World Being and I-ness
GA 169
27 June 1916, Berlin
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Weltwesen und Ichheit
4. Die Wechselwirkungen zwischen den Gliedern des menschlichen Organismus
4. Die Wechselwirkungen zwischen den Gliedern des menschlichen Organismus
[ 1 ] Ich werde heute zunächst einiges zu sagen haben, das in verschiedener Weise eine Ergänzung sein kann zu manchem, das wir im Laufe der Zeit aus dem Gebiete unserer Geisteswissenschaft besprochen haben. Wenn wir uns erinnern an das Elementarste, was wir wissen — wir können uns daran immer wieder und wiederum erinnern —, so denken wir uns den Menschen zusammengesetzt aus den vier Hauptgliedern, die wir zunächst als die Glieder des gegenwärtigen Menschen, so wie er sich durch Saturn-, Sonnen-, Mond- und Erdenentwickelung ergeben hat, betrachten: Physischer Leib, ätherischer Leib, astralischer Leib und Ich. Nun haben wir oftmals betont, daß mit der Aufzählung dieser vier Glieder der menschlichen Natur, mit der Namengebung, zunächst recht wenig getan ist und recht wenig gesagt ist; denn darauf kommt es an, daß wir immer bestimmtere und bestimmtere, konkretere und konkretere Begriffe und Ideen verbinden mit dem, was in unserer Seele auftaucht, wenn wir von diesen vier Gliedern der menschlichen Natur sprechen. Wir sprechen zunächst vom physischen Leib. Da haben wir das Gefühl, diesen physischen Leib, den müssen wir doch kennen, oder mindestens müsse diesen physischen Leib die äußere Wissenschaft kennen, denn sie beschäftigt sich ja so viel mit ihm. Nun wissen wir, daß dieser physische Menschenleib ein recht, recht kompliziertes Gebilde sein muß aus dem Grunde, weil er ja schon seine erste Veranlagung gefunden hat in so früher Zeit, als der alte Saturn seine Entwickelung entfaltet hat. Dann ist er verändert worden während der Sonnenzeit, ist weiter verändert worden während der Mondenzeit und ist ja jetzt auch schon eine lange, lange Zeit durch die Erdenentwickelung gegangen, die ihm wiederum ihr Gepräge aufgedrückt hat, so daß wir doch voraussetzen müssen: Dieser physische Menschenleib hat in vier langen, langen Zeitperioden sein Gepräge erhalten. Eine Viergliedrigkeit müssen wir vermuten in diesem physischen Menschenleib. Und wenn wir uns fragen: Was ist während der Erdenentwickelung in diesen physischen Menschenleib hineingekommen? — so werden wir in der Regel nach den Anschauungen, die man aus dem gewöhnlichen Leben und aus der gewöhnlichen Wissenschaft heraus entwickeln kann, eine falsche Vorstellung bekommen. Denn nur umgebildet, verwandelt, metamorphosiert worden ist unser physischer Leib während der Erdenentwickelung. Vieles von ihm war bereits nicht nur in der Anlage, sondern auch in der Entwickelung, in der Ausbildung während der alten Mondenentwickelung vorhanden. Was während der Erdenentwickelung hinzugekommen ist, davon sieht man eigentlich, wenn man «sehen» im wahren Sinne des Wortes nimmt, nicht viel. Eigentlich hat sich während der Erdenentwickelung nur die Lage geändert: Wir sind aufrechte, senkrecht auf der Oberfläche der Erde wandelnde Wesen geworden. Die Lage, die Richtung hat sich geändert und alles, was damit zusammenhängt. Diese senkrecht auf der Oberfläche der Erde stehende Physiognomie ist während der Erdenentwickelung dem Menschen aufgedrückt worden. Wenn Sie sich erinnern an ein sehr bekanntes mythologisches Bild, das Bild des Kentauren, so können wir geisteswissenschaftlich sagen: Dieses Bild des Kentauren, Mensch und Pferd, oder überhaupt Mensch und irgendeine Tierform, das soll eigentlich imaginativ darstellen den menschlichen physischen Leib, wie er sich herausstellen würde, wenn man hinzudenkt zu seiner jetzigen aufrechten Lage das, was der Mensch war während der Mondenentwickelung, wo er nicht diese aufrechte Lage hatte. In solchen Bildern, in solchen Imaginationen, die die Mythologie erhalten hat, liegen eben unendlich tiefe Weisheiten verborgen.
[ 1 ] Ich werde heute zunächst einiges zu sagen haben, das in verschiedener Weise eine Ergänzung sein kann zu manchem, das wir im Laufe der Zeit aus dem Gebiete unserer Geisteswissenschaft besprochen haben. Wenn wir uns erinnern an das Elementarste, was wir wissen — wir können uns daran immer wieder und wiederum erinnern —, so denken wir uns den Menschen zusammengesetzt aus den vier Hauptgliedern, die wir zunächst als die Glieder des gegenwärtigen Menschen, so wie er sich durch Saturn-, Sonnen-, Mond- und Erdenentwickelung ergeben hat, betrachten: Physischer Leib, ätherischer Leib, astralischer Leib und Ich. Nun haben wir oftmals betont, daß mit der Aufzählung dieser vier Glieder der menschlichen Natur, mit der Namengebung, zunächst recht wenig getan ist und recht wenig gesagt ist; denn darauf kommt es an, daß wir immer bestimmtere und bestimmtere, konkretere und konkretere Begriffe und Ideen verbinden mit dem, was in unserer Seele auftaucht, wenn wir von diesen vier Gliedern der menschlichen Natur sprechen. Wir sprechen zunächst vom physischen Leib. Da haben wir das Gefühl, diesen physischen Leib, den müssen wir doch kennen, oder mindestens müsse diesen physischen Leib die äußere Wissenschaft kennen, denn sie beschäftigt sich ja so viel mit ihm. Nun wissen wir, daß dieser physische Menschenleib ein recht, recht kompliziertes Gebilde sein muß aus dem Grunde, weil er ja schon seine erste Veranlagung gefunden hat in so früher Zeit, als der alte Saturn seine Entwickelung entfaltet hat. Dann ist er verändert worden während der Sonnenzeit, ist weiter verändert worden während der Mondenzeit und ist ja jetzt auch schon eine lange, lange Zeit durch die Erdenentwickelung gegangen, die ihm wiederum ihr Gepräge aufgedrückt hat, so daß wir doch voraussetzen müssen: Dieser physische Menschenleib hat in vier langen, langen Zeitperioden sein Gepräge erhalten. Eine Viergliedrigkeit müssen wir vermuten in diesem physischen Menschenleib. Und wenn wir uns fragen: Was ist während der Erdenentwickelung in diesen physischen Menschenleib hineingekommen? — so werden wir in der Regel nach den Anschauungen, die man aus dem gewöhnlichen Leben und aus der gewöhnlichen Wissenschaft heraus entwickeln kann, eine falsche Vorstellung bekommen. Denn nur umgebildet, verwandelt, metamorphosiert worden ist unser physischer Leib während der Erdenentwickelung. Vieles von ihm war bereits nicht nur in der Anlage, sondern auch in der Entwickelung, in der Ausbildung während der alten Mondenentwickelung vorhanden. Was während der Erdenentwickelung hinzugekommen ist, davon sieht man eigentlich, wenn man «sehen» im wahren Sinne des Wortes nimmt, nicht viel. Eigentlich hat sich während der Erdenentwickelung nur die Lage geändert: Wir sind aufrechte, senkrecht auf der Oberfläche der Erde wandelnde Wesen geworden. Die Lage, die Richtung hat sich geändert und alles, was damit zusammenhängt. Diese senkrecht auf der Oberfläche der Erde stehende Physiognomie ist während der Erdenentwickelung dem Menschen aufgedrückt worden. Wenn Sie sich erinnern an ein sehr bekanntes mythologisches Bild, das Bild des Kentauren, so können wir geisteswissenschaftlich sagen: Dieses Bild des Kentauren, Mensch und Pferd, oder überhaupt Mensch und irgendeine Tierform, das soll eigentlich imaginativ darstellen den menschlichen physischen Leib, wie er sich herausstellen würde, wenn man hinzudenkt zu seiner jetzigen aufrechten Lage das, was der Mensch war während der Mondenentwickelung, wo er nicht diese aufrechte Lage hatte. In solchen Bildern, in solchen Imaginationen, die die Mythologie erhalten hat, liegen eben unendlich tiefe Weisheiten verborgen.
[ 2 ] Ich wollte zunächst dies nur als ein Beispiel anführen für das Vorhandensein von tiefen Weisheiten in solchen Bildern. Kurz, es sei nur noch einmal gesagt: Wollen wir den menschlichen physischen Leib schon richtig würdigen, dann müssen wir ihn viel, viel komplizierter betrachten, als irgendeine äußere Wissenschaft das heute bequem findet. Wir müssen uns klar sein, daß eigentlich nur die Lage der einzelnen Organe, die Lage des ganzen Menschen während der ja so langen Erdenentwickelung dem Menschen aufgeprägt worden ist, und daß der Mensch im Grunde genommen eine weit, weit zurückgehende Entwickelung schon vor dem Erdenbeginne in sich aufgenommen hat.
[ 2 ] Ich wollte zunächst dies nur als ein Beispiel anführen für das Vorhandensein von tiefen Weisheiten in solchen Bildern. Kurz, es sei nur noch einmal gesagt: Wollen wir den menschlichen physischen Leib schon richtig würdigen, dann müssen wir ihn viel, viel komplizierter betrachten, als irgendeine äußere Wissenschaft das heute bequem findet. Wir müssen uns klar sein, daß eigentlich nur die Lage der einzelnen Organe, die Lage des ganzen Menschen während der ja so langen Erdenentwickelung dem Menschen aufgeprägt worden ist, und daß der Mensch im Grunde genommen eine weit, weit zurückgehende Entwickelung schon vor dem Erdenbeginne in sich aufgenommen hat.
[ 3 ] Ein Ähnliches müssen wir uns natürlich vorstellen für die höheren Glieder der menschlichen Natur, für die geistigen: für den ätherischen Leib, für den astralischen Leib und für das Ich. Aber nun müssen wir auch die gegenseitigen Beziehungen, die gegenseitigen Verhältnisse, die Relationen der einzelnen Glieder der Menschennatur ins Auge fassen. Der physische Leib erscheint uns zunächst aus den physischen Materien heraus aufgebaut, und wir sehen ihn ja fortwährend, solange wir im Wachstum sind, selber größer werden, Materie ansetzen, oder Materie zwischen seine Glieder, zwischen seine kleinsten Teile schieben. Später, wenn wir Fett ansetzen, insofern wir das tun, sehen wir weiter, wie sich Materie im physischen Leibe ansetzt. Für den ätherischen Leib, wenn wir ihn in derselben Weise betrachten wie den physischen Leib, sehen wir etwas Ähnliches. Nur setzt sich da nicht Materie an, sondern Bewegungen. Die Bewegungen werden im Laufe des Lebens komplizierter. Beim neugeborenen Kinde haben wir im ätherischen Leibe verhältnismäßig einfache, primitive Bewegungen. Allmählich werden sie komplizierter. Aber es ist eine Vermannigfaltigung, ein Aufbau vorhanden im physischen Leib und im ätherischen Leib.
[ 3 ] Ein Ähnliches müssen wir uns natürlich vorstellen für die höheren Glieder der menschlichen Natur, für die geistigen: für den ätherischen Leib, für den astralischen Leib und für das Ich. Aber nun müssen wir auch die gegenseitigen Beziehungen, die gegenseitigen Verhältnisse, die Relationen der einzelnen Glieder der Menschennatur ins Auge fassen. Der physische Leib erscheint uns zunächst aus den physischen Materien heraus aufgebaut, und wir sehen ihn ja fortwährend, solange wir im Wachstum sind, selber größer werden, Materie ansetzen, oder Materie zwischen seine Glieder, zwischen seine kleinsten Teile schieben. Später, wenn wir Fett ansetzen, insofern wir das tun, sehen wir weiter, wie sich Materie im physischen Leibe ansetzt. Für den ätherischen Leib, wenn wir ihn in derselben Weise betrachten wie den physischen Leib, sehen wir etwas Ähnliches. Nur setzt sich da nicht Materie an, sondern Bewegungen. Die Bewegungen werden im Laufe des Lebens komplizierter. Beim neugeborenen Kinde haben wir im ätherischen Leibe verhältnismäßig einfache, primitive Bewegungen. Allmählich werden sie komplizierter. Aber es ist eine Vermannigfaltigung, ein Aufbau vorhanden im physischen Leib und im ätherischen Leib.
[ 4 ] Anders sind die Dinge für den astralischen Leib und für das Ich. Wir sind ja als Menschen, die wir so herumwandeln in der physischen Welt, nur in unserem Ich zunächst tätig, denn nur das hat sein volles Bewußtsein. Wenn Sie das Auge auf irgendeine farbige Fläche richten, ist das Ich tätig, wenn Sie denken, ist das Ich tätig, wenn Sie fühlen, ist das Ich tätig. Bei allen diesen Tätigkeiten, die Sie verrichten, auch wenn Sie gehen, wenn Sie die Hände bewegen, ist das Ich tätig. Alles, was Sie tun können im wachenden Zustand auf dem physischen Plan, ist Ich-Tätigkeit. Das Ich ist da in Wirksamkeit. Wie äußert sich nun im Verhältnis zu den anderen Gliedern der menschlichen Natur diese Ich-Tätigkeit? Das, was wir so vom Aufwachen bis zum Einschlafen, also bei wachendem Bewußtsein vollbringen, wie äußert sich das? Es äußert sich dies nicht in einem Aufbauen, sondern in einem Abbauen, in einem Verbrauch von Stoffen des physischen und von Bewegungen, Kräften des ätherischen Leibes. Wenn Sie das Auge richten auf eine rote Fläche, auf eine farbige Fläche überhaupt: Dadurch, daß die farbige Fläche auf Sie einen Eindruck macht, bauen Sie ab. Es entsteht, wenn auch in sehr feinem Sinne, aber dennoch, es entsteht in Ihrem physischen Leib eine Art Ertötung des lebendigen Stoffes, der lebendigen Materie. Denken Sie sich einmal — um ein etwas grobes Beispiel zu gebrauchen —, Sie hätten einen Kristall, aber einen solchen, der noch veränderbar wäre, der Veränderungen durchmachen könnte. Und irgendeine Wirkung, sagen wir eine Lichtwirkung, würde ausgeübt: die Materie des Kristalls trübte sich, veränderte sich. So wird in der Tat jedesmal, wenn Lichtwirkung auf Ihr Auge ausgeübt wird, etwas in Ihrem physischen Leib trübe, es wird Materie zerstört in Ihrer Konstitution. Während wir wachen, vom Aufwachen bis zum Einschlafen, zerstören wir immer, wenn auch nur in ganz feiner Weise, unsere physische Materie durch unsere Ich-Tätigkeit. Deshalb müssen wir durch den Schlaf dies wieder ausgleichen. Da stellt die physische Materie sich wiederum so her, wie wir sie brauchen. Es ist immer Aufbau und Abbau. Schlafende Tätigkeit bedeutet Aufbau der physischen Materie, namentlich ihrer Konstitution; wachende Tätigkeit, Ich-Tätigkeit bedeutet Abbau. Und so haben Sie einen Zyklus: Aufbau — Abbau, Aufbau — Abbau. Wir können sagen, daß wir eigentlich fortwährend von unserer Ich-Tätigkeit aufgezehrt, verzehrt werden, und uns im Schlafe wiederherstellen müssen.
[ 4 ] Anders sind die Dinge für den astralischen Leib und für das Ich. Wir sind ja als Menschen, die wir so herumwandeln in der physischen Welt, nur in unserem Ich zunächst tätig, denn nur das hat sein volles Bewußtsein. Wenn Sie das Auge auf irgendeine farbige Fläche richten, ist das Ich tätig, wenn Sie denken, ist das Ich tätig, wenn Sie fühlen, ist das Ich tätig. Bei allen diesen Tätigkeiten, die Sie verrichten, auch wenn Sie gehen, wenn Sie die Hände bewegen, ist das Ich tätig. Alles, was Sie tun können im wachenden Zustand auf dem physischen Plan, ist Ich-Tätigkeit. Das Ich ist da in Wirksamkeit. Wie äußert sich nun im Verhältnis zu den anderen Gliedern der menschlichen Natur diese Ich-Tätigkeit? Das, was wir so vom Aufwachen bis zum Einschlafen, also bei wachendem Bewußtsein vollbringen, wie äußert sich das? Es äußert sich dies nicht in einem Aufbauen, sondern in einem Abbauen, in einem Verbrauch von Stoffen des physischen und von Bewegungen, Kräften des ätherischen Leibes. Wenn Sie das Auge richten auf eine rote Fläche, auf eine farbige Fläche überhaupt: Dadurch, daß die farbige Fläche auf Sie einen Eindruck macht, bauen Sie ab. Es entsteht, wenn auch in sehr feinem Sinne, aber dennoch, es entsteht in Ihrem physischen Leib eine Art Ertötung des lebendigen Stoffes, der lebendigen Materie. Denken Sie sich einmal — um ein etwas grobes Beispiel zu gebrauchen —, Sie hätten einen Kristall, aber einen solchen, der noch veränderbar wäre, der Veränderungen durchmachen könnte. Und irgendeine Wirkung, sagen wir eine Lichtwirkung, würde ausgeübt: die Materie des Kristalls trübte sich, veränderte sich. So wird in der Tat jedesmal, wenn Lichtwirkung auf Ihr Auge ausgeübt wird, etwas in Ihrem physischen Leib trübe, es wird Materie zerstört in Ihrer Konstitution. Während wir wachen, vom Aufwachen bis zum Einschlafen, zerstören wir immer, wenn auch nur in ganz feiner Weise, unsere physische Materie durch unsere Ich-Tätigkeit. Deshalb müssen wir durch den Schlaf dies wieder ausgleichen. Da stellt die physische Materie sich wiederum so her, wie wir sie brauchen. Es ist immer Aufbau und Abbau. Schlafende Tätigkeit bedeutet Aufbau der physischen Materie, namentlich ihrer Konstitution; wachende Tätigkeit, Ich-Tätigkeit bedeutet Abbau. Und so haben Sie einen Zyklus: Aufbau — Abbau, Aufbau — Abbau. Wir können sagen, daß wir eigentlich fortwährend von unserer Ich-Tätigkeit aufgezehrt, verzehrt werden, und uns im Schlafe wiederherstellen müssen.
[ 5 ] Darum ist es, daß wir oftmals beim Aufwachen bemerken, daß etwas aus unserem physischen Organismus so wie nach oben steigt. Das sind die restituierenden Kräfte, die wiederherstellenden Kräfte. Und wenn wir etwas Krankhaftes im Organismus haben, vielleicht sogar etwas feiner-Krankhaftes nur, steigt das mit auf. Wenn der Organismus gesund ist, so stellt er sich in gesunder Weise beim Aufwachen her. Wenn er krank ist, arbeitet er das Kranke auch hinauf. Daher sind manche Menschen, wenn sie aufwachen, auch Kinder, schlecht aufgelegt, sie sind nicht heiter. Das ist, weil die Nachwirkung noch da ist von dem, was aus dem Organismus heraufsteigt. Mit den Erscheinungen des Lebens stimmt nämlich in wunderbarer Weise alles dasjenige überein, was wir aus der Geisteswissenschaft heraus über den Menschen und sein Leben zu sagen haben. Erst etwa einundeinhalb Stunden nach dem Aufwachen können wir sagen, daß wir vollständig frei sind von dem, was da auch an etwas krankhaften Kräften aufsteigen kann. Das ist die Wechselwirkung zwischen dem Ich und dem physischen Leib. Diese Wechselwirkung zwischen dem Ich und dem physischen Leib, dieses Verhältnis, diese Relation, die spielt sich ab in dem Rhythmus von Schlafen und Wachen: Aufbau — Abbau, Aufbau — Abbau.
[ 5 ] Darum ist es, daß wir oftmals beim Aufwachen bemerken, daß etwas aus unserem physischen Organismus so wie nach oben steigt. Das sind die restituierenden Kräfte, die wiederherstellenden Kräfte. Und wenn wir etwas Krankhaftes im Organismus haben, vielleicht sogar etwas feiner-Krankhaftes nur, steigt das mit auf. Wenn der Organismus gesund ist, so stellt er sich in gesunder Weise beim Aufwachen her. Wenn er krank ist, arbeitet er das Kranke auch hinauf. Daher sind manche Menschen, wenn sie aufwachen, auch Kinder, schlecht aufgelegt, sie sind nicht heiter. Das ist, weil die Nachwirkung noch da ist von dem, was aus dem Organismus heraufsteigt. Mit den Erscheinungen des Lebens stimmt nämlich in wunderbarer Weise alles dasjenige überein, was wir aus der Geisteswissenschaft heraus über den Menschen und sein Leben zu sagen haben. Erst etwa einundeinhalb Stunden nach dem Aufwachen können wir sagen, daß wir vollständig frei sind von dem, was da auch an etwas krankhaften Kräften aufsteigen kann. Das ist die Wechselwirkung zwischen dem Ich und dem physischen Leib. Diese Wechselwirkung zwischen dem Ich und dem physischen Leib, dieses Verhältnis, diese Relation, die spielt sich ab in dem Rhythmus von Schlafen und Wachen: Aufbau — Abbau, Aufbau — Abbau.
[ 6 ] Nun haben wir aber auch ein anderes Verhältnis, das sehr wichtig ist, das nur nicht so bemerkt wird von uns im Verlaufe unseres gewöhnlichen Lebens. So wie das Ich und der physische Leib Aufbau und Abbau bringen in ihren Verhältnissen, so ist eine ähnliche Wechselwirkung zwischen dem astralischen Leib und dem ätherischen Leib. Nur daß der Aufbau, insofern er aus dem astralischen Leibe stammt, früher abgeschlossen ist im Leben, und der Abbau früher beginnt. Denn dasjenige, was unser astralischer Leib abbaut in unserem Ätherleib, hängt im wesentlichen zusammen mit unserem Schwächerwerden im Verlauf des Lebens und, wenn wir ganz schwach geworden sind, mit unserem Sterben. Der astralische Leib in bezug auf den Ätherleib hängt im wesentlichen mit dem Tode zusammen. Wir können sterben dadurch, daß unser astralischer Leib nach und nach die Kräfte des ätherischen Leibes aufzehrt, und der ätherische Leib wiederum den physischen Leib aufzehrt. So daß wir gewissermaßen auch zwischen dem ätherischen Leib und dem astralischen Leib im Leben ein Aufbauen und wieder Abbauen, wenn auch nicht in so schneller Aufeinanderfolge, so doch in einem gewissen Rhythmus, zu beobachten haben. Nun beobachten wir: Wenn wir uns zu stark anstrengen in unserer Ich-Tätigkeit, so schadet uns das. Das ist leicht begreiflich aus dem Grunde, weil ja die Ich-Tätigkeit ein Abbauen ist. Bauen wir zu viel ab, so schwächen wir unseren Organismus in einer sehr sichtbaren Weise. Dieses Schwächen des Organismus in der sehr sichtbaren Weise durch die Ich-Tätigkeit ist es ja, was äußerlich sehr leicht auffällt. Aber es kann auch eine Schwächung eintreten des ätherischen Leibes durch den astralischen Leib. Da ja der astralische Leib gewissermaßen der Verzehrer des ätherischen Leibes ist, wie wir gerade gesehen haben, so kann da eine Art Verzehrung über das Maß hinaus eintreten. Die gewöhnlichste Erscheinung dieser Art ist ja dann vorhanden, wenn wir so leben, daß unser astralischer Leib, der Träger der Leidenschaften, der Träger der Affekte, zu stark in Anspruch genommen wird. Sie wissen, das gibt dauernde Schwächungen des Menschen. Diese Schwächungen treten ein eben durch das Verzehren des ätherischen Leibes durch den astralischen Leib.
[ 6 ] Nun haben wir aber auch ein anderes Verhältnis, das sehr wichtig ist, das nur nicht so bemerkt wird von uns im Verlaufe unseres gewöhnlichen Lebens. So wie das Ich und der physische Leib Aufbau und Abbau bringen in ihren Verhältnissen, so ist eine ähnliche Wechselwirkung zwischen dem astralischen Leib und dem ätherischen Leib. Nur daß der Aufbau, insofern er aus dem astralischen Leibe stammt, früher abgeschlossen ist im Leben, und der Abbau früher beginnt. Denn dasjenige, was unser astralischer Leib abbaut in unserem Ätherleib, hängt im wesentlichen zusammen mit unserem Schwächerwerden im Verlauf des Lebens und, wenn wir ganz schwach geworden sind, mit unserem Sterben. Der astralische Leib in bezug auf den Ätherleib hängt im wesentlichen mit dem Tode zusammen. Wir können sterben dadurch, daß unser astralischer Leib nach und nach die Kräfte des ätherischen Leibes aufzehrt, und der ätherische Leib wiederum den physischen Leib aufzehrt. So daß wir gewissermaßen auch zwischen dem ätherischen Leib und dem astralischen Leib im Leben ein Aufbauen und wieder Abbauen, wenn auch nicht in so schneller Aufeinanderfolge, so doch in einem gewissen Rhythmus, zu beobachten haben. Nun beobachten wir: Wenn wir uns zu stark anstrengen in unserer Ich-Tätigkeit, so schadet uns das. Das ist leicht begreiflich aus dem Grunde, weil ja die Ich-Tätigkeit ein Abbauen ist. Bauen wir zu viel ab, so schwächen wir unseren Organismus in einer sehr sichtbaren Weise. Dieses Schwächen des Organismus in der sehr sichtbaren Weise durch die Ich-Tätigkeit ist es ja, was äußerlich sehr leicht auffällt. Aber es kann auch eine Schwächung eintreten des ätherischen Leibes durch den astralischen Leib. Da ja der astralische Leib gewissermaßen der Verzehrer des ätherischen Leibes ist, wie wir gerade gesehen haben, so kann da eine Art Verzehrung über das Maß hinaus eintreten. Die gewöhnlichste Erscheinung dieser Art ist ja dann vorhanden, wenn wir so leben, daß unser astralischer Leib, der Träger der Leidenschaften, der Träger der Affekte, zu stark in Anspruch genommen wird. Sie wissen, das gibt dauernde Schwächungen des Menschen. Diese Schwächungen treten ein eben durch das Verzehren des ätherischen Leibes durch den astralischen Leib.
[ 7 ] Aber hier kann noch etwas anderes stattfinden. Wie wir uns unseren astralischen Leib aufbauen, so nach und nach, von unserer Geburt, oder sagen wir von unserer Empfängnis angefangen im Verlaufe des Lebens, so hängt das mit unserem Karma zusammen. Ob wir geneigt sind, im astralischen Leibe starke Affekte, starke Leidenschaften zu entwickeln, hängt natürlich mit unserem Karma zusammen. Diese Leidenschaften können aber auch in einer gewissen Beziehung menschlich bedeutsam sein. Nehmen wir eine Eigenschaft, welche ja durch das ganze Menschenleben spielt, und doch eine Leidenschaft ist, wenn auch die edelste Leidenschaft, diejenige, die sich in ihrer edelsten Gestalt so ausbilden kann, daß sie frei ist von jeder Selbstsucht, die Leidenschaft der Liebe. Liebe ist eine Leidenschaft, nur kann sie frei werden von allem Egoismus. Es ist die einzige Leidenschaft, die frei werden kann von Egoismus. Aber sie sitzt im astralischen Leibe, der astralische Leib ist ihr Träger.
[ 7 ] Aber hier kann noch etwas anderes stattfinden. Wie wir uns unseren astralischen Leib aufbauen, so nach und nach, von unserer Geburt, oder sagen wir von unserer Empfängnis angefangen im Verlaufe des Lebens, so hängt das mit unserem Karma zusammen. Ob wir geneigt sind, im astralischen Leibe starke Affekte, starke Leidenschaften zu entwickeln, hängt natürlich mit unserem Karma zusammen. Diese Leidenschaften können aber auch in einer gewissen Beziehung menschlich bedeutsam sein. Nehmen wir eine Eigenschaft, welche ja durch das ganze Menschenleben spielt, und doch eine Leidenschaft ist, wenn auch die edelste Leidenschaft, diejenige, die sich in ihrer edelsten Gestalt so ausbilden kann, daß sie frei ist von jeder Selbstsucht, die Leidenschaft der Liebe. Liebe ist eine Leidenschaft, nur kann sie frei werden von allem Egoismus. Es ist die einzige Leidenschaft, die frei werden kann von Egoismus. Aber sie sitzt im astralischen Leibe, der astralische Leib ist ihr Träger.
[ 8 ] Nehmen wir nun einmal an, ein Künstler, der eine wirkliche Empfindung hat für Realitäten — also kein Naturalist, denn der hat kein Empfinden für Realitäten, der sieht nur die abstrakte naturalistische Materie, sogenannte Wirklichkeiten —, sei vor die Aufgabe gestellt, eine menschliche Gestalt zu bilden, die ganz durchhaucht, durchflossen ist von der Leidenschaft der Liebe, von der edlen Leidenschaft der Liebe. Jedesmal, wenn ein Künstler vor die Aufgabe gestellt war, eine Venus, eine Aphrodite zu bilden, dann hatte er eben das zu empfinden, daß die menschliche Gestalt ganz durchzogen sein muß von dieser Leidenschaft der Liebe. Liebe muß etwas Überwiegendes haben, sie muß sich ausgießen. Was kann denn da nur der Fall sein? Man kann ja nicht sagen, daß man eine gewöhnliche weibliche Gestalt als Aphrodite, als Venus bilden kann. Also kann nicht der astralische Leib der Aphrodite, der Venus, so sein, wie jeder weibliche astralische Leib, denn sonst wäre jede Frau, jedes Mädchen eine Aphrodite, eine Venus. Das ist ja nicht der Fall, nicht wahr? Also es handelt sich darum, daß der astralische Leib in einer ganz besonderen Weise ausgebildet sein muß. Der Künstler braucht nicht Geisteswissenschaft zu kennen, braucht das nicht zu wissen, aber fühlen muß er, wenn er eine Venus bildet: da muß der astralische Leib mehr ausgebildet sein, intensiver ausgebildet sein, als bei der eben NichtAphrodite, Nicht-Venus. Aber der astralische Leib, haben wir gesagt, hat etwas Verzehrendes, etwas richtig Aufzehrendes. Das muß ich ausdrücken. Wie wird denn der Künstler, der das nun wirklich empfindet, der wirklich eine Empfindung hat, daß da ein aufzehrender astralischer Leib da ist, eine Venus bilden? Er wird sichtbar werden lassen, daß gewissermaßen der physische Leib etwas an sich hat, wodurch er nach und nach aufgezehrt wird. Hier ist der Geisteswissenschafter in einer anderen Situation, als, sagen wir zum Beispiel, der moderne Arzt.
[ 8 ] Nehmen wir nun einmal an, ein Künstler, der eine wirkliche Empfindung hat für Realitäten — also kein Naturalist, denn der hat kein Empfinden für Realitäten, der sieht nur die abstrakte naturalistische Materie, sogenannte Wirklichkeiten —, sei vor die Aufgabe gestellt, eine menschliche Gestalt zu bilden, die ganz durchhaucht, durchflossen ist von der Leidenschaft der Liebe, von der edlen Leidenschaft der Liebe. Jedesmal, wenn ein Künstler vor die Aufgabe gestellt war, eine Venus, eine Aphrodite zu bilden, dann hatte er eben das zu empfinden, daß die menschliche Gestalt ganz durchzogen sein muß von dieser Leidenschaft der Liebe. Liebe muß etwas Überwiegendes haben, sie muß sich ausgießen. Was kann denn da nur der Fall sein? Man kann ja nicht sagen, daß man eine gewöhnliche weibliche Gestalt als Aphrodite, als Venus bilden kann. Also kann nicht der astralische Leib der Aphrodite, der Venus, so sein, wie jeder weibliche astralische Leib, denn sonst wäre jede Frau, jedes Mädchen eine Aphrodite, eine Venus. Das ist ja nicht der Fall, nicht wahr? Also es handelt sich darum, daß der astralische Leib in einer ganz besonderen Weise ausgebildet sein muß. Der Künstler braucht nicht Geisteswissenschaft zu kennen, braucht das nicht zu wissen, aber fühlen muß er, wenn er eine Venus bildet: da muß der astralische Leib mehr ausgebildet sein, intensiver ausgebildet sein, als bei der eben NichtAphrodite, Nicht-Venus. Aber der astralische Leib, haben wir gesagt, hat etwas Verzehrendes, etwas richtig Aufzehrendes. Das muß ich ausdrücken. Wie wird denn der Künstler, der das nun wirklich empfindet, der wirklich eine Empfindung hat, daß da ein aufzehrender astralischer Leib da ist, eine Venus bilden? Er wird sichtbar werden lassen, daß gewissermaßen der physische Leib etwas an sich hat, wodurch er nach und nach aufgezehrt wird. Hier ist der Geisteswissenschafter in einer anderen Situation, als, sagen wir zum Beispiel, der moderne Arzt.
[ 9 ] Nehmen wir an, ein Künstler bildet eine solche Venus, bei deren Bildung er richtig empfunden hat: Da ist ein stärker aufzehrender astralischer Leib vorhanden als bei einer gewöhnlichen Frau. Wir werden es dem schmalen Hals, der Bildung des Brustkorbes ansehen, wir werden es auch den anderen Gliedern ansehen, daß da etwas Verzehrendes im astralischen Leibe zugrunde liegt, werden es vielleicht der Gestalt ansehen, daß sie nicht besonders alt werden kann, wenn der Künstler die Sache physisch ausdrückt. Da wird der Geisteswissenschafter sagen, wenn einmal ein Künstler so etwas tut: Dieser Künstler hat empfunden, was da eigentlich in der Realität zugrunde liegt. Wir werden von diesem Gesichtspunkte uns sagen: Oftmals empfindet der Künstler, indem er bildet, eine reale geistige Wirklichkeit. — Was wird der Arzt sagen, der nicht Geisteswissenschafter ist, wenn er sieht, daß ein Künstler solch eine Gestalt gebildet hat? «Das ist eine schwindsüchtige Gestalt», wird er sagen, denn in der Tat: Bei jemandem, der die Schwindsucht hat, ist auch der astralische Leib durch das Karma einer früheren Inkarnation ein stärker verbrennender astralischer Leib, als bei jemandem, der nicht die Schwindsucht hat. Botticelli hat eine sehr schöne, bewunderte Venus gebildet, die meisten von Ihnen werden sie kennen. Auf diesem Bilde der Venus, die auf der Muschel steht, sehen wir einen richtigen physischen Leib, der so gebildet ist von Botticelli, daß wir uns denken müssen: ein verzehrender astralischer Leib liegt zugrunde. Daher ist auch ein Streit entstanden unter den Kunstgelehrten. Die einen bewundern die von den sogenannten Normalgestalten abweichende Gestalt dieser Venus mit dem schmalen Halse, mit der merkwürdigen Oberbrust und so weiter; die anderen sagen, das kommt ja doch nur davon her, weil er ein schwindsüchtiges Modell gehabt hat. — Gewiß, man kann alles materialistisch erklären. Wahrscheinlich hat sogar Bortticelli ein schwindsüchtiges Modell gehabt: Diese Simonetta, die mit dreiundzwanzig Jahren gestorben ist. Aber nicht darauf kommt es an, sondern darauf, daß er das Gefühl hatte, gerade dieses Modell zu verwenden für eine Venus, das ihm die Möglichkeit bot, einen Menschen mit einem den physischen Leib schneller als bei anderen aufzehrenden astralischen Leibe zu machen. Und in der Tat, gerade bei diesem Bild — ich will es langsam herumgehen lassen, es ist eine schlechte Nachbildung, aber ich habe im Augenblick keine bessere werden Sie sehen, wie da in der Tat bemerkbar ist, daß wir es mit einem anders gearteten astralischen Leib zu tun haben, mit einem den physischen Leib durch den Ätherleib hindurch verzehrenden astralischen Leib. Sie sehen, wie uns Geisteswissenschaft führen kann, wie uns Geisteswissenschaft den Weg weisen kann zum Verständnis solcher Dinge.
[ 9 ] Nehmen wir an, ein Künstler bildet eine solche Venus, bei deren Bildung er richtig empfunden hat: Da ist ein stärker aufzehrender astralischer Leib vorhanden als bei einer gewöhnlichen Frau. Wir werden es dem schmalen Hals, der Bildung des Brustkorbes ansehen, wir werden es auch den anderen Gliedern ansehen, daß da etwas Verzehrendes im astralischen Leibe zugrunde liegt, werden es vielleicht der Gestalt ansehen, daß sie nicht besonders alt werden kann, wenn der Künstler die Sache physisch ausdrückt. Da wird der Geisteswissenschafter sagen, wenn einmal ein Künstler so etwas tut: Dieser Künstler hat empfunden, was da eigentlich in der Realität zugrunde liegt. Wir werden von diesem Gesichtspunkte uns sagen: Oftmals empfindet der Künstler, indem er bildet, eine reale geistige Wirklichkeit. — Was wird der Arzt sagen, der nicht Geisteswissenschafter ist, wenn er sieht, daß ein Künstler solch eine Gestalt gebildet hat? «Das ist eine schwindsüchtige Gestalt», wird er sagen, denn in der Tat: Bei jemandem, der die Schwindsucht hat, ist auch der astralische Leib durch das Karma einer früheren Inkarnation ein stärker verbrennender astralischer Leib, als bei jemandem, der nicht die Schwindsucht hat. Botticelli hat eine sehr schöne, bewunderte Venus gebildet, die meisten von Ihnen werden sie kennen. Auf diesem Bilde der Venus, die auf der Muschel steht, sehen wir einen richtigen physischen Leib, der so gebildet ist von Botticelli, daß wir uns denken müssen: ein verzehrender astralischer Leib liegt zugrunde. Daher ist auch ein Streit entstanden unter den Kunstgelehrten. Die einen bewundern die von den sogenannten Normalgestalten abweichende Gestalt dieser Venus mit dem schmalen Halse, mit der merkwürdigen Oberbrust und so weiter; die anderen sagen, das kommt ja doch nur davon her, weil er ein schwindsüchtiges Modell gehabt hat. — Gewiß, man kann alles materialistisch erklären. Wahrscheinlich hat sogar Bortticelli ein schwindsüchtiges Modell gehabt: Diese Simonetta, die mit dreiundzwanzig Jahren gestorben ist. Aber nicht darauf kommt es an, sondern darauf, daß er das Gefühl hatte, gerade dieses Modell zu verwenden für eine Venus, das ihm die Möglichkeit bot, einen Menschen mit einem den physischen Leib schneller als bei anderen aufzehrenden astralischen Leibe zu machen. Und in der Tat, gerade bei diesem Bild — ich will es langsam herumgehen lassen, es ist eine schlechte Nachbildung, aber ich habe im Augenblick keine bessere werden Sie sehen, wie da in der Tat bemerkbar ist, daß wir es mit einem anders gearteten astralischen Leib zu tun haben, mit einem den physischen Leib durch den Ätherleib hindurch verzehrenden astralischen Leib. Sie sehen, wie uns Geisteswissenschaft führen kann, wie uns Geisteswissenschaft den Weg weisen kann zum Verständnis solcher Dinge.
[ 10 ] Überall werden Sie finden, daß ein Blick, der nicht durch die Geisteswissenschaft geschärft ist, das Leben nirgends aufklären kann. Überall wird Licht in die Dinge hineingebracht, wenn wir die Dinge mit Hilfe der Geisteswissenschaft betrachten: in das äußere Leben, wie es schon da ist, und in das Leben der Kunst. Allerdings ist schon notwendig, daß wir uns dann Geduld aneignen, um den Menschen als etwas viel, viel Komplizierteres zu betrachten, als dasjenige ist, wozu sich eben äußere Wissenschaft bequemt. Der Mensch ist schon einmal komplizierter, und das unverantwortlichste Wort, das oftmals auf dem Gebiete der Weltanschauung geprägt wird, ist das, daß die beste Erklärung diejenige ist, die am einfachsten ist. Nicht das ist die beste Erklärung, die am einfachsten ist, sondern das ist die beste Erklärung, die richtig die Sache trifft. Dessen müssen wir uns klar sein.
[ 10 ] Überall werden Sie finden, daß ein Blick, der nicht durch die Geisteswissenschaft geschärft ist, das Leben nirgends aufklären kann. Überall wird Licht in die Dinge hineingebracht, wenn wir die Dinge mit Hilfe der Geisteswissenschaft betrachten: in das äußere Leben, wie es schon da ist, und in das Leben der Kunst. Allerdings ist schon notwendig, daß wir uns dann Geduld aneignen, um den Menschen als etwas viel, viel Komplizierteres zu betrachten, als dasjenige ist, wozu sich eben äußere Wissenschaft bequemt. Der Mensch ist schon einmal komplizierter, und das unverantwortlichste Wort, das oftmals auf dem Gebiete der Weltanschauung geprägt wird, ist das, daß die beste Erklärung diejenige ist, die am einfachsten ist. Nicht das ist die beste Erklärung, die am einfachsten ist, sondern das ist die beste Erklärung, die richtig die Sache trifft. Dessen müssen wir uns klar sein.
[ 11 ] Ich will Ihnen ein anderes Beispiel sagen, an dem Sie sehen können, wie die gewöhnliche Wissenschaft nicht zurechtkommen kann ohne den geisteswissenschaftlichen Blick. Erinnern Sie sich an einen öffentlichen Vortrag, den ich drüben im Architektenhause im Laufe dieses Winters gehalten habe, wo ich gesagt habe, wir müssen zunächst zwei Glieder des äußeren physischen Leibes unterscheiden, den Kopf des Menschen und den übrigen Leib. Wenn Sie das Skelett anschauen, gliedert sich scharf ab das Haupt, und der übrige Leib bildet den Rest. Ich habe dazumal bemerkt, daß — nicht ganz, aber im wesentlichen — alles, was an dem Haupte daranhängt, Erdenbildung ist. So, wie der Mensch nach der Mondenentwickelung auf die Erde herübergekommen ist, ist er nur noch enthalten in der Hauptesbildung. Wir können sagen, das Haupt ist ein wesentlich älteres Organ als der übrige Organismus. Der Kopf ist das Älteste, das Ehrwürdigste am Menschen. Die Erde hat ihm das andere angehängt — im wesentlichen, nicht ganz, aber man muß ja immer die Dinge, ich möchte sagen, annähernd betrachten. Wiederum, wenn wir die Tatsache betrachten, wie das Ich von Inkarnation zu Inkarnation geht, so müssen wir auch da die Kräfte unterscheiden, die dem Haupte zugrunde liegen, und die Kräfte, die dem übrigen Organismus zugrunde liegen. Erinnern Sie sich an das, was ich in jenem öffentlichen Vortrag gesagt habe: Unser Haupt ist im wesentlichen in seiner Form, in seiner Gestalt, das Ergebnis unserer früheren Inkarnation. Wie wir in unserer früheren Inkarnation uns verhalten haben, wie wir uns betragen haben im Leben, das hat unserem Organismus das Gepräge gegeben, das drückt sich in der nächsten Inkarnation in der Physiognomie, namentlich aber in der Schädelbildung unseres Hauptes aus. Erinnern Sie sich, daß ich einmal gesagt habe: Die Reinkarnation, die Wiederverkörperung, die wiederholten Erdenleben — am Schädel kann man sie mit Händen greifen; denn wie der Schädel geformt ist, das hängt davon ab, wie wir in unserer vorhergehenden Inkarnation waren. Wie wir unsere übrige Physiognomie bilden, unsere Haltung, ob wir mehr oder weniger zappelig sind, ob wir mehr oder weniger Gesten machen, das wirkt wiederum auf die nächste Inkarnation; das drückt sich in der nächsten Inkarnation in der Gesichtsbildung, namentlich in der Schädelbildung aus. Sie können daraus ersehen, wie Streit entstehen kann über verhältnismäßig wichtige Dinge. Sie wissen, es gibt Leute, die sind weise, wie sie namentlich selber meinen, auf dem Gebiete der Schädelkunde: Sie fühlen den Schädel ab und geben dann eine Charakteristik des Menschen. Die kann mehr oder weniger stimmen, manchmal ganz gut stimmen, aber vollständig stimmend, erschöpfend kann sie nie sein, denn es ist wirklich wahr: Jeder von uns hat schon seinen eigenen Schädel, und kein Schädel gleicht dem anderen, denn unser Schädel ist das Ergebnis unserer vorhergehenden Inkarnation. Der übrige Organismus hingegen bereitet den Schädel der nächsten Inkarnation vor. Nun, die Kraneologen, die Phrenologen streiten sich, weil sie eben generalisieren wollen, wo individualisiert werden muß. Jeder hat seinen eigenen Schädel! Nur durch Intuition kann man aus der Schädelbeschaffenheit irgend etwas finden für die tiefere Veranlagung des Menschen. Aber auch abgesehen von den Phrenologen, die Wissenschaft selber weiß nichts Rechtes anzufangen mit der menschlichen Schädelform. Und da möchte ich wieder auf einen Punkt aufmerksam machen, wo die gewöhnliche Naturwissenschaft die Ergänzung braucht durch die Geisteswissenschaft.
[ 11 ] Ich will Ihnen ein anderes Beispiel sagen, an dem Sie sehen können, wie die gewöhnliche Wissenschaft nicht zurechtkommen kann ohne den geisteswissenschaftlichen Blick. Erinnern Sie sich an einen öffentlichen Vortrag, den ich drüben im Architektenhause im Laufe dieses Winters gehalten habe, wo ich gesagt habe, wir müssen zunächst zwei Glieder des äußeren physischen Leibes unterscheiden, den Kopf des Menschen und den übrigen Leib. Wenn Sie das Skelett anschauen, gliedert sich scharf ab das Haupt, und der übrige Leib bildet den Rest. Ich habe dazumal bemerkt, daß — nicht ganz, aber im wesentlichen — alles, was an dem Haupte daranhängt, Erdenbildung ist. So, wie der Mensch nach der Mondenentwickelung auf die Erde herübergekommen ist, ist er nur noch enthalten in der Hauptesbildung. Wir können sagen, das Haupt ist ein wesentlich älteres Organ als der übrige Organismus. Der Kopf ist das Älteste, das Ehrwürdigste am Menschen. Die Erde hat ihm das andere angehängt — im wesentlichen, nicht ganz, aber man muß ja immer die Dinge, ich möchte sagen, annähernd betrachten. Wiederum, wenn wir die Tatsache betrachten, wie das Ich von Inkarnation zu Inkarnation geht, so müssen wir auch da die Kräfte unterscheiden, die dem Haupte zugrunde liegen, und die Kräfte, die dem übrigen Organismus zugrunde liegen. Erinnern Sie sich an das, was ich in jenem öffentlichen Vortrag gesagt habe: Unser Haupt ist im wesentlichen in seiner Form, in seiner Gestalt, das Ergebnis unserer früheren Inkarnation. Wie wir in unserer früheren Inkarnation uns verhalten haben, wie wir uns betragen haben im Leben, das hat unserem Organismus das Gepräge gegeben, das drückt sich in der nächsten Inkarnation in der Physiognomie, namentlich aber in der Schädelbildung unseres Hauptes aus. Erinnern Sie sich, daß ich einmal gesagt habe: Die Reinkarnation, die Wiederverkörperung, die wiederholten Erdenleben — am Schädel kann man sie mit Händen greifen; denn wie der Schädel geformt ist, das hängt davon ab, wie wir in unserer vorhergehenden Inkarnation waren. Wie wir unsere übrige Physiognomie bilden, unsere Haltung, ob wir mehr oder weniger zappelig sind, ob wir mehr oder weniger Gesten machen, das wirkt wiederum auf die nächste Inkarnation; das drückt sich in der nächsten Inkarnation in der Gesichtsbildung, namentlich in der Schädelbildung aus. Sie können daraus ersehen, wie Streit entstehen kann über verhältnismäßig wichtige Dinge. Sie wissen, es gibt Leute, die sind weise, wie sie namentlich selber meinen, auf dem Gebiete der Schädelkunde: Sie fühlen den Schädel ab und geben dann eine Charakteristik des Menschen. Die kann mehr oder weniger stimmen, manchmal ganz gut stimmen, aber vollständig stimmend, erschöpfend kann sie nie sein, denn es ist wirklich wahr: Jeder von uns hat schon seinen eigenen Schädel, und kein Schädel gleicht dem anderen, denn unser Schädel ist das Ergebnis unserer vorhergehenden Inkarnation. Der übrige Organismus hingegen bereitet den Schädel der nächsten Inkarnation vor. Nun, die Kraneologen, die Phrenologen streiten sich, weil sie eben generalisieren wollen, wo individualisiert werden muß. Jeder hat seinen eigenen Schädel! Nur durch Intuition kann man aus der Schädelbeschaffenheit irgend etwas finden für die tiefere Veranlagung des Menschen. Aber auch abgesehen von den Phrenologen, die Wissenschaft selber weiß nichts Rechtes anzufangen mit der menschlichen Schädelform. Und da möchte ich wieder auf einen Punkt aufmerksam machen, wo die gewöhnliche Naturwissenschaft die Ergänzung braucht durch die Geisteswissenschaft.
[ 12 ] Im Jahre 1887 hielt der berühmte Anatom Karl Langer einen Vortrag über drei wirklich bedeutende Menschenschädel: über den Schädel von Schubert, den Schädel von Haydn, den Schädel von Beethoven. Karl Langer war Anatom, vom anatomischen Standpunkte aus wollte er die drei Schädel beleuchten. Er betonte in jenem Vortrag, daß er bei keinem der drei Schädel irgendwelche Hinweise auf besondere musikalische Eigenschaften hätte finden können, am wenigsten am Schädel von Beethoven. Er betonte, daß der Schädel von Beethoven vom anatomisch-physiologischen Standpunkte aus sogar ein so häßlicher Schädel sei, daß man alles hätte eher vermuten können, als daß in diesem häßlichen Schädel die Seele Beethovens tätig gewesen sein könnte. Und wir haben da in Karl Langer einen äußerlichen Anatomen, der einmal genau zugesehen hat an dem besonderen Falle, der nicht von phantastischen Theorien, sondern von Realitäten ausgegangen ist und der sich gestehen mußte: Man kann an den Schädeln nichts finden, was auf musikalische Eigenschaften deutet. — Nun wissen wir, daß ja Haydn, Schubert, Beethoven eben in jener Inkarnation, aus der der Schädel herstammt, Musiker waren. In der vorgehenden Inkarnation brauchen sie es nicht gewesen zu sein. Und wir können es sehr gut verstehen, daß alles dasjenige, was dann sich abgeklärt hat in der Zeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, bei Beethoven gerade aus einer mächtigen Kampfnatur hervorgegangen sein kann. Das von der vorhergehenden Inkarnation Herüberkommende drückt sich aus in der Schädelbildung. Insbesondere fiel es Langer auf, daß es ja drei Musiker waren, aber gar nichts Gemeinschaftliches in den Schädeln vorhanden war, gar nichts an irgendwelchen Eigenschaften, die diesen drei Menschen gemeinschaftlich gewesen wären, weil eben vermutlich alle drei ganz verschiedene Erlebnisse in einer vorhergehenden Inkarnation gehabt haben und Musiker erst geworden sind in der Inkarnation, in der sie den betreffenden Schädel gehabt haben. Aber ihre Musikernatur drückte sich in dem Seelischen aus, während sich in der Schädelbildung, in der Schädelformation dasjenige, was sie in der vorhergehenden Inkarnation erlebt haben, ausdrückte.
[ 12 ] Im Jahre 1887 hielt der berühmte Anatom Karl Langer einen Vortrag über drei wirklich bedeutende Menschenschädel: über den Schädel von Schubert, den Schädel von Haydn, den Schädel von Beethoven. Karl Langer war Anatom, vom anatomischen Standpunkte aus wollte er die drei Schädel beleuchten. Er betonte in jenem Vortrag, daß er bei keinem der drei Schädel irgendwelche Hinweise auf besondere musikalische Eigenschaften hätte finden können, am wenigsten am Schädel von Beethoven. Er betonte, daß der Schädel von Beethoven vom anatomisch-physiologischen Standpunkte aus sogar ein so häßlicher Schädel sei, daß man alles hätte eher vermuten können, als daß in diesem häßlichen Schädel die Seele Beethovens tätig gewesen sein könnte. Und wir haben da in Karl Langer einen äußerlichen Anatomen, der einmal genau zugesehen hat an dem besonderen Falle, der nicht von phantastischen Theorien, sondern von Realitäten ausgegangen ist und der sich gestehen mußte: Man kann an den Schädeln nichts finden, was auf musikalische Eigenschaften deutet. — Nun wissen wir, daß ja Haydn, Schubert, Beethoven eben in jener Inkarnation, aus der der Schädel herstammt, Musiker waren. In der vorgehenden Inkarnation brauchen sie es nicht gewesen zu sein. Und wir können es sehr gut verstehen, daß alles dasjenige, was dann sich abgeklärt hat in der Zeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, bei Beethoven gerade aus einer mächtigen Kampfnatur hervorgegangen sein kann. Das von der vorhergehenden Inkarnation Herüberkommende drückt sich aus in der Schädelbildung. Insbesondere fiel es Langer auf, daß es ja drei Musiker waren, aber gar nichts Gemeinschaftliches in den Schädeln vorhanden war, gar nichts an irgendwelchen Eigenschaften, die diesen drei Menschen gemeinschaftlich gewesen wären, weil eben vermutlich alle drei ganz verschiedene Erlebnisse in einer vorhergehenden Inkarnation gehabt haben und Musiker erst geworden sind in der Inkarnation, in der sie den betreffenden Schädel gehabt haben. Aber ihre Musikernatur drückte sich in dem Seelischen aus, während sich in der Schädelbildung, in der Schädelformation dasjenige, was sie in der vorhergehenden Inkarnation erlebt haben, ausdrückte.
[ 13 ] Es ist dann ein Streit entstanden über diese drei Schädel. Ein anderer Anatom versuchte, den Langer zu widerlegen. Aber es kam nicht viel bei diesem Streit heraus, denn worauf ist eigentlich der physische Anatom angewiesen, wenn er so etwas untersucht? Nicht wahr, er will nichts wissen von einer vorhergehenden Inkarnation, daher greift er zur Vererbung. Und Schaaffhausen, der den Karl Langer widerlegen wollte, bemerkte: Nun ja, unsere Schädelform haben wir halt vererbt bekommen! — Niemals wird bei einer solchen Gelegenheit untersucht, wie es mit der wirklichen Vererbung der Schädelform ist. Da würde man schon bemerken, wenn man nicht mit jener gewöhnlichen Logik vorginge, mit der man so gern auf diesem Gebiet vorgeht, wie unbegründet es ist, da von Vererbung zu sprechen. In Wahrheit bilden wir uns unsere Schädelform aus nach dem Ergebnis unserer vorhergehenden Inkarnation. Gewiß können sich mit diesem, was gemäß der vorhergehenden Inkarnation eingetreten ist, andere Dinge kreuzen. Wir wachsen in einem gewissen Kreise auf. Namentlich wenn unser Gefühl, unser Gemüt mit Persönlichkeiten irgendeiner Umgebung verbunden ist, so werden wir in die feinere Organisation noch manches hineindrücken. Aber im wesentlichen ist die Schädelformation aufgebaut nach der vorhergehenden Inkarnation.
[ 13 ] Es ist dann ein Streit entstanden über diese drei Schädel. Ein anderer Anatom versuchte, den Langer zu widerlegen. Aber es kam nicht viel bei diesem Streit heraus, denn worauf ist eigentlich der physische Anatom angewiesen, wenn er so etwas untersucht? Nicht wahr, er will nichts wissen von einer vorhergehenden Inkarnation, daher greift er zur Vererbung. Und Schaaffhausen, der den Karl Langer widerlegen wollte, bemerkte: Nun ja, unsere Schädelform haben wir halt vererbt bekommen! — Niemals wird bei einer solchen Gelegenheit untersucht, wie es mit der wirklichen Vererbung der Schädelform ist. Da würde man schon bemerken, wenn man nicht mit jener gewöhnlichen Logik vorginge, mit der man so gern auf diesem Gebiet vorgeht, wie unbegründet es ist, da von Vererbung zu sprechen. In Wahrheit bilden wir uns unsere Schädelform aus nach dem Ergebnis unserer vorhergehenden Inkarnation. Gewiß können sich mit diesem, was gemäß der vorhergehenden Inkarnation eingetreten ist, andere Dinge kreuzen. Wir wachsen in einem gewissen Kreise auf. Namentlich wenn unser Gefühl, unser Gemüt mit Persönlichkeiten irgendeiner Umgebung verbunden ist, so werden wir in die feinere Organisation noch manches hineindrücken. Aber im wesentlichen ist die Schädelformation aufgebaut nach der vorhergehenden Inkarnation.
[ 14 ] Aber Sie wissen ja — ich habe das oft erwähnt —, wie geistreich man eigentlich mit der sogenannten Vererbungstheorie vorgeht. Es gibt jetzt ein sehr fleißig gearbeitetes, gelehrtes Buch — gegen die Gelehrsamkeit in einem solchen Fall soll wirklich nichts eingewendet werden, die Dinge sind in der Regel ungeheuer fleißig gearbeitet —, das verfolgt die Vorfahren Goethes, soweit sie sich eben verfolgen lassen. Was will man denn mit einem solchen Nachweis? Man will zeigen, daß dasjenige, was sich bei den verschiedenen Vorfahren eines Menschen ergeben hat, dann auftritt, wenn einmal ein Genie sich anschließt an eine Vorfahrenreihe. Man denkt, das sei furchtbar logisch. Aber das beweist nicht mehr, wie ich schon öfter gesagt habe, als daß, wenn ein Mensch ins Wasser fällt und man ihn herauszieht, er naß ist; denn selbstverständlich trägt derjenige, der durchgegangen ist durch die Vererbungslinie, noch Merkmale der Vererbung. Er hat sie sich ja aufgesucht. Aber daß die Vererbungstheorie wirklich so gelten würde wie die Naturwissenschaft annimmt, das müßte man ja dadurch beweisen, daß man ausgeht von gewissen Eigenschaften und sie dann bei den Nachkommen aufzeigt. Man müßte also von dem Genie ausgehen und dann auf die Nachkommen übergehen. Das wird man wohl bleiben lassen. Man kann ja nicht beweisen, daß Goethes Genialität sich auf seinen Sohn oder auf seine Enkel vererbt hat, da man gerade diese ja kennt, nicht wahr! In der Nachkommenschaft anderer Genies ist dergleichen oftmals auch nicht nachweisbar. Wenn es nachweisbar ist, beruht es eben auf ganz etwas anderem, als auf einer physischen Vererbung, es beruht darauf, daß eine Seele die Tendenz hat, in eine besondere Familie hinein sich zu inkarnieren, bestimmte Eigenschaften aufzusuchen. Nun, darüber haben wir ja öfter gesprochen. Sehen Sie, das ist solch ein Beispiel, wie wiederum die gewöhnliche Wissenschaft ergänzt werden muß durch Geisteswissenschaft. Auf Schritt und Tritt muß dasjenige, was uns die gewöhnliche Wissenschaft bietet, und was uns das gewöhnliche Leben bietet, von geisteswissenschaftlichen Einsichten aus erst beleuchtet werden. Die Menschen ahnen heute noch gar nicht, wie wunderbar die Mysterien des Weltenwerdens auf die Seele wirken, wenn man sie in geisteswissenschaftlichem Sinne betrachtet.
[ 14 ] Aber Sie wissen ja — ich habe das oft erwähnt —, wie geistreich man eigentlich mit der sogenannten Vererbungstheorie vorgeht. Es gibt jetzt ein sehr fleißig gearbeitetes, gelehrtes Buch — gegen die Gelehrsamkeit in einem solchen Fall soll wirklich nichts eingewendet werden, die Dinge sind in der Regel ungeheuer fleißig gearbeitet —, das verfolgt die Vorfahren Goethes, soweit sie sich eben verfolgen lassen. Was will man denn mit einem solchen Nachweis? Man will zeigen, daß dasjenige, was sich bei den verschiedenen Vorfahren eines Menschen ergeben hat, dann auftritt, wenn einmal ein Genie sich anschließt an eine Vorfahrenreihe. Man denkt, das sei furchtbar logisch. Aber das beweist nicht mehr, wie ich schon öfter gesagt habe, als daß, wenn ein Mensch ins Wasser fällt und man ihn herauszieht, er naß ist; denn selbstverständlich trägt derjenige, der durchgegangen ist durch die Vererbungslinie, noch Merkmale der Vererbung. Er hat sie sich ja aufgesucht. Aber daß die Vererbungstheorie wirklich so gelten würde wie die Naturwissenschaft annimmt, das müßte man ja dadurch beweisen, daß man ausgeht von gewissen Eigenschaften und sie dann bei den Nachkommen aufzeigt. Man müßte also von dem Genie ausgehen und dann auf die Nachkommen übergehen. Das wird man wohl bleiben lassen. Man kann ja nicht beweisen, daß Goethes Genialität sich auf seinen Sohn oder auf seine Enkel vererbt hat, da man gerade diese ja kennt, nicht wahr! In der Nachkommenschaft anderer Genies ist dergleichen oftmals auch nicht nachweisbar. Wenn es nachweisbar ist, beruht es eben auf ganz etwas anderem, als auf einer physischen Vererbung, es beruht darauf, daß eine Seele die Tendenz hat, in eine besondere Familie hinein sich zu inkarnieren, bestimmte Eigenschaften aufzusuchen. Nun, darüber haben wir ja öfter gesprochen. Sehen Sie, das ist solch ein Beispiel, wie wiederum die gewöhnliche Wissenschaft ergänzt werden muß durch Geisteswissenschaft. Auf Schritt und Tritt muß dasjenige, was uns die gewöhnliche Wissenschaft bietet, und was uns das gewöhnliche Leben bietet, von geisteswissenschaftlichen Einsichten aus erst beleuchtet werden. Die Menschen ahnen heute noch gar nicht, wie wunderbar die Mysterien des Weltenwerdens auf die Seele wirken, wenn man sie in geisteswissenschaftlichem Sinne betrachtet.
[ 15 ] Erinnern Sie sich doch daran, daß ich öfter sprach von dem vierten nachatlantischen Zeitraum, dem griechisch-lateinischen, und unserem jetzigen fünften, und ich habe manches angegeben, wodurch sich unterscheidet der Mensch des vierten nachatlantischen Zeitraums, des griechisch- lateinischen, von dem Menschen des gegenwärtigen Zeitraums. Die gegenwärtigen Menschen schauen sich die griechischen Kunstwerke an. Sie bewundern, wie diese griechischen Kunstwerke, die Plastiken namentlich, fein gesehen sind, wie da Dinge gesehen sind, die der Mensch heute nicht so ohne weiteres sieht. Derjenige, der heute im grob materialistischen Sinne denkt, sagt: Die Griechen haben halt besser gesehen, sie haben ja auch den menschlichen Körper gesehen bei ihren Spielen; und man hat nicht übel Lust, diese Spiele wieder nachzumachen. — Nun, diejenigen, die heute griechische Spiele nachmachen, werden schon keine Griechen werden, darauf können Sie sich verlassen; aber die Äußerlichkeiten macht man ja vielfach nach. Ich habe es ja schon hervorgehoben, daß der Grieche in einer anderen Weise nachbildete, als ein moderner europäischer Mensch. Das beruht darauf, daß der Grieche noch etwas im Innern hatte. Wir wissen, daß der Grieche ausgebildet hatte die Verstandes- oder Gemütsseele; bei uns ist das Ich nach außen gerichtet, die Verstandes- oder Gemütsseele aber ist nach innen gerichtet, erfaßt mehr das innere Gleichgewicht und die innere Bewegungsfähigkeit des Leibes. Der Mensch steckt noch mehr in sich als Grieche, denn als moderner Mensch. Der Grieche hat daher auch nicht in derselben Weise wie der moderne Künstler mit dem Modell gearbeitet, sondern wenn er den Arm zu bilden hatte, dann fühlte er in sich die Form des Muskels, fühlte in sich die Gestalt, er fühlte, wenn er eine Bewegung bilden sollte, wenn er selbst die Bewegung machte, wie das ist. Ja, er konnte noch mehr, der Grieche, weil er noch drinnen steckte. Sie wissen, in der ägyptisch-chaldäischen Zeit wurde ausgebildet die Empfindungsseele, in der griechisch-lateinischen Zeit die Verstandes- oder Gemütsseele. Sie steckt aber noch darinnen. Erst das Ich tritt heraus, sieht die Außenwelt an. Wenn der Grieche sich einen Vogel anschaute, so konnte er in seiner eigenen Armbewegung, wenn er den Flug des Vogels nachahmte, fühlen, wie er die Flügel gestalten mußte, während der moderne Mensch ein Modell braucht, sich einen Vogel irgendwo anheftet und dann den nachmalt oder nachbildet. Dieses innerliche Erleben ist der modernen Menschheit mit Recht verlorengegangen. Aber wissen muß man das und würdigen muß man das: Dieses innerliche plastische Verständnis, das der Grieche hatte, hat der moderne Mensch nicht. Wir müssen verstehen, daß, wenn der Grieche einen Menschen in Bewegung in der Plastik nachbildete, er aus innerem Wissen, nicht von äußerlichem Anschauen nach dem Modell wußte, wie er das Bein, die Zehe, die Finger, wie er das alles zu stellen hatte. Der moderne Mensch kann eigentlich im Grunde genommen einen Vogel, der fliegt, nicht malen. Auf modernen Bildern schweben die Vögel, sie fliegen nicht.
[ 15 ] Erinnern Sie sich doch daran, daß ich öfter sprach von dem vierten nachatlantischen Zeitraum, dem griechisch-lateinischen, und unserem jetzigen fünften, und ich habe manches angegeben, wodurch sich unterscheidet der Mensch des vierten nachatlantischen Zeitraums, des griechisch- lateinischen, von dem Menschen des gegenwärtigen Zeitraums. Die gegenwärtigen Menschen schauen sich die griechischen Kunstwerke an. Sie bewundern, wie diese griechischen Kunstwerke, die Plastiken namentlich, fein gesehen sind, wie da Dinge gesehen sind, die der Mensch heute nicht so ohne weiteres sieht. Derjenige, der heute im grob materialistischen Sinne denkt, sagt: Die Griechen haben halt besser gesehen, sie haben ja auch den menschlichen Körper gesehen bei ihren Spielen; und man hat nicht übel Lust, diese Spiele wieder nachzumachen. — Nun, diejenigen, die heute griechische Spiele nachmachen, werden schon keine Griechen werden, darauf können Sie sich verlassen; aber die Äußerlichkeiten macht man ja vielfach nach. Ich habe es ja schon hervorgehoben, daß der Grieche in einer anderen Weise nachbildete, als ein moderner europäischer Mensch. Das beruht darauf, daß der Grieche noch etwas im Innern hatte. Wir wissen, daß der Grieche ausgebildet hatte die Verstandes- oder Gemütsseele; bei uns ist das Ich nach außen gerichtet, die Verstandes- oder Gemütsseele aber ist nach innen gerichtet, erfaßt mehr das innere Gleichgewicht und die innere Bewegungsfähigkeit des Leibes. Der Mensch steckt noch mehr in sich als Grieche, denn als moderner Mensch. Der Grieche hat daher auch nicht in derselben Weise wie der moderne Künstler mit dem Modell gearbeitet, sondern wenn er den Arm zu bilden hatte, dann fühlte er in sich die Form des Muskels, fühlte in sich die Gestalt, er fühlte, wenn er eine Bewegung bilden sollte, wenn er selbst die Bewegung machte, wie das ist. Ja, er konnte noch mehr, der Grieche, weil er noch drinnen steckte. Sie wissen, in der ägyptisch-chaldäischen Zeit wurde ausgebildet die Empfindungsseele, in der griechisch-lateinischen Zeit die Verstandes- oder Gemütsseele. Sie steckt aber noch darinnen. Erst das Ich tritt heraus, sieht die Außenwelt an. Wenn der Grieche sich einen Vogel anschaute, so konnte er in seiner eigenen Armbewegung, wenn er den Flug des Vogels nachahmte, fühlen, wie er die Flügel gestalten mußte, während der moderne Mensch ein Modell braucht, sich einen Vogel irgendwo anheftet und dann den nachmalt oder nachbildet. Dieses innerliche Erleben ist der modernen Menschheit mit Recht verlorengegangen. Aber wissen muß man das und würdigen muß man das: Dieses innerliche plastische Verständnis, das der Grieche hatte, hat der moderne Mensch nicht. Wir müssen verstehen, daß, wenn der Grieche einen Menschen in Bewegung in der Plastik nachbildete, er aus innerem Wissen, nicht von äußerlichem Anschauen nach dem Modell wußte, wie er das Bein, die Zehe, die Finger, wie er das alles zu stellen hatte. Der moderne Mensch kann eigentlich im Grunde genommen einen Vogel, der fliegt, nicht malen. Auf modernen Bildern schweben die Vögel, sie fliegen nicht.
[ 16 ] Daß das so ist, das ist schon richtig, man muß es nur verstehen. Man muß an den heutigen Menschen nicht die Anforderungen stellen, die man an den griechischen Menschen stellte. Es mußte abgedämpft werden dieses innerliche Erfühlen, damit der Mensch das Ich nach außen richten konnte. Man darf eben nicht die Menschheitsentwickelung so betrachten, wie sie die modernen materialistischen Darwinisten betrachten, daß man nur ausgeht von dem unvollkommenen und heraufgeht zum vollkommenen Menschen, sondern man muß die geistige Entwickelung daneben haben, die hinuntersteigt von dem in der geistigen Welt vollkommenen zum immer mehr und mehr dem physischen Organismus sich anpassenden Menschen. Zwei Entwickelungsströmungen haben wir verlaufend, nicht bloß eine. Daher können wir sagen: Wir konnten in modernem Anschauen etwas aufnehmen, was beim früheren Anschauen nicht der Fall war. Wir wissen, wie ja früheres Anschauen nicht hineingetragen werden soll in späteres, wie es aber natürlich im Naturverlauf zuweilen hineingetragen wird.
[ 16 ] Daß das so ist, das ist schon richtig, man muß es nur verstehen. Man muß an den heutigen Menschen nicht die Anforderungen stellen, die man an den griechischen Menschen stellte. Es mußte abgedämpft werden dieses innerliche Erfühlen, damit der Mensch das Ich nach außen richten konnte. Man darf eben nicht die Menschheitsentwickelung so betrachten, wie sie die modernen materialistischen Darwinisten betrachten, daß man nur ausgeht von dem unvollkommenen und heraufgeht zum vollkommenen Menschen, sondern man muß die geistige Entwickelung daneben haben, die hinuntersteigt von dem in der geistigen Welt vollkommenen zum immer mehr und mehr dem physischen Organismus sich anpassenden Menschen. Zwei Entwickelungsströmungen haben wir verlaufend, nicht bloß eine. Daher können wir sagen: Wir konnten in modernem Anschauen etwas aufnehmen, was beim früheren Anschauen nicht der Fall war. Wir wissen, wie ja früheres Anschauen nicht hineingetragen werden soll in späteres, wie es aber natürlich im Naturverlauf zuweilen hineingetragen wird.
[ 17 ] Da möchte ich Sie auf etwas aufmerksam machen. Blicken Sie in irgendeine illustrierte Zeitschrift, den «Tag» oder die «Woche» oder so etwas, und betrachten Sie eine Momentaufnahme, wo die Menschen auf der Straße gehen. Die Momentaufnahmen geben die unmittelbare äußere Wirklichkeit, sie geben den Menschen, wie er da ist — schön ist es meistens nicht! Wenn man eine Momentaufnahme eines Vogels macht, sieht die auch ganz anders aus, als der Maler sie heute malen würde. Aber das Merkwürdige ist: Wenn Sie Japanische Vögel anschauen, sind die in ihrer Zeichnung ähnlich den Momentaufnahmen. Das ist einmal so. Es gibt eine gewisse Ähnlichkeit zwischen den japanischen Zeichnungen im Fluge befindlicher Vögel und der Momentaufnahme des Vogels. Und sogar bei Zeichnungen von Menschen ist es ähnlich, denn der Japaner — aber man muß sich beschränken auf die Beobachtung des Ausschreitens — zeichnet viel eher das, was die Momentaufnahme gibt. Das rührt eben davon her, daß das japanische Anschauen des vierten nachatlantischen Zeitraumes sich bewahrt hat in die Gegenwart hinein. Wir können nicht mehr so sehen, wie der Japaner sieht. Der Japaner sieht heute, nur nicht mit demselben Schönheitssinn wie der Grieche, vielfach im griechischen Sinne richtiger, als der zur fünften nachatlantischen Kulturepoche fortgeschrittene Europäer. Diese Dinge werden einem nur erklärlich, wenn man sie wiederum mit dem Blick der Geisteswissenschaft anschaut. Und wir werden, wenn Sie die asiatische Bildnerei vergleichen mit der europäischen Bildnerei, den Unterschied finden zwischen dem vierten, dort erhaltenen, nachatlantischen Zeitraum und unserem fünften nachatlantischen Zeitraum.
[ 17 ] Da möchte ich Sie auf etwas aufmerksam machen. Blicken Sie in irgendeine illustrierte Zeitschrift, den «Tag» oder die «Woche» oder so etwas, und betrachten Sie eine Momentaufnahme, wo die Menschen auf der Straße gehen. Die Momentaufnahmen geben die unmittelbare äußere Wirklichkeit, sie geben den Menschen, wie er da ist — schön ist es meistens nicht! Wenn man eine Momentaufnahme eines Vogels macht, sieht die auch ganz anders aus, als der Maler sie heute malen würde. Aber das Merkwürdige ist: Wenn Sie Japanische Vögel anschauen, sind die in ihrer Zeichnung ähnlich den Momentaufnahmen. Das ist einmal so. Es gibt eine gewisse Ähnlichkeit zwischen den japanischen Zeichnungen im Fluge befindlicher Vögel und der Momentaufnahme des Vogels. Und sogar bei Zeichnungen von Menschen ist es ähnlich, denn der Japaner — aber man muß sich beschränken auf die Beobachtung des Ausschreitens — zeichnet viel eher das, was die Momentaufnahme gibt. Das rührt eben davon her, daß das japanische Anschauen des vierten nachatlantischen Zeitraumes sich bewahrt hat in die Gegenwart hinein. Wir können nicht mehr so sehen, wie der Japaner sieht. Der Japaner sieht heute, nur nicht mit demselben Schönheitssinn wie der Grieche, vielfach im griechischen Sinne richtiger, als der zur fünften nachatlantischen Kulturepoche fortgeschrittene Europäer. Diese Dinge werden einem nur erklärlich, wenn man sie wiederum mit dem Blick der Geisteswissenschaft anschaut. Und wir werden, wenn Sie die asiatische Bildnerei vergleichen mit der europäischen Bildnerei, den Unterschied finden zwischen dem vierten, dort erhaltenen, nachatlantischen Zeitraum und unserem fünften nachatlantischen Zeitraum.
[ 18 ] Sie sehen überall die Notwendigkeit, Geisteswissenschaft hineinzutragen in die Dinge. Aber wir sind heute in bezug auf unsere äußere Kultur weit entfernt von diesem Verständnisse, Geisteswissenschaft in das äußere Wissen hineinzutragen. Das rührt zum größten Teile wirklich nicht davon her, daß es ganz besonders schwierig wäre, ein geisteswissenschaftliches Anschauen zu bekommen; man sträubt sich nur dagegen. Dasjenige, was in dem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» beschrieben ist, kann verhältnismäßig leicht erhalten werden. Man kann schon dazu kommen, aber man sträubt sich dagegen. Ich meine selbstverständlich nicht Sie, aber die äußere Kultur sträubt sich dagegen. Sie sträubt sich namentlich aus dem Grunde dagegen, weil diese äußere Kultur heute zunächst die Grundbedingungen gar nicht herstellen will, um denkerisches Gewissen zu entwickeln, denkerische Gewissenhaftigkeit, logisches Gewissen. Und da kommen wir auf eine wirklich vorhandene Kulturkrankheit unserer Zeit, die der Geisteswissenschafter ins Auge fassen muß, weil sie überall an ihn herantritt: der Mangel des logischen, des Gedankengewissens. Da kann man die sonderbarsten Entdeckungen machen. Wir haben ja dafür schon Beispiele angeführt, nehmen wir heute wiederum ein Beispiel.
[ 18 ] Sie sehen überall die Notwendigkeit, Geisteswissenschaft hineinzutragen in die Dinge. Aber wir sind heute in bezug auf unsere äußere Kultur weit entfernt von diesem Verständnisse, Geisteswissenschaft in das äußere Wissen hineinzutragen. Das rührt zum größten Teile wirklich nicht davon her, daß es ganz besonders schwierig wäre, ein geisteswissenschaftliches Anschauen zu bekommen; man sträubt sich nur dagegen. Dasjenige, was in dem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» beschrieben ist, kann verhältnismäßig leicht erhalten werden. Man kann schon dazu kommen, aber man sträubt sich dagegen. Ich meine selbstverständlich nicht Sie, aber die äußere Kultur sträubt sich dagegen. Sie sträubt sich namentlich aus dem Grunde dagegen, weil diese äußere Kultur heute zunächst die Grundbedingungen gar nicht herstellen will, um denkerisches Gewissen zu entwickeln, denkerische Gewissenhaftigkeit, logisches Gewissen. Und da kommen wir auf eine wirklich vorhandene Kulturkrankheit unserer Zeit, die der Geisteswissenschafter ins Auge fassen muß, weil sie überall an ihn herantritt: der Mangel des logischen, des Gedankengewissens. Da kann man die sonderbarsten Entdeckungen machen. Wir haben ja dafür schon Beispiele angeführt, nehmen wir heute wiederum ein Beispiel.
[ 19 ] Da gab es einen Mann — es gibt ihn noch —, der wollte den philosophischen Nachweis führen, daß Ideale nichts Wirkliches sind, nichts Wesenhaftes. Er wollte einfach der modernen Zeitanschauung Rechnung tragen, die ja Ideale zur Not gelten läßt, aber sie nicht als wirklich Vorhandenes betrachtet, wie irgend etwas Äußeres, physisch Wahrnehmbares. Aber auf der anderen Seite war der Betreffende Philosoph und hätte ja nun wirklich furchtbar wenig zu tun, wenn er die Ideale nicht gelten läßt; denn mit dem Physischen beschäftigen sich schließlich die anderen Wissenschaften, und man muß ja als Philosoph noch etwas zu tun haben, nicht wahr? Aber nun: Wesenhaftes sind die Ideale nicht, gelten lassen will man sie doch, da sagt er: Sie sind eben Fiktionen, man muß sie als notwendige Fiktionen, als notwendige Annahmen gelten lassen. Der Betreffende hat dann diese Idee weiter ausgebildet als eine ganze Philosophie, die Philosophie des «Als Ob». Ich habe schon manchmal davon gesprochen. Nach dieser Philosophie sagt man: Es ist nicht notwendig anzunehmen, daß es ein Atom gäbe, aber wir betrachten die Welt so, als ob es ein Atom gibt; es ist nicht notwendig anzunehmen, daß es eine Seele gibt, aber wir betrachten die Welt so, als ob es eine Seele gäbe. Also eine ganze Philosophie des «Als Ob»! Dieser Mann hat nun einen Vergleich gebraucht, durch den er seinen Lesern begreiflich machen wollte, daß man doch an Idealen festhalten kann, wenn man sie auch als nichts Wesenhaftes ansieht, und dieser Vergleich ist charakteristisch für das logische Gewissen dieses Philosophen. Er hat gesagt: Sehen wir uns ein Kind an, das spielt mit der Puppe, trotzdem es weiß, daß die Puppe kein wirkliches Leben in sich hat. Warum sollen wir denn also die Ideale abweisen, da die Kinder doch nicht die Puppe abweisen? Trotzdem die Puppe nicht lebt, behandeln sie sie wie lebend. Warum sollen wir denn die Ideale nicht ebenso behandeln, wenn wir auch wissen, daß sie nichts Wesenhaftes sind? —
[ 19 ] Da gab es einen Mann — es gibt ihn noch —, der wollte den philosophischen Nachweis führen, daß Ideale nichts Wirkliches sind, nichts Wesenhaftes. Er wollte einfach der modernen Zeitanschauung Rechnung tragen, die ja Ideale zur Not gelten läßt, aber sie nicht als wirklich Vorhandenes betrachtet, wie irgend etwas Äußeres, physisch Wahrnehmbares. Aber auf der anderen Seite war der Betreffende Philosoph und hätte ja nun wirklich furchtbar wenig zu tun, wenn er die Ideale nicht gelten läßt; denn mit dem Physischen beschäftigen sich schließlich die anderen Wissenschaften, und man muß ja als Philosoph noch etwas zu tun haben, nicht wahr? Aber nun: Wesenhaftes sind die Ideale nicht, gelten lassen will man sie doch, da sagt er: Sie sind eben Fiktionen, man muß sie als notwendige Fiktionen, als notwendige Annahmen gelten lassen. Der Betreffende hat dann diese Idee weiter ausgebildet als eine ganze Philosophie, die Philosophie des «Als Ob». Ich habe schon manchmal davon gesprochen. Nach dieser Philosophie sagt man: Es ist nicht notwendig anzunehmen, daß es ein Atom gäbe, aber wir betrachten die Welt so, als ob es ein Atom gibt; es ist nicht notwendig anzunehmen, daß es eine Seele gibt, aber wir betrachten die Welt so, als ob es eine Seele gäbe. Also eine ganze Philosophie des «Als Ob»! Dieser Mann hat nun einen Vergleich gebraucht, durch den er seinen Lesern begreiflich machen wollte, daß man doch an Idealen festhalten kann, wenn man sie auch als nichts Wesenhaftes ansieht, und dieser Vergleich ist charakteristisch für das logische Gewissen dieses Philosophen. Er hat gesagt: Sehen wir uns ein Kind an, das spielt mit der Puppe, trotzdem es weiß, daß die Puppe kein wirkliches Leben in sich hat. Warum sollen wir denn also die Ideale abweisen, da die Kinder doch nicht die Puppe abweisen? Trotzdem die Puppe nicht lebt, behandeln sie sie wie lebend. Warum sollen wir denn die Ideale nicht ebenso behandeln, wenn wir auch wissen, daß sie nichts Wesenhaftes sind? —
[ 20 ] Wir haben also schon die Anschauung, daß Ideale nichts Wesenhaftes sind, aber der Mensch kann sie doch im Leben gebrauchen, indem er sie so ähnlich behandelt wie das kleine Mädchen die Puppe, die auch nichts Lebendiges ist, aber wie etwas Lebendes behandelt wird. Wir haben es mit einem Philosophen zu tun, der die Ideale mit Puppen vergleicht! Nun, versuchen wir zurechtzukommen mit diesem Vergleich, mit diesem Bilde. Erstens: Das kleine Mädchen spielt mit der Puppe, aber es spielt unter der Voraussetzung, daß die Puppe ein lebendes Wesen mindestens abbildet. Es würde kaum mit der Puppe spielen, wenn es nicht in der Puppe etwas hätte, was ein lebendes Wesen abbildet. Das ist die Voraussetzung. Also es läßt sich wohl kaum die Puppe mit dem Ideal vergleichen, wenn wir nicht voraussetzen, daß das Ideal doch etwas abbildet, nicht wahr? Das ist der erste Unsinn, den er sagt, daß er überhaupt diesen Vergleich gebraucht. Das Zweite ist: Wir wollen nach den Idealen, als ob sie bestünden, das Leben einrichten. Ja, wird dabei etwas herauskommen? Natürlich so viel, als herauskommt, wenn das Kind mit der Puppe spielt, denn diesen Vergleich legt er ja zugrunde. Also bloß eine Nachahmung des Lebens! Hier haben wir es nicht nur zu tun mit einem ganz törichten Vergleich, sondern wir haben es zu tun auch mit einem zweiten Irrtum, mit einer zweiten Torheit des Mannes. Der Vergleich muß falsch sein, weil der Puppenvergleich gar nicht geht: Die Puppe bildet das Leben wenigstens nach — Ideale sollen nichts nachbilden. Aber wenn sie so wären, so würden sie nur eine Imitation des Lebens zustande bringen, nicht das Leben selbst. Wir haben es also mit einem Doppelunsinn zu tun. Wir haben einen Philosophen vor uns, der nicht nur einen einfachen, sondern einen Doppelunsinn tut. Solcher Doppelunsinne könnten wir viele, viele nachweisen in der Wissenschaft und im Leben. Insbesondere sind diese Doppelunsinne häufig in der sogenannten Weltweisheit, in der Philosophie zu finden. Wenn solches Denken vorhanden ist, wenn das Denken auf solch schiefen Bahnen geht, dann kann sich dieses Denken nicht disziplinieren, so daß es nur gültige Vergleiche bildet, nur ein Gefühl entwickelt für gültige Vergleiche, und dann ist kein Fundament gegeben für geistige Anschauung. Denn geistige Anschauung kann sich nur entwickeln, wenn das Denken zunächst ein gesundes ist.
[ 20 ] Wir haben also schon die Anschauung, daß Ideale nichts Wesenhaftes sind, aber der Mensch kann sie doch im Leben gebrauchen, indem er sie so ähnlich behandelt wie das kleine Mädchen die Puppe, die auch nichts Lebendiges ist, aber wie etwas Lebendes behandelt wird. Wir haben es mit einem Philosophen zu tun, der die Ideale mit Puppen vergleicht! Nun, versuchen wir zurechtzukommen mit diesem Vergleich, mit diesem Bilde. Erstens: Das kleine Mädchen spielt mit der Puppe, aber es spielt unter der Voraussetzung, daß die Puppe ein lebendes Wesen mindestens abbildet. Es würde kaum mit der Puppe spielen, wenn es nicht in der Puppe etwas hätte, was ein lebendes Wesen abbildet. Das ist die Voraussetzung. Also es läßt sich wohl kaum die Puppe mit dem Ideal vergleichen, wenn wir nicht voraussetzen, daß das Ideal doch etwas abbildet, nicht wahr? Das ist der erste Unsinn, den er sagt, daß er überhaupt diesen Vergleich gebraucht. Das Zweite ist: Wir wollen nach den Idealen, als ob sie bestünden, das Leben einrichten. Ja, wird dabei etwas herauskommen? Natürlich so viel, als herauskommt, wenn das Kind mit der Puppe spielt, denn diesen Vergleich legt er ja zugrunde. Also bloß eine Nachahmung des Lebens! Hier haben wir es nicht nur zu tun mit einem ganz törichten Vergleich, sondern wir haben es zu tun auch mit einem zweiten Irrtum, mit einer zweiten Torheit des Mannes. Der Vergleich muß falsch sein, weil der Puppenvergleich gar nicht geht: Die Puppe bildet das Leben wenigstens nach — Ideale sollen nichts nachbilden. Aber wenn sie so wären, so würden sie nur eine Imitation des Lebens zustande bringen, nicht das Leben selbst. Wir haben es also mit einem Doppelunsinn zu tun. Wir haben einen Philosophen vor uns, der nicht nur einen einfachen, sondern einen Doppelunsinn tut. Solcher Doppelunsinne könnten wir viele, viele nachweisen in der Wissenschaft und im Leben. Insbesondere sind diese Doppelunsinne häufig in der sogenannten Weltweisheit, in der Philosophie zu finden. Wenn solches Denken vorhanden ist, wenn das Denken auf solch schiefen Bahnen geht, dann kann sich dieses Denken nicht disziplinieren, so daß es nur gültige Vergleiche bildet, nur ein Gefühl entwickelt für gültige Vergleiche, und dann ist kein Fundament gegeben für geistige Anschauung. Denn geistige Anschauung kann sich nur entwickeln, wenn das Denken zunächst ein gesundes ist.
[ 21 ] Deshalb bitte ich Sie recht sehr, gerade in dem neuen Buche, das in einiger Zeit erscheinen wird, «Vom Menschenrätsel», zu beachten, was dort gesagt ist über den Begriff des Wirklichen. Wir müssen den Begriff des Wirklichen entwickeln, nicht bloß den Begriff des Logischen. Wenn ich einen Kristall vor mir habe und ihn als Kristall betrachte, so ist er eine in sich abgeschlossene Wirklichkeit. Der Kristall sagt mir die Wahrheit über sich, wenn ich ihn als Kristall betrachte. Aber nehmen Sie einen Baumstamm, dessen Zweige abgeschnitten sind, dessen Wurzel abgeschnitten ist! Sagt der auch über sich die Wahrheit? Nein, der lügt mich an, so wie er in der Sinnlichkeit da ist, denn so kann er nicht sein! Dieser Baumstamm könnte nicht sein, wenn er sich nicht im Zusammenhang mit einer Wurzel und mit Zweigen und Blättern entwickelte; das gehört auch zu dem abgeschnittenen Baumstamm dazu, und ich habe nur eine Wahrheit, wenn ich den ganzen Baum vorstelle. Da habe ich etwas aus der Sinnlichkeit herausgeschnitten. Aber dieses Herausgeschnittene ist keine Wirklichkeit. Wirklichkeitsgemäßes Denken muß überall ein Gefühl dafür entwickeln, was man einschließen muß in die Vorstellung. Nur wenn man ein Gefühl davon hat, daß ein Blatt nichts Wirkliches ist, weil es nur im Zusammenhang mit einer Pflanze gedacht werden kann — es ist etwas anderes, ob ich ein Blatt finde oder ob ich einen Kristall finde —, nur wenn ich diesen Wirklichkeitssinn entwickele, bin ich vorbereitet dazu, auch zu den geistigen Wirklichkeiten in der richtigen Weise aufzusteigen. Logisch kann manches sein; wirklichkeitsgemäß ist etwas anderes! Da handelt es sich darum, daß man den Sinn für die Wirklichkeit entwickelt. Man kann sehr leicht Fehler machen in bezug auf diesen Sinn des Wirklichen. Wenn ich ein Bild anschaue, das dadurch entstanden ist, daß eine einzige Figur aus einem Ganzen herausgeschnitten ist, so ist das nichts Wirkliches, denn das ganze Bild muß ich ansehen. Wenn nun einer sagt: Ja, dann mußt du aber überhaupt, weil dieses Bild sich ergibt aus früheren Bildern, die derselbe Maler und andere Maler gemalt haben, die ganze Kunstgeschichte überblicken. — Das wäre wiederum Unsinn. Man muß eben diesen Wirklichkeitssinn entwickeln, daß es in sich abgeschlossene Realitäten gibt. Sonst würde «wirklich» überhaupt nur dasjenige sein, was das ganze Weltenall ist. Das also bitte ich Sie ganz besonders zu beachten in der Schrift, die demnächst erscheinen wird: «Vom Menschenrätsel».
[ 21 ] Deshalb bitte ich Sie recht sehr, gerade in dem neuen Buche, das in einiger Zeit erscheinen wird, «Vom Menschenrätsel», zu beachten, was dort gesagt ist über den Begriff des Wirklichen. Wir müssen den Begriff des Wirklichen entwickeln, nicht bloß den Begriff des Logischen. Wenn ich einen Kristall vor mir habe und ihn als Kristall betrachte, so ist er eine in sich abgeschlossene Wirklichkeit. Der Kristall sagt mir die Wahrheit über sich, wenn ich ihn als Kristall betrachte. Aber nehmen Sie einen Baumstamm, dessen Zweige abgeschnitten sind, dessen Wurzel abgeschnitten ist! Sagt der auch über sich die Wahrheit? Nein, der lügt mich an, so wie er in der Sinnlichkeit da ist, denn so kann er nicht sein! Dieser Baumstamm könnte nicht sein, wenn er sich nicht im Zusammenhang mit einer Wurzel und mit Zweigen und Blättern entwickelte; das gehört auch zu dem abgeschnittenen Baumstamm dazu, und ich habe nur eine Wahrheit, wenn ich den ganzen Baum vorstelle. Da habe ich etwas aus der Sinnlichkeit herausgeschnitten. Aber dieses Herausgeschnittene ist keine Wirklichkeit. Wirklichkeitsgemäßes Denken muß überall ein Gefühl dafür entwickeln, was man einschließen muß in die Vorstellung. Nur wenn man ein Gefühl davon hat, daß ein Blatt nichts Wirkliches ist, weil es nur im Zusammenhang mit einer Pflanze gedacht werden kann — es ist etwas anderes, ob ich ein Blatt finde oder ob ich einen Kristall finde —, nur wenn ich diesen Wirklichkeitssinn entwickele, bin ich vorbereitet dazu, auch zu den geistigen Wirklichkeiten in der richtigen Weise aufzusteigen. Logisch kann manches sein; wirklichkeitsgemäß ist etwas anderes! Da handelt es sich darum, daß man den Sinn für die Wirklichkeit entwickelt. Man kann sehr leicht Fehler machen in bezug auf diesen Sinn des Wirklichen. Wenn ich ein Bild anschaue, das dadurch entstanden ist, daß eine einzige Figur aus einem Ganzen herausgeschnitten ist, so ist das nichts Wirkliches, denn das ganze Bild muß ich ansehen. Wenn nun einer sagt: Ja, dann mußt du aber überhaupt, weil dieses Bild sich ergibt aus früheren Bildern, die derselbe Maler und andere Maler gemalt haben, die ganze Kunstgeschichte überblicken. — Das wäre wiederum Unsinn. Man muß eben diesen Wirklichkeitssinn entwickeln, daß es in sich abgeschlossene Realitäten gibt. Sonst würde «wirklich» überhaupt nur dasjenige sein, was das ganze Weltenall ist. Das also bitte ich Sie ganz besonders zu beachten in der Schrift, die demnächst erscheinen wird: «Vom Menschenrätsel».
[ 22 ] Nachdem ich gewissermaßen den Gegenstand der heutigen Betrachtung erschöpft habe, also nichts abziehe von der eigentlichen Betrachtung, so darf ich noch etwas über diese hinausgehend sagen, nicht um irgend etwas Abträgliches, Schlimmes zu sagen, aber um etwas zu sagen, was ein wenig geeignet ist, Licht zu werfen auf die Art, wie unsere ganze Bewegung genommen werden muß. Man kann ja wirklich diese Geisteswissenschaft in die gegenwärtige Kultur nur hineinbringen, wenn eine Anzahl von Menschen da sind, welche den guten Willen haben, mit dem rechten Fühlen und Empfinden zu dieser Geisteswissenschaft zu stehen. Ich mache solche Betrachtungen immer ungern, aber sie müssen schon einmal gemacht werden. Sehen Sie, ich bemühe mich auf jede mögliche Art, zu zeigen, wie in der Tat in unserer Gegenwart die Tendenz, der Impuls ist nach dem Geisteswissenschaftlichen hin. Zu diesem Ende habe ich Ihnen angeführt die zwei Bücher von Hermann Bahr «Expressionismus» und «Himmelfahrt», weil wir es da zu tun haben mit einem Menschen, der über fünfzig Jahre alt geworden ist und jetzt beginnt, trotzdem er so und soviele Dramen und Romane geschrieben hat, gleichsam eine Sehnsucht zu entwickeln nach dem Geisteswissenschaftlichen und auch nach Goethe hin, der so innig zusammenhängt mit den Impulsen der Geisteswissenschaft. Und ich versuchte zu zeigen, wie dieser Hermann Bahr aus einem guten Willen heraus endlich mit fünfzig Jahren angefangen hat — wie er das selbst gesteht —, nun endlich Goethe zu lesen, und wie er angefangen hat, ein bißchen sich hineinzufinden, «tappend», sagte ich, in das Geisteswissenschaftliche, so daß er in dem allerersten Anfang ist. Solche Bücher wie «Expressionismus» von Hermann Bahr, und das andere: «Himmelfahrt», sie sind wirklich außerordentlich bezeichnend, weil sie uns zeigen, wie Geisteswissenschaft — verzeihen Sie den trivialen Ausdruck — eine Frage der Zeit ist. Aber wir kommen nur weiter auf diesem Gebiete, wenn wir die Dinge wirklich ernstlich und gründlich nehmen, wenn wir sie auch nehmen mit der richtigen Ehrfurcht vor dem Geisteswissenschaftlichen, wenn wir gewissermaßen wissen: Es ist ein GrundImpuls, der aufgesucht wird dabei in unserer gegenwärtigen Kulturentwickelung. Schaden muß es unserer Sache immer, wenn die Dinge oberflächlich genommen werden, wenn die Dinge so genommen werden, daß dasjenige, was hier — es darf ja, ohne die Bescheidenheit zu verletzen, gewiß gesagt werden — mit Gründlichkeit versucht wird, verwechselt wird mit allem möglichen Charlatanhaften, Törichten, Phantastischen in unserer Zeit. Nichts schadet unserer Sache so sehr, als wenn sie verwechselt wird mit allem möglichen phantastischen, dilettantischen Zeug. Nun arbeiten wir ja lange zusammen, und es muß schon sich allmählich entwickeln dieser Ernst gegenüber der Sache und dieses Unterscheidungsvermögen gegenüber anderen Dingen, die ja manche Ähnlichkeiten haben, aber schließlich hat ein Köter auch mit einem Löwen einige Ähnlichkeit: Sie haben beide vier Beine! Schließlich hat alles mit allem Ähnlichkeit! Dasjenige, was aber vor allen Dingen berücksichtigt werden muß, ist der Ernst des Strebens, der Ernst des Arbeitens. Nun wirklich, betrachten Sie es so, daß ich selbstverständlich in dem Fall, den ich hier bespreche, den außerordentlich guten Willen anerkenne, der dabei zugrunde liegt — dankbar bin ich für den guten Willen —, aber daß ich doch das Symptomatische schon einmal gezwungen bin zu besprechen.
[ 22 ] Nachdem ich gewissermaßen den Gegenstand der heutigen Betrachtung erschöpft habe, also nichts abziehe von der eigentlichen Betrachtung, so darf ich noch etwas über diese hinausgehend sagen, nicht um irgend etwas Abträgliches, Schlimmes zu sagen, aber um etwas zu sagen, was ein wenig geeignet ist, Licht zu werfen auf die Art, wie unsere ganze Bewegung genommen werden muß. Man kann ja wirklich diese Geisteswissenschaft in die gegenwärtige Kultur nur hineinbringen, wenn eine Anzahl von Menschen da sind, welche den guten Willen haben, mit dem rechten Fühlen und Empfinden zu dieser Geisteswissenschaft zu stehen. Ich mache solche Betrachtungen immer ungern, aber sie müssen schon einmal gemacht werden. Sehen Sie, ich bemühe mich auf jede mögliche Art, zu zeigen, wie in der Tat in unserer Gegenwart die Tendenz, der Impuls ist nach dem Geisteswissenschaftlichen hin. Zu diesem Ende habe ich Ihnen angeführt die zwei Bücher von Hermann Bahr «Expressionismus» und «Himmelfahrt», weil wir es da zu tun haben mit einem Menschen, der über fünfzig Jahre alt geworden ist und jetzt beginnt, trotzdem er so und soviele Dramen und Romane geschrieben hat, gleichsam eine Sehnsucht zu entwickeln nach dem Geisteswissenschaftlichen und auch nach Goethe hin, der so innig zusammenhängt mit den Impulsen der Geisteswissenschaft. Und ich versuchte zu zeigen, wie dieser Hermann Bahr aus einem guten Willen heraus endlich mit fünfzig Jahren angefangen hat — wie er das selbst gesteht —, nun endlich Goethe zu lesen, und wie er angefangen hat, ein bißchen sich hineinzufinden, «tappend», sagte ich, in das Geisteswissenschaftliche, so daß er in dem allerersten Anfang ist. Solche Bücher wie «Expressionismus» von Hermann Bahr, und das andere: «Himmelfahrt», sie sind wirklich außerordentlich bezeichnend, weil sie uns zeigen, wie Geisteswissenschaft — verzeihen Sie den trivialen Ausdruck — eine Frage der Zeit ist. Aber wir kommen nur weiter auf diesem Gebiete, wenn wir die Dinge wirklich ernstlich und gründlich nehmen, wenn wir sie auch nehmen mit der richtigen Ehrfurcht vor dem Geisteswissenschaftlichen, wenn wir gewissermaßen wissen: Es ist ein GrundImpuls, der aufgesucht wird dabei in unserer gegenwärtigen Kulturentwickelung. Schaden muß es unserer Sache immer, wenn die Dinge oberflächlich genommen werden, wenn die Dinge so genommen werden, daß dasjenige, was hier — es darf ja, ohne die Bescheidenheit zu verletzen, gewiß gesagt werden — mit Gründlichkeit versucht wird, verwechselt wird mit allem möglichen Charlatanhaften, Törichten, Phantastischen in unserer Zeit. Nichts schadet unserer Sache so sehr, als wenn sie verwechselt wird mit allem möglichen phantastischen, dilettantischen Zeug. Nun arbeiten wir ja lange zusammen, und es muß schon sich allmählich entwickeln dieser Ernst gegenüber der Sache und dieses Unterscheidungsvermögen gegenüber anderen Dingen, die ja manche Ähnlichkeiten haben, aber schließlich hat ein Köter auch mit einem Löwen einige Ähnlichkeit: Sie haben beide vier Beine! Schließlich hat alles mit allem Ähnlichkeit! Dasjenige, was aber vor allen Dingen berücksichtigt werden muß, ist der Ernst des Strebens, der Ernst des Arbeitens. Nun wirklich, betrachten Sie es so, daß ich selbstverständlich in dem Fall, den ich hier bespreche, den außerordentlich guten Willen anerkenne, der dabei zugrunde liegt — dankbar bin ich für den guten Willen —, aber daß ich doch das Symptomatische schon einmal gezwungen bin zu besprechen.
[ 23 ] Nachdem ich also in den zwei Betrachtungen auseinandergesetzt habe, wie Hermann Bahr gleichsam ein Konterfei von sich selber in seinem «Franz» schildert, wie der durch die verschiedensten Dinge durch das Leben geht, wie er dann zu einer Art von Mystik kommt — also eine ernsthaftige Sache, die ein Abbild ist eines ganzen Menschenlebens —, da bekam ich vor einigen Tagen aus dem Kreise derjenigen, die das hier sich angehört haben, ein Buch zugeschickt, «Apostel Dodenscheidt» von Margarethe Böhme, mit der Bemerkung: So wie der Franz bei Hermann Bahr, so hätte doch auch der Apostel Dodenscheidt alle möglichen Entwickelungen durchgemacht und hätte sich zuletzt durchgerungen zu der Anschauung von Reinkarnation und Karma. — Nun, das Buch, das mir da geschickt worden ist, ist ein Schlüsselroman der schlimmsten Sorte. Man braucht sich ja nur an gewisse Dinge hier in Berlin und der weiteren Umgebung zu erinnern: Es gab einmal einen Josua Klein und ähnliche Leute; in diesem Roman gibt’s einen Gottfried Groß und so weiter. Und nichts Schlimmeres könnte einem passieren, als daß die beiden Dinge, die hier gemeint sind, und die Dinge, die diesem Schlüsselroman zugrunde liegen, der außerdem ein literarisch minderwertiges Buch ist, ein schlechtes Buch in literarischer, künstlerischer Beziehung, in einem Atem genannt werden! Es ist aber die Tendenz vorhanden, die Dinge in einem Atem zu nennen, wenn so etwas geschehen kann, daß die Dinge zusammengeworfen werden. Es ist gewiß keine Sünde, daß das gerade in diesem Fall geschehen ist — es ist ja mir geschickt worden. Aber es zeigt doch, welche Ideenassoziationen sich bilden, mit welchen Dingen man dasjenige, was hier aus den Quellen des Lebens gesucht werden soll, verwechselt. Ich will keinen Tadel aussprechen, sondern nur eine symptomatische Erscheinung besprechen. Die Dinge, die hier besprochen werden, sind wahrhaftig nicht so gemeint, wie es derjenige auffaßt, der das ganze tolle Zeug, das in diesem Buche «Apostel Dodenscheidt» abgehandelt ist, irgendwie ernsthaftig nimmt. Gerade das Zusammenbringen unserer Sache mit diesen oder jenen Bestrebungen, das ist es, was unserer Sache am allermeisten schadet! Das ist das Wichtige, daß uns das endlich einmal so recht zur Seele geht, denn derjenige versteht nicht richtig, was hier gesagt sein will, der hier etwas Ähnliches findet wie in dem Buch «Apostel Dodenscheidt». Ich will keine Philippika halten, ich möchte noch einmal sagen, daß ich selbstverständlich den guten Willen anerkennen will. Aber das Symptomatische muß ich doch besprechen, denn was da zum Vorschein gekommen ist, das kommt draußen immer wieder und wiederum zum Vorschein: daß man die Dinge, die hier besprochen werden und die hier vertreten werden, wirklich nicht mit dem nötigen Ernst und mit der nötigen Einsicht nimmt.
[ 23 ] Nachdem ich also in den zwei Betrachtungen auseinandergesetzt habe, wie Hermann Bahr gleichsam ein Konterfei von sich selber in seinem «Franz» schildert, wie der durch die verschiedensten Dinge durch das Leben geht, wie er dann zu einer Art von Mystik kommt — also eine ernsthaftige Sache, die ein Abbild ist eines ganzen Menschenlebens —, da bekam ich vor einigen Tagen aus dem Kreise derjenigen, die das hier sich angehört haben, ein Buch zugeschickt, «Apostel Dodenscheidt» von Margarethe Böhme, mit der Bemerkung: So wie der Franz bei Hermann Bahr, so hätte doch auch der Apostel Dodenscheidt alle möglichen Entwickelungen durchgemacht und hätte sich zuletzt durchgerungen zu der Anschauung von Reinkarnation und Karma. — Nun, das Buch, das mir da geschickt worden ist, ist ein Schlüsselroman der schlimmsten Sorte. Man braucht sich ja nur an gewisse Dinge hier in Berlin und der weiteren Umgebung zu erinnern: Es gab einmal einen Josua Klein und ähnliche Leute; in diesem Roman gibt’s einen Gottfried Groß und so weiter. Und nichts Schlimmeres könnte einem passieren, als daß die beiden Dinge, die hier gemeint sind, und die Dinge, die diesem Schlüsselroman zugrunde liegen, der außerdem ein literarisch minderwertiges Buch ist, ein schlechtes Buch in literarischer, künstlerischer Beziehung, in einem Atem genannt werden! Es ist aber die Tendenz vorhanden, die Dinge in einem Atem zu nennen, wenn so etwas geschehen kann, daß die Dinge zusammengeworfen werden. Es ist gewiß keine Sünde, daß das gerade in diesem Fall geschehen ist — es ist ja mir geschickt worden. Aber es zeigt doch, welche Ideenassoziationen sich bilden, mit welchen Dingen man dasjenige, was hier aus den Quellen des Lebens gesucht werden soll, verwechselt. Ich will keinen Tadel aussprechen, sondern nur eine symptomatische Erscheinung besprechen. Die Dinge, die hier besprochen werden, sind wahrhaftig nicht so gemeint, wie es derjenige auffaßt, der das ganze tolle Zeug, das in diesem Buche «Apostel Dodenscheidt» abgehandelt ist, irgendwie ernsthaftig nimmt. Gerade das Zusammenbringen unserer Sache mit diesen oder jenen Bestrebungen, das ist es, was unserer Sache am allermeisten schadet! Das ist das Wichtige, daß uns das endlich einmal so recht zur Seele geht, denn derjenige versteht nicht richtig, was hier gesagt sein will, der hier etwas Ähnliches findet wie in dem Buch «Apostel Dodenscheidt». Ich will keine Philippika halten, ich möchte noch einmal sagen, daß ich selbstverständlich den guten Willen anerkennen will. Aber das Symptomatische muß ich doch besprechen, denn was da zum Vorschein gekommen ist, das kommt draußen immer wieder und wiederum zum Vorschein: daß man die Dinge, die hier besprochen werden und die hier vertreten werden, wirklich nicht mit dem nötigen Ernst und mit der nötigen Einsicht nimmt.
