, wenn der Mensch sich ganz freizumachen vermag von dem, was ihn zum Erdenmenschen macht. Dieses Freimachen von dem, was den Menschen zum Erdenmenschen macht, das ist im allgemeinen nicht schwierig. Es ist allerdings für den heutigen Menschen schwieriger als für den Menschen der Vorzeit. Wir wissen alle von dem vorzeitlichen atavistischen Hellsehen. Das bestand zum großen Teil darinnen, daß der Mensch sich freimachen konnte von dem, was ihn zum Erdenmenschen macht. Wir sind als Erdenmenschen nur zu einem sehr geringen Teile von fester Materie gebildet. Zum großen Teile bestehen wir aus Flüssigkeit. In dem Augenblicke, wo wir uns emanzipieren können von dem, was fest in uns ist, wo wir uns nur fühlen in unserem Flüssigen, kann schon beginnen das Auftauchen des Imaginativen. Nur das Sein im Festen verhindert eigentlich, daß wir von dem wissen, was durch die imaginative Wahrnehmung als elementarische Welt um uns herum ist. Dieses imaginative Wahrnehmen wird ebenso wiiederkommen, wie es verlorengegangen ist für die Menschheit. Nur ist das verlorengegangene imaginative Hellsehen eine Art unbewußtes, traumhaftes gewesen. Dasjenige, was sich in unserem fünften nachatlantischen Zeitraum nach und nach bilden wird, wird ein vollbewußtes imaginatives Schauen sein. Aber das wird durch ganz naturgemäße Entwickelung sich dem Menschen eingliedern.
[ 4 ] First, I would like to make a remark about the fact that perception in the elemental world can only begin once a person is able to free themselves completely from what makes them an earthly human being. This process of freeing oneself from what makes a person an earthly human being is generally not difficult. It is, however, more difficult for people today than it was for people in ancient times. We are all familiar with the atavistic clairvoyance of ancient times. This consisted largely in the fact that human beings were able to free themselves from what makes them earthly human beings. As earthly human beings, we are composed of solid matter only to a very small extent. For the most part, we consist of fluid. The moment we can emancipate ourselves from what is solid within us—when we feel only our liquid nature—the emergence of the imaginative can already begin. It is only our existence in the solid that actually prevents us from knowing what surrounds us as the elemental world through imaginative perception. This imaginative perception will return just as it was lost to humanity. However, the lost imaginative clairvoyance was a kind of unconscious, dreamlike state. What will gradually take shape in our fifth post-Atlantean epoch will be a fully conscious imaginative vision. But this will become integrated into human beings through a completely natural process of development.
[ 5 ] Wenn wir wieder zurückkommen auf das, was ich vorhin gesagt habe, daß unser Verhältnis zur elementarischen Welt ein anderes ist als unser Verhältnis zur gewöhnlichen physischen Welt, so möchte ich zunächst hauptsächlich ein Beispiel anführen, welches Ihnen das erhärten wird: In der physischen Welt bilden wir uns, wenigstens scheinbar zunächst, aus der freien menschlichen Willkür heraus unsere Beziehungen zu diesen oder jenen Wesen; wir bilden uns unsere Freundschaften, bilden uns andere Beziehungen zu den uns umgebenden Wesen. In der elementarischen Welt, in der wir ja durch unseren Ätherleib sind, ist dies nicht in derselben Weise unmittelbar der Fall, sondern wir stehen mehr oder weniger durch unser ganzes Leben in einer engeren Beziehung zu gewissen anderen Elementarwesen. So können wir wirklich vergleichen unsere Beziehung als selbständiges Elementarwesen — was wir durch unseren Ätherleib sind — zu einer Anzahl anderer Elementarwesen, die uns eigentlich durch unser ganzes Leben begleiten, mit dem Verhältnis der Sonne zu den umlaufenden Planeten. Unser eigener Ätherleib ist eine Art Sonnenelementarwesen, und er ist begleitet von einer Anzahl von Elementarwesen, die zu ihm gehören wie die Planeten zur Sonne, so daß diese Elementarwesen mit ihm zusammen gewissermaßen eine Art Siebenheit ausmachen, wie die Planeten mit der Sonne nach den älteren Anschauungen eine Art Siebenheit ausmachen.
[ 5 ] Returning to what I said earlier—that our relationship to the elemental world is different from our relationship to the ordinary physical world—I would first like to give an example that will illustrate this point: In the physical world, we form—at least seemingly at first—our relationships with this or that being out of our own free will; we form our friendships and other relationships with the beings around us. In the elemental world, where we exist through our etheric body, this is not immediately the case in the same way; rather, throughout our entire life we are, to a greater or lesser extent, in a closer relationship with certain other elemental beings. Thus we can truly compare our relationship as an independent elemental being—which is what we are through our etheric body—to a number of other elemental beings who actually accompany us throughout our entire life, with the relationship of the Sun to the orbiting planets. Our own etheric body is a kind of solar elemental being, and it is accompanied by a number of elemental beings that belong to it just as the planets belong to the Sun, so that these elemental beings, together with it, constitute, as it were, a kind of septet, just as the planets, according to older conceptions, constitute a kind of septet with the Sun.
[ 6 ] Es ist nun während unseres ganzen physischen Lebens zwischen Geburt und Tod ein fortwährendes Wechselspiel vorhanden zwischen diesen unseren elementarischen Begleitern und uns selber. Nicht nur, daß unser Befinden abhängt von der Art und Weise, wie sich unser elementarischer oder ätherischer Leib zu seinen Trabanten verhält, sondern auch unser Verhältnis zum Äußeren, zu gewissen äußeren Wesen, namentlich zu anderen Menschen, wird geregelt durch die Wechselbeziehungen zwischen diesen Trabanten und unserem eigenen ätherischen Leibe. Es wird in der zukünftigen Zeit eine Art Medizin geben, welche ganz besonders rechnen wird mit dem, was ich jetzt eben ausgesprochen habe. Es wird eine medizinisch-physiologische Betrachtungsweise geben, welche feststellen wird, wie gewissermaßen der eine oder der andere der Trabanten zu dem Ätherleibe stehen wird, und danach wird man das kranke oder gesunde Befinden abschätzen können. Denn, was eigentlich heute Krankheit genannt wird, das ist in Wahrheit nur das äußere physische Bild desjenigen, was in Wirklichkeit da ist. In Wirklichkeit ist irgendeine Unregelmäßigkeit in dem, was ich mit einem Planetensystem verglichen habe, vorhanden, und die Krankheit ist nur ein Abbild dieser Unregelmäßigkeit.
[ 6 ] Throughout our entire physical life, from birth to death, there is a constant interplay between these elemental companions of ours and ourselves. Not only does our well-being depend on the way our elemental or etheric body relates to its satellites, but our relationship to the outside world—to certain external beings, namely other people—is also governed by the interrelationships between these satellites and our own etheric body. In the future, there will be a form of medicine that will take into account, in a very special way, what I have just described. There will be a medical-physiological approach that will determine, as it were, how one or the other of the satellites relates to the etheric body, and on that basis, it will be possible to assess whether a person is sick or healthy. For what is actually called illness today is, in truth, only the outer physical manifestation of what is really present. In reality, there is some irregularity in what I have compared to a planetary system, and the illness is merely a reflection of this irregularity.
[ 7 ] Man könnte nunmehr sagen: Diejenigen, die solches wissen, sollen einmal eine Krankheitslehre heute aufstellen: Hic Rhodus, hic salta! — könnte man sagen —, und der Okkultismus soll hier seine Kunst zeigen. Gewiß, er wird es in dem Augenblick machen, in dem man ihm die Beine frei macht, denn man kann nicht tanzen, wenn man die Beine gebunden hat; und das Gebundensein der Beine besteht eben in dem Vorhandensein des gegenwärtigen Materialismus, der Beschlag gelegt hat auf die gesamte medizinische Wissenschaft. Das kann nicht dadurch verbessert werden, daß der eine oder der andere gewissermaßen dies oder jenes tut, sondern nur dadurch, daß durch einen gemeinsamen Willen einer größeren Anzahl von Menschen wirklich erzwungen wird ein solcher medizinischer Betrieb, der das Eindringen der geistigen Prinzipien in die Medizin möglich macht.
[ 7 ] One might now say: Let those who know such things draw up a theory of disease today: Hic Rhodus, hic salta! — one might say —, and let occultism demonstrate its art here. Certainly, it will do so the moment its legs are set free, for one cannot dance with one’s legs bound; and this binding of the legs consists precisely in the existence of present-day materialism, which has taken hold of the entire field of medical science. This cannot be improved by one person or another doing this or that, so to speak, but only by the collective will of a larger number of people truly compelling a medical practice that makes the integration of spiritual principles into medicine possible.
[ 8 ] Es ist in dieser Beziehung insbesondere wichtig, einzusehen, daß Paulus nicht umsonst ein ungeheuer bedeutsames Wort ausgesprochen hat, das aber eigentlich niemals richtig verstanden wird, weil die Leute immer glauben, sie seien Christen, während sie es in Wirklichkeit durchaus nicht sind. Paulus hat auseinandergesetzt, daß die Sünde in die Welt gekommen ist durch das Gesetz, daß also die Sünde durch das Gesetz da ist. Im weiteren Sinne: Dasjenige, was die Ordnung stört, ist durch das Gesetz da. Diese Dinge kann man sogar heute nur andeuten, denn im allgemeinen wird unsere materialistische Zeit immer, wenn irgend etwas nicht in Ordnung ist, nach einem Gesetze schreien, ohne zu wissen, daß gerade dasjenige, was nicht in Ordnung ist, von den Gesetzen kommt, die gemacht werden. Aber, wie gesagt, das kann nur angedeutet werden; denn zum Verständnis dieser Dinge wird noch sehr, schr viel gehören. Ich sagte: Die Leute glauben nur, daß sie Christen seien. Denn solch eine Sache wie diese bei Paulus wird zwar von unzähligen Leuten gelesen, aber wenig verstanden.
[ 8 ] In this regard, it is particularly important to realize that Paul did not utter an immensely significant statement in vain—a statement that is, however, never truly understood, because people always believe they are Christians, when in reality they are not at all. Paul explained that sin entered the world through the law—that is, sin exists because of the law. In a broader sense: That which disrupts order exists because of the law. Even today, one can only hint at these things, for in general, whenever something is amiss, our materialistic age cries out for a law, without realizing that precisely what is amiss stems from the laws that are enacted. But, as I said, this can only be hinted at; for understanding these things will require much, very much more. I said: People only believe that they are Christians. For although a passage like this one from Paul is read by countless people, it is understood by few.
[ 9 ] Also wir stehen dadurch, daß wir ätherische Wesen sind, in einer elementarischen Welt, und ein bestimmtes System steht in näherer Beziehung zu uns selber. Dieses System, das heißt diejenigen elementarischen Wesenheiten, Ätherwesenheiten, die uns ja begleiten, sind auch diejenigen, die durch ihre Kräfte, weil sie in einer bestimmten Weise angeordnet sind, wenn wir durch die Pforte des Todes treten, unseren ätherischen Leib aus unserem physischen Leib zunächst herausziehen und ihn, also damit den Menschen selber, nunmehr in die elementarische Welt hineinversetzen. Diese elementarische Welt ist, wie ich schon angedeutet habe, durchaus durch das imaginative Erkennen eben wahrzunehmen. In dieser elementarischen Welt sind eine Anzahl von Wesen, die man Naturgeister nennen kann. Aber es sind zunächst auch alle Menschen darinnen, die unmittelbar physisch durch die Pforte des Todes gegangen sind, aber nur kurze Zeit, wie wir wissen, nur einige Tage. Dann wird der elementarischen Welt übergeben dasjenige, was wir den ätherischen Leib nennen. Er wird wie ein zweiter Leichnam abgelegt. Aber man darf nicht glauben, daß dieser zweite Leib, der da abgelegt ist, sich nun in aller Eile vernichte in der elementarischen Welt. Das ist nicht der Fall, sondern er löst sich allerdings gewissermaßen auf in der elementarischen Welt, aber dieses Auflösen, dieses immer Dünner- und Dünnerwerden, das bedeutet nicht, daß er nicht wahrnehmbar wäre für Wesenheiten, die überhaupt imaginativ wahrnehmen können. So ist vor allen Dingen dieser elementarische Leib, dieser ätherische Leib, immer wahrnehmbar für denjenigen, der selber durch die Pforte des Todes geschritten ist. Der Mensch hat ihn abgelegt, diesen elementarischen Leib, und lebt nun weiter zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, aber er steht in einer fortwährenden Verbindung mit diesem abgelegten ätherischen Leib. Es ist nicht so wie mit dem physischen Leib, zu dem der Mensch seine Beziehung verliert, wenn er ihn abgelegt hat; beim elementarischen Leib ist das Gegenteil der Fall: der Mensch behält seine Beziehung, und diese Beziehung, die der Mensch hat zu seinem elementarischen, zu seinem ätherischen Leibe, die kann sich auch fortsetzen bis in die physische Welt herunter.
[ 9 ] So, because we are ethereal beings, we exist in an elemental world, and a specific system is closely related to us. This system—that is, those elemental beings, those etheric beings who accompany us—are also the ones who, through their powers and because they are arranged in a certain way, first draw our etheric body out of our physical body when we pass through the gate of death and then transport it—and thus the human being himself—into the elemental world. This elemental world, as I have already indicated, can indeed be perceived through imaginative cognition. In this elemental world there are a number of beings that can be called nature spirits. But at first, all human beings who have physically passed through the gate of death are also there—though only for a short time, as we know, just a few days. Then what we call the etheric body is handed over to the elemental world. It is cast off like a second corpse. But one must not believe that this second body, which has been cast off, is now rapidly destroyed in the elemental world. That is not the case; rather, it does indeed dissolve, so to speak, in the elemental world, but this dissolution—this process of becoming thinner and thinner—does not mean that it is imperceptible to beings who are capable of imaginative perception. Above all, this elemental body—this etheric body—is always perceptible to those who have themselves passed through the gate of death. The human being has shed this elemental body and now lives on between death and a new birth, yet remains in constant connection with this shed etheric body. It is not as with the physical body, to which a person loses their connection once they have shed it; with the elemental body, the opposite is true: the person retains their connection, and this connection that a person has to their elemental, to their etheric body, can also extend all the way down into the physical world.
[ 10 ] Wenn nun der Mensch hier in der physischen Welt seine Seele empfänglich gemacht hat dadurch, daß er sich elementarisches, imaginatives Wahrnehmen angeeignet hat, dann kann er auch bewußt eine Verbindung unterhalten in den Vorstellungen — die dann natürlich viel feiner auftreten als die gewöhnlichen Vorstellungen — mit den Toten. Das ist bewußtes Verbundensein mit den Toten. Was aber so bewußt wird, das ist unbewußt eigentlich immer vorhanden, wenn während des Lebens cine Beziehung da war zwischen dem, der hier zurückgeblieben ist in der physischen Welt, und demjenigen, der in die geistige Welt hinaufgestiegen ist. Nehmen wir an, wir haben eine geliebte Persönlichkeit durch den Tod verloren. Ob wir es nun wissen oder nicht — wissen kann es der, welcher die imaginative Wahrnehmung sich erschlossen hat —: der Tote wirkt, wie wenn er, ich möchte sagen seinen Willen schickte in den ätherischen Leib, den er abgelegt hat, als wie in einen Spiegel und der Spiegel wiederum die Strahlen bis zu uns sendet; der Tote wirkt auf dem Umweg durch den elementarischen, durch den ätherischen Leib auf die Lebenden zurück. Dies ist das Wirken, welches gewissermaßen mittelbar ist.
[ 10 ] If a person here in the physical world has made their soul receptive by developing the ability to perceive through the elemental and imaginative realms, then they can also consciously maintain a connection with the dead through their mental images—which, of course, appear much more subtle than ordinary mental images. This is a conscious connection with the dead. But what becomes conscious in this way is actually always present unconsciously if, during life, there was a relationship between the one who has remained here in the physical world and the one who has ascended into the spiritual world. Let us suppose we have lost a loved one through death. Whether we are aware of it or not—and those who have developed their capacity for imaginative perception can know this—the deceased acts as if, I might say, they were sending their will into the etheric body they have shed, as into a mirror, and the mirror in turn sends the rays back to us; the deceased acts back upon the living indirectly, through the elemental body and the etheric body. This is the influence that is, in a sense, indirect.
[ 11 ] Wollen wir charakterisieren, worinnen sich dieses mittelbare Wirken ausdrückt, so kann ich sagen: Innerhalb unserer Vorstellungen, die wir so durch die Welt tragen. Zumeist weiß ja der Mensch, insbesondere in unserer heutigen materialistischen Zeit, nur von den Vorstellungen, die ihm die äußere physische Wirklichkeit abbildet. Aber unter den Vorstellungen, die wir so durch die Welt tragen, leben fortwährend solche, welche gewissermaßen fein sind, so daß sie nicht direkt wahrnehmbar sind. Man achtet eben einfach nicht darauf. Würde man gewohnt sein, intimer auf sein Seelenleben zu achten, und wenn man sich nicht fortwährend, ich möchte sagen das feinere Seelenleben übertönen ließe durch die groben Vorstellungen, die aus der physischen Umwelt einfließen, so würde man schon sehen, wie feinere Vorstellungen doch immer da sind. Und diese rühren her von denjenigen, die mit uns in Verbindung gestanden haben, die vor uns durch die Pforte des Todes gegangen sind, und die insbesondere in der ersten Zeit, nachdem sie durch die Pforte des Todes gegangen sind, uns ihre Taten, Handlungen, Gedanken auf die geschilderte Weise vermitteln können.
[ 11 ] If we wish to characterize the ways in which this indirect influence manifests itself, I can say: within the ideas we carry with us through the world. For the most part, people—especially in our materialistic age—are aware only of the ideas that external physical reality presents to them. But among the ideas we carry with us through the world, there are constantly those that are, so to speak, subtle, so that they cannot be perceived directly. People simply do not pay attention to them. If one were accustomed to observing one’s inner life more intimately, and if one did not constantly—I would say—allow the coarser impressions flowing in from the physical environment to drown out the finer inner life, one would already see how these finer impressions are always present. And these originate from those who have been connected to us, who have passed through the gate of death before us, and who—especially in the early period after they have passed through the gate of death—can convey their deeds, actions, and thoughts to us in the manner described.
[ 12 ] So tragen wir in unseren Vorstellungen selber noch eine Zeitlang dadurch, daß wir als ein Ätherwesen der elementarischen Welt angehören, das Wesen der Toten. Wenn man von einem Monismus spricht und will auf dem Boden der Wirklichkeit stehen, dann müßte man hauptsächlich von diesem Monismus sprechen, den ich jetzt angedeutet habe, von dem Monon, das gebildet wird aus dem Zusammenwirken der Lebenden und der Toten. In Wahrheit sind diejenigen, die durch die Pforte des Todes gegangen sind, gar nicht weg von uns. Sie sind uns viel näher, als man glaubt.
[ 12 ] Thus, for a time, we ourselves carry within our perceptions—by virtue of belonging, as ethereal beings, to the elemental world—the essence of the dead. When one speaks of monism and wishes to stand on the ground of reality, one must speak primarily of this monism that I have just alluded to—the monon formed by the interaction of the living and the dead. In truth, those who have passed through the gate of death are not gone from us at all. They are much closer to us than one might think.
[ 13 ] Nun entwickelt sich der Mensch immer mehr und mehr, wenn er die Zeit durchlebt zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, so daß er auch unmittelbar von sich aus auf die Welt hier herunterwirken kann. Und man nimmt wahr, als Einwirkung der hingegangenen Toten, von einer bestimmten Zeit an, daß gewissermaßen ihre Kraftstrahlen in unser Seelenleben eindringen. Aber diese Strahlen, dieses unmittelbare Wirken, das kann sich nicht in unser Vorstellungsleben, in unsere Gedanken direkt hineinleben, sondern das lebt sich mehr hinein in unsere Gewohnheiten, in die Art und Weise, wie wir sind, in die Art und Weise, wie wir hier es treiben; in das strömt hinein dasjenige, was aus den geistigen Welten herunterwirkt und was von denjenigen zu uns kommt, die vor uns durch die Pforte des Todes gegangen sind. Nur müssen wir uns klar sein, daß solches Zusammenwirken der Toten mit den Lebendigen an gar mancherlei Bedingungen gebunden ist. Der Tote ist in einer Umgebung, in welcher Wesen seinesgleichen sind, das heißt auch Seelenwesen, also alle die Wesenheiten, die den höheren Hierarchien angehören bis herunter zum Menschen, und er kann dadurch, daß sein abgelegter Ätherleib ihm der Vermittler ist, auch Wahrnehmungen haben von den Menschen, die hier gewissermaßen ihm verschleiert sind durch den physischen Leib; aber er durchdringt diesen Schleier mit Hilfe seines Ätherleibes. Derjenige, der durch die Pforte des Todes gegangen ist, ist unterworfen den Bedingungen, unter denen man lebt in der seelischen, in der geistigen Welt, er muß sich ihnen fügen. Nun brauche ich nur auf eine Hauptsache hinzuweisen, so wird Ihnen verständlich sein, was eigentlich hiermit gemeint ist. Wir wissen ja: durch die Welt hindurch, in der wir leben, wirken in der mannigfaltigsten Weise luziferische und ahrimanische Kräfte. Würden diese luziferischen und ahrimanischen Kräfte nicht ihre Anziehungskraft auf uns ausüben, so würde dasjenige, was im Menschen zum Ausdruck kommt als unrichtige oder böse Handlungen, eben nicht da sein in der Welt. Das Luziferische und Ahrimanische muß auf den Menschen wirken, muß dem Menschen Gelegenheit geben, ihm zu folgen.
[ 13 ] As a human being passes through the time between death and a new birth, they develop more and more, so that they can also exert a direct influence on the world here from within themselves. And from a certain point onward, one perceives—as the influence of the departed dead—that their rays of power, so to speak, penetrate into our soul life. But these rays, this direct influence, cannot take root directly in our imagination or in our thoughts; rather, they take root more in our habits, in the way we are, in the way we go about our lives here; into which flows that which works down from the spiritual worlds and which comes to us from those who have gone before us through the gate of death. We must only be clear that such interaction between the dead and the living is bound to all manner of conditions. The deceased finds themselves in an environment inhabited by beings of their own kind—that is, soul beings as well—including all entities belonging to the higher hierarchies down to the human being. Through their shed etheric body acting as a mediator, they can also perceive human beings who are, so to speak, veiled from them here by the physical body; but he penetrates this veil with the help of his etheric body. The one who has passed through the gate of death is subject to the conditions under which one lives in the soul world and the spiritual world; he must submit to them. Now I need only point out one main thing, and it will become clear to you what is actually meant by this. We know, after all, that Luciferic and Ahrimanic forces are at work in the most manifold ways throughout the world in which we live. If these Luciferic and Ahrimanic forces did not exert their pull upon us, then what is expressed in human beings as wrongful or evil actions would simply not exist in the world. The Luciferic and Ahrimanic forces must act upon human beings; they must give human beings the opportunity to follow them.
[ 14 ] Wenn wir uns das so recht vergegenwärtigen, so werden wir erkennen, daß der Mensch noch etwas anderes ist als das Wesen, das wir oftmals in unserer Kritik aus ihm machen. Würden wir schon in der physischen Welt die Fähigkeit haben, immer zu sehen, wie das Luziferische und Ahrimanische im Menschen wirkt, wir würden ganz anders die Menschen beurteilen. Nicht, daß wir vielleicht oftmals weniger kritisch wären, denn wir müssen ja, wenn wir unser Urteil ablenken vom Menschen, zwar nicht den Menschen, aber Luzifer und Ahriman bekämpfen. Aber den Menschen gegenüber als Menschen würden wir unendlich toleranter sein. Diese Toleranz übt derjenige, der im seelischen Leben lebt in dem Zeitlaufe zwischen dem Tod und einer neuen Geburt sowohl gegen diejenigen Wesen, die mit ihm in der geistigen Welt sind, wie auch gegenüber denjenigen Wesen, welche hier als Menschen noch im physischen Leben verkörpert sind. Und es gehört einfach zum Wesen desjenigen, der durch die Pforte des Todes gegangen ist, daß er sich diese Toleranz aneignet, daß er immer durchschaut: diesen oder jenen Anteil an einem Menschen haben Luzifer oder Ahriman. Er sagt nicht: Das ist ein schlechter Mensch, der bösen Lüsten folgt —, sondern er durchschaut: Luzifer hat an ihm soundso viel Anteil. Er sagt nicht: Das ist ein neidischer Mensch —, sondern er sagt: Ahriman hat soundso viel Anteil an ihm. — So urteilt derjenige, der da oben lebt zwischen Tod und Geburt, da das zu seinem Wesen gehört, wie es zu unserem Wesen gehört, wenn wir naturgemäß gesund sind, gesunde Augen zu haben. Da das zum Wesen des Toten gehört, so tut es dem Toten ungeheuer weh, wenn er die Verbindung aufrechterhält, die er im physischen Leben angeknüpft hat, und bei uns hier auf eine andere Gesinnung stößt. Nehmen wir an, wir bringen einem Menschen, der auch in Verbindung war mit dem Toten, aus unseren persönlichen Antipathien heraus einen besonderen Haß entgegen, dann bedeutet dieser Haß einen ungeheuren Schmerz für den Toten, der mit uns in Verbindung stehen kann, und jederzeit muß dieser Haß wie ein Schwert, wie ein stacheliges Schwert, wie ein Speer, der gegen ihn gezückt wird, erst von dem Toten überwunden werden, wenn der Tote, wie er ja muß, weil er mit uns doch Verbindung hat, uns sich nähern will.
[ 14 ] If we really take this to heart, we will realize that human beings are something other than the beings we often make them out to be in our criticism. If we had the ability, even in the physical world, to always see how the Luciferic and Ahrimanic forces are at work within human beings, we would judge people quite differently. Not that we would necessarily be less critical, for when we shift our judgment away from human beings, we must—though not against human beings themselves—fight against Lucifer and Ahriman. But toward human beings as human beings, we would be infinitely more tolerant. This tolerance is practiced by those who live in the soul life during the interval between death and a new birth—both toward the beings who are with them in the spiritual world and toward those beings who are still incarnated here as human beings in physical life. And it is simply part of the nature of one who has passed through the gate of death to acquire this tolerance, to always see through the fact that Lucifer or Ahriman has this or that share in a human being. He does not say, “This is a bad person who follows evil desires”—but rather he sees through it: Lucifer has such-and-such a share in him. He does not say, “This is an envious person”—but rather, he says, “Ahriman has such-and-such a share in him.” — This is how one who lives up there between death and birth judges, for this is part of his nature, just as it is part of our nature, when we are naturally healthy, to have healthy eyes. Since this is part of the dead person’s nature, it causes the dead person immense pain when he maintains the connection he established in physical life and encounters a different attitude from us here. Suppose we harbor a particular hatred toward a person who was also connected to the deceased, stemming from our personal antipathies; then this hatred causes immense pain to the deceased, who is able to remain in contact with us, and at any moment this hatred—like a sword, like a barbed sword, like a spear drawn against him—must first be overcome by the deceased whenever he wishes to approach us, as he must, since he is, after all, connected to us.
[ 15 ] So hängt die Art und Weise, wie der Tote in uns hereinwirken will und wie er selbst erlebt bei diesem Hereinwirken, sehr, sehr ab von der Stimmung unserer Seele. Das Hereinwirken geschieht immer; aber es hängt in der Art des Hereinwirkens sehr, sehr viel von der Stimmung unserer Seele ab. In unsere gewöhnlichen, aus der Umwelt entlehnten Vorstellungen, in unsere Empfindungen, in unsere Gefühlsrichtungen, in unser Temperament, in unsere Gewohnheiten spielen diese unmittelbaren Einflüsse von den Toten herein, die ich geschildert habe. Da ist aber eine fortwährende Wechselbeziehung zwischen demjenigen, was da vorgeht in dem Reiche derer, die durch die Pforte des Todes gegangen sind, und unseren eigenen Seelen.
[ 15 ] Thus, the way in which the deceased seeks to influence us and how they themselves experience this influence depends very, very much on the mood of our soul. This influence is always taking place; but the nature of that influence depends very, very much on the mood of our soul. These direct influences from the dead, which I have described, play a role in our ordinary conceptions—borrowed from the external world—in our sensations, in the direction of our feelings, in our temperament, and in our habits. Yet there is a constant interplay between what is taking place in the realm of those who have passed through the gate of death and our own souls.
[ 16 ] Wenn Sie nun das alles ins Auge fassen, dann werden Sie sich sagen: In dem, was wir da als Seele in uns tragen, ist kompliziertes Wirken darinnen, und vieles gehört dazu, um zu überschauen, was alles Rätselhaftes in einer Menschenseele eigentlich pulsiert, was alles so pulsiert, daß die Menschenseele in ihrem Bewußtsein selber wenig von dem hat, was da pulsiert. Aber die Gesamtstimmung der Seele, das, was man kann oder nicht kann, hängt davon ab. Denn das alles ist wiederum im großen bestimmt durch unser Karma; daß wir mit gerade diesen oder jenen Menschen hier zusammengeführt werden, die dann wiederum in solcher Weise auf uns wirken, wie ich es beschrieben habe, das hängt natürlich mit unserem Karma im weiteren Sinne zusammen.
[ 16 ] When you take all of this into account, you will say to yourself: There are complex processes at work within what we carry within us as the soul, and it takes a great deal to grasp all the mysterious forces that actually pulsate within a human soul—forces that pulsate in such a way that the human soul itself, in its own consciousness, is largely unaware of what is pulsating there. But the soul’s overall disposition—what one is or is not capable of—depends on this. For all of this, in turn, is largely determined by our karma; the fact that we are brought together here with precisely these or those people, who then in turn influence us in the way I have described, is naturally connected to our karma in the broader sense.
[ 17 ] Indem wir uns dies vor die Seele führen, müssen wir uns nur klar darüber sein, daß unsere Zeit nach dem, was die Geisteswissenschaft den Menschen bringen soll, wirkliche reale Sehnsuchten hat, daß aber diese realen Sehnsuchten heute noch vielfach auf den irrtümlichsten Wegen befriedigt werden. Es gibt heute eine Anzahl von Menschen, die durchaus hinaus sind über das Vorurteil, das die Menschen in der Mitte, auch noch im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts vielfach gehabt haben, daß man alles Seelische nur aus physischen, physiologischen Wirkungen erklären könne. Aber oftmals wirken halbe oder Viertelswahrheiten viel schlimmer als vollständige Irrtümer. Und eine solche halbe oder Viertelswahrheit liegt zugrunde dem, was man heute so vielfach bezeichnet als analytische Psychologie oder Psychoanalyse.
[ 17 ] Keeping this in mind, we need only be clear that our time has genuine, real longings for what spiritual science is meant to bring to humanity, but that these real longings are still, in many cases, being satisfied through the most erroneous paths. There are a number of people today who have thoroughly moved beyond the prejudice that many people in the middle—and even in the last third—of the 19th century held, namely, that everything psychological could be explained solely through physical and physiological effects. But often, half-truths or quarter-truths are far more harmful than complete errors. And such a half-truth or quarter-truth underlies what is so often referred to today as analytical psychology or psychoanalysis.
[ 18 ] Die Menschen suchen, aber sie suchen tappend. Sie ahnen, daß auf dem Grunde der Seele mancherlei verborgen ist, aber sie können sich nicht entschließen, wirklich die Schritte in die geistige Welt hinein mitzumachen, um dasjenige zu finden, was auf dem Grunde der Seele verborgen ist. Was sagen heute die Psychoanalytiker? Sie sagen: Wenn ein Mensch uns so im Leben entgegentritt, dann ist sein Gesamtbefinden vielfach abhängig nicht nur von dem, was in seinem Bewußtsein ist, sondern von einer ganzen Reihe von Faktoren, die im Unbewußten sitzen, unter der Schwelle des Bewußstseins. Da kommt ein Mensch, fühlt gewissermaßen seine Stimmung herabgedrückt. Eine UnregelmäRigkeit in seinem ganzen nervösen Apparat tritt auf. Man muß, meint der Psychoanalytiker, dann nachsehen, was der Mensch vielleicht vor vielen Jahren erlebt hat, was er als Erlebtes nicht ganz verarbeitet hat, sondern hinuntergedrückt hat in das Unterbewußtsein. Aber weil es vergessen ist, ist es deshalb nicht nicht da. Das ahnt der Psychoanalytiker ganz gut, daß dasjenige, was aus dem Bewußtsein herausgerückt ist, deshalb nicht aus der Wirklichkeit herausgerückt ist; es ist eben da unten im Unterbewußtsein. Nun geht er davon aus: wenn man es herauflockt ins Bewußtsein durch eine Art Katechisierung, dann kommt man darauf, was da unten frißt und zehrt. Von dem ausgehend — ich kann natürlich hier nicht die Psychoanalyse in allen ihren Verzweigungen erörtern, aber ich will einiges davon zeigen —, sucht nun der Psychoanalytiker vieles in den Untergründen der Seele. Der Mensch hat vor Jahren diese oder jene Lebensideale, diese oder jene Hoffnungen, diese oder jene Pläne gehabt. Er hat sie nicht ausgeführt, konnte sie nicht ausführen. Gewiß, aus seinem Bewußtsein ist das heraus, aus dem Grunde, weil er im jetzigen Leben lebt; aber aus der Wirklichkeit seiner Seele ist es nicht heraus. Da zehrt es, da frißt es, und sein Gesamtbefinden hängt ab von dem, was da unten in seinem Bewußtsein ist. Er hat irgendeine — und das ist dasjenige, was die Psychoanalytiker zuallermeist finden, weil sie darauf ausgehen — unglückliche Liebe gehabt. Das ist eine isolierte Provinz seines Seelenbewußitseins; er hat es zwar bekämpft, es ist nicht mehr in seinem Bewußtsein, aber es wirkt weiter. Insbesondere wirkt es dann weiter, so meinen die Psychoanalytiker, wenn bloß die Liebesgefühle da waren und das geliebte Wesen nicht, wenn er unbefriedigt geblieben ist. Dann sucht unten in der Tiefe des Seelenlebens der Psychoanalytiker außer den zerstörten Lenzeshoffnungen des Lebens, außer solchem, was ich eben angedeutet habe, den «animalischen Grundschlamm» des Lebens, dasjenige, was als «animalischer Grundschlamm» des Lebens fortwährend heraufwirkt, der Zusammenhang mit alldem, was der Mensch als animalisches, als tierisches Wesen hat und was in sein seelisches Leben hereinspielt. Und solche analytischen Psychologen, die weiter gehen, die sagen: Wenn man da nun immer weiter und weiter hinunterdringt, dann findet man endlich dasjenige, was in der Seele heraufspielt von Rassenzusammenhang, von Nationenzusammenhang und so weiter, was auf mehr oder weniger unbewußte Weise in die Seelen hereinspielt, endlich aber ganz unten das Dämonische, das Allerunbestimmteste, was unter dem «animalischen Grundschlamm» liegt. Leise deuten dann solche Menschen oftmals an, die heute besondere Anhänger der Psychoanalyse sind, daß in diesen dämonischen Tiefen unten diejenigen Impulse sind, welche zur Gnosis, zur Theosophie, zur Anthroposophie führen und dergleichen. Wenn das auch manchmal, ich möchte sagen etwas versteckt angedeutet wird, es wird schon angedeutet. Lesen Sie eines der letzten Hefte von «Wissen und Leben», dann werden Sie solche Andeutungen manchmal schon, wenn auch zwischen Zeilen versteckt, finden können.
[ 18 ] People are searching, but they are groping in the dark. They sense that all manner of things lie hidden in the depths of the soul, but they cannot bring themselves to truly take the steps into the spiritual world to find what is hidden there. What do psychoanalysts say today? They say: When a person presents themselves to us in this way in life, their overall state of being depends in many ways not only on what is in their consciousness, but on a whole series of factors that lie in the unconscious, below the threshold of consciousness. A person comes along, feeling, as it were, that their mood is depressed. An irregularity arises in their entire nervous system. According to the psychoanalyst, one must then investigate what the person may have experienced many years ago—experiences they have not fully processed but have repressed into the unconscious. But just because it is forgotten does not mean it is not there. The psychoanalyst senses quite well that what has been pushed out of consciousness has not, for that reason, been pushed out of reality; it is simply down there in the subconscious. Now he proceeds on this assumption: if one brings it up into consciousness through a kind of questioning, then one discovers what is gnawing and consuming one down there. Building on this—I cannot, of course, discuss psychoanalysis in all its ramifications here, but I want to illustrate some aspects of it—the psychoanalyst now searches for many things in the depths of the soul. Years ago, a person had this or that ideal in life, this or that hope, this or that plan. They did not carry them out; they could not carry them out. Certainly, these are out of his consciousness, for the simple reason that he lives in the present; but they are not out of the reality of his soul. There they gnaw, there they devour, and his overall state of being depends on what lies down there in his consciousness. He has experienced some kind of—and this is what psychoanalysts most often find, because they focus on it—unhappy love. This is an isolated province of his soul’s consciousness; although he has fought against it, and it is no longer in his consciousness, it continues to have an effect. In particular, psychoanalysts believe it continues to exert its influence when only the feelings of love were present and the beloved was not, when he remained unsatisfied. Then, deep within the depths of the soul, the psychoanalyst seeks—besides the shattered springtime hopes of life— besides what I have just alluded to, the “animalistic sludge” of life—that which continually surges upward as the “animalistic sludge” of life—the connection with everything that a human being possesses as an animalistic, bestial being and which plays a role in his psychological life. And such analytical psychologists who go further say: If one now penetrates further and further down, one finally finds that which arises in the soul from racial connections, national connections, and so on—what influences the soul in a more or less unconscious way—but finally, at the very bottom, the demonic, the most indeterminate element, which lies beneath the “animalistic primal sludge.” Such people—who today are particularly devoted to psychoanalysis—often subtly suggest that in these demonic depths lie the impulses that lead to Gnosticism, theosophy, anthroposophy, and the like. Even if this is sometimes—I would say—hinted at in a somewhat veiled manner, it is indeed hinted at. If you read one of the latest issues of “Wissen und Leben,” you will sometimes find such hints, even if they are hidden between the lines.
[ 19 ] Nun, ich sagte: halbe und Viertelswahrheiten wirken oftmals schlimmer als vollständige Irrtümer. In der analytischen Psychologie liegen halbe und Viertelswahrheiten, nämlich das Suchen in den unterbewußten Gründen der Seele. Aber vergleichen wir es mit dem, worauf wir heute hingewiesen haben, daß alles, was da auf dem Grunde der Seele lebt an Realitäten, hereinwirkt aus dem Reich der Toten, dann werden wir zu einer ganz anderen Art und Weise getrieben, dann werden wir nicht suchen nach dem «animalischen Grundschlamm» der Seele oder nach der verschlagenen Erotik für irgendeine Seelenstimmung, sondern wir werden oftmals die Ursache für eine Seelenstimmung zu suchen haben bei dem oder jenem Fortgegangenen, dem wir Schwierigkeiten machen durch unser eigenes Verhalten, und diese Schwierigkeiten drücken sich aus dadurch, daß sich ins Bewußtsein diese oder jene Unbefriedigtheiten heraufdrängen. Kurz, wir werden gut tun, wenn wir in einer pietätvollen, heiligen Weise den Zusammenhang uns ins Bewußtsein bringen, der nicht bloß besteht zwischen unserer Welt und einer abstrakten, pantheistisch-verschwommenen geistigen Welt, sondern der realen geistigen Welt, worinnen diejenigen, die durch die Pforte des Todes gegangen sind, reale Wesenheiten sind, die mit uns sind, so wie sie im Leben waren, nur daß dasjenige, was sie mit uns zusammen wirken, viel näher unserer Seele geht als das, was sie im Leben gewirkt haben, wo wir immer durch unseren und ihren Leib getrennt waren, der wie eine Barriere zwischen uns stand.
[ 19 ] Well, I said: half-truths and quarter-truths are often worse than complete errors. In analytical psychology, there are half-truths and quarter-truths—namely, the search for the subconscious causes of the soul. But if we compare this to what we have pointed out today—that all the realities living at the bottom of the soul have their origin in the realm of the dead—then we are driven toward a completely different approach; then we will not search for the “animalistic sludge” of the soul or the devious eroticism behind a particular mood of the soul; rather, we will often have to seek the cause of a mood of the soul in this or that departed soul, whom we are causing difficulties for through our own behavior—and these difficulties express themselves in the form of this or that dissatisfaction forcing its way into consciousness. In short, we would do well to bring to our consciousness, in a reverent and sacred manner, the connection that exists not merely between our world and an abstract, pantheistically vague spiritual world, but with the real spiritual world, in which those who have passed through the gate of death are real beings who are with us, just as they were in life, except that what they accomplish together with us touches our soul much more deeply than what they accomplished in life, when we were always separated by our bodies and theirs, which stood like a barrier between us.
[ 20 ] Dann kommt eine spätere Zeit, in der der Mensch völlig frei geworden ist von dem Astralleib, er das Astralische abgelegt hat, und einige Zeit danach kann der Mensch dann in einer noch viel intensiveren, weil innerlicheren Weise herunterwirken aus der geistigen Welt in die physische. Nach solchen instinktiv gewußten Wahrheiten richtete sich früher vielfach das äußere Leben ein, auch wenn man dasjenige, was im äußeren Leben entstand, oftmals aus gewöhnlichen äußerlichen Gründen herleitete. Aber diesem Äußerlichen liegt — oftmals wußte man dies nur durch Instinkt — ein Innerliches zugrunde. Ich habe gesagt, daß die Toten, nachdem sie durch die Pforte des Todes gegangen sind, mit den Menschen, die sie hier zurückgelassen haben und denen sie insbesondere in Liebe verbunden sind, in einem unmittelbaren Zusammenhang so stehen, daß sie auf die Gewohnheiten wirken. Deshalb hat man in den Zeiten, in denen man solche Dinge noch recht instinktiv gefühlt hat, Rücksicht darauf genommen, daß der Sohn möglichst wenig aus dem Kreise seines elterlichen Zusammenhanges kam. Da war der Zugang leichter. Das Lernen desselben Geschäftes, das Darinnenstehen im selben Berufe, überhaupt das ganze real-konservative Festhalten an derselben Strömung, das war instinktiver Ausdruck für eine Erleichterung des Hereinwirkens der durch die Todespforte Gegangenen auf diejenigen, die sie hier zurückgelassen hatten. Waren die in ähnlichen Situationen wie die Verstorbenen selber, dann war es diesen Verstorbenen auch leichter, den Weg zu ihnen zu finden. Und man wird einmal solche feinen Impulse und Gründe in dem geschichtlichen Werden der Menschen schon verfolgen.
[ 20 ] Then comes a later time when the human being has become completely free from the astral body, having shed the astral, and some time afterward, the human being can then exert an influence from the spiritual world down into the physical world in an even more intense way, because it is more inner. In the past, outer life was often shaped by such instinctively known truths, even though what arose in outer life was frequently attributed to ordinary external causes. But underlying this outer reality—though people often knew this only through instinct—is an inner reality. I have said that after the dead have passed through the gate of death, they stand in such a direct connection with the people they have left behind here—and to whom they are bound especially through love—that they influence their habits. That is why, in times when such things were still felt quite instinctively, care was taken to ensure that a son strayed as little as possible from the circle of his parental ties. Access was easier then. Learning the same trade, working in the same profession—indeed, the entire, genuinely conservative adherence to the same current—was an instinctive expression of a way to facilitate the influence of those who had passed through the gate of death upon those they had left behind here. If people found themselves in situations similar to those of the deceased, it was also easier for the deceased to find their way to them. And one day, such subtle impulses and reasons will surely be traced in the historical development of humanity.
[ 21 ] Wenn der Mensch nun seit längerer Zeit gestorben ist, hat er seinen astralischen Leib vollständig abgelegt. Dies geschieht erst nach Jahrzehnten, weil die Bewegung, die wir in der geistigen Welt absolvieren, eine viel langsamere ist als die Bewegung in der physischen; dreißig Jahre geistiger Welt entspricht ungefähr einem Jahr physischer Welt. Der Mensch hastet hier in der physischen Welt; in der geistigen Welt hat er immer eine Umdrehung gewissermaßen in einem viel größeren Kreise zu vollführen als hier in der physischen Welt. Kurz, ein Jahr physischer Welt entspricht dreißig Jahren geistiger Welt, in dreißig Jahren geistiger Welt erlebt man etwa dasselbe Weltstück wie in einem Jahr physischer Welt; man erlebt das Weltstück dadurch innerlicher, intensiver.
[ 21 ] When a person has been dead for a long time, they have completely shed their astral body. This does not happen until decades have passed, because the pace of life in the spiritual world is much slower than that in the physical world; thirty years in the spiritual world correspond roughly to one year in the physical world. Here in the physical world, people rush about; in the spiritual world, they must always, so to speak, complete a cycle in a much larger circle than here in the physical world. In short, one year in the physical world corresponds to thirty years in the spiritual world; in thirty years in the spiritual world, one experiences roughly the same segment of the world as in one year in the physical world; as a result, one experiences that segment of the world more deeply and intensely.
[ 22 ] Überhaupt hängt das, was der Mensch hier durchlebt, in vieler Beziehung zusammen mit der großen Welt, mit dem Makrokosmos, so daß immer ausgedrückt werden kann dasjenige, was hier erlebt wird im Mikrokosmos, im Menschen, auch in den Verhältniszahlen zum Makrokosmos. Ich will zum Beispiel auf eines aufmerksam machen: Wenn wir die Zahl der menschlichen Lebenstage berechnen, so bekommen wir dieselbe Zahl heraus, welche die Sonne an Jahren braucht, um durch das ganze platonische Jahr, das Weltenjahr, zu gehen. Also der Mensch lebt eine Lebenszeit von so viel Tagen, als die Sonne Jahre braucht, um im ganzen Weltenkreise, von einem Tierkreiszeichen zum anderen vorzurücken. Wenn sie alle Tierkreiszeichen durchgemacht hat, hat sie also ungefähr 25 900 und eine Anzahl von Jahren gebraucht dazu. So viel Tage lebt der Mensch ungefähr — selbstverständlich ist das nicht bei allen gleich — in seinem Einzelleben zwischen Geburt und Tod.
[ 22 ] In general, what a human being experiences here is connected in many ways to the greater world, to the macrocosm, so that what is experienced here in the microcosm—in the human being—can always be expressed in terms of the proportional relationships to the macrocosm. I would like to draw attention to one thing, for example: If we calculate the number of days in a human life, we arrive at the same number as the number of years it takes the Sun to pass through the entire Platonic year, the world year. Thus, a human being lives a lifetime consisting of as many days as the Sun needs years to advance through the entire celestial sphere, from one sign of the zodiac to the next. Once it has passed through all the signs of the zodiac, it will have taken approximately 25,900 and a few more years to do so. That is roughly how many days a human lives—though, of course, this varies from person to person—in their individual life between birth and death.
[ 23 ] Und ein anderer interessanter Zusammenhang ist der: daß der Mensch auch wiederum in einem Tage so viele Atemzüge hat, der Zahl nach, als er Tage lebt, und als die Sonne herumgeht an Jahren durch den ganzen Tierkreis durch. Sie sehen, die Welt ist wirklich in einem allertiefsten Sinne nach Maß und Zahl angeordnet. Und man sollte glauben, daß einfach diese feine Einordnung des Menschen in die Welt, dieses Entsprechen der Harmonien die groben Materialisten unserer Tage hinausführen sollte über ihre Weltanschauung, die nichts sehen will in dem Weltenall als einen Mechanismus. Allerdings ist es ein sonderbarer Mechanismus, der seine einzelnen Wesen in sich herein so gliedert, daß sie in wunderbaren, zahlenmäßig harmonisch geordneten Verhältnissen zu dem Ganzen stehen.
[ 23 ] And here is another interesting connection: that a person, in turn, takes as many breaths in a single day—in terms of number—as the number of days he lives, and as the sun takes to complete its annual cycle through the entire zodiac. You see, the world is truly ordered according to measure and number in the deepest sense. And one would think that this subtle integration of human beings into the world—this correspondence of harmonies—should lead the crude materialists of our day beyond their worldview, which sees nothing in the universe but a mechanism. Admittedly, it is a strange mechanism that structures its individual beings within itself in such a way that they stand in marvelous, numerically harmonious relationships to the whole.
[ 24 ] Und so ist es auch sehr merkwürdig, daß wir wirklich, wenn wir geistig die Welt betrachten, sagen können: Der Mensch rückt, indem er die Entwickelung zwischen dem Tod und einer neuen Geburt durchmacht, langsamer vor, um alles gründlicher zu machen. Und zwar rückt er so viel mal langsamer vor in der geistigen Welt, als der Saturn langsamer um die Sonne herum läuft als die Erde. Der Saturn läuft um so viel mal langsamer um die Sonne herum als die Erde, als der Mensch sich in der geistigen Welt langsamer bewegt als hier auf der physischen Erde. Aus diesem Grunde — nicht weil sie weniger gewußt haben als die heutigen Astronomen — haben die Alten den Saturn als den äußersten Planeten, der noch zum Sonnensystem gehört, gerechnet. Es ist auch astronomisch richtig; denn die anderen Planeten, die man heute dazurechnet, Uranus und Neptun, sind später zugeflogen und haben sich angegliedert und kreisen auch in einer ganz anderen Ordnung, sogar in einer anderen Rotation als diejenigen Planeten, die zum eigentlichen Sonnensystem gehören.
[ 24 ] And so it is also very remarkable that, when we look at the world spiritually, we can truly say: As human beings go through the process of development between death and a new birth, they move forward more slowly in order to do everything more thoroughly. In fact, the human being progresses in the spiritual world at a rate that is as much times slower as Saturn’s orbit around the Sun is slower than that of the Earth. Saturn orbits the Sun so many times more slowly than the Earth does as human beings move more slowly in the spiritual world than they do here on the physical Earth. For this reason—not because they knew less than today’s astronomers—the ancients considered Saturn to be the outermost planet still belonging to the solar system. This is also astronomically correct; for the other planets that are included today—Uranus and Neptune—arrived later and joined the system, and they orbit in a completely different order, even with a different rotation than the planets that belong to the actual solar system.
[ 25 ] Nun, mindestens ein solches Geistesjahr, das heißt dreißig Erdenjahre müssen verflossen sein, bis die Seele, wenn sie ein normales Lebensalter von siebzig bis achtzig Jahren erreicht hat, nun nicht bloß in die Gewohnheiten, sondern für diejenigen, die hier zurückgeblieben sind oder die sich freiwillig anschließen, in die ganze Anschauungsweise, in das ganze geistige Leben eintreten kann. Aber in dieser Weise wirken auch in sehr umfänglicher Art die Toten in unser Leben herein. Es ist durchaus so, daß wir in uns tragen in bezug auf die ganze geistige Art, in der wir stecken, die Impulse der längst verstorbenen Menschen, die da hereinwirken. Dadurch wird überhaupt der Zusammenhang der Zukunft mit der Vergangenheit bewirkt, daß ein solcher Zusammenklang der Toten mit den Lebenden stattfindet. So wie die mittelbare Offenbarung der Toten durch den Ätherleib, den sie abgelegt haben, auf die imaginative Erkenntnis wirkt, so wirkt dasjenige, was in die Gewohnheiten eintritt in der geschilderten Weise, auf die inspirative Erkenntnis, und das, was ich zuletzt geschildert habe, was erst wirken kann, nachdem der Mensch ein Geistesjahr durchgemacht hat, das wirkt herein, wenn es bewußt werden soll, in die intuitive Erkenntnis. Aber es wirkt fortwährend. Man kann nur, ich möchte sagen am richtigsten den Sinn der Evolution treffen, wenn man solche Dinge bewußt ins Auge faßt.
[ 25 ] Well, at least one such spiritual year—that is, thirty Earth years—must have passed before the soul, having reached a normal lifespan of seventy to eighty years, can enter not merely into the habits but, for those who have remained behind here or who voluntarily join them, into the entire way of viewing things, into the entire spiritual life. But in this way, too, the dead exert a very extensive influence on our lives. It is certainly true that, with regard to the entire spiritual nature in which we are immersed, we carry within us the impulses of people who have long since passed away and who are working within us. This is what brings about the connection between the future and the past in the first place—that such a harmony between the dead and the living takes place. Just as the indirect revelation of the dead through the etheric body they have shed affects imaginative knowledge, so does that which enters into our habits in the manner described affect inspirational knowledge; and what I have just described—which can only take effect after a person has undergone a spiritual year—that works its way into intuitive knowledge when it is to become conscious. But it works continuously. One can only—I would say most accurately grasp the meaning of evolution—if one consciously takes such things into account.
[ 26 ] Verzeihen Sie, wenn ich an dieser Stelle — Sie wissen, ich tue das nicht gern und deshalb sehr selten — etwas ganz Persönliches einschalte. Wer versucht, dasjenige, was ich jetzt schon vor Jahrzehnten zu schreiben begonnen habe, sich anzusehen, der wird sehen können, daß ich damals ganz abgesehen habe von dem, was ich als meine eigene Meinung vorzubringen hatte. Ich habe über Goethe nicht geschrieben meine Meinung, sondern ich habe versucht, die Gedanken auszudrükken, die aus Goethe kommen konnten; ich habe eine «Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung» geschrieben, nicht meine Erkenntnistheorie. — In solcher Weise kann man sich ganz bewußt anschließen an längst Verstorbene und kann aus ihrem Geiste heraus wirken. Das ist auch dasjenige, was einem gewissermaßen das Zerufikat gibt, auf die Lebenden wirken zu dürfen. Denn das ist ein schlechtes Zertifikat, auf das insbesondere in unserer Gegenwart die Leute pochen, daß ein jeder, kaum daß er eine Meinung gefaßt hat, diese sogleich wiederum an zahlreiche, möglichst viele Anhänger weitergeben will. Derjenige, der aus der geistigen Welt heraus die Bedingungen des Daseins kennt, die Grundgesetze des Daseins, der weiß, daß der Mensch eigentlich, so sonderbar, so paradox das ist, in die Tiefen der Seelen seiner Mitmenschen erst hineinwirken darf, wenn er gestorben ist, und da erst, nachdem er ein Geistesjahr, das heißt dreißig Jahre, durchgemacht hat. Ungeheures würde gewonnen, wenn jene Selbstlosigkeit in der Welt etwas weiter um sich griffe, daß die Späterlebenden sich anschließen würden an die Verstorbenen und versuchen würden, die Kontinuität in der Evolution wirklich in bewußter Weise aufrechtzuerhalten. Ob es eine reine Wahlverwandtschaft ist, ob es eine durch das Karma herbeigeführte sonstige Verwandtschaft ist: die Anlehnung an diejenigen, die sich da bemühen, aus der geistigen Welt die Strahlen ihres Wirkens zu senden, ist, wenn wir sie bewußt leben, etwas ungeheuer Bedeutungsvolles.
[ 26 ] Please forgive me if, at this point—you know I don’t like to do this and therefore do so very rarely—I include something quite personal. Anyone who takes a look at what I began writing decades ago will see that, at that time, I completely set aside what I had to say as my own opinion. I did not write my opinion about Goethe, but rather I tried to express the thoughts that could have come from Goethe; I wrote a “theory of knowledge based on Goethe’s worldview,” not my own theory of knowledge. — In this way, one can quite consciously align oneself with those who have long since passed away and can work from their spirit. This is also what, in a sense, grants one the credentials to influence the living. For it is a poor credential—one that people, especially in our present age, insist upon—that as soon as anyone has formed an opinion, they immediately want to pass it on to as many followers as possible. The one who, from within the spiritual world, knows the conditions of existence—the fundamental laws of existence—knows that, strange and paradoxical as it may seem, a human being may actually begin to influence the depths of the souls of their fellow human beings only after they have died, and only after they have undergone one spiritual year—that is, thirty years. Immense benefits would be gained if that selflessness were to spread a little further in the world, so that those living today would join forces with the departed and strive to maintain the continuity of evolution in a truly conscious manner. Whether it is a pure affinity of choice or some other kind of kinship brought about by karma: drawing upon those who strive to send the rays of their activity from the spiritual world is, if we live it consciously, something of immense significance.
[ 27 ] Ich habe versucht, in Ihnen ein Empfinden hervorzurufen von der Art des Zusammenwirkens zwischen den sogenannten Toten und den sogenannten Lebenden. Wir müssen uns nur klar sein darüber, wie die Bedingungen ganz andere sind in der geistigen Welt als hier. Einen guten Teil dieser Bedingungen und der Bedingungen des Erlebens in der geistigen Welt finden Sie in dem Vortragszyklus «Über das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt», den ich vor einigen Jahren in Wien gehalten habe. Allein man kann von diesen Dingen immer nur einiges herausgreifen, das nach der einen oder nach der anderen Seite wichtig ist. Da muß gesagt werden, daß etwas Ähnliches und wiederum sehr Unähnliches gegenüber unserem physischen Leben vorhanden ist in der geistigen Welt. Bevor wir in vollem Sinne hier in die physische Welt eintreten, machen wir ja die Embryonalzeit durch, in der die Bedingungen des Lebens ganz andere sind als von dem Momente an, wo wir voll in die physische Welt als Atmer der äußeren Luft eingetreten sind. In einem gewissen Sinne und Stile ist die Zeit, die wir im ersten Geistesjahr durchmachen — was so oftmals die Kamalokazeit genannt worden ist —, schon ähnlich der Embryonalzeit. Denn wie der Mensch gewissermaßen ein anderes menschliches Wesen zu Hilfe nimmt, von dem er sich durch zehn Mondenmonate hereintragen läßt in die physische Welt, so läßt er sich durch all das, was ihn zusammenhält an Wünschen und Begierden mit der physischen Welt, die er langsam abstreift, in die geistige Welt hineintragen. Und es ist das Bewußtsein in diesem ersten Geistesjahr — dreißig Jahre nach dem Tode — noch etwas ähnlich dem Bewußtsein hier in der physischen Welt, wenn auch die Fertigkeiten und dergleichen, die nur in der physischen Welt angeeignet werden können, nur mittelbar durch den ätherischen Leib vermittelt sein können. Dann aber treten andere Bedingungen des Bewußtseins ein; ein viel höheres Bewußtsein als dasjenige, das wir hier im physischen Leibe haben können, tritt dann ein. Sie können, wenn Sie sich an manches erinnern, was in dem vorhin genannten Zyklus gesagt worden ist, sehen, wie dieses Bewußtsein in der geistigen Welt einen anderen Charakter hat. Sie müssen nur ins Auge fassen, wie sehr das Bewußtsein abhängig ist von dem, was in dieses Bewußtsein hereinkommen kann. Und wenn wir hier in der physischen Welt als gewöhnliche Menschen herumgehen, so kommen die Erscheinungen des mineralischen, des pflanzlichen, des tierischen Reiches und des physischen Menschenreiches in uns herein mit anderen Seelenerlebnissen, Kulturerlebnissen und so weiter. Nach dem Tode nehmen wir die mineralische Welt als solche ja gar nicht mehr wahr, von der pflanzlichen Welt nur das allgemeine Leben. Lesen Sie nach in meiner «Theosophie», wie die Dinge sind im Aufstiege in der sogenannten Geisteswelt.
[ 27 ] I have tried to evoke in you a sense of the nature of the interaction between the so-called dead and the so-called living. We simply need to be clear about how the conditions in the spiritual world are entirely different from those here. You will find a good portion of these conditions and the conditions of experience in the spiritual world in the lecture series “On Life Between Death and a New Birth,” which I gave in Vienna a few years ago. However, one can only ever pick out certain aspects of these things that are important from one perspective or another. It must be said that there is something in the spiritual world that is both similar to and, at the same time, very dissimilar to our physical life. Before we fully enter the physical world here, we go through the embryonic stage, during which the conditions of life are entirely different from those that exist from the moment we have fully entered the physical world as beings who breathe the outer air. In a certain sense and in a certain way, the period we go through in the first spiritual year—which has so often been called the Kamaloka period—is already similar to the embryonic period. For just as a human being, so to speak, enlists the help of another human being, through whom he is carried into the physical world over the course of ten lunar months, so too does he allow himself to be carried into the spiritual world by all that binds him to the physical world through his desires and longings—which he is slowly shedding. And the consciousness in this first spiritual year—thirty years after death—is still somewhat similar to the consciousness here in the physical world, even though the skills and the like that can only be acquired in the physical world can be conveyed only indirectly through the etheric body. But then other conditions of consciousness set in; a much higher consciousness than the one we can have here in the physical body then emerges. If you recall some of what was said in the cycle mentioned earlier, you can see how this consciousness in the spiritual world has a different character. You need only consider how much consciousness depends on what can enter into it. And when we go about here in the physical world as ordinary human beings, the phenomena of the mineral, plant, and animal kingdoms, as well as those of the physical human kingdom, enter into us along with other soul experiences, cultural experiences, and so on. After death, we no longer perceive the mineral world as such; of the plant world, we perceive only its general life force. Please refer to my book Theosophy to learn how things are during the ascent into the so-called spiritual world.
[ 28 ] Das alles ist auch verknüpft mit einem ganz andersartigen Erleben in der geistigen Welt. Nun, für all das gibt es eigentlich keine Worte, wie Sie begreifen können. Unsere Sprache ist im Grunde genommen für die physische Welt geschaffen; man hat also immer Schwierigkeiten, diese andersartigen Verhältnisse richtig zu schildern. Daher kann man so leicht mißverstanden werden. Vor allen Dingen kann man sich auch nur vergleichsweise ausdrücken. Hier in der physischen Welt stehen Sie, ich möchte sagen in einem Punkte des ganzen Weltgebäudes; Sie blicken mit Ihren Augen hinaus nach allen Richtungen im Umkreise. In der geistigen Welt ist es nicht so. Da sind Sie im Umkreise und blicken vom Umkreis herein gewissermaßen nach dem Innenraum einer Hohlkugel, nur daß dies vergleichsweise ist, denn es ist keine Hohlkugel, weil die Zeit eine viel größere Bedeutung hat als der Raum. Also aus dem Umkreis herein schauen Sie alles an; da sind ganz andere Bedingungen des Vorstellens, ganz andere Bedingungen des Anschauens! Und im Inneren des Vorstellens selber sind wiederum ganz andere Bedingungen. Nehmen wir einmal an, der Mensch ist mit sechzig, siebzig, achtzig Jahren oder auch früher durch die Pforte des Todes gegangen: Nun fühlt er deutlich ein inneres Erlebnis. Wenn Sie hier im physischen Leben Hunger oder einen Schmerz fühlen da oder dort an einer Stelle des Leibes, sagen Sie nicht: der Hunger ist da oder dort, sondern der Hunger ist in Ihnen. $o fühlen Sie, indem Sie aus dem ganzen Umkreis hereinschauen, an irgendeiner Stelle etwas, Sie wissen, da ist etwas, das will etwas mit Ihnen zu tun haben. Jetzt müssen Sie die Anstrengung beginnen, das, was sich da manifestiert, was sich geoffenbart hat, wegzuschaffen! Und erst wenn Sie es weggeschafft haben, tritt das Wahre auf, das sich hier manifestieren will. Also wir können sagen: Wir haben als geistige Wesen in uns eine Vorstellung; aber diese Vorstellung sagt uns noch gar nichts, sondern sie muß erst weggeschafft werden, und erst wenn wir sie weggeschafft haben, finden wir in uns — ja, so paradox es klingt, es ist so — einen Engel oder Erzengel, der sich uns offenbart! Wir müssen uns die Anwesenheit erst erringen, indem sich uns zunächst diese Gegenwart in der Vorstellung ankündigt. So ist das Begreifen der geistigen Welt mit entschiedener Kraftanstrengung, mit entschiedener Arbeit verbunden. Nur dann können sich Seelen, die hier im physischen Leibe zurückgeblieben sind, mehr oder weniger, ohne daß sie diese Kraftanstrengung durchmachen, hinaufmanifestieren zu dem Toten, wenn sie wirklich die Gedanken hier an den Toten entfalten oder dem Toten irgend etwas, durch Vorlesen oder dergleichen, vorführen.
[ 28 ] All of this is also connected to a completely different kind of experience in the spiritual world. Well, as you can understand, there are really no words to describe all of this. Our language is, after all, designed for the physical world; so it is always difficult to describe these different conditions accurately. That is why one can so easily be misunderstood. Above all, one can only express oneself in relative terms. Here in the physical world, you stand—I would say—at a single point within the entire structure of the world; you look out with your eyes in all directions around you. In the spiritual world, it is not like that. There you are on the circumference, looking in from the circumference, as it were, toward the interior of a hollow sphere—only this is a comparison, for it is not a hollow sphere, since time has a much greater significance than space. So, looking in from the circumference, you see everything; there are entirely different conditions of imagination, entirely different conditions of perception! And within the act of imagining itself, there are, in turn, entirely different conditions. Let’s suppose a person has passed through the gate of death at the age of sixty, seventy, eighty, or even earlier: Now they clearly feel an inner experience. When you feel hunger or pain here in physical life—here or there in some part of the body—you do not say, “The hunger is here or there,” but rather, “The hunger is within you.” So when you look inward from your entire field of perception and sense something in a certain place, you know there is something there that wants to have something to do with you. Now you must begin the effort to remove what is manifesting there, what has revealed itself! And only when you have removed it does the truth emerge—the truth that wants to manifest itself here. So we can say: As spiritual beings, we have a concept within us; but this concept does not yet tell us anything—it must first be removed, and only when we have removed it do we find within ourselves—yes, as paradoxical as it sounds, it is so—an angel or archangel who reveals himself to us! We must first earn this presence by allowing this presence to announce itself to us, initially through our imagination. Thus, understanding the spiritual world is connected with a determined effort, with determined work. Only then can souls who have remained here in their physical bodies—to a greater or lesser extent—manifest themselves to the deceased without undergoing this exertion of effort, provided they truly direct their thoughts here toward the deceased or present something to the deceased, such as by reading aloud or the like.
[ 29 ] Ich will Ihnen durch das, was ich gesagt habe, eben nur begreiflich machen, wie ganz anders die Bedingungen des Wahrnehmens, des Lebens, des Erfahrens in der geistigen Welt sind. Und wenn das so ist, dann werden Sie es auch nicht verwunderlich finden, daß gewissermaßen dreißig Jahre Geistzeit ein Jahr physische Zeit sind; denn im Geistigen stehen wir im Umkreise und schauen auf den Mittelpunkt herein. Und es ist sehr wichtig, das festzuhalten.
[ 29 ] My aim in saying all this is simply to help you understand just how different the conditions of perception, life, and experience are in the spiritual world. And if that is the case, then you will not find it surprising that, so to speak, thirty years of spiritual time equal one year of physical time; for in the spiritual realm, we stand in a circle and look inward toward the center. And it is very important to keep this in mind.
[ 30 ] Wie schwierig es ist, über gewisse geistige Dinge zu sprechen, das sehen Sie daraus, daß manches, weil man es in physische Vorstellungen kleiden muß, sich geradezu in der entgegengesetzten Weise ausnimmt, und man daher sehr leicht Mißverständnissen ausgesetzt ist. Nicht wahr, man sagt, weil man die Sache zunächst von der physischen Welt ansieht, mit Recht: Der Mensch macht wiederholte Erdenleben durch. — Das ist richtig. Aber warum macht er wiederholte Erdenleben durch? Indem er hier zwischen Geburt und Tod lebt, lebt er ein gewisses Stück Zeit durch. Dann geht er durch die Pforte des Todes in die geistige Welt ein, macht einen Umkreis durch, kommt aber in dem Umkreis wiederum auf dasselbe Stück Zeit zurück. Und immer wiederum, wenn wir ein Leben durchleben, sind wir eigentlich an derselben Weltstelle. Das ist sehr interessant! Im Reiche des Geistes herrscht nicht eigentlich die Zeit, sondern die Dauer. Wir kommen wiederum an dieselbe Stelle zurück. Wir wiederholen tatsächlich in denselben Verhältnissen mit dem, was wir mittlerweile durchgemacht haben, an derselben Stelle der Welt das Leben. Wir gehen immer wiederum zum Ausgangspunkt zurück. Wir vollführen wirkliche Umkreise. Sie werden sagen: das ist schwer vorstellbar. Es ist auch schwer vorstellbar, und ich will unter dem mancherlei leichter Vorstellbaren, was ich heute auch vorgebracht habe, in Ihrem Seelenleben solch eine Sache auch einmal zum Gegenstand Ihrer Meditation machen. Man muß über solche Dinge manchmal lange, lange nachmeditieren, wenn man sie in ihrer vollen Tragweite verstehen will.
[ 30 ] You can see just how difficult it is to speak about certain spiritual matters from the fact that, because one must clothe them in physical concepts, some things come across in exactly the opposite way, and one is therefore very easily prone to misunderstandings. Isn’t it true that, because we initially view the matter from the perspective of the physical world, we rightly say: Human beings go through repeated earthly lives. — That is correct. But why do they go through repeated earthly lives? As they live here between birth and death, they live through a certain span of time. Then they pass through the gate of death into the spiritual world, complete a cycle, but within that cycle return once again to the same point in time. And time and again, as we live through a life, we are actually at the same point in the world. That is very interesting! In the realm of the spirit, it is not so much time that reigns, but duration. We return again and again to the same point. We actually repeat life in the same circumstances—with what we have experienced in the meantime—at the same place in the world. We always return to the starting point. We are actually tracing circles. You will say: that is hard to imagine. It is indeed hard to imagine, and among the various things that are easier to imagine—which I have also brought up today—I would like you to make such a matter the subject of your meditation in your inner life. One must sometimes meditate on such things for a long, long time if one wishes to understand them in their full significance.
[ 31 ] Als vorzügliche Aufgabe habe ich mir eben heute vorgenommen, ein wenig zu schildern die Art und Weise, wie herunterwirken diejenigen Seelen, die durch die Pforte des Todes gegangen sind, in die Welt herein, in der die Menschen zurückgeblieben sind, mit denen sie im Zusammenhang gestanden innerhalb ihres physischen Leibes. Und von einer anderen Seite her haben Sie also wieder gesehen, daß die Welt wirklich ein zusammengehöriges Ganzes ist, daß die Toten nur für das äußere physische Anschauen in Wahrheit tot sind. Denn in dem Augenblick, da sie durch die Pforte des Todes gehen, haben sie einen anderen Zugang zu unserer Seele, und das ist der ganze Unterschied. Sie wirken nun von innen in uns herein, während sie als Lebende von außen in uns hereingewirkt haben. Solche Dinge sollten immer mehr und mehr nicht nur äußere Theorien sein, sondern sich ins "Bewußtsein der Menschen einleben, sollten nicht bloß werden Weltvorstellungen, sondern Weltanschauung, ja, ich möchte sagen Weltempfindung. Dann wird Geisteswissenschaft diejenigen Früchte tragen, die sie tragen soll, die sie aber auch tragen kann.
[ 31 ] Today I have set myself the noble task of describing, at least in part, the way in which those souls who have passed through the gate of death influence the world in which the people with whom they were connected while in their physical bodies have remained. And from another perspective, you have thus seen once again that the world is truly a unified whole, that the dead are truly dead only from an external, physical point of view. For the moment they pass through the gate of death, they gain a different access to our soul, and that is the whole difference. They now work upon us from within, whereas when they were alive they worked upon us from without. Such things should increasingly cease to be mere external theories and instead take root in people’s consciousness; they should not merely become worldviews, but rather a worldview—indeed, I would say, a sense of the world. Then spiritual science will bear the fruits it is meant to bear—and which it is also capable of bearing.
[ 32 ] Zum Schluß noch die eine Bemerkung. Bedenken Sie einmal, was es heißt, daß der Mensch das Gefühl in sich tragen muß, nämlich in einer bestimmten Zeit zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, daß er die Hierarchien als seine innere Erfahrung in sich trägt! Das ist so! Das könnte den Menschen in den furchtbarsten Hochmut hineinführen, der als ein dunkles Gefühl in seiner Seele leben könnte, wenn er wiedergeboren wird. In alten Zeiten war dadurch eine Barriere gegen diesen Hochmut geschaffen, daß die Menschen, indem sie durch die Pforte des Todes gingen und in die geistige Welt hineinkamen, gewissermaßen wußten: sie schauen nicht selber an, sondern in ihnen leben die höchsten Wesen der höchsten Hierarchien, die ihnen das Schauen vermitteln. Aber diesen Zusammenhang hat der Mensch in der geistigen Welt ebenso verloren, wie er in der physischen Welt hier verloren hat das alte atavistische Hellsehen. Dafür aber muß eintreten dasjenige, was Paulus ausgesprochen hat mit den Worten: «Nicht ich, sondern der Christus in mir», und was eine wirkliche Geistesempfindung erlangt durch das Wort: «Aus dem Gotte sind wir geboren; in den Christus hinein sterben wir.» Wir werden, wenn wir das in aller Tiefe lernen durch die Empfindung, die uns aus der Geisteswissenschaft kommen kann, daß der Christus für die Erde ist, wir werden in der richtigen Weise uns hineinstellen in dieses Anschauen aus dem Umkreise. Und wenn wir mit den richtigen Gefühlen des «In Christo morimur» die Pforte des Todes durchleben, dann finden wir, vom Umkreis schauend, unter denjenigen Wesenheiten, die wir anschauen, die den höheren Hierarchien angehören, die auch Elementarwesen sind, aber auch solche Wesenheiten, die hier verkörperte Menschenseelen sind oder schon entkörperte Menschenseelen sind, wir finden unter all diesen auch unser eigenes Ich-Wesen. Und wir schauen das Verhältnis dieses unseres Ich-Wesens zu den anderen Wesenheiten, die ich eben gekennzeichnet habe, von außen an. Diese Empfindungen haben zu können, nachdem man durch die Pforte des Todes gegangen ist, ist etwas ungeheuer Wichtiges. Denn nur dann vermögen wir uns richtig wiederum in die Verkörperung des Fleisches hineinzufinden, wenn wir diese Empfindungen zu unserem eigenen Ich haben können. Die können wir aber nur haben, wenn wir sie verdanken können dem richtigen Durchgehen durch die Todespforte mit dem Gefühle: «In den Christus hinein sind wir gestorben.» Dieses Verbundensein mit dem Christus gibt uns die Möglichkeit, auch gewissermaßen mit dem Seelenauge des Christus unser Verhältnis in der geistigen Welt zu schauen, uns selbst als ein Ich-Wesen unter anderen Geistwesen zu schauen.
[ 32 ] One final remark. Consider for a moment what it means that human beings must carry within themselves—namely, during a specific period between death and a new birth—the experience of the hierarchies as an inner reality! This is indeed the case! This could lead human beings into the most terrible arrogance, which could dwell as a dark feeling in their souls when they are reborn. In ancient times, a barrier against this arrogance was created by the fact that when people passed through the gate of death and entered the spiritual world, they knew, as it were, that they were not seeing with their own eyes, but that within them lived the highest beings of the highest hierarchies, who enabled them to see. But human beings have lost this connection in the spiritual world just as they have lost the old, atavistic clairvoyance here in the physical world. In its place, however, must come to pass what Paul expressed with the words: “Not I, but Christ in me,” and what a true spiritual feeling attains through the words: “We are born of God; into Christ we die.” When we learn this in all its depth through the feeling that can come to us from spiritual science—that Christ is for the Earth—we will place ourselves in the right way within this contemplation from the surrounding sphere. And when we pass through the gate of death with the right feelings of “In Christo morimur,” then, looking out from the outer sphere, among the beings we behold—those belonging to the higher hierarchies, who are also elemental beings, but also those who are human souls incarnated here or who are already disembodied human souls— we find among all these our own “I”-being as well. And we observe from the outside the relationship of this “I-being” of ours to the other beings I have just described. To be able to have these feelings after passing through the gate of death is something immensely important. For only then can we truly find our way back into the embodiment of the flesh if we can have these feelings toward our own “I.” But we can only have them if we owe them to having truly passed through the gate of death with the feeling: “We have died into Christ.” This union with Christ gives us the ability, in a sense, to view our relationship in the spiritual world through the soul-eye of Christ—to see ourselves as an “I”-being among other spiritual beings.
[ 33 ] Das möchte ich immer erreichen, daß wir nicht nur aus solchen Betrachtungen, wie den heute angestellten, wiederum gewissermaßen ein Wissen mitnehmen, sondern daß dieses Wissen sich umwandelt in Empfinden, in Fühlen. Und wenn uns alle Vorstellungen, die heute aufgestellt worden sind, nur wie 'Träume vorübergegangen wären, wenn uns nur ein Grundgefühl bleibt, das ich zusammenzufassen versuchte in diese Schlußworte, wie das «In Christo sterben», uns richtig hineinzustellen vermag in die geistige Welt, so daß wir es durch die physische Welt in der nächsten Erdeninkarnation zu tragen vermögen, wenn dieses Gefühl uns bleibt, dann tragen wir das Richtige von einer solchen Betrachtung ins Weiterleben hinaus.
[ 33 ] That is what I always hope to achieve: that we do not merely take away a certain kind of knowledge from reflections such as those we have engaged in today, but that this knowledge is transformed into a sense of feeling, into emotion. And even if all the ideas presented today were to pass by like “dreams,” if only a fundamental feeling remains—which I have tried to summarize in these closing words, such as “dying in Christ”— enables us to truly place ourselves within the spiritual world, so that we may carry it through the physical world into our next earthly incarnation—if this feeling remains with us, then we carry the essence of such a reflection forward into our future lives.
[ 34 ] In solchen Gefühlen wollen wir denn auch zusammensein, indem wir sie als die intensivsten verbindenden Gefühle betrachten, und das wird die rechte unsichtbare Gemeinde der Anthroposophie-Beflissenen nach und nach in der Welt geben: dieses Zusammenhalten in solchen Empfindungen und Gefühlen, die aus den Vorstellungen der Geisteswissenschaft heraus geboren sind. Die Welt braucht, möchte ich sagen, diese unsichtbare Gemeinde von Seelen, welche die Kräfte eines solchen Zusammenhaltes, wie er charakterisiert worden ist, in die Welt hineinzutragen vermögen. In diesem Sinne wollen wir in der Zukunft auch dann zusammensein geistig, wenn wir physisch für eine Zeit nicht zusammen sind. Und so soll es immer unter uns sein, daß die geistige Zusammengehörigkeit unsere physische immerdar trägt.
[ 34 ] Let us, then, be united in such feelings, regarding them as the most intense bonds of connection; and this will gradually give rise to the true, invisible community of those dedicated to anthroposophy in the world: this unity in such sensations and feelings that are born from the ideas of spiritual science. The world needs, I would say, this invisible community of souls capable of bringing into the world the forces of such unity as has been described. In this sense, let us continue to be united spiritually in the future, even when we are not physically together for a time. And so it shall always be among us that our spiritual unity will forever sustain our physical unity.
