The Karma of a Person's Profession
in Relation to Goethe's Life
GA 172
26 November 1916, Dornach
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The Karma of a Person's Profession in Relation to Goethe's Life, tr. SOL
Neunter Vortrag
Ninth Lecture
[ 1 ] Einer der Vorwürfe, welcher unserer Geisteswissenschaft von seiten mancher Theologen und solcher gemacht wird, welche glauben, auf dem Boden des Christentums zu stehen, aber es nicht richtig verstehen, ist, daß durch diese unsere Geisteswissenschaft Wahrheiten über eine größere Anzahl von Hierarchien geltend gemacht werden, von Hierarchien, welche Wesenheiten umfassen, die über dem Menschen stehen und die in der geistigen Welt vorhanden sind. Wir sprechen ja, wie Sie wissen, von geistigen Hierarchien, welche umfassen die Angeloi, Archangeloi, Archai, Exusiai und so weiter; geradeso sprechen wir von diesen Reichen der höheren, übersinnlichen Welten, wie wir von dem Tierreich, dem Pflanzenreich, dem mineralischen Reich, dem Elementarreich und so weiter, innerhalb der irdischen Welt sprechen. Wir sind uns auch klar darüber, daß des Menschen Leben in zwei Abschnitte zerfällt. Der eine verfließt zwischen der Geburt und dem Tod. Während dieses Lebens oder durch dieses Leben steigt der Mensch aus der übersinnlichen Welt herunter zu den Reichen, die dann in seiner physischen Umgebung sind: Menschenreich, Tierreich, Pflanzenreich, Mineralreich und so weiter. Wenn der Mensch durch die Todespforte geht, so beginnt nun der andere Abschnitt seines Lebens. Er steigt hinauf zu den höheren Reichen, zu den Reichen, die ebenso von unten nach oben getürmt sind, wie die anderen Reiche von oben nach unten, er steigt hinauf in die Reiche der Angeloi, Archangeloi, Archai und so weiter. Derjenige, der heute glaubt, aber eben nicht versteht, auf dem Boden des Christentums zu stehen, der ficht ganz besonders diese Anschauung von den Wesenheiten an, welche hineingestellt sind zwischen den Menschen und der eigentlichen, weit, weit über den Menschen, auch weit über den Engeln, Erzengeln und so weiter liegenden Gottheit, welche hineingestellt werden in diesen übersinnlichen Raum. Insbesondere wird derjenige, der da glaubt, besonders fortgeschritten zu sein in seiner christlichen Anschauung, leicht davon sprechen, daß diese Erkenntnis von den geistigen Hierarchien und ihren Wesenheiten ein Rückfall sei in einen alten Polytheismus, oder, wie man sagt, in eine Art Heidentum. Denn, so sagt man, es sei gerade das die Aufgabe des heutigen Menschen, zwischen sich und die Gottheit nichts zu setzen, sondern in der Welt zu leben, die Augen zu richten auf dasjenige, was sich sinnlich darbietet, und dann den Weg unmittelbar zu der Gottheit zu finden, ohne eine Vermittelung durch Engel, Erzengel und so weiter. Und das glaubt mancher als das besonders Erhabene, so ohne Vermittelung, wie er sagt, seinem eigenen Gotte gegenüberzustehen.
[ 1 ] One of the criticisms leveled at our spiritual science by certain theologians and by those who believe they stand on Christian ground but do not truly understand it is that our spiritual science asserts truths about a greater number of hierarchies—hierarchies that comprise beings who stand above human beings and who exist in the spiritual world. As you know, we speak of spiritual hierarchies that include the Angeloi, Archangeloi, Archai, Exusiai, and so on; just as we speak of these realms of the higher, supersensible worlds, so do we speak of the animal kingdom, the plant kingdom, the mineral kingdom, the elemental kingdom, and so on, within the earthly world. We are also aware that human life is divided into two phases. One phase extends from birth to death. During this life—or through this life—the human being descends from the supersensible world into the realms that then constitute his physical environment: the human kingdom, the animal kingdom, the plant kingdom, the mineral kingdom, and so on. When a human being passes through the gate of death, the other phase of their life begins. They ascend to the higher realms—realms that are structured from the bottom up, just as the other realms are structured from the top down—ascending into the realms of the Angeloi, Archangeloi, Archai, and so on. Those who today believe, yet do not understand, that they stand on the ground of Christianity, particularly challenge this view of the beings who are placed between human beings and the actual Deity—which lies far, far above human beings, and also far above the angels, archangels, and so on—and who are situated within this supersensible realm. In particular, those who believe themselves to be especially advanced in their Christian outlook will readily claim that this knowledge of the spiritual hierarchies and their beings is a relapse into an ancient polytheism, or, as they say, into a kind of paganism. For, so it is said, it is precisely the task of modern man not to place anything between himself and the Deity, but to live in the world, to direct his eyes toward what presents itself to the senses, and then to find the path directly to the Deity, without mediation by angels, archangels, and so on. And some believe this to be particularly sublime—to stand, as they say, before their own God without any mediation.
[ 2 ] Man kann diesen Einwand heute von vielen Seiten gegen die Geisteswissenschaft gerichtet hören. Dieser Einwand bezeugt, wie gerade in solchen Kreisen, wo er gemacht wird, ganz und gar keine Erkenntnis davon vorhanden ist, welches die geistigen Bedürfnisse unserer Zeit gerade sind. Denn es hängt wahrhaftig nicht davon ab, ob der Mensch sich einbildet, er könne den Weg finden von sich zu seinem Gotte, sondern ob er das wirklich kann. Es kommt wirklich nicht darauf an, ob der Mensch sich einbildet, er stelle sich seinen Gott vor, sondern es kommt darauf an, ob er ihn wirklich vorstellt. Und von unserem Gesichtspunkte müssen wir fragen: Was stellen sich denn eigentlich diejenigen vor, welche sich ihren Gott vorstellen, indem sie sagen: Wir wollen keine Vermittelung durch andere Geister haben, sondern unmittelbar von unserer Seele zu unserem Gotte aufsteigen, — was stellen sich solche Menschen vor? Stellen sie sich wirklich, wenn sie von Gott denken oder sprechen, Gott vor? Stellen sie dasjenige vor, was unter dem Gott gemeint sein muß, wenn der Mensch berechtigterweise von seinem Gotte spricht?
[ 2 ] Today, one hears this objection raised against spiritual science from many quarters. This objection testifies to the fact that, precisely in those circles where it is raised, there is absolutely no understanding of what the spiritual needs of our time actually are. For it truly does not depend on whether a person imagines that he can find the path from himself to his God, but on whether he can actually do so. It really does not matter whether a person imagines that he is visualizing his God; what matters is whether he actually visualizes Him. And from our point of view, we must ask: What, in fact, do those people visualize when they say they are visualizing their God: “We do not want mediation through other spirits, but rather to ascend directly from our soul to our God”—what do such people actually imagine? When they think or speak of God, do they truly imagine God? Do they imagine that which must be meant by “God” when a person rightly speaks of his God?
[ 3 ] Das stellen sie nicht vor, sondern sie stellen etwas ganz anderes vor. Wenn man für die Vorstellung all die Begriffe durchgeht, welche sich solche Menschen von ihrem Gotte machen — was ist denn in solchen Begriffen ausgeführt? Nichts anderes als das Wesen eines Engels, eines Angelos, und all diejenigen Menschen, welche davon sprechen, daß sie unmittelbar von ihrer Seele zu Gott aufschauen, schauen nur zu einem Engel auf. Und suchen Sie sich alle Beschreibungen — wenn sie noch so erhaben klingen — solcher Menschen auf, so werden Sie finden: sie beschreiben nichts anderes als einen Engel, und dasjenige, was diese Menschen sagen, ist nichts anderes als die Forderung, man solle sich unter Gott nichts Höheres vorstellen als einen Engel. Das zum Beispiel, was man heute den modernen protestantischen Gott nennt und über den gerade von protestantischer Seite so viel geredet wird, ist ein Angelos, ist nichts anderes. Denn nicht darauf kommt es an, ob man sich einbildet, man finde den Weg zu dem höchsten Gotte, sondern darauf kommt es an, wozu man wirklich den Weg findet. Und man findet auf diese Weise nur den Weg zu seinem Angelos. Ich sage: zu seinem Angelos, denn das ist wichtig. Wenn wir nämlich nur zunächst ins Auge fassen die Wesenheiten der niedrigsten Hierarchien: Archai — Geister der Persönlichkeit, wie wir sie auch genannt haben —, Archangeloi, Erzengel, Angeloi, Engel, so kommt dann der Mensch, dann kommt das Tierreich, dann das Pflanzenreich, dann das Mineralreich.
[ 3 ] That is not what they imagine; rather, they imagine something entirely different. If you go through all the concepts that such people form of their God—what is actually described in those concepts? Nothing other than the nature of an angel, an angelos, and all those people who speak of looking up directly from their soul to God are looking up only at an angel. And if you look up all the descriptions—no matter how exalted they may sound—given by such people, you will find that they describe nothing other than an angel, and what these people are saying is nothing other than the claim that one should not conceive of anything higher than an angel when thinking of God. For example, what is today called the modern Protestant God—and about whom so much is spoken, especially from the Protestant side—is an Angelos; it is nothing else. For what matters is not whether one imagines one is finding the path to the highest God, but rather what one actually finds the path to. And in this way, one finds only the path to one’s Angelos. I say: to one’s Angelos, for that is important. For if we consider, to begin with, the beings of the lowest hierarchies—Archai (spirits of personality, as we have also called them), Archangeloi (archangels), Angeloi (angels)—then comes the human being, then the animal kingdom, then the plant kingdom, then the mineral kingdom.
Archai = Geister der Persönlichkeit
Archangeloi = Erzengel
Angeloi = Engel
Mensch
Tier
Pflanze
Mineral
Archai = Spirits of Personality
Archangeloi = Archangels
Angeloi = Angels
Human
Animal
Plant
Mineral
[ 4 ] Wenn wir diese relativ niedersten Wesen ins Auge fassen, so brauchen wir uns ja nur an manches zu erinnern, das wir schon früher auseinandergesetzt haben, um zu wissen, daß die Archai, die Geister der Persönlichkeit, auch Zeitgeister sind. Sie sind die regierenden Mächte für die ganze Zeitperiode, dasjenige, was als Geist in der ganzen Zeitperiode lebt. Wir leben heute in einem anderen geistigen Zusammenhange als die alten Griechen oder die alten Römer, weil wir von einem anderen Zeitgeiste regiert werden. Ein solcher Zeitgeist ist schon eine sehr erhabene Wesenheit. Dann wiederum haben wir diejenigen Wesen, die wir Archangeloi nennen. Sie sind dazu berufen, die Harmonie herzustellen unter den Menschen auf Erden. Daher sind sie auch die Lenker und Leiter der Volksstämme in gewisser Beziehung. Die Angeloi, die unmittelbar über dem Menschen stehenden Wesenheiten, sie führen den Menschen durch die Pforte des Todes hindurch, so daß er gewissermaßen seinen Angelos an seiner Seite hat, vom Tod zu neuer Geburt, und sie führen ihn wiederum ins neue Leben ein. Die Angeloi sind dazu berufen, die einzelne menschliche Individualität hindurchzuführen durch die wiederholten Erdenleben.
[ 4 ] When we consider these relatively lowly beings, we need only recall some of what we have discussed earlier to realize that the Archai, the spirits of personality, are also spirits of the age. They are the ruling powers for the entire period of time—that which lives as a spirit throughout the entire period. We live today in a different spiritual context than the ancient Greeks or the ancient Romans, because we are governed by a different spirit of the age. Such a spirit of the age is indeed a very exalted being. Then, in turn, we have those beings whom we call Archangeloi. They are called upon to establish harmony among human beings on earth. Therefore, they are also, in a certain sense, the guides and leaders of the tribes. The Angeloi—the beings who stand immediately above humankind—guide people through the gate of death, so that, in a sense, they have their Angelos at their side, from death to new birth, and they in turn introduce them into the new life. The Angeloi are called upon to guide the individual human soul through its repeated earthly lives.
[ 5 ] Dann kommen wir herunter bis zum Menschen selber. Der Mensch, so wie er heute auf der Erde ist, erinnert sich nur an sein Erdenleben hier im physischen Leib. Das Gedächtnis der Engel geht viel weiter, denn nur dadurch, daß es viel weiter geht, können sie die wiederholten Erdenleben der Menschen lenken und leiten. Nicht einmal richtig aber stellt sich der moderne Theologe den Engel vor, weil der moderne Theologe schon diese Eigenschaft wegläßt von dem Engel, daß er die menschliche Individualität durch die wiederholten Erdenleben durchleitet. Wenn wir ins Auge fassen, daß wir, indem wir den Erzengeln gegenüberstehen, es erst bei den Erzengeln zu tun haben mit Wesenheiten, die menschliche Zusammenhänge regieren, und bei den Zeitgeistern mit Wesenheiten, die menschliche Zusammenhänge über lange Zeiträume hindurch regieren, daß wir es bei den Engeln zu tun haben mit Wesenheiten, die wesentlich das Leben des einzelnen Menschen regieren, dann werden wir nicht verkennen, wenn wir das im Auge behalten, daß es ein verborgener Egoismus ist von den Menschen, unmittelbar zu dem Gotte sich erheben zu wollen, denn sie wollen sich in Wahrheit — obwohl sie das nicht zugeben — nur zu ihrem Gotte, zu ihrem eigenen Engel erheben.
[ 5 ] Then we come down to human beings themselves. Human beings, as they are on Earth today, remember only their earthly lives here in the physical body. The memory of the angels extends much further, for it is only because it extends so far that they can guide and direct the repeated earthly lives of human beings. But even the modern theologian does not conceive of the angel correctly, because the modern theologian already omits this very characteristic of the angel: that it guides human individuality through repeated earthly lives. If we consider that, when we face the archangels, it is only with the archangels that we are dealing with beings who govern human relationships, and with the spirits of the ages, with beings who govern human relationships over long periods of time; and that with the angels we are dealing with beings who essentially govern the life of the individual human being, then, if we keep this in mind, we will not fail to recognize that it is a hidden form of selfishness on the part of human beings to want to rise directly to God, for in truth—although they do not admit it—they wish only to rise to their God, to their own angel.
[ 6 ] Das hat eine große praktische Bedeutung, das ist von einer großen Wichtigkeit, denn es trägt einen gewissen Keim in sich. Es trägt den Keim in sich, daß die Menschen von dem einen Gotte sprechen, aber daß es nur eine Phantasterei ist, daß sie von dem einen Gotte sprechen. Denn in Wahrheit, indem die Menschen sich dieser Phantasterei hingeben, spricht jeder von seinem eigenen Gotte, nämlich von seinem Engel. Und die Folge davon muß sein, daß im Laufe der Zeit jeder Mensch seinen eigenen Gott, nämlich seinen eigenen Engel verehrt. Und wir sehen schon, wie stark der Drang der Menschen ist, daß jeder seinen eigenen Gott verehrt. Das Zusammenfinden der Menschen in denjenigen Göttern, die allen gemeinsam sind, ist ein sehr geringes geworden in der neueren Zeit. Das Pochen eines jeden auf seinen eigenen Gott hat sich als etwas ganz besonders Hervorstechendes herausgestellt. Das Menschengeschlecht wird atomisiert. Es bleibt gewissermaßen nur das Wort «Gott» noch übrig, das für die Menschen einer Sprache gemeinsam lautet, aber unter diesem einen Worte stellt sich jeder etwas anderes vor, nämlich seinen eigenen Engel. Und er kommt nicht einmal hinauf bis zu dem Erzengel, welcher menschliche Gemeinschaften leitet.
[ 6 ] This has great practical significance; it is of great importance, for it contains a certain seed within it. It contains the seed that people speak of the one God, but that their speaking of the one God is merely a fantasy. For in truth, as people indulge in this fantasy, each speaks of his own God—namely, his own angel. And the consequence of this must be that, over time, every person worships his own God—namely, his own angel. And we can already see how strong the human urge is for everyone to worship their own God. The unification of people around those gods that are common to all has become very rare in recent times. Each person’s insistence on their own God has emerged as something particularly striking. The human race is becoming atomized. In a sense, only the word “God” remains—a word that is the same for people of a single language—but under this one word, everyone imagines something different: namely, their own angel. And they do not even rise to the level of the archangel who guides human communities.
[ 7 ] Dem liegt ein gewisser verborgener Egoismus zugrunde, den die Menschen nicht zugeben wollen. Aber es ist etwas Gewichtiges gesagt, wenn wir uns dies vor Augen halten, denn der Mensch lebt eigentlich in einer Unwahrheit, wenn er sich nicht gesteht: ich blicke auf zu meinem Engel — sondern wenn er sich sagt: ich blicke auf zu dem alleinheitlichen Gotte. — Er lebt in einer nebulosen Vorstellung, das heißt, in einer innerlichen Täuschung, in einer innerlichen Maja. Und dies hat wichtige Folgen, denn indem sich der Mensch also dieser innerlichen Täuschung hingibt, tritt etwas ganz Bestimmtes ein. Denn dadurch, daß wir uns phantastischen Vorstellungen hingeben, ändern wir nicht die geistigen Wirklichkeiten, die infolge desjenigen, was wir richtig oder unrichtig vorstellen, wirklich auch eintreffen. Indem der Mensch eigentlich nur zu seinem Engel aufblickt, das sich aber nicht gesteht, sondern glaubt, er blicke zu dem Gotte auf — während er nicht einmal zu einem Erzengel aufblickt —, betäubt er durch diese unwahre Vorstellung in einem gewissen Sinne seine Seele. Und diese Betäubung der Seele ist ja heute allgemein vorhanden. Aber wenn man die Seele betäubt, dann ist das für unsere heutige Menschheitsentwickelung außerordentlich verhängnisvoll. Denn durch die Betäubung der Seele wird das Ich heruntergedrückt, heruntergetrübt, und dann schleichen sich die anderen Mächte, die nicht in der Seele wirken sollen, in diese Seele ein. Das heißt, es schleicht sich an die Stelle des Engels, den man zunächst verehren wollte, den man aber umtauft zu «Gott», der luziferische Angelos ein, und man kommt allmählich dazu, nicht den Engel zu verehren, sondern den luziferischen Angelos. Dann aber ist die schiefe Ebene, die den Menschen hinunterführt, sehr nahe; dann ist es sehr nahe, daß er den Gott überhaupt verleugnet, das heißt, seinen Engel verleugnet — was immer zusammenhängt mit der Verleugnung des wahren menschlichen Ich, wie ich Ihnen gezeigt habe an dem Buche «Matérialisme et Spiritualisme» von Leblais, wo behauptet wird, daß die Katze ebenso ein Ich hat wie ein Mensch, und wo von dem «grand-prêtre du chien» gesprochen wird.
[ 7 ] This is rooted in a certain hidden selfishness that people are unwilling to admit. But it is a weighty statement when we keep this in mind, for a person actually lives in a state of untruth when they do not admit to themselves: “I look up to my angel”—but instead tell themselves: “I look up to the one and only God.”—They live in a nebulous conception, that is, in an inner delusion, in an inner Maya. And this has important consequences, for when a person thus surrenders to this inner delusion, something very specific occurs. For by indulging in fanciful notions, we do not alter the spiritual realities, which—as a result of what we imagine, whether correctly or incorrectly—actually do come to pass. By looking up, in fact, only to his angel—but not admitting this to himself, instead believing he is looking up to God—while he is not even looking up to an archangel—he numbs his soul, in a certain sense, through this false notion. And this numbing of the soul is, after all, widespread today. But when the soul is numbed, this is extraordinarily disastrous for the development of humanity today. For through the numbing of the soul, the “I” is suppressed and clouded, and then the other forces—which are not meant to act within the soul—creep into it. That is to say, the Luciferic Angelos creeps in to take the place of the angel whom one initially wished to worship, but whom one has renamed “God,” and one gradually comes to worship not the angel, but the Luciferic Angelos. Then, however, the slippery slope that leads a person downward is very close at hand; then it is very close at hand that one will deny God altogether—that is, deny one’s angel—which is always connected with the denial of the true human “I,” as I have shown you in Leblais’s book Matérialisme et Spiritualisme, where it is claimed that a cat has an “I” just as a human does, and where there is mention of the “grand-prêtre du chien.”
[ 8 ] So müssen wir durchaus einsehen, daß in vieler Beziehung die Antwort[, die] gegeben werden muß auf die Frage «Wer hat Schuld an dem Materialismus unserer Zeit?» — [lautet:] Die Religionen haben Schuld, die religiösen Bekenntnisse, indem sie das Bewußtsein der Menschen trüben und an die Stelle Gottes einen Engel setzen, für den sich dann substituiert der luziferische Engel, der ihm entspricht. Und dieser luziferische Engel wird den Menschen alsbald in den Materialismus hineinführen. Das ist der geheimnisvolle Zusammenhang zwischen den hochmütigen, egoistischen Religionsbekenntnissen, welche nichts hören wollen von dem, was über einem Engel steht, sondern in maßlosem Hochmut sagen, daß sie von «Gott» sprechen, während sie nur von einem Engel sprechen, und von dem noch nicht einmal vollständig. Dieser maßlose Hochmut, der noch oftmals als Demut angesprochen wird, er ist es, welcher letzten Endes den Materialismus hat hervorbringen müssen. Wenn wir dies bedenken, dann sehen wir einen bedeutungsvollen Zusammenhang: Durch die fälschliche Umdeutung eines Engels zu Gott entsteht in der Menschenseele der Hang zum Materialismus. Und es liegt ein unbewußter Egoismus zugrunde, der sich darinnen äußert, daß der Mensch es verschmäht, aufzusteigen zu der Erkenntnis der geistigen Welt, der sich auch darinnen äußert, daß der Mensch sozusagen nur aus sich heraus den Zusammenhang mit seinem Gotte unmittelbar zu finden meint. Sie sehen in vieles hinein, was in der Gegenwart spielt, wenn Sie dies ins Auge fassen, was ich Ihnen hiermit angedeutet habe. Es gibt nur ein einziges Mittel gegen dieMißdeutung Gottes, und das ist die Anerkenntnis der geistigen Hierarchien. Denn dann weiß man auch, daß die gegenwärtigen Religionsbekenntnisse nicht höher hinaufsteigen als bis zu der Hierarchie der Angeloi.
[ 8 ] Thus, we must certainly recognize that in many respects, the answer that must be given to the question “Who is to blame for the materialism of our time?” — [is:] The religions are to blame, the religious creeds, in that they cloud people’s consciousness and replace God with an angel, who is then supplanted by the Luciferic angel, who corresponds to him. And this Luciferic angel will soon lead people into materialism. This is the mysterious connection between the arrogant, egotistical religious creeds, which refuse to hear anything about what stands above an angel, but in boundless arrogance claim to speak of “God,” while in fact they speak only of an angel—and not even of him in his entirety. It is this boundless arrogance—which is often mistakenly referred to as humility—that has ultimately given rise to materialism. When we consider this, we see a significant connection: through the erroneous reinterpretation of an angel as God, a tendency toward materialism arises in the human soul. And underlying this is an unconscious selfishness, which manifests itself in the fact that human beings spurn the ascent to knowledge of the spiritual world, and which also manifests itself in the fact that human beings believe, so to speak, that they can find a direct connection with their God solely from within themselves. If you consider what I have indicated here, you will gain insight into much of what is happening in the present. There is only one remedy for the misinterpretation of God, and that is the recognition of the spiritual hierarchies. For then one also knows that present-day religious creeds do not rise higher than to the hierarchy of the Angeloi.
[ 9 ] Wenn wir dieses betrachten, dann stehen wir mehr oder weniger in dem, was der Mensch entwickelt als sein Bewußtseinsleben; aber vieles lebt im Menschen auch unbewußt, oder unklar bewußt. Und wir könnten uns jetzt sagen: Der Zusammenhang des Menschen mit seinem Engel ist ja ein realer, aber auch der Zusammenhang eines Menschen mit der Erzengel-Hierarchie, mit der Archai-Hierarchie ist ein realer. — Die Mißdeutung des Engels, die mehr oder weniger bewußt vollzogen wird, führt auch mehr oder weniger bewußt zur Weltanschauung des Materialismus; nicht bei dem einzelnen Menschen, aber sie führt so im Zeitalter allmählich dahin. Da stehen wir eben durchaus noch sozusagen in dem, was sich bewußt in der Seele abspielt. Aber in dem Verhältnis des Menschen zu der Erzengel-Hierarchie, da stehen wir schon gar nicht mehr da, wovon der Mensch viel weiß; wovon er zwar zuweilen jetzt viel spricht, aber wovon er wenig weiß. Wir haben ja heute allerdings die Bekenntnisse, nicht zu der Hierarchie der Erzengel, aber sehr häufig zu einem Erzengel, nicht die deutlich ausgesprochenen Bekenntnisse, aber das Hinneigen, das gefühlsmäßige Hinneigen zu dem einen oder zu dem andern Erzengel. Im 19. Jahrhundert hat das ganz besonders stark Früchte getragen auf einem Gebiete wenigstens: in dem Heraufkommen der Nationalitätsideen, denen unbewußt zugrunde liegt das Übersehen des Zusammenwirkens der Erzengel und das Hinneigen nur immer zu einem Erzengel. Dem liegt etwas ähnlich Egoistisches, nur etwas Sozial-Egoistisches zugrunde, wie das Hinneigen zu dem einen Engel.
[ 9 ] When we consider this, we find ourselves more or less within what human beings develop as their life of consciousness; but much also lives within human beings unconsciously, or with only a vague sense of consciousness. And we might now say to ourselves: The connection between a human being and their angel is indeed a real one, but so too is the connection between a human being and the Archangel Hierarchy, and the Archai Hierarchy. — The misinterpretation of the angel, which takes place more or less consciously, also leads more or less consciously to a materialistic worldview; not in the individual human being, but it gradually leads in that direction over the course of an age. Here we are still, so to speak, firmly within what is consciously taking place in the soul. But when it comes to the human being’s relationship to the hierarchy of the archangels, we are no longer at all in a place where the human being knows much; a place where, although they sometimes speak a great deal about it now, they actually know very little. Today, of course, we do have a certain devotion—not to the hierarchy of the archangels, but very often to a particular archangel—not explicitly stated professions of faith, but a tendency, an emotional inclination toward one archangel or another. In the 19th century, this bore particularly strong fruit in at least one area: in the rise of nationalist ideas, which are unconsciously based on overlooking the interplay of the archangels and on an inclination always toward just one archangel. Underlying this is something similarly egoistic—only a form of social egoism—just as in the inclination toward a single angel.
[ 10 ] Nun könnte man ja auch schildern wollen, was sich hinzugesellt zu diesem Hinneigen, zu diesem sozial-egoistischen Hinneigen zum Erzengel in ähnlicher Weise, wie sich der Materialismus bewußt hinzugesellt zum Mißdeuten des Engels. Aber damit betritt man heute schon Glatteis, und das ist nicht gerade etwas, was in unserer Zeit möglich ist zu besprechen.
[ 10 ] Now, one might also wish to describe what joins this tendency—this socially egoistic tendency toward the archangel—in a similar way to how materialism consciously contributes to the misinterpretation of the angel. But to do so today is to tread on thin ice, and that is not exactly something that can be discussed in our time.
[ 11 ] Noch dunkler sind die Beziehungen des Menschen zu den Archai, zu den Zeitgeistern. Die liegen gewissermaßen schon sehr, sehr in den Untergründen. Zu den Engeln stehen die Menschen wenigstens, wenn sie es auch nicht zugeben, in einem gewissen Zusammenhange, denn indem sie sagen: Ich glaube an Gott, — geben sie es in der angedeuteten Weise fälschlich zu. Zu den Engeln wollen sich die Menschen wenigstens in ein Verhältnis setzen. Zu den Erzengeln stehen sie mit ihrem Fühlen und Empfinden, indem sie sich diesem oder jenem Zusammenhange durch ihr Blut oder dergleichen bekennen, in einem heute fälschlichen Zusammenhange. Das führt auf Abwege, die ich, wie gesagt, heute nicht schildern will, nicht schildern kann. Zu ähnlichen Abwegen kommt es mit Bezug auf die Zeitgeister. Aber auch da hängen die Menschen dem einen Zeitgeiste in der Regel an, der sich ihnen gerade als der Geist ihres Zeitalters repräsentiert. Bedenken Sie nur, wie wir versuchen durch die Geisteswissenschaft, diesen egoistischen, diesen zeitegoistischen Darstellungen entgegenzuwirken, indem wir die aufeinanderfolgenden Zeitperioden mit ihren Eigentümlichkeiten schildern und auf uns wirken lassen, um gewissermaßen unser Herz und unsere Seele auszudehnen über die ganze Erdenentwickelung, ja über die ganze kosmische Entwickelung, um dadurch wenigstens zunächst in den Gedanken eine Beziehung zu bekommen zu den verschiedenen Zeitgeistern. Aber das wollen die Menschen ja heute nicht. Und man müßte vieles schildern von demjenigen, was gestern angedeutet worden ist, wenn man die Abwege schildern würde, auf welche die Menschen durch diesen Egoismus zum Zeitgeiste kommen. Aus einem Dichterwerke habe ich Ihnen ein trübes Bild der unmittelbaren Gegenwart vorführen können, das ganz vortrefflich geschildert ist. Solche Abwege, wie sie da geschildert werden, hängen mit diesem fälschlichen Verhältnis zum Zeitgeiste zusammen. Aber da kommen wir schon, indem wir zu den Abwegen gegenüber dem Zeitgeistekommen, in sehr bedeutsame Gebiete hinein. Wenn der Mensch von seinem Engel, indem er ihn zu «Gott» umtauft, zu dem luziferischen Engel kommt, so ist das eine Verirrung des Glaubens, des Bekenntnisses, der Weltanschauung, eine Verirrung, die gewissermaßen individuell ist. Das Nächste kann eine Verirrung ganzer Völker sein; aber es bleibt immer eine Verirrung gewissermaßen unter den Menschen, und die Folgen, die auftreten, sind eben die Folgen der Verirrungen unter den Menschen. Aber wenn wir zum Zeitgeiste vordringen und dem gegenüber uns verirren, da stoßen wir schon mit unseren Verirrungen an den Kosmos. Und es gibt einen geheimnisvollen Zusammenhang zwischen den Verirrungen gegenüber dem Zeitgeiste und den Anfängen von dem, was der Mensch kosmisch gewissermaßen auf sich lädt. Diesen Zusammenhang sieht man nicht, wenn man überhaupt jeden Aufblick über den Angelos hinauf ablehnt. Dasjenige, was ich jetzt sage, möge jeder so nehmen, wie er es eben nehmen kann. Es wird aus der Geisteswissenschaft heraus gesagt aus tiefgehenden Untersuchungen, aber ich müßte monatelang reden, wenn ich diese Untersuchungen alle in ihren Einzelheiten anführen wollte.
[ 11 ] Even more obscure are human beings’ relationships to the Archai, the spirits of the ages. In a sense, these lie very, very deep underground. As for the angels, human beings—even if they do not admit it—are at least connected to them in a certain way, for when they say: ‘I believe in God,’ they are, in the manner implied, falsely acknowledging this connection. People at least wish to establish a relationship with the angels. With regard to the archangels, they stand in a connection—which is false today—through their feelings and sensibilities, by professing this or that connection through their blood or the like. This leads to errors which, as I said, I do not wish to describe today—nor can I. Similar errors arise in relation to the spirits of the age. But here, too, people generally cling to the spirit of the age that presents itself to them as the very spirit of their time. Just consider how we try, through spiritual science, to counteract these egoistic, these time-egoistic representations by describing the successive periods of time with their distinctive characteristics and allowing them to take effect upon us, so that, as it were, we may expand our hearts and souls to encompass the entire development of the Earth—indeed, the entire cosmic development—and thereby, at least initially in thought, establish a connection to the various spirits of the age. But that is precisely what people do not want today. And one would have to describe much of what was hinted at yesterday if one were to describe the wrong paths by which people, through this egoism, arrive at the spirit of the age. From a poet’s work, I was able to present to you a bleak picture of the immediate present, which is described quite excellently. Such deviations, as they are depicted there, are connected to this false relationship to the spirit of the age. But here, as we turn to the aberrations in relation to the spirit of the age, we are already entering very significant realms. When a person, by renaming his angel “God,” turns to the Luciferic angel, this is a deviation of faith, of creed, of worldview—a deviation that is, in a sense, individual. The next stage may be a deviation affecting entire peoples; but it always remains, in a sense, a deviation among human beings, and the consequences that arise are precisely the consequences of these deviations among human beings. But when we advance toward the spirit of the age and stray from it, our deviations already come into conflict with the cosmos. And there is a mysterious connection between these deviations from the spirit of the age and the beginnings of what human beings, in a cosmic sense, take upon themselves. One cannot see this connection if one refuses to look up beyond the Angelos at all. Let everyone take what I am saying now as best they can. It is spoken from the perspective of spiritual science, based on in-depth research, but I would have to speak for months if I were to cite all these investigations in detail.
[ 12 ] Die Verirrungen, die der Mensch dem Zeitgeiste gegenüber begeht, stoßen an die kosmischen Ereignisse, und die kosmischen Ereignisse stoßen zurück. Und die Folge davon, daß ins Menschenleben nun kosmische Ereignisse hereingetragen werden, die Anfänge zunächst von kosmischen Ereignissen, ist Dekadenz, die bis zur Dekadenz des physischen Leibes greift, mit anderen Worten: Krankheiten und Sterblichkeit und alles, was damit zusammenhängt. Und es wird sich vielleicht einmal die Menschheit in gar nicht ferner Zeit überzeugen, daß sie allerdings durch manches, was sie auf dem physischen Plane verrichtet, wenn dieses geeignet ist bis zum Zeitgeist hinauf vorzustoßen, hereinbeschwört in die Erdenentwickelung zerstörende Kräfte, die in ihren Wirkungen bis zu Krankheit und Tod gehen. Wenn Sie sich dann fragen, ob nach den Einsichten, die Sie gewonnen haben, vielleicht manches, was gerade in der neuesten Zeit geschieht, eine Verirrung gegenüber dem Zeitgeiste sein kann, so werden Sie sich selbst die Antwort geben können über tiefgehende Zusammenhänge, die bis in Krankheit und Tod hineingehen, durch die dann ein Ausgleich herbeigeführt werden wird gegenüber mancherlei, was der Mensch an Sünden begeht gegenüber dem Zeitgeiste.
[ 12 ] The errors that human beings commit in relation to the spirit of the age clash with cosmic events, and the cosmic events strike back. And the consequence of cosmic events—or, initially, the beginnings of cosmic events—now being introduced into human life is decadence, which extends even to the physical body; in other words: illness, mortality, and everything associated with them. And perhaps, in the not-too-distant future, humanity will come to realize that, through many of the actions it carries out on the physical plane—if these are capable of penetrating as far as the spirit of the age—it invokes destructive forces into the Earth’s evolution, forces whose effects extend all the way to illness and death. If you then ask yourself, in light of the insights you have gained, perhaps some of what is happening especially in recent times might be a deviation from the spirit of the age, you will be able to answer for yourselves regarding profound connections that extend into illness and death, through which a balance will then be brought about in relation to the various sins that humanity commits against the spirit of the age.
[ 13 ] Man kann sehr gut wissen, daß die sehr gescheiten Menschen von heute selbstverständlich nur lachen, wenn man so etwas sagt, wie ich es eben vorgebracht habe. Denn sie wissen aus ihrer naturwissenschaftlichen Weltanschauung heraus, daß es doch, wie sie sagen, ein Unsinn ist zu glauben, das, was ein Mensch tut, was Menschen in ihren Zusammenhängen tun, könnte elementare Ereignisse herbeiführen. Aber die Zeit ist nicht fern, wo die Menschen dies glauben werden, aus dem einfachen Grunde, weil sie es dann sehen werden.
[ 13 ] It’s quite clear that today’s highly intelligent people will, of course, simply laugh when someone says something like what I just mentioned. For they know, based on their scientific worldview, that it is—as they say—nonsense to believe that what a person does, or what people do in their various contexts, could bring about fundamental events. But the time is not far off when people will believe this, for the simple reason that they will then see it.
[ 14 ] Es fehlt unserer Gegenwart zu einer wirklichen Weltanschauung, welche geeignet ist, das Menschenleben zu tragen, der Ernst. Daher ist es eine der ersten Anforderungen an denjenigen, der sich in die Geisteswissenschaft hereinfindet, diesen Ernst der Weltanschauung zu entwickeln und sich wirklich ein wenig zu vertiefen in den Gang der menschlichen Entwickelung. Wir haben es oftmals betont, daß die Erdenentwickelung eigentlich erst Sinn hat durch das Mysterium von Golgatha, und wir haben bis jetzt auch schon mancherlei angeführt, was das Mysterium von Golgatha in einem bedeutungsvollen Lichte zeigt. Aber man muß immer genauer und genauer charakterisieren, wenn man die ganze Bedeutung dieses Mysteriums von Golgatha einsehen will. Es kann heute ein Mensch fragen: Ja, wie kommt denn eigentlich die Menschenseele zu dem Christus? — Und man kann sagen, da Christus selbstverständlich ein höheres Wesen ist als alle Archai, daß der Weg zu Christus gefunden werden muß. Denn auf demjenigen Wege, den die gewöhnlichen Religionsbekenntnisse heute gehen, wird nicht der Christus gefunden, sondern höchstens ein Angelos, wie wir gesehen haben. Im Namen der verschiedenen Angeloi, auch sogar noch mancher Archangeloi, wenn sich statt der fortschreitenden die luziferischen an ihre Stelle gesetzt haben, kann man sich so verhalten, wie sich die Menschen heute verhalten, aber im Namen des Christus kann man das nicht. Denn es ist eine absolute Unmöglichkeit, eine tatsächliche Unmöglichkeit, daß zwei Menschen, die sich feindlich gegenüberstehen, jeder sich zu dem Christus bekenne. Ich meine: Dies einzusehen, ist keine Schwierigkeit, denn es ist sozusagen eine Selbstverständlichkeit. Man kann es unter der Voraussetzung, daß man den Namen spricht: «Christus, Christus» oder «Herr, Herr» — was ja der Christus selbst schon angedeutet hat —, daß man aber nur seinen eigenen Engel meint; aber man kann es nicht, wenn man wirklich von dem Christus spricht. Es kann also die Frage entstehen: Ja, wie kommt denn die Seele überhaupt zu einem Wege zu Christus? — Um über diese Frage sich zu unterrichten, kann man verschiedene Wege einschlagen. Wir wollen heute einen Weg einschlagen, der sich uns auf naturgemäße Weise aus mancherlei Betrachtungen ergibt.
[ 14 ] What is lacking in our present age is a genuine worldview capable of sustaining human life—a sense of seriousness. Therefore, one of the first requirements for anyone entering the field of spiritual science is to develop this seriousness of worldview and to truly delve a little deeper into the course of human evolution. We have often emphasized that Earth’s evolution only truly makes sense through the Mystery of Golgotha, and we have already cited various examples that shed meaningful light on the Mystery of Golgotha. But one must characterize it with ever greater precision if one wishes to grasp the full significance of this Mystery of Golgotha. A person today might ask: “Yes, but how does the human soul actually come to Christ?” — And one can say that, since Christ is of course a higher being than all the Archai, the path to Christ must be found. For on the path followed by ordinary religious denominations today, Christ is not found, but at most an Angelos, as we have seen. In the name of the various angels, and even of some archangels—if the Luciferic ones have taken the place of the progressive ones—one can behave as people do today, but one cannot do so in the name of Christ. For it is an absolute impossibility, a factual impossibility, that two people who are hostile toward one another could each profess faith in Christ. I mean: It is not difficult to see this, for it is, so to speak, self-evident. One can do so on the condition that when one speaks the name “Christ, Christ” or “Lord, Lord”—as Christ himself has already indicated—one means only one’s own angel; but one cannot do so when one is truly speaking of Christ. So the question may arise: How, then, does the soul find a path to Christ at all? — To gain insight into this question, one can take various approaches. Today we will take a path that arises naturally from various considerations.
[ 15 ] Die Menschen wissen heute ja recht wenig von der Vergangenheit. Vor allen Dingen wissen die Menschen nicht, warum gewisse Dinge überliefert sind. Sie wissen allenfalls noch, daß sie überliefert sind, aber warum sie überliefert sind, das wissen die Menschen heute kaum. Überliefert zum Beispiel — und das kann man ja heute in allen möglichen exoterischen Büchern, namentlich auch in freimaurerischen Büchern lesen —, überliefert ist, daß es Mysterien gegeben hat in alten Zeiten, daß die Mysterien sozusagen eine geheime Einrichtung waren, und daß es in den Mysterien, es hängt das schon mit dem Worte zusammen, Geheimnisse gegeben hat, die wirklich auch im äußeren Sinne Geheimnisse waren. Das heißt: Demjenigen, der den Zugang gefunden hatte zu den Mysterien, dem wurden gewisse Dinge überliefert, welche er verpflichtet war, nur denjenigen Menschen mitzuteilen, welche wiederum mit ihm gemeinschaftlich in diesen Mysterien waren, und es war in diesen alten Zeiten eine strenge Regel, diese Mysterienmitteilungen nicht zu verraten. Diese Regel ist so ausgesprochen, daß es zum Sträflichsten gehört, sagte man, wenn jemand ein Mysteriengeheimnis ausspricht vor einem uneingeweihten Ohr; aber ebenso gehört es zum Sträflichsten, wenn ein Unberufener sich ein Mysteriengeheimnis anhört. Und diese Anschauung, die man gepflogen hatte in den Mysterien, wurde, als die Mysterien im alten Sinne da waren, in strengstem Sinne gehandhabt. Warum war denn das? Warum geschah dieses so?
[ 15 ] People today know very little about the past. Above all, people do not know why certain things have been handed down. At best, they know that they have been handed down, but why they have been handed down—that is something people today hardly know. For example—and this can be read today in all sorts of exoteric books, particularly in Masonic books—it has been handed down that there were mysteries in ancient times, that the mysteries were, so to speak, a secret institution, and that within the mysteries, as the word itself implies, there were secrets that were truly secrets even in the outward sense. That is to say: to those who had gained access to the Mysteries, certain things were imparted, which they were obligated to share only with those who, in turn, were fellow participants in these Mysteries, and in those ancient times it was a strict rule not to betray these mysteries. This rule was stated so clearly that it was considered one of the most serious offenses, it was said, for anyone to reveal a mystery to an uninitiated ear; but it was equally considered one of the most serious offenses for an uninvited person to listen to a mystery. And this view, which had been upheld in the Mysteries, was enforced in the strictest sense when the Mysteries existed in their ancient form. Why was that? Why did this happen?
[ 16 ] Sehen Sie, heute wird viel über die Mysterien gesprochen, insbesondere bei denjenigen Leuten, die ein klein wenig glitzern wollen mit dem, was sie über die Mysterien sagen, die allerlei schöne Worte machen wollen. Insbesondere da, wo man, wie es bei der heutigen Freimaurerei vielfach der Fall ist, von diesen Dingen redet mit Worten, ohne auch nur den Willen zu haben, viel zu verstehen, wird recht viel Unfug getrieben, indem man in äußerlicher Weise über diese Dinge, ohne viel zu wissen, herumredet. Man merkt gar nicht, ob über diese Dinge richtig aus der Sache heraus gesprochen wird, oder ob nur mit Worten gesprochen wird. Bei diesen Dingen kann man ja die merkwürdigsten Erfahrungen machen, die ich gar nicht kritisieren, gar nicht abkanzeln will; aber die Sache ist doch zu ernst, als daß sie nicht wenigstens angedeutet werden sollte. Sehen Sie, man kann heute zum Beispiel dieses erfahren: Irgendein Mensch ist Mitglied einer Gemeinschaft, die sich heute mit allerlei Namen «Brüderschaften» nennen, Mysterienbewahrer nennen; ein solcher Mensch — ich erzähle Tatsachen — kommt zu einem, erkundigt.sich gerade über dasjenige, was ihn scheinbar interessiert, das heißt, den Worten nach interessiert; aber er kann nicht viel verstehen davon. Nach einiger Zeit hört man dann, daß er da und dort über die Dinge geredet hat und daß er ziemlich wertloses Zeug geredet hat. Gerade zu ‚denen, die heute verzogen werden, verdorben werden durch gewisse okkulte Brüderschaften, ist es in gewisser Weise fast am allervergeblichsten zu reden; denn auf dasjenige, um was es sich wirklich handelt, gehen sie doch nicht ein. So nur konnte es kommen, daß in der letzten Zeit zum Beispiel ein Buch erschienen ist von einem vielgenannten freigeistigen Redner und Schriftsteller über die Geheimnisse der Freimaurerei, ein Buch, das selbstverständlich nichts anderes enthält als flaches Zeug, und daß dieses flache Zeug von den Leuten, die sogar in okkulten Brüderschaften stehen, ernst genommen wird.
[ 16 ] You see, there is a lot of talk about the mysteries these days, especially among those who want to show off a little with what they say about the mysteries, who want to use all sorts of fancy words. Especially where, as is often the case in modern Freemasonry, people talk about these things with words without even having the will to understand much, a great deal of nonsense is spread by talking superficially about these matters without really knowing much. One cannot even tell whether these matters are being discussed correctly, based on the substance of the matter, or whether people are merely speaking in empty words. In these matters, one can indeed have the most remarkable experiences, which I do not wish to criticize or condemn at all; but the matter is too serious not to at least be alluded to. You see, one can experience the following today, for example: A certain person is a member of a community that today goes by all sorts of names—calling itself “brotherhoods” or “keepers of mysteries”; such a person—I am recounting facts—comes to you and inquires specifically about the very thing that apparently interests him, that is, according to his words; but he cannot understand much of it. After some time, one then hears that he has been talking about these things here and there and that he has been spouting rather worthless nonsense. It is, in a certain sense, almost the most futile thing to speak to “those who are being led astray and corrupted today by certain occult brotherhoods”; for they do not engage with what is really at stake. This is the only way it could have come to pass that, for example, a book has recently been published by a much-cited free-thinking speaker and writer on the secrets of Freemasonry—a book that, of course, contains nothing but shallow nonsense—and that this shallow nonsense is taken seriously even by people who belong to occult brotherhoods.
[ 17 ] Nun wollen wir uns heute eine wirkliche Eigenschaft, die aus der Evolution der Menschheit sich ergab für die Mysteriengepflogenheiten, einmal vor die Seele führen. Ich habe es Ihnen ja öfter betont: Die Menschheit hat sich geändert im Laufe der Erdenentwickelung, und ein wichtiger Einschnitt war in der Entwickelung zur Zeit, da der Christus durch das Mysterium von Golgatha gegangen ist. Will man ein wesentlichstes Merkmal dieser Evolution neben anderen, die wir schon angeführt haben, anführen, so muß man sagen: Wenn wir zurückgehen würden über die griechisch-lateinische Zeit, namentlich wenn wir über das 4. Jahrhundert vor Christus hinauskommen zum 5., 6., 7. Jahrhundert — wir können also sogar schon bleiben in der griechisch-lateinischen Zeit, aber wir würden noch mehr finden, wenn wir in die ägyptisch-chaldäische hinübergingen oder gar in die persische —, so finden wir überall, daß dasjenige, was vom Menschen gesprochen wurde, für die übrigen Menschen eine ganz andere Bedeutung hatte als nachher, zum Beispiel schon im 7.,8. Jahrhundert nach dem Mysterium von Golgatha. Das Wort, das einer zum andern sprach, hatte eine ganz andere Bedeutung in der Zeit, in der noch die alten atavistischen Eigenschaften der Seele vorhanden waren, die sogar zum atavistischen Hellsehen noch führten, als später, als heute. Da hatte das Wort, wenn ich so sagen darf, durch seine eigene innere Kraft eine Art suggestiven Wert, denn es lag in dem Worte viel von ererbter göttlich-geistiger Kraft. Wenn der Mensch sprach, sprach gewissermaßen in seinem Wort immer der Engel mit aus den höheren Hierarchien heraus.
[ 17 ] Today, let us reflect on a genuine characteristic that emerged from the evolution of humanity and shaped the mystery rituals. As I have often emphasized to you: Humanity has changed in the course of Earth’s evolution, and a major turning point in that development occurred at the time when Christ underwent the Mystery of Golgotha. If one were to cite a most essential feature of this evolution, alongside others we have already mentioned, one must say: If we were to go back through the Greco-Latin period—specifically, if we move beyond the 4th century B.C. to the 5th, 6th, and 7th centuries—we could even remain within the Greco-Latin period, but we would find even more if we moved on to the Egyptian-Chaldean period or even the Persian period— we find everywhere that what was spoken by one person had a completely different meaning for others than it did later on—for example, as early as the 7th and 8th centuries following the Mystery of Golgotha. The word spoken by one person to another had a completely different meaning in the time when the old atavistic qualities of the soul were still present—qualities that even led to atavistic clairvoyance—than it did later, or than it does today. Back then, if I may put it this way, the word possessed a kind of suggestive power through its own inner strength, for there was much of an inherited divine-spiritual power within the word. When a person spoke, the angel from the higher hierarchies, so to speak, always spoke along with them through their words.
[ 18 ] Sie können sich daraus vorstellen, daß die Mitteilungen in jenen alten Zeiten, die durch Worte erfolgten, etwas ganz anderes waren als heute. Wir haben ja keine Möglichkeit, mit Worten so zu sprechen, auch wenn wir alle diese Geheimnisse kennen, wie in den alten Zeiten gesprochen worden ist, weil wir mit den Worten sprechen müssen durch dasjenige, was durch die Sprache aus den Worten geworden ist. Wir haben ja in den Worten konventionelle Zeichen. Wir können heute nicht mehr zu einem Menschen gehen und mit derselben Kraft, mit der man noch im 3., 4., 5. Jahrhundert vor Christus sprechen konnte, mit den Worten «Dein Engel hat dich lieb», einen leisen Schauer durch die Seele leiten, der Heilkraft war. Man kann das heute nicht mehr, den Worten ist ihr alter suggestiver Wert, ihre Kraft genommen. Es floß menschliche Gemeinsamkeitskraft von Seele zu Seele in alten Zeiten, indem die Menschen miteinander sprachen. So wie wir, wenn wir in einem Saale beisammen sind, die gemeinsame Luft einatmen, so lebte in dem, was die Menschen miteinander sprachen, eine geistige, eine spirituelle Kraft des Gemeinsamen in alten Zeiten. In der fortschreitenden Evolution der Menschheit ist das verlorengegangen. Das Wort ist immer entgöttlichter geworden.
[ 18 ] You can imagine that communication in those ancient times, which took place through words, was something entirely different from what it is today. After all, we have no way of speaking with words in that manner—even if we know all these secrets of how people spoke in ancient times—because we must speak with words through what language has made of them. After all, words are now conventional symbols. Today we can no longer approach a person and, with the same power with which people spoke in the 3rd, 4th, and 5th centuries B.C., send a gentle shiver through their soul with the words “Your angel loves you”—a shiver that was a healing force. That is no longer possible today; words have been stripped of their old suggestive value, their power. In ancient times, a human power of communion flowed from soul to soul as people spoke to one another. Just as we, when we are together in a room, breathe the same air, so too did a spiritual power of communion live within what people said to one another in ancient times. This has been lost in the ongoing evolution of humanity. The word has become increasingly de-divinized.
[ 19 ] Wenn Sie sich das vor Augen, vor das geistige Auge führen, dann werden Sie sich auch sagen können, daß es ja nun ganz bestimmte Worte und Wortzusammensetzungen, Wortformeln geben konnte, die eine größere Wirkung hatten als andere Worte, die im allgemeinen gesprochen werden. Und solche Wortformeln, die eine über das Gewöhnliche weit hinausgehende Wirkung hatten, wurden in den Mysterien überliefert. Jetzt können Sie begreifen, daß sie nicht verraten werden durften, weil dadurch, daß der Mensch diese Formeln kannte, ihm eine hohe Macht gegeben war über die anderen Menschen, die nicht mißbraucht werden durfte. Es ist eine absolut reale Wahrheit, daß, wenn der alte hebräische Tempelpriester dasjenige ausgesprochen hat, was man im gewöhnlichen Leben nur «das Wort» nannte, was aber eben eine gewisse Lautzusammensetzung hatte, dann, wenn er es aussprach in der richtigen Weise — weil es in jenen alten Zeiten so war, daß in jener Lautzusammensetzung die Kraft lag —, bei den Menschen, zu denen er sprach, tatsächlich das eintrat, daß um sie eine andere Welt war, geistig, aber diese Geistigkeit war wirklich.
[ 19 ] If you visualize this in your mind’s eye, you will be able to see that there could indeed be very specific words, word combinations, and word formulas that had a greater effect than other words commonly spoken. And such word formulas, which had an effect far beyond the ordinary, were handed down in the Mysteries. Now you can understand that they were not to be revealed, because the fact that a person knew these formulas gave him a great power over other people—a power that was not to be abused. It is an absolutely real truth that when the ancient Hebrew temple priest uttered what in ordinary life was simply called “the Word”—but which in fact had a specific combination of sounds—then, when he uttered it in the correct manner — because in those ancient times the power lay in that specific combination of sounds — what actually happened to the people to whom he spoke was that a different world surrounded them, a spiritual one, but this spirituality was very real.
[ 20 ] Und so können Sie es verstehen, daß es nicht nur verbrecherisch war, zu demjenigen, zu dem es nicht sein durfte, die Mysterienformeln zu sprechen, da man dadurch eine Gewalt auf ihn ausübte, die unberechtigt war, sondern daß es auch verpönt war, hinzuhorchen, denn man setzte sich ja der Gefahr aus, sich ganz in die Gewalt des andern zu begeben. Die Dinge sind nicht so abstrakt, wie es heute gewisse Menschen darstellen wollen, sondern die Dinge sind konkret und real, und die Zeiten haben sich geändert, und auf diese Änderung der Zeiten muß man hinhorchen. Seit dem Mysterium von Golgatha haben die Worte diese Bedeutung nicht mehr, denn Sie sehen ja ein: wirkliche Freiheit hätte unter den Menschen nicht entstehen können, wenn die Worte diese Bedeutung beibehalten hätten; denn die Menschen wären immer nur das Ergebnis gewissermaßen der Sprache gewesen in seelischer Beziehung. Die Worte mußten diese innere Kraft verlieren. Aber eine andere Kraft kam herein in die Erdenentwickelung, welche, wenn sie ein richtiges Verhältnis zur Menschheit fand, den Menschen nach und nach wiederum ersetzen konnte das, was früher aus den Worten kam. Die alten Menschen lernten aus ihren Worten denken, und es gab in alten Zeiten keine anderen Gedanken als die, die aus den Worten kamen. Aber nur dann konnte aus den Worten die Kraft der Gedanken kommen, wenn die Worte so waren, wie ich sie geschildert habe. Diese Kraft war in der Folgezeit nicht mehr vorhanden. Aber da kam dasjenige Wesen, welches den Gedanken, wenn sich diese Gedanken erfüllen mit ihm, wiederum diese Kraft geben konnte, dasjenige Wesen, welches sagen konnte: «Ich bin das Wort», — und das ist der Christus. Nur müssen die Menschen erst den Weg finden, den Christus in ihrer Seele lebendig zu machen. Der Christus ist da. Wir wissen, daß er seit dem Mysterium von Golgatha eine reale Kraft ist. Und jetzt, wo wir über das Karma sprechen, wollen wir auch zeigen, wie er sein Verhältnis zum Karma hat, wie der Angelos nur zu dem einen Menschen in Beziehung kommt, der Christus aber eine viel höhere Bedeutung haben kann als die Erzengel, weil er nicht nur die Menschen hier auf der Erde verbindet dem Zeitgeiste nach, sondern weil er verbindet die Lebenden und die Toten, diejenigen Seelen, die hier im Leibe organisiert sind, und die, welche durch die Pforte des Todes gegangen sind. Aber dazu müssen wir noch ein wenig besser verstehen lernen, wie aus dem Geiste unserer Zeit heraus der Christus gefunden werden kann, beziehungsweise wie ein Weg zu dem Christus gefunden werden kann. Denn von dieser Frage sind wir ja gerade ausgegangen: Wie kann der heutige Mensch einen Weg zu dem Christus finden?
[ 20 ] And so you can understand that it was not only criminal to recite the mystery formulas to someone to whom they were not meant—since this exerted an unjustified power over that person—but that it was also frowned upon to eavesdrop, for one thereby exposed oneself to the danger of placing oneself entirely under the other’s power. Things are not as abstract as certain people today would have us believe; rather, they are concrete and real, and times have changed—and we must heed this change in the times. Since the Mystery of Golgotha, words have no longer held this meaning, for you can see: true freedom could not have arisen among human beings if words had retained this meaning; for, in a spiritual sense, human beings would have remained, so to speak, merely the product of language. Words had to lose this inner power. But another power entered into Earth’s evolution, which—if it found the right relationship to humanity—could gradually restore to people what had previously come from words. The people of old learned to think from their words, and in ancient times there were no thoughts other than those that arose from words. But the power of thought could arise from words only when the words were as I have described them. This power was no longer present in the period that followed. But then came the Being who, when these thoughts are fulfilled through him, could once again impart this power to thought—the Being who could say, “I am the Word”—and that is the Christ. Yet people must first find the way to bring the Christ to life within their souls. The Christ is here. We know that he has been a real power since the Mystery of Golgotha. And now, as we speak of karma, let us also show how he relates to karma, how the angel relates only to a single human being, whereas Christ can have a much higher significance than the archangels, because he not only connects human beings here on earth in accordance with the spirit of the age, but because he connects the living and the dead—those souls who are organized here in the body, and those who have passed through the gate of death. But to do this, we must learn to understand a little better how Christ can be found within the spirit of our time—or rather, how a path to Christ can be found. For this is precisely the question from which we began: How can people today find a path to Christ?
[ 21 ] Vor allen Dingen ist notwendig, daß der Mensch wiederum hinauskommt über das egoistische Nur-in-seiner-Seele-Leben. Denn ein wahres Wort — oh, es werden so viele Worte, die in den Evangelien stehen, nicht ihrer Wahrheit nach genommen, weil sie den Menschen nicht passen! —, ein wahres Wort der Evangelien ist: «Wo zwei in meinem Namen vereinigt sind, da bin ich mitten unter ihnen.» — Der Geist der eitlen Mystik, der da sagt: Ich werde in meiner Seele den Christus gebären, — der ist nicht der Geist des Christentums, sondern der Geist, der da spricht: «Wo zwei in meinem Namen vereinigt sind, da bin ich mitten unter ihnen.» — Aber um den ganzen Geist dieses Spruches Ihnen auch im Zusammenhange mit den wiederholten Erdenleben, wie wir das bei den jetzigen Betrachtungen wollen, auseinanderzusetzen und für unsere Zeit ihn zu charakterisieren im Zusammenhange mit dem ganzen Leben, in das der Mensch heute durch seinen Beruf hineingestellt ist, dazu muß ich auf einiges Charakteristische gerade in unserer Zeit eingehen; denn es ist notwendig, daß man kennen lerne das Hinauskommen über das egoistische Beschränktsein im Menschen. Hinauskommen muß man im Sinne unserer Zeit schon durchaus dadurch, daß man auch wiederum den Kosmos kennenlernt, mit dem der Mensch ja in Beziehung steht und aus dem der Mensch geboren ist, daß man lernt, den Kosmos im Verhältnis zum Menschen denken zu können.
[ 21 ] Above all, it is necessary for human beings to once again transcend the selfish life that exists solely within their own souls. For a true word—oh, so many words in the Gospels are not taken at face value because they do not suit people!—a true word of the Gospels is: “Where two are gathered in my name, there am I among them.” — The spirit of vain mysticism, which says, “I will give birth to Christ within my soul”—that is not the spirit of Christianity, but rather the spirit that says, “Where two are gathered in my name, there am I among them.” — But in order to explain to you the full spirit of this saying—in connection with repeated earthly lives, as we intend to do in these present reflections—and to characterize it for our time in relation to the whole of life into which human beings are placed today through their vocations, I must address certain characteristics specific to our time; for it is necessary to learn how to transcend the egoistic narrowness within human beings. In the spirit of our time, this transcendence must certainly be achieved by once again coming to know the cosmos—with which human beings are, after all, connected and from which they are born—and by learning to conceive of the cosmos in relation to human beings.
[ 22 ] Glauben Sie denn, daß die Naturwissenschaft heute den Kosmos im Verhältnis zum Menschen denken kann? Erinnern Sie sich an den Ausspruch, den ich auch in öffentlichen Vorträgen zitiert habe, von Herman Grimm: Die Naturwissenschaft denkt eine Art Mechanismus, in dem der Mensch gar nicht drinnen sein kann. — Den Menschen im Verhältnis zum Kosmos kann heute die naturwissenschaftliche Weltanschauung nicht denken, denn um das zu können, muß man die Dinge erst konkret anschauen. Heute konstruiert einer eine Maschine; das tut er eben und glaubt, indem er diese Maschine konstruiert, da geschieht in der Tat nichts, als daß er diese Maschine konstruiert, beziehungsweise noch das, was durch diese Maschine geschieht. Aber einem solchen Glauben sich hinzugeben, hieße begründen das, was heute so allgemein verbreitet ist, was man nennen kann: negativen Aberglauben. Aberglaube ist der Glaube an Geister, wo keine sind; aber man kann auch nicht an Geister glauben, wo welche sind: das ist der negative Aberglaube. Diesem negativen Aberglauben, dem gibt sich heute die Menschheit in Hülle und Fülle hin, ohne daß sie es zunächst noch weiß, weil man sich noch nicht gewöhnt hat, die Dinge, welche in der Menschheitsentwickelung auftreten und die man heute nur unter dem Gesichtspunkte des Mechanismus denkt, diese Dinge auch im ganzen Weltenzusammenhange drinnen unter einem moralischen Gesichtswinkel zu denken.
[ 22 ] Do you believe that modern science is capable of conceiving of the cosmos in relation to human beings? Do you recall the statement by Herman Grimm—which I have also quoted in public lectures—that “Science conceives of a kind of mechanism in which human beings cannot possibly be included”? — The scientific worldview today cannot conceive of humanity in relation to the cosmos, for to do so, one must first look at things concretely. Today, someone builds a machine; that is precisely what he does, and he believes that, in building this machine, nothing actually happens other than his building the machine—or rather, what happens through the machine. But to indulge in such a belief would be to justify what is so widespread today, what one might call “negative superstition.” Superstition is the belief in spirits where there are none; but one cannot believe in spirits where there are some either—that is negative superstition. Humanity today indulges in this negative superstition in abundance, without even realizing it at first, because we have not yet become accustomed to considering the events that occur in human development—which we currently view solely from a mechanistic perspective—within the broader context of the world and from a moral standpoint.
[ 23 ] Greifen wir eines heraus, aber eines, das zunächst charakteristisch ist für unsere Zeit, ähnlich ist vielem anderen, das heute in vieler Beziehung unser äußeres Leben beherrscht: die Dampfmaschine. Was spielt heute die Dampfmaschine für eine Rolle! Was ist alles in unserem Leben von der Dampfmaschine beherrscht! Denken Sie nur einmal nach, was alles nicht da wäre, wenn die Dampfmaschine nicht da wäre. Ich will nicht sagen, daß alles das, was der Mensch heute hat, durch die Dampfmaschine hervorgebracht sein müsse, aber es wird eben heute im Sinne des richtigen Zeitgeistes viel von der Dampfmaschine hervorgebracht.
[ 23 ] Let’s single out one thing—but one that is, first and foremost, characteristic of our time and similar to many other things that dominate our external lives in so many ways today: the steam engine. What a role the steam engine plays today! How much of our lives is dominated by the steam engine! Just think for a moment about all the things that wouldn’t exist if it weren’t for the steam engine. I’m not saying that everything people have today must have been brought about by the steam engine, but in keeping with the spirit of the times, much of what we have today is indeed brought about by the steam engine.
[ 24 ] So richtig ist die Dampfmaschine doch eigentlich erst im 18. Jahrhundert erfunden worden, denn was vorher vorhanden war, waren im Grunde genommen nur noch nicht verwertbare Versuche. Dasjenige also, was heute ganz allgemein ist, was heute eine ungeheure Bedeutung hat, das ist die Dampfmaschine, die, man kann sagen, zuerst brauchbar geworden ist — die früheren Versuche sind erst brauchbar gemacht worden — 1719 von Newcomen, und dann später, 1762, von Watt. Eigentlich kann man erst von den beiden sprechen als von Urhebern der Dampfmaschine, wenigstens in dem Umfange, in dem man heute von Dampfmaschinen spricht und allem, was damit zusammenhängt.
[ 24 ] The steam engine wasn’t really invented until the 18th century, because what existed before were, in essence, merely unusable experiments. So what is commonplace today, what is of immense importance today, is the steam engine, which—one might say—first became practical—the earlier attempts were only made practical—in 1719 by Newcomen, and then later, in 1762, by Watt. In fact, it is only these two who can be considered the inventors of the steam engine, at least to the extent that we speak of steam engines today and everything associated with them.
[ 25 ] Nun, worauf beruht denn überhaupt diese Möglichkeit, Dampfmaschinen zu haben, die gar noch nicht so sehr alt ist? Worauf beruht denn diese eigentlich? Sehen Sie, 1769 — ich werde jetzt für jeden naturwissenschaftlich Denkenden etwas furchtbar Kurioses sagen —, da Watt die Dampfmaschine sozusagen erst auf die richtige Höhe gebracht hat, das ist das Jahr, das gar nicht fern liegt der Konzeption von Goethes «Faust». Vielleicht können sich für unsere Betrachtungen noch sonderbare Zusammenhänge ergeben zwischen dieser Dampfmaschine und der Konzeption von Goethes «Faust», obwohl diese Dinge sehr weit auseinanderliegen. Dazu müssen wir aber erst einmal uns mancherlei, was mit dem Eintreten der Dampfmaschine in die menschliche Evolution zusammenhängt, vor die Seele führen. Worauf beruht denn die Dampfmaschine eigentlich? Die Dampfmaschine beruht eigentlich darauf, daß man luftleeren oder luftverdünnten Raum herstellen kann. Alle Möglichkeit, Dampfmaschinen zu machen, beruht darin, luftleeren Raum herzustellen und nutzbringend zu verwenden. In alten Zeiten, die jetzt schon sehr lang vergangen sind, sprach man vom Horror vacui, von der Furcht vor dem Leeren. Man meinte damit etwas Objektives. Man meinte damit, daß der Raum immer mit etwas erfüllt sein will, daß etwas Leeres eigentlich nicht hergestellt werden könne, daß die Natur eine Art Horror habe vor dem Leeren. Es mußte in der Menschheit erst der Glaube an den Horror vacui verschwinden, und es mußte erst die Möglichkeit hergestellt werden, luftverdünnten, annähernd luftleeren Raum zu erzeugen, bevor man an Dampfmaschinen ging. Die Luft mußte fortgeschafft werden aus gewissen Räumen. Durch mechanische Betrachtung wird man nicht dazu kommen, gewissermaßen eine neue kosmische, moralische Vorstellung zu gewinnen gegenüber der alten kosmischen, moralischen Vorstellung von dem Horror vacui. Aber was geschieht denn da eigentlich, wenn wir einen luftleeren oder luftverdünnten Raum herstellen mit der Absicht, dasjenige, was dadurch geschieht, in den Dienst der menschlichen Erdenentwickelung zu stellen?
[ 25 ] Well, what is the basis for this possibility of having steam engines, which isn’t even that old? What is the basis for this, really? You see, in 1769—and I’m about to say something terribly curious to anyone with a scientific mindset—that’s when Watt, so to speak, first brought the steam engine up to the proper level; that year is not at all far removed from the conception of Goethe’s Faust. Perhaps, for the purposes of our discussion, some strange connections might yet emerge between this steam engine and the conception of Goethe’s Faust, even though these things are very far apart. To do this, however, we must first bring to mind various aspects related to the advent of the steam engine in human evolution. What, then, is the steam engine actually based on? The steam engine is actually based on the ability to create a vacuum or a space with rarefied air. The entire possibility of building steam engines rests on creating a vacuum and utilizing it effectively. In ancient times, which are now long past, people spoke of horror vacui, the fear of the void. They meant this in an objective sense. It meant that space always seeks to be filled with something, that a true void could not actually be created, and that nature itself has a kind of horror of the void. First, humanity’s belief in the horror vacui had to disappear, and the ability to create spaces with rarefied air—nearly vacuum-like—had to be established before steam engines could be developed. The air had to be removed from certain spaces. A purely mechanical perspective will not lead us to gain, so to speak, a new cosmic and moral conception in place of the old cosmic and moral conception of horror vacui. But what actually happens when we create a vacuum or an air-depleted space with the intention of putting the resulting effects to work in the service of human development on Earth?
[ 26 ] Die biblische Urkunde sagt, daß Jahve dem Menschen den lebendigen Odem eingeblasen hat, die Luft, und dadurch wurde er eine lebendige Seele. Die Luft mußte in den Menschen hereingeschaffen werden, damit der Mensch dasjenige werden konnte, was er als Erdenmensch werden soll. Durch viele Jahrhunderte, ja durch Jahrtausende hat der Mensch nur dasjenige an Luftverdünnung und -verdichtung benützt, was sich von selber ergab im kosmischen Zusammenhange. Dann kam die neuere Zeit. Da ging der Mensch daran, die Luft selber zu verdünnen, wegzuschaffen das, was Jahve hereingeschaffen hat, im Gegensinn zu dem zu wirken, wie Jahve wirken kann, indem er den Menschen in die Erde hereingestellt hat. Was geschieht denn also eigentlich, indem der Mensch den luftverdünnten Raum benützt, das heißt, die Luft fortjagt von dem Raume? Es geschieht Opposition gegen Jahve. Sie können sich jetzt leicht denken: Während Jahve in den Menschen hereinströmt durch die Luft, verjagt der Mensch den Jahve, wenn er den luftverdünnten Raum herstellt! Ahriman gewinnt die Möglichkeit, bis in die Physis herein sich als Dämon festzusetzen, indem auf diese Weise die Dampfmaschine konstruiert wird. Wenn man die Dampfmaschine konstruiert, gibt man Gelegenheit zur Verkörperung der Dämonen, Man braucht ja nicht an sie zu glauben, wenn man nicht will: das ist negativer Aberglaube, Positiver Aberglaube ist, Geister zu sehen dort, wo keine sind; negativer Aberglaube aber ist, Geister zu leugnen da, wo sie sind. In den Dampfmaschinen aber sind ahrimanische Dämonen wirklich sogar bis zum physischen Körper gebracht. Das heißt: Während der Kosmos mit seinem Geistigen heruntergestiegen ist durch das, was der menschlichen Evolution eingegossen worden ist, wird verjagt der Geist des Kosmos mit demjenigen, was da an Dämonen geschaffen wird. Das heißt: Der neuere große, bewundernswerte Fortschritt hat nicht nur eine Dämonologie gebracht, sondern eine Dämonomagie, und die moderne Technik ist vielfach Dämonomagie.
[ 26 ] The biblical text states that Yahweh breathed the living breath—the air—into man, and thereby he became a living soul. The air had to be created within man so that he could become what he is meant to be as an earthly human being. For many centuries, indeed for millennia, man used only those forms of air dilution and condensation that arose naturally within the cosmic context. Then came modern times. Then human beings set about thinning the air themselves, removing what Yahweh had created, and acting in opposition to the way Yahweh can act by placing human beings on Earth. So what actually happens when human beings use a space where the air has been thinned—that is, when they drive the air out of that space? Opposition to Yahweh arises. You can easily imagine this now: While Yahweh flows into human beings through the air, human beings drive Yahweh away when they create this air-depleted space! Ahriman gains the opportunity to establish himself as a demon right down into the physical realm through the construction of the steam engine in this way. When one constructs the steam engine, one provides an opportunity for the embodiment of demons. One need not believe in them if one does not wish to: that is negative superstition; positive superstition is seeing spirits where there are none; but negative superstition is denying spirits where they are. In steam engines, however, Ahrimanic demons have truly been brought down even to the level of the physical body. This means: While the cosmos, with its spiritual essence, has descended through what has been infused into human evolution, the spirit of the cosmos is being driven out by the very demons that are being created there. In other words: The recent great and admirable progress has brought not only a demonology but also a demon-magic, and modern technology is, in many ways, demon-magic.
[ 27 ] Manche Dinge — ich sage jetzt wieder etwas Paradoxes — zeigen sich an, wenn man das, was die Menschen zumeist für etwas höchst Unbedeutendes halten, richtig lesen kann. Schließlich, sehen Sie (es wird ein i an die Tafel gezeichnet), ist das (i ohne Punkt) ja auch der Materie nach die Hauptsache, aber das Pünktchen macht es doch erst zum i. Und vergleichen Sie, wie viel weniger das — man nennt es ein Tüpfelchen — enthält als der übrige Teil, und doch erst macht es jenes Pünktchen zum i. Derjenige, der in der Menschheitsevolution nur an dem Materiellen hängt, wird auch im Materiellen manchmal nur dasjenige, was natürlich hundertmal mehr enthält als das Tüpfelchen, sehen und das Tüpfelchen gar nicht. Aber ein intimer Beobachter, der nicht nur die Erscheinungen anglotzt, sondern sie lesen kann, der wird manches, wo sich zuweilen etwas intim andeutet, eben in der richtigen Weise zu deuten lernen. Eine merkwürdige Tatsache: Lesen Sie einmal eine Biographie von James Watt nach, so werden Sie diese Tatsache, auf die ich jetzt in einer. für jeden modernen, gescheiten Menschen geradezu verrückten Weise hindeuten werde, angedeutet finden, aber die Deutung müssen Sie selbstverständlich erst selber verstehen. Watt konnte nicht gleich ausführen, was er beabsichtigte mit seiner Erfindung, mit seiner Dampfmaschine. Sie sehen ja: die Sache spielt von 1712 bis 1769. Wenn einer einmal eine Erfindung macht, so machen sie ihm viele nach, immer wieder und wiederum, nicht wahr. Da ist vieles konstruiert worden zwischen diesen Jahren. Und als Watt durch andere Eigenschaften seine Maschine brauchbar konstruiert hatte, da hatte er eine Einrichtung darauf, für die schon ein anderer ein Patent hatte, und da konnte er sie nicht ausführen, weil ein anderer schon ein Patent hatte, und er mußte auf etwas anderes sinnen. Und da fand er denn auf eine merkwürdige Weise das, auf was er nun zu sinnen hatte. Er lebte ja in dem Zeitalter, in dem man schon längst die Kopernikanische Weltanschauung hatte, die ich Ihnen charakterisiert habe als etwas, was ja auch nur unserem Zeitgeiste entspricht; er lebte in der Zeit, in der man die Kopernikanische Weltanschauung schon lange hatte. Und wirklich, er kam darauf, sich seinen ganzen Zusammenhang, den Bewegungsapparat so zu konstruieren, daß er diesen Zusammenhang nennen konnte: Sonnen- und Planetenbewegung. Sonnen- und Planetenbewegung nannte er es deshalb, weil er wirklich dadurch geführt wurde, wie man sich vorstellt im Kopernikanischen System die Planetenumschwünge um die Sonne. Er hat wirklich heruntergeholt und in die Dampfmaschine hineingeheimnißt das, was man erkannt hatte in neuerer Zeit als Himmelsbewegung!
[ 27 ] Some things—and here I’m going to say something paradoxical again—become apparent when you can correctly interpret what people usually consider to be something utterly insignificant. After all, you see (an “i” is drawn on the board), that (the “i” without a dot) is, in essence, the main thing, but it is the little dot that actually makes it an “i.” And consider how much less that—what we call a “little dot”—contains than the rest of it, and yet it is that little dot that makes it an “i.” Those who, in the evolution of humanity, cling only to the material will sometimes see in the material only that which naturally contains a hundred times more than the little dot, and will not see the little dot at all. But a keen observer—one who does not merely stare at appearances but can read them—will learn to interpret many things, where something subtle is sometimes hinted at, in just the right way. A curious fact: If you read a biography of James Watt, you will find this fact—which I am now about to allude to in a way that seems downright crazy to any modern, intelligent person—hinted at, but of course you must first understand the interpretation for yourself. Watt could not immediately put into practice what he intended with his invention, his steam engine. As you can see, the story spans from 1712 to 1769. Once someone makes an invention, many others imitate it, over and over again, don’t they? Many things were constructed during those years. And when Watt had designed his machine to be practical by incorporating other features, he included a device in it for which someone else already held a patent, and so he could not implement it because another person already had a patent, and he had to come up with something else. And then, in a remarkable way, he discovered what he now had to devise. He lived, after all, in an age when the Copernican worldview—which I have described to you as something that is, of course, merely a product of our zeitgeist—had long since been established; he lived in a time when the Copernican worldview had long been accepted. And indeed, he came up with the idea of designing his entire system—the mechanism of motion—in such a way that he could call this system: the motion of the Sun and the planets. He called it the motion of the Sun and the planets because he was truly guided by the way one imagines the planets’ orbits around the Sun in the Copernican system. He truly brought down and incorporated into the steam engine what had been recognized in more recent times as the motion of the heavens!
[ 28 ] Nun denken Sie an dasjenige, was ich Ihnen neulich ausgeführt habe, das geschehen wird, aber erst im Anfange ist: daß feine Vibrationen, sich summieren und große Wirkungen erzielen werden. Auf der Erde ist es noch nicht erreicht, Gott sei Dank! Aber ein Anfang liegt da drinnen: die Sonnen- und Planetenbewegung ist nachgeahmt. Glauben Sie, daß nun, nachdem die Sonnen- und Planetenbewegung die große Bedeutung für unsere Erde hat, wenn sie hereinstrahlt, es keine Bedeutung hat, wenn wir sie hier im Kleinen nachmachen und wiederum hinausstrahlen lassen in den Weltenraum? Dasjenige, was da geschieht, hat eine große Bedeutung für den Kosmos. Da sehen Sie direkt, wie dem Dämon auch noch die Schwingungen hinzugefügt werden, durch die er seine Tätigkeit in den kosmischen Raum hinaus entfalten kann. Natürlich darf nun niemand glauben, daß so etwas, wie ich es jetzt gesagt habe, bedeuten solle, man solle die Dampfmaschine abschaffen. Man müßte vieles abschaffen, denn die Dampfmaschinen sind nicht einmal das Dämonischste. Überall da, wo Elektrizität angewendet wird und manches andere noch, da ist viel mehr Dämonomagie, weil es noch mit ganz anderen Kräften wirtschaftet, die eine noch andere Bedeutung haben für den Kosmos. Selbstverständlich wird derjenige, der Geisteswissenschaft versteht, sich klar sein darüber, daß diese Dinge nicht abgeschafft werden sollen, daß wir nicht reaktionär oder konservativ sein können in dem Sinne, daß wir uns auflehnen gegen den Fortschritt. Oh, die Dämonomagie bedeutet den Fortschritt, und die Erde wird immer mehr und mehr solche Fortschritte machen! Man wird es noch dazu bringen, daß man große, große Wirkungen hinaus in das Weltenall entwickeln wird. Nicht ums Abschaffen handelt es sich, auch nicht ums Abkritisieren, denn selbstverständlich sind die Dinge berechtigt. Aber darum handelt es sich, daß, nachdem auf der einen Seite diese Dinge auftreten müssen im Menschheitsfortschritt, auf der anderen Seite Gegenkräfte geschaffen werden müssen, die den Ausgleich wiederum herbeiführen. Gegenkräfte müssen geschaffen werden. Diese Gegenkräfte, die den Ausgleich herbeiführen, können nur geschaffen werden, wenn die Menschheit wiederum das Christus-Prinzip verstehen wird, wenn die Menschheit den Weg finden wird zu dem Christus. Eine Weile ist die Menschheit abgeführt worden von dem Christus. Selbst diejenigen, die sich offiziell Vertreter des Christus nennen, suchen nur statt des Christus einen Angelos. Aber es wird der Weg gefunden werden müssen, den die Seele machen muß zu Christus. Denn geradeso, wie wir durch die Dämonen der Maschinen zu den physischen Sternen wirken in den Kosmos hinaus, so müssen wir den Weg finden geistig in die Welten hinein, in denen der Mensch ist zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, in denen die Wesen der höheren Hierarchien sind. Und das, was ich jetzt andeute, das hängt zusammen mit dem, was ich schon ausgeführt habe: wie die Menschen hineinkommen immer mehr und mehr in ein Berufskarma auf der einen Seite, so wie ich es geschildert habe, und wie auf der anderen Seite diesem Berufskarma entgegenwirken muß das Verständnis für die geistige Welt, welches auch wiederum anbahnen kann das Finden eines Weges zu dem Christus.
[ 28 ] Now think about what I explained to you the other day—that it will happen, but is only just beginning: that subtle vibrations will accumulate and produce great effects. This has not yet been achieved on Earth, thank God! But the beginning is already there: the motion of the Sun and the planets is being imitated. Do you believe that now, since the movements of the sun and the planets are of such great significance for our Earth when they radiate in, it has no significance when we imitate them here on a small scale and in turn allow them to radiate out into outer space? What happens there is of great significance for the cosmos. There you can see directly how vibrations are added to the demon, through which it can unfold its activity out into cosmic space. Of course, no one should now believe that what I have just said means we should abolish the steam engine. We would have to do away with many things, for steam engines are not even the most demonic. Everywhere electricity is used—and in many other areas as well—there is far more demonic magic, because it operates with entirely different forces that have yet another significance for the cosmos. Of course, anyone who understands spiritual science will realize that these things are not to be abolished, that we cannot be reactionary or conservative in the sense of rebelling against progress. Oh, demon-magic means progress, and the Earth will make more and more such advances! We will even succeed in developing great, great effects out into the universe. It is not a matter of abolishing them, nor of criticizing them, for of course these things are justified. But the point is that, while on the one hand these things must occur in the course of human progress, on the other hand counterforces must be created that will in turn bring about balance. Counterforces must be created. These counterforces, which bring about balance, can only be created if humanity once again comes to understand the Christ principle, if humanity finds the path to Christ. For a time, humanity has been led away from Christ. Even those who officially call themselves representatives of Christ seek only an angel instead of Christ. But the path that the soul must take to Christ will have to be found. For just as we act out into the cosmos toward the physical stars through the demons of the machines, so must we find the path spiritually into the worlds where the human being is between death and a new birth, where the beings of the higher hierarchies dwell. And what I am now hinting at is connected to what I have already explained: just as people are becoming increasingly entangled in a professional karma on the one hand, as I have described, so on the other hand, this professional karma must be counteracted by an understanding of the spiritual world, which in turn can also pave the way for finding a path to Christ.
[ 29 ] Über diese Dinge wollen wir dann morgen weiter sprechen.
[ 29 ] We'll talk more about these things tomorrow.
