Central Europe between East and West
GA 174a
20 May 1917, Munich
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Central Europe between East and West, tr. SOL
Achter Vortrag
Eighth Lecture
[ 1 ] Aus den gestrigen Auseinandersetzungen konnten Sie ersehen, wie in unserer Zeit der Mensch drinnensteht in der gesamten Entwickelung der Menschheit. Es wurde gezeigt, was gewissermaßen durch die Entwickelung der Menschheit selbst an die einzelne Persönlichkeit herankommt, und wie es diese Menschheitsentwickelung durchaus erfordert, daß immer mehr der Trieb erwache, das Innere der Seele zu befeuern, zu erwecken, so daß der Mensch den Fortschritt immer weniger gewissermaßen als äußeren Anflug wird finden können, sondern daß er ihn aus seinem Inneren heraus sich wird aneignen müssen. Das ist ja der Sinn desjenigen, was die Geisteswissenschaft will: Die menschliche Individualität in die Möglichkeit zu bringen, weiter vorzuschreiten, während in alten Zeiten, einfach dadurch, daß der Mensch in die Menschheit hineingeboren worden ist, er eine gewisse Summe von Erlebnissen hatte, die ihn bis zu einem gewissen Grade reif machten. Sie werden fühlen, daß die Erkenntnis eines solchen Tatbestandes, wie wir ihn gestern schildern konnten, von einer ungeheuer großen Bedeutung ist und gründlich beleuchtet das, was unserer Zeit, was den Menschen unserer Zeit vonnöten ist.
[ 1 ] From yesterday’s discussions, you could see how, in our time, the individual is at the very heart of the entire development of humanity. It was shown what, in a sense, comes to the individual personality through the development of humanity itself, and how this development of humanity absolutely requires that the impulse to kindle and awaken the inner life of the soul be stirred more and more, so that human beings will increasingly find progress not as some kind of external influence, but will have to appropriate it from within themselves. This is, after all, the purpose of what spiritual science aims to achieve: to enable human individuality to advance further, whereas in ancient times, simply by being born into humanity, a person possessed a certain sum of experiences that brought them to a certain degree of maturity. You will sense that the recognition of such a state of affairs, as we were able to describe it yesterday, is of immense significance and thoroughly illuminates what our time—and the people of our time—need.
[ 2 ] So richtig in diese Dinge hineinkommen, wie man es soll im Sinne eines Geisteswissenschafters, kann man wirklich nur dadurch, daß man mit offenen Augen hinsehen will auf die Art und Weise, wie in der Gegenwart die Menschen sich zu der ganzen Erdenentwickelung stellen. Da kann man unendlich bedeutsame Entdeckungen machen. Man muß nur diese Entdeckungen so machen, daß man in die Lage kommt, die Tatsachen zu werten. Es gibt gewiß in unserer Zeit Menschen, die fühlen, daß etwas notwendig ist, um die Seele gewissermaßen über sich hinaus, das heißt über die siebenundzwanzig Jahre hinaus zu führen. Aber der Mut, die Energie, die auf äußeren Gebieten heute solche Wunder leistet, der Mut, die Energie, wirklich die inneren Seelenkräfte zur Entfaltung zu bringen, die sind heute nicht so häufig vorhanden. Und so kommt es denn, daß wir Menschen begegnen, die in ihrer Art ein gewisses Streben haben, anderes zu finden, als dasjenige bieten kann, was an Zeitkultur, an Zeitenaufgaben in der Umgebung lebt. Aber sie haben nicht den Mut, an jene Wirkungsweise und Gesinnung heranzutreten, die etwas wirklich Neues will: an die Geisteswissenschaft. Und so erfahren wir denn, daß solche Menschen sich nicht klar sagen, aber fühlen: Früher gab die Umwelt den Menschen mehr, also müssen wir wiederum suchen, was früher die Welt den Menschen gab, wir müssen den Anschluß an frühere Menschheitsgaben wiederum finden.
[ 2 ] The only way to truly get to the heart of these matters—as a scholar of the humanities ought to—is by looking with open eyes at the way people today relate to the entire development of the Earth. There, one can make discoveries of infinite significance. One must simply make these discoveries in such a way that one is able to evaluate the facts. There are certainly people in our time who feel that something is necessary to lead the soul, so to speak, beyond itself—that is, beyond the age of twenty-seven. But the courage and energy that today accomplish such wonders in external spheres—the courage and energy to truly bring the inner soul forces to fruition—are not so commonly found today. And so it happens that we encounter people who, in their own way, have a certain yearning to find something other than what is offered by contemporary culture and the tasks of our time that surround them. But they lack the courage to approach that mode of action and mindset that seeks something truly new: spiritual science. And so we find that such people do not articulate it clearly, but they feel: In the past, the environment gave people more, so we must once again seek what the world used to give to people; we must reconnect with the gifts of earlier humanity.
[ 3 ] Das ist der Grund, warum gerade nach dem Geiste sehnsüchtigere Menschen, ich möchte sagen, aus Kraftlosigkeit heraus ihre Zuflucht nehmen zu allerlei, was eigentlich schon verglommen ist innerhalb der Menschheitsentwickelung. Überall könnten wir Beispiele dafür anführen. Lassen Sie uns ein ganz charakteristisches anführen in dem Schriftsteller Maurice Barres, der in jugendlichem Ungestüm einmal, man möchte sagen, den geistigen Himmel erstürmen wollte, dann aber, weil er doch nicht den Mut fand, irgendeiner neuen geistigen Bewegung sich anzuschließen, seinen Anschluß suchte an den Katholizismus, wie so viele in der Gegenwart. Aber es ist eine merkwürdige Gesinnung, die also statt einen Vorwärtsweg einen Rückwärtsweg sucht. Und charakteristisch sind Worte, mit denen Barres gerade sein Streben nach dem Katholizismus schildert, denn diese Worte bezeugen uns so recht, wie ein mutloser, energieloser Seelendrang, weil er Neues nicht suchen will, nach Altem greift. Aber wie er greift, das ist das Charakteristische. Nehmen Sie einmal eben die Worte eines solchen Geistes, der ganz aus der Bildung der heutigen Zeit hervorgegangen ist, ganz in derselben auch steht, und aus dieser Bildung heraus zum Katholizismus hin seine Neigung entwickelt hat, nehmen Sie diese Worte: «Es ist vergebliche Mühe, das Jenseits zu suchen. Es existiert vielleicht nicht einmal!» Denken Sie sich, nachdem einer diesen Anschluß an den Katholizismus gesucht hat, redet er so über das Jenseits: «Es ist vergebliche Mühe, das Jenseits zu suchen. Es existiert vielleicht nicht einmal; und wie wir es auch anpacken, wir können nichts davon erfahren. Überlassen wir jedweden Okkultismus den Erleuchteten und den Gauklern; welche Form der Mystizismus auch annehmen mag, er widerspricht der Vernunft. Aber geben wir uns dennoch der Kirche hin», — denken Sie! — «erstens, weil sie untrennbar verbunden ist mit der Tradition Frankreichs. Und dann, weil sie mit der Autorität der Jahrhunderte und großer praktischer Erfahrung die Regeln jener Ethik formuliert, die man die Völker und die Kinder lehren muß. Und endlich, weil sie, weit davon entfernt, uns dem Mystizismus auszuliefern, uns direkt gegen ihn verteidigt, die Stimmen der geheimnisvollen Haine zum Schweigen bringt, die Evangelien auslegt und den großmütigen Anarchismus des Heilands den Bedürfnissen der modernen Gesellschaft opfert.» Sie sehen die Motive eines für die Gegenwart charakteristischen Menschen, den es treibt, zu suchen nach dem Geist nach seiner Art: er greift nach dem, was die Menschheit ohne menschliche Anstrengung einstmals gehabt hat. Aber er nimmt es, ohne eigentlich irgendwie Anspruch zu machen auf den ganzen Sinn dessen, was er nimmt. Man möchte sagen, so etwas ist zynisch oder frivol, wenn nicht dahinter ein großer Ernst des Strebens läge. Aber das ist gerade das Verhängnisvolle: Der Ernst des Strebens wird selber frivol durch die Zeitverhältnisse. Nehmen Sie dieses Wort nicht leicht! Die großen Schäden unserer Zeit wurzeln darin, daß die Menschen immer geneigt sind, die Dinge leicht zu nehmen. Beispiele wie das des Maurice Barres könnte man ungezählt viele anführen. Es würde überall in den mannigfaltigsten Arten das hervortreten, was Charakteristikon unserer Zeit ist im Sinne des eben Ausgeführten.
[ 3 ] That is why people who are particularly yearning for the spiritual—I would say—out of a sense of powerlessness take refuge in all sorts of things that have actually already faded away in the course of human development. We could cite examples of this everywhere. Let us cite a particularly characteristic one in the writer Maurice Barres, who in his youthful impetuosity once—one might say—wanted to storm the spiritual heavens, but then, because he could not bring himself to join any new spiritual movement, sought refuge in Catholicism, as so many do today. But it is a curious mindset that seeks a path backward rather than a path forward. And the words with which Barres describes his very striving toward Catholicism are characteristic, for these words truly testify to how a timid, listless spiritual impulse—because it does not want to seek the new—reaches for the old. But the way in which he reaches for it is what is characteristic. Just consider the words of such a mind—one that has emerged entirely from the culture of our time, stands entirely within it, and has developed an inclination toward Catholicism out of this very culture—consider these words: “It is a futile effort to seek the hereafter. It may not even exist!” Just imagine: after someone has sought this connection to Catholicism, he speaks of the hereafter in this way: “It is a futile effort to seek the hereafter. It may not even exist; and no matter how we approach it, we cannot learn anything about it. Let us leave all forms of occultism to the enlightened and the charlatans; whatever form mysticism may take, it contradicts reason. But let us nevertheless devote ourselves to the Church”—think about it!—“first, because it is inseparably linked to the tradition of France. And second, because, with the authority of the centuries and vast practical experience, it formulates the rules of that ethics which must be taught to the peoples and to children. And finally, because, far from abandoning us to mysticism, it directly defends us against it, silences the voices of the mysterious groves, interprets the Gospels, and sacrifices the Savior’s magnanimous anarchism to the needs of modern society.” You see the motives of a man characteristic of the present age, driven to seek the spirit in his own way: he reaches for what humanity once possessed without human effort. But he takes it without actually laying claim in any way to the full meaning of what he takes. One might say that such a thing is cynical or frivolous, were it not for the great seriousness of the quest underlying it. But that is precisely the fatal flaw: the seriousness of the quest itself becomes frivolous due to the circumstances of the times. Do not take this word lightly! The great ills of our time are rooted in the fact that people are always inclined to take things lightly. One could cite countless examples like that of Maurice Barres. Everywhere, in the most diverse ways, what is characteristic of our time in the sense just described would come to the fore.
[ 4 ] Wir fragen uns: Was liegt denn der Sache zugrunde? Wir fragen uns deshalb so, weil es wichtig ist für uns, zu erkennen, wie wir es anders machen müssen. Darin können wir uns aber nur ordentlich zurechtfinden, wenn wir ein wenig Einblick haben in diese Misere der Zeit, in das, was einer solchen Gesinnung zugrunde liegt. Man muß schon ein wenig zurückblicken in den Sinn der Menschheitsentwickelung, wenn man verstehen will, was man verstehen muß in der Gegenwart, wenn es vorwärtsgehen soll. Geht man zurück in der Entwickelung der europäischen Menschheit und des zu ihr gehörigen asiatischen Teiles der Menschheit — man braucht nur zurückzugehen in das erste Drittel der nachatlantischen Zeit —, so findet man heute, selbst auf äußerlich forscherischem Weg, daß die Menschen dazumal klar unterschieden haben die drei Grundbestandteile des Menschenwesens, und daß das alte, allerdings dumpfere, traumhaftere Verständnis dahin gekommen ist, daß die Menschen zu unterscheiden wußten zwischen den drei Grundbestandteilen des Menschenwesens. Und dies ist wiederum die Ursache, daß ich in meiner «Theosophie» mit besonderer Deutlichkeit hervorgehoben habe, daß der ganzen Gliederung des Menschen diese drei Grundbestandteile eben unterlegt werden müssen. Wenn wir zurückgehen, so finden wir überall, daß die Menschen überschauen, wie der Mensch zurückführbar ist auf Leib, Seele und Geist. Aber denken Sie einmal darüber nach, welche Unklarheit heute eingetreten ist selbst bei denen, die nach Klarheit suchen, in bezug auf eine Überschau über das Menschenwesen nach Leib, Seele und Geist! Sie können heute Philosophien nach Philosophien in die Hand nehmen, Sie können den nicht bloß deutschberühmten, sondern weltberühmten Wundt durchaus studieren mit heißem Bemühen, und Sie werden sehen, daß der Herr nicht imstande ist, die Seele vom Geist zu unterscheiden, trotzdem es heute zu den grundlegendsten Notwendigkeiten gehört, die Seele vom Geist zu unterscheiden. Wann ist denn eigentlich äußerlich zur Offenbarung gekommen, daß die Menschen die Seele mit dem Geist durcheinandergemuddelt haben? Wie gesagt, Sie können überall finden: der Mensch zerfällt in Leib und Seele, und in die Seele wird hineingemuddelt, ohne irgendwelche Unterscheidung, auch der Geist. So ganz klar zum Ausdruck gekommen ist dieses im Jahre 869 auf dem Konzil zu Konstantinopel, wo damals der Geist abgeschafft worden ist — verzeihen Sie den harten Ausdruck —, denn die Lehren, die dazumal formuliert worden sind, gipfelten im wesentlichen darin, es zum Dogma zu machen, daß der Mensch in sich eine denkende und eine geistige Seele habe. Man hat also den Geist abgeschafft und hat das bißchen Geist, das man damals noch ahnte, in die Seele hineingeschmuggelt, indem man sagte: Sie hat die Denkkraft und noch etwas Geistiges. Dann kam das Mittelalter mit seiner in vieler Beziehung bewunderungswürdigen scholastischen Forschung; aber diese stand überall unter dem energischen Zwang des Dogmas, und die sogenannte Trichotomie war streng verpönt. Man mußte den Geist überall auslassen. Und davon schreibt sich auch die Art und Weise her, wie über Seele und Geist denken — oder auch nicht denken — die modernen Universitätsprofessoren, die nach ihrer Aussage voraussetzungslose Wissenschaft treiben. Sie kennen die Voraussetzungen aber nicht, nämlich die Beschlüsse des Konzils von 869. Daß sie gar nicht ahnen, wovon sie eigentlich abhängig sind, ist der Grund, warum sie sich voraussetzungslos nennen. So liegen die Dinge schon einmal, und sie müssen gehört und energisch ins Auge gefaßt werden, es hilft nichts, gegenüber diesen Dingen die Augen zuzumachen. Denn soll anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft den Menschen das werden, was sie eigentlich werden muß nach den Entwickelungsgesetzen der Menschheit, dann müssen solche Dinge vor allem ins Auge gefaßt werden und es muß wiederum der Menschheit zurückgegeben werden das Verständnis für die Gliederung der menschlichen Wesenheit nach Leib, Seele und Geist. So wie auf der einen Seite der Leib dasteht, der zwischen Geburt und Tod oder Empfängnis und Tod, der physische Vermittler des Bewußtseins ist, so muß der Geist erkannt werden als der geistige Vermittler jenes höheren Bewußtseins, das der Mensch zu entwickeln hat zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Dies hängt aber zusammen mit tiefen innerlichen, mit bedeutsamen Lebensverhältnissen der modernen Menschheit. Nehmen wir einmal Charakteristisches aus unserer Zeit. Es fußt ja vielfach das Denken, von dem wir sagen müssen, daß es ein abstraktes geworden ist, im Öffentlichen Leben doch — wenn auch da oder dort die Leute davon abgekommen sind — auf drei abstrakten Ideen. Und insbesondere in unserer Zeit sehen wir diese drei abstrakten Ideen von der ganzen Welt ins Feld geführt werden gegen die Mitte von Europa. Diese Mitte von Europa wird aber geistig ihre Aufgabe nur begreifen, wenn sie sich dazu bequemt, die drei abstrakten Ideen zu konkreten, von Wirklichkeit durchtränkten Ideen zu machen. Diese drei Ideen sind mit großer Vehemenz ins Bewußtsein der Menschen hineingerufen worden am Ende des 18. Jahrhunderts in den Worten: Brüderlichkeit, Freiheit, Gleichheit. Sie erinnern uns fast an drei recht konkrete Ideen, die nur jetzt auch recht abstrakt verstanden werden, aber in ihrer Zeit, als sie dem Menschheitsbewußtsein einverleibt wurden, sehr wirklichkeitsgemäß gemeint waren. Sie erinnern uns an Glaube, Hoffnung und Liebe. Aber bleiben wir bei den drei Ideen der Brüderlichkeit, Freiheit und Gleichheit. Schattenhaftes Denken ist es, daß man über die ganze moderne Welt hin diese drei Ideen sich denkerisch zu vergegenwärtigen sucht. All das, was in dieser Richtung die Menschenseele an Anstrengungen macht, beruht eben darauf, daß die Menschen nicht die Neigung haben, in die Wirklichkeit hineinzugehen. Sie machen es mit diesen drei großen, mit diesen drei Kardinalideen auch nicht anders als mit der Idee der Neuorientierung: daß jeder Mensch an dem Platz, der ihm am besten gebühre, stehen soll. Sie deklamieren schöne Ideen, machen sich von diesen Ideen abstrakte Begriffe, haben aber nicht die Neigung, auf die Wirklichkeit einzugehen. Und diese Wirklichkeit, sie liegt beim Verstehen der Geisteswissenschaft.
[ 4 ] We ask ourselves: What is the root of this problem? We ask ourselves this because it is important for us to recognize how we need to do things differently. However, we can only truly make sense of this if we have some insight into the plight of our times—into what underlies such a mindset. One must look back a little at the course of human development if one wants to understand what must be understood in the present if we are to move forward. If one looks back at the development of European humanity and the Asian part of humanity associated with it—one need only go back to the first third of the post-Atlantean era— one finds today, even through purely scientific inquiry, that people in those days clearly distinguished the three fundamental components of the human being, and that the ancient—albeit more obtuse and dreamlike—understanding had reached the point where people knew how to distinguish between the three fundamental components of the human being. And this, in turn, is the reason why I have emphasized with particular clarity in my *Theosophy* that these three fundamental components must indeed underlie the entire structure of the human being. If we look back, we find everywhere that people understood how the human being can be traced back to body, soul, and spirit. But just think for a moment about the confusion that has arisen today—even among those who seek clarity—regarding an understanding of the human being in terms of body, soul, and spirit! You can pick up one philosophy after another today; you can study Wundt—who is famous not only in Germany but throughout the world—with the utmost diligence, and you will see that he is unable to distinguish the soul from the spirit, even though distinguishing the soul from the spirit is one of the most fundamental necessities today. When, then, did it actually become apparent that people had conflated the soul with the spirit? As I said, you can find it everywhere: human beings are divided into body and soul, and the spirit is lumped into the soul without any distinction whatsoever. This was expressed quite clearly in the year 869 at the Council of Constantinople, where the spirit was, so to speak—forgive the harsh expression—abolished; for the teachings formulated at that time essentially culminated in making it a dogma that human beings possess within themselves a thinking soul and a spiritual soul. So the spirit was abolished, and the little bit of spirit that was still sensed at the time was smuggled into the soul by saying: It possesses the power of thought and something else spiritual. Then came the Middle Ages with its scholastic research, admirable in many respects; but this was everywhere subject to the forceful constraints of dogma, and the so-called trichotomy was strictly frowned upon. One had to leave out the spirit everywhere. And this also explains the way in which modern university professors—who, by their own admission, pursue science without presuppositions—think about the soul and the spirit—or rather, fail to think about them at all. But they are unaware of the premises, namely the decrees of the Council of 869. The fact that they have no inkling of what they are actually dependent on is the reason why they call themselves “unbiased.” This is how things stand, and they must be acknowledged and vigorously addressed; it does no good to turn a blind eye to these matters. For if anthroposophically oriented spiritual science is to become for humanity what it must actually become according to the laws of human evolution, then such matters must first and foremost be addressed, and humanity must once again be given an understanding of the structure of the human being as body, soul, and spirit. Just as, on the one hand, the body stands as the physical mediator of consciousness between birth and death or conception and death, so must the spirit be recognized as the spiritual mediator of that higher consciousness which the human being must develop between death and a new birth. This, however, is connected with profound inner realities and significant life circumstances of modern humanity. Let us consider some characteristic features of our time. The thinking—which we must acknowledge has become abstract—is in many ways based, in public life at least—even if people have strayed from it here and there—on three abstract ideas. And especially in our time, we see these three abstract ideas being brought into play by the whole world against the heart of Europe. But this heart of Europe will only grasp its spiritual task if it deigns to transform these three abstract ideas into concrete ideas steeped in reality. These three ideas were imprinted with great vehemence into people’s consciousness at the end of the 18th century in the words: brotherhood, freedom, equality. They almost remind us of three quite concrete ideas that are now understood as quite abstract, but which, in their time, when they were incorporated into human consciousness, were meant in a very concrete sense. They remind us of faith, hope, and love. But let us stick to the three ideas of brotherhood, liberty, and equality. It is a form of shadowy thinking to attempt to mentally bring these three ideas to mind throughout the entire modern world. All the efforts the human soul makes in this direction are based precisely on the fact that people do not have the inclination to enter into reality. With these three great, these three cardinal ideas, they do no differently than with the idea of reorientation: that every person should occupy the place that best befits them. They proclaim beautiful ideas, form abstract concepts from these ideas, but have no inclination to engage with reality. And this reality lies in the understanding of spiritual science.
[ 5 ] Wie man durcheinandermuddelt Geist und Seele, so muddelt man auch durcheinander Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Die Idee der Brüderlichkeit wird erst dann von der Menschheit in der richtigen Weise erfaßt werden können, wenn man sich einmal klar werden wird, daß der Mensch nur mit einem Glied seiner Wesenheit voll hier auf dem physischen Plan steht, mit dem Glied, das wir als die Leiblichkeit bezeichnen. Mit der Leiblichkeit steht der Mensch hier auf dem physischen Plan; aber diese Leiblichkeit verbindet den Menschen mit dem ganzen Menschengeschlecht durch Bluts- und andere Bande. Denken wir gerade mit Bezug auf die Art, wie der physische Mensch zum physischen Menschen hier in der Welt steht, an ältere Zeiten zurück. Der Mensch hat ja nicht bloß das in sich, was er von den Eltern ererbt hat, er trägt das Unsterblichkeitsteil in sich, das durch Geburten und Tode geht. Das aber gliedert sich aus Verkörperungen in der Leiblichkeit. In alten Zeiten war der Mensch, wie ich gestern auseinandergesetzt habe, fähig, indem er Essen, Verdauen, Atmen durchmachte, das Geistige in der Umwelt doch mit wahrzunehmen, mit gewahr zu werden; dazu war er imstande. Dadurch war gewissermaßen instinktiv etwas in ihm, was wir eine Summe von Gefühlen, Empfindungen, Vorstellungen und Begriffen nennen können, die ihn regelten in seinem Verhalten zu seinen Mitmenschen. Instinktiv war dieses in ihm. Dieses Instinktive sehen wir abnehmen in der neueren Zeit, und die furchtbaren Explosionen des Hasses, die uns jetzt begegnen, sie können nur verstanden werden, wenn wir sie ihrer realen Grundlage nach verstehen, wenn wir verstehen, wie die alten Instinkte abnehmen. Diese Instinkte des Hasses sind viel ernster, als heute noch gesehen wird. Man wird Furchtbares erleben als Ergebnis dieses Zustandes. Und wenn dasjenige, was im Sinn der Entwickelungsgeschichte der Menschheit erobert werden muß, nicht erobert werden könnte, so würden die Instinkte des Hasses immer größer und größer werden. Denn wenn auch einzelne Menschen gerade heute in der Zeit der Autoritätsfreiheit, in der Zeit der Voraussetzungslosigkeit der Wissenschaft, ganz besonders danach streben, immer wieder und wiederum am Gängelband geführt zu werden, so lassen das die Empfindungen, die aus dem Unbewußten heraufströmen, nicht zu. Es suchen sich solche Menschen heute allerlei Führer: je unnatürlicher sie danach streben, diesen Führern bedingungslos anzuhängen, desto stärker sind sie der Gefahr ausgesetzt, daß ihre sogenannte Liebe in Haß umschlägt. Das ist nicht etwas, dem man mit bloßer Kritik beikommt, weil es in den ganzen Entwickelungsgesetzen der Menschheit tief begründet ist, und je mehr die Menschenliebe bloß gepredigt wird als abstrakte Idee, je mehr bloß im Abstrakten die Brüderlichkeit gepredigt würde, desto mehr würde sich die gegenseitige Antipathie der Menschen entfalten. Das ist auch eine Wahrheit, die man ganz ernst und tief ins Auge fassen muß, wenn man die Gegenwart verstehen will. Was eintreten muß, das ist, daß sich in Empfindung umsetzt dasjenige, was wir die Anschauung von den wiederholten Erdenleben nennen. Daß man bloß der Theorie von den wiederholten Erdenleben anhängt, das allein macht es nicht aus!
[ 5 ] Just as one confuses mind and soul, so too does one confuse liberty, equality, and fraternity. The idea of fraternity will only be properly grasped by humanity once it becomes clear that human beings stand fully here on the physical plane with only one aspect of their being—the aspect we call physicality. It is through physicality that human beings stand here on the physical plane; but this physicality connects human beings to the entire human race through blood ties and other bonds. Let us reflect on earlier times, particularly with regard to the way the physical human being relates to other physical human beings here in the world. After all, human beings do not merely possess within themselves what they have inherited from their parents; they carry within themselves the immortal part that passes through births and deaths. But this is structured through incarnations within physicality. In ancient times, as I explained yesterday, human beings were capable—through the processes of eating, digesting, and breathing—of perceiving the spiritual in their surroundings, of becoming aware of it; they were capable of this. Through this, there was, so to speak, something instinctive within them that we might call a sum of feelings, sensations, ideas, and concepts, which governed their behavior toward their fellow human beings. This was instinctive within them. We see this instinctive aspect diminishing in more recent times, and the terrible outbursts of hatred we now encounter can only be understood if we grasp their real basis—if we understand how these ancient instincts are waning. These instincts of hatred are far more serious than is currently recognized. We will experience terrible things as a result of this state of affairs. And if that which must be conquered in the course of human evolutionary history cannot be conquered, then the instincts of hatred will grow ever greater and greater. For even if individual people—especially today, in this age of freedom from authority, in this age of science without presuppositions—strive above all to be led by the nose time and again, the feelings welling up from the unconscious will not allow it. Such people today seek out all manner of leaders: the more unnaturally they strive to follow these leaders unconditionally, the more they are exposed to the danger that their so-called love will turn into hatred. This is not something that can be addressed through mere criticism, because it is deeply rooted in the very laws of human development; and the more love for humanity is merely preached as an abstract idea, the more brotherhood is preached merely in the abstract, the more mutual antipathy among people would unfold. This is also a truth that must be taken very seriously and deeply into account if one wishes to understand the present. What must come to pass is that what we call the concept of repeated earthly lives is transformed into a feeling. Merely adhering to the theory of repeated earthly lives is not enough in and of itself!
[ 6 ] Aber nehmen wir alles das zusammen, was versucht wird zusammenzutragen, um aus den Entwickelungsgesetzen der Menschheit im Laufe der Zeit dasjenige herauszuholen, was nicht wie eine abstrakte Idee, sondern wie eine konkrete Tatsache uns vor Augen führt, daß in jedem Menschen etwas lebt, was durch Geburten und Tode geht, dann verwandelt sich die abstrakte Idee in Empfindung, nicht in Instinkte wie die, welche früher vorhanden waren, sondern in bewußte Instinkte, in eine gewisse Art, sich den Menschen gegenüberzustellen. Heute ist ja noch allzusehr der Trieb vorhanden, dasjenige, was man aufnimmt als Idee der wiederholten Erdenleben, in egoistischem Sinne auszudeuten. Und wieviel haben gerade wir davon erlebt, daß der oder jener vor allen Dingen bestrebt ist, irgendeine frühere Inkarnation von sich ja recht genau zu kennen! Das kann zunächst nicht die praktische Konsequenz der Idee der wiederholten Verkörperungen, der Idee von den wiederholten Erdenleben sein, sondern die echte Konsequenz muß die sein, daß wir immer mehr und mehr lernen, jeden Menschen so anzuschauen, als ob eigentlich viel mehr in ihm wäre, als er ausleben kann in dem einen Erdenleben, in dem er gerade jetzt uns gegenübersteht. Da bildet sich vor allen Dingen das heraus, was oft auch schon genannt worden ist das Distanzgefühl, in richtigen Maße das Gefühl dafür, das rechte Verhältnis zum anderen Menschen zu finden: ohne ihn zu vergöttlichen, doch immer Tieferes und Tieferes, das der Unendlichkeit angehört, in ihm zu suchen.
[ 6 ] But let us take all that has been attempted to be compiled in order to extract from the laws of human development over the course of time that which presents to us—not as an abstract idea, but as a concrete fact—that within every human being there lives something that passes through births and deaths; then the abstract idea is transformed into a feeling—not into instincts like those that existed in the past, but into conscious instincts, into a certain way of relating to other human beings. Even today, the impulse to interpret what one accepts as the idea of repeated earthly lives in a selfish sense is still all too prevalent. And how often have we ourselves witnessed that this or that person is, above all else, eager to know some past incarnation of their own in great detail! This cannot, at first, be the practical consequence of the idea of repeated incarnations, the idea of repeated earthly lives; rather, the true consequence must be that we learn more and more to regard every human being as if there were actually much more within them than they can live out in the one earthly life in which they stand before us right now. Above all, this gives rise to what has often been mentioned—a sense of distance, a properly balanced sense of finding the right relationship with another person: without deifying them, yet seeking within them something ever deeper and deeper that belongs to infinity.
[ 7 ] Es ist eine falsche Mystik, wenn man immer in sich hineinbrütet. Die Mystik, die wir brauchen, ist die, welche uns anleitet zu praktischer, aber empfindungsmäßiger Menschenerkenntnis, so daß wir dem Menschen nicht entgegentreten, indem wir ihn von vornherein als einen sympathischen oder unsympathischen finden, sondern mit dem Bewußtsein: eine jede Menschenseele ist eigentlich ein unendliches Rätsel. Es strömt, wenn die Idee ernst genommen wird, etwas aus von den wiederholten Erdenleben, und von diesem Ausgeströmten ergießt sich in unsere Seele das, was im rechten Sinn für die neuere Menschheit als Brüderlichkeit, als Bruderliebe erlebt werden sollte. Solche Bruderliebe wird nicht in typischer Weise immer wieder und wiederum den Menschen nur nach der Idee helfen wollen, die uns selbst gefällt, sie wird auf den Menschen eingehen wollen, damit wir ihm so helfen, wie es ihm gemäß ist, daß ihm geholfen werde, wie es sein tieferes Selbst erfordert. Solche Idee wird uns aber auch von der leichtfertigen Kritik zurückhalten, die oftmals zwischen uns und dem anderen Menschen gerade heute nur zu sehr eine Schranke aufrichtet, die uns nicht unbefangen hinschauen läßt auf das, was in einem anderen Menschen lebt. Nur wenn in unserer Seele lebendig und praktisch die Idee der wiederholten Erdenleben wirkt, dann wird die Idee der Brüderlichkeit für das, was die Menschen in ihrer Leiblichkeit füreinander sind, die richtige Form gewinnen können.
[ 7 ] It is a false form of mysticism to constantly brood inwardly. The mysticism we need is the kind that guides us toward a practical yet intuitive understanding of human nature, so that we do not approach others by judging them from the outset as likable or unlikable, but rather with the awareness that every human soul is, in fact, an infinite mystery. If this idea is taken seriously, something flows forth from our repeated earthly lives, and from this outpouring, that which—in the true sense—should be experienced by modern humanity as brotherhood, as brotherly love, pours into our souls. Such brotherly love will not, in a stereotypical way, seek time and again to help people solely according to the idea that appeals to us; rather, it will seek to respond to the individual so that we may help them in a way that is appropriate for them—that they may be helped as their deeper self requires. Such an idea will also keep us from frivolous criticism, which—especially today—all too often erects a barrier between us and our fellow human beings, preventing us from looking impartially at what lives within another person. Only when the idea of repeated earthly lives is active and practical in our souls will the idea of brotherhood—in regard to what human beings are to one another in their physical existence—be able to take on its proper form.
[ 8 ] Ein Zweites, das Platz zu greifen hat im Sinne der Entwickelung der Menschheit, ist, daß wir nicht bloß anerkennen die Leiblichkeit des Menschen, die der Materialismus heute ja allein anerkennen will, sondern daß wir die Seele des Menschen anerkennen, daß wir jedem Menschen bewußt Seele zuschreiben. Aber wir schreiben ihm nicht Seele zu, wenn wir diese Seele auch nur in unserer Gesinnung zu vergewaltigen trachten, das heißt, wenn wir der Meinung sind, daß wir die Seele wirklich achten, indem wir dieser Seele unsere Gedanken, gerade die Form unserer Gedanken zumuten. Freiheit müssen wir der Seele zubilligen, wir können sie nicht dem Leibe zubilligen. Freiheit ist nur im Verkehr zwischen Seele und Seele das Tragende, das, worauf es ankommt. Und der Grundnerv der Freiheit ist nämlich die Gedankenfreiheit. Wird man dieses zweite Glied der Menschheit, das seelische neben dem leiblichen, recht verstehen, dann wird man nicht mehr durcheinandermuddeln Freiheit und Brüderlichkeit, sondern wird sagen: Brüderlichkeit ist notwendig, weil die Menschen eine soziale Ordnung im Sinne der Brüderlichkeit sich begründen müssen. Eine soziale Struktur im Sinne der Brüderlichkeit muß heraufkommen, und ehe nicht die Menschen ergriffen werden von richtigen praktischen Ideen der Brüderlichkeit, werden sie keine Staatsstrukturen finden können, in welchen die Menschen vernünftig zusammenleben können. Aber wenn die Menschen nicht anerkennen werden, daß innerhalb des staatlichen Gefüges der Mensch nicht nur als Leiblichkeit lebt, sondern auch als Seele, werden sie die Idee der Freiheit niemals in der entsprechenden Weise begreifen können. Denn die Freiheit liegt im Verhalten von Seele zu Seele, nicht von Leib zu Leib. Die Freiheit, welche die Leiber brauchen, die kommt von selbst als notwendige Konsequenz, wenn Seele zu Seele im Sinne der Gedankenfreiheit sich ausbreitet. Dies aber bedingt vor allen Dingen, daß wir endlich lernen, nicht mehr den Menschen die eigenen Gedanken aufoktroyieren zu wollen, sondern daß wir lernen, in jeder Seele die eigene Richtung des Denkens gebührend zu achten. Da müssen wir uns aber insbesondere den Sinn für die Wirklichkeit aneignen, denn auf keinem Gebiet kann man mehr sündigen als auf dem Gebiet der Wissenschaft und der Religion.
[ 8 ] A second point that must be addressed in the context of human development is that we do not merely acknowledge the physical nature of human beings—which materialism today seeks to acknowledge exclusively—but that we acknowledge the human soul, that we consciously attribute a soul to every human being. But we do not attribute a soul to them if we seek to violate that soul—even if only in our own minds—that is, if we believe that we are truly respecting the soul by imposing our thoughts, specifically the form of our thoughts, upon it. We must grant freedom to the soul; we cannot grant it to the body. Freedom is the foundation, the essential element, only in the interaction between soul and soul. And the very foundation of freedom is, in fact, freedom of thought. If one truly understands this second aspect of humanity—the spiritual alongside the physical—then one will no longer confuse freedom and brotherhood, but will say: Brotherhood is necessary because human beings must establish a social order in the spirit of brotherhood. A social structure in the spirit of brotherhood must emerge, and until people are inspired by true, practical ideas of brotherhood, they will not be able to find state structures in which people can live together rationally. But if people do not recognize that within the structure of the state, the human being lives not only as a physical being but also as a soul, they will never be able to grasp the idea of freedom in the proper way. For freedom lies in the relationship from soul to soul, not from body to body. The freedom that bodies need arises of its own accord as a necessary consequence when soul-to-soul connection spreads in the sense of freedom of thought. This, however, requires above all that we finally learn to stop trying to impose our own thoughts on others, but rather that we learn to duly respect the unique direction of thought within each soul. To this end, we must especially cultivate a sense of reality, for in no other field can one sin more than in the fields of science and religion.
[ 9 ] Ich kann immer nur auf das Beispiel hinweisen, das mir einmal begegnet ist in einer süddeutschen Stadt. Ich hielt einen Vortrag über Weisheit und Christentum. Es war eine südwestdeutsche Stadt, so daß auch zwei katholische Geistliche bei meinem Vortrag waren. Die sagten nach dem Vortrag: Ja, nach dem, was Sie heute gesagt haben, kann man inhaltlich gegen Ihre Behauptungen nicht viel einwenden, aber man kann doch nicht einverstanden sein. — Ich sagte: Ja, warum? — Ja, die Hauptsache ist, sagten die beiden Herrn, Sie reden so von all diesen Dingen in bezug auf das Christentum, wie es nur verständlich sein kann für gewisse Leute mit einem gewissen Bildungsgrad, mit bestimmten Bedürfnissen und so weiter. Wir aber suchen eine Art, zu reden, die für alle Menschen ist; wir formen unsere Gedanken so, daß alle zustimmen können. — Ich antwortete: Herr Pfarrer, wie ich oder Sie darüber denken, was allen Menschen frommt, das kommt auf Sie oder mich an, darüber können wir uns, Sie und ich, schon Vorstellungen machen; und wir werden selbstverständlich, wenn wir uns solche Vorstellungen machen, voll überzeugt sein, daß das richtig ist. Wir wären sonderbare Käuze, wenn wir uns Ideen bildeten, von denen wir nicht glaubten, daß sie für alle Menschen geeignet sind. Aber darauf kommt es nicht an, was Sie oder ich denken nach unserer besonderen Entwickelung, daß etwas für alle Menschen geeignet ist. Das ist zuletzt ganz gleichgültig, darüber müssen wir gerade hinwegkommen durch eine ordentliche, tätige, praktische Selbsterkenntnis. Worauf es ankommt, das ist, die Wirklichkeit zu studieren und zu fragen: Was diktiert denn die Wirklichkeit, was lehrt uns die Zeit und ihr Inhalt als notwendig für die Menschen, was lehren uns die Sehnsuchten der Menschen? Dann aber ergibt sich eine Frage, die anders ist als diejenige, die Sie stellen, die Frage: Gehen alle Menschen heute zu Ihnen in die Kirche? Wenn Sie für alle Menschen reden würden, würden alle zu Ihnen gehen. — Da konnten sie nicht umhin zu sagen: Es gehen allerdings nicht alle Menschen mehr in die Kirche. — So, sagte ich; sehen Sie, und unter denen, die hier gesessen haben, sind zumeist solche, die nicht in die Kirche gehen, die aber auch das Recht haben, den Weg zu Christus zu finden, und für die rede ich.
[ 9 ] I can only refer to the example I once encountered in a city in southern Germany. I was giving a lecture on wisdom and Christianity. It was a city in southwestern Germany, so two Catholic clergymen were also present at my lecture. After the lecture, they said: “Yes, based on what you said today, there isn’t much to object to in terms of content, but we still can’t agree with you.” — I said: “Yes, why?” — “Well,” the two gentlemen said, “the main thing is that you speak about all these matters in relation to Christianity in a way that can only be understood by certain people with a certain level of education, with specific needs, and so on. But we’re looking for a way of speaking that’s accessible to everyone; we shape our thoughts so that everyone can agree. — I replied: Reverend, whether you or I think something is beneficial to all people is up to you or me; you and I can certainly form our own ideas about that; and of course, when we form such ideas, we’ll be fully convinced that they’re correct. We would be strange birds if we formed ideas that we did not believe were suitable for all people. But it does not matter what you or I think—based on our particular development—about whether something is suitable for all people. Ultimately, that is completely irrelevant; we must move beyond it through proper, active, practical self-knowledge. What matters is to study reality and ask: What does reality dictate? What do the times and their context teach us is necessary for people? What do people’s longings teach us? But then a question arises that is different from the one you’re asking—the question: Do all people go to church with you today? If you were to speak for all people, everyone would come to you. — At that point, they could not help but say: “It is true that not everyone goes to church anymore.” — “Well,” I said, “you see, and among those who have been sitting here, most are people who do not go to church, but who also have the right to find the way to Christ, and it is for them that I speak.”
[ 10 ] Man darf nicht nach seinen eigensinnigen Meinungen sich eine Idee darüber bilden, was die Menschen brauchen, sondern nach dem, was die Wirklichkeit sagt. Aber es ist unbequemer, die Wirklichkeit zu studieren. Da muß man immer und immer wiederum den Beobachtungssinn entsprechend anwenden, immer wieder und wiederum den Willen haben zu fragen: Welches sind denn eigentlich die Bedürfnisse der Zeit? Wie stellt sich das, was gerade in unserer Zeit notwendig ist? — Und ehe dieser Sinn, dieser praktische Sinn, welcher der Gedankenfreiheit zugrunde liegen muß, nicht in.die Seelen der Menschen einzieht, kommen wir nicht zu einem entsprechenden Verhältnis von Seele zu Seele. Wie die soziale Struktur, welche die Menschheit anstreben muß, davon abhängt, daß man im Sinne der Geisteswissenschaft zu einem richtigen Verständnis der Leiblichkeit kommt und die Idee der Bruderliebe verstehen kann, so muß man lernen, für die Seelen Verständnis zu gewinnen und die Idee der Gedankenfreiheit zu verwirklichen helfen auf dem Gebiet der Wissenschaft und der Bildung, auf dem Gebiet der religiösen Gesinnung.
[ 10 ] One must not form an idea of what people need based on one’s own stubborn opinions, but rather on what reality tells us. But it is more difficult to study reality. One must apply one’s sense of observation accordingly, time and again, and have the will to ask again and again: What, in fact, are the needs of the times? What is it that is necessary in our time? — And until this sense—this practical sense, which must underlie freedom of thought—takes root in people’s souls, we will not achieve a proper relationship from soul to soul. Just as the social structure toward which humanity must strive depends on arriving at a correct understanding of physicality in the spirit of spiritual science and on being able to grasp the idea of brotherly love, so too must we learn to gain an understanding of souls and help realize the idea of freedom of thought in the realms of science and education, as well as in the realm of religious sentiment.
[ 11 ] Und ein Drittes ist der Geist. Wenn es nun wirklich gelingt, den Geist wiederum einzusetzen in seine Rechte, rückgängig zu machen dasjenige, was konzilmäßig das Konzil zu Konstantinopel 869 anerkannte, dann wird auch für den Geist das kommen, was im praktischen Sinne das Leben der Menschen der Zukunft entgegenführt. Wir haben schon einmal heute zwei Tendenzen: Die eine geht dahin, in derselben Richtung sich zu bewegen wie das Konzil von Konstantinopel, das heißt, den Geist abzuschaffen. Eine monistische Weltanschauung strebt dahin, auch noch die Seele abzuschaffen, und wer da meint, der naturwissenschaftliche Monismus habe soviel Toleranz — wie man das Wort heute nimmt —, daß er es nicht dazu bringen würde, ein Konzil abzuhalten und die Seele zu verbieten, der denkt falsch. Die Tendenz geht schon dahin, zu dem Geist auch noch die Seele abzuschaffen. Und diejenigen, die heute die kleinen Monistlein sind, werden sich zu ganz großen Monisten auswachsen wollen, und wenn sie es auch verschmähen, Konzilien abzuhalten, denn sie sind ja freie Geister, weil sie sich frei gemacht haben meistens von allem Geiste, wenn sie es auch verschmähen, Konzilien abzuhalten, so werden sie eben einbürgern lassen einen gewissen Usus. Und es wird kommen — lassen Sie das nicht einen Witz sein! —, daß die Seele abgeschafft wird. Zu den verschiedenen Heilmitteln, zu den leiblichen Heilmitteln, die es heute gibt, wird eine Reihe von anderen treten, die dazu bestimmt sein werden, diejenigen damit zu behandeln, die von so etwas Phantastischem, wie Geist und Seele, reden; die wird man kurieren, denen wird man Medizinen eingeben, damit sie nicht mehr vom Geist und von der Seele reden. Den Geist brauchte man bloß abzuschaffen; die Seele wird man nur dadurch den Menschen austreiben können, daß man den Leib medizinisch richtig behandelt. So grotesk das heute erscheint, die Tendenz einer gewissen Richtung geht dahin, Mittel zu erfinden, durch die man dem Kinde allerlei Zeug einimpft, wodurch seine leibliche Organisation so herabgelähmt wird, daß materialistische Gesinnung ganz gut in ihm lebt, und es gar nicht darauf kommt, die alte Idee von Seele und Geist als etwas anderes zu behandeln denn als etwas, an das die alten Zeiten geglaubt haben und in das hineinzusehen es ein großes Ergötzen ist.
[ 11 ] And a third is the Spirit. If we truly succeed in restoring the Spirit to its rightful place—that is, in reversing what the Council of Constantinople in 869 recognized—then the Spirit, too, will experience what, in a practical sense, will guide the lives of future generations. We already see two tendencies today: One tends to move in the same direction as the Council of Constantinople, that is, to abolish the Spirit. A monistic worldview strives to abolish the soul as well, and anyone who believes that scientific monism possesses enough tolerance—as the word is understood today—that it would not go so far as to convene a council and ban the soul is mistaken. The trend is already moving toward abolishing not only the Spirit but also the soul. And those who are today’s “little monists” will want to grow into very great monists, and even if they spurn the idea of holding councils—for they are, after all, free spirits, having freed themselves for the most part from all spirit—even if they spurn the idea of holding councils, they will simply establish a certain practice. And the time will come—and do not take this as a joke!—when the soul will be abolished. Alongside the various remedies, the physical remedies that exist today, a whole range of others will emerge, intended to treat those who speak of such fantastical things as spirit and soul; they will be cured; they will be given medicines so that they no longer speak of the spirit and the soul. One would simply need to abolish the spirit; the soul can only be driven out of people by treating the body medically and correctly. As grotesque as this may seem today, the trend in a certain direction is toward inventing methods by which all sorts of substances are instilled in children, thereby paralyzing their physical constitution to such an extent that a materialistic mindset thrives within them, and it does not even occur to them to treat the old idea of soul and spirit as anything other than something in which the ancients believed and which is a great delight to contemplate.
[ 12 ] Solche Dinge zu sagen, gilt natürlich für sehr viele Menschen heute als Verrücktheit; aber wenn man nicht den Mut hat, diese Dinge sich zu gestehen, so wird man niemals die Energie finden, die geisteswissenschaftliche Spiritualität in den Seelen zur Entfaltung, zur Entfachung zu bringen. Daher muß zu dieser Tendenz, die ich eben charakterisiert habe, die auch noch die Seele hinwegkuriert, weil sie als eine Krankheit gelten wird, die andere hinzutreten: die Tendenz, nun wieder energisch geltend zu machen, daß der Mensch zum Leib und zur Seele hinzu auch den Geist in sich trägt. Dazu wäre allerdings notwendig, daß Erkenntnis vom Geiste Platz greift, daß Geisteswissenschaft sich wirklich einlebt, daß erkannt wird von dem Menschen, was zu seinem Wesen gehört, wenn er durch die Pforte des Todes gegangen ist. Und eines von den alten Volkssprichwörtern, die so oft alte gute Anschauungen in die neue Zeit herauftragen, ist dieses: Im Tode sind alle gleich —, weil da alle Geist werden, und weil die Idee der Gleichheit diejenige ist, die dem Geist entspricht. Gleichheit den Geistern! Nicht durcheinandermuddeln kann man die drei Ideen — Freiheit, Brüderlichkeit, Gleichheit —, sondern man muß wissen im Konkreten, der Wirklichkeit nach, was der Mensch ist, und daß er frei sein soll nach der Seele, brüderlich nach dem Leibe, daß die Menschen gleich sein müssen nach dem Geiste. Denn die Ungleichheit, die unter den Menschen existiert, das ist jene Spezialisierung, die durch Leib und Seele herbeigeführt wird, indem der Geist sich in Leib und Seele spezialisiert. Pneumatologie, Geistlehre, Geistanschauung ist die Grundlage für die Gleichheitsidee. Und so haben wir die merkwürdige Tatsache vor uns, daß am Ende des 18. Jahrhunderts in alle Welt chaotisch hinausgeschrien wurde die Idee von Brüderlichkeit, Freiheit, Gleichheit, daß aber allmählich verstanden werden muß, wie die Ideen von Brüderlichkeit, Freiheit und Gleichheit nur verwirklicht werden können, wenn man auch imstande ist, die Erkenntnis des dreifachen Wesens des
[ 12 ] Saying such things is, of course, considered madness by many people today; but if one does not have the courage to admit these things to oneself, one will never find the energy to bring spiritual science-based spirituality to fruition and to kindle it in people’s souls. Therefore, alongside this tendency I have just described—which will also drive the soul away because it will be regarded as a disease—another must step forward: the tendency to assert once again with vigor that human beings, in addition to body and soul, also carry the spirit within themselves. For this to happen, however, it would be necessary for an understanding of the spirit to take root, for spiritual science to truly take hold, and for people to recognize what belongs to their very essence once they have passed through the gate of death. And one of the old folk proverbs, which so often carry old, sound views into the new age, is this: In death, all are equal—because there all become spirit, and because the idea of equality is the one that corresponds to the spirit. Equality among spirits! One must not confuse the three ideas—freedom, brotherhood, equality—but must know, in concrete terms and in accordance with reality, what a human being is, and that he should be free in soul, brotherly in body, and that human beings must be equal in spirit. For the inequality that exists among human beings is that specialization brought about by body and soul, in that the spirit specializes itself into body and soul. Pneumatology—the study of the spirit, the contemplation of the spirit—is the foundation for the idea of equality. And so we are faced with the remarkable fact that at the end of the 18th century, the ideas of brotherhood, freedom, and equality were chaotically proclaimed throughout the world; yet it must gradually be understood that these ideas of brotherhood, freedom, and equality can only be realized if one is also capable of recognizing the threefold nature of
[ 13 ] Menschen nach Leib, Seele und Geist in die Wirklichkeit hineinzu tragen. Das lag zugrunde, als in so energischer Weise in meiner «Theoso phie» versucht wurde, diese Gliederung nach Leib, Seele und Geist durchzuführen: Diese Gliederung ist eine Forderung unserer Zeit und der nächsten Zukunft. Dadurch aber, daß man diese Ideen praktisch macht, daß man die Menschheit so ansehen lernt, dadurch ganz allein kann man über die siebenundzwanzig Jahre hinauskommen; sonst bleibt man in den siebenundzwanzig Jahren stecken. Und denken Sie sich die Aussicht: Auf unsere fünfte nachatlantische Zeit wird eine sechste und siebente folgen. In der sechsten wird die allgemeine Menschheit hergeben dasjenige, was in der individuellen Entwickelung der Zeit zwischen dem vierzehnten und einundzwanzigsten Jahre entspricht. Man wird in der Außenwelt, wenn auch noch so gescheite Leute die Erziehung leiten, nicht mehr hereinbekommen als das, was der individuellen Entwickelung bis zum einundzwanzigsten Jahre entspricht. Man wird nicht älter werden können als einundzwanzig Jahre, wenn man da auch nicht stirbt. Und gar im siebenten nachatlantischen Zeitalter wird man nicht über das Alter hinauskommen, das in der individuellen Entwickelung dem vierzehnten Lebensjahre entspricht. Wenn man nicht durch Anfeuerung des Inneren älter wird, so ergreift die Menschheit ein epidemischer Jugendschwachsinn. Wer Augen hat zu sehen und Ohren zu hören, und nicht gedankenlos dahinlebt, der kann, mit solchen Ideen ausgerüstet, schon mancherlei Erscheinungen in der Gegenwart in der richtigen Weise bewerten!
[ 13 ] To bring human beings into reality in body, soul, and spirit. This was the underlying principle when my *Theosophy* so vigorously sought to implement this division into body, soul, and spirit: This division is a necessity of our time and of the near future. But it is only by putting these ideas into practice—by learning to view humanity in this way—that we can move beyond the twenty-seven years; otherwise, we remain stuck in those twenty-seven years. And just imagine the prospect: our fifth post-Atlantean epoch will be followed by a sixth and a seventh. In the sixth, humanity as a whole will yield what corresponds to the individual development of the period between the fourteenth and twenty-first years. In the outer world, no matter how intelligent the people directing education may be, one will no longer be able to attain more than what corresponds to individual development up to the age of twenty-one. People will not be able to grow older than twenty-one, even if they do not die at that age. And in the seventh post-Atlantean epoch, people will not be able to go beyond the age that corresponds to the fourteenth year of life in individual development. Unless people grow older through the stimulation of their inner lives, humanity will be gripped by an epidemic of youthful mental weakness. Anyone who has eyes to see and ears to hear—and does not live thoughtlessly—can, armed with such ideas, already evaluate many phenomena of the present in the correct way!
[ 14 ] Nehmen wir nur ein Gebiet: Wohin hat es unsere Gegenwart gebracht in der Auffassung, sagen wir des Christus-Impulses? Wie viele Menschen sind doch dem Gedanken des Barre&s recht nahe, daß die großzügige Weltanschauung des Heilands durch die Kirche den Bedürfnissen der modernen Gesellschaft angepaßt ist, daß man gerade deshalb mit den Kirchen so gut auskommen könne? Wer bemüht sich denn — vielleicht noch einzelne, gewiß, aber im allgemeinen —, wer bemüht sich denn wirklich, auferstehen zu lassen dasjenige aus den Evangelien, was der Christus entgegengesetzt hat dem anderen, dem er vor allen Dingen entgegenzutreten hatte? Die bedeutungsvollsten, tiefsten Dinge des Christentums, wie werden sie denn heute. verstanden? Ich will nur erinnern an eine Zentralidee des Christentums: das Kommen der Reiche der Himmel. Selbst Blavatsky hat darüber gespottet, daß vorausgesagt worden sei, die Reiche der Himmel würden kommen, und in der Zeit, in der sie hätten kommen sollen, hätte doch nicht mehr Weizen geblüht als früher, die Trauben wären nicht größer geworden, kurz, das Himmelreich wäre nicht auf die Erde gekommen.
[ 14 ] Let us consider just one area: Where has our present-day understanding led us, say, regarding the Christ impulse? How many people are, after all, quite close to Barre’s idea that the Savior’s generous worldview has been adapted by the Church to the needs of modern society, and that this is precisely why we can get along so well with the churches? Who, then—perhaps a few individuals, certainly, but in general—who truly strives to bring to life that aspect of the Gospels which Christ set in opposition to the very thing he had to confront above all else? The most significant, most profound aspects of Christianity—how are they understood today? I would like merely to recall a central idea of Christianity: the coming of the Kingdoms of Heaven. Even Blavatsky mocked the prediction that the Kingdoms of Heaven would come, noting that at the time they were supposed to arrive, no more wheat had bloomed than before, the grapes had not grown larger—in short, the Kingdom of Heaven had not come to Earth.
[ 15 ] Man dünkt sich gescheit; aber aus dieser Gescheitheit kommt eben nichts anderes heraus als diese Beurteilung, und diese Gescheitheit läßt nicht zu die tiefere Frage: Könnte nicht vielleicht der Christus etwas anderes gemeint haben? — Man erkennt heute schon den Christus an, aber so, daß man vor allen Dingen will, daß die eigenen Ideen, gerade so, wie man sie selber gefaßt hat, auch beim Christus leben. Der Sozialist macht einen braven Sozialisten aus ihm, der Liberale einen Liberalen, der Protestantenvereinler einen Vorstand des Protestantenvereins und so weiter. Ein moderner Schultheologe konstruiert ihn sich so wie Professor Harnack, und die Leute hören zu, wie der Professor Harnack über die wichtigsten Begriffe des Christus Jesus spricht. Da passierte es einmal, daß ich einen Vortrag zu halten hatte in einem Verein, dessen Vorsitzender ein in der Bibel und auch in der modernen 'T'heologie gut beschlagener Mann war. Ich sagte im Verlaufe dieses Vortrags, daß der gute Harnack eigentlich einen merkwürdigen Auferstehungsbegriff habe, denn in seinem «Wesen des Christentums» stünde der merkwürdige Satz: Was auch im Garten von Gethsemane vorgegangen sein mag, darüber können wir heute nicht mehr urteilen, weil das die menschliche Erkenntnis übersteigt, und auch die berechtigten Anforderungen des Glaubens übersteigt. Aber vom Garten in Gethsemane ist ausgegangen der Auferstehungsglaube, und dieser ist der Menschheit besonders wert geworden. — Ob es wahr ist, daß der Christus irgendwie auferstanden ist, darauf kommt es nicht an! Glauben soll man, daß von dem Garten in Gethsemane der Glaube ausgegangen ist. — Das ist Harnacksche Lehre. Derjenige, welcher der Vorsitzende war des Vereines, sagte: Sie haben sich geirrt, denn da wäre Harnack geradezu Katholik — der Betreffende fühlte sich so recht protestantisch erhaben —, es wäre ja dann wie bei den Katholiken, die sagen: Woher das Stückchen Kleid rührt, das man als Heiligenrock von Trier anbetet, oder woher irgendwelche Knöchelchen stammen, darauf kommt es nicht an, es kommt nur darauf an, daß sich der Glaube verbreitet hat, daß diese Dinge von einem bestimmten Heiligen herrühren. Das aber ist katholisch — meinte der Betreffende —, an so etwas können wir selbstverständlich nicht glauben. Und das wäre ja dann ganz gleich, wenn Harnack sagt, es käme nicht darauf an, ob es wahr ist, daß der Christus irgendwie auferstanden ist, sondern darauf, daß man glaubt, daß von dem Garten Gethsemane der Glaube ausgegangen ist. Also, sagte er zu mir, Sie haben sich sicher geirrt. — Da sagte ich: Ja, wissen Sie, das steht aber im «Wesen des Christentums». — Nein, antwortete er, das kann nicht drinstehen. Haben Sie es gelesen? — Oh, oftmals, sagte ich, ich werde Ihnen morgen auf einer Karte Seite und Zeile aus dem Buche «Das Wesen des Christentums» mitteilen, wo das steht.
[ 15 ] One thinks oneself wise; but this wisdom yields nothing more than this judgment, and it does not allow for the deeper question: Could it be that Christ meant something else? — People already recognize Christ today, but in such a way that, above all, they want their own ideas—exactly as they themselves have conceived them—to be found in Christ as well. The socialist makes him a good socialist, the liberal a liberal, the Protestant association member a board member of the Protestant association, and so on. A modern academic theologian constructs him in the same way as Professor Harnack, and people listen as Professor Harnack speaks about the most important concepts of Jesus Christ. It so happened once that I had to give a lecture at an association whose chairman was a man well-versed in the Bible and also in modern “theology.” In the course of this lecture, I said that good old Harnack actually had a peculiar concept of the Resurrection, for in his *The Essence of Christianity* there is this curious sentence: “Whatever may have taken place in the Garden of Gethsemane, we can no longer judge it today, because it transcends human understanding and also exceeds the legitimate demands of faith.” But it was from the Garden of Gethsemane that the faith in the Resurrection sprang, and this has become especially precious to humanity. — Whether it is true that Christ was somehow resurrected is irrelevant! One should believe that faith originated in the Garden of Gethsemane. — That is Harnack’s teaching. The man who was the chairman of the association said: “You are mistaken, for in that regard Harnack would be downright Catholic”—the man in question felt so very Protestant and superior—“it would then be just like the Catholics who say: “Where the little piece of cloth that is venerated as the Holy Tunic of Trier comes from, or where certain little bones originate—that doesn’t matter; what matters is that the belief has spread that these things come from a particular saint.” But that is Catholic—the man in question said—and of course we cannot believe in such things. And that would be exactly the same as if Harnack were to say that what matters is not whether it is true that Christ was somehow resurrected, but rather that one believes that faith originated in the Garden of Gethsemane. So, he said to me, you must surely be mistaken. — Then I said: “Yes, you know, but that’s in *The Essence of Christianity*.” — “No,” he replied, “that can’t be in there. Have you read it?” — “Oh, many times,” I said, “I’ll write down the page and line from the book *The Essence of Christianity* on a card for you tomorrow, showing where it says that.”
[ 16 ] Der Mann, der so gut die Theologie kannte und bibelbeschlagen war, konnte also nicht so genau lesen, daß er das wußte, was im Buche steht. Es steht aber darinnen. So ist es um das heutige Denken beschaffen. Mit diesem heutigen Denken hat es auf allen Gebieten eine recht merkwürdige Bewandtnis, besonders wenn man sich bemüht, es so recht populär zu machen.
[ 16 ] The man, who knew theology so well and was so well-versed in the Bible, was apparently not able to read closely enough to know what is written in the book. Yet it is written there. Such is the nature of today’s thinking. There is something quite peculiar about this modern way of thinking in all areas, especially when one tries to make it truly accessible to the general public.
[ 17 ] Aber nicht allein die Theologen erweisen sich als sündhaft, auch die Naturforscher. Da gibt es ein Büchlein «Die Mechanik des Geisteslebens». Ich weiß nicht, ob es auch schon ein Buch gibt über die Hölzernheit des Eisens. Der Verfasser trägt den Namen — ich schätze ihn sonst, wie viele, die ich angreife — Verworn. Er behandelt in diesem Büchelchen auch den Traum und macht geltend, daß beim Traum ein herabgestimmtes, abgelähmtes Gehirnleben stattfindet, daß das Gehirnleben nur teilweise tätig ist. Wenn jemand mit einer Stecknadel kleine Stöße gegen die Fensterscheibe ausführt, sagt Verworn, können wir träumen, daß nacheinander Kanonenschüsse losgehen. — Das ist ein bekannter Traum. Das sagt Verworn oben; dann sagt er einiges dazwischen, und zum Schluß sagt er auf derselben Seite weiter unten: Der Traum trägt seinen eigentümlichen Charakter, weil das Gehirn in seiner Tätigkeit herabgestimmt ist. — Nun denken Sie sich die Gescheitheit: Wenn wir das volle Gehirn haben, dann hören wir die leisen Antupfungen, die leisen Stöße der Stecknadel; wenn das Gehirn herabgestimmt ist, weniger tätig ist, dann hören wir den Kanonendonner. — Das ist eine Erklärung, die hingenommen wird, wie manches von Freud, und wohlgefällig hingenommen wird, weil ein paar Zeilen dazwischen stehen.
[ 17 ] But it is not only theologians who prove to be sinful; natural scientists are as well. There is a little book titled *The Mechanics of Spiritual Life*. I don’t know if there’s already a book about the wooden nature of iron. The author’s name is—and I otherwise hold him in high regard, like many whom I criticize—Verworn. In this little book, he also discusses dreams and argues that during dreaming, brain activity is subdued and sluggish, that the brain is only partially active. Verworn says that if someone taps lightly against a windowpane with a pin, we might dream that cannon shots are firing one after another. — That’s a well-known dream. Verworn says this at the top of the page; then he says a few other things in between, and finally, further down on the same page, he adds: The dream has its peculiar character because the brain’s activity is subdued. — Now just imagine the logic: When our brain is fully active, we hear the soft taps, the soft jabs of the pin; when the brain is subdued, less active, then we hear the thunder of cannon fire. — This is an explanation that is accepted—like so much of Freud’s work—and readily accepted, simply because a few lines are inserted in between.
[ 18 ] Das liegt aber überhaupt unserer Zeit zugrunde: Der Wille, mit dem Denken wirklich durchzugehen durch das, was an einen herantritt, ist sehr selten in unserer Zeit. Und deshalb ist es gar nicht so besonders unbegreiflich, daß man so etwas, wie das Kommen der «Reiche der Himmel» nicht leicht verstehen will, denn dazu gehört schon einiges. Bis dahin, bis zum Mysterium von Golgatha, kamen ja die Reiche der Himmel an den Menschen wie im Traume heran. Vor der atlantischen Katastrophe nahm man sie sogar mit der Verdauung auf. Aber jetzt mußten sie herabkommen. Sie kamen herab, aber so, daß der Mensch seinen Geist anstrengen mußte, um die Reiche der Himmel zu erfassen. Nicht das ist gemeint, daß die Trauben größer werden, daß die Weizenähren voller werden, sondern daß das Reich mitten unter uns lebt, wir es aber durch die Zubereitung unseres eigenen Geistes um uns herum finden müssen.
[ 18 ] But this is fundamental to our time: the willingness to truly engage one’s thinking with whatever comes one’s way is very rare in our time. And that is why it is not at all particularly incomprehensible that people are reluctant to easily grasp something like the coming of the “realms of heaven,” for this requires quite a bit. Up until then—up until the Mystery of Golgotha—the realms of heaven approached humanity as if in a dream. Before the Atlantean catastrophe, people even absorbed them through digestion. But now they had to come down. They came down, but in such a way that human beings had to strain their spirits to grasp the realms of heaven. This does not mean that the grapes grow larger or that the ears of wheat become fuller, but rather that the kingdom lives right in our midst, yet we must find it around us by preparing our own spirits.
[ 19 ] Dieses liegt, indem ich es kurz skizziert habe, der grandiosen Auffassung des Christus Jesus zugrunde. Dieses ist allerdings eine Vorstellung, die Energie von unserer Seele fordert, wenn wir uns in sie hineinfühlen wollen. Und so sind viele christliche Vorstellungen. Mit diesen trat der Christus dem Imperium Romanum entgegen, dem Römischen Reich, das im vollen Gegensatz zum Christentum sich ausgebildet hat. Dieses Imperium Romanum, das ins Cäsarentum übergegangen ist, hat durch seine Gewaltherrschaft die alten Mysterien unter seine Botmäßigkeit gebracht. Augustus war der erste Cäsar, der wegen seiner äußeren Gewalt in die Mysterien eingeweiht werden mußte. Und seine Nachfolger, Tiberius, Caligula und andere, waren in die Mysterien eingeweihte Leute. Sie wandten nur die Mysterienanschauung auf das äußere Reich der Welt an, nicht trugen sie, wie die ägyptischen Tempelpriester, das Reich des Geistes herein in das Reich der Welt. Commodus hat sich sogar zum Initiator machen lassen, und als er einen anderen, den er zu initiieren hatte, initiierte, soll er ihm, symbolisch, einen so starken Schlag gegeben haben, daß er ihn erschlagen hat.
[ 19 ] This, as I have briefly outlined it, underlies the magnificent conception of Christ Jesus. This, however, is a concept that demands energy from our soul if we wish to empathize with it. And so it is with many Christian concepts. With these, Christ confronted the Roman Empire, which had developed in complete opposition to Christianity. This Roman Empire, which evolved into the Caesarian era, subjugated the ancient mysteries through its tyranny. Augustus was the first Caesar who, because of his external power, had to be initiated into the mysteries. And his successors—Tiberius, Caligula, and others—were people initiated into the mysteries. They merely applied the perspective of the mysteries to the external realm of the world; they did not, like the Egyptian temple priests, bring the realm of the spirit into the realm of the world. Commodus even had himself made an initiator, and when he initiated another person whom he was supposed to initiate, he is said to have struck him—symbolically—with such force that he killed him.
[ 20 ] Da standen sich also gegenüber zwei mächtige Gegensätze: das Imperium Romanum und das Christentum. Dieser Gegensatz muß seine Ausgleichung finden. Er hat sie bis heute noch nicht gefunden. Wir müssen fähig werden, den Geist anzuerkennen, den Geist auch in das Leben einzuführen. Nur soviel will ich über diesen Punkt sagen, denn in unserem Denken, in unserem Empfinden lebt vielfach dasjenige fort, was in die Menschen eingezogen ist als die Logik, die Art des Denkens und Fühlens, wie sie im Römischen Reich herrschend war. Unsere Gymnasiasten lernten als erstes lateinisch und damit die Denkweise des Imperium Romanum, die sich fortgepflanzt hat. Man weiß nicht, wieviel von dem an dem innersten Grundnerv unseres Lebens ist, man weiß heute noch nicht den Geistesweg zu dem Christus im richtigen Sinne zu suchen und zu finden. Dieser Weg kann aber nur ein solcher sein, der den Willen zum Denken hat, der besonders zurückgegangen ist in unserer Zeit, man kann sagen, die Intelligenz eigentlich. Unsere auf die Intelligenz so stolze Zeit entbehrt eigentlich der Intelligenz, weil sie der Gewissenhaftigkeit entbehrt auf dem Boden des Denkens.
[ 20 ] So there stood two powerful opposites facing each other: the Roman Empire and Christianity. This opposition must find a balance. It has not yet found it to this day. We must become capable of recognizing the spirit and of bringing the spirit into our lives as well. I will say only this much on this point, for in our thinking and in our feelings, much of what has become ingrained in people—the logic, the way of thinking and feeling that prevailed in the Roman Empire—continues to live on. Our high school students first learned Latin and, with it, the way of thinking of the Roman Empire, which has been passed down. We do not know how much of this lies at the very core of our lives; even today, we do not yet know how to seek and find the spiritual path to Christ in the true sense. But this path can only be one that involves the will to think—a quality that has particularly declined in our time; one might even say, intelligence itself. Our age, so proud of its intelligence, actually lacks intelligence because it lacks conscientiousness in the realm of thought.
[ 21 ] Ein viel gelesenes Büchelchen, das über das «Christentum im Weltanschauungskampfe der Gegenwart» handelt, gibt Vorträge wieder, die vor Tausenden und aber Tausenden von Menschen gehalten worden sind von einem sehr führenden Geist der Gegenwart, der selbstverständlich Philosophie, Theologie durchaus studiert hat. Da werden Ideen entwickelt — es ist zum die Wände hinaufkriechen! Zuletzt stol'pert man noch über den schönen Satz, schon. Goethe habe ja gesagt:
[ 21 ] A widely read little book dealing with “Christianity in the Contemporary Struggle of Worldviews” reproduces lectures that were delivered to thousands upon thousands of people by a leading intellectual of our time, who, of course, has thoroughly studied philosophy and theology. Ideas are developed there—it’s enough to make the walls crawl! Finally, one stumbles upon the beautiful sentence: Goethe himself is said to have said:
Ins Innre der Natur
Dringt kein erschaffner Geist,
Glückselig, wem sie nur
Die äußre Schale weist!
Into the heart of nature
No creative spirit penetrates,
Blessed is he to whom she
Reveals only her outer shell!
[ 22 ] Dahin müßten wir eigentlich kommen, so etwas anzuerkennen! So gut kennt der Mann seinen Goethe, daß er diesen Hallerschen Ausspruch zitiert als einen Goetheschen, trotzdem Goethe dazu gesagt hat:
[ 22 ] We really ought to get to the point where we acknowledge something like this! The man knows Goethe so well that he quotes this saying by Haller as if it were Goethe’s, even though Goethe himself said:
Ich fluche drauf, aber verstohlen.
Natur hat weder Kern noch Schale,
Alles ist sie mit einem Male.
Dich prüfe du nur allermeist,
Ob du Kern oder Schale seist.
I curse it, but only in secret.
Nature has neither core nor shell;
It is everything all at once.
Just examine yourself most carefully,
To see whether you are core or shell.
[ 23 ] So wird den Menschen heute aufgeschwatzt als Goethesche Anschauung, worüber Goethe selber sagte: «Ich fluche drauf»! Aber die Leute hören es willig an, das ist das allgemeine Denken der heutigen Zeit. Es nützt nichts, daß man wollüstig aufblickt zu gewissen Ideen, die aus der Geisteswissenschaft kommen. Diese Ideen müssen in das seelische Leben voll eingehen, dann begründet sich die andere Strömung, die spirituelle Strömung, die nicht die heutige Denkweise über die Menschheit kommen läßt, sondern die Menschen individuell sich entwickeln läßt, so daß sie in die allgemeine Entwickelung dasjenige hineintragen können, das sich nun herauslösen kann aus dem, was von selbst da ist. Aber vieles wird noch kommen müssen, bevor solche Dinge im richtigen konkreten Sinne erfaßt werden, so erfaßt werden, daß wirklich wirklichkeitsgetragenes Denken die Menschen erreicht.
[ 23 ] This is what people today are being talked into accepting as Goethe’s view—about which Goethe himself said, “I curse it”! But people listen to it willingly; that is the prevailing mindset of our time. It does no good to gaze longingly at certain ideas that come from spiritual science. These ideas must become fully integrated into the life of the soul; then the other current—the spiritual current—will take root, a current that does not allow today’s way of thinking to dominate humanity, but rather allows people to develop individually, so that they can contribute to the general evolution that which can now emerge from what is already there of its own accord. But much will still have to happen before such things are grasped in the proper, concrete sense—grasped in such a way that thinking grounded in reality truly reaches people.
[ 24 ] Es ist ein sehr schönes Buch erschienen: «Der Staat als Lebensform» von Kjellén, dem berühmten schwedischen Staatswissenschafter. Ich führe ihn aus dem Grunde an, weil er ein Mann ist, welcher gerade mit großem Wohlwollen unserer Sache, meiner Sache entgegengekommen ist, so daß man nicht glauben darf, daß ich irgendwelche Rankünen habe. Aber gerade deshalb darf ich ihn als charakteristisch anführen für gewisse Arten des Lebens.
[ 24 ] A very fine book has been published: *The State as a Way of Life* by Kjellén, the famous Swedish political scientist. I cite him for this reason: he is a man who has shown great goodwill toward our cause—my cause—so that no one should think I harbor any grudges. But precisely for this reason, I may cite him as representative of certain ways of life.
[ 25 ] Er versucht in diesem Buch, Ideen über den Staat zu gewinnen, die aus mancherlei Irrtümern hinausführen können. Er kommt natürlich zurück auf die Idee von dem Staat als Organismus. Er ist weiter als Wilson. Wilson hat seinerzeit sehr scharf getadelt, daß zu Newtons Zeit die Menschen nicht selbständig über den Staat nachgedacht haben, sondern sich von der Schwerkraftslehre so haben beeinflussen lassen, daß sie die verschiedenen Impulse beim menschlichen Denken nach der abstrakten Schwerkraft beurteilten. Man müsse über den Staat so denken wie über einen Organismus. Dabei merkt er nicht, daß die Leute Newtonisch dachten und er darwinistisch. Kjellén denkt auch, der Staat sei ein Organismus; die einzelnen Menschen sind dann die Zellen. Nun gewiß, man kann ein Ganzes, das in sich Lebensregungen hat, mit einem Organismus vergleichen und seine Teile mit Zellen. Aber vergleichen kann man eigentlich alles, wenn die Ideen nicht willig sind, in die Wirklichkeit unterzutauchen, schließlich auch eine Eidechse mit einem Taschenmesser. Vergleichen läßt sich alles. Erst wenn man Sinn für Wirklichkeit hat, dann führt der Vergleich von selber auf das Richtige. Dieser Vergleich bei Kjellén würde dahin führen, den einen Staat als Organismus, und den zweiten als angrenzenden Organismus aufzufassen. Wer wirklichkeitsgemäß denken kann, kann aber die Menschen ganz unmöglich als Zellen denken. Der Vergleich könnte gelten, wenn man das Ganze der Staaten mit einem Organismus vergleicht, und die einzelnen Staaten als Zellen; dann aber geht der ganze Mensch nicht auf in dem Staat. Es läßt sich dann nur das soziale Leben über die ganze Erde hin mit dem Organismus vergleichen. Wollte man aber den Menschen jetzt einfügen, da würde das so ausschauen: Stellen wir uns einen Organismus vor, so müßten die Zellen überall herausstechen. Eine merkwürdige Art von Igel käme da heraus. Nur wenn das so wäre, ein Organismus, wo überall Lebendiges herauskäme, dann wäre das ein solcher Organismus, mit dem wir das ganze soziale Leben auf der Erde vergleichen können.
[ 25 ] In this book, he attempts to develop ideas about the state that can lead us beyond various errors. Naturally, he returns to the idea of the state as an organism. He goes further than Wilson. Wilson had sharply criticized the fact that, in Newton’s time, people did not think independently about the state, but allowed themselves to be so influenced by the theory of gravity that they judged the various impulses of human thought in terms of abstract gravity. One must think of the state in the same way as one thinks of an organism. In doing so, he fails to realize that people thought in a Newtonian way, whereas he thinks in a Darwinian way. Kjellén also believes that the state is an organism; individual human beings are then the cells. Now, certainly, one can compare a whole that possesses vital functions within itself to an organism, and its parts to cells. But in truth, one can compare just about anything—even a lizard to a pocketknife—if ideas are unwilling to immerse themselves in reality. Everything can be compared. Only when one has a sense of reality does the comparison naturally lead to the correct conclusion. In Kjellén’s case, this comparison would lead to conceiving one state as an organism and the second as an adjacent organism. But anyone capable of thinking realistically cannot possibly conceive of human beings as cells. The comparison might hold if one were to compare the totality of states to an organism and the individual states to cells; but then the whole human being is not subsumed within the state. In that case, only social life across the entire globe can be compared to an organism. But if one were to insert human beings into this analogy, it would look like this: If we imagine an organism, the cells would have to protrude everywhere. The result would be a strange kind of hedgehog. Only if it were like that—an organism where living matter protruded everywhere—would it be the kind of organism to which we could compare all of social life on Earth.
[ 26 ] Das heißt aber: Das gesamte Leben des Menschen kann überhaupt nicht in der staatlichen Ordnung aufgehen. Es muß überall herausragen in das Geistige hinein aus dem, was der Staat zu umfassen vermag. Das vergißt man im Praktischen heute allzusehr auf allen Gebieten, und man könnte Einrichtung über Einrichtung anführen, die beweisen würde, wie man das vergißt, wie man vergißt, neben dem äußeren, nach dem Modell des Imperium Romanum Aufgerichteten, das Reich des Geistes, das der Christus bringen wollte, über die Erde hin aufzurichten. Es war sehr nötig, diesen Gedanken in seinem vollen Ernst zu würdigen.
[ 26 ] But this means that a person’s entire life cannot be subsumed within the state order at all. It must extend beyond the scope of what the state is capable of encompassing, reaching into the spiritual realm. This is all too often forgotten in practice today in every field, and one could cite institution after institution that would prove how this is forgotten—how we forget to establish across the earth, alongside the external realm modeled after the Roman Empire, the kingdom of the spirit that Christ sought to bring. It was very necessary to give this thought its due in all its seriousness.
[ 27 ] Wissen Sie, wo es auf das Konkrete geht, da reicht gewöhnlich das Denken nicht hinein. Denken Sie, wie in der letzten Zeit alles danach getrachtet hat, die Autonomie der gelehrten Bildung zurückzudrängen in der Form, daß man all die Dinge, die an den gelehrten Anstalten hängen, zurückgedrängt hat und das Staatsprinzip darübergestellt hat. Heute muß schon ein Mediziner, damit er überhaupt Mediziner werden kann, die Staatsprüfung vorher ablegen, dann kann er den medizinischen Doktortitel wie eine Art Dekoration erhalten. Die Autonomie der Geistesanstalt als solcher ist vollständig zurückgedrängt. Viele Beispiele könnten wir anführen, wo ein wahrer Enthusiasmus herrscht, sich in dieser Richtung zu bewegen. Die Leute können sich nicht genug tun, alle Titel zu verstaatlichen. Ingenieur hat man zusammengebracht mit «ingenium». Jetzt bestrebt man sich nicht mehr, das zu tun, sondern man strebt nach dem Diplom. Wenn darauf steht, daß man Ingenieur ist, dann darf man sich so nennen; sonst hilft das Ingenium nichts. Dies liegt in der Richtung, die abführt von einer geistigen Auffassung der Welt. Daran denken die Menschen nicht. Sie sind im Gegenteil begeistert für diesen Kampf gegen den Geist auf allen Gebieten. Man müßte schon, um das bemerklich zu machen, weil man heute so gern auf Worte schwört, vielleicht ein neues Wort erfinden und sagen: Die Menschen sind «beleibert» für die Entgeistigung. Dann würden vielleicht einzelne anfangen, doch ein bißchen aufzupassen auf das, was die Richtung ist, die man einschlägt! Aber daß man nicht aufpaßt, das ist ja gerade der Beweis für die Gedankenlosigkeit des Lebens, für den Haß, den man geradezu gegen den Willen zum Denken hat.
[ 27 ] You know, when it comes to concrete matters, thinking usually doesn’t go far enough. Consider how, in recent times, every effort has been made to curtail the autonomy of academic education by scaling back all matters associated with academic institutions and placing the principle of the state above them. Today, a medical student must first pass the state examination in order to become a doctor at all; only then can he receive the medical doctorate as a sort of decoration. The autonomy of the institution of the humanities as such has been completely curtailed. We could cite many examples where there is a genuine enthusiasm for moving in this direction. People cannot do enough to nationalize all titles. The term “engineer” has been conflated with “ingenium.” Now people no longer strive to embody that quality, but rather strive for the diploma. If it states that one is an engineer, then one may call oneself that; otherwise, ingenium is of no use. This follows a path that leads away from an intellectual understanding of the world. People do not think about this. On the contrary, they are enthusiastic about this battle against the spirit in all areas. To make this point clear—since people today are so fond of swearing by words—one might have to invent a new word and say: People are “delighted” with this de-spiritualization. Then perhaps some individuals would begin to pay a little attention to the direction they are taking! But the very fact that people do not pay attention is proof of the thoughtlessness of life, of the outright hatred they harbor toward the very will to think.
[ 28 ] Da sehen Sie, wie es notwendig ist, Geisteswissenschaft schon wirklich einzuführen in das alleralltäglichste Leben. Sie ist eine ernste Sache, diese Geisteswissenschaft. Deshalb mußte schon neben dem Bedeutsamen von gestern auch das unmittelbar Aktuelle erwähnt werden. Denn es darf nicht dasjenige, was Geisteswissenschaft will, dadurch beeinträchtigt werden, daß es verphilistert und vercliquiert wird, daß durch die Anthroposophische Gesellschaft Hemmnisse über Hemmnisse geschaffen werden für das, was Geisteswissenschaft will. Bei vernünftigen Leuten wird man natürlich immer wieder Verständnis dafür finden, daß ja in die Anthroposophische Gesellschaft gerade die Menschen hereinkommen, die in irgendeiner Weise in Zwiespalt gekommen sind mit dem Leben, und zwar so stark, daß sie das Gleichgewicht verloren haben. Immer entsteht dann die Frage: Will man diesen Menschen entgegenkommen, oder hart sein? — Es verwandeln sich dann manchmal solche Menschen so, daß sie noch mehr das Gleichgewicht verlieren, oder sie verwandeln sich so, daß sie nachher Dinge erzählen, wie sie jetzt erzählt werden, die geeignet sind, eine heilige Sache in den Tratsch, in die Verleumdung, in die Verunglimpfung einmünden zu lassen. Wenn es als ungerecht befunden worden ist, was ich gestern gesagt habe: Daß man im Grunde genommen wenig gibt auf das, was ich sage —, dann ist das natürlich das gute Recht des einzelnen. Ich habe auch nur gesagt: Draußen spricht man von «blinden Anhängern». Für die Lehre braucht man dies nicht, denn sie kann geprüft werden. Nur für manche Dinge, die sich auf Einrichtungen beziehen, ist manchmal Vertrauen notwendig. Aber gerade in solchen Dingen geschieht gewöhnlich das Gegenteil von dem, was ich selber meine. Und so kann das ungerecht empfunden werden, was ich gestern als notwendige Maßregel hingestellt habe. Aber diese Maßregel wird schon aufrechterhalten werden, trotzdem andererseits dafür gesorgt werden wird, daß derjenige eine esoterische Entwickelung durchmachen kann, der sie energisch durchmachen will. Lassen wir uns nur ein wenig Zeit. Wie viele Dinge werden gerade durch jene Wirtschaft in der Anthroposophischen Gesellschaft sich zur Offenbarung bringen, wieviel wird gerade dadurch dem Mißverständnis, der Verleumdung der Welt preisgegeben! Menschen, die ganz gut wissen, wieviel Zeit manches in Anspruch genommen hat, sie werden sich überzeugen, daß Bücher, die nicht erschienen sind, erscheinen werden, wenn diese Maßregel einige Zeit durchgeführt sein wird. Seinerzeit ist mir abgerungen worden der Druck der Zyklen, den ich nicht durchsehen kann. Mein Wille war es nicht; der Wille anderer war es, die sie lesen wollen. Gewiß, man braucht nicht auf seinem Willen zu verharren, es ist nachgegeben worden; aber Sie können die Vorwürfe lesen, die gemacht werden, indem gesagt wird, es wäre ein Trick, und in den Zyklen herrsche ein Stil, den man nur tadeln müsse. Alles wird zuletzt verkehrt durch den bösen Willen. Aber, meine lieben Freunde, wenn Geisteswissenschaft im rechten Verhältnis zur Anthroposophischen Gesellschaft stehen soll, dann muß sich die Anthroposophische Gesellschaft auch verbunden fühlen mit dem Leben der Geisteswissenschaft als solcher. Wie viele fühlen sich aber nur verbunden mit ihrem eigenen, persönlichen Leben!
[ 28 ] There you see how necessary it is to truly integrate spiritual science into the most everyday aspects of life. Spiritual science is a serious matter. That is why, in addition to the important points from yesterday, the immediate current issues also had to be mentioned. For what spiritual science aims to achieve must not be compromised by becoming philistine or cliquey, or by the Anthroposophical Society creating obstacle after obstacle to what spiritual science aims to achieve. Among reasonable people, of course, one will always find understanding for the fact that it is precisely those people who have, in some way, come into conflict with life—and so strongly that they have lost their balance—who join the Anthroposophical Society. The question then always arises: Should we accommodate these people, or be firm with them? — Sometimes such people change in such a way that they lose their balance even more, or they change in such a way that they later recount things—as is being done now—that are likely to turn a sacred cause into gossip, slander, and denigration. If what I said yesterday—that, fundamentally, little attention is paid to what I say—has been deemed unfair, then that is, of course, the individual’s right. I merely said: Out there, people speak of “blind followers.” This is unnecessary when it comes to the teaching, for it can be tested. Only for certain matters relating to institutions is trust sometimes necessary. But it is precisely in such matters that the opposite of what I myself intend usually occurs. And so what I presented yesterday as a necessary measure may be perceived as unfair. But this measure will certainly be upheld, while at the same time care will be taken to ensure that those who wish to undergo esoteric development with determination can do so. Let us just give it a little time. How many things will come to light precisely through the way the Anthroposophical Society is currently managed, and how much will be exposed to the world’s misunderstanding and slander precisely because of this! People who know full well how much time certain matters have taken will come to realize that books which have not yet been published will appear once this measure has been in effect for some time. At the time, the publication of the Cycles—which I cannot review—was wrested from me. It was not my will; it was the will of others who wish to read them. Certainly, one need not insist on one’s own will—it has been yielded to—but you can read the accusations that are being made, claiming that it is a trick, and that the Cycles are written in a style that can only be criticized. In the end, everything is turned upside down by ill will. But, my dear friends, if spiritual science is to stand in the right relationship to the Anthroposophical Society, then the Anthroposophical Society must also feel connected to the life of spiritual science as such. Yet how many feel connected only to their own personal lives!
[ 29 ] Es gibt ja wirklich in der Anthroposophischen Gesellschaft, hat immer gegeben zahlreiche Menschen, die es in der einen oder anderen Form einfach ausgesprochen haben, daß sie eigentlich nur in die Anthroposophische Gesellschaft hereinkommen, um dieses oder jenes Esoterische mit mir besprechen zu können, und die es ablehnen, Menschen Vertrauen entgegenzubringen, denen ich selber Vertrauen entgegenbringe. In dieser Beziehung wird ja besonders Schlimmes erlebt. Das nützt gar nichts, daß ich dem oder jenem Freunde in der Gesellschaft da oder dort Vertrauen entgegenbringe; man will den betreffenden Menschen nicht, und man sucht über ihn hinwegzugehen. Nun, diese Dinge haben alle ihren Ursprung darin, daß so viel, so unzähliges Persönliche hineingetragen wird in diese Anthroposophische Gesellschaft. Wissen Sie, welches Wort ich bei den sogenannten esoterischen Besprechungen wirklich am öftesten gehört habe? Glauben Sie nicht, daß ich am öftesten habe reden hören über solche Angelegenheiten, wie Freiheit, Gleichheit, Menschheitsentwickelung und so weiter. Am meisten habe ich gehört das Wort «Ich» von jedem einzelnen. Mit ihren allerpersönlichsten Angelegenheiten kommen da die Menschen. Dem wurde auch mit Freuden Rechnung getragen, aber es geht eben nicht weiter, aus den gestern angegebenen Gründen. Und das muß verstanden werden.
[ 29 ] There really are—and always have been—numerous people in the Anthroposophical Society who have simply stated, in one form or another, that they actually join the Anthroposophical Society only to be able to discuss this or that esoteric topic with me, and who refuse to place their trust in people in whom I myself place my trust. In this regard, particularly terrible experiences are encountered. It does no good at all that I place my trust in this or that friend in the Society here or there; people do not want the person in question, and they try to ignore him or her. Well, all these things have their origin in the fact that so much—so countless—personal baggage is brought into this Anthroposophical Society. Do you know which word I’ve actually heard most often at the so-called esoteric meetings? Don’t think that I’ve most often heard people talk about matters such as freedom, equality, human evolution, and so on. What I heard most of all was the word “I” from each and every one of them. People come there with their most personal matters. This was gladly taken into account, but it simply cannot go any further, for the reasons stated yesterday. And that must be understood.
[ 30 ] Ich weiß, am besten wird es gerade bei denjenigen verstanden, welche wirklich hingebungsvoll und verständnisvoll mit der anthroposophischen Entwickelung mitarbeiten, welche in der anthroposophischen Entwickelung eine Menschheitsaufgabe zu sehen vermögen, welche nicht bloß eine Erleichterung ihrer Familienangelegenheiten oder sonstiger persönlicher Angelegenheiten durch ihre Zugehörigkeit zur Anthroposophischen Gesellschaft suchen, welche nicht bloß ein vor dem Gesetz unerlaubtes Hintertürchen suchen, weil sie sich immerfort zurückziehen würden, wenn es sich darum handelte, öffentlich zu bekämpfen das materialistische Ärztewesen; aber ein Hintertürchen suchen sie, um kuriert zu werden, abgesehen von diesem materialistischen ÄArztewesen! — Es ist auf keinem anderen Wege mehr möglich, all den Dingen, die als Schäden aus der Gesellschaft zur Schädigung der anthroposophischen Bewegung hervorgegangen sind, entgegenzutreten, als durch diese Maßregeln, von denen ich gestern gesprochen habe, und von denen sicherlich für die nächste Zeit nicht abgegangen werden wird. Nur dadurch wird man wirklich dasjenige bekämpfen können, was sich so furchtbar eingenistet hat. Die Anthroposophische Gesellschaft wird gerade dadurch immer besser und besser gedeihen können. Und auch das esoterische Leben — dafür werde ich sorgen — wird gerade dadurch immer besser und besser gedeihen können. Jenen Erfindungen — und darauf kommt es an —, auf die ich gestern hingedeutet habe, denen wird vielleicht doch noch einigermaßen der Boden entzogen werden können, wenn nur die gestern erwähnte, aus zwei Teilen bestehende Maßregel energisch durchgeführt wird. Verstehen Sie dies, denn mit diesem Verständnis zeigen Sie Verständnis für die Eigenart und Aufgabe der anthroposophischen Bewegung. Draußen sind heute genug Leute, die sich nicht fähig fühlen, Anthroposophie, wie sie hier gemeint ist, [sachlich] zu bekämpfen. Das ist ihnen auch zu unbequem, das macht ja notwendig, daß man die Anthroposophie erst kennt. Das ist eine unbequeme Sache für viele, die sie bekämpfen wollen. Aber sich zutragen lassen Verleumdungen und Verunglimpfungen und diese verbreiten, das gibt ein Mittel, um Anthroposophie zu bekämpfen, ohne daß man sie versteht. Denn unsere Zeitgenossen sind ja recht sehr zugänglich für Verleumdungen und Verunglimpfungen. Nichts liest man so gerne als Verleumdungen und Verunglimpfungen. Fassen wir die Aufgabe der Anthroposophie ernsthaft, fassen wir den Ernst der Lage auf, dann werden wir auch mit dieser Maßregel zurechtkommen. In diesem Sinne wollen wir schließen. Hoffentlich bleiben wir, arbeitend in der entsprechenden Weise mit unseren Kräften, zusammen.
[ 30 ] I know that this is best understood by those who truly collaborate with the anthroposophical development in a devoted and understanding way, who are able to see in the anthroposophical development a task for humanity, who do not merely seek relief for their family matters or other personal affairs through their membership in the Anthroposophical Society, who do not merely seek a loophole that is illegal under the law, because they would constantly back down whenever it came to publicly opposing the materialistic medical establishment; but they are seeking a loophole to be cured, apart from this materialistic medical establishment! — There is no other way to counter all the things that have emerged from society as harms to the anthroposophical movement than through these measures, of which I spoke yesterday, and from which we will certainly not deviate in the near future. Only in this way will it be possible to truly combat what has become so deeply entrenched. It is precisely through this that the Anthroposophical Society will be able to flourish more and more. And the esoteric life as well—I will see to that—will be able to flourish more and more precisely through this. Those fabrications—and this is what matters—to which I alluded yesterday may yet be somewhat undermined, provided that the two-part measure mentioned yesterday is vigorously implemented. Please understand this, for by understanding this, you demonstrate an understanding of the unique character and mission of the anthroposophical movement. There are enough people out there today who do not feel capable of [objectively] opposing anthroposophy as it is understood here. That is too inconvenient for them; after all, it requires that one first be familiar with anthroposophy. This is an inconvenient matter for many who wish to oppose it. But to accept slander and denigration and spread them provides a means of opposing anthroposophy without understanding it. For our contemporaries are, after all, quite susceptible to slander and denigration. Nothing is read with greater pleasure than slander and denigration. If we take the task of anthroposophy seriously, if we grasp the gravity of the situation, then we will also be able to cope with this challenge. Let us conclude in this spirit. May we remain united, working together in the appropriate manner with all our strength.
