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Central Europe between East and West
GA 174a

2 May 1918, Munich

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Central Europe between East and West, tr. SOL
  1. Mitteleuropa zwischen Ost und West

Elfter Vortrag

Eleventh Lecture

[ 1 ] Heute, am ersten Tage unserer Zweigbetrachtungen, wollen wir, wie es den Zeitverhältnissen angemessen ist, eine Betrachtung anstellen, die sich auf dasjenige erstreckt, was von unserer geisteswissenschaftlichen Bestrebung als Licht fallen kann auf manches, das dem Menschen in unserer Zeit entgegentritt, fragend, fordernd entgegentritt, und ihn mit Aufgaben wenigstens erfüllen sollte, Aufgaben, die ja im eminentesten Sinn durch den Geist der Zeit gestellt werden und von deren Erfassung durch jeden einzelnen vielleicht vieles von dem Schicksal der Menschheit in der nächsten Zukunft abhängen könnte. Gehen wir von etwas aus, was uns ja naheliegen kann. Sie werden wohl bemerkt haben, daß schon seit längerer Zeit in gewissem Sinn eine Änderung in der Stimmung der Außenwelt gegenüber unserer anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft eingetreten ist, eine Änderung der Stimmung dahingehend, daß man mit einer wachsenden Feindseligkeit da und dort auf diese Geisteswissenschaft blickt. Nur derjenige, der die Geschichte von geistigen Bewegungen nicht in der richtigen Weise würdigt, kann überrascht sein davon, daß solcher Stimmungswechsel, solche Stimmungsänderung einmal gekommen ist; sie wird noch in größerer Intensität kommen. Solange sich eine solche Bewegung wie diese in ihrer Hauptsache innerhalb eines gewissen sektiererischen Betriebes hält, solange sie sich so hält, daß da oder dort in den verschiedenen Städten ein paar Leute zusammenkommen, sektenartig sich in Vorder- oder Hinterhäusern vereinigen, um dieses oder jenes sektenartig zu treiben, so lange betrachtet man solche aufstrebenden Bewegungen mit einem gewissen nachsichtigen Wohlwollen, das sich gewiß da oder dort auch in etwas anderes verwandelt, das aber dabei stehen bleibt, man habe nicht nötig, im Ernst einzugehen auf solche Bewegungen; sie werden schon wieder verschwinden, und die Räume in den Vorder- und Hinterhäusern, in denen sektiererisch, in mehr familienhafter Art solche Dinge getrieben werden, die werden schon wiederum durch etwas anderes in Anspruch genommen werden. Solche Stimmung war ja durch viele Jahre hindurch in der Außenwelt unserer Bewegung gegenüber vorhanden, und was als Feindseligkeit aufgetreten ist, hob sich mehr oder weniger nur oasenhaft aus dieser allgemeinen Stimmung heraus. Aber die Sachen haben sich ja ein klein wenig geändert dadurch, daß wenigstens von einer Seite her immer mehr und mehr gestrebt worden ist, den sektiererischen Charakter der Bewegung abzustreifen. Obwohl gerade aus den Reihen unserer Gesellschaft selber heraus immer wieder und wiederum Widerstände erwachsen gegen das Abstreifen dieses Sektiererischen, gegen das Sich-Vereinigen mit der allgemeinen Kultur der Gegenwart, so muß doch in energischer Weise der Versuch gemacht werden, gegen alle Widerstände und gegen alle Feindseligkeiten sich zusammenzufinden mit dem, was sonst in der Kultur der Gegenwart strebt. Man wird ferner nicht sich nur zusammensetzen und in behaglicher Weise Vorträge vorlesen können und dergleichen — obwohl das selbstverständlich eine schöne familiäre Aufgabe sein kann —, man wird genötigt sein, sich mit dem auseinanderzusetzen, was Menschen da und dort wollen, anzuknüpfen an das, was da und dort gewollt wird, um gerade durch das Wechselverhältnis mit den vielleicht widerstrebenden Bewegungen der Außenwelt dasjenige zu finden, was für die Gegenwart gerade durch die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft gefunden werden muß.

[ 1 ] Today, on the first day of our series of reflections, let us—as befits the circumstances of our time—undertake a reflection that extends to what our spiritual scientific endeavor can shed light on regarding many of the challenges that confront people in our time—challenges that confront them with questions and demands— and which should at least present them with tasks—tasks that are, in the most eminent sense, set by the spirit of the times, and upon whose understanding by each individual much of humanity’s fate in the near future might well depend. Let us start with something that may be close to our hearts. You will no doubt have noticed that, for some time now, there has been, in a certain sense, a shift in the outside world’s attitude toward our anthroposophically oriented spiritual science—a shift in the sense that this spiritual science is being viewed with growing hostility here and there. Only those who do not properly appreciate the history of spiritual movements can be surprised that such a shift in sentiment, such a change in mood, has come about; it will come with even greater intensity. As long as a movement such as this remains, for the most part, within a certain sectarian framework—as long as it consists of a few people gathering here and there in various cities, gathering in a sect-like manner in front or back buildings to engage in this or that sect-like activity—as long as this is the case, such emerging movements are viewed with a certain indulgent goodwill, which certainly transforms here and there into something else, but which nonetheless remains at the level where one feels no need to take such movements seriously; they will disappear again, and the rooms in the front and back buildings, where such activities are carried out in a sectarian, more family-like manner, will in turn be taken over by something else. Such a mood had indeed prevailed toward our movement in the outside world for many years, and what appeared as hostility stood out from this general mood only in isolated instances, more or less like oases. But things have changed just a little bit in that, at least from one side, there has been an ever-increasing effort to shed the movement’s sectarian character. Although resistance to shedding this sectarianism and to uniting with contemporary culture continues to arise time and again from within the ranks of our society itself, we must nevertheless make a vigorous effort—against all resistance and hostility—to align ourselves with the broader currents of contemporary culture. Furthermore, we will not be able to simply sit together and comfortably read lectures and the like—although that can, of course, be a lovely, informal activity— but one will be compelled to engage with what people want here and there, to connect with what is desired here and there, in order to find—precisely through interaction with the perhaps resistant movements of the outside world—that which must be found for the present day through anthroposophically oriented spiritual science.

[ 2 ] Und eine sehr bedeutsame Aufgabe unserer Freunde wird es sein, die notwendige Beweglichkeit des Geistes zu entfalten, die etwa dazu gehören wird, um dieses Herausgehen aus dem Behaglichen, Sicheren, Warmen, Familienhaften wirklich zu finden. Notwendig ist es, aber empfunden wird die Notwendigkeit noch nicht überall. Dies führt aber direkt dazu, sich zu fragen: Wie wird sich denn in der Zukunft das eine oder das andere aus den Impulsen unserer geistigen Bewegung auseinanderzusetzen haben mit demjenigen, was althergebracht oder auch neu erstehend ist, oder mit dem Glauben ausgerüstet, daß es vielleicht etwas Neues sei, wie wird sich das, was von uns kommt, mit solchen Bewegungen auseinanderzusetzen haben? Wie wird sich das gestalten?

[ 2 ] And a very significant task for our friends will be to develop the necessary flexibility of mind—which will be essential, for example, to truly find this stepping out of the comfortable, the safe, the warm, and the familiar. It is necessary, but the need for it is not yet felt everywhere. This, however, leads directly to the question: How will this or that aspect of our spiritual movement, in the future, have to grapple with what is time-honored or newly emerging—or with the belief that it might be something new? How will what comes from us have to engage with such movements? How will this take shape?

[ 3 ] Nun, vor allen Dingen, trotz aller scheinbaren da und dort auftretenden Zustimmungen von dieser oder jener Seite, wird der Widerstand insbesondere groß werden von seiten der offiziellen Vertreter religiöser, konfessioneller Weltanschauungen. Diese religiösen, konfessionellen Vertreter von Weltanschauungen, aus deren Reihen ja gewiß musterhafte Bekenner unserer Bewegung hervorgehen werden, sie werden doch in ihrer Mehrzahl immer wieder und wiederum dasjenige betonen, was sie gerade auflesen können aus dem ererbten Gute ihrer Anschauungen, und werden bei der Masse der Menschen der heutigen Zeit, die ja selbstverständlich nicht autoritätsgläubig sind, aber auf jede Autorität hineinfallen, reichlich Zustimmung finden. Insbesondere wird es schwer werden, gegen eine Stimmung das geisteswissenschaftliche Gut durchzubringen, und diese eine Stimmung, die ruht in einer gewissen außerordentlich bequemen Art und Weise, wie die Menschenseelen gewohnt worden sind, ihr Verhältnis zu der geistigen Welt zu finden. Wie viele Menschen in der Gegenwart sind doch eigentlich vorhanden, die da sagen: Ach, da kommen solche Geistesforscher, die eine ganze Etagenwelt von Hierarchien konstruieren! Man soll durch die Hierarchien der Angeloi, Archangeloi und so weiter erst hinaufkommen zu einem höchsten Geistigen, zu einem höchsten Göttlichen. — Das alles finden solche Menschen viel zu «intellektuell», um mitzugehen, und sie weisen hin auf das einfache, wie sie es nennen, naive Verhältnis, in das durch inneres starkes Erleben die Seele kommen kann zu dem Gott oder auch zu Christus und dergleichen. Das ist ja heute dasjenige, was man von den Bessermeinenden immer wieder und wiederum hören kann: Unmittelbares Erleben des höchsten Göttlichen! Warum sollte der Mensch erst so und so vieler hierarchischer Vermittlungen brauchen, um zu einer geistigen Erkenntnis zu kommen? Er kann in seinem kindlich einfachen Erleben den Zusammenschluß mit dem höchsten Göttlichen ja finden.

[ 3 ] Well, first and foremost, despite all the apparent expressions of support here and there from this or that side, resistance will be particularly strong from the official representatives of religious and denominational worldviews. These religious and denominational representatives of worldviews—from whose ranks exemplary adherents of our movement will certainly emerge— will nevertheless, for the most part, repeatedly emphasize whatever they can glean from the inherited heritage of their beliefs, and will find ample support among the masses of people today, who, of course, do not blindly believe in authority but are nonetheless easily swayed by any form of authority. In particular, it will be difficult to promote the achievements of spiritual science against a prevailing mood—a mood rooted in a certain extraordinarily comfortable way in which human souls have become accustomed to relating to the spiritual world. How many people are there today who actually say: “Oh, here come those spiritual researchers, constructing a whole multi-tiered world of hierarchies!” One is supposed to ascend through the hierarchies of the angels, archangels, and so on, to reach the highest spiritual, the highest divine. — Such people find all of this far too “intellectual” to go along with, and they point to the simple—or, as they call it, naive—relationship through which the soul can, by means of a strong inner experience, come to God or even to Christ and the like. That is precisely what one hears time and again today from those who think they know better: direct experience of the highest Divine! Why should a person need so many hierarchical intermediaries to arrive at spiritual knowledge? After all, they can find union with the highest Divine in their childlike, simple experience.

[ 4 ] Da müssen wir uns nun aber fragen: Was geschieht denn in den Seelen derjenigen, die, wirklich mit einer gewissen Ehrlichkeit, wenn auch diese Ehrlichkeit eine bequeme ist, ihr Streben so charakterisieren: Sie reden von dem Göttlichen, das sie erleben. Es gibt ja Menschen, die durchaus einen gewissen Umschwung in ihrem Seelenleben erfahren haben, durch den ihnen alles das, was sie das Göttliche, das Geistige nennen, anders erscheint, als es ihnen früher erschienen ist. Die einen nennen es Evangelisation, die anderen anders, darauf kommt es schon nicht an. Es ist der Glaube, daß diese Menschen einen Zugang gefunden haben auf kindliche, naive Weise zu dem höchsten Göttlichen. Das stellen sich manche Menschen recht einfach vor, den Christus im Inneren zu erleben. Was erleben sie aber wirklich?

[ 4 ] But now we must ask ourselves: What is happening in the souls of those who—truly with a certain honesty, even if that honesty is a convenient one—characterize their striving in this way: They speak of the divine that they experience. There are, after all, people who have indeed experienced a certain transformation in their inner lives, through which everything they call the divine or the spiritual appears to them differently than it did before. Some call it evangelization, others call it something else—that is not the point. It is the belief that these people have found access, in a childlike, naive way, to the highest Divine. Some people imagine it quite simply: experiencing Christ within. But what do they really experience?

[ 5 ] Nun, ich gehe davon aus, daß die Erlebnisse, welche hier gemeint sind, echt und ehrlich sind, daß die Leute wirklich etwas erleben, daß sie wirklich einen Umschwung in ihrem Seelenleben erfahren haben. Ich gehe von einer ganz ehrlichen Überzeugung aus. Ich gehe auch aus von einer gewissen Vorurteilslosigkeit gegenüber den hergebrachten konfessionellen Glaubensrichtungen. Dasjenige, was diese Menschen erleben, ist dann höchstens das nächste Geistige, das der Mensch erleben kann. Und was ist dieses nächste Geistige? Dieses nächste Geistige ist jenes Wesen aus der Hierarchie der Angeloi, das jedem Menschen zu seiner Führung zugeteilt ist, das man taufen kann, wie man will: Christus, den höchsten Gott, wenn man will! — Darauf, wie man es benennt, kommt es nicht an, sondern darauf, was das wirklich ist, was sich da der Seele nähert, wenn man ein ehrliches, wirkliches Erlebnis hat: Es ist der Angelos, der Engel, und diesen Engel sieht man nur als den höchsten Gott an. Man ist zu bequem, zu etwas anderem fortzuschreiten, und das Nächste, das man erlebt, bezeichnet man als seinen Gott und konstruiert sich damit — ja, was denn eigentlich? — die egoistischste Religion, die man sich nur konstruieren kann! Daß da alle Menschen sich verständigen, indem sie die Sache einheitlich benennen, darauf kommt es nicht an, denn indem die Menschen nichts anderes erleben wollen als das Angedeutete, erlebt eben jeder nur seinen Engel, jeder betet nur seinen Engel an. Und wenn noch so viele Prediger von dem einheitlichen Gott reden, von dem scheinbar monotheistischen Gott, in Wahrheit sprechen sie nur von den Millionen Engeln, welche die Menschen anbeten und denen sie den gleichen Namen geben, so die Menschen in die Konfusion hineintreibend, daß diese Millionen von Wesen nur ein Wesen seien. Das ist die Wirklichkeit, und das deutet zugleich auf die Illusion hin, in die man sich begibt, wenn man sich in dieser Weise mit dem egoistischsten Gott vereinen will. |

[ 5 ] Well, I assume that the experiences referred to here are genuine and sincere, that people are truly experiencing something, that they have genuinely undergone a transformation in their spiritual life. I am proceeding from a completely sincere conviction. I am also proceeding from a certain lack of prejudice toward traditional denominational beliefs. What these people experience is, at most, the next level of the spiritual that a human being can experience. And what is this next level of the spiritual? This next level of the spiritual is that being from the hierarchy of the Angeloi who is assigned to each person for guidance—a being one can name as one wishes: Christ, the highest God, if one so desires! — It does not matter what one calls it, but rather what it truly is—what approaches the soul when one has an honest, genuine experience: It is the Angelos, the angel, and one regards this angel only as the highest God. People are too complacent to move on to something else, and they designate the next thing they experience as their God, thereby constructing for themselves—well, what exactly?—the most selfish religion one could possibly construct! The fact that all people agree by giving the matter a uniform name is irrelevant, for since people want to experience nothing other than what has been hinted at, each person experiences only his own angel, and each worships only his own angel. And no matter how many preachers speak of the one God, of the seemingly monotheistic God, in truth they speak only of the millions of angels whom people worship and to whom they give the same name, thus driving people into the confusion that these millions of beings are but a single being. This is the reality, and it also points to the illusion one falls into when one seeks to unite in this way with the most egotistical God. |

[ 6 ] Schon ein äußeres Kennzeichen gibt es für das, was ich eben ausgesprochen habe. Versuchen Sie einmal Ihre Zuflucht zu nehmen zu den gelehrten Hilfsmitteln, die bei solcher Gelegenheit auch benützt werden können, dann werden Sie etwas Sonderbares erfahren können: Nehmen Sie die heute gelehrtesten Dinge auf diesem Gebiete zur Hand und versuchen Sie, sich eine Kenntnis davon zu verschaffen, welches der Ursprung eines sehr gebräuchlichen Wortes ist. Sie werden namentlich ein Wort finden, von dem Ihnen alle Gelehrten innerhalb des deutschen Sprachgebietes sagen werden: Den Ursprung davon kann man nicht ergründen. — Das ist das Wort Gott und sein Adjektiv göttlich. Nehmen Sie das Deutsche Wörterbuch: Der Artikel «Geist» im Wörterbuch ist auch recht wenig befriedigend, aber doch noch befriedigender als der Artikel «Gott». Da kommt man überhaupt nur dazu, zu wissen: Man weiß nicht, woher das Wort Gott kommt. — Es gibt ja alle möglichen Hypothesen, aber man weiß nicht, woher es kommt. Wird man gegenüber einem solchen gelehrten Resultat noch zurückschrecken können vor der Behauptung, daß zahlreiche Menschen, die von Gott und dem Göttlichen sprechen, gar nicht wissen, wovon sie reden? Ganz selbstverständlich, weil sie ein Wort unbekannten Ursprungs zu irgend etwas verwenden, nun, wozu sie es eben gerade gerne verwenden möchten. Die Dinge liegen eben ernster, als sie sich gestehen möchten. Aber man will diesen Dingen nicht zu Leibe gehen. Man weiß gar nicht, wie stark man in der Phrase lebt und wie glücklich man sich fühlt, in dieser Phrase leben zu können. Das ist das eine. Man kann aber auch noch etwas anderes finden.

[ 6 ] There is already one outward sign of what I have just said. Try turning to the scholarly resources that can be used on such occasions, and you will discover something remarkable: Take the most scholarly works in this field available today and try to gain an understanding of the origin of a very common word. You will find, in particular, a word about which all scholars within the German-speaking world will tell you: Its origin cannot be fathomed. — That word is “God” and its adjective, “divine.” Take the German dictionary: The entry for “Geist” is also rather unsatisfactory, but still more satisfying than the entry for “Gott.” There, one can only conclude: We do not know where the word “Gott” comes from. — There are, of course, all sorts of hypotheses, but we do not know where it comes from. Faced with such a scholarly conclusion, can one still shy away from asserting that numerous people who speak of God and the divine have no idea what they are talking about? Quite naturally, because they use a word of unknown origin to mean whatever they happen to want it to mean. The situation is actually more serious than people would like to admit. But they do not want to tackle these issues head-on. They have no idea how deeply they live within this rhetoric—and how happy they feel to be able to live within it. That is one thing. But there is also something else to be found.

[ 7 ] Wenn man auf das Reale losgeht, das die Leute dann erleben, wenn sie heute, sogar über das Konfessionelle hinausschreitend, von ihrem Gott sprechen, den sie in ihrem eigenen Inneren erleben, mögen sie es mystisch nennen oder theosophisch, kann man unendlich oft erfahren, daß die Leute sagen: Es kommt nur darauf an, den Gott in seinem Inneren zu erleben, mit dem Gott in seinem Inneren eins zu werden! Mit was wird man denn da eigentlich eins? Geht man der Sache nach, mit der dann der Mensch eins wird, ohne daß er es erkennt, so ist das nichts anderes als die eigene Seele, wie sie war, bevor sie durch die Empfängnis beziehungsweise Geburt in das physische Dasein getreten ist, wie diese Seele gelebt hat zwischen dem letzten Tod und dieser. Geburt. Entweder betet heute der Mensch, auch wenn er aufrichtig religiös sein will, seinen Engel an oder sein eigenes Ich, wie es war vor der Geburt oder Empfängnis. Er nennt es seinen Gott und belegt es mit dem Worte unbekannten Ursprungs; aber dasjenige, was er in Wirklichkeit heraufdämmern fühlt aus dem Unbewußten, das ist er selbst. Und das Kuriose tritt zutage für denjenigen, der die Wirklichkeit durchschaut, daß von allen Kanzeln fortwährend geredet wird von der Prädestination, und da man diese nicht denken kann ohne die wiederholten Erdenleben, so wird in Wahrheit geredet von diesen Erdenleben, nämlich von dem eigenen Selbst, das durch diese geht, und es wird gleichzeitig verleugnet die Tatsache dieser wiederholten Erdenleben. In Wahrheit wird von nichts mehr geredet als von dem, was Anthroposophie zum bewußten Erkennen der Menschen bringen will.

[ 7 ] When one delves into the reality that people experience today—even going beyond denominational boundaries—as they speak of their God, whom they experience within themselves—whether they call it mystical or theosophical—one hears time and again that people say: “The only thing that matters is to experience God within oneself, to become one with God within oneself!” But what is it, exactly, that one becomes one with? If one investigates the reality with which a person becomes one—without realizing it—it is nothing other than one’s own soul, as it was before it entered physical existence through conception or birth, and as that soul lived between its last death and this birth. Even if a person today sincerely wishes to be religious, they are either worshiping their angel or their own self as it was before birth or conception. They call it their God and designate it with a word of unknown origin; but that which they actually feel dawning from the unconscious—that is themselves. And what is curious—as becomes apparent to those who see through the reality—is that from every pulpit there is constant talk of predestination; and since one cannot conceive of this without repeated earthly lives, what is actually being spoken of are these earthly lives—namely, one’s own self as it passes through them—while at the same time the very fact of these repeated earthly lives is denied. In truth, nothing is spoken of more than what anthroposophy seeks to bring to people’s conscious awareness.

[ 8 ] Nun finden die Menschen, daß es notwendig ist, der Sache einen Namen unbekannten Ursprungs beizulegen. Sie reden eigentlich davon, daß aus dem Unterbewußten etwas heraufdämmere, was man erfahren kann im mystischen Erleben. Sie nennen es das Zusammensein des Menschen mit Gott. In Wirklichkeit ist es das Zusammensein des Menschen mit sich selbst, mit seinem Selbst, wie es war vor der Geburt. Nennt man es Gott und fordert die Menschen auf, es anzubeten, so fordert man die Menschen auf, sich selber anzubeten. Götzendienst mit sich selbst ist heute vielfach dasjenige, was als Religion gefeiert wird. Das auszusprechen ist heute notwendig, weil es den ganzen Ernst der Wirklichkeit bezeichnet. Aber es ist zu gleicher Zeit unbequem, weil es ja hinweist auf die ungeheuer tiefgehende Lebenslüge, die unser Leben durchzieht.

[ 8 ] Now people feel it is necessary to give this phenomenon a name of unknown origin. They are actually referring to something that dawns from the subconscious, something that can be experienced in a mystical state. They call it man’s union with God. In reality, it is the union of the human being with oneself, with one’s true self as it was before birth. If one calls it God and urges people to worship it, one is urging people to worship themselves. Idolatry of the self is, in many cases today, what is celebrated as religion. It is necessary to say this today because it conveys the full gravity of reality. But at the same time, it is uncomfortable, because it points to the immensely profound lie that pervades our lives.

[ 9 ] Zu dieser Lebenslüge hat im wesentlichen dasjenige geführt, was ich schon hier erwähnt habe: daß im Jahre 869 auf dem achten allgemeinen ökumenischen Konzil von Konstantinopel der Geist abgeschafft worden ist. Ich habe erwähnt, daß die philosophischen, vorurteilslosen Leute, die von der sogenannten voraussetzungslosen Wissenschaft ausgehen, heute davon sprechen, der Mensch bestehe aus Leib und Seele. In Wahrheit besteht er aus Leib, Seele und Geist. Aber im Jahr 869 ist verboten worden, vom Geist zu sprechen. Und es ist ja nichts, nichts so sehr vermieden von den christlichen Philosophen des Mittelalters, als von der sogenannten Trichotomie, von dem Geist zu sprechen. Sobald man aber die Trichotomie verließ, von welcher zum Beispiel noch ausgegangen war Dionysios der Areopagite, von dem noch Abschriften angefertigt worden sind im 6. Jahrhundert, die noch alle von den höheren Hierarchien sprechen, sobald man Abschied nahm von dem, was man auch in der heutigen Zeit so eifrig bekämpft, von der alten Gnosis, die ja heute natürlich in einer anderen Form uns entgegentreten muß, die aber eben für ihre Zeit ein ungeheuer Hohes war, sobald man von ihr Abschied nahm und Rücksicht nahm auf die Bequemlichkeit des Intellekts, war man auch dazu verurteilt, allmählich von etwas zu sprechen, was eigentlich seelisch in eine furchtbare Lebenslüge hineinführt. Kein Wunder, daß, weil Geisteswissenschaft die Wahrheit sagen muß über diese Dinge, sie heute die heftigste Gegnerschaft erweckt. Und man läßt sich ja heute vielfach nicht ein auf das, was eigentlich die Menschen in ihrem Inneren zum Ausdruck bringen wollen, sondern es ist wirklich so, daß die Menschen zum großen Teile heute das seelische Zuhören vollständig verlernt haben.

[ 9 ] This fundamental lie about life has essentially been brought about by what I have already mentioned here: that in the year 869, at the Eighth Ecumenical Council of Constantinople, the Holy Spirit was abolished. I have mentioned that philosophical, open-minded people, who proceed from so-called unbiased science, speak today of human beings as consisting of body and soul. In truth, human beings consist of body, soul, and spirit. But in the year 869, it was forbidden to speak of the spirit. And indeed, there is nothing—nothing—that the Christian philosophers of the Middle Ages avoided as much as speaking of the spirit, in accordance with the so-called trichotomy. But as soon as one abandoned the trichotomy—which, for example, was still assumed by Dionysius the Areopagite, whose works were still being copied in the 6th century and which all still speak of the higher hierarchies—as soon as one turned away from what is so zealously combated even in our own time, namely the ancient Gnosis, which, of course, must now present itself to us in a different form, but which was, for its time, something immensely lofty—as soon as one turned away from it and gave consideration to the convenience of the intellect, one was also doomed to gradually speak of something that, in spiritual terms, actually leads into a terrible lie of life. No wonder that, because spiritual science must speak the truth about these things, it arouses the fiercest opposition today. And in many cases today, people do not engage with what others actually wish to express from within; rather, it is truly the case that, for the most part, people today have completely forgotten how to listen with their souls.

[ 10 ] Das tritt ja manchmal in grotesken Beispielen an die Oberfläche. Den Leuten kommt es gar nicht mehr darauf an, was in Wirklichkeit gesagt wird, sondern darauf, irgend etwas selber zu sagen, ganz gleichgültig, ob es trifft oder nicht trifft. Das ist nicht eine vereinzelte Erscheinung, das ist typisch, das geschieht überall auf Schritt und Tritt. Beispiele dafür könnte ich Ihnen nicht in hundert-, sondern in tausendfältiger Weise erzählen. So geht es zu auf literarischen Gebieten, so geht es auch zu auf dem großen Welttableau.

[ 10 ] This sometimes comes to the surface in grotesque examples. People no longer care at all about what is actually being said, but only about saying something themselves, regardless of whether it is accurate or not. This is not an isolated phenomenon; it is typical—it happens everywhere, at every turn. I could give you not a hundred, but a thousand examples of this. This is how things are in the literary world, and this is how things are on the grand world stage as well.

[ 11 ] Mit solchen Dingen, mit solcher geistigen Verfassung der Gegenwart hängt aber innig zusammen, was in der Gegenwart überhaupt impulsierend ist, was die Gegenwart treibt und schließlich in eine solche Katastrophe hineingeführt hat. Darauf muß man immer und immer wiederum hinweisen. Es finden sich ja immer noch heute Leute gedrängt, von Nächstenliebe zu sprechen, davon zu sprechen, daß man verständnisvoll, daß man liebevoll auf den anderen einzugehen hat. Aber in Wirklichkeit ist das alles nicht vorhanden, sondern in Wirklichkeit ist die Grundstimmung die, welche bei Fritz Mauthner sich ausspricht, in dem Ihnen bekannten Falle Boll, wo er fürchterlich losschimpft auf einen, der eigentlich ganz mit ihm einverstanden ist.

[ 11 ] Such things, however—this current state of mind—are intimately connected to what is driving the present, what is propelling it forward, and what has ultimately led it into such a catastrophe. We must point this out again and again. Even today, there are still people who feel compelled to speak of love for one’s neighbor, of the need to treat others with understanding and love. But in reality, none of this exists; rather, the prevailing mood is the one expressed by Fritz Mauthner in the Boll case, with which you are familiar, where he lashes out terribly at someone who actually agrees with him entirely.

[ 12 ] In solchen Dingen drückt sich charakteristisch und typisch das aus, was man in der Gegenwart klar und scharf ins Auge zu fassen hat. Nur wenn man den Willen dazu entwickelt, einzugehen auf solche Dinge, wird man den Standpunkt finden, der notwendig ist, um heute irgendwie an einem Ort, auf den man durch sein Karma gestellt ist, im Sinne der Menschheitsentwickelung vorwärts zu kommen.

[ 12 ] Such things characteristically and typically express what we must clearly and sharply grasp in the present. Only by developing the will to engage with such matters will one find the perspective necessary to make progress today—in whatever place one’s karma has placed one—in the interest of humanity’s development.

[ 13 ] Erkennen müssen wird man heute vor allen Dingen folgendes: Man wird wirklich hinschauen müssen auf dasjenige, was sich im Menschenwesen entwickelt hat vom letzten Tod bis zu der jetzigen Geburt. Man wird nicht mehr weiter sich täuschen können, sich Illusionen vormachen können durch Selbstvergötterung, durch Selbstanbetung, indem man dasjenige, was man eigentlich in sich findet als sein wirkliches Ich, Gott nennt. Man wird sich nicht mehr solchen Täuschungen hingeben können, sondern wird hinschauen müssen auf das, was wie ein Erbgut aus geistigen Welten jeder durch seine Geburt in sein physisches Dasein hereinbringt. Wo steckt das eigentlich? Ja, meine lieben Freunde, wir bringen es alle mit herein, wir bringen ein ungeheures Weisheits- und Geistesgut durch unsere Geburt ins physische Dasein herein. Wo steckt es denn? Wir sind, indem wir geboren werden, alle so weise, daß wir es gar nicht glauben können, wie weise wir sind. Aber wo steckt diese Weisheit? Auf der einen Seite steckt sie verzaubert in unserer Leiblichkeit und ihren Anlagen, mit denen sie sich vereinigt hat, und auf der anderen Seite in unserem Schicksal. Daraus will sie erlöst werden. Und im heutigen Zeitenzyklus der Menschheit liegt es, daß dieses Erbgut durch die freie Betätigung des Menschen erlöst werde, heraufgeholt werde als höhere Ich-Erkenntnis dessen, was verzaubert in uns selber und unserem Schicksal liegt. Wir können dadurch, daß wir uns klarmachen: Der heutige Mensch lebt anders als der Mensch verflossener Kulturepochen —, über solche Dinge auch zu einiger Einsicht . kommen.

[ 13 ] Above all, we must recognize the following today: We will truly have to look closely at what has developed within the human being from the last death to the present birth. We will no longer be able to deceive ourselves or create illusions through self-deification or self-worship—by calling that which we actually find within ourselves as our true self “God.” We will no longer be able to succumb to such deceptions, but will have to look closely at what each of us brings into our physical existence through birth, like a genetic legacy from the spiritual worlds. Where exactly is it? Yes, my dear friends, we all bring it with us; we bring an immense store of wisdom and spiritual heritage into physical existence through our birth. Where, then, is it? When we are born, we are all so wise that we cannot even believe how wise we are. But where is this wisdom? On the one hand, it lies enchanted within our physical nature and its predispositions, with which it has united; and on the other hand, within our destiny. It seeks to be redeemed from this. And in humanity’s current cycle of time, it is the task of human beings to redeem this inherited legacy through their free activity—to bring it forth as a higher self-knowledge of what lies enchanted within ourselves and our destiny. By realizing that people today live differently from those of past cultural epochs, we can also gain some insight into such matters.

[ 14 ] Ich will Sie an etwas erinnern, was ich auch hier schon erwähnt habe. Ich habe erwähnt, daß im ersten Kulturzeitraum der nachatlantischen Epoche der Mensch in anderer Weise lebte als heute. Er lebte geistig-seelisch das mit, was körperlich sich in ihm darlebte. So wie wir als Kinder heute den Zahnwechsel als einen besonderen Umschwung miterleben, die Geschlechtsreife auch im Seelischen als Umschwung erleben, so erlebte bis in die Fünfzigerjahre hinein der Mensch der ersten nachatlantischen Kulturperiode sein leibliches Werden. Dann kam die Zeit, wo man das nur bis in die Vierzigerjahre hinein erlebte, dann bis in die Dreißigerjahre. Wir erleben heute diese Dinge nur bis in die Zwanzigerjahre hinein. Bis in die Zwanzigerjahre hinein erlebt der Mensch heute dasjenige, was leiblich, körperlich in ihm vorgeht; dann wird er gewissermaßen emanzipiert. Er kann nicht mehr das, was in der absteigenden Lebensentwickelung lebt, von selbst erleben; er muß es dadurch erleben, daß er sich seelisch von dem Geistigen anregen läßt. Die Geisteswissenschaft muß den Impuls geben, um das zu erlösen, was in unserem Leibe oder in unserem Schicksal verzaubert liegt. Dazu ist unsere heutige Erziehung lange noch nicht einmal herangedrungen, geschweige denn vorgedrungen. Das wird man einsehen müssen, daß in frühester Jugend in den Menschen ein Impuls gelegt werden muß, damit der Mensch verstehen lerne, älter zu werden. Die Menschen verstehen heute nicht, alt zu werden. Sie verstehen höchstens, daß sie graue Haare bekommen oder — heute besonders häufig — frühe Glatzen oder ähnliche Alterszeichen, aber es ist nicht dasjenige da, was da sein kann in den Menschen: die Erwartung, die hoffnungsvolle Erwartung auf jedes neue Jahr, mit der Gewißheit: Man erlebt, indem man älter wird, jedes Jahr etwas, was man gar nicht früher erleben kann. Jedes Jahr bringt ein Neues, jedes Jahr bringt eine neue Offenbarung, wenn man es zu nützen versteht.

[ 14 ] I would like to remind you of something I have already mentioned here. I mentioned that during the first cultural period of the post-Atlantean epoch, human beings lived differently than they do today. Spiritually and emotionally, they experienced what was unfolding physically within them. Just as we children today experience the loss of baby teeth as a special turning point, and experience sexual maturity as a turning point in our souls as well, so too did people in the first post-Atlantean cultural period experience their physical development well into their fifties. Then came a time when this was experienced only up to one’s forties, and then up to one’s thirties. Today we experience these things only up to our twenties. Up to their twenties, people today experience what is taking place physically within them; then they become, so to speak, emancipated. They can no longer experience on their own what is part of the descending course of life’s development; they must experience it by allowing themselves to be inspired spiritually. Spiritual science must provide the impulse to redeem what lies enchanted within our bodies or in our destinies. Our current educational system has not even come close to achieving this, let alone made any headway. We must come to realize that an impulse must be planted in people during their earliest youth so that they may learn to understand what it means to grow older. People today do not understand what it means to grow old. At most, they understand that they get gray hair or—especially common today—early baldness or similar signs of aging, but what is missing is what could be present in them: the anticipation, the hopeful anticipation of each new year, with the certainty that, as one grows older, one experiences something each year that one could not have experienced before. Every year brings something new; every year brings a new revelation, if one knows how to make the most of it.

[ 15 ] Die Stimmung freilich muß über die Menschen dann kommen, durch die sie sich sagen: Jetzt werde ich zwanzig Jahre alt, der Dreißig- bis Vierzigjährige hat etwas erlebt, was ich heute noch nicht erleben kann. Ich muß warten, dann wird sich mir das offenbaren. — Bedenken Sie nur einmal ganz im Ernste in allen Teilen, was das eigentlich bedeuten würde, wenn die Erziehung dahin wirken würde, daß man hoffnungsvoll erwartend das Herankommen seines Lebens erschaut. Die gegenteilige Stimmung wird heute großgezogen. In die Staatsparlamente und in die anderen Parlamente wollen die Leute in frühester Jugend gewählt werden, weil sie. glauben, man ist in frühester Jugend fertig, man hat das schon alles. Was trifft man heute öfter, als daß die jüngsten Dachse und Dachsinnen bei jeder Gelegenheit sagen: Das ist mein Standpunkt! — Jeder hat heute schon einen Standpunkt in der allerfrühesten Lebensjugend. Es ist den Menschen vollständig unbekannt, daß erwartungsvoll die Hoffnung lebt, das Leben berge Geheimnisse, die sich nach und nach offenbaren. Es würde aber viel bedeuten, wenn das in unsere Erziehung hineinkäme. Dann würde man den Willen haben, nach und nach dasjenige zu erlösen, was in unseren Leib und in unser Schicksal hineinverzaubert ist.

[ 15 ] This mood, of course, must come over people when they say to themselves: “Now I am turning twenty; someone in their thirties or forties has experienced something that I cannot yet experience today. I must wait, and then it will be revealed to me.” — Just consider for a moment, in all seriousness and from every angle, what it would actually mean if education were to have the effect of enabling people to look forward with hopeful anticipation to the unfolding of their lives. Today, the opposite mindset is being fostered. People want to be elected to state legislatures and other parliaments at a very young age because they believe that one is already fully formed in early youth—that one already has it all. What do we encounter more often today than the youngest boys and girls declaring at every opportunity: “That’s my point of view!” — Everyone today already has a point of view in the very earliest years of youth. It is completely unknown to people that hope lives in anticipation, that life holds mysteries that reveal themselves little by little. But it would mean a great deal if this were incorporated into our education. Then we would have the will to gradually redeem that which is enchanted into our bodies and our destinies.

[ 16 ] Allerdings, man wird die Kultur, wie sie sich allmählich entwickelt hat, in einem ganz besonderen Lichte sehen müssen, wenn man sich über solche Dinge wird aufklären wollen. Man wird sich fragen müssen: Wie findet man eigentlich den richtigen Standpunkt, um das, was in uns verzaubert liegt, nach und nach zu erlösen? — Ja, man wird sich vielleicht sogar etwas anderes noch als Frage vorlegen müssen: Warum soll man denn das, was man in Verzauberung in sich hat, erlösen? Ist es nicht viel bequemer, das da unten dem Fleisch und den Nerven und dem Blut zu überlassen? Da kann es ja ruhen, bis man stirbt, und in die andere Welt hineinkommen; da kann es ja sein Dasein fristen. Man überläßt den Nerven, den Muskeln, dem Schicksal, was in einem verzaubert liegt. Warum soll man denn das erlösen? — Man soll und muß es aus dem Grund erlösen, weil der Geist auf seinem Wege ganz bestimmten Gesetzen unterliegt. Dasjenige, was uns mitgegeben wird als Erbgut aus geistigen Welten, das will heraus, will aus seiner Gefangenschaft befreit sein. Und das tritt ein, indem es aufgenommen wird in das Bewußtsein. Was im Leib und im Schicksale liegt, will heraufwandern in unser Bewußtsein. Es hat seinen richtigen Hort in unserem Bewußtsein. Es soll in unserem Bewußtsein leben, nicht verzaubert in unserem Nervensystem und Blutsystem, in unseren Muskeln oder in unseren Knochen. Denn bleibt es in den Nerven, Muskeln, Knochen oder in dem unbestimmten, nur erlittenen Schicksal, dann verwandelt sich dieses Geistige in etwas anderes: in schlechte Kräfte. Es ist dazu bestimmt, durch das Bewußtsein ins Leben getragen zu werden. Bleibt es außer dem Bewußtsein mit dem Menschen vereint, so verwandelt es sich entweder in luziferische oder in ahrimanische Kräfte, es wird Ahriman oder Luzifer nach und nach übergeben.

[ 16 ] However, if one wishes to gain insight into such matters, one will have to view culture—as it has gradually developed—in a very special light. One will have to ask oneself: How does one actually find the right perspective to gradually redeem what lies enchanted within us? — Yes, one might even have to pose another question: Why should one redeem what lies enchanted within oneself? Isn’t it much more convenient to leave it down there to the flesh, the nerves, and the blood? There it can rest until one dies and enter the other world; there it can eke out its existence. One leaves to the nerves, the muscles, and fate what lies enchanted within oneself. Why, then, should one redeem it? — One should and must redeem it for the reason that the spirit is subject to very specific laws on its path. That which is given to us as a legacy from spiritual worlds wants to come out; it wants to be freed from its captivity. And this happens when it is taken up into consciousness. What lies in the body and in fate wants to rise up into our consciousness. Its rightful home is in our consciousness. It is meant to live in our consciousness, not enchanted within our nervous and circulatory systems, in our muscles, or in our bones. For if it remains in the nerves, muscles, bones, or in an indeterminate, merely endured fate, then this spiritual substance transforms into something else: into evil forces. It is destined to be carried into life through consciousness. If it remains united with the human being outside of consciousness, it transforms either into Luciferic or Ahrimanic forces; it is gradually handed over to Ahriman or Lucifer.

[ 17 ] Aber man hat eine lange Zeit mit luziferischen Kräften in unserer abendländischen Kulturentwickelung gerechnet und schickt sich eben jetzt an, durch eine ganz besonders angesehene geistige Strömung mit ahrimanischen Kräften zu rechnen, mit ihnen weiter zu leben. Der Mensch soll ja hineingestellt werden in das Leben, soll seinen Platz finden im Leben: daraufhin erzieht man ihn. Man züchtet gewisse Impulse, gewisse Empfindungen, gewisse Gefühle. Was hat man denn insbesondere für Impulse, für Gefühle benützt? Sehen Sie sich um in der Welt, jetzt ist es im Abnehmen, wird sehr bald sehr wenig bedeuten, aber es hat durch Jahrhunderte viel, viel bedeutet: Orden, Ehrenzeichen, Titel, Würden. Aber was steckt hinter all dem? Gefühle, Empfindungen, die einen darnach streben lassen, Triebe, Begierden, Luziferisches in der Menschheit zu entwickeln. Denken Sie nach, wieviel Luziferisches in der Menschennatur angestrebt wurde, angezüchtet wurde, um auf dem Umweg durch dieses Luziferische den Menschen hinzustellen auf den Platz, auf den man ihn eben stellen wollte. Das war die luziferische Periode. Sie ist im Abfluten. Man braucht heute über sie kaum mehr zu reden, denn dasjenige, was auf diesem Gebiete geschieht, ist im Abfluten. Wenn auch die Menschen noch nicht glauben, wie sehr dies der Fall ist, sie werden es schon sehen. Man redet von etwas, was im Abfluten ist, wenn man von den eigentlich luziferischen Kulturimpulsen redet.

[ 17 ] But for a long time, Luciferic forces have been factored into the development of our Western culture, and now, through a particularly esteemed spiritual movement, we are preparing to factor in Ahrimanic forces as well and to continue living with them. After all, human beings are meant to be placed within life, to find their place in life: that is what their upbringing is aimed at. Certain impulses, certain sensations, certain feelings are cultivated. What impulses and feelings, in particular, have been utilized? Look around the world—now it is on the wane and will very soon mean very little, but for centuries it has meant a great deal: orders, decorations, titles, and honors. But what lies behind all of this? Feelings and sensations that lead one to strive to develop instincts, desires, and Luciferic elements within humanity. Consider how much of the Luciferic element in human nature was sought after and cultivated in order to place humanity—by a roundabout route through this Luciferic influence—exactly where one wanted to place it. That was the Luciferic period. It is now ebbing away. There is hardly any need to speak of it today, for what is happening in this realm is on the wane. Even if people do not yet believe how very much this is the case, they will soon see it. One speaks of something that is on the wane when one speaks of the truly Luciferic cultural impulses.

[ 18 ] Aber die ahrimanischen ziehen in bedrohlicher Form herauf. Ein Beispiel dafür: Jetzt eben geht — ja, wie nennt man es? — durch den deutschen und durch den anderen kulturellen «Gelehrtenwald» gerade in ruhmvoller Vertretung dasjenige, wovon man sich so ungeheuer viel verspricht für die Kultivierung der Menschheit in der Zukunft, dasjenige, was man die Begabtenprüfung nennt, das Prüfen der menschlichen Begabungen. Es haben sich ja innerhalb der Gelehrtenwelt in der neuesten Zeit ganz besondere Pflanzen ergeben: das sind gewisse Psychologen, gewisse Seelenkenner. Sie treiben Experimentalpsychologie, sie experimentieren an den Menschen herum, um das Seelische zu erforschen. Nun, in der allerletzten Zeit haben sich diese Menschen auch über die Jugend hergemacht. Weil man eigentlich nicht mehr zurechtkommt mit dem alten Examenwesen und der alten sozialen Ordnung, macht man sich über die Jugend her und prüft die Begabungen, damit, wie man sagt — das ist ja an hervorragenden Stellen schon gesagt worden —, der rechte Mann an den rechten Platz gestellt wird. Da muß man selbstverständlich schon beim Kinde anfangen, um zu prüfen, wie man den Rechten findet. Man prüft zunächst die Auffassungsfähigkeit, indem man allerlei Experimente anstellt: wie schnell ein Kind das oder jenes errät, was irgendein unbestimmtes Zeug ist, in das es einen Sinn hineinlegen soll. Man prüft dann die Intelligenz, man prüft das Gedächtnis. Die Intelligenz zum Beispiel dadurch, daß man zwei möglichst unzusammenhängende Worte dem Kinde oder dem jungen Menschen vorlegt, sagen wir zum Beispiel «Spiegel» und «Räuber». Und dann weist man so eine Anzahl von jungen Leuten, deren Intelligenz man prüfen will, an, diese Worte sinnvoll zu verbinden, zu sagen, was sie zwischen diese Worte Spiegel und Räuber hineinsetzen wollen. Der eine setzt hinein: Auch ein Räuber kann sich, wenn er sich im Spiegel sieht, selber begucken. — Den betrachtet man als den Unintelligentesten. Ein anderer denkt sich aus: Derjenige, der von dem Räuber bestohlen oder gar getötet werden soll, hat einen Spiegel; da sieht er von weitem den Räuber herankommen und er kann sich retten. — Das ist ein intelligenterer Knabe oder ein intelligenteres Mädchen.

[ 18 ] But the Ahrimanic forces are advancing in a threatening manner. An example of this: Right now—yes, what do you call it?—what is making a glorious appearance throughout the German and other cultural “forest of scholars” is precisely that which is expected to contribute so immensely to the cultivation of humanity in the future—what is called the “aptitude test,” the testing of human aptitudes. Indeed, quite special figures have emerged within the scholarly world in recent times: certain psychologists, certain experts on the soul. They practice experimental psychology; they experiment on human beings in order to investigate the soul. Well, very recently these people have also set their sights on the youth. Because we can no longer really cope with the old examination system and the old social order, we are turning our attention to the youth and testing their aptitudes so that, as they say—and this has already been stated in prominent circles—the right person is placed in the right position. Naturally, one must start with the child in order to determine how to find the right person. First, one tests the child’s comprehension by conducting all sorts of experiments: how quickly a child can guess this or that, whatever vague concept it is, into which the child is supposed to ascribe a meaning. One then tests intelligence; one tests memory. Intelligence, for example, is tested by presenting the child or young person with two words that are as unrelated as possible—let’s say, for instance, “mirror” and “robber.” Then one instructs a group of young people whose intelligence one wishes to test to connect these words in a meaningful way—to say what they want to insert between the words “mirror” and “robber.” One of them inserts: Even a robber can look at himself when he sees himself in the mirror. — That person is considered the least intelligent. Another comes up with: The person who is to be robbed or even killed by the robber has a mirror; from a distance, he sees the robber approaching and is able to save himself. — That is a more intelligent boy or girl.

[ 19 ] Es liegen jetzt Zeitschriften auf, in denen man diese haarsträubenden Methoden, die Intelligenz zu prüfen, geschildert findet; sie werden als eine besondere Errungenschaft der Gegenwart entwickelt und analysiert. Auf diese Weise wird das Gedächtnis, wird die Intelligenz geprüft. Man geht da statistisch vor. Derjenige, der am meisten erzählt hat von dem, was zum Beispiel zwischen Räuber und Spiegel sich ereignen kann, bei dem werden zwei oder mehr Zeichen gemacht, wie bei der Zensur, und wer dann die meisten Strichelchen hat, wer am meisten geistvolle Zusammenhänge hat finden können, der ist der Intelligenteste. Das ist der Mann oder die Frau, die irgendwie an besonderen Hochschulen durch alle möglichen Unterstützungen zu fördern sind, und dergleichen mehr. Das Charakteristische bei diesen Dingen, die heute wirklich als eine besondere Errungenschaft der Menschheit gerühmt werden — und die wackersten Pädagogen setzen sich mit all ihrer Energie für diese Begabtenprüfungen ein —, ist, daß man überhaupt auf diese Weise an das Seelische nicht herankommt, sondern nur im Menschen prüft, was ahrimanisch in seiner Körperlichkeit ruht, daß man auf diese Weise nur prüft, wie stark Ahriman sich entwickeln kann durch den einen oder anderen jungen Menschen. Was man einführen wird auf diese Weise in die menschliche Kultur, das werden die ahrimanischen Impulse sein. Aber solchen Illusionen, solchen Täuschungen gibt man sich heute hin.

[ 19 ] There are now magazines in which these hair-raising methods of testing intelligence are described; they are presented and analyzed as a special achievement of the present day. This is how memory and intelligence are tested. The approach is statistical. The person who has described the most about what might happen, for example, between a robber and a mirror is given two or more marks, as in a grading system, and whoever then has the most little marks—whoever has been able to identify the most ingenious connections—is deemed the most intelligent. This is the man or woman who, in some way, is to be promoted at special universities through all manner of support, and so on. The characteristic feature of these things, which are truly praised today as a special achievement of humanity—and the most dedicated educators devote all their energy to these aptitude tests— is that one does not approach the soul in this way at all, but only tests in the human being what is Ahrimanic in its physicality; that in this way one only tests how strongly Ahriman can develop through one young person or another. What will be introduced into human culture in this way will be the Ahrimanic impulses. But people today give in to such illusions, such deceptions.

[ 20 ] Das muß aber das Bedeutsame in unserer geisteswissenschaftlichen Entwickelung sein, daß deren Ernst erkannt wird. Gewiß, in kleinen Konventikeln kann man sich zusammensetzen und, wie ich gesagt habe, in familienartiger Behaglichkeit Vorträge vorlesen: Das tut nicht weh, beziehungsweise dasjenige, was von außen kommt, tut dann nicht weh. Aber indem sich diese Geisteswissenschaft allmählich auszubreiten beginnt, beginnt auch der Ernst, und dieser Ernst kann nur darin bestehen, daß man sich rückhaltlos einläßt auf das, was aufzunehmen ist im Zusammenhang mit dem, was um uns herum sich entwickelt. Es ist notwendig, daß man diese Dinge versteht, und sie so tief versteht, als sie zu verstehen sind; notwendig, daß man die Beweglichkeit des Geistes entwickle, die es ermöglicht, aus dem Sektiererischen herauszukommen zu einer weltmännischen Erfassung dessen, was in unserer geisteswissenschaftlichen Strömung darinnen sein soll. Denn aus dieser Geisteswissenschaft müssen verschiedene Impulse kommen, die gesunde Impulse sind gegenüber mancherlei, das in unserer Zeit in der Gestalt auftaucht, die eine dekadente, eine niedergehende ist. Vor allen Dingen ist innerhalb derer, die in diese geisteswissenschaftliche Strömung eintreten wollen, Freiheit, Auf-sich-Gestelltheit des Geistes notwendig.

[ 20 ] But this must be what is significant in the development of our spiritual science: that its seriousness is recognized. Certainly, people can gather in small circles and, as I have said, read lectures aloud in a family-like atmosphere: That does no harm—or rather, what comes from outside does no harm then. But as this spiritual science gradually begins to spread, so too does its seriousness, and this seriousness can only consist in wholeheartedly engaging with what must be taken in in connection with what is developing around us. It is necessary to understand these things, and to understand them as deeply as they can be understood; it is necessary to develop the flexibility of mind that enables us to move beyond sectarianism toward a worldly grasp of what is meant to be contained within our spiritual scientific movement. For from this spiritual science must come various impulses that are healthy counterweights to the many things that appear in our time in a form that is decadent and in decline. Above all, among those who wish to join this spiritual scientific movement, freedom and an independent spirit are necessary.

[ 21 ] Mit dem Autoritätsglauben geht es bei uns gar nicht, nur mit dem Aneignen eines freien, selbständigen Urteils. Denn nichts von dem, was gesagt wird auf geisteswissenschaftlichem Gebiet, kann generalisiert, verallgemeinert werden; alles gilt individuell, alles gilt im Konkreten für den besonderen Fall. Es ist zwar eine gewisse Bequemlichkeit, daß der menschliche Geist so vielfach die Dinge zu verallgemeinern sucht, aber das kann nicht geschehen, sobald man auf geistige Gebiete kommt. Heute hat man es notwendig, wirklich richtig notwendig, auch auf solche Erkenntnisse sich einzulassen, welche nicht beim bloßen Unbestimmten, Abstrakten, Mystischen stehen bleiben, sondern vom Erfassen des Geistigen aus in die Wirklichkeit eindringen. Man kann glauben, ein großer Mystiker zu sein, unberührt von den Weltereignissen seinen einsamen Weg durch die Welt gehend, in seinem Inneren den Gott zu erleben glauben. Aber das ist alles dünnes geistiges Leben, so dünn, daß es nicht herandringt an das, was draußen in der Welt als Wirklichkeit vorhanden ist. Solche Mystiker fordert die Gegenwart nicht. Der einzelne kann solche Mystik fordern, weil es ihn in den behaglichen Glauben einlullen kann, sehr Erhabenes in seiner Seele zu erleben. Aber die Gegenwart fordert starke Geistigkeit, die eindringt in die unmittelbare Wirklichkeit. Sie fordert sogar nicht bloß ein Reden von den höheren Hierarchien, sondern ein solches Eindringen in das Wesen der höheren Hierarchien, daß man, von diesem Erkennen des Wesens der Hierarchien ausgehend, Einsicht gewinnen kann in das, was uns auf der Erde umgibt. Denn jetzt beginnt die Zeit, wo man die menschliche Ordnung nicht anders mehr finden kann als aus den wirklichen Einsichten in das Wesen dessen, was sich hier auf der Erde entwickelt, wenn es auch unbequem ist, es zu erkennen.

[ 21 ] For us, it is not at all a matter of blind faith in authority, but rather of developing a free, independent judgment. For nothing that is said in the field of the humanities can be generalized; everything applies individually, everything applies concretely to the specific case. It is certainly convenient that the human mind so often seeks to generalize things, but this cannot happen once one enters the realm of the spiritual. Today it is necessary—truly, absolutely necessary—to engage with insights that do not remain merely vague, abstract, or mystical, but that penetrate reality by grasping the spiritual. One may believe oneself to be a great mystic, walking one’s solitary path through the world untouched by world events, believing one experiences God within. But this is all a shallow spiritual life, so shallow that it does not come close to what exists as reality out there in the world. The present age does not call for such mystics. The individual may seek such mysticism because it can lull him into the comforting belief that he is experiencing something very sublime within his soul. But the present demands a strong spirituality that penetrates into immediate reality. It demands not merely talk of the higher hierarchies, but such a penetration into the very essence of the higher hierarchies that, starting from this knowledge of their essence, one can gain insight into what surrounds us on Earth. For now begins the time when one can no longer find the human order except through genuine insights into the nature of what is developing here on Earth—even if it is uncomfortable to recognize it.

[ 22 ] Lesen Sie den Zyklus, den ich längere Zeit vor dem Krieg, um auf die heutige Zeit vorzubereiten, in Kristiania gehalten habe über die einzelnen Völkerseelen, über den Zusammenhang der Struktur der einzelnen Völker. Da werden Sie sehen, daß man ernst nehmen kann dasjenige, was in den höheren Hierarchien erkannt wird, daß man es anwenden kann auf die Konfiguration der Erde. Solche Erkenntnis ist für die Gegenwart notwendig. Denn solche Erkenntnis muß die praktische Grundlage abgeben für dasjenige, was unternommen werden soll in der Zukunft. Man wird das, was zu tun ist, erkennen müssen, nicht aus den phrasenhaften Schreibereien und Redereien der Menschen, die heute über die europäischen Völkerschaften aus dem heraus reden, was sie ihre Beobachtungen nennen, sondern man wird wirklich eindringen müssen in das, was auf der Erde lebt an Impulsen aus dem Gebiet des Geistigen.

[ 22 ] Read the lecture series I gave in Kristiania some time before the war—to prepare for the present day—on the individual national souls and the interrelationships within the structure of the various nations. There you will see that what is recognized in the higher hierarchies can be taken seriously and applied to the configuration of the Earth. Such insight is necessary for the present. For such insight must provide the practical foundation for what is to be undertaken in the future. We will have to recognize what needs to be done, not from the clichéd writings and speeches of people who today speak about the European nations based on what they call their “observations,” but rather we will truly have to penetrate into the spiritual impulses that are alive on Earth.

[ 23 ] Freilich, man denkt heute, derjenige habe unter allen Umständen etwas zu sagen, der etwas erlebt hat. Ja, glauben Sie, daß jeder über die Französische Revolution etwas sehr Gescheites zu sagen wußte, der in irgendeinem Dorf der Provence von 1789 bis 1800 ein stumpfes Dasein lebte? Er hat die Sache miterlebt; er braucht deshalb doch nichts Erhebliches darüber zu sagen zu wissen! Ebenso können Unzählige nach Amerika, nach Italien reisen, und können, wie man heute sagt, Land und Leute beurteilen. Aber das, was sie sagen, das braucht nicht sehr wertvoll zu sein für die Beurteilung dessen, was notwendig ist. Dies hängt davon ab, daß man die Möglichkeit hat, in die Untergründe des Daseins hineinzukommen, und dazu ist heute notwendig, daß man nicht auf der einen Seite meinetwillen den Materialismus annimmt oder ablehnt, oder den Spiritualismus annimmt oder ablehnt, nein, dem Wirklichkeitsforscher, dem Geistesforscher in unserem Sinn muß es ganz einerlei sein, ob einer seinen Ausgangspunkt davon nimmt, daß er Materialist ist oder Spiritualist. Wir haben auch nicht notwendig, die Materialisten unter allen Umständen zu verachten, denn darauf kommt es nicht an, ob man von der Materie oder von dem Geist ausgeht, wenn man bloß zu Ende geht! Wer in der wirklichen Betrachtung der Materie zu Ende geht, der findet in dem, was materiell um uns herum geschieht, den Geist, und wer sich auf den Geist stützen will und immer sagt: Geist, Geist, Geist —, der soll vor allen Dingen sehen, daß er den Weg findet von der abstrakten Erfassung des Geistes zu der konkreten Erfassung dessen, was materiell geschieht. Denn das, was materiell geschieht, ist Offenbarung des Geistes, aber man muß den rechten Glauben an das Geistige entwickeln. Derjenige, der nicht das erwartungsvolle Leben hat, daß jedes neue Jahr neue Geheimnisse in uns hineinstrahlen können, indem wir älter werden, der glaubt in Wirklichkeit, wenn er noch so sehr von Gott und dem Geiste spricht, nicht an Gott und den Geist. Denn er glaubt, in alledem, was den Menschen urteilsfähig macht, mit fünfundzwanzig Jahren reif zu sein. Dann ist aber das übrige Leben für die Seele nutzlos, wertlos; da offenbart die Gottheit nicht mehr etwas anderes.

[ 23 ] Of course, people today tend to think that anyone who has experienced something has something to say about it, no matter what the circumstances. Well, do you really believe that everyone who lived a dull existence in some village in Provence from 1789 to 1800 had something very insightful to say about the French Revolution? He witnessed the events firsthand; that doesn’t mean he necessarily knows anything substantial to say about them! Similarly, countless people can travel to America or Italy and, as people say today, pass judgment on the country and its people. But what they say need not be of great value for assessing what is necessary. This depends on having the ability to penetrate to the depths of existence, and for that, it is necessary today not to adopt or reject materialism—or to adopt or reject spiritualism—merely for its own sake, no, the researcher of reality, the researcher of the spirit in our sense, must be completely indifferent to whether one takes as one’s starting point the fact that one is a materialist or a spiritualist. Nor do we necessarily have to despise materialists under all circumstances, for it does not matter whether one starts from matter or from the spirit, as long as one follows the line of thought through to its conclusion! Whoever follows through to the end in the genuine contemplation of matter will find the spirit in what happens materially around us; and whoever wishes to rely on the spirit and always says, “Spirit, spirit, spirit”—should, above all, ensure that they find the path from the abstract grasp of the spirit to the concrete grasp of what happens materially. For what happens in the material world is a revelation of the Spirit, but one must develop the right faith in the spiritual. Anyone who does not live with the expectation that each new year can radiate new mysteries into us as we grow older does not, in reality—no matter how much they speak of God and the Spirit—believe in God and the Spirit. For they believe that, in all that enables human beings to exercise judgment, they are already mature at the age of twenty-five. But then the rest of life is useless and worthless for the soul; for the Divine no longer reveals anything else.

[ 24 ] Man muß mit dem Geist bis zu dem Materiellen vordringen, es begreifen. Das Geistige muß so verdichtet werden, daß es das Materielle finden kann. Wenn wir das, was sonst draußen in der Welt vorgeht an materiellen Erscheinungen, nur an demjenigen, was in uns ist, erfassen, so müssen wir sagen: Ein Abgrund ist zwischen dem Äußeren und demjenigen, was in uns vorgeht. — Allein die Geisteswissenschaft ist berufen, das Äußere an uns heranzunähern und uns an das Äußere so anzunähern, daß beides sich begegnet. Das können wir für den einzelnen Menschen, das können wir für die Erdenevolution. Solche Dinge müssen begriffen werden. Die Naturwissenschaft ist, wie ich es gestern angeführt habe, am allerwenigsten geeignet, zu begreifen, daß das Haupt in Rückentwickelung ist und die Extremitäten in Überentwickelung begriffen sind. Diese Dinge zu begreifen, ist besonders notwendig. Wie begreift man sie? Man begreift sie dadurch, daß man über das gewöhnliche Vorstellen, über die Abstraktheit hinauskommt und ein imaginatives Anschauen von unserem eigenen Vorstellen sich bildet. Man kann nicht das eigene Vorstellen anschauen, ohne zugleich sich an dasjenige anzunähern, was in unserem Haupt materiell vorgeht, indem wir vorstellen. Wenn man das gewöhnliche Vorstellen des gewöhnlichen Bewußtseins hat, merkt man nicht, was im Haupt vorgeht. Das merkt man erst, wenn man zum imaginativen Denken aufsteigt; man erlebt den materiellen Prozeß mit.

[ 24 ] One must penetrate with the spirit down to the material realm and comprehend it. The spiritual must be condensed to such an extent that it can find the material. If we perceive the material phenomena that otherwise take place out in the world solely through what is within us, then we must say: There is an abyss between the external world and what takes place within us. — Yet spiritual science is called upon to bring the external world closer to us and to bring us closer to the external world in such a way that the two meet. We can do this for the individual human being; we can do this for the evolution of the Earth. Such things must be understood. Natural science, as I mentioned yesterday, is the least suited to grasping that the head is in a state of regression and the extremities are in a state of overdevelopment. It is particularly necessary to grasp these things. How does one grasp them? One grasps them by transcending ordinary imagination and abstract thought, and by developing an imaginative view of our own imagination. One cannot observe one’s own imagination without at the same time approaching what is materially taking place in our head as we imagine. If one has the ordinary imagination of ordinary consciousness, one does not notice what is taking place in the head. One only notices this when one rises to imaginative thinking; one experiences the material process firsthand.

[ 25 ] Und wissen Sie, was vorgeht im Haupt, im Kopfe, während wir das gewöhnliche Bewußtsein entwickeln? Ein Hungerprozeß geht vor. Darin besteht das wache Vorstellungsleben, daß unser Haupt hungert. Die falschen Asketen und falschen Mystiker haben das instinktiv eingesehen. Daher haben sie den ganzen Leib hungern lassen. Normal ist das aber nicht, daß geistige Erlebnisse dadurch auftreten, daß der ganze Leib hungert. Das ist immer falsch. Die Hungeraskese, die zu mystischen Verzückungen führen soll, ist eine Einseitigkeit, eine ungesunde Richtung. Aber normalerweise ist das Gleichgewichtsverhältnis unseres Leibes so eingerichtet, daß vom Morgen bis zum Abend, vom äußeren Aufwachen bis zum Einschlafen, nicht der ganze Leib, aber das Haupt in einem fortwährenden Hungerprozeß ist. Es ist immer das Haupt unterernährt. Das ist so etwas, was zur Rückentwickelung gehört. Und durch die Unterernährung des Hauptes sind wir imstande, Platz zu machen für das vorstellende Geistesleben. Und derjenige, der das vorstellende Geistesleben als Imagination kennenlernt, der lernt auch kennen, was andere nur in etwas unteren Regionen kennen, wenn sie das Knurren des Magens verspüren, der lernt erkennen, daß er vom Morgen bis zum Abend, bis zum Einschlafen, im Haupt Magenknurren hat. Da findet statt, was man nennen kann Annäherung des Geistes an das Materielle in unserem eigenen Leibe. Einseitige Mystik ist ein behagliches Sich-Versenken in das Innere, wo man doch nicht viel mehr erlebt, als etwas verdichteter dasjenige, was man sonst auch erlebt. Wahre geisteswissenschaftliche Entwickelung ist eine solche Erstarkung, eine solche Erkraftung des Geisteslebens, daß, wenn man es auf das eigene Erleben anwendet, man sich genauer kennenlernt, aber nun wirklich genauer kennenlernt. Man lernt dann auch das Leibliche genauer kennen, weil man das Leibliche an sich so heranrückt, daß man mit dem Leiblichen in das Geistige heraufrückt, daß man den Abgrund überbrückt, der sonst immer da ist zwischen dem Geistigen und dem Leiblichen.

[ 25 ] And do you know what is going on in the head, in the mind, while we develop ordinary consciousness? A process of hunger is taking place. The waking life of the imagination consists in the fact that our head is hungry. The false ascetics and false mystics instinctively understood this. That is why they starved the entire body. But it is not normal for spiritual experiences to arise simply because the whole body is starving. That is always wrong. Fasting, which is supposed to lead to mystical ecstasy, is one-sided and an unhealthy approach. But normally, the balance of our body is such that from morning to evening, from waking up to falling asleep, it is not the whole body but the head that is in a continuous state of hunger. It is always the head that is undernourished. This is something that is part of regressive development. And through the undernourishment of the head, we are able to make room for the imaginative spiritual life. And the person who comes to know the imaginative spiritual life as imagination also comes to know what others experience only in somewhat lower regions when they feel their stomachs growl; this person comes to realize that from morning until evening, until falling asleep, their head is growling like a stomach. What takes place here is what one might call the spirit’s approach to the material in our own body. One-sided mysticism is a comfortable immersion into the inner self, where one experiences little more than a somewhat more concentrated version of what one otherwise experiences. True spiritual-scientific development is such a strengthening, such an invigoration of the spiritual life that, when applied to one’s own experience, one comes to know oneself more precisely—but now truly more precisely. One then also comes to know the physical more intimately, because one approaches the physical in such a way that one ascends with the physical into the spiritual, bridging the chasm that is otherwise always present between the spiritual and the physical.

[ 26 ] Und so überbrückt man den Abgrund, der zwischen dem Leiblichen und Geistigen da ist, auch draußen im Völkerleben. Man sehe sich darauf hin einmal die europäischen Völkerseelen an, einige wenigstens. Sie wissen: Die führenden Wesenheiten aus den höheren Hierarchien gegenüber den Völkern — Sie wissen das aus dem Zyklus über die Völkerseelen — sind die Wesen der Erzengelhierarchie, die Archangeloi. Aber wie wirken sie? Damit ist natürlich zunächst nur die Abstraktion gesagt, daß man irgendeinen Erzengel als den Dirigenten dieses oder jenes Volkes ansieht. Da hat man nicht mehr, als wenn man von der menschlichen Seele redet, die zwischen Geburt und Tod nur dadurch da sein kann, daß sie an einem Materiellen, nämlich in unserem Leib sich herausentwickelt. So ist auch der Erzengel, indem er ein Volk leitet, an das äußere Materielle gebunden. Die Brücke zwischen dem rein geistigen Wesen des Erzengels und dem Volkswesen ist eine materielle, wenn auch nicht eine so festumrissene, scharf konturierte wie unser Leib. Wir fragen zum Beispiel: Wie ist das bei dem Volk, das die apenninische Halbinsel bewohnt, wie ist das bei dem Volk, das früher die Römer waren, das heute die italienisch gewordenen Germanen sind? Denn im Grunde genommen ist dort die Mehrzahl der Bewohner von heute nur umgewandeltes Germanenvolk, aber ihre Konfiguration, ihre Volksbestimmtheit bekommen sie durch etwas anderes, bekommen sie dadurch, daß in ihrem Atmungsprozeß, in die Luft ihres Atmungsprozesses, der Erzengel sich hinein, man kann nicht sagen, inkarniert, aber sich hinein, nun, sagen wir, verluftet. Und indem sie mit der Luft atmen, stehen die Bewohner der italienischen Halbinsel mit ihrem Erzengel in Verbindung. Und wer richtig studieren will, so daß er wirklich etwas erkennt von dem, was da eigentlich wirkt, der muß den eigentümlichen Zusammenhang der Bewohner dieser Halbinsel — auch der spanischen Halbinsel, aber da schon weniger — mit der Atmung, mit der Luft studieren. Er muß wissen, wie die Luft und der besondere Atmungsprozeß sich hineinleben in das menschliche Innenwesen.

[ 26 ] And this is how one bridges the chasm that exists between the physical and the spiritual, even in the life of nations. Let us take a look at the souls of the European nations, at least some of them. You know: The guiding beings from the higher hierarchies who stand in relation to the nations—you know this from the lecture series on the national souls—are the beings of the Archangel hierarchy, the Archangeloi. But how do they work? Of course, this initially amounts to nothing more than the abstraction of viewing some archangel as the conductor of this or that nation. This is no more than when we speak of the human soul, which can exist between birth and death only by developing within something material, namely our physical body. In the same way, the archangel, in guiding a people, is bound to the outer material world. The bridge between the purely spiritual being of the archangel and the national entity is a material one, though not as clearly defined or sharply contoured as our physical body. We ask, for example: What is the situation with the people inhabiting the Apennine Peninsula? What is the situation with the people who were once the Romans, who today are the Germanic peoples who have become Italians? For, fundamentally speaking, the majority of today’s inhabitants there are merely transformed Germanic peoples, but they derive their configuration—their national identity—from something else; they derive it from the fact that, in their breathing process, into the air of their breathing process, the archangel—one cannot say “incarnates,” but rather, let us say, “permeates”—enters. And by breathing this air, the inhabitants of the Italian Peninsula are connected to their archangel. And anyone who wishes to study this properly, so as to truly understand what is actually at work there, must study the unique connection between the inhabitants of this peninsula—and also of the Iberian Peninsula, though to a lesser extent—and breathing, and the air. They must understand how the air and the specific breathing process become integrated into the human inner being.

[ 27 ] Anders ist das bei denjenigen, die das heutige Frankreich bevölkern. Da schlägt der Erzengel eine andere Brücke, da wirkt er auf den Menschen durch alles dasjenige, was in des Menschen Naturentwickelung flüssig ist. Die Franzosen trinken vielfach ihren Volkscharakter mit ihren Weinen, aber auch noch mit anderem, was in dem Organismus als flüssiges Element figuriert. Sie sehen, auf diesem Wege kommt man nicht bloß zu abstrakten Schilderungen des Zusammenhanges der geistigen Welt mit der physischen. Es ist da ein Schildern, das gleichsam den Erzengel nur andeutet, und unten wimmeln die Völker, die Menschen, und der Erzengel führt die Menschen. Durch wahre Geisteswissenschaft kann man den Prozeß in seiner ganzen Konkretheit begreifen.

[ 27 ] The situation is different for those who populate present-day France. There, the Archangel builds a different bridge; there, he influences human beings through all that is fluid in the development of human nature. The French often imbibe their national character along with their wines, but also through other things that figure as liquid elements in the organism. You see, in this way one does not merely arrive at abstract descriptions of the connection between the spiritual world and the physical world. It is a description that, as it were, merely hints at the Archangel, while below the peoples and human beings swarm, and the Archangel guides them. Through true spiritual science, one can grasp the process in all its concreteness.

[ 28 ] Die Bewohner der britischen Insel, sie empfangen mit dem im Leibe sich entwickelnden Festen dasjenige, was ihnen der Erzengel zu geben hat. Sie nehmen es auf, indem sich die festen Bestandteile in ihrem Leibe bilden, mit der festen Organisation. Es ist natürlich nur auf einem Gebiet, wo es sich radikal ausdrückt, aber es ist trotzdem nicht bloß eine bissige Wahrheit, sondern eine geist&swissenschaftliche Wahrheit: Indem der Engländer sein Beefsteak ißt, wirkt der Erzengel an ihm. Natürlich kann das nicht — denn die einzelne Individualität sondert sich davon aus — in chauvinistischem Sinn ausgedeutet werden. Der Mensch gehört ja nur mit einem Teil seines Wesens dieser Sache an, aber insofern der Mensch dem Volk angehört, ist das in ihm wirksam. Man lernt sich über die Erde nur dadurch auskennen, daß man sich in der Zukunft nicht scheuen wird, auf diese Dinge einzugehen. Der Mensch hat eine heillose Angst vor der Wahrheit, weil durch die Wahrheit natürlich unbequeme Sachen herauskommen. Aber sobald Ernst gemacht wird mit der Wahrheit, ist es notwendig, daß man vor dieser Unbequemlichkeit nicht zurückschreckt. |

[ 28 ] The inhabitants of the British Isles receive, through the solid substance developing within their bodies, that which the Archangel has to give them. They absorb it as the solid components form within their bodies, along with their solid physical structure. Of course, this is only evident in one area where it manifests itself radically, but it is nonetheless not merely a biting truth, but a spiritual-scientific truth: as the Englishman eats his beefsteak, the Archangel works upon him. Of course, this cannot—since the individual self is distinct from it—be interpreted in a chauvinistic sense. After all, a person belongs to this matter with only a part of their being, but insofar as a person belongs to the people, this is at work within them. One can only come to know the earth by not shying away from addressing these matters in the future. People have a hopeless fear of the truth, because the truth naturally brings uncomfortable things to light. But as soon as one takes the truth seriously, it is necessary not to shy away from this discomfort. |

[ 29 ] Gehen wir hinüber nach Amerika: schon äußerlich, in der äußerlichen Konfiguration, zeigt sich ja da, wie abhängig die Menschen werden von dem, was aus dem Boden ausstrahlt! In Italien aus der Luft, in Frankreich aus dem Wasser, in England aus dem, was bestimmt ist, als feste Ingredienzien in den Leib hineinzugehen, oder in ihm fest zu werden. In Amerika ist das noch anders.

[ 29 ] Let’s turn our attention to America: even outwardly, in its external configuration, it is evident there just how dependent people become on what radiates from the ground! In Italy, it comes from the air; in France, from the water; in England, from what is destined to enter the body as solid ingredients or to solidify within it. In America, it is different still.

[ 30 ] Sie werden überhaupt sehen, daß die geisteswissenschaftlichen Wahrheiten, an der Wirklichkeit gemessen, überall ihre Bestätigung finden. Man sucht nur heute diese Bestätigung noch nicht. Ich habe in früheren Jahren einmal angeführt, daß die Entwickelung der Bewußtseinsseele, die die Egoität des Menschen besonders heraushebt, äußerlich materiell durch den Zucker gehoben wird. Ich habe damals darauf hingewiesen, wie unendlich größer der Zuckergenuß auf den britischen Inseln ist als zum Beispiel bei dem selbstlosen russischen Volk, wo der Zuckergenuß unendlich viel geringer ist. Aber wenn man schildert, daß erst mit dem 15. Jahrhundert die Bewußtseinsseele heraufkommt, um sich zu entwickeln, so sehe man nur in der Geschichte der Zuckerproduktion nach: Sie beginnt erst mit dem 15. Jahrhundert. Woher stammt denn eigentlich unsere Zuckerproduktion? Die Menschen fangen erst mit dem 15. Jahrhundert an, auf den Zucker angewiesen zu werden. Alles, was geisteswissenschaftlich wirklich aus den geistigen Welten hervorgerufen wird, wird voll bekräftigt gerade dann, wenn es so stark geistig sich entwickelt, daß es untertauchen kann in das Materielle, wo es lebt und deshalb erkannt werden muß. Sobald man hinübergeht nach Amerika, findet man nicht bloß äußerlich, daß die Europäer, die nach Amerika hinüberkommen, nach und nach andere Arme und Hände bekommen: es nähert sich die Arm- und Handbildung derjenigen der alten Indianer an, des alten Indianervolks, das in Amerika ausgerottet worden ist. Und das gilt auch von der Konfiguration der Gesichtsbildung, wenn es auch leise und erst in der dritten, vierten Generation auftritt, und natürlich darf man sich das nicht so vorstellen, daß da in der dritten, vierten Generation ein biederer britischer Spießer nun gleich ein Indianer werden könnte, sondern es zeigt sich nur in den feineren Gesichtszügen; aber es tritt schon hervor. Diesen Dingen muß man ins Gesicht sehen, denn nur dadurch wird es möglich sein, durch die Erkenntnis richtige Liebe über die Erde hin zu entwickeln. Liebe läßt sich nur dadurch entwickeln, daß man sich wirklich in die anderen Menschen hineinfindet. Dazu ist aber notwendig, daß man sie kennenlernt. Der Volksgeist wirkt auf das amerikanische Volk durch die Untergründe von der Erde herauf, durch die in der Erde schlummernden magnetischen und elektrischen Kräfte. Das Unterirdische ist es, das da heraufstrahlt und das da in Amerika das Medium abgibt, durch das der Volksgeist das Volk dirigiert.

[ 30 ] You will see that, when measured against reality, the truths of spiritual science find confirmation everywhere. It is just that people are not yet seeking this confirmation today. I once mentioned in earlier years that the development of the conscious soul—which particularly emphasizes the human ego—is outwardly and materially enhanced by sugar. At that time, I pointed out how infinitely greater the consumption of sugar is in the British Isles than, for example, among the selfless Russian people, where sugar consumption is infinitely lower. But when one describes how the consciousness soul only began to emerge and develop in the 15th century, one need only look at the history of sugar production: it did not begin until the 15th century. Where, then, does our sugar production actually originate? It was not until the 15th century that people began to depend on sugar. Everything that is truly brought forth from the spiritual worlds through spiritual science is fully confirmed precisely when it develops spiritually to such an extent that it can sink into the material world, where it lives and must therefore be recognized. As soon as one crosses over to America, one finds—and not merely outwardly—that the Europeans who come to America gradually develop different arms and hands: the formation of their arms and hands begins to resemble that of the ancient Indians, the ancient Indian people who were exterminated in America. And this also applies to facial features, even if it occurs gradually and only in the third or fourth generation; of course, one must not imagine that a staid British bourgeois could suddenly become a Native American in the third or fourth generation—rather, it manifests only in the finer facial features; yet it does become apparent. We must look these things in the face, for only then will it be possible to develop true love across the earth through this understanding. Love can only be developed by truly empathizing with other people. But to do this, it is necessary to get to know them. The national spirit acts upon the American people from below, rising up from the earth through the magnetic and electrical forces slumbering within it. It is the subterranean realm that radiates upward and serves as the medium in America through which the national spirit guides the people.

[ 31 ] Und gehen wir nach Mitteleuropa; da ist es gut, die Menschen selbst nachdenken zu lassen. Aber einiges kann doch gesagt werden: Da ist eigentlich etwas stark Labiles, etwas sehr stark Intimes, was mit der materiellen Ausgestaltung des Volksgeistes, mit der materiellen Auswirkung des Volksgeistes zusammenhängt. Da ist es im wesentlichen die Wirkung von Wärme auf Wärme. Die Wärmedifferenzen, die auftreten zwischen äußerem Warmsein und innerem Warmsein, Wärme des Winters, des Frühlings, des Sommers, kurz alles, was sich in den Wärmeverhältnissen ausdrückt, das ist das Medium, durch das der Volksgeist in Mitteleuropa wirkt. Alles das, was ausden Wärmeverhältnissen heraus auf die Blutzirkulation und die Atmung wirkt, das ist der Umweg, durch den der Volksgeist hier wirkt. Sie können das auch im Seelischen verfolgen. Wir haben noch die Möglichkeit — wenn wir nicht gerade Fritz Mauthner sind —, im Element der Sprache etwas von der Nachwirkung, ich möchte sagen, des Durchwärmtseins zu fühlen. Wenn man nicht von allen guten Geistern der Sprache verlassen ist, so ist man soch im Deutschen zum Beispiel imstande, in die Sprache sich hineinzufühlen, nicht bloß beim abstrakten Element stehenzubleiben, sondern sich hineinzufühlen in den Geist der Sprache, weil Wärme in Wärme physisch verwandt dem Seelischen ist. Nichts ist physisch so verwandt mit dem Seelischen als die Seelenwärme und Seelenkälte mit der physischen Wärme und physischen Kälte. Dasjenige, was in der Empfindungsseele lebt, ist schon viel fremder der Luft; dasjenige, was in der Verstandes- oder Gemütsseele lebt, ist viel fremder dem Element des Wassers, und gar dasjenige, was in der Bewußtseinsseele lebt, ist fremd dem Beefsteak, will sagen der Erde. Und gar furchtbar fremd ist, was in der menschlichen Seele zum Ausdruck kommt, demjenigen, was an magnetischen und elektrischen Kräften vom Unterirdischen hereinstrahlt in die menschliche Entwickelung im amerikanischen Volkscharakter. Daher ist so vieles da, was im amerikanischen Volkscharakter so aussieht, als ob der Amerikaner von dem, was er treibt, besessen ist, im Gegensatz zum Mitteleuropäer, der bei allem, was er treibt, mit dem Seelischen dabei sein muß, der daher auch mystische Wärme entwickeln kann, während der Amerikaner so leicht spiritistische Gesinnung entwickeln, besessen sein kann von irgendeinem Geistigen, wie man auch besessen wird von dem, was nicht mehr unmittelbar in den Menschen hereinströmt, wie Luft, Wasser, Erde, sondern nur vom Unterirdischen der Erde aus heraufwirkt, um die Volksstrukturen zu bilden.

[ 31 ] And let us turn to Central Europe; there, it is best to let people think for themselves. But a few things can be said: There is actually something highly unstable, something very deeply intimate, which is connected to the material manifestation of the national spirit, to the material effects of the national spirit. Essentially, it is the effect of warmth upon warmth. The temperature differences that arise between external warmth and internal warmth—the warmth of winter, spring, and summer; in short, everything expressed in temperature conditions—that is the medium through which the national spirit acts in Central Europe. Everything that, arising from thermal conditions, affects blood circulation and respiration—that is the indirect path through which the national spirit operates here. You can also trace this in the realm of the soul. We still have the ability—unless we happen to be Fritz Mauthner—to sense, in the element of language, something of the aftereffect, I would say, of being warmed through. Unless one has been forsaken by all the good spirits of language, one is, in German for example, able to empathize with the language, not merely to remain at the level of the abstract element, but to empathize with the spirit of the language, because warmth is physically related to the soul in the same way that physical warmth is related to the soul. Nothing is as physically akin to the soul as the warmth and coldness of the soul are to physical warmth and physical cold. That which lives in the sensuous soul is already much more alien to the air; that which lives in the intellectual or emotional soul is much more alien to the element of water; and indeed, that which lives in the conscious soul is alien to the beefsteak—that is to say, to the earth. And what finds expression in the human soul is utterly alien to the magnetic and electrical forces that radiate from the underworld into human development as manifested in the American national character. That is why there is so much in the American national character that makes it seem as if the American is possessed by what he does, in contrast to the Central European, who must be present in spirit in everything he does and who can therefore also develop mystical warmth, whereas Americans so easily develop a spiritualistic disposition and can become obsessed with some spiritual force—just as one becomes obsessed with that which no longer flows directly into human beings, like air, water, and earth, but rather works its way up from the earth’s underground to shape the structures of the nation.

[ 32 ] Im russischen Volkscharakter, in dem, was sich im Osten vorbereitet — wir werden über solche Dinge noch übermorgen weiterreden —, da wirkt der Volksgeist, der aber erst berufen ist in der Zukunft, durch sein Volk eine besondere Rolle zu spielen, da wirkt der Volksgeist durch das Licht, und zwar so durch das Licht, daß er nicht durch das unmittelbar von der Sonne herstrahlende Licht wirkt, sondern durch das Licht, das sich erst einsaugt in die Vegetation und in die Erde selbst und wieder zurückstrahlt. Die von der Erde, namentlich von der Vegetation zurückgestrahlte Sonnenkraft, die vom Boden aus wirkende Sonnenkraft ist dasjenige, was der russische Volksgeist benützt als sein Medium, um die Volksstruktur, die Volksorganisation zu bewirken.

[ 32 ] In the Russian national character, in what is taking shape in the East—we will discuss such matters further the day after tomorrow— the national spirit is at work—though it is destined to play a special role through its people only in the future—the national spirit works through light, and specifically through light in such a way that it does not act through the light radiating directly from the sun, but through the light that is first absorbed by the vegetation and the earth itself and then radiated back. The solar power reflected back by the earth, particularly by the vegetation—the solar power acting from the ground—is what the Russian national spirit uses as its medium to bring about the national structure and organization.

[ 33 ] Man sehe sich auf diese Dinge hin alle Einzelheiten an — ich werde davon übermorgen noch mehr sprechen —, dann wird man sehen, wie die Gegenwart und nächste Zukunft nötig haben, nicht eine allgemeine, verschwommene, phrasenhafte Mystik, sondern ein geistig wirklich so starkes Geist-Erkennen, daß es untertauchen kann, daß es sich hineinversetzen kann in das materielle Dasein, mit dem man zu leben hat. So daß das materielle Dasein, wenn es in seiner Verwandtschaft mit dem Geiste beschaut werden kann, nicht, wie man es durch Irrtum getan hat, als etwas betrachtet wird, aus dem man am liebsten herausfahren möchte wie aus seiner Haut, um zum Geist zu kommen, sondern das gerade betrachtet werden muß als eine Offenbarung des Geistes. Der hat noch nicht zum Geiste das richtige Verhältnis, der nicht einzusehen vermag, daß dasjenige, was physisch ist, in Wahrheit eine Offenbarung des Geistes ist. Alles, was um uns ist, ist Körper des Geistes. Und erst wenn man den Geist so begreift, daß man die Natur als einen Körper des Geistes anzusehen vermag, erst dann ist man imstande, eine wirkliche Geist-Erkenntnis zu bekommen. Das sind aber die Dinge, die als konkrete Geist-Erkenntnis angestrebt werden müssen. Aber liegt es nicht eigentlich in diesen Dingen, sobald man nur mit vollem Ernst an sie herantritt, daß sie den Menschen unbequem werden, diesen Menschen der Gegenwart, die ja natürlich solche Wahrheiten nicht lieben, die am liebsten nur hören möchten: Die Menschen müssen sich über die Erde hinüber lieben! — Ja, gewiß, aber sie müssen sich zuerst erkennen. Und es muß die Liebe unabhängig werden von dem, was in der Erkenntnis einem entgegentritt, aber sie kann nur unabhängig werden, wenn einem das in der Erkenntnis entgegentritt. Denn dasjenige, was ich geschildert habe, auch das, was ich über die Völkerseelen geschildert habe, Sie wissen es alle, Ihre Nerven, Ihre Muskeln, Ihr Blut weiß es: darin ist es verzaubert, daraus muß es geholt werden; und wird es dies nicht in der nächsten Zeit, so wird es in den Nerven, in den Muskeln, im Blut rumoren, und es wird als Disharmonie, als Impuls zu Streit und Krieg über die Erde hingehen. Daß dies nicht geschehe, kann nur dadurch eintreten, daß der Geist, der sonst in sein ahrimanisches oder luziferisches Gegenbild sich verwandelt, erlöst wird aus Nerven und Muskeln und Blut und in das Bewußtsein geführt wird, denn nur im Bewußtsein will er leben hier auf Erden. Nur wenn er im Bewußtsein lebt, ist er in sein richtiges Dasein eingesetzt und führt die Menschen zu dem, wozu sie in Zukunft kommen müssen. Er darf nicht da unten gelassen werden im ahrimanischen und luziferischen Gebiet, weil er sich verwandelt, wenn er seinen Platz nicht finden kann. Diese Verwandlungsfähigkeit des Geistes, die muß man einsehen, denn ihrer Einsicht ergeben sich die Aufgaben für die Zukunft. Nicht leichten Sinns kann man sich erheben zu demjenigen, was von der Menschheit gefordert ist für die Zukunft, sondern es ist notwendig, tief zu schürfen mit der Erkenntnis, damit die Aufgaben der Zukunft gelöst werden können. Dazu ist notwendig, daß die Menschen manche Unbequemlichkeiten überwinden. Und weil sie sie nicht überwinden wollen, werden sie noch vielfach Feinde einer geistigen Entwickelung werden. Damit wird zu rechnen sein, gerade wenn sich die Geisteswissenschaft ausbreitet. Um so mehr wird damit zu rechnen sein, je stärker so etwas da ist, und je mehr an Sie alle die Aufforderung ergeht, den Übergang zu gewinnen von dem behaglichen Sektierern zu dem weltmännischen Blick, zu dem Wirken auf dem Weltenplan, zum Heraustragen dieser Geisteswissenschaft aus den vorderen und hinteren guten Stuben auf jene Plätze hinaus, auf denen man glaubt, die Angelegenheiten der Menschheit verhandeln zu müssen. Davon wollte ich heute sprechen; übermorgen dann weiter.

[ 33 ] If one examines all the details in light of these things—I will speak more about this the day after tomorrow—one will see how the present and the near future require not a general, vague, clichéd mysticism, but a spiritual insight so spiritually powerful that it can immerse itself, that it can put itself in the place of the material existence with which one must live. So that material existence, when viewed in its relationship to the spirit, is not—as has been mistakenly done—regarded as something from which one would most like to escape, as if shedding one’s own skin, in order to reach the spirit, but must instead be seen precisely as a revelation of the spirit. One who cannot grasp that what is physical is, in truth, a revelation of the spirit does not yet have the proper relationship to the spirit. Everything around us is the body of the Spirit. And only when one understands the Spirit in such a way that one is able to regard nature as a body of the Spirit—only then is one capable of attaining true spiritual knowledge. But these are the things that must be sought as concrete spiritual knowledge. But isn’t it actually the case with these things—as soon as one approaches them with complete seriousness—that they become uncomfortable for people, for the people of the present, who naturally do not love such truths and would prefer to hear only this: “People must love one another across the earth!” — Yes, certainly, but they must first recognize one another. And love must become independent of what one encounters in knowledge, but it can only become independent if one encounters it in knowledge. For what I have described—including what I have described about the souls of nations—you all know it; your nerves, your muscles, your blood know it: it is enchanted within them, and must be drawn out from there; and if this does not happen in the near future, it will rumble within the nerves, the muscles, and the blood, and it will sweep across the earth as disharmony, as an impulse toward strife and war. The only way to prevent this from happening is for the spirit—which would otherwise transform into its Ahrimanic or Luciferic counterpart—to be liberated from the nerves, muscles, and blood and led into consciousness, for it is only in consciousness that it wishes to live here on Earth. Only when it lives in consciousness is it placed in its proper existence and leads humanity toward what it must achieve in the future. It must not be left down there in the Ahrimanic and Luciferic realms, for it transforms itself if it cannot find its place. This capacity of the spirit to transform—this is what one must understand, for from this understanding arise the tasks for the future. One cannot lightly rise to what is required of humanity for the future; rather, it is necessary to delve deeply into knowledge so that the tasks of the future can be solved. To this end, it is necessary for people to overcome certain inconveniences. And because they are unwilling to overcome them, they will in many cases become enemies of spiritual development. This must be expected, especially as spiritual science spreads. It will be all the more to be expected the stronger such opposition is, and the more the call goes out to all of you to make the transition from the comfortable narrow-mindedness of sectarianism to a cosmopolitan outlook, to working on the world stage, to bringing this spiritual science out of the front and back parlors and into those places where one believes one must deal with the affairs of humanity. That is what I wanted to speak about today; I will continue the day after tomorrow.