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Reflections on Contemporary History I
Ways to Form Objective Judgments
GA 173a

17 December 1916, Dornach

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Reflections on Contemporary History, Volume I, tr. SOL
  1. Zeitgeschichtliche Betrachtungen Band I

Sechster Vortrag

Sixth Lecture

[ 1 ] Meine lieben Freunde! Wollen wir nun in unseren Betrachtungen zu einem Ziele kommen, so handelt es sich vor allen Dingen darum, daß wir das ganze Wesen des sogenannten fünften nachatlantischen Zeitraums in des Wortes tiefster Bedeutung nehmen, denn wenn man nicht auf diese konkreten Dinge eingeht, sondern nur stehenbleiben will in allgemeinen Weltbetrachtungen, in allgemeinen Menschheitsbetrachtungen, ohne daß man auf irgendwelche speziellen Dinge Rücksicht nimmt, so kann man nicht zu einem Verständnisse kommen, namentlich nicht über Ereignisse, die von so tief einschneidender Bedeutung sind wie diejenigen, die wir in der Gegenwart erleben, zumal auch immer wieder betont werden muß, daß ja leider das tiefere Verständnis für das Einschneidende dieser Ereignisse in weitesten Kreisen nicht eigentlich vorhanden ist.

[ 1 ] My dear friends! If we are to reach a conclusion in our reflections, it is above all a matter of grasping the very essence of the so-called fifth post-Atlantean epoch in the deepest sense of the word; for if one does not address these concrete matters, but instead wishes to remain only at the level of general observations about the world and humanity, without taking any specific matters into account, then one cannot arrive at an understanding—especially not of events of such profound significance as those we are currently experiencing. Moreover, it must be emphasized time and again that, unfortunately, a deeper understanding of the far-reaching significance of these events is largely absent in the broadest circles.

[ 2 ] Nun habe ich Ihnen gestern aus ganz bestimmten Gründen, die aus den weiteren Betrachtungen ersichtlich sein werden, zweierlei angeführt: Erstens, daß gewissermaßen in die Menschheit hineingeworfen worden ist — sozusagen als Versuchsballon — die Schrift von Brooks Adams, um zu sehen, wieviel von solchen Dingen — wenigstens von einzelnen — verstanden werden könne, um zu schauen, ob die Idee verstanden werden könne, die in dem genannten Buch von Brooks Adams ausgeführt ist. Dort ist [aufgrund eines reichen historischen Materials] ausgeführt — ich wiederhole kurz —, daß ein Volksorganismus wirklich auch als Organismus aufzufassen ist, das heißt er entsteht, er macht ein Jugendalter durch, ein Wachstumsalter, ein Reifealter, ein Verfallsalter — ähnlich wie der einzelne Mensch, wenn auch selbstverständlich nur eine Ähnlichkeit, nicht eine Gleichheit vorliegt. Und dann wird darauf hingewiesen, daß in bestimmten Phasen ihrer Entwicklung die Völker jeweils zwei zusammengehörige Eigenschaften ausbilden, nämlich das Imaginative und das Kriegerische in einem Lebensalter, das Wissenschaftliche und das Industriell-Kommerzielle in einem andern Lebensalter. Es wird also von dieser Seite angenommen — wir wollen das nur referieren —, daß nebeneinander wohnen einerseits Völker, die durch ihre Natur imaginativ und kriegerisch sind, und andererseits Völker, die durch ihre Natur wissenschaftlich und industriell-kommerziell veranlagt sind; in der Wechselwirkung solcher Völker aufeinander entwickelt sich der menschheitliche Weltenprozeß. Ich sagte Ihnen [gestern], daß dies eine einseitige, [korrekturbedürftige] Anschauung ist. Wodurch kommen aber solche Anschauungen überhaupt an die Oberfläche? Was bedeutet es, daß sie in die Öffentlichkeit getragen werden?

[ 2 ] Yesterday, for very specific reasons—which will become clear in the course of my further remarks—I cited two points: First, that Brooks Adams’s book was, so to speak, thrown into the midst of humanity—as a trial balloon, so to speak—to see how much of such things—at least some of them—could be understood, to see whether the idea expounded in the aforementioned book by Brooks Adams could be grasped. There it is explained [on the basis of a wealth of historical material]—I will briefly repeat—that a national organism is indeed to be understood as an organism; that is, it comes into being, passes through a youth, a period of growth, a period of maturity, and a period of decline—similar to the individual human being, although, of course, there is only a similarity, not an exact equivalence. The book then points out that, in certain phases of their development, nations each develop two related characteristics: namely, the imaginative and the warlike in one stage of life, and the scientific and the industrial-commercial in another. It is therefore assumed from this perspective—we are merely reporting this—that peoples who are by nature imaginative and warlike live side by side with peoples who are by nature scientifically and industrially-commercially inclined; the world process of humanity develops through the interaction of such peoples. I told you [yesterday] that this is a one-sided view [in need of correction]. But how do such views come to the surface in the first place? What does it mean that they are brought into the public sphere?

[ 3 ] Sehen Sie, bei solchen Anschauungen wie diesen, die wirklich einen Eindruck gemacht haben bei einzelnen Menschen, die schon etwas zu bedeuten haben und die mitten drinnen sind in den Impulsen, die in der Gegenwart wirken, bei solchen Dingen kommt es darauf an, daß immer einzelne Teile der umfassenden geistigen Erkenntnis sagen wir also der okkulten Erkenntnis der Menschheitsevolution — herausgerissen werden aus dem Zusammenhang und — je nachdem man sie braucht oder sie haben will — in die Welt hineinverpflanzt werden. Dadurch, daß man aus dem gesamten Umfange richtiger okkulter Einsichten in die Menschheitsentwicklung das eine oder das andere herausgreift, kann man immer Spezielles im Dienste einer Gruppe, im Dienste irgendeines Gruppenegoismus erreichen. Das Ganze dient immer der ganzen Menschheit; das Einzelne, das herausgegriffen wird, dient immer dem Egoismus einzelner Gruppen. Das ist das Bedeutsame und Wichtige, das man ins Auge fassen muß, weil sehr viele Dinge, die von okkulter Seite in die Öffentlichkeit hineingeworfen werden, nicht unrichtig sind, sondern halbe Wahrheiten sind, Viertels- oder Achtelswahrheiten und gerade dadurch, daß sie einen Teil des Wahren in sich tragen, verwendet werden können, um dieses oder jenes in einseitiger Weise zu erreichen. Daher machte es auf den, der solche Dinge durchschaut, einen bedeutenden Eindruck, als man von Amerika her das 20. Jahrhundert einleitete, indem diese Ideen — wie gesagt durch buchhändlerische Kanäle, die im Dienste von gewissen, sich okkulter Mittel bedienender Bewegungen stehen in die Welt gesetzt wurden. Wir kommen auf diese Sache noch zurück.

[ 3 ] You see, with views such as these—which have truly made an impression on certain individuals who are already influential and who are right in the midst of the impulses at work in the present—with such things, it is essential that individual parts of the comprehensive spiritual knowledge—let us say, the occult knowledge of human evolution— — are torn out of context and — depending on how one needs or wants them — transplanted into the world. By picking out one thing or another from the entire scope of true occult insights into human development, one can always achieve specific goals in the service of a group, in the service of some form of group egoism. The whole always serves all of humanity; the individual elements that are singled out always serve the self-interest of individual groups. This is the significant and important point that must be kept in mind, because very many things that are thrown into the public sphere from the occult side are not incorrect, but are half-truths, quarter- or eighth-truths, and precisely because they contain a part of the truth, they can be used to achieve this or that in a one-sided manner. Therefore, it made a significant impression on those who see through such things when the 20th century was ushered in from America by these ideas—which, as mentioned, were released into the world through publishing channels serving certain movements that make use of occult means. We will return to this matter later.

[ 4 ] Das andere, was ich Ihnen angeführt habe, war die merkwürdige Abhandlung des edlen Thomas Morus über die beste Form der öffentlichen Verhältnisse des Staatswesens und die neue Insel Utopia. Nun, ich habe Ihnen gestern vorgelesen aus der Einleitung dieser Abhandlung von Thomas Morus über «Utopia», und sie haben daraus gesehen, daß Thomas Morus das, was er sagen will über dieses Utopien, einem Fremden in den Mund legt, der ja meinetwillen erfunden sein mag, das heißt, den man erfunden nennen kann — erfunden ist er nicht, wie Sie sehen werden. Dieser Fremde — wir werden ihn vielleicht heute noch etwas näher vorstellen können — legt ihm auseinander, daß er eine solche Insel, eben Utopia, gefunden habe, und er entwickelt aus einer gewissen Stimmung über seine Zeit, die ich Ihnen gestern geschildert habe, zuerst seine Empfindungen, und dann schildert er dieses Utopien.

[ 4 ] The other thing I mentioned to you was the remarkable treatise by the noble Thomas More on the best form of public affairs in a state and the new island of Utopia. Well, yesterday I read to you from the introduction to this treatise by Thomas More on “Utopia,” and you saw from it that Thomas More puts what he wants to say about this Utopia into the mouth of a stranger, who may well have been invented for my sake—that is, whom one might call invented—though he is not, as you will see. This stranger—whom we may be able to introduce in a bit more detail today—explains that he has found such an island, namely Utopia, and, drawing on a certain mood regarding his own time that I described to you yesterday, he first expresses his feelings and then describes this Utopia.

[ 5 ] Nun ist diese Schilderung Utopiens durch Thomas Morus, der diese Ideen gerade im Beginne des fünften nachatlantischen Zeitraums in die Menschheitsentwicklung hineinwirft, wirklich höchst eigentümlich. Und ich muß sagen, ich habe mancherlei Leute gefunden, die «Utopia» gelesen haben, aber ich habe keinen einzigen gefunden, der dieses «Utopia» so genau gelesen hätte, daß er all die sonderbaren Winkelzüge, die sonderbaren Dinge, die in diesem Buche stehen, sich wirklich auch nur zum Bewußtsein gebracht hätte. Man nimmt diese Schilderung der Insel Utopia eben wie die Schilderung eines Phantasielandes und liest so Seite für Seite — das ist ja begreiflich in unserer jeder Spiritualität baren Zeit. Aber man sollte wenigstens bemerken und sich sagen: Entweder schildert Thomas Morus ein Phantasiegebilde, was man, wenn man nur den gewöhnlichen Materialisten-Verstand hat, dann doch nicht begreift, oder aber Thomas Morus muß ein vollendeter Narr, ein Dummkopf gewesen sein. Aber solche konsequenten Konklusionen macht unsere Zeit nicht; sie geht viel lieber über alle diese Dinge hinweg mit einem leichtgeschürzten Verständnis. Nun, ich kann Ihnen natürlich nicht alle Einzelheiten schildern, da müssen Sie die Schrift «Utopia» schon selber lesen, wenn Sie auf die Einzelheiten eingehen wollen, aber ich werde in einigen skizzenhaften Zügen wenigstens den Inhalt dieses Werkes von Thomas Morus vor unsere Seele hinstellen.

[ 5 ] Now, this description of Utopia by Thomas More—who introduced these ideas into the course of human development right at the beginning of the fifth post-Atlantean epoch—is truly most peculiar. And I must say, I have met many people who have read Utopia, but I have not found a single one who has read it so closely that they have truly brought to their awareness all the strange twists and turns, all the strange things contained in this book. People simply take this description of the island of Utopia as the depiction of a fantasy land and read it page by page—which is, of course, understandable in our age, devoid of any spirituality. But one should at least notice and say to oneself: Either Thomas More is describing a figment of the imagination—which, if one possesses only the ordinary materialist mind, one simply cannot grasp—or Thomas More must have been a complete fool, a simpleton. But our age does not draw such logical conclusions; it much prefers to gloss over all these things with a superficial understanding. Well, of course I cannot describe all the details to you; you will have to read the work Utopia yourself if you wish to delve into the specifics, but I will at least present the content of this work by Thomas More to our minds in a few sketchy strokes.

[ 6 ] Zunächst müssen wir es für bedeutsam ansehen, daß Utopien so geschildert wird, daß es eine gewisse Reife in seinen Einrichtungen erlangt hat, denn es wird ausdrücklich gesagt, daß der Zustand, der da geschildert wird, nicht von Anfang an in Utopia vorhanden war, sondern 1760 Jahre gebraucht hat zu seiner Entwicklung, so daß es sich also gewissermaßen um einen Endzustand handelt.

[ 6 ] First, we must consider it significant that Utopia is described as having attained a certain maturity in its institutions, for it is explicitly stated that the state of affairs described there did not exist in Utopia from the beginning, but took 1,760 years to develop, so that it is, in a sense, a final state.

[ 7 ] Das erste, was besonders hervorgehoben wird, ist, daß der Besitz ein gemeinsamer ist, daß niemand ein spezielles Eigentum hat und daß der ganze Staat in gewisse Familien eingeteilt ist, welche, wenn wir so sagen wollen, Älteste wählen. Aus den Ältesten heraus wird wiederum ein Fürst gewählt, und in einer von Zeit zu Zeit einberufenen Versammlung verhandeln die Gewählten über die öffentlichen Angelegenheiten in dem Sinne, wie sie von den einzelnen Gliedern des Volkes beauftragt worden sind. Dabei finden wir gleich eine höchst merkwürdige Einrichtung in Utopien: Es ist nur gestattet, über öffentliche Angelegenheiten auf den vorgeschriebenen Wegen zu verhandeln. Wenn jemand in Utopien sich privatim mit andern Menschen über öffentliche Angelegenheiten unterhält, so steht auf einer solchen Handlungsweise der Tod.

[ 7 ] The first thing that is particularly emphasized is that property is held in common, that no one has any private property, and that the entire state is divided into certain families, which, so to speak, elect elders. From among the elders, a prince is in turn elected, and in an assembly convened from time to time, the elected representatives deliberate on public affairs in accordance with the mandates they have received from the individual members of the people. Here we immediately encounter a most remarkable institution in Utopia: it is permitted to discuss public affairs only through the prescribed channels. If anyone in Utopia discusses public affairs privately with others, such conduct is punishable by death.

[ 8 ] Ferner finden wir eine höchst vernünftige Einrichtung: Wenn ein Vorschlag in der öffentlichen Versammlung gemacht wird, so darf niemals über diesen Vorschlag gleich irgendwie verhandelt werden, sondern die Leute müssen erst nach Hause gehen und nachdenken, und erst später wird dann die Sache verhandelt. Derjenige, der das erzählt, gibt an, daß auf diese Weise die Leute nachdenken können und nicht dazu getrieben werden, vorschnell ein Urteil abzugeben, an dem sie dann, getrieben von Eigensinn und Egoismus, selbstverständlich festhalten, aber nicht, weil sie die Sache für gut befinden, sondern weil sie sich einmal mit ihrem Urteil engagiert haben.

[ 8 ] We also find a highly sensible practice: When a proposal is made at a public meeting, it must never be discussed in any way immediately; instead, people must first go home and think it over, and only later is the matter discussed. The person recounting this explains that in this way, people can reflect and are not driven to make a hasty judgment—a judgment to which they would then, driven by stubbornness and selfishness, naturally cling, not because they consider the matter to be good, but because they have already committed themselves to their judgment.

[ 9 ] In Utopien muß jeder als Kind den Ackerbau lernen, später aber auch ein Handwerk, in der Regel dasjenige, das die Eltern betreiben; er kann aber auch ein anderes Handwerk wählen, wenn er dazu geschickt ist. Die Arbeit ist streng geregelt, niemand braucht mehr als sechs Stunden am Tag zu arbeiten. Alles übrige ist auch in der besten Weise eingeteilt: Drei Stunden am Vormittag arbeitet man; vorher aber, und zwar schon bei Sonnenaufgang, versammeln sich die Menschen, die das wollen, und bekommen da geistige Dinge und dergleichen zu hören. Spiele von der Art, wie sie außerhalb Utopiens stattfinden, gibt es nicht; dagegen gibt es ein Kampfspiel, das dem Schachspiel ähnlich ist, eine Art arithmetischer Schlacht, und dann gibt es noch ein anderes Kampfspiel, das — wiederum in schachartiger Weise — den Kampf der Laster mit den Tugenden darstellt. Unter der Aufsicht der öffentlich gewählten Personen werden diejenigen, die dazu geeignet sind, zu Gelehrten gemacht; aus ihnen wiederum werden die Gesandten und die Priester gewählt. Die schmutzigsten Arbeiten machen die Sklaven, welche sich rekrutieren entweder aus den Leuten von eroberten Völkern oder aus den Verbrechern. Jeder wirkliche Utopier ist frei. Dann findet sich eine Einrichtung in Utopia, die wir andern Nicht-Utopier jetzt erst genießen: Reisen kann man nicht, ohne daß man die Erlaubnis bekommt von der entsprechenden Behörde. Für jede einzelne, selbst die kleinste Reise muß ein Paß vorliegen.

[ 9 ] In Utopia, every child must learn farming, but later on must also learn a trade—usually the one their parents practice; however, they may also choose a different trade if they are skilled at it. Work is strictly regulated; no one is required to work more than six hours a day. Everything else is also organized in the best possible way: People work for three hours in the morning; but before that—at sunrise—those who wish to do so gather to listen to spiritual teachings and the like. There are no games of the kind found outside Utopia; instead, there is a strategic game similar to chess—a sort of arithmetic battle—and there is another strategic game that, again in a chess-like manner, depicts the struggle between vices and virtues. Under the supervision of publicly elected officials, those who are suited for it are trained as scholars; from among them, in turn, the envoys and priests are chosen. The dirtiest work is done by slaves, who are recruited either from the people of conquered nations or from criminals. Every true Utopian is free. Then there is an institution in Utopia that we other non-Utopians are only now beginning to enjoy: one cannot travel without obtaining permission from the appropriate authority. A passport must be presented for every single journey, even the shortest one.

[ 10 ] Geld gibt es nicht. Was zur Verfügung steht, wird auf die Märkte gebracht; dort kann es sich jeder abholen. Durch die Einrichtungen, die so gut sind, daß keiner mehr holt, als er braucht, braucht niemand irgend etwas zu bezahlen, sondern er bekommt alle Dinge. Es ist eben nicht nötig, daß man Geld oder dergleichen hat. Das einzige Metall, das wirklich geschätzt wird, ist das Eisen — ich bitte Sie, darauf besonders zu achten, denn darin liegt etwas sehr Bedeutsames. Wenig geschätzt ist das Silber, am allerwenigsten das Gold. Aus dem Golde werden nicht diejenigen Dinge hergestellt, die die NichtUtopier daraus machen, sondern aus dem Golde werden höchstens allerlei Ketten und dergleichen gemacht, die die Verbrecher zu tragen haben: Mit goldenen Ketten zum Beispiel werden sie angeschmieder; goldene Ketten haben sie als Schandmal zu tragen. Dann werden gewisse Gefäße aus Gold gemacht, von denen man in anständiger Gesellschaft nicht reden darf, und dergleichen mehr. Das bewirkte, als einmal die Gesandten eines fremden Hofes nach Utopien kamen und glaubten, den Utopiern dadurch zu imponieren, daß sie in Goldgepränge kamen, daß diese sie für sehr minderwertige Leute ansahen, weil in Utopien eben nur die Verbrecher Gold tragen oder man höchstens für die allerjüngsten Kinder etwas Spielzeug aus Gold macht, was diese dann aber wieder wegwerfen. Als die fremden Gesandten kamen, stellten sich die Kinder auf die Straßen und sagten: Da seht einmal hin, das sind so alte Hänse, die haben noch immer Kinderspielzeug bei sich. — Es gilt nichts in Utopien, wenn jemand ein feines Kleid trägt, denn die Utopier sagen: Wie kann sich jemand etwas darauf einbilden, daß er ein Kleid aus dieser oder jener Wolle trägt — das haben ja die Schafe zuerst getragen! Man kann sich doch nichts einbilden auf etwas, was zuerst die Schafe in natürlicher Weise an sich getragen haben.

[ 10 ] There is no money. Whatever is available is brought to the markets; there, anyone can take what they need. Thanks to systems that are so well-designed that no one takes more than they need, no one has to pay for anything—instead, they receive everything they need. It is simply not necessary to have money or anything of the sort. The only metal that is truly valued is iron—I ask you to pay particular attention to this, for there lies something very significant. Silver is valued little, and gold the least of all. Gold is not used to make the things that non-Utopians make from it; rather, at most, all sorts of chains and the like are made from gold, which criminals are required to wear: for example, they are shackled with golden chains; they must wear golden chains as a mark of shame. Then there are certain vessels made of gold, which one must not speak of in decent company, and other such things. This led to the following incident: when envoys from a foreign court once came to Utopia and believed they could impress the Utopians by arriving in golden finery, the Utopians regarded them as very inferior people, because in Utopia only criminals wear gold—or, at most, a few gold toys are made for the very youngest children, which they then throw away anyway. When the foreign envoys arrived, the children lined the streets and said: “Just look at them—they’re such old fools; they’re still carrying around children’s toys.” — In Utopia, it means nothing if someone wears fine clothing, for the Utopians say: “How can anyone take pride in wearing a garment made of this or that kind of wool—after all, the sheep wore it first! One cannot take pride in something that the sheep naturally wore first.”

[ 11 ] Dann ist in Utopien die Eigentümlichkeit vorhanden, daß über Gut und Böse, über Tugend und Laster nicht anders geurteilt wird als im Zusammenhange mit religiösen Vorstellungen. Ein gewisser Epikureismus in Vergnügungen gilt als das, was man im Leben zu erstreben hat, und je vergnügter man sich das Leben macht, desto tugendhafter ist man in Utopien. Die Utopier glauben an die unsterbliche Seele des Menschen und haben eine Art Vernunftreligion, indem sie der Anschauung sind, jeder Mensch könne durch seine eigene Vernunft einsehen, daß Gott wie ein Werkmeister die Welt regiere, daß der Mensch eine unsterbliche Seele habe, daß er nach dem Tode in eine geistige Welt eingehe, in der es Belohnungen und Bestrafungen für Tugend und Laster gibt. Von Edelsteinen halten sie nichts, denn sie sagen: Wenn irgend jemand einen Edelstein kauft, so läßt er sich von dem Verkäufer beschwören, daß es ein echter ist was kann denn das für eine Bedeutung haben, wenn man nicht einmal mit dem Auge sieht, ob es ein echter oder unechter Edelstein ist? — Das kann also nur bei den Utopiern so sein. Die Jagd ist bei ihnen als unwürdig verpönt; sie darf nur ausgeübt werden durch die Metzger; ihr Gewerbe ist kein angesehenes.

[ 11 ] In utopias, then, there is the peculiarity that judgments about good and evil, virtue and vice, are made solely in the context of religious beliefs. A certain Epicureanism in the pursuit of pleasure is regarded as the goal of life, and the more pleasure one derives from life, the more virtuous one is in Utopias. The Utopians believe in the immortal soul of man and practice a kind of rational religion, holding the view that every person can discern through their own reason that God governs the world like a master craftsman, that man has an immortal soul, and that after death he enters a spiritual world where there are rewards and punishments for virtue and vice. They have no regard for gemstones, for they say: If anyone buys a gemstone, they have the seller swear that it is genuine—but what significance can that possibly have if one cannot even tell by looking whether it is a genuine or fake gemstone? —So this can only be the case among the Utopians. Hunting is frowned upon among them as unworthy; it may only be practiced by butchers; their trade is not a respected one.

[ 12 ] Der Mann, der diese Mitteilungen macht, erklärt, daß er selber die Utopier mit griechischer Literatur, mit griechischer Kunst bekannt gemacht habe und daß sich die Utopier als außerordentlich gelehrig erwiesen hätten, daß sogar ihre Sprache etwas an das Griechische anklinge, wie ihre Kultur überhaupt das Eigentümliche habe, daß sie an das Griechische in einer Mischung mit dem Persischen erinnere. Wie Gatte und Gattin gewählt werden, will ich nicht beschreiben, aus Gründen, die Sie ersehen werden, wenn Sie das Buch lesen. Advokaten gibt es nicht in Utopien, weil man sie für die allerschädlichsten Menschen hält. Verträge werden nicht abgeschlossen, weil die Utopier glauben, daß, wer etwas einhalten wolle, es auch ohne Vertrag halte, und wer etwas nicht halten wolle, es auch dann nicht halte, wenn er einen Vertrag gemacht habe. Im Kriege vermeiden sie, wenn irgend möglich, das Blutvergießen; das gilt ihnen als das Schändlichste, was es nur geben kann. Sie sagen: Wenn man im Kriege Blut vergießt, so ist man den Tieren gleich; Wölfe und Tiger machen es auf diese Weise, aber der Mensch hat seine Intelligenz. — Nur im äußersten Falle, wenn sie nicht auf andere Weise zurechtkommen, vergießen sie Blut. Sie schicken nämlich unter diejenigen, die sie bekriegen wollen, allerlei Leute, die entweder die Aufgabe haben, die Leute in Uneinigkeit zu bringen, damit sie sich selber in die Haare fahren, oder sie haben die Aufgabe, den einen oder den andern zu ermorden oder dergleichen. Sie suchen also durch «Liebe und Vernunft», wie sie sagen, Zwietracht und Uneinigkeit hervorzurufen, so daß die Menschen, die sie bekriegen wollen, sich gegenseitig aufreiben, und erst, wenn ihnen das nicht gelingt, greifen sie zu den Waffen, um Blut zu vergießen. Aber auch da haben sie ihre ganz besonderen Usancen, die zeigen, daß sie mit dem Blutvergießen sobald als möglich aufhören wollen, wenn sich nur irgend die Gelegenheit dazu ergibt.

[ 12 ] The man who provides these accounts explains that he himself introduced the Utopians to Greek literature and Greek art, and that the Utopians proved to be exceptionally quick learners; indeed, their language even bears some resemblance to Greek, just as their culture as a whole has the distinctive quality of recalling Greek mixed with Persian. I will not describe how husbands and wives are chosen, for reasons you will understand when you read the book. There are no lawyers in Utopia, because they are considered the most harmful of all people. Contracts are not entered into, because the Utopians believe that whoever wishes to keep a promise will do so even without a contract, and whoever does not wish to keep a promise will not do so even if he has made a contract. In war, they avoid bloodshed whenever possible; they regard it as the most shameful thing imaginable. They say: If one sheds blood in war, one is no better than an animal; wolves and tigers act this way, but humans possess intelligence. — Only in the most extreme cases, when they cannot resolve matters otherwise, do they shed blood. For they send all sorts of people among those they wish to wage war against; these people are either tasked with sowing discord so that the people turn on one another, or they are tasked with assassinating one person or another, or the like. So, through “love and reason,” as they say, they seek to stir up discord and disunity, so that the people they wish to wage war against wear each other down; and only when they fail to achieve this do they take up arms to shed blood. But even in this regard, they have their own very specific customs, which show that they want to stop the bloodshed as soon as possible, if only the opportunity arises.

[ 13 ] Weiter wird erzählt, daß ein Grundzug der Utopier ist, religiöse Toleranz zu üben. Jeder kann, wenn er nicht gegen die Gesetze verstößt, jeder beliebigen Sekte angehören, jede Religionsanschauung vertreten. Das habe der Begründer von Utopien, Utopus, gleich so eingerichtet; aber jeder müsse an ein höchstes Wesen glauben, das sie «Mythra» nennen. Derjenige, der das erzählt, hat auch versucht, das Christentum dort einzuführen. Für dieses haben sie ein außerordentliches Entgegenkommen gezeigt, haben es wirklich als die beste Religion erkannt. Es herrscht in höchstem Maße religiöse Toleranz dort; jeder kann glauben, was er will — bitte, ich erzähle, wie die Dinge da geschildert sind —, jeder kann glauben, was er will. Dagegen darf jemand, der ein Materialist ist, der nicht an die Unsterblichkeit der Seele glaubt, keine irgendwelchen bürgerlichen Rechte genießen oder irgendwie dieselben Rechte haben wie ein gewöhnlicher Utopier; er wird sozusagen für rechtlos erklärt. Es gibt dort eine Sekte, welche die Tiere gleich wie die Menschen für beseelte Wesen hält. Priester gibt es, welche die Leute in besonderen Mysterienkirchen belehren und ihnen Kulte vorführen. Feste werden am Ende und am Beginn des Jahres gefeiert. Musikinstrumente gibt es, aber die sind von etwas anderer Art als bei den Nicht-Utopiern. Sie sind besonders geeignet, dasjenige in Tönen wiederzugeben, was die menschliche Seele in den verschiedensten Stimmungen empfindet und so weiter.

[ 13 ] It is further recounted that a fundamental trait of the Utopians is to practice religious tolerance. Anyone, provided they do not violate the laws, may belong to any sect or hold any religious belief. The founder of Utopia, Utopus, established this from the very beginning; however, everyone must believe in a supreme being whom they call “Mythra.” The person recounting this also attempted to introduce Christianity there. They showed extraordinary openness toward it, truly recognizing it as the best religion. Religious tolerance prevails there to the highest degree; everyone can believe what they want—please, I am recounting how things are described there—everyone can believe what they want. On the other hand, a materialist—someone who does not believe in the immortality of the soul—is not permitted to enjoy any civil rights or have the same rights as an ordinary Utopian; he is, so to speak, declared to be without rights. There is a sect there that considers animals to be animate beings just like humans. There are priests who instruct the people in special mystery churches and perform rituals for them. Festivals are celebrated at the end and beginning of the year. Musical instruments exist, but they are of a somewhat different kind than those used by non-Utopians. They are particularly suited to expressing in sound what the human soul feels in a wide variety of moods, and so on.

[ 14 ] Ich habe Ihnen alles so erzählt, wie es in dem Buche selbst geschildert wird. Es wird Ihnen aufgefallen sein, daß ich Ihnen an einer Stelle erzählt habe, bei den Utopiern herrsche eine Vernunftreligion, jeder glaube das, was ihm seine Vernunft eingibt. Dann wieder wird erzählt, daß das Christentum eingeführt wurde und daß alle an eine Art Mythra glauben. Dann heißt es wiederum, daß eine Art Toleranz herrsche, daß aber jeder, der ein Materialist sei, nicht die gleichen Rechte habe. Kurz, Sie werden in dem Buch Widerspruch über Widerspruch finden. Um was handelt es sich denn nun eigentlich in diesem Buche, was soll denn da eigentlich geschildert werden?

[ 14 ] I have told you everything exactly as it is described in the book itself. You may have noticed that at one point I mentioned that the Utopians practice a religion of reason, in which everyone believes what their reason dictates. Then again, it is said that Christianity was introduced and that everyone believes in a kind of Mithra. Then it is stated once more that a kind of tolerance prevails, but that anyone who is a materialist does not have the same rights. In short, you will find contradiction after contradiction in the book. So what is this book actually about? What is it really trying to describe?

[ 15 ] Was da geschildert werden soll, ist wirklich nur aus den Grundlagen der Geisteswissenschaft heraus zu verstehen. Seien wir uns ganz klar darüber: Thomas Morus ist, wie Pico della Mirandola und andere, ein Mensch, welcher mit einem Teil seines Wesens noch drinnensteht in den Nachwirkungen des vierten nachatlantischen Zeitraumes und mit der andern Seite seines Wesens schon in den fünften nachatlantischen Zeitraum hineinragt. In gewisser Beziehung ist er aber auch ein Mensch, der dies weiß, der dies mit vollem Bewußtsein zur Entwicklung bringt, weil er ein gewisses geistiges Leben hat. Thomas Morus hat viele Stunden des Tages in Meditationen zugebracht, und er hat durch seine Meditationen ganz bestimmte Erfolge gehabt. Aber diese Erfolge kamen dadurch zustande, daß er eben, wie gesagt, mit einem Teil seines Wesens noch im vierten nachatlantischen Zeitraum drinnen lebte und noch Atavistisches in ihm sich verband mit dem bewußten Hinauftreiben der Seele in die geistige Welt. Dabei lebte er aber doch schon ein Jahrhundert nach dem Beginne des fünften nachatlantischen Zeitraumes, und in seiner Seele war alles vorhanden, was den fünften nachatlantischen Zeitraum charakterisiert: die Intellektualität, der Verstand, wie wir ihn heute kennen und wie er im vierten nachatlantischen Zeitraum noch nicht da war — oder nur nach der Meinung derer, die die Geschichte phantastisch auffassen, da war. Das alles wirkte in seiner Seele zusammen und durcheinander. Wie es in solchen Seelen aussah, das können Sie auch bei Pico della Mirandola studieren und an seinem Verhältnis zu Savonarola.

[ 15 ] What is being described here can truly only be understood on the basis of the fundamentals of spiritual science. Let us be perfectly clear about this: Thomas More, like Pico della Mirandola and others, is a person who, with one part of his being, is still immersed in the aftermath of the fourth post-Atlantean epoch, while the other part of his being already extends into the fifth post-Atlantean epoch. In a certain sense, however, he is also a person who knows this, who brings it to fruition with full awareness, because he possesses a certain spiritual life. Thomas More spent many hours of the day in meditation, and through his meditations he achieved very specific results. But these results came about precisely because, as I said, part of his being still lived within the fourth post-Atlantean epoch, and atavistic elements within him were combined with the conscious striving of the soul toward the spiritual world. Yet he was already living a century after the beginning of the fifth post-Atlantean epoch, and everything that characterizes the fifth post-Atlantean epoch was present in his soul: intellectuality, the intellect as we know it today—and as it did not yet exist in the fourth post-Atlantean epoch—or existed only in the opinion of those who view history in a fanciful way. All of this interacted and intertwined within his soul. You can also study what such souls were like in the case of Pico della Mirandola and his relationship with Savonarola.

[ 16 ] Also, wir haben es zu tun mit einem Menschen, in dessen Seele wir schon ein bißchen hineinblicken müssen, wenn wir verstehen wollen, um was es sich gerade bei seinen Utopien handelt. Sehen Sie, solch ein Mensch wußte, daß in der Menschheitsevolution okkulte Impulse walten und weben — das wußte er genau. Und er wußte, daß es sich in der Wende des vierten zum fünften nachatlantischen Zeitraum darum handelte, einen richtigen Impuls für viele Leute zu geben. Ob sie ihn gebrauchen, das ist ja dann eine andere Frage. Was wußten solche Leute — es war damals so, heute sind die Dinge wieder anders, aber darüber haben wir ja schon oft gesprochen —, was wußten denn solche Leute? Sie wußten, daß die Menschheit in die Dekadenz kommen muß, wenn sie nur dasjenige entwickelt, was, ich möchte sagen unspirituell ist, was nur ausgedacht ist, was nur Vernunftgabe ist. Solche Menschen wußten, daß die Menschheit vertrocknet, bis ins Physische hinein vertrocknet — natürlich nicht in ein paar Jahrhunderten, aber in langer Dauer —, wenn nur der trockene Verstand, nur das, was den materialistischen Anschauungen zugrunde liegt, entwickelt wird. Solche Leute haben einen ganz andern Wahrheitsbegriff als den, der sich in der fünften nachatlantischen Zeit allmählich herausgebildet hat. Solche Menschen wissen, daß Dinge gedacht werden müssen, die sich nicht auf den physischen Plan beziehen, denn — ganz abgesehen davon, wie es um die Wahrheit solcher Dinge steht —, der Mensch muß, wenn er nicht verdorren will, Gedanken haben, die sich nicht auf den physischen Plan beziehen. Das sind die belebenden Gedanken, das sind diejenigen Gedanken, die überhaupt das Leben möglich machen und vorwärtsbringen. Das ist es, was neben dem Wahrheitswert des Spirituellen in Betracht kommt.

[ 16 ] So, we are dealing with a person whose soul we must delve into a little if we are to understand exactly what his utopias are all about. You see, such a person knew that occult impulses are at work and weaving their way through human evolution—he knew that very well. And he knew that at the turn of the fourth to the fifth post-Atlantean epoch, the task was to provide a genuine impulse for many people. Whether they make use of it is, of course, another question. What did such people know—it was like that back then; today things are different again, but we’ve spoken about that often enough—what did such people know? They knew that humanity must descend into decadence if it develops only that which, I would say, is unspiritual, that which is merely contrived, that which is merely a gift of reason. Such people knew that humanity would wither away—even into the physical realm—not, of course, in a few centuries, but over a long period of time—if only dry intellect, only that which underlies materialistic views, were developed. Such people have a completely different concept of truth than the one that has gradually emerged in the fifth post-Atlantean epoch. Such people know that one must think about things that do not pertain to the physical plane, for—quite apart from the question of the truth of such things—human beings, if they do not wish to wither away, must have thoughts that do not pertain to the physical plane. These are the life-giving thoughts; these are the very thoughts that make life possible in the first place and carry it forward. This is what must be taken into account alongside the truth value of the spiritual.

[ 17 ] Durch seine Meditationen war Thomas Morus dazu gelangt, in halb atavistischer, halb bewußter Weise Vorstellungen der höheren Welt zu haben, die sich aber bei ihm durcheinander mischten mit den Elementen der Traumeswelten. Und in solchen wirklichen inneren Erlebnissen hat sich ihm jenes ergeben, was er in «Utopia» erzählt. Das ist nicht etwas Ausgedachtes, das ist nicht eine Phantasie, sondern etwas, was er wirklich als Frucht seiner Meditationen erlebt hat. Er hat es so hingestellt, wie er es erlebt hat, um zu sagen: Seht, ein Mensch, der unter König Heinrich VIII. in England lebt, der sogar ein Staatsdiener Heinrichs VIII. ist, der die Gefühle, die inneren Wünsche, die inneren Ziele Englands in dieser Zeit in seiner Seele trägt, der erlebt, wenn seine Schauungen sein Inneres durchwühlen, dieses als eine Art Staatsideal. — Er wollte ausdrücken, welches die Wünsche, die Ziele, die Ideen sind, die gewissermaßen im Unterbewußten lauern bei denen, die mit der Außenwelt nicht zufrieden sind; das wollte er hinstellen. Man kann also sagen: Es ist die astralische Selbsterkenntnis eines Menschen der damaligen Zeit.

[ 17 ] Through his meditations, Thomas More had come to have visions of the higher world—in a manner that was half atavistic, half conscious—but these visions became intermingled with elements of the dream world. And it was in such genuine inner experiences that what he recounts in Utopia came to him. This is not something invented; it is not a fantasy, but something he truly experienced as the fruit of his meditations. He presented it exactly as he experienced it, to say: Look, a man living in England under King Henry VIII—who is even a civil servant of Henry VIII, who carries within his soul the feelings, inner desires, and inner goals of England at that time—experiences, when his visions stir his inner being, this as a kind of national ideal. — He wanted to express what the desires, goals, and ideas are that, so to speak, lurk in the subconscious of those who are dissatisfied with the outside world; that is what he wanted to portray. One can therefore say: It is the astral self-knowledge of a person of that time.

[ 18 ] Solch ein weiser Mensch wie Thomas Morus stellt nicht einfach ein phantastisches Zukunftsideal hin, sondern er stellt das hin, was er erlebt, weil er dadurch, auf seine Art und seinem Zeitalter gemäß, die große Wahrheit vor die Menschen hinstellen will, daß die äußere, sinnliche Wirklichkeit eine Maja ist und daß man diese äußere, sinnliche Wirklichkeit mit der übersinnlichen Welt zusammenhalten muß. ‚Aber wenn man sie so zusammenhält, daß man zugleich alle Begierden, alle Wünsche, die einem bestimmten Zeitalter angehören und die aus der Natur dieses Zeitalters heraus da sind, mit hineinwirken läßt, so entsteht etwas, was man, wenn man es so anschaut, nun durchaus nicht etwa als ein Ideal hinstellen möchte. Denn ich darf ja wohl gestehen: Wenn ich selber in Utopien geboren wäre, so würde ich wahrscheinlich als meine nächste Aufgabe betrachten, diese utopistischen Zustände so schnell wie möglich zu überwinden und durch andere zu ersetzen. Vielleicht würde ich sogar die Zustände, die da oder dort auf unserer Erde herrschen — abgesehen von den jetzigen Zeiten — für viel idealere anschauen als diejenigen, die in Utopien herrschen. Aber Thomas Morus wollte ja auch keine Idealzustände schildern, sondern das, was er unter den Verhältnissen, wie ich sie beschrieben habe, wirklich erlebt hat. Er wollte gewissermaßen den Menschen sagen: Wenn ihr eure Wünsche sehen könntet, wenn ihr sehen könntet, was ihr euch vorstellt über ideale Zustände, dann würde es so ausschauen — so ausschauen, daß ihr jedenfalls damit auch nicht einverstanden sein würdet. Jetzt kennen wir auch diesen Fremden, [der die Beschreibung Utopiens gibt]: Dieser Fremde ist das astralische Selbst des Thomas Morus.

[ 18 ] A wise man like Thomas More does not simply present a fantastical ideal of the future, but rather presents what he experiences, because in this way—in his own manner and in keeping with his age—he wishes to present to people the great truth that external, sensory reality is an illusion and that this external, sensory reality must be held together with the supersensible world. “But if one holds them together in such a way that one simultaneously allows all the desires and wishes that belong to a particular age—and that arise from the very nature of that age—to play a role, then something emerges that, when viewed in this light, one would certainly not wish to present as an ideal. For I must admit: If I myself had been born in Utopia, I would probably consider it my next task to overcome these utopian conditions as quickly as possible and replace them with others. Perhaps I would even regard the conditions that prevail here and there on our Earth—apart from the present times—as far more ideal than those that prevail in Utopia. But Thomas More did not intend to describe ideal conditions either; rather, he wanted to depict what he actually experienced under the circumstances I have described. He wanted, so to speak, to tell people: If you could see your own desires, if you could see what you imagine ideal conditions to be, then it would look like this—it would look such that you certainly would not agree with it either. Now we also know this stranger [who provides the description of Utopia]: This stranger is the astral self of Thomas More.

[ 19 ] Diese Dinge müssen viel realer genommen werden, als man gewöhnlich meint. An bestimmten Stellen, meine lieben Freunde, an bestimmten Stellen der Menschheitsevolution muß man die grundlegenden Tatsachen aufsuchen, um diese Menschheitsevolution zu verstehen. Das Urteil ist jedenfalls nicht so zu gestalten, daß man aus den paar Tatsachen, die gerade in der Umgebung liegen und von den Menschen der Umgebung noch gar zubereitet werden, irgendein gültiges Urteils ableiten könnte. Man könnte daraus bloß ein Urteil ableiten, das gerade den Sympathien und Antipathien entspricht, was ja in allen Ehren gelten mag, aber weiter kommt man damit nicht, und der Menschheit kann man keine Dienste damit leisten. So wollte ich Ihnen zunächst einen Menschen hinstellen, der für den Umschwung des Zeitalters — für die Wende des vierten nachatlantischen Zeitraums zum fünften — besonders charakteristisch ist; wir werden auf alle diese Dinge noch zurückkommen. Ich wollte Ihnen einen Menschen schildern, der das Charakteristische des tieferen Seelenlebens wirklich an die Oberfläche fördert, es zum Selbsterlebnis bringt. Ich will zunächst nur diese Tatsache vor Sie hinstellen.

[ 19 ] These things must be taken much more seriously than is generally thought. At certain points, my dear friends, at certain points in human evolution, one must examine the fundamental facts in order to understand this evolution of humanity. In any case, one must not form a judgment in such a way that one could derive any valid conclusion from the few facts that happen to be at hand and are still being processed by the people in one’s immediate surroundings. One could only derive a judgment from them that corresponds precisely to one’s sympathies and antipathies—which may well be perfectly respectable—but that gets one no further, and it does humanity no service. So I wanted to present to you, to begin with, a person who is particularly characteristic of the turning point of the age—the transition from the fourth post-Atlantean epoch to the fifth; we will return to all these things later. I wanted to describe to you a person who truly brings the characteristic features of the deeper soul life to the surface, making them a personal experience. For now, I simply want to present this fact to you.

[ 20 ] Wenn wir die Zusammenhänge verstehen sollen, um die es ja manchen unter unseren Freunden — wie es als Wunsch ausgedrückt worden ist — zu tun ist, haben wir es ferner nötig, die konkrete Realität dessen, was Volksseele ist, wirklich zu verstehen, denn unsere materialistische Zeit und Empfindungsweise ist nur allzu geneigt, die Volksseele zu verwechseln mit der einzelnen Seele, das heißt, wenn man von einem Volke spricht, zu glauben, daß dieses in der Realität etwas zu tun hat mit den einzelnen Angehörigen eines Volkes. Für den Okkultisten ist es unsinnig — wenn ich einen Vergleich gebrauchen darf, der allerdings grob ist, der Ihnen aber veranschaulichen kann, worum es sich handelt —, für den Okkultisten ist es unsinnig, jemanden, der sich einen Engländer oder einen Deutschen nennt, mit seiner Volksseele zu identifizieren, ebenso wie es unsinnig ist, den Sohn oder die Tochter mit dem Vater oder der Mutter zu identifizieren. Es ist, wie gesagt, ein grober Vergleich, weil wir es hier mit zwei physischen Wesenheiten zu tun haben, und dort mit einer physischen und einer nicht-physischen Wesenheit, aber in beiden Fällen haben wir zwei ganz verschiedene Gebilde, wenn man sie konkret betrachtet — zwei ganz verschiedene Wesenheiten.

[ 20 ] If we are to understand the connections that are, as some of our friends have expressed, the focus of their concern, we must also truly understand the concrete reality of what the national soul is, for our materialistic age and way of thinking are all too inclined to confuse the national soul with the individual soul, that is, when speaking of a people, to believe that this actually has something to do with the individual members of that people. For the occultist, it is nonsensical—if I may use a comparison that is admittedly crude but can illustrate what is at stake—for the occultist, it is nonsensical to identify someone who calls himself an Englishman or a German with his national soul, just as it is nonsensical to identify a son or daughter with his father or mother. As I said, it is a rough comparison, because here we are dealing with two physical entities, and there with one physical and one non-physical entity, but in both cases we have two entirely different entities when viewed concretely—two entirely different beings.

[ 21 ] Verstehen, meine lieben Freunde, wird man allerdings das, was da zugrunde liegt — was aber zu verstehen höchst notwendig ist, wenn man überhaupt von diesen Dingen mit einer realen Unterlage reden will —, verstehen wird man diese Dinge erst von dem Zeitpunkt an, wo man ernsthaft die Geheimnisse der wiederholten Erdenleben und des damit zusammenhängenden Karmas begreift. Denn es liegt eine ungeheuer bedeutsame Wahrheit darin, daß man ja nur mit einer Inkarnation in einem Volke drinnensteckt, aber in der eigenen, individuellen Wesenheit etwas ganz anderes trägt als das, was in der Volksseele ist — etwas, was unendlich vielmehr und wiederum unendlich viel weniger ist als die Volksseele. Sich zu identifizieren mit der Volksseele, hat der Realität gegenüber überhaupt keinen Sinn, wenn es etwas anderes sein soll, als das, was man mit den Worten Vaterlandsliebe, Heimatliebe, Patriotismus und dergleichen bezeichnet. Aber richtig sehen wird man diese Dinge erst, wenn man ernsthaft und tief die Wahrheiten von Reinkarnation und Karma ins Auge fassen kann. Ich habe in der letzten Zeit an verschiedenen Orten gesprochen von dem Zusammenhange der Menschenseele im Dasein zwischen Tod und neuer Geburt mit dem, was auftritt, wenn der Mensch dann durch die Geburt ins irdische Dasein tritt. Ich habe darauf aufmerksam gemacht, daß der Mensch zwischen Tod und neuer Geburt mit denjenigen Kräften in Verbindung ist, die die Menschen durch Generationen zusammenführen, also solche Verhältnisse bewirken, daß zuletzt durch die Bedingungen der Generationenfolge, durch das beständige Zusammenführen von Elternpaaren, durch die Nachkommenschaft der Mensch zwischen Tod und Geburt in einer ganz bestimmten Strömung drinnen ist, die zuletzt dahin führt, daß da ein Elternpaar ist, durch das er sich verkörpern kann. So wie man im physischen Leben mit seinem physischen Leib zusammenhängt, so hängt man zwischen Tod und Geburt zusammen mit den Verhältnissen, welche die Geburt vorbereiten aus einem bestimmten Elternpaar heraus. Also darin, daß man diesen Vater, diese Mutter hat, daß dieser Vater wieder jenen Vater, diese Mutter wieder jene Mutter hat und so weiter hinauf, in alldem, was sich da in den verschiedensten Verzweigungen verästelt, was da in der verschiedensten Weise zusammenwirkt, in alldem steckt man drinnen durch Jahrhunderte. Ich mache Sie darauf aufmerksam, daß es schon eine stattliche Anzahl von Jahrhunderten ist, wenn man nur in dem, was sich durch dreißig Generationen zieht, drinnensteckt, denn von Karl dem Großen bis auf unsere Zeit sind es etwa dreißig Generationen. In alldem, was sich da so vollzieht an Sich-Lieben und Sich-Finden, an Nachkommenschaft-Erzeugen und zuletzt zu dem Elternpaar führt, aus dem man geboren wird, in alldem steckt man selbst darinnen, das bereitet man selber vor.

[ 21 ] Understand, my dear friends, that one will indeed come to understand what underlies all this—which is absolutely essential if one is to speak of these matters with any real foundation—but one will only truly understand these things from the moment one seriously grasps the mysteries of repeated earthly lives and the karma associated with them. For there lies an immensely significant truth in the fact that, while one is indeed embedded within a people through one’s incarnation, one carries within one’s own individual being something entirely different from what is in the soul of the people—something that is infinitely more and, at the same time, infinitely less than the soul of the people. Identifying with the national soul makes no sense at all in relation to reality if it is to be anything other than what is described by the terms love of one’s fatherland, love of one’s homeland, patriotism, and the like. But one will only truly see these things when one can seriously and deeply confront the truths of reincarnation and karma. I have recently spoken in various places about the connection between the human soul’s existence between death and rebirth and what occurs when a person then enters earthly existence through birth. I have pointed out that between death and rebirth, a person is connected to those forces that bring people together across generations, thus bringing about circumstances such that, ultimately, through the conditions of the succession of generations, through the constant bringing together of parental couples, and through their offspring, a human being is, between death and birth, caught up in a very specific current that ultimately leads to the existence of a parental couple through whom he or she can incarnate. Just as one is connected to one’s physical body in physical life, so, between death and birth, one is connected to the circumstances that prepare for birth through a specific pair of parents. That is, in the fact that one has this father, this mother; that this father in turn has that father, this mother in turn has that mother, and so on back through the generations—in all of this, which branches out in the most diverse ways and interacts in the most varied manners—one is embedded within it for centuries. I would like to point out that it is already a considerable number of centuries if one is entangled merely in what spans thirty generations, for from Charlemagne to our time there are about thirty generations. In all of this—the loving and finding one another, the procreation of offspring, and ultimately the path leading to the parents from whom one is born—one is personally involved in it all; one prepares it oneself.

[ 22 ] Ich wiederhole dies aus dem Grunde, weil es bei jenen Persönlichkeiten, die man die Führenden nennt und die man als Führende in einer gewissen Weise anerkennen kann, wichtig ist einzusehen, wie gerade durch die Tatsache, die ich jetzt vorgeführt habe, das zustande kommt, was sie dann für die Menschheit bedeuten. Ich möchte Ihren Blick auf eine führende Persönlichkeit lenken, möchte aber das, was über sie zu sagen ist, zuletzt gipfeln lassen in einem Ausspruch, den ein anderer über diese Persönlichkeit getan hat — sie werden gleich sehen, warum. Ich möchte Ihren Blick lenken auf die Persönlichkeit Dantes.

[ 22 ] I repeat this because, when it comes to those individuals whom we call leaders—and whom we can, in a certain sense, recognize as such—it is important to understand how the very fact I have just described gives rise to what they ultimately mean for humanity. I would like to draw your attention to a leading figure, but I would like what is to be said about him to culminate in a statement that someone else made about this figure—you will see why in a moment. I would like to draw your attention to the figure of Dante.

[ 23 ] Da haben wir also eine Persönlichkeit im Ausgang des vierten nachatlantischen Zeitraums — eine ganz hervorragende Persönlichkeit. Wir können eine solche hervorragende Persönlichkeit jenen Persönlichkeiten gegenüberstellen, die nach dem Eintritt des fünften nachatlantischen Zeitraums eine gewisse Bedeutung erlangt haben, wie zum Beispiel Thomas Morus. Fassen wir dasjenige, was wir im allgemeinen erkannt haben, bei einer solchen Persönlichkeit wie Dante ins Auge. Solch eine Persönlichkeit wirkt weithin impulsierend, weithin bedeutungsvoll. Da ist es schon interessant, wenigstens ahnend darüber nachzudenken, wie denn eine solche Seele, eine solche Persönlichkeit, bevor sie durch diejenige Geburt, die für die Menschheit bedeutend wird, ins physische Erdendasein tritt, sich gewissermaßen, wenn ich den etwas barocken Ausdruck gebrauchen darf, das zusammenstellt, was sie braucht, damit sie dann in der richtigen Weise durch das richtige Elternpaar geboren wird. Selbstverständlich werden diese Verhältnisse aus der geistigen Welt heraus zustande gebracht, aber sie werden dann mit Hilfe der physischen Werkzeuge realisiert, so daß gewissermaßen aus der geistigen Welt heraus dieses Blut zu jenem Blut dirigiert wird und so weiter. In der Regel könnte eine solche Persönlichkeit wie Dante nie zustande kommen aus einem homogenen Blut heraus. Einem einzigen Volke anzugehören, ist für eine solche Seele geradezu unmöglich; da muß schon eine geheimnisvolle Alchemie stattfinden, das heißt, es muß Blut aus verschiedenen Völkern zusammenfließen. Und was diejenigen auch sagen mögen, welche in Überpatriotismus die großen Persönlichkeiten für ein Volk in Anspruch nehmen wollen — da steckt nicht viel Reales dahinter!

[ 23 ] So here we have a figure from the end of the fourth post-Atlantean epoch—a truly outstanding figure. We can contrast such an outstanding personality with those who attained a certain significance after the onset of the fifth post-Atlantean epoch, such as Thomas More. Let us consider what we have generally recognized in a personality such as Dante. Such a personality has a far-reaching, inspiring, and profound significance. It is certainly interesting to at least intuitively reflect on how such a soul, such a personality, before entering physical earthly existence through the birth that will be significant for humanity, so to speak—if I may use this somewhat baroque expression—assembles what it needs so that it may then be born in the right way to the right set of parents. Of course, these circumstances are brought about from the spiritual world, but they are then realized with the help of physical instruments, so that, in a sense, this blood is directed from the spiritual world to that blood, and so on. As a rule, a personality such as Dante could never come into being from a homogeneous bloodline. For such a soul, belonging to a single people is virtually impossible; a mysterious alchemy must take place—that is, blood from different peoples must flow together. And whatever those who, out of excessive patriotism, wish to claim great personalities for a single people may say—there is not much reality behind it!

[ 24 ] Was Dante betrifft, so möchte ich zunächst, damit Sie sehen, daß ich nicht irgendwie parteiisch bin, einen andern über ihn sprechen lassen, denn man könnte sonst sehr leicht glauben, daß ich irgendwie Politik treibe, was mir natürlich so fern wie möglich liegt. Einen andern will ich schildern lassen, was in seinem Wesen deutlich zu sehen ist für denjenigen, der auf dieses Wesen einzugehen versteht. Deshalb habe ich bei Carducci nachgeforscht, dem großen italienischen Dichter der neueren Zeit, der ein großer Dante-Kenner war. Aber hinter ihm steht — und besonders aus diesem Grunde führe ich ihn an —, auch das, was man in Italien die «massoneria» nennt, das,

[ 24 ] As for Dante, I would first like to let someone else speak about him—so that you can see I am not in any way biased—because otherwise one might very easily believe that I am engaging in politics in some way, which is, of course, as far from my intentions as possible. I want to let someone else describe what is clearly evident in his nature to those who know how to appreciate it. That is why I turned to Carducci, the great modern Italian poet, who was a great scholar of Dante. But behind him stands—and this is the main reason I cite him—what is known in Italy as “massoneria,” that is,

[ 25 ] was mit all den okkulten Verbrüderungen zusammenhängt, auf die ich Sie aufmerksam gemacht habe, so daß Carduccis theoretische Auseinandersetzungen über die realen Dinge des Lebens doch bis zu einem gewissen Grade von einer solchen tieferen Erkenntnis getragen sind. Nicht daß er diese Erkenntnis überall auf den Markt geworfen hätte, nicht daß er irgendwie Okkultist gewesen wäre — das will ich nicht behaupten —, aber in dem, was er sagt, steckt doch manches, was auf allerlei geheimnisvollen Kanälen zu ihm gekommen ist. Das ist es, was seinen Äußerungen zugrunde liegt.

[ 25 ] which is connected to all the occult brotherhoods I have brought to your attention, so that Carducci’s theoretical reflections on the real things of life are, to a certain extent, underpinned by such a deeper understanding. Not that he would have flaunted this insight everywhere, nor that he was in any way an occultist—I do not mean to claim that—but there is certainly much in what he says that has come to him through all sorts of mysterious channels. That is what underlies his statements.

[ 26 ] Nun sagt Carducci, in Dante würden drei Elemente zusammenwirken, und nur dadurch, daß diese drei Elemente zusammenwirken, sei das zustande gekommen, was Dante war. Das erste sei ein altetruskisches Element — durch gewisse Glieder in seiner Abstammungsreihe sei es auf ihn gekommen, denn in diesen zurückliegenden Generationen liegt eben Verschiedenes, das zuletzt zu dem Elternpaar von Dante geführt hat. Und von diesem altetruskischen Elemente, sagt Carducci, habe Dante das, was ihm die übersinnlichen Welten erschlossen habe — dadurch habe er in solch tiefer Weise über die übersinnlichen Welten sprechen können. Zweitens liege in ihm, so sagt Carducci, das romanische Element. Von diesem habe er die Art des Alltagslebens und das Ausgehen von gewissen Rechtsbegriffen. Und als drittes, sagt Carducci, liege in Dante das germanische Element. Von diesem habe er die Kühnheit und Frische der Anschauung und einen gewissen Freimut, ein gewisses festes Eintreten für das, was er sich vorgesetzt hat. Aus diesen drei Elementen setzt sich für Carducei das Seelenleben Dantes zusammen.

[ 26 ] Now Carducci says that three elements interact in Dante, and it is only through the interaction of these three elements that Dante came to be what he was. The first is an ancient Etruscan element—it was passed down to him through certain ancestors in his lineage, for in these past generations there are various factors that ultimately led to Dante’s parents. And from this ancient Etruscan element, says Carducci, Dante derived what opened up the supernatural worlds to him—which is why he was able to speak so profoundly about the supernatural worlds. Secondly, says Carducci, the Roman element is present in him. From this he derived his way of everyday life and his understanding of certain legal concepts. And thirdly, Carducci says, there is the Germanic element in Dante. From this he derived the boldness and freshness of his outlook, as well as a certain frankness and a steadfast commitment to what he had set out to achieve. For Carducci, Dante’s inner life is composed of these three elements.

[ 27 ] Das erste weist uns hin auf Altkeltisches, das ihn irgendwie durchblutet — wenn ich das Wort gebrauchen darf — und ihn unmittelbar in Zusammenhang bringt mit dem dritten nachatlantischen Zeitraum, denn das Keltische im Norden führt zurück in das, was wir kennengelernt haben als den dritten nachatlantischen Zeitraum. Dann finden wir den vierten nachatlantischen Zeitraum im romanischen, den fünften im germanischen Elemente. Aus diesen drei Zeiträumen und ihren Impulsen setzen sich für Carducci die Elemente in Dantes Seele zusammen, so daß wir also wirklich drei Schichten haben, welche nebeneinander oder vielmehr übereinander gelagert sind: dritter, vierter, fünfter nachatlantischer Zeitraum — keltisch, romanisch, germanisch. Gute Dante-Forscher haben viele Bemühungen angestellt, um dahinterzukommen, wie Dante von der geistigen Welt aus sein Blut in der Weise hat mischen können, daß es ein so zusammengesetztes wurde — das heißt, sie haben es natürlich nicht mit diesen Worten ausgesprochen, wie ich es jetzt gesagt habe, aber sie haben sich [nach dieser Richtung] bemüht, und manches ist, so glauben diese Leute, dadurch zustande gekommen, daß ein gut Teil von Dantes Vorfahrenschaft zum Beispiel in Graubünden zu finden sei. Das kann die Geschichte schon bis zu einem gewissen Grade bekräftigen: Nach allen Windrichtungen, aber auch nach dieser Gegend hin, wo so viel Blutmischung stattgefunden hat, weist der Vorfahrenzug Dantes.

[ 27 ] The first points us to Old Celtic elements that, so to speak, run through his veins—if I may use that expression—and directly link him to the third post-Atlantean epoch, for the Celtic elements in the north lead back to what we have come to know as the third post-Atlantean epoch. Then we find the fourth post-Atlantean epoch in the Romance elements, and the fifth in the Germanic elements. For Carducci, the elements in Dante’s soul are composed of these three epochs and their impulses, so that we truly have three layers that lie side by side—or rather, one on top of the other: the third, fourth, and fifth post-Atlantean epochs—Celtic, Romance, and Germanic. Reputable Dante scholars have made great efforts to uncover how Dante, drawing from the spiritual world, was able to blend his blood in such a way that it became so complex—that is to say, they did not, of course, express it in these exact words as I have just done, but they have pursued this line of inquiry, and some of this, these scholars believe, arose from the fact that a significant portion of Dante’s ancestry can be traced, for example, to Graubünden. History can indeed corroborate this to a certain extent: Dante’s ancestral lineage points in all directions, but also toward this region, where so much intermingling of blood took place.

[ 28 ] Da sehen wir, wie an einer einzelnen Persönlichkeit das merkwürdige Zusammenwirken der drei Schichten in der europäischen Menschheitsentwicklung zutage tritt. Und Sie sehen, ein Mann wie Carducci, der dieses Urteil nicht unter dem Einfluß der heutigen völkischen Tollheit gefällt hat, sondern aus einer gewissen Objektivität heraus, ist es, welcher auf das hinweist, was bei Dante zugrunde liegt. Nun, damit aber berühren wir Verhältnisse, die überall dort bekannt sind, wo über die Menschheitsentwicklung vom okkultistischen Standpunkte aus so gesprochen wird, daß man auf die wirklichen Verhältnisse sieht — man rechnet mit ihnen und will sie auch als Kräfte benützen, wenn man dieses oder jenes tut. Diese Verhältnisse sind in den rechtmäßigen okkulten Bruderschaften keineswegs unbekannt, sie sind auch denjenigen bis zu einem gewissen Grade nicht unbekannt, die die Dinge nach der einen oder nach der anderen Richtung in den Dienst irgendeines Gruppenegoismus stellen. Denn das Geheimnis von dem Zusammenwirken der drei aufeinanderfolgenden Schichten, das ja hauptsächlich für Europa eine große Bedeutung hat, dieses Geheimnis wird in allen okkulten Bruderschaften, die dieses Namens wert sind, mit großer Sorgfalt besprochen — nur natürlich zuweilen auch ablenkend in der einen oder andern Weise von dem, was man die gute Richtung nennen kann. Also, das bitte ich Sie ganz genau festzuhalten, daß man in solchen Dingen Erkenntnisse hat, die gelehrt werden — wenn man auch in der äußeren, gescheiten Welt oftmals so wenig davon wissen will-, und zwar mit einer besonderen Sorgfalt und Systematik gelehrt werden, insbesondere in westlichen und in amerikanischen okkulten Bruderschaften.

[ 28 ] Here we see how the remarkable interplay of the three layers in the development of European civilization is revealed in a single individual. And you see, it is a man like Carducci—who did not arrive at this judgment under the influence of today’s nationalistic frenzy, but rather from a position of objectivity—who points to what underlies Dante’s work. Now, however, we are touching upon circumstances that are well known wherever the development of humanity is discussed from an occult perspective in such a way that one looks at the actual circumstances—one takes them into account and also seeks to use them as forces when undertaking this or that. These circumstances are by no means unknown in the legitimate occult brotherhoods; nor are they entirely unknown, to a certain extent, to those who, in one direction or another, place these matters in the service of some form of group egoism. For the mystery of the interplay of the three successive strata—which, after all, is of great significance primarily for Europe—this mystery is discussed with great care in all occult brotherhoods worthy of the name—though, naturally, sometimes it is diverted in one way or another from what might be called the right direction. So, I ask you to bear this in mind very clearly: that in such matters, insights are taught—even if the outer, rational world often wants to know so little about them—and they are taught with particular care and systematic rigor, especially in Western and American occult brotherhoods.

[ 29 ] Nun will ich Sie, nachdem ich in dieser Weise den Weg vorbereitet habe, auf etwas hinweisen, was gewissermaßen Evolutionsgeheimnis ist und was auch immer gelehrt wird- allerdings mit den verschiedenartigsten Zielen gelehrt wird. Ich will Sie jetzt hinweisen auf einige besondere Lehren, welche ich einfach referierend mitteilen will. Diese Lehren haben den Inhalt [der Unterweisungen gewisser Bruderschaften] gebildet, namentlich intensiv am Ende des 19. Jahrhunderts; sie haben sich dann im 20. Jahrhundert fortgesetzt. Sie sind aber besonders am Ende des 19. Jahrhunderts in Angriff genommen worden, haben einen besonders intensiven Einfluß gewonnen, und man hat versucht, sie überall dort hineinzutragen, wo man es für notwendig fand, um sie zu gewissen Zwecken, zu gewissen Zielen zu gebrauchen. Ich will Ihnen also zuerst, ohne daß ich Kritik übe, sondern indem ich bloß referiere, gewisse Lehren aus okkulten Bruderschaften Englands mitteilen — ich spiele also auf das an, wozu ich Sie vorbereitet habe.

[ 29 ] Now that I have prepared the way in this manner, I would like to draw your attention to something that is, in a sense, a mystery of evolution—something that is taught in various ways, though always with the most diverse of objectives. I would now like to draw your attention to some specific teachings, which I simply wish to present in summary form. These teachings formed the content [of the teachings of certain brotherhoods], particularly intensively toward the end of the 19th century; they then continued into the 20th century. However, they were taken up particularly at the end of the 19th century, gained a particularly intense influence, and attempts were made to spread them wherever it was deemed necessary in order to use them for certain purposes and to achieve certain goals. So I would like to begin by sharing with you—not to criticize, but merely to report—certain teachings from occult brotherhoods in England; I am thus alluding to what I have prepared you for.

[ 30 ] Da wurde und wird gelehrt: Die Evolution Europas kann man nur verstehen, wenn man zunächst zurückblickt auf den Übergang des romanischen, des vierten nachatlantischen Zeitraums, zum fünften nachatlantischen Zeitraum. Und weiter wurde gelehrt — also bitte das streng nur als Referat aufzufassen —, es wurde gelehrt, daß man verstehen müsse das Geheimnis des Überganges vom vierten in den fünften nachatlantischen Zeitraum oder, wie man in diesen Bruderschaften sagte, von der vierten in die fünfte Unterrasse. — Sie wissen, wir können diesen Ausdruck «Unterrasse» aus oft schon wiederholten Gründen nicht anführen, weil man dadurch schon ein einseitiges Ziel, ein gewisses Gruppenziel verfolgt, während es uns nie um Gruppenziele zu tun ist, sondern immer um die allgemeinen menschheitlichen Ziele. Es wurde also gelehrt, daß man verstehen müsse den Übergang von der vierten in die fünfte Unterrasse. Die vierte Unterrasse stellen im wesentlichen die romanischen, die lateinischen Völkerschaften dar. Es ist in der Menschheitsevolution so, daß das, was sich nacheinander entwickelt, nicht etwa so verläuft, daß einfach das Nachfolgende hinter dem Vorhergehenden steht, sondern das Vorhergehende bleibt neben dem Nachfolgenden vorhanden, so daß dann räumlich nebeneinander leben das Vorhergehende und das Nachfolgende. So ist die vierte Unterrasse, die wesentlich aus dem romanisch-lateinischen Element besteht, auch während des Zeitraumes der fünften Unterrasse, die mit dem Beginne des 15. Jahrhunderts ihren Anfang nahm, in ihren Nachzüglern — eben in den romanisch-lateinischen Völkerschaften — bestehen geblieben.

[ 30 ] It was and is taught that the evolution of Europe can only be understood by first looking back at the transition from the Romanic, or fourth post-Atlantean epoch, to the fifth post-Atlantean epoch. And it was further taught—please take this strictly as a lecture—that one must understand the mystery of the transition from the fourth to the fifth post-Atlantean epoch, or, as was said in these brotherhoods, from the fourth to the fifth subrace. — As you know, for reasons we have often repeated, we cannot use the term “subrace,” because doing so implies pursuing a one-sided goal, a certain group-oriented objective, whereas we are never concerned with group goals but always with the general goals of humanity. It was thus taught that one must understand the transition from the fourth to the fifth subrace. The fourth subrace is essentially represented by the Romance and Latin peoples. In human evolution, what develops successively does not proceed in such a way that the subsequent simply follows the preceding; rather, the preceding remains present alongside the subsequent, so that the preceding and the subsequent then live side by side in space. Thus, the fourth subrace, which consists essentially of the Romance-Latin element, continued to exist in its stragglers—namely, the Romance-Latin peoples—even during the period of the fifth subrace, which began at the start of the 15th century.

[ 31 ] Die fünfte Unterrasse stellen [nach jener Lehre] diejenigen Völker in der Welt dar, welche berufen sind, Englisch zu sprechen — die englischsprechenden Völker stellen die fünfte Unterrasse dar. Und die ganze Aufgabe des fünften nachatlantischen Zeitraums besteht darin, die Welt für die englischsprechenden Völker zu erobern. Es wird so sein, daß die Überbleibsel der vierten Unterrasse, die lateinisch angehauchten Völker, augenscheinlich immer mehr und mehr in einen gewissen Materialismus verfallen werden. Diese Völker enthalten in sich das Element der inneren Auflösung, und sie tragen auch in physischer Beziehung das Element der Dekadenz in sich — wie gesagt, ich referiere nur, ich stelle nicht irgend etwas dar, was eine Behauptung von mir ist, sondern ich referiere bloß. [Und es wird dann noch gesagt], daß das [führende] Element der fünften Unterrasse die Anlage zum Spiritualismus, zum Erfassen der geistigen Welt enthalte.

[ 31 ] [According to that doctrine], the fifth subrace is represented by those peoples in the world who are destined to speak English—the English-speaking peoples constitute the fifth subrace. And the entire mission of the fifth post-Atlantean epoch consists in conquering the world for the English-speaking peoples. It will be the case that the remnants of the fourth subrace—the Latin-influenced peoples—will apparently sink deeper and deeper into a certain materialism. These peoples contain within themselves the element of inner dissolution, and they also carry within themselves, in a physical sense, the element of decadence—as I said, I am merely reporting; I am not presenting anything that is my own assertion, but I am simply reporting. [And it is further stated] that the [leading] element of the fifth subrace contains the predisposition toward spiritualism, toward comprehending the spiritual world.

[ 32 ] Nun müsse man verstehen, wie die vierte Unterrasse auf die fünfte gewirkt hat. Man müsse — so wird gelehrt — den Blick zunächst zurückwenden bis dahin — wenn man ihn nicht weiter zurückgehen lassen wolle-, wo diejenigen Völkerschaften im Norden, die dann zu den Britanniern, Galliern, Germanen geworden sind, ans Römische Reich herangekommen sind. Man warf die Frage auf: Was waren eigentlich diese Völkerschaften, die da vom Norden herankamen zu der Zeit, als sie vom Römischen Reich bekriegt wurden, als also gewissermaßen der Kampf ausbrach zwischen der vierten und fünften Unterrasse — was waren denn diese Völkerschaften? Als Völker waren sie dem Lebensalter nach sozusagen Kleinkinder — «Säuglinge». Also, wichtig ist gerade das festzuhalten, daß die Römer — das romanische Element, die Angehörigen der vierten Unterrasse — kamen, um diese Völkerschaften wie eine «Amme» zu pflegen. Man braucht diese Ausdrücke, um eben die Analogien zwischen dem Volkselemente und dem Elemente des individuellen Menschen darzustellen. Also, die Römer wurden sozusagen zu Ammen, [zu Kindermädchen], und diese Ammenschaft dauerte so lange, wie sich die Herrschaft der Römer über die mehr oder weniger im Säuglingsalter befindlichen Völker im Norden erstreckte.

[ 32 ] Now one must understand how the fourth subrace influenced the fifth. We must—as we are taught—first look back to the time—if we do not wish to go further back—when those peoples in the north, who later became the Britons, Gauls, and Germanic tribes, approached the Roman Empire. The question was raised: What were these peoples, actually, who were approaching from the north at the time they were being waged war against by the Roman Empire—that is, when the struggle between the fourth and fifth sub-races broke out, so to speak—what were these peoples? As peoples, they were, so to speak, infants—“babies.” So, it is particularly important to note that the Romans—the Romanic element, the members of the fourth subrace—came to care for these peoples like a “wet nurse.” These terms are necessary precisely to illustrate the analogies between the elements of a people and those of the individual human being. Thus, the Romans became, so to speak, wet nurses [nannies], and this role as wet nurses lasted as long as Roman rule extended over the peoples of the North, who were more or less in their infancy.

[ 33 ] Vom Kleinkind wird man zum Schulkind — das ist die Zeit, in der das Papsttum in Rom gegründet wurde und der Papst mit seiner Herrschaft zum [«Erzieher» und] «Vormund» des Kindes wird, so wie das romanische Element, der frühere Romanismus, die «Amme» dieser Völker war — wie gesagt, ich referiere nur, ich behaupte nichts. Dann haben wir die ganze Wechselwirkung zwischen dem Papsttum und den nördlichen Verhältnissen, alles das, was sich entwickelte durch Mitteleuropa bis nach Britannien hinein: Das ist die Erziehung unter dem päpstlichen Vormund, in dem noch das romanische Element aus der vierten nachatlantischen Zeit herüberwirkt. Es beginnt — so um das 12. Jahrhundert herum, als das Papsttum anfängt, sich zu verändern — das Jünglingsalter und die Entwicklung der eigenen Intelligenz dieser verschiedenen Völkerschaften. Der [Erzieher und] Vormund tritt immer mehr zurück. Und dieses Jünglingsalter, das dauert ungefähr bis zum Ende des 18. Jahrhunderts.

[ 33 ] From a toddler, one becomes a schoolchild—this is the time when the papacy was founded in Rome and the pope, through his rule, became the [“educator” and] “guardian” of the child, just as the Romanic element—the earlier Romanism—served as the “nursemaid” of these peoples—as I said, I am merely reporting; I am not making any claims. Then we have the entire interplay between the papacy and northern conditions, everything that developed through Central Europe all the way to Britain: This is the upbringing under the papal guardian, in which the Romanic element from the fourth post-Atlantean epoch still exerts its influence. It begins—around the 12th century, as the papacy begins to change—the adolescence and the development of the independent intellect of these various peoples. The [educator and] guardian increasingly takes a back seat. And this adolescence lasts roughly until the end of the 18th century.

[ 34 ] Nun läßt man in der Regel, indem man solche Dinge lehrt, die Gegenwart weg, weil man dies aus bestimmten Gründen für sehr gut befindet. Die Leute sollen nicht zu deutlich hören, wie man über die Gegenwart denkt — das will man ihnen mehr auf suggestive Weise beibringen. Und so hat sich denn aus dem, was sich im Norden da unter Ammenschaft, Vormundschaft und so weiter entwickelt hat, dasjenige zu dem gegenwärtigen Reifezustand herangebildet, was nun die Anlage enthält, um eben die Bewohner von «Britannia» allmählich so zum herrschenden Volke im fünften nachatlantischen Zeitraum zu machen, wie es nicht nur die Römer waren, sondern wie es auch der Romanismus war, als aus ihm das Papsttum hervorging. Indem also vom Menschheitsstamm die Überbleibsel des lateinischen Elements abbröckeln, bereitet sich nach dieser Anschauung das «britannische», das britische Element als das fruchtbare aus. Und es wird nun angedeutet, daß alle äußeren Vornahmen, alle äußeren Maßnahmen, die einen Sinn haben sollen, die fruchtbar sein sollen, so getroffen werden müssen, daß sie gewissermaßen influenziert sind von diesen Anschauungen, denn was ohne diese Anschauungen geschieht, was etwa in dem Glauben geschieht, daß das lateinische Element nicht in der Dekadenz ist oder daß das britische Element nicht im Aufsteigen ist, das ist dazu verurteilt abzudorren. Man kann natürlich — so sagen diese Leute — trotzdem solche Dinge machen, aber sie sind dazu verurteilt, nichts zu bedeuten; sie wachsen sozusagen nicht. Es ist, wie wenn man einen Samen in ein unrichtiges Erdreich wirft.

[ 34 ] Now, as a rule, when teaching such things, the present is left out, because this is considered very good for certain reasons. People are not supposed to hear too clearly what is thought about the present—the intention is to teach them this in a more suggestive way. And so, from what developed in the North under guardianship, guardianship, and so on, has developed into its present state of maturity—a state that now contains the potential to gradually transform the inhabitants of “Britannia” into the ruling people of the fifth post-Atlantean epoch, just as not only the Romans were, but also Romanism itself, when the papacy emerged from it. Thus, as the remnants of the Latin element crumble away from the human race, the “British” element, according to this view, is emerging as the fruitful one. And it is now suggested that all external undertakings, all external measures that are to have meaning, that are to be fruitful, must be undertaken in such a way that they are, so to speak, influenced by these views, for whatever happens without these views—whatever happens, for example, in the belief that the Latin element is not in decline or that the British element is not on the rise—is doomed to wither away. One can, of course—so these people say—still do such things, but they are doomed to be meaningless; they do not, so to speak, grow. It is as if one were to sow a seed in unsuitable soil.

[ 35 ] Wir haben, meine lieben Freunde, gewissermaßen eine Grundlage in dem, was ich Ihnen so als Lehre skizziert habe — eine Grundlage, die auch in alle mehr exoterisch ausgerichteten okkulten Bruderschaften hineinsickerte und dann als sogenannte Hochgradmaurerei und dergleichen in westlichen Gegenden wirkte. Dieses wurde dann durch jene Menschen, die in fernerem oder näherem Zusammenhange standen mit diesen Bruderschaften, hineingetragen in die öffentlichen Angelegenheiten — oftmals in einer Weise, daß die Leute, die dann draußen wirkten, gar keine Ahnung hatten, wie ihnen die Dinge übertragen wurden. So leben — gerade vom Westen hereingetragen — hinter vielen Dingen, die wir in der Evolution namentlich seit dem 16. Jahrhundert bemerken, diese Lehren.

[ 35 ] My dear friends, we have, so to speak, a foundation in what I have outlined to you as a teaching—a foundation that also seeped into all the more exoterically oriented occult brotherhoods and then took effect in Western regions as so-called high-degree Freemasonry and the like. This was then carried into public affairs by those people who were connected, either closely or distantly, with these brotherhoods—often in such a way that the people who were then active on the outside had no idea at all how these things had been passed on to them. Thus, these teachings—brought in specifically from the West—lie behind many developments we have observed in the course of evolution, particularly since the 16th century.

[ 36 ] Nun gehen diese Lehren noch weiter. Man sagt, so wie diejenigen Menschen, welche sich nördlich des romanischen Elementes zur fünften Unterrasse vorbereiteten — sich entwickelt haben, wie es jetzt geschildert worden ist —, so kommen vom Osten her die slawischen Menschen; sie kommen heute als die werdende sechste Unterrasse vom Osten her dem Westen in ähnlicher Weise entgegen, wie damals vom Norden her die germanischen Völkerschaften dem romanischen Elemente entgegengekommen sind. Man sieht, sagt man, da im Osten unter einer dem Untergange zutreibenden despotischen Regierung eine Anzahl einzelner Völkerstämme, die vorerst nur Völkerstämme sind, ebenso wie damals, als die Römer nach Norden stürmten, die nördlichen Völker noch nicht wirkliche Völker waren, sondern erst Völkerstämme. Und in diesen Völkerstämmen im Osten sieht man die einzelnen Elemente des sogenannten slawischen Volkes. Allein, man sagt, das sind eben Volksstämme, die nur in äußerlicher Weise heute zusammengehalten werden durch eine wegzufegende — ich verwende die Ausdrücke, die in diesen okkulten Bruderschaften durchaus gebraucht werden —, durch eine wegzufegende despotische Regierung. Daß man es [im Osten] mit Völkerstämmen zu tun hat — das sage ich nur in Parenthese nach allem Guten, was ich über die Slawen gesagt habe —, geht zum Beispiel auch daraus hervor, daß, als im Jahre 1848 in Prag die Slawenstämme sich versammelten, jeder Slawenstamm in seiner eigenen Sprache sprechen wollte. Aber sie konnten sich nicht verstehen und wählten dann Deutsch als Verhandlungssprache. Das ist nicht zum Lachen, sondern nur um zu charakterisieren, daß es doch eine gewisse Bedeutung hat, was da im Westen über die Slawen gelehrt wird.

[ 36 ] Now these teachings go even further. It is said that just as those peoples who, north of the Romanic element, were preparing for the fifth subrace—and developed as has now been described—so too are the Slavic peoples coming from the East; today, as the emerging sixth subrace, they are moving from the East toward the West in a manner similar to how, in the past, the Germanic peoples moved from the North toward the Romanic element. One sees, it is said, that in the East, under a despotic government heading toward its downfall, there are a number of individual tribes—which for the time being are merely tribes, just as, back when the Romans stormed northward, the northern peoples were not yet true nations but merely tribes. And in these tribes in the East, one sees the individual elements of the so-called Slavic people. However, it is said, these are merely tribes that are held together today only in an outward sense by a despotic government that is to be swept away—I am using the terms that are certainly employed in these occult brotherhoods—by a despotic government that is to be swept away. The fact that we are dealing with tribal groups [in the East]—and I say this only as an aside after all the good things I have said about the Slavs—is evident, for example, from the fact that when the Slavic tribes gathered in Prague in 1848, each Slavic tribe wanted to speak in its own language. But they could not understand one another and therefore chose German as the language of negotiation. This is not meant to be a joke, but merely to illustrate that what is taught in the West about the Slavs does, after all, carry a certain significance.

[ 37 ] Nun ragen da, sagt man im Westen — also in diesen englischen Bruderschaften —, vor allen Dingen die Polen heraus, die den übrigen Slawen das voraus haben, daß sie auf einer verhältnismäßig hohen Stufe einheitlich ein religiöses und sonstiges Kulturleben ausgebildet haben. Man schildert dann ein wenig die Schicksale der Polen, behauptet aber, daß sie eigentlich zum Russischen Reiche gehören. Dann weist man vor allem auf die Balkanslawen hin, von denen man sagt; sie hätten sich von den Bedrücklingen der Türken gelöst und einzelne Slawenstaaten konstituiert, welche aber in dieser Form nur bestehen sollten — und das war ein immer wiederholter Satz — bis zum nächsten großen europäischen Kriege. Dieser wurde — insbesondere in den neunziger Jahren — von den Bruderschaften als in nächster Zukunft bevorstehend hingestellt und in Zusammenhang gebracht mit jenen Evolutionsimpulsen, die von den Balkanslawen auszugehen hätten. Diese Impulse charakterisierten sie so, daß das, was sich nach der Loslösung aus dem Türkenreich [als staatliche Formen] gebildet habe, in andere Formen überzugehen hätte. Nur bis der große europäische Krieg kommt — sagte man —, werden diese Balkanslawen ihre Selbständigkeit bewahren können; in diesem großen europäischen Kriege werden sie zu ganz anderen Schicksalen überzugehen haben.

[ 37 ] Now, it is said in the West—that is, in these English brotherhoods—that the Poles stand out above all others; they have an advantage over the other Slavs in that they have developed a unified religious and cultural life at a relatively high level. They then describe the fate of the Poles in some detail, but claim that they actually belong to the Russian Empire. Next, they point above all to the Balkan Slavs, of whom it is said that they had freed themselves from Turkish oppression and established individual Slavic states, which, however—and this was a phrase repeated time and again—were only meant to exist in this form until the next great European war. This war presented—especially in the 1890s—by the brotherhoods as imminent in the near future and linked to those evolutionary impulses said to emanate from the Balkan Slavs. They characterized these impulses in such a way that what had taken shape [as forms of government] following the separation from the Ottoman Empire would have to transition into other forms. “Only until the great European war comes,” it was said, “will these Balkan Slavs be able to preserve their independence; in this great European war, they will have to face entirely different fates.”

[ 38 ] Diese Völkerschaften sind jetzt, so lehrt man, im Säuglings-, [im Kleinkindes]alter. Und damit deutet man schon darauf hin — indem man sie zur beginnenden sechsten Unterrasse erklärt und die Briten für die fünfte Unterrasse —, daß die Briten ihnen gegenüber denselben Rang einzunehmen haben, wie ihn einstmals die Römer gegenüber den nördlichen germanischen Völkerschaften einnahmen, also zunächst Amme zu sein haben. In einer solchen Ammenschaft liegt die allererste Aufgabe, und diese Ammenschaft wird, sagt man, in dem Augenblicke endigen, wo diese Völker so weit gekommen sind, daß das Russische Reich nicht mehr bestehen wird und sie aus ihren eigenen intelligenten Anlagen heraus sich besondere Formen schaffen werden. Aber es muß selbstverständlich anstelle der Amme, [des Kindermädchens] nach und nach der Vormund, [der Erzieher] treten, das heißt, es muß sich im Westen aus dem, was die eigentliche fünfte Unterrasse bildet, eine Art von Papsttum entwickeln; es muß sich da im Westen ja die Spiritualität in einem besonderen Maße entwickeln. Und so, wie sich das Papsttum zu Mitteleuropa verhalten hat, muß nun eine Konfiguration gebildet werden vom Westen aus nach dem Osten hinüber, um ihn ganz zu umfassen. Und das muß dazu führen, daß der Osten benützt wird, um gewisse Einrichtungen zu treffen — in ähnlicher Weise, wie das Papsttum in Europa seine Einrichtungen getroffen hat. Nur ist man selbstverständlich um eine Unterrasse vorgeschritten, und während das Papsttum Kirchen, kirchliche Gemeinden gegründet hat in der verschiedensten Weise, so hat das westliche Papsttum, das sich aus dem westlichen «Britannismus» herausentwickeln wird, die Aufgabe, im Osten ganz bestimmte ökonomische Experimente durchzuführen. Das heißt, es hat die Aufgabe, eine gewisse Form des ökonomischen Zusammenlebens in einer möglichst sozialen Weise einzurichten, von der man annimmt, daß sie im Westen, weil dort die fünfte und nicht die sechste Unterrasse ist, noch nicht durchführbar ist, aber den Osten kann man zunächst experimentell zu solchen Zukunftsexperimenten benützen — politische, geistige, ökonomische Experimente müssen

[ 38 ] These peoples are now, as we are taught, in infancy, [in early childhood]. And by declaring them to be the nascent sixth subrace—and the British the fifth subrace—one is already implying that the British are to occupy the same position in relation to them as the Romans once did in relation to the northern Germanic peoples, that is, to serve as their foster parents for the time being. This role as a foster mother is their very first task, and this role, it is said, will end the moment these peoples have progressed to the point where the Russian Empire no longer exists and they create their own distinct forms based on their own intellectual capacities. But of course, the guardian [the educator] must gradually take the place of the nurse [the nanny]; that is to say, a kind of papacy must develop in the West from what constitutes the actual fifth subrace; spirituality must indeed develop there in the West to a special degree. And just as the papacy related to Central Europe, a configuration must now be formed extending from the West toward the East in order to encompass it entirely. And this must lead to the East being utilized to establish certain institutions—in a manner similar to how the papacy established its institutions in Europe. However, we have, of course, advanced by one subrace, and while the papacy has founded churches and church communities in a wide variety of ways, the Western papacy—which will develop out of Western “Britannism”—has the task of carrying out very specific economic experiments in the East. That is to say, its task is to establish a certain form of economic coexistence in the most social manner possible—one that is assumed to be not yet feasible in the West, since it is home to the fifth rather than the sixth subrace; but the East can initially be used experimentally for such future experiments—political, spiritual, and economic experiments must

[ 39 ] dort ausgeführt werden. Natürlich ist man nicht so töricht zu sagen, daß die Herrschaft des Westens ewig dauern werde, denn das würde ja kein ernsthafter Schüler des Okkultismus glauben. Aber man ist sich durchaus klar darüber, daß so, wie man eben zunächst den «Ammendienst» versieht, sich aus diesem Ammendienst der «Vormundsdienst», das heißt eine Art zukünftigen Papsttums der westlichen Kultur ergeben muß.

[ 39 ] be carried out there. Of course, one is not so foolish as to say that Western dominance will last forever, for no serious student of the occult would believe that. But one is quite aware that, just as one first performs “nursing service,” this nursing service must give rise to “guardianship,” that is, a kind of future papacy of Western culture.

[ 40 ] Ich habe referiert, meine lieben Freunde! Diese Dinge stecken in den Lehren der westlichen Freimaurerei ganz tief darinnen, und es handelt sich nur darum zu erkennen, ob diese Lehren — die einflußreichen Lehren, von denen ich Ihnen jetzt gesprochen habe —, gerade solche sind, welche nun wirklich zum allgemeinen Heile in der Menschheitsevolution begründet sind oder ob man sie sich in einer gewissen Weise korrigiert zu denken hat. Darum handelt es sich. Wir werden auf alle diese Dinge noch zurückkommen.

[ 40 ] I have spoken, my dear friends! These ideas are deeply embedded in the teachings of Western Freemasonry, and the question is simply whether these teachings—the influential teachings I have just spoken to you about—are indeed those that are truly grounded in the general welfare of human evolution, or whether they need to be reinterpreted in a certain way. That is the issue. We will return to all these matters later.

[ 41 ] Nun möchte ich noch bemerken, daß gewisse Stufen der Entwicklung wirklich nicht bloß ausphantasiert sind, sondern daß man, je weiter man auf die realen Tatsachen eingeht, auch im Äußeren nachweisen kann, was man zuerst okkultistisch gefunden hat. Und es ist durchaus die äußere Wissenschaft auch heute schon dabei — man muß diese Dinge nur ganz ernsthaft betrachten —, gewisse Tatsachen zu finden, welche bezeugen, daß man es mit solchen aufeinanderfolgenden Stufen der Entwicklung zu tun hat, daß wirklich etwas Richtiges drinnensteckt in dem, was der Okkultist sagt. Das kann heute schon aus einzelnen Symptomen der äußeren Wissenschaft konstatiert werden — man muß nur den guten Willen dazu haben.

[ 41 ] Now I would like to add that certain stages of development are truly not merely figments of the imagination, but that the more one delves into the actual facts, the more one can also demonstrate externally what was first discovered through occult means. And even today, external science is well on its way—one need only consider these matters very seriously—to discovering certain facts that attest to the existence of such successive stages of development, proving that there is indeed some truth in what the occultist says. This can already be established today from individual findings of external science—one need only have the willingness to do so.

[ 42 ] Dafür möchte ich etwas anführen, worauf ich schon wiederholt aufmerksam gemacht habe. In dem, was sich der äußeren Verstandeskultur entzieht, aber doch Geistesentwicklung ist, drücken sich wirklich ebenso bestimmte Gesetze aus wie die Naturgesetze. Und da habe ich Sie schon einmal aufmerksam gemacht auf ein sprachliches Gesetz. Wenn man nämlich vom vierten nachatlantischen Zeitraum herauf die sprachliche Entwicklung verfolgt, so findet man, daß das Griechische, das Lateinische in der Sprachentwicklung auf einer bestimmten Stufe steht; das geht hinauf ins Gotische, und dann finden wir als nächste Stufe das Neuhochdeutsche. Das ist wirklich so, daß die Entwicklung in ganz regelmäßiger Weise vor sich geht.

[ 42 ] In this regard, I would like to point out something I have already brought to your attention on several occasions. In that which eludes the culture of the external intellect, yet is nonetheless spiritual development, laws are expressed that are just as definite as the laws of nature. And I have already drawn your attention to a linguistic law in this regard. If one traces the development of language back from the fourth post-Atlantean epoch, one finds that Greek and Latin represent a specific stage in linguistic development; this continues up through Gothic, and then we find Modern High German as the next stage. It is indeed the case that this development proceeds in a very regular manner.

[ 43 ] Ein D im Romanischen, im Griechischen oder Lateinischen — ich kann Ihnen das nur ganz skizzenhaft zum Ausdruck bringen, aber die Dinge sind so absolut gesetzmäßig, wie Naturgesetze Gesetze sind, und Ausnahmen sind nur scheinbare Ausnahmen —, ein D geht über in ein T, und ein T geht über in ein TH, das aber durch gewisse Sprachgesetze auch ein Z sein kann. Also ein griechisches TH oder Z wird ein gotisches D, und ein gotisches D wird im Neuhochdeutschen zum T, ein gotisches TH oder Z wird ein neuhochdeutsches D. Und das geht im Kreislauf so weiter.

[ 43 ] A D in Romance, Greek, or Latin—I can only give you a very rough outline of this, but these things are as absolutely regular as the laws of nature are laws, and exceptions are only apparent exceptions—a D changes into a T, and a T turns into a TH, which, however, can also be a Z due to certain linguistic laws. So a Greek TH or Z becomes a Gothic D, and a Gothic D becomes a T in Modern High German; a Gothic TH or Z becomes a Modern High German D. And this cycle continues.

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[ 44 ] Ebenso geht ein griechisch-römisches B in ein gotisches P über, dieses in ein neuhochdeutsches F respektive PF. Ein griechisches F oder PF würde ein gotisches B und ein neuhochdeutsches P sein.

[ 44 ] Similarly, a Greco-Roman B becomes a Gothic P, which in turn becomes a New High German F or PF. A Greek F or PF would be a Gothic B and a New High German P.

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[ 45 ] Und genauso findet ein Kreislauf statt von G in das K zu CH.

[ 45 ] And in the same way, a cycle takes place from G to K to CH.

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[ 46 ] Nehmen Sie zum Beispiel «treis», «three», «drei»: T = griechisch, TH = gotisch, D = neuhochdeutsch. So ist es in allen Fällen, und, wie gesagt, Ausnahmen lassen sich immer wieder auf besondere Gesetze, auf Spezialgesetze zurückführen, die die Hauptgesetze ergänzen.

[ 46 ] Take, for example, “treis,” “three,” and “drei”: T = Greek, TH = Gothic, D = Modern High German. This is true in all cases, and, as mentioned, exceptions can always be traced back to specific rules—special rules that supplement the main rules.

[ 47 ] Nun, so haben wir drei übereinander gelagerte Stufen: im Griechisch-Lateinischen, im Gotischen, das da war, als das Römertum mit dem Germanentum zusammenstieß, und dann in der Weiterentwicklung bis zum Neuhochdeutschen herauf. Das Eigentümliche ist nur, wie ich schon früher einmal ausgeführt habe, daß das Englische auf der gotischen Stufe stehengeblieben ist. Sie müssen also überall, wo Sie ein Wort in der neuhochdeutschen Gestalt haben, eine Stufe zurückgehen, um das englische Wort zu finden. Nehmen Sie «Tag»: Sie müssen, um zum Englischen zu kommen, nicht vorwärts-, sondern zurückgehen — «day». Nehmen Sie «tief»: Sie müssen wiederum zurückgehen zu «deep». Nehmen Sie neuhochdeutsch «zehn»: Sie müssen zurückgehen, wenn Sie das Englische haben wollen — «ten». Nehmen Sie «Zahn»: Sie müssen zurückgehen, wenn Sie das englische Wort haben wollen — «tooth». Nehmen Sie «Dieb»: Auch hier müssen Sie wiederum zurückgehen — «thief». Nehmen Sie das neuhochdeutsche Wort «dick» — beim Zurückgehen erhalten Sie «thick». [Vom Neuhochdeutschen zum Englischen] geht es also in einer dem Zeiger entgegengesetzten Richtung.

[ 47 ] Well, so we have three successive stages: the Greek-Latin stage, the Gothic stage—which existed when Roman culture clashed with Germanic culture—and then the subsequent development up to Modern High German. The peculiar thing, as I’ve explained before, is that English has remained at the Gothic stage. So wherever you have a word in its Modern High German form, you have to go back one stage to find the English word. Take “Tag”: to get to the English word, you don’t have to go forward—you have to go back—to “day.” Take “tief”: again, you have to go back to “deep.” Take the New High German word “zehn”: you have to go back if you want the English equivalent—“ten.” Take “Zahn”: you have to go back if you want the English word—“tooth.” Take “Dieb”: Here, too, you have to go backward again—“thief.” Take the New High German word “dick”—going backward, you get “thick.” [From New High German to English] thus goes in the opposite direction of the clock’s hands.

[ 48 ] Wir können daher sagen — ganz objektiv: Wenn wir in der Entwicklung der Sprache das Volkselement für das Englische suchen wollen, so müssen wir auf die Stufe des Gotischen zurückgehen. Und das Neuhochdeutsche hat sich herausgehoben in der Evolution zu einem besonderen Elemente. Das ist also nicht etwas, was man aus irgendwelchen patriotischen oder völkischen Gründen zu sagen nötig hat, denn es ist eine Wahrheit wie die, daß der Eisbär weiß ist — was man auch nicht aus Antipathie oder Sympathie für den Eisbären zu sagen braucht.

[ 48 ] We can therefore say—quite objectively: If we wish to identify the folk element in the development of the English language, we must go back to the Gothic stage. And Modern High German has emerged in the course of evolution as a distinct element. This is not, therefore, something one needs to say for any patriotic or ethnic reasons, for it is a truth like the fact that the polar bear is white—which one does not need to state out of antipathy or sympathy for the polar bear either.

[ 49 ] Nun, dieses Gesetz, das ich Ihnen hier angeführt habe, ist ein gut bekanntes Sprachgesetz, das sogenannte Gesetz der Lautverschiebung. Ich habe es Ihnen nur für die «mediae», «tenues» und «aspiratae» angeführt, aber man kann es für das gesamte Lautsystem durchführen. Die Entwicklung der Sprache ist eine streng geregelte, und sie entspricht den Impulsen, die in der Menschheitsevolution herrschen; sie steckt darinnen. Nach und nach bringt doch auch die äußere Wissenschaft die Dinge zum Vorschein, wenn auch nur sporadisch; im Okkultismus haben Sie die tieferen Hintergründe für alles das, um was es sich da handelt.

[ 49 ] Well, this law that I have cited here is a well-known linguistic law, the so-called law of sound shift. I have cited it only in relation to the “mediae,” “tenues,” and “aspiratae,” but it can be applied to the entire sound system. The development of language is strictly regulated, and it corresponds to the impulses that prevail in human evolution; it is inherent in it. Little by little, even external science is bringing these things to light, albeit only sporadically; in occultism, you have the deeper background for everything that is at stake here.

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[ 50 ] Wir werden nun auf mancherlei im Geistesleben noch zurückkommen, was zeigen wird, daß es sich wirklich auch auf andern Gebieten so verhält, wie es sich mit der Sprache verhält. Das Unbewußte bezeugt die objektiven Gesetze, wenn man es enthüllt; das läßt sich nicht nach Sympathien und Antipathien drehen und wenden. Nun glauben Sie nicht, daß dieses Grimm’sche Gesetz von der Lautverschiebung jenen Bruderschaften etwa unbekannt wäre, von denen da die Rede ist. Wir werden morgen hören, wie sie sich mit solchen Dingen abfinden, wie sie für solche Dinge ihre entsprechenden Auskünfte haben — Auskünfte, die durchaus nicht töricht sind, sondern in gewisser Bezichung auch im Sinne eines Okkultismus liegen, in bezug auf den Sie, wenn Sie die Dinge genauer kennenlernen, die Entscheidung zu treffen haben werden, ob Sie ihn für rechtmäßig oder unrechtmäßig halten. Nun, das Karma der Menschheitsevolution wird dazu führen, daß gewisse Dinge auch der exoterischen Öffentlichkeit mehr zugänglich sein werden. Namentlich dadurch, daß eine gewisse Verwirrung in den Freimaurerorden eingetreten ist unter den gegenwärtigen Verhältnissen, kommt heute manches an den Tag — auch für die äußere Welt.

[ 50 ] We will now return to various aspects of spiritual life, which will show that the situation in other areas is indeed the same as it is with language. The unconscious bears witness to objective laws when it is revealed; it cannot be twisted and turned according to sympathies and antipathies. Now, do not think that this Grimmian law of sound shift is unknown to those brotherhoods we are discussing. Tomorrow we will hear how they come to terms with such matters, how they have their own corresponding insights into them—insights that are by no means foolish, but in a certain respect also lie within the realm of occultism, regarding which, once you become more familiar with these matters, you will have to decide whether you consider it legitimate or illegitimate. Well, the karma of human evolution will lead to certain things becoming more accessible even to the exoteric public. Precisely because a certain confusion has arisen within the Masonic orders under the present circumstances, many things are coming to light today—even for the outer world.

[ 51 ] Aber wir wollen die tieferen Grundlagen von alledem kennenlernen. Es kommt da heute schon zu ganz merkwürdigen Verhältnissen. So gibt es zum Beispiel eine interessante Abhandlung, geschrieben von einem Manne, der während dieses Krieges — auch wiederum ein merkwürdiges karmisches Verhältnis — seinen Tod auf dem Schlachtfelde gefunden hat. Sie handelt von dem Parallelismus zwischen der französischen Politik und den französischen Geheimorden, und sie zeigt, wie die beiden Dinge wirklich parallel gehen, wie in dem einen dieselben Kräfte leben wie in dem anderen.

[ 51 ] But let us explore the deeper foundations of all this. Some very strange circumstances are already arising today. For example, there is an interesting treatise written by a man who—in yet another curious karmic connection—met his death on the battlefield during this war. It deals with the parallels between French politics and the French secret societies, and it shows how the two truly run parallel, how the same forces are at work in both.

[ 52 ] Viel intimer, viel verborgener liegen die Dinge bei der englischen Politik, die ja ganz beeinflußt ist von dem, was in solcher Weise hinter ihr steckt. Da handelt es sich dann darum, daß man die Wege findet, um die entsprechenden Menschen an die richtigen Plätze zu befördern. Okkultistische Menschen, im Hintergrunde stehend, sind oftmals - na, verzeihen Sie - Einser, bloße Einser, und bedeuten für sich nichts Besonderes; sie brauchen noch etwas anderes — sie brauchen Nullen. Nullen sind ja nicht Einser, aber [fügt man eine Null zu einer Eins], dann wird gleich eine Zehn daraus. Und wenn man noch mehr Nullen hinzufügt - jede Null ist nur eine Null, aber wenn die Eins irgendwo steckt, dann ist gar mancherlei da, zum Beispiel die Tausend, und wenn man die Eins zudeckt, dann sind [scheinbar] nur die Nullen da; die Nullen brauchen aber nur in der entsprechenden Weise mit den Einsern kombiniert zu sein, und sie brauchen nicht einmal viel zu wissen von der Art, wie sie mit den Einsern kombiniert sind.

[ 52 ] Things are much more intimate, much more hidden in English politics, which is, after all, entirely influenced by what lies behind it in this way. The point, then, is to find ways to place the right people in the right positions. Occultists, standing in the background, are often—well, forgive me—ones, mere ones, and mean nothing special in and of themselves; they need something else—they need zeros. Zeros aren’t ones, but [if you add a zero to a one], it immediately becomes a ten. And if you add even more zeros—each zero is just a zero, but if the one is there somewhere, then all sorts of things appear, for example, a thousand; and if you cover up the one, then [apparently] only the zeros are there; but the zeros just need to be combined with the ones in the right way, and they don’t even need to know much about how they’re combined with the ones.

[ 53 ] So gibt es einen gewissen Menschen, der ein ehrlicher Mensch ist - ein sehr ehrlicher Mensch. Ich habe schon darauf hingewiesen, daß ich ihn durchaus nicht für jenen schwarzen Mann halte, für den ihn viele Leute in Mitteleuropa halten - ich halte ihn für einen ehrlichen, netten Mann, der in seiner Art - ja- das Wahre sagen will, aber das hindert nicht, daß er eine Null ist. Dieser Mann hat in der Public School in Winchester seine allererste Erziehung genossen, seine weitere Erziehung im «Balliol College» in Oxford. Dann hat er etwas sehr Wichtiges errungen, nämlich zunächst den «Marylebone»-Cricket-Preis und dann den «Queen Anne»-TennisPreis. Mit dreiundzwanzig Jahren wurde er Abgeordneter. In solchen Jahren ist man für mancherlei Einflüsse zugänglich. Mit dreißig Jahren wurde er Staatssekretär für Auswärtige Angelegenheiten. Er war längst Minister des Äußeren, als er zum ersten Mal seinen Fuß [auf europäischen Boden] außerhalb Englands setzte, nämlich als er den König von England auf seiner Reise nach Frankreich begleitete. Er hat auch ein Büchlein geschrieben über das Fischen, betitelt «Das Angeln mit der Fliege». Sir Edward Grey ist dann avanciert auf der sozialen Stufenleiter, bis er dann in der Versenkung verschwunden ist - sein Genosse im College in Oxford, mit dem er dort zusammen war, ist der zehn Jahre ältere Asquith. So stellen sich diejenigen dar, die die äußeren Staffagen bilden.

[ 53 ] There is a certain man who is an honest man—a very honest man. I have already pointed out that I by no means consider him to be the “black man” that many people in Central Europe take him to be—I consider him an honest, kind man who, in his own way—yes—wants to tell the truth, but that does not prevent him from being a nobody. This man received his very first education at the public school in Winchester, and his further education at Balliol College in Oxford. Then he achieved something very important: first, the Marylebone Cricket Prize, and then the Queen Anne Tennis Prize. At the age of twenty-three, he became a Member of Parliament. At that age, one is susceptible to all sorts of influences. At the age of thirty, he became Under-Secretary of State for Foreign Affairs. He had long been Foreign Secretary when he first set foot [on European soil] outside England, namely when he accompanied the King of England on his trip to France. He also wrote a little book on fishing, titled Fly Fishing. Sir Edward Grey then rose through the social ranks until he eventually faded into obscurity—his fellow student at Oxford, with whom he had studied there, was Asquith, who was ten years his senior. Such are the figures who make up the outer trappings.

[ 54 ] Nun, bis zu diesem Punkte, meine lieben Freunde, haben wir heute unsere Betrachtung gebracht. Wir werden morgen fortfahren und wollen uns um 7 Uhr wiederum hier treffen.

[ 54 ] Well, that brings us to the end of our discussion for today, my dear friends. We will continue tomorrow and plan to meet here again at 7 o'clock.