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The Riddle of Man
The Spiritual Background of Human History
GA 170

29 July 1916, Dornach

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Erster Vortrag

Erster Vortrag

[ 1 ] Mit einer großen Befriedigung begrüße ich es, daß wir wiederum für eine Weile hier zusammen sein können, und mit nicht minder großer Befriedigung habe ich es zu begrüßen, daß in der Zeit, in der wir nicht hier zusammen sein konnten, unser Bau in einer so schönen Weise fortgeschritten ist. Allen denjenigen Freunden, welche mit der dazu ja so notwendigen Hingabe an den Aufgaben dieses Baues mitwirken, muß wirklich von seiten des Strebens, das in unserem Sinne der Zeit dienen will, der schönste Dank zum Ausdruck gebracht werden. Lassen Sie es mich heute als einen Gruß aussprechen, daß jedes Stück Fortgang in unseren Arbeiten, das sich wiederum einmal durch Monate hindurch vollzogen hat, etwas sehr Bedeutsames ist innerhalb unserer geistigen Bewegung. Jetzt, in dieser schweren Zeit, wo die Schicksale geistiger Bewegungen, man kann sagen, auf das Unbestimmte der Zukunft eingestellt sind, müssen wir uns ja vor allen Dingen das Bewußtsein rege halten von der ewigen Bedeutung dessen, was gerade mit einem solchen ‘Werke, wie es hier ersteht, geschieht. Was auch immer die Zukunft in ihrem Schoße tragen mag, wichtig ist, daß an einem solchen Werke einmal gearbeitet worden ist, daß alles dasjenige, was geistig zusammenhängt mit diesem Werke, durch eine Anzahl menschlicher Seelen und Herzen gezogen ist, daß es von einer Anzahl menschlicher Augen geschaut worden ist und dadurch wirksam geworden ist im Entwickelungsverlaufe des menschlichen Strebens. Wir dürfen hoffen, daß für die lieben Freunde, die hier mitarbeiten, dasjenige, was hier durch ihre Seelen gezogen ist, noch in der mannigfaltigsten Weise auch draußen in der Welt wird fruchtbar werden können. Und es wird schöne Früchte tragen müssen, weil es von vornherein verbunden ist mit dem Geiste des Fortschrittes und des Fortwirkens, des Fortstrebens unserer Zeit.

[ 1 ] Mit einer großen Befriedigung begrüße ich es, daß wir wiederum für eine Weile hier zusammen sein können, und mit nicht minder großer Befriedigung habe ich es zu begrüßen, daß in der Zeit, in der wir nicht hier zusammen sein konnten, unser Bau in einer so schönen Weise fortgeschritten ist. Allen denjenigen Freunden, welche mit der dazu ja so notwendigen Hingabe an den Aufgaben dieses Baues mitwirken, muß wirklich von seiten des Strebens, das in unserem Sinne der Zeit dienen will, der schönste Dank zum Ausdruck gebracht werden. Lassen Sie es mich heute als einen Gruß aussprechen, daß jedes Stück Fortgang in unseren Arbeiten, das sich wiederum einmal durch Monate hindurch vollzogen hat, etwas sehr Bedeutsames ist innerhalb unserer geistigen Bewegung. Jetzt, in dieser schweren Zeit, wo die Schicksale geistiger Bewegungen, man kann sagen, auf das Unbestimmte der Zukunft eingestellt sind, müssen wir uns ja vor allen Dingen das Bewußtsein rege halten von der ewigen Bedeutung dessen, was gerade mit einem solchen ‘Werke, wie es hier ersteht, geschieht. Was auch immer die Zukunft in ihrem Schoße tragen mag, wichtig ist, daß an einem solchen Werke einmal gearbeitet worden ist, daß alles dasjenige, was geistig zusammenhängt mit diesem Werke, durch eine Anzahl menschlicher Seelen und Herzen gezogen ist, daß es von einer Anzahl menschlicher Augen geschaut worden ist und dadurch wirksam geworden ist im Entwickelungsverlaufe des menschlichen Strebens. Wir dürfen hoffen, daß für die lieben Freunde, die hier mitarbeiten, dasjenige, was hier durch ihre Seelen gezogen ist, noch in der mannigfaltigsten Weise auch draußen in der Welt wird fruchtbar werden können. Und es wird schöne Früchte tragen müssen, weil es von vornherein verbunden ist mit dem Geiste des Fortschrittes und des Fortwirkens, des Fortstrebens unserer Zeit.

[ 2 ] Tiefe Befriedigung zum Beispiel hat es mir gemacht, als ich beim ersten Gang vorbeigehen konnte an dem in der Nähe des Westportales nun aufgerichteten Hause. Es ist von Bedeutung, daß auch dieses Haus hier innerhalb unseres Bereiches steht. Man kann sagen, es ist von Bedeutung, daß solch ein Haus einmal gebaut werden konnte. Denn es steht da als ein lebendiger Protest gegen alles Althergebrachte im Baustil und in der Bauart, das eigentlich nicht mehr berufen ist, sich, so wie es ist, hineinzustellen in den Entwickelungsgang der Gegenwart. Es steht da auch dieses Häuschen als eine Vorverkündigung eines Neuen. Und daß sich in unserem Kreise Verständnis dafür fand, solch ein Neues hier aufzustellen, das ist viel bedeutsamer, als man zunächst denken kann. Daß dieses Haus hier steht, das ist von einer gewissen großen Bedeutung! Was auch immer heute noch eingewendet wird gegen diese Bauart, gegen diesen Baustil — es ist doch die Bauart, es ist doch der Baustil der Zukunft. Und wenn man versucht, die künstlerischen Sehnsuchten unserer Zeit kennenzulernen, man findet überall: dunkles Streben ist vorhanden, aber man weiß nicht innerhalb dieses dunklen Strebens, wohin man will. Man wird lernen, daß man schon im Dunklen doch das sucht, was hier angestrebt wird. Man wird lernen erkennen, daß man sich hineinfinden muß in die Formen, die ja hier aus dem Schoße der Geisteswissenschaft heraus sich entwickeln. Wie schockierend vielleicht manches an unseren Bauformen auch ist, es wird nicht lange dauern, so wird es nicht mehr schockierend sein, so wird es als das selbstverständliche Ergebnis des Empfindens und Fühlens der Gegenwart und der nächsten Zukunft erscheinen. Und gegenwärtig, wo so vieles ist, das unseren Schmerz erregen muß, gibt es doch für uns dieses Erhebende, daß wir in das so unbestimmte Schicksal der Gegenwart hineinstellen dürfen, was die Zukunft der Menschheit braucht.

[ 2 ] Tiefe Befriedigung zum Beispiel hat es mir gemacht, als ich beim ersten Gang vorbeigehen konnte an dem in der Nähe des Westportales nun aufgerichteten Hause. Es ist von Bedeutung, daß auch dieses Haus hier innerhalb unseres Bereiches steht. Man kann sagen, es ist von Bedeutung, daß solch ein Haus einmal gebaut werden konnte. Denn es steht da als ein lebendiger Protest gegen alles Althergebrachte im Baustil und in der Bauart, das eigentlich nicht mehr berufen ist, sich, so wie es ist, hineinzustellen in den Entwickelungsgang der Gegenwart. Es steht da auch dieses Häuschen als eine Vorverkündigung eines Neuen. Und daß sich in unserem Kreise Verständnis dafür fand, solch ein Neues hier aufzustellen, das ist viel bedeutsamer, als man zunächst denken kann. Daß dieses Haus hier steht, das ist von einer gewissen großen Bedeutung! Was auch immer heute noch eingewendet wird gegen diese Bauart, gegen diesen Baustil — es ist doch die Bauart, es ist doch der Baustil der Zukunft. Und wenn man versucht, die künstlerischen Sehnsuchten unserer Zeit kennenzulernen, man findet überall: dunkles Streben ist vorhanden, aber man weiß nicht innerhalb dieses dunklen Strebens, wohin man will. Man wird lernen, daß man schon im Dunklen doch das sucht, was hier angestrebt wird. Man wird lernen erkennen, daß man sich hineinfinden muß in die Formen, die ja hier aus dem Schoße der Geisteswissenschaft heraus sich entwickeln. Wie schockierend vielleicht manches an unseren Bauformen auch ist, es wird nicht lange dauern, so wird es nicht mehr schockierend sein, so wird es als das selbstverständliche Ergebnis des Empfindens und Fühlens der Gegenwart und der nächsten Zukunft erscheinen. Und gegenwärtig, wo so vieles ist, das unseren Schmerz erregen muß, gibt es doch für uns dieses Erhebende, daß wir in das so unbestimmte Schicksal der Gegenwart hineinstellen dürfen, was die Zukunft der Menschheit braucht.

[ 3 ] Ich möchte nun heute und morgen die Zeit dazu verwenden, einiges mit Ihnen durchzusprechen, das die Seele hinweisen kann auf alles dasjenige, was in den Tiefen dieser Seele wurzelt, so wurzelt, daß vieles für die eigene Seele Unverständliche aus den Tiefen des Menschen kommt, so kommt, daß des Menschen inneres Schicksal abhängt von dem, was da heraufwogt aus der Seele, was die wahre Selbsterkenntnis schwierig macht. Je mehr man sich dieser Selbsterkenntnis nähert, desto mehr lösen sich manche Wolken, die das Leben trüben, auf. Also von der Menschennatur, von dem Unbestimmten, oftmals so Undefinierbaren der Menschennatur wollen wir sprechen.

[ 3 ] Ich möchte nun heute und morgen die Zeit dazu verwenden, einiges mit Ihnen durchzusprechen, das die Seele hinweisen kann auf alles dasjenige, was in den Tiefen dieser Seele wurzelt, so wurzelt, daß vieles für die eigene Seele Unverständliche aus den Tiefen des Menschen kommt, so kommt, daß des Menschen inneres Schicksal abhängt von dem, was da heraufwogt aus der Seele, was die wahre Selbsterkenntnis schwierig macht. Je mehr man sich dieser Selbsterkenntnis nähert, desto mehr lösen sich manche Wolken, die das Leben trüben, auf. Also von der Menschennatur, von dem Unbestimmten, oftmals so Undefinierbaren der Menschennatur wollen wir sprechen.

[ 4 ] Von einem Beispiel will ich zunächst ausgehen; in unserer Zeit gibt es viele solcher Beispiele. Sie wissen ja, daß man lange Zeit hindurch sogar ein gewisses Wohlgefallen daran gefunden hat, sich so recht als ein Kind unserer Zeit zu fühlen, und dabei diese Zeit zu nennen die Zeit der «decadence». Man fühlte geradezu etwas, was sich so gehört, was sich so schickt in unserer Zeit: ein «decadent» zu sein; und für viele Menschen hat es als eine Art von Evangelium gegolten: Willst du nicht ein Philister sein, so mußt du einen gewissen Grad von Nervosität haben. Man ist schon wirklich, wenn man nicht nervös war, ein knüppeldicker Philister gewesen oder irgendein nicht auf der Höhe der Zeit stehender Mensch. So fühlten wirklich nicht wenige in den allerletzten Jahrzehnten. Vornehm zum mindesten war man nur, wenn man dekadent war; den neuen Adel, den echten geistigen Adel hatte man nur, wenn man dekadent war.

[ 4 ] Von einem Beispiel will ich zunächst ausgehen; in unserer Zeit gibt es viele solcher Beispiele. Sie wissen ja, daß man lange Zeit hindurch sogar ein gewisses Wohlgefallen daran gefunden hat, sich so recht als ein Kind unserer Zeit zu fühlen, und dabei diese Zeit zu nennen die Zeit der «decadence». Man fühlte geradezu etwas, was sich so gehört, was sich so schickt in unserer Zeit: ein «decadent» zu sein; und für viele Menschen hat es als eine Art von Evangelium gegolten: Willst du nicht ein Philister sein, so mußt du einen gewissen Grad von Nervosität haben. Man ist schon wirklich, wenn man nicht nervös war, ein knüppeldicker Philister gewesen oder irgendein nicht auf der Höhe der Zeit stehender Mensch. So fühlten wirklich nicht wenige in den allerletzten Jahrzehnten. Vornehm zum mindesten war man nur, wenn man dekadent war; den neuen Adel, den echten geistigen Adel hatte man nur, wenn man dekadent war.

[ 5 ] Ein Typus eines Dekadenten soll uns heute zunächst als Beispiel beschäftigen, damit wir dann weitere, allgemeinere Weltanschauungserkenntnisse darauf aufbauen können. Wie gesagt, ein Typus eben. Er soll auch nur als Typus behandelt werden; denn dieFälle sind zahlreich in der Gegenwart, und ebensogut könnte ein anderer Fall uns beschäftigen.

[ 5 ] Ein Typus eines Dekadenten soll uns heute zunächst als Beispiel beschäftigen, damit wir dann weitere, allgemeinere Weltanschauungserkenntnisse darauf aufbauen können. Wie gesagt, ein Typus eben. Er soll auch nur als Typus behandelt werden; denn dieFälle sind zahlreich in der Gegenwart, und ebensogut könnte ein anderer Fall uns beschäftigen.

[ 6 ] Als Fall will ich heute besprechen einen verhältnismäßig jung dahingegangenen Menschen, der zwei aufsehenerregende Bücher geschrieben hat. Das erste heißt: «Geschlecht und Charakter», und das zweite wurde von seinen Freunden sogar erst nach seinem Tode herausgegeben und trägt den Titel: «Über die letzten Dinge». Otto Weininger ist es, den ich meine, der als ein richtiges Genie der Gegenwart von vielen Menschen angesehen worden ist. «Geschlecht und Charakter», ein dickes Buch, das er geschrieben hat, hat viel, viel Aufsehen gemacht, und die Urteile, die über dieses Buch gefällt worden sind, die sind sehr, sehr voneinander verschieden. Es gibt Leute, welche dieses Buch wie ein neues, gewissermaßen aus dem Urgeist der Gegenwart gefallenes Evangelium hingestellt haben, welche behauptet haben, daß die tiefsten Wahrheiten der Gegenwart, wenn auch einseitig, wenn auch vielleicht nicht ganz ausgesprochen, so doch berührt worden seien in diesem Buche «Geschlecht und Charakter» von Otto Weininger. Es gibt auch andere Menschen, sagen wir zum Beispiel diejenigen, die von Profession Irrenärzte sind, die behaupten, daß die beiden Bücher «Geschlecht und Charakter» und «Über die letzten Dinge» in keine andere ernsthafte Bibliothek gehören als in die Bibliothek der Irrenhäuser, und zwar nicht in diejenige Bibliothek, welche die Patienten lesen, sondern welche die Ärzte lesen, um an diesen beiden Büchern einen Fall von typischem Irrsinn der Gegenwart studieren zu können.

[ 6 ] Als Fall will ich heute besprechen einen verhältnismäßig jung dahingegangenen Menschen, der zwei aufsehenerregende Bücher geschrieben hat. Das erste heißt: «Geschlecht und Charakter», und das zweite wurde von seinen Freunden sogar erst nach seinem Tode herausgegeben und trägt den Titel: «Über die letzten Dinge». Otto Weininger ist es, den ich meine, der als ein richtiges Genie der Gegenwart von vielen Menschen angesehen worden ist. «Geschlecht und Charakter», ein dickes Buch, das er geschrieben hat, hat viel, viel Aufsehen gemacht, und die Urteile, die über dieses Buch gefällt worden sind, die sind sehr, sehr voneinander verschieden. Es gibt Leute, welche dieses Buch wie ein neues, gewissermaßen aus dem Urgeist der Gegenwart gefallenes Evangelium hingestellt haben, welche behauptet haben, daß die tiefsten Wahrheiten der Gegenwart, wenn auch einseitig, wenn auch vielleicht nicht ganz ausgesprochen, so doch berührt worden seien in diesem Buche «Geschlecht und Charakter» von Otto Weininger. Es gibt auch andere Menschen, sagen wir zum Beispiel diejenigen, die von Profession Irrenärzte sind, die behaupten, daß die beiden Bücher «Geschlecht und Charakter» und «Über die letzten Dinge» in keine andere ernsthafte Bibliothek gehören als in die Bibliothek der Irrenhäuser, und zwar nicht in diejenige Bibliothek, welche die Patienten lesen, sondern welche die Ärzte lesen, um an diesen beiden Büchern einen Fall von typischem Irrsinn der Gegenwart studieren zu können.

[ 7 ] Sie sehen, man kann sich keine größeren Extreme des Urteils denken. Also auf der einen Seite eine bis zur Anbetung gehende Verehrung eines großen, genialen Werkes, auf der anderen Seite die Verurteilung desselben als ein Produkt des vollendeten Irrsinnes. Kurios ist ja allerdings manches, was in diesem Buche «Geschlecht und Charakter» steht. Überraschend aber ist es nur für den, der sich weniger intensiv beschäftigt hat mit mancherlei Gedanken, die die letzten Jahrzehnte an die Oberfläche getrieben haben.

[ 7 ] Sie sehen, man kann sich keine größeren Extreme des Urteils denken. Also auf der einen Seite eine bis zur Anbetung gehende Verehrung eines großen, genialen Werkes, auf der anderen Seite die Verurteilung desselben als ein Produkt des vollendeten Irrsinnes. Kurios ist ja allerdings manches, was in diesem Buche «Geschlecht und Charakter» steht. Überraschend aber ist es nur für den, der sich weniger intensiv beschäftigt hat mit mancherlei Gedanken, die die letzten Jahrzehnte an die Oberfläche getrieben haben.

[ 8 ] Weininger sagt zunächst — nicht mit diesen Worten, ich muß ein Buch, das so dick ist, kurz charakterisieren —: Wie man den Menschen bisher angesehen hat, das ist Philisteranschauung, Pedantenanschauung. Und diese Philisteranschauung, diese Pedantenanschauung, die hat immer geglaubt, daß zweierlei Menschen auf der Welt sind: Männer und Frauen. Aber solches Vorurteil, daß Männer und Frauen auf der Welt sind, das kann nur ein richtiger Philister haben. Wer die Welt wirklich versteht, der erhebt sich über dieses Philisterurteil; denn es ist nicht wahr, meint Weininger, daß es Männer und Frauen gibt: es gibt nur männliche und weibliche Eigenschaften. Die männlichen Eigenschaften bezeichnet er — er drückt sich sehr korrekt und diplomatisch aus — als M, und die weiblichen Eigenschaften als W. Aber es gibt kein Individuum in der Welt — nach Weininger —, welches ganz M oder ganz W wäre. Das wäre auch schlimm, wenn es ein solches Individuum gäbe, das man ganz als M oder ganz als W bezeichnen müßte. Denn, sagt Weininger, was ist ein richtiges Weib? Ein richtiges Weib ist gar nicht einmal Etwas, sondern ist die Negation des Etwas, ist das Nichts. Nun sind aber solche Individuen doch da, die eigentlich gar nicht rechtmäßigerweise auf der Welt sind, sondern nur als Maja vorhanden sind. Sie wären gar nicht da, diejenigen Individuen, die bloß W bedeuten, wenn sie eben bloß W wären. Die Sache ist vielmehr so, daß jedes menschliche Individuum aus M+W besteht. Irgendwelche männlichen und weiblichen Eigenschaften hat jedes menschliche Individuum. Wenn das M etwas überwiegt, so macht das Individuum den Eindruck eines Mannes; wenn das W etwas überwiegt, so macht das Individuum den Eindruck einer Frau. Und weil sie noch sehr viel M in sich hat, die Frau, so ist sie auch Etwas und nicht Nichts. Der Grundcharakter eines menschlichen Individuums hängt nun ganz und gar davon ab, wieviel das betreffende Individuum von dem M oder von dem W in sich hat, wie die Mischung ist.

[ 8 ] Weininger sagt zunächst — nicht mit diesen Worten, ich muß ein Buch, das so dick ist, kurz charakterisieren —: Wie man den Menschen bisher angesehen hat, das ist Philisteranschauung, Pedantenanschauung. Und diese Philisteranschauung, diese Pedantenanschauung, die hat immer geglaubt, daß zweierlei Menschen auf der Welt sind: Männer und Frauen. Aber solches Vorurteil, daß Männer und Frauen auf der Welt sind, das kann nur ein richtiger Philister haben. Wer die Welt wirklich versteht, der erhebt sich über dieses Philisterurteil; denn es ist nicht wahr, meint Weininger, daß es Männer und Frauen gibt: es gibt nur männliche und weibliche Eigenschaften. Die männlichen Eigenschaften bezeichnet er — er drückt sich sehr korrekt und diplomatisch aus — als M, und die weiblichen Eigenschaften als W. Aber es gibt kein Individuum in der Welt — nach Weininger —, welches ganz M oder ganz W wäre. Das wäre auch schlimm, wenn es ein solches Individuum gäbe, das man ganz als M oder ganz als W bezeichnen müßte. Denn, sagt Weininger, was ist ein richtiges Weib? Ein richtiges Weib ist gar nicht einmal Etwas, sondern ist die Negation des Etwas, ist das Nichts. Nun sind aber solche Individuen doch da, die eigentlich gar nicht rechtmäßigerweise auf der Welt sind, sondern nur als Maja vorhanden sind. Sie wären gar nicht da, diejenigen Individuen, die bloß W bedeuten, wenn sie eben bloß W wären. Die Sache ist vielmehr so, daß jedes menschliche Individuum aus M+W besteht. Irgendwelche männlichen und weiblichen Eigenschaften hat jedes menschliche Individuum. Wenn das M etwas überwiegt, so macht das Individuum den Eindruck eines Mannes; wenn das W etwas überwiegt, so macht das Individuum den Eindruck einer Frau. Und weil sie noch sehr viel M in sich hat, die Frau, so ist sie auch Etwas und nicht Nichts. Der Grundcharakter eines menschlichen Individuums hängt nun ganz und gar davon ab, wieviel das betreffende Individuum von dem M oder von dem W in sich hat, wie die Mischung ist.

[ 9 ] So also betrachtet Weininger die Menschheit, und er sagt, alles hänge davon ab, daß man sich endlich bequeme, dieses alte Vorurteil, als ob Männer und Frauen vorhanden wären, aufzugeben. Sehr viel, meint er, hängt davon ab, daß man endlich einsehe, daß jedes menschliche Individuum dadurch etwas ist, daß es männliche Eigenschaften hat — daß es ein W mit Etwas ist, insofern es männliche Eigenschaften hat, und ein W mit Nichts ist, insofern es weibliche Eigenschaften hat. Aus Etwas und Nichts ist also im Grunde genommen jeder Mensch zusammengesetzt.

[ 9 ] So also betrachtet Weininger die Menschheit, und er sagt, alles hänge davon ab, daß man sich endlich bequeme, dieses alte Vorurteil, als ob Männer und Frauen vorhanden wären, aufzugeben. Sehr viel, meint er, hängt davon ab, daß man endlich einsehe, daß jedes menschliche Individuum dadurch etwas ist, daß es männliche Eigenschaften hat — daß es ein W mit Etwas ist, insofern es männliche Eigenschaften hat, und ein W mit Nichts ist, insofern es weibliche Eigenschaften hat. Aus Etwas und Nichts ist also im Grunde genommen jeder Mensch zusammengesetzt.

[ 10 ] Nun, auf dieser Anschauung basiert das ganze dicke Buch. Und alles, was in der Welt sich vollzieht, von dem einzelnen menschlichen Leben bis zum geschichtlichen Leben, wird nun unter diesem Gesichtspunkte betrachtet, richtig mathematisch betrachtet. So finder selbstverständlich Weininger den Grundcharakter eines menschlichen Individuums sehr stark davon abhängig, in welcher Quantität, in welchem Quantum, sagen wir zum Beispiel W dem menschlichen Individuum beigemischt ist, dieses Nichts dem menschlichen Individuum beigemischt ist. Ist sehr viel beigemischt von dem W, so kommt ein anderer menschlicher Typus zustande, als wenn weniger von dem W beigemischt ist.

[ 10 ] Nun, auf dieser Anschauung basiert das ganze dicke Buch. Und alles, was in der Welt sich vollzieht, von dem einzelnen menschlichen Leben bis zum geschichtlichen Leben, wird nun unter diesem Gesichtspunkte betrachtet, richtig mathematisch betrachtet. So finder selbstverständlich Weininger den Grundcharakter eines menschlichen Individuums sehr stark davon abhängig, in welcher Quantität, in welchem Quantum, sagen wir zum Beispiel W dem menschlichen Individuum beigemischt ist, dieses Nichts dem menschlichen Individuum beigemischt ist. Ist sehr viel beigemischt von dem W, so kommt ein anderer menschlicher Typus zustande, als wenn weniger von dem W beigemischt ist.

[ 11 ] Sie verzeihen, wenn ich aus dem Weiningerschen Gedankengange einiges darlege. Sie könnten vielleicht die Ansicht haben, daß das nicht einmal ganz anständig wäre, alles so darzulegen; aber man darf nicht wie der Vogel Strauß den Kopf in den Sand stecken, sondern muß die Dinge kennenlernen; ich schildere einen Typus. Viele Menschen denken so, und viele von denjenigen, die so denken in der Gegenwart, wissen es nur nicht. Also Sie müssen schon entschuldigen, es sind nicht meine Urteile, die ich jetzt aussprechen werde, sondern Weiningers Urteile.

[ 11 ] Sie verzeihen, wenn ich aus dem Weiningerschen Gedankengange einiges darlege. Sie könnten vielleicht die Ansicht haben, daß das nicht einmal ganz anständig wäre, alles so darzulegen; aber man darf nicht wie der Vogel Strauß den Kopf in den Sand stecken, sondern muß die Dinge kennenlernen; ich schildere einen Typus. Viele Menschen denken so, und viele von denjenigen, die so denken in der Gegenwart, wissen es nur nicht. Also Sie müssen schon entschuldigen, es sind nicht meine Urteile, die ich jetzt aussprechen werde, sondern Weiningers Urteile.

[ 12 ] Nehmen wir also an: Viel W wäre einem menschlichen Individuum beigemischt, ein gewisses Maximalquantum wäre beigemischt; dann hat man es mit einem Typus von Menschen zu tun, der in der Majagestalt der Frau einem entgegentritt. Ist weniger beigemischt, dann hat man es mit einem anderen Typus zu tun, der nur so äußerlich wie eine Frau aussieht. Ist viel beigemischt von dem W, dann hat man es mit dem Typus der Mutter zu tun, ist wenig beigemischt, so hat man es mit dem der Hetäre zu tun. So daß also dadurch zwei neue Grundcharaktere menschlicher Individualität gegeben sind: die Mutter und die Hetäre. Die Mutter ist der zurückgebliebenste Typus der Menschheit; sie schwebt ganz in den untersten Planen des Daseins und kann nur die Freundin werden der philiströsesten Männer, kann nichts beitragen zum Kulturfortschritt, denn sie nähert sich am meisten dem Nichts, weil am meisten W beigemischt ist. Ist weniger W beigemischt, so erhält man den Typus derjenigen Frau, welche der genialen Männer Freundin werden kann: der Typus der Frau, die Hetäre, wie Weininger sich ausdrückt, die teilnehmen kann an dem menschlichen Kulturfortschritt, die schon in höheren Regionen des Daseins lebt.

[ 12 ] Nehmen wir also an: Viel W wäre einem menschlichen Individuum beigemischt, ein gewisses Maximalquantum wäre beigemischt; dann hat man es mit einem Typus von Menschen zu tun, der in der Majagestalt der Frau einem entgegentritt. Ist weniger beigemischt, dann hat man es mit einem anderen Typus zu tun, der nur so äußerlich wie eine Frau aussieht. Ist viel beigemischt von dem W, dann hat man es mit dem Typus der Mutter zu tun, ist wenig beigemischt, so hat man es mit dem der Hetäre zu tun. So daß also dadurch zwei neue Grundcharaktere menschlicher Individualität gegeben sind: die Mutter und die Hetäre. Die Mutter ist der zurückgebliebenste Typus der Menschheit; sie schwebt ganz in den untersten Planen des Daseins und kann nur die Freundin werden der philiströsesten Männer, kann nichts beitragen zum Kulturfortschritt, denn sie nähert sich am meisten dem Nichts, weil am meisten W beigemischt ist. Ist weniger W beigemischt, so erhält man den Typus derjenigen Frau, welche der genialen Männer Freundin werden kann: der Typus der Frau, die Hetäre, wie Weininger sich ausdrückt, die teilnehmen kann an dem menschlichen Kulturfortschritt, die schon in höheren Regionen des Daseins lebt.

[ 13 ] Auch die andere Art von menschlichen Individuen, die Männer Männer darf man natürlich nur sagen, wenn man den althergebrachten Ausdruck gebraucht — zerfallen in solche, die viel von dem M haben, und in solche, die weniger von dem M haben. Solche, die viel von dem M haben, die haben den großen Vorzug, große Schuld auf sich zu laden und großes Böses zu verrichten; solche, die wenig von dem M haben, stehen mehr in den unteren Regionen des Daseins; die haben weniger Fähigkeit, Böses zu tun, Schuld in die Welt zu setzen. Was ist nun die größte Schuld, die diejenigen Individuen auf sich laden können, die viel M haben in ihrer Natur? Was ist überhaupt die größte Schuld, die es gibt zunächst innerhalb unseres begrenzten physischen geschichtlichen Daseins? Ja, sehen Sie, ich sagte Ihnen vorher, in der Theorie Weiningers ist das W eigentlich das Nichts. Aber wie kann das Nichts in der Welt sein? Warum ist denn überhaupt das Nichts, das W, in der Welt? Was ist denn dieses W, dieses Nichts, wenn man näher darauf eingeht? Es ist nichts anderes als die Schuld des Mannes. Also das W hat überhaupt kein wirkliches Dasein, sondern es ist bloß durch die Schuld des M da, so daß es also Frauen gar nicht geben würde, wenn nicht die Männer die Schuld auf sich geladen hätten, durch ihre Begierden die Frau zu schaffen. Die Frau ist ein Geschöpf der männlichen Schuld. Das ist der Sündenfall der Menschheit.

[ 13 ] Auch die andere Art von menschlichen Individuen, die Männer Männer darf man natürlich nur sagen, wenn man den althergebrachten Ausdruck gebraucht — zerfallen in solche, die viel von dem M haben, und in solche, die weniger von dem M haben. Solche, die viel von dem M haben, die haben den großen Vorzug, große Schuld auf sich zu laden und großes Böses zu verrichten; solche, die wenig von dem M haben, stehen mehr in den unteren Regionen des Daseins; die haben weniger Fähigkeit, Böses zu tun, Schuld in die Welt zu setzen. Was ist nun die größte Schuld, die diejenigen Individuen auf sich laden können, die viel M haben in ihrer Natur? Was ist überhaupt die größte Schuld, die es gibt zunächst innerhalb unseres begrenzten physischen geschichtlichen Daseins? Ja, sehen Sie, ich sagte Ihnen vorher, in der Theorie Weiningers ist das W eigentlich das Nichts. Aber wie kann das Nichts in der Welt sein? Warum ist denn überhaupt das Nichts, das W, in der Welt? Was ist denn dieses W, dieses Nichts, wenn man näher darauf eingeht? Es ist nichts anderes als die Schuld des Mannes. Also das W hat überhaupt kein wirkliches Dasein, sondern es ist bloß durch die Schuld des M da, so daß es also Frauen gar nicht geben würde, wenn nicht die Männer die Schuld auf sich geladen hätten, durch ihre Begierden die Frau zu schaffen. Die Frau ist ein Geschöpf der männlichen Schuld. Das ist der Sündenfall der Menschheit.

[ 14 ] Ja, Sie alle, die dem äußeren Ansehen nach wie Frauen ausschauen, Sie müssen sich also vorstellen, daß Sie, nach der Theorie Weiningers, im Grunde genommen durch die Schuld der Männer ins Dasein gerufen worden sind auf irgendeine unbekannte, okkulte Weise! Das wird, man kann schon sagen, mit großer Genialität in dem Buch ausgeführt, wie man in den letzten Jahrzehnten eben vielfach menschliche Genialität aufgefaßt hat. Es ist sogar von einem Kritiker über die Weiningersche literarische Leistung gesagt worden: Es beweise, daß man doch noch einige Freude an dem Leben der Gegenwart, dieser philiströsen, pedantischen Gegenwart haben könne, daß es solche Geister gibt, wie Weininger einer sei!

[ 14 ] Ja, Sie alle, die dem äußeren Ansehen nach wie Frauen ausschauen, Sie müssen sich also vorstellen, daß Sie, nach der Theorie Weiningers, im Grunde genommen durch die Schuld der Männer ins Dasein gerufen worden sind auf irgendeine unbekannte, okkulte Weise! Das wird, man kann schon sagen, mit großer Genialität in dem Buch ausgeführt, wie man in den letzten Jahrzehnten eben vielfach menschliche Genialität aufgefaßt hat. Es ist sogar von einem Kritiker über die Weiningersche literarische Leistung gesagt worden: Es beweise, daß man doch noch einige Freude an dem Leben der Gegenwart, dieser philiströsen, pedantischen Gegenwart haben könne, daß es solche Geister gibt, wie Weininger einer sei!

[ 15 ] Das Buch ist nicht unernsthaft gemeint; es ist kein bloßes belletristisches Produkt. Der Mann, der das geschrieben hat, hat mit dem ersten Teil davon — nicht mit dem Ganzen, mit den ersten zwei, drei Bogen seinen Doktor an einer Universität gemacht. Es wurden also die ersten Bogen als Doktordissertation an einer Universität angenommen. Er hat sie später etwas verändert. Man muß ja natürlich das, was man genial schreibt, ein bißchen ins Pedantische umsetzen, wenn man eine Doktordissertation macht, und das hat er natürlich auch gekonnt. Also es ist ganz ernst genommen worden, und es sind manche Theorien dann aufgebaut worden. Das Buch hat großes Aufsehen gemacht, und nicht bloß das, es hat auch großen Einfluß gehabt.

[ 15 ] Das Buch ist nicht unernsthaft gemeint; es ist kein bloßes belletristisches Produkt. Der Mann, der das geschrieben hat, hat mit dem ersten Teil davon — nicht mit dem Ganzen, mit den ersten zwei, drei Bogen seinen Doktor an einer Universität gemacht. Es wurden also die ersten Bogen als Doktordissertation an einer Universität angenommen. Er hat sie später etwas verändert. Man muß ja natürlich das, was man genial schreibt, ein bißchen ins Pedantische umsetzen, wenn man eine Doktordissertation macht, und das hat er natürlich auch gekonnt. Also es ist ganz ernst genommen worden, und es sind manche Theorien dann aufgebaut worden. Das Buch hat großes Aufsehen gemacht, und nicht bloß das, es hat auch großen Einfluß gehabt.

[ 16 ] Sehen wir uns den Mann ein wenig näher an. Weininger war von Anfang an, was man ein begabtes Kind nennt, hat schon in der allerersten Zeit viele kluge Gedanken gehabt, worüber viele Eltern ja so sehr froh sind. Er war ein ernstes Kind, das sich mit geistigen Dingen beschäftigt hat. Als es in die Schule kam, kann man nicht einmal sagen, daß es den Lehrern die Sache nicht recht gemacht hätte — das ist ja fast selbstverständlich, nicht wahr; aber die Lehrer konnten es ihm nicht recht machen! Weininger mußte immer etwas anderes machen, als die Lehrer von ihm haben wollten, insbesondere als er ins Gymnasium gekommen war. Während die Lehrer nach seiner Ansicht sehr langweilige Dinge sagten, las er allerlei Dinge für sich. Das tun zwar andere auch in der Praxis; man läßt den da reden, der sagt ja doch nichts anderes, als was im Buche steht, das kann man dann zu Hause kürzer lesen; und, nicht wahr, so unter der Bank — —!

[ 16 ] Sehen wir uns den Mann ein wenig näher an. Weininger war von Anfang an, was man ein begabtes Kind nennt, hat schon in der allerersten Zeit viele kluge Gedanken gehabt, worüber viele Eltern ja so sehr froh sind. Er war ein ernstes Kind, das sich mit geistigen Dingen beschäftigt hat. Als es in die Schule kam, kann man nicht einmal sagen, daß es den Lehrern die Sache nicht recht gemacht hätte — das ist ja fast selbstverständlich, nicht wahr; aber die Lehrer konnten es ihm nicht recht machen! Weininger mußte immer etwas anderes machen, als die Lehrer von ihm haben wollten, insbesondere als er ins Gymnasium gekommen war. Während die Lehrer nach seiner Ansicht sehr langweilige Dinge sagten, las er allerlei Dinge für sich. Das tun zwar andere auch in der Praxis; man läßt den da reden, der sagt ja doch nichts anderes, als was im Buche steht, das kann man dann zu Hause kürzer lesen; und, nicht wahr, so unter der Bank — —!

[ 17 ] Wenn er Aufsätze machte, ja, da ging es ihm so, daß er zum Teil das Erstaunen, aber zum Teil auch den Abscheu der korrigierenden Lehrer hervorrief. Auch wollte er sich nichts gefallen lassen in der Schule. Als er dann zur Universität kam, erwies er sich als ein sehr begabter Mensch, der über vieles Ideen hatte, was da vorgebracht wurde. Dann bekam er von den verschiedensten Seiten her tiefgehende literarische Einflüsse. Die verschiedenen geistigen Richtungen Ende der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts wirkten sehr bedeutend auf ihn. Auch die Gesellschaft, in der er war, wirkte selbstverständlich auf ihn sehr bedeutsam. Er lebte in Wien am Ende des neunzehnten Jahrhunderts in einem Kreise von Leuten, von denen man mit Recht sagte, daß viele Genies, aber eben dekadente Genies, darunter waren. Man hat von diesem Kreis gesagt, in dem Weininger da um die Wende des Jahrhunderts lebte, daß die Begabtesten unter ihnen, wenn sie zwanzig Jahre alt sind, Raffael für einen Trottel halten. Mit zwanzig Jahren ist man selbstverständlich ein ganzes Genie und reformiert die Welt jeden Tag. Dazu gehörte er auch, aber eben als ein genialer, begabter Mensch mit Ideen. Denn schließlich, was ich Ihnen vorgeführt habe, sind ja doch Ideen. Man mag sie für so irrtümlich wie möglich halten, es sind Ideen. Es sind auch neue Ideen.

[ 17 ] Wenn er Aufsätze machte, ja, da ging es ihm so, daß er zum Teil das Erstaunen, aber zum Teil auch den Abscheu der korrigierenden Lehrer hervorrief. Auch wollte er sich nichts gefallen lassen in der Schule. Als er dann zur Universität kam, erwies er sich als ein sehr begabter Mensch, der über vieles Ideen hatte, was da vorgebracht wurde. Dann bekam er von den verschiedensten Seiten her tiefgehende literarische Einflüsse. Die verschiedenen geistigen Richtungen Ende der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts wirkten sehr bedeutend auf ihn. Auch die Gesellschaft, in der er war, wirkte selbstverständlich auf ihn sehr bedeutsam. Er lebte in Wien am Ende des neunzehnten Jahrhunderts in einem Kreise von Leuten, von denen man mit Recht sagte, daß viele Genies, aber eben dekadente Genies, darunter waren. Man hat von diesem Kreis gesagt, in dem Weininger da um die Wende des Jahrhunderts lebte, daß die Begabtesten unter ihnen, wenn sie zwanzig Jahre alt sind, Raffael für einen Trottel halten. Mit zwanzig Jahren ist man selbstverständlich ein ganzes Genie und reformiert die Welt jeden Tag. Dazu gehörte er auch, aber eben als ein genialer, begabter Mensch mit Ideen. Denn schließlich, was ich Ihnen vorgeführt habe, sind ja doch Ideen. Man mag sie für so irrtümlich wie möglich halten, es sind Ideen. Es sind auch neue Ideen.

[ 18 ] Dann wirkten auf Weininger besonders gewisse in unserer Zeit ja sehr tiefe Wurzeln schlagende Rassentheorien. Er war Jude und machte sich früh bekannt mit der Entwickelung der Menschheit, wie sie hingeordnet ist auf das Mysterium von Golgatha, beschäftigte sich viel mit dem Christus. Nun bildete er sich eine sehr eigentümliche Theorie aus. Der Christus war ihm auf der einen Seite Jude, aber gerade weil er Jude war, konnte er das Judentum am intensivsten überwinden. Ein vollständiges Umschlagen, wie er es da zu beobachten glaubte in der Menschheitsentwickelung, es übte einen tiefen Eindruck aus auf Weininger. Und während er vorher eigentlich mit einem gewissen Pessimismus gerade sein Judentum verfochten hatte, wurde er beseligt in dem Gedanken, überzutreten, ein Christ zu werden, es dem Christus nachzumachen, umzuschlagen. Und da goß sich in seine Ideen hinein etwas wie von einem modernen Christus, nur daß der Christus die Menschheit von dem Übel befreit hat, von der Sünde, von der Erbsünde; Weininger aber — das sprach er nicht aus, aber man sieht, das waltete in seiner Seele — meinte, er habe, weil er noch Tieferes erkannt habe, die moderne Menschheit von allem Weiblichen, von allem W zu erlösen; erst dann könne die Menschengeschichte sich fortentwickeln, wenn sie von allem W, nicht nur von aller Sünde erlöst sei; denn gibt es nicht mehr das W, so gibt es selbstverständlich die Schuld des M nicht mehr, denn das W ist nur die Schuld des M. Und das sah Weininger als eine Art Erfüllung des Christentums an, daß er als Jude die Menschheit von dem W erlösen könne; das sah er gewissermaßen als seine Sendung an.

[ 18 ] Dann wirkten auf Weininger besonders gewisse in unserer Zeit ja sehr tiefe Wurzeln schlagende Rassentheorien. Er war Jude und machte sich früh bekannt mit der Entwickelung der Menschheit, wie sie hingeordnet ist auf das Mysterium von Golgatha, beschäftigte sich viel mit dem Christus. Nun bildete er sich eine sehr eigentümliche Theorie aus. Der Christus war ihm auf der einen Seite Jude, aber gerade weil er Jude war, konnte er das Judentum am intensivsten überwinden. Ein vollständiges Umschlagen, wie er es da zu beobachten glaubte in der Menschheitsentwickelung, es übte einen tiefen Eindruck aus auf Weininger. Und während er vorher eigentlich mit einem gewissen Pessimismus gerade sein Judentum verfochten hatte, wurde er beseligt in dem Gedanken, überzutreten, ein Christ zu werden, es dem Christus nachzumachen, umzuschlagen. Und da goß sich in seine Ideen hinein etwas wie von einem modernen Christus, nur daß der Christus die Menschheit von dem Übel befreit hat, von der Sünde, von der Erbsünde; Weininger aber — das sprach er nicht aus, aber man sieht, das waltete in seiner Seele — meinte, er habe, weil er noch Tieferes erkannt habe, die moderne Menschheit von allem Weiblichen, von allem W zu erlösen; erst dann könne die Menschengeschichte sich fortentwickeln, wenn sie von allem W, nicht nur von aller Sünde erlöst sei; denn gibt es nicht mehr das W, so gibt es selbstverständlich die Schuld des M nicht mehr, denn das W ist nur die Schuld des M. Und das sah Weininger als eine Art Erfüllung des Christentums an, daß er als Jude die Menschheit von dem W erlösen könne; das sah er gewissermaßen als seine Sendung an.

[ 19 ] Unter solchen Gedanken und Empfindungen war er zwanzig-, einundzwanzigjährig geworden. Er hat in verhältnismäßig kurzer Zeit dieses riesendicke Buch «Geschlecht und Charakter» geschrieben, in dem viel, viel Gelehrsamkeit und Wissenschaft der Gegenwart aufgearbeitet ist, das durchdrungen ist mit Ideen von der Art, wie ich sie Ihnen angedeutet habe. Dann kam eine Zeit über ihn, wo er darüber nachzudenken begann, wie ein solches Genie, wie er es ist, doch nicht verstanden werden kann in der Gegenwart. Alle diejenigen Individuen, meint er, bei denen das W irgendeine besondere Rolle spielt, also alle, die dem äußeren Ansehen nach als Frauen in der Welt herumgehen, und auch diejenigen, die dem äußeren Ansehen nach nicht Frauen sind, die aber ein großes Stück des W in sich haben, die können Weininger von vornherein nicht verstehen, auf die muß er verzichten. Das ist ja natürlich weit, weit über die Hälfte der Menschheit. «Frauen werden mich niemals verstehen», hat Weininger zu seinem Vater gesagt. Sie sind ganz kaltgestellt.

[ 19 ] Unter solchen Gedanken und Empfindungen war er zwanzig-, einundzwanzigjährig geworden. Er hat in verhältnismäßig kurzer Zeit dieses riesendicke Buch «Geschlecht und Charakter» geschrieben, in dem viel, viel Gelehrsamkeit und Wissenschaft der Gegenwart aufgearbeitet ist, das durchdrungen ist mit Ideen von der Art, wie ich sie Ihnen angedeutet habe. Dann kam eine Zeit über ihn, wo er darüber nachzudenken begann, wie ein solches Genie, wie er es ist, doch nicht verstanden werden kann in der Gegenwart. Alle diejenigen Individuen, meint er, bei denen das W irgendeine besondere Rolle spielt, also alle, die dem äußeren Ansehen nach als Frauen in der Welt herumgehen, und auch diejenigen, die dem äußeren Ansehen nach nicht Frauen sind, die aber ein großes Stück des W in sich haben, die können Weininger von vornherein nicht verstehen, auf die muß er verzichten. Das ist ja natürlich weit, weit über die Hälfte der Menschheit. «Frauen werden mich niemals verstehen», hat Weininger zu seinem Vater gesagt. Sie sind ganz kaltgestellt.

[ 20 ] Dann bekam er eine Art Wandertrieb, als sein Buch erschienen war. Er mußte Reisen machen, und da reiste er nach Italien. Da kann man nun eine merkwürdige Entdeckung machen, denn da hat er seine Ideen niedergeschrieben auf der Reise bis nach Sizilien, und diese Ideen wurden dann in dem nachgelassenen Werke «Über die letzten Dinge» von seinem Freunde Rappaport veröffentlicht.

[ 20 ] Dann bekam er eine Art Wandertrieb, als sein Buch erschienen war. Er mußte Reisen machen, und da reiste er nach Italien. Da kann man nun eine merkwürdige Entdeckung machen, denn da hat er seine Ideen niedergeschrieben auf der Reise bis nach Sizilien, und diese Ideen wurden dann in dem nachgelassenen Werke «Über die letzten Dinge» von seinem Freunde Rappaport veröffentlicht.

[ 21 ] Merkwürdige Ideen sind darinnen, viel radikaler noch als die in dem Buche «Geschlecht und Charakter», radikalere Ideen, aber doch von einem sehr, sehr eigentümlichen Charakter, Ideen, die alle erinnern an dasjenige, was wir imaginative Erkenntnis nennen, Ideen so ziemlich über den ganzen Umfang des menschlichen Lebens, aphoristisch ausgesprochen. Allerdings, was da zum Beispiel über Krankheiten gesagt wird, das allein genügt, um jeden Arzt zu überzeugen, daß Weininger vollständig irrsinnig war. Aber alle diese Ideen, die da in dem Buch «Über die letzten Dinge» gesammelt sind, sind eigentlich wie imaginative Erkenntnis, paradox, aber wie imaginative Erkenntnis. Sie sind nach der Art der imaginativen Erkenntnis aufgebaut. Nehmen wir eines: Bei dem Menschen tritt auf das Böse, sagte er, und tritt auf die Neurasthenie. Schauen wir uns die Neurasthenie an, meint Weininger, ja, wir finden doch, die Neurasthenie, sie wächst überall draußen, denn die ganze Pflanzenwelt ist verkörperte Neurasthenie! Sie ist das Gleichnis für Neurasthenie. Lebt dasjenige im Menschen überwiegend, was in der Pflanzenwelt an seiner rechten Stelle lebt, dann wird der Mensch neurasthenisch, denn der Mensch ist in gewissem Sinne eine Pflanze, und er ist in dem Maße neurasthenisch, als das Pflanzliche das Übergewicht bekommt. Paradox! Eine ganz und gar nicht unsinnige Idee, paradox ausgeführt! Man möchte sagen: Etwas, was innerhalb der imaginativen Erkenntnis gehalten werden muß, ist hereingezerrt in die verstandesmäßige Erkenntnis und dadurch zur Karikatur geworden.

[ 21 ] Merkwürdige Ideen sind darinnen, viel radikaler noch als die in dem Buche «Geschlecht und Charakter», radikalere Ideen, aber doch von einem sehr, sehr eigentümlichen Charakter, Ideen, die alle erinnern an dasjenige, was wir imaginative Erkenntnis nennen, Ideen so ziemlich über den ganzen Umfang des menschlichen Lebens, aphoristisch ausgesprochen. Allerdings, was da zum Beispiel über Krankheiten gesagt wird, das allein genügt, um jeden Arzt zu überzeugen, daß Weininger vollständig irrsinnig war. Aber alle diese Ideen, die da in dem Buch «Über die letzten Dinge» gesammelt sind, sind eigentlich wie imaginative Erkenntnis, paradox, aber wie imaginative Erkenntnis. Sie sind nach der Art der imaginativen Erkenntnis aufgebaut. Nehmen wir eines: Bei dem Menschen tritt auf das Böse, sagte er, und tritt auf die Neurasthenie. Schauen wir uns die Neurasthenie an, meint Weininger, ja, wir finden doch, die Neurasthenie, sie wächst überall draußen, denn die ganze Pflanzenwelt ist verkörperte Neurasthenie! Sie ist das Gleichnis für Neurasthenie. Lebt dasjenige im Menschen überwiegend, was in der Pflanzenwelt an seiner rechten Stelle lebt, dann wird der Mensch neurasthenisch, denn der Mensch ist in gewissem Sinne eine Pflanze, und er ist in dem Maße neurasthenisch, als das Pflanzliche das Übergewicht bekommt. Paradox! Eine ganz und gar nicht unsinnige Idee, paradox ausgeführt! Man möchte sagen: Etwas, was innerhalb der imaginativen Erkenntnis gehalten werden muß, ist hereingezerrt in die verstandesmäßige Erkenntnis und dadurch zur Karikatur geworden.

[ 22 ] Ebenso, sagt er, lebt im Menschen das Böse; aber schauen wir hinaus: Überall, wo Hunde sind, lebt das Böse. Der Hund ist das Symbolum des Bösen. Der Mensch ist ebenso, wie er eine Pflanze ist, und dadurch ein Neurastheniker, auch wie ein Hund, und dadurch ein Böser. Es ist zum Beispiel durchaus wahr, daß im Menschen die ganze übrige Natur konzentriert ist; alles, was draußen in der Natur ausgegossen ist, ist im Menschen, das kommt vor in ihm. — Dabei kommen tief gefühlvolle Aperçus aus Weiningers Seele heraus: Er steht auf einem feuerspeienden Berge. Womit er den vergleicht, will ich gar nicht wiederholen; aber er sieht die untergehende Sonne und sagt so ungefähr: Diese untergehende Sonne ist nur erträglich hier auf diesem Grund und Boden, wo man zu gleicher Zeit den Krater unter sich hat; sonst würde sie stören.

[ 22 ] Ebenso, sagt er, lebt im Menschen das Böse; aber schauen wir hinaus: Überall, wo Hunde sind, lebt das Böse. Der Hund ist das Symbolum des Bösen. Der Mensch ist ebenso, wie er eine Pflanze ist, und dadurch ein Neurastheniker, auch wie ein Hund, und dadurch ein Böser. Es ist zum Beispiel durchaus wahr, daß im Menschen die ganze übrige Natur konzentriert ist; alles, was draußen in der Natur ausgegossen ist, ist im Menschen, das kommt vor in ihm. — Dabei kommen tief gefühlvolle Aperçus aus Weiningers Seele heraus: Er steht auf einem feuerspeienden Berge. Womit er den vergleicht, will ich gar nicht wiederholen; aber er sieht die untergehende Sonne und sagt so ungefähr: Diese untergehende Sonne ist nur erträglich hier auf diesem Grund und Boden, wo man zu gleicher Zeit den Krater unter sich hat; sonst würde sie stören.

[ 23 ] Sie sehen, merkwürdig empfindet diese Seele: Wo andere Seelen wunderschöne, großartige Empfindungen beim Sonnenuntergange haben, ist es ihm nur erträglich, wenn es zum Kontrast wird. Und so ist vieles ganz anders in dieser Seele als bei anderen Menschen. Interessant ist es, wie er da beschreibt, wie es ist, wenn man den Menschen entgegentritt und ihnen in die Augen schaut, wie aus dem einen Auge dieses, aus dem andern Auge jenes Wesen heraussieht. Er bekommt es genau heraus; er hat imaginative Schauungen, bringt sie aber in einer wahnsinnig verzerrten Weise zum Vorschein.

[ 23 ] Sie sehen, merkwürdig empfindet diese Seele: Wo andere Seelen wunderschöne, großartige Empfindungen beim Sonnenuntergange haben, ist es ihm nur erträglich, wenn es zum Kontrast wird. Und so ist vieles ganz anders in dieser Seele als bei anderen Menschen. Interessant ist es, wie er da beschreibt, wie es ist, wenn man den Menschen entgegentritt und ihnen in die Augen schaut, wie aus dem einen Auge dieses, aus dem andern Auge jenes Wesen heraussieht. Er bekommt es genau heraus; er hat imaginative Schauungen, bringt sie aber in einer wahnsinnig verzerrten Weise zum Vorschein.

[ 24 ] Dann kommt er nach Hause, ist nun gerade in der letzten Zeit voller Klagen über den Unverstand der Welt, fragt sich, wie lange es dauern wird, bis so etwas, wie er es zu schreiben hat, von der Welt wird verstanden werden können. Der Vater ist durchaus überzeugt, trotzdem der Sohn weggezogen war, weil er nicht mit der Familie wohnen konnte, daß er es mit einem genialen jungen Manne zu tun hat, bemerkt nichts irgendwie Unnormales an ihm, obwohl er selbstverständlich mit den Ideen nicht einverstanden ist; aber wenn alle Eltern, die mit den Ideen ihrer Söhne oder Töchter nicht einverstanden sein können, sie deshalb für Wahnsinnige halten wollten, nicht wahr, so würde etwas Schönes in der Welt herauskommen!

[ 24 ] Dann kommt er nach Hause, ist nun gerade in der letzten Zeit voller Klagen über den Unverstand der Welt, fragt sich, wie lange es dauern wird, bis so etwas, wie er es zu schreiben hat, von der Welt wird verstanden werden können. Der Vater ist durchaus überzeugt, trotzdem der Sohn weggezogen war, weil er nicht mit der Familie wohnen konnte, daß er es mit einem genialen jungen Manne zu tun hat, bemerkt nichts irgendwie Unnormales an ihm, obwohl er selbstverständlich mit den Ideen nicht einverstanden ist; aber wenn alle Eltern, die mit den Ideen ihrer Söhne oder Töchter nicht einverstanden sein können, sie deshalb für Wahnsinnige halten wollten, nicht wahr, so würde etwas Schönes in der Welt herauskommen!

[ 25 ] Dann nimmt er eines Tages ein Zimmer im Sterbehause von Beethoven. Nach einigen Tagen, die er dort gewohnt hat, erschießt er sich darin ganz programmäßig, nachdem er vorher einer Gesellschaft von jüngeren Freunden angekündigt hat, er werde sich erschießen, weil das seiner Individualität gerade so entspreche. Er war da etwa dreiundzwanzig Jahre alt. Er erschießt sich im Sterbehause Beethovens.

[ 25 ] Dann nimmt er eines Tages ein Zimmer im Sterbehause von Beethoven. Nach einigen Tagen, die er dort gewohnt hat, erschießt er sich darin ganz programmäßig, nachdem er vorher einer Gesellschaft von jüngeren Freunden angekündigt hat, er werde sich erschießen, weil das seiner Individualität gerade so entspreche. Er war da etwa dreiundzwanzig Jahre alt. Er erschießt sich im Sterbehause Beethovens.

[ 26 ] Ja, nun sehen Sie, wir haben eine merkwürdige Persönlichkeit vor uns, und eine typische Persönlichkeit. Es gibt viele so Geartete, wenn das auch ein herausgerissenes Beispiel ist, wo gewisse Ideen in besonderer Weise ausgebildet sind. Es gibt viele Individuen unter den Menschen in der Gegenwart, die so geartet sind wie Weininger. Für den Irrenarzt ist es ganz selbstverständlich, daß sowohl das Buch «Geschlecht und Charakter», wie das «Über die letzten Dinge» verrücktes Zeug sind. Der Irrenarzt vergleicht die Biographie Weiningers mit diesen Ideen, die er vorgebracht hat, und findet selbstverständlich überall Anzeichen des Abnormen. Es gibt kaum irgendeinen Menschen, bei dem man nicht solche Anzeichen finden kann. Das kommt ja wirklich mehr oder weniger auf den subjektiven Standpunkt an. Nur weiß das der Irrenarzt nicht. Aber wie gesagt, man kann leicht beweisen, daß schon eine Abnormität darinnen liegt, wenn jemand seinen Lehrern so widerstrebt, wie es der Weininger getan hat, wenn man so die Bücher unter der Bank liest, während der Lehrer ganz anderes vorträgt. Ein bedenklicher Zug ist es ja, wenn jemand sich als einen Propheten ansieht, ein bedenklicher Zug ist es, wenn jemand sich just in das Sterbehaus Beethovens einmietet, um sich dort zu erschießen! So sind viele Züge bei Weininger, und man muß sagen: Eine psychiatrische Schrift, die über Weininger geschrieben ist, ist ganz zutreffend, nur könnte man über viele Leute solch eine Schrift schreiben. Aber sie ist dennoch ganz zutreffend. Was aber am meisten ganz ernsthaftig und bedeutsam auffällt, das ist, daß man einen gewissen Grundzug, einen gewissen Grundcharakter der verzerrten, karikierten Gedanken in «Geschlecht und Charakter», in «Über die letzten Dinge» dennoch sehen muß. Man kann ruhig zugeben, das Ganze ist wahnsinniges Zeug, aber es muß einen interessieren durch die Art, wie die Gedanken gebildet sind.

[ 26 ] Ja, nun sehen Sie, wir haben eine merkwürdige Persönlichkeit vor uns, und eine typische Persönlichkeit. Es gibt viele so Geartete, wenn das auch ein herausgerissenes Beispiel ist, wo gewisse Ideen in besonderer Weise ausgebildet sind. Es gibt viele Individuen unter den Menschen in der Gegenwart, die so geartet sind wie Weininger. Für den Irrenarzt ist es ganz selbstverständlich, daß sowohl das Buch «Geschlecht und Charakter», wie das «Über die letzten Dinge» verrücktes Zeug sind. Der Irrenarzt vergleicht die Biographie Weiningers mit diesen Ideen, die er vorgebracht hat, und findet selbstverständlich überall Anzeichen des Abnormen. Es gibt kaum irgendeinen Menschen, bei dem man nicht solche Anzeichen finden kann. Das kommt ja wirklich mehr oder weniger auf den subjektiven Standpunkt an. Nur weiß das der Irrenarzt nicht. Aber wie gesagt, man kann leicht beweisen, daß schon eine Abnormität darinnen liegt, wenn jemand seinen Lehrern so widerstrebt, wie es der Weininger getan hat, wenn man so die Bücher unter der Bank liest, während der Lehrer ganz anderes vorträgt. Ein bedenklicher Zug ist es ja, wenn jemand sich als einen Propheten ansieht, ein bedenklicher Zug ist es, wenn jemand sich just in das Sterbehaus Beethovens einmietet, um sich dort zu erschießen! So sind viele Züge bei Weininger, und man muß sagen: Eine psychiatrische Schrift, die über Weininger geschrieben ist, ist ganz zutreffend, nur könnte man über viele Leute solch eine Schrift schreiben. Aber sie ist dennoch ganz zutreffend. Was aber am meisten ganz ernsthaftig und bedeutsam auffällt, das ist, daß man einen gewissen Grundzug, einen gewissen Grundcharakter der verzerrten, karikierten Gedanken in «Geschlecht und Charakter», in «Über die letzten Dinge» dennoch sehen muß. Man kann ruhig zugeben, das Ganze ist wahnsinniges Zeug, aber es muß einen interessieren durch die Art, wie die Gedanken gebildet sind.

[ 27 ] Wenn man nach strenger, durchgeistigter, gesunder Wissenschaft diesen Grundcharakter zu begreifen sucht, so muß man sagen: Wir sehen, wie alles, was sich ausdehnt draußen in der Welt als Makrokosmos, wie ein Gleichnis ist, wie der Mensch ein Mikrokosmos ist, der alles in sich trägt, was draußen ist. Wenn der Gedanke bei Weininger auftritt, wenn auch in solch verzerrter Art, karikiert, die Pflanze sei verkörperte Neurasthenie, der Hund das verkörperte Böse, so ist es, ich möchte sagen, nach dem Musterbilde der imaginativen Erkenntnis aufgefaßt, wie wenn jemand richtige imaginative Erkenntnis in die Karikatur verzerrt; aber es ist nach dem Musterbilde imaginativer Erkenntnis aufgefaßt. Und dennoch, im Grunde genommen ein für das Leben ganz unbrauchbarer Mensch, dieser Weininger, ein für das Leben ganz und gar nicht irgendwie in Betracht kommender Mensch! Denn im Grunde genommen kann doch aus den beiden Büchern niemand etwas lernen, und es ist nur charakteristisch für unsere Zeit, daß die Literaten vielfach an solchen Kraftproben viel mehr Interesse finden, als wenn ihnen imaginative Erkenntnis so entgegentritt, wie sie sein soll. Da interessiert es sie nicht. Wenn es aber in wahnsinnigen Ideen ihnen entgegentritt, da interessiert es sie.

[ 27 ] Wenn man nach strenger, durchgeistigter, gesunder Wissenschaft diesen Grundcharakter zu begreifen sucht, so muß man sagen: Wir sehen, wie alles, was sich ausdehnt draußen in der Welt als Makrokosmos, wie ein Gleichnis ist, wie der Mensch ein Mikrokosmos ist, der alles in sich trägt, was draußen ist. Wenn der Gedanke bei Weininger auftritt, wenn auch in solch verzerrter Art, karikiert, die Pflanze sei verkörperte Neurasthenie, der Hund das verkörperte Böse, so ist es, ich möchte sagen, nach dem Musterbilde der imaginativen Erkenntnis aufgefaßt, wie wenn jemand richtige imaginative Erkenntnis in die Karikatur verzerrt; aber es ist nach dem Musterbilde imaginativer Erkenntnis aufgefaßt. Und dennoch, im Grunde genommen ein für das Leben ganz unbrauchbarer Mensch, dieser Weininger, ein für das Leben ganz und gar nicht irgendwie in Betracht kommender Mensch! Denn im Grunde genommen kann doch aus den beiden Büchern niemand etwas lernen, und es ist nur charakteristisch für unsere Zeit, daß die Literaten vielfach an solchen Kraftproben viel mehr Interesse finden, als wenn ihnen imaginative Erkenntnis so entgegentritt, wie sie sein soll. Da interessiert es sie nicht. Wenn es aber in wahnsinnigen Ideen ihnen entgegentritt, da interessiert es sie.

[ 28 ] Also wir haben es wirklich zu tun mit imaginativer Erkenntnis, die nur als Zerrbild erscheint. Was liegt da eigentlich vor? Da ein solcher Charakter wie der Weiningers doch für das Leben nicht brauchbar ist, so muß man dahinterkommen können, was eigentlich vorliegt. Wodurch ist denn Weininger eben gerade dieser sonderbare Mensch geworden? Ja, sehen Sie, wenn man beobachtet haben würde — das sage ich jetzt als Hypothese, weil ich ja den Fall Weininger nicht persönlich beobachtet habe, aber was ich als Hypothese sage, ist ganz gewiß richtig —, wenn man Weininger beobachtet haben würde als schlafenden Menschen in den Zeiten, in denen er gesunden Schlaf hatte — den er allerdings sehr wenig gehabt haben wird —, dann würde man gefunden haben, daß im Ich und im astralischen Leib, die während des Schlafens heraußen waren aus dem physischen Leibe, wirklich grandiose Intuitionen und Imaginationen aus der geistigen Welt vorhanden waren. Würden wir also dieses Ich und diesen astralischen Leib abgesondert vom physischen und Ätherleib betrachten, so würden wir wahrnehmen eine grandios-geniale Seele mit wunderbaren Intuitionen und Imaginationen, die treffend richtig sind. Diese Seele, richtig verstanden, würde tatsächlich ein großer Lehrer für unsere Zeit sein können; aber sie dürfte nur so als Lehrer wirken, daß sie den physischen Leib und den Ätherleib schlafen läßt, und die Schüler dürfen nur dasjenige wahrnehmen, was ihnen im schlafenden Zustande das Ich und der astralische Leib des Betreffenden zu sagen haben. Aber nun war Weininger selber nicht so weit, das wahrzunehmen. Er war nicht aufgeweckt, das wahrzunehmen, er war nicht durchgegangen durch dasjenige, was man in unserer Zeit als eine Initiation bezeichnet. Also er wußte selber nichts von dem, was da in seinem Ich und in seinem astralischen Leibe lebte, wenn er außerhalb des physischen und des Ätherleibes war. Wenn Weininger hätte werden sollen ein Mensch, der seinen Mitmenschen heute in geistiger Beziehung viel sein könnte — wie hätte er dann werden müssen? Nun, er hätte so werden müssen, daß er seine großen Anlagen, die nur hervortreten konnten, wenn das Ich und der astralische Leib außer dem physischen und dem Ätherleibe waren, durch Initiation zum Schauen gebracht hätte außerhalb des physischen und Ätherleibes, und daß er dann hätte untertauchen können in den physischen und Ätherleib, um mit den geistigen Kräften und Fähigkeiten, die man im physischen und im Ätherleib hat, das anzuschauen, was er wahrnahm außerhalb des physischen und des Ätherleibes. Mit anderen Worten, wenn er wachend hier gewesen wäre in der physischen Welt, so hätte er auf seine großen Ideen als auf Inspirationen und Imaginationen hinschauen müssen. Er hätte nicht glauben müssen, daß er diese so hervorzubringen hat, wie man mathematische Wahrheiten hervorbringt, aus dem physischen Leib heraus.

[ 28 ] Also wir haben es wirklich zu tun mit imaginativer Erkenntnis, die nur als Zerrbild erscheint. Was liegt da eigentlich vor? Da ein solcher Charakter wie der Weiningers doch für das Leben nicht brauchbar ist, so muß man dahinterkommen können, was eigentlich vorliegt. Wodurch ist denn Weininger eben gerade dieser sonderbare Mensch geworden? Ja, sehen Sie, wenn man beobachtet haben würde — das sage ich jetzt als Hypothese, weil ich ja den Fall Weininger nicht persönlich beobachtet habe, aber was ich als Hypothese sage, ist ganz gewiß richtig —, wenn man Weininger beobachtet haben würde als schlafenden Menschen in den Zeiten, in denen er gesunden Schlaf hatte — den er allerdings sehr wenig gehabt haben wird —, dann würde man gefunden haben, daß im Ich und im astralischen Leib, die während des Schlafens heraußen waren aus dem physischen Leibe, wirklich grandiose Intuitionen und Imaginationen aus der geistigen Welt vorhanden waren. Würden wir also dieses Ich und diesen astralischen Leib abgesondert vom physischen und Ätherleib betrachten, so würden wir wahrnehmen eine grandios-geniale Seele mit wunderbaren Intuitionen und Imaginationen, die treffend richtig sind. Diese Seele, richtig verstanden, würde tatsächlich ein großer Lehrer für unsere Zeit sein können; aber sie dürfte nur so als Lehrer wirken, daß sie den physischen Leib und den Ätherleib schlafen läßt, und die Schüler dürfen nur dasjenige wahrnehmen, was ihnen im schlafenden Zustande das Ich und der astralische Leib des Betreffenden zu sagen haben. Aber nun war Weininger selber nicht so weit, das wahrzunehmen. Er war nicht aufgeweckt, das wahrzunehmen, er war nicht durchgegangen durch dasjenige, was man in unserer Zeit als eine Initiation bezeichnet. Also er wußte selber nichts von dem, was da in seinem Ich und in seinem astralischen Leibe lebte, wenn er außerhalb des physischen und des Ätherleibes war. Wenn Weininger hätte werden sollen ein Mensch, der seinen Mitmenschen heute in geistiger Beziehung viel sein könnte — wie hätte er dann werden müssen? Nun, er hätte so werden müssen, daß er seine großen Anlagen, die nur hervortreten konnten, wenn das Ich und der astralische Leib außer dem physischen und dem Ätherleibe waren, durch Initiation zum Schauen gebracht hätte außerhalb des physischen und Ätherleibes, und daß er dann hätte untertauchen können in den physischen und Ätherleib, um mit den geistigen Kräften und Fähigkeiten, die man im physischen und im Ätherleib hat, das anzuschauen, was er wahrnahm außerhalb des physischen und des Ätherleibes. Mit anderen Worten, wenn er wachend hier gewesen wäre in der physischen Welt, so hätte er auf seine großen Ideen als auf Inspirationen und Imaginationen hinschauen müssen. Er hätte nicht glauben müssen, daß er diese so hervorzubringen hat, wie man mathematische Wahrheiten hervorbringt, aus dem physischen Leib heraus.

[ 29 ] Statt dessen ist etwas anderes eingetreten. Statt dessen ist das Folgende eingetreten: Denken Sie sich einmal, dieses wäre der physische, dieses der Ätherleib und dieses der astralische Leib Weiningers gewesen (es wird gezeichnet). Wenn man also diesen astralischen Leib mit dem Ich beobachten würde, würde man die schönsten, bedeutendsten Dinge sehen. Er hat sie selber gehabt. Nun tauchen also dieser astralische Leib und das Ich in den physischen Leib unter, sind jetzt darinnen. Statt daß sich der Mensch nun sondern kann und hinschauen kann auf das Astralische, drückt sich, preßt sich das Astralische in den physischen Leib hinein und wird im physischen Leib so lebendig, wie sonst nur das lebendig ist, was ein normaler Mensch im Astralleib hat. Also das, was der astralische Leib an großer Imagination hat, was im astralischen Leib verbleiben sollte, das drückt sich in den physischen Leib hinein. So daß in das Gehirn, statt daß es aufgebaut ist, wie es für den Menschen des jetzigen Zyklus normal ist, hineingepreßt wird wie in eine weiche Wachsmasse, was Imagination bloß im astralischen Leib bleiben soll. Denken Sie sich, das Gehirn ist wirklich wie Butter oder wie Wachs. Statt daß es nun die Form hat, die es beim Menschen haben muß, so daß der astralische Leib gleichsam nur untertaucht wie Luft, die das durchsetzt und ungeändert läßt, statt dessen wird hineingepreßt in das Gehirn dasjenige, was im astralischen Leibe bleiben soll. Das drückt sich im Gehirn nun selbst aus, und der Mensch spricht als physischer Mensch das aus, was er als geistiger Mensch aussprechen soll.

[ 29 ] Statt dessen ist etwas anderes eingetreten. Statt dessen ist das Folgende eingetreten: Denken Sie sich einmal, dieses wäre der physische, dieses der Ätherleib und dieses der astralische Leib Weiningers gewesen (es wird gezeichnet). Wenn man also diesen astralischen Leib mit dem Ich beobachten würde, würde man die schönsten, bedeutendsten Dinge sehen. Er hat sie selber gehabt. Nun tauchen also dieser astralische Leib und das Ich in den physischen Leib unter, sind jetzt darinnen. Statt daß sich der Mensch nun sondern kann und hinschauen kann auf das Astralische, drückt sich, preßt sich das Astralische in den physischen Leib hinein und wird im physischen Leib so lebendig, wie sonst nur das lebendig ist, was ein normaler Mensch im Astralleib hat. Also das, was der astralische Leib an großer Imagination hat, was im astralischen Leib verbleiben sollte, das drückt sich in den physischen Leib hinein. So daß in das Gehirn, statt daß es aufgebaut ist, wie es für den Menschen des jetzigen Zyklus normal ist, hineingepreßt wird wie in eine weiche Wachsmasse, was Imagination bloß im astralischen Leib bleiben soll. Denken Sie sich, das Gehirn ist wirklich wie Butter oder wie Wachs. Statt daß es nun die Form hat, die es beim Menschen haben muß, so daß der astralische Leib gleichsam nur untertaucht wie Luft, die das durchsetzt und ungeändert läßt, statt dessen wird hineingepreßt in das Gehirn dasjenige, was im astralischen Leibe bleiben soll. Das drückt sich im Gehirn nun selbst aus, und der Mensch spricht als physischer Mensch das aus, was er als geistiger Mensch aussprechen soll.

[ 30 ] Und wodurch ist denn das geschehen? Wodurch wirkt dieser astralische Leib, gewissermaßen wie sich hineinpressend in den physischen Leib, was er nicht tun soll? Wodurch geschieht das?

[ 30 ] Und wodurch ist denn das geschehen? Wodurch wirkt dieser astralische Leib, gewissermaßen wie sich hineinpressend in den physischen Leib, was er nicht tun soll? Wodurch geschieht das?

[ 31 ] Ja, meine lieben Freunde, daß das so ist, das hat seine guten Gründe; denn was da bei Weininger heute als Intuition und Imagination zum Ausdruck gekommen ist, das sind wirkliche Ideen der Zukunft! Bitte lassen Sie sich dadurch nicht stören, daß Sie etwa glauben könnten, alles das, was hier über das Männliche und Weibliche entwickelt worden ist, sei Idee der Zukunft. Das sind nicht Ideen der Zukunft, das sind schon die ins Gehirn hereingepreßten karikierten Ideen. Aber die sind wirklich nicht bloß dieses M+W. Wenn sie da drinnen abgesondert beobachtet werden, da sind sie etwas, was ganz grandios ist, was die heutige Menschheit noch nicht versteht, sondern erst in der Zukunft verstehen wird, wenn wirklich ausgegossen werden wird über die Menschheit etwas, wodurch sich die Menschen nicht nur so gegenüberstehen werden wie heute, durch das Geschlecht, sondern wodurch sie sich mehr als Menschen gegenüberstehen werden. Es ist wirklich, wenn man sie abgesondert beobachtet und sie nicht durch das Hereinpressen in den physischen Leib erklärt, in diesen Ideen Zukünftiges vorhanden. Aber wir müssen alle Ideen zukünftige nennen; denn während Sie jetzt hier im zwanzigsten Jahrhundert leben, entwickeln Sie Gedanken für das zwanzigste Jahrhundert; aber in den Untergründen, im astralischen Leib und im Ich drinnen sind schon die Ideen, die Sie für Ihre nächste Inkarnation brauchen, die Sie als Frucht von hier mitnehmen müssen. Die sind in jedem Menschen schon ein bißchen drinnen, nur kommen sie jetzt nicht heraus. Wie der Keim in der Pflanze drinnen ist, so sind schon die Ideen der nächsten Inkarnation drinnen, die da im Gehirn wirken. Das, was bei Weininger dieser abgesonderte Astralleib und das Ich in seinem physischen und Ätherleib jetzt tun, das ist mit Unrecht getan, denn das sollte sich erst vorbereiten durch die Zeit zwischen dem Tod und einer neuen Geburt und mit aufbauen den nächsten Leib. Da wäre es richtig, wenn es sich da hineinpreßte in den nächsten Leib.

[ 31 ] Ja, meine lieben Freunde, daß das so ist, das hat seine guten Gründe; denn was da bei Weininger heute als Intuition und Imagination zum Ausdruck gekommen ist, das sind wirkliche Ideen der Zukunft! Bitte lassen Sie sich dadurch nicht stören, daß Sie etwa glauben könnten, alles das, was hier über das Männliche und Weibliche entwickelt worden ist, sei Idee der Zukunft. Das sind nicht Ideen der Zukunft, das sind schon die ins Gehirn hereingepreßten karikierten Ideen. Aber die sind wirklich nicht bloß dieses M+W. Wenn sie da drinnen abgesondert beobachtet werden, da sind sie etwas, was ganz grandios ist, was die heutige Menschheit noch nicht versteht, sondern erst in der Zukunft verstehen wird, wenn wirklich ausgegossen werden wird über die Menschheit etwas, wodurch sich die Menschen nicht nur so gegenüberstehen werden wie heute, durch das Geschlecht, sondern wodurch sie sich mehr als Menschen gegenüberstehen werden. Es ist wirklich, wenn man sie abgesondert beobachtet und sie nicht durch das Hereinpressen in den physischen Leib erklärt, in diesen Ideen Zukünftiges vorhanden. Aber wir müssen alle Ideen zukünftige nennen; denn während Sie jetzt hier im zwanzigsten Jahrhundert leben, entwickeln Sie Gedanken für das zwanzigste Jahrhundert; aber in den Untergründen, im astralischen Leib und im Ich drinnen sind schon die Ideen, die Sie für Ihre nächste Inkarnation brauchen, die Sie als Frucht von hier mitnehmen müssen. Die sind in jedem Menschen schon ein bißchen drinnen, nur kommen sie jetzt nicht heraus. Wie der Keim in der Pflanze drinnen ist, so sind schon die Ideen der nächsten Inkarnation drinnen, die da im Gehirn wirken. Das, was bei Weininger dieser abgesonderte Astralleib und das Ich in seinem physischen und Ätherleib jetzt tun, das ist mit Unrecht getan, denn das sollte sich erst vorbereiten durch die Zeit zwischen dem Tod und einer neuen Geburt und mit aufbauen den nächsten Leib. Da wäre es richtig, wenn es sich da hineinpreßte in den nächsten Leib.

[ 32 ] Sie sehen, um was es sich handelt: die gegenwärtige und die nächstfolgende Inkarnation stimmen nicht zusammen. Die stören sich gegenseitig, die halten sich nicht ordentlich auseinander. Es spukt die nächste Inkarnation in die gegenwärtige Inkarnation hinein. Was in der nächsten Inkarnation wirklich etwas Bedeutsames und Richtiges sein würde, spukt herein in den gegenwärtigen Leib, den es nur stört, und kommt hier in Karikierungen zum Vorschein.

[ 32 ] Sie sehen, um was es sich handelt: die gegenwärtige und die nächstfolgende Inkarnation stimmen nicht zusammen. Die stören sich gegenseitig, die halten sich nicht ordentlich auseinander. Es spukt die nächste Inkarnation in die gegenwärtige Inkarnation hinein. Was in der nächsten Inkarnation wirklich etwas Bedeutsames und Richtiges sein würde, spukt herein in den gegenwärtigen Leib, den es nur stört, und kommt hier in Karikierungen zum Vorschein.

[ 33 ] Ich habe Ihnen öfter gesagt, wir leben jetzt in einer Zeit des Überganges, und es kommen Zeiten, in denen die gegenwärtig lebenden Menschen wieder inkarniert sein werden. Da werden sich diese Menschen in ein anderes Verhältnis zu den vorhergehenden Inkarnationen stellen müssen. Sie werden zurückschauen müssen auf die vorhergehende Inkarnation, anders als jetzt, wo jeder nur von seiner gegenwärtigen Inkarnation ein Bewußtsein hat. Das bereitet sich vor, und da kommen Unregelmäßigkeiten hinein. Und gerade bei solchen Individuen wie Weininger kommt das als eine Unregelmäßigkeit zustande. Bis in die letzten Konsequenzen hinein kommt das als eine Unregelmäßigkeit zustande. Denn, warum sterben wir denn eigentlich? Damit wir in der nächsten Inkarnation leben können! Zu den vielen Dingen, die den Tod großartig machen, gehört auch dieses, daß wir — ich rede jetzt von vollendeten Lebensläufen —, wenn wir in einer Inkarnation leben, dann durch die Pforte des Todes gehen, die Früchte des Lebens forttragen und uns unser nächstes Dasein damit aufbauen, mit diesen Früchten. Aber es gehört das Sterben ebenso zum Leben wie das Geborenwerden oder das Wachsen. Geradeso, wie die Pflanze eigentlich getötet wird durch den Keim, der in ihr steckt — der Keim bringt sie zum Welken; erst wachsen die Blätter, dann die Blüten, dann die Früchte, und dann fängt sie an zu welken —, so tötet uns gewissermaßen unsere nächste Inkarnation. Ist unsere nächste Inkarnation vertrackt, verdreht, so kann sie auch etwas von dem verdreht machen, was sie rechtmäßigerweise machen muß: Regelmäßigerweise bringt sie den Tod der gegenwärtigen Inkarnation. Die nächste Inkarnation, die in der vorhergehenden spukt: bei Weininger bringt sie den Tod als eine Karikatur, als den Selbstmord. Dieses Nicht-Zusammenstimmen dessen, was als nächste Inkarnation in der gegenwärtigen ruhen soll, statt dessen aber spukt, das bewirkt die Karikatur des Todes, den Selbstmord. Bis in diese Konsequenz hinein können Sie verfolgen ein NichtZusammenstimmen zwischen physischem und Ätherleib auf der einen Seite, Ich und Astralleib auf der andern Seite bei diesem menschlichen Individuum.

[ 33 ] Ich habe Ihnen öfter gesagt, wir leben jetzt in einer Zeit des Überganges, und es kommen Zeiten, in denen die gegenwärtig lebenden Menschen wieder inkarniert sein werden. Da werden sich diese Menschen in ein anderes Verhältnis zu den vorhergehenden Inkarnationen stellen müssen. Sie werden zurückschauen müssen auf die vorhergehende Inkarnation, anders als jetzt, wo jeder nur von seiner gegenwärtigen Inkarnation ein Bewußtsein hat. Das bereitet sich vor, und da kommen Unregelmäßigkeiten hinein. Und gerade bei solchen Individuen wie Weininger kommt das als eine Unregelmäßigkeit zustande. Bis in die letzten Konsequenzen hinein kommt das als eine Unregelmäßigkeit zustande. Denn, warum sterben wir denn eigentlich? Damit wir in der nächsten Inkarnation leben können! Zu den vielen Dingen, die den Tod großartig machen, gehört auch dieses, daß wir — ich rede jetzt von vollendeten Lebensläufen —, wenn wir in einer Inkarnation leben, dann durch die Pforte des Todes gehen, die Früchte des Lebens forttragen und uns unser nächstes Dasein damit aufbauen, mit diesen Früchten. Aber es gehört das Sterben ebenso zum Leben wie das Geborenwerden oder das Wachsen. Geradeso, wie die Pflanze eigentlich getötet wird durch den Keim, der in ihr steckt — der Keim bringt sie zum Welken; erst wachsen die Blätter, dann die Blüten, dann die Früchte, und dann fängt sie an zu welken —, so tötet uns gewissermaßen unsere nächste Inkarnation. Ist unsere nächste Inkarnation vertrackt, verdreht, so kann sie auch etwas von dem verdreht machen, was sie rechtmäßigerweise machen muß: Regelmäßigerweise bringt sie den Tod der gegenwärtigen Inkarnation. Die nächste Inkarnation, die in der vorhergehenden spukt: bei Weininger bringt sie den Tod als eine Karikatur, als den Selbstmord. Dieses Nicht-Zusammenstimmen dessen, was als nächste Inkarnation in der gegenwärtigen ruhen soll, statt dessen aber spukt, das bewirkt die Karikatur des Todes, den Selbstmord. Bis in diese Konsequenz hinein können Sie verfolgen ein NichtZusammenstimmen zwischen physischem und Ätherleib auf der einen Seite, Ich und Astralleib auf der andern Seite bei diesem menschlichen Individuum.

[ 34 ] Ich möchte sagen, herausgestellt wie in einem besonderen Beispiele sehen wir etwas, was heute in vielem lebt. Nur Geisteswissenschaft wird das so begreifen können. Aber wichtig ist es, da, wo es erscheint in der Gegenwart, es zu verstehen, sich darauf einzulassen. Für den unverständigen Literaten mag Weininger das Genie der Gegenwart sein, für den Irrenarzt ist er ein Wahnsinniger, für denjenigen, der verstehen will die Zeiten, der sich mit liebevoller Erkenntnis in die Ereignisse hineinversetzen will, ist er der Typus für das Übergangsleben unserer Zeit, einer der interessantesten Typen. Wichtig ist es, das Leben an solch interessanten Beispielen anzufassen. Denn hier ist es so, wo Geisteswissenschaft praktisch wird, weil wir in der Zeit leben, in der das Leben immer schwieriger wird, in der die Menschen immer mehr und mehr mit sich zu tun haben, in der Selbsterkenntnis immer schwerer sein wird, und immer bedrückender jenes Heraufdringen dessen, was da unten wogt und lebt, und was uns selbst oftmals so unverständlich und mit Depressionen behaftet erscheinen läßt. Aus den Erkenntnissen der Geisteswissenschaft müssen wir uns ein Verständnis des Menschlichen erwerben.

[ 34 ] Ich möchte sagen, herausgestellt wie in einem besonderen Beispiele sehen wir etwas, was heute in vielem lebt. Nur Geisteswissenschaft wird das so begreifen können. Aber wichtig ist es, da, wo es erscheint in der Gegenwart, es zu verstehen, sich darauf einzulassen. Für den unverständigen Literaten mag Weininger das Genie der Gegenwart sein, für den Irrenarzt ist er ein Wahnsinniger, für denjenigen, der verstehen will die Zeiten, der sich mit liebevoller Erkenntnis in die Ereignisse hineinversetzen will, ist er der Typus für das Übergangsleben unserer Zeit, einer der interessantesten Typen. Wichtig ist es, das Leben an solch interessanten Beispielen anzufassen. Denn hier ist es so, wo Geisteswissenschaft praktisch wird, weil wir in der Zeit leben, in der das Leben immer schwieriger wird, in der die Menschen immer mehr und mehr mit sich zu tun haben, in der Selbsterkenntnis immer schwerer sein wird, und immer bedrückender jenes Heraufdringen dessen, was da unten wogt und lebt, und was uns selbst oftmals so unverständlich und mit Depressionen behaftet erscheinen läßt. Aus den Erkenntnissen der Geisteswissenschaft müssen wir uns ein Verständnis des Menschlichen erwerben.

[ 35 ] Davon wollen wir dann morgen weiterreden und es zu einem größeren Thema ausbilden.

[ 35 ] Davon wollen wir dann morgen weiterreden und es zu einem größeren Thema ausbilden.