The Spiritual Background of World War I
GA 174b
13 February 1915, Stuttgart
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The Spiritual Background of World War I, tr. SOL
Zweiter Vortrag
Second Lecture
[ 1 ] Immer wieder und wiederum muß betont werden, daß der wesentlichste Punkt unseres geisteswissenschaftlichen Strebens derjenige ist, der uns zeigt, wie bloßes Wissen, bloße in Ideen und Vorstellungen lebende Erkenntnisse immer mehr und mehr vergangenen Zeiten angehören müssen, und wie wir eine Erkenntnis zu suchen haben, eine Summe von Ideen und Vorstellungen, von Empfindungen und Willensimpulsen, die uns wirkliches Leben werden, die uns im eminentesten Sinne des Wortes lebendig werden. Es ist notwendig, daß wir zuweilen unser Nachsinnen, unsere Meditation hinlenken gerade auf diesen Kardinalpunkt unseres Strebens. Denn voll wird das Licht, das von diesem Punkte aus strahlen kann, nur dann unsere Seelen erleuchten können, wenn wir immer wieder und wiederum in treulichem Nachsinnen auf ihn zurückkommen. Es muß ja gerade für uns, die wir mit Seele und Herz uns bekennen wollen zu einem geisteswissenschaftlichen Streben, in dieser unserer ernsten Zeit Herzensbedürfnis sein, dasjenige, was uns durch Erkenntnisse werden kann, in das wirkliche Leben überzuführen, in das unmittelbare Leben der Seele. Wir müssen etwas dazu tun, daß alles dasjenige, was theoretische Einsicht nur, was bloß wissenschaftliches Streben ist, allmählich wirklich übergeführt werde in Erlebnisse, daß es bereichert werde aus der Geisteswelt heraus durch das, wodurch es Erlebnis werden kann. Sonst gehen wir einer Zeit der geistigen Ausdörrung entgegen; denn Theorien, bloß wissenschaftliche Überzeugungen, sind dazu geeignet, die Menschenseele und das ganze menschliche Leben überhaupt auszudörren. Aber tief, tief eingewurzelt ist in unserer Zeit der Glaube, daß man im Leben zurechtkommen müsse mit einer nach dem Muster von wissenschaftlicher Erkenntnis geordneten Überzeugung.
[ 1 ] It must be emphasized again and again that the most essential point of our spiritual scientific endeavor is that which shows us how mere knowledge—insights that exist solely in ideas and concepts—must increasingly belong to times past, and how we must seek a form of knowledge—a synthesis of ideas and concepts, of sensations and impulses of the will—that becomes real life for us, that comes alive within us in the most profound sense of the word. It is necessary that we occasionally direct our reflection, our meditation, precisely toward this cardinal point of our endeavor. For the light that can radiate from this point will only be able to fully illuminate our souls if we return to it again and again in faithful reflection. It must surely be a heartfelt need for us—who wish to commit ourselves with heart and soul to a spiritual-scientific endeavor—in these serious times of ours, to translate that which can become real through insight into actual life, into the immediate life of the soul. We must do our part to ensure that everything that is merely theoretical insight, that is, purely scientific endeavor, is gradually and truly transformed into lived experience, so that it may be enriched from the spiritual world by that which enables it to become a lived experience. Otherwise, we are heading toward a time of spiritual desolation; for theories—mere scientific convictions—are capable of drying up the human soul and human life as a whole. But deeply, deeply rooted in our time is the belief that one must get by in life with convictions organized according to the model of scientific knowledge.
[ 2 ] Die großen Ereignisse, die sich in unserer Zeit abspielen, sie sollten insbesondere Aufforderungen sein an die zur Geisteswissenschaft geneigten Seelen, einmal wirklich über die Verschiedenheit von Leben und bloßem Wissen ins klare zu kommen, von Leben und bloßer, nach wissenschaftlichem Muster gebildeter Überzeugung. Wir müssen da schon einmal ein wenig versuchen, zu einer Art von Selbsterkenntnis, von rein menschlicher Selbsterkenntnis zu kommen; wir müssen das versuchen, müssen mit uns zu Rate gehen, wie sehr der Dämon der theoretischen Überzeugung gegenwärtig in den menschlichen Herzen lebt. Wir müssen das seelische Auge klar darauf hin richten, wie sich einwurzeln will dieser Dämon der theoretischen Überzeugung. Und das, was uns Anthroposophie sein soll, werden wir nicht zu unserem innersten Erlebnis machen, wenn wir das nicht versuchen, wenn wir nicht das Auge hinlenken auf Tatsachen, die auch den Anthroposophen sozusagen in seinem eigenen Seelenleben überraschen können, die darauf hinweisen, wie ferne man, wenn man sich so dem modernen Seelenleben hingibt, dem unmittelbaren Erlebnis des Geistigen steht, und wie nahe man dem Suchen nach einer theoretischen Überzeugung steht. Ganz unbefangen muß man solchen Tatsachen ins Auge schauen.
[ 2 ] The great events unfolding in our time should serve, in particular, as a call to those souls inclined toward spiritual science to truly come to terms with the difference between life and mere knowledge—between life and mere conviction formed according to a scientific model. We must make at least a small effort to arrive at a kind of self-knowledge—purely human self-knowledge; we must make this effort, we must reflect on just how deeply the demon of theoretical conviction currently dwells in human hearts. We must clearly direct the eye of the soul toward how this demon of theoretical conviction seeks to take root. And we will not make what anthroposophy is meant to be for us an innermost experience if we do not attempt this, if we do not turn our gaze toward facts that can, so to speak, surprise even the anthroposophist in his own inner life—facts that point out how far removed one is, when one surrenders oneself in this way to modern inner life, from the immediate experience of the spiritual, and how close one is to seeking a theoretical conviction. One must look such facts in the eye with complete impartiality.
[ 3 ] Ich konnte — und was ich jetzt anführe, soll nur als Beispiel angeführt werden —, seitdem die ernsten Ereignisse über Europa und die Welt hereingebrochen sind, an den verschiedensten Orten des deutschen Sprachgebietes über Erlebnisse sprechen, die mit unserer ernsten Zeit im Zusammenhang stehen. Ich habe es ja auch hier in Stuttgart tun dürfen. Da und dort wurde von mir über solche Erlebnisse gesprochen. Was war eine der Folgen davon, daß solche Erlebnisse besprochen worden sind? Eine der Folgen war die, daß Angehörige anderer Reiche gekommen sind mit der Anforderung, dasjenige, was innerhalb unseres Sprachgebietes gesprochen worden ist, auch zu ihnen zu bringen. Oftmals war das gefordert unter der gutgemeinten Voraussetzung, daß die Wahrheit für alle Menschen selbstverständlich die gleiche sei, und daß solch ein Hintragen desjenigen, was an einem Orte gesprochen wird, zum anderen Orte ohne weiteres zur Aufklärung der Wahrheit in unserer schwierigen Zeit dienen könne. Es ist ja innerhalb unserer Geistesströmung Mode geworden, alles, was gesprochen wird, auch dasjenige, was gesprochen wird aus dem unmittelbaren Impuls nicht nur der Zeit, sondern auch des Ortes und der Menschen heraus, zu denen es gesprochen wird, aufzuschreiben und nun den Glauben zu haben, daß das jedem in der gleichen Weise dienen müsse, weil man die theoretische Voraussetzung macht, die Wahrheit könne nur auf eine einzige Weise formuliert werden. Nun, meine lieben Freunde, es würde sich jener Unfug, der darin besteht, daß man in genauer Weise das gesprochene Wort nachschreibt und glaubt, daß es noch immer den Inhalt habe, wenn es nun als nachgeschriebenes Wort da oder dort vorgelesen werde oder wiedergesprochen werde, es würde sich dieser Unfug ins Ungeheuerliche auswachsen, wenn man das glauben könnte, was eben angedeutet worden ist.
[ 3 ] Ever since the grave events have swept across Europe and the world—and what I am about to mention is intended merely as an example—I have been able to speak in various places throughout the German-speaking world about experiences related to these serious times. I have, in fact, had the opportunity to do so here in Stuttgart as well. Here and there, I have spoken about such experiences. What was one of the consequences of discussing these experiences? One of the consequences was that people from other countries came to us with the request that what had been spoken within our German-speaking region be brought to them as well. This was often requested under the well-meaning assumption that the truth is, of course, the same for all people, and that conveying what is spoken in one place to another could readily serve to shed light on the truth in our difficult times. It has, after all, become fashionable within our spiritual movement to write down everything that is spoken—including that which is spoken out of the immediate impulse not only of the time but also of the place and the people to whom it is addressed—and to believe that this must serve everyone in the same way, because one makes the theoretical assumption that the truth can be formulated in only one way. Well, my dear friends, that nonsense—which consists in transcribing the spoken word exactly and believing that it still retains its content when it is read aloud or repeated here and there as a transcribed text—would grow into something monstrous if one were to believe what has just been suggested.
[ 4 ] Wenn diejenigen Dinge, welche die Menschen Europas und der Welt gegenwärtig auszumachen haben, ausgemacht werden könnten durch Worte, dann brauchten nicht jene ungeheuren Ströme von Blut zu fließen, die aus den ewigen Notwendigkeiten der Erdenentwickelung heute fließen müssen. Wenn ohne weiteres die Möglichkeit bestünde, daß die Seelen sich aus den nationalen Aspirationen heraus verstehen würden, dann brauchten sie sich nicht mit Kanonen gegeneinander zu stellen. Wir müssen uns mit demjenigen, was als der Charakter des Erlebnisses angegeben worden ist, wir müssen uns mit geisteswissenschaftlicher Erkenntnis gerade da bewähren, wo es darauf ankommt, dem großen Ernst entgegenzusehen. Für alltägliche Seelenbedürfnisse spielerisch okkulte Wahrheiten zu gebrauchen, das kann nicht die Aufgabe unseres geisteswissenschaftlichen Strebens sein. Solange wir nicht in der Lage sind, es zu dem Verständnis zu bringen, daß in den Weltenerscheinungen, die uns auf dem physischen Plan entgegentreten, wirklich spirituelle Mächte tätig sind, und daß wir Geisteswissenschaft brauchen, um Wert und innere Wahrheit dieser spirituellen Mächte abzuschätzen und zu durchschauen, solange wir das nicht vermögen, haben wir noch nicht das richtige Verhältnis zu unserer Geisteswissenschaft.
[ 4 ] If the things that the people of Europe and the world are currently facing could be expressed in words, then there would be no need for those immense rivers of blood that must flow today as a result of the eternal necessities of the Earth’s evolution. If it were readily possible for souls to understand one another through national aspirations, then they would not need to turn their cannons against one another. We must prove ourselves—with what has been described as the character of the experience, and with spiritual-scientific knowledge—precisely where it matters most: in facing this great gravity. To use occult truths in a playful manner for everyday spiritual needs cannot be the task of our spiritual-scientific endeavor. As long as we are unable to come to the understanding that spiritual forces are truly at work in the worldly phenomena we encounter on the physical plane, and that we need spiritual science to assess and penetrate the value and inner truth of these spiritual forces—as long as we are unable to do this, we have not yet established the proper relationship to our spiritual science.
[ 5 ] Das muß uns klar sein: Wenn wir auf rein anthroposophischem Boden stehen, wenn wir die hohen Wahrheiten entwickeln für unsere Seele, welche des Menschen höchstes Wesen berühren, dann stehen wir auf einem Boden, der jenseits ist aller Nationalität, ja jenseits aller Rassenunterschiede sogar. Stehen wir recht auf dem Boden desjenigen, was wir über des Menschen Wesen aus der spirituellen Erkenntnis gewinnen können, dann gelten dieselben Wahrheiten über den ganzen Erdkreis hin, ja innerhalb gewisser Horizonte für andere Planeten unseres Planetensystems: sobald wir auf diesem Boden stehen, sobald für uns in Betracht kommen die höchsten, das menschliche Wesen betreffende Gedanken. Anders ist es, wenn Dinge in Betracht kommen, aus denen etwas anderes spricht und sprechen muß als dieses allerhöchste Wesen des Menschen: Wenn Völker einander gegenüberstehen, haben wir es nicht zu tun mit demjenigen, was in des Menschen Wesen hinausreicht über alle die Differenzierungen der Menschheit. Wenn Völker einander gegenüberstehen, so stehen nicht bloß Menschen, sondern spirituelle Welten einander gegenüber, stehen sich solche Wesenheiten in spirituellen Welten gegenüber, die durch die Menschen sich betätigen, die in den Menschen leben. Und zu glauben, daß dasjenige, was für Menschen gelten muß, auch gelten muß für jene komplizierte Dämonen- und Geisterwelt, welche durch die Menschen wirkt, wenn Völker miteinander kämpfen, zu glauben, daß man durch einfache menschliche Logik etwas ausmachen könnte über dasjenige, was die Dämonen gegeneinander treibt, das heißt doch, noch nicht den Glauben an eine konkrete spirituelle Welt gefunden zu haben.
[ 5 ] We must be clear about this: When we stand on purely anthroposophical ground, when we develop for our souls the high truths that touch the highest essence of the human being, then we stand on ground that is beyond all nationality, indeed even beyond all racial differences. If we stand firmly on the ground of what we can gain through spiritual insight into the human being, then the same truths apply throughout the entire globe, and indeed, within certain limits, to other planets in our solar system: as soon as we stand on this ground, as soon as we consider the highest thoughts concerning the human being. The situation is different when we consider matters from which something other than this highest essence of the human being speaks—and must speak: When peoples stand opposed to one another, we are not dealing with that which, in the human being, extends beyond all the distinctions of humanity. When peoples stand opposed to one another, it is not merely human beings but spiritual worlds that stand opposed to one another; it is such entities in spiritual worlds that stand opposed to one another—entities that act through human beings and live within them. And to believe that what must apply to human beings must also apply to that complex world of demons and spirits that acts through human beings when nations fight one another—to believe that one could discern, through simple human logic, what drives the demons against one another—means, after all, that one has not yet found faith in a concrete spiritual world.
[ 6 ] Was meine ich damit? — Nicht wahr, wenn wir jetzt hinaussehen auf dasjenige, was draußen in der äußeren Welt geschieht, so finden wir — ich will jetzt ganz absehen von den eigentlichen schmerzlichen Kriegsereignissen —, daß Menschen verschiedener Nationalitäten einander gegenüberstehen. Wir finden, daß die eine Nationalität die andere mit ihrem Haß manchmal in der furchtbarsten Weise überflutet. Dann versuchen jetzt die Menschen zurechtzukommen damit, das heißt, sich zu fragen, wer nun mehr Recht hat zu hassen, dieses Volk oder jenes Volk, oder welches man mehr hassen soll als ein anderes. Man denkt wohl auch nach, welches Volk die besondere Schuld habe an diesem Krieg. Man denkt ungefähr über diese Angelegenheiten so nach, wie man mit Recht nachdenkt bei einer Gerichtsverhandlung, wo man die verschiedenen Umstände abwägt. Was tut man aber im Grunde genommen, wenn man das tut, was eben charakterisiert worden ist und was das jetzige Schrifttum beherrscht, was tut man dann? Man stellt damit in Abrede alles spirituelle Leben, wenn man es auch nicht zugeben wollte, denn man bekennt sich zu dem Dogma, daß jene Dämonen zum Beispiel, die von Osten herübergetragen haben die Zwietracht in das europäische Leben, nach dem Muster des Verstandes, sagen wir, des Verstehens zu beurteilen sind, das der Mensch hat. Denn man glaubt nicht, daß es einen anderen Verstand, eine andere Urteilskraft gibt als diejenige, die der Mensch hat. All dasjenige, was gegenüber solchen die Evolution aufwühlenden Ereignissen vom bloß menschlichen Standpunkt aus beurteilt wird, ist eine Verleugnung des geisteswissenschaftlichen Lebens. Nur dann bekennen wir uns zum wirklichen geisteswissenschaftlichen Leben, wenn wir uns klar sind, daß sich in den physischen Ereignissen geistige Ursachen ausleben, Ursachen, die auch eine andere Urteilskraft notwendig machen als die des physischen Planes. Wenn sich Menschen mit verschiedenen Ansichten bekämpfen auf dem physischen Plan, dann kann man vielleicht nach menschlichem Urteil entscheiden. Das kann man aber nicht, wenn sich Völker bekämpfen, weil durch das Volksleben sich unsichtbare Mächte zum Ausdruck bringen. Im Menschen bringen sich allerdings auch unsichtbare Mächte zum Ausdruck, aber so, daß sie sich hineinfügen in das menschliche Urteil. Das tun sie im Völkerleben aber nicht. Da handelt es sich eben darum, daß wir uns bewähren in der Anerkenntnis des konkreten spirituellen Lebens und einsehen, daß noch ganz andere Impulse in der Menschenseele sprechen als diejenigen, die man bewältigen kann mit dem Erdenverstand, wenn solch große Ereignisse sich abspielen.
[ 6 ] What do I mean by that? — Isn’t it true that when we look out now at what is happening out there in the outside world—leaving aside for the moment the actual, painful events of war—we find that people of different nationalities are pitted against one another? We find that one nationality sometimes overwhelms the other with its hatred in the most terrible way. Then people try to make sense of it all—that is, to ask themselves which side has more right to hate, this people or that people, or which one should be hated more than the other. People also reflect on which nation bears particular blame for this war. They ponder these matters much as one rightly does in a court of law, where one weighs the various circumstances. But what, fundamentally speaking, are we doing when we engage in what has just been described—and what dominates current literature—what are we doing then? In doing so, one denies all spiritual life, even if one does not wish to admit it, for one adheres to the dogma that those demons, for example, who have carried discord from the East into European life, are to be judged according to the model of reason—let us say, of understanding—that human beings possess. For one does not believe that there is any intellect or power of judgment other than that which human beings possess. Anything judged from a purely human standpoint in the face of such events that shake the very foundations of evolution is a denial of spiritual scientific life. We commit ourselves to true spiritual scientific life only when we realize that spiritual causes play out in physical events—causes that also necessitate a power of judgment different from that of the physical plane. When people with differing views fight one another on the physical plane, one might perhaps decide the matter according to human judgment. But this is not possible when nations fight one another, because invisible forces express themselves through national life. Inhuman beings, too, invisible forces do express themselves, but in such a way that they fit into human judgment. This is not the case in the life of nations, however. There, the point is precisely that we prove ourselves in our recognition of concrete spiritual life and realize that impulses entirely different from those that can be mastered by earthly reason are at work in the human soul when such great events unfold.
[ 7 ] Wenn man heute dieses oder jenes liest, was da gesagt wird und was reichlich nachgesprochen wird auch von denjenigen, die einen Impuls von der Geisteswissenschaft haben empfangen wollen, dann findet man, daß vieles davon so geschrieben oder gesprochen ist, als wenn die Weltentwickelung erst am 20. Juli 1914 ungefähr begonnen hätte. Selbst da, wo man die Ursachen der gegenwärtigen Verwicklungen sucht, redet man so, als ob sie im vorigen Jahr begonnen hätten. Geisteswissenschaft wird neben vielem anderen auch das als praktisches Ergebnis zeitigen müssen, daß man etwas wird lernen wollen, daß man nicht aus dem, was unmittelbar der Tag gibt, sondern aus den größeren Zusammenhängen heraus sich ein Urteil wird bilden wollen. Das wird das Elementarste sein; das Weitere wird erst daraus bestehen, daß man das Urteil prüfen muß an dem, was Geisteswissenschaft zu geben in der Lage ist. Machen wir uns einmal an einem Beispiel klar, wie diese Geisteswissenschaft fruchtbar werden muß, wenn es sich darum handelt, unser Verständnis gegenüberzustellen dem Erleben, und das Erleben dann zu unserem eigenen zu machen.
[ 7 ] When one reads this or that today—what is being said there and what is widely echoed even by those who claim to have received an impulse from spiritual science—one finds that much of it is written or spoken as if world history had only begun around July 20, 1914. Even when seeking the causes of the current complications, people speak as if they had begun just last year. Among many other things, spiritual science will have to yield the practical result that people will want to learn to form judgments not based on what the day immediately presents, but rather from the larger contexts. That will be the most fundamental step; the next step will consist in testing that judgment against what spiritual science is able to provide. Let us use an example to clarify how this spiritual science must bear fruit when it comes to contrasting our understanding with experience, and then making that experience our own.
[ 8 ] Wir haben es ja immer wiederum betont, daß die Weltentwickelung, die Erdenentwickelung, für die nachatlantische Zeit in deutlich voneinander verschiedenen Kulturperioden verläuft. Wir haben diese Kulturperioden aufgezählt: die alte indische Kulturperiode, die persische, die ägyptisch-chaldäische, die griechisch-lateinische, dann diejenige, welche unsere eigene ist in der Gegenwart; dann haben wir darauf aufmerksam gemacht, daß eine sechste, eine siebente Epoche die unsrige wird ablösen müssen. Wir haben uns aber nicht damit begnügt, schematisch die Aufeinanderfolge dieser Kulturperioden einfach darzustellen, sondern wir haben versucht zu charakterisieren, welches das Eigentümliche der einzelnen Kulturperioden ist. Und wir haben dadurch versucht, ein Verständnis für unsere eigene Zeit zu gewinnen, für die Übergangsimpulse, die in unserer Zeit leben, in unserer fünften nachatlantischen Zeitepoche. Und wir haben uns auch klargemacht, daß keineswegs mit solchen Charakterisierungen irgend etwas Schematisches gemeint sein kann, zum Beispiel daß man nicht sagen kann, über die ganze Erde ziehe sich hin das Eigentümliche dieser Kulturepoche. An gewissen Orten tritt es auf, andere Erdenorte, andere Territorien bleiben zurück. Nicht absolut brauchen sie zurückzubleiben, aber sie bleiben mit alten Kräften zurück, um diese alten Kräfte später mit der fortschreitenden Evolution in einer anderen Kulturepoche entsprechend in Zusammenhang zu bringen. Man braucht nicht einmal an Wertigkeiten zu denken, sondern nur an Charaktereigentümlichkeiten. Wie sollte denn den Menschen nicht auffallen die tiefe Verschiedenheit, wenn es sich um Geisteskultur handelt, sagen wir der europäischen und der asiatischen Völker. Wie sollte denn nicht auffallen die Differenzierung, die gebunden ist an die äußere Hautfärbung! Wenn wir das europäisch-amerikanische Wesen und das asiatische Wesen anschauen — sehen wir zunächst ganz ab von Wertigkeiten —, dann müssen wir den Unterschied ins Auge fassen, daß die asiatischen Völker zurückbehalten haben gewisse Kulturimpulse vergangener Erdenepochen, während die europäisch-amerikanischen Völker hinweggeschritten sind über diese Kulturimpulse. Nur wenn man in einem nicht ganz gesunden Seelenleben befangen ist, kann einem dasjenige besonders imponieren, was als orientalische Mystik die orientalische Menschheit aus alten Zeiten bewahrt hat, wo die Menschen es notwendig hatten, mit niederen Seherkräften zu leben. Solch ungesundes Geistesleben hat vielfach Europa allerdings ergriffen; man hat geglaubt, den Weg in die geistigen Welten durch asiatisches Jogitum und ähnliches lernen zu müssen. Diese Tendenz beweist aber nichts anderes als ein ungesundes Seelenleben. Das gesunde Seelenleben muß sich aufbauen auf die Überführung der Erlebnisse der fünften nachatlantischen Kulturepoche in spirituelles Leben, in geistiges Erkennen, und nicht auf das Herauftragen von irgend etwas in der Menschheit, was ja ganz interessant ist, sozusagen naturwissenschaftlich zu erkennen, was aber nicht für die europäische Menschheit erneuert werden darf, ohne daß sie zurückfallen würde in Zeiten, die ihr nicht angemessen sind. Aber andere Zeiten werden kommen über die Erdenentwickelung, folgende Zeiten. In diesen folgenden Zeiten, da werden veraltete Kräfte mit vorgeschrittenen Kräften wiederum sich verbinden müssen. Daher müssen sie an irgendeiner Stelle bleiben, um da zu sein, um sich verbinden zu können mit den vorgeschrittenen Kräften. Eine sechste wird auf die fünfte Kulturepoche folgen. Abstraktes Denken, dieses schreckliche abstrakte Denken, das eine Tochter ist der rein theoretisch-wissenschaftlichen Überzeugung, kann gar nicht umhin, das sechste Zeitalter höher zu schätzen als das fünfte, weil das sechste eben spätere Entwickelung ist. Wir sollten uns aber klar sein, daß es Zeiten des Aufgangs und Zeiten des Niedergangs gibt; richtig klar sollten wir uns sein darüber, daß das sechste Zeitalter, welches folgt auf das fünfte in der nachatlantischen Zeit, dem Niedergang notwendigangehören muß, und daß dasjenige, was sich in der fünften nachatlantischen Zeitepoche herausentwickelt, der Keim sein muß für die der siebenten Kulturepoche erst wiederum folgende Erdenzeit. So lebendig muß man die Dinge betrachten, nicht abstrakt-theoretisch, so daß man das sechste Zeitalter als ein vollkommeneres auf das fünfte als unvollkommeneres folgen läßt.
[ 8 ] We have, after all, repeatedly emphasized that the development of the world—the development of the Earth—proceeds in distinct cultural periods during the post-Atlantean era. We have listed these cultural periods: the ancient Indian cultural period, the Persian, the Egyptian-Chaldean, the Greek-Latin, and then the one that is our own in the present; we have also pointed out that a sixth and a seventh epoch will have to succeed ours. However, we did not content ourselves with simply presenting a schematic overview of the succession of these cultural periods; rather, we attempted to characterize what is distinctive about each individual cultural period. And through this, we have sought to gain an understanding of our own time—of the transitional impulses that are alive in our time, in our fifth post-Atlantean epoch. We have also made it clear to ourselves that such characterizations are by no means meant to be schematic; for example, one cannot say that the distinctive features of this cultural epoch extend across the entire Earth. It manifests in certain places, while other parts of the world, other territories, lag behind. They do not necessarily have to lag behind, but they remain with old forces, so that these old forces can later be appropriately integrated into a different cultural epoch as evolution progresses. One need not even think in terms of value judgments, but only of distinctive characteristics. How could people fail to notice the profound difference—when it comes to spiritual culture—between, say, the European and Asian peoples? How could they fail to notice the differentiation linked to external skin color? When we look at the European-American nature and the Asian nature—setting aside all questions of value for the moment—we must recognize the difference that the Asian peoples have retained certain cultural impulses from past epochs of Earth’s history, while the European-American peoples have moved beyond these cultural impulses. Only those caught up in a not entirely healthy spiritual life can be particularly impressed by what Oriental humanity has preserved from ancient times as “Oriental mysticism”—a time when people had to live with lower clairvoyant powers. Such an unhealthy spiritual life has, however, taken hold in Europe in many ways; people have believed that they must learn the way to the spiritual worlds through Asian yoga and similar practices. This tendency, however, proves nothing other than an unhealthy soul life. A healthy soul life must be built upon the transformation of the experiences of the fifth post-Atlantean cultural epoch into spiritual life and spiritual knowledge, and not upon the revival of anything within humanity that, while certainly interesting to understand from a scientific perspective, so to speak, must not be revived for European humanity without it falling back into times that are not appropriate for it. But other times will come in the course of Earth’s evolution—subsequent eras. In these subsequent eras, outdated forces will once again have to unite with advanced forces. Therefore, they must remain at some point in order to be present there, so that they can unite with the advanced forces. A sixth cultural epoch will follow the fifth. Abstract thinking—this dreadful abstract thinking, which is a daughter of purely theoretical-scientific conviction—cannot help but regard the sixth epoch as superior to the fifth, precisely because the sixth represents a later stage of development. We should, however, be clear that there are times of ascent and times of decline; we should be perfectly clear that the sixth epoch, which follows the fifth in the post-Atlantean era, must necessarily be part of the decline, and that what develops in the fifth post-Atlantean epoch must be the seed for the earthly era that will in turn follow the seventh cultural epoch. One must view these things in such a living way, not abstractly or theoretically, so as to allow the sixth age—as a more perfect one—to follow the fifth—as an imperfect one.
[ 9 ] In der atlantischen Zeit war die vierte Epoche diejenige, in der die Keime lagen zu unserer Gegenwart. In unserer Zeit ist es die fünfte Kulturepoche, in der die Keime liegen zu dem, was auf die nachatlantische Zeit folgen muß. Und was ist das Charakteristische, das sich insbesondere in dieser fünften Kulturepoche herausentwickeln muß? Das ist das Charakteristische, was vorzugsweise durch das Mysterium von Golgatha angefacht worden ist: daß die spirituellen Impulse hinuntergeführt worden sind bis ins unmittelbar Physisch-Menschliche, daß gewissermaßen das Fleisch von dem Geiste ergriffen werden muß.
[ 9 ] In the Atlantean epoch, the fourth cultural epoch was the one in which the seeds of our present time lay. In our own time, it is the fifth cultural epoch in which the seeds of what must follow the post-Atlantean epoch lie. And what is the defining characteristic that must develop particularly in this fifth cultural epoch? It is the characteristic that has been kindled above all by the Mystery of Golgotha: that the spiritual impulses have been brought down into the immediate physical-human realm, that, so to speak, the flesh must be seized by the spirit.
[ 10 ] "Es ist noch nicht geschehen. Es wird erst geschehen sein, wenn die Geisteswissenschaft einmal einen größeren irdischen Boden hat und viel mehr Menschen sie im unmittelbaren Leben zum Ausdruck bringen, wenn der Geist in jeder Handbewegung, in jeder Fingerbewegung, möchte man sagen, wenn er in den alleralltäglichsten Handlungen zum Ausdruck kommt. Aber dieses Hinuntertragen der spirituellen Impulse war es, um dessentwillen der Christus in einem menschlichen Leibe Fleisch geworden ist. Und dieses Hinuntertragen, dieses Durchimprägnieren des Fleisches mit dem Geiste, das ist das Charakteristische der Mission, die Mission überhaupt der weißen Menschheit. Die Menschen haben ihre weiße Hautfarbe aus dem Grunde, weil der Geist in der Haut dann wirkt, wenn er auf den physischen Plan heruntersteigen will. Daß dasjenige, was äußerer physischer Leib ist, Gehäuse wird für den Geist, das ist die Aufgabe unserer fünften Kulturepoche, die vorbereitet worden ist durch die anderen vier Kulturepochen. Und unsere Aufgabe muß es sein, mit denjenigen Kulturimpulsen uns bekanntzumachen, welche die Tendenz zeigen, den Geist einzuführen ins Fleisch, den Geist einzuführen in die Alltäglichkeit. Wenn wir dies ganz erkennen, dann werden wir uns auch klar sein darüber, daß da, wo der Geist noch als Geist wirken soll, wo er in gewisser Weise zurückbleiben soll in seiner Entwickelung — weil er in unserer Zeit die Aufgabe hat, ins Fleisch hinunterzusteigen —, daß da, wo er zurückbleibt, wo er einen dämonischen Charakter annimmt, das Fleisch nicht vollständig durchdringt, daß da weiße Hautfärbung nicht auftritt, weil atavistische Kräfte da sind, die den Geist nicht vollständig mit dem Fleisch in Einklang kommen lassen.
[ 10 ] "It has not yet happened. It will only have happened once spiritual science has gained a broader foothold on earth and many more people express it in their immediate lives—when the Spirit is expressed in every movement of the hand, in every movement of the finger, one might say, when it is expressed in the most everyday actions. But it was for the sake of this bringing down of spiritual impulses that Christ became incarnate in a human body. And this bringing down, this permeation of the flesh with the spirit—that is the defining characteristic of the mission, the mission of white humanity as a whole. Human beings have white skin for the reason that the Spirit works within the skin when it wishes to descend onto the physical plane. That which is the outer physical body becomes a vessel for the Spirit—this is the task of our fifth cultural epoch, which has been prepared by the other four cultural epochs. And our task must be to familiarize ourselves with those cultural impulses that show a tendency to introduce the spirit into the flesh, to introduce the spirit into everyday life. When we fully recognize this, we will also be clear about the fact that where the spirit is still meant to act as spirit—where it is, in a certain sense, meant to remain behind in its development — because in our time it has the task of descending into the flesh — that where it lags behind, where it takes on a demonic character, the flesh is not fully permeated, that white skin color does not appear because there are atavistic forces that prevent the spirit from coming into complete harmony with the flesh.
[ 11 ] In der sechsten Kulturepoche der nachatlantischen Zeit wird die Aufgabe die sein, den Geist vor allen Dingen als etwas sozusagen mehr in der Umgebung Schwebendes zu erkennen als unmittelbar in sich, den Geist mehr in der elementaren Welt anzuerkennen, weil diese sechste Kulturepoche die Aufgabe hat, die Erkenntnis des Geistes in der physischen Umgebung vorzubereiten. Das kann nicht so ohne weiteres erreicht werden, wenn nicht alte atavistische Kräfte aufgespart werden, die den Geist in seinem rein elementarischen Leben anerkennen. Aber ohne die heftigsten Kämpfe gehen diese Dinge in der Welt nicht ab. Die weiße Menschheit ist noch auf dem Weg, immer tiefer und tiefer den Geist in das eigene Wesen aufzunehmen. Die gelbe Menschheit ist auf dem Wege, zu konservieren jene Zeitalter, in denen der Geist ferne gehalten wird vom Leibe, in denen der Geist gesucht wird außerhalb der menschlich-physischen Organisation, bloß dort. Das aber muß dazu führen, daß der Übergang von der fünften Kulturepoche in die sechste Kulturepoche sich nicht anders abspielen kann denn als ein heftiger Kampf der weißen Menschheit mit der farbigen Menschheit auf den mannigfaltigsten Gebieten. Und was diesen Kämpfen vorangeht, die sich abspielen werden zwischen der weißen und der farbigen Menschheit, das wird die Weltgeschichte beschäftigen bis zu der Austragung der großen Kämpfe zwischen der weißen und der farbigen Menschheit. Die zukünftigen Ereignisse spiegeln sich vielfach in vorhergehenden Ereignissen. Wir stehen nämlich, wenn wir dasjenige, was wir durch die verschiedensten Betrachtungen uns angeeignet haben, im geisteswissenschaftlichen Sinn ansehen, vor etwas Kolossalem, das wir in der Zukunft als notwendig sich abspielend erschauen können.
[ 11 ] In the sixth cultural epoch of the post-Atlantean era, the task will be, above all, to recognize the spirit as something that, so to speak, hovers more in the surroundings than within oneself; to acknowledge the spirit more in the elemental world, because this sixth cultural epoch has the task of preparing for the recognition of the spirit in the physical environment. This cannot be achieved easily unless ancient atavistic forces are preserved that recognize the spirit in its purely elemental life. But these things do not happen in the world without the fiercest struggles. White humanity is still on the path of absorbing the spirit ever more deeply into its own being. Yellow humanity is on the path to preserving those ages in which the spirit is kept at a distance from the body, in which the spirit is sought outside the human-physical organization, and only there. But this must lead to the transition from the fifth cultural epoch to the sixth cultural epoch taking place as nothing other than a fierce struggle between white humanity and colored humanity in the most diverse fields. And what precedes these struggles, which will take place between white and people of color, will occupy world history right up until the great struggles between white and people of color are fought out. Future events are often reflected in past events. For when we view what we have acquired through our various reflections from a spiritual-scientific perspective, we stand before something colossal that we can foresee as inevitably unfolding in the future.
[ 12 ] Da haben wir auf der einen Seite einen Teil der Menschheit mit der Mission, den Geist in das physische Leben so hereinzuführen, daß der Geist alles einzelne im physischen Leben durchdringe. Und auf der anderen Seite haben wir einen Teil der Menschheit mit der Notwendigkeit, gewissermaßen die absteigende Entwickelung nun zu übernehmen. Das kann nicht anders geschehen, als wenn dasjenige, was wirklich sich bekennt zur Durchdringung des Leiblichen mit dem Geistigen, Kulturimpulse hervorbringt, lebendige Impulse hervorbringt, die für die Erde bleibend sind, die von der Erde nicht wieder verschwinden können. Denn was dann nachkommt als sechste, als siebente Kulturepoche, das muß geistig von den Schöpfungen der fünften leben, das muß die Schöpfungen der fünften Kulturepoche in sich aufnehmen. Die fünfte Kulturepoche hat die Aufgabe, das äußere idealistische Leben zum spirituellen Leben zu vertiefen. Das aber, was so als spirituelles Leben vom Idealismus erobert wird, das muß später angenommen werden, das muß weiterleben. Denn im Osten wird man nicht die Kräfte haben, ein eigenes Geistesleben produktiv hervorzubringen, sondern nur dasjenige, was hervorgebracht ist, in sich aufzunehmen. So muß sich die Geschichte abspielen, daß von der gegenwärtigen, die eigentlichen Kulturimpulse in sich tragenden Menschheit eine spirituelle Kultur geschaffen wird, welche die eigentliche geschichtliche Nachfolge der fünften Kultur ist, und daß diese Kultur verarbeitet wird von dem, was nachfolgt.
[ 12 ] On the one hand, we have a portion of humanity whose mission is to introduce the spirit into physical life in such a way that the spirit permeates every aspect of physical life. And on the other hand, we have a portion of humanity that must, so to speak, now take on the task of descending development. This can only happen if those who truly commit themselves to the permeation of the physical by the spiritual generate cultural impulses—vital impulses that are enduring for the Earth, that cannot disappear from the Earth again. For what follows as the sixth and seventh cultural epochs must draw its spiritual sustenance from the creations of the fifth; it must take the creations of the fifth cultural epoch into itself. The fifth cultural epoch has the task of deepening external idealistic life into spiritual life. But what is thus conquered by idealism as spiritual life must later be received; it must live on. For in the East, people will not have the strength to productively bring forth a spiritual life of their own, but only to take in what has already been brought forth. Thus, history must unfold in such a way that the present humanity—which carries within itself the true cultural impulses—creates a spiritual culture that is the true historical successor to the fifth cultural epoch, and that this culture is assimilated by what follows.
[ 13 ] Versuche man einmal, sich ganz objektiv, ohne Voreingenommenheit den Unterschied zwischen diesen beiden Menschheitsströmungen klarzumachen. Man versuche sich einmal klarzumachen, wie seit dem Eintritt desjenigen Teiles der Menschheit, den man germanische Völker nennt, gerungen worden ist um ein Durchdringen des äußeren Physischen mit dem Geistigen, und wie die Tiefen des Christentums angenommen worden sind. Vom äußeren Physischen ist man ausgegangen, von demjenigen, was gleichsam im Physischen den Keim enthielt zu einem Physisch-Geistigen. Man blicke zurück auf das Sommeropfer, auf das Sonnwendopfer des Gottes Baldur. Sein eigentlicher tieferer Sinn ist ja früh verlorengegangen, aber was ist der eigentliche tiefere Sinn? Er kann nur durchschaut werden, wenn man die Blicke hinlenkt darauf, wie mit der heraufziehenden Frühlingssonne, im Lichte und in der Wärme, geistige Mächte heraufsteigen, wie der Gott Lenz heraufzieht, und wie mit dem Anzünden des Johannisfeuers der Mensch hinneigt zu der Verbindung mit den in den Naturkräften herrschenden Lenzeskräften, wie er sich Feuer anzündet zum Zeichen dafür, daß er sein Verständnis verbindet mit dem Tode des Gottes Lenz zur Sommersonnenwende. Das ist die Baldursage: Der Gott Lenz verbrennt im Sonnwendfeuer, weil man das Fruchtende, das Keimende in der Natur, in der äußeren physischen Natur empfand, weil man den Gott Lenz liebte und ihm folgte in seinen Tod hinein. Darum aber, weil man gleichsam in der äußeren physischen Welt das Vorbild hatte von dem Christus, der nicht stirbt in der Sommerwende, aber der geboren wird in der Winterwende — merken Sie diesen Gegensatz des Leiblichen zu dem Geistigen —, weil man das Vorbild hatte an dem Sommersonnenwende-Gott für den Wintersonnenwende-Gott, weil man das umgekehrte Leibliche für das Geistige hatte, deshalb durchdrang man sich mit dem Verwandten und doch Entgegengesetzten. Ist der Gott Baldur der Gott Lenz, der in der Sommersonnenwende dahinstirbt, so ist der Christengott derjenige, der in der Wintersonnenwende geboren wird. Das eine und das andere durchdringen sich wie Leibliches, das sich im äußeren Leiblich-Physischen abspielt, sich durchdringt mit Geistigem, das verhüllt ist durch die leibliche Finsternis, durch die Winterfinsternis. Der Wintergeist durchdringt den Sommerleib. Und wie durchdringen sich diese Dinge? Im unmittelbar persönlichen Ringen der Kulturimpulse. Was ist denn die Geschichte Mitteleuropas als ein fortwährendes Ringen um das Aufgehen des göttlichen Funkens in der persönlichen Seele, um das Aufgehen des Geistigen im Physischen? Man kann von allem anderen absehen, aber die Wahrheit muß man durchschauen, erkennen das Charakteristische dieses mitteleuropäischen Wesens.
[ 13 ] Let us try, quite objectively and without bias, to understand the difference between these two currents of humanity. Try to understand how, ever since the arrival of that part of humanity known as the Germanic peoples, there has been a struggle to infuse the outer physical realm with the spiritual, and how the depths of Christianity have been embraced. The starting point was the outer physical realm—that which, as it were, contained within the physical the seed of a physical-spiritual reality. Let us look back at the summer sacrifice, the solstice sacrifice to the god Baldur. Its true, deeper meaning was lost long ago, but what is that true, deeper meaning? It can only be understood by directing our gaze to how, with the rising spring sun, in the light and warmth, spiritual powers rise, just as the god of spring ascends, and how, with the lighting of the St. John’s Fire, human beings incline toward union with the forces of spring reigning within the forces of nature—how they light fires as a sign that they are uniting their understanding with the death of the god of spring at the summer solstice. This is the Baldur legend: The god Lenz burns in the solstice fire because people sensed the fruiting and sprouting in nature—in the outer, physical world—because they loved the god Lenz and followed him into his death. But this is because, as it were, they had in the outer, physical world the model of Christ, who does not die at the summer solstice, but is born at the winter solstice—note this contrast between the physical and the spiritual—because people had the model of the summer solstice god for the winter solstice god, because they had the physical as the opposite of the spiritual, that is why they imbued themselves with what was related and yet opposite. If the god Baldur is the god of spring who dies at the summer solstice, then the Christian God is the one who is born at the winter solstice. The one and the other interpenetrate like the physical, which plays out in the outer physical realm, interpenetrating with the spiritual, which is veiled by physical darkness, by the darkness of winter. The spirit of winter permeates the body of summer. And how do these things interpenetrate? In the immediate, personal struggle of cultural impulses. What, then, is the history of Central Europe if not a continuous struggle for the emergence of the divine spark in the personal soul, for the emergence of the spiritual within the physical? One may disregard everything else, but one must see through to the truth and recognize the characteristic nature of this Central European being.
[ 14 ] Und man nehme den anderen Teil der Menschheit. Wie ferne er im Grunde genommen von diesem persönlichen Impuls des Sich-Emporringens des Geistigen im Physischen steht! Man möchte sagen: «Naturhistorisch» ist es im höchsten Grade interessant, zu beobachten, wie das Chinesentum seine Tao-, seine Konfuzius-Religion bewahrt hat, wie sich überhaupt die asiatischen Religionen die ältesten Formen bewahrt haben, die abstraktesten Formen, diese Formen, bei denen sich der theoretische Verstand so wohl fühlt, die aber Starrheit sind gegenüber dem persönlichen Erleben, die das persönliche Erleben eben nicht zum Ringen kommen lassen, weil dieses persönliche Erleben aufbewahrt werden soll bis zu der Zeit, wo der Menschheitskultur das Errungene so einverleibt wird, daß es aufgenommen werden kann. In der fünften Kulturepoche muß ein Geistiges aus eigener Kraft errungen werden; in der sechsten Kulturperiode werden die Menschen kommen und das Erarbeitete, das Errungene annehmen als ihre Anschauung, als ihr Erlebnis, aber als etwas, was sie nicht selbst errungen haben. Sie werden aufbewahrt in den Kräften, die nicht ringen, sondern das Geistige als etwas Äußerliches, Selbstverständliches entgegennehmen. Und das Vorspiel für jenes viel weitere Ringen ist dasjenige, das sich allmählich entwickeln muß als das Ringen zwischen germanischer und slawischer Welt. Man bedenke doch nur, daß die slawische Welt in gewissem Sinne ein Vorposten ist für dasjenige, was sechste Kulturepoche ist, ja daß in ihr der eigentliche Keim der sechsten Kulturepoche liegt. Man bedenke das nur recht in wahrem, echtem, geisteswissenschaftlichem Sinne. Dann wird man sich klar darüber sein, daß in diesem slawischen Element etwas Empfangendes liegen muß, etwas, was nichts mit diesem Ringen zu tun hat, was das eigene Ringen geradezu abweist. Man kann es mit Händen greifen. Während in Mitteleuropa die Seelen gekämpft haben, mit ihrem Inneren gekämpft haben, um im persönlichen Erringen eine Gott-Erfassung zu bekommen, konserviert das slawische Element die Religion, die Gott-Erfassung, den Kultus, der eben einmal da ist; es konserviert, es macht den Geist nicht innerlich lebendig, sondern läßt den Geist wie eine Wolke über sich hinziehen und lebt in dieser Wolke, bleibt dem Geist gegenüber mit der Persönlichkeit fremd.
[ 14 ] And consider the other part of humanity. How far removed it is, in essence, from this personal impulse of the spiritual striving upward within the physical! One might say: From a “natural history” perspective, it is extremely interesting to observe how Chinese culture has preserved its Taoist and Confucian religions, and how Asian religions in general have preserved their oldest forms—the most abstract forms— those forms in which the theoretical intellect feels so at home, but which are rigid in the face of personal experience—forms that do not allow personal experience to engage in a struggle, precisely because this personal experience is to be preserved until the time when what has been achieved is so incorporated into human culture that it can be assimilated. In the fifth cultural epoch, the spiritual must be attained through one’s own efforts; in the sixth cultural epoch, people will come and accept what has been worked out and achieved as their worldview, as their experience, but as something they have not attained themselves. They will be preserved within forces that do not struggle, but rather receive the spiritual as something external and self-evident. And the prelude to that much broader struggle is the one that must gradually develop as the struggle between the Germanic and Slavic worlds. One need only consider that the Slavic world is, in a certain sense, an outpost for what the sixth cultural epoch represents—indeed, that the very seed of the sixth cultural epoch lies within it. One need only consider this properly in a true, genuine, spiritual-scientific sense. Then one will realize that within this Slavic element there must lie something receptive, something that has nothing to do with this struggle, something that positively rejects the struggle itself. One can almost touch it with one’s hands. While in Central Europe souls have struggled—struggled with their inner selves—to attain a grasp of God through personal achievement, the Slavic element preserves the religion, the grasp of God, and the cult that simply already exists; it preserves; it does not bring the spirit to life within, but rather allows the spirit to drift over it like a cloud and lives within this cloud, remaining alien to the spirit through the personality.
[ 15 ] Nicht hat Mitteleuropa stehenbleiben können bei irgendeiner alten Form des äußeren Christentums, weil es ringen mußte. Stehengeblieben ist der Osten, und starr, abstrakt geworden sind selbst seine Kultformen, weil er sich vorbereiten soll zum äußerlichen Aufnehmen, zum Annehmen desjenigen, was der Westen im persönlichen Erringen erwirbt, weil er nicht dazu bereitet ist, dieser Osten, im persönlichen Erringen die Dinge zu bekommen. Und wie will man nach dem Muster rein theoretischen Verstandes ein gegenseitiges Sich-Verstehen herbeiführen, wenn ganz verschiedene geistige Impulse vorliegen? Wie will man irgend etwas ausmachen über einen irgendwie gearteten Schiedsspruch zwischen zwei voneinander verschiedenen Geistesströmungen, die sich so verhalten, wie sich eben Differenziertes verhalten muß? Mißverstehen Sie den Vergleich nicht: Wie will man ausmachen, ich möchte sagen, nach Elefantenart dasjenige, was Löwenbrauch ist? Die Ereignisse aber bilden sich heraus aus den ewigen Notwendigkeiten und laufen so ab, wie die ewigen Notwendigkeiten fließen. Sträuben mußte sich der Osten gegen dasjenige, was für ihn notwendig war und immer notwendiger wird: die Verbindung mit dem Westen und seiner Kultur. Denn im Grunde genommen konnte ihm vor seiner Reifung gar nicht das rechte Verständnis gegeben sein. Und ein äußerer Ausdruck ist der Konflikt zwischen dem, was man das Germanentum, und dem, was man das Slawentum nennt, dasjenige, was sich im Grunde genommen erst vorbereitet und als eine lange Beunruhigung über dem europäischen Leben schweben wird: die Auseinandersetzung zwischen Germanischem und Slawischem. Man möchte sagen, wie sich ein Kind dagegen sträubt, die Errungenschaften der Alten zu lernen, so sträubt sich der Osten gegen die Errungenschaften des Westens, sträubt sich dagegen, sträubt sich so weit, daß er ihn haßt, selbst wenn er sich gezwungen fühlt, zuweilen seine Errungenschaften anzunehmen. Mit dem Lichte der Wahrheit in diese Dinge hineinzuleuchten erfordert eben etwas anderes als das, was man heute liebt; obwohl man dieses andere zuweilen verspürt, aber man ist abgeneigt, die Augen auf diese Dinge hin zu richten und sie wirklich aus ihren innersten Impulsen heraus zu verstehen. Denn wird man nur ein wenig von diesen innersten Impulsen berührt, dann hört bald vieles von dem Geschwätz auf, muß aufhören, was vollbracht wird und was bloß der Konfusion entspringt, der Konfusion, die in der äußeren Maja befangen bleiben will.
[ 15 ] Central Europe could not remain stuck in any old form of external Christianity, because it had to struggle. The East has remained stagnant, and even its forms of worship have become rigid and abstract, because it is meant to prepare itself for external reception—for accepting what the West acquires through personal striving—since this East is not prepared to attain things through personal striving. And how can one bring about mutual understanding based on the model of purely theoretical reason when there are entirely different spiritual impulses at play? How can one reach any kind of arbitration between two distinct spiritual currents that behave exactly as differentiated entities must? Do not misunderstand the comparison: How can one determine—I might say, in an “elephant-like” manner—what is “lion-like” custom? Events, however, take shape out of eternal necessities and unfold as these eternal necessities flow. The East had to resist what was necessary for it and is becoming ever more necessary: the connection with the West and its culture. For, fundamentally speaking, it could not have been given the proper understanding before it had matured. And an outward expression of this is the conflict between what is called “Germanic culture” and what is called “Slavic culture”—that which, in essence, is only just beginning to take shape and will hover over European life as a long-standing source of unease: the clash between the Germanic and the Slavic. One might say that just as a child resists learning the achievements of the ancients, so the East resists the achievements of the West—resists them to the point of hating them, even when it feels compelled at times to accept those achievements. Shedding the light of truth on these matters requires something other than what people cherish today; although one sometimes senses this “other,” one is reluctant to turn one’s eyes toward these things and truly understand them from their innermost impulses. For if one is touched even slightly by these innermost impulses, much of the idle chatter soon ceases; what is accomplished—and what arises merely from confusion, the confusion that seeks to remain trapped in the outer Maya—must come to an end.
[ 16 ] Was wird man unter der sechsten Kulturepoche zu verstehen haben? Man wird darunter eine Kulturepoche zu verstehen haben, innerhalb welcher ein großer Teil der östlichen Menschen ihr Menschentum demjenigen zum Opfer gebracht haben wird, was in der Volkskultur errungen worden ist, indem gleichsam wie ein Weibliches das Östliche sich wird haben befruchten lassen von dem männlichen Westlichen. Dasjenige, was leben wird in den Seelen der sechsten Kulturepoche, wird dasselbe sein, was von den Seelen der fünften Kulturepoche errungen worden ist. Das bedingt, daß von Osten her das Unreife und noch nicht Gereifte sich wälzt, sich wehrt gegen dasjenige, was ja doch geschehen muß. Genau ebenso, wie das Griechisch-Römische sich einmal zu wehren hatte gegen das Germanische, so muß sich das Slawische gegen das Germanische wehren; aber genau ebenso wie beim Übergang vom Griechisch-Römischen zum Germanischen in der aufsteigenden Entwickelung, so bei dem Übergang vom Germanischen ins Slawische in der absteigenden. Indem die eigentliche Mission der fünften Kulturepoche von dem germanischen Element übernommen worden ist, war dieses germanische Element dasjenige, welches für diese fünfte Kulturepoche das eigentliche Verständnis des Christentums im inneren Erringen in die Erdenevolution einzufügen hatte und noch haben wird. Und es wäre das größte Unglück geschehen, wenn auf die Dauer das germanische Element besiegt worden wäre von dem römischen, denn dann hätte nicht geschehen können, was durch die fünfte Kulturepoche geschehen ist: Dieses germanische Element hatte eben das persönliche Erringen darzuleben. Und es wäre das größte Unglück, wenn jemals das slawische Element das germanische besiegen würde. Merken Sie den Unterschied. Der trostloseste abstrakteste Schematismus wäre es, wenn man das als ein Unglück bezeichnen würde beim Übergang von der fünften zur sechsten Kulturepoche, was man als ein Unglück bezeichnen müßte beim Übergang von der vierten zur fünften Kulturepoche. Der Sieg der Römer würde bedeutet haben: das Unmöglichmachen der Mission der fünften Kulturepoche; der Sieg des slawischen Elementes würde ebenso diese Unmöglichkeit bedeuten für die sechste Kulturepoche. Denn nur im passiven Annehmen desjenigen, was die fünfte Kulturepoche hervorbringt, kann der Sinn der sechsten bestehen.
[ 16 ] What is to be understood by the sixth cultural epoch? It will be understood to mean a cultural epoch within which a large portion of the people of the East will have sacrificed their humanity to what has been achieved in folk culture, in that the Eastern, as it were, like a woman, will have allowed itself to be fertilized by the masculine West. What will live in the souls of the sixth cultural epoch will be the very same thing that was achieved by the souls of the fifth cultural epoch. This means that from the East, the immature and the unripe will surge forth, resisting what must inevitably come to pass. Just as the Greco-Roman world once had to resist the Germanic, so must the Slavic resist the Germanic; but just as the transition from the Greco-Roman to the Germanic occurred during the ascending phase of development, so does the transition from the Germanic to the Slavic occur during the descending phase. Since the true mission of the fifth cultural epoch was taken on by the Germanic element, it was this Germanic element that had to—and still must—incorporate into Earth’s evolution, through inner striving, the true understanding of Christianity for this fifth cultural epoch. And it would have been the greatest misfortune if, in the long run, the Germanic element had been defeated by the Roman one, for then what came about through the fifth cultural epoch could not have happened: this Germanic element was precisely meant to embody the personal struggle. And it would be the greatest misfortune if the Slavic element were ever to defeat the Germanic one. Note the difference. It would be the most bleak and abstract form of schematism to describe as a misfortune during the transition from the fifth to the sixth cultural epoch what one would have to describe as a misfortune during the transition from the fourth to the fifth cultural epoch. A Roman victory would have meant rendering the mission of the fifth cultural epoch impossible; a victory of the Slavic element would likewise mean this impossibility for the sixth cultural epoch. For the meaning of the sixth cultural epoch can consist only in the passive acceptance of that which the fifth cultural epoch brings forth.
[ 17 ] Man muß fühlen, was ganz unabhängig von Ambitionen, von nationalen Aspirationen aus diesen Erkenntnissen heraus folgt, wenn diese Erkenntnisse Leben werden. Man muß aber auch sich klar sein darüber, wie schwer das Verständnis wird für die Menschen, wenn die Wahrheit ihren Leidenschaften widerspricht, wenn eben die Wahrheit ihren Aspirationen widerspricht. Wenn man durch menschlichen Verstand heute etwa von Mitteleuropa aus einen Westeuropäer oder einen Engländer überzeugen will, so tut man etwas, dessen Erfolglosigkeit man einsehen sollte, wirklich einsehen sollte, sofern es sich um nationale Gegensätze handelt. Auf rein geisteswissenschaftlichem Boden verstehen wir uns als Menschen. Aber wenn man diesen Boden verläßt und auf die Völkerkämpfe eingeht, sollte man sich klar sein, welche Schwierigkeiten dem gegenseitigen Verständnis gegenüberstehen. Es wird nur einen Weg geben, damit man zum Beispiel im französischen Westen Europas Verständnis gewinnen wird für das, was man eigentlich tut. Es ist der Weg, der einmal aus der Erkenntnis entspringen wird, welche Unnatur es eigentlich ist, daß man jetzt im französischen Westen am Gängelband des europäischen Ostens sich vorwärtstreiben läßt. Erst die Erkenntnis dessen, was man selbst getan hat, wird einiges Verständnis über die Sache bringen, aber nicht das Wort, das von anderen kommt, das von denen kommt, die auf einem anderen nationalen Boden stehen. Gefühlt, geahnt werden ja solche Dinge zuweilen, aber wieder vergessen. Denn die charakteristischsten Dinge, die sich abspielen, die werden in der Regel vergessen. Wenn es doch gelungen wäre, daß man in den letzten vierzig Jahren immer wieder und wiederum jenen bedeutungsvollen Briefwechsel gedruckt hätte, der sich einmal abgespielt hat zwischen Ernest Renan, dem Franzosen, und David Friedrich Strauß, dem württembergischen Deutschen! Es wäre nützlich gewesen, wenn man die maßgebenden Briefe, die gewechselt worden sind, nun, sagen wir, alle vier Wochen einmal den Menschen wiederum ins Gedächtnis gerufen hätte: man würde dann einiges geahnt haben von dem, was da kommen mußte. Man braucht ja nur auf das eine in einem Brief Renans hinzuweisen, wo die Sehnsucht ausgesprochen wird, mit Mitteleuropa zusammenzuwirken für die westeuropäische Kultur: das war ein Impuls, der aus den Ewigkeitskräften herausfloß. Aber dann sagt Renan sogleich: Das widerspricht aber meinem Patriotismus. Denn wenn den Franzosen Elsaß-Lothringen abgenommen wird, so kann ich als Franzose nur dafür sein, daß die westliche Kultur gegen den Osten geschützt werde. Alles Spätere liegt schon in einem solchen Ausspruch im Keim; das ist der Keim dessen, was später geschehen wird. Es zeigt eben, daß auch ein aufgeklärter, erleuchteter Geist im Grunde genommen offen gestand: Ja, einsehen kann ich, wo der Weg liegt, der durch die ewigen Notwendigkeiten vorgezeichnet ist, aber mitmachen will ich ihn nicht, weil ich mehr Franzose als Mensch sein will. — Ich sage, man hat gefühlt, geahnt, wie die Dinge liegen im Sinne der ewigen Notwendigkeit; aber man muß durch Geisteswissenschaft allmählich lernen, den Ahnungen, den Gefühlen mit seinem Urteil nachzufolgen. Man muß lernen, wirklich mit dem Urteil dahin zu kommen, wo die wirklichen Tatsachen sind. Und die wirklichen Tatsachen überschaut man nicht, ohne die geistige Welt zu durchschauen. Man kann es nicht, wenn man nicht zu dem seine Zuflucht nimmt, was aus der geistigen Welt den Tatsachen ihre Evolutionsimpulse gibt.
[ 17 ] One must sense what follows from these insights—quite independently of ambitions or national aspirations—when these insights come to life. But one must also be clear about how difficult it becomes for people to understand when the truth contradicts their passions, when the truth contradicts their aspirations. If, for example, one tries today—from Central Europe—to convince a Western European or an Englishman through human reason, one is doing something whose futility one should recognize—truly recognize—as long as national antagonisms are involved. On the purely spiritual-scientific plane, we understand one another as human beings. But when one leaves this plane and enters into the realm of conflicts between nations, one should be clear about the difficulties that stand in the way of mutual understanding. There will be only one way for people in, say, the French West of Europe to gain an understanding of what one is actually doing. It is the path that will one day spring from the realization of how unnatural it actually is that the French West is now allowing itself to be driven forward on a leash by the European East. Only the realization of what one has done oneself will bring some understanding of the matter, but not the words that come from others—from those who stand on different national ground. Such things are sometimes sensed or intuited, but then forgotten again. For the most characteristic events that unfold are, as a rule, forgotten. If only it had been possible, over the past forty years, to reprint time and again that significant correspondence that once took place between Ernest Renan, the Frenchman, and David Friedrich Strauss, the German from Württemberg! It would have been useful if the key letters that were exchanged had been brought back to people’s attention, say, once every four weeks: one would then have sensed something of what was bound to come. One need only point to a single passage in one of Renan’s letters, where he expresses a longing to collaborate with Central Europe for the sake of Western European culture: that was an impulse that sprang from the forces of eternity. But then Renan immediately adds: “Yet that contradicts my patriotism.” For if Alsace-Lorraine is taken away from the French, then as a Frenchman I can only be in favor of protecting Western culture against the East. Everything that followed is already contained in the seed of such a statement; that is the seed of what would later come to pass. It simply shows that even an enlightened, educated mind, when it came down to it, openly admitted: Yes, I can see where the path lies, the one marked out by eternal necessities, but I do not wish to follow it, because I want to be more French than human. — I say that people have sensed, intuited, how things stand in the sense of eternal necessity; but through spiritual science one must gradually learn to follow these intuitions and feelings with one’s judgment. One must learn to truly arrive, through judgment, at the place where the real facts lie. And one cannot grasp the real facts without penetrating the spiritual world. One cannot do so unless one takes refuge in that which, from the spiritual world, gives the facts their evolutionary impulses.
[ 18 ] Wir sehen, wie für uns das fruchtbar werden kann, was aus der Geisteswissenschaft heraus kommt, wie wir das Leben beleuchten können in seinen ernstesten Ereignissen, wenn wir das mit unserem Gemüt vereinigen, was aus der wirklichen geisteswissenschaftlichen Erkenntnis zum Beispiel über die nachatlantischen Kulturepochen folgt. Da gewinnen wir einen objektiven Maßstab, da gewinnen wir die Möglichkeit, über persönliche Aspirationen, auch auf dem heiklen Boden des nationalen Erlebens, hinauszukommen. Und das ist das Eigentümliche des mitteleuropäischen Erlebens, daß dieses mitteleuropäische Erleben dem Menschen wirklich die Möglichkeit gibt, hinauszukommen über das, was bloß national ist. Man versuche nur einmal sich klarzumachen, wie in den aufeinanderfolgenden Kulturepochen gerade Mitteleuropa — in jenem Ringen der menschlichen Seele in Mitteleuropa — im Persönlichen das Persönliche zugleich überwindet, da, wo es nicht auf den Boden von Leidenschaften und unmittelbar triebartigen Impulsen sich stellt.
[ 18 ] We see how what emerges from spiritual science can bear fruit for us, how we can shed light on life in its most serious events when we unite within our hearts what follows from genuine spiritual scientific knowledge—for example, regarding the post-Atlantean cultural epochs. There we gain an objective standard; there we gain the possibility of transcending personal aspirations, even on the delicate ground of national experience. And this is the distinctive feature of the Central European experience: that this Central European experience truly gives people the possibility of transcending what is merely national. One need only try to grasp how, in the successive cultural epochs, Central Europe in particular—in that struggle of the human soul in Central Europe—overcomes the personal within the personal, precisely where it does not stand on the ground of passions and immediate, instinctual impulses.
[ 19 ] Was Schönheit ist, haben gewiß auch andere Völker empfunden: so innig nachgedacht über die Schönheit und die Stellung der Schönheit im menschlichen Erleben, wie Schiller in seinen «Ästhetischen Briefen» darüber nachdachte, hat man nur in Mitteleuropa. Kämpfe ausgefochten haben gewiß auch andere Völker und werden es tun: so eingegriffen in einen Kampf, daß er die tiefsten philosophischen Impulse aufgerufen hat, um den Kampf mit diesen Impulsen zu durchseelen, wie das Fichte in seinen «Reden an die deutsche Nation» getan hat, das hat man nur in Mitteleuropa getan. Religiöse Kämpfe hat man auch anderswo ausgefochten: so verbunden mit allen Zweigen menschlichen Erlebens, wie das der Fall war bei den religiösen Kämpfen in Mitteleuropa, waren sie nirgends in der Welt.
[ 19 ] Other peoples have certainly also sensed what beauty is: but only in Central Europe has anyone reflected as deeply on beauty and its place in human experience as Schiller did in his “Aesthetic Letters.” Other peoples have certainly waged struggles and will continue to do so: but to become so deeply immersed in a struggle that it evoked the deepest philosophical impulses—and to infuse that struggle with these impulses, as Fichte did in his “Addresses to the German Nation”—this has been done only in Central Europe. Religious struggles have also been waged elsewhere: but nowhere in the world were they so closely intertwined with all branches of human experience as was the case with the religious struggles in Central Europe.
[ 20 ] Und nehmen Sie unsere anthroposophische Bewegung selbst, nehmen Sie sie so, wie wir sie unter uns entwickelt haben, wie wir in ihr wenigstens eine Anzahl von uns — gerungen, gekämpft und auch gelitten haben in den letzten Jahren. Wir waren eine Zeitlang verbunden mit der theosophischen Bewegung englischer Färbung. Was war denn der tiefe Impuls, der diese Verbindung mit jener theosophischen Bewegung nicht weiter zuließ? Werden wir uns über das klar, meine lieben Freunde, was war der tiefe Impuls? Schauen Sie sich die Bewegung doch an. Was konnte dort zu jener Absurdität von dem Krishnamurti und dergleichen Torheiten führen? Das hat dazu geführt, daß dort die Überzeugung von dem spirituellen Leben wie ein äußeres Element angekoppelt ist an die übrige Kultur. Das sind zwei Dinge: da ist die äußere Lebensauffassung und die philosophische Lebensauffassung Englands, und dann angekoppelt daran, ohne daß die beiden viel miteinander zu tun haben, eine spirituelle Überzeugung. Man hat gar nicht einmal das Bedürfnis, die beiden miteinander zu durchdringen. Hier verspüren wir, daß wir zu einer spirituellen Überzeugung nur kommen können, wenn sie uns sozusagen wie der Kopf aus dem Leibe herauswächst, herauswächst aus alledem, was getrieben wurde durch Johannes Tauler, Meister Eckhart, Angelus Silesius in der Mystik der mittelalterlichen Zeit, was durch deutsche Philosophie, durch deutsche Dichtung hindurchgegangen ist an spirituellem Vorbereiten, wenn daraus notwendig herauswächst wie ein neues organisches Glied dasjenige, was wir wollen und wollen müssen. Wir können nicht das spirituelle Leben ankoppeln an das übrige, wir brauchen Lebensorganismus, nicht Lebensmechanismus. Man kann, ohne in Hochmut zu verfallen, solche Dinge sich klarmachen, denn man braucht Klarheit darüber, wie das Spirituelle drinnenstehen muß im Leben, und wie man durch das Spirituelle das übrige Leben erfassen, ergreifen kann. Wir müssen als Bekenner der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung Seelen werden können, welche so wollen, wie es im Sinne der eben gegebenen Charakteristik im mitteleuropäischen Geistesleben sein muß. Gewiß, auch da handelt es sich um ein Ringen; wirklich, darum handelt es sich, daß man sagen möchte: Das Wahre muß erst dadurch errungen werden, daß die Irrtümer an beide Wegesränder gedrängt werden. — Wie manchmal ist es schwer zu erkennen, daß man die Irrtümer an beide Wegesränder drängen muß! Man konnte da im Erleben der letzten Jahrzehnte tragische Erfahrungen machen.
[ 20 ] And take our anthroposophical movement itself—take it as we have developed it among ourselves, as at least some of us have struggled, fought, and also suffered within it in recent years. For a time, we were associated with the Theosophical Movement of the English school. What, then, was the deep impulse that prevented this association with that Theosophical Movement from continuing? Let us be clear about this, my dear friends: what was the deep impulse? Just look at the movement. What could have led to that absurdity surrounding Krishnamurti and similar follies? It has led to the conviction of spiritual life being attached to the rest of the culture as an external element. These are two distinct things: there is England’s external view of life and its philosophical view of life, and then, attached to them—without the two having much to do with one another—is a spiritual conviction. There is not even a need to interweave the two. Here we sense that we can only arrive at a spiritual conviction if it grows out of us, so to speak, like the head growing out of the body—growing out of all that was driven by Johannes Tauler, Meister Eckhart, and Angelus Silesius in medieval mysticism—and through the spiritual groundwork laid by German philosophy and German poetry—when what we want and must want necessarily grows out of it like a new organic limb. We cannot simply attach spiritual life to the rest; we need a living organism, not a living mechanism. One can make such things clear to oneself without falling into arrogance, for one needs clarity about how the spiritual must be embedded within life, and how one can grasp and embrace the rest of life through the spiritual. As adherents of the spiritual-scientific worldview, we must be able to become souls who will in the way that is required in Central European spiritual life, in accordance with the characterization just given. Certainly, this, too, involves a struggle; indeed, it is precisely this that makes one want to say: The truth must first be attained by pushing the errors to both sides of the path. — How difficult it is sometimes to recognize that one must push the errors to both sides of the path! One has had tragic experiences in this regard over the past few decades.
[ 21 ] Ich möchte Ihnen anschaulich etwas hinstellen. Es hat ja insbesondere jetzt eine gewisse Bedeutung, so etwas hinzustellen, wie die naturgemäße Verbindung der beiden mitteleuropäischen Länder zu unserer Zeit heraufgekommen ist. — In Österreich lebte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einer der deutschesten Poeten, Robert Hamerling. Deutsch war er auch dadurch, daß er wirklich die ganze Welt in der eigenen Seele wieder zu gebären suchte. Bis auf Kain leitet er zurück die irrende Menschenseele in seinem «Ahasver in Rom», und in der Gegenüberstellung des Ahasver mit Nero versuchte er tiefe Rätsel der Menschenseele zu lösen. Das griechische Kulturleben versuchte er aus der deutschen Seele wiederzugebären in seiner «Aspasia». Jene Vertiefung, welche zu einer gewissen Zeit gesucht worden ist im religiösen Leben, suchte er in seinem Wiedertäufer-Epos «Der König von Sion» für sich als Lebensrätsel zu lösen. Dasjenige, was an fortbewegenden Impulsen in der Französischen Revolution war, versuchte er sich klarzumachen in seinem Drama «Danton und Robespierre». Und endlich, die in die Zukunft hineingehenden, das Geistige überdämmenden Impulse versuchte er klarzulegen in seinem «Homunculus». Aber ich könnte vieles anführen, um zu zeigen, wie Robert Hamerling so richtig ein mitteleuropäischer, ein deutscher Geist war. Dieser Robert Hamerling hat einen großen Teil seines Lebens im Bette zugebracht; die drei letzten Jahrzehnte war er fast immer krank. Die größten Werke schrieb er unter Schmerzen im Bett. Aber niemand merkt es diesen Werken an, daß ein Schwerkranker sie geschrieben hat. Alles ist gesund; man kann sonst darüber urteilen, wie man will, aber alles ist gesund. Gewiß, die Werke haben eine größere Anzahl von Auflagen erlebt; aber in den achtziger Jahren — ich könnte sagen, da trat mir geradezu wie symbolisch anschaulich vor Augen, was ein solcher Geist für einen Teil der Menschheit Mitteleuropas hätte werden können, wenn seine Impulse in die Seelen eingeflossen wären. Als man einmal gerade über solche Dinge, wie sie durch Robert Hamerling eintraten in die Geistesentwickelung, in einer Gesellschaft sprach, da kam ein Mensch herein, der gewohnt war, gerne hauptsächlich sich selbst zu hören und nicht viel zu achten auf das, was die anderen sagen — es gibt ja solche Menschen, die sich gerne selbst hören. Wie mit einem Bombenschlag erklärte er: das Größte, was in die Menschheit eintrete, das sei «Raskolnikow» von Dostojewskij! Gewiß, man braucht nicht die eigenartige Größe des Raskolnikow von Dostojewskij zu verkennen, aber das Hängen am Materiellen, an der Seele, die im Materiellen steckt und das Geistige außen läßt, das kontrastiert gewaltig gegen die Durchdringung von Geistigem und Materiellem, die Hamerling suchte. Es mag gewiß interessanter und sensationeller sein, die Seele anzuschauen, die nicht aus dem Materiellen heraus will und die Dostojewskij so grandios schildert, aber für den mitteleuropäischen Menschen bedeutet das Erkennen der Durchdringung des Geistigen und des Leiblichen ein Erkennen seiner ganzen Wesenheit und seiner ganzen Aufgabe. Auch da muß gerungen werden,
[ 21 ] I would like to illustrate something for you. It is particularly significant right now to highlight how the natural connection between these two Central European countries has emerged in our time. — In Austria, during the second half of the 19th century, lived one of the most German of poets, Robert Hamerling. He was also German in that he truly sought to give birth to the entire world anew within his own soul. In his *Ahasver in Rome*, he traces the errant human soul back to Cain, and in the juxtaposition of Ahasver with Nero, he sought to unravel the profound mysteries of the human soul. In his *Aspasia*, he sought to give birth anew to Greek cultural life from within the German soul. He sought to resolve for himself, as a mystery of life, the depth of religious life that had been sought at a certain time in his Anabaptist epic *The King of Zion*. He attempted to clarify for himself the driving forces behind the French Revolution in his drama *Danton and Robespierre*. And finally, he sought to elucidate the impulses reaching into the future and overwhelming the spiritual in his *Homunculus*. But I could cite many examples to show how Robert Hamerling was truly a Central European, a German spirit. This Robert Hamerling spent a large part of his life in bed; for the last three decades, he was almost always ill. He wrote his greatest works while lying in bed in pain. Yet one would never guess from these works that they were written by a seriously ill man. Everything is sound; one may judge them however one likes, but everything is sound. Certainly, the works have gone through a large number of editions; but in the 1880s—I could say that it appeared before my eyes, almost symbolically vivid, what such a spirit could have become for a part of Central European humanity if his impulses had flowed into people’s souls. Once, when we were discussing in a gathering precisely such matters as those that entered into the development of the spirit through Robert Hamerling, a man walked in who was accustomed to listening mainly to himself and paying little attention to what others said—there are, after all, such people who like to hear themselves speak. As if with a bombshell, he declared: the greatest thing to enter humanity was Dostoevsky’s “Raskolnikov”! Certainly, one need not underestimate the unique greatness of Dostoevsky’s Raskolnikov, but this clinging to the material, to the soul that is trapped in the material and leaves the spiritual outside—this stands in stark contrast to the interpenetration of the spiritual and the material that Hamerling sought. It may certainly be more interesting and sensational to contemplate the soul that refuses to emerge from the material world—a soul that Dostoevsky portrays so magnificently—but for the Central European, recognizing the interpenetration of the spiritual and the physical means recognizing his entire being and his entire purpose. Here, too, a struggle must be waged,
[ 22 ] Zu dem äußeren Kampf wird der innere kommen, jener innere Kampf gegen die widerstrebenden Mächte, die sich aufbäumen, das Spirituelle anzuerkennen. Erleben wir doch jetzt schon die sonderbarsten Tatsachen: Von einer Seite her sind wir ermahnt werden, doch nicht gar zu sehr darauf zu achten, wie sich jetzt die geistigen Potenzen in Europa gegenüberstünden; denn wenn das rein Deutsche siegte — von deutscher Seite sind wir ermahnt worden! —, so würde man dann ja auch wiederum ein Aufleben befürchten müssen solcher Ideen, wie sie ein Hegel, Fichte, Schelling, Goethe hervorgebracht haben: ein metaphysisches Träumen würde man befürchten müssen. — Es ist eine eigentümliche Furcht, von der da gesprochen wird; aber diese Furcht könnte immer größer werden, und diejenigen, die diese Furcht haben, die werden das Spirituelle allerdings nicht annehmen können. In Wahrheit aber muß eingesehen werden, daß der Idealismus Mitteleuropas, so wie das Kind zum Manne, sich entwickeln muß zum Spiritualismus; denn dieser Idealismus Mitteleuropas ist das Kind des Spiritualismus, das Kind, das zum Spiritualismus werden soll. Als Fichte sprach, sprach er noch bloß vom Idealismus, aber von einem solchen Idealismus, der zum Spiritualismus hinstrebt. Dieser Impuls des Spiritualismus darf nicht aus der Erdenevolution verschwinden.
[ 22 ] The external struggle will be joined by an internal one—that inner struggle against the resistant forces that are rebelling against the recognition of the spiritual. We are already experiencing the strangest of circumstances: On the one hand, we are being warned not to pay too much attention to how the spiritual forces in Europe currently stand in opposition to one another; for if the purely German side were to prevail—we have been warned from the German side! — then one would have to fear a resurgence of the very ideas produced by Hegel, Fichte, Schelling, and Goethe: one would have to fear metaphysical daydreaming. — It is a peculiar fear that is being spoken of here; but this fear could grow ever greater, and those who harbor this fear will certainly not be able to accept the spiritual. In truth, however, it must be recognized that the idealism of Central Europe, just as a child grows into a man, must develop into spiritualism; for this idealism of Central Europe is the child of spiritualism, the child that is to become spiritualism. When Fichte spoke, he spoke only of idealism, but of a kind of idealism that strives toward spiritualism. This impulse of spiritualism must not disappear from the evolution of the Earth.
[ 23 ] Mit diesen einfachen Worten kann man vieles vom Sinne der Zeit zum Ausdruck bringen. Geahnt, gefühlt haben ja einzelne Menschen solche Dinge. Aber diese Ahnungen gehen vorüber, ohne in ihrer Tiefe genommen zu werden, ohne daß das Schwergewicht darin gesehen wird. Man versäumt, Nebensächliches an Hauptsächliches anzuknüpfen. Und darum handelt es sich, daß man die großen Linien nicht aus den Augen verliert, daß man wirklich sieht, was in den Strömungen, die über die Erdenentwickelung hingehen, das Wesentliche ist. Und zum Wesentlichsten kommen wir, wenn wir uns belehren lassen durch dasjenige, was diese Erdenentwickelung uns im spirituellen Lichte zeigt. In dem besonderen Fall, wenn wir wirklich ernst nehmen die Lehre von den aufeinanderfolgenden nachatlantischen Kulturepochen — immer wieder und wiederum muß es gesagt werden —, sollten die Menschen über jenen engen Standpunkt hinauskommen, welcher die Hauptsache nicht sehen kann.
[ 23 ] With these simple words, one can express much of the spirit of the times. Individual people have, after all, sensed and felt such things. But these intuitions pass by without being grasped in their depth, without their significance being recognized. We fail to connect the secondary with the primary. And that is what matters: not losing sight of the broad outlines, truly seeing what is essential in the currents that flow through Earth’s evolution. And we arrive at what is most essential when we allow ourselves to be instructed by what this Earth evolution reveals to us in the light of the spirit. In the specific case where we truly take the teaching of the successive post-Atlantean cultural epochs seriously—it must be said again and again—people should move beyond that narrow perspective which cannot see the main point.
[ 24 ] Lassen Sie mich ein Beispiel anführen. Unter uns ist es notwendig, auf solche Dinge aufmerksam zu machen. Nehmen wir an, es würde jemand heute das Folgende sagen, und versuchen wir dann, uns Gedanken darüber zu machen, daß jemand heute das sagen würde: Was mich betrifft, so bin ich keinen Augenblick im Zweifel, daß ein Konflikt zwischen der germanischen und slawischen Welt bevorsteht, daß derselbe sich entweder durch den Orient, speziell die Türkei, oder durch den Nationalitätenstreit in Österreich, vielleicht durch beide, entzünden, und daß Rußland in demselben die Führerschaft auf der einen Seite übernehmen wird. Diese Macht bereitet sich schon jetzt auf die Eventualität vor; die nationalrussische Presse speit Feuer und Flamme gegen Deutschland. Die deutsche Presse läßt schon jetzt ihren Warnungsruf erschallen. Seitdem nach dem Krimkriege Rußland sich sammelte, ist eine lange Zeit verflossen, und wie es scheint, wird es jetzt in Petersburg zweckmäßig gefunden, die orientalische Frage wieder einmal aufzunehmen.
[ 24 ] Let me give an example. Among ourselves, it is necessary to draw attention to such matters. Let us suppose that someone were to say the following today, and let us then try to consider what it would mean if someone were to say that today: As for me, I have not a moment’s doubt that a conflict between the Germanic and Slavic worlds is imminent, that it will be ignited either by the East—specifically Turkey—or by the ethnic strife in Austria, perhaps by both, and that Russia will assume leadership on one side in this conflict. This power is already preparing for this eventuality; the Russian nationalist press is spewing fire and brimstone against Germany. The German press is already sounding its warning. A long time has passed since Russia regrouped after the Crimean War, and it seems that it is now deemed expedient in St. Petersburg to take up the Eastern Question once again.
[ 25 ] Wenn das Mittelmeer einst, nach dem mehr pompösen als wahren Ausdruck, «ein französischer See» werden sollte, so hat Rußland die noch viel positivere Absicht, aus dem Schwarzen Meer einen «russischen See» und aus dem Marmarameer einen «russischen Teich» zu machen. Daß Konstantinopel eine russische Stadt, Griechenland ein direkter Vasallenstaat Rußlands werden müsse, ist ein feststehender Zielpunkt der russischen Politik, die ihren Unterstützungshebel in der gemeinsamen Religion und in dem Panslawismus findet. Die Donau würde dann am Eisernen Tor etwa von dem russischen Schlagbaum geschlossen werden. —
[ 25 ] If the Mediterranean were ever to become, to use an expression that is more pompous than true, “a French lake,” Russia has the even more concrete intention of turning the Black Sea into a “Russian lake” and the Sea of Marmara into a “Russian pond.” That Constantinople must become a Russian city and Greece a direct vassal state of Russia is a fixed objective of Russian policy, which finds its basis of support in their shared religion and in Pan-Slavism. The Danube would then be closed off at the Iron Gate, as it were, by the Russian barrier. —
[ 26 ] Nehmen wir an, einer würde so sprechen. Man könnte dann sagen: Nun ja, dann ist er eben jetzt belehrt worden durch das, was geschehen ist —, und es könnten doch diejenigen recht haben, die emphatisch predigen, der Krieg sei nur von Mitteleuropa gewollt worden und habe sich nicht vom Osten aus mit Notwendigkeit vorbereitet. — Aber das ist geschrieben 1870! Und überhaupt ist nicht ein Jahr vergangen, wo nicht solches hätte geschrieben werden können. Wie töricht ist es zu glauben, daß man nicht bei den werdenden Kräften, die durch lange Zeiten gespielt haben, die Ursache zu suchen habe zu dem, was heute sich abspielt! Diese Worte sind 1870 geschrieben, während des französischen Krieges. Zu glauben, daß die Dinge nicht hätten kommen müssen, und zu glauben, daß nicht alle Impulse gegeben waren vom Osten her, das ist, im gelindesten gesagt, unnistorisch, ein Verkennen all desjenigen, was wirklich wirksame Kräfte sind. Das darf eben nicht sein und muß durch Geisteswissenschaft verhindert werden, daß immer wieder und wiederum die Menschen, auch die Journalisten, so urteilen, als ob vor fünf oder sechs Monaten erst die Anfänge derjenigen Ereignisse sich gebildet hätten, die sich jetzt abspielen! Wenn die Menschen durch Geisteswissenschaft dahin geschult werden, zu wissen, daß das Große sich im Kleinen vorbereitet, und daß nur aus dem Großen heraus das Kleine beurteilt werden kann, dann wird für das gewöhnliche Leben auch etwas aus der Geisteswissenschaft errungen werden können, dann wird in diesem gewöhnlichen Leben vorbereitet werden dasjenige, was uns die Geisteswissenschaft zum Erleben macht.
[ 26 ] Let’s suppose someone were to speak that way. One might then say: Well, then he has just been taught a lesson by what has happened—and those who emphatically preach that the war was desired only by Central Europe and did not necessarily develop from the East might, after all, be right. — But that was written in 1870! And in any case, not a single year has passed in which something like that could not have been written. How foolish it is to believe that one need not look to the forces at work over long periods of time for the cause of what is happening today! These words were written in 1870, during the Franco-Prussian War. To believe that things did not have to come to pass, and to believe that not all the impulses originated in the East, is—to put it mildly—unhistorical; it is a failure to recognize all that constitutes truly effective forces. It simply must not be allowed—and spiritual science must prevent it—that people, including journalists, time and again judge as if the beginnings of the events now unfolding had only taken shape five or six months ago! If people are trained through spiritual science to know that the great is prepared in the small, and that the small can only be judged from the perspective of the great, then something from spiritual science can also be gained for ordinary life; then what spiritual science enables us to experience will be prepared within this ordinary life.
[ 27 ] Ich habe sprechen wollen, ja, ich könnte sagen, ich habe zu Ihnen sprechen müssen in diesem heutigen einleitenden Vortrag wiederum von einem gewissen Gesichtspunkte, der herausgefordert ist durch die Erlebnisse der Zeit, ich habe von dem sprechen müssen, was uns Geisteswissenschaft für die Beurteilung der Welt und unsere Stellung zur Welt werden soll. Ich habe davon sprechen müssen. Im Grunde genommen müssen wir uns immer wieder und wiederum diese Mahnung zuteil werden lassen: ernst, tiefernst dasjenige zu nehmen, was Geisteswissenschaft uns geben will, und nicht sozusagen zwei Leben leben zu wollen: dasjenige Leben, wo wir einmal uns die Dinge der Welt im geisteswissenschaftlichen Sinne erklären, und dasjenige Leben, wo wir wiederum in der Alltäglichkeit aufgehen und es so machen wie andere Leute auch. Aber weniger durch Worte als durch die Art, wie ich die Dinge auseinandergesetzt habe hier in diesem engeren Kreise, möchte ich in Ihnen das Gefühl und die Empfindung hervorrufen, daß diese Worte wirklich nicht sein wollen etwas anderes als ewige Wahrheiten in dem Sinne, daß ewige Wahrheiten auch die individuellsten sind. Zu Ihnen, meine lieben Freunde, mit Ihren Gefühlen hier in Süddeutschland, sind diese Worte gesprochen, mit jener Gefühlsnuance, die diesen Worten hier zukommen muß. Und wenn es genügte, daß diese Worte nun einfach nachgeschrieben werden und überall vorgelesen werden vor Leuten mit anderen Lebenszusammenhängen, dann könnte es ja auch genügen, wenn ich bloß meine Worte aufschriebe und nicht herumreiste. Daß die Worte aus Gefühls- und Empfindungszusammenhängen heraus gesprochen werden müssen, weil überall da, wo sich Menschen zusammenfinden, eine gemeinsame menschliche Aura ist, aus der heraus gesprochen werden muß, das müssen wir endlich im spirituellen Leben einsehen. Darauf kommt es an, daß wir die Dinge ins Leben überführen, nicht daß man die Phrase mache, man müsse die Dinge ins Leben überführen, sondern daß man sie wirklich ins Leben überführt. Und dazu gehört, daß man sie wirklich individuell nimmt. Die Dinge geschehen ja individuell, weil sie individuell geschehen müssen. Und es ist ein abstrakter Glaube, wenn man annimmt, daß zum Beispiel dasjenige, was ich übermorgen im öffentlichen Vortrage sagen werde in jenem Hause, das vis-à-vis liegt dem Hause, an dem sich die Gedenktafel für Hegel befindet, daß das, was im lebendigen unmittelbar Individuellen drinnen steht, daß das abstrakt für alle Empfindungsnuancen, gleichsam zur Bekehrung der ganzen Welt gesprochen sein soll. Man muß auch einsehen, daß das, was der eine begreifen kann, der andere nicht begreifen kann. Und müssen schon die anthroposophischen Vorträge einen gewissen individuellen Charakter da und dort tragen, so ist das dann in einem noch erhöhteren Maße der Fall, wenn man so ernsten Dingen gegenübersteht, wie wir es jetzt tun. Nur dann aber, wenn man es mit der Wahrheit ernst nimmt, und wenn man nicht glaubt, daß dasjenige, was lebt, mit Worten erfaßt werden kann, die leblos und regungslos sind und deshalb überall hingetragen werden können, nur dann wird man gerade das allgemein Gültige verstehen, das im Allerindividuellsten ist. Ich möchte, daß Sie auch einmal über diese Seite des Lebens nachdenken. Es wird ein Weg dazu sein, daß dasjenige, was ich in meiner Art aus der geistigen Welt zu holen habe, in Ihren eigenen Seelen sich auf Ihre Art belebe, daß es nicht bloß eine Wiederholung desjenigen ist, was in mir auf meine Art auftreten muß. Denn wie sich das Sonnenlicht in jedem Steinchen anders spiegelt und doch immer dasselbe Sonnenlicht ist, weil es im Leben drinnensteht, so muß Geisteswissenschaft etwas werden, das in jedem einzelnen anders lebt und doch immer und immer dasselbe ist. In dem Engländer, Franzosen, Russen, Deutschen kann nicht auf eine Art, wenn es sich um die nationalen Dinge handelt, Geisteswissenschaft leben, und durch dasjenige, wodurch sich die Empfindung des einen am fruchtbarsten belebt, kann der andere nicht bekehrt werden. Solche Bekehrungssucht entsteht aus dem theoretischen Hang unserer Zeit. Was die äußere rein materielle Wissenschaft tun kann, daß sie alles über einen Leisten schlägt, das kann beim Spirituellen nicht der Fall sein, weil es ein Lebendiges ist, und weil ich zu Ihnen so sprechen muß, wie es von mir nicht ein abstrakter wissenschaftlicher Geist fordert, sondern wie es sich in mir belebt, indem ich gerade vor Ihnen stehe. Denn nicht aus meinem Herzen, aus Ihrem Herzen heraus tue ich es, so gut ich es kann. Und dienen möchte ich dem geisteswissenschaftlichen Impuls, der denjenigen, welcher in die geistige Welt etwas hinaufschauen kann, anweist, sich auszuschalten und auszusprechen, was in den Tiefen der Seelen derjenigen liegt, die ihm zuhören. In gewissem Sinne darf gesagt werden: Was ausgesprochen wird in dieser oder jener Betrachtung, es entspringt aus den Tiefen der Seelen der Zuhörer. Denken Sie auch über dieses nach! Wir müssen die Geisteswissenschaft nehmen als etwas, was lebt, und nicht als ein Abstraktes gewußt wird. Das abstrakt Gewußte spricht zu unserem Hochmut, spricht zu unserem Eigensinn, der sich so gern in Überredungskunst auslebt. Was spirituell ist, will einfach mitgeteilt sein. Und es wollte mitgeteilt sein, was ich mitzuteilen habe, und wenn hier kein einziger säße, der mir auch nur ein Sterbenswörtchen glaubte. Wenn wir hingehen zu dem anderen mit der Meinung, ihn durchaus überreden zu wollen, mit der Meinung, daß er unsere Meinung annehmen soll, so erleben wir schon nicht richtig spirituell. Und dieses Erleben, dieses Erfassen im unmittelbaren Erleben der geistigen Welt, das wird die Aura hervorbringen, die die Menschheit in der Zukunft haben muß.
[ 27 ] I wanted to speak—indeed, I might say I had to speak to you in today’s introductory lecture, once again from a certain perspective that has been called into question by the events of our time—I had to speak about what spiritual science is meant to be for us in assessing the world and our relationship to it. I had to speak about this. Fundamentally, we must allow ourselves to be reminded again and again: to take seriously—deeply seriously—what spiritual science seeks to give us, and not to want to live, so to speak, two lives: the life in which we explain the things of the world to ourselves in the spirit of spiritual science, and the life in which we, in turn, become absorbed in everyday life and do things just like everyone else. But less through words than through the way I have set out these things here in this smaller circle, I would like to evoke in you the feeling and sense that these words truly are nothing other than eternal truths—in the sense that eternal truths are also the most individual ones. These words are addressed to you, my dear friends, with your feelings here in southern Germany, with that nuance of feeling that these words must have here. And if it were enough for these words to simply be transcribed and read aloud everywhere to people with different life contexts, then it would indeed suffice for me to merely write down my words and not travel around. We must finally recognize in our spiritual life that these words must be spoken from a context of feeling and sensation, because wherever people come together, there is a shared human aura from which they must be spoken. What matters is that we bring these things to life—not that we merely pay lip service to the idea that we must bring them to life, but that we truly bring them to life. And this includes taking them truly individually. After all, things happen individually because they must happen individually. And it is an abstract belief to assume, for example, that what I will say the day after tomorrow in a public lecture in that building across from the one where the memorial plaque for Hegel is located—that what is contained within the living, immediate, individual—is meant to speak abstractly to all nuances of feeling, as it were, to convert the whole world. One must also realize that what one person can grasp, another cannot. And if anthroposophical lectures must already bear a certain individual character here and there, this is even more the case when one is faced with matters as serious as those we are dealing with now. But only when one takes the truth seriously, and when one does not believe that what is alive can be captured in words that are lifeless and unmoving—and can therefore be carried everywhere—only then will one understand precisely that which is universally valid, which lies within the most individual of things. I would like you to reflect on this aspect of life as well. It will be a way for what I, in my own way, must draw from the spiritual world to come alive in your own souls in your own way—so that it is not merely a repetition of what must arise within me in my own way. For just as sunlight is reflected differently in every little stone and yet is always the same sunlight—because it is present within life itself—so spiritual science must become something that lives differently in each individual and yet is always and forever the same. Spiritual science cannot live in the same way within an Englishman, a Frenchman, a Russian, or a German when it comes to national matters, and what most fruitfully enlivens one person’s sensibility cannot be used to convert another. Such a craving for conversion arises from the theoretical tendency of our time. What external, purely material science can do—namely, to treat everything with a one-size-fits-all approach—cannot be the case with the spiritual, because it is a living reality, and because I must speak to you not as an abstract scientific mind demands of me, but as it comes alive within me precisely as I stand before you. For it is not from my heart, but from your hearts, that I do this, as best I can. And I wish to serve the impulse of spiritual science, which instructs those who can look up into the spiritual world to set themselves aside and give voice to what lies in the depths of the souls of those who are listening to them. In a certain sense, it may be said: What is expressed in this or that reflection springs from the depths of the listeners’ souls. Please reflect on this as well! We must regard spiritual science as something that lives, and not as something known in an abstract sense. Abstract knowledge appeals to our pride, to our stubbornness, which so readily expresses itself through the art of persuasion. What is spiritual simply wants to be shared. And what I have to share would want to be shared, even if not a single person were sitting here who believed a single word I said. If we approach another person with the intention of persuading them at all costs, with the expectation that they should accept our opinion, then we are not experiencing the spiritual in a true sense. And this experience—this grasping of the spiritual world through direct experience—will give rise to the aura that humanity must possess in the future.
[ 28 ] Immer wieder und wieder muß es gesagt werden: Was wir jetzt unter Strömen von Blut erleben, es wird für die Menschheit nur das bedeuten, was es bedeuten soll, wenn sich wirklich etwas ganz Neues auch in der Kultur, in der Menschheit zeigt. Dieses Neue aber wird aufsprießen, wenn Menschen da sind, aus deren Seelen spirituelle Gedanken aufsteigen; diese Gedanken sind Mächte. Und in die Atmosphäre, die erzeugt wird, wenn die Dämmerung des Krieges vergangen und die Friedenssonne wieder leuchten wird, müssen die Gedanken einfließen, die in den geistigen Horizont hinein sich ergießen. Dann werden diejenigen, deren Seelen hinunterschauen, diejenigen, die frühzeitig ihre Leiber verlassen mußten auf den Schlachtfeldern, die werden wissen, wofür sie eigentlich gefallen sind auf den Schlachtfeldern. Und der Anthroposoph muß sich sagen, er durchlebt diese Zeit nur im richtigen Sinne, wenn er diesen Charakter des geisteswissenschaftlichen Strebens eben lebendig aufnimmt. Wenn gewisse Seelen im Bewußtsein des Geistes ihren Sinn ins Geisterreich schicken, dann wird wirklich aufsteigen aus unserem Blutes-Horizont ein Lichtes-Horizont für die zukünftige Entwickelung der Menschheit.
[ 28 ] It must be said again and again: What we are now witnessing—these rivers of blood—will mean for humanity only what it is meant to mean when something truly new emerges, even in culture and in humanity itself. But this new reality will spring forth when there are people from whose souls spiritual thoughts arise; these thoughts are forces. And into the atmosphere that will be created once the twilight of war has passed and the sun of peace shines again, the thoughts that pour into the spiritual horizon must flow. Then those whose souls look down—those who had to leave their bodies prematurely on the battlefields—will know why they actually fell on the battlefields. And the anthroposophist must tell himself that he is living through this time in the true sense only if he takes this character of spiritual scientific endeavor to heart. When certain souls, in the consciousness of the spirit, send their meaning into the spirit realm, then a horizon of light for the future development of humanity will truly rise from our horizon of blood.
[ 29 ] Davon wollen wir dann, ein spezielles Thema besprechend, morgen weiter fortfahren. Für heute aber wollen wir die Gedanken vor unsere Seele rücken, die Gedanken, die uns zusammenbringen mit den ernsten Ereignissen der Zeit:
[ 29 ] We will continue this discussion tomorrow, focusing on a specific topic. For today, however, let us turn our thoughts to the serious events of our time:
Aus dem Mut der Kämpfer,
Aus dem Blut der Schlachten,
Aus dem Leid Verlassener,
Aus des Volkes Opfertaten
Wird erwachsen Geistesfrucht —
Lenken Seelen geist-bewußt
Ihren Sinn ins Geisterreich.
From the courage of the fighters,
From the blood of the battles,
From the suffering of the forsaken,
From the sacrifices of the people
The fruit of the spirit grows—
Guiding souls, spiritually aware,
Direct their minds toward the spirit realm.
