World Being and I-ness
GA 169
13 June 1916, Berlin
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World Being and I-ness, tr. SOL
2. Blut und Nerven
2. Blood and Nerves
[ 1 ] In der Geisteswissenschaft betrachten wir alles Materielle, alles Stoffliche als eine Offenbarung des Geistigen. Es handelt sich aber immer darum, in welcher Weise im einzelnen dieses oder jenes Stoffliche als eine Offenbarung des Geistigen anzusehen ist. Denn mit dem allgemeinen Satz, alles Stoffliche sei eine Offenbarung des Geistigen, ist ja nichts gesagt, höchstens etwas, was für Bequemlinge eine leichte Philosophie ist. Für den, der ernsthaft nach Erkenntnis strebt, handelt es sich darum, immer beim einzelnen Stofflichen, das in der Welt auftritt, zu erkennen, wie es eine Offenbarung des Geistigen ist. Nun wissen wir Ja, daß ein uralter, aber gleichwohl immer neuer Satz den Menschen einen Mikrokosmos nennt. Der Mensch tritt uns ja zunächst als stoffliche Erscheinung hier in der physischen Welt entgegen, und wenn wir Ernst machen mit diesem Satz vom Menschen als einem Mikrokosmos, als einem stofflichen Wesen, das so, wie es uns entgegentritt, die Geheimnisse des ganzen Kosmos enthält, so muß es uns ganz besonders wertvoll sein, gerade dieses stoffliche Wesen, als welches uns der Mensch zunächst in der physischen Welt entgegentritt, daraufhin zu prüfen, inwiefern es eine Offenbarung des Geistigen ist. Und wenn man das Stoffliche des Menschen ins Auge faßt, dann offenbart sich für denjenigen, welcher denkend — und denken muß) man schon einmal, wenn man nach Erkenntnis strebt — sich an das Stoffliche des Menschen macht, daß in der menschlichen stofflichen Wesenheit zwei ganz verschiedene Stoffesarten vorhanden sind. Schon für das gewöhnliche denkende Betrachten zeigt sich, daß da zwei verschiedene Stoffesarten vorhanden sind, denn grundverschieden treten diese zwei, sagen wir, Arten des Stofflichen am Menschenstoffeswesen auf: die Blutsubstanz, der Blutstoff und der Nervenstoff. Gewiß, Sie können sagen, es gibt allerlei andere Stoffe für eine äußerliche Betrachtungsweise: Muskelstoff, Knochenstoff und so weiter. Aber Sie wissen ja vielleicht, daß diese im Grunde genommen alle aus dem Blute heraus gebildet sind. Und wenn man sie genauer kennenlernt, so lernt man sie ja auch in ihrer Entstehungsweise aus dem Blute kennen, und es widerspricht dieses nicht der Tatsache, daß man es bei der menschlichen stofflichen Natur zu tun hat mit der Blutsubstanz, mit dem Blutstoff und mit dem Nervenstoff.
[ 1 ] In spiritual science, we regard everything material, everything physical, as a manifestation of the spiritual. However, the question is always how, in each specific case, this or that material thing is to be regarded as a revelation of the spiritual. For the general statement that all material things are a revelation of the spiritual says nothing at all—at most, it is a facile philosophy for those who take the easy way out. For those who earnestly strive for knowledge, the task is always to recognize, in each individual material phenomenon that appears in the world, how it is a revelation of the spiritual. Now we do know that an ancient, yet ever-new maxim describes the human being as a microcosm. The human being first appears to us as a material phenomenon here in the physical world, and if we take this statement seriously—that human beings are a microcosm, a material being that, just as it appears to us, contains the mysteries of the entire cosmos—then it must be of particular value to us to examine precisely this material being, as human beings first appear to us in the physical world, to determine to what extent it is a revelation of the spiritual. And when one considers the material aspect of the human being, it becomes evident to anyone who approaches it thoughtfully—and one must think, if one is striving for knowledge—that there are two entirely different kinds of matter present in the human material being. Even ordinary, thoughtful observation reveals that there are two different types of matter, for these two—let us say—types of matter in the human physical being appear fundamentally different: the blood substance, the blood matter, and the nerve matter. Certainly, you might say that there are all sorts of other substances from an external point of view: muscle matter, bone matter, and so on. But as you may know, these are all essentially formed from the blood. And when one examines them more closely, one comes to understand how they arise from the blood, and this does not contradict the fact that, in the human physical nature, we are dealing with the blood substance, the blood material, and the nerve material.
[ 2 ] Sie können insofern schon äußerlich in der denkenden Betrachtung einen Unterschied finden zwischen dem Blutstoff und dem Nervenstoff, als Sie sich ja bloß zu überlegen brauchen, wie alles dasjenige, was zum Blute gehört, gewissermaßen von innen heraus sich an den stofflichen Vorgängen des menschlichen Organismus beteiligt. Das Blut wird allerdings durch den Einfluß von außen, aber doch im Innern des Menschen erzeugt, und erzeugt wiederum weiter, was eben für das stoffliche Dasein des Menschen notwendig ist. Dagegen zeigen sich Ihnen gerade die wichtigsten Nerven als Fortsetzungen der Sinne. Wenn Sie das Auge nehmen, so werden Sie nach rückwärts gehend als Fortsetzung des Auges den Augennerv, den Sehnerv finden, der sich dann einsenkt in die weitere Nervensubstanz des Gehirns. Und so sind im Grunde genommen alle Nerven gewissermaßen Fortsetzungen der Sinnesorgane. Die Prozesse, die sich in ihnen abspielen, spielen sich mehr oder weniger durch äußeren Einfluß ab, durch dasjenige, was von außen auf den Menschen wirkt. Man könnte sagen: Wie man in der äußeren Welt die beiden Magnetpole hat, wie man positive und negative Elektrizität hat, so haben wir wirklich in der Blutsubstanz und in der Nervensubstanz zwei Pole der menschlichen physischen Wesenheit. Und sie sind innerlich sehr, sehr verschieden, diese beiden Stoffarten, Blutstoff und Nervenstoff. Wenn man allerdings so nach den Methoden der heutigen Anatomie und Physiologie auf dem Seziertisch den Menschen untersucht, so legt man hübsch nebeneinander dasjenige, was aus dem Blut direkt stammt und dasjenige, was seinen Aufbau von außen erhält, die Nervensubstanz; und es erscheint Substanz neben Substanz. Aber sie sind doch grundverschieden voneinander. Und wenn man das Leben verfolgt, wie es sich entwickelt nach und nach, dann zeigt sich schon auch der große, bedeutsame Unterschied im Blutstoff und im Nervenstoff, und wir könnten vieles anführen aus der allermodernsten Anatomie und Physiologie, wenn wir diesen Unterschied, diesen polarischen Gegensatz näher begründen wollten. Das aber soll jetzt unterlassen werden. Wir wollen mehr auf die geisteswissenschaftliche Seite der Frage eingehen.
[ 2 ] You can already discern a difference between the blood substance and the nervous substance in your intellectual contemplation, insofar as you need only consider how everything that belongs to the blood participates, as it were, from within, in the material processes of the human organism. Blood is indeed produced by external influences, yet within the human body, and in turn continues to produce what is necessary for the human being’s physical existence. In contrast, the most important nerves appear to you as extensions of the senses. If you take the eye, for example, you will find, moving backward, the optic nerve—an extension of the eye—which then descends into the broader nervous tissue of the brain. And so, in essence, all nerves are, in a sense, extensions of the sense organs. The processes that take place within them occur more or less as a result of external influences—that is, what acts upon the human being from the outside. One could say: Just as we have the two magnetic poles in the external world, just as we have positive and negative electricity, so too do we truly have two poles of the human physical being in the blood substance and the nerve substance. And these two types of substance—blood substance and nervous substance—are internally very, very different. However, when one examines a human being on the dissection table using the methods of modern anatomy and physiology, one places side by side that which derives directly from the blood and that which derives its structure from the outside—the nervous substance—and it appears as one substance next to another. Yet they are fundamentally different from one another. And if one traces life as it develops step by step, the great, significant difference between the blood substance and the nerve substance becomes apparent, and we could cite many examples from the very latest anatomy and physiology if we wanted to substantiate this difference—this polar opposition—in greater detail. But we shall refrain from doing so for now. We want to focus more on the spiritual-scientific aspect of the question.
[ 3 ] Da stellt sich uns das Blut — ich spreche vom Menschen — dar als dasjenige, was in die menschliche Organisation gekommen ist durch die Vorgänge, die im besonderen Erdenvorgänge sind. Das Blut ist durchaus Erdenwesen. Sie wissen ja, daß der Mensch lange, lange bevor es eine Erde gab, durch Saturn-, Sonnen- und Mondendasein vorbereitet worden ist. Was da vorbereitet worden ist, das alles hat das Blut noch nicht in sich. Das Blut, so wie es als menschliches Blut heute durch unsere Adern fließt, ist hinzugekommen durch die Erdenorganisation. Dagegen ist in der Konstruktion, in der ganzen Formung und Bildung des Nervenwesens dasjenige enthalten, was lange, lange vorbereitet worden ist durch den Saturn-, Sonnen- und Mondenprozeß, durch die Vorprozesse unserer Erdenorganisation.
[ 3 ] Here, blood—I am speaking of human blood—appears to us as that which has entered the human organism through processes that are, in particular, earthly processes. Blood is entirely an earthly entity. As you know, long, long before the Earth existed, human beings were prepared through their existence on Saturn, the Sun, and the Moon. Blood does not yet contain within itself all that was prepared during those stages. The blood, as it flows through our veins today as human blood, has been added through the Earth organization. In contrast, the structure, the entire formation and development of the nervous system, contains what has long, long been prepared through the Saturn, Sun, and Moon processes—through the preliminary processes of our Earth organization.
[ 4 ] Wenn nun derjenige, der geisteswissenschaftlich diese Sache untersucht, seinen Blick wirft einerseits auf die Blutsubstanz, anderseits auf die Nervensubstanz, so zeigt sich ihm gerade dann ein gewaltiger Unterschied zwischen den beiden Substanzen. Die Nervensubstanz ist durchaus dasjenige, was am Menschen nicht irdisch ist. Die Blutsubstanz ist durchaus dasjenige, was am Menschen irdisch ist. Die Nervensubstanz hat ganz ihren Ursprung, ihren Prozeß-Ursprung, in Vorgängen, die vor der Bildung der Erde liegen. Die Blutsubstanz mit allem, was in ihr wallt und webt, hat ganz den Ursprung in irdischen Vorgängen. Man könnte sagen, unsere Nervensubstanz ist so, daß sie eigentlich ganz und gar nicht von dieser Erde ist, sie ist in uns eingewoben als ein Kosmisches, ein Außerirdisches, sie ist verwandt mit dem Kosmos. Das Blut ist ganz und gar verwandt mit dem Irdischen. Nun ist aber unsere Nervensubstanz in das Irdische hereinversetzt, sie existiert hier im Irdischen, denn wir Menschen als stoffliche Wesen gehen auf der physischen Erde herum. Wir tragen alle in unserer Nervensubstanz etwas in uns, das eigentlich außerirdischen Ursprungs und auf die Erde versetzt ist. Das ist eine außerordentlich wichtige Tatsache. Denn unsere Nervensubstanz ist eigentlich so, wie sie in uns lagert, tot. Daher brauchen Sie auch nur das nächstbeste der gewöhnlichen gegenwärtigen Bücher über Physiologie oder Anatomie aufzuschlagen und Sie werden sehen, daß die Nervensubstanz als Substanz das Haltbarste im Menschen ist, das Unveränderlichste, dasjenige, welches in derselben Weise wie die Blutsubstanz am wenigsten unmittelbar mechanischen, äußeren Einflüssen unterliegt. Es unterliegt den Einflüssen der Sinnesempfindungen, aber nicht unmittelbar mechanischen Einflüssen. Das alles kommt davon her, daß unsere Nervensubstanz ihrem Ursprung nach eine lebende Substanz ist; aber dadurch, daß wir sie als Erdenmenschen in uns tragen, ist sie tot. Man könnte sagen — wenn das nicht paradox wäre, aber es ist, trotzdem es paradox ist, richtig im geistigen Sinne — : Wenn man Nervensubstanz nehmen könnte und sie hinauftragen bis dahin, wo die Erdenkräfte nicht mehr wirken, so würde Nervensubstanz ein wunderbar lebendiges, vibrierendes Wesen sein! Diese Nervensubstanz ist zum Leben angelegt gewissermaßen im Himmel, in allem Außerirdischen, und sie stirbt ab zu dem Grade des Totseins, in dem sie in unserem Organismus ist, dadurch, daß sie in die Sphäre des Irdischen hereingebracht wird. Das ist etwas höchst Merkwürdiges. Wir tragen in uns diese Nervensubstanz, die eigentlich kosmisch lebendig und nur irdisch tot ist. Wie gesagt, würde man ein Stückchen Nervensubstanz nehmen und hinauftragen da, wo die Erde nicht mehr hinwirkt, so würde man eine wunderbare, lebende, leuchtende Substanz haben, die sogleich wiederum überginge in diesen ruhigen, leblosen Zustand, in dem sie in uns lagert, wenn sie in die Erdensphäre hereingebracht wird. Wir haben es also in unserer Nervensubstanz mit einem Kosmisch-Lebendigen und Irdisch-Toten zu tun.
[ 4 ] When the person who investigates this matter from a spiritual-scientific perspective turns his gaze, on the one hand, to the blood substance and, on the other hand, to the nervous substance, a tremendous difference between the two substances becomes apparent to him. The nervous substance is precisely that which is not earthly in the human being. The blood substance is, in every respect, that which is earthly in the human being. The nervous substance has its origin—its processual origin—entirely in events that predate the formation of the Earth. The blood substance, with all that surges and weaves within it, has its origin entirely in earthly processes. One could say that our nervous substance is such that it is actually not of this Earth at all; it is woven into us as something cosmic, something extraterrestrial; it is related to the cosmos. Blood, on the other hand, is entirely connected to the earthly realm. Yet our nervous substance has been transplanted into the earthly realm; it exists here on Earth, for we humans, as material beings, walk upon the physical Earth. We all carry within our nervous substance something that is actually of extraterrestrial origin and has been transplanted onto Earth. This is an extraordinarily important fact. For our nervous substance, as it lies within us, is actually dead. That is why you need only open any of the most common contemporary books on physiology or anatomy, and you will see that the nervous substance, as a substance, is the most durable part of the human being, the most unchanging, the part that—just like the blood—is least subject to immediate mechanical, external influences. It is subject to the influences of sensory perceptions, but not to direct mechanical influences. All of this stems from the fact that our nervous substance is, by its very origin, a living substance; but because we, as earthly human beings, carry it within us, it is dead. One could say—if this were not paradoxical, but it is, yet despite being paradoxical, it is true in a spiritual sense—that if one could take nervous substance and carry it up to where earthly forces no longer act, then nervous substance would be a wonderfully living, vibrating being! This nervous substance is, so to speak, destined for life in heaven, in all that is extraterrestrial, and it dies to the degree of lifelessness it exhibits within our organism simply by being brought into the sphere of the earthly. This is something most remarkable. We carry within us this nervous substance, which is actually cosmically alive and only earthly dead. As I said, if one were to take a small piece of nervous substance and carry it up to where the Earth no longer exerts its influence, one would have a wondrous, living, luminous substance that would immediately revert to that quiet, lifeless state in which it resides within us when brought into the Earth’s sphere. We are thus dealing in our nervous substance with something that is cosmically alive and earthly dead.
[ 5 ] Wir tragen stofflich in unserer Nervensubstanz tatsächlich ein Außerirdisches in uns. Das drückt sich auch symbolisch sehr gut aus. Vielleicht werden sich einige von Ihnen noch erinnern können, daß ich einmal hier über die Anthroposophie im engeren Sinne vorgetragen habe. Da habe ich die Sinne des Menschen aufgezählt. Gewöhnlich unterscheidet man nur fünf Sinne; wir haben dazumal zwölf aufgezählt. Zwölf Sinne hat der Mensch, wenn man alles, was Sinn genannt werden kann, wirklich aufzählt. Und die Sinne sind ja schließlich nichts anderes, als dasjenige, wozu die Nerven hingehen, oder eigentlich von dem die Nerven ausgehen und sich nach innen erstrecken, so daß wir im Grunde genommen zwölf Sinne haben, und von den zwölf Sinnen ausgehend, die Nerven wie kleine Bäume nach dem Innern sich erstreckend. Das ist deshalb, weil sich in unserem Nervenapparat, insofern er zu den äußeren Sinnen gehört, ausdrückt ein Himmlisches: der Durchgang der Sonne durch die zwölf Sternbilder. Dieses Verhältnis des Durchgehens der Sonne durch die zwölf Sternbilder ist symbolisch, aber realsymbolisch ausgedrückt in dem Verhältnis unseres gesamten Nervensystems zu den einzelnen zwölf Sinnen. Daraus können Sie ersehen, daß wir dasjenige, was draußen kosmisch vorhanden ist in dem Durchgang der Sonne durch die zwölf Sternbilder, wirklich in uns tragen räumlich in dem Verhältnis unseres gesamten Nervensystems zu den zwölf Sinnen. Und wiederum, wenn Sie das mehr nach innen gelagerte Nervensystem nehmen, das zum Rückenmark gehört, so haben wir ja übereinandergelagert im Rückgrat Ring nach Ring, und da hindurch geht der Nervenstrang. Diese Ringe entsprechen wirklich den Monaten, dem Gang des Mondes um die Erde herum, so daß auch in diesem Hingehen immer eines Nervs zu einem Loch in dem Ring des Rückgrates gegeben ist etwas, was einem Tag im Monat entspricht. Wiederum ein himmlisches Verhältnis! Das Verhältnis des Mondenganges um die Erde drückt sich real-symbolisch aus in dem, was wir in uns tragen als Verhältnis unserer Innennerven zum Rückenmark. Wir sind ganz und gar, insofern wir aus Nervensubstanz aufgebaut sind, aus dem Himmel heraus gebaut, aus dem Kosmos draußen, und derjenige allein versteht richtig diese wunderbare Anordnung der Nervensubstanz in uns, der in ihr ein Abbild des ganzen Sternenhimmels wahrnehmen kann. Der Mensch trägt da wirklich ein Abbild des ganzen Sternenhimmels in sich in der baumartigen Anordnung seiner Nervensubstanz, und diejenigen Kräfte, die draußen fließen von Stern zu Stern, die sich ausdrücken in dem Kreislauf des Himmels, die fließen wirklich, aber abgestorben und in uns lagernd, in unserem Nervensystem. Und wie wir bei so vielem sehen können, wie im Grunde genommen das ganze Universum sich in dem Menschen ausdrückt, so können wir es auch an diesem Zusammenhange zwischen dem Aufbau des ganzen Kosmos außerhalb der Erde und unserem Nervenbau sehen. Wenn wir sagen können, daß das Nervensystem für den Himmel gebaut ist, so ist es lebendig für den Himmel gebaut und ist abgestorben in uns dadurch, daß es in der Sphäre der Erde ist.
[ 5 ] We do, in fact, carry something extraterrestrial within our nervous system. This is also expressed very well symbolically. Perhaps some of you may still recall that I once gave a lecture here on anthroposophy in the narrower sense. In that lecture, I listed the human senses. Usually, only five senses are distinguished; at that time, we listed twelve. Human beings have twelve senses if one truly counts everything that can be called a sense. And the senses are, after all, nothing other than that to which the nerves lead—or, more accurately, from which the nerves emanate and extend inward—so that we essentially have twelve senses, and from these twelve senses the nerves extend inward like little trees. This is because, in our nervous system—insofar as it pertains to the external senses—a celestial phenomenon is expressed: the passage of the Sun through the twelve constellations. This relationship of the Sun’s passage through the twelve constellations is expressed symbolically—but as a real symbol—in the relationship of our entire nervous system to the twelve individual senses. From this you can see that what exists cosmically on the outside—in the sun’s passage through the twelve constellations—we truly carry within us spatially in the relationship of our entire nervous system to the twelve senses. And again, if you consider the nervous system that lies deeper within, which belongs to the spinal cord, we have rings stacked one upon another in the spine, and the nerve cord runs through them. These rings truly correspond to the months, to the Moon’s orbit around the Earth, so that in this arrangement as well, there is always something—corresponding to a day in the month—associated with each nerve and its opening in the ring of the spine. Yet another celestial correspondence! The relationship of the Moon’s orbit around the Earth is expressed in a real-symbolic way in what we carry within us as the relationship of our internal nerves to the spinal cord. Insofar as we are composed of nervous tissue, we are entirely built from the heavens, from the cosmos outside, and only those who can perceive in it a reflection of the entire starry sky truly understand this wondrous arrangement of nervous tissue within us. Human beings truly carry within themselves an image of the entire starry sky in the tree-like arrangement of their nervous tissue, and those forces that flow outward from star to star—which express themselves in the celestial cycle—truly flow, though in a dormant state and stored within us, through our nervous system. And just as we can see in so many things how, in essence, the entire universe is expressed in the human being, so too can we see this in the connection between the structure of the entire cosmos outside the Earth and the structure of our nervous system. If we can say that the nervous system is built for the heavens, then it is built alive for the heavens and has become dormant within us by virtue of being in the sphere of the Earth.
[ 6 ] Ganz anderes müssen wir über unsere Blutsubstanz sagen. Die ist durchaus irdisch, und die Vorgänge, die im Blute vor sich gehen, müßten nach der inneren Beschaffenheit des ganzen Blutsystems eigentlich nur irdische Vorgänge sein. Das Eigentümliche der irdischen Vorgänge ist aber, daß sie eben nicht leben. Das Mineralreich ist, wie wir wissen, dasjenige, was auf der Erde dazugekommen ist, das leblose Reich. Und ganz entspricht diesem leblosen Reich in uns das Element des Blutes. Zwar lebt dieses Blut, solange es in uns ist, aber es ist nicht durch seine innere irdische Natur zum Leben bestimmt, das ist das Eigentümliche, sondern dadurch, daß es verbunden ist mit dem im Menschen, was außerirdisch ist, bekommt es sein Leben. Während das Nervensystem eigentlich zum Leben im Kosmos draußen, außerirdisch, bestimmt ist und in uns tot ist, ist das Blut bestimmt, in uns tot zu sein und erlangt ein Leben von außen. Das Nervensystem gibt gewissermaßen sein Leben ab an das Blut, und so ist das Nervensystem verhältnismäßig tot, das Blut verhältnismäßig das Lebendige. So wahr das Nervensystem kosmisch Leben und irdisch Tod hat, so wahr hat das Blut umgekehrt durch sich irdisch Tod und erborgtes, ihm aufgedrängtes kosmisches Leben. Das Leben ist überhaupt nicht von unserer Erde. Daher muß das Nervensystem gewissermaßen den Tod aufnehmen, damit es irdisch werden kann, und das Blut muß lebend werden, damit der Mensch, insofern er irdische Substanz ist, der außerirdischen Welt sich zuwenden kann.
[ 6 ] We must say something quite different about our blood. It is entirely earthly, and the processes that take place in the blood—given the inner nature of the entire circulatory system—should, in fact, be nothing but earthly processes. The peculiarity of earthly processes, however, is that they are precisely not alive. The mineral kingdom, as we know, is what has come into being on Earth—the lifeless kingdom. And the element of blood within us corresponds entirely to this lifeless kingdom. True, this blood lives as long as it is within us, but it is not destined for life by virtue of its inner earthly nature—that is the peculiarity—but rather, it receives its life through its connection to that which is extraterrestrial within the human being. While the nervous system is actually destined for life in the cosmos outside us—extraterrestrially—and is dead within us, the blood is destined to be dead within us and receives life from outside. The nervous system, so to speak, transfers its life to the blood, and thus the nervous system is relatively dead, while the blood is relatively alive. Just as the nervous system possesses cosmic life and earthly death, so too does the blood, conversely, possess earthly death and a borrowed, imposed cosmic life. Life does not originate from our Earth at all. Therefore, the nervous system must, in a sense, take on death so that it can become earthly, and the blood must become alive so that the human being, insofar as he is earthly substance, can turn toward the extraterrestrial world.
[ 7 ] Da aber wird, ich möchte sagen, dasjenige, was wir immer aufzunehmen hatten durch die Geisteswissenschaft, recht ernst. Denn eigentlich müssen wir ja sagen: Wir tragen in uns die Nervensubstanz, sie ist zum Leben bestimmt durch ihre eigene Wesenheit, aber sie ist tot. Wodurch ist sie tot? Dadurch, daß sie auf die Erde versetzt ist. Der Tod — Sie brauchen es nur nachzulesen in einem Vortragszyklus, den ich einmal in München gehalten habe —, ist eigentlich das Reich des Ahriman. Damit tragen wir in unserem Nervensystem, indem es getötet ist durch die irdische Sphäre, das Ahrimanische in uns. Und in dem Blute, indem es lebendig gemacht wird, während es durch seine eigene Natur zum Tode bestimmt ist, das heißt zu bloßen chemischen und physischen Vorgängen, tragen wir das Luziferische in uns. Weil das Nervensystem ein Totes ist, kann Ahriman in uns sein, weil das Blut ein Lebendiges ist, kann Luzifer in uns sein. Sie sehen jetzt, wie bedeutsam sich diese beiden Substanzen von einander abheben, wie sie sich wie Nord- und Südpol polarisch zueinander verhalten.
[ 7 ] But here, I would say, what we have always had to take in through spiritual science becomes quite serious. For in fact we must say: We carry the nervous substance within us; it is destined for life by its very nature, but it is dead. Why is it dead? Because it has been transferred to Earth. Death—you need only look it up in a series of lectures I once gave in Munich—is actually the realm of Ahriman. Thus, in our nervous system, because it has been killed by the earthly sphere, we carry the Ahrimanic within us. And in the blood—which is made alive even though by its very nature it is destined for death, that is, for mere chemical and physical processes—we carry the Luciferic within us. Because the nervous system is dead, Ahriman can be within us; because the blood is alive, Lucifer can be within us. You can now see how significantly these two substances contrast with one another, how they relate to each other in a polar manner, like the North and South Poles.
[ 8 ] Nun blicken wir einmal hinaus im Gedanken in das Außerirdische und machen dasjenige, was wir geisteswissenschaftlich erkennen, nicht zu einer abstrakten Theorie, sondern zu etwas Lebendigem, das unser Gefühl, unser Empfinden ergreifen kann. Dann blicken wir hinauf in den Weltenraum, in das Außerirdische, und sagen uns: Da draußen ist der Geist, der eigentlich in unserem Nervensystem leben könnte, wenn unser Nervensystem nicht auf die Erde heruntergegangen wäre. Da draußen ist der Geist, wir ahnen ihn, erfüllend das Universum, der Geist, der zu unserem Nervensystem gehört. Und wiederum, indem wir den Gedanken auf unser Blut lenken, sagen wir uns: Dieses Blut tragen wir in uns, es ist eigentlich durch seine eigene Wesenheit zu bloß physischen und chemischen Vorgängen bestimmt, bloß um umgesetzt zu werden durch den Sauerstoff in der Weise, wie Sie das in der Anatomie, in der Physiologie beschrieben finden können. Aber dadurch, daß es in uns lebt, hat es Teil an dem Leben des Universums. Aber es ist zunächst luziferisches Leben.
[ 8 ] Now let us cast our minds outward into the extraterrestrial realm and transform what we recognize through spiritual science not into an abstract theory, but into something living that can touch our feelings and our sensibilities. Then let us look up into outer space, into the cosmos, and say to ourselves: Out there is the spirit that could actually dwell in our nervous system if our nervous system had not descended to Earth. Out there is the spirit—we sense it—filling the universe, the spirit that belongs to our nervous system. And again, as we turn our thoughts to our blood, we say to ourselves: We carry this blood within us; by its very nature, it is actually destined for mere physical and chemical processes, merely to be transformed by oxygen in the way you can find described in anatomy and physiology. But because it lives within us, it shares in the life of the universe. Yet it is, first and foremost, Luciferic life.
[ 9 ] Und jetzt, meine lieben Freunde, erinnern wir uns recht tief, gefühls- und empfindungsmäßig recht gründlich an mancherlei, das wie ein roter Faden durch viele unserer Betrachtungen gegangen ist. Erinnern wir uns an alles dasjenige, das wir gesagt haben über das Herabsteigen des Christus aus den Weltensphären in unsere Erdensphäre, so werden wir dasjenige, was so in unserer Erinnerung auftauchen kann, verbinden können mit den Gedanken, die eben jetzt geäußert worden sind. Wir sind ja aus diesem Weltenall, aus diesem Universum stammend. Einst, in der lemurischen Zeit, sind wir herabgekommen, oder überhaupt im Laufe der Erdenentwickelung sind wir herabgekommen, haben unsere Entwickelung mit der Erde verbunden. Aber indem wir unser Nervensystem zur Entwickelung der Erde anvertraut haben, haben wir es der Totwerdung anvertraut, und sein Leben haben wir oben gelassen. Dieses Leben, das wir oben gelassen haben, ist dasselbe, das später nachgekommen ist in der Christus-Wesenheit. Das Leben unserer Nerven, das wir nicht in uns tragen, das wir nicht vom Anfange unseres Erdendaseins an in uns tragen konnten, es ist nachgekommen in der Christus-Wesenheit. Und was mußte es ergreifen im Erdendasein? Es mußte ergreifen das Blut! Daher das viele Hinblicken auf das Blutmysterium. Dasjenige, was in uns getrennt ist, indem das Nervensystem sein kosmisches Leben verloren und das Blut ein kosmisches Leben bekommen hat, daß Leben Tod und der Tod Leben wurde, das erreichte eine neue Verbindung dadurch, daß dasjenige, was nicht in unserem irdischen Nervensystem lebt, aus dem Kosmos zu uns niedergestiegen ist, Mensch geworden ist, in das Blut getreten ist, das Blut sich aber mit der Erde vereinigt hat, wie ich in früheren Vorträgen ausgeführt habe. Und wir als Menschen können durch die Teilnahme am Christus-Mysterium den polarischen Gegensatz ausgleichen zwischen unserem Nervensystem und unserem Blutsystem.
[ 9 ] And now, my dear friends, let us recall quite deeply—and with great emotional depth and sensitivity—various things that have run like a common thread through many of our reflections. If we recall everything we have said about the descent of the Christ from the spheres of the worlds into our earthly sphere, we will be able to connect what may thus arise in our memory with the thoughts that have just been expressed. We do, after all, originate from this cosmos, from this universe. Once, in the Lemurian epoch—or indeed, in the course of Earth’s evolution—we descended and linked our evolution to that of the Earth. But by entrusting our nervous system to the Earth’s evolution, we entrusted it to the process of becoming dead, and we left its life behind in the higher realms. This life that we left behind is the very same life that later came forth in the Christ Being. The life of our nerves—which we do not carry within us, which we could not carry within us from the very beginning of our earthly existence—came forth in the Christ Being. And what did it have to take hold of in earthly existence? It had to take hold of the blood! Hence the many references to the mystery of blood. That which is separated within us—in that the nervous system lost its cosmic life and the blood gained a cosmic life, so that life became death and death became life—achieved a new connection through the fact that that which does not live in our earthly nervous system descended to us from the cosmos, became human, entered into the blood, while the blood united with the Earth, as I have explained in earlier lectures. And we, as human beings, can balance the polar opposition between our nervous system and our blood system through participation in the Christ Mystery.
[ 10 ] Sehen Sie, die Menschen tragen diesen Gegensatz einmal in sich, und dieser Gegensatz spricht sich in der verschiedensten Weise aus. Da gibt es zum Beispiel eine äußere Wissenschaft, die jetzt in der Naturwissenschaft gewissermaßen ihren Abschluß, ihre Zielsetzung gefunden hat. Die Naturwissenschaft spricht von der Welt als aus Atomen aufgebaut. Diese Atome, von denen die Naturwissenschaft spricht, sind reine Phantasie. Sie sind draußen nirgends. Warum spricht aber der Mensch doch von Atomen? Weil er in sich sein Nervensystem aus lauter Kügelchen gebaut hat, und das projiziert er hinaus. Die atomistische Welt draußen ist nichts anderes als das hinausprojizierte Nervensystem. Der Mensch selbst verlegt sich hinaus in die Welt, denkt sie sich aus Atomen zusammengesetzt, sein Nervensystem selbst aus den einzelnen Ganglien-Kügelchen zusammengesetzt. Daher wird die Wissenschaft immer atomistisch sein wollen, denn sie kommt aus der Nervensubstanz. Der Wissenschaft steht gegenüber alles dasjenige, was Mystik, was Religion und so weiter ist, was aus dem Blut kommt. Das will nicht Atomistik, das will überall die Einheit sehen. Diese beiden Gegensätze streiten sich in der Welt. Man ist erst aufgeklärt über diesen Streit, wenn man weiß, daß das der innere Streit in der menschlichen Natur zwischen Nervensubstanz und Blutsubstanz ist. Es gäbe keinen Streit in der Welt zwischen Wissenschaft und Religion, wenn nicht in der Menschennatur der Streit wäre zwischen Nervensubstanz und Blutsubstanz.
[ 10 ] You see, people carry this contradiction within themselves, and this contradiction manifests itself in a wide variety of ways. For example, there is an external science that has now, in a sense, found its culmination and its purpose in the natural sciences. Natural science speaks of the world as being composed of atoms. These atoms, of which natural science speaks, are pure fantasy. They do not exist anywhere out there. But why, then, does humanity speak of atoms? Because within themselves, they have constructed their nervous system out of tiny spheres, and they project this outward. The atomistic world out there is nothing other than the nervous system projected outward. Human beings themselves project themselves outward into the world, conceiving it as composed of atoms, and their own nervous system as composed of individual ganglion spheres. That is why science will always strive to be atomistic, for it arises from the nervous substance. Opposed to science is everything that constitutes mysticism, religion, and so on—that which arises from the blood. This does not seek atomism; it seeks to see unity everywhere. These two opposites are in conflict in the world. One can only truly understand this conflict when one realizes that it is the inner conflict within human nature between nervous substance and blood substance. There would be no conflict in the world between science and religion if there were not a conflict within human nature between nervous substance and blood substance.
[ 11 ] Den Ausgleich findet man dadurch, daß man in der richtigen Art sich vereinigen kann mit demjenigen, was als das Christus-Wesen die Erde durchpulst seit dem Mysterium von Golgatha. Jede Empfindung, jedes Erlebnis, das wir haben können in Anknüpfung an dieses Mysterium von Golgatha, trägt zum Ausgleich bei. Die Menschen sind heute noch nicht sehr weit in bezug auf diese Ausgleichung, aber das Streben muß dahin gehen. Wir selbst in unserem Kreise finden sehr häufig, wie der charakterisierte Gegensatz nach der einen oder nach der anderen Richtung sich ausprägt. Viele sind unter uns, die hören sich die Lehren der Anthroposophie an und nehmen sie wie eine äußere Wissenschaft, so daß sich in den Köpfen von vielen Anthroposophie gewissermaßen nicht unterscheidet von äußerer Wissenschaft. Aber Anthroposophie ist erst dann in richtigem Sinn verstanden, wenn sie nicht bloß mit dem Kopf aufgefaßt wird, sondern wenn sie uns in jeder ihrer Äußerungen Enthusiasmus gibt, wenn sie in uns so lebt, daß sie den Übergang findet von Nervensystem zu Blutsystem. Wenn wir uns erwärmen können für die Wahrheiten, die in der Anthroposophie enthalten sind, dann erst verstehen wir sie. Solange wir sie bloß abstrakt fassen, indem wir sie gewissermaßen studieren wie ein Einmaleins, ein Rechenbuch, ein Dienstreglement oder ein Kochbuch, so lange verstehen wir sie nicht. Ebensowenig verstehen wir sie, wenn wir diese Anthroposophie studieren wie die Chemie oder wie die Botanik. Wir verstehen sie erst, wenn sie uns warm macht, wenn sie uns erfüllt mit dem Leben, das in ihr waltet. Der Christus hat einmal gesagt: «Ich bin bei euch bis ans Ende der Erdentage.» Und er ist nicht bloß als ein Toter, er ist als ein Lebender unter uns und er offenbart sich immer. Und nur diejenigen, die so kurzsichtig sind, daß sie sich vor diesen Offenbarungen fürchten, sagen, man solle bei dem bleiben, was immer gegolten hat. Diejenigen aber, die nicht feige sind, wissen, daß der Christus sich immer offenbart. Deshalb dürfen wir dasjenige, was er als Anthroposophie offenbart, als eine wirkliche Christus-Offenbarung aufnehmen. — Oft, meine lieben Freunde, werde ich gefragt von unseren Mitgliedern: Wie setze ich mich in Verbindung mit dem Christus? — Es ist eine naive Frage! Denn alles, was wir anstreben können, jede Zeile, die wir lesen aus unserer anthroposophischen Wissenschaft, ist ein Sich-in-Beziehung-Setzen zu dem Christus. Wir tun gewissermaßen gar nichts anderes. Und derjenige, der nebenbei noch ein besonderes Sich-in-Beziehung-Setzen sucht, der drückt nur naiv aus, daß er eigentlich vermeiden möchte den etwas unbequemen Weg, etwas zu studieren oder etwas zu lesen.
[ 11 ] Balance is achieved by uniting in the right way with that which, as the Christ Being, has been pulsing through the Earth since the Mystery of Golgotha. Every feeling, every experience we can have in connection with this Mystery of Golgotha contributes to this balance. People today have not yet progressed very far in terms of this balancing, but our striving must be directed toward it. Even within our own circle, we very often observe how the described contrast manifests itself in one direction or the other. There are many among us who listen to the teachings of anthroposophy and regard them as an external science, so that in the minds of many, anthroposophy is, in a sense, no different from external science. But anthroposophy is only truly understood when it is not merely grasped with the head, but when it inspires enthusiasm in us in every one of its expressions, when it lives within us in such a way that it makes the transition from the nervous system to the circulatory system. Only when we can warm to the truths contained in anthroposophy do we truly understand them. As long as we grasp them merely in the abstract—by studying them, as it were, like multiplication tables, an arithmetic book, a set of regulations, or a cookbook—we do not understand them. Nor do we understand them if we study anthroposophy as we would chemistry or botany. We understand them only when they warm our hearts, when they fill us with the life that reigns within them. Christ once said, “I am with you until the end of the age.” And he is not merely a dead man; he is among us as a living being, and he reveals himself constantly. And only those who are so short-sighted that they fear these revelations say we should stick to what has always been accepted. But those who are not cowards know that Christ is always revealing Himself. That is why we may receive what He reveals as anthroposophy as a true revelation of Christ. — Often, my dear friends, I am asked by our members: How do I connect with the Christ? — It is a naive question! For everything we can strive for, every line we read from our anthroposophical science, is a way of entering into a relationship with the Christ. In a sense, we do nothing else at all. And anyone who, on top of that, seeks a special way of connecting with Christ is merely expressing, in a naive way, that they would actually like to avoid the somewhat uncomfortable path of studying or reading something.
[ 12 ] Aber noch etwas anderes können Sie sehen aus dieser Betrachtung. Diese Betrachtung hat begonnen, ich möchte sagen, wie ganz äußerlich-wissenschaftlich, wie anatomisch-physiologisch. Von der stofflichen Betrachtung des Menschen sind wir ausgegangen, und den Übergang finden wir nun zu der höchsten Erkenntnis, die sich dem Menschen auf Erden bieten kann: zu der Christologie. Diesen Übergang kann Ihnen keine andere Wissenschaft geben. Die Geisteswissenschaft zeigt Ihnen, wie unsere Nervensubstanz etwas verloren hat dadurch, daß sie irdische Substanz geworden ist. Wo aber ist das, was unsere Nervensubstanz verloren hat? Als Jesus von Nazareth dreißig Jahre alt war, zog Christus in den Leib des Jesus von Nazareth und ging durch das Mysterium von Golgatha! Versuchen Sie nur einmal, sich so recht zu durchwärmen mit diesem Gedanken. Dasjenige, was, weil wir Erdenmenschen sind, unserem Nervensystem fehlt, was nur ausgefüllt ist durch Ahrimanisches, das tritt uns da entgegen im Mysterium von Golgatha, und unsere Menschenaufgabe ist es, es ins Blut aufzunehmen, um das Luziferische zu durchchristen im Blute, unseren Enthusiasmus so zu gestalten, daß es in uns lebt. Denn alles dasjenige, was wir in abstrakten Gedanken denken können, ist gebunden an Nervensubstanz, alles dasjenige, was in uns lebt als Gefühl, als Gemüt, als Enthusiasmus, als Stimmung, ist gebunden ans Blut. So, wie im Organismus die Beziehung ist zwischen Nervensubstanz und Blutsubstanz, so ist in der Seele die Beziehung zwischen dem Denken, das in Abstraktionen, in kalten Gedanken, wie man sagt, verläuft, und dem Enthusiasmus, in den wir versetzt werden können, wenn die Dinge für uns nicht kalte Gedanken bleiben, wenn wir warm gemacht werden können durch den Geist, wozu wir uns ja allerdings im Leben erst erziehen müssen.
[ 12 ] But there is something else you can see from this line of thought. This line of thought began, I would say, in a purely external, scientific way—in an anatomical and physiological sense. We began with a materialistic view of the human being, and now we find the transition to the highest knowledge that can be offered to human beings on earth: to Christology. No other science can provide you with this transition. Spiritual science shows you how our nervous substance has lost something by becoming earthly substance. But where is that which our nervous substance has lost? When Jesus of Nazareth was thirty years old, Christ entered the body of Jesus of Nazareth and went through the Mystery of Golgotha! Just try for a moment to truly let this thought sink in. That which is lacking in our nervous system—because we are earthly human beings—and which is filled only by Ahrimanic forces, confronts us there in the Mystery of Golgotha; and our human task is to absorb it into our blood, to “Christianize” the Luciferic within our blood, and to shape our enthusiasm so that it lives within us. For everything we can conceive in abstract thought is bound to nervous substance; everything that lives within us as feeling, as mood, as enthusiasm, as a state of mind, is bound to the blood. Just as the relationship between nervous substance and blood substance exists in the organism, so too does the relationship in the soul between thinking—which proceeds in abstractions, in “cold thoughts,” as one says— and the enthusiasm into which we can be transported when things do not remain mere cold thoughts for us, when we can be warmed by the spirit—something we must, of course, first train ourselves to do in life.
[ 13 ] Und jetzt sehen Sie, ich möchte sagen, geistig-physiologisch hinein in dasjenige, was sich vollzogen hat mit dem Mysterium von Golgatha. Nachgezogen ist dem Menschen dasjenige, was er zurückgelassen hat, und wiederum soll es ihn durchseelen, weil es ihn nicht durchkörpern sollte im Beginne des Erdenwirkens. Hätte es ihn durchdrungen im Beginne des Erdenwirkens, so hätte es ihn durchkörpert, und er wäre ein Automat des Geistes geworden. So aber hat er erst seine Entwickelung eine Zeitlang im Erdenlauf vollendet, und dann erst sollte ihn durchseelen, was ihn nicht vom Anfange an durchkörpern sollte. Das ist der große, wunderbare Zusammenhang, der uns bis in den Stoff hinunter die Wirksamkeit des Geistigen zeigt, nicht nur jenes allgemeinen Geistigen, von dem der verschwommene Pantheismus so gern redet, sondern des konkret Geistigen, das wir durch das Mysterium von Golgatha gehen sehen. Das ist es, was ich gemeint habe, wenn ich sagte, daß mit der allgemeinen Wahrheit: Alle Materie ist eine Offenbarung des Geistes — , nichts Besonderes gesagt ist. Erkenntnis gewinnen wir erst, wenn wir im besonderen wissen, wie in dem einzelnen materiellen Dasein das Geistige sich offenbaren kann. Sehen Sie, wenn man heute dasjenige, was die äußere Wissenschaft bietet, nimmt, dann ist ja da eine ganze Fülle enthalten von Dingen, die als Material daliegen, die da warten, von geistiger Auffassung durchdrungen zu werden. So stark können sie von geistiger Auffassung durchdrungen werden, daß sich allerallermateriellste Wissenschaft verbinden wird mit Christologie. Aber wir leben eben in einem Zeitalter, in dem es den Menschen schwer wird, den Weg zu finden, der gewissermaßen Nervensystem und Blutsystem verbindet.
[ 13 ] And now, you see, I would like to look—spiritually and physiologically—into what took place with the Mystery of Golgotha. What humanity left behind has followed it, and it is to permeate its soul once more, because it was not meant to permeate its body at the beginning of its earthly existence. Had it permeated him at the beginning of earthly existence, it would have embodied him, and he would have become an automaton of the spirit. But as it is, he first completed his development for a time in the course of earthly existence, and only then was he to be permeated by what was not meant to embody him from the very beginning. This is the great, wondrous connection that reveals to us, right down into the material realm, the active power of the spiritual—not merely that general spirituality of which vague pantheism so readily speaks, but the concrete spirituality that we see unfolding through the Mystery of Golgotha. This is what I meant when I said that the general truth: All matter is a revelation of the spirit — nothing particularly special is being said. We gain true understanding only when we know, in specific terms, how the spiritual can reveal itself in individual material existence. You see, when we take what external science offers today, it contains a whole wealth of things that lie there as material, waiting to be permeated by spiritual understanding. They can be so deeply permeated by spiritual understanding that even the most material of sciences will become connected with Christology. But we are living in an age in which it is difficult for people to find the path that, so to speak, connects the nervous system and the circulatory system.
[ 14 ] Deshalb habe ich Ihnen durch eine Reihe von Betrachtungen gezeigt, wie weit unsere Zeit entfernt ist von einer solchen geistgemäfen Auffassung der Welt. Noch das letztemal zeigte ich Ihnen an einem besonderen Beispiel, wie es selbst einem, der gestrebt hat nach dem Geistigen, Hermann Bahr, jetzt nur gelungen ist, nachdem er über fünfzig Jahre alt geworden ist, das allerelementarste SichNähern an den Geist zu erreichen, während groteske Erscheinungen gewissermaßen unser geistiges Leben beherrschen, wie jener Philosophie-Professor in Czernowitz, von dem ich Ihnen einen Ausspruch vorgelesen habe. Damit er uns ja nicht entfalle, will ich Ihnen diesen Ausspruch doch noch einmal vorlesen: «Wir haben nicht mehr Philosophie als ein Tier, und nur die rasenden Versuche, zu einer Philosophie zu kommen, und die endliche Ergebung in Nichtwissen unterscheiden uns von dem Tiere.» — Das ist die Quintessenz dieser Philosophie, aber Philosophie kann man es ja nicht nennen, denn «der Mensch hat nicht mehr Philosophie als ein Tier», nach dem Ausspruch dieses Philosophie-Professors. Das heißt, wir sind heute so weit, daß es regelrecht angestellte Professoren der Philosophie gibt, die sich zur Aufgabe machen, Philosophie als lächerlichen Unsinn hinzustellen. Hier bemerkt man es, wenn einer gerade so weit geht. Die meisten anderen Philosophen tun es ja auch, aber sie lassen es sich nicht so anmerken. Und die Wahrheit gilt nicht nur für Philosophen, sie gilt auch für andere Menschen, die so viel von ihrer Aufgabe verstehen, wie dieser Philosoph von seiner Philosophie, daß sie so viel ruinieren von dem, wofür sie angestellt sind, wie dieser Philosoph von der Philosophie ruiniert. Aber sonst bemerkt man es nicht so, wenn man es nicht gerade so zynisch auf dem Präsentierteller den Menschen vorhält wie dieser, zur Vernichtung der Philosophie als Professor der Philosophie angestellte Philosoph, Richard Wahle.
[ 14 ] That is why I have shown you, through a series of reflections, how far our age is removed from such a spiritual conception of the world. Just last time, I showed you, using a specific example, how even someone who has strived for the spiritual, Hermann Bahr, has only now—after turning fifty—managed to achieve the most elementary approach to the spiritual, while grotesque phenomena, so to speak, dominate our spiritual life, such as that philosophy professor in Czernowitz, from whom I read you a quote. So that we do not lose sight of it, I will read this quote to you once more: “We have no more philosophy than an animal, and only our frantic attempts to arrive at a philosophy, and our ultimate resignation to ignorance, distinguish us from animals.” — That is the quintessence of this philosophy, but one cannot really call it philosophy, for “man has no more philosophy than an animal,” according to the statement of this professor of philosophy. This means that we have reached a point today where there are fully tenured professors of philosophy who make it their mission to portray philosophy as ridiculous nonsense. Here you notice it when someone goes that far. Most other philosophers do it too, of course, but they don’t make it so obvious. And the truth applies not only to philosophers; it also applies to other people who understand as little about their task as this philosopher does about his philosophy—so that they ruin as much of what they are hired to do as this philosopher ruins philosophy. But otherwise, you don’t really notice it unless someone presents it to people as cynically as this philosopher—Richard Wahle, a philosopher employed as a professor of philosophy to destroy philosophy—does.
[ 15 ] Deshalb ist es notwendig — Sie brauchen sich nur, um die Notwendigkeit einzusehen, an einen Vortrag zu erinnern, den ich vor einigen Wochen hier gehalten habe —, daß ein wenig angeknüpft werde an die Zeit des europäischen Geisteslebens, da man versucht hat, wenn auch noch nicht mit den heutigen Mitteln der Geisteswissenschaft, dem Geiste nahe zu kommen. Aus diesem Grunde habe ich gerade in dieser jetzigen schweren Zeit die Vorträge der verflossenen Winter gehalten und sie jetzt zusammengefaßt in dem Buch, das nächstens fertig werden wird, «Vom Menschenrätsel», wo das Denken, Schauen und Sinnen einer Anzahl von Geistern des 19. Jahrhunderts zusammengefaßt ist, die eben noch nach dem Geistigen strebten, wenn auch noch nicht mit den Mitteln der heutigen Geisteswissenschaft. Aber ich versuchte, in diesem Buche zu zeigen, wie diese Geister hinstrebten zum Geiste, wenn sie ihn auch noch nicht erreichen konnten. Es wird sich ja zeigen, ob nicht vielleicht gerade dieses Buch «Vom Menschenrätsel», das die Vorträge der letzten Winter zusammenfaßt, trotzdem es so leicht als möglich geschrieben ist, manchem zu schwer sein wird und er es beim Kaufen bewenden lassen wird, was das weniger Wichtige ist. Das Wichtigere ist das Lesen! Es wird sich ja zeigen, ob dieses Buch, das wirklich geschrieben ist, um der Zeit zu dienen, eine Wirkung tut, ob es in die Seelen einzieht. Es ist ein Buch, das von jedem verwendet werden kann, um gewissermaßen denjenigen, die außerhalb unseres Kreises stehen, den Beweis zu liefern, daß Geisteswissenschaft wie eine Forderung der besten Geister der unmittelbaren Vergangenheit dasteht, daß sie nicht etwas ist, das nur aus einer gewissen Willkür heraus entspringt, sondern wirklich eine Forderung der besten Geister ist.
[ 15 ] That is why it is necessary—and to understand this necessity, you need only recall a lecture I gave here a few weeks ago—to draw a little on the era of European spiritual life, when people attempted, albeit not yet with today’s methods of spiritual science, to draw close to the spirit. For this reason, especially in these difficult times, I have given the lectures from past winters and have now compiled them into a book that will soon be completed, The Riddle of Man, which brings together the thinking, insight, and reflection of a number of 19th-century thinkers who were still striving toward the spiritual, even if not yet with the methods of today’s spiritual science. But in this book I have tried to show how these thinkers strove toward the Spirit, even if they could not yet reach it. It remains to be seen whether this very book, The Riddle of Man—which compiles the lectures from the past few winters—will, despite being written as simply as possible, prove too difficult for some, causing them to stop at the point of purchase, which is the less important matter. The more important thing is reading it! Time will tell whether this book, which was truly written to serve our times, will have an impact—whether it will find its way into people’s souls. It is a book that anyone can use, in a sense, to provide those outside our circle with proof that spiritual science stands as a demand of the finest minds of the recent past—that it is not something arising merely from a certain arbitrariness, but is truly a demand of the finest minds.
[ 16 ] Und so möchte ich die Anregung machen, daß einzelnes von dem gelesen wird, was so wunderschön geistig im Laufe des 19. Jahrhunderts von Geistern des Abendlandes zutage gefördert worden ist, Großes, Bedeutsames. Aber mit all diesen Bestrebungen geht es ja ganz sonderbar. Zu dem Größten — ich habe in anderem Zusammenhang darauf hingewiesen, in diesem Buche war es nicht notwendig, noch einmal darauf zurückzukommen — gehören die philosophischen Schriften Schillers, zum Beispiel die Briefe «Über die ästhetische Erziehung des Menschen». Man kann sagen, wer das mit innerem Anteil gelesen hat, hat außerordentlich viel für das Leben seiner Seele getan. Es haben sich ja verschiedene Leute Mühe gegeben, die Menschen hinzuweisen auf die philosophischen Schriften Schillers. Deinhardt war solch einer, der in Wien lebende Heinrich Deinhardt. Er hat ein schönes, außerordentlich geistvolles Büchelchen geschrieben über Schillers Weltanschauung in den Sechzigerjahren des 19. Jahrhunderts. Ich glaube nicht, daß Sie es irgendwo bekommen, es ist längst eingestampft, höchstens irgendwo ein verlorenes antiquarisches Exemplar, denn gelesen hat das, was Deinhardt über Schiller geschrieben hat, das zu dem Besten gehört, was über Schiller geschrieben worden ist, niemand! Aber der Mann war ein vergessener Lehrer in Wien, der das Malheur gehabt hat, sich einmal ein Bein zu brechen, und, trotzdem es mit Sorgfalt eingerichtet worden ist, konnte er nicht gesund werden, weil er zu schlecht ernährt war. Der Mann hat eines der besten Bücher über Schiller geschrieben, ein Buch, das sicherlich besser ist, als alle die zahlreichen QuatschSchriften, die später über Schiller geschrieben worden sind; aber er mußte verhungern. So geht es eben.
[ 16 ] And so I would like to suggest that we read some of the great and significant works that were so beautifully and intellectually brought to light by the minds of the West over the course of the 19th century. But it is quite strange how all these endeavors turn out. Among the greatest—I have pointed this out in another context; in this book it was not necessary to return to it again—are Schiller’s philosophical writings, for example, the letters “On the Aesthetic Education of Man.” One can say that whoever has read these with inner engagement has done an extraordinary amount for the life of their soul. Various people have, in fact, made an effort to draw people’s attention to Schiller’s philosophical writings. Deinhardt was one such person—Heinrich Deinhardt, who lived in Vienna. He wrote a beautiful, extraordinarily insightful little book about Schiller’s worldview in the 1860s. I don’t think you can find it anywhere; it was pulped long ago—at most, there might be a stray, secondhand copy somewhere—because no one has read what Deinhardt wrote about Schiller, which is among the best that has ever been written about Schiller! But the man was a forgotten teacher in Vienna who had the misfortune of breaking his leg once, and, even though he was carefully tended to, he could not recover because he was so poorly nourished. The man wrote one of the best books on Schiller—a book that is certainly better than all the numerous nonsense writings that were later written about Schiller—but he had to starve to death. That’s just how it goes.
[ 17 ] Mit diesem meinem Buch sollte noch einmal versucht werden, Geister wie Fichte, Schelling, Hegel, Troxler, Planck, Preuß, Immanuel Hermann Fichte und einige andere lebendig zu machen in unserer Gegenwart. Das, was sie enthalten, ist eine ganz andere Seelennahrung als dasjenige, was die heutigen Menschen so vielfach suchen, die ganz ehrlich, aber mißleitet suchen. Wie tat einem doch das Herz weh, wenn man immer wieder und wiederum sah, wie ehrlich suchende Menschen griffen zu dem oder jenem, um für ihre Seele Nahrung zu haben, um einen Weg zu haben in die geistige Welt hinein. Hätte man zu solchen Schriften wie Schellings «Clara» oder «Bruno» gegriffen, unendliche Seelennahrung — allerdings mit einiger Anstrengung, aber die tut gut! — hätte man gewinnen können. Immer lebendiger und lebendiger wurde ja ein gewisses naives Seelensuchen der letzten Zeit, aber das Höchste, zu dem man sich verstieg, war in weiteren Kreisen so etwas wie die Seelensauce von Ralph Waldo Trine oder dergleichen, oder jene geistige Seelensauce, die entsteht, indem man irgendeine Ausgestaltung des Buddhismus oder des Brahmanismus oder ähnliches mit einer Sauce verbrämt. Da hat man die sonderbarsten Erfahrungen machen können. Ich kannte einen ganz lieben Menschen — er ist vor kurzem hier in Berlin gestorben —, der, als ich zuerst veröffentlicht hatte die Schriften, die ich der Interpretation Goethes gewidmet habe, für diese Schriften dazumal enthusiasmiert war. Dann ist er älter geworden und hat nun — daraus sehen Sie, daß der Enthusiasmus nur so ein Sprühfeuer war — gerade in der letzten Zeit eine ganze Menge von solchen Seelensauce-Werken, nicht gerade Ralph Waldo Trine, aber andere aus dem Amerikanisch-Englischen ins Deutsche übersetzt. Man brauchte ja lange Zeit hindurch amerikanisch-englische Seelennahrung hier in Europa.
[ 17 ] With this book of mine, I wish to make another attempt to bring figures such as Fichte, Schelling, Hegel, Troxler, Planck, Preuß, Immanuel Hermann Fichte, and a few others to life in our present day. What they contain is a completely different kind of nourishment for the soul than what so many people today are seeking—people who are searching quite honestly, but are misguided. How it pained one’s heart to see, time and again, how people searching in good faith turned to this or that in order to find nourishment for their souls, to find a path into the spiritual world. Had they turned to writings such as Schelling’s Clara or Bruno, they could have gained infinite nourishment for the soul—admittedly with some effort, but that does one good! A certain naïve spiritual quest had indeed become more and more vibrant in recent times, but the highest level people managed to reach in wider circles was something like Ralph Waldo Trine’s “soul sauce” or the like, or that spiritual “soul sauce” that arises when one dresses up some form of Buddhism, Brahmanism, or the like with a sauce. That’s where one could have the strangest experiences. I knew a very dear person—he died recently here in Berlin—who, when I first published the writings I had devoted to the interpretation of Goethe, was enthusiastic about those writings at the time. Then he grew older and—from which you can see that his enthusiasm was just a flash in the pan—has, especially in recent times, translated a whole host of such “spiritual sauce” works from American and British English into German—not exactly Ralph Waldo Trine, but others. After all, for a long time here in Europe, we needed American and British spiritual nourishment.
[ 18 ] Fühlen wir doch nur, was zu tun ist, um eben diesem Gefühle zu entsprechen. In diesen Schriften und dann auch in der kleinen Schrift, die jetzt schon hier ist, «Die Aufgabe der Geisteswissenschaft», versuchte ich zu zeigen, was gegeben werden kann auch denjenigen, die außerhalb unseres Kreises stehen. Natürlich kann gerade diese Schrift «Die Aufgabe der Geisteswissenschaft» Menschen gegeben werden, die außerhalb unseres Kreises stehen, und es wird sich ja zeigen, ob Verständnis da ist für dasjenige, was gerade demjenigen als Aufgabe obliegt, der etwas begreift von der Notwendigkeit des Einfließens geisteswissenschaftlicher Wahrheiten in unserer gegenwärtigen Zeit. Ich habe ja wahrhaftig im Laufe der Zeit nicht bloß diesen oder jenen abfälligen Satz gesagt, den ich gerade in dieser schweren Zeit zu Ihnen gesprochen habe, sondern ich habe die Dinge begründet, im einzelnen erzählt, das oder jenes belegt. Ich habe Ihnen nicht bloß gesagt, daß die Philosophen Homunkeln sind, sondern ich habe Ihnen einen besonders charakteristischen Ausspruch erst das letzte Mal wieder angeführt und manches andere noch, um Ihnen eine Vorstellung zu geben, wie die Dinge liegen, und wie in diesem ersten Drittel unserer fünften nachatlantischen Zeit alles nach dem Homunkulismus hin tendiert, nach der Geistesleerheit hin sich zu entwickeln sucht. Durchschauen müssen wird man immer mehr und mehr dasjenige, was Sie gerade in dem neuen Buch auseinandergesetzt finden werden: den Unterschied zwischen einem bloß richtigen, logisch richtigen Begriff und einem wirklichkeitsgemäßen Begriff. Ein logisch richtiger Begriff braucht noch nicht wirklichkeitsgemäß zu sein. Und das versuchte ich besonders herauszuarbeiten, was ein wirklichkeitsgemäßes Denken ist. Darauf beruht so unendlich viel Jammervolles in unserem Geistesleben, daß die Leute glauben, wenn sie irgend etwas logisch denken können, so sei das auch schon wirklichkeitsgemäß. Aber wirklichkeitsgemäßes Denken ist etwas anderes, als bloß richtiges Denken. Wenn Sie hier einen Baumstamm liegen sehen: Er ist eine äußere Wirklichkeit. Wenn Sie ihn denken, diesen Baumstamm, ist er keine Wirklichkeit, denn er kann nicht als solcher existieren. Er muß die Triebe in sich haben, die sich in Zweigen und Blättern und Blüten entwickeln. Er ist eine wirkliche Lüge, ein «wirkliches Unwirkliches» ist er, der Baumstamm, weil das Bild, das er Ihnen bietet, nicht da sein kann. Wirklichkeitsgemäß denkt nur derjenige, der fühlt, indem er einen Baumstamm denkt, daß er etwas Unwirkliches denkt. Und so bestehen die meisten der heutigen Wissenschaften aus Gedanken über Unwirklichkeiten. Die Geologie denkt heute die Erde rein mineralisch. Aber dieses Mineralische der Erde gibt es gar nicht, es existiert nicht für sich, geradesowenig, wie ein Baumstamm für sich existiert; denn das Mineralreich der Erde enthält schon die Pflanzen, Tiere und Menschen in sich, und nur, wenn man das letztere mit dem Mineral zusammengefügt denkt, denkt man eine Wirklichkeit. Die Geologie ist eine ganz unwirkliche Wissenschaft.
[ 18 ] Let us simply feel what needs to be done in order to live up to this very feeling. In these writings, and also in the short text that is already here, “The Task of Spiritual Science,” I attempted to show what can be offered even to those who stand outside our circle. Of course, this very text, “The Task of Spiritual Science,” can be given to people outside our circle, and it remains to be seen whether there is an understanding of the task that falls specifically to those who grasp the necessity of incorporating spiritual scientific truths into our present time. Indeed, over the course of time, I have not merely uttered this or that disparaging remark—which I have addressed to you especially during these difficult times—but I have substantiated the points, explained them in detail, and provided evidence for this or that. I have not merely told you that philosophers are homunculi; rather, just last time I cited a particularly characteristic statement—and many others besides—to give you an idea of how things stand, and how, in this first third of our fifth post-Atlantean epoch, everything tends toward homunculism and seeks to develop in the direction of spiritual emptiness. We must increasingly see through what you will find discussed in the new book: the difference between a merely correct, logically correct concept and a concept that corresponds to reality. A logically correct concept need not necessarily correspond to reality. And I tried in particular to bring out what thinking in accordance with reality is. So much of the misery in our spiritual life stems from the fact that people believe that if they can think something logically, then it is already in accordance with reality. But thinking in accordance with reality is something other than merely correct thinking. If you see a tree trunk lying here: it is an external reality. When you think of it—this tree trunk—it is not a reality, for it cannot exist as such. It must contain within itself the shoots that develop into branches, leaves, and blossoms. It is a real lie; it is a “real unreality,” this tree trunk, because the image it presents to you cannot be there. Only the person who feels—by thinking of a tree trunk—that he is thinking of something unreal thinks in accordance with reality. And so most of today’s sciences consist of thoughts about unrealities. Geology today conceives of the Earth as purely mineral. But this “mineral nature” of the Earth does not exist at all; it does not exist in and of itself, any more than a tree trunk exists in and of itself; for the mineral kingdom of the Earth already contains plants, animals, and humans within itself, and only when one conceives of the latter in conjunction with the mineral does one conceive of reality. Geology is a completely unreal science.
[ 19 ] Das ist die eine Eigentümlichkeit dieses Buches, daß ich den Begriff der Wirklichkeit herauszuarbeiten versuchte. Die andere Eigentümlichkeit ist, daß ich wenigstens die Anfangsgesichtspunkte geben wollte von einem imaginativen Denken, zu dem sich die Menschen werden entwickeln müssen. Sie werden allerlei Vergleiche finden in dem Buche, das da erscheinen wird, indem nicht in abstrakt logischen Begriffsentwickelungen vorgegangen wird, sondern gesagt wird: Wenn einer zum Beispiel das atomistisch-naturwissenschaftliche Weltbild denkt, so ist es so, wie wenn er verlangen würde, daß das, was die Naturwissenschaft denkt, wirklich sei, wie wenn er glauben würde, wenn er einen Menschen malt, daß dann der gemalte Mensch herumgehen könne. — In solchen bildlichen Darstellungen ist versucht worden vorzugehen gerade in diesem Buche. Und man wird sehen, ob dieser eigentümliche Stil bemerkt wird. Es ist ein Anfang gemacht mit einer besonderen Art der Darstellung, die man sonst in der Gegenwart nicht so leicht findet.
[ 19 ] One distinctive feature of this book is that I attempted to elaborate on the concept of reality. The other distinctive feature is that I wanted to provide, at least, the initial perspectives of an imaginative way of thinking toward which people will have to evolve. You will find all sorts of comparisons in the book that is about to be published, in that it does not proceed through abstract logical conceptualizations, but rather states: If, for example, someone conceives of the atomistic, natural-scientific worldview, it is as if they were demanding that what natural science conceives of be real—as if, when painting a person, they believed that the painted person could then walk around. — It is precisely this book that has sought to proceed using such figurative representations. And we shall see whether this distinctive style is noticed. A start has been made with a particular mode of presentation that is not easily found elsewhere at the present time.
[ 20 ] Aber man muß sich ganz klar darüber sein, wie weit entfernt im Grunde genommen die Gegenwart ist von einem unbefangenen Hinnehmen dieser Dinge. Die Gegenwart — ich habe es oft gesagt — ist ja so autoritätsgläubig wie nur irgend etwas. Sie sieht sich dann nicht an, was, sagen wir, hinter den Autoritäten steht. Die Autoritäten werden heute bemessen nach den Titeln und Ämtern, die sie haben, aber was dahinter steht, darauf kommt es ja an. Ich möchte Ihnen doch ein nettes Beispiel, das vor kurzem erzählt worden ist, geben, wie weit vorgeschritten in unserer Zeit der Homunkulismus schon ist, wie weit vorgeschritten das Denken in der reinen Äußerlichkeit ist. Da führt ein Mann ganz nett und gutmeinend — er ist gegen den Homunkulismus, wenn er auch nicht weiß, was er an die Stelle des Homunkulismus setzen soll — einen interessanten Beleg an für dasjenige, was die Homunkulusse unserer Zeit für das eigentlich Große, Bedeutende halten. Es gibt ja heute schon viele, die als ihren Gott die Technik verehren; ich habe Ihnen besondere Beispiele vor einigen Wochen hier angeführt. Als Beleg aber, wie mächtig die Überzeugung von der Gottheit der Technik schon war, möge folgende Ungeheuerlichkeit angeführt werden, der ungeheuerliche Ausspruch eines ernsten Mannes gesetzten Alters, eines Arztes und Familienvaters, der — das wird uns alles gesagt — in nichts hervorragt oder vertieft ist, welcher also alle Bedingungen hat, um ein Urteil von der soliden Marke des gesunden Menschenverstandes abzugeben. Als die Welt der Zeitungen vor dem Kriege durch den kühnen Flug des französischen Aviatikers Pégoud in tiefes Staunen versetzt wurde, sagte jener Mann, der also ein Urteil ganz im Stile der Zeit gab, denn er ist «Arzt, Familienvater und in nichts hervorragend», hat daher alle Bedingungen zu einem soliden und gesunden Menschenverstand, über den Kulturwert der Flugmaschine ganz ernst und mit festem Pathos: «Eine Schraube vom Flugapparat von Pégoud ist wichtiger als alle Philosophie von Kant und Schiller, und wenn ihr wollt, als alle Philosophien aller Zeiten.» Glauben Sie nicht, daß dies ein so seltener Ausspruch ist! Das ist schon dasjenige, was heute viele beherrscht als Gesinnung, und was sich immer mehr und mehr als Gesinnung herausarbeitet.
[ 20 ] But we must be absolutely clear about just how far removed the present, in essence, is from an unbiased acceptance of these things. The present—as I have often said—is as prone to blindly trusting authority as anything else. It fails to look at what, let’s say, lies behind those authorities. Today, authorities are judged by the titles and offices they hold, but what lies behind them—that is what really matters. I’d like to give you a nice example, one that was recounted recently, of just how far homunculism has already advanced in our time, and how far thinking has progressed into pure superficiality. A man—quite nice and well-meaning, by the way; he is against homunculism, even if he doesn’t know what to put in its place—cites an interesting example of what the homunculi of our time consider to be truly great and significant. There are already many today who worship technology as their god; I cited specific examples here a few weeks ago. But as evidence of just how powerful the conviction in the divinity of technology already was, let the following monstrosity be cited: the monstrous statement of a serious man of mature age, a physician and family man, who—as we are told—excels or specializes in nothing, and who therefore possesses all the qualifications to render a judgment grounded in sound common sense. When the world of newspapers was thrown into deep amazement before the war by the daring flight of the French aviator Pégoud, that man—who thus offered a judgment entirely in the spirit of the times, for he is a “doctor, a family man, and outstanding in nothing,” and therefore possesses all the qualifications for sound, common-sense judgment—spoke very seriously and with firm pathos about the cultural value of the flying machine: “A single screw from Pégoud’s flying machine is more important than all the philosophy of Kant and Schiller, and, if you will, than all the philosophies of all time.” Do not think that this is such a rare statement! This is precisely the mindset that dominates many people today, and one that is increasingly taking shape as a prevailing attitude.
[ 21 ] Man machte ja schon längst so seine Beobachtungen auf diesem Gebiete. Es ist jetzt schon mehr als zwanzig Jahre her, ich hatte eine Reihe von öffentlichen Vorträgen gehalten, da lud mich auch eine Dame ein, ich solle in ihrem Salon Vorträge halten über Goethe. Das habe ich auch dazumal getan, denn sie hat aus ihrem Kreise ein ganz großes Publikum zusammengebracht. Da sprach ich über Goethes «Faust» und einige andere Goethesche Dramen. Bei den Frauen ging es noch, aber die Männer haben meistens gesagt: Das ist ja nicht Dramatik, das ist eine Wissenschaft, der «Faust»! — Sie meinten nämlich, im Theater solle man Blumenthal sehen und nicht Goethes «Faust». — Ja, es ist schon so, daß man in der Gegenwart den Dingen zusteuert, die schließlich gipfeln in einem solchen Urteile, wie das Ihnen eben vorgelesene. Sehen Sie, jetzt geht ja manches schnell. So sind auch diese Memoiren — nicht Selbstgeschriebenes, sondern so Nachgeschriebenes von einem anderen, man kann es nicht gut Memoiren nennen — von einem jüngst verstorbenen, weitberühmten, naturforscherischen Gelehrten erschienen. Es ist doch interessant, einen der Aussprüche dieses weltberühmten Mannes — ich mag gar nicht seinen Namen nennen, Sie würden staunen, was für ein weltberühmter Mann das ist — sich vor die Seele zu führen. Der Mann war also, wie gesagt, einer der berühmtesten Menschen der Gegenwart, groß in seinem Fach, und diese Größe soll ihm selbstverständlich in keiner Weise bestritten werden. Aber einer seiner Aussprüche ist: «Philosophie geht mich nichts an. Es ist mir ganz gleich, ob sich die Sonne um die Erde, oder die Erde um die Sonne bewegt. Das würde mich nur interessieren, wenn ich mich mit Astronomie beschäftigte.» — Es ist ein Mann, der der Welt ein medizinisches Präparat übergeben hat, von dem alle Welt redet, der sich mit nichts befaßt hat, als mit diesem engsten Kreise, und der ruhig gesteht, es interessiere ihn nicht weiter, ob die Erde sich um die Sonne, oder die Sonne sich um die Erde bewege; damit würde er sich nur beschäftigen, wenn er Astronom wäre. Es ist derselbe Mann — es ist mir wahrhaftig nicht darum zu tun, irgend jemanden anzuschwärzen oder über irgend jemanden zu schimpfen, denn es ist ein zweifellos mit Berechtigung berühmter Mann auf seinem Gebiete —, der sich abends Klavier vorspielen ließ, aber die Musik so auffaßte, daß man durch sie «abgezogen» wird und sich daher besser im Denken konzentrieren kann, so daß man eigentlich nichts von ihr hört. So ließ er sich jeden Abend Musik von seiner Frau vorspielen auf dem Klavier. Er verstand gar nichts davon, es war ihm nur angenehm, daß er so abgezogen wurde. Nur sonnabends ließ er sich nicht vorspielen, denn da wartete er auf Wichtigeres. Da kam nämlich immer dasjenige, auf das er besonders brennend wartete: ein Detektivroman, ein ganz schauerlicher, in einem furchtbaren Einband. Und den las er mit ganz besonderem Behagen. Das war ihm noch lieber als das Klavierspiel, darum ließ er sich sonnabends nichts vorspielen. Ein Detektivroman, nicht wahr, wie sie so durch Kolporteure kommen — sie kommen gewöhnlich auf der anderen Seite der Treppe, nicht durchs Vorderhaus! Wie gesagt, es ist das nicht vorgebracht, um über jemanden zu schimpfen, sondern um zu zeigen, wie diese unsere Zeit beschaffen ist. Und wir müssen doch bedenken: Diese Autoritäten stehen hinter den Laboratoriumstischen, hinter den Seziertischen, von diesem Geiste beseelt ist schließlich dasjenige, was ja selbstverständlich äußerlich verdienstvoll sein kann, was aber dazu führen muß, daß allmählich unsere ganze Kultur, nicht nur unsere geistige, sondern unsere ganze Kultur, in Technizismus, das heißt in Homunkulismus übergeht. Diese Gefahr muß man erkennen, und man muß aus dieser Erkenntnis heraus versuchen, die Wege zu finden, durch die der Geist an die Menschen herankommen kann. Wirklich nicht aus subjektiver Voreingenommenheit für die Geisteswissenschaft, sondern aus der Erkenntnis ihrer notwendigen Bedeutung für die Gegenwart sind die Dinge gesagt, die im Laufe dieses Winters gerade hier gesagt worden sind, von denen ich glaube, daß es gut ist, wenn sie in einige Seelen eindringen.
[ 21 ] People had, of course, been making observations in this field for quite some time. It has now been more than twenty years since I gave a series of public lectures; at that time, a lady invited me to give lectures on Goethe in her salon. I did so at the time, for she had gathered a very large audience from her circle. There I spoke about Goethe’s Faust and several other of Goethe’s plays. The women were receptive enough, but the men mostly said: “That’s not drama—Faust is a science!” — They meant, in fact, that in the theater one should see Blumenthal and not Goethe’s Faust. — Yes, it’s true that in the present day we’re heading toward things that ultimately culminate in a judgment such as the one just read to you. You see, things are moving quickly these days. For example, these memoirs—not written by the author himself, but transcribed by someone else, so one can’t really call them memoirs—have been published by a recently deceased, world-renowned scholar of natural history. It is certainly interesting to reflect on one of the sayings of this world-famous man—I don’t even want to mention his name; you’d be amazed at just how world-famous he is. So this man was, as I said, one of the most famous people of our time, a giant in his field, and of course his greatness is in no way to be disputed. But one of his sayings is: “Philosophy is none of my business. It makes no difference to me whether the sun revolves around the earth or the earth around the sun. That would only interest me if I were involved in astronomy.” — Here is a man who has given the world a medical preparation that everyone is talking about, who has concerned himself with nothing but this narrowest of fields, and who calmly admits that it does not interest him in the least whether the Earth revolves around the Sun or the Sun revolves around the Earth; he would only concern himself with that if he were an astronomer. It is the same man—and I truly have no intention of slandering or disparaging anyone, for he is undoubtedly a man of well-deserved fame in his field—who had someone play the piano for him in the evenings, but viewed the music in such a way that it “carries you away” and thus allows one to concentrate better on one’s thoughts, so that one actually hears nothing of it. So every evening he had his wife play music for him on the piano. He didn’t understand a thing about it; he simply enjoyed being carried away in this way. Only on Saturdays did he not have her play for him, for on those days he was waiting for something more important. That was when the very thing he was eagerly awaiting always arrived: a detective novel, a truly spine-chilling one, in a dreadful cover. And he read it with particular delight. He liked that even better than the piano playing, which is why he didn’t have her play for him on Saturdays. A detective novel, you know, the kind that comes through door-to-door salesmen—they usually come up the other side of the staircase, not through the front entrance! As I said, this isn’t mentioned to criticize anyone, but to show what our times are like. And we must bear in mind: these authorities stand behind laboratory tables, behind dissection tables; ultimately, it is this spirit that animates what may, of course, be outwardly commendable, but which must lead to the gradual transformation of our entire culture—not just our intellectual culture, but our entire culture—into technicism, that is, into homunculism. We must recognize this danger, and based on this recognition, we must try to find the paths through which the spirit can reach people. The things that have been said here over the course of this winter—and which I believe would do well to penetrate some souls—have been said not out of subjective bias in favor of spiritual science, but out of an awareness of its necessary significance for the present.
[ 22 ] Der nächste Dienstag könnte uns wohl noch hier zusammenführen, denn das Buch wird wohl noch acht Tage in Anspruch nehmen.
[ 22 ] We'll probably still be here together next Tuesday, since the book will likely take another eight days to finish.
