The Spiritual Background of World War I
GA 174b
13 February 1915, Stuttgart
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Die geistigen Hinter des Ersten Weltkrieges
Zweiter Vortrag
Zweiter Vortrag
[ 1 ] Immer wieder und wiederum muß betont werden, daß der wesentlichste Punkt unseres geisteswissenschaftlichen Strebens derjenige ist, der uns zeigt, wie bloßes Wissen, bloße in Ideen und Vorstellungen lebende Erkenntnisse immer mehr und mehr vergangenen Zeiten angehören müssen, und wie wir eine Erkenntnis zu suchen haben, eine Summe von Ideen und Vorstellungen, von Empfindungen und Willensimpulsen, die uns wirkliches Leben werden, die uns im eminentesten Sinne des Wortes lebendig werden. Es ist notwendig, daß wir zuweilen unser Nachsinnen, unsere Meditation hinlenken gerade auf diesen Kardinalpunkt unseres Strebens. Denn voll wird das Licht, das von diesem Punkte aus strahlen kann, nur dann unsere Seelen erleuchten können, wenn wir immer wieder und wiederum in treulichem Nachsinnen auf ihn zurückkommen. Es muß ja gerade für uns, die wir mit Seele und Herz uns bekennen wollen zu einem geisteswissenschaftlichen Streben, in dieser unserer ernsten Zeit Herzensbedürfnis sein, dasjenige, was uns durch Erkenntnisse werden kann, in das wirkliche Leben überzuführen, in das unmittelbare Leben der Seele. Wir müssen etwas dazu tun, daß alles dasjenige, was theoretische Einsicht nur, was bloß wissenschaftliches Streben ist, allmählich wirklich übergeführt werde in Erlebnisse, daß es bereichert werde aus der Geisteswelt heraus durch das, wodurch es Erlebnis werden kann. Sonst gehen wir einer Zeit der geistigen Ausdörrung entgegen; denn Theorien, bloß wissenschaftliche Überzeugungen, sind dazu geeignet, die Menschenseele und das ganze menschliche Leben überhaupt auszudörren. Aber tief, tief eingewurzelt ist in unserer Zeit der Glaube, daß man im Leben zurechtkommen müsse mit einer nach dem Muster von wissenschaftlicher Erkenntnis geordneten Überzeugung.
[ 1 ] Immer wieder und wiederum muß betont werden, daß der wesentlichste Punkt unseres geisteswissenschaftlichen Strebens derjenige ist, der uns zeigt, wie bloßes Wissen, bloße in Ideen und Vorstellungen lebende Erkenntnisse immer mehr und mehr vergangenen Zeiten angehören müssen, und wie wir eine Erkenntnis zu suchen haben, eine Summe von Ideen und Vorstellungen, von Empfindungen und Willensimpulsen, die uns wirkliches Leben werden, die uns im eminentesten Sinne des Wortes lebendig werden. Es ist notwendig, daß wir zuweilen unser Nachsinnen, unsere Meditation hinlenken gerade auf diesen Kardinalpunkt unseres Strebens. Denn voll wird das Licht, das von diesem Punkte aus strahlen kann, nur dann unsere Seelen erleuchten können, wenn wir immer wieder und wiederum in treulichem Nachsinnen auf ihn zurückkommen. Es muß ja gerade für uns, die wir mit Seele und Herz uns bekennen wollen zu einem geisteswissenschaftlichen Streben, in dieser unserer ernsten Zeit Herzensbedürfnis sein, dasjenige, was uns durch Erkenntnisse werden kann, in das wirkliche Leben überzuführen, in das unmittelbare Leben der Seele. Wir müssen etwas dazu tun, daß alles dasjenige, was theoretische Einsicht nur, was bloß wissenschaftliches Streben ist, allmählich wirklich übergeführt werde in Erlebnisse, daß es bereichert werde aus der Geisteswelt heraus durch das, wodurch es Erlebnis werden kann. Sonst gehen wir einer Zeit der geistigen Ausdörrung entgegen; denn Theorien, bloß wissenschaftliche Überzeugungen, sind dazu geeignet, die Menschenseele und das ganze menschliche Leben überhaupt auszudörren. Aber tief, tief eingewurzelt ist in unserer Zeit der Glaube, daß man im Leben zurechtkommen müsse mit einer nach dem Muster von wissenschaftlicher Erkenntnis geordneten Überzeugung.
[ 2 ] Die großen Ereignisse, die sich in unserer Zeit abspielen, sie sollten insbesondere Aufforderungen sein an die zur Geisteswissenschaft geneigten Seelen, einmal wirklich über die Verschiedenheit von Leben und bloßem Wissen ins klare zu kommen, von Leben und bloßer, nach wissenschaftlichem Muster gebildeter Überzeugung. Wir müssen da schon einmal ein wenig versuchen, zu einer Art von Selbsterkenntnis, von rein menschlicher Selbsterkenntnis zu kommen; wir müssen das versuchen, müssen mit uns zu Rate gehen, wie sehr der Dämon der theoretischen Überzeugung gegenwärtig in den menschlichen Herzen lebt. Wir müssen das seelische Auge klar darauf hin richten, wie sich einwurzeln will dieser Dämon der theoretischen Überzeugung. Und das, was uns Anthroposophie sein soll, werden wir nicht zu unserem innersten Erlebnis machen, wenn wir das nicht versuchen, wenn wir nicht das Auge hinlenken auf Tatsachen, die auch den Anthroposophen sozusagen in seinem eigenen Seelenleben überraschen können, die darauf hinweisen, wie ferne man, wenn man sich so dem modernen Seelenleben hingibt, dem unmittelbaren Erlebnis des Geistigen steht, und wie nahe man dem Suchen nach einer theoretischen Überzeugung steht. Ganz unbefangen muß man solchen Tatsachen ins Auge schauen.
[ 2 ] Die großen Ereignisse, die sich in unserer Zeit abspielen, sie sollten insbesondere Aufforderungen sein an die zur Geisteswissenschaft geneigten Seelen, einmal wirklich über die Verschiedenheit von Leben und bloßem Wissen ins klare zu kommen, von Leben und bloßer, nach wissenschaftlichem Muster gebildeter Überzeugung. Wir müssen da schon einmal ein wenig versuchen, zu einer Art von Selbsterkenntnis, von rein menschlicher Selbsterkenntnis zu kommen; wir müssen das versuchen, müssen mit uns zu Rate gehen, wie sehr der Dämon der theoretischen Überzeugung gegenwärtig in den menschlichen Herzen lebt. Wir müssen das seelische Auge klar darauf hin richten, wie sich einwurzeln will dieser Dämon der theoretischen Überzeugung. Und das, was uns Anthroposophie sein soll, werden wir nicht zu unserem innersten Erlebnis machen, wenn wir das nicht versuchen, wenn wir nicht das Auge hinlenken auf Tatsachen, die auch den Anthroposophen sozusagen in seinem eigenen Seelenleben überraschen können, die darauf hinweisen, wie ferne man, wenn man sich so dem modernen Seelenleben hingibt, dem unmittelbaren Erlebnis des Geistigen steht, und wie nahe man dem Suchen nach einer theoretischen Überzeugung steht. Ganz unbefangen muß man solchen Tatsachen ins Auge schauen.
[ 3 ] Ich konnte — und was ich jetzt anführe, soll nur als Beispiel angeführt werden —, seitdem die ernsten Ereignisse über Europa und die Welt hereingebrochen sind, an den verschiedensten Orten des deutschen Sprachgebietes über Erlebnisse sprechen, die mit unserer ernsten Zeit im Zusammenhang stehen. Ich habe es ja auch hier in Stuttgart tun dürfen. Da und dort wurde von mir über solche Erlebnisse gesprochen. Was war eine der Folgen davon, daß solche Erlebnisse besprochen worden sind? Eine der Folgen war die, daß Angehörige anderer Reiche gekommen sind mit der Anforderung, dasjenige, was innerhalb unseres Sprachgebietes gesprochen worden ist, auch zu ihnen zu bringen. Oftmals war das gefordert unter der gutgemeinten Voraussetzung, daß die Wahrheit für alle Menschen selbstverständlich die gleiche sei, und daß solch ein Hintragen desjenigen, was an einem Orte gesprochen wird, zum anderen Orte ohne weiteres zur Aufklärung der Wahrheit in unserer schwierigen Zeit dienen könne. Es ist ja innerhalb unserer Geistesströmung Mode geworden, alles, was gesprochen wird, auch dasjenige, was gesprochen wird aus dem unmittelbaren Impuls nicht nur der Zeit, sondern auch des Ortes und der Menschen heraus, zu denen es gesprochen wird, aufzuschreiben und nun den Glauben zu haben, daß das jedem in der gleichen Weise dienen müsse, weil man die theoretische Voraussetzung macht, die Wahrheit könne nur auf eine einzige Weise formuliert werden. Nun, meine lieben Freunde, es würde sich jener Unfug, der darin besteht, daß man in genauer Weise das gesprochene Wort nachschreibt und glaubt, daß es noch immer den Inhalt habe, wenn es nun als nachgeschriebenes Wort da oder dort vorgelesen werde oder wiedergesprochen werde, es würde sich dieser Unfug ins Ungeheuerliche auswachsen, wenn man das glauben könnte, was eben angedeutet worden ist.
[ 3 ] Ich konnte — und was ich jetzt anführe, soll nur als Beispiel angeführt werden —, seitdem die ernsten Ereignisse über Europa und die Welt hereingebrochen sind, an den verschiedensten Orten des deutschen Sprachgebietes über Erlebnisse sprechen, die mit unserer ernsten Zeit im Zusammenhang stehen. Ich habe es ja auch hier in Stuttgart tun dürfen. Da und dort wurde von mir über solche Erlebnisse gesprochen. Was war eine der Folgen davon, daß solche Erlebnisse besprochen worden sind? Eine der Folgen war die, daß Angehörige anderer Reiche gekommen sind mit der Anforderung, dasjenige, was innerhalb unseres Sprachgebietes gesprochen worden ist, auch zu ihnen zu bringen. Oftmals war das gefordert unter der gutgemeinten Voraussetzung, daß die Wahrheit für alle Menschen selbstverständlich die gleiche sei, und daß solch ein Hintragen desjenigen, was an einem Orte gesprochen wird, zum anderen Orte ohne weiteres zur Aufklärung der Wahrheit in unserer schwierigen Zeit dienen könne. Es ist ja innerhalb unserer Geistesströmung Mode geworden, alles, was gesprochen wird, auch dasjenige, was gesprochen wird aus dem unmittelbaren Impuls nicht nur der Zeit, sondern auch des Ortes und der Menschen heraus, zu denen es gesprochen wird, aufzuschreiben und nun den Glauben zu haben, daß das jedem in der gleichen Weise dienen müsse, weil man die theoretische Voraussetzung macht, die Wahrheit könne nur auf eine einzige Weise formuliert werden. Nun, meine lieben Freunde, es würde sich jener Unfug, der darin besteht, daß man in genauer Weise das gesprochene Wort nachschreibt und glaubt, daß es noch immer den Inhalt habe, wenn es nun als nachgeschriebenes Wort da oder dort vorgelesen werde oder wiedergesprochen werde, es würde sich dieser Unfug ins Ungeheuerliche auswachsen, wenn man das glauben könnte, was eben angedeutet worden ist.
[ 4 ] Wenn diejenigen Dinge, welche die Menschen Europas und der Welt gegenwärtig auszumachen haben, ausgemacht werden könnten durch Worte, dann brauchten nicht jene ungeheuren Ströme von Blut zu fließen, die aus den ewigen Notwendigkeiten der Erdenentwickelung heute fließen müssen. Wenn ohne weiteres die Möglichkeit bestünde, daß die Seelen sich aus den nationalen Aspirationen heraus verstehen würden, dann brauchten sie sich nicht mit Kanonen gegeneinander zu stellen. Wir müssen uns mit demjenigen, was als der Charakter des Erlebnisses angegeben worden ist, wir müssen uns mit geisteswissenschaftlicher Erkenntnis gerade da bewähren, wo es darauf ankommt, dem großen Ernst entgegenzusehen. Für alltägliche Seelenbedürfnisse spielerisch okkulte Wahrheiten zu gebrauchen, das kann nicht die Aufgabe unseres geisteswissenschaftlichen Strebens sein. Solange wir nicht in der Lage sind, es zu dem Verständnis zu bringen, daß in den Weltenerscheinungen, die uns auf dem physischen Plan entgegentreten, wirklich spirituelle Mächte tätig sind, und daß wir Geisteswissenschaft brauchen, um Wert und innere Wahrheit dieser spirituellen Mächte abzuschätzen und zu durchschauen, solange wir das nicht vermögen, haben wir noch nicht das richtige Verhältnis zu unserer Geisteswissenschaft.
[ 4 ] Wenn diejenigen Dinge, welche die Menschen Europas und der Welt gegenwärtig auszumachen haben, ausgemacht werden könnten durch Worte, dann brauchten nicht jene ungeheuren Ströme von Blut zu fließen, die aus den ewigen Notwendigkeiten der Erdenentwickelung heute fließen müssen. Wenn ohne weiteres die Möglichkeit bestünde, daß die Seelen sich aus den nationalen Aspirationen heraus verstehen würden, dann brauchten sie sich nicht mit Kanonen gegeneinander zu stellen. Wir müssen uns mit demjenigen, was als der Charakter des Erlebnisses angegeben worden ist, wir müssen uns mit geisteswissenschaftlicher Erkenntnis gerade da bewähren, wo es darauf ankommt, dem großen Ernst entgegenzusehen. Für alltägliche Seelenbedürfnisse spielerisch okkulte Wahrheiten zu gebrauchen, das kann nicht die Aufgabe unseres geisteswissenschaftlichen Strebens sein. Solange wir nicht in der Lage sind, es zu dem Verständnis zu bringen, daß in den Weltenerscheinungen, die uns auf dem physischen Plan entgegentreten, wirklich spirituelle Mächte tätig sind, und daß wir Geisteswissenschaft brauchen, um Wert und innere Wahrheit dieser spirituellen Mächte abzuschätzen und zu durchschauen, solange wir das nicht vermögen, haben wir noch nicht das richtige Verhältnis zu unserer Geisteswissenschaft.
[ 5 ] Das muß uns klar sein: Wenn wir auf rein anthroposophischem Boden stehen, wenn wir die hohen Wahrheiten entwickeln für unsere Seele, welche des Menschen höchstes Wesen berühren, dann stehen wir auf einem Boden, der jenseits ist aller Nationalität, ja jenseits aller Rassenunterschiede sogar. Stehen wir recht auf dem Boden desjenigen, was wir über des Menschen Wesen aus der spirituellen Erkenntnis gewinnen können, dann gelten dieselben Wahrheiten über den ganzen Erdkreis hin, ja innerhalb gewisser Horizonte für andere Planeten unseres Planetensystems: sobald wir auf diesem Boden stehen, sobald für uns in Betracht kommen die höchsten, das menschliche Wesen betreffende Gedanken. Anders ist es, wenn Dinge in Betracht kommen, aus denen etwas anderes spricht und sprechen muß als dieses allerhöchste Wesen des Menschen: Wenn Völker einander gegenüberstehen, haben wir es nicht zu tun mit demjenigen, was in des Menschen Wesen hinausreicht über alle die Differenzierungen der Menschheit. Wenn Völker einander gegenüberstehen, so stehen nicht bloß Menschen, sondern spirituelle Welten einander gegenüber, stehen sich solche Wesenheiten in spirituellen Welten gegenüber, die durch die Menschen sich betätigen, die in den Menschen leben. Und zu glauben, daß dasjenige, was für Menschen gelten muß, auch gelten muß für jene komplizierte Dämonen- und Geisterwelt, welche durch die Menschen wirkt, wenn Völker miteinander kämpfen, zu glauben, daß man durch einfache menschliche Logik etwas ausmachen könnte über dasjenige, was die Dämonen gegeneinander treibt, das heißt doch, noch nicht den Glauben an eine konkrete spirituelle Welt gefunden zu haben.
[ 5 ] Das muß uns klar sein: Wenn wir auf rein anthroposophischem Boden stehen, wenn wir die hohen Wahrheiten entwickeln für unsere Seele, welche des Menschen höchstes Wesen berühren, dann stehen wir auf einem Boden, der jenseits ist aller Nationalität, ja jenseits aller Rassenunterschiede sogar. Stehen wir recht auf dem Boden desjenigen, was wir über des Menschen Wesen aus der spirituellen Erkenntnis gewinnen können, dann gelten dieselben Wahrheiten über den ganzen Erdkreis hin, ja innerhalb gewisser Horizonte für andere Planeten unseres Planetensystems: sobald wir auf diesem Boden stehen, sobald für uns in Betracht kommen die höchsten, das menschliche Wesen betreffende Gedanken. Anders ist es, wenn Dinge in Betracht kommen, aus denen etwas anderes spricht und sprechen muß als dieses allerhöchste Wesen des Menschen: Wenn Völker einander gegenüberstehen, haben wir es nicht zu tun mit demjenigen, was in des Menschen Wesen hinausreicht über alle die Differenzierungen der Menschheit. Wenn Völker einander gegenüberstehen, so stehen nicht bloß Menschen, sondern spirituelle Welten einander gegenüber, stehen sich solche Wesenheiten in spirituellen Welten gegenüber, die durch die Menschen sich betätigen, die in den Menschen leben. Und zu glauben, daß dasjenige, was für Menschen gelten muß, auch gelten muß für jene komplizierte Dämonen- und Geisterwelt, welche durch die Menschen wirkt, wenn Völker miteinander kämpfen, zu glauben, daß man durch einfache menschliche Logik etwas ausmachen könnte über dasjenige, was die Dämonen gegeneinander treibt, das heißt doch, noch nicht den Glauben an eine konkrete spirituelle Welt gefunden zu haben.
[ 6 ] Was meine ich damit? — Nicht wahr, wenn wir jetzt hinaussehen auf dasjenige, was draußen in der äußeren Welt geschieht, so finden wir — ich will jetzt ganz absehen von den eigentlichen schmerzlichen Kriegsereignissen —, daß Menschen verschiedener Nationalitäten einander gegenüberstehen. Wir finden, daß die eine Nationalität die andere mit ihrem Haß manchmal in der furchtbarsten Weise überflutet. Dann versuchen jetzt die Menschen zurechtzukommen damit, das heißt, sich zu fragen, wer nun mehr Recht hat zu hassen, dieses Volk oder jenes Volk, oder welches man mehr hassen soll als ein anderes. Man denkt wohl auch nach, welches Volk die besondere Schuld habe an diesem Krieg. Man denkt ungefähr über diese Angelegenheiten so nach, wie man mit Recht nachdenkt bei einer Gerichtsverhandlung, wo man die verschiedenen Umstände abwägt. Was tut man aber im Grunde genommen, wenn man das tut, was eben charakterisiert worden ist und was das jetzige Schrifttum beherrscht, was tut man dann? Man stellt damit in Abrede alles spirituelle Leben, wenn man es auch nicht zugeben wollte, denn man bekennt sich zu dem Dogma, daß jene Dämonen zum Beispiel, die von Osten herübergetragen haben die Zwietracht in das europäische Leben, nach dem Muster des Verstandes, sagen wir, des Verstehens zu beurteilen sind, das der Mensch hat. Denn man glaubt nicht, daß es einen anderen Verstand, eine andere Urteilskraft gibt als diejenige, die der Mensch hat. All dasjenige, was gegenüber solchen die Evolution aufwühlenden Ereignissen vom bloß menschlichen Standpunkt aus beurteilt wird, ist eine Verleugnung des geisteswissenschaftlichen Lebens. Nur dann bekennen wir uns zum wirklichen geisteswissenschaftlichen Leben, wenn wir uns klar sind, daß sich in den physischen Ereignissen geistige Ursachen ausleben, Ursachen, die auch eine andere Urteilskraft notwendig machen als die des physischen Planes. Wenn sich Menschen mit verschiedenen Ansichten bekämpfen auf dem physischen Plan, dann kann man vielleicht nach menschlichem Urteil entscheiden. Das kann man aber nicht, wenn sich Völker bekämpfen, weil durch das Volksleben sich unsichtbare Mächte zum Ausdruck bringen. Im Menschen bringen sich allerdings auch unsichtbare Mächte zum Ausdruck, aber so, daß sie sich hineinfügen in das menschliche Urteil. Das tun sie im Völkerleben aber nicht. Da handelt es sich eben darum, daß wir uns bewähren in der Anerkenntnis des konkreten spirituellen Lebens und einsehen, daß noch ganz andere Impulse in der Menschenseele sprechen als diejenigen, die man bewältigen kann mit dem Erdenverstand, wenn solch große Ereignisse sich abspielen.
[ 6 ] Was meine ich damit? — Nicht wahr, wenn wir jetzt hinaussehen auf dasjenige, was draußen in der äußeren Welt geschieht, so finden wir — ich will jetzt ganz absehen von den eigentlichen schmerzlichen Kriegsereignissen —, daß Menschen verschiedener Nationalitäten einander gegenüberstehen. Wir finden, daß die eine Nationalität die andere mit ihrem Haß manchmal in der furchtbarsten Weise überflutet. Dann versuchen jetzt die Menschen zurechtzukommen damit, das heißt, sich zu fragen, wer nun mehr Recht hat zu hassen, dieses Volk oder jenes Volk, oder welches man mehr hassen soll als ein anderes. Man denkt wohl auch nach, welches Volk die besondere Schuld habe an diesem Krieg. Man denkt ungefähr über diese Angelegenheiten so nach, wie man mit Recht nachdenkt bei einer Gerichtsverhandlung, wo man die verschiedenen Umstände abwägt. Was tut man aber im Grunde genommen, wenn man das tut, was eben charakterisiert worden ist und was das jetzige Schrifttum beherrscht, was tut man dann? Man stellt damit in Abrede alles spirituelle Leben, wenn man es auch nicht zugeben wollte, denn man bekennt sich zu dem Dogma, daß jene Dämonen zum Beispiel, die von Osten herübergetragen haben die Zwietracht in das europäische Leben, nach dem Muster des Verstandes, sagen wir, des Verstehens zu beurteilen sind, das der Mensch hat. Denn man glaubt nicht, daß es einen anderen Verstand, eine andere Urteilskraft gibt als diejenige, die der Mensch hat. All dasjenige, was gegenüber solchen die Evolution aufwühlenden Ereignissen vom bloß menschlichen Standpunkt aus beurteilt wird, ist eine Verleugnung des geisteswissenschaftlichen Lebens. Nur dann bekennen wir uns zum wirklichen geisteswissenschaftlichen Leben, wenn wir uns klar sind, daß sich in den physischen Ereignissen geistige Ursachen ausleben, Ursachen, die auch eine andere Urteilskraft notwendig machen als die des physischen Planes. Wenn sich Menschen mit verschiedenen Ansichten bekämpfen auf dem physischen Plan, dann kann man vielleicht nach menschlichem Urteil entscheiden. Das kann man aber nicht, wenn sich Völker bekämpfen, weil durch das Volksleben sich unsichtbare Mächte zum Ausdruck bringen. Im Menschen bringen sich allerdings auch unsichtbare Mächte zum Ausdruck, aber so, daß sie sich hineinfügen in das menschliche Urteil. Das tun sie im Völkerleben aber nicht. Da handelt es sich eben darum, daß wir uns bewähren in der Anerkenntnis des konkreten spirituellen Lebens und einsehen, daß noch ganz andere Impulse in der Menschenseele sprechen als diejenigen, die man bewältigen kann mit dem Erdenverstand, wenn solch große Ereignisse sich abspielen.
[ 7 ] Wenn man heute dieses oder jenes liest, was da gesagt wird und was reichlich nachgesprochen wird auch von denjenigen, die einen Impuls von der Geisteswissenschaft haben empfangen wollen, dann findet man, daß vieles davon so geschrieben oder gesprochen ist, als wenn die Weltentwickelung erst am 20. Juli 1914 ungefähr begonnen hätte. Selbst da, wo man die Ursachen der gegenwärtigen Verwicklungen sucht, redet man so, als ob sie im vorigen Jahr begonnen hätten. Geisteswissenschaft wird neben vielem anderen auch das als praktisches Ergebnis zeitigen müssen, daß man etwas wird lernen wollen, daß man nicht aus dem, was unmittelbar der Tag gibt, sondern aus den größeren Zusammenhängen heraus sich ein Urteil wird bilden wollen. Das wird das Elementarste sein; das Weitere wird erst daraus bestehen, daß man das Urteil prüfen muß an dem, was Geisteswissenschaft zu geben in der Lage ist. Machen wir uns einmal an einem Beispiel klar, wie diese Geisteswissenschaft fruchtbar werden muß, wenn es sich darum handelt, unser Verständnis gegenüberzustellen dem Erleben, und das Erleben dann zu unserem eigenen zu machen.
[ 7 ] Wenn man heute dieses oder jenes liest, was da gesagt wird und was reichlich nachgesprochen wird auch von denjenigen, die einen Impuls von der Geisteswissenschaft haben empfangen wollen, dann findet man, daß vieles davon so geschrieben oder gesprochen ist, als wenn die Weltentwickelung erst am 20. Juli 1914 ungefähr begonnen hätte. Selbst da, wo man die Ursachen der gegenwärtigen Verwicklungen sucht, redet man so, als ob sie im vorigen Jahr begonnen hätten. Geisteswissenschaft wird neben vielem anderen auch das als praktisches Ergebnis zeitigen müssen, daß man etwas wird lernen wollen, daß man nicht aus dem, was unmittelbar der Tag gibt, sondern aus den größeren Zusammenhängen heraus sich ein Urteil wird bilden wollen. Das wird das Elementarste sein; das Weitere wird erst daraus bestehen, daß man das Urteil prüfen muß an dem, was Geisteswissenschaft zu geben in der Lage ist. Machen wir uns einmal an einem Beispiel klar, wie diese Geisteswissenschaft fruchtbar werden muß, wenn es sich darum handelt, unser Verständnis gegenüberzustellen dem Erleben, und das Erleben dann zu unserem eigenen zu machen.
[ 8 ] Wir haben es ja immer wiederum betont, daß die Weltentwickelung, die Erdenentwickelung, für die nachatlantische Zeit in deutlich voneinander verschiedenen Kulturperioden verläuft. Wir haben diese Kulturperioden aufgezählt: die alte indische Kulturperiode, die persische, die ägyptisch-chaldäische, die griechisch-lateinische, dann diejenige, welche unsere eigene ist in der Gegenwart; dann haben wir darauf aufmerksam gemacht, daß eine sechste, eine siebente Epoche die unsrige wird ablösen müssen. Wir haben uns aber nicht damit begnügt, schematisch die Aufeinanderfolge dieser Kulturperioden einfach darzustellen, sondern wir haben versucht zu charakterisieren, welches das Eigentümliche der einzelnen Kulturperioden ist. Und wir haben dadurch versucht, ein Verständnis für unsere eigene Zeit zu gewinnen, für die Übergangsimpulse, die in unserer Zeit leben, in unserer fünften nachatlantischen Zeitepoche. Und wir haben uns auch klargemacht, daß keineswegs mit solchen Charakterisierungen irgend etwas Schematisches gemeint sein kann, zum Beispiel daß man nicht sagen kann, über die ganze Erde ziehe sich hin das Eigentümliche dieser Kulturepoche. An gewissen Orten tritt es auf, andere Erdenorte, andere Territorien bleiben zurück. Nicht absolut brauchen sie zurückzubleiben, aber sie bleiben mit alten Kräften zurück, um diese alten Kräfte später mit der fortschreitenden Evolution in einer anderen Kulturepoche entsprechend in Zusammenhang zu bringen. Man braucht nicht einmal an Wertigkeiten zu denken, sondern nur an Charaktereigentümlichkeiten. Wie sollte denn den Menschen nicht auffallen die tiefe Verschiedenheit, wenn es sich um Geisteskultur handelt, sagen wir der europäischen und der asiatischen Völker. Wie sollte denn nicht auffallen die Differenzierung, die gebunden ist an die äußere Hautfärbung! Wenn wir das europäisch-amerikanische Wesen und das asiatische Wesen anschauen — sehen wir zunächst ganz ab von Wertigkeiten —, dann müssen wir den Unterschied ins Auge fassen, daß die asiatischen Völker zurückbehalten haben gewisse Kulturimpulse vergangener Erdenepochen, während die europäisch-amerikanischen Völker hinweggeschritten sind über diese Kulturimpulse. Nur wenn man in einem nicht ganz gesunden Seelenleben befangen ist, kann einem dasjenige besonders imponieren, was als orientalische Mystik die orientalische Menschheit aus alten Zeiten bewahrt hat, wo die Menschen es notwendig hatten, mit niederen Seherkräften zu leben. Solch ungesundes Geistesleben hat vielfach Europa allerdings ergriffen; man hat geglaubt, den Weg in die geistigen Welten durch asiatisches Jogitum und ähnliches lernen zu müssen. Diese Tendenz beweist aber nichts anderes als ein ungesundes Seelenleben. Das gesunde Seelenleben muß sich aufbauen auf die Überführung der Erlebnisse der fünften nachatlantischen Kulturepoche in spirituelles Leben, in geistiges Erkennen, und nicht auf das Herauftragen von irgend etwas in der Menschheit, was ja ganz interessant ist, sozusagen naturwissenschaftlich zu erkennen, was aber nicht für die europäische Menschheit erneuert werden darf, ohne daß sie zurückfallen würde in Zeiten, die ihr nicht angemessen sind. Aber andere Zeiten werden kommen über die Erdenentwickelung, folgende Zeiten. In diesen folgenden Zeiten, da werden veraltete Kräfte mit vorgeschrittenen Kräften wiederum sich verbinden müssen. Daher müssen sie an irgendeiner Stelle bleiben, um da zu sein, um sich verbinden zu können mit den vorgeschrittenen Kräften. Eine sechste wird auf die fünfte Kulturepoche folgen. Abstraktes Denken, dieses schreckliche abstrakte Denken, das eine Tochter ist der rein theoretisch-wissenschaftlichen Überzeugung, kann gar nicht umhin, das sechste Zeitalter höher zu schätzen als das fünfte, weil das sechste eben spätere Entwickelung ist. Wir sollten uns aber klar sein, daß es Zeiten des Aufgangs und Zeiten des Niedergangs gibt; richtig klar sollten wir uns sein darüber, daß das sechste Zeitalter, welches folgt auf das fünfte in der nachatlantischen Zeit, dem Niedergang notwendigangehören muß, und daß dasjenige, was sich in der fünften nachatlantischen Zeitepoche herausentwickelt, der Keim sein muß für die der siebenten Kulturepoche erst wiederum folgende Erdenzeit. So lebendig muß man die Dinge betrachten, nicht abstrakt-theoretisch, so daß man das sechste Zeitalter als ein vollkommeneres auf das fünfte als unvollkommeneres folgen läßt.
[ 8 ] Wir haben es ja immer wiederum betont, daß die Weltentwickelung, die Erdenentwickelung, für die nachatlantische Zeit in deutlich voneinander verschiedenen Kulturperioden verläuft. Wir haben diese Kulturperioden aufgezählt: die alte indische Kulturperiode, die persische, die ägyptisch-chaldäische, die griechisch-lateinische, dann diejenige, welche unsere eigene ist in der Gegenwart; dann haben wir darauf aufmerksam gemacht, daß eine sechste, eine siebente Epoche die unsrige wird ablösen müssen. Wir haben uns aber nicht damit begnügt, schematisch die Aufeinanderfolge dieser Kulturperioden einfach darzustellen, sondern wir haben versucht zu charakterisieren, welches das Eigentümliche der einzelnen Kulturperioden ist. Und wir haben dadurch versucht, ein Verständnis für unsere eigene Zeit zu gewinnen, für die Übergangsimpulse, die in unserer Zeit leben, in unserer fünften nachatlantischen Zeitepoche. Und wir haben uns auch klargemacht, daß keineswegs mit solchen Charakterisierungen irgend etwas Schematisches gemeint sein kann, zum Beispiel daß man nicht sagen kann, über die ganze Erde ziehe sich hin das Eigentümliche dieser Kulturepoche. An gewissen Orten tritt es auf, andere Erdenorte, andere Territorien bleiben zurück. Nicht absolut brauchen sie zurückzubleiben, aber sie bleiben mit alten Kräften zurück, um diese alten Kräfte später mit der fortschreitenden Evolution in einer anderen Kulturepoche entsprechend in Zusammenhang zu bringen. Man braucht nicht einmal an Wertigkeiten zu denken, sondern nur an Charaktereigentümlichkeiten. Wie sollte denn den Menschen nicht auffallen die tiefe Verschiedenheit, wenn es sich um Geisteskultur handelt, sagen wir der europäischen und der asiatischen Völker. Wie sollte denn nicht auffallen die Differenzierung, die gebunden ist an die äußere Hautfärbung! Wenn wir das europäisch-amerikanische Wesen und das asiatische Wesen anschauen — sehen wir zunächst ganz ab von Wertigkeiten —, dann müssen wir den Unterschied ins Auge fassen, daß die asiatischen Völker zurückbehalten haben gewisse Kulturimpulse vergangener Erdenepochen, während die europäisch-amerikanischen Völker hinweggeschritten sind über diese Kulturimpulse. Nur wenn man in einem nicht ganz gesunden Seelenleben befangen ist, kann einem dasjenige besonders imponieren, was als orientalische Mystik die orientalische Menschheit aus alten Zeiten bewahrt hat, wo die Menschen es notwendig hatten, mit niederen Seherkräften zu leben. Solch ungesundes Geistesleben hat vielfach Europa allerdings ergriffen; man hat geglaubt, den Weg in die geistigen Welten durch asiatisches Jogitum und ähnliches lernen zu müssen. Diese Tendenz beweist aber nichts anderes als ein ungesundes Seelenleben. Das gesunde Seelenleben muß sich aufbauen auf die Überführung der Erlebnisse der fünften nachatlantischen Kulturepoche in spirituelles Leben, in geistiges Erkennen, und nicht auf das Herauftragen von irgend etwas in der Menschheit, was ja ganz interessant ist, sozusagen naturwissenschaftlich zu erkennen, was aber nicht für die europäische Menschheit erneuert werden darf, ohne daß sie zurückfallen würde in Zeiten, die ihr nicht angemessen sind. Aber andere Zeiten werden kommen über die Erdenentwickelung, folgende Zeiten. In diesen folgenden Zeiten, da werden veraltete Kräfte mit vorgeschrittenen Kräften wiederum sich verbinden müssen. Daher müssen sie an irgendeiner Stelle bleiben, um da zu sein, um sich verbinden zu können mit den vorgeschrittenen Kräften. Eine sechste wird auf die fünfte Kulturepoche folgen. Abstraktes Denken, dieses schreckliche abstrakte Denken, das eine Tochter ist der rein theoretisch-wissenschaftlichen Überzeugung, kann gar nicht umhin, das sechste Zeitalter höher zu schätzen als das fünfte, weil das sechste eben spätere Entwickelung ist. Wir sollten uns aber klar sein, daß es Zeiten des Aufgangs und Zeiten des Niedergangs gibt; richtig klar sollten wir uns sein darüber, daß das sechste Zeitalter, welches folgt auf das fünfte in der nachatlantischen Zeit, dem Niedergang notwendigangehören muß, und daß dasjenige, was sich in der fünften nachatlantischen Zeitepoche herausentwickelt, der Keim sein muß für die der siebenten Kulturepoche erst wiederum folgende Erdenzeit. So lebendig muß man die Dinge betrachten, nicht abstrakt-theoretisch, so daß man das sechste Zeitalter als ein vollkommeneres auf das fünfte als unvollkommeneres folgen läßt.
[ 9 ] In der atlantischen Zeit war die vierte Epoche diejenige, in der die Keime lagen zu unserer Gegenwart. In unserer Zeit ist es die fünfte Kulturepoche, in der die Keime liegen zu dem, was auf die nachatlantische Zeit folgen muß. Und was ist das Charakteristische, das sich insbesondere in dieser fünften Kulturepoche herausentwickeln muß? Das ist das Charakteristische, was vorzugsweise durch das Mysterium von Golgatha angefacht worden ist: daß die spirituellen Impulse hinuntergeführt worden sind bis ins unmittelbar Physisch-Menschliche, daß gewissermaßen das Fleisch von dem Geiste ergriffen werden muß.
[ 9 ] In der atlantischen Zeit war die vierte Epoche diejenige, in der die Keime lagen zu unserer Gegenwart. In unserer Zeit ist es die fünfte Kulturepoche, in der die Keime liegen zu dem, was auf die nachatlantische Zeit folgen muß. Und was ist das Charakteristische, das sich insbesondere in dieser fünften Kulturepoche herausentwickeln muß? Das ist das Charakteristische, was vorzugsweise durch das Mysterium von Golgatha angefacht worden ist: daß die spirituellen Impulse hinuntergeführt worden sind bis ins unmittelbar Physisch-Menschliche, daß gewissermaßen das Fleisch von dem Geiste ergriffen werden muß.
[ 10 ] "Es ist noch nicht geschehen. Es wird erst geschehen sein, wenn die Geisteswissenschaft einmal einen größeren irdischen Boden hat und viel mehr Menschen sie im unmittelbaren Leben zum Ausdruck bringen, wenn der Geist in jeder Handbewegung, in jeder Fingerbewegung, möchte man sagen, wenn er in den alleralltäglichsten Handlungen zum Ausdruck kommt. Aber dieses Hinuntertragen der spirituellen Impulse war es, um dessentwillen der Christus in einem menschlichen Leibe Fleisch geworden ist. Und dieses Hinuntertragen, dieses Durchimprägnieren des Fleisches mit dem Geiste, das ist das Charakteristische der Mission, die Mission überhaupt der weißen Menschheit. Die Menschen haben ihre weiße Hautfarbe aus dem Grunde, weil der Geist in der Haut dann wirkt, wenn er auf den physischen Plan heruntersteigen will. Daß dasjenige, was äußerer physischer Leib ist, Gehäuse wird für den Geist, das ist die Aufgabe unserer fünften Kulturepoche, die vorbereitet worden ist durch die anderen vier Kulturepochen. Und unsere Aufgabe muß es sein, mit denjenigen Kulturimpulsen uns bekanntzumachen, welche die Tendenz zeigen, den Geist einzuführen ins Fleisch, den Geist einzuführen in die Alltäglichkeit. Wenn wir dies ganz erkennen, dann werden wir uns auch klar sein darüber, daß da, wo der Geist noch als Geist wirken soll, wo er in gewisser Weise zurückbleiben soll in seiner Entwickelung — weil er in unserer Zeit die Aufgabe hat, ins Fleisch hinunterzusteigen —, daß da, wo er zurückbleibt, wo er einen dämonischen Charakter annimmt, das Fleisch nicht vollständig durchdringt, daß da weiße Hautfärbung nicht auftritt, weil atavistische Kräfte da sind, die den Geist nicht vollständig mit dem Fleisch in Einklang kommen lassen.
[ 10 ] "Es ist noch nicht geschehen. Es wird erst geschehen sein, wenn die Geisteswissenschaft einmal einen größeren irdischen Boden hat und viel mehr Menschen sie im unmittelbaren Leben zum Ausdruck bringen, wenn der Geist in jeder Handbewegung, in jeder Fingerbewegung, möchte man sagen, wenn er in den alleralltäglichsten Handlungen zum Ausdruck kommt. Aber dieses Hinuntertragen der spirituellen Impulse war es, um dessentwillen der Christus in einem menschlichen Leibe Fleisch geworden ist. Und dieses Hinuntertragen, dieses Durchimprägnieren des Fleisches mit dem Geiste, das ist das Charakteristische der Mission, die Mission überhaupt der weißen Menschheit. Die Menschen haben ihre weiße Hautfarbe aus dem Grunde, weil der Geist in der Haut dann wirkt, wenn er auf den physischen Plan heruntersteigen will. Daß dasjenige, was äußerer physischer Leib ist, Gehäuse wird für den Geist, das ist die Aufgabe unserer fünften Kulturepoche, die vorbereitet worden ist durch die anderen vier Kulturepochen. Und unsere Aufgabe muß es sein, mit denjenigen Kulturimpulsen uns bekanntzumachen, welche die Tendenz zeigen, den Geist einzuführen ins Fleisch, den Geist einzuführen in die Alltäglichkeit. Wenn wir dies ganz erkennen, dann werden wir uns auch klar sein darüber, daß da, wo der Geist noch als Geist wirken soll, wo er in gewisser Weise zurückbleiben soll in seiner Entwickelung — weil er in unserer Zeit die Aufgabe hat, ins Fleisch hinunterzusteigen —, daß da, wo er zurückbleibt, wo er einen dämonischen Charakter annimmt, das Fleisch nicht vollständig durchdringt, daß da weiße Hautfärbung nicht auftritt, weil atavistische Kräfte da sind, die den Geist nicht vollständig mit dem Fleisch in Einklang kommen lassen.
[ 11 ] In der sechsten Kulturepoche der nachatlantischen Zeit wird die Aufgabe die sein, den Geist vor allen Dingen als etwas sozusagen mehr in der Umgebung Schwebendes zu erkennen als unmittelbar in sich, den Geist mehr in der elementaren Welt anzuerkennen, weil diese sechste Kulturepoche die Aufgabe hat, die Erkenntnis des Geistes in der physischen Umgebung vorzubereiten. Das kann nicht so ohne weiteres erreicht werden, wenn nicht alte atavistische Kräfte aufgespart werden, die den Geist in seinem rein elementarischen Leben anerkennen. Aber ohne die heftigsten Kämpfe gehen diese Dinge in der Welt nicht ab. Die weiße Menschheit ist noch auf dem Weg, immer tiefer und tiefer den Geist in das eigene Wesen aufzunehmen. Die gelbe Menschheit ist auf dem Wege, zu konservieren jene Zeitalter, in denen der Geist ferne gehalten wird vom Leibe, in denen der Geist gesucht wird außerhalb der menschlich-physischen Organisation, bloß dort. Das aber muß dazu führen, daß der Übergang von der fünften Kulturepoche in die sechste Kulturepoche sich nicht anders abspielen kann denn als ein heftiger Kampf der weißen Menschheit mit der farbigen Menschheit auf den mannigfaltigsten Gebieten. Und was diesen Kämpfen vorangeht, die sich abspielen werden zwischen der weißen und der farbigen Menschheit, das wird die Weltgeschichte beschäftigen bis zu der Austragung der großen Kämpfe zwischen der weißen und der farbigen Menschheit. Die zukünftigen Ereignisse spiegeln sich vielfach in vorhergehenden Ereignissen. Wir stehen nämlich, wenn wir dasjenige, was wir durch die verschiedensten Betrachtungen uns angeeignet haben, im geisteswissenschaftlichen Sinn ansehen, vor etwas Kolossalem, das wir in der Zukunft als notwendig sich abspielend erschauen können.
[ 11 ] In der sechsten Kulturepoche der nachatlantischen Zeit wird die Aufgabe die sein, den Geist vor allen Dingen als etwas sozusagen mehr in der Umgebung Schwebendes zu erkennen als unmittelbar in sich, den Geist mehr in der elementaren Welt anzuerkennen, weil diese sechste Kulturepoche die Aufgabe hat, die Erkenntnis des Geistes in der physischen Umgebung vorzubereiten. Das kann nicht so ohne weiteres erreicht werden, wenn nicht alte atavistische Kräfte aufgespart werden, die den Geist in seinem rein elementarischen Leben anerkennen. Aber ohne die heftigsten Kämpfe gehen diese Dinge in der Welt nicht ab. Die weiße Menschheit ist noch auf dem Weg, immer tiefer und tiefer den Geist in das eigene Wesen aufzunehmen. Die gelbe Menschheit ist auf dem Wege, zu konservieren jene Zeitalter, in denen der Geist ferne gehalten wird vom Leibe, in denen der Geist gesucht wird außerhalb der menschlich-physischen Organisation, bloß dort. Das aber muß dazu führen, daß der Übergang von der fünften Kulturepoche in die sechste Kulturepoche sich nicht anders abspielen kann denn als ein heftiger Kampf der weißen Menschheit mit der farbigen Menschheit auf den mannigfaltigsten Gebieten. Und was diesen Kämpfen vorangeht, die sich abspielen werden zwischen der weißen und der farbigen Menschheit, das wird die Weltgeschichte beschäftigen bis zu der Austragung der großen Kämpfe zwischen der weißen und der farbigen Menschheit. Die zukünftigen Ereignisse spiegeln sich vielfach in vorhergehenden Ereignissen. Wir stehen nämlich, wenn wir dasjenige, was wir durch die verschiedensten Betrachtungen uns angeeignet haben, im geisteswissenschaftlichen Sinn ansehen, vor etwas Kolossalem, das wir in der Zukunft als notwendig sich abspielend erschauen können.
[ 12 ] Da haben wir auf der einen Seite einen Teil der Menschheit mit der Mission, den Geist in das physische Leben so hereinzuführen, daß der Geist alles einzelne im physischen Leben durchdringe. Und auf der anderen Seite haben wir einen Teil der Menschheit mit der Notwendigkeit, gewissermaßen die absteigende Entwickelung nun zu übernehmen. Das kann nicht anders geschehen, als wenn dasjenige, was wirklich sich bekennt zur Durchdringung des Leiblichen mit dem Geistigen, Kulturimpulse hervorbringt, lebendige Impulse hervorbringt, die für die Erde bleibend sind, die von der Erde nicht wieder verschwinden können. Denn was dann nachkommt als sechste, als siebente Kulturepoche, das muß geistig von den Schöpfungen der fünften leben, das muß die Schöpfungen der fünften Kulturepoche in sich aufnehmen. Die fünfte Kulturepoche hat die Aufgabe, das äußere idealistische Leben zum spirituellen Leben zu vertiefen. Das aber, was so als spirituelles Leben vom Idealismus erobert wird, das muß später angenommen werden, das muß weiterleben. Denn im Osten wird man nicht die Kräfte haben, ein eigenes Geistesleben produktiv hervorzubringen, sondern nur dasjenige, was hervorgebracht ist, in sich aufzunehmen. So muß sich die Geschichte abspielen, daß von der gegenwärtigen, die eigentlichen Kulturimpulse in sich tragenden Menschheit eine spirituelle Kultur geschaffen wird, welche die eigentliche geschichtliche Nachfolge der fünften Kultur ist, und daß diese Kultur verarbeitet wird von dem, was nachfolgt.
[ 12 ] Da haben wir auf der einen Seite einen Teil der Menschheit mit der Mission, den Geist in das physische Leben so hereinzuführen, daß der Geist alles einzelne im physischen Leben durchdringe. Und auf der anderen Seite haben wir einen Teil der Menschheit mit der Notwendigkeit, gewissermaßen die absteigende Entwickelung nun zu übernehmen. Das kann nicht anders geschehen, als wenn dasjenige, was wirklich sich bekennt zur Durchdringung des Leiblichen mit dem Geistigen, Kulturimpulse hervorbringt, lebendige Impulse hervorbringt, die für die Erde bleibend sind, die von der Erde nicht wieder verschwinden können. Denn was dann nachkommt als sechste, als siebente Kulturepoche, das muß geistig von den Schöpfungen der fünften leben, das muß die Schöpfungen der fünften Kulturepoche in sich aufnehmen. Die fünfte Kulturepoche hat die Aufgabe, das äußere idealistische Leben zum spirituellen Leben zu vertiefen. Das aber, was so als spirituelles Leben vom Idealismus erobert wird, das muß später angenommen werden, das muß weiterleben. Denn im Osten wird man nicht die Kräfte haben, ein eigenes Geistesleben produktiv hervorzubringen, sondern nur dasjenige, was hervorgebracht ist, in sich aufzunehmen. So muß sich die Geschichte abspielen, daß von der gegenwärtigen, die eigentlichen Kulturimpulse in sich tragenden Menschheit eine spirituelle Kultur geschaffen wird, welche die eigentliche geschichtliche Nachfolge der fünften Kultur ist, und daß diese Kultur verarbeitet wird von dem, was nachfolgt.
[ 13 ] Versuche man einmal, sich ganz objektiv, ohne Voreingenommenheit den Unterschied zwischen diesen beiden Menschheitsströmungen klarzumachen. Man versuche sich einmal klarzumachen, wie seit dem Eintritt desjenigen Teiles der Menschheit, den man germanische Völker nennt, gerungen worden ist um ein Durchdringen des äußeren Physischen mit dem Geistigen, und wie die Tiefen des Christentums angenommen worden sind. Vom äußeren Physischen ist man ausgegangen, von demjenigen, was gleichsam im Physischen den Keim enthielt zu einem Physisch-Geistigen. Man blicke zurück auf das Sommeropfer, auf das Sonnwendopfer des Gottes Baldur. Sein eigentlicher tieferer Sinn ist ja früh verlorengegangen, aber was ist der eigentliche tiefere Sinn? Er kann nur durchschaut werden, wenn man die Blicke hinlenkt darauf, wie mit der heraufziehenden Frühlingssonne, im Lichte und in der Wärme, geistige Mächte heraufsteigen, wie der Gott Lenz heraufzieht, und wie mit dem Anzünden des Johannisfeuers der Mensch hinneigt zu der Verbindung mit den in den Naturkräften herrschenden Lenzeskräften, wie er sich Feuer anzündet zum Zeichen dafür, daß er sein Verständnis verbindet mit dem Tode des Gottes Lenz zur Sommersonnenwende. Das ist die Baldursage: Der Gott Lenz verbrennt im Sonnwendfeuer, weil man das Fruchtende, das Keimende in der Natur, in der äußeren physischen Natur empfand, weil man den Gott Lenz liebte und ihm folgte in seinen Tod hinein. Darum aber, weil man gleichsam in der äußeren physischen Welt das Vorbild hatte von dem Christus, der nicht stirbt in der Sommerwende, aber der geboren wird in der Winterwende — merken Sie diesen Gegensatz des Leiblichen zu dem Geistigen —, weil man das Vorbild hatte an dem Sommersonnenwende-Gott für den Wintersonnenwende-Gott, weil man das umgekehrte Leibliche für das Geistige hatte, deshalb durchdrang man sich mit dem Verwandten und doch Entgegengesetzten. Ist der Gott Baldur der Gott Lenz, der in der Sommersonnenwende dahinstirbt, so ist der Christengott derjenige, der in der Wintersonnenwende geboren wird. Das eine und das andere durchdringen sich wie Leibliches, das sich im äußeren Leiblich-Physischen abspielt, sich durchdringt mit Geistigem, das verhüllt ist durch die leibliche Finsternis, durch die Winterfinsternis. Der Wintergeist durchdringt den Sommerleib. Und wie durchdringen sich diese Dinge? Im unmittelbar persönlichen Ringen der Kulturimpulse. Was ist denn die Geschichte Mitteleuropas als ein fortwährendes Ringen um das Aufgehen des göttlichen Funkens in der persönlichen Seele, um das Aufgehen des Geistigen im Physischen? Man kann von allem anderen absehen, aber die Wahrheit muß man durchschauen, erkennen das Charakteristische dieses mitteleuropäischen Wesens.
[ 13 ] Versuche man einmal, sich ganz objektiv, ohne Voreingenommenheit den Unterschied zwischen diesen beiden Menschheitsströmungen klarzumachen. Man versuche sich einmal klarzumachen, wie seit dem Eintritt desjenigen Teiles der Menschheit, den man germanische Völker nennt, gerungen worden ist um ein Durchdringen des äußeren Physischen mit dem Geistigen, und wie die Tiefen des Christentums angenommen worden sind. Vom äußeren Physischen ist man ausgegangen, von demjenigen, was gleichsam im Physischen den Keim enthielt zu einem Physisch-Geistigen. Man blicke zurück auf das Sommeropfer, auf das Sonnwendopfer des Gottes Baldur. Sein eigentlicher tieferer Sinn ist ja früh verlorengegangen, aber was ist der eigentliche tiefere Sinn? Er kann nur durchschaut werden, wenn man die Blicke hinlenkt darauf, wie mit der heraufziehenden Frühlingssonne, im Lichte und in der Wärme, geistige Mächte heraufsteigen, wie der Gott Lenz heraufzieht, und wie mit dem Anzünden des Johannisfeuers der Mensch hinneigt zu der Verbindung mit den in den Naturkräften herrschenden Lenzeskräften, wie er sich Feuer anzündet zum Zeichen dafür, daß er sein Verständnis verbindet mit dem Tode des Gottes Lenz zur Sommersonnenwende. Das ist die Baldursage: Der Gott Lenz verbrennt im Sonnwendfeuer, weil man das Fruchtende, das Keimende in der Natur, in der äußeren physischen Natur empfand, weil man den Gott Lenz liebte und ihm folgte in seinen Tod hinein. Darum aber, weil man gleichsam in der äußeren physischen Welt das Vorbild hatte von dem Christus, der nicht stirbt in der Sommerwende, aber der geboren wird in der Winterwende — merken Sie diesen Gegensatz des Leiblichen zu dem Geistigen —, weil man das Vorbild hatte an dem Sommersonnenwende-Gott für den Wintersonnenwende-Gott, weil man das umgekehrte Leibliche für das Geistige hatte, deshalb durchdrang man sich mit dem Verwandten und doch Entgegengesetzten. Ist der Gott Baldur der Gott Lenz, der in der Sommersonnenwende dahinstirbt, so ist der Christengott derjenige, der in der Wintersonnenwende geboren wird. Das eine und das andere durchdringen sich wie Leibliches, das sich im äußeren Leiblich-Physischen abspielt, sich durchdringt mit Geistigem, das verhüllt ist durch die leibliche Finsternis, durch die Winterfinsternis. Der Wintergeist durchdringt den Sommerleib. Und wie durchdringen sich diese Dinge? Im unmittelbar persönlichen Ringen der Kulturimpulse. Was ist denn die Geschichte Mitteleuropas als ein fortwährendes Ringen um das Aufgehen des göttlichen Funkens in der persönlichen Seele, um das Aufgehen des Geistigen im Physischen? Man kann von allem anderen absehen, aber die Wahrheit muß man durchschauen, erkennen das Charakteristische dieses mitteleuropäischen Wesens.
[ 14 ] Und man nehme den anderen Teil der Menschheit. Wie ferne er im Grunde genommen von diesem persönlichen Impuls des Sich-Emporringens des Geistigen im Physischen steht! Man möchte sagen: «Naturhistorisch» ist es im höchsten Grade interessant, zu beobachten, wie das Chinesentum seine Tao-, seine Konfuzius-Religion bewahrt hat, wie sich überhaupt die asiatischen Religionen die ältesten Formen bewahrt haben, die abstraktesten Formen, diese Formen, bei denen sich der theoretische Verstand so wohl fühlt, die aber Starrheit sind gegenüber dem persönlichen Erleben, die das persönliche Erleben eben nicht zum Ringen kommen lassen, weil dieses persönliche Erleben aufbewahrt werden soll bis zu der Zeit, wo der Menschheitskultur das Errungene so einverleibt wird, daß es aufgenommen werden kann. In der fünften Kulturepoche muß ein Geistiges aus eigener Kraft errungen werden; in der sechsten Kulturperiode werden die Menschen kommen und das Erarbeitete, das Errungene annehmen als ihre Anschauung, als ihr Erlebnis, aber als etwas, was sie nicht selbst errungen haben. Sie werden aufbewahrt in den Kräften, die nicht ringen, sondern das Geistige als etwas Äußerliches, Selbstverständliches entgegennehmen. Und das Vorspiel für jenes viel weitere Ringen ist dasjenige, das sich allmählich entwickeln muß als das Ringen zwischen germanischer und slawischer Welt. Man bedenke doch nur, daß die slawische Welt in gewissem Sinne ein Vorposten ist für dasjenige, was sechste Kulturepoche ist, ja daß in ihr der eigentliche Keim der sechsten Kulturepoche liegt. Man bedenke das nur recht in wahrem, echtem, geisteswissenschaftlichem Sinne. Dann wird man sich klar darüber sein, daß in diesem slawischen Element etwas Empfangendes liegen muß, etwas, was nichts mit diesem Ringen zu tun hat, was das eigene Ringen geradezu abweist. Man kann es mit Händen greifen. Während in Mitteleuropa die Seelen gekämpft haben, mit ihrem Inneren gekämpft haben, um im persönlichen Erringen eine Gott-Erfassung zu bekommen, konserviert das slawische Element die Religion, die Gott-Erfassung, den Kultus, der eben einmal da ist; es konserviert, es macht den Geist nicht innerlich lebendig, sondern läßt den Geist wie eine Wolke über sich hinziehen und lebt in dieser Wolke, bleibt dem Geist gegenüber mit der Persönlichkeit fremd.
[ 14 ] Und man nehme den anderen Teil der Menschheit. Wie ferne er im Grunde genommen von diesem persönlichen Impuls des Sich-Emporringens des Geistigen im Physischen steht! Man möchte sagen: «Naturhistorisch» ist es im höchsten Grade interessant, zu beobachten, wie das Chinesentum seine Tao-, seine Konfuzius-Religion bewahrt hat, wie sich überhaupt die asiatischen Religionen die ältesten Formen bewahrt haben, die abstraktesten Formen, diese Formen, bei denen sich der theoretische Verstand so wohl fühlt, die aber Starrheit sind gegenüber dem persönlichen Erleben, die das persönliche Erleben eben nicht zum Ringen kommen lassen, weil dieses persönliche Erleben aufbewahrt werden soll bis zu der Zeit, wo der Menschheitskultur das Errungene so einverleibt wird, daß es aufgenommen werden kann. In der fünften Kulturepoche muß ein Geistiges aus eigener Kraft errungen werden; in der sechsten Kulturperiode werden die Menschen kommen und das Erarbeitete, das Errungene annehmen als ihre Anschauung, als ihr Erlebnis, aber als etwas, was sie nicht selbst errungen haben. Sie werden aufbewahrt in den Kräften, die nicht ringen, sondern das Geistige als etwas Äußerliches, Selbstverständliches entgegennehmen. Und das Vorspiel für jenes viel weitere Ringen ist dasjenige, das sich allmählich entwickeln muß als das Ringen zwischen germanischer und slawischer Welt. Man bedenke doch nur, daß die slawische Welt in gewissem Sinne ein Vorposten ist für dasjenige, was sechste Kulturepoche ist, ja daß in ihr der eigentliche Keim der sechsten Kulturepoche liegt. Man bedenke das nur recht in wahrem, echtem, geisteswissenschaftlichem Sinne. Dann wird man sich klar darüber sein, daß in diesem slawischen Element etwas Empfangendes liegen muß, etwas, was nichts mit diesem Ringen zu tun hat, was das eigene Ringen geradezu abweist. Man kann es mit Händen greifen. Während in Mitteleuropa die Seelen gekämpft haben, mit ihrem Inneren gekämpft haben, um im persönlichen Erringen eine Gott-Erfassung zu bekommen, konserviert das slawische Element die Religion, die Gott-Erfassung, den Kultus, der eben einmal da ist; es konserviert, es macht den Geist nicht innerlich lebendig, sondern läßt den Geist wie eine Wolke über sich hinziehen und lebt in dieser Wolke, bleibt dem Geist gegenüber mit der Persönlichkeit fremd.
[ 15 ] Nicht hat Mitteleuropa stehenbleiben können bei irgendeiner alten Form des äußeren Christentums, weil es ringen mußte. Stehengeblieben ist der Osten, und starr, abstrakt geworden sind selbst seine Kultformen, weil er sich vorbereiten soll zum äußerlichen Aufnehmen, zum Annehmen desjenigen, was der Westen im persönlichen Erringen erwirbt, weil er nicht dazu bereitet ist, dieser Osten, im persönlichen Erringen die Dinge zu bekommen. Und wie will man nach dem Muster rein theoretischen Verstandes ein gegenseitiges Sich-Verstehen herbeiführen, wenn ganz verschiedene geistige Impulse vorliegen? Wie will man irgend etwas ausmachen über einen irgendwie gearteten Schiedsspruch zwischen zwei voneinander verschiedenen Geistesströmungen, die sich so verhalten, wie sich eben Differenziertes verhalten muß? Mißverstehen Sie den Vergleich nicht: Wie will man ausmachen, ich möchte sagen, nach Elefantenart dasjenige, was Löwenbrauch ist? Die Ereignisse aber bilden sich heraus aus den ewigen Notwendigkeiten und laufen so ab, wie die ewigen Notwendigkeiten fließen. Sträuben mußte sich der Osten gegen dasjenige, was für ihn notwendig war und immer notwendiger wird: die Verbindung mit dem Westen und seiner Kultur. Denn im Grunde genommen konnte ihm vor seiner Reifung gar nicht das rechte Verständnis gegeben sein. Und ein äußerer Ausdruck ist der Konflikt zwischen dem, was man das Germanentum, und dem, was man das Slawentum nennt, dasjenige, was sich im Grunde genommen erst vorbereitet und als eine lange Beunruhigung über dem europäischen Leben schweben wird: die Auseinandersetzung zwischen Germanischem und Slawischem. Man möchte sagen, wie sich ein Kind dagegen sträubt, die Errungenschaften der Alten zu lernen, so sträubt sich der Osten gegen die Errungenschaften des Westens, sträubt sich dagegen, sträubt sich so weit, daß er ihn haßt, selbst wenn er sich gezwungen fühlt, zuweilen seine Errungenschaften anzunehmen. Mit dem Lichte der Wahrheit in diese Dinge hineinzuleuchten erfordert eben etwas anderes als das, was man heute liebt; obwohl man dieses andere zuweilen verspürt, aber man ist abgeneigt, die Augen auf diese Dinge hin zu richten und sie wirklich aus ihren innersten Impulsen heraus zu verstehen. Denn wird man nur ein wenig von diesen innersten Impulsen berührt, dann hört bald vieles von dem Geschwätz auf, muß aufhören, was vollbracht wird und was bloß der Konfusion entspringt, der Konfusion, die in der äußeren Maja befangen bleiben will.
[ 15 ] Nicht hat Mitteleuropa stehenbleiben können bei irgendeiner alten Form des äußeren Christentums, weil es ringen mußte. Stehengeblieben ist der Osten, und starr, abstrakt geworden sind selbst seine Kultformen, weil er sich vorbereiten soll zum äußerlichen Aufnehmen, zum Annehmen desjenigen, was der Westen im persönlichen Erringen erwirbt, weil er nicht dazu bereitet ist, dieser Osten, im persönlichen Erringen die Dinge zu bekommen. Und wie will man nach dem Muster rein theoretischen Verstandes ein gegenseitiges Sich-Verstehen herbeiführen, wenn ganz verschiedene geistige Impulse vorliegen? Wie will man irgend etwas ausmachen über einen irgendwie gearteten Schiedsspruch zwischen zwei voneinander verschiedenen Geistesströmungen, die sich so verhalten, wie sich eben Differenziertes verhalten muß? Mißverstehen Sie den Vergleich nicht: Wie will man ausmachen, ich möchte sagen, nach Elefantenart dasjenige, was Löwenbrauch ist? Die Ereignisse aber bilden sich heraus aus den ewigen Notwendigkeiten und laufen so ab, wie die ewigen Notwendigkeiten fließen. Sträuben mußte sich der Osten gegen dasjenige, was für ihn notwendig war und immer notwendiger wird: die Verbindung mit dem Westen und seiner Kultur. Denn im Grunde genommen konnte ihm vor seiner Reifung gar nicht das rechte Verständnis gegeben sein. Und ein äußerer Ausdruck ist der Konflikt zwischen dem, was man das Germanentum, und dem, was man das Slawentum nennt, dasjenige, was sich im Grunde genommen erst vorbereitet und als eine lange Beunruhigung über dem europäischen Leben schweben wird: die Auseinandersetzung zwischen Germanischem und Slawischem. Man möchte sagen, wie sich ein Kind dagegen sträubt, die Errungenschaften der Alten zu lernen, so sträubt sich der Osten gegen die Errungenschaften des Westens, sträubt sich dagegen, sträubt sich so weit, daß er ihn haßt, selbst wenn er sich gezwungen fühlt, zuweilen seine Errungenschaften anzunehmen. Mit dem Lichte der Wahrheit in diese Dinge hineinzuleuchten erfordert eben etwas anderes als das, was man heute liebt; obwohl man dieses andere zuweilen verspürt, aber man ist abgeneigt, die Augen auf diese Dinge hin zu richten und sie wirklich aus ihren innersten Impulsen heraus zu verstehen. Denn wird man nur ein wenig von diesen innersten Impulsen berührt, dann hört bald vieles von dem Geschwätz auf, muß aufhören, was vollbracht wird und was bloß der Konfusion entspringt, der Konfusion, die in der äußeren Maja befangen bleiben will.
[ 16 ] Was wird man unter der sechsten Kulturepoche zu verstehen haben? Man wird darunter eine Kulturepoche zu verstehen haben, innerhalb welcher ein großer Teil der östlichen Menschen ihr Menschentum demjenigen zum Opfer gebracht haben wird, was in der Volkskultur errungen worden ist, indem gleichsam wie ein Weibliches das Östliche sich wird haben befruchten lassen von dem männlichen Westlichen. Dasjenige, was leben wird in den Seelen der sechsten Kulturepoche, wird dasselbe sein, was von den Seelen der fünften Kulturepoche errungen worden ist. Das bedingt, daß von Osten her das Unreife und noch nicht Gereifte sich wälzt, sich wehrt gegen dasjenige, was ja doch geschehen muß. Genau ebenso, wie das Griechisch-Römische sich einmal zu wehren hatte gegen das Germanische, so muß sich das Slawische gegen das Germanische wehren; aber genau ebenso wie beim Übergang vom Griechisch-Römischen zum Germanischen in der aufsteigenden Entwickelung, so bei dem Übergang vom Germanischen ins Slawische in der absteigenden. Indem die eigentliche Mission der fünften Kulturepoche von dem germanischen Element übernommen worden ist, war dieses germanische Element dasjenige, welches für diese fünfte Kulturepoche das eigentliche Verständnis des Christentums im inneren Erringen in die Erdenevolution einzufügen hatte und noch haben wird. Und es wäre das größte Unglück geschehen, wenn auf die Dauer das germanische Element besiegt worden wäre von dem römischen, denn dann hätte nicht geschehen können, was durch die fünfte Kulturepoche geschehen ist: Dieses germanische Element hatte eben das persönliche Erringen darzuleben. Und es wäre das größte Unglück, wenn jemals das slawische Element das germanische besiegen würde. Merken Sie den Unterschied. Der trostloseste abstrakteste Schematismus wäre es, wenn man das als ein Unglück bezeichnen würde beim Übergang von der fünften zur sechsten Kulturepoche, was man als ein Unglück bezeichnen müßte beim Übergang von der vierten zur fünften Kulturepoche. Der Sieg der Römer würde bedeutet haben: das Unmöglichmachen der Mission der fünften Kulturepoche; der Sieg des slawischen Elementes würde ebenso diese Unmöglichkeit bedeuten für die sechste Kulturepoche. Denn nur im passiven Annehmen desjenigen, was die fünfte Kulturepoche hervorbringt, kann der Sinn der sechsten bestehen.
[ 16 ] Was wird man unter der sechsten Kulturepoche zu verstehen haben? Man wird darunter eine Kulturepoche zu verstehen haben, innerhalb welcher ein großer Teil der östlichen Menschen ihr Menschentum demjenigen zum Opfer gebracht haben wird, was in der Volkskultur errungen worden ist, indem gleichsam wie ein Weibliches das Östliche sich wird haben befruchten lassen von dem männlichen Westlichen. Dasjenige, was leben wird in den Seelen der sechsten Kulturepoche, wird dasselbe sein, was von den Seelen der fünften Kulturepoche errungen worden ist. Das bedingt, daß von Osten her das Unreife und noch nicht Gereifte sich wälzt, sich wehrt gegen dasjenige, was ja doch geschehen muß. Genau ebenso, wie das Griechisch-Römische sich einmal zu wehren hatte gegen das Germanische, so muß sich das Slawische gegen das Germanische wehren; aber genau ebenso wie beim Übergang vom Griechisch-Römischen zum Germanischen in der aufsteigenden Entwickelung, so bei dem Übergang vom Germanischen ins Slawische in der absteigenden. Indem die eigentliche Mission der fünften Kulturepoche von dem germanischen Element übernommen worden ist, war dieses germanische Element dasjenige, welches für diese fünfte Kulturepoche das eigentliche Verständnis des Christentums im inneren Erringen in die Erdenevolution einzufügen hatte und noch haben wird. Und es wäre das größte Unglück geschehen, wenn auf die Dauer das germanische Element besiegt worden wäre von dem römischen, denn dann hätte nicht geschehen können, was durch die fünfte Kulturepoche geschehen ist: Dieses germanische Element hatte eben das persönliche Erringen darzuleben. Und es wäre das größte Unglück, wenn jemals das slawische Element das germanische besiegen würde. Merken Sie den Unterschied. Der trostloseste abstrakteste Schematismus wäre es, wenn man das als ein Unglück bezeichnen würde beim Übergang von der fünften zur sechsten Kulturepoche, was man als ein Unglück bezeichnen müßte beim Übergang von der vierten zur fünften Kulturepoche. Der Sieg der Römer würde bedeutet haben: das Unmöglichmachen der Mission der fünften Kulturepoche; der Sieg des slawischen Elementes würde ebenso diese Unmöglichkeit bedeuten für die sechste Kulturepoche. Denn nur im passiven Annehmen desjenigen, was die fünfte Kulturepoche hervorbringt, kann der Sinn der sechsten bestehen.
[ 17 ] Man muß fühlen, was ganz unabhängig von Ambitionen, von nationalen Aspirationen aus diesen Erkenntnissen heraus folgt, wenn diese Erkenntnisse Leben werden. Man muß aber auch sich klar sein darüber, wie schwer das Verständnis wird für die Menschen, wenn die Wahrheit ihren Leidenschaften widerspricht, wenn eben die Wahrheit ihren Aspirationen widerspricht. Wenn man durch menschlichen Verstand heute etwa von Mitteleuropa aus einen Westeuropäer oder einen Engländer überzeugen will, so tut man etwas, dessen Erfolglosigkeit man einsehen sollte, wirklich einsehen sollte, sofern es sich um nationale Gegensätze handelt. Auf rein geisteswissenschaftlichem Boden verstehen wir uns als Menschen. Aber wenn man diesen Boden verläßt und auf die Völkerkämpfe eingeht, sollte man sich klar sein, welche Schwierigkeiten dem gegenseitigen Verständnis gegenüberstehen. Es wird nur einen Weg geben, damit man zum Beispiel im französischen Westen Europas Verständnis gewinnen wird für das, was man eigentlich tut. Es ist der Weg, der einmal aus der Erkenntnis entspringen wird, welche Unnatur es eigentlich ist, daß man jetzt im französischen Westen am Gängelband des europäischen Ostens sich vorwärtstreiben läßt. Erst die Erkenntnis dessen, was man selbst getan hat, wird einiges Verständnis über die Sache bringen, aber nicht das Wort, das von anderen kommt, das von denen kommt, die auf einem anderen nationalen Boden stehen. Gefühlt, geahnt werden ja solche Dinge zuweilen, aber wieder vergessen. Denn die charakteristischsten Dinge, die sich abspielen, die werden in der Regel vergessen. Wenn es doch gelungen wäre, daß man in den letzten vierzig Jahren immer wieder und wiederum jenen bedeutungsvollen Briefwechsel gedruckt hätte, der sich einmal abgespielt hat zwischen Ernest Renan, dem Franzosen, und David Friedrich Strauß, dem württembergischen Deutschen! Es wäre nützlich gewesen, wenn man die maßgebenden Briefe, die gewechselt worden sind, nun, sagen wir, alle vier Wochen einmal den Menschen wiederum ins Gedächtnis gerufen hätte: man würde dann einiges geahnt haben von dem, was da kommen mußte. Man braucht ja nur auf das eine in einem Brief Renans hinzuweisen, wo die Sehnsucht ausgesprochen wird, mit Mitteleuropa zusammenzuwirken für die westeuropäische Kultur: das war ein Impuls, der aus den Ewigkeitskräften herausfloß. Aber dann sagt Renan sogleich: Das widerspricht aber meinem Patriotismus. Denn wenn den Franzosen Elsaß-Lothringen abgenommen wird, so kann ich als Franzose nur dafür sein, daß die westliche Kultur gegen den Osten geschützt werde. Alles Spätere liegt schon in einem solchen Ausspruch im Keim; das ist der Keim dessen, was später geschehen wird. Es zeigt eben, daß auch ein aufgeklärter, erleuchteter Geist im Grunde genommen offen gestand: Ja, einsehen kann ich, wo der Weg liegt, der durch die ewigen Notwendigkeiten vorgezeichnet ist, aber mitmachen will ich ihn nicht, weil ich mehr Franzose als Mensch sein will. — Ich sage, man hat gefühlt, geahnt, wie die Dinge liegen im Sinne der ewigen Notwendigkeit; aber man muß durch Geisteswissenschaft allmählich lernen, den Ahnungen, den Gefühlen mit seinem Urteil nachzufolgen. Man muß lernen, wirklich mit dem Urteil dahin zu kommen, wo die wirklichen Tatsachen sind. Und die wirklichen Tatsachen überschaut man nicht, ohne die geistige Welt zu durchschauen. Man kann es nicht, wenn man nicht zu dem seine Zuflucht nimmt, was aus der geistigen Welt den Tatsachen ihre Evolutionsimpulse gibt.
[ 17 ] Man muß fühlen, was ganz unabhängig von Ambitionen, von nationalen Aspirationen aus diesen Erkenntnissen heraus folgt, wenn diese Erkenntnisse Leben werden. Man muß aber auch sich klar sein darüber, wie schwer das Verständnis wird für die Menschen, wenn die Wahrheit ihren Leidenschaften widerspricht, wenn eben die Wahrheit ihren Aspirationen widerspricht. Wenn man durch menschlichen Verstand heute etwa von Mitteleuropa aus einen Westeuropäer oder einen Engländer überzeugen will, so tut man etwas, dessen Erfolglosigkeit man einsehen sollte, wirklich einsehen sollte, sofern es sich um nationale Gegensätze handelt. Auf rein geisteswissenschaftlichem Boden verstehen wir uns als Menschen. Aber wenn man diesen Boden verläßt und auf die Völkerkämpfe eingeht, sollte man sich klar sein, welche Schwierigkeiten dem gegenseitigen Verständnis gegenüberstehen. Es wird nur einen Weg geben, damit man zum Beispiel im französischen Westen Europas Verständnis gewinnen wird für das, was man eigentlich tut. Es ist der Weg, der einmal aus der Erkenntnis entspringen wird, welche Unnatur es eigentlich ist, daß man jetzt im französischen Westen am Gängelband des europäischen Ostens sich vorwärtstreiben läßt. Erst die Erkenntnis dessen, was man selbst getan hat, wird einiges Verständnis über die Sache bringen, aber nicht das Wort, das von anderen kommt, das von denen kommt, die auf einem anderen nationalen Boden stehen. Gefühlt, geahnt werden ja solche Dinge zuweilen, aber wieder vergessen. Denn die charakteristischsten Dinge, die sich abspielen, die werden in der Regel vergessen. Wenn es doch gelungen wäre, daß man in den letzten vierzig Jahren immer wieder und wiederum jenen bedeutungsvollen Briefwechsel gedruckt hätte, der sich einmal abgespielt hat zwischen Ernest Renan, dem Franzosen, und David Friedrich Strauß, dem württembergischen Deutschen! Es wäre nützlich gewesen, wenn man die maßgebenden Briefe, die gewechselt worden sind, nun, sagen wir, alle vier Wochen einmal den Menschen wiederum ins Gedächtnis gerufen hätte: man würde dann einiges geahnt haben von dem, was da kommen mußte. Man braucht ja nur auf das eine in einem Brief Renans hinzuweisen, wo die Sehnsucht ausgesprochen wird, mit Mitteleuropa zusammenzuwirken für die westeuropäische Kultur: das war ein Impuls, der aus den Ewigkeitskräften herausfloß. Aber dann sagt Renan sogleich: Das widerspricht aber meinem Patriotismus. Denn wenn den Franzosen Elsaß-Lothringen abgenommen wird, so kann ich als Franzose nur dafür sein, daß die westliche Kultur gegen den Osten geschützt werde. Alles Spätere liegt schon in einem solchen Ausspruch im Keim; das ist der Keim dessen, was später geschehen wird. Es zeigt eben, daß auch ein aufgeklärter, erleuchteter Geist im Grunde genommen offen gestand: Ja, einsehen kann ich, wo der Weg liegt, der durch die ewigen Notwendigkeiten vorgezeichnet ist, aber mitmachen will ich ihn nicht, weil ich mehr Franzose als Mensch sein will. — Ich sage, man hat gefühlt, geahnt, wie die Dinge liegen im Sinne der ewigen Notwendigkeit; aber man muß durch Geisteswissenschaft allmählich lernen, den Ahnungen, den Gefühlen mit seinem Urteil nachzufolgen. Man muß lernen, wirklich mit dem Urteil dahin zu kommen, wo die wirklichen Tatsachen sind. Und die wirklichen Tatsachen überschaut man nicht, ohne die geistige Welt zu durchschauen. Man kann es nicht, wenn man nicht zu dem seine Zuflucht nimmt, was aus der geistigen Welt den Tatsachen ihre Evolutionsimpulse gibt.
[ 18 ] Wir sehen, wie für uns das fruchtbar werden kann, was aus der Geisteswissenschaft heraus kommt, wie wir das Leben beleuchten können in seinen ernstesten Ereignissen, wenn wir das mit unserem Gemüt vereinigen, was aus der wirklichen geisteswissenschaftlichen Erkenntnis zum Beispiel über die nachatlantischen Kulturepochen folgt. Da gewinnen wir einen objektiven Maßstab, da gewinnen wir die Möglichkeit, über persönliche Aspirationen, auch auf dem heiklen Boden des nationalen Erlebens, hinauszukommen. Und das ist das Eigentümliche des mitteleuropäischen Erlebens, daß dieses mitteleuropäische Erleben dem Menschen wirklich die Möglichkeit gibt, hinauszukommen über das, was bloß national ist. Man versuche nur einmal sich klarzumachen, wie in den aufeinanderfolgenden Kulturepochen gerade Mitteleuropa — in jenem Ringen der menschlichen Seele in Mitteleuropa — im Persönlichen das Persönliche zugleich überwindet, da, wo es nicht auf den Boden von Leidenschaften und unmittelbar triebartigen Impulsen sich stellt.
[ 18 ] Wir sehen, wie für uns das fruchtbar werden kann, was aus der Geisteswissenschaft heraus kommt, wie wir das Leben beleuchten können in seinen ernstesten Ereignissen, wenn wir das mit unserem Gemüt vereinigen, was aus der wirklichen geisteswissenschaftlichen Erkenntnis zum Beispiel über die nachatlantischen Kulturepochen folgt. Da gewinnen wir einen objektiven Maßstab, da gewinnen wir die Möglichkeit, über persönliche Aspirationen, auch auf dem heiklen Boden des nationalen Erlebens, hinauszukommen. Und das ist das Eigentümliche des mitteleuropäischen Erlebens, daß dieses mitteleuropäische Erleben dem Menschen wirklich die Möglichkeit gibt, hinauszukommen über das, was bloß national ist. Man versuche nur einmal sich klarzumachen, wie in den aufeinanderfolgenden Kulturepochen gerade Mitteleuropa — in jenem Ringen der menschlichen Seele in Mitteleuropa — im Persönlichen das Persönliche zugleich überwindet, da, wo es nicht auf den Boden von Leidenschaften und unmittelbar triebartigen Impulsen sich stellt.
[ 19 ] Was Schönheit ist, haben gewiß auch andere Völker empfunden: so innig nachgedacht über die Schönheit und die Stellung der Schönheit im menschlichen Erleben, wie Schiller in seinen «Ästhetischen Briefen» darüber nachdachte, hat man nur in Mitteleuropa. Kämpfe ausgefochten haben gewiß auch andere Völker und werden es tun: so eingegriffen in einen Kampf, daß er die tiefsten philosophischen Impulse aufgerufen hat, um den Kampf mit diesen Impulsen zu durchseelen, wie das Fichte in seinen «Reden an die deutsche Nation» getan hat, das hat man nur in Mitteleuropa getan. Religiöse Kämpfe hat man auch anderswo ausgefochten: so verbunden mit allen Zweigen menschlichen Erlebens, wie das der Fall war bei den religiösen Kämpfen in Mitteleuropa, waren sie nirgends in der Welt.
[ 19 ] Was Schönheit ist, haben gewiß auch andere Völker empfunden: so innig nachgedacht über die Schönheit und die Stellung der Schönheit im menschlichen Erleben, wie Schiller in seinen «Ästhetischen Briefen» darüber nachdachte, hat man nur in Mitteleuropa. Kämpfe ausgefochten haben gewiß auch andere Völker und werden es tun: so eingegriffen in einen Kampf, daß er die tiefsten philosophischen Impulse aufgerufen hat, um den Kampf mit diesen Impulsen zu durchseelen, wie das Fichte in seinen «Reden an die deutsche Nation» getan hat, das hat man nur in Mitteleuropa getan. Religiöse Kämpfe hat man auch anderswo ausgefochten: so verbunden mit allen Zweigen menschlichen Erlebens, wie das der Fall war bei den religiösen Kämpfen in Mitteleuropa, waren sie nirgends in der Welt.
[ 20 ] Und nehmen Sie unsere anthroposophische Bewegung selbst, nehmen Sie sie so, wie wir sie unter uns entwickelt haben, wie wir in ihr wenigstens eine Anzahl von uns — gerungen, gekämpft und auch gelitten haben in den letzten Jahren. Wir waren eine Zeitlang verbunden mit der theosophischen Bewegung englischer Färbung. Was war denn der tiefe Impuls, der diese Verbindung mit jener theosophischen Bewegung nicht weiter zuließ? Werden wir uns über das klar, meine lieben Freunde, was war der tiefe Impuls? Schauen Sie sich die Bewegung doch an. Was konnte dort zu jener Absurdität von dem Krishnamurti und dergleichen Torheiten führen? Das hat dazu geführt, daß dort die Überzeugung von dem spirituellen Leben wie ein äußeres Element angekoppelt ist an die übrige Kultur. Das sind zwei Dinge: da ist die äußere Lebensauffassung und die philosophische Lebensauffassung Englands, und dann angekoppelt daran, ohne daß die beiden viel miteinander zu tun haben, eine spirituelle Überzeugung. Man hat gar nicht einmal das Bedürfnis, die beiden miteinander zu durchdringen. Hier verspüren wir, daß wir zu einer spirituellen Überzeugung nur kommen können, wenn sie uns sozusagen wie der Kopf aus dem Leibe herauswächst, herauswächst aus alledem, was getrieben wurde durch Johannes Tauler, Meister Eckhart, Angelus Silesius in der Mystik der mittelalterlichen Zeit, was durch deutsche Philosophie, durch deutsche Dichtung hindurchgegangen ist an spirituellem Vorbereiten, wenn daraus notwendig herauswächst wie ein neues organisches Glied dasjenige, was wir wollen und wollen müssen. Wir können nicht das spirituelle Leben ankoppeln an das übrige, wir brauchen Lebensorganismus, nicht Lebensmechanismus. Man kann, ohne in Hochmut zu verfallen, solche Dinge sich klarmachen, denn man braucht Klarheit darüber, wie das Spirituelle drinnenstehen muß im Leben, und wie man durch das Spirituelle das übrige Leben erfassen, ergreifen kann. Wir müssen als Bekenner der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung Seelen werden können, welche so wollen, wie es im Sinne der eben gegebenen Charakteristik im mitteleuropäischen Geistesleben sein muß. Gewiß, auch da handelt es sich um ein Ringen; wirklich, darum handelt es sich, daß man sagen möchte: Das Wahre muß erst dadurch errungen werden, daß die Irrtümer an beide Wegesränder gedrängt werden. — Wie manchmal ist es schwer zu erkennen, daß man die Irrtümer an beide Wegesränder drängen muß! Man konnte da im Erleben der letzten Jahrzehnte tragische Erfahrungen machen.
[ 20 ] Und nehmen Sie unsere anthroposophische Bewegung selbst, nehmen Sie sie so, wie wir sie unter uns entwickelt haben, wie wir in ihr wenigstens eine Anzahl von uns — gerungen, gekämpft und auch gelitten haben in den letzten Jahren. Wir waren eine Zeitlang verbunden mit der theosophischen Bewegung englischer Färbung. Was war denn der tiefe Impuls, der diese Verbindung mit jener theosophischen Bewegung nicht weiter zuließ? Werden wir uns über das klar, meine lieben Freunde, was war der tiefe Impuls? Schauen Sie sich die Bewegung doch an. Was konnte dort zu jener Absurdität von dem Krishnamurti und dergleichen Torheiten führen? Das hat dazu geführt, daß dort die Überzeugung von dem spirituellen Leben wie ein äußeres Element angekoppelt ist an die übrige Kultur. Das sind zwei Dinge: da ist die äußere Lebensauffassung und die philosophische Lebensauffassung Englands, und dann angekoppelt daran, ohne daß die beiden viel miteinander zu tun haben, eine spirituelle Überzeugung. Man hat gar nicht einmal das Bedürfnis, die beiden miteinander zu durchdringen. Hier verspüren wir, daß wir zu einer spirituellen Überzeugung nur kommen können, wenn sie uns sozusagen wie der Kopf aus dem Leibe herauswächst, herauswächst aus alledem, was getrieben wurde durch Johannes Tauler, Meister Eckhart, Angelus Silesius in der Mystik der mittelalterlichen Zeit, was durch deutsche Philosophie, durch deutsche Dichtung hindurchgegangen ist an spirituellem Vorbereiten, wenn daraus notwendig herauswächst wie ein neues organisches Glied dasjenige, was wir wollen und wollen müssen. Wir können nicht das spirituelle Leben ankoppeln an das übrige, wir brauchen Lebensorganismus, nicht Lebensmechanismus. Man kann, ohne in Hochmut zu verfallen, solche Dinge sich klarmachen, denn man braucht Klarheit darüber, wie das Spirituelle drinnenstehen muß im Leben, und wie man durch das Spirituelle das übrige Leben erfassen, ergreifen kann. Wir müssen als Bekenner der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung Seelen werden können, welche so wollen, wie es im Sinne der eben gegebenen Charakteristik im mitteleuropäischen Geistesleben sein muß. Gewiß, auch da handelt es sich um ein Ringen; wirklich, darum handelt es sich, daß man sagen möchte: Das Wahre muß erst dadurch errungen werden, daß die Irrtümer an beide Wegesränder gedrängt werden. — Wie manchmal ist es schwer zu erkennen, daß man die Irrtümer an beide Wegesränder drängen muß! Man konnte da im Erleben der letzten Jahrzehnte tragische Erfahrungen machen.
[ 21 ] Ich möchte Ihnen anschaulich etwas hinstellen. Es hat ja insbesondere jetzt eine gewisse Bedeutung, so etwas hinzustellen, wie die naturgemäße Verbindung der beiden mitteleuropäischen Länder zu unserer Zeit heraufgekommen ist. — In Österreich lebte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einer der deutschesten Poeten, Robert Hamerling. Deutsch war er auch dadurch, daß er wirklich die ganze Welt in der eigenen Seele wieder zu gebären suchte. Bis auf Kain leitet er zurück die irrende Menschenseele in seinem «Ahasver in Rom», und in der Gegenüberstellung des Ahasver mit Nero versuchte er tiefe Rätsel der Menschenseele zu lösen. Das griechische Kulturleben versuchte er aus der deutschen Seele wiederzugebären in seiner «Aspasia». Jene Vertiefung, welche zu einer gewissen Zeit gesucht worden ist im religiösen Leben, suchte er in seinem Wiedertäufer-Epos «Der König von Sion» für sich als Lebensrätsel zu lösen. Dasjenige, was an fortbewegenden Impulsen in der Französischen Revolution war, versuchte er sich klarzumachen in seinem Drama «Danton und Robespierre». Und endlich, die in die Zukunft hineingehenden, das Geistige überdämmenden Impulse versuchte er klarzulegen in seinem «Homunculus». Aber ich könnte vieles anführen, um zu zeigen, wie Robert Hamerling so richtig ein mitteleuropäischer, ein deutscher Geist war. Dieser Robert Hamerling hat einen großen Teil seines Lebens im Bette zugebracht; die drei letzten Jahrzehnte war er fast immer krank. Die größten Werke schrieb er unter Schmerzen im Bett. Aber niemand merkt es diesen Werken an, daß ein Schwerkranker sie geschrieben hat. Alles ist gesund; man kann sonst darüber urteilen, wie man will, aber alles ist gesund. Gewiß, die Werke haben eine größere Anzahl von Auflagen erlebt; aber in den achtziger Jahren — ich könnte sagen, da trat mir geradezu wie symbolisch anschaulich vor Augen, was ein solcher Geist für einen Teil der Menschheit Mitteleuropas hätte werden können, wenn seine Impulse in die Seelen eingeflossen wären. Als man einmal gerade über solche Dinge, wie sie durch Robert Hamerling eintraten in die Geistesentwickelung, in einer Gesellschaft sprach, da kam ein Mensch herein, der gewohnt war, gerne hauptsächlich sich selbst zu hören und nicht viel zu achten auf das, was die anderen sagen — es gibt ja solche Menschen, die sich gerne selbst hören. Wie mit einem Bombenschlag erklärte er: das Größte, was in die Menschheit eintrete, das sei «Raskolnikow» von Dostojewskij! Gewiß, man braucht nicht die eigenartige Größe des Raskolnikow von Dostojewskij zu verkennen, aber das Hängen am Materiellen, an der Seele, die im Materiellen steckt und das Geistige außen läßt, das kontrastiert gewaltig gegen die Durchdringung von Geistigem und Materiellem, die Hamerling suchte. Es mag gewiß interessanter und sensationeller sein, die Seele anzuschauen, die nicht aus dem Materiellen heraus will und die Dostojewskij so grandios schildert, aber für den mitteleuropäischen Menschen bedeutet das Erkennen der Durchdringung des Geistigen und des Leiblichen ein Erkennen seiner ganzen Wesenheit und seiner ganzen Aufgabe. Auch da muß gerungen werden,
[ 21 ] Ich möchte Ihnen anschaulich etwas hinstellen. Es hat ja insbesondere jetzt eine gewisse Bedeutung, so etwas hinzustellen, wie die naturgemäße Verbindung der beiden mitteleuropäischen Länder zu unserer Zeit heraufgekommen ist. — In Österreich lebte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einer der deutschesten Poeten, Robert Hamerling. Deutsch war er auch dadurch, daß er wirklich die ganze Welt in der eigenen Seele wieder zu gebären suchte. Bis auf Kain leitet er zurück die irrende Menschenseele in seinem «Ahasver in Rom», und in der Gegenüberstellung des Ahasver mit Nero versuchte er tiefe Rätsel der Menschenseele zu lösen. Das griechische Kulturleben versuchte er aus der deutschen Seele wiederzugebären in seiner «Aspasia». Jene Vertiefung, welche zu einer gewissen Zeit gesucht worden ist im religiösen Leben, suchte er in seinem Wiedertäufer-Epos «Der König von Sion» für sich als Lebensrätsel zu lösen. Dasjenige, was an fortbewegenden Impulsen in der Französischen Revolution war, versuchte er sich klarzumachen in seinem Drama «Danton und Robespierre». Und endlich, die in die Zukunft hineingehenden, das Geistige überdämmenden Impulse versuchte er klarzulegen in seinem «Homunculus». Aber ich könnte vieles anführen, um zu zeigen, wie Robert Hamerling so richtig ein mitteleuropäischer, ein deutscher Geist war. Dieser Robert Hamerling hat einen großen Teil seines Lebens im Bette zugebracht; die drei letzten Jahrzehnte war er fast immer krank. Die größten Werke schrieb er unter Schmerzen im Bett. Aber niemand merkt es diesen Werken an, daß ein Schwerkranker sie geschrieben hat. Alles ist gesund; man kann sonst darüber urteilen, wie man will, aber alles ist gesund. Gewiß, die Werke haben eine größere Anzahl von Auflagen erlebt; aber in den achtziger Jahren — ich könnte sagen, da trat mir geradezu wie symbolisch anschaulich vor Augen, was ein solcher Geist für einen Teil der Menschheit Mitteleuropas hätte werden können, wenn seine Impulse in die Seelen eingeflossen wären. Als man einmal gerade über solche Dinge, wie sie durch Robert Hamerling eintraten in die Geistesentwickelung, in einer Gesellschaft sprach, da kam ein Mensch herein, der gewohnt war, gerne hauptsächlich sich selbst zu hören und nicht viel zu achten auf das, was die anderen sagen — es gibt ja solche Menschen, die sich gerne selbst hören. Wie mit einem Bombenschlag erklärte er: das Größte, was in die Menschheit eintrete, das sei «Raskolnikow» von Dostojewskij! Gewiß, man braucht nicht die eigenartige Größe des Raskolnikow von Dostojewskij zu verkennen, aber das Hängen am Materiellen, an der Seele, die im Materiellen steckt und das Geistige außen läßt, das kontrastiert gewaltig gegen die Durchdringung von Geistigem und Materiellem, die Hamerling suchte. Es mag gewiß interessanter und sensationeller sein, die Seele anzuschauen, die nicht aus dem Materiellen heraus will und die Dostojewskij so grandios schildert, aber für den mitteleuropäischen Menschen bedeutet das Erkennen der Durchdringung des Geistigen und des Leiblichen ein Erkennen seiner ganzen Wesenheit und seiner ganzen Aufgabe. Auch da muß gerungen werden,
[ 22 ] Zu dem äußeren Kampf wird der innere kommen, jener innere Kampf gegen die widerstrebenden Mächte, die sich aufbäumen, das Spirituelle anzuerkennen. Erleben wir doch jetzt schon die sonderbarsten Tatsachen: Von einer Seite her sind wir ermahnt werden, doch nicht gar zu sehr darauf zu achten, wie sich jetzt die geistigen Potenzen in Europa gegenüberstünden; denn wenn das rein Deutsche siegte — von deutscher Seite sind wir ermahnt worden! —, so würde man dann ja auch wiederum ein Aufleben befürchten müssen solcher Ideen, wie sie ein Hegel, Fichte, Schelling, Goethe hervorgebracht haben: ein metaphysisches Träumen würde man befürchten müssen. — Es ist eine eigentümliche Furcht, von der da gesprochen wird; aber diese Furcht könnte immer größer werden, und diejenigen, die diese Furcht haben, die werden das Spirituelle allerdings nicht annehmen können. In Wahrheit aber muß eingesehen werden, daß der Idealismus Mitteleuropas, so wie das Kind zum Manne, sich entwickeln muß zum Spiritualismus; denn dieser Idealismus Mitteleuropas ist das Kind des Spiritualismus, das Kind, das zum Spiritualismus werden soll. Als Fichte sprach, sprach er noch bloß vom Idealismus, aber von einem solchen Idealismus, der zum Spiritualismus hinstrebt. Dieser Impuls des Spiritualismus darf nicht aus der Erdenevolution verschwinden.
[ 22 ] Zu dem äußeren Kampf wird der innere kommen, jener innere Kampf gegen die widerstrebenden Mächte, die sich aufbäumen, das Spirituelle anzuerkennen. Erleben wir doch jetzt schon die sonderbarsten Tatsachen: Von einer Seite her sind wir ermahnt werden, doch nicht gar zu sehr darauf zu achten, wie sich jetzt die geistigen Potenzen in Europa gegenüberstünden; denn wenn das rein Deutsche siegte — von deutscher Seite sind wir ermahnt worden! —, so würde man dann ja auch wiederum ein Aufleben befürchten müssen solcher Ideen, wie sie ein Hegel, Fichte, Schelling, Goethe hervorgebracht haben: ein metaphysisches Träumen würde man befürchten müssen. — Es ist eine eigentümliche Furcht, von der da gesprochen wird; aber diese Furcht könnte immer größer werden, und diejenigen, die diese Furcht haben, die werden das Spirituelle allerdings nicht annehmen können. In Wahrheit aber muß eingesehen werden, daß der Idealismus Mitteleuropas, so wie das Kind zum Manne, sich entwickeln muß zum Spiritualismus; denn dieser Idealismus Mitteleuropas ist das Kind des Spiritualismus, das Kind, das zum Spiritualismus werden soll. Als Fichte sprach, sprach er noch bloß vom Idealismus, aber von einem solchen Idealismus, der zum Spiritualismus hinstrebt. Dieser Impuls des Spiritualismus darf nicht aus der Erdenevolution verschwinden.
[ 23 ] Mit diesen einfachen Worten kann man vieles vom Sinne der Zeit zum Ausdruck bringen. Geahnt, gefühlt haben ja einzelne Menschen solche Dinge. Aber diese Ahnungen gehen vorüber, ohne in ihrer Tiefe genommen zu werden, ohne daß das Schwergewicht darin gesehen wird. Man versäumt, Nebensächliches an Hauptsächliches anzuknüpfen. Und darum handelt es sich, daß man die großen Linien nicht aus den Augen verliert, daß man wirklich sieht, was in den Strömungen, die über die Erdenentwickelung hingehen, das Wesentliche ist. Und zum Wesentlichsten kommen wir, wenn wir uns belehren lassen durch dasjenige, was diese Erdenentwickelung uns im spirituellen Lichte zeigt. In dem besonderen Fall, wenn wir wirklich ernst nehmen die Lehre von den aufeinanderfolgenden nachatlantischen Kulturepochen — immer wieder und wiederum muß es gesagt werden —, sollten die Menschen über jenen engen Standpunkt hinauskommen, welcher die Hauptsache nicht sehen kann.
[ 23 ] Mit diesen einfachen Worten kann man vieles vom Sinne der Zeit zum Ausdruck bringen. Geahnt, gefühlt haben ja einzelne Menschen solche Dinge. Aber diese Ahnungen gehen vorüber, ohne in ihrer Tiefe genommen zu werden, ohne daß das Schwergewicht darin gesehen wird. Man versäumt, Nebensächliches an Hauptsächliches anzuknüpfen. Und darum handelt es sich, daß man die großen Linien nicht aus den Augen verliert, daß man wirklich sieht, was in den Strömungen, die über die Erdenentwickelung hingehen, das Wesentliche ist. Und zum Wesentlichsten kommen wir, wenn wir uns belehren lassen durch dasjenige, was diese Erdenentwickelung uns im spirituellen Lichte zeigt. In dem besonderen Fall, wenn wir wirklich ernst nehmen die Lehre von den aufeinanderfolgenden nachatlantischen Kulturepochen — immer wieder und wiederum muß es gesagt werden —, sollten die Menschen über jenen engen Standpunkt hinauskommen, welcher die Hauptsache nicht sehen kann.
[ 24 ] Lassen Sie mich ein Beispiel anführen. Unter uns ist es notwendig, auf solche Dinge aufmerksam zu machen. Nehmen wir an, es würde jemand heute das Folgende sagen, und versuchen wir dann, uns Gedanken darüber zu machen, daß jemand heute das sagen würde: Was mich betrifft, so bin ich keinen Augenblick im Zweifel, daß ein Konflikt zwischen der germanischen und slawischen Welt bevorsteht, daß derselbe sich entweder durch den Orient, speziell die Türkei, oder durch den Nationalitätenstreit in Österreich, vielleicht durch beide, entzünden, und daß Rußland in demselben die Führerschaft auf der einen Seite übernehmen wird. Diese Macht bereitet sich schon jetzt auf die Eventualität vor; die nationalrussische Presse speit Feuer und Flamme gegen Deutschland. Die deutsche Presse läßt schon jetzt ihren Warnungsruf erschallen. Seitdem nach dem Krimkriege Rußland sich sammelte, ist eine lange Zeit verflossen, und wie es scheint, wird es jetzt in Petersburg zweckmäßig gefunden, die orientalische Frage wieder einmal aufzunehmen.
[ 24 ] Lassen Sie mich ein Beispiel anführen. Unter uns ist es notwendig, auf solche Dinge aufmerksam zu machen. Nehmen wir an, es würde jemand heute das Folgende sagen, und versuchen wir dann, uns Gedanken darüber zu machen, daß jemand heute das sagen würde: Was mich betrifft, so bin ich keinen Augenblick im Zweifel, daß ein Konflikt zwischen der germanischen und slawischen Welt bevorsteht, daß derselbe sich entweder durch den Orient, speziell die Türkei, oder durch den Nationalitätenstreit in Österreich, vielleicht durch beide, entzünden, und daß Rußland in demselben die Führerschaft auf der einen Seite übernehmen wird. Diese Macht bereitet sich schon jetzt auf die Eventualität vor; die nationalrussische Presse speit Feuer und Flamme gegen Deutschland. Die deutsche Presse läßt schon jetzt ihren Warnungsruf erschallen. Seitdem nach dem Krimkriege Rußland sich sammelte, ist eine lange Zeit verflossen, und wie es scheint, wird es jetzt in Petersburg zweckmäßig gefunden, die orientalische Frage wieder einmal aufzunehmen.
[ 25 ] Wenn das Mittelmeer einst, nach dem mehr pompösen als wahren Ausdruck, «ein französischer See» werden sollte, so hat Rußland die noch viel positivere Absicht, aus dem Schwarzen Meer einen «russischen See» und aus dem Marmarameer einen «russischen Teich» zu machen. Daß Konstantinopel eine russische Stadt, Griechenland ein direkter Vasallenstaat Rußlands werden müsse, ist ein feststehender Zielpunkt der russischen Politik, die ihren Unterstützungshebel in der gemeinsamen Religion und in dem Panslawismus findet. Die Donau würde dann am Eisernen Tor etwa von dem russischen Schlagbaum geschlossen werden. —
[ 25 ] Wenn das Mittelmeer einst, nach dem mehr pompösen als wahren Ausdruck, «ein französischer See» werden sollte, so hat Rußland die noch viel positivere Absicht, aus dem Schwarzen Meer einen «russischen See» und aus dem Marmarameer einen «russischen Teich» zu machen. Daß Konstantinopel eine russische Stadt, Griechenland ein direkter Vasallenstaat Rußlands werden müsse, ist ein feststehender Zielpunkt der russischen Politik, die ihren Unterstützungshebel in der gemeinsamen Religion und in dem Panslawismus findet. Die Donau würde dann am Eisernen Tor etwa von dem russischen Schlagbaum geschlossen werden. —
[ 26 ] Nehmen wir an, einer würde so sprechen. Man könnte dann sagen: Nun ja, dann ist er eben jetzt belehrt worden durch das, was geschehen ist —, und es könnten doch diejenigen recht haben, die emphatisch predigen, der Krieg sei nur von Mitteleuropa gewollt worden und habe sich nicht vom Osten aus mit Notwendigkeit vorbereitet. — Aber das ist geschrieben 1870! Und überhaupt ist nicht ein Jahr vergangen, wo nicht solches hätte geschrieben werden können. Wie töricht ist es zu glauben, daß man nicht bei den werdenden Kräften, die durch lange Zeiten gespielt haben, die Ursache zu suchen habe zu dem, was heute sich abspielt! Diese Worte sind 1870 geschrieben, während des französischen Krieges. Zu glauben, daß die Dinge nicht hätten kommen müssen, und zu glauben, daß nicht alle Impulse gegeben waren vom Osten her, das ist, im gelindesten gesagt, unnistorisch, ein Verkennen all desjenigen, was wirklich wirksame Kräfte sind. Das darf eben nicht sein und muß durch Geisteswissenschaft verhindert werden, daß immer wieder und wiederum die Menschen, auch die Journalisten, so urteilen, als ob vor fünf oder sechs Monaten erst die Anfänge derjenigen Ereignisse sich gebildet hätten, die sich jetzt abspielen! Wenn die Menschen durch Geisteswissenschaft dahin geschult werden, zu wissen, daß das Große sich im Kleinen vorbereitet, und daß nur aus dem Großen heraus das Kleine beurteilt werden kann, dann wird für das gewöhnliche Leben auch etwas aus der Geisteswissenschaft errungen werden können, dann wird in diesem gewöhnlichen Leben vorbereitet werden dasjenige, was uns die Geisteswissenschaft zum Erleben macht.
[ 26 ] Nehmen wir an, einer würde so sprechen. Man könnte dann sagen: Nun ja, dann ist er eben jetzt belehrt worden durch das, was geschehen ist —, und es könnten doch diejenigen recht haben, die emphatisch predigen, der Krieg sei nur von Mitteleuropa gewollt worden und habe sich nicht vom Osten aus mit Notwendigkeit vorbereitet. — Aber das ist geschrieben 1870! Und überhaupt ist nicht ein Jahr vergangen, wo nicht solches hätte geschrieben werden können. Wie töricht ist es zu glauben, daß man nicht bei den werdenden Kräften, die durch lange Zeiten gespielt haben, die Ursache zu suchen habe zu dem, was heute sich abspielt! Diese Worte sind 1870 geschrieben, während des französischen Krieges. Zu glauben, daß die Dinge nicht hätten kommen müssen, und zu glauben, daß nicht alle Impulse gegeben waren vom Osten her, das ist, im gelindesten gesagt, unnistorisch, ein Verkennen all desjenigen, was wirklich wirksame Kräfte sind. Das darf eben nicht sein und muß durch Geisteswissenschaft verhindert werden, daß immer wieder und wiederum die Menschen, auch die Journalisten, so urteilen, als ob vor fünf oder sechs Monaten erst die Anfänge derjenigen Ereignisse sich gebildet hätten, die sich jetzt abspielen! Wenn die Menschen durch Geisteswissenschaft dahin geschult werden, zu wissen, daß das Große sich im Kleinen vorbereitet, und daß nur aus dem Großen heraus das Kleine beurteilt werden kann, dann wird für das gewöhnliche Leben auch etwas aus der Geisteswissenschaft errungen werden können, dann wird in diesem gewöhnlichen Leben vorbereitet werden dasjenige, was uns die Geisteswissenschaft zum Erleben macht.
[ 27 ] Ich habe sprechen wollen, ja, ich könnte sagen, ich habe zu Ihnen sprechen müssen in diesem heutigen einleitenden Vortrag wiederum von einem gewissen Gesichtspunkte, der herausgefordert ist durch die Erlebnisse der Zeit, ich habe von dem sprechen müssen, was uns Geisteswissenschaft für die Beurteilung der Welt und unsere Stellung zur Welt werden soll. Ich habe davon sprechen müssen. Im Grunde genommen müssen wir uns immer wieder und wiederum diese Mahnung zuteil werden lassen: ernst, tiefernst dasjenige zu nehmen, was Geisteswissenschaft uns geben will, und nicht sozusagen zwei Leben leben zu wollen: dasjenige Leben, wo wir einmal uns die Dinge der Welt im geisteswissenschaftlichen Sinne erklären, und dasjenige Leben, wo wir wiederum in der Alltäglichkeit aufgehen und es so machen wie andere Leute auch. Aber weniger durch Worte als durch die Art, wie ich die Dinge auseinandergesetzt habe hier in diesem engeren Kreise, möchte ich in Ihnen das Gefühl und die Empfindung hervorrufen, daß diese Worte wirklich nicht sein wollen etwas anderes als ewige Wahrheiten in dem Sinne, daß ewige Wahrheiten auch die individuellsten sind. Zu Ihnen, meine lieben Freunde, mit Ihren Gefühlen hier in Süddeutschland, sind diese Worte gesprochen, mit jener Gefühlsnuance, die diesen Worten hier zukommen muß. Und wenn es genügte, daß diese Worte nun einfach nachgeschrieben werden und überall vorgelesen werden vor Leuten mit anderen Lebenszusammenhängen, dann könnte es ja auch genügen, wenn ich bloß meine Worte aufschriebe und nicht herumreiste. Daß die Worte aus Gefühls- und Empfindungszusammenhängen heraus gesprochen werden müssen, weil überall da, wo sich Menschen zusammenfinden, eine gemeinsame menschliche Aura ist, aus der heraus gesprochen werden muß, das müssen wir endlich im spirituellen Leben einsehen. Darauf kommt es an, daß wir die Dinge ins Leben überführen, nicht daß man die Phrase mache, man müsse die Dinge ins Leben überführen, sondern daß man sie wirklich ins Leben überführt. Und dazu gehört, daß man sie wirklich individuell nimmt. Die Dinge geschehen ja individuell, weil sie individuell geschehen müssen. Und es ist ein abstrakter Glaube, wenn man annimmt, daß zum Beispiel dasjenige, was ich übermorgen im öffentlichen Vortrage sagen werde in jenem Hause, das vis-à-vis liegt dem Hause, an dem sich die Gedenktafel für Hegel befindet, daß das, was im lebendigen unmittelbar Individuellen drinnen steht, daß das abstrakt für alle Empfindungsnuancen, gleichsam zur Bekehrung der ganzen Welt gesprochen sein soll. Man muß auch einsehen, daß das, was der eine begreifen kann, der andere nicht begreifen kann. Und müssen schon die anthroposophischen Vorträge einen gewissen individuellen Charakter da und dort tragen, so ist das dann in einem noch erhöhteren Maße der Fall, wenn man so ernsten Dingen gegenübersteht, wie wir es jetzt tun. Nur dann aber, wenn man es mit der Wahrheit ernst nimmt, und wenn man nicht glaubt, daß dasjenige, was lebt, mit Worten erfaßt werden kann, die leblos und regungslos sind und deshalb überall hingetragen werden können, nur dann wird man gerade das allgemein Gültige verstehen, das im Allerindividuellsten ist. Ich möchte, daß Sie auch einmal über diese Seite des Lebens nachdenken. Es wird ein Weg dazu sein, daß dasjenige, was ich in meiner Art aus der geistigen Welt zu holen habe, in Ihren eigenen Seelen sich auf Ihre Art belebe, daß es nicht bloß eine Wiederholung desjenigen ist, was in mir auf meine Art auftreten muß. Denn wie sich das Sonnenlicht in jedem Steinchen anders spiegelt und doch immer dasselbe Sonnenlicht ist, weil es im Leben drinnensteht, so muß Geisteswissenschaft etwas werden, das in jedem einzelnen anders lebt und doch immer und immer dasselbe ist. In dem Engländer, Franzosen, Russen, Deutschen kann nicht auf eine Art, wenn es sich um die nationalen Dinge handelt, Geisteswissenschaft leben, und durch dasjenige, wodurch sich die Empfindung des einen am fruchtbarsten belebt, kann der andere nicht bekehrt werden. Solche Bekehrungssucht entsteht aus dem theoretischen Hang unserer Zeit. Was die äußere rein materielle Wissenschaft tun kann, daß sie alles über einen Leisten schlägt, das kann beim Spirituellen nicht der Fall sein, weil es ein Lebendiges ist, und weil ich zu Ihnen so sprechen muß, wie es von mir nicht ein abstrakter wissenschaftlicher Geist fordert, sondern wie es sich in mir belebt, indem ich gerade vor Ihnen stehe. Denn nicht aus meinem Herzen, aus Ihrem Herzen heraus tue ich es, so gut ich es kann. Und dienen möchte ich dem geisteswissenschaftlichen Impuls, der denjenigen, welcher in die geistige Welt etwas hinaufschauen kann, anweist, sich auszuschalten und auszusprechen, was in den Tiefen der Seelen derjenigen liegt, die ihm zuhören. In gewissem Sinne darf gesagt werden: Was ausgesprochen wird in dieser oder jener Betrachtung, es entspringt aus den Tiefen der Seelen der Zuhörer. Denken Sie auch über dieses nach! Wir müssen die Geisteswissenschaft nehmen als etwas, was lebt, und nicht als ein Abstraktes gewußt wird. Das abstrakt Gewußte spricht zu unserem Hochmut, spricht zu unserem Eigensinn, der sich so gern in Überredungskunst auslebt. Was spirituell ist, will einfach mitgeteilt sein. Und es wollte mitgeteilt sein, was ich mitzuteilen habe, und wenn hier kein einziger säße, der mir auch nur ein Sterbenswörtchen glaubte. Wenn wir hingehen zu dem anderen mit der Meinung, ihn durchaus überreden zu wollen, mit der Meinung, daß er unsere Meinung annehmen soll, so erleben wir schon nicht richtig spirituell. Und dieses Erleben, dieses Erfassen im unmittelbaren Erleben der geistigen Welt, das wird die Aura hervorbringen, die die Menschheit in der Zukunft haben muß.
[ 27 ] Ich habe sprechen wollen, ja, ich könnte sagen, ich habe zu Ihnen sprechen müssen in diesem heutigen einleitenden Vortrag wiederum von einem gewissen Gesichtspunkte, der herausgefordert ist durch die Erlebnisse der Zeit, ich habe von dem sprechen müssen, was uns Geisteswissenschaft für die Beurteilung der Welt und unsere Stellung zur Welt werden soll. Ich habe davon sprechen müssen. Im Grunde genommen müssen wir uns immer wieder und wiederum diese Mahnung zuteil werden lassen: ernst, tiefernst dasjenige zu nehmen, was Geisteswissenschaft uns geben will, und nicht sozusagen zwei Leben leben zu wollen: dasjenige Leben, wo wir einmal uns die Dinge der Welt im geisteswissenschaftlichen Sinne erklären, und dasjenige Leben, wo wir wiederum in der Alltäglichkeit aufgehen und es so machen wie andere Leute auch. Aber weniger durch Worte als durch die Art, wie ich die Dinge auseinandergesetzt habe hier in diesem engeren Kreise, möchte ich in Ihnen das Gefühl und die Empfindung hervorrufen, daß diese Worte wirklich nicht sein wollen etwas anderes als ewige Wahrheiten in dem Sinne, daß ewige Wahrheiten auch die individuellsten sind. Zu Ihnen, meine lieben Freunde, mit Ihren Gefühlen hier in Süddeutschland, sind diese Worte gesprochen, mit jener Gefühlsnuance, die diesen Worten hier zukommen muß. Und wenn es genügte, daß diese Worte nun einfach nachgeschrieben werden und überall vorgelesen werden vor Leuten mit anderen Lebenszusammenhängen, dann könnte es ja auch genügen, wenn ich bloß meine Worte aufschriebe und nicht herumreiste. Daß die Worte aus Gefühls- und Empfindungszusammenhängen heraus gesprochen werden müssen, weil überall da, wo sich Menschen zusammenfinden, eine gemeinsame menschliche Aura ist, aus der heraus gesprochen werden muß, das müssen wir endlich im spirituellen Leben einsehen. Darauf kommt es an, daß wir die Dinge ins Leben überführen, nicht daß man die Phrase mache, man müsse die Dinge ins Leben überführen, sondern daß man sie wirklich ins Leben überführt. Und dazu gehört, daß man sie wirklich individuell nimmt. Die Dinge geschehen ja individuell, weil sie individuell geschehen müssen. Und es ist ein abstrakter Glaube, wenn man annimmt, daß zum Beispiel dasjenige, was ich übermorgen im öffentlichen Vortrage sagen werde in jenem Hause, das vis-à-vis liegt dem Hause, an dem sich die Gedenktafel für Hegel befindet, daß das, was im lebendigen unmittelbar Individuellen drinnen steht, daß das abstrakt für alle Empfindungsnuancen, gleichsam zur Bekehrung der ganzen Welt gesprochen sein soll. Man muß auch einsehen, daß das, was der eine begreifen kann, der andere nicht begreifen kann. Und müssen schon die anthroposophischen Vorträge einen gewissen individuellen Charakter da und dort tragen, so ist das dann in einem noch erhöhteren Maße der Fall, wenn man so ernsten Dingen gegenübersteht, wie wir es jetzt tun. Nur dann aber, wenn man es mit der Wahrheit ernst nimmt, und wenn man nicht glaubt, daß dasjenige, was lebt, mit Worten erfaßt werden kann, die leblos und regungslos sind und deshalb überall hingetragen werden können, nur dann wird man gerade das allgemein Gültige verstehen, das im Allerindividuellsten ist. Ich möchte, daß Sie auch einmal über diese Seite des Lebens nachdenken. Es wird ein Weg dazu sein, daß dasjenige, was ich in meiner Art aus der geistigen Welt zu holen habe, in Ihren eigenen Seelen sich auf Ihre Art belebe, daß es nicht bloß eine Wiederholung desjenigen ist, was in mir auf meine Art auftreten muß. Denn wie sich das Sonnenlicht in jedem Steinchen anders spiegelt und doch immer dasselbe Sonnenlicht ist, weil es im Leben drinnensteht, so muß Geisteswissenschaft etwas werden, das in jedem einzelnen anders lebt und doch immer und immer dasselbe ist. In dem Engländer, Franzosen, Russen, Deutschen kann nicht auf eine Art, wenn es sich um die nationalen Dinge handelt, Geisteswissenschaft leben, und durch dasjenige, wodurch sich die Empfindung des einen am fruchtbarsten belebt, kann der andere nicht bekehrt werden. Solche Bekehrungssucht entsteht aus dem theoretischen Hang unserer Zeit. Was die äußere rein materielle Wissenschaft tun kann, daß sie alles über einen Leisten schlägt, das kann beim Spirituellen nicht der Fall sein, weil es ein Lebendiges ist, und weil ich zu Ihnen so sprechen muß, wie es von mir nicht ein abstrakter wissenschaftlicher Geist fordert, sondern wie es sich in mir belebt, indem ich gerade vor Ihnen stehe. Denn nicht aus meinem Herzen, aus Ihrem Herzen heraus tue ich es, so gut ich es kann. Und dienen möchte ich dem geisteswissenschaftlichen Impuls, der denjenigen, welcher in die geistige Welt etwas hinaufschauen kann, anweist, sich auszuschalten und auszusprechen, was in den Tiefen der Seelen derjenigen liegt, die ihm zuhören. In gewissem Sinne darf gesagt werden: Was ausgesprochen wird in dieser oder jener Betrachtung, es entspringt aus den Tiefen der Seelen der Zuhörer. Denken Sie auch über dieses nach! Wir müssen die Geisteswissenschaft nehmen als etwas, was lebt, und nicht als ein Abstraktes gewußt wird. Das abstrakt Gewußte spricht zu unserem Hochmut, spricht zu unserem Eigensinn, der sich so gern in Überredungskunst auslebt. Was spirituell ist, will einfach mitgeteilt sein. Und es wollte mitgeteilt sein, was ich mitzuteilen habe, und wenn hier kein einziger säße, der mir auch nur ein Sterbenswörtchen glaubte. Wenn wir hingehen zu dem anderen mit der Meinung, ihn durchaus überreden zu wollen, mit der Meinung, daß er unsere Meinung annehmen soll, so erleben wir schon nicht richtig spirituell. Und dieses Erleben, dieses Erfassen im unmittelbaren Erleben der geistigen Welt, das wird die Aura hervorbringen, die die Menschheit in der Zukunft haben muß.
[ 28 ] Immer wieder und wieder muß es gesagt werden: Was wir jetzt unter Strömen von Blut erleben, es wird für die Menschheit nur das bedeuten, was es bedeuten soll, wenn sich wirklich etwas ganz Neues auch in der Kultur, in der Menschheit zeigt. Dieses Neue aber wird aufsprießen, wenn Menschen da sind, aus deren Seelen spirituelle Gedanken aufsteigen; diese Gedanken sind Mächte. Und in die Atmosphäre, die erzeugt wird, wenn die Dämmerung des Krieges vergangen und die Friedenssonne wieder leuchten wird, müssen die Gedanken einfließen, die in den geistigen Horizont hinein sich ergießen. Dann werden diejenigen, deren Seelen hinunterschauen, diejenigen, die frühzeitig ihre Leiber verlassen mußten auf den Schlachtfeldern, die werden wissen, wofür sie eigentlich gefallen sind auf den Schlachtfeldern. Und der Anthroposoph muß sich sagen, er durchlebt diese Zeit nur im richtigen Sinne, wenn er diesen Charakter des geisteswissenschaftlichen Strebens eben lebendig aufnimmt. Wenn gewisse Seelen im Bewußtsein des Geistes ihren Sinn ins Geisterreich schicken, dann wird wirklich aufsteigen aus unserem Blutes-Horizont ein Lichtes-Horizont für die zukünftige Entwickelung der Menschheit.
[ 28 ] Immer wieder und wieder muß es gesagt werden: Was wir jetzt unter Strömen von Blut erleben, es wird für die Menschheit nur das bedeuten, was es bedeuten soll, wenn sich wirklich etwas ganz Neues auch in der Kultur, in der Menschheit zeigt. Dieses Neue aber wird aufsprießen, wenn Menschen da sind, aus deren Seelen spirituelle Gedanken aufsteigen; diese Gedanken sind Mächte. Und in die Atmosphäre, die erzeugt wird, wenn die Dämmerung des Krieges vergangen und die Friedenssonne wieder leuchten wird, müssen die Gedanken einfließen, die in den geistigen Horizont hinein sich ergießen. Dann werden diejenigen, deren Seelen hinunterschauen, diejenigen, die frühzeitig ihre Leiber verlassen mußten auf den Schlachtfeldern, die werden wissen, wofür sie eigentlich gefallen sind auf den Schlachtfeldern. Und der Anthroposoph muß sich sagen, er durchlebt diese Zeit nur im richtigen Sinne, wenn er diesen Charakter des geisteswissenschaftlichen Strebens eben lebendig aufnimmt. Wenn gewisse Seelen im Bewußtsein des Geistes ihren Sinn ins Geisterreich schicken, dann wird wirklich aufsteigen aus unserem Blutes-Horizont ein Lichtes-Horizont für die zukünftige Entwickelung der Menschheit.
[ 29 ] Davon wollen wir dann, ein spezielles Thema besprechend, morgen weiter fortfahren. Für heute aber wollen wir die Gedanken vor unsere Seele rücken, die Gedanken, die uns zusammenbringen mit den ernsten Ereignissen der Zeit:
[ 29 ] Davon wollen wir dann, ein spezielles Thema besprechend, morgen weiter fortfahren. Für heute aber wollen wir die Gedanken vor unsere Seele rücken, die Gedanken, die uns zusammenbringen mit den ernsten Ereignissen der Zeit:
Aus dem Mut der Kämpfer,
Aus dem Blut der Schlachten,
Aus dem Leid Verlassener,
Aus des Volkes Opfertaten
Wird erwachsen Geistesfrucht —
Lenken Seelen geist-bewußt
Ihren Sinn ins Geisterreich.
Aus dem Mut der Kämpfer,
Aus dem Blut der Schlachten,
Aus dem Leid Verlassener,
Aus des Volkes Opfertaten
Wird erwachsen Geistesfrucht —
Lenken Seelen geist-bewußt
Ihren Sinn ins Geisterreich.
