Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

The Karma of a Person's Profession
in Relation to Goethe's Life
GA 172

27 November 1916, Dornach

Translate the original German text into any language:

Zehnter Vortrag

Tenth Lecture

[ 1 ] Wenn wir versuchen, auf die Frage zunächst einzugehen, die wir das letzte Mal andeuteten: Wie kann der gegenwärtige Mensch ein mögliches Verhältnis zu dem Christus gewinnen? — so drängt sich ja selbstverständlich vielen der Einwand auf, daß ja sehr viele Menschen in der Gegenwart ihr Verhältnis zu dem Christus haben. Über diesen Einwand habe ich schon öfter gesprochen, und wir wissen ja, daß er insofern nicht gelten kann, als er sich eigentlich bei genauerer Betrachtung entpuppt als ein recht egoistischer Einwand, der nur gemacht werden kann, wenn man sich auf den Standpunkt stellt: Ich habe meinen befriedigenden Glauben, und alles übrige geht mich nichts an. — Daß im allgemeinen die Menschheit heute nicht auf einem befriedigenden Standpunkt steht gegenüber der Christus-Wesenheit, das aber ist allzu augenscheinlich erkennbar aus den Ereignissen unserer Zeit, als daß man viele Worte darüber sprechen müßte. Die Antwort, die auf diesen Einwand gegeben werden soll, kann sich ja jeder selbst geben, der sich sagt, es müsse zu dem Grundelement des Christus-Bekenntnisses gehören, daß Christus für alle Menschen gestorben und auferstanden ist, für alle Menschen in gleicher Weise, und daß es niemals im Namen des Christus sein kann, wenn sich Mensch gegen Mensch um äußerer Güter willen wendet. Man kann sich abwenden von diesem allgemeinen Menschenschicksal und sich in egoistischer Weise bloß auf sein Bekenntnis konzentrieren. Gewiß, dann aber berücksichtigt man nicht, daß der Eintritt des Mysteriums von Golgatha etwas ist, was vor allen Dingen die menschliche Gemeinschaft angeht. Nun werden wir einiges anzuführen haben, das ja uns aufmerksam machen kann darauf, worinnen das Wesentliche des Weges zu dem Christus besteht; denn selbstverständlich muß den Weg zum Christus mit den Mitteln, welche der heutigen Zeit angemessen sind, eine jegliche Seele selber finden.

[ 1 ] If we try to address, first of all, the question we hinted at last time—How can people today establish a possible relationship with Christ?—then, of course, the objection immediately comes to mind that a great many people today do in fact have a relationship with Christ. I have spoken about this objection on several occasions, and we know that it does not hold up, since upon closer examination it actually turns out to be a rather selfish objection that can only be raised if one takes the position: “I have my own satisfying faith, and everything else is none of my business.” — That humanity in general does not currently hold a satisfactory stance toward the Christ-being—this is all too evident from the events of our time to require much elaboration. The answer to this objection can, of course, be given by anyone who tells themselves that it must be a fundamental element of the Christian creed that Christ died and rose again for all people, for all people in the same way, and that it can never be in the name of Christ when one person turns against another for the sake of material goods. One can turn away from this universal human destiny and, in a selfish manner, focus solely on one’s own confession. Certainly, however, in doing so one fails to take into account that the advent of the Mystery of Golgotha is, above all else, a matter that concerns the human community. Now we shall present a few points that can draw our attention to what constitutes the essence of the path to Christ; for, of course, every soul must find the path to Christ for itself, using the means appropriate to the present age.

[ 2 ] Wenn wir zunächst versuchen, in tieferem Sinne zu verstehen, was das Christus-Wesen für die Erde bedeutet, so müssen wir uns zuerst bekanntmachen damit, daß es wesentlich ist für das Christus-Ereignis, daß das Mysterium von Golgatha einmal in einem bestimmten Zeitpunkte, also in der Zeit und im Raume, sich ereignet hat. Wenn wir dies ins Auge fassen, so werden wir sogleich gegen eine allgemeine Anschauung, die auch die unsrige sein muß, einen Widerspruch finden, den man, weil er ein berechtigter Widerspruch ist, nicht hinwegdiskutieren soll, ein Widerspruch, der zunächst anerkannt werden muß, wenn man ihn für seine Seele beseitigen will. Nicht wahr, das Mysteriium von Golgatha kann nur dasjenige sein, was wir immer betont haben: der Sinn der Erdenentwickelung, wenn dieses Mysterium von Golgatha innere, wirkliche Wahrheit hat. Alles dasjenige aber, was sich in der Zeit und im Raume zuträgt, wir wissen es, gehört dem Gebiete der Maja, der großen Täuschung an, gehört also nicht der wirklichen, ewigen Wesenhaftigkeit der Dinge an. Und so stehen wir vor dem bedeutungsvollen Widerspruch, daß das Mysterium von Golgatha der Maja, der großen Täuschung angehört. Das ist ein bedeutungsvoller Widerspruch, den man sich zunächst in seiner vollen Gültigkeit vor die Seele führen muß.

[ 2 ] If we first attempt to understand, in a deeper sense, what the Christ Being means for the Earth, we must begin by acknowledging that it is essential to the Christ Event that the Mystery of Golgotha took place once at a specific point in time—that is, in time and space. When we consider this, we immediately encounter a contradiction to a general view—one that must also be our own—a contradiction that, because it is a legitimate one, should not be dismissed through argument; a contradiction that must first be acknowledged if one wishes to resolve it within one’s soul. Is it not true that the Mystery of Golgotha can only be what we have always emphasized: the meaning of Earth’s evolution—if this Mystery of Golgotha possesses inner, true reality? But everything that takes place in time and space—as we know—belongs to the realm of Maya, the great illusion; it therefore does not belong to the real, eternal essence of things. And so we are faced with the significant contradiction that the Mystery of Golgotha belongs to Maya, the great illusion. This is a significant contradiction, the full validity of which one must first bring to mind.

[ 3 ] Nun gehen wir, da ja das Mysterium von Golgatha sich in der Zeit abgespielt hat, der die Entwickelung des Menschengeschlechtes auf Erden angehört, einmal auf dieseEntwickelung des Menschengeschlechtes auf der Erde ein. Wir wissen ja, wie es sich für diese Entwickelung des Menschengeschlechtes darum handelt, daß der Mensch aus früheren Welten herübergekommen ist, und daß er, so wie wir das in der «Geheimwissenschaft im Umriß» angegeben haben, in einem bestimmten Zeitpunkte dem unterworfen war, was man die luziferische Verführung, Versuchung nennen kann. Wir haben dies, was luziferische Versuchung, Verführung ist, öfters in dem Sinne, wie die geisteswissenschaftliche Forschung das eben andeutet, betrachtet; wir wissen, daß es in einem großartigen Bilde am Beginne des Alten Testamentes zum Ausdruck gebracht worden ist, in dem Bilde vom sogenannten Sündenfall, von Luzifer als der Schlange im Paradiese, das als eines der gewaltigsten Bilder dasteht innerhalb der religiösen Urkunden.

[ 3 ] Now that the Mystery of Golgotha took place during the period to which the evolution of the human race on Earth belongs, let us consider this evolution of the human race on Earth. We know, of course, that this evolution of the human race involves the fact that human beings have come over from earlier worlds and that, as we have indicated in Outline of Esoteric Science, at a certain point in time they were subjected to what can be called the Luciferic temptation. We have often considered this—what constitutes the Luciferic temptation—in the sense that spiritual scientific research suggests; we know that it has been expressed in a magnificent image at the beginning of the Old Testament, in the image of the so-called Fall of Man, of Lucifer as the serpent in Paradise, which stands as one of the most powerful images within the religious texts.

[ 4 ] Wenn wir die Zeit, welche die Menschheitsevolution durchmacht von der luziferischen Versuchung an bis zu dem Mysterium von Golgatha überblicken, so ist sie ja für uns eine Zeit, in welcher die Menschen von einer ursprünglichen, von früheren planetarischen Stufen herübergewachsenen, also atavistischen hellseherischen Offenbarung, durch welche ihnen die geistigen Welten vor dem Seelenauge standen, allmählich herabgestiegen sind, so daß sie in den Jahrhunderten, die dem Mysterium von Golgatha vorangingen, nicht mehr in der Lage waren, so hinaufzuschauen zu den geistigen Welten wie früher, sondern daß sie nur noch Nachklänge hatten an die alten Erkenntnisse von den geistigen Welten.

[ 4 ] When we survey the period of human evolution from the Luciferic temptation up to the Mystery of Golgotha, we see that for us it is a time in which human beings have gradually descended from an original, clairvoyant revelation—one that had carried over from earlier planetary stages and was thus atavistic—through which the spiritual worlds stood before the soul’s eye, so that in the centuries preceding the Mystery of Golgotha, they were no longer able to look up to the spiritual worlds as they had before, but had only echoes of the old knowledge of the spiritual worlds.

[ 5 ] Lassen wir nun einmal für eine verhältnismäßig kurze Erdenzeit — wir können nicht zurückgehen bis zur luziferischen Verführung — die Aufeinanderfolge sozusagen der absteigenden Stufen der Menschheitsevolution bis zum Mysterium von Golgatha vor unserer Seele vorbeiziehen. Da finden wir dasFolgende. Wenn wir weit genug zurückgehen, finden wir dasjenige, was früher die Menschen als eine atavistische Weisheit hatten, als ein wirkliches Anschauen der geistigen Welten, ausgedrückt im Nachklang religiöser Weltanschauungen dadurch, daß die Menschen verehrten, was mehr oder weniger ein bedeutungsvoller, hochangesehener Vorfahre war. Das heißt, wir finden in den verschiedenen Gegenden der Erde religiöse Kulte, die wir als Ahnenkulte bezeichnen können. Solche Ahnenkulte sind ja noch geblieben bei mehr oder weniger auf früheren Stufen der Entwickelung stehengebliebenen Menschen. Menschen also verehren oder schauen verehrend auf zu einem Ahnen. Was liegt diesem Aufschauen zu Ahnen eigentlich zusrunde? Was ist die Realität dieses Aufschauens zu Ahnen in alten Zeiten, in jenen ältesten Zeiten, zu denen noch die Geschichte zurückblicken kann? Sagen wir: Da geht es in graue. Zeiten zurück; dann haben wir eine gewisse Epoche, in der Ahnenkulte da sind (siehe Schema Seite 203).

[ 5 ] Let us now, for a relatively short period of Earth time—we cannot go back as far as the Luciferic temptation—allow the sequence, so to speak, of the descending stages of human evolution up to the Mystery of Golgotha to pass before our souls. There we find the following. If we go back far enough, we find what people once possessed as an atavistic wisdom—a genuine insight into the spiritual worlds—expressed in the echoes of religious worldviews through people’s veneration of what was, to a greater or lesser extent, a significant, highly revered ancestor. That is to say, we find religious cults in various regions of the earth that we can describe as ancestor cults. Such ancestor cults have indeed persisted among people who have remained, to a greater or lesser extent, at earlier stages of development. People, then, revere or look up to an ancestor with reverence. What actually underlies this reverence for ancestors? What is the reality of this veneration of ancestors in ancient times, in those earliest times to which history can still look back? Let us say: This goes back to the mists of time; then we have a certain epoch in which ancestor cults exist (see diagram on page 203).

[ 6 ] Solche Ahnenkulte gründeten sich nicht etwa, wie die heutige oberflächliche Wissenschaft glaubt, darauf, daß die Leute sich einbildeten, sie müßten zu einem Vorfahren hinaufschauen, sondern die ältesten Ahnenkulte waren durchaus so, daß die Menschen in gewissen Zeiten ihres Lebens eine unmittelbare Anschauung des Ahnen hatten. Derjenige, der hinaufblickte zu einem Ahnen-Gott, kam in gewissen Zeiten seines Lebens, in Zuständen zwischen Wachen und Schlafen, wie sie ja in der älteren Menschheitsentwickelung durchaus vorhanden waren, dazu, mit dem, was er als seinen Ahnen verehrte, wirklich zusammenzusein. Der Ahne erschien ihm nicht bloß in einem Traume, sondern in einer traumhaften Vorstellung, die etwas Reales bedeutete für ihn. Und diejenigen Menschen gehörten zusammen zu einem Ahnendienst, denen eben ein gemeinschaftlicher Ahne erschien. Dasjenige, was die Menschen im Geiste schauten, war allerdings eine ins Erhabene hinaufgesteigerte Menschengestalt; aber hinter dieser Menschengestalt verbarg sich noch etwas ganz anderes. Will man erkennen, was sich eigentlich hinter dieser Geistgestalt verbarg, so muß man sich das Folgende vor Augen führen: Der Ahne war einmal gestorben; er ging von der Erde ab als eine, wie gesagt, hochangesehene Persönlichkeit, die viel Gutes gewirkt hatte für eine menschliche Gemeinschaft. Der Ahne war durch die Pforte des Todes gegangen, war also, während die Menschen zu ihm aufsahen, auf dem Wege zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Was von dem Ahnen sahen denn da die Menschen, wenn sie zu ihm aufblickten?

[ 6 ] Such ancestor cults were not based, as today’s superficial science believes, on people imagining that they had to look up to an ancestor; rather, the earliest ancestor cults were such that people had a direct perception of the ancestor at certain times in their lives. Those who looked up to an ancestral god would, at certain times in their lives—in states between waking and sleeping, which were indeed common in the early stages of human development—actually come to be in the presence of the one they revered as their ancestor. The ancestor did not merely appear to him in a dream, but in a dreamlike vision that held real significance for him. And those people who were visited by a common ancestor belonged together in an ancestral cult. What people beheld in their minds was, admittedly, a human form elevated to the sublime; but behind this human form lay something entirely different. If one wishes to understand what was actually hidden behind this spiritual figure, one must bear the following in mind: The ancestor had once died; he departed from the earth as, as mentioned, a highly esteemed personality who had done much good for a human community. The ancestor had passed through the gate of death; thus, while people looked up to him, he was on the path between death and a new birth. What, then, did people see of the ancestor when they looked up to him?

[ 7 ] Wir wissen ja, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, so ist er noch eine kurze Zeit in seinem Ätherleib; dann wird dieser Ätherleib abgelegt. Aber das Ablegen bedeutet, daß der Ätherleib in die geistigen Welten, in die Ätherwelt übertritt. Der Mensch in seinem Ich und seinem astralischen Leib entwickelt sich weiter; der Ätherleib geht über in die Ätherwelt. Da der betreffende Mensch Konsistentes getan hatte auf Erden, blieb die Erinnerung des Ätherleibes lange. Den ÄÄtherleib ihres Ahnen nahmen die Leute in ihrem alten atavistischen, traumhaften Hellsehen wahr, verehrten dasjenige, was sich ihnen offenbarte durch diesen Ätherleib. Aber zwischen dem Tod und einer neuen Geburt kommt dieser Ätherleib in Berührung mit den Geistern der höheren Hierarchien, vor allen Dingen mit den Geistern aus der Hier“archie der Archai, der Zeitgeister. Und weil der Betreffende eine für die Menschheitsentwickelung bedeutsame Persönlichkeit war, so verband er sich mit dem Zeitgeist, der die Menschheitsentwickelung um ein Stück vorwärts brachte.

[ 7 ] We know, of course, that when a person passes through the gate of death, they remain in their etheric body for a short time; then this etheric body is shed. But shedding it means that the etheric body passes into the spiritual worlds, into the etheric world. The human being, in their I and astral body, continues to develop; the etheric body passes into the etheric world. Since the person in question had performed deeds of substance on Earth, the memory of the etheric body lingered for a long time. People perceived the etheric body of their ancestors through their ancient, atavistic, dreamlike clairvoyance and revered what was revealed to them through this etheric body. But between death and a new birth, this etheric body comes into contact with the spirits of the higher hierarchies, above all with the spirits from the hierarchy of the Archai, the spirits of the ages. And because the person in question was a significant figure in the development of humanity, he united with the spirit of the age, which advanced human development a step further.

[ 8 ] Dasjenige, was sich durch dieses, sagen wir meinetwillen, Gespenst der Vorfahren kundgab, das war im Grunde genommen der Zeitgeist, einer der Zeitgeister, so daß die älteste religiöse Kultverehrung dem Zeitgeist dargebracht wurde. Überall, wo wir zurückgehen bis in die Zeiten, die noch als graue Zeiten die Geschichte sehen kann, finden wir, daß die Menschen verehrten die ätherischen Leiber ihrer Vorfahren als Offenbarungsmittel der Zeitgeister. Also indem wir zu den Ahnenkulten zurückgehen, haben wir die Verehrung der Zeitgeister, der Archai.

[ 8 ] That which manifested itself through this—let us call it, for my sake—ghost of the ancestors was, in essence, the spirit of the age, one of the spirits of the age, so that the oldest forms of religious worship were offered to the spirit of the age. Wherever we go back to times that history still regards as the “gray ages,” we find that people worshipped the etheric bodies of their ancestors as vehicles of revelation for the spirits of the age. Thus, by going back to the ancestor cults, we find the worship of the spirits of the age, the Archai.

[ 9 ] Dann stiegen dieMenschen weiter herunter und fingen an, diejenigen Gottheiten zu verehren, welche uns bekannt sind aus den verschiedenen Mythologien und die wir ja kennen als Erzengel; selbst in der griechischen Mythologie Zeus und so weiter, sie haben den Wert von ErzengelErscheinungen. In den ältesten Zeiten blickten die Menschen hinauf zu den Zeitgeistern; dann blickten sie hinauf zu denjenigen Geistern, die nun nicht mehr Zeitgeister sind, sondern die gleichwertig sind mit den Geistern, welche auch die Führung der Volksstämme haben, zu den Erzengeln. So daß wir sagen können: der Polytheismus folgt auf den Ahnenkult, und die Menschen verehren Archangeloi.

[ 9 ] Then people descended further and began to worship those deities who are known to us from various mythologies and whom we recognize as archangels; even in Greek mythology, Zeus and so on are regarded as manifestations of archangels. In the earliest times, people looked up to the spirits of the times; then they looked up to those spirits who are no longer spirits of the times, but who are equivalent to the spirits who also guide the tribes—the archangels. So we can say: polytheism follows the cult of ancestors, and people worship the Archangeloi.

[ 10 ] Dann kommt das Zeitalter, in dem die Menschen noch weiter heruntersteigen, das Zeitalter, in dem schon nach und nach das Ich des einzelnen Menschen geboren werden soll. Und wir finden, daß die fortgeschrittensten Nationen verhältnismäßig früh, andere später — die Ägypter zum Beispiel schon im zweiten Jahrtausend, vorderasiatische Völker später — zum Monotheismus übergehen, das heißt beginnen, nicht mehr Erzengel, Archangeloi, sondern Angeloi, jeder seinen Angelos, zu verehren. Sie steigen herunter von dem höheren Polytheismus zu dem niedrigeren Monotheismus. Nach dem, was gestern ausgeführt worden ist, wird Ihnen das nicht mehr fremdartig erscheinen, was ich jetzt sage, und Sie werden einsehen, daß sich die Menschen von dem Hochmut werden kurieren müssen, der die ganzeReligionswissenschaft durchtränkt: daß dasjenige, was man gewöhnlich Monotheismus nennt, herabschauen darf auf den Polytheismus als die untergeordnete Religion. Denn so ist es nicht, sondern es verhält sich so, wie jetzt die Sache dargestellt wurde.

[ 10 ] Then comes the age in which human beings descend even further—the age in which the “I” of the individual is to be born, little by little. And we find that the most advanced nations transition to monotheism relatively early, while others do so later—the Egyptians, for example, as early as the second millennium, and the peoples of the Near East later—that is, they begin to worship not archangels (Archangeloi) but angels (Angeloi), each with their own Angelos. They descend from higher polytheism to lower monotheism. In light of what was explained yesterday, what I am about to say will no longer seem strange to you, and you will realize that people must rid themselves of the arrogance that permeates the entire field of religious studies: the notion that what is commonly called monotheism is entitled to look down on polytheism as an inferior religion. For this is not the case; rather, the situation is as has now been presented.

[ 11 ] Warum konnten denn diese alten Völker noch Archai, Archangeloi, Angeloi verehren? Sie konnten sie verehren aus dem Grunde, weil sie noch die Überbleibsel hatten oder die Nachklänge der alten atavistischhellseherischen Kunst. Daher konnten sie sich erheben zu demjenigen, was übermenschlich war; sie konnten gewissermaßen hinauswachsen über das Menschliche, sich erheben zu dem Übermenschlichen. Und in den alten Mysterien wurde dieses Hinaufheben zu dem Übermenschlichen ganz besonders kultiviert. Da wurden die Menschen dazu gebracht, das in sich zu entwickeln, was über das Menschliche hinausging, wodurch sich die Menschenseele erhob ins Reich der Geistigkeit. Aber nun kam die Zeit, in welcher das menschliche Ich, wie es hier lebt zwischen Geburt und Tod, für die Menschen geboren wurde. Das war die Zeit, welche gleich liegt dem Hereintreten des Mysteriums von Golgatha. Wäre das Mysterium von Golgatha nicht gekommen, dann wären die Menschen degeneriert; sie würden heruntergestiegen sein von der Verehrung der Angeloi zu der Verehrung der nächstuntergeordneten Hierarchie, des Menschen selber. Und wir brauchen ja nur uns zu erinnern, wie sich die römischen Cäsaren als Götter haben verehren lassen, wie sie wirklich für das Volk Götter waren, so wissen wir, daß zur Zeit des Mysteriums von Golgatha die Menschen in ihrer Degeneration so weit waren, nun nicht mehr Archai oder Archangeloi oder Angeloi anzubeten, sondern den Menschen selber. In dieser Zeit mußte, um die Menschen davor zu retten, den Erdenmenschen anzubeten, der Gottmensch erscheinen.

[ 11 ] Why, then, were these ancient peoples still able to worship Archai, Archangeloi, and Angeloi? They were able to worship them because they still possessed the remnants or echoes of the ancient art of atavistic clairvoyance. Thus they were able to rise to that which was superhuman; they were able, so to speak, to transcend the human and rise to the superhuman. And in the ancient mysteries, this ascent to the superhuman was cultivated in a very special way. There, people were led to develop within themselves that which went beyond the human, whereby the human soul rose into the realm of the spiritual. But then came the time when the human “I,” as it lives here between birth and death, was born into human consciousness. That was the time immediately preceding the advent of the Mystery of Golgotha. Had the Mystery of Golgotha not come, human beings would have degenerated; they would have descended from the worship of the angels to the worship of the next lower hierarchy—humanity itself. And we need only recall how the Roman Caesars had themselves worshiped as gods, how they were truly gods to the people, to realize that at the time of the Mystery of Golgotha, humanity had degenerated to the point where it no longer worshiped the Archai, Archangeloi, or Angeloi, but rather human beings themselves. At that time, in order to save humanity from worshipping earthly human beings, the God-Man had to appear.

Archai (Zeitgeister) — Ahnenkult
Archangeloi — Polytheismus
Angeloi — Monotheismus
Mensch — Gottmensch

Archai (Spirits of the Age) — Ancestor Worship
Archangeloi — Polytheism
Angeloi — Monotheism
Human — God-Man

[ 12 ] Daß der Gottmensch in die Geschichte eintrat, das bedeutet eine wesentlich neue Art, sich zum religiösen Leben zu stellen. Denn wo waren denn gefunden Angeloi-, Archangeloi-, Archai-Verehrung, wo war schließlich auch noch die Menschenverehrung der römischen Cäsaren gefunden? Im Menschen selber; denn keiner verehrte den Cäsaren durch den Cäsaren, sondern durch sich selber selbstverständlich; das war im Menschen selber entsprungen, das kam aus der menschlichen Seele heraus. Der Christus mußte als historische Tatsache in die Menschheitsentwickelung eintreten, er mußte wie die Naturerscheinungen selber von außen wahrgenommen werden, er mußte auf einem ganz anderen Weg an die Menschen herantreten, als die Götter der alten Religionen an den Menschen herangetreten waren. «Wo zwei in meinem Namen vereint sind, bin ich mitten unter ihnen» — das ist ein wichtiger Satz des Christentums, denn er bedeutet, daß man zwar auf dem Wege der bloß individuellen Mystik Angeloi, Archangeloi, auch noch Archai finden kann, daß man auf dem Weg der individuellen Mystik aber nicht den Christus finden kann. Diejenigen, die individuelle Mystik pflegen wollen, so wie das oftmals auch unter Theosophen geschildert wird, die kommen in der Regel auch nur bis zum Angelos. Sie verinnerlichen nur diesen Angelos mehr, machen ihn manchmal noch sogar um etwas egoistischer, als die anderen Menschen ihren Gott machen. Den Christus findet man auf andere Weise, nicht bloß durch Entwickelung des Innern, sondern dann, wenn man sich vor allen Dingen bewußt ist, daß der Christus der menschlichen Gemeinschaft angehört, der ganzen menschlichen Gemeinschaft angehört.

[ 12 ] The fact that the God-man entered history signifies a fundamentally new way of approaching religious life. For where, after all, was the worship of angels, archangels, and archai to be found? And where, ultimately, was the human worship of the Roman Caesars to be found? In human beings themselves; for no one worshiped the Caesars for the Caesars’ sake, but—naturally—for their own sake; this had sprung from within human beings themselves; it came from the human soul. Christ had to enter human development as a historical fact; he had to be perceived from the outside, just like natural phenomena themselves; he had to approach humanity in a completely different way than the gods of the ancient religions had approached humanity. “Where two are united in my name, I am in their midst”—this is an important statement in Christianity, for it means that while one may indeed encounter angels, archangels, and even archai on the path of purely individual mysticism, one cannot find Christ on that path. Those who wish to pursue individual mysticism, as is often described even among Theosophists, generally get no further than the Angelos. They merely internalize this Angelos more deeply, sometimes even making him somewhat more egotistical than other people make their god. Christ is found in a different way—not merely through inner development, but when one is, above all, conscious that Christ belongs to the human community, to the entire human community.

[ 13 ] Nun kommen wir zu einer sehr bedeutsamen Unterscheidung, von der man zugeben muß, daß sie nur sehr schwer in die Menschenseele hineingeht. Aber man muß einmal sich zu ihr aufschwingen. Wenn wir einem Menschen gegenübertreten im Leben, so stehen wir als Mensch dem anderen Menschen gegenüber in der Maja. Geradeso wie wir von den Naturerscheinungen nur die Maja vor uns haben, so haben wir auch von dem anderen Menschen nur die Maja vor uns. Innerhalb der Maja steht uns der Mensch gegenüber, erstens als dieser einzelne Mensch, als der er unseren äußeren Sinnen und dem, was mit der äußeren Sinnlichkeit zusammenhängt, erscheint; dann steht er uns gegenüber als der Angehörige seiner Familie, seines Volkes, als der Angehörige seiner Zeit. Würde man voll ihn überblicken, so würde man hinter ihm sehen den Angelos, den Archangelos, den Arch£g; aber die alle drücken sich aus in dem, was der Mensch ist. Denn der Mensch ist in gewissem Sinne dadurch, daß Archangeloi, Archai hinter ihm stehen, der Angehörige von bestimmten Menschengruppen. Er steht mit anderen Worten dadurch in der Vererbungslinie, in den Vererbungsverhältnissen drinnen. Es ist nur eine Kurzsichtigkeit, die menschlich begreiflich ist, daß wir nicht immer, wenn wir einen Menschen vor uns haben, auch bewußt ihn beurteilen nach dieser seiner Zugehörigkeit, denn unbewußt tun wir das fortwährend. Wir stehen einander unbewußt in dieser Differenzierung gegenüber, die durch diese drei Hierarchien notwendigerweise in die Menschheit hineingebracht werden muß. Aber der Christus verlangt mehr; der Christus verlangt noch anderes. Der Christus verlangt in Wirklichkeit: Wenn du einem Menschen gegenübertrittst, dann sollst du ihn so ansehen, daß dasjenige, als was er dir in der äußeren Welt erscheint, nicht der ganze, volle Mensch ist; du sollst ihn so ansehen, daß seinWirkliches nicht bloß von Archai, Archangeloi, Angeloikommt, sondern von höheren Geistern, die nun nicht mehr der Erdenentwickelung angehören, auch nicht der planetarischen Entwickelung — denn die beginnt mit den Archai, wie Sie aus der «Geheimwissenschaft im Umriß» wissen —, sondern mit den höheren himmlischen Geistern; daß mit dem Menschen in die Maja etwas hereintritt, was überirdisch ist.

[ 13 ] Now we come to a very significant distinction, which, it must be admitted, is very difficult for the human soul to grasp. But we must strive to rise to it. When we encounter another person in life, we stand as one human being facing another human being within the Maja. Just as we see only the Maya of natural phenomena before us, so too do we see only the Maya of another human being before us. Within the Maya, the human being stands before us, first as this individual human being, as he appears to our external senses and to what is connected with external sensibility; then he stands before us as a member of his family, of his people, and of his time. If one were to gain a complete overview of him, one would see behind him the Angelos, the Archangelos, the Arch£g; but all of these are expressed in what the human being is. For the human being is, in a certain sense—precisely because Archangeloi and Archai stand behind him—a member of specific human groups. In other words, he stands within the line of inheritance, within the relationships of inheritance. It is merely a form of short-sightedness—which is humanly understandable—that we do not always consciously judge a person standing before us according to this affiliation of theirs, for unconsciously we do so constantly. We unconsciously face one another within this differentiation, which must necessarily be brought into humanity through these three hierarchies. But Christ demands more; Christ demands something else as well. Christ actually demands this: When you encounter a human being, you should regard them in such a way that what appears to you in the outer world is not the whole, complete human being; you should regard them in such a way that their true essence does not come merely from the Archai, Archangeloi, and Angeloi, but from higher spirits who no longer belong to earthly evolution, nor even to planetary evolution—for that begins with the Archai, as you know from An Outline of Esoteric Science—but from the higher heavenly spirits; that with the human being, something supermundane enters into Maya.

[ 14 ] Das, was ich jetzt ausgesprochen habe, muß man vollständig in das Fühlen übertragen, nicht als einen Begriff lassen, wenn man es voll verstehen will. Man muß sich klar sein darüber, daß mit jedem Menschen uns etwas gegenübertritt, das überirdischer Natur ist und mit irdischen Menschenmitteln nicht begriffen werden kann. Dann stellt sich für jeden Menschen jene intime Ehrfurcht vor allem Menschlichen ein. Aber vor dem Mysterium von Golgatha waren die Menschen so, daß sie allmählich dieses Übermenschliche verloren hatten, daß sie heruntergestiegen waren bis zum Menschen. Das Übermenschliche hatten sie verloren. Denn in dem Augenblicke — fassen Sie diesen Satz wohl! —, wo sich der Mensch wie ein römischer Cäsar als Gott verehren läßt, verliert er seine Menschlichkeit und sinkt in die Untermenschlichkeit herunter. Er hört auf, Mensch zu sein, wenn er sich als etwas Übermenschliches verehren läßt im sozialen Leben. Den Menschen drohte also, ihre Menschlichkeit zu verlieren; und sie wurde ihnen wiedergegeben durch die Erscheinung des Christus auf Erden. Lesen Sie den Karlsruher Zyklus, in dem ich über diese Frage gesprochen habe, wie wirklich jedem einzelnen Menschen etwas mitgeteilt wird dadurch, daß der Christus auf der Erde war.

[ 14 ] What I have just said must be fully internalized as a feeling; it must not be left as a mere concept if one is to understand it fully. One must be clear that in every human being we encounter something of a superhuman nature that cannot be grasped by earthly human means. Then that intimate reverence for all that is human arises in every person. But before the Mystery of Golgotha, human beings had gradually lost this superhuman quality, having descended to the level of mere humanity. They had lost the superhuman. For at the very moment—take this sentence to heart!—when a human being allows himself to be worshiped as a god, like a Roman Caesar, he loses his humanity and sinks into subhumanity. He ceases to be human when he allows himself to be worshiped as something superhuman in social life. Humanity was thus in danger of losing its humanity; and it was restored to them through the appearance of Christ on earth. Read the Karlsruhe Cycle, in which I spoke about this question—how something is truly communicated to every single human being through the fact that Christ was on earth.

[ 15 ] So ist dadurch mit Christus das gekommen, daß man anerkennt in jedem Erdenmenschen, auch wenn er ein Sünder und Zöllner ist, mit denen sich Christus deswegen zusammensetzt, daß man anerkenne in jedem Erdenmenschen den Christus, der hinter ihm ist, daß man anerkenne in jedem Erdenmenschen die Wahrheit des Wortes: «Was du dem geringsten meiner Brüder tust, das hast du mir getan.» — Wie gesagt, man muß diesen Begriff ganz in die Empfindung umsetzen, dann erst wird man auf seine volle Wahrheit kommen. Denn vor dem, was man also sieht, versinken alle Begriffe und Vorstellungen, die die Menschen trennen, und etwas, was allen Menschen gemeinschaftlich ist, geht als eine Aura über die Erde hin, wenn man sich dazu bekennt, jetzt nicht bloß zu suchen bis zu dem Arch&, sondern hinauf zu suchen bis zu demjenigen, was über dem Arch& steht, wenn man einem Menschen gegenübertritt.

[ 15 ] Thus, through Christ, we have come to recognize in every earthly human being—even if he is a sinner or a tax collector, with whom Christ associates for this very reason—the Christ who stands behind him, and to recognize in every earthly human being the truth of the words: “Whatever you do for the least of my brothers, you have done for me.” — As I said, one must fully internalize this concept; only then will one grasp its full truth. For in the face of what one thus sees, all concepts and ideas that separate people fade away, and something that is common to all humanity spreads over the earth like an aura when one commits to seeking not merely as far as the Arch&, but upward to that which stands above the Arch&, when one encounters another human being.

[ 16 ] Wenn wir noch einmal den Blick zurückwenden zu den alten Mysterien, so finden wir, daß in diesen alten Mysterien der Mensch versuchte, sich zu erheben über sich selbst, um mit seiner Seele hineinzuwachsen in die geistige Welt. Aber dadurch, daß die luziferische Versuchung einmal da war, ist das nur bis zu einem gewissen Grade möglich. Dann verliert man sozusagen bei diesem Aufstiege die Möglichkeit, weiter hinaufzusteigen. Man kann nichts mehr hinauftragen in die höhere Welt. Warum ist das so? Die Antwort auf diese Frage wird uns, wenn wir den tieferen Sinn der luziferischen Versuchung ins Auge fassen. Was will denn eigentlich Luzifer mit der Menschheit? Wir haben das öfter betont. Die Menschheit lebt in der Maja, in dem, was nur ein Spiegel der Welt ist, nicht die wirkliche Welt. Was will denn Luzifer? Der Mensch kann sich in diesem Spiegel einige Stufen über sich erheben bis zu dem Arche hinauf. Dann aber muß er von Luzifer übernommen werden, wenn er noch weiter ins Geistige hinauf will, dann muß er gewissermaßen Luzifer zu seinem Führer machen, der das Licht ist, das ihn weiterführen kann. Wäre es bei der luziferischen Evolution geblieben, wäre kein Christus in die Menschheitsevolution eingetreten, so würden von der Zeit an, in der das Mysterium von Golgatha hätte sein sollen — aber dann nicht gewesen wäre —, die Menschen in den Mysterien sich hoch entwickelt haben, so weit, daß ihnen die Archai offengelegen hätten. Dann aber würden sie in die luziferische Welt eingetreten sein. Dann aber würde auf der Erde alles das geblieben sein, was von höheren Göttern, wie zum Beispiel von den Exusiai, eingesetzt worden war in die Erdenentwickelung als das Irdisch-Menschliche, als alles dasjenige, was auf der Erde irdisch-menschlich ist. Die Menschen hätten sich sozusagen ganz asketisch vergeistigt und würden asketisch vergeistigt, mit Zurücklassung der Leiblichkeit, in die geistige luziferische Welt eingetreten sein. Die Seelen der Menschen hätten ihre Erlösung gefunden, aber die Erde wäre zwecklos gewesen. Die Leiber hätten den Seelen niemals den Dienst leisten können, den sie eigentlich leisten sollen. Daß das verhindert wurde, darin liegt die Bedeutung des Mysteriums von Golgatha.

[ 16 ] If we turn our gaze once more to the ancient mysteries, we find that in these ancient mysteries, human beings sought to rise above themselves in order to grow, with their souls, into the spiritual world. But because the Luciferic temptation once took place, this is only possible to a certain degree. Then, so to speak, during this ascent one loses the ability to climb any higher. One can no longer carry anything up into the higher world. Why is that so? The answer to this question becomes clear when we consider the deeper meaning of the Luciferic temptation. What does Lucifer actually want from humanity? We have emphasized this many times. Humanity lives in Maya, in what is merely a mirror of the world, not the real world. What does Lucifer want? Human beings can rise a few steps above themselves in this mirror, all the way up to the Ark. But then, if they wish to ascend further into the spiritual realm, they must be taken over by Lucifer; they must, so to speak, make Lucifer their guide—the light that can lead them onward. Had evolution remained under the influence of Lucifer, Christ would not have entered human evolution; thus, from the time when the Mystery of Golgotha should have taken place—but did not—human beings would have developed so highly through the Mysteries that the Archai would have been revealed to them. But then they would have entered the Luciferic world. Then everything that had been established in Earth’s evolution by higher gods—such as the Exusiai—as the earthly-human, as everything that is earthly-human on Earth, would have remained on Earth. Human beings would, so to speak, have become entirely spiritualized through asceticism and, having left behind their physicality, would have entered the spiritual Luciferic world. Human souls would have found their salvation, but the Earth would have been rendered purposeless. The bodies would never have been able to serve the souls as they are actually meant to. The fact that this was prevented is the significance of the Mystery of Golgotha.

[ 17 ] Wir müssen nun noch einmal zurückschauen auf die Evolution vor dem Mysterium von Golgatha, wenn wir die Sache ganz gut verstehen wollen. Luzifer hatte vom Anfange der Erdenentwickelung an die Absicht, den Menschen von der Erde hinauszuführen in seine geistigen Reiche, Luzifer hatte kein Interesse an der übrigen Erdenentwickelung; er wollte nur dasjenige für sich haben, was die höheren Götter hereingestellt haben mit den Menschen; das wollte er als Seele hinausführen aus.der Erdenentwickelung, nachdem es einmal verweilt hatte in der irdischen Form, die von den Exusiai, von den Geistern der Form kommt. Er wollte also die Seelen hinausführen und die Erde ihrem Schicksal überlassen. Warum sind denn die Menschen in der Zeit vor dem Mysterium von Golgatha nicht diesem Drang des Luzifer gefolgt, sie in eine lichtvolle Welt zu führen? Warum sind sie nicht gefolgt? Warum sie nicht gefolgt sind, das können Sie entnehmen aus manchen Andeutungen, die ich auch hier in diesen Vorträgen schon gegeben habe. Sie sind nicht gefolgt, weil von den höheren Göttern etwas eingeführt worden ist in die Erdenentwickelung, welches verhindert, daß der Mensch, ich möchte sagen, so leicht wird in seiner Entwickelung, daß er unmittelbar dem Luzifer folgen kann.

[ 17 ] We must now look back once more at the evolution that preceded the Mystery of Golgotha if we are to understand the matter fully. From the very beginning of Earth’s evolution, Lucifer had intended to lead humanity away from Earth into his spiritual realms; Lucifer had no interest in the rest of Earth’s evolution; he wanted only for himself what the higher gods had established with humanity; he wanted to lead that out as a soul from of Earth’s evolution, after it had once dwelt in the earthly form that comes from the Exusiai, the spirits of form. He therefore wanted to lead the souls away and leave the Earth to its fate. Why, then, did human beings in the time before the Mystery of Golgotha not follow this urge of Lucifer to lead them into a world of light? Why did they not follow him? You can deduce why they did not follow him from various hints I have already given here in these lectures. They did not follow him because the higher gods introduced something into the Earth’s evolution that prevents human beings—I would say—from becoming so advanced in their development that they can immediately follow Lucifer.

[ 18 ] Eingeführt wurde, wie ich Ihnen gezeigt habe, vor Zeiten in die Erdenentwickelung dasjenige, was man die achte Sphäre nennt. Die achte Sphäre besteht ja darinnen, in einem ihrer Aspekte, daß der Mensch einen solchen Zug und Hang bekommt zu seiner niedrigen Natur, daß Luzifer nicht die höhere Natur aus dieser niederen Natur herausholen kann. Jedesmal, wenn Luzifer in alten Zeiten wiederum seine Anstrengungen gemacht hat, die Menschen zu vergeistigen, da waren die Menschen zu sehr gewöhnt an das Fleisch, um zu folgen dem Luzifer. Hätten sie nicht den Hang gehabt zum Fleische, zu der physischen Natur, sie wären dem Luzifer gefolgt. Sehen Sie, das ist eines der großen Geheimnisse des Weltendaseins, daß eigentlich ein Göttliches eingepflanzt worden ist der menschlichen Natur, damit diese menschliche Natur gleichsam größere Schwere hat, als sie gehabt hätte, wenn dieses Göttliche nicht eingepflanzt worden wäre, das Göttlich-Notwendige. Wenn es nicht eingepflanzt worden wäre, hätten die menschlichen Seelen dem Luzifer Folge geleistet. Wenn wir zurückgehen in alte Zeiten, finden wir überall, daß die Religionen es darauf anlegen, daß die Menschen verehren dasjenige, was irdisch ist, was irdischen Zusammenhang gibt, was in Fleisch und Blut lebt, damit der Mensch schwer genug ist, nicht hinausgeführt zu werden in das Weltenall. Und da für solche Dinge, wo es sich schon um das Menschliche und Kosmische gemeinschaftlich handelt, nicht nur eine irdische Einrichtung da ist, sondern auch überall die kosmische Einrichtung da sein muß, so geschah dasjenige, was Sie ja auch in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» dargestellt finden; es geschah das, daß in einer gewissen Zeit, wie Sie wissen, nicht nur die Erde gestaltet wurde und die Erde in ihrer Bahn um die Sonne herumging, sondern daß die Erde als ihren Trabanten den Mond bekam.

[ 18 ] As I have shown you, what is called the eighth sphere was introduced into the evolution of the Earth long ago. One aspect of the eighth sphere is that human beings develop such a tendency and inclination toward their lower nature that Lucifer cannot draw the higher nature out of this lower nature. Every time Lucifer made renewed efforts in ancient times to spiritualize humanity, people were too accustomed to the flesh to follow him. Had they not had this inclination toward the flesh, toward the physical nature, they would have followed Lucifer. You see, this is one of the great mysteries of existence in this world: that something divine has actually been implanted in human nature, so that this human nature, as it were, has greater weight than it would have had if this divine element—this divine necessity—had not been implanted. If it had not been implanted, human souls would have followed Lucifer. If we go back to ancient times, we find everywhere that religions aim to have people worship what is earthly, what provides an earthly context, what lives in flesh and blood, so that human beings are heavy enough not to be led out into the cosmos. And since for such matters—which concern both the human and the cosmic—there is not only an earthly order but also, everywhere, a cosmic order that must be present, what happened is what you will also find described in my Outline of Esoteric Science; it came to pass that, at a certain time, as you know, not only was the Earth formed and did the Earth move in its orbit around the Sun, but the Earth also received the Moon as its satellite.

[ 19 ] Was heißt denn das: die Erde bekommt den Mond als Trabanten? Die Erde bekommt den Mond als Trabanten heißt nichts anderes als: die Erde bekam eine Kraft, durch welche sie den Mond in ihrer Nähe halten kann, ihn anziehen kann. Würde die Erde diese Kraft zum Anziehen des Mondes nicht haben, dann würde das geistige Korrelat dieser Kraft auch nicht den Menschen an seine niedere Natur fesseln; denn von dem Geistigen aus gesehen ist dieselbe Kraft, die den Menschen an seine niedere Natur fesselt, diejenige Kraft, mit welcher die Erde den Mond anzieht. So daß man sagen kann: Der Mond ist in das Weltenall gesetzt als Gegner des Luzifer, um das Luziferische zu verhindern. Ich habe auf dieses Geheimnis schon einmal hier hingedeutet. Ich habe darauf hingedeutet, daß man in der Zeit des Materialismus im 19. Jahrhundert diese Wahrheit geradezu ins Gegenteil verkehrt hat in dem Sinnettschen «Geheimbuddhismus»: der Mond wird geradezu als etwas bezeichnet, das den Menschen feindlich ist. In Wahrheit ist er ihm nicht feindlich, sondern in Wahrheit hindert er ihn, der luziferischen Versuchung zu verfallen, als das kosmische Korrelat desjenigen, was im Menschen das Halten an seiner niederen Natur ist. Um diese niedere Natur mit zu vergeistigen, nicht herauszureißen die Seelen aus der niederen Natur, sondern um die niedere Natur mit zu vergeistigen, dazu bedurfte es einer Einrichtung, die unterbewußt war, denn im Bewußtsein konnte sich das nicht abspielen, sonst wäre der Mensch zum Tiere herabgesunken, sonst wäre er ja bewußt der niederen Natur gefolgt. Es mußte in der niederen Natur etwas sein, das ihm unbewußt war, daß er nicht folgte, sondern als Mensch, als Wesen auf der Erde demjenigen eben folgte, was als Göttliches in seine niedere Natur einfloß. Insbesondere der Gott des Alten Testaments war darum besorgt, der Jahve-Gott, daß der Mensch auf der Erde blieb, und er hängt in dieser geheimnisvollen Weise mit dem Monde zusammen, was Sie ja auch in der «Geheimwissenschaft im Umriß» ausgeführt finden. Sie können daraus ermessen, wie materialistisch es war, den Mond geradezu als die achte Sphäre zu bezeichnen, während die achte Sphäre jene Kraft ist, jene Sphäre ist, die den Mond anzieht. Und Blavatsky hat dann unter ihrer Verführung eine ganz besondere Tücke entwickelt, indem sie durch ihre «Geheimlehre», die «Secret Doctrine», den Jahve-Gott verleumdet hat als einen bloßen Mond-Gott, und den Luzifer an seine Stelle setzen wollte, indem sie den Luzifer als den Freund des Geistes hinstellen wollte, der er ja in dem Sinne ist, wie ich es auseinandergesetzt habe. Den Jahve-Gott wollte sie hinstellen als den Gott der bloßen niederen Natur, während dasjenige der niederen Natur eingepflanzt war, was Gegnerschaft des Luzifer war.

[ 19 ] What does that mean: “The Earth acquires the Moon as a satellite”? “The Earth acquires the Moon as a satellite” means nothing other than: the Earth acquired a force through which it can keep the Moon in its vicinity, can attract it. If the Earth did not possess this force to attract the Moon, then the spiritual counterpart of this force would not bind human beings to their lower nature either; for, from a spiritual perspective, the very same force that binds human beings to their lower nature is the force with which the Earth attracts the Moon. So one can say: The Moon is placed in the cosmos as an adversary of Lucifer, to prevent the Luciferic. I have already alluded to this mystery here once before. I have pointed out that in the age of materialism in the 19th century, this truth was virtually turned on its head in Sinnett’s “Esoteric Buddhism”: the Moon is actually described as something hostile to human beings. In truth, it is not hostile to humanity; rather, as the cosmic counterpart of that which in human beings constitutes clinging to their lower nature, it prevents humanity from succumbing to Luciferic temptation. In order to spiritualize this lower nature—not to tear souls away from the lower nature, but to spiritualize the lower nature itself—a mechanism was required that operated subconsciously, for this could not take place in consciousness; otherwise, human beings would have sunk to the level of animals, and would have consciously followed their lower nature. There had to be something within the lower nature that was unconscious to him, so that he would not follow it, but rather, as a human being, as a being on Earth, would follow precisely that which flowed into his lower nature as the Divine. The God of the Old Testament in particular—the God Yahweh—was concerned that human beings remain on Earth, and He is connected to the Moon in this mysterious way, as you will find explained in An Outline of Esoteric Science. From this you can gauge how materialistic it was to designate the Moon as the eighth sphere, whereas the eighth sphere is that force, that sphere, which attracts the Moon. And Blavatsky, under her own delusion, then developed a particularly insidious scheme by using her Secret Doctrine to slander the God Yahweh as a mere moon god, and sought to replace him with Lucifer, presenting Lucifer as the friend of the spirit—which he indeed is, in the sense I have explained. She sought to portray the God Yahweh as the god of mere lower nature, whereas what was implanted in lower nature was opposition to Lucifer.

[ 20 ] Sie sehen, wie gefährlich es ist, Wahrheiten hinzustellen, die in ihr Gegenteil verkehrt werden können. Blavatsky war verführt durch gewisse Wesen, die ein Interesse daran hatten, sie zu verführen, an die Stelle des Christus den Luzifer zu setzen, und das sollte dadurch erreicht werden, daß man über die achte Sphäre geradezu dieses Gegenteil der Wahrheit in die Welt setzte und den Jahve-Gott verleumdete, indem man ihn bloß als den Gott der niederen Natur hinstellte. So arbeiteten diejenigen Weltenmächte, die den Materialismus befördern wollten, auch durch dasjenige, was man so Theosophie nannte, für diesen Materialismus, denn der Materialismus wäre selbstverständlich in seine schlimmsten Abgründe verfallen, wenn man zu dem Glauben gekommen wäre, der Mond wäre wirklich in dem Sinne, wie Sinnett oder Blavatsky es erklärt hatten, die achte Sphäre, und man müsse das Christentum durchaus bekämpfen.

[ 20 ] You can see how dangerous it is to present truths that can be twisted into their opposites. Blavatsky was seduced by certain beings who had an interest in leading her astray, in replacing Christ with Lucifer, and this was to be achieved by introducing, through the eighth sphere, precisely this opposite of the truth into the world and slandering the God Yahweh by portraying him merely as the God of the lower natural realm. Thus, those world powers that sought to promote materialism worked toward this end—even through what was called “Theosophy”— for materialism would, of course, have fallen into its worst abysses if people had come to believe that the Moon was truly, in the sense that Sinnett or Blavatsky had explained it, the eighth sphere, and that Christianity must be fought against at all costs.

[ 21 ] Nun ging es aber nur, den Widerpart des Luzifer in die niedere Natur zu verlegen, solange der Mensch sein Ich nicht in der Weise entwickelt hatte, wie es zur Zeit des Mysteriums von Golgatha geschah. Das unterschätzt man ja zu sehr, wie das Ich herabgedämpft war in alten Zeiten. Es war herabgedämpft. Das Ich trat erst hervor in den Jahrhunderten gegen das Mysterium von Golgatha hin. Da ging es nicht mehr, bloß in die unterbewußte, in die unbewußte Natur dasjenige hineinzuverlegen, was gegen den Luzifer strebt; da mußte etwas kommen, was der Mensch in sein Bewußtsein aufnehmen kann: der Christus, der die Fortentwickelung des Jahve-Gottes ist. Der Christus mußte kommen, damit nun bewußt durch das Sich-Bekennen zum Christus der Mensch sich widersetzt der bloßen Vergeistigung, wie sie von seiten des Luzifer angestrebt wird. Denn Christus ist herabgestiegen für alle Menschen. Nur dadurch aber, daß wir den Zusammenhang fühlen mit allen Menschen, gehören wir der Erde an; dadurch gehören wir wirklich der Erde an. Im Zusammenhange mit den Menschen und in dem, was wir aufbringen für den Zusammenhang mit den Menschen, für den vollen, ganzen Zusammenhang, liegt das tiefere Verständnis für den Christus.

[ 21 ] However, it was only possible to relegate Lucifer’s adversary to the lower nature as long as the human being had not developed his “I” in the way it was developed at the time of the Mystery of Golgotha. People greatly underestimate just how subdued the “I” was in ancient times. It was suppressed. The “I” only began to emerge in the centuries leading up to the Mystery of Golgotha. By then, it was no longer possible to simply relegate that which strives against Lucifer to the subconscious or unconscious nature; something had to come that human beings could take into their consciousness: the Christ, who is the further development of the God Yahweh. Christ had to come so that, by consciously professing faith in Christ, human beings might now resist mere spiritualization, as sought by Lucifer. For Christ descended for all human beings. But it is only by feeling this connection with all human beings that we belong to the Earth; through this we truly belong to the Earth. It is in our connection with humanity—and in what we contribute to that connection, to a full and complete connection—that a deeper understanding of Christ lies.

[ 22 ] Sehen Sie, solange die Menschen lebten mit noch nicht voll entwikkeltem Ich vor dem Mysterium von Golgatha, da gingen sie durch die Pforte des Todes in die geistige Welt; sie kamen da in Zusammenhang mit Archai, Archangeloi, Angeloi. Aber weil sie hier auf der Erde noch nicht das volle Ich entwickelt hatten, brauchten sie auch, nachdem sie durch die Pforte des Todes geschritten waren, nicht bewußt den Zusammenhang zu entwickeln mit den höheren geistigen Wesenheiten. Durch die atavistischen Mächte, die in ihnen lagen, wurde das geordnet. Aber seit dem Mysterium von Golgatha — nicht durch das Mysterium von Golgatha, sondern seit dieser Zeit — ist es für die Menschen wesentlich anders geworden. Sehen wir uns an, wie es anders geworden ist!

[ 22 ] You see, as long as human beings lived with a self that was not yet fully developed and faced the Mystery of Golgotha, they passed through the Gate of Death into the spiritual world; there they came into contact with the Archai, Archangeloi, and Angeloi. But because they had not yet fully developed the “I” here on Earth, even after passing through the gate of death, they did not need to consciously establish a connection with the higher spiritual beings. This was regulated by the atavistic forces within them. But since the Mystery of Golgotha—not through the Mystery of Golgotha itself, but since that time—things have become fundamentally different for human beings. Let us see how they have changed!

[ 23 ] Der Mensch tritt durch die Pforte des Todes, andere Menschen treten auch durch die Pforte des Todes; oder aber: ein Mensch tritt durch die Pforte des Todes, andere bleiben hier auf Erden zurück. Dadurch, daß ein Mensch durch des Todes Pforte eintritt, bleibt er ja Mensch, und nicht kann sich unser Verhältnis zu ihm Ändern, wenn wir in rechtem Zusammenhang mit ihm sein wollen. Nun aber bedenken wir: Der Mensch, indem er hinaufsteigt in die geistigen Welten — heute, da wir nach dem Mysterium von Golgatha leben —, steigt durch die Hierarchie der Angeloi, Archangeloi, Archai hinauf, und da er jetzt in der Zeit ist, in der sich hier auf Erden sein Ich entwickelt hat, hat er auch ein Bewußtsein für die anderen Hierarchien, die darüberstehen. Das heißt, er entwickelt bewußt dasjenige, was ihm an Kräften eingeflößt wird von noch höheren Wesenheiten, als die Archai sind. Was heißt denn aber das? Nehmen wir einen bestimmten Fall, nehmen wir an, einem Menschen stirbt hinweg ein sehr lieber Mensch; er bleibt hier zurück. Derjenige, der durch des Todes Pforte gegangen ist, behält allerdings zunächst, wie Sie wissen, durch Jahre den Zusammenhang mit gewissen Neigungen, mit gewissen Richtungen, die er hier im Leben gehabt hat; aber dadurch, daß er ein Ich hier im Leben entwickelt hat als Mensch, wird, indem er durch des Todes Pforte gegangen ist, ihm sogleich etwas bewußt für die Perspektive in die nächste Inkarnation hinein. Entscheiden tut sich das ja in dem, was ich in den Mysterien genannt habe die Mitternacht des Daseins; aber es tritt schon etwas in das menschliche post-mortem-Bewußtsein, indem der Mensch durchgegangen ist durch den Tod. Wenn aber ein Mensch also in diesem Zustande ist, so lebt in ihm dasjenige, was ihn schon abbringt von dem, in das er hineingeboren war im letzten Leben, Sagen wir, er war im letzten . Leben einer bestimmten Volksgemeinschaft angehörig. Derjenige, der hier zurückgeblieben ist, gehört dieser Volksgemeinschaft im physischen Leib weiter an. Denjenigen, der gestorben ist, überkommt schon die einer ganz anderen Volksgemeinschaft angehörige Kraft. Wie kann das Band zwischen dem, der hier lebt und dem, der gestorben ist, ein reales sein, das über den Tod ungeschwächt hinausgeht? Dann, wenn der, der hier ist, ein Verständnis hat für dasjenige, was über Angeloi, Archangeloi, Archai hinausgeht, das heißt: über dasjenige hinausgeht, was man an Neigungen seines Zusammenhanges mit Menschheitsgemeinschaften hier entwickeln kann. Würde jemand hier zurückbleiben, sagen wir, als Angehöriger eines gewissen Volkes, und ihm hinsterben ein Mensch, der sich ja schon vorbereitet, einem anderen Volke anzugehören, so würde das Band der Liebe zu dem Toten nicht ein ungetrübtes sein können. Dadurch, daß die beiden sich zu Christus bekennen, den Christus verstehen in dem, was über alle Differenzierungen der Menschen hinausgeht, dadurch allein kann das Band ein überirdisches sein. Denn was sagte Johannes, als der Christus Jesus zur Taufe herankam? «Siehe, das ist das Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt» — ein Wort, vor dessen ganzer Bedeutung man erblassen könnte, wenn man es in seiner vollen Schwere nimmt.

[ 23 ] A person passes through the gate of death; other people also pass through the gate of death; or: one person passes through the gate of death, while others remain here on earth. By passing through the gate of death, a human being remains a human being, and our relationship to him cannot change if we wish to maintain a proper connection with him. But now let us consider: As a human being ascends into the spiritual worlds—today, since we live in the aftermath of the Mystery of Golgotha—he ascends through the hierarchy of the Angeloi, Archangeloi, and Archai; and since he is now in the time in which his “I” has developed here on Earth, he also has an awareness of the other hierarchies that stand above them. This means that they consciously develop the powers instilled in them by beings even higher than the Archai. But what does that mean? Let us take a specific case: suppose a very dear person dies; the person left behind remains here. The one who has passed through the gate of death does, of course, as you know, initially retain for years a connection to certain inclinations and certain tendencies that he had here in life; but because he has developed an “I” here in life as a human being, the moment he passes through the gate of death, he immediately becomes aware of the perspective leading into his next incarnation. This is decided, as I have called it in the Mysteries, at the “midnight of existence”; but something does already enter into human post-mortem consciousness once the person has passed through death. But when a person is in this state, there lives within them that which already draws them away from what they were born into in their last life. Let us say, for example, that in their last life they belonged to a particular ethnic community. The one who has remained here continues to belong to this ethnic community in their physical body. The one who has died is already being overtaken by a force belonging to an entirely different ethnic community. How can the bond between the one who lives here and the one who has died be a real one that extends beyond death without weakening? It is possible when the one who is here has an understanding of that which goes beyond the Angeloi, Archangeloi, and Archai—that is, beyond what one can develop here in terms of inclinations related to one’s connection with human communities. If someone were to remain here—let us say, as a member of a certain people—and a person were to die, a person who is already preparing to belong to another people, then the bond of love with the deceased could not be an unclouded one. It is only because both profess their faith in Christ—understanding Christ in that which transcends all human distinctions—that the bond can be a supermundane one. For what did John say when Christ Jesus approached him for baptism? “Behold, this is the Lamb of God, who takes away the sin of the world”—a statement whose full significance could make one pale if one were to take it in all its gravity.

[ 24 ] Man kann die Frage aufwerfen: Warum hat denn der Christus gesiegt, und nicht der Mithras? In der Zeit, in der das Christentum sich ausbreitete von dem Osten nach dem Westen, da breitete sich zu gleicher Zeit der Mithras-Dienst aus, die ganze Donau herauf bis nach Westeuropa, bis nach Frankreich und Spanien hinein. Aber der Christus-Dienst hat gesiegt über den Mithras-Dienst. Warum? Weil der Mithras-Dienst herausgewachsen war aus dem Hinaufsteigen über Angeloi, Archangeloi, Archai, und durch dieses Hinaufsteigen erreichen wollte den Welterleuchter und Weltregierer. Aber was ist der Christus dagegen? Der Christus ist dagegen derjenige, welcher auf sich genommen hat für die Erdenentwickelung alles dasjenige, was mit Angeloi, Archangeloi, Archai verbunden ist, was den Menschen an die Erde fesselt. Er trägt der Welt Sünden, das heißt diejenigen Sünden, die durch die menschlichen Differenzierungen in die Welt gekommen sind. Er ist ein Wesen, demgegenüber man sich sagen muß: Ich gehöre einer einzelnen Menschengemeinschaft an; dadurch aber, daß ich einer einzelnen Menschengemeinschaft angehöre, das heißt etwas angehöre, was mit dem Irdischen zusammenhängt, trenne ich mich ab von dem Himmlischen. Davon kann mich nur ein Wesen erlösen, das nichts mit einer Menschendifferenzierung zu tun hat. Nur dadurch, daß ich den Christus in mir verstehe, der mich hinausführt über die Erdendifferenzierungen, der mich empfinden lehrt, daß das, was Erdendifferenzierung bewirkt, Leiden ist, todbringend ist, nur dadurch finde ich wieder meinen Zusammenhang mit den geistigen Welten. Alles, was in die Menschheit gefahren ist dadurch, daß die Differenzierungen eingetreten sind, das ist abgenommen worden der Menschheit dadurch, daß der Christus in die Welt getreten ist. Daher konnte der Christus kein Gott Mithras sein, der den Menschen hinaufführt über sich selbst, sondern der Gott, der herunterstieg auf die Erde und die Sünden der Differenzierungen hinwegnimmt, hinwegfegt. Mithras jagt durch die Welt, das Schwert in der Hand, das er der niederen Natur in die Seite stößt, um sie zu ertöten; unter ihm stirbt die niedere Natur. Der Christus stellt sich dar als das Lamm Gottes, das die niedere Natur an sich nimmt, um diese niedere Natur zu erlösen.

[ 24 ] One might ask: Why did Christ triumph, and not Mithras? At the time when Christianity was spreading from the East to the West, the cult of Mithras was spreading at the same time, all the way up the Danube into Western Europe, as far as France and Spain. But the worship of Christ prevailed over the worship of Mithras. Why? Because the worship of Mithras had grown out of the ascent through the Angeloi, Archangeloi, and Archai, and through this ascent sought to reach the Illuminator and Ruler of the World. But what, in contrast, is Christ? Christ, in contrast, is the one who has taken upon himself, for the sake of Earth’s evolution, everything connected with angels, archangels, and archai—that which binds human beings to the Earth. He bears the world’s sins, that is, those sins that have entered the world through human differentiation. He is a being in whose presence one must say to oneself: I belong to a particular human community; but by belonging to a particular human community—that is, by belonging to something connected with the earthly—I separate myself from the heavenly. Only a being who has nothing to do with human differentiation can redeem me from this. Only by understanding the Christ within me—who leads me beyond earthly distinctions, who teaches me to feel that what brings about earthly distinctions is suffering and brings death—only in this way do I regain my connection with the spiritual worlds. Everything that has entered humanity as a result of the emergence of differentiation has been taken away from humanity by Christ’s coming into the world. Therefore, Christ could not be a god like Mithras, who leads people upward beyond themselves, but rather the God who descended to Earth and takes away, sweeps away, the sins of differentiation. Mithras races through the world, sword in hand, thrusting it into the side of the lower nature to slay it; beneath him, the lower nature dies. Christ presents himself as the Lamb of God, who takes the lower nature upon himself in order to redeem it.

[ 25 ] Viel liegt in diesem Gleichnis, unendlich viel liegt in diesem Gleichnis! Deshalb ist der Christus-Gedanke nicht zu trennen von dem Todesgedanken und dem Auferstehungszedanken. Nur wenn wir wissen, daß dasjenige, was den Menschen auf die Erde hereinführt, das Todbringende ist, daß aber mehr im Menschen ist, als was den Menschen in die Erdenatmosphäre hereinführt, daß das im Menschen ist, was der Christus ist, der ihn wieder herausführt — «In Christo morimur» —, dann verstehen wir den Christus, dann wissen wir uns mit ihm vereint. Daher konnten die Darstellungen der alten Götter triumphierende Wesenheiten darstellen; daher konnte den Christus nur darstellen das Zusammenbringen des Menschen mit Leiden und Tod, denn er erleidet dasjenige, was in den Differenzierungen des Menschen über den Erdenball hingeht. Dadurch wird der Christus derjenige, der den Menschen durch den 'Tod führt, der den Menschen zurückführt in die geistige Welt; dadurch wird er aber auch dasjenige göttliche Wesen, dem man sich nähern darf auf der Erde, indem man überschreitet die Maja oder die Täuschung. Wie der Christus geboren ist hier aus dem Schoße der Maja, so müssen wir uns ihm nähern, indem wir selber die Maja überschreiten, das heißt, an ihn appellieren bei alledem, was in die Maja hereinragt und nicht Maja ist, sondern höhere Wirklichkeit.

[ 25 ] There is much in this parable—infinitely much in this parable! That is why the idea of Christ cannot be separated from the idea of death and the idea of resurrection. Only when we know that what brings human beings into the world is that which brings death, but that there is more within the human being than what brings them into the earthly atmosphere—that within the human being is that which Christ is, who leads them out again—“In Christo morimur”—only then do we understand Christ, and only then do we know ourselves to be united with him. That is why the depictions of the ancient gods could portray triumphant beings; that is why Christ could only be portrayed as the one who brings humanity together with suffering and death, for he endures what passes through the human being across the globe in its various forms. Through this, Christ becomes the one who leads humanity through ‘death,’ who leads humanity back into the spiritual world; through this, however, he also becomes the divine being whom one may approach on earth by transcending Maya, or illusion. Just as Christ was born here from the womb of Maya, so must we approach him by transcending Maya ourselves—that is, by appealing to him through all that extends into Maya yet is not Maya, but rather a higher reality.

[ 26 ] Die Menschheit wird noch lange Zeit brauchen auf der Erde, wenn sie sich zunächst diesem Christus-Dienste zuwenden soll; aber man wird anfangen müssen, das Christentum wieder ernst zu nehmen. Am wenigsten ernst wird es genommen von seiten der Theologen aus; denn diese Theologen streiten sich oft darüber, ob Christus Wunder gewirkt hat, ob er Dämonen ausgetrieben hat zum Beispiel durch Wunder. Nun, es ist ganz überflüssig zu streiten, ob der Christus Dämonen ausgerrieben hat, wenn wir nur an der richtigen Stelle lernen, dort die Dämonen jetzt auszutreiben, wo wir sie jetzt zunächst austreiben können, wenn wir lernen, ihm dieWunder nachzumachen.Wir vermögen noch wenig — das ist das Schicksal, das Karma unseres Zeitalters —, im höheren Sinne wiederum Dämonen auszutreiben, wie es das Altertum konnte aus dem Atavismus heraus. Aber die Dämonen können wir beginnen zunächst auszutreiben, von denen wir gestern gesprochen haben; diese Dämonen sind da, und negativer Aberglaube ist es, zu meinen, daß sie nicht da sind. Wodurch treiben wir sie aus? Die Menschheit wird sich überzeugen, daß sie ausgetrieben werden, wenn dasjenige, was heute ein unheiliger Dienst ist, ein heiliger Dienst wird, das heißt, durchtränkt wird mit dem Christus-Bewußtsein. Das heißt mit anderen Worten: zum Sakramentalismus übergehen, wenn in dasjenige, was der Mensch verrichtet, das Bewußtsein einzieht, daß überall hinter ihm der Christus ist, und daß er nichts anderes machen soll in der Welt als dasjenige, bei dem der Christus ihm helfen kann. Denn macht er etwas anderes, so muß der Christus ihm helfen; das heißt: der Christus wird in den menschlichen Taten gekreuzigt und weiter gekreuzigt. Die Kreuzigung ist nicht bloß eine einzige Tat, die Kreuzigung ist eine fortschreitende Tat. So oft wir nicht die Dämonen austreiben durch das, was in unserer Seele lebt, indem wir die äußere mechanische Handlung zunächst zu einer heiligen machen, so lange kreuzigen wir den Christus. Denn von da aus muß unsere Erziehung zu dem wahren Christentum gehen. Dasjenige, was in den alten Kulten des Christentums symbolisch gepflogen wurde, das muß die ganze Welt ergreifen; was bloß auf dem Altar vollzogen wurde, das muß die ganze Welt ergreifen. Die Menschheit muß lernen, die Natur so zu behandeln, wie die Götter selber die Natur behandelt haben: nicht in uninteressierter Weise Maschinen bauen, sondern bei allen Verrichtungen einen Gottesdienst erfüllen, Sakramentalismus in alles bringen.

[ 26 ] Humanity will still need a long time on Earth if it is to turn first to this service to Christ; but people will have to begin taking Christianity seriously again. It is taken least seriously by theologians; for these theologians often argue about whether Christ performed miracles, whether he cast out demons—through miracles, for example. Well, it is quite unnecessary to argue whether Christ cast out demons, if only we learn, in the right place, to cast out the demons there where we can cast them out for now—if we learn to imitate his miracles. We are still capable of very little—that is the fate, the karma of our age—in terms of casting out demons in the higher sense, as antiquity was able to do out of atavism. But we can begin, for the time being, to cast out the demons we spoke of yesterday; these demons are there, and it is negative superstition to think that they are not. How do we cast them out? Humanity will be convinced that they are being cast out when what is today an unholy service becomes a holy service—that is, when it is imbued with Christ-consciousness. In other words: to move toward sacramentalism, when the awareness enters into whatever a person does that Christ is everywhere behind them, and that they should do nothing else in the world except that in which Christ can help them. For if they do anything else, Christ must help them; that is to say: Christ is crucified in human deeds and continues to be crucified. The crucifixion is not merely a single act; the crucifixion is an ongoing act. As long as we do not cast out the demons through what lives in our soul—by first transforming the external, mechanical act into a sacred one—we continue to crucify Christ. For this is where our education toward true Christianity must begin. What was symbolically practiced in the ancient cults of Christianity must take hold of the whole world; what was performed solely on the altar must take hold of the whole world. Humanity must learn to treat nature as the gods themselves treated nature: not to build machines in a detached manner, but to perform a divine service in all activities, to bring sacramentalism into everything.

[ 27 ] Anfänge wird man schon mit mancherlei machen können. Vor allen Dingen an zwei Punkten können heute die Menschen beginnen, Sakramentalismus zu entwickeln. Das ist erstens an dem Punkt der Erziehung und des Unterrichtes. Wenn wir jeden Menschen, der durch die Geburt in die Welt hereingeht, so betrachten, daß er seine Kraft des Christus mit hereinbringt und wir dadurch vor dem aufwachsenden Menschen die rechte Ehrfurcht haben, und daraufhin die ganze Erziehung und namentlich den Unterricht einrichten, das heißt, in dem Unterrichte einen Sakramentalismus verwirklichen — darüber können wir uns ja einmal deutlicher aussprechen —, wenn wir ein Sakramentales verwirklichen, wenn wir in dem Erziehen und Unterrichten einen Gottesdienst sehen, aber es auch zu einem Gottesdienst machen, dann beginnen wir dasjenige, was die Religionen Taufe nennen, zu spiritualisieren. Und wenn wir versuchen, dasjenige, was wir unsere Erkenntnis nennen, so zu unserem Bewußtsein zu bringen, daß, indem unsere Seele sich mit Ideen über die geistige Welt anfüllt, wir das Bewußtsein haben: Das Geistige geht da in uns über, wir vereinigen uns mit dem Geistigen —, wenn wir das als eine Kommunion ansehen, wenn wir verwirklichen können wahre Erkenntnis — das Denken ist die wahre Kommunion der Menschheit, Sie finden den Satz schon 1887 ausgesprochen —, wenn wir das verwirklichen können: dann wird dasjenige, was das symbolische Altarsakrament war, zu einem allgemeinen sakramentalen Erleben der Erkenntnis. Nach dieser Richtung muß die Verchristung der Menschen gehen; dann werden Sie darauf kommen, daß überall im Leben für alles dasjenige, was mit dem Christus zusammenhängt, in der Tat die Wirklichkeit einzieht in die Maja, und daß, die Wirklichkeit so anzusehen, wie sie die neuere Wissenschaft ansieht mit ihrer Weltanschauung, unchristlich ist, im eminentesten Sinne unchristlich ist.

[ 27 ] There are many ways to get started. Above all, there are two areas where people can begin to develop sacramentalism today. First, in the realm of education and instruction. If we regard every person who enters the world at birth as bringing with them the power of Christ—and thereby have the proper reverence for the growing child—and organize the entire educational process, and especially instruction, accordingly—that is, by realizing a sacramentalism in instruction —we can certainly speak more clearly about this at some point—if we bring a sacramental reality to life, if we see education and instruction as a form of worship but also make it into a form of worship, then we begin to spiritualize what religions call baptism. And when we try to bring what we call our knowledge into our consciousness in such a way that, as our soul fills itself with ideas about the spiritual world, we have the awareness: The spiritual passes into us there; we unite with the spiritual—if we regard this as a communion, if we can realize true knowledge—thinking is the true communion of humanity; you will find this statement already expressed in 1887—if we can realize this: then what was the symbolic sacrament of the altar becomes a universal sacramental experience of knowledge. The Christianization of humanity must proceed in this direction; then you will come to realize that everywhere in life, in every respect, that which is connected with Christ does in fact bring reality into Maya, and that to view reality as modern science does with its worldview is unchristian—unchristian in the most eminent sense.

[ 28 ] Es ist merkwürdig, wie leicht sich heute die Menschen hineinfinden können in alles dasjenige, was unchristlich ist, und wie wenig sie sich hineinfinden können in dasjenige, was als Christentum der heutigen Zeit angemessen ist. Es ist ja noch wenig, was man sieht, das, ich möchte sagen, wie aus einem dunklen Triebe heraus entgegenarbeitet dem Materialismus, aber es ist schon einiges da; nur geht es auf falschen Wegen, indem es sich, statt zur Geisteswissenschaft sich zu wenden, in einer konfusen Weise zu den alten Religionen wendet. Verzeihen Sie, daß ich dabei etwas mir Naheliegendes erwähne, aber es geschieht ja solches nur, um zu exemplifizieren. Ich habe vielleicht auch schon hier aufmerksam gemacht darauf, daß eine Persönlichkeit der Gegenwart, die ich in ihrer Jugend sehr gut kannte, Hermann Bahr, jetzt eben daran geht, das Geistige wiederum zu suchen. Hermann Bahr sucht es zunächst nicht bei der Geisteswissenschaft; für die interessiert er sich nur ein ganz klein wenig. Wenn Sie sein sehr schönes, geistreiches Buch über den «Expressionismus» nehmen, so werden Sie sehen, daß er sich schon ein bißchen interessiert für die Geisteswissenschaft, aber er hat zunächst bis zu diesem Buche — das kann man aus dem Buche selbst ersehen sich nur soweit unterrichtet über die Geisteswissenschaft, daß er das Buch von Levy durchgelesen hat über meine Weltanschauung und ihre Gegner. Er hat noch nicht den Weg gefunden, wirklich tiefer einzugehen. Aber interessant ist es doch, daß er einen Roman geschrieben hat, in dem ein Held ist, der alles kennenlernt: Chemische Laboratorien der Gegenwart und so weiter, er hatte bei Ostwald in Leipzig «gehört», hat sich ein bißchen umgetan bei den Theosophen in London und so weiter, ein Held, der so durchläuft durch alles das, was die Gegenwart an spirituellen Sensationen gibt, der sich auch an den Spiritismus heranmacht; dann läßt er sich von jemandem — ich weiß schon nicht von wem — Übungen geben, esoterische Übungen, die er eine Zeitlang macht. Aber er ist ungeduldig, er macht sie nur kurze Zeit, bekommt keine Resultate, da läßt er auch diese, wie er überhaupt alles gleich läßt. Dann macht er merkwürdige Erlebnisse durch; und das Interessanteste ist für mich gewesen, daß kurioserweise in diesem Buch manches anklingt, was gerade in den allerletzten Zeiten ich in Vorträgen — sogar über aktuelle Ereignisse — gesagt habe, trotzdem ich Hermann Bahr seit achtundzwanzig Jahren nicht gesehen habe, nur kurz einmal, in der Zwischenzeit, wo aber jedenfalls nicht von Weltanschauungsfragen die Rede war. Nun aber hat Hermann Bahr in der letzten Zeit auch ein Drama aufführen lassen, das heißt: «Die Stimme.» Man braucht dieses Drama nicht zu verteidigen, aus dem einfachen Grunde nicht zu verteidigen, weil Hermann Bahr eben nicht den Weg, der ihm zu schwierig ist, in die Geisteswissenschaft sucht, sondern zurückfällt in den orthodoxen, oder sagen wir, in den neueren Katholizismus; aber er sucht immerhin spirituelles Leben. Und es ist interessant, wie der Held dieses Dramas das spirituelle Leben sucht. Der Held dieses Dramas ist verheiratet mit einer Dame, welche die Tochter ist einer sehr orthodoxen Mutter und selber sehr orthodox ist, aber ihr Christentum ernst nimmt, tief ernst nimmt, über den Ernst, der von einem Menschen gefordert werden kann, hinaus nimmt. Der Mann aber, der der Held des Dramas ist, der ist ein Schüler Ostwalds, Haeckels, ein ganz materialistischer Mensch. Da Frau und Schwiegermutter ihr Christentum ernst nehmen, so ist ihnen natürlich das ein großer Schmerz, daß der Mann Ostwaldianer und Haeckelianer ist und nichts von einer geistigen Welt wissen will; und die Frau grämt sich darüber so, daß sie aus Gram stirbt. Aber während ihrer Krankheit hat sie die entschiedene Empfindung: sie will hinsterben, um von der geistigen Welt aus dem Mann zu helfen. Sie ist gestorben, die Frau. Nach ihrem Tode ist der Mann einmal in einem Eisenbahnzug. Er hat oftmals schon, so wie aus unbekanntem Dämmerdunkel heraus, so etwas gehört, wie wenn ihm die verstorbene Frau dies oder jenes zurufen würde. Da ist er einmal im Eisenbahnwagen, in einem Schlafwagen, und da hört er besonders stark die Stimme der Frau. Darüber wird er fast wahnsinnig, und er stürmt aus dem Zug heraus. Wie ein Wahnsinniger gebärdet er sich — glaube ich — im Wartesaal auf einer Station. Und da hört er dann, daß der ganze Zug, in dem er war, zugrunde gegangen ist durch ein Eisenbahnunglück. Verwundete bringt man und so weiter. Er sieht, daß er durch die Stimme der Frau gerettet worden ist, weil er herausgegangen ist aus dem Zug, in dem er sonst zugrunde gegangen wäre. Das ist das erstemal, daß die Stimme der Frau mit den realen Verhältnissen in Zusammenhang kommt. Ich will das nicht verdammen; ich will nur erzählen, was ein Mensch der Gegenwart heute schreibt. Nun wird er dadurch, daß er ja durch ein offenbares Wunder, durch ein Nachwirken des Wesens dieser Frau über den Tod hinaus, gerettet worden ist, zu neuem Nachdenken veranlaßt über den Zusammenhang des Menschen mit der geistigen Welt. Dann aber ereignet es sich später noch öfter, daß die Frau sich ihm kundgibt, und durch eine intime Beziehung zwischen seiner Seele und der Seele der verstorbenen Frau wird er nun im wahren Sinne zum Christentum zurückgeführt, kommt hinaus über die materialistische Weltanschauung.

[ 28 ] It is strange how easily people today can find their way into everything that is unchristian, and how little they can find their way into that which is appropriate for Christianity in the present day. There is still little to be seen that, I would say, works against materialism as if driven by a dark impulse, but there is already quite a bit of it; it is just going down the wrong path by turning, in a confused way, to the old religions instead of turning to spiritual science. Forgive me for mentioning something close to my heart here, but I do so only to illustrate my point. I may have already drawn attention to the fact that a contemporary figure whom I knew very well in his youth, Hermann Bahr, is now setting out to seek the spiritual once again. Hermann Bahr does not initially seek it in spiritual science; he has only a very slight interest in it. If you take his very beautiful, witty book on “Expressionism,” you will see that he is already somewhat interested in the science of the spirit, but up until this book—as can be seen from the book itself—he had only familiarized himself with the science of the spirit to the extent of having read Levy’s book on my worldview and its opponents. He has not yet found the path to delving into it more deeply. But it is interesting, nonetheless, that he has written a novel featuring a hero who gets to know everything: modern chemical laboratories and so on; he had “heard” about it from Ostwald in Leipzig, dabbled a bit with the Theosophists in London and so on—a hero who passes through everything the present age has to offer in terms of spiritual sensations, who also ventures into spiritualism; then he has someone—I don’t even know who—give him exercises, esoteric exercises, which he does for a while. But he’s impatient; he only does them for a short time, gets no results, so he gives those up too, just as he gives up everything else right away. Then he goes through some strange experiences; and what I found most interesting was that, curiously enough, this book echoes some of the things I have said in lectures—even on current events—in very recent times, even though I haven’t seen Hermann Bahr in twenty-eight years, except for one brief occasion in the meantime, when, in any case, questions of worldview were not discussed. Recently, however, Hermann Bahr has also had a play staged, titled Die Stimme (The Voice). There is no need to defend this play, for the simple reason that Hermann Bahr does not seek the path into spiritual science—which is too difficult for him—but rather falls back on orthodox, or let us say, modern Catholicism; yet he is, after all, seeking a spiritual life. And it is interesting to see how the hero of this play seeks that spiritual life. The hero of this play is married to a woman who is the daughter of a very orthodox mother and is herself very orthodox, yet she takes her Christianity seriously—deeply seriously, beyond the seriousness that can be demanded of a human being. The man, however—who is the hero of the drama—is a follower of Ostwald and Haeckel, a thoroughly materialistic person. Since the wife and her mother-in-law take their Christianity seriously, it is naturally a great source of pain to them that the man is an Ostwaldian and a Haeckelian and wants to know nothing of a spiritual world; and the wife grieves over this so deeply that she dies of grief. But during her illness, she has a strong conviction: she wants to die so that she can help her husband from the spiritual world. The woman has died. After her death, the man finds himself on a train one day. He has often heard, as if from an unknown twilight gloom, something as though his deceased wife were calling out this or that to him. One day he is in a railroad car—a sleeper car—and there he hears his wife’s voice particularly clearly. This drives him nearly mad, and he storms out of the train. He behaves like a madman—I believe—in the waiting room at a station. And then he hears that the entire train he had been on had been destroyed in a railway accident. The wounded are being brought in, and so on. He realizes that he was saved by his wife’s voice, because he had gotten off the train on which he would otherwise have perished. This is the first time that his wife’s voice is connected to real-world circumstances. I do not wish to condemn this; I merely want to recount what a person of the present day writes. Now, because he has been saved—through an obvious miracle, through the aftereffect of this woman’s being extending beyond death—he is prompted to reflect anew on the connection between human beings and the spiritual world. Later, however, the woman reveals herself to him even more frequently, and through an intimate connection between his soul and the soul of the deceased woman, he is now led back to Christianity in the true sense, transcending the materialistic worldview.

[ 29 ] Jedenfalls sehen wir, wenn wir auch gerade dieses Drama nicht zu verteidigen brauchen, daß es heute auch schon Menschen gibt, welche dahin streben, in das Leben hineinzubringen die Anschauung, daß in der großen Täuschung, in der Maja, eine Wahrheit der geistigen Welt aufgehen kann. Erst die reine Erfassung des Christentums wird die Brücke schlagen zwischen dem Leben hier auf der Erde und dem Leben in der geistigen Welt. Aber das Bedürfnis nach dieser Welt, es haben das schon viele, viele Menschen, die allerdings noch ein kleines Häuflein sind im Verhältnis zu der großen Zahl derer, die heute entweder in den traditionellen Religionen stecken, die ja auch dem Materialismus verfallen sind, wenn sie es auch nicht zugeben, oder die direkt im Materialismus das wirkliche Zusammenhängen mit der geistigen Welt nicht haben. Wie gesagt, das Drama von Bahr wollen wir nicht verteidigen, aber auf das eine kann es uns hinweisen: daß der Mensch nicht hinauskommt über das Problem des Todes, wenn er das Christentum wirklich verstehen will; denn zu dem Interessantesten in diesem Drama gehört es immerhin, daß es ausgeht von jener Beziehung zwischen Menschenseele und Menschenleib, die über das Tor des Todes hinwegführt. Ein Grundfehler liegt allerdings in all diesen Dingen: daß man statt zum Christentum zu führen, wozu Geisteswissenschaft, wie wir sie verstehen, den wirklichen Anfang machen will, wiederum zu einem einzelnen Bekenntnisse zurückführen will.

[ 29 ] In any case, even if we do not need to defend this particular drama, we can see that there are already people today who strive to bring into life the insight that, within the great illusion—within Maya—a truth of the spiritual world can emerge. Only a pure understanding of Christianity will build the bridge between life here on Earth and life in the spiritual world. But the need for this world—many, many people already feel it, though they are still only a small handful compared to the vast number of those who today are either stuck in the traditional religions—which have, after all, also succumbed to materialism, even if they won’t admit it—or who, immersed directly in materialism, lack a genuine connection to the spiritual world. As I said, we do not wish to defend Bahr’s play, but it can point us to one thing: that a person cannot move beyond the problem of death if they truly wish to understand Christianity; for one of the most interesting aspects of this play is, after all, that it proceeds from that relationship between the human soul and the human body which leads beyond the gate of death. There is, however, a fundamental flaw in all these things: that instead of leading to Christianity—which is where spiritual science, as we understand it, aims to make its true beginning—they seek to lead back to a single denomination.

[ 30 ] Wenn die Menschen nur einmal so verstehen wollten den Christus, wie ich es heute angedeutet habe — und wenn wir noch öfter hier reden können, so werde ich das genauer ausführen —, wenn die Menschen so verstehen könnten den Christus, wie das heute in den allerersten primitivsten Andeutungen eben gezeigt worden ist, dann würden die Empfindungen, die Vorstellungen, die über den Christus entwickelt werden, wirklich zu allen Menschen getragen werden können, denn der Christus ist nicht bloß für diejenigen gestorben, die sich zu einem jetzigen christlichen Bekenntnisse bekennen, sondern er ist gestorben und auferstanden für alle Menschen. Und man darf nicht ein bestimmtes Religionsbekenntnis mit dem Christus-Wesen zusammenbringen, sondern jedes Religionsbekenntnis ist mit dem Christentum zusammenzubringen. Würden die Menschen verstehen, den Christus so aufzufassen, wie es angedeutet worden ist, dann würde das Christentum über die ganze Erde verbreitet werden. Denn etwas anderes ist die Christus-Offenbarung und die Jesus-Offenbarung.

[ 30 ] If only people would understand Christ the way I have hinted at today—and if we can speak here more often, I will elaborate on this in greater detail—if people could understand Christ the way it has just been shown today in the very first, most primitive hints, then the feelings and ideas developed about Christ could truly be conveyed to all people, for Christ did not die merely for those who profess a current Christian creed, but he died and rose again for all people. And one must not equate a specific religious creed with the essence of Christ; rather, every religious creed must be reconciled with Christianity. If people could understand how to perceive Christ as has been indicated, then Christianity would spread throughout the entire earth. For the revelation of Christ is one thing, and the revelation of Jesus is another.

[ 31 ] Gehen wir als Missionare in fremde Gegenden, oder auch zu einheimischen Menschen, und wollen ihnen den Jesus-Dienst aufzwingen in irgendeinem Bekenntnisse, dann werden sie uns nicht verstehen, sintemal oftmals dasjenige, was diese Leute wissen, sogar über das hinausragt,was ihnen von dem oder jenem Missionar gebracht werden soll. Denn ich möchte wissen, was zum Beispiel ein Türke sagen würde, wenn ihm ein neuerer Protestant die Christus-Auffassung beibringen wollte, die er als neuerer protestantischer Pastor hat, diese Christus-Auffassung, welche davon handelt — bei den neueren protestantischen Pastoren ist das ja schon so —, nun ja, daß es einen Sokrates gab, dann einen, der etwas mehr war als Sokrates: der Christus, der Mensch, nicht wahr, der besondere Mensch, aber eben der Mensch, oder jene konfusen Dinge, die sonst über den Christus im neueren Protestantismus heute gesagt werden. Der Türke würde ihm sagen: Was, so etwas erzählst du, und du willst Christ sein? Lies dir doch nach im Koran die 19. Sure: da steht ja viel mehr über den Christus drinnen, als was du uns erzählst! Die Türken wissen nämlich viel mehr über den Christus Jesus, als die neueren protestantischen Pastoren von dem Christus Jesus vertreten, weil im Koran viel mehr drinnensteht, weil der Christus Jesus viel mehr an die Göttlichkeit herangeführt wird im türkischen Glaubensbekenntnis als im neueren protestantischen Glaubensbekenntnis. Das weiß man nur nicht, weil man es heute noch wenig dahin bringt, die religiösen Urkunden wirklich zu lesen und oberflächliches Zeug reden will über alle möglichen Religionen.

[ 31 ] If we go as missionaries to foreign lands, or even to indigenous peoples, and try to impose the ministry of Jesus on them through some particular denomination, then they will not understand us, since often what these people already know goes even beyond what this or that missionary intends to teach them. For I would like to know, for example, what a Turk would say if a modern Protestant were to try to teach him the view of Christ that he holds as a modern Protestant pastor—this view of Christ which deals with—as is already the case among modern Protestant pastors— well, that there was a Socrates, and then someone who was a little more than Socrates: Christ, the human being—isn’t that right?—the special human being, but still just a human being, or those confused ideas that are otherwise said about Christ in modern Protestantism today. The Turk would say to him: “What, you’re telling us something like that, and you want to be a Christian? Just read the 19th surah in the Quran: there’s much more about Christ in there than what you’re telling us!” The Turks, in fact, know much more about Christ Jesus than what modern Protestant pastors teach about him, because there is much more in the Quran, and because Christ Jesus is brought much closer to divinity in the Turkish creed than in the modern Protestant creed. People just don’t know this because, even today, they rarely bother to actually read the religious texts and prefer to spout superficial nonsense about all kinds of religions.

[ 32 ] Die Jesus-Offenbarung wird auch über die Menschen kommen in der richtigen Weise. Aber dazu müssen sie selber kommen. Und sie werden dazu kommen, wenn sie die genügende Anzahl von Inkarnationen durchgemacht haben. Für die Christus-Offenbarung ist heute jeder reif bis zu einem gewissen Grade. Diesen Unterschied muß man machen. Aber es sind viele Mächte an der Arbeit, um wirkliche Christus-Offenbarung und auch wirkliche Geisteswissenschaft nicht aufkommen zu lassen. Und da brauchen Sie sich ja nur zu erinnern an mancherlei, was ich in der letzten Zeit gesagt habe über allerlei okkult sich nennende Bestrebungen, die ich charakterisiert habe.

[ 32 ] The Revelation of Jesus will also come to people in the proper way. But they must come to it on their own. And they will come to it once they have undergone a sufficient number of incarnations. Today, everyone is ready for the Revelation of Christ to a certain degree. One must make this distinction. But there are many forces at work to prevent true Christ-revelation—and also true spiritual science—from emerging. And here you need only recall various things I have said recently about all sorts of movements that call themselves “occult,” which I have characterized.

[ 33 ] Und nun möchte ich eigentlich in diesem Augenblicke den heutigen Vortrag schließen. Ich werde nur noch einen kleinen Anhang geben dazu. Aus einem ganz bestimmten Grunde möchte ich das nicht zu dem Vortrag selber rechnen. Sie werden gleich sehen, aus welchem Grunde. Dasjenige nämlich, was ich im Vortrage sage, sage ich ohne alle Reserve, aber was ich jetzt sagen werde, werde ich vorläufig mit einiger Reserve zu sagen haben und daher trenne ich es von dem Vortrage ab. Aber ich messe ihm doch eine gewisse Wichtigkeit bei gerade im Zusammenhang mit unseren jetzigen Betrachtungen, und deshalb will ich es schon heute erwähnen.

[ 33 ] And now I would actually like to conclude today’s lecture at this very moment. I will just add a brief appendix to it. For a very specific reason, I do not wish to include this in the lecture itself. You will see in a moment why. Namely, what I say in the lecture, I say without any reservation, but what I am about to say, I will have to say—for the time being—with some reservation, and that is why I am separating it from the lecture. However, I do attach a certain importance to it, particularly in connection with our current considerations, and that is why I want to mention it today.

[ 34 ] Ich habe ausgeführt, daß in der Mitte des 19. Jahrhunderts die Hochflut des Materialismus da war, daß dazumal diejenigen Menschen, die etwas wußten von der Notwendigkeit, daß immer geistiges Leben in der Menschheit sein sollte — ich skizziere das nur voraus —, daran dachten, der Menschheit beizubringen, daß wirklich in unserer Umgebung geistige Wesenheiten, geistige Wirkungen sind. Aber es spalteten sich, sagte ich, dazumal die maßgebenden Okkultisten in solche, welche sagten: Die Menschheit kann die Dinge noch nicht aufnehmen — und in andere, welche sagten in der Mitte des 19. Jahrhunderts: Die Menschheit könnte schon in elementarer Weise in die wichtigsten Begriffe des geistigen Lebens eingeführt werden. — Die letzteren sind heute geradezu fast auf eine kleine Zahl zusammengeschmolzen, die für den Unterricht sind, für das Verbreiten der Lehre. Es gehört aber zu unserer anthroposophischen Bewegung die Überzeugung, daß es auf die Verbreitung der Lehre, so wie wir das machen, heute ankommt, daß dadurch der Menschheit das Geistesgut überliefert werden muß. Dazumal tauchte die Frage in den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts zuerst auf, aber die wurden sozusagen überstimmt, die dieser Ansicht waren, und so kam man überein, einen anderen Weg einzuschlagen, den Weg durch den Spiritismus. Man versuchte, auf dem Wege der Mediumschaft zu zeigen, daß solche Persönlichkeiten, welche als Medien angesehen werden können — ich habe ja die Dinge hier charakterisiert —, Kundgebungen aus der geistigen Welt hereinbekommen können, und daß man dadurch Zusammenhang mit den Reichen des Geistes bekommen kann. Ich habe auch schon gesagt: Der ganze Versuch ist mißlungen. Denn wäre er gelungen, dann hätte sich herausgestellt so etwas Ähnliches, wie ich es neulich für diejenigen, die dabei waren, in dem Vortrage in Bern ausgesprochen habe: man hätte erkannt, wie die verschiedenen Stufen des Zusammenhanges mit den Toten sind. Aber auf das wollte man sich nicht einlassen. Und so kam man denn zu einer vollständig mißglückten Sache. Die Medien gaben alle an in der primitivsten, in der elementarsten Weise: sie stünden unmittelbar mit irgendwelchen Toten in Verbindung, und die Menschen wollten immer unmittelbar Kundgebungen von irgendwelchen Toten durch die Medien hereinbekommen. Merken Sie wohl, damit ist nicht gesagt, daß wenn ein Medium da ist und man mit einem Medium experimentiert, dasjenige, das durch das Medium kommt, nicht irgendeine Vermittelung zu einem Toten abgeben könnte. Aber ein anderes ist es, ob es eine unbewußte, eine wirkliche, rechte Vermittelung ist und ob es überhaupt eine mögliche Vermittelung sein kann. Dasjenige, was man erwartet hat, war nämlich etwas ganz anderes; was man erwartet hat, war, daß man erkennen würde durch die Medien, daß auch dem Menschen fortwährend geistige Kräfte, ebenso wie sinnliche Kräfte, einfließen, daß man also vorzugsweise das Feld des Geistigen in der unmittelbaren Umgebung sucht, nicht in der Kundgebung dieser oder jener einzelnen Toten.

[ 34 ] I have explained that in the mid-19th century, materialism was at its peak, and that at that time, those people who understood the necessity of spiritual life always existing within humanity—I am merely outlining this in advance—considered teaching humanity that spiritual beings and spiritual forces truly exist in our surroundings. But, as I said, the leading occultists of that time were divided into those who said, “Humanity is not yet ready to take these things in,” and others who said in the mid-19th century, “Humanity could already be introduced, in a basic way, to the most important concepts of spiritual life.” — Today, the latter group has dwindled to almost a mere handful who advocate for teaching and for spreading the doctrine. Yet it is part of our anthroposophical movement’s conviction that the dissemination of the doctrine, as we practice it today, is of the utmost importance, and that through this, the spiritual heritage must be passed on to humanity. Back then, in the 1840s, the question first arose, but those who held this view were, so to speak, outvoted, and so it was agreed to take a different path—the path of spiritualism. Attempts were made, through mediumship, to demonstrate that certain individuals—who can be regarded as mediums (as I have described here)—are capable of receiving messages from the spiritual world, and that through this one can establish a connection with the realms of the spirit. I have also already said: The entire endeavor has failed. For if it had succeeded, something similar to what I recently expressed in my lecture in Bern for those who were present would have become apparent: one would have recognized the various stages of connection with the dead. But people did not want to engage with that. And so the endeavor ended in complete failure. The mediums all claimed, in the most primitive, most elementary way, that they were in direct contact with certain dead people, and the people always wanted to receive direct messages from certain dead people through the mediums. Please note, however, that this does not mean that when a medium is present and one experiments with a medium, what comes through the medium could not constitute some form of communication with a deceased person. But it is another matter entirely whether it is an unconscious, genuine, and proper form of communication—and whether such communication is even possible at all. What people had expected, in fact, was something entirely different; what they had expected was that through the mediums they would come to recognize that spiritual forces, just like sensory forces, are constantly flowing into human beings—that one should therefore seek the realm of the spiritual primarily in one’s immediate surroundings, rather than in the messages from this or that individual deceased person.

[ 35 ] Da sich nun das Ganze als ein Mißgriff herausgestellt hat, haben die ernsthaften Okkultisten ihre Hand zurückgezogen von diesem spiritistischen Versuch, und die Menschheit muß jetzt büßen dafür, indem sich der Medien bemächtigt haben alle möglichen okkulten Menschen, okkultistischen Menschen, welche nicht rein okkultistische Pfade verfolgen, sondern Pfade zu irgendeinem speziellen Menschenzwecke. Ich habe es ja öfter ausgeführt: Derjenige, der ein wirklicher Okkultist sein will, kann nicht nur einem speziellen Menschenzwecke dienen, sondern nur dem allgemeinen menschlichen Zweck, allgemein-menschlichen Zielen, und er darf vor allen Dingen niemals schlechte Mittel anwenden, unrichtige Mittel anwenden, um zu irgendwelchen Zielen zu gelangen. Aber was nennt man heute nicht alles Okkultismus! Was man heute alles Okkultismus nennen kann, davon könnten Sie einen Begriff bekommen, wenn Sie den Bericht lesen würden, welcher Ihnen wiedergibt die Reden, welche Mrs. Besant und Mr. Leadbeater auf der letzten Theosophischen Convention abgehalten haben, wo die gegenwärtigen Ereignisse dargestellt werden als der große Kampf zwischen den Lords of Light, auf deren Seite selbstverständlich Mrs. Besant und Mr.Leadbeater stehen, und den Lords of Darkness, und worinnen ausgesprochen wird, daß jeder, der als Neutraler, als wirklicher Neutraler für sich steht, nicht Partei nimmt für irgendeine Seite — selbstverständlich für die Lords of Light, auf deren Seite Mrs. Besant und Mr. Leadbeater stehen —, daß der ein Verräter ist. Aber es wurde‘ja allerlei anderes noch in dieser Versammlung erzählt. So zum Beispiel hat da Leadbeater aus einer profunden okkulten Erkenntnis heraus erzählt, daß vor dem Jahre 1870 Bismarck nach Frankreich gegangen ist und im Norden, im Süden, im Osten und Westen von Frankreich magnetische Zentren eingerichtet hat. Während des Krieges 1870/71 haben diese magnetischen Zentren, die Bismarck zuerst in Frankreich eingerichtet hat, gewirkt, sonst wäre dazumal der Krieg mit Frankreich verlorengegangen. Das lassen sich die Leute heute wirklich erzählen auf theosophischen Versammlungen! Ja, sie hören es sich an! Man kann nur staunen darüber oder irgend etwas anderes noch tun, wenn man vernimmt, daß solche Dinge angeführt werden. Aber wie gesagt, es gibt mancherlei Okkultismus in der Gegenwart.

[ 35 ] Since the whole thing has now turned out to be a mistake, serious occultists have withdrawn from this spiritualist experiment, and humanity must now pay the price for it, as all manner of occultists—people who do not follow purely occult paths but rather paths toward some specific human purpose—have taken control of the mediums. As I have often explained: Anyone who wishes to be a true occultist cannot serve merely a specific human purpose, but only the general human purpose and universal human goals; and above all, they must never resort to bad or improper means to achieve any goals whatsoever. But what a wide range of things are called “occultism” today! You could get an idea of just what is called occultism today if you were to read the report that reproduces the speeches given by Mrs. Besant and Mr. Leadbeater at the last Theosophical Convention, where current events are portrayed as the great struggle between the Lords of Light—on whose side, of course, Mrs. Besant and Mr. Leadbeater stand—and the Lords of Darkness, and in which it is stated that anyone who stands on their own as a neutral—a truly neutral person—and does not take sides with any group—naturally, the Lords of Light, on whose side Mrs. Besant and Mr. Leadbeater stand—is a traitor. But all sorts of other things were also recounted at this gathering. For example, Leadbeater, drawing on profound occult knowledge, recounted that before the year 1870, Bismarck went to France and established magnetic centers in the north, south, east, and west of France. During the war of 1870–71, these magnetic centers, which Bismarck had first established in France, were at work; otherwise, the war with France would have been lost at that time. People today actually let themselves be told such things at theosophical meetings! Yes, they actually listen to it! One can only marvel at it—or perhaps do something else entirely—when one hears such things being cited. But as I said, there are many forms of occultism in the present day.

[ 36 ] Dasjenige, was wichtig ist, ist, daß nun, nachdem der ernsthafte Okkultismus sich zurückgezogen hat von dem Spiritismus, daß da sich des ganzen Spiritismus bemächtigt haben eben solche Menschen, welche Sonderzwecke verfolgen. Und man kann ja sehr leicht irgendwelche Sonderzwecke verfolgen. Ich bitte, jetzt festzuhalten für das, was ich sagen will, daß es dies gibt, daß also der Spiritismus durch den ehrlichen Versuch in die Welt gebracht worden ist, zu prüfen die gegenwärtige Menschheit, ob sie reif ist, geistige Wahrheiten aufzunehmen, daß der Versuch mißglückt ist, und daß dann alle möglichen Strömunsen und okkulten Brüderschaften und einzelne Menschen, namentlich von Amerika aus, versucht haben, die ganze Mediumschaft immer im einzelnen in die Hand zu bekommen, um dadurch gewisse Sonderzwecke zu verfolgen. Nun, das was ich im Anschlusse daran erzählen will, das erzähle ich, weil mir gestern unser lieber Freund, Herr Heywood-Smith, den Bericht gegeben hat über das Buch von den Erfahrungen des Sir Oliver Lodge. Ich wiederhole, ich erzähle es mit aller Reserve, weil ich zunächst nur einen Bericht vor mir habe, aus dem man allerdings schon viel entnehmen kann, aber ich will mir vorbehalten, wenn ich das Buch selber gehabt haben werde, auf mancherlei noch zurückzukommen. Aber ich halte die Sache an sich nicht für unwichtig und möchte heute davon sprechen. Sollte der Bericht nicht richtig sein, so würde ich selbstverständlich — und deshalb spreche ich mit Reserve — die Dinge auch richtigstellen, die infolge des falschen Berichtes heute gesagt würden.

[ 36 ] What is important is that now, after serious occultism has withdrawn from spiritualism, the entire field of spiritualism has been taken over by precisely those people who are pursuing their own special agendas. And it is, of course, very easy to pursue such special agendas. Please bear in mind, as I go on to explain, that this is the case: that Spiritism was brought into the world through an honest attempt to test whether present-day humanity is ripe to receive spiritual truths; that this attempt failed, and that all manner of movements, occult brotherhoods, and individual people—particularly from America—have since attempted to gain control over every aspect of mediumship in order to pursue certain specific agendas. Now, what I am about to recount in connection with this, I am sharing because yesterday our dear friend, Mr. Heywood-Smith, gave me an account of the book detailing Sir Oliver Lodge’s experiences. I repeat, I am recounting this with the utmost caution, because for the time being I have only a report before me—from which, admittedly, much can already be gleaned—but I reserve the right to return to certain points once I have the book myself. However, I do not consider the matter itself to be unimportant and would like to speak about it today. Should the report prove to be incorrect, I would of course—and that is why I am speaking with reserve—set the record straight regarding anything said today as a result of the incorrect report.

[ 37 ] Nicht wahr, es ist eine außerordentlich bedeutungsvolle Tatsache, daß eine der allerangesehensten Persönlichkeiten des wissenschaftlichen England, Sir Oliver Lodge, der große Naturforscher Oliver Lodge, der ja allerdings verschiedene Bücher schon geschrieben hat, worin er sich bekannt hat zur Anerkennung einer geistigen Welt, daß Sir Oliver Lodge ein solches Buch schrieb, das Dinge enthält, das, wenn es so genommen werden würde, wie Sir Oliver Lodge meint, eigentlich zum Allerbedeutsamsten gehören müßte, was man sagen kann in der gegenwärtigen Zeit. Die Tatsache ist diese:

[ 37 ] Isn't it an extraordinarily significant fact that one of the most distinguished figures in the scientific community in England, Sir Oliver Lodge—the great naturalist Oliver Lodge, who has, of course, already written various books in which he has acknowledged the existence of a spiritual world—that Sir Oliver Lodge wrote such a book, which contains ideas that, if taken as Sir Oliver Lodge intends, would actually have to be among the most significant things one can say in the present day. The fact is this:

[ 38 ] Sir Oliver Lodge hatte einen Sohn, der 1889 geboren war und der, als der Krieg ausbrach, sich dem Kriegsdienste zur Verfügung stellte, während Lodge und seine Gattin selber in Australien waren, und der dann im März 1915 — der Sohn, Raymond Lodge — an eine sehr gefährliche Stelle der Kriegsführung kam und, man kann sich denken, an dieser gefährlichen Stelle — er kam auch in die Nähe von Ypern den Eltern mancherlei Sorge machte. Nun bekam Sir Oliver Lodge eine im August 1915 geschriebene Botschaft von Mrs. Piper aus Amerika. Von Mrs.Piper, einem amerikanischen Medium, bekam er eine Botschaft, eine Botschaft, welche einen merkwürdigen Inhalt hatte, der etwa also, wie es hier mitgeteilt ist, so lautete: Myers wird teilnehmen an Ihnen in dem, was das Schicksal über Sie verhängt und wird Sie beschützen. — Aber dieses wurde gekleidet in eine klassische Form, in ein Horaz-Wort. Also Sir Oliver Lodge bekam von einem amerikanischen Medium im August — im August war sie geschrieben — die Mitteilung, daß Myers, der früher Vorsitzender war der Society for Psychical Research in London, aber vor vierzehn Jahren gestorben ist, daß Myers bei einem schweren Fall, welcher treffen soll Sir Oliver Lodge, ihn beschützen und ihm beistehen werde, also zu seinem Schutze arbeiten wird. Ich bitte, Rücksicht zu nehmen darauf, daß nichts steht in dieser Mitteilung, als daß bei einem schweren Fall Myers beistehen werde dem Sir Oliver Lodge.

[ 38 ] Sir Oliver Lodge had a son who was born in 1889 and who, when the war broke out, volunteered for military service while Lodge and his wife were in Australia; this son, Raymond Lodge, was then sent in March 1915 to a very dangerous front and, as one might imagine, in this dangerous part of the theater—he was also near Ypres—caused his parents considerable concern. Now, in August 1915, Sir Oliver Lodge received a message from Mrs. Piper in America. From Mrs. Piper, an American medium, he received a message—a message with a curious content that read, roughly as reported here: “Myers will share in whatever fate has in store for you and will protect you.”—But this was couched in a classical form, in a phrase from Horace. So Sir Oliver Lodge received a message from an American medium in August—it was written in August—stating that Myers, who had formerly been president of the Society for Psychical Research in London but had died fourteen years earlier, would protect and assist Sir Oliver Lodge in the event of a serious incident that was to befall him, that is, he would work to protect him. Please bear in mind that this message contains nothing other than the statement that, in the event of a serious incident, Myers would stand by Sir Oliver Lodge.

[ 39 ] Nun fiel im September 1915 der Sohn Raymond Lodge, und da bezog Sir Oliver Lodge zunächst in seinen Gedanken die Mitteilung, daß Myers ihm beistehen werde, auf den Tod des Sohnes. Nun kam die Familie des Sir Oliver Lodge in Zusammenhang mit allerlei Medien; mehrere Medien sind zugleich aufgetreten. Diese Medien, die brachten allerlei Botschaften. Diese Botschaften liefen jetzt nach und nach alle darauf hinaus: Dein Sohn, oder euer Sohn — es wurden auch mit Lady Lodge diese Sitzungen abgehalten — ist mit Myers zusammen; Myers hilft ihm, und eurem Sohn ist jetzt alles daran gelegen, daß ihr von ihm erfahrt, und daß namentlich Sir Oliver Lodge dadurch einen Zusammenhang mit der geistigen Welt erhält. — Wenn man sich die verschiedenen Kundgebungen der einzelnen Medien durchliest, so wie sie hier zunächst wiedergegeben sind, so merkt man überall ganz genau: es sind überall interessante Steigerungen drinnen; es tritt alles in einem ganz bestimmten Momente auf. Es werden Frageni gestellt und so weiter, und beantwortet von den Medien; der Verlauf ist außerordentlich interessant. Und sogar bis zu dem kommt es, daß ein Bild von Raymond Lodge, das man nicht kannte in der Familie, aufgefunden wird dadurch, daß der Sohn, der verstorbene Sohn, auf dieses Bild hinweist, es beschreibt, und es wird dann so gefunden, wie er es beschrieben hat. Kurz, es scheint in diesem Buche mit außerordentlicher Genauigkeit und Exaktheit das zusammengestellt worden zu sein, was man ja in sehr vielen spiritistischen Sitzungen bekommen kann und was führen kann zu dem, was da erzählt ist. Sir Oliver Lodge war ja schon immer etwas dafür, solche Dinge zu treiben; seine Söhne haben das offenbar nicht gern gehabt; aber durch das, was da vorgekommen ist, sind auch sie überzeugt worden. In aller ausführlichen Weise scheint nun Sir Oliver Lodge geschrieben zu haben, wie diese Brücke durch die verschiedenen Medien zu seinem Sohne hinübergezogen worden ist.

[ 39 ] Then, in September 1915, his son Raymond Lodge died, and at first Sir Oliver Lodge interpreted the message that Myers would stand by him as referring to his son’s death. Sir Oliver Lodge’s family then came into contact with all sorts of mediums; several mediums appeared at the same time. These mediums conveyed all sorts of messages. These messages all gradually boiled down to the same thing: Your son—or rather, your son and Lady Lodge were also present at these séances—is with Myers; Myers is helping him, and your son is now deeply concerned that you learn of him, and that Sir Oliver Lodge, in particular, thereby establish a connection with the spirit world. — When one reads through the various communications from the individual mediums, as they are initially reproduced here, one notices very clearly throughout: there are interesting climaxes in every one; everything occurs at a very specific moment. Questions are asked and so on, and answered by the mediums; the sequence of events is extraordinarily interesting. It even goes so far as to the discovery of a portrait of Raymond Lodge—one unknown to the family—through the fact that the son, the deceased son, points to this portrait, describes it, and it is then found exactly as he described it. In short, this book seems to have compiled with extraordinary precision and accuracy what one can indeed experience in many spiritualist séances—and what can lead to the events described there. Sir Oliver Lodge had always been somewhat inclined to engage in such activities; his sons apparently did not approve of this; but as a result of what occurred, they, too, were convinced. Sir Oliver Lodge now seems to have written in great detail about how this bridge was built across to his son through the various mediums.

[ 40 ] Das Wichtige, was da vorliegt, das ist das, daß eine so angesehene Persönlichkeit veranlaßt wird, auf dem Wege des Mediumismus hinüberzukommen in die geistige Welt. Ich muß sagen: So viel ich bis jetzt weiß über die verschiedenen Sitzungen, bieten die Sitzungen an sich nichts übermäßig Neues. — Aber etwas anderes ist sehr wichtig: daß eine Persönlichkeit allerersten Ranges der Gegenwart, eine wissenschaftliche Persönlichkeit, die, wenn sie in dieser Weise schreibt, auf das Intellektuelle der Menschen einen großen Einfluß gewinnen kann, daß eine solche Persönlichkeit getrieben wird, in dieser Weise zu schreiben. Das ist sehr wichtig, denn dadurch werden viele Leute zum Mediumismus getrieben, getrieben auf diesen Weg, der auf diese Weise den Zusammenhang mit der geistigen Welt sucht.

[ 40 ] The important thing here is that such a distinguished figure is prompted to cross over into the spirit world through mediumship. I must say: As far as I know so far about the various séances, the séances themselves do not offer anything particularly new. — But something else is very important: that a figure of the very highest rank in the present day, a scientific figure who, when writing in this way, can exert a great influence on people’s intellects—that such a figure is driven to write in this way. This is very important, because it drives many people toward mediumship, driving them down this path that seeks a connection with the spirit world in this way.

[ 41 ] Es liegt natürlich auch da nichts anderes vor, als was der Mißgriff war damals, als man durch den Spiritismus das erreichen wollte, was ich Ihnen ja beschrieben habe. Aber nun, ich bitte Sie, verfolgen Sie die Sache etwas genauer. In der ersten Mitteilung von dem Medium Piper, die Sir Oliver Lodge bekommt aus Amerika herüber, steht nur etwas von einem Faktum, das eintreten werde und demgegenüber Myers ihn beschützen wird. Schön, dieses Faktum konnte in der verschiedensten Weise eintreten. Nehmen wir an, der Sohn wäre nicht gefallen, so wäre es mit dieser Mitteilung durchaus vereinbar, daß man sagt: Nun ja, du bist darauf hingewiesen worden, daß Myers von der geistigen Welt aus deinen Sohn hier beschützt vor dem Tod auf dem Schlachtfelde. — Daß man, nachdem der junge Raymond Lodge an einer gefährdeten Stelle des Schlachtfeldes war, das in Amerika drüben auch gewußt haben kann, das werden Sie nicht weiter bezweifeln, und daß man daher so sprechen konnte, wie manchmal ein altes Orakel gesprochen hat: Myers wird den Sohn beschützen — und sich nachher hätte darauf berufen können, wenn der Sohn durchgekommen wäre: Er hat ihn beschützt, indem er ihn durchgebracht hat; wenn der Sohn aber fällt, man das darauf beziehen kann, daß der Myers nun von der geistigen Welt aus den Sohn zusammenbringt, in eine Verbindung bringt mit dem Vater; das ist auch möglich. Also die Mitteilung war zunächst sehr schlau gehalten. Von Amerika herüber wurde die Sache eingefädelt; dann — solche Brüderschaften erstrecken sich selbstverständlich sehr weit —, dann wurde herangebracht an Lady Lodge das nächste Medium. Man braucht gar nicht zu wissen, auf welchem Wege eine solche — wie es hier genannt wird — anonyme Sitzung zustande kommt. Da wird zunächst so vorgegangen, wie bei den Sitzungen vorgegangen wird. Aber jetzt ist bereits die Trauerkunde längst da; Lady Lodge hat in ihrer eigenen Psyche alle die Nachwirkungen dieser Trauerkunde. Das kann ja eben gezeigt werden, daß dasjenige, was in einer Seele lebt, hinübergeht in die andere Seele und durch das Medium spricht. Außerdem, in der Seele der Lady Lodge hat natürlich in der Weise, wie wir das kennen, der Sohn über den Tod hinaus fortgelebt. Dasjenige, was also durch das Medium zustande gebracht worden ist, ist lediglich die Wiedergabe desjenigen, was in der Seele derLady Lodge. war, oder in den Seelen der anderen Familienmitglieder. Man kann es sogar sehr schön schon aus dem Protokoll studieren, weil sich das abstuft je nach dem Charakter derjenigen, die als Maßgebende bei diesen Sitzungen sitzen. Auch der Name Myers tritt auf bei Medien, dieMyers nicht gekannt haben. Das ist aber nicht weiter wunderbar, denn Sir Oliver Lodge war sehr gut befreundet mit Myers, hat mit ihm zusammen gearbeitet und so weiter, kurz, würde Sir Oliver Lodge so experimentieren, daß er, abgesehen von dem persönlichen Interesse, das er an dem Sohne nimmt, bloß nachweisen wollte, wie man es zuerst wollte, daß geistige Wirkungen in unserer Umgebung sind, dann wäre ja alles gut. Aber dieser Pfad ist ja verlassen worden.

[ 41 ] Of course, this is nothing more than a repeat of the mistake made back then, when people tried to achieve through spiritualism what I have already described to you. But now, I ask you to look into the matter a little more closely. In the first message from the medium Piper, which Sir Oliver Lodge received from America, there is only mention of an event that was to occur and that Myers would protect him from it. Well, this event could have unfolded in a variety of ways. Let’s assume the son had not been killed; it would be entirely consistent with this message to say: Well, you were warned that Myers, from the spirit world, is protecting your son here from death on the battlefield.” — You will surely not doubt that, since young Raymond Lodge was in a dangerous spot on the battlefield, this could have been known over in America as well, and that one could therefore speak as an ancient oracle sometimes did: “Myers will protect the son”—and could have referred to this afterward if the son had survived: “He protected him by bringing him through safely”; but if the son falls, one can interpret this to mean that Myers is now, from the spirit world, bringing the son together with his father, uniting them; that is also possible. So the message was initially phrased very cleverly. The matter was orchestrated from America; then—such brotherhoods naturally extend very far—the next medium was brought to Lady Lodge. One need not even know how such an—as it is called here—“anonymous” séance comes about. The procedure initially follows the same steps as in regular séances. But by now the obituary has long since arrived; Lady Lodge carries within her own psyche all the aftereffects of that obituary. This can indeed demonstrate that what lives in one soul passes over into another soul and speaks through the medium. Furthermore, in Lady Lodge’s soul, the son has naturally lived on beyond death in the way we understand it. What was thus brought about through the medium is merely the reproduction of what was in Lady Lodge’s soul—or in the souls of the other family members. One can even study this very clearly from the transcript, because it varies depending on the character of those who serve as the guiding figures in these séances. The name Myers also appears in the communications of mediums who did not know Myers. But that is not particularly surprising, for Sir Oliver Lodge was very good friends with Myers, worked with him, and so on; in short, if Sir Oliver Lodge were to conduct his experiments in such a way that, aside from his personal interest in his son, he merely sought to prove—as was originally intended—that spiritual influences exist in our environment, then everything would be fine. But that path has, of course, been abandoned.

[ 42 ] Es handelt sich also um nichts Geringeres, als selbstverständlich darum, daß von irgendeiner Seite her — auch diese Seite wird das Buch ganz klarlegen, ich will heute darüber noch kein Urteil fällen —, daß von irgendeiner Seite her benützt werden soll Sir Oliver Lodge, um Sonderzwecke, ganz bestimmte Sonderzwecke zu erreichen. Gerade dies wird höchst wahrscheinlich ein charakteristischer Fall sein für einen Vorstoß, den wiederum eine sehr trübe okkulte Brüderschaft macht, um durch die Konstellationen, die hier eingetreten sind, möglichst was man immer will — auch die Wissenschaft zu erobern für den Spiritismus, der immer sehr gern als wissenschaftlich gelten will und durch den man sehr leicht ganz besondere Sonderzwecke erreichen will.

[ 42 ] It is, of course, nothing less than the fact that from some quarter—and the book will shed full light on this quarter as well; I do not wish to pass judgment on it today—Sir Oliver Lodge is to be used to achieve specific, particular purposes. This, in particular, will most likely be a characteristic example of an initiative undertaken once again by a very shadowy occult brotherhood, seeking—through the circumstances that have arisen here—to achieve whatever it is they always want—including conquering science for spiritualism, which is always eager to be regarded as scientific and through which one can very easily achieve very specific, special purposes.

[ 43 ] Es war ja von einer anderen Stätte in Amerika, um nur ein Beispiel zu erwähnen, versucht worden, die Reinkarnation dem Menschen auszutreiben. Was hat man getan? Man hat in der Zeit, in der schon das eingetreten war, was ich charakterisiert habe, der Spiritismus verlassen war von den ernsthaften Okkultisten, man hat ich glaube, Langsdorff hieß der betreffende Mann — allerlei Sitzungen veranstaltet in den verschiedensten Orten, in denen die Medien immer in Zusammenhang gebracht worden sind mit Toten, und die Toten haben überall davon gezeugt, daß gar keine Rede davon ist, daß man hier wartet auf eine künftige Wiederverkörperung. So hat man gerade von da aus die Lehre von den wiederholten Erdenleben bekämpft. Man kann ungeheuer viel erreichen, wenn man die Sache als Kundgebungen der Toten an die Menschen herankommen läßt.

[ 43 ] There was, in fact, an attempt made at another location in America—to mention just one example—to eradicate the belief in reincarnation from people. What was done? At the time when what I have described had already come to pass—when spiritualism had been abandoned by serious occultists—I believe they Langsdorff—the man in question—organized all sorts of séances in various places, in which the mediums were always associated with the dead, and the dead testified everywhere that there was absolutely no question of waiting here for a future reincarnation. Thus, it was precisely from that standpoint that the doctrine of repeated earthly lives was combated. One can achieve an immense amount by presenting the matter as messages from the dead to the living.

[ 44 ] Weil ich in der letzten Zeit über diese Dinge gesprochen habe, und weil mir dies zunächst ein ganz besonders hervorragendes Beispiel zu sein scheint, habe ich es sehr rasch vor Ihnen wenigstens mit ein paar Gedanken besprechen wollen. Denn, was wird die Welt erfahren? Die Welt wird erfahren, daß ein großer Gelehrter sich zum Spiritismus bekannt hat, wird das Buch lesen und höchstwahrscheinlich — das zeigt schon diese Probe — finden, daß noch niemals der Spiritismus so gut begründet worden ist, wie gerade in diesem Buche. Und wahrscheinlich — wie gesagt, ich spreche heute diesen Anhang mit Reservatio aus, weil ich mir vorbehalte, darauf zurückzukommen, wenn ich das Buch selber gelesen habe —, wahrscheinlich wird eben nichts anderes vorliegen als der Versuch einer sogenannten Brüderschaft des linken Pfades, gerade auf diesem Wege ganz besondere Dinge zu erreichen. Es ist nicht gleich durchsichtig, aber es gibt ja namentlich zahlreiche Brüderschaften, welche auf diese Weise ihre Sonderzwecke erreichen wollen; und man erreicht mehr auf diese Weise, als man gewöhnlich glaubt. Doch auch von diesen Dingen werden wir ja noch weiter sprechen.

[ 44 ] Since I have been speaking about these matters recently, and because this seems to me, at first glance, to be a particularly outstanding example, I wanted to discuss it with you very briefly, at least sharing a few thoughts. For what will the world learn? The world will learn that a great scholar has professed his belief in spiritualism; it will read the book and, in all likelihood—as this excerpt already shows—find that spiritualism has never been so well substantiated as it is in this very book. And probably—as I said, I am presenting this appendix today with reservations, because I reserve the right to return to it once I have read the book myself—probably there will be nothing more to it than an attempt by a so-called brotherhood of the left-hand path to achieve very specific goals precisely in this way. It is not immediately obvious, but there are, in fact, numerous brotherhoods that seek to achieve their specific goals in this way; and one can accomplish more in this manner than is generally believed. But we will, of course, discuss these matters further.