Central Europe between East and West
GA 174a
19 May 1917, Munich
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Central Europe between East and West, tr. SOL
Siebenter Vortrag
Seventh Lecture
[ 1 ] Ich will heute einen Ausgangspunkt nehmen, der uns zum Verständnis führen kann von manchem, was uns in der gegenwärtigen Zeit umgibt und dem wir fragend gegenüberstehen. Unsere Zeit fordert so verstanden zu werden, daß der Mensch sich in sie hineinstellt mit einem tieferen, einem geistigen Verständnis. Doch ist auf der anderen Seite in weitesten Kreisen eine tiefe Abneigung vorhanden gegen ein geistiges Verstehen der menschlichen Verhältnisse; ja, eine solche Abneigung ist vorhanden, daß man den Versuch nach geistigem Verständnis, den Versuch nach dem Verständnis solcher Impulse, welche die menschlichen Handlungen in unserer schwierigen Zeit zu tragen vermögen, als etwas Phantastisches, etwas Unmögliches, etwas Kindisches von vornherein ablehnt. Dennoch sollen gerade diese Betrachtungen, die wir hier zusammen pflegen können, dem gewidmet sein, was zwar, wie das leicht begreiflich ist, nicht unmittelbar von den Verhältnissen der Zeit spricht — das kann man ja nicht, wie bekannt ist —, was aber zu einigem Verständnis denjenigen führen kann, der sich Mühe gibt, zu einem solchen Verständnis von wahrhaftig tieferen Ausgangspunkten aus zu kommen.
[ 1 ] Today I would like to take a starting point that can lead us to an understanding of some of the things that surround us in the present age and that we view with curiosity. Our age demands to be understood in such a way that people approach it with a deeper, spiritual understanding. Yet, on the other hand, there is a deep aversion in the broadest circles to a spiritual understanding of human conditions; indeed, this aversion is so strong that any attempt at spiritual understanding—any attempt to grasp the impulses that can guide human actions in our difficult times—is rejected from the outset as something fanciful, something impossible, something childish. Nevertheless, these very reflections, which we can cultivate together here, are to be devoted to what—though, as is easily understandable, does not speak directly of the circumstances of the times (for, as is well known, that is impossible)—can nevertheless lead to some understanding for those who make the effort to arrive at such an understanding from truly deeper starting points.
[ 2 ] Zum Verständnis einer Zeit, in der tiefste Menschheitskräfte gewissermaßen aufgewühlt werden, in der tiefste Menschheitskräfte wirken, wenn auch für die meisten Menschen ganz unbewußt, ist notwendig, daß man nicht nur herumredet über allerlei Ideale und allerlei Dinge, sondern daß man das Verständnis sucht aus einem größeren Überblick über die Menschheitsentwickelung im allgemeinen. Wir haben ja immer versucht, innerhalb unserer geisteswissenschaftlichen Betrachtungen zu einem solchen größeren Überblick über die Menschheitsentwickelung zu kommen, und das Mannigfaltigste in dieser Beziehung ist schon getan worden. Ich möchte heute einiges von etwas anderen Gesichtspunkten aus wiederum vorbringen.
[ 2 ] To understand a time in which the deepest forces of humanity are, so to speak, being stirred up—a time in which these deepest forces are at work, even if most people remain completely unaware of them—it is necessary not merely to talk idly about all sorts of ideals and all sorts of things, but to seek understanding from a broader perspective on the development of humanity in general. We have, after all, always tried within our spiritual scientific reflections to arrive at such a broader perspective on human development, and a great deal has already been accomplished in this regard. Today I would like to present some of these ideas again from slightly different perspectives.
[ 3 ] Wir wissen, daß sich innerhalb der Menschheitsentwickelung däs zugetragen hat, was wir den Durchgang durch die große atlantische Katastrophe nennen. Wir wissen, daß das, was jetzt als Menschheit lebt, zurückverfolgt werden kann zu gewissen Entwickelungszuständen, die sich vor jener atlantischen Katastrophe abgespielt haben, und daß dann nach dieser atlantischen Katastrophe für uns zu verzeichnen sind die erste nachatlantische Kulturperiode, die ich gewöhnlich nenne die altindische, die zweite, die ich gewöhnlich die altpersische nenne, die dritte die assyrisch-babylonisch-ägyptische, die vierte die griechisch-römische; und in der fünften leben wir und haben darauf hinzusehen, wie die fünfte von einer sechsten abgelöst werden soll.
[ 3 ] We know that, in the course of human evolution, an event took place that we call the great Atlantean catastrophe. We know that what now lives as humanity can be traced back to certain stages of development that occurred before that Atlantean catastrophe, and that following this Atlantean catastrophe, we can identify the first post-Atlantean cultural period, which I usually call the ancient Indian; the second, which I usually call the ancient Persian; the third, the Assyrian-Babylonian-Egyptian; and the fourth, the Greco-Roman; and we are living in the fifth, and must look to see how the fifth will be succeeded by a sixth.
[ 4 ] Nun handelt es sich darum, daß so innerlich, so geistig, ich möchte fast sagen, so menschlich, wie die Entwickelung innerhalb der Menschheit jetzt sich abspielt, sie sich überhaupt erst nach der atlantischen Katastrophe abspielen konnte. Die Menschen, die heute im allgemeinen abgeneigt sind, die Dinge im Zusammenhang zu betrachten, denken: Mensch ist Mensch, und so wie die Seelenentwickelung der Menschen heute ist, so war sie, seit es Menschen gibt; und wenn wir zurückgehen von dem, was man heute als Menschheit ansieht, so kommt man allerdings zu primitiven Zuständen, dann aber in die Tierheit hinunter. — Diese materielle Auslegung der Entwickelungsgeschichte kann ja vor einer geistigen Betrachtungsweise nicht bestehen; denn gerade wenn wir zurückgehen und immer weiter und weiter zurückgehen in der Menschheitsentwickelung, finden wir, daß die Grundimpulse, die Grundkräfte, die der Entwickelung zugrunde liegen, immer geistiger und geistiger werden, obwohl, wenn wir die Sache richtig einsehen wollen, wir uns erst zu einem richtigen Begriffe vom Geistigen durchringen müssen.
[ 4 ] The point is that, as inwardly, as spiritually—I would almost say, as humanly—as the development within humanity is now unfolding, it could only have unfolded at all after the Atlantean catastrophe. People today, who are generally averse to viewing things in context, think: A human being is a human being, and just as the soul development of human beings is today, so has it been ever since human beings have existed; and if we go back from what is regarded today as humanity, we do indeed arrive at primitive states, but then we descend into the animal realm. — This materialistic interpretation of the history of evolution cannot stand up to a spiritual perspective; for precisely when we go back—and go further and further back in human evolution—we find that the fundamental impulses, the fundamental forces underlying evolution, become ever more spiritual, although, if we wish to understand the matter correctly, we must first bring ourselves to form a proper concept of the spiritual.
[ 5 ] Für unsere nachatlantische Zeit ist der vierte Zeitraum vor allen Dingen ein bedeutungsvoller, der bedeutungsvollste für den Sinn der ganzen Erdenentwickelung: er ist der Zeitraum, in den das Mysterium von Golgatha hineinspielt. Und der fordert uns auf, die Zeit vorher wie eine Art von Vorbereitung zum Mysterium von Golgatha aufzufassen, die Zeit nachher wie eine Art Erfüllung dessen, was als Impuls gekommen ist durch das Mysterium von Golgatha. Wenn wir aber in der atlantischen Entwickelung zurückgehen, dann finden wir, daß der fünfte Zeitraum innerhalb der atlantischen Entwickelung für diese Zeit zwischen der lemurischen Entwickelung und der unsrigen der wichtigste ist, weil in diesem fünften Zeitraum der atlantischen Entwickelung innerhalb des atlantischen Menschenlebens sich außerordentlich Bedeutungsvolles, Einschneidendes zugetragen hat, weil dazumal gewissermaßen der Ausgangspunkt genommen wurde von etwas, was wir gerade die mehr seelische Entwickelung nennen können der nachatlantischen Zeit. Wenn wir zurückgehen in die atlantische Zeit, finden wir dort nicht die tierische Menschheit, von welcher der materialistisch gedeutete Darwinismus so gerne spricht; wir finden eine Menschheit, die allerdings ein Leben hatte, welches viel dumpfer war als das der nachatlantischen Menschheit, und wenn man von der Dumpfheit des Seelenlebens spricht, dann möchte man ja — aber der Vergleich bleibt ein ganz äußerlicher — sagen: Es gleicht dieses dumpfere traumhafte Seelenleben der atlantischen Zeit dem traumhaften Seelenleben der gegenwärtigen höheren Tiere. — Aber der Vergleich, wenn man ihn so machen würde, wäre ein durchaus hinkender, weil die gegenwärtigen Tiere in ihrem dumpfen, traumartigen Bewußtseinsleben durchaus nicht das erleben, erfahren, was die Atlantier fast bis zum Ablauf des fünften Zeitraumes in ihrem traumartigen dumpfen Bewußtsein erlebten.
[ 5 ] For our post-Atlantean era, the fourth epoch is, above all, a significant one—the most significant for the meaning of the entire evolution of the Earth: it is the epoch in which the Mystery of Golgotha comes into play. And this calls upon us to view the time before it as a kind of preparation for the Mystery of Golgotha, and the time after it as a kind of fulfillment of what came as an impulse through the Mystery of Golgotha. But if we go back to the Atlantean era, we find that the fifth period within Atlantean development is the most important for this time between the Lemurian era and our own, because during this fifth period of Atlantean development, within the life of the Atlantean people, something extraordinarily significant and a decisive event took place, for it was then, so to speak, that the starting point was taken for what we might call the more spiritual development of the post-Atlantean era. When we go back to the Atlantean era, we do not find there the animal-like humanity of which materialistically interpreted Darwinism so readily speaks; we find a humanity that, admittedly, led a life that was far more dull than that of post-Atlantean humanity; and when speaking of the dullness of soul life, one might be tempted to say—though the comparison remains entirely superficial—that this duller, dreamlike soul life of the Atlantean era resembles the dreamlike soul life of today’s higher animals. — But the comparison, if one were to make it that way, would be thoroughly flawed, because present-day animals, in their dull, dreamlike state of consciousness, do not at all experience or perceive what the Atlanteans experienced in their dreamlike, dull consciousness almost until the end of the fifth epoch.
[ 6 ] Was ist denn das wesentlichste Kennzeichen dieses traumartigen Bewußtseins der alten Atlantier? Das wesentlichste Kennzeichen ist, daß die Menschen, die damals lebten — verzeihen Sie, wenn das, was ich sage, materialistisch ausschaut; aber das Materialistische erkennt man eben nur dann, wenn man es beherrscht, wenn man weiß von den Impulsen des Geistigen —, so lebten, daß mit ihrem seelischen Leben ihr Ernährungs-, ihr Essensleben in einer sehr nahen Beziehung stand. Sie können ja natürlich dann einwenden: Nun, eine genügend nahe Beziehung herrscht schon auch zwischen dem Seelenleben manches Menschen der Gegenwart und demjenigen, was er ißt! — Das ist alles richtig, wir wissen, daß ein großer Teil der gegenwärtigen Menschheit das Essen keineswegs unterschätzt. Es braucht das auch nicht als ein Vorwurf an sich schon bezeichnet zu werden. Aber der Unterschied zwischen dem inneren Erleben beim Schmecken einer Speise, dem Wohlgefühl, das ein heutiger Mensch empfindet, wenn er die Speise mit sich leiblich verbindet, und dem inneren Erleben der atlantischen Menschheit in der Zeit, von der ich jetzt spreche, ist doch ein großer. Der atlantische Mensch aß, er aß diese oder jene Speise; er nahm also diese oder jene Stoffe zu sich, und indem er sie mit seinem leiblichen Dasein verband, ging in seinem Bewußtsein eine Erkenntnis davon auf, von welchen Elementargeistern dieser Stoff durchdrungen ist. Er schlang also nicht so wie der gegenwärtige Mensch mit großer Bewußtlosigkeit den Stoff hinunter, sondern war sich bewußt, welche Elementargeistigkeiten er mit sich vereinte, indem er den Stoff mit seinem leiblichen Dasein verband. Der Stoffwechsel war damals zu gleicher Zeit ein Geisteswechsel, ein Elementargeisterwechsel.
[ 6 ] What, then, is the most essential characteristic of this dreamlike state of consciousness among the ancient Atlanteans? The most essential characteristic is that the people who lived back then—forgive me if what I’m saying sounds materialistic; but one can only recognize the materialistic when one has mastered it, when one is aware of the impulses of the spiritual—lived in such a way that their spiritual life was very closely connected to their dietary life, their eating habits. Of course, you might object: Well, there is already a sufficiently close relationship between the spiritual life of many people today and what they eat! — That is all true; we know that a large part of present-day humanity by no means underestimates the importance of food. Nor does this need to be regarded as a reproach in and of itself. But the difference between the inner experience of tasting a dish—the sense of well-being that a person today feels when they physically connect the food to themselves—and the inner experience of Atlantean humanity during the period I am now speaking of is indeed a great one. The Atlantean ate—he ate this or that food; he thus consumed these or those substances, and as he united them with his physical being, a realization dawned in his consciousness of which elemental spirits permeated that substance. Thus, unlike modern humans, who consume food with great unconsciousness, they were aware of which elemental spirits they were uniting with themselves by connecting the substance to their physical existence. Metabolism at that time was simultaneously a spiritual transformation, a transformation of elemental spirits.
[ 7 ] Es war so, daß man die Stoffe bezeichnen konnte als Träger dieser oder jener elementargeistigen Impulse oder sogar Wesenheiten, daß man fühlte, es gehen mit dem Essen geistige Kräfte in einen hinein, und daß man fühlte, indem man verdaute: es arbeiten geistige Impulse in einem. So einer setzte sich nicht bloß hin und verdaute wie ein gegenwärtiger Mensch, sondern fühlte sich leiblich durchdrungen von diesen oder jenen Elementargeistern, so daß ein Materialismus, wie er heute herrscht, in der damaligen Zeit eigentlich gar nicht möglich war. Man konnte gar nicht sagen, man glaube nur an die Sterblichkeit des Daseins, denn man aß ja die geistigen Impulse, sie durchwallten einen, indem man verdaute. Man brauchte gewissermaßen, um Antimaterialist zu sein, nur zu essen. Und das Hinuntergehen in die Dumpfheit des Unbewußtseins, das ist wesentlich eine Errungenschaft dieses fünften atlantischen Zeitraumes. Das Essen und Verdauen wurde gewissermaßen ungeistiger; es blieb aber immer noch etwas im sechsten atlantischen Zeitraum, was noch geistiger war: das war das Atmen.
[ 7 ] It was the case that one could describe foods as carriers of this or that elemental spiritual impulse or even spiritual beings; that one felt spiritual forces entering one’s body along with the food; and that, as one digested, one felt spiritual impulses at work within oneself. Such a person did not merely sit down and digest like a person today, but felt physically permeated by these or those elemental spirits, so that a materialism such as prevails today was actually not at all possible in those days. One could not even say that one believed only in the mortality of existence, for one was, after all, consuming the spiritual impulses; they surged through one as one digested. In a sense, all one needed to do to be an anti-materialist was to eat. And the descent into the dullness of unconsciousness is essentially an achievement of this fifth Atlantean epoch. Eating and digestion became, in a sense, less spiritual; yet there remained something in the sixth Atlantean epoch that was even more spiritual: that was breathing.
[ 8 ] Wenn heute der Mensch einatmet oder ausatmet, so kommt ihm zum Bewußtsein, daß er die Luft ein- oder ausatmet; wenigstens sagt es ihm so der Chemiker. Dazumal war nicht dies bloß im Bewußtsein, sondern es war — das hielt noch im ganzen sechsten atlantischen Zeitraum an — dem Menschen klar: mit der eingeatmeten Luft nahm er elementargeistige Kräfte ein, und mit der ausgeatmeten atmete er elementargeistige Kräfte aus. Das Atmen wurde von vornherein durch das, was es eben war, als ein geistig-seelischer Vorgang, nicht nur als ein körperlich-leiblicher Vorgang angesehen. Und im letzten atlantischen Zeitraum nahm dann etwas ab, was bis dahin geblieben war, was später eigentlich nur noch in der Erinnerung lebte: Indem man Töne hörte, Farben sah, war man sich klar, daß in dem Tone, den man hörte, in der Farbe, die man sah, Geistiges lebte, daß geistige Kräfte ins Auge drangen, wenn man Farben sah, und geistige Kräfte in das Innere drangen, wenn man "Töne hörte. Diese Dinge sind alle im dumpfen Bewußtsein der damaligen Zeit vorhanden gewesen. Die Menschen . haben sich das hellere Bewußtsein erobert, aber auf Kosten ihres geisti‚geren Bewußtseins haben sie die Durchgeistigtheit ihres Wechselverkehrs mit der äußeren Welt aufgeben müssen. Jede Epoche hat eben ihre besondere Eigentümlichkeit. So wie der einzelne Mensch Lebensalter durchmacht und die Lebensalter in bezug auf leibliche und seelische Beschaffenheit verschieden sind, so macht eben auch die ganze Menschheitsentwickelung Zustände durch, und die späteren Entwickelungszustände sind verschieden von den früheren. Es wäre töricht, wenn ein Mann zwischen fünfzig und sechzig Jahren glauben würde, daß das, was sein leiblich-geistiges Dasein ist, wieder zurückrufen sollte sein Dasein zwischen dem zehnten und zwanzigsten Jahre, wie es töricht wäre, wenn man nicht unterscheiden würde zwischen den verschiedenen Lebensaltern in ihren Qualitäten. Töricht ist es, zu glauben, daß dasjenige, was in einer späteren Lebensentwickelungsepoche das Artgemäße ist, auch so war in einer früheren. Die Dinge kehren niemals wieder, und sie sind in aufeinanderfolgenden Lebensaltern verschiedener als man denkt.
[ 8 ] When a person inhales or exhales today, they become aware that they are breathing in or out; at least, that is what the chemist tells them. Back then, it was not merely a matter of awareness; rather—and this persisted throughout the entire sixth Atlantean epoch—it was clear to human beings that with the air they inhaled, they took in elemental-spiritual forces, and with the air they exhaled, they exhaled elemental-spiritual forces. From the very beginning, breathing was regarded—precisely because of what it was—as a spiritual-soul process, not merely as a physical-bodily process. And in the final Atlantean epoch, something began to wane that had persisted until then, something that later survived only in memory: When people heard sounds and saw colors, they were clearly aware that something spiritual lived within the sound they heard and the color they saw—that spiritual forces entered the eye when they saw colors, and spiritual forces entered the inner being when they heard sounds. All these things were present in the dim consciousness of that time. People have attained a clearer consciousness, but at the expense of their consciousness, they had to give up the spiritual quality of their interaction with the external world. Every epoch has its own particular character. Just as the individual human being goes through different stages of life, and these stages differ in terms of physical and psychological constitution, so too does the entire development of humanity pass through various states, and the later stages of development differ from the earlier ones. It would be foolish for a man between the ages of fifty and sixty to believe that his present physical and spiritual existence should recall his existence between the ages of ten and twenty, just as it would be foolish not to distinguish between the different stages of life in terms of their qualities. It is foolish to believe that what is characteristic of a later stage of life’s development was also characteristic of an earlier one. Things never return, and they differ more in successive stages of life than one might think.
[ 9 ] Ich habe mir nun angelegen sein lassen, gerade etwas zu erfahren über die Lebensalter der Menschen in der nachatlantischen Zeit. Derjenige, der bloß von Analogien ausgeht, der kann ja auch auf die Entwickelung der Menschheit hinblicken, dann wird er sich sagen: Wie der einzelne Mensch durchmacht Kindheit, Jugend, Mannheit, Alter, so wird es auch die Menschheit durchmachen. Wenn man aber auf die wirkliche Beobachtung, auf die wirklichen Tatsachenverhältnisse eingeht, so stimmt das nicht. Man kann einfach diese Analogien nicht zugrunde legen, und nur, wenn man es ernst meint mit der Geistesforschung, dann findet man, was eigentlich zugrunde liegt. Und da hat sich mir denn herausgestellt, daß etwas ganz anderes zugrunde liegt als das, was man vielleicht so bezeichnen könnte, daß man sagt, wie der einzelne Mensch, so mache auch die Menschheit Jugend, Mannbarkeit und Alter durch. — Das ist nicht richtig. Es hat sich mir herausgestellt, daß die Menschheit in der ersten nachatlantischen Kulturperiode, der urindischen, in einem gewissen Lebensalter allerdings war, aber in einem Lebensalter, das sich nicht mit der Jugend vergleichen läßt, sondern das sich vergleichen läßt mit dem individuellen menschlichen Lebensalter vom sechsundfünfzigsten bis zurück zum neunundvierzigsten Lebensjahr. Wenn man also das Alter von dazumal für die ganze Menschheit mit dem Lebensalter des einzelnen Menschen vergleichen will, muß man es nicht mit der Jugendperiode, sondern mit diesem reiferen Lebensalter vergleichen. Dann kommt die urpersische Kulturperiode. Da macht die Menschheit, indem sie sich weiter entwickelt, ein Lebensalter durch, das nun, wenn man es vergleichen will mit einem Lebensalter des einzelnen, dem vom neunundvierzigsten bis zum zweiundvierzigsten Lebensjahre entspricht. Der Mensch wird älter, die Menschheit wird jünger. Der ägyptische Zeitraum muß verglichen werden beim Einzelmenschen mit dem Lebensalter zwischen dem zweiundvierzigsten und fünfunddreißigsten Lebensjahr. Der griechisch-römische Zeitraum muß verglichen werden mit dem Lebensalter des einzelnen zwischen dem fünfunddreißigsten und achtundzwanzigsten Lebensjahre, und die jetzige fünfte nachatlantische Kulturperiode ist vergleichbar mit dem Lebensalter des Menschen vom achtundzwanzigsten bis einundzwanzigsten Jahre. Und wenn wir fragen: Wie alt ist die jetzige Menschheit? — so müssen wir antworten: Sie hat ein Alter von ungefähr siebenundzwanzig Jahren. Und nur dann versteht man alles das, was sich innerhalb der Menschheit zugetragen hat, wenn man dieses merkwürdige Geheimnis der Entwickelung vor seine Seele hintreten läßt. Denn so verhält sich die Sache wirklich.
[ 9 ] I have now made it a point to learn specifically about the stages of human life in the post-Atlantean era. Anyone who relies solely on analogies might look at the development of humanity and say to themselves: Just as the individual human being goes through childhood, youth, adulthood, and old age, so too will humanity. But if one examines actual observations and the real facts, this is not true. One simply cannot base one’s understanding on these analogies, and only when one takes spiritual research seriously does one discover what actually underlies it. And it has become clear to me that something entirely different underlies it than what one might describe by saying that, just as the individual human being does, so too does humanity pass through youth, maturity, and old age. — That is not correct. It has become clear to me that humanity, in the first post-Atlantean cultural period—the Proto-Indian period—was indeed at a certain stage of life, but at a stage that cannot be compared to youth; rather, it can be compared to the individual human life span from the age of fifty-six back to the age of forty-nine. So if one wishes to compare the age of humanity at that time with the age of an individual human being, one must not compare it with the period of youth, but with this more mature stage of life. Then comes the Proto-Persian cultural period. As humanity continues to develop, it goes through a stage of life that, if one wishes to compare it to the life of an individual, corresponds to the period from the age of forty-nine to forty-two. The individual grows older, while humanity grows younger. The Egyptian period must be compared, in the case of the individual, to the age between forty-two and thirty-five. The Greco-Roman period must be compared to the age of an individual between thirty-five and twenty-eight, and the current fifth post-Atlantean cultural period is comparable to the age of a person from twenty-eight to twenty-one. And if we ask: How old is humanity today? — we must answer: It is approximately twenty-seven years old. And only then can one understand everything that has taken place within humanity, when one allows this remarkable mystery of evolution to come before one’s soul. For this is truly how things are.
[ 10 ] Das aber hat ganz bestimmte Folgen, hat ganz bestimmte Wirkungen in bezug auf das Erleben der Menschen. Was heißt denn: In der ersten nachatlantischen Kulturperiode war die ganze Menschheit in einem Alter von sechsundfünfzig bis neunundvierzig Jahren? Das heißt: der einzelne Mensch machte selbstverständlich das durch, daß er zuerst ein, zwei, drei Jahre alt wurde; aber das Grundhafte der Menschheit, in das der einzelne sich hineinlebte, was die ganze Menschheit umfaßte, bot etwas dar, was der individuelle Mensch erst erlebt zwischen dem neunundvierzigsten und sechsundfünfzigsten Lebensjahr. Daher kommt auch in dieser Zeit so viel vor von ursprünglichem, elementarischem Wissen der Menschheit, das wir bewundern können, weil die ganze Menschheit so alt war, und weil man hineinwuchs in eine so alte Menschheit. Man nahm als junger Dachs von fünfundzwanzig Jahren mit der Menschheitsaura dasjenige auf, was weisheitsvoll ist, wie wenn es von einem älteren Menschen kommt. Das Weisheitsvolle war über die ganze Menschheit ausgegossen. Man nahm auch moralisch in dieser Weise auf, indem man dasjenige schätzte, in das man hineinwuchs wie in die Menschheitsaura, so wie man ein grau gewordenes Haupt schätzt deshalb, weil es grau geworden ist. Und so war ausgegossen über dem menschlichen Kulturleben ein Gefühl der Andacht und Pietät, das selbstverständlich war. Es hatte das die weitere Folge, daß man mit seiner individuellen Entwickelung hinauswuchs über das, was Gemeingut der Menschheit war, erst nachdem man sechsundfünfzig Jahre alt geworden war. Erst dann konnte man von einer eigenen Entwickelung reden, dann erst konnte man sich individuell herausheben aus dem Untergrund desjenigen, was einem von außen zufloß. Allerdings kamen damals viele Menschen nicht dazu, eine der Lebensperiode zwischen dem neunundvierzigsten und sechsundfünfzigsten Lebensjahre entsprechende innere Entwickelung durchzumachen. Dann wurden sie wie Kinder angesehen, fühlten sich auch wie Kinder, die um sich herum spüren den geistigen Inhalt des Menschheitsalters.
[ 10 ] But this has very specific consequences, very specific effects on human experience. What does it mean, then, that during the first post-Atlantean cultural period, all of humanity was between the ages of fifty-six and forty-nine? It means that the individual human being, of course, went through the process of first becoming one, two, or three years old; but the fundamental essence of humanity—into which the individual immersed themselves, and which encompassed all of humanity—offered something that the individual human being only experiences between the ages of forty-nine and fifty-six. This is also why so much of humanity’s original, elemental knowledge—which we can admire—emerged during this period: because all of humanity was so old, and because people grew into such an ancient humanity. As a young adult of twenty-five, one absorbed from the human aura that which is wise, as if it came from an older person. Wisdom was poured out over all of humanity. One also absorbed moral values in this way, by cherishing that into which one grew, just as one grows into the aura of humanity—just as one cherishes a head that has turned gray simply because it has turned gray. And so a sense of reverence and piety was poured out over human cultural life; it was taken for granted. This had the further consequence that one only outgrew what was the common heritage of humanity through one’s individual development after reaching the age of fifty-six. Only then could one speak of one’s own development; only then could one emerge individually from the foundation of what flowed in from the outside. However, many people at that time did not have the opportunity to undergo the inner development corresponding to the period of life between the ages of forty-nine and fifty-six. They were then regarded as children and felt like children, sensing around them the spiritual content of the age of humanity.
[ 11 ] Der nächste Zeitraum, der urpersische, brachte schon nicht mehr solch hohe Offenbarungen und Kulturimpulse, wie sie die weisen Väter im ersten nachatlantischen Zeitraum durch ihren Umgang mit geistigen Wesenheiten in die Menschheit getragen haben. Die ganze Menschheit zeigte nur jene Reife, die sich vergleichen läßt mit dem individuellen menschlichen Lebensalter zwischen dem neunundvierzigsten und zweiundvierzigsten Lebensjahre. Und wollte man gewissermaßen individuell hinauswachsen über die allgemeine Menschheitsaura, so konnte man das erst mit dem neunundvierzigsten Lebensjahre. Aber man wuchs durch die individuelle Entwickelung in eine Reife hinein, die eben erst eintreten konnte mit dem neunundvierzigsten Lebensjahre.
[ 11 ] The next period, the Proto-Persian period, no longer brought such lofty revelations and cultural impulses as those that the wise fathers had brought to humanity during the first post-Atlantean period through their contact with spiritual beings. Humanity as a whole displayed a level of maturity comparable to that of an individual between the ages of forty-nine and forty-two. And if one wished, so to speak, to grow beyond the general human aura on an individual level, this was only possible upon reaching the age of forty-nine. But through individual development, one grew into a maturity that could only begin at the age of forty-nine.
[ 12 ] Und so war es wiederum in der chaldäisch-ägyptischen Zeit. Die Aura, in die man hineinwuchs, läßt sich vergleichen mit dem Lebensalter des einzelnen Menschen zwischen dem zweiundvierzigsten und fünfunddreißigsten Lebensjahre; in der griechisch-lateinischen Zeit mit dem Lebensalter zwischen dem fünfunddreißigsten und achtundzwanzigsten Jahre. Das ist das Merkwürdige dieser griechisch-lateinischen Zeit, daß die individuelle Lebensmitte des Menschen zusammenfällt mit der Lebensmitte der allgemeinen Menschheit, nur daß die Menschheit im allgemeinen Strom herunterläuft, der Mensch aber hinaufsteigt. Daher das eigentümlich Harmonische der griechischen Bildung, von der die gegenwärtige Menschheit nur so wenig einen Begriff hat. Aber wenn dafür ein Grieche fünfunddreißig Jahre alt war, dann blieb er gewissermaßen ein Durchschnittsmensch, blieb immer fünfunddreißig Jahre alt, wenn er nicht etwas Individuelles in sich entwickelte, das über die allgemeine Menschheitsaura hinausging. Dafür wurde nämlich in den älteren Zeiten gesorgt, daß sich der einzelne hinaufentwickeln konnte.
[ 12 ] And so it was again during the Chaldean-Egyptian period. The aura into which one grew up can be compared to the age of an individual between forty-two and thirty-five; in the Greco-Latin period, to the age between thirty-five and twenty-eight. What is remarkable about this Greco-Latin period is that the midpoint of an individual’s life coincides with the midpoint of humanity as a whole—except that humanity flows downstream in the general current, while the individual ascends. Hence the peculiar harmony of Greek education, of which present-day humanity has so little understanding. But when a Greek reached the age of thirty-five, he remained, so to speak, an average person; he always remained thirty-five years old unless he developed something individual within himself that transcended the general aura of humanity. In earlier times, care was taken to ensure that the individual could develop upward.
[ 13 ] Nun kam die fünfte nachatlantische Zeit, in der wir leben. Die Menschheit wird in dieser fünften nachatlantischen Zeit durchmachen ein Lebensalter, das sich vergleichen läßt mit dem individuellen Lebensalter zwischen dem achtundzwanzigsten und einundzwanzigsten Jahre. Das heißt: ein Mensch, der sich nur im allgemeinen dem Strom des Daseins überläßt, demjenigen, was in das Seelenleben einfach dadurch eingeht, daß man Mensch ist, der wird nicht älter als achtundzwanzig Jahre. Sorgt er nicht durch eine spirituelle Entwickelung dafür, daß er seine Seele individuell vorwärts bringt, so bleibt er immer achtundzwanzig Jahre, besser gesagt, er wird nicht über siebenundzwanzig Jahre kommen. Die allgemeine Menschheit kann uns nicht mehr geben, als daß sie uns bis zum siebenundzwanzigsten LebensJahre bringt. Suchen wir nicht in unserer Zeit nach einer Anfeuerung und Aneiferung der individuellen Seelenkräfte, die uns über den Strom des allgemeinen Menschheitsdaseins hinübertragen, so werden wir, auch wenn wir hundert Jahre alt werden, nie älter als siebenundzwanzig Jahre. Und ob wir manuelle Arbeiter sind oder Professoren, oder was immer: Wenn wir nicht eine spirituelle Entwickelung suchen, die der Seele Begriffe gibt, welche die äußere Menschheit ihr nicht geben kann, bleiben wir immer siebenundzwanzig Jahre alt. Gewiß, wir werden äußerlich selbstverständlich älter, die Zeit läßt sich nicht aufhalten; aber unsere Seele erlangt ohne eigene Entwickelung nicht mehr als eine Reife von siebenundzwanzig Jahren. Man versteht unsere Zeit wirklich nicht, wenn man nicht diese Eigentümlichkeit, die eben geschildert worden ist, entsprechend ins Auge faßt. Ich habe mir wirklich im Laufe der Jahre viele charakteristische Fragen unserer Zeit vorgelegt, Fragen des Lebens, der Kulturentwickelung, der Menschheitsmisere, über das, was die gegenwärtige Menschheit freut, worunter sie leidet: der Schlüssel zum Verständnis unserer Zeit ist erst gegeben, wenn man die Tatsache ins Auge faßt, die ich eben auseinandergesetzt habe. Das, was unserer Zeit fehlt, kann man nicht durchdringen, wenn man nicht dieses ins Auge faßt.
[ 13 ] Now came the fifth post-Atlantean epoch, in which we live. In this fifth post-Atlantean epoch, humanity will go through a stage of life comparable to the individual life stage between the ages of twenty-eight and twenty-one. This means: a person who merely surrenders to the general flow of existence—to whatever enters the soul simply by virtue of being human—will not grow older than twenty-eight years. Unless they ensure, through spiritual development, that they advance their soul individually, they will remain twenty-eight years old—or rather, they will not progress beyond twenty-seven years. Humanity as a whole can offer us no more than to bring us to the age of twenty-seven. If we do not seek, in our time, to inspire and stimulate the individual powers of the soul that carry us across the current of general human existence, then even if we live to be a hundred years old, we will never be older than twenty-seven. And whether we are manual laborers or professors, or whatever: if we do not seek a spiritual development that gives the soul concepts which outer humanity cannot provide, we will always remain twenty-seven years old. Certainly, outwardly we will grow older, of course; time cannot be stopped; but without its own development, our soul will not attain a maturity beyond that of a twenty-seven-year-old. One truly cannot understand our time unless one takes this peculiarity—which has just been described—into proper consideration. Over the years, I have indeed considered many characteristic questions of our time—questions of life, cultural development, the plight of humanity, and what brings joy to and causes suffering for contemporary humanity: the key to understanding our time is only provided when one takes into account the fact I have just explained. One cannot penetrate what our time lacks unless one takes this into account.
[ 14 ] Wir erleben Philosophien, vor denen wir deshalb staunend stehen, weil sie bei allgemeinen Deklamationen stehenbleiben und nicht die geringste Fähigkeit zeigen, in konkrete Wirklichkeiten einzutauchen. Woher kommt das? Ich habe mir gegenüber einer einzelnen Persönlichkeit diese Frage vorgelegt. Da habe ich gefunden, daß der Träger der Euckenschen Philosophie ein Mann ist, der alles Feuer hat eines Menschen, der nicht älter werden kann als siebenundzwanzig Jahre. Gewiß, er redet dann weiter — denn er hat heute schon ein erkleckliches Alter erreicht —, er redet mit etwas rauher Stimme, bewegt sich mit anderen Gesten, lernt noch etwas dazu. Aber das bedeutet nichts; die ganze Art ist nicht älter als siebenundzwanzig Jahre. Diese siebenundzwanzigjährige Art trägt man durchs ganze Leben hindurch. Das wird besonders auffällig, wenn Menschen Ideen ins Leben einführen sollen, wenn sie Ideen hegen sollen, durch die das Leben beherrscht wird.
[ 14 ] We encounter philosophies that leave us in awe precisely because they remain stuck at the level of general declarations and show not the slightest ability to delve into concrete realities. Where does this come from? I posed this question to myself in relation to a single individual. There I discovered that the proponent of Eucken’s philosophy is a man who possesses all the passion of someone who cannot grow older than twenty-seven. Certainly, he continues to speak—for he has already reached a considerable age today—he speaks with a somewhat hoarse voice, moves with different gestures, and continues to learn new things. But that means nothing; his entire manner is no older than twenty-seven. One carries this twenty-seven-year-old manner throughout one’s entire life. This becomes particularly noticeable when people are called upon to bring ideas to life, when they are called upon to nurture ideas that govern life.
[ 15 ] Nun kommen wir da auf ein etwas gefährliches Gebiet; aber machen wir das so, daß wir möglichst weit die Beispiele suchen. Ich habe mir bei verschiedenen Persönlichkeiten der Gegenwart, welche die Aufgabe haben, Ideen zu entwickeln, die in das gegenwärtige Leben eingreifen, so eingreifen, daß die Zeitereignisse von diesen Ideen beherrscht werden sollen, die Frage vorgelegt, wie es mit ihnen steht. Da gibt es nun eine charakteristische Persönlichkeit. Ich habe mir viel Mühe gegeben, auf diesem Gebiet ja nicht danebenzuhauen, aber es nützt nichts, wenn man den Dingen nicht auf den Grund geht in ihren konkreten Erscheinungen. Sucht man nach einer Persönlichkeit, die ganz so ist, daß sie niemals älter werden kann als siebenundzwanzig Jahre, niemals reifere Ideen haben kann als ein Mensch mit siebenundzwanzig Jahren, so findet man sie merkwürdigerweise, als eine besonders charakteristische Persönlichkeit, zum Beispiel in dem Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. Wenn man die verschiedenen Programme studiert, die er entwickelt hat, so tragen diese den besonderen Typus eines Menschen, der nicht älter werden kann als siebenundzwanzig Jahre, weil diese Seele niemals das Geringste von dem aufgenommen hat, was nicht von außen den Seelen zugetragen wird. Gewiß, ein Mensch kann mehr oder weniger begabt sein. — Begabung mag einem solchen Menschen zugestanden werden —, aber die Ideen, die er entwickelt, sind in bezug auf Reife der Anschauung, auf Durchschlagskraft und auf das Praktische des Lebenssinnes siebenundzwanzig Jahre alt und werden nicht älter, und wenn der Mann hundert Jahre alt wird, wenn er nicht anfängt sich spirituell zu vertiefen und der Seele Feuerkraft zuzuführen von innen.
[ 15 ] Now we’re entering somewhat dangerous territory; but let’s approach this by looking for examples as widely as possible. I have asked various contemporary figures—whose task is to develop ideas that intervene in present-day life, intervening in such a way that current events are to be governed by these ideas—how they are faring. There is one particularly characteristic figure. I have gone to great lengths not to miss the mark in this area, but it is of no use if one does not get to the bottom of things in their concrete manifestations. If one looks for a figure who is such that he can never be older than twenty-seven, who can never have ideas more mature than those of a twenty-seven-year-old, one finds him, strangely enough, as a particularly characteristic figure—for example, in the President of the United States of America. If one studies the various programs he has developed, they bear the distinctive mark of a person who cannot grow older than twenty-seven, because this soul has never absorbed the slightest thing that is not brought to the soul from the outside. Certainly, a person may be more or less gifted. — Such a person may well be considered gifted — but the ideas he develops are, in terms of the maturity of his perspective, their impact, and their practical sense of life, twenty-seven years old and do not grow older, even if the man lives to be a hundred years old, unless he begins to deepen spiritually and infuse his soul with inner fire.
[ 16 ] Wir leben heute in einem solchen Zeitalter, daß wir das, was über das siebenundzwanzigste Lebensjahr hinausgeht, von innen den Seelen zuleiten müssen. Im siebenundzwanzigsten Jahre sind die Menschen noch nicht lebenspraktisch; sie können noch so sehr sich dafür halten, sie sind nicht lebenspraktisch. Das ist der Grund, warum die verschiedenen Ideen des Wilson so unpraktisch und sprunghaft sind, und warum sie in weitesten Kreisen so gefallen. Sie gefallen mit derselben Gefallenskraft, mit der jugendliche Ideen eben gefallen, jugendliche Ideen, die sich ergeben in allerlei Deklamationen von Freiheiten der Völker und dergleichen. Das ist ja alles sehr schön! Aber so regiert man heute die Welt, die Anforderungen stellt an die Durchschlagskraft der Ideen, daß man eine große Deklamation erläßt über den Frieden, und dann den Krieg um so stärker entfesselt!
[ 16 ] We live in an age today in which we must guide those who have passed the age of twenty-seven from within their souls. At the age of twenty-seven, people are not yet practical in life; no matter how much they may think they are, they are not practical in life. That is why Wilson’s various ideas are so impractical and erratic, and why they appeal to such a wide audience. They appeal with the same power of appeal that youthful ideas possess—ideas that manifest themselves in all sorts of declamations about the freedom of nations and the like. That’s all very well and good! But that’s how the world is governed today—the demands placed on the impact of ideas are such that one issues a grand declaration on peace, and then unleashes war all the more fiercely!
[ 17 ] Man möchte so recht eine Empfindung hervorrufen von dem, was in die Wirklichkeit einschlagende Ideen sind, Ideen, die Schlagkraft haben, die mit der Wirklichkeit verwachsen können. Ideen, die bloße Deklamationen sind, schöne Ideen werden ja viel geäußert; gerade junge Ideen sind ja schön. Aber wir brauchen Ideen, die den Menschen verbinden mit der Wirklichkeit. Was ist es denn für eine wunderschöne Idee, wenn sich einer heute hinstellt und sagt: Die Welt muß eine Neuorientierung empfangen! — Von dieser hat sich bis jetzt als das Schönste erwiesen das Wort selber! Das ist das einzig schöne: das Wort selber, denn stellt man sich hin und redet davon, so ist das gewiß sehr schön. Sehr schön ist es auch, zu sagen: Der Tüchtigste muß an den richtigen Ort gestellt werden. — Wunderbar schöne Ideen! Aber wie ist es, wenn just der Neffe oder der Schwiegersohn der 'Tüchtigste ist? Mit der schönen Idee ist gar nichts getan, sondern mit der realen Erkenntnis der Wirklichkeit, mit der Fähigkeit für das, was real ist, was wirklich ist.
[ 17 ] One would really like to evoke a sense of what ideas that make an impact on reality are—ideas that have impact, that can become intertwined with reality. Ideas that are mere declamations, beautiful ideas, are, after all, often expressed; young ideas, in particular, are beautiful. But we need ideas that connect people to reality. What kind of wonderful idea is it when someone stands up today and says: “The world must undergo a reorientation!”—So far, the most beautiful thing about this has been the word itself! That is the only beautiful thing: the word itself; for if one stands up and speaks of it, that is certainly very beautiful. It’s also very beautiful to say: “The most capable person must be placed in the right position.” — Wonderfully beautiful ideas! But what if it happens to be the nephew or the son-in-law who is “the most capable”? The beautiful idea accomplishes nothing; what matters is a realistic understanding of reality, the ability to deal with what is real, what truly is.
[ 18 ] Dies ist so einer der Gesichtspunkte, um die es sich handelt, wenn man in einem tieferen Sinn verstehen will, wie die Kultur der gegenwärtigen Zeit ist. Durch diese Eigentümlichkeit der Zeit drängt sich ja gerade auf, wie notwendig es ist, daß die Menschen sich heute seelisch vertiefen, daß sie suchen, für das spätere individuelle Lebensalter dasjenige durch individuelle Entwickelung zu erlangen, was die allgemeine Menschheit nicht mehr hergibt. Es ist natürlich leichter, in Euckenscher Weise zu reden von Wiedererneuerung des Lebens, Erfassung der Lebensmächte im Inneren, von allen möglichen Dingen, bei denen man sich ganz schön jugendlich erheben kann, die aber zu nichts anderem geeignet sind als zu Deklamationen. Und wenn man gar politische Programme macht mit solchen Ideen wie Wilson, dann ist das von unabsehbaren Folgen! Es ist natürlich leichter, als in ernster Forschung, in ernster Vertiefung die Wirklichkeit aufzusuchen und in die tieferen Impulse des Lebens einzudringen.
[ 18 ] This is one of the perspectives that comes into play when one seeks to understand, in a deeper sense, the nature of contemporary culture. This peculiarity of our time makes it all the more evident how necessary it is for people today to deepen their inner lives, to seek—through individual development—to attain for their later years of life that which humanity as a whole no longer provides. It is, of course, easier to speak, in the manner of Eucken, of the renewal of life, of grasping the life forces within, of all sorts of things that can inspire quite a youthful elation, but which are good for nothing more than grandstanding. And when one even devises political programs based on such ideas, as Wilson did, the consequences are incalculable! It is, of course, easier than seeking out reality through serious research and deep contemplation and penetrating the deeper impulses of life.
[ 19 ] Soll unsere geisteswissenschaftliche Bewegung einen wirklich tiefen Sinn haben, dann muß sie vor allen Dingen den Willen in sich bergen, in die konkreten Entwickelungsimpulse der Menschheit einzudringen, muß dafür vorhanden sein, diese großen Zusammenhänge des Lebens zu erfassen, denn sonst bleibt auch innerhalb unserer Geisteswissenschaft alles bloße Theorie. Und bloße Theorie ist gar nichts wert, wenn man noch so sehr sich selbst erhaben dünkende Empfindungen damit verbinden will. Einzig und allein das, was unterzutauchen vermag in das Leben, was das Leben erfaßt, ist wirklich von Wert. Allerlei Mystik, wobei die Menschen darnach streben, in sich selbst das oder jenes zu finden, das kann ja sehr schöne Resultate zeitigen, aber wir müssen von uns absehen und auf die großen Menschheitsaufgaben hinsehen können, um vor allen Dingen zu verstehen, was not tut, was man eigentlich verstehen muß, was man verstehen soll. Sonst wird man gerade über die wichtigsten Dinge der Geisteswissenschaft einfach hinweghören. Und über wichtige Dinge der Geisteswissenschaft ist ja im Laufe der Jahre, seitdem wir unsere anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft haben, eigentlich in großem Maßstabe hinweggehört worden.
[ 19 ] If our spiritual science movement is to have any truly profound meaning, it must, above all, possess the will to penetrate the concrete impulses of human development; it must be capable of grasping these great interconnections of life, for otherwise even within our spiritual science everything remains mere theory. And mere theory is worth absolutely nothing, no matter how much one might wish to associate it with feelings of self-importance. Only that which is able to immerse itself in life, that which grasps life, is truly of value. All manner of mysticism, in which people strive to find this or that within themselves, can indeed yield very beautiful results; but we must be able to look beyond ourselves and focus on the great tasks facing humanity, so that above all we may understand what is necessary, what one actually must understand, and what one ought to understand. Otherwise, one will simply overlook the most important aspects of spiritual science. And over the years, ever since we have had our anthroposophically oriented spiritual science, the important aspects of spiritual science have, in fact, been largely ignored.
[ 20 ] Wenn sich die lieben Freunde nur einmal erinnern würden, welche Antwort von mir immer gegeben worden ist seit vielen Jahren, wenn ich gefragt worden bin, wie es sich denn verhalte mit der Reinkarnation, da doch die Menschheit immer zunehme, wenn sich die Freunde erinnern möchten, wie seit Jahrzehnten die stereotype Antwort gegeben worden ist: Es könnte sein, daß die Menschen sehr bald erfahren, welche Dezimierung der Menschheit stattfinden könnte gerade in Europa —, dann werden Sie ermessen, was gemeint war, wenn Sie jetzt zurückblicken, und wenn Sie sich erinnern an den Ton, mit dem diese Antwort gegeben worden ist. Immer wurde gesagt, wenn von der Zunahme der Bevölkerung gesprochen wurde: Es könnte sehr bald eine Zeit kommen, wo auch in schmerzlicher Art eine Abnahme der Bevölkerungszahl eintreten könnte! — Es handelt sich auf geisteswissenschaftlichem Gebiete wirklich nicht darum, mit Theorien den leichtgeschürzten Bedürfnissen mancher Menschen entgegenzukommen, sondern aus den Impulsen der Zeit heraus auch auf nebenher gestellte Fragen Antwort zu geben. Und beim Entgegennehmen der Geisteswissenschaft handelt es sich viel mehr darum, das Gewicht desjenigen, was gesagt werden soll, aufzufassen und ins Herz zu schließen, als die Neugierde, und wenn sie eine scheinbar noch so hochstehende ist, zu befriedigen.
[ 20 ] If only my dear friends would recall, just once, the answer I have always given for many years whenever I have been asked about reincarnation—given that the human population is constantly growing—if only they would recall the standard response I have been giving for decades: It may be that people will very soon learn what a decimation of humanity could take place, particularly in Europe—then you will understand what was meant when you look back now and recall the tone in which this answer was given. Whenever the growth of the population was discussed, it was always said: A time could very soon come when a decline in the population might occur—even in a painful way! —In the field of spiritual science, it is truly not a matter of catering to the superficial needs of some people with theories, but rather of responding to incidental questions based on the impulses of the times. And when receiving spiritual science, it is far more a matter of grasping the weight of what is to be said and taking it to heart than of satisfying curiosity—no matter how lofty it may seem.
[ 21 ] Dies, meine lieben Freunde, wollte ich zunächst als den ersten Teil der Betrachtungen Ihnen überliefern, die bei entsprechender Berücksichtigung zum Verständnis unserer Zeit gerade führen sollen, und die wir in diesen Tagen tiefer pflegen wollen.
[ 21 ] This, my dear friends, is what I wanted to share with you first as the opening part of these reflections, which—if given due consideration—are intended to lead us directly to an understanding of our times, and which we wish to explore more deeply in the days ahead.
[ 22 ] Da die Zeit abgelaufen ist, die verwendet werden muß zu den allgemeinen Betrachtungen, so darf ich vielleicht, ohne daß jemand den Vorwurf erheben kann, daß ich etwas abknipse von dem eigentlich anthroposophischen Inhalt, übergehen zu etwas, was schon einmal mit ein paar Worten angedeutet werden muß. Ich kann aber nicht dazu übergehen, ohne auch mancher Seelen zu gedenken, die von dem physischen Plan hinübergegangen sind in das geistige Leben, die manchen von denen nahegestanden haben, welche heute hier sitzen. Es ist nicht möglich, auf die einzelnen Namen alle einzugehen. Von der Aufrichtigkeit der Empfindungen gegenüber allen, die von dem physischen Plan nach dem geistigen hinweggegangen sind, sind ja wohl unsere lieben Freunde entsprechend orientiert. Nicht umhin kann ich aber, gerade eines Mannes dem Namen nach zu gedenken, der nach mancherlei Hindernissen sich zuletzt gerade mit der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft so schön, so innig zusammengefunden hat, und der gerade in der letzten Zeit für die Vertretung dieser Geisteswissenschaft nach außen ganz Erhebliches und Bedeutsames geleistet hat. Ich meine unseren lieben Freund Ludwig Deinhard, bei dessen Übergabe des physischen Leibes an die physischen Elemente und Hinweggehen der Seele in die geistige Welt unser lieber Freund Sellin so schöne Worte gesprochen hat. Er mußte um so mehr geschätzt werden, als er nicht aus einem blinden Glauben, aus blinder Anhängerschaft, sondern gerade nach mancherlei Widerstand sich so schön mit unserer Strömung zusammengefunden hat, und in der letzten, immer schwieriger gewordenen Zeit rückhaltlos nichts gescheut hatte, um vor der breiteren Öffentlichkeit für diese geistige Strömung mit ganzer Seele einzutreten. Ich scheue mich nicht, ausdrücklich zu sagen, daß ich die Art und Weise, wie Ludwig Deinhard vor der breiten Öffentlichkeit für diese Bewegung eingetreten ist, zu dem ganz besonders Wertvollen zähle.
[ 22 ] Since the time allotted for general reflections has run out, perhaps I may—without anyone being able to accuse me of detracting from the actual anthroposophical content—move on to something that must be briefly touched upon once again. However, I cannot move on to this without also remembering some souls who have passed from the physical plane into the spiritual life—souls who were close to many of those sitting here today. It is not possible to mention every single name. Our dear friends are, of course, well aware of the sincerity of our feelings toward all who have passed from the physical plane to the spiritual. I cannot, however, refrain from mentioning by name one man in particular who, after overcoming many obstacles, ultimately found such a beautiful and heartfelt connection with anthroposophically oriented spiritual science, and who, especially in recent times, has made a truly significant and substantial contribution to representing this spiritual science to the outside world. I am referring to our dear friend Ludwig Deinhard, on whose passing from the physical body to the physical elements and the soul’s journey into the spiritual world our dear friend Sellin spoke such beautiful words. He was all the more to be valued because he did not come to our movement out of blind faith or blind devotion, but rather—precisely after facing various forms of resistance—found such a beautiful connection with our movement, and in recent times, which had become increasingly difficult, spared no effort in wholeheartedly advocating for this spiritual movement before the broader public. I do not hesitate to state explicitly that I consider the way in which Ludwig Deinhard championed this movement before the general public to be of particularly great value.
[ 23 ] Dann darf ich auch gedenken des in diesen Tagen verstorbenen Professors Sachs, der sein ganzes Leben einer großen Idee nachgegangen ist, einer großen musiktechnischen Idee, und der stets zu verbinden wußte das bescheidene Wirken, in das der einzelne Mensch eingespannt werden kann, mit umfassenden Ideen, und mit dem es wirklich erhebend war zu sprechen, weil das, was er als Mensch wollte, immer einmündete in großes künstlerisches Wollen. Man kann sich glücklich schätzen, gerade solche Menschen inmitten unserer Bewegung zu haben.
[ 23 ] I would also like to remember Professor Sachs, who passed away just a few days ago and who devoted his entire life to a great idea—a great idea in music technology— and who always knew how to combine the modest work to which an individual can be devoted with far-reaching ideas—and with whom it was truly uplifting to speak, because what he sought as a human being always flowed into a great artistic aspiration. We can count ourselves fortunate to have precisely such people at the heart of our movement.
[ 24 ] Nach diesen erhebenden Ausblicken bin ich schon einmal genötigt, wieder einmal genötigt, einige weniger erhebende Ausblicke zu pflegen, weil ich durch das, was sich zugetragen hat, in gewisser Beziehung doch zu einschneidenden Maßnahmen gezwungen bin, insofern mein Anteil an der geisteswissenschaftlichen Bewegung, die durch die Anthroposophische Gesellschaft gepflegt werden soll, in Betracht kommt. Es hat sich ja im Laufe der Zeit etwas, was in hohem Grade ein Segen sein sollte innerhalb der gegenwärtigen Kulturentwickelung, die anthroposophische Bewegung, durch viele ihrer Erscheinungen mehr oder — weniger zu einer Art von Hemmnis entwickelt für das, was von mir gemeint ist als die geisteswissenschaftliche Bewegung. Und es nützt nichts, über diese Dinge etwa sich hinwegzutäuschen, insbesondere nützt es nichts, wenn Gefahr vorhanden ist, daß mancherlei Dinge, die mit der Anthroposophischen Gesellschaft verknüpft sind, Hemmnisse werden könnten gerade für die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft. Gestatten Sie deshalb — da wir lange Jahre miteinander gewirkt haben, so dürfen solche Dinge rückhaltlos besprochen werden —, daß diese Dinge von mir ganz offen, so wie es mir ums Herz ist, behandelt werden. Man kann sagen: Im allgemeinen hat sich innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft gewohnheitsmäßig etwas herausgebildet, was in dieser Weise nicht weiter bestehen darf, weil die Urteile der gegenwärtigen Welt über das, was Anthroposophie oder Geisteswissenschaft will, allzusehr getrübt werden müßten, wenn es in derselben Weise weiterginge, wie es bisher gegangen ist.
[ 24 ] After these uplifting perspectives, I am once again compelled—once again compelled—to consider some less uplifting perspectives, because what has transpired has, in a certain sense, forced me to take drastic measures as far as my role in the spiritual science movement, which is to be fostered by the Anthroposophical Society, is concerned. Over time, the anthroposophical movement—which should be a great blessing within the current cultural development—has, through many of its manifestations, more or less developed into a kind of obstacle to what I mean by the spiritual-scientific movement. And it serves no purpose to delude ourselves about these matters; in particular, it serves no purpose when there is a danger that certain things associated with the Anthroposophical Society could become obstacles precisely for anthroposophically oriented spiritual science. Therefore, please allow me—since we have worked together for many years, and such matters may be discussed without reservation—to address these issues quite openly, as they lie close to my heart. One could say: In general, a certain pattern has become customary within the Anthroposophical Society that must not continue in this way, because the judgments of the present-day world regarding what anthroposophy or spiritual science aims to achieve would be all too clouded if things were to continue in the same manner as they have up to now.
[ 25 ] Gehen wir von einer Einzelheit aus: Oftmals wird in der Außenwelt draußen gesagt — und es ist das schon Usus geworden —, daß ich wegen geisteswissenschaftlicher Dinge selber eigentlich weniger angegriffen werde, wegen dessen, was mit der Gesellschaft zusammenhängt, sehr viel. Insbesondere ist einer der Vorwürfe, die erhoben werden, der, daß in der Gesellschaft ein blinder Autoritätsglaube herrsche, eine blinde Anhängerschaft, daß hier vieles aus reiner Devotion gemacht werde und dergleichen. Darf ich demgegenüber auch einmal meinen Eindruck vorbringen, so muß ich sagen: Für die meisten Dinge liegt das vor, daß zuallerletzt das geschieht, was eigentlich von mir als das Richtige angesehen wird, von mir als das angesehen wird, was vielleicht wünschenswert wäre. Ich glaube nicht, daß in irgendeiner sonstigen Gesellschaft so sehr nichts gegeben wird auf das, was eigentlich die speziellen Wünsche irgendeines in ihr Wirkenden sein können. Wenn das auch anders aussieht, es ist doch so. Nur muß die Dinge niemand übelnehmen. Und daß man die Augen zudrückt, den Kopf in den Sand steckt, das ist nur von Übel.
[ 25 ] Let’s start with one specific point: It is often said in the outside world—and this has already become common practice—that I am actually attacked less for matters related to spiritual science, but much more for issues connected with the Society. In particular, one of the accusations leveled against me is that a blind faith in authority prevails within the Society, that there is blind adherence, that much is done here out of pure devotion, and so on. If I may, however, offer my own impression in response, I must say: In most cases, what actually happens is the very last thing I consider to be right, the very last thing I consider to be desirable. I do not believe that in any other society so little regard is given to what might actually be the specific wishes of any individual active within it. Even if it appears otherwise, that is how it is. However, no one should take offense at this. And to turn a blind eye, to bury one’s head in the sand—that is simply wrong.
[ 26 ] Meine lieben Freunde, ich habe mancherlei über Stimmungen in der hiesigen Anthroposophischen Gesellschaft in diesen Tagen gehört. Ich kam heute Abend hierher, hier in den Vorraum, und entgegen strömte mir der frömmste Weihrauchduft. Glauben Sie nicht, daß jemand, der auf das Sachliche, Innere sich richtet, gerade besondere Wünsche darnach hat, daß ihm das Sprechen den ganzen Abend schwer gemacht wird dadurch, daß zu dieser Äußerlichkeit des frommen Weihrauchduftes gegriffen wird, und daß er sich Kopfschmerzen nach Hause tragen muß wegen des frommen Weihrauchduftes, wobei ich noch ganz absehe davon, wie die Wahrheit mißverstanden wird, wenn der Weihrauchduft — verzeihen Sie — in die profane Welt hinausduftet. Es mag ja unangenehm sein, dergleichen besonders zu erwähnen, aber symptomatisch sind solche Dinge doch. Fragen Sie einmal nach, ob von mir jemals zu etwas so Äußerlichem eine Initiative ausgegangen ist? Doch das nur nebenher.
[ 26 ] My dear friends, I have heard various things about the mood within the local Anthroposophical Society these past few days. I came here this evening, here to the foyer, and was met by the most pious scent of incense. Do not think that someone who focuses on the objective, the inner reality, has any particular desire to have his speaking made difficult all evening by the use of this outward expression of the pious scent of incense, and that they must go home with a headache because of the pious scent of incense—not to mention how the truth is misunderstood when the scent of incense—forgive me—wafts out into the profane world. It may indeed be unpleasant to mention such things specifically, but such things are nonetheless symptomatic. Ask around and see if I have ever taken the initiative regarding anything so superficial. But that’s just an aside.
[ 27 ] Das aber, was mir das Allerwichtigste ist, das ist, in welcher Weise sich die Mitgliedschaft in Verbindung fühlt mit dem, was als geistiges Leben durch die anthroposophisch orientierte geisteswissenschaftliche Bewegung geht. Sehen Sie, es sind in der letzten Zeit, wie Sie wissen, die mannigfaltigsten Angriffe, zum Teil gedruckt, zum Teil noch gedruckt werdend, in die Offentlichkeit gekommen. Wenn von der heutigen äußeren Welt gegen die Geisteswissenschaft Einwürfe kommen, braucht man sich darüber weder zu wundern, noch braucht man das besonders schmerzlich zu empfinden; das ist nur natürlich, nur selbstverständlich. Dem kann schon begegnet werden. Vor sachlichen Diskussionen braucht sich Geisteswissenschaft wahrhaftig nicht zu scheuen. Vor dem, was gerade aus der Mitgliedschaft emporwirbelt, braucht man sich vielleicht auch nicht zu scheuen. Aber folgendes schadet ungeheuer demjenigen, was die Kraft unserer Bewegung eigentlich sein soll: Man darf schon sagen, es steht einzig da in dieser Bewegung, in dieser Gesellschaft vor allen Dingen, daß die wohlwollendsten Absichten und Maßnahmen, die wohlwollendsten Verhaltungsmaßregeln gegenüber den Mitgliedern gerade hier am meisten in Gift und Galle und auch in das Kleid der Verleumdung, der Verunglimpfung, des allerpersönlichsten Angriffs getaucht werden, was alles nach einer sehr bekannten Richtung hinzielt. Die Dinge, die geleistet werden, vielleicht aus mystischem Bedürfnis heraus — ich weiß es nicht —, an reinen Erfindungen, an reinen Unwahrheiten, die sind eigentlich so leicht nirgends anders zu finden. Der Wille aber, sich richtig zu diesen Dingen zu verhalten, der wird nicht energisch genug gepflegt. Ja, der Wille, die Dinge nur wirklich unbefangen zu sehen, wird auch nicht energisch genug angestrebt.
[ 27 ] But what is most important to me is the way in which the membership feels connected to what is unfolding as spiritual life through the anthroposophically oriented spiritual science movement. You see, as you know, a wide variety of attacks—some already published, others still in the process of being published—have recently come to public attention. When objections to spiritual science arise from the external world of today, there is no need to be surprised by them, nor is there any need to find them particularly distressing; this is only natural, only to be expected. Such challenges can certainly be met. Spiritual Science truly has no reason to shy away from objective discussions. Nor, perhaps, should we shy away from what is currently stirring up among the membership. But the following does immense harm to what is actually supposed to be the strength of our movement: It must be said that what stands out above all else in this movement, in this Society, is that the most benevolent intentions and measures, the most benevolent rules of conduct toward the members, are precisely here most often steeped in venom and bile and also cloaked in slander, denigration, and the most personal of attacks—all of which point in a very familiar direction. The things that are done—perhaps out of some mystical need; I do not know—based on pure fabrications, on pure untruths, are actually so easy to find nowhere else. But the will to respond correctly to these things is not cultivated vigorously enough. Indeed, the will to view things truly impartially is also not pursued with sufficient vigor.
[ 28 ] Der Ernst, der in der geisteswissenschaftlichen Bewegung liegt, die besondere Art, mit der sie vertreten werden muß, sollte wenigstens studiert werden. Was der einzelne tun kann, hängt natürlich von den Lebensverhältnissen und von dem Verschiedensten ab; aber studieren sollte man doch das, was ist, und sich nicht allen möglichen Wahnideen hingeben. Sachlichkeit und Unpersönlichkeit ist ja insbesondere innerhalb unserer rein den geistigen Dingen gewidmeten Bewegung notwendig, und nichts ist schädlicher, als wenn persönlichste Interessen, Eitelkeit, Ehrgeiz in die Reihen unserer Bewegung hereingetragen werden. Gewiß, die Dinge treten verbrämt, maskiert auf, aber man sollte auf das wahre Antlitz der Dinge hinschauen, sollte sie so betrachten, daß man auf die Wahrheit der Sache kommt. Wenn irgend jemand eine Summe von Angriffen verfaßt und ganz gut weiß, was hinter den Angriffen steckt, ganz gut weiß, wie gerade das, was er angreift, so sein muß, wegen des eigentümlichen Charakters der Geisteswissenschaft, dann tut man nicht genug, wenn man Satz für Satz widerlegt. Behauptet und widerlegt werden kann viel, nämlich. alles, aber oftmals kommt es bei den Dingen nicht auf das an, was gesagt wird: die Gründe liegen ja in etwas ganz anderem. Wenn jemand dem Philosophisch-Anthroposophischen Verlag eine Schrift anträgt und diese zurückgewiesen werden muß, und der Betreffende dann Feind wird, so sind die Ursachen doch woanders zu suchen als in den Sätzen, die der Betreffende drechselt. Und man erfährt nicht die Wahrheit, wenn das Allerwichtigste, wenn die eigentlichen Gründe in den Hintergrund treten.
[ 28 ] The seriousness inherent in the spiritual science movement—the particular way in which it must be represented—should at least be studied. What the individual can do naturally depends on life circumstances and a wide variety of factors; but one should still study what is, and not give in to all sorts of delusions. Objectivity and impersonality are, after all, particularly necessary within our movement, which is devoted purely to spiritual matters, and nothing is more harmful than when highly personal interests, vanity, and ambition are brought into the ranks of our movement. Certainly, things appear embellished and masked, but one should look at the true face of things, should view them in such a way as to arrive at the truth of the matter. If someone composes a series of attacks and knows full well what lies behind them—knows full well that precisely what they are attacking must be as it is, due to the unique character of spiritual science—then it is not enough to refute them sentence by sentence. Much can be asserted and refuted—namely, everything—but often what matters is not what is said: the reasons lie in something entirely different. If someone submits a manuscript to the Philosophisch-Anthroposophischer Verlag and it must be rejected, and the person in question then becomes an enemy, the causes are to be found elsewhere than in the sentences that person crafts. And one does not discover the truth when the most important things—the actual reasons—are pushed into the background.
[ 29 ] Wenn jemand diesen oder jenen Angriff drechselt über allerlei törichte esoterische Wirkungen, deren Torheit handgreiflich ist für jeden, der nicht blind ist, dann geht man auch fehl, wenn man dergleichen Dinge, die reine Erfindungen sind, nicht zurückführt auf die ganze Sachlage. Dann steckt vielleicht ein Mensch dahinter, der einmal in einem kleinen Orte Mitteldeutschlands gelebt hat, dem plötzlich die Idee kam, ein großer Mann zu werden. Zuerst suchte er ein großer Mann zu werden auf eine kleine Weise; er schrieb an Frau Dr. Steiner, was er denn tun solle, um aus den engen Verhältnissen der kleinen Stadt befreit zu werden. Soll er in ein Geschäft hinein heiraten, oder dies auf irgendeine andere Weise bewirken? Wenn ihm dann bedeutet wurde, daß wir uns mit der Entscheidung der Frage, ob man einheiraten soll oder nicht, nicht befassen, wird er vielleicht immer noch nicht abgedrängt. Er kommt weiter, kommt heran, nimmt Teil an manchem, stellt sich vielleicht auch vor die Gesellschaft, wenn eine große Versammlung ist, und deklamiert mit riesiger Lungenkraft ein Schillersches Gedicht, obwohl er von Deklamation nicht die geringste Ahnung hat. Er wird ausgelacht. Das beleidigt den Ehrgeiz. Dann will er ein großer Maler werden. Es wird sogar eingegangen bis zu einem gewissen Grade auf die Idee. Es wird alles getan, um den Betreffenden zu unterstützen, daß er etwas lernen kann; es wird ihm entgegengekommen. Allein der Betreffende will ein Künstler werden, findet es aber unbequem, etwas zu lernen. Er will nicht ein Künstler werden eigentlich, sondern will es sein, und wenn dann die anderen aus innerster Überzeugung nichts anderes tun können, als den Rat geben, etwas zu lernen, dann ist es kränkend. Man ist doch ein Genie, und die muten einem zu, daß man erst etwas lernen soll! Sie tun zwar alles, ihn etwas lernen zu lassen, aber gerade das ist kränkend.
[ 29 ] If someone concocts this or that attack based on all sorts of foolish esoteric notions—whose absurdity is obvious to anyone who isn’t blind—then one is also mistaken if one does not trace such things, which are pure fabrications, back to the full context. Perhaps there is a person behind this who once lived in a small town in central Germany and suddenly had the idea of becoming a great man. At first, he sought to become a great man in a small way; he wrote to Dr. Steiner asking what he should do to free himself from the confines of small-town life. Should he marry into a business, or achieve this in some other way? When he was then told that we do not concern ourselves with deciding whether one should marry into a business or not, he might still not be deterred. He makes progress, gains ground, takes part in various activities, and perhaps even steps before the company at a large gathering, reciting a Schiller poem with tremendous lung power, even though he doesn’t have the slightest clue about recitation. He is laughed at. This offends his ambition. Then he wants to become a great painter. The idea is even taken up to a certain extent. Everything is done to support the person in question so that he can learn something; accommodations are made for him. Yet the person in question wants to become an artist but finds it inconvenient to learn anything. He doesn’t actually want to become an artist—he simply wants to be one—and when the others, out of their deepest conviction, can do nothing but advise him to learn something, he finds it insulting. After all, one is a genius, and they expect one to learn something first! They do everything they can to help him learn something, but that is precisely what is offensive.
[ 30 ] Nun, in solcher Linie könnte noch manches angeführt werden. Das sind die wahren Gründe, warum man ein Feind einer solchen abscheulichen Gesellschaft werden muß. Dann wird allerlei Zeug geschrieben. Was geschrieben wird, auf das kommt es wenig an. Es könnte natürlich ebensogut etwas anderes geschrieben werden, denn die wirklichen Gründe sind ganz woanders zu suchen. Und so kann es weitergehen, und wird weitergehen, wird noch ganz andere Dimensionen annehmen. Alle diese Dinge haben aber mit Geisteswissenschaft als solcher nicht das geringste zu tun. Aber sie können sich mit großer Intensität entwickeln aus einer Gesellschaft heraus, welche versucht, nicht auf der sachlichen Basis, welche die Geisteswissenschaft als solche liefert, sich aufzubauen, sondern welche innerhalb derselben allerlei Cliquenwesen sucht, allerlei persönliche soziale Verhältnisse. Sie sehen, ich deute nur das eine oder das andere an. Vielleicht läßt sich noch in den folgenden Tagen das eine oder das andere sagen. Aber all das geht wirklich nicht auf Geisteswissenschaft zurück, sondern geht zurück auf die Auffassung, die vielfach herrscht über das, was in der Gesellschaft geschehen soll. Gerade diejenigen, für die am meisten gesorgt worden ist, gehören zu denen, die jetzt mit Verunglimpfungen, mit reinen Erfindungen am allermeisten hausieren.
[ 30 ] Well, there are many other examples that could be cited along these lines. These are the real reasons why one must become an enemy of such a despicable society. Then all sorts of things get written. What is written doesn’t really matter. Of course, something else could just as easily be written, because the real reasons are to be found elsewhere entirely. And so it can go on, and will go on, taking on entirely different dimensions. All these things, however, have not the slightest connection to spiritual science as such. But they can develop with great intensity out of a society that attempts to build itself not on the objective foundation provided by spiritual science as such, but rather seeks within it all sorts of clique-like structures and all sorts of personal social relationships. You see, I am merely hinting at one thing or another. Perhaps I will be able to say one thing or another in the coming days. But none of this really stems from spiritual science; rather, it stems from the prevailing view of what should happen in society. Precisely those for whom the greatest care has been taken are among those who are now peddling slander and pure fabrications the most.
[ 31 ] Deshalb bin ich genötigt, meine lieben Freunde, zu einschneidenden Maßregeln zu greifen. Ich bitte Sie wenigstens darum, die zwei Teile dieser Maßregeln immer wirklich zu nennen, damit nicht wiederum neuerdings Verleumdungen entstehen, indem man nur einen Teil mitteilt. Wenn diese Maßregel hart ist für manchen, dann bitte, bedenken Sie, daß sie für mich ebenso hart ist wie für die davon Betroffenen, daß es mir ebenso leid tut, daß sie notwendig ist, und daß Sie sich nicht an mich wenden, sondern an diejenigen, die diese Maßregeln verursacht haben. Suchen Sie dort die Gründe, suchen Sie dort aber auch das, was in der Zukunft zu geschehen hat, zu erkennen, indem Sie Ihre Betrachtung dahin lenken: wovon die Verleumdungen ausgegangen sind. Das ist vielfach das, was als Persönliches spielt. Gewiß, ich bin jedem mit persönlichem Rat zur Seite gestanden: für esoterische Dinge war diese persönliche Aussprache sehr häufig ziemlich unnötig und, was das Esoterische betrifft, so werde ich Sorge tragen, daß ein guter Ersatz da sein kann. Aber weil das Persönliche dazu geführt hat, ist es nötig, daß künftighin alles im vollsten Licht der Offentlichkeit vor sich geht. Daß dabei jeder zu seinem esoterischen Recht kommen kann, dafür werde ich sorgen; aber ich werde niemand mehr zu einer sogenannten esoterischen Privatbesprechung aus der Gesellschaft heraus empfangen. Diese Privatbesuche muß ich ausnahmslos einstellen, damit nicht gerade von diesen Privatbesuchen die Verleumdungen hergeholt werden können. Ist für den einen oder anderen dies hart, so muß doch gerade aus zwei Gründen diese Maßregel getroffen werden: erstens weil für den Betrieb des esoterischen Lebens gerade diese Dinge nicht notwendig sind. Das werde ich sehr bald beweisen. In kurzer Zeit sollen Sie einen vollständigen Ersatz haben, trotzdem die Privatgespräche wegfallen müssen, die sich häufig so abspielten, daß die Mitglieder mit Dingen herankamen, die mit dem esoterischen Leben nichts zu tun hatten. Zweitens aus dem Grunde, weil ich dadurch dokumentiere, wie das aus der Luft gegriffen ist, daß für das esoterische Leben des einen oder anderen nicht gesorgt wurde. Lesen Sie nur «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» Niemand hat es nötig, nach so und so vieler Zeit gerade einen persönlichen Impuls zu erlangen. Das zweite, was zu dieser Maßregel gehört und was ich bitte, nicht zu vergessen, ist, daß ich jeden, der Privatbesprechungen bis jetzt gehabt hat, entbinde irgendeines Versprechens, was ja auch niemals gegeben worden ist, irgendeiner Gepflogenheit, über solche Privatbesprechungen nicht zu sprechen. Von mir aus kann jeder, so viel er will, mitteilen von dem, was ich mit irgend jemand gesprochen habe, denn ich habe nichts zu verbergen. Wer will, kann jedem alles mitteilen. Auch das Vergangene kann in das volle Licht der Öffentlichkeit gestellt werden. Dann wird am besten die Möglichkeit gewonnen werden, die Unwahrheit von der Wahrheit zu unterscheiden, wird am besten der Maßstab dafür gefunden werden können, wieviel gerade innerhalb unserer Bewegung geflunkert wird. Aber die beiden Maßregeln gehören zusammen. Noch einmal wiederhole ich, daß derjenige nicht die Sache im wahren Licht vertreten wird, der nur den ersten Teil mitteilt; der andere gehört dazu.
[ 31 ] That is why I am compelled, my dear friends, to resort to drastic measures. I ask you, at the very least, to always mention both parts of these measures, so that slander does not arise again by only disclosing one part. If this measure is harsh for some, then please bear in mind that it is just as hard for me as it is for those affected by it, that I am just as sorry that it is necessary, and that you should not turn to me, but to those who caused these measures. Look there for the reasons, but also look there to discern what must happen in the future by directing your attention to the source of the slander. This is often what plays out as a personal matter. Certainly, I have stood by everyone with personal counsel: for esoteric matters, this personal discussion was very often quite unnecessary, and as far as the esoteric is concerned, I will ensure that a suitable alternative is available. But because personal matters have led to this, it is necessary that in the future everything take place in the full light of public scrutiny. I will ensure that everyone can exercise their esoteric rights; but I will no longer receive anyone from the Society for so-called private esoteric discussions. I must discontinue these private visits without exception, so that slander cannot be derived specifically from these private visits. If this is difficult for one or the other, this measure must nevertheless be taken for two specific reasons: first, because these very things are not necessary for the functioning of esoteric life. I will prove this very soon. In a short time, you will have a complete replacement, even though the private discussions must be discontinued—discussions that often took place in such a way that members brought up matters that had nothing to do with esoteric life. Second, because by doing so I am demonstrating how unfounded the claim is that the esoteric life of one person or another has not been provided for. Just read “How Does One Attain Insights into the Higher Worlds?” No one needs to receive a specific personal impulse after a certain amount of time. The second point regarding this measure—and one I ask you not to forget—is that I release everyone who has had private discussions up to now from any promise—which, in any case, was never made—or any custom of not speaking about such private discussions. As far as I’m concerned, anyone can share as much as they want about what I’ve discussed with anyone, because I have nothing to hide. Anyone who wishes to can tell everyone everything. Even the past can be brought into the full light of public scrutiny. This will best enable us to distinguish falsehood from truth and to determine the extent to which falsehoods are being spread within our movement. But these two measures go hand in hand. I repeat once again that anyone who reports only the first part will not present the matter in its true light; the other part is just as essential.
[ 32 ] Noch will ich erwähnen, meine lieben Freunde: Sollte es manchem schwer sein, dann bitte, wenden Sie sich an diejenigen Orte, die Sie ja insbesondere hier leicht finden können, wenden Sie sich an diejenigen, die diese Dinge notwendig gemacht haben. Es geht nicht, daß dasjenige, was die geisteswissenschaftliche Bewegung für die Welt sein soll, unmöglich gemacht werden sollte durch die Cliquenwirtschaft innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft, denn dadurch wird gerade das, was als Nerv in der Geisteswissenschaft lebt, am meisten den Mißverständnissen der äußeren Welt ausgesetzt. Glauben Sie, daß die Dinge, die im Sinne der Gesellschaft unternommen werden müssen, zu meiner persönlichen Befriedigung unternommen werden? Man hat mir vorgeworfen, daß ich nach der einen oder anderen Richtung irgend etwas der Gesellschaft entzöge, weil zum Beispiel der Dornacher Bau unternommen werden mußte, Glauben Sie, daß mir persönlich an dem Dornacher Bau irgend mehr liegen kann als einem anderen Mitglied, das es ernst meint mit unserer Sache, daß ich bei diesem Bau irgendwelche persönlichen Aspirationen gehabt habe? Würde der Bau nicht möglich gewesen sein, ich wäre der allerletzte gewesen, der sich in die Notwendigkeit nicht gefügt hätte. Daß irgend etwas von dem, was vertreten werden muß, auch aus so wichtigen Dingen heraus, wie es der Dornacher Bau ist, anders vertreten werden sollte, als es aus den inneren Gründen der Dinge sein muß, das dürfte nimmer geschehen.
[ 32 ] I would also like to mention, my dear friends: If this proves difficult for some of you, then please turn to those places that you can easily find here, and turn to those who have made these things necessary. It is unacceptable that what the spiritual science movement is meant to be for the world should be rendered impossible by the clique mentality within the Anthroposophical Society, for this is precisely what exposes the very lifeblood of spiritual science to the greatest misunderstandings from the outside world. Do you believe that the things which must be undertaken in the spirit of the Society are undertaken for my personal satisfaction? I have been accused of withholding something from the Society in one way or another—for example, because the Dornach building project had to be undertaken. Do you believe that I could care more personally about the Dornach building than any other member who is serious about our cause, or that I had any personal aspirations regarding this project? Had the construction not been possible, I would have been the very last person to refuse to accept its necessity. That anything which must be advocated—even something as important as the Dornach construction—should be advocated differently than it must be for intrinsic reasons—that must never happen.
[ 33 ] Die einschneidenden, eben erwähnten Maßregeln müssen insbesondere aus dem Grunde endlich einmal getroffen werden, weil, nachdem ich jahrzehntelang über das eine und andere hinlänglich geredet habe, nie der Ernst meiner Worte empfunden worden ist. Vielleicht wird dieser Ernst empfunden werden, wenn nun diese Maßregel eingeführt wird. Es bestehen ja auch andere Gesellschaften, ohne daß sie zu denselben Dingen führen, die gerade in dieser Gesellschaft vorgekommen sind.
[ 33 ] The drastic measures just mentioned must finally be taken, particularly because, even though I have spoken at length about various issues for decades, the seriousness of my words has never been fully appreciated. Perhaps this seriousness will be recognized now that this measure is being introduced. After all, there are other societies that do not lead to the same problems that have occurred in this particular society.
[ 34 ] Dies, meine lieben Freunde, mußte gerade wegen unserer Freundschaft gesagt werden, darf nicht ungesagt bleiben. Wer es ernst meint mit der anthroposophischen Bewegung, wird den Weg finden, wenn durch den Ernst der Sachlage auch solche Maßnahmen nötig sind. Denn die Bewegung als solche ist zu heilig, als daß sie durch allerlei persönliche Aspirationen ausgelöscht werden dürfte, und es ist ja hinlänglich viel nach dieser Richtung geschehen. Diejenigen unserer lieben Mitglieder — und es gibt ja viele gerade solche —, die in hingebungsvoller Art, in aufopferungsvoller Art in der Bewegung, in der Gesellschaft arbeiten, werden die letzten sein, die über diese Maßregeln sich beschweren, die werden sie am allerbedeutungsvollsten finden. Ich glaube nicht, daß ich gerade von denjenigen mißverstanden werde, welche es wirklich ernst und aufrichtig mit unserer Bewegung meinen; die werden mir recht geben. Es werden auch solche da sein, die mir unrecht geben; dieses Unrecht nehme ich gerne hin.
[ 34 ] This, my dear friends, had to be said precisely because of our friendship; it must not go unsaid. Anyone who is serious about the anthroposophical movement will find a way, even if the gravity of the situation makes such measures necessary. For the movement as such is too sacred to be allowed to be extinguished by all manner of personal aspirations, and indeed, enough has already happened in this direction. Those of our dear members—and there are indeed many such people—who work in the movement and in the Society with devotion and self-sacrifice will be the last to complain about these measures; they will find them to be of the utmost importance. I do not believe that I will be misunderstood by those who are truly serious and sincere about our movement; they will agree with me. There will also be those who disagree with me; I gladly accept this disagreement.
[ 35 ] Die Zeit ist vorgeschritten. Ich werde in den Betrachtungen, die ich heute angestellt habe, morgen fortfahren und vielleicht auch noch einige Bemerkungen hinzusetzen zu dem, was ich zuletzt über allerlei in der Gesellschaft gesagt habe. Es ist oft recht hart gewesen, manchem zuzuschauen.
[ 35 ] Time has moved on. Tomorrow I will continue the reflections I have been making today, and perhaps add a few more comments on what I said last time about various matters in society. It has often been quite hard to watch what some people have been doing.
