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Central Europe between East and West
GA 174a

20 March 1916, Munich

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Central Europe between East and West, tr. SOL
  1. Mitteleuropa zwischen Ost und West

Sechster Vortrag

Sixth Lecture

[ 1 ] Es ist für ein allmähliches Sich-Aneignen dessen, was wir Geisteswissenschaft nennen, notwendig, den guten Willen dazu zu haben, die, ich möchte sagen, zunächst mehr wie eine Art von Plan angegebenen Begriffe und Begriffszusammenhänge auszufüllen mit wirklichen Vorstellungen über dasjenige, was zunächst in einem allgemeinen Umriß ja nur gegeben werden kann.

[ 1 ] In order to gradually familiarize oneself with what we call spiritual science, it is necessary to have the willingness to fill in—as it were—the concepts and conceptual connections, which are initially presented more as a kind of outline, with concrete ideas about that which, at first, can only be presented in general terms.

[ 2 ] Sehen Sie, wir sagen so: Der Mensch besteht aus physischem Leib, Ätherleib, astralischem Leib und Ich und so weiter. — Das ist zunächst ganz richtig, wenn wir so sagen, denn wir haben nötig, uns gewissermaßen in umfassenden schematischen Begriffen zu orientieren. Aber im weiteren Verlauf einer Aneignung der Geisteswissenschaft ist es schon nötig, sich auf all das, was so schematisiert ist, auch genauer einzulassen.

[ 2 ] You see, we say it this way: The human being consists of a physical body, an etheric body, an astral body, and the “I,” and so on. — That is quite correct at first, when we put it that way, because we need, so to speak, to orient ourselves using comprehensive, schematic concepts. But as we continue to familiarize ourselves with spiritual science, it becomes necessary to engage more closely with everything that has been schematized in this way.

[ 3 ] Wir haben gerade in dem engeren Felde des durch unsere Gesellschaft gebotenen Leserkreises eine große Anzahl von Zyklen, aber in diesen Zyklen steht doch noch verhältnismäßig wenig von dem, was eigentlich schon wünschenswert wäre, daß es von der Menschheit, wenigstens von einem kleinen Kreise der Menschheit, recht bald gewußt werde.

[ 3 ] Even within the narrower scope of the readership our society serves, we have a large number of cycles; yet these cycles still contain relatively little of what it would actually be desirable for humanity—or at least a small circle of humanity—to learn about very soon.

[ 4 ] Wenn wir das Äußere am Menschen, das mit den physischen Sinnen erschaut werden kann, das mit jener Wissenschaft betrachtet werden kann, die an den Verstand, an Versuche, an Beobachtungen gebunden ist, physischen Leib nennen, so liegt, wie wir wissen, diesem physischen Leibe zugrunde der Atherleib.

[ 4 ] If we call the outer aspect of a human being—that which can be perceived by the physical senses and examined by the science based on reason, experiments, and observations—the physical body, then, as we know, the etheric body underlies this physical body.

[ 5 ] Wir wollen zunächst auf diese beiden Glieder der menschlichen Natur heute ein wenig das geistige Auge werfen. Über den physischen Leib braucht ja Geisteswissenschaft als solche zunächst scheinbar am allerwenigsten zu sagen, denn dieser physische Leib ist das einzige, was der physischen Wissenschaft vorliegt und was diese physische Wissenschaft zunächst mit ihren Methoden zu betrachten die Absicht hat. Allein auch dieser physische Leib wird, wenn er zunächst auch das ist, als was ihn die physische Wissenschaft betrachtet, in seiner richtigen Bedeutung und Stellung in der Welt doch nur dadurch erkannt, daß auch die höheren Glieder der Menschennatur ins Auge gefaßt werden.

[ 5 ] Let us first cast our inner eye for a moment upon these two aspects of human nature today. At first glance, spiritual science as such seems to have the least to say about the physical body, for this physical body is the only thing that is the subject of physical science and the only thing that physical science initially intends to examine using its methods. Yet even this physical body—even if it is, at first, what physical science regards it as—can only be recognized in its true significance and place in the world by taking the higher aspects of human nature into account as well.

[ 6 ] Nun erinnern Sie sich wohl, daß der physische Leib, so wie er hier auf der Erde den Menschen, wir können sagen, umkleidet, eigentlich erst entstehen konnte während der Erdenzeit. Seine geistigen Anlagen aber hat er schon erhalten während der alten Saturnzeit. Er wurde fortwährend umgewandelt während der Sonnen-, Monden- und Erdenzeit. Umgewandelt wurde er unter dem Einflusse dessen, was da während der Sonnen-, Monden- und Erdenzeit geschehen ist. Er wurde umgewandelt unter dem Einflusse der Tatsache, daß ihm auf der Sonne einverleibt worden ist der Ätherleib. Er mußte anders werden, dieser physische Leib, wie er vom Saturn herübergekommen ist, anders werden, als er durchtränkt wurde von dem Atherleib. Und dieser physische Leib mußte auch anders werden, als er dann auf dem Monde durchtränkt worden ist von dem Astralleib. Nicht nur, daß der Astralleib dazugekommen ist zu der ganzen Mensch-Bildung, sondern dieser physische Leib ist umgewandelt worden dadurch, daß gewissermaßen während der Sonnenzeit der Atherleib hineingefahren ist, während der Mondenzeit der Astralleib, während der Erde sich allmählich das Ich allseitig ausbildet, gewiß zunächst innerhalb des Atherleibes, aber auch innerhalb des physischen Leibes.

[ 6 ] Now you will recall that the physical body—which, as it were, “clothes” human beings here on Earth—could actually only come into being during the Earth period. However, human beings had already received their spiritual faculties during the ancient Saturn period. They were continually transformed during the Sun, Moon, and Earth periods. It was transformed under the influence of what took place during the Solar, Lunar, and Earth eras. It was transformed under the influence of the fact that the etheric body had been incorporated into it on the Sun. This physical body—as it had come over from Saturn—had to change, had to become different as it was permeated by the etheric body. And this physical body also had to change as it was then permeated by the astral body on the Moon. Not only was the astral body added to the entire process of human formation, but this physical body was transformed by the fact that, so to speak, the etheric body entered it during the Solar period, the astral body during the Lunar period, and as the “I” gradually develops in all directions on Earth—certainly at first within the etheric body, but also within the physical body.

[ 7 ] Wenn wir nun von dem Menschlichen zu dem Kosmischen gehen, dann brauchen wir uns ja auch nur an das zu erinnern, was wir oft besprochen haben, was in unseren Zyklen enthalten ist. Wir müssen da wissen, daß, wie die erste Anlage des physischen Leibes auf dem Saturn durch, nun, wir können sagen, die Ergießung der Geister des Willens, der Throne, möglich geworden ist, die Umgestaltung während der Sonnenzeit durch die Geister der Weisheit, die Umgestaltung während der Mondenzeit durch die Geister der Bewegung, die Umgestaltung während der Erdenzeit — also dasjenige, was bewirkt werden mußte am physischen Leib dadurch, daß ein Ich in ihm wohnt — durch die Geister der Form bewirkt worden ist.

[ 7 ] If we now move from the human to the cosmic, then we need only recall what we have often discussed—what is contained in our cycles. We must understand that, just as the first formation of the physical body on Saturn was made possible—well, we might say—by the outpouring of the spirits of will, the Thrones, the transformation during the Solar Age was brought about by the Spirits of Wisdom, the transformation during the Lunar Age by the Spirits of Movement, and the transformation during the Earth Age—that is, what had to be accomplished in the physical body through the indwelling of an “I”—by the Spirits of Form.

[ 8 ] Das ist schon etwas Wichtiges, das wir ins Auge fassen müssen. Wenn uns der physische Leib des Menschen auf der Erde entgegentritt, so müssen wir ihn Ich-begabt denken, und wir müssen ihn so denken, daß er, weil er Ich-begabt ist, während der Erdenzeit eine bestimmte, ihm angemessene Form erhalten hat. Während der Mondenzeit aber hat er nur die ihm angemessene innere Bewegung erhalten. Diese ihm angemessene Form während der Erdenzeit mußte er erhalten durch die Gaben der Geister der Form, in Gemäßheit der Tatsache, daß ein Ich in ihn verpflanzt werden mußte. Wir können also sagen, dieser physisch geformte Erdenleib ist so geformt, weil er Ich-Träger werden mußte. Mit dem Ich gaben die Geister der Form dem menschlichen physischen Leib die Form, die er eben hat und die dem Ich-Träger angemessen ist.

[ 8 ] This is indeed something important that we must take into account. When we encounter the physical body of a human being on Earth, we must conceive of it as endowed with an “I,” and we must conceive of it in such a way that, because it is endowed with an “I,” it has acquired a specific form appropriate to it during its time on Earth. During the Lunar period, however, it received only the inner movement appropriate to it. It had to receive this form appropriate to it during its earthly existence through the gifts of the spirits of form, in accordance with the fact that an “I” had to be implanted within it. We can therefore say that this physically formed earthly body is shaped as it is because it had to become a bearer of the “I.” With the “I,” the Spirits of Form gave the human physical body the form it now has, which is appropriate for a bearer of the “I.”

[ 9 ] Die anderen Wesen der anderen Naturreiche haben auch ihre Formen bekommen. Wenn Sie die intimeren Beschreibungen lesen, die von der alten Mondenzeit gegeben werden, so werden Sie sehen: alle die Wesen werden so beschrieben, daß man nicht davon sprechen kann, sie hätten damals schon ihre jetzige Form gehabt; sie sind da in einer gewissen Beweglichkeit geschildert. Erinnern Sie sich nur an die Schilderungen in der «Geheimwissenschaft im Umriß» oder in einzelnen Zyklen: Die Formen sind in einer gewissen Beweglichkeit geschildert. Auch die anderen Naturreiche haben ihre Form erst durch die Geister der Form während der Erdenzeit, ich möchte sagen, bleibend erhalten.

[ 9 ] The other beings of the other kingdoms of nature have also taken on their forms. If you read the more detailed descriptions given of the ancient Lunar Age, you will see that all these beings are described in such a way that one cannot say they already had their present form at that time; they are depicted as possessing a certain fluidity. Just recall the descriptions in *An Outline of Esoteric Science* or in individual cycles: the forms are depicted as possessing a certain fluidity. The other kingdoms of nature, too, only acquired their permanent forms through the spirits of form during the Earth era, I might say.

[ 10 ] Betrachten wir das dem Menschen am nächsten stehende Erdenreich, das Tierreich. Das Tierreich lebt auch in Formen. Es hat die Formen, die es gegenwärtig hat, auch erst während der Erdenzeit erhalten. Aber bedenken Sie, wie gerade der Unterschied ist zwischen den Formen des tierischen Reiches und den Formen des menschlichen Reiches! Wir wenden den Blick über die Oberfläche der Erde hin und finden ja allerdings gewisse Unterschiede zwischen den einzelnen Menschen, Unterschiede, die auf ein anderes Gebiet der Schilderung gehören; aber wir finden natürlich auch gewisse Unterschiede in bezug auf die äußere Gestaltung. Alle die interessanten Völkerschaften, die jetzt von den Westeuropäern in Mitteleuropa ins Feld geführt werden, sie sehen ja natürlich etwas anders aus als die mitteleuropäische Bevölkerung! Also ein Unterschied ist schon vorhanden, wenn wir den Blick über die Erdoberfläche schweifen lassen in bezug auf die Gestaltung der einzelnen Menschen. Zu der Gestaltung ist zum Beispiel auch zu rechnen die Farbe. Aber wenn Sie das, was an Differenzierungen, an Unterschieden vorhanden ist zwischen den Menschen, vergleichen mit den Differenzierungen zwischen den verschiedenen Tiergattungen, da werden Sie sich sagen müssen: Die Tiergattungen sind natürlich in einem unendlich weiteren, unendlich größeren Sinne voneinander verschieden als die Menschen. Wir können schon von einer einzelnen Menschengattung sprechen im Gegensatz zu den verschiedenen vielgestaltigen Tierformen. Denn ein so starker Unterschied wie etwa zwischen einem Löwen und einer Nachtigall, die ja beide Tiere sind, ist natürlich im Reiche der Menschen nicht zu finden. Wenn ein so großer Unterschied wäre, wie zwischen einem Löwen und einer Nachtigall, so würde niemand behaupten können, daß Unterschiede zwischen den Menschen nicht zu bemerken seien. Aber darauf muß man schon den Blick wenden, daß die Tiere unendlich größere Differenzierungen haben als der Mensch in seiner allgemeinen Menschengattung.

[ 10 ] Let us consider the realm on Earth closest to humankind: the animal kingdom. The animal kingdom, too, exists in forms. It, too, acquired the forms it currently possesses only during the Earth era. But consider just how great the difference is between the forms of the animal kingdom and those of the human kingdom! When we look across the surface of the Earth, we do indeed find certain differences between individual human beings—differences that belong to a different realm of discussion—but we naturally also find certain differences with regard to outward appearance. All those interesting ethnic groups that Western Europeans are now bringing to the fore in Central Europe naturally look somewhat different from the Central European population! So a difference does indeed exist when we let our gaze wander across the Earth’s surface with regard to the physical form of individual human beings. Color, for example, is also part of this physical form. But if you compare the distinctions and differences that exist among human beings with the distinctions between the various animal species, you will have to admit: Animal species are, of course, infinitely more distinct from one another in a far broader, infinitely greater sense than human beings are. We can indeed speak of a single human species in contrast to the various, diverse forms of animals. For a difference as stark as that between, say, a lion and a nightingale—both of which are animals—is naturally not to be found among human beings. If there were such a great difference as that between a lion and a nightingale, no one could claim that differences among humans are not noticeable. But one must keep in mind that animals exhibit infinitely greater distinctions than humans do within the general human species.

[ 11 ] Trotzdem das, was ich Ihnen eben gesagt habe, durchaus richtig ist, so ist es von dem Standpunkt der Geisteswissenschaft gleichwohl nur in eingeschränktem Sinne richtig. Denn auch folgendes ist eine Wahrheit: Nehmen Sie in Ihrer Betrachtung, in Ihren Gedanken zu dem physischen Leib des Menschen den Atherleib dazu und stellen Sie sich vor, daß ein gewisses Experiment, das man ja natürlich nicht ausführen kann, möglich wäre: daß man den ganzen physischen Leib vom Menschen trennen, stückweise herauspräparieren könnte und daß man, bevor man beginnt, diesen physischen Leib herauszupräparieren durch eine Anrufung von Geistern der höheren Hierarchien, der Angeloi, Archangeloi und Archai, bewirken könnte, daß diese Angeloi, Archangeloi und Archai sich zurückziehen von dem Menschen, daß sie nicht tätig sind am Ätherleib. Also zweierlei müßte man machen: Man müßte den Menschen gar nicht einmal, sagen wir, schinden wollen, sondern man müßte ihm alles wegnehmen, was zu seinem physischen Leibe gehört. Und dann müßte man alle die Einflüsse der drei Hierarchien, Angeloi, Archangeloi, Archai, zurückerbitten, so daß dieser Ätherleib des Menschen ganz und gar allein sich selber überlassen wäre, daß er nicht mehr von irgend etwas anderem beeinträchtigt wäre. Er ist nämlich beeinträchtigt, er steckt in dem physischen Leibe, und dieser physische Leib hat seine feste Form, die ihm von den Geistern der Form zugewiesen ist. Deswegen muß er sich dieser festen Form fügen. Wenn Sie einen sehr weichen Kautschukkörper nehmen und in ein Glas stekken, so wird er sich der Form des Glases anpassen, er wird nicht seine eigene Form behalten. Wenn Sie ihn wieder aus dem Glase herausziehen, so springt er in seine eigene Form zurück. So muß sich auch der menschliche Ätherleib der Form anpassen, die der physische Leib ihm aufdrängt, er hat nicht seine eigene Form. Wenn wir also den physischen Leib wegziehen, so fällt diese Kraft weg, der sich der Ätherleib anpassen muß. Doch er würde auch da noch gar nicht seine eigene Form bekommen, weil in diesen Ätherleib hinein — was wir noch des genaueren ausführen werden — die Angeloi, Archangeloi, Archai arbeiten. Aber die bitten wir ja weg, so daß der Ätherleib seinen Kräften nun ganz allein folgen kann. Da würde der Ätherleib herausspringen, seine eigene Elastizität annehmen. Die Sache müßte sichtbar ausgeführt werden können; dann würden Sie sehen können, wie der Ätherleib herausspringt und seine eigene Form annimmt.

[ 11 ] Although what I have just told you is certainly true, from the standpoint of spiritual science it is nevertheless true only in a limited sense. For the following is also true: In your contemplation and in your thoughts regarding the human physical body, include the etheric body as well, and imagine that a certain experiment—which, of course, cannot be carried out—were possible: that one could separate the entire physical body from the human being, dissect it piece by piece, and that, before beginning to dissect this physical body, by invoking the spirits of the higher hierarchies, the Angeloi, Archangeloi, and Archai, so that these Angeloi, Archangeloi, and Archai would withdraw from the human being and cease to act upon the etheric body. So two things would have to be done: One would not even have to, let’s say, wish to torment the human being, but one would have to take away from him everything that belongs to his physical body. And then one would have to ask all the influences of the three hierarchies—Angels, Archangels, and Archai—to withdraw, so that the human being’s etheric body would be left entirely to its own devices, no longer influenced by anything else. For it is, in fact, influenced; it is contained within the physical body, and this physical body has its fixed form, which is assigned to it by the spirits of form. That is why it must conform to this fixed form. If you take a very soft piece of rubber and place it in a glass, it will adapt to the shape of the glass; it will not retain its own shape. When you pull it out of the glass again, it springs back into its own shape. In the same way, the human etheric body must adapt to the form imposed on it by the physical body; it does not have its own form. So when we remove the physical body, this force—to which the etheric body must adapt—disappears. Yet even then it would still not assume its own form, because—as we will explain in more detail—the Angeloi, Archangeloi, and Archai are at work within this etheric body. But we ask them to withdraw, so that the etheric body can now follow its own forces entirely on its own. Then the etheric body would spring out, assuming its own elasticity. This process should be possible to demonstrate visually; then you would be able to see how the etheric body springs forth and assumes its own form.

[ 12 ] Was würde geschehen? Das ganze Tierreich hätten Sie vor sich! Der Ätherleib würde sich in Portionen teilen, und es würden — wenigstens im wesentlichen, in den Haupttypen — die Formen des ganzen Tierreiches sein. Das heißt: Der Mensch trägt ätherisch das ganze Tierreich in sich. Es ist nur zusammengehalten auf der einen Seite durch die Form des physischen Leibes, auf der anderen Seite durch die Tätigkeit der Wesen der drei genannten Hierarchien. Das ist durchaus wahr, daß der Mensch dieses ganze Tierreich in seinem Ätherleib der Anlage nach in sich trägt! Dieses ganze Tierreich unterscheidet sich von diesem Gesichtspunkte aus vom Menschen nur dadurch, daß jede Tiergattung eine eigene Form, die im menschlichen Ätherleib aber auch darinnen lebt, für sich genommen hat und für sich ausgebildet hat zur physischen Gestalt. So daß, wenn wir das Tierreich anschauen, wie es auf der Erde verwirklicht ist, es in der Tat der ausgebreitete menschliche Ätherleib ist.

[ 12 ] What would happen? You would have the entire animal kingdom before you! The etheric body would divide into parts, and these would be—at least in essence, in their main types—the forms of the entire animal kingdom. In other words: Human beings carry the entire animal kingdom within themselves in etheric form. It is held together, on the one hand, by the form of the physical body, and on the other hand, by the activity of the beings of the three hierarchies mentioned. It is absolutely true that human beings carry within themselves, in their etheric body, the potential for the entire animal kingdom! From this point of view, the entire animal kingdom differs from the human being only in that each animal species has taken its own form—which also lives within the human etheric body—and has developed it into its own physical form. So that when we look at the animal kingdom as it is realized on Earth, it is in fact the expanded human etheric body.

[ 13 ] Da liegt eine eigentümliche Sache vor. Da trat innerhalb der Weltanschauungs-Entwickelung Europas um die Wende des 18. zum 19. Jahrhundert das auf, was man, genauer ausgeführt, bei solchen Persönlichkeiten wie zum Beispiel Oken findet. Der Naturforscher Oken konnte nach dem Standpunkt der damaligen Zeit noch nicht vom Ätherleib sprechen; das lag ihm fern. Aber bei ihm findet sich zum Beispiel der merkwürdige Satz: Das Tierreich ist der ausgebreitete Mensch. — Das heißt, er hatte eine Phantasiekonzeption von der Wahrheit. Diese Vorstellung trat dazumal, als sich die großen Gedanken der mitteleuropäischen Weltanschauung ausbildeten, in seinen geistigen Gesichtskreis herein. Das ist sehr interessant! Diese Vorstellung trat zum Beispiel auch in den Gesichtskreis von Schelling, und bei Schelling finden Sie auch diesen Satz. Und denjenigen, die auf die genialen, aber selbstverständlich noch nicht abgeschlossenen Gedanken zunächst nicht eingehen konnten — weil die genauen Tatsachen eben nicht gesagt werden konnten —, denen ging es dazumal ganz schrecklich. Bei Oken muß man sich vorstellen, daß das, was er noch nicht wissen konnte, in Form einer genialen Konzeption in seiner Seele lebte. Man möchte sagen, er hatte das Gefühl: Die einzelnen Glieder des Menschen sind eigentlich aus Tiergestalten zusammengesetzt. — Er hatte auch den Mut, so etwas auszusprechen, aber darüber, daß er so etwas aussprach, waren die gelehrten Philister furchtbar skandalisiert. Er hatte sich zum Beispiel auch gefragt: Was ist die Zunge? — Er konnte nicht wissen, daß man da einen Ätherleib braucht, und nun sagte er: Die Zunge ist ein Tintenfisch. — Gewiß, es liegt diesem Ausspruch das zugrunde, was ich eben auseinandergesetzt habe. Aber denken Sie sich nun das ganze gelehrte Philistertum der Behauptung gegenüber: Die menschliche Zunge ist ein Tintenfisch!

[ 13 ] This is a peculiar matter. At the turn of the 18th to the 19th century, within the development of Europe’s worldview, there emerged what, to be more precise, can be found in figures such as Oken. From the standpoint of his time, the naturalist Oken could not yet speak of the etheric body; that was far beyond his reach. But in his writings, for example, we find this remarkable statement: “The animal kingdom is humanity spread out.” — That is to say, he had an imaginative conception of the truth. This idea entered his intellectual horizon at a time when the great ideas of the Central European worldview were taking shape. That is very interesting! This idea also entered Schelling’s horizon, for example, and you will find this very sentence in Schelling as well. And those who were initially unable to engage with these brilliant—though, of course, as yet incomplete—ideas—because the precise facts simply could not be stated—had a very difficult time back then. With Oken, one must imagine that what he could not yet know lived within his soul in the form of a brilliant conception. One might say he had the feeling that the individual parts of the human being are actually composed of animal forms. — He also had the courage to voice such a thing, but the learned philistines were terribly scandalized that he had done so. For example, he had also asked himself: What is the tongue? — He could not have known that an etheric body is required for it, and so he said: “The tongue is a squid.” — Certainly, this statement is based on what I have just explained. But just imagine the reaction of the entire scholarly philistine establishment to the assertion: “The human tongue is a squid!”

[ 14 ] Wenn man den Gang des menschlichen Geisteslebens einsehen will, so muß man schon weitherzig werden. Man muß sich klar darüber sein, daß etwas, das vielleicht sogar ausschauen kann wie ein Unsinn, eine große Wahrheit in sich bergen kann. Und so gliederte Oken dann den Menschen so ein: Die Zunge ist ein Tintenfisch, andere Organe sind etwas anderes und so weiter. — Im Grunde genommen war es ja nur die genauere Wiederholung desjenigen, was in uralter menschlicher Anschauung vorhanden war, wo man nur die Haupttypen heraushob und den Menschen nach den vier Haupttiergruppen gliederte: Löwe, Adler, Engel und Kalb.

[ 14 ] If one wants to understand the course of human spiritual life, one must be open-minded. One must realize that something that may even seem like nonsense can contain a great truth. And so Oken classified human beings as follows: the tongue is an octopus, other organs are something else, and so on. — Essentially, it was merely a more precise restatement of what had existed in ancient human conception, where one simply highlighted the main types and classified human beings according to the four main animal groups: lion, eagle, angel, and calf.

[ 15 ] Also man kann schon sagen: So einfach liegt die Sache doch nicht, sondern der Mensch hat in seinem Ätherleib schon das ganze Tierreich eigentlich in sich. Er trägt es, wie der Philosoph sagen würde, der Möglichkeit nach in sich. — Nun müssen Sie allerdings etwas ins Auge fassen, damit die Sache nicht einseitig wird. Wenn das nicht stattfinden würde, was wir jetzt angeführt haben, daß — außerdem, daß der physische Leib diese ganze Tierheit zusammenhält — noch die Angeloi, Archangeloi und Archai ihre Kräfte betätigen, so würde ja, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes geht und den physischen Leib ablegt, das eintreten müssen, was ich gerade beschrieben habe: es würde wirklich in diesem Falle, wenn der Ätherleib entlassen würde nach den paar Tagen von dem Astralleib und dem Ich, das herausfallen, elastisch, in die Welt, und es würde die ganze ätherische Tierwelt aus der menschlichen Ätherwelt entstehen. Das ist aber in der Erfahrung nicht der Fall. Das entsteht nicht. Das geht nicht hervor aus dem Menschen, sondern der Ätherleib löst sich los in einer ganz anderen Form. Er löst sich los und wird dem allgemeinen Weltenäther einverwoben.

[ 15 ] So one can certainly say: The matter is not quite that simple; rather, human beings actually already possess the entire animal kingdom within their etheric body. They carry it within themselves, as the philosopher would say, in potential. — Now, however, you must take something into account so that the matter does not become one-sided. If what we have just described were not to take place—namely, that, in addition to the physical body holding this entire animal kingdom together, the Angeloi, Archangeloi, and Archai also exert their powers—then, when a human being passes through the gate of death and sheds the physical body, what I have just described would indeed have to occur: in this case, when the etheric body is released—after a few days—from the astral body and the “I,” which fall away, it would, in an elastic manner, flow out into the world, and the entire etheric animal kingdom would arise from the human etheric world. But this is not the case in experience. That does not happen. It does not emerge from the human being; rather, the etheric body detaches itself in a completely different form. It detaches itself and becomes interwoven into the general world ether.

[ 16 ] Was liegt da eigentlich vor? Nun, es arbeiten eben an unserem Ätherleib die Wesenheiten aus der Hierarchie der Angeloi, der Archangeloi und der Archai, und die lassen es nicht dazu kommen, daß das ganze Wesen des Ätherleibes sich in das Tierreich zersplittert. Was geschieht da eigentlich? Sehen Sie, was da geschieht, möchte ich Ihnen so beschreiben, daß ich zunächst einmal an einen Vergleich appelliere. Wir Menschen auf der Erde arbeiten, wir machen zum Beispiel Maschinen aus Holz oder aus Eisen. Das Holz oder das Eisen sind unsere stofflichen Grundlagen, und dann arbeiten wir Holz oder Eisen zu Maschinen zusammen. Die Anordnung des Stoffes, das ist unsere Arbeit, die Anordnung des Holzes oder des Eisens, aber das Eisen oder das Holz selber müssen wir der Erde entnehmen. Wir brauchen diese Rohmaterialien, wir entnehmen sie aus einem Reich, das unter unserem Menschenreich ist.

[ 16 ] What is actually happening here? Well, the beings from the hierarchy of the Angeloi, the Archangeloi, and the Archai are at work on our etheric body, and they prevent the entire being of the etheric body from fragmenting into the animal kingdom. What is actually happening here? To describe what is happening there, I would like to start by drawing on a comparison. We humans on Earth work; for example, we make machines out of wood or iron. The wood or iron are our material foundations, and then we work the wood or iron into machines. The arrangement of the material—that is our work, the arrangement of the wood or the iron—but we must extract the iron or the wood itself from the Earth. We need these raw materials; we extract them from a realm that lies beneath our human realm.

[ 17 ] Wenn Sie sich nun vorstellen, daß über uns leben die Angeloi, Archangeloi, Archai, so sind sie auch nicht im Weltenall dazu da, um fortwährend «Sonntagsruhe» zu pflegen, sondern sie haben ihre Arbeit, sie haben ihre Leistungen zu tun. — Was arbeiten denn Angeloi, Archangeloi, Archai eigentlich? Wenn sie arbeiten, dann werden sie auch ein Material brauchen, wie wir Holz und Eisen aus der Erde heraus brauchen, und sie werden dieses Material zu bearbeiten haben. Das Material für die Angeloi, Archangeloi und Archai, das sind unsere Ätherleiber! Was für uns Holz und Eisen der Erde ist, wenn wir es zu Maschinen verarbeiten, das sind unsere Ätherleiber für die Angeloi, Archangeloi, Archai; daran arbeiten sie. Und während wir Menschen hier auf der Erde herumgehen und gewissermaßen den Gedanken haben, wenn wir ihn überhaupt haben: Wir tragen da in uns unseren Ätherleib und wir tragen ihn so mit uns als unser Eigentum wie unsere Lunge —, ist um uns herum betätigt dieses ganze Wesen der Angeloi, Archangeloi und Archai, und arbeitet Gebilde für die geistige Welt heraus, die dort gebraucht werden für unser Leben. Sie arbeiten aus diesem Ätherleib heraus das, was in der geistigen Welt gebraucht wird.

[ 17 ] If you now imagine that the Angeloi, Archangeloi, and Archai live above us, they are not there in the universe merely to maintain a perpetual “Sunday rest”; rather, they have their work to do, and they have tasks to fulfill. — What, then, do the Angeloi, Archangeloi, and Archai actually do? If they work, then they too will need a material, just as we need wood and iron from the earth, and they will have to work with this material. The material for the Angeloi, Archangeloi, and Archai is our etheric bodies! Just as wood and iron from the earth are for us when we process them into machines, so are our etheric bodies for the angels, archangels, and archai; that is what they work on. And while we humans walk around here on earth and, in a sense, have the thought—if we have it at all—that ‘We carry our etheric body within us, and we carry it with us as our own, just like our lungs’—all around us, the entire being of the Angeloi, Archangeloi, and Archai is at work, shaping forms for the spiritual world that are needed there for our lives. They work out of this etheric body to create what is needed in the spiritual world.

[ 18 ] Mit wessen Hilfe arbeiten diese höheren Wesenheiten? Nun, unser Leben hindurch denken wir; von dem Moment ab, wo wir zum Denken kommen, bis zum Tode, denken wir. Das Wesentliche beim Denken, wie Sie zum Beispiel auch dem gestrigen öffentlichen Vortrage entnehmen konnten, besteht gerade darinnen, daß das Denken im Ätherleibe webt und lebt. Es webt und lebt dann nur fort in dem physischen Leibe. Wir glauben im physischen Leibesleben, daß das nun unser Eigentum allein ist, was wir da als unsere Gedanken bilden. Aber was wir da haben von unseren Gedanken, was wir in unseren Gedanken ausbilden und an was wir uns erinnern können, das ist gewissermaßen nur die innere Seite unseres Denklebens. Von außen arbeiten gerade mit Bezug auf den Ätherleib an unserem ganzen Denkleben die Angeloi, Archangeloi und Archai, und es ist nicht unnötig, daß wir denken als Menschen. Unnötig ist es ja schon nicht für die physische Erde, aber es ist auch nicht unnötig für den Kosmos. Denn was wir durch unser Denken verändern in unserem Ätherleib zwischen unserer Geburt und unserem Tode, das wird als Material benützt und nach höheren Gesichtspunkten ausgearbeitet. Während unseres Lebens, während wir als denkende Wesen durch die Welt gehen und unser Gedankenleben nur von innen sehen, wird von den Angeloi, Archangeloi, Archai gearbeitet an unseren Gedanken, damit nach unserem Tode das zustande komme, was sie dann dem Weltenäther einverleiben können. Wenn unser Astralleib und unser Ich den Ätherleib ablegen, da nähen sie — wenn ich den groben Ausdruck gebrauchen darf — dem Kosmos das Gewebe unseres Ätherleibes ein, das im wesentlichen zustande gekommen ist durch die Art, wie wir gedacht haben im Leben. Das gehört von jetzt ab dazu zu dem Kosmos. Wir leben als Mensch nicht bloß für uns, wir leben als Mensch für den ganzen Kosmos.

[ 18 ] With whose help do these higher beings work? Well, we think throughout our lives; from the moment we begin to think until death, we think. The essential aspect of thinking—as you could also gather, for example, from yesterday’s public lecture—lies precisely in the fact that thinking weaves and lives within the etheric body. It then continues to weave and live only within the physical body. In our physical life, we believe that what we form there as our thoughts is now our sole possession. But what we have there of our thoughts—what we develop in our thoughts and what we can remember—is, in a sense, only the inner aspect of our life of thought. From the outside, the Angeloi, Archangeloi, and Archai work on our entire life of thought, particularly in relation to the etheric body, and it is not unnecessary for us to think as human beings. It is certainly not unnecessary for the physical Earth, but neither is it unnecessary for the cosmos. For what we transform in our etheric body through our thinking between our birth and our death is used as material and elaborated upon according to higher principles. During our lives, as we go through the world as thinking beings and perceive our life of thought only from within, the angels, archangels, and archai work on our thoughts so that after our death, what they can then incorporate into the world ether may come into being. When our astral body and our “I” shed the etheric body, they—if I may use a crude expression—sew the fabric of our etheric body into the cosmos, a fabric that has essentially come into being through the way we thought during our life. From now on, this belongs to the cosmos. As human beings, we do not live merely for ourselves; we live for the entire cosmos.

[ 19 ] Wir wissen ja, nach unserer Erde soll Jupiter, Venus, Vulkan entstehen. Das muß alles vorbereitet werden, das muß alles als Kräfte dem Kosmos einverwoben werden. Dazu ist Arbeit nötig. Zu dieser Arbeit gehört zum Beispiel das, was ich jetzt eben ausgeführt habe: daß die Angeloi, Archangeloi, Archai in Gemäßheit unserer Gedanken tätig sind. Ein etwas anderes Material sind dumme Gedanken, die wir während unseres Lebens haben, ein etwas anderes Material sind gescheite Gedanken. Aber je nachdem wir ihnen das als Material liefern, werden da diese — grob gesprochen — «ätherischen Maschinen» ausgearbeitet, die dann dazu da sind, daß die Entwickelung im Kosmos weitergeht. Wenn also unser Ätherleib nach dem Tode dem Kosmos übergeben wird, so wird zugleich übergeben die Arbeit der Wesen der drei genannten Hierarchien.

[ 19 ] We know, of course, that after our Earth, Jupiter, Venus, and Vulcan are to come into being. All of this must be prepared; all of this must be woven into the cosmos as forces. This requires work. Part of this work, for example, is what I have just explained: that the Angeloi, Archangeloi, and Archai are active in accordance with our thoughts. The foolish thoughts we have during our lives are one kind of material; wise thoughts are another. But depending on the material we provide them with, these—roughly speaking—“etheric machines” are fashioned, which then serve to ensure that development in the cosmos continues. So when our etheric body is handed over to the cosmos after death, the work of the beings of the three hierarchies mentioned is handed over at the same time.

[ 20 ] Betrachten wir jetzt von einem ähnlichen Gesichtspunkte aus den menschlichen Astralleib. Wir stellen unsere Betrachtungen von neuen Gesichtspunkten aus an; daher erscheinen immer andere Beziehungen zu den umliegenden Reichen. Derjenige, der nicht lesen kann — und zum Lesen gehört die Möglichkeit des Zusammenfassens der Dinge —, der kann viele Widersprüche sehen in den Dingen, die dargestellt werden. Aber das rührt nur davon her, daß er nicht die Gesichtspunkte ins Auge faßt, von denen aus die Dinge beleuchtet werden.

[ 20 ] Let us now consider the human astral body from a similar perspective. We approach our observations from new perspectives; therefore, different relationships to the surrounding realms always come to light. Those who cannot read—and reading involves the ability to synthesize things—may see many contradictions in the things that are presented. But this stems solely from the fact that they do not grasp the perspectives from which these things are illuminated.

[ 21 ] Unser astralischer Leib ist in einem ähnlichen Verhältnisse zur Erdenumgebung wie unser Ätherleib. Unser Ätherleib ist das ganze Tierreich, von dem Gesichtspunkte aus, den ich Ihnen angegeben habe. Unser Astralleib ist das ganze Pflanzenreich. Ganz genau so, wie ich gesprochen habe über den Ätherleib mit Bezug auf das Tierreich, müßte ich nun sprechen über unseren Astralleib in bezug auf das Pflanzenreich. Da stecken alle Pflanzenformen unserer Erde darinnen. Und wiederum ist das so: Wenn nicht alle höheren Hierarchien arbeiten würden an unserem Astralleib, so würde nach dem Durchmachen dieses Rücklaufes von dem Tod zur Geburt, wo der Astralleib allmählich abgeworfen wird, nichts anderes eintreten, als daß der Astralleib eben abgeworfen würde, und der Astralleib draußen in der Welt würde das ganze Pflanzenreich sein. Ja, es würde sich das ganze sogar zur Kugel ordnen, es würde seiner eigenen Elastizität folgen. Aber der Astralleib kann sich nicht zur Kugel ordnen, weil während unseres Lebens zwischen Geburt und Tod an unserem astralischen Leib arbeiten die Geister der Form selber, die Geister der Bewegung, die Geister der Weisheit, sogar die Geister des Willens bis zu einem gewissen Grade.

[ 21 ] Our astral body is in a similar relationship to the Earth’s environment as our etheric body. Our etheric body is the entire animal kingdom, from the perspective I have described to you. Our astral body is the entire plant kingdom. Just as I spoke about the etheric body in relation to the animal kingdom, I must now speak about our astral body in relation to the plant kingdom. All the plant forms of our Earth are contained within it. And again, this is how it is: If all the higher hierarchies were not working on our astral body, then after undergoing this return journey from death to birth—during which the astral body is gradually shed—nothing else would happen except that the astral body would simply be shed, and the astral body out in the world would be the entire plant kingdom. Indeed, it would even organize itself into a sphere, following its own elasticity. But the astral body cannot organize itself into a sphere, because during our life, between birth and death, the spirits of form themselves, the spirits of movement, the spirits of wisdom, and even the spirits of will—to a certain degree—work upon our astral body.

[ 22 ] Und wenn wir nach Jahren oder Jahrzehnten in der oftmals beschriebenen Weise nach dem Rücklauf durch das Leben den astralischen Leib allmählich befreit haben von seinem Zusammenhange mit dem irdischen Leben, dann ist zu gleicher Zeit in der Arbeit an diesem astralischen Leibe das, was die Geister der Form, der Bewegung, der Weisheit, des Willens brauchen, um dem Kosmos das einzuverleiben, was sie ihm einverleiben müssen. Das allerdings, was auf diese Weise dem Kosmos einverleibt wird, das kommt uns zugute, denn das muß darinnen sein im Kosmos. Das wird dem Kosmos anders einverwoben, als das eben vorhin Beschriebene. Wenn unser Ätherleib abgeworfen wird, wird er geradezu dem allgemeinen Weltenäther eingenäht, einverwoben, könnte ich sagen. Dasjenige aber, was jetzt, gewoben aus unserem astralischen Leib, als Arbeit der Geister der Form, der Bewegung, der Weisheit, der Throne erscheint, das wirkt zusammen mit unserem Ich, das die Zeit zwischen Tod und neuer Geburt durchmacht, und es enthält die Kräfte, die wirken müssen, damit wir wiederum in eine neue Inkarnation eintreten können. Denn damit wir in eine neue Inkarnation eintreten können, dazu gehört sehr, sehr viel! Wirklich, dasjenige, was die äußere physische Wissenschaft heute über den Bau des Schädels, des Hirnes weiß, das ist viel, so viel, daß es ja recht viele Leute gibt, denen es zuviel ist, das zu wissen. Aber wenn man dieses Wissen der äußeren Wissenschaft daraufhin betrachten würde, daß der Schädel mit dem Gehirn, dieser Wunderbau, bis in seine kleinsten Teile hinein gebildet werden sollte: wie wenig würde man mit der äußeren Wissenschaft zustande kommen, um das wirklich zu bilden! Da liegt doch ein bedeutendes Geheimnis vor. Mit diesem Geheimnis sind zwar Stumpflinge, diese Sorte von Menschen, die man Stumpflinge nennen kann, bald fertig, indem sie sagen: Was da am Menschen in der fortlaufenden Generationenfolge entsteht, kommt ganz von selbst. Daß sich so ein Menschenkopf formt im Leibe der Mutter, das kommt also ganz von selbst. |

[ 22 ] And when, after years or decades, we have gradually freed the astral body from its connection to earthly life—as has often been described—through the process of looking back on our life, then, at the same time, in the work on this astral body, we need the wisdom, movement, Wisdom, and Will need in order to incorporate into the cosmos what they must incorporate into it. That which is thus incorporated into the cosmos, however, benefits us, for it must be present within the cosmos. It is woven into the cosmos in a different way than what was just described. When our etheric body is shed, it is, so to speak, sewn into—or, I might say, woven into—the general world ether. But that which now appears—woven from our astral body as the work of the spirits of Form, Movement, Wisdom, and the Thrones—works together with our “I,” which passes through the time between death and a new birth, and it contains the forces that must act so that we may once again enter into a new incarnation. For in order for us to enter into a new incarnation, a great, great deal is required! Truly, what external physical science knows today about the structure of the skull and the brain is a great deal—so much, in fact, that there are quite a few people for whom knowing this is too much to bear. But if one were to consider this knowledge of external science in light of the fact that the skull, together with the brain—this marvelous structure—is to be formed down to its smallest parts: how little would external science actually achieve in truly forming it! There is indeed a significant mystery here. Of course, the “dullards”—that sort of person one might call “dullards”—are quick to dismiss this mystery by saying: What develops in humans through the continuous succession of generations happens all by itself. That a human head takes shape in the mother’s womb—well, that just happens all by itself. |

[ 23 ] Man kann begreifen, daß die Leute das sagen, aber wie gescheit es ist, das möchte ich Ihnen durch einen Vergleich klarmachen. Wir können hypothetisch einmal annehmen, daß es in München Wesen gäbe, die vieles sehen könnten, aber gerade den Menschen nicht, auch den Menschen bei seiner Tätigkeit nicht sehen könnten. Es wäre doch denkbar, daß solche Wesen München bevölkern, die den Menschen bei seiner Tätigkeit nicht sehen könnten. Solche Wesen, die den Menschen bei seiner Tätigkeit nicht sehen könnten, könnten aber, sagen wir zum Beispiel, die Uhren sehen. Die würden also sehen, wie es Uhren gibt und wie die Uhren gemacht werden, den Menschen sähen sie nicht, den Uhrmacher, der die Uhr zusammenfügt. Die Hände sähen sie nicht, die die einzelnen Teile zusammenfügen, sie sähen nur, wie sich aus den einzelnen Teilen die Uhr formt. Sie sähen vielleicht noch die verschiedenen Pinzetten und Zangen und so weiter, mit denen die Teile angefaßt werden, aber es wird für sie gleichsam aus der Luft heraus zusammengefaßt dasjenige, was die einzelnen Teile der Uhr sind. Was würden diese Wesen denn für eine Ansicht von den Uhren haben? Sie würden nicht sagen: In München gibt es Uhrmacher —, das würden sie ganz in Abrede stellen. Sie würden sagen: Oh, das ist ein entsetzlicher Aberglaube, anzunehmen, daß es Uhrmacher gibt, denn die Uhren entstehen ganz von selbst, man sieht ja, wie sie sich von selbst zusammenfügen.

[ 23 ] One can understand why people say that, but I’d like to use a comparison to illustrate just how sensible it is. Let’s hypothetically assume that there are beings in Munich who can see many things, but who cannot see humans—not even humans going about their activities. It would be conceivable, after all, that Munich is populated by such beings who could not see people at work. Such beings, who could not see people at work, could, however—let’s say, for example—see clocks. They would thus see that clocks exist and how they are made; they would not see the person—the clockmaker—who assembles the clock. They would not see the hands that assemble the individual parts; they would only see how the clock takes shape from the individual parts. They might also see the various tweezers, pliers, and so on, used to handle the parts, but for them, the individual parts of the clock are, as it were, assembled out of thin air. What kind of view would these beings have of clocks, then? They would not say, “There are clockmakers in Munich”—they would deny that entirely. They would say, “Oh, it is a terrible superstition to assume that there are clockmakers, for clocks come into being all by themselves; one can see, after all, how they assemble themselves.”

[ 24 ] So, wie diese Wesen urteilen würden, so urteilen die Menschen, die annehmen, daß dasjenige, was nun schon einmal auf dem physischen Wege sich nach und nach bildet, von selber entsteht. All das, was da

[ 24 ] Just as these beings would judge, so do people who assume that whatever has already gradually formed through physical processes arises of its own accord. Everything that is there

[ 25 ] entsteht, das entsteht durch die Handlungen der geistigen Wesen der höheren Hierarchien. Wahrhaftig nicht bloß durch die Wechselwirkung von Vater und Mutter und durch dasjenige, was dann im Leibe der Mutter sich bildet, bildet sich «von selbst» der Mensch, sondern die ganze Welt wirkt herein, da ist der ganze Kosmos mit den Wesen der höheren Hierarchien daran beteiligt.

[ 25 ] arises; it comes into being through the actions of the spiritual beings of the higher hierarchies. Truly, the human being does not come into being “on its own” merely through the interaction of father and mother and through what then forms in the mother’s body; rather, the entire world exerts its influence, and the whole cosmos, together with the beings of the higher hierarchies, is involved in this process.

[ 26 ] Natürlich ist der Kosmos bis in die höchsten Regionen hinauf auch an dem beteiligt, was am Haupte daranhängt; aber am menschlichen Haupt ist er ganz besonders beteiligt. Dazu wird es auch noch die physische Wissenschaft bringen — wie sich im allgemeinen physische Wissenschaft und Geisteswissenschaft allmählich ausgleichen werden —, daß sie lernen wird, in der Embryologie anders zu denken über das menschliche Haupt und anders über alle anderen Organe. Die anderen Organe, so wird man herausfinden in verhältnismäßig gar nicht ferner Zeit, hängen sehr stark von vererbten Eigenschaften ab. Viel weniger hängt die Bildung des Hauptes von vererbten Eigenschaften ab. Da werden sie nur hineingedrängt durch den Zusammenhang mit den anderen Organen. An der Bildung des menschlichen Hauptes ist wirklich der ganze Kosmos beteiligt, und zwar geistig beteiligt; er wirkt hinein in den Leib der Mutter.

[ 26 ] Of course, the cosmos is involved, even up to its highest regions, in what is attached to the head; but it is particularly involved in the human head. Physical science will also come to this—just as physical science and spiritual science will gradually come into balance—so that it will learn to think differently in embryology about the human head and differently about all other organs. The other organs, as will be discovered in the not-too-distant future, depend very strongly on inherited characteristics. The formation of the head, however, depends far less on inherited characteristics. These are merely incorporated into it through its connection with the other organs. The entire cosmos is truly involved in the formation of the human head—and it is involved spiritually; it acts into the mother’s body.

[ 27 ] Daß die Leute die Kräfte nicht sehen — nun, der Bauer schaut auch nicht die Kräfte, die am Magneten wirken —, das ist kein Beweis, daß es diese Kräfte nicht gibt. Und was da an diesem menschlichen Kopfe vorhanden ist, das ist gewissermaßen etwas, was ausgearbeitet wird im Zusammenhang mit dem, was der Mensch mitbringt in seinem Ich in die Zeit zwischen Tod und neuer Geburt, was ausgearbeitet wird von den Geistern der Form, von den Geistern der Bewegung, den Geistern der Weisheit, den Thronen, die da alle an einer mächtigen Hohlkugel arbeiten. Das, was da ausgearbeitet wird, ist riesig groß, ist eine Sphäre, und in diese Sphäre wird alles eingearbeitet. Denken Sie sich eine riesige Kugel, in deren Oberfläche eingearbeitet wird wie in einen Globus alles das, was eingearbeitet werden soll nach Maßgabe desjenigen, was zuerst einmal der Mensch da dem allgemeinen Kosmos übergeben hat in seinem Ätherleib. Das bildet gewissermaßen etwas, das man abzeichnet, wenn ich den Ausdruck gebrauchen darf. Dann aber namentlich dasjenige, was da mitgebracht worden ist aus dem Verarbeiten des astralischen Leibes. Dann kommt die Zeit — sie beginnt mit dem, was ich in dem einen Mysterium bezeichnet habe als die Mitternachtsstunde des Daseins —, wo allmählich diese Sphäre wiederum kleiner und kleiner wird. Und diese Sphäre, die da ausgearbeitet wird von hohen Geistern nach Maßgabe früherer Inkarnationen des Menschen, wird endlich so klein, immer kleiner und kleiner, und vereinigt sich mit dem Menschenkeim, der im Leibe der Mutter empfangen wird. Daraus entsteht dann vor allen Dingen die Kopfesform. Diese Entstehung der Kopfesform ist ein wunderbares Geheimnis, sie ist das Ergebnis einer jahrhundertelangen Arbeit höherer Hierarchien.

[ 27 ] The fact that people do not see these forces—well, a farmer does not see the forces acting on a magnet either—is no proof that these forces do not exist. And what is present in this human head is, in a sense, something that is worked out in connection with what the human being brings with them in their “I” into the time between death and rebirth—something that is worked out by the Spirits of Form, the Spirits of Movement, the Spirits of Wisdom, and the Thrones, all of whom are working on a mighty hollow sphere. What is being fashioned there is immense in size—it is a sphere—and everything is incorporated into this sphere. Imagine a gigantic sphere, into whose surface—as into a globe—everything that is to be incorporated is worked, in accordance with what the human being has first surrendered to the general cosmos through his etheric body. This forms, so to speak, something that is mapped out, if I may use that expression. But then, specifically, what has been brought along from the processing of the astral body. Then comes the time—it begins with what I have described in one of the Mysteries as the midnight hour of existence—when this sphere gradually becomes smaller and smaller. And this sphere, which is fashioned by high spirits in accordance with the human being’s previous incarnations, finally becomes so small—ever smaller and smaller—and unites with the human embryo conceived in the mother’s womb. From this, above all else, the shape of the head emerges. This formation of the head’s shape is a wondrous mystery; it is the result of centuries of work by higher hierarchies.

[ 28 ] Denken Sie nur einmal, wie des Menschen Empfinden über sein Verhältnis zur Welt vertieft werden kann, wenn er weiß, wie er drinnensteht im ganzen kosmischen Zusammenhange! Dieser Mensch, der sein Haupt trägt, muß lernen — in aller Bescheidenheit, ohne Stolz und Hochmut selbstverständlich —, daran zu denken, wie wenig dasjenige, was in menschlicher Weisheit vorhanden ist, von dem enthalten kann, was notwendig ist, um dieses Haupt zu bilden, das ihm gegeben ist. Den ganzen kosmischen Inhalt trägt der Mensch in sich.

[ 28 ] Just think for a moment how a person’s perception of their relationship to the world can be deepened when they understand their place within the entire cosmic context! This human being, who bears his head, must learn—in all humility, without pride or arrogance, of course—to reflect on how little of what exists in human wisdom can encompass what is necessary to form this head that has been given to him. Human beings carry the entire cosmic content within themselves.

[ 29 ] Da gewinnt, wenn man so die Sache betrachtet, Geisteswissenschaft Unendliches dadurch, daß sie der Ausgangspunkt wird für gewisse Empfindungen, die ja gefährlich werden können in der hochmütigen Seele. Ich habe darauf angespielt in dem zweiten Mysterium, wo Capesius im Gespräch mit Benedictus diese Wahrheiten an sich herantreten fühlt: daß ganze Götterleistungen dazu notwendig sind, um den Menschen zustande zu bringen. Bei vielen, die zunächst eitel veranlagt sind, kann das, und zwar recht unbewußt, die Eitelkeit noch fördern; der Mensch kann sich ungeheuer wichtig vorkommen. Gescheiter ist, wenn man mehr die Empfindung hegt, wie wenig man im Bewußtsein hat von all der Weisheit, die notwendig ist, um einen selbst zustande zu bringen!

[ 29 ] When viewed in this light, spiritual science gains infinitely by becoming the starting point for certain feelings that can indeed become dangerous in a haughty soul. I alluded to this in the second Mystery Play, where Capesius, in conversation with Benedictus, feels these truths drawing near to him: that the full power of the gods is necessary to bring a human being into being. For many who are initially vain by nature, this can—quite unconsciously—further fuel their vanity; a person may come to feel immensely important. It is wiser to cherish the realization of just how little one is aware of all the wisdom necessary to bring oneself into being!

[ 30 ] Man kann natürlich der Ansicht derjenigen sein, die da sagen: Ja, aber wozu ist es notwendig, daß der Mensch das alles weiß? Er kann ja auch ohne das Wissen von diesen Dingen leben, er lebt ganz gut ohne das Wissen von diesen Dingen. — Darin liegt ein großer Irrtum, daß der Mensch ganz gut ohne dieses Wissen leben könne. Er kann es nämlich in Wahrheit nicht. Wir leben allerdings gerade in demjenigen Zeitalter, wo man sich diesem Irrtum hingeben kann, daß man ohne das Wissen von der geistigen Welt ganz anständig auf der Erde leben kann, nämlich frühstücken, Mittag essen, Abendbrot essen und so weiter, und auch sonst noch verschiedenes daneben und dazwischen tun. Aber dieser Glaube beruht nicht auf Wahrheit. Man muß allmählich den Menschen zur Empfindung bringen, daß dieser Glaube nicht auf Wahrheit beruht.

[ 30 ] Of course, one might share the view of those who say: Yes, but why is it necessary for a person to know all this? After all, a person can live without knowing these things; in fact, they live quite well without knowing them. — Therein lies a great error: the belief that a person can live quite well without this knowledge. In truth, they cannot. We are, however, living in precisely the age when one can succumb to this misconception—that one can live quite decently on Earth without knowledge of the spiritual world, namely, having breakfast, lunch, and dinner, and so on, and doing various other things alongside and in between. But this belief is not based on truth. We must gradually lead people to realize that this belief is not based on truth.

[ 31 ] Aus einer solchen Grundlage heraus führe ich jetzt zum Beispiel in öffentlichen Vorträgen Karl Christian Planck an, diesen merkwürdigen Menschen, der jahrelang in Ulm ein einsames Dasein verlebt hat, den die Universität Tübingen nicht einmal berufen hat, als der Lehrstuhl dort frei geworden ist, weil niemand da war, der einen Einblick hatte in die Bedeutung dieses Mannes. Gewiß, die Stumpflinge werden sagen, er ist ja am Ende seines Lebens so nervös geworden, daß er allerlei, was man als Größenwahn auslegen kann, gesagt hat. Nun, das sagen die Stumpflinge. Aber ein Mensch, dem ja, wie Planck, nicht Geisteswissenschaft schon vollständige Bestätigung gegeben hat, der konnte schon nervös werden unter solcher Mißhandlung von seiten seiner Mitmenschen, und dann auch solch ein Wort aussprechen, wie er es in der Vorrede seines «Testamentes eines Deutschen» ausgesprochen hat, wo ihm das Wort des alten Römers in den Mund kam: «Undankbares Vaterland, nicht einmal meine Gebeine sollst du haben!» Aber ich habe jenen Ausspruch angeführt, den Karl Christian Planck getan hat vor dem Jahre 1880, wo er gestorben ist, und der genau dasjenige wiedergibt, was wir jetzt als unseren europäischen Weltkrieg haben. Der idealistisch anschauende Mensch war geeignet, auch die Wirklichkeit zu sehen, weil die Kraft, die sich innerlich entwickelt, wenn man in einer solchen Weise aus den Quellen des Daseins heraus zu denken vermag, zugleich das Praktischste in der Welt ist. Nicht dasjenige, was die Menschen denken, die die Praxis mit Löffeln gegessen zu haben vermeinen, ist das eigentlich Praktische. Nur durch die Brutalität der Menschen kann zur Praxis erklärt werden, wenn man jedes berechtigte Streben einfach totdrückt, das aus den wirklichen Quellen des Lebens hervorgeht.

[ 31 ] Based on this premise, I now cite Karl Christian Planck, for example, in public lectures—this remarkable man who lived a solitary existence in Ulm for years, whom the University of Tübingen did not even appoint when the chair there became vacant, because there was no one there who understood the significance of this man. Certainly, the narrow-minded will say that toward the end of his life he became so nervous that he said all sorts of things that could be interpreted as delusions of grandeur. Well, that’s what the narrow-minded say. But a person who, like Planck, had not yet received full validation from the humanities could certainly become nervous under such mistreatment at the hands of his fellow human beings, and then utter words such as those he spoke in the preface to his *Testament of a German*, where the words of the ancient Roman came to his lips: “Ungrateful fatherland, you shall not even have my bones!” But I have cited that statement made by Karl Christian Planck before the year 1880, when he died, and which precisely reflects what we now have as our European World War. The idealistically minded person was also capable of seeing reality, because the power that develops inwardly when one is able to think in such a way, drawing from the very sources of existence, is at the same time the most practical thing in the world. What people who believe they have “eaten practice with a spoon” think is not what is actually practical. Only through human brutality can something be declared “practical” when every legitimate aspiration arising from the true sources of life is simply stifled.

[ 32 ] Ich führe solche Beispiele an, um zu zeigen, wie jene Kraft des Menschen, die auch notwendig ist im äußeren praktischen Leben, das klare, eindringliche Denken, nur dadurch entstehen kann, daß die Seele des Menschen befruchtet ist von geisteswissenschaftlichen Wahrheiten. Warum können denn die Menschen in unserem Zeitalter glauben, daß das Leben der Menschheit auf Erden möglich ist, ohne daß man von geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen eine Ahnung hat? Weil sie so unendlich kurzsichtig sind! Wenn sie nicht so kurzsichtig wären, könnte man nämlich ganz äußerlich beweisen, wie unrecht diejenigen haben, die da sagen, der Mensch brauche sich nicht zu kümmern um eine geistige Welt: er werde ja von selbst geboren, wachse dann von selbst heran; eine Art Erziehung müsse ihm allerdings geboten werden, aber da stelle die heutige Pädagogik so unendlich gescheite Erziehungsprinzipien auf, die sogar heranreichen bis zu der Riesenhöhe Foersterscher Pädagogik. Nun, und dann werde man allmählich ein gesetzter Mensch, der über dasjenige nachdenkt, was er machen muß, damit die Menschheit etwas zu essen und zu trinken hat, und er auch.

[ 32 ] I cite such examples to show how that human faculty—clear, penetrating thinking—which is also necessary in external, practical life, can arise only when the human soul is enriched by the truths of spiritual science. Why, then, do people in our age believe that human life on Earth is possible without having the slightest inkling of spiritual scientific insights? Because they are so infinitely short-sighted! If they were not so short-sighted, one could in fact prove quite objectively how wrong those are who say that human beings need not concern themselves with a spiritual world: after all, they are born of their own accord and then grow up on their own; a certain kind of education must, of course, be provided, but modern pedagogy establishes such infinitely clever educational principles that they even reach the lofty heights of Foerster’s pedagogy. Well, and then one gradually becomes a settled person who reflects on what one must do so that humanity has something to eat and drink—and so does one.

[ 33 ] Aber so war es nicht immer im Menschengeschlecht. Und es ist noch nicht lange her, daß man es für möglich hält, daß der Mensch ohne den Besitz geistiger Erkenntnisse überhaupt auf der Erde leben kann. Dafür kann man auch schon äußere Beweise erbringen, und einen solchen möchte ich Ihnen anführen. Ich habe ihn jetzt in verschiedenen Zweigen angeführt. Wahrscheinlich würde man, wenn man Zeit hätte — aber in München gibt es diese Zeit ja nicht —, auch hier in München selber einen solchen Beweis finden können. Wir haben ihn neulich bei einer Betrachtung des Hamburgischen Bildermuseums gefunden. Er ergibt sich aus dem folgenden: Denken wir einmal an jenes große Symbolum, das am Beginne des Alten 'Testamentes steht, von der Verführung der Eva und des Adam, was wir kennen als die luziferische Versuchung. Nicht wahr, wenn das heute der Maler malt — es ist ja ziemlich gleichgültig, auf welchem Standpunkte er steht, ob er realistisch malt oder idealistisch, als Expressionist, Impressionist, Futurist oder was immer —, er wird immerhin glauben, am meisten der Wirklichkeit Rechnung zu tragen, wenn er Adam und Eva, nun ja, nicht wahr, mehr oder weniger scheußlich malt. Aber dazu wird er malen den Baum des Paradieses, darauf die Schlange mit einem richtigen Schlangenkopf, die Schlange so groß wie der Baum, aber mit einem richtigen Schlangenkopf. Kann das im wahren Sinne des Wortes realistisch genannt werden? Ich glaube nicht, meine lieben Freunde! Von der jetzigen Frau gar nicht zu sprechen — aber nicht einmal die Urmutter Eva kann man für so beschränkt halten, daß sie sich von einer wirklichen Schlange verführen ließe! Das kann doch nicht «realistisch» sein! Denken Sie sich eine wirkliche Schlange, die durchs grüne Gras schleicht; auf die sollte die Urmutter Eva hereingefallen sein? Nicht wahr, naturalistisch kann die Sache doch wohl nicht sein! Auch die gegenwärtige Schlange kann, trotzdem sie als wirkliches Tier herumkriecht, nur als ein Symbolum für etwas anderes aufgefaßt werden.

[ 33 ] But it was not always this way among humankind. And it was not long ago that people believed it was possible for human beings to live on Earth at all without possessing spiritual knowledge. There is already external evidence to support this, and I would like to present one such example to you. I have cited it in various contexts. If one had the time—though in Munich, of course, there is no such time—one could probably find such evidence here in Munich as well. We recently found it while viewing the Hamburg Art Museum. It arises from the following: Let us consider that great symbol at the beginning of the Old Testament—the story of the temptation of Eve and Adam, which we know as the Luciferic temptation. Isn’t it true that if a painter were to depict this today—it doesn’t really matter what his artistic stance is, whether he paints realistically or idealistically, as an Expressionist, Impressionist, Futurist, or whatever—he would at least believe he is doing the greatest justice to reality if he painted Adam and Eve, well, you know, more or less hideously. But to go along with that, he’ll paint the Tree of Paradise, with the serpent on it having a real serpent’s head—the serpent as big as the tree, but with a real serpent’s head. Can that be called realistic in the true sense of the word? I don’t think so, my dear friends! Not to mention modern women—but not even our first mother, Eve, can be considered so narrow-minded as to let herself be seduced by a real snake! That can’t possibly be “realistic”! Imagine a real snake slithering through the green grass; is that what our first mother, Eve, was supposed to have fallen for? Surely, this can’t be naturalistic! Even the snake in the present-day version, despite crawling around as a real animal, can only be understood as a symbol of something else.

[ 34 ] Aber jetzt erinnern wir uns einmal daran, was wir eigentlich für Begriffe verbinden müssen mit dieser luziferischen Verführung. Luzifer ist es ja! Die Schlange kann ja höchstens das Symbolum vom Luzifer sein. Mit dem Luziferischen ist verbunden, daß dieses Wesen während der Mondenbildung zurückgeblieben ist. Da kann man es also überhaupt nicht sehen, dieses Wesen als solches, mit physischen Augen der Erde. Wenn der Luzifer noch auf dem Standpunkte der Mondenbildung ist, da kann man ihn natürlich nicht sehen mit den gewöhnlichen physischen Augen der Erde, man kann ihn nur sehen mit innerlichen Augen. Er kann also nicht sein wie eine irdische Schlange, die man sehen kann mit gewöhnlichen physischen Augen.

[ 34 ] But now let us recall what concepts we actually need to associate with this Luciferic temptation. It is Lucifer himself! The serpent can, at most, be a symbol of Lucifer. What is associated with the Luciferic is that this being was left behind during the formation of the moons. So this being, as such, cannot be seen at all with the physical eyes of the Earth. Since Lucifer is still at the stage of the formation of the Moon, he naturally cannot be seen with the ordinary physical eyes of the Earth; he can only be seen with the inner eyes. He cannot, therefore, be like an earthly serpent that can be seen with ordinary physical eyes.

[ 35 ] Man muß sich den Luzifer schon so vorstellen, wie ihn die Geisteswissenschaft vorstellen kann. Bedenken Sie nur, daß der Mensch sein Haupt an sich trägt als dasjenige Glied, das am vollkommensten ausgebildet ist. Daran hängt — Sie brauchen ja nur das Skelett anzusehen —, ich möchte sagen auf ganz dünne Weise, wie angehängt, der übrige Organismus. An dem Haupte hängt allerdings dann das Rückgrat mit dem Rückenmark. Aber das, was physisch später entstanden ist, das hat sich vorher gebildet. Würde man zurückgehen in der Entwickelung und mit dem inneren Auge Luzifer sehen, so würde man ihn selbstverständlich in seiner Mondenbildung sehen müssen, vorbereitend das menschliche Erdenhaupt. Da würde man ein menschliches Haupt sehen, noch nicht so verdichtet, innerlich beweglich, noch vielgestaltig, und daran hängend so etwas wie menschliches Rückgrat, Rückenmark, von dem man sich ja vorstellen kann, daß es in Form eines Schlangenleibes daranhängt. So müßte man also eigentlich Luzifer malen, mit einem möglichst vieldeutigen Antlitz, und daran hängend einen Schlangenleib, der aber sich nähert dem Urbeginne des menschlichen Rückgrats. Das wäre im Sinne der Geisteswissenschaft eine Art Bild von Luzifer.

[ 35 ] One must imagine Lucifer as spiritual science can conceive him. Just consider that human beings carry their head as the most perfectly developed part of their body. Attached to it—you need only look at the skeleton— I would say in a very delicate way, as if attached, the rest of the organism. The spine, of course, with the spinal cord, is attached to the head. But what developed physically later had already formed beforehand. If one were to go back in evolution and see Lucifer with the inner eye, one would naturally have to see him in his lunar form, preparing the way for the human head on Earth. There one would see a human head, not yet so condensed, internally mobile, still multifaceted, and attached to it something like a human spine and spinal cord—which one can well imagine hanging from it in the form of a serpent’s body. So this is actually how one would have to paint Lucifer: with a face as ambiguous as possible, and attached to it a serpent’s body—one that, however, approaches the very beginning of the human spine. In the sense of spiritual science, this would be a kind of image of Lucifer.

[ 36 ] Nun gibt es in dieser Hamburgischen Bildergalerie aus dem 13., 14. Jahrhundert ein Bild von Meister Bertram, das die biblische Schöpfungsgeschichte darstellt, und wo dieses paradiesische Symbolum wirklich in der Weise gemalt ist, daß Luzifer, so wie ich ihn jetzt beschrieben habe, genau im Sinne unserer Geisteswissenschaft gemalt ist. Also im 13., 14. Jahrhundert hat der Meister Bertram richtig im geisteswissenschaftlichen Sinne den Luzifer gemalt. Das ist etwas, was man sehen kann. Dies ist eine historische Tatsache.

[ 36 ] Now, in this Hamburg picture gallery from the 13th and 14th centuries, there is a painting by Master Bertram that depicts the biblical story of creation, and in it this paradisiacal symbol is truly painted in such a way that Lucifer, just as I have now described him, is depicted exactly in the spirit of our spiritual science. So in the 13th and 14th centuries, Master Bertram painted Lucifer correctly in the spiritual-scientific sense. This is something that can be seen. It is a historical fact.

[ 37 ] Wir haben ja öfter hingewiesen auf das alte atavistische Hellsehen, das erst nach und nach verglommen ist. Aber was der Meister Bertram da gemalt hat, das weist noch darauf hin, daß bis ins 13., 14. Jahrhundert herein die Möglichkeit vorhanden war, Luzifer richtig im Sinne der alten Geisteswissenschaft, der atavistischen Geisteswissenschaft zu malen. Man kann also äußerlich beweisen, daß es erst ein paar Jahrhunderte her ist, seit die Menschen so geistverlassen geworden sind wie jetzt. Solche Beweise werden Sie genug finden.

[ 37 ] We have, after all, often referred to the ancient, atavistic clairvoyance that only gradually faded away. But what Master Bertram painted there still indicates that, well into the 13th and 14th centuries, it was still possible to depict Lucifer correctly in the sense of ancient spiritual science—that is, atavistic spiritual science. One can thus demonstrate objectively that it has only been a few centuries since people became as spiritually desolate as they are now. You will find plenty of such evidence.

[ 38 ] Das heißt, dasjenige, was die Stumpflinge heute für die urewige Natur der Menschenseele halten — daß man durch seine Augen hinaussieht und das, was man durch seine Augen sieht, mit dem Verstande kombiniert —, das ist überhaupt erst eine menschliche Seeleneigenschaft seit ein paar Jahrhunderten. Vorher haben alle Menschen gewußt von einem Zusammenhang mit der geistigen Welt. Natürlich ist es allmählich verglommen. Aber wir finden, daß selbst noch im 13., 14. Jahrhundert Menschen so malen konnten, daß es im Sinne der alten Wissenschaft ist. Es ist wichtig, eine solche Tatsache zu beachten. Aus dieser Tatsache ersieht man, wie die alte Geisteswissenschaft, die ja, wie wir wissen, weichen mußte um der Ausbildung der menschlichen Freiheit willen, bis ins 13., 14. Jahrhundert noch in den Seelen lebendig war. Weil da die Bewußtseinsseele ausgebildet werden mußte, mußte zurückweichen die alte Geisteswissenschaft.

[ 38 ] In other words, what the Stumpfling school today considers to be the eternal nature of the human soul—that one looks out through one’s eyes and combines what one sees through them with one’s intellect—has only been a characteristic of the human soul for a few centuries. Before that, all people were aware of a connection to the spiritual world. Of course, this gradually faded away. But we find that even as late as the 13th and 14th centuries, people were still able to paint in a way that is in keeping with the spirit of the ancient science. It is important to take note of this fact. From this fact, one can see how the ancient spiritual science—which, as we know, had to give way for the sake of the development of human freedom—was still alive in people’s souls as late as the 13th and 14th centuries. Because the conscious soul had to be developed at that time, the ancient spiritual science had to give way.

[ 39 ] Aber die Geisteswissenschaft muß wieder zurückgeholt werden. Heute lebt die Menschheit noch in bezug auf alles dasjenige, was Erfindungsgeist ist, was schöpferischer Geist ist, auf allen Gebieten von der alten Erbschaft, die durch die alte Geisteswissenschaft hereingekommen ist. Wenn heute einem etwas einfällt, das noch nicht da war, so ist es, weil noch immer fortwirkt die alte Geisteswissenschaft. Aber es wird keine fünfzig, keine hundert Jahre mehr dauern, da werden alle Erfindungen und alle Einfälle, die durch Schöpferisches in der Menschenentwickelung bewirkt werden, verschwunden sein, auch auf dem Gebiet des Maschinenwesens, wenn die Geisteswissenschaft nicht befruchtend auf die Menschheit wirken kann. Geisteswissenschaft muß eben von unserer Zeit an in die Entwickelung des Menschengeschlechts sich hineinstellen, sonst wird dieses Menschengeschlecht auf der Erde steril und unfruchtbar im Seelenleben.

[ 39 ] But spiritual science must be brought back. Today, when it comes to everything related to inventiveness and creativity in all fields, humanity still lives off the ancient heritage that was brought to us through the old spiritual science. When something occurs to someone today that did not exist before, it is because the old spiritual science continues to have an effect. But it will not be another fifty or even a hundred years before all inventions and all ideas brought about by creativity in human development will have disappeared—even in the field of mechanical engineering—if spiritual science cannot have a fertilizing effect on humanity. Spiritual science must, starting from our time, become an integral part of the development of the human race; otherwise, this human race will become sterile and barren in its soul life on Earth.

[ 40 ] Heute tritt es einem ja erst mehr oder weniger stark entgegen, aber gar oftmals sehr stark auf dem Gebiet der Kunst. Da tritt es einem recht stark entgegen, daß die Menschen gewissermaßen geistverlassen sind, wenn sie nichts anderes mehr in das Kunstwerk hineinzugeheimnissen finden als dasjenige, was sie in der äußeren Natur vorgebildet haben, wenn also die innerliche Befruchtung vom Geiste aus schon vollständig fehlt.

[ 40 ] Today, this phenomenon is more or less evident—and often very pronounced—in the realm of art. It is quite striking that people are, so to speak, spiritually bereft when they can find nothing else to uncover in a work of art other than what they have preconceived from external nature—that is, when inner inspiration from the spirit is completely absent.

[ 41 ] Diese Dinge stehen auf der einen Seite. Sie zeigen uns, wie es notwendig ist, daß der Mensch gewahr werde, daß er als ganzer Mensch im Zusammenhange mit Wesen höherer Reiche steht. Man kann sich Menschen denken — es gibt heute noch solche —, die nichts davon wissen, daß es Luft gibt; für sie ist der Raum leer. Wenigstens kommt es ihnen nicht zum Bewußtsein, daß es Luft gibt. Aber der physische Leib ist im Grunde genommen gar nicht denkbar ohne die umliegende Luft, denn, was sind wir mit unserem physischen Leib ohne die umliegende Luft? Wir denken ihn abgeschlossen, weil er in seiner Haut eingeschlossen ist. Aber das ist ja ein dummer Gedanke. Hier ist die Luft, im nächsten Moment ist die Luft in Ihnen, dann wieder draußen. Gehört diese Luft, die dann im nächsten Moment draußen ist, nicht ebenso zu Ihnen wie der Muskel in Ihrem physischen Leib? Haben Sie da nicht, was draußen ist, drinnen? Und dann wiederum, was drinnen ist, draußen? Aber ebenso, wie wir mit unserem physischen Leib eins sind mit der Luft, so sind wir mit Bezug auf unser Seelisches, mit Bezug auf unseren Ätherleib eins mit den Wesen, die durch die Welt weben und leben als Angeloi, Archangeloi, Archai, durch unseren Astralleib eins mit den Wesen, die durch die Welt weben und leben, den Thronen, den Geistern der Weisheit, der Bewegung, der Form. Die wirken fortwährend in uns, wie die Luft fortwährend in unserem physischen Leib wirkt. Das gibt uns das rechte Bewußtsein der Wesen heit des Menschen, wenn wir solches wissen.

[ 41 ] These things are on one side. They show us how necessary it is for human beings to become aware that, as whole human beings, they are connected to beings of higher realms. One can imagine people—and such people still exist today—who know nothing of the existence of air; for them, space is empty. At least, it does not occur to them that air exists. But the physical body is, in essence, inconceivable without the surrounding air; for what are we, with our physical bodies, without the surrounding air? We think of it as self-contained because it is enclosed within our skin. But that is, of course, a foolish notion. Here is the air; the next moment, the air is inside you, then outside again. Does this air—which is outside the next moment—not belong to you just as much as the muscle in your physical body? Do you not have, in a sense, what is outside, inside? And then again, what is inside, outside? But just as we are one with the air through our physical body, so too—in relation to our soul life, in relation to our etheric body—are we one with the beings who weave through the world and live as Angeloi, Archangeloi, and Archai; and through our astral body, we are one with the beings who weave through the world and live as the Thrones, the spirits of wisdom, movement, and form. They are constantly at work within us, just as the air is constantly at work within our physical body. This gives us the true awareness of the nature of the human being when we know this.

[ 42 ] Das ist.die eine Seite der Sache. Dann aber gibt es noch eine andere Seite der Sache. Und ich möchte schon von diesen verschiedenen Seiten einer heute notwendigen Betrachtungsweise eine Vorstellung bei Ihnen hervorrufen. Lesen Sie einmal — es ist ein anschaüliches Beispiel — «Die Brüder Karamasow» von Dostojewskij. In diesen «Brüdern Karamasow» kommen unter anderen Gestalten vier Persönlichkeiten vor, die vier Söhne des alten Karamasow, Dmitrij Karamasow, Iwan Karamasow, Aljoscha Karamasow, Smerdjakow Karamasow. Es ist sehr merkwürdig, wie dieser Roman Dostojewskijs gerade in Mitteleuropa gewirkt hat. Ich müßte viel sprechen darüber, wenn ich die ganze Art und Weise darlegen wollte, wie aus dem Menschenleben so etwas hervorgeht und durch eine Seele, wie die Dostojewskij-Seele war, zieht und solches Werk wird wie «Die Brüder Karamasow». Aber ich will nur soviel sagen: Man kann große Bewunderung haben für die eindringliche psychologische Kunst — so nennen sie ja wohl viele Leute der Gegenwart, weil heute so wenig bekannt ist, was wirkliche psychologische Kunst ist —, auch für eine gewisse eindringliche feine Beobachtung des Lebens; trotzdem, wer es vielleicht dazu gebracht hat, geisteswissenschaftliche Begriffe und Vorstellungen nicht so aufzunehmen, daß er lernt: der Mensch besteht aus physischem Leib, Ätherleib, astralischem Leib und Ich, auf einer Tafel aufgeschrieben oder, wie man es früher gemacht hat, mit Farben, daß man es sich merken kann, wer das also nicht so aufnimmt, sondern sich allmählich durchdringt mit diesen Gliedern der Menschennatur, so wie wir es im Laufe der Jahre versuchen, der hat ein unbehagliches Gefühl gegenüber der ja vielfach chaotischen Schilderung in den «Brüdern Karamasow». Da ist allerdings vieles, das, wenn man nur auf das Äußere sieht, schon feine Lebensbeobachtung genannt werden kann, zum Beispiel, daß der älteste Karamasow von einer anderen Mutter ist, mit ganz anderen Charaktereigenschaften als die beiden mittleren Brüder, der Iwan, der Aljoscha, und daß der vierte, der eigentlich eine Art Kind ist, wieder von einer ganz anderen Mutter abstammt. Der alte Karamasow ist ja ein außerordentlich großer, ganz phänomenaler Lump, der alle möglichen Lebensallotria treibt, so daß dieser Smerdjakow eine ganz eigentümliche Person zur Mutter hat. Man weiß eigentlich gar nicht von ihm, daß er der Sohn des alten Karamasow ist. — Aber ich will ja nicht den Roman erzählen, doch wenn man das auch einmal in dieser Weise betrachtet, wer die Mütter der vier Brüder Karamasow waren, so kann man das Gefühl haben: da steckt überall etwas dahinter! Und es ist schon so, ein mitteleuropäischer Mensch würde nicht so schildern. Ein mitteleuropäischer Mensch schildert viel, viel bewußter, und daher bringt er nicht so viele ganz unterbewußte Faktoren in seine Schilderungen hinein wie Dostojewskij. Er stellt mehr zusammen, und da er nur das zusammenstellt, was er mehr oder weniger weiß, so ist er natürlich weniger reich als ein Dostojewskij, der nicht auf das hingeht, was er weiß, sondern vom Leben abschreibt. Aber das Leben ist reicher, als die Menschenseele weiß, durch das, was da als Geist dahinter ist.

[ 42 ] That is one side of the matter. But there is also another side to it. And I would like to give you an idea of these different aspects of a perspective that is necessary today. Take a look—it’s a vivid example—at Dostoevsky’s *The Brothers Karamazov*. Among the various characters in *The Brothers Karamazov* are four figures: the four sons of old Karamazov—Dmitri Karamazov, Ivan Karamazov, Alyosha Karamazov, and Smerdyakov Karamazov. It is very remarkable how this novel by Dostoevsky has had an impact, particularly in Central Europe. I would have to speak at length about it if I were to explain the entire process by which something like this emerges from human life and is channeled through a soul such as Dostoevsky’s, resulting in a work like *The Brothers Karamazov*. But I will say only this much: One can have great admiration for the penetrating psychological art—as many people today call it, since so little is known nowadays about what true psychological art is—and also for a certain penetrating, subtle observation of life; nevertheless, anyone who has perhaps failed to grasp spiritual scientific concepts and ideas in such a way as to learn—as written on a blackboard or, as was done in the past, with colors so one can remember it—anyone who does not absorb it in this way, but instead gradually immerses themselves in these aspects of human nature, just as we have been trying to do over the years, will feel uneasy about the often chaotic depiction in *The Brothers Karamazov*. There is, however, much in the novel that—if one looks only at the surface—can already be called keen observation of life; for example, the fact that the eldest Karamazov has a different mother and possesses character traits entirely different from those of the two middle brothers, Ivan and Alyosha, and that the fourth, who is actually something of a child, is descended from yet another mother entirely. Old Karamazov is, after all, an extraordinarily great, truly phenomenal scoundrel who gets up to all sorts of mischief in life, so that this Smerdyakov has a very peculiar person as his mother. You don’t actually know that he is Old Karamazov’s son. — But I don’t want to retell the novel; still, if you consider it this way—who the mothers of the four Karamazov brothers were—you get the feeling that there’s something behind it all! And it’s true: a Central European wouldn’t describe it that way. A Central European writes in a much, much more conscious way, and therefore does not incorporate as many entirely subconscious factors into his descriptions as Dostoevsky does. He pieces things together more, and since he only pieces together what he more or less knows, he is naturally less rich in expression than a Dostoevsky, who does not rely on what he knows but draws from life itself. But life is richer than the human soul realizes, because of what lies behind it as spirit.

[ 43 ] Und nun bekommt man dem allem gegenüber ein solches Gefühl: Da ist durch einen unendlich chaotischen Geist, durch einen Geist, der ja durch seine Epilepsie ganz chaotisch gemacht worden ist, durch eine ganz krankhafte Seele vieles gezogen, und zwar deshalb, weil in unserem Zeitalter gleichsam die Natur das Menschenleben geneigt macht, das eine oder das andere zu offenbaren. Und dann kann man darauf kommen, wenn man sich eine richtige Empfindung, eine reale Vorstellung verschafft hat von dem, was man unter physischem Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich versteht, daß in den vier Brüdern Karamasow menschliche Wesenheiten dastehen, die man richtig begreift, wenn man sagt: In dem einen liegt ein Mensch vor, in dem mehr das eine Glied der menschlichen Natur, der physische Leib, wirkt, zur Wirkung gekommen ist; in dem anderen der Brüder liegt mehr eine menschliche Wesenheit vor, wo der Ätherleib zur Wirkung gekommen ist, in dem dritten Bruder mehr der Astralleib, in dem vierten Bruder mehr das Ich.

[ 43 ] And now, in the face of all this, one gets the feeling that: Much has been drawn forth by an infinitely chaotic mind—a mind that has, after all, been rendered entirely chaotic by his epilepsy—by a thoroughly diseased soul; and this is because, in our age, nature, as it were, inclines human life to reveal one thing or another. And then, once one has gained a true sense, a real conception of what is meant by the physical body, the etheric body, the astral body, and the I, one can come to the conclusion that the four Karamazov brothers represent human beings who can be properly understood when one says: In one, there is a human being in whom one aspect of human nature—the physical body—is more active and has come to the fore; in another of the brothers, there is a human being in whom the etheric body has come to the fore; in the third brother, the astral body is more prominent; and in the fourth brother, the “I” is more prominent.

[ 44 ] So ist es wirklich, wenn Sie diesen Roman Dostojewskijs «Die Brüder Karamasow» nehmen und diese vier Brüder innerlich betrachten, daß Sie sich sagen können: In all dem, was da als Menschenstrudel auf den Dichter wirkt und ihn anleitet, mehr aus einem Unbewußten heraus zu schildern, wirken diese vier verschiedenen Glieder der Menschennatur so, daß bei dem einen das Ich, bei dem anderen der Astralleib und so weiter die Oberhand hat, so daß diese vier Brüder Karamasow gleichsam die auseinandergezogene Menschheit sind, wie das Tierreich der auseinandergezogene Ätherleib ist. Und da findet man, wenn man einzugehen vermag auf eine solche Sache, in Smerdjakow Karamasow den physischen Leib vorwiegend, in Iwan Karamasow den Ätherleib, in Aljoscha den Astralleib, in Dmitri das Vorwiegen des Ich. Wenn das auch zunächst sonderbar ist, aber es ist eben nach realen Anschauungen geschaut, nicht wie man es konstruieren würde; konstruieren würde man es wahrscheinlich ganz anders, aber so ist es, wenn man die Dinge in der Wirklichkeit sieht.

[ 44 ] This is truly the case when you take Dostoevsky’s novel *The Brothers Karamazov* and look inwardly at these four brothers, so that you can say to yourself: In all that which, as a human maelstrom, affects the writer and guides him, to depict more from the unconscious, these four distinct aspects of human nature act in such a way that in one the ego, in another the astral body, and so on, has the upper hand, so that these four Karamazov brothers are, as it were, humanity pulled apart, just as the animal kingdom is the etheric body pulled apart. And if one is able to delve into such a matter, one finds in Smerdyakov the physical body predominating, in Ivan the etheric body, in Alyosha the astral body, and in Dmitri the predominance of the “I.” Although this may seem strange at first, it is viewed according to real observations, not as one might construct it; one would probably construct it quite differently, but this is how it is when one sees things as they really are.

[ 45 ] So liegt hier das Eigentümliche vor, daß ein Dichter, der vorzugsweise aus dem Unterbewußten heraus schafft und sogar ein chaotisches Seelenleben durch seine Epilepsie hat, hingestoßen wird nach der Wirklichkeit, außerdem noch verwandt wird in seinem astralischen Leibe, also wiederum in seinem Unterbewußten, mit dem, was durch die Welt webt und lebt. Denn, meine lieben Freunde, wir dürfen es schon glauben, daß man nicht umsonst, wie Dostojewskij, bereits unter dem Galgen steht und wartet, daß man gehängt wird — vorher sind die anderen gehängt worden; man wartet und ist bereit, gehängt zu werden —, und im allerletzten Augenblick kommt noch die Begnadigung! Es ist das allerdings etwas, was in einer Menschenseele andere Empfindungen auslöst, als ausgelöst werden können in einer Menschenseele, die das nicht durchgemacht hat: im nächsten Augenblick gehängt werden zu können. Man muß das schon berücksichtigen.

[ 45 ] Herein lies the peculiarity: a poet who creates primarily from the subconscious—and whose epilepsy even causes a chaotic inner life—is thrust into reality; moreover, in his astral body—that is, once again in his subconscious—he is connected to that which weaves and lives throughout the world. For, my dear friends, we may well believe that it is not for nothing that, like Dostoevsky, one stands beneath the gallows waiting to be hanged—the others have already been hanged; one waits and is ready to be hanged—and at the very last moment, a pardon is granted! This is certainly something that triggers different feelings in a human soul than can be triggered in a human soul that has not gone through this: the possibility of being hanged at any moment. One must certainly take this into account.

[ 46 ] Das alles aber zeigt uns, wie dadurch, ich möchte sagen, die Wirklichkeit gerade auf eine solche Seele in unserer Zeit so wirken konnte, daß diese Seele nun chaotisch durch das ganze Romanwerk hindurch wirklich vier Brüder schildert, die in dieser Weise ausgestattet sind, wie ich es Ihnen geschildert habe, und die man nur versteht, wenn man dieses weiß und empfinden kann. Dann wird man zum Beispiel begreifen, warum derjenige, der den Ätherleib vorwiegend hat, und derjenige, der den physischen Leib vorwiegend hat, warum diese gerade abstammen müssen auch von einer Person, die wiederholt gewisse hysterische Anfälle hat. Und so klären sich alle Einzelheiten wunderbar auf, wenn man dies berücksichtigt.

[ 46 ] All of this, however, shows us how—I would say—reality could have influenced such a soul in our time in such a way that this soul now chaotically depicts, throughout the entire novel, four brothers who are endowed in the manner I have described to you, and whom one can only understand if one knows and can feel this. Then one will understand, for example, why the one who is predominantly in the etheric body and the one who is predominantly in the physical body—why these two in particular must also be descended from a person who repeatedly experiences certain hysterical fits. And so all the details become wonderfully clear when one takes this into account.

[ 47 ] Daraus ist aber ersichtlich, wonach unsere Zeit drängt in einem Volksgebiete, das, wie ich wiederholt geschildert habe, dazu geeignet ist, gewissermaßen die Blutseigenschaften herzugeben, die sich verbinden sollen mit den mitteleuropäischen Eigenschaften, wie ich es vorgestern hier beschrieben habe. Verstehen, was geschieht — auch bei denen, die in dieses Geschehen noch unbewußt einverwoben sind —, man kann es in der Gegenwart nur, wenn man Geisteswissenschaft hat, Es sieht albern aus, wenn man das sagt, aber lassen Sie uns das schon einmal aussprechen: Die Welt ist tief, und etwas zu wissen und beurteilen zu können über die Welt, ist nicht eine so einfache Sache, wie es sich die Menschen heute vorstellen, die das Leben so führen, wie nun schon einmal dieses Leben geführt wird. Diese Menschen gehen traumhaft und berauscht durch das Leben, ohne daß sie irgend etwas wissen von dem, was um sie her vorgeht.

[ 47 ] From this, however, it is evident what our time is striving for in a region that, as I have repeatedly described, is suited to providing, so to speak, the blood characteristics that are to be combined with the Central European characteristics, as I described here the day before yesterday. Understanding what is happening—even among those who are still unconsciously entwined in these events—is possible in the present only through spiritual science. It may sound silly to say so, but let us state it plainly: The world is profound, and knowing and being able to judge anything about the world is not as simple a matter as people today imagine—people who lead their lives in the way that life is led these days. These people go through life in a dreamlike, intoxicated state, without knowing anything about what is happening around them.

[ 48 ] Es bereiten sich schon einmal große Dinge vor, und es ist ja nicht so leicht, die Menschen auf solche Dinge aufmerksam zu machen. Nicht wahr, Sie gehören — wenigstens durch Ihr Karma — zu denjenigen Menschen, die nach und nach sich auf diese Dinge einlassen, durch Jahre hindurch diese Dinge anhören und sie sich so allmählich aneignen und eine Vorstellung dafür bekommen, was alles unter der Oberfläche des Lebens ist. Der außenstehenden Menschheit kann man wohl manchmal — und man kann ja nicht weit gehen — Andeutungen geben über diese Dinge. Dann sitzen aber gerade diejenigen da, die besonders Gescheite sind und die vor allen Dingen den Glauben haben, daß der, der wirklich geisteswissenschaftlich spricht und dies oder jenes sagt, nichts anderes weiß, als was er sagt; die gar keine Ahnung haben, daß alles aus einem umfassenden Wissen heraus geholt werden muß, aber aus einem Wissen, das wirklich erhärtet werden kann an den Einzelheiten, das gerade dann interessant wird, wenn es an den Einzelheiten erhärtet wird.

[ 48 ] Great things are already in the making, and it’s not so easy to draw people’s attention to such things. Don’t you agree that you—at least through your karma—belong to those people who gradually open themselves up to these things, who listen to them over the years and thus gradually take them in, gaining an understanding of all that lies beneath the surface of life? To the general public, one can sometimes—though one cannot go too far—give hints about these things. But then there are precisely those who are particularly clever and who, above all, believe that anyone who truly speaks from a spiritual-scientific perspective and says this or that knows nothing more than what they say; who have no idea at all that everything must be drawn from a comprehensive body of knowledge—but from a knowledge that can truly be substantiated by the details, and which becomes interesting precisely when it is substantiated by the details.

[ 49 ] Daß manches in der Menschheitsentwickelung anders werden muß, das werden Sie daraus erkennen, daß ich Ihnen diese zwei Tatsachen zusammengestellt habe: auf der einen Seite habe ich Ihnen gezeigt, was im Menschen ist, auf der anderen Seite, wie man Dinge, die sich wirklich jetzt vollziehen, sehen muß. Wenn ein Mensch, der nichts gelernt hat vom Mikroskopieren, ins Mikroskop hineinschaut, so sieht er doch gewöhnlich nichts. So sieht der Mensch auch gewöhnlich nichts, wenn er so ins Leben schaut, das 19. Jahrhundert im Osten betrachtet und bemerkt, daß da auch ein Dostojewskij gelebt und «Die Brüder Karamasow» geschrieben hat. Und weil in dem, was in den «Brüdern Karamasow» von Dostojewskij da ist, das unterirdische Element lebt, weil das wirklich in ihm vorhanden ist — mit dem, was da wiederum im Osten vorhanden ist —, so ist es auch zum Bewußtsein gekommen im Osten, daß man eine gewisse Art, sich ins Leben hineinzustellen, genannt hat «Karamasowschtschina». Dasjenige, was so gelebt wird wie das Leben der Brüder Karamasow, ist die Karamasowschtschina. Ja, es ist eigentlich schwer zu sagen, denn es ist ein viel qualitativerer Begriff, als wenn man für München hier sagen würde «Strizzitum»; das ist viel abstrakter! Es ist dort viel konkreter. Es ist ja auch selbstverständlich nicht dasselbe. Aber es steht dort im Leben darinnen und geht in die Kunst über, und man versteht, wie notwendig es ist, damit man sieht, was vorgeht, daß man im Hintergrund seiner Seele beim Schauen das hat, was eben nur aus der Geisteswissenschaft stammen kann.

[ 49 ] You will recognize that certain aspects of human development must change from the fact that I have presented these two facts to you: on the one hand, I have shown you what lies within the human being; on the other hand, how one must view the things that are truly taking place now. When a person who has never learned how to use a microscope looks into it, they usually see nothing. In the same way, people usually see nothing when they look at life in this way—when they consider the 19th century in the East and note that Dostoevsky lived there and wrote *The Brothers Karamazov*. And because the subterranean element lives within what is found in Dostoevsky’s *The Brothers Karamazov*—because it is truly present there—in conjunction with what is likewise present in the East—it has also come to be recognized in the East that a certain way of relating to life has been called “Karamazovism.” That which is lived in the manner of the Karamazov brothers’ lives is Karamazovism. Yes, it is actually difficult to explain, for it is a far more qualitative concept than if one were to say “Strizzitum” here in reference to Munich; that is much more abstract! There, it is much more concrete. Of course, it is not the same thing. But it is present in life there and flows into art, and one understands how necessary it is—in order to see what is happening—to have in the background of one’s soul, while observing, that which can come only from spiritual science.

[ 50 ] Auch aus den äußeren Vorgängen, die ja insbesondere jetzt dem Menschen so vor Augen treten können, wenn er nur gedankenvoll auf das Leben hinsieht, zeigt sich dieselbe Notwendigkeit, von der ich eben gesprochen habe und die ich Ihnen von zwei Seiten her zu beleuchten versuchte.

[ 50 ] Even the external events—which, especially now, can become so evident to a person if they simply observe life thoughtfully—reveal the same necessity that I have just spoken of and that I have tried to illuminate from two different perspectives.

[ 51 ] Eine außerordentlich betrübliche Erscheinung in der jetzigen Zeit ist zum Beispiel die folgende. Sehen Sie, da hat es lange Zeit vor dem Kriege ja allgemeine Urteile gegeben: man hat gewisse Menschen für auf diesem oder jenem Gebiete hervorragende Menschen gehalten. Es war gar kein Grund, sich besonders dagegen aufzulehnen, denn sie haben im Sinne der heutigen Kultur, die materialistisch ist, auch Hervorragendes geleistet. Nun kam der Krieg. Diese Menschen haben sich geäußert, haben Briefe geschrieben. Es ist ganz unglaublich, was Menschen, die als hervorragende Menschen in aller Welt galten, nachdem dieser Krieg ausgebrochen ist, für Zeug geschrieben haben! Lesen Sie die Briefe, die sie seit Kriegsausbruch geschrieben haben, lesen Sie, um auf ein anderes Gebiet zu kommen, die Briefe, die zum Beispiel der Mann geschrieben hat — man braucht ja seine Ansichten nicht zu teilen —, der ja vielen als ein hervorragender, überzeugter Freigeist gelten mußte: Kropotkin! Was hat er für dumme, blitzdumme Briefe geschrieben seit dem Ausbruch dieses Krieges! Das sind Dinge, die doch außerordentlich ins Gewicht fallen.

[ 51 ] An exceptionally sad phenomenon in the present day is, for example, the following. You see, for a long time before the war, there were general opinions: certain people were considered outstanding in this or that field. There was no reason at all to object to this, for they had indeed achieved great things in the spirit of today’s materialistic culture. Then the war came. These people spoke out; they wrote letters. It is quite unbelievable what people who were regarded as outstanding figures all over the world wrote after this war broke out! Read the letters they’ve written since the war broke out; to shift to another subject, read, for example, the letters written by the man—you don’t have to share his views, of course—who was surely regarded by many as an outstanding, staunch free thinker: Kropotkin! What stupid, utterly foolish letters he has written since the outbreak of this war! These are things that carry extraordinary weight.

[ 52 ] Ich möchte sagen: Es zeigt sich gerade jetzt, wo die Menschheit sehr schnell hereingebrochenen, gewaltigen Situationen gegenübersteht, wie wenig eigentlich die Menschen, auch wenn es hervorragende Leute sind, gerade mit ihrem Denken demjenigen gewachsen waren, was da eben einmal nicht im gewöhnlichen bequemen Programm hereingebrochen ist. Am besten sind dabei noch — von ihrem Standpunkte aus — die gewöhnlichen Philister daran; nicht für unseren Standpunkt, aber für den modernen Standpunkt. Nun, die leben ja jetzt auch weiter und urteilen weiter nach ihren eigenen Anschauungen. Diese eigenen Anschauungen, wie kommen die zumeist zustande? Man kennt das ja, die Menschen geben heute nichts auf Autorität, sie haben ihre eigenen Anschauungen, die sie sich selber gebildet haben. Diese eigenen Anschauungen beruhen allerdings meist nur darauf, daß es sich bei diesen eigenen Anschauungen um solche handelt, bei denen man vergessen hat, in welchem Blatte oder in welchem Programm man sie gelesen hat. Das sind die eigenen Anschauungen! Man unterscheidet zwischen fremden Anschauungen und eigenen Anschauungen; die letzteren zeichnen sich dadurch aus, daß man vergessen hat, wo man sie gelesen hatte.

[ 52 ] I would like to say: It is becoming apparent right now, as humanity faces immense situations that have come upon us very suddenly, just how little people—even outstanding individuals—were actually prepared, in their thinking, to cope with what has just burst in, breaking away from the usual, comfortable routine. From their own standpoint, the ordinary philistines are actually best equipped to deal with this—not from our standpoint, but from the modern one. Well, they, too, are carrying on with their lives and continuing to judge things according to their own views. How do these personal views usually come about? As we know, people today place no value on authority; they have their own views, which they have formed for themselves. These personal views, however, are usually based solely on the fact that they are views one has read in some newspaper or program but has since forgotten the source. These are one’s own views! A distinction is made between the views of others and one’s own views; the latter are characterized by the fact that one has forgotten where one read them.

[ 53 ] Alle diese Dinge weisen uns darauf hin, daß vieles, vieles gerade im geistigen Leben ganz anders werden muß, daß die Menschen sich werden bequemen müssen, nicht so durch die Welt zu gehen, wie die Materialisten durch die Welt gehen, die da eigentlich immer träumen über die Welt. Sie glauben natürlich, daß die anderen träumen, aber in Wahrheit träumen die Materialisten, die eigentlich niemals recht aufwachen. Es muß schon anders werden mit dem Anschauen des geistigen Lebens, und daß es anders werden soll, das müßte schon in das Bewußtsein derjenigen eindringen, die sich mit dem eigentlichen Lebensnerv gerade der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung mit ihrem Herzen verbinden wollen.

[ 53 ] All these things point out to us that much, much must change—especially in spiritual life—and that people will have to get used to not going through the world the way materialists do, who are actually always dreaming about the world. Of course, they believe that others are dreaming, but in truth it is the materialists who are dreaming—they never really wake up. Our perspective on spiritual life must change, and the realization that it must change should already be taking root in the consciousness of those who wish to connect their hearts to the very lifeblood of the spiritual-scientific worldview.

[ 54 ] Wir mußten bei dieser Anwesenheit einmal ernstere Worte sprechen, aus dem einfachen Grunde, weil ja heute gerade die Dinge so stehen, daß man die Gelegenheiten benützen muß, die sich vielleicht nicht immer so leicht finden. Es ist gegenwärtig das Herumreisen schwierig. Es hängt das alles doch auch mit dem zusammen, was ich ja wiederholt schon hier erwähnt habe und was im Zusammenhange auch betrachtet werden kann mit dem, was ich auch heute wiederum gesagt habe.

[ 54 ] Given this gathering, we had to speak more seriously on this occasion, for the simple reason that, given the current state of affairs, we must take advantage of opportunities that may not always be so easy to find. Traveling around is difficult at present. All of this is, after all, connected to what I have already mentioned here repeatedly and can also be considered in connection with what I have said again today.

[ 55 ] Ich habe heute wiederum gesagt, daß unser Ätherleib nicht einfach so etwas ist, was wir wie den Träger unserer Gedanken, die wir als unser Eigentum betrachten, so durch das Leben schleppen, und er sich dann einfach so verflüchtigt. Nein, er verflüchtigt sich nicht! Er ist dasjenige, was einverwoben wird dem allgemeinen Weltenäther, nachdem ganze Hierarchien daran gearbeitet haben.

[ 55 ] I said again today that our etheric body is not simply something we drag through life as the vessel of our thoughts—which we regard as our property—and that it then simply vanishes. No, it does not simply vanish! It is that which becomes interwoven with the universal world ether after entire hierarchies have worked upon it.

[ 56 ] Wenn aber Hunderte und Tausende von Menschen, so wie es jetzt der Fall ist, durch den Tod abgehalten worden sind, ihren Ätherleib durch so viele Jahrzehnte zu tragen, wie das im menschlichen Leben normal ist, wenn so viele junge Ätherleiber übergeben werden der geistigen Welt, der Ätherwelt, so tritt eben dasjenige ein, was ich oftmals geschildert habe: diese Ätherleiber bleiben da mit demjenigen Teil, der noch hätte verwendet werden können für die Welt selber; denn es geht keine Kraft verloren. Das wird oben sein. Aber wie es wirken wird oben, das wird davon abhängen, wie die Seelen unten sind. Kraft zum geistigen Fortschritt werden die Seelen in der Zukunft finden können, die wissen werden: Da sind viele durch den Opfertod gegangen; ihre Ätherleiber sind noch da. Wenn man sich ihrer bewußt wird, bewußt wird der Kräfte, die da hereinwirken können aus diesem, was die da zurückgelassen haben, dann wird ein großer spiritueller Aufschwung kommen können. Aber es müssen die Seelen auf der Erde sein, die empfänglich sind für Spirituelles, wie für geistiges Erfassen der Welt. Dann wird das, was da in der geistigen Welt vorhanden ist durch die Opfertode, für die Erde fruchtbar gemacht werden. Sonst wird es Beute des Ahriman! Denn es muß ja nicht fruchtbar gemacht werden für die Erde, weil die Dinge nicht von selbst kommen, sondern dadurch, daß sie durch die Vermittlung der Menschenseelen kommen.

[ 56 ] But when hundreds and thousands of people—as is now the case—have been prevented by death from carrying their etheric bodies for as many decades as is normal in human life, when so many young etheric bodies are handed over to the spiritual world, the etheric world, then precisely what I have often described occurs: these etheric bodies remain there along with that part that could still have been used for the world itself; for no force is lost. This will be above. But how it will work above will depend on what the souls are like below. In the future, those souls who know that many have gone through a sacrificial death—and that their etheric bodies are still there—will be able to find the strength for spiritual progress. When people become aware of them—and of the forces that can work here from what they have left behind—then a great spiritual upsurge will be able to take place. But there must be souls on Earth who are receptive to the spiritual, as well as to a spiritual understanding of the world. Then what exists in the spiritual world through these sacrificial deaths will be made fruitful for the Earth. Otherwise, it will fall prey to Ahriman! For it does not have to be made fruitful for the Earth simply because things do not come of their own accord, but rather through the mediation of human souls.

[ 57 ] Davon, ob sich möglichst viele Menschenseelen finden werden, die geneigt sind, sich in Gedanken, in der Empfindung zu verbinden mit dem, was in den noch unverbrauchten Ätherleibern an Kräften vorhanden ist von den durch die Opfertode Gegangenen, davon wird es abhängen, ob das für eine zukünftige spirituelle Kulturepoche der Erde verwendet werden kann, oder ob es eine Beute des Ahriman wird.

[ 57 ] Whether as many human souls as possible can be found who are inclined to connect, in thought and feeling, with the forces still present in the unspent etheric bodies of those who have passed away through sacrificial deaths—this will determine whether these forces can be used for a future spiritual cultural epoch on Earth, or whether they will fall prey to Ahriman.

[ 58 ] Denken Sie diese Gedanken meditativ durch, meine lieben Freunde, dann wird es schon bedeutungsvoll werden für Ihre Seelen, und dann wird sich schon finden dasjenige, was ich öfter hier gesprochen habe, und mit dem ich auch heute wieder schließen will:

[ 58 ] Reflect on these thoughts meditatively, my dear friends; then they will take on meaning for your souls, and then you will discover what I have often spoken of here, and with which I would like to conclude once again today:

Aus dem Mut der Kämpfer,
Aus dem Blut der Schlachten,
Aus dem Leid Verlassener,
Aus des Volkes Opfertaten
Wird erwachsen Geistesfrucht —
Lenken Seelen geist-bewußt<

Ihren Sinn ins Geisterreich.

From the courage of the fighters,
From the blood of the battles,
From the suffering of the forsaken,
From the sacrifices of the people
The fruit of the spirit grows—
Guiding souls, spiritually aware<

Toward the realm of the spirit.