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The Spiritual Background of World War I
GA 174b

14 February 1915, Stuttgart

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The Spiritual Background of World War I, tr. SOL
  1. Zeitgeschichtliche Betrachtungen Band I

Dritter Vortrag

Third Lecture

[ 1 ] Ich kann mir leicht vorstellen, daß jemand aus den Betrachtungen, die gestern hier angestellt worden sind, die Schlußfolgerung zieht, daß diejenigen Persönlichkeiten, welche den Menschengruppen, den Völkern angehören, die erst in der sechsten Kulturperiode ihre besondere Mission empfangen sollen, weil sie — wie der gestrige Ausdruck lautete — der Zeit angehören, in der die Entwickelung bereits in absteigender Linie erfolge, geringer bewertet seien als diejenigen, die Angehörige sind von Menschengruppen der aufsteigenden Entwickelung. Ich sage, ich kann mir leicht vorstellen, daß jemand diese Schlußfolgerung zieht. Mit anderen Worten: Ich kann mir leicht vorstellen, daß gerade aus all dem, was gestern gesagt worden ist im Anschluß an andere Bemerkungen, jemand erst recht ein Werturteil fällt unter dem Eindruck von allerlei Emotionen und Gefühlen. Und so kann es sich erfüllen, worauf ich ja aufmerksam machte, daß dasjenige, was insbesondere in bezug auf diese Dinge an einem Orte gesprochen wird, an anderen Orten mißverstanden werden muß. Nicht etwa deshalb, weil es gefärbt ist nach den Bedürfnissen eines Ortes oder bestimmter Menschen, sondern weil es nicht aufgefaßt wird mit der nötigen Objektivität, sondern mit Leidenschaft und allerlei nationalen Aspirationen. Es könnte dann jemand sagen: Also hast du ja doch nur Worte gebraucht, um gewissermaßen der mitteleuropäischen Kultur zu schmeicheln, und wir fühlen uns, die wir der osteuropäischen Kultur angehören, tief beleidigt von dem, was da gesagt worden ist. — Ja, wenn ein solches Urteil gefällt wird, so beweist es nur, daß dasjenige dann eintritt, was ich gestern gerade versuchte so darzustellen, daß es eben vom geisteswissenschaftlichen Empfinden abgelöst werden muß, so abgelöst werden muß, daß sich rein theoretisches, rein abstraktes Denken umwandelt in unmittelbares Erleben, daß uns dasjenige, was sonst bloß unserem Wissen angehört hat, empfindungsgemäß und erlebensgemäß nahetritt.

[ 1 ] I can easily imagine that someone might draw the conclusion from the observations made here yesterday that those individuals who belong to the groups of people—the nations—that are to receive their special mission only in the sixth cultural epoch, because they—as yesterday’s expression put it—belong to the time when evolution is already proceeding along a descending line, are regarded as less significant than those who belong to groups of people undergoing ascending development. I say, I can easily imagine that someone might draw this conclusion. In other words: I can easily imagine that, precisely because of everything that was said yesterday in connection with other remarks, someone might all the more readily make a value judgment under the influence of all sorts of emotions and feelings. And so it may come to pass—as I did point out—that what is said in one place, particularly regarding these matters, is bound to be misunderstood in other places. Not because it is colored by the needs of a particular place or certain people, but because it is not received with the necessary objectivity, but rather with passion and all manner of national aspirations. Someone might then say: “So you were just using words, as it were, to flatter Central European culture, and we, who belong to Eastern European culture, feel deeply offended by what was said there.” — Yes, if such a judgment is passed, it only proves that what I was just trying to describe yesterday is coming to pass: namely, that it must be detached from the sensibility of the humanities—detached in such a way that purely theoretical, purely abstract thinking is transformed into direct experience, so that what otherwise belonged solely to our knowledge now comes to us through feeling and experience.

[ 2 ] Wer so urteilen würde, wie eben angedeutet, der würde nur theoretisch abstrakt urteilen. Denn wie würde das konkrete, das ins Erleben übertretende Urteil in einem solchen Falle lauten? So würde es lauten, daß wir eben — wenn das, was auseinandergesetzt wurde, wahr ist — einer Zeit entgegengehen, wo diejenigen, die da folgen wollen dem Fortschritt der Kulturmission, nicht mehr aufgehen dürfen in dem bloß nationalen Erleben. Die fünfte Kulturepoche war gerade durch ihre Eigentümlichkeit dazu geeignet, daß die ihr angehörigen Persönlichkeiten in einer gewissen Weise aufgingen in dem nationalen Empfinden und sich wiederum persönlich aus ihm hinausrangen. Die sechste und siebente Kulturepoche werden so sein, daß diejenigen, die bloß national sein wollen, zurückbleiben hinter den Aufgaben der Menschheit. Aber dies ist ja der Grund, warum wir geisteswissenschaftliche Weltanschauung treiben: daß die Menschheit sich herausringe aus dem bloß nationalen Empfinden, aus demjenigen Empfinden, das nicht allgemein menschliches Empfinden ist. Also, was geschlossen werden muß aus dem gestern Gesagten, es ist etwas ganz, ganz anderes. Es ist: daß die mitteleuropäischen Nationalkulturen diejenigen sind, die als Nationalkulturen Impulse in sich haben, welche zusammenfallen mit der großen Sendung der nachatlantischen Kultur, daß aber dann Kulturen kommen, die ein Herauswachsen der Menschen aus den nationalen Impulsen notwendig machen, und daß es nicht geht, wenn diejenigen, die heute die Vorzügler sind — man sagt ja «Nachzügler», warum sollte man nicht sagen «Vorzügler» — der späteren Kulturen, ganz in ihrem nationalen Erleben, und zwar mit Prononcierung, aufgehen, wie es von der Bevölkerung Osteuropas geschieht. Mit anderen Worten: Da sie in diesem nationalen Empfinden noch nicht ihre Sendung empfangen haben, sind sie darauf angewiesen, das, was als Geisteswissenschaft erzeugt wird, in sich aufzunehmen, um über das Nationale hinauszuwachsen. Lebendiges Verstehen ist auch da notwendig.

[ 2 ] Anyone who were to judge as just suggested would be making only a theoretical, abstract judgment. For what would the concrete judgment—the one that extends into lived experience—sound like in such a case? It would state that—if what has been discussed is true—we are heading toward a time when those who wish to follow the progress of the cultural mission must no longer be absorbed in merely national experience. The fifth cultural epoch was, precisely because of its distinctive character, such that the personalities belonging to it were, in a certain sense, absorbed in national sentiment and yet personally strove to rise above it. The sixth and seventh cultural epochs will be such that those who wish to remain merely national will lag behind the tasks of humanity. But this is precisely the reason why we pursue a spiritual-scientific worldview: so that humanity may extricate itself from merely national sentiment—from that sentiment which is not a universally human sentiment. So, what must be concluded from what was said yesterday is something quite, quite different. It is this: that the Central European national cultures are those which, as national cultures, contain impulses that coincide with the great mission of post-Atlantean culture; but that cultures will then emerge that necessitate humanity’s growth beyond these national impulses, and that it will not work if those who are today the “pioneers”—one says “laggards,” after all; why not say “pioneers”?—of the later cultures become completely absorbed in their national experience, and indeed with great emphasis, as is happening among the population of Eastern Europe. In other words: Since they have not yet received their mission within this national sensibility, they are dependent on absorbing what is produced by spiritual science in order to transcend the national. Living understanding is necessary here as well.

[ 3 ] Allerdings, man wird schwerlich in unserer heutigen Zeit, in der sich die Leidenschaften und Vorurteile so gegenüberstehen, dasjenige finden können, was notwendig ist, damit die Menschen auf den Boden der ja wahrhaftig Objektivität erstrebenden Geisteswissenschaft sich voll stellen können, sich voll stellen können auf den Boden des rein Menschlichen. Geisteswissenschaft, wir treiben sie, damit gerade etwas sich ausbreite über die ganze Erde, was über alle Differenzierungen hinausgeht, und deshalb sollten diejenigen, die sich der Geisteswissenschaft zuwenden aus allen Nationen heraus, objektives Verständnis gewinnen können für so etwas, wie es ja auseinandergesetzt worden ist in jenem Vortragszyklus, der den Titel trägt «Die Mission einzelner Volksseelen», der überall, wo es Anthroposophen gibt, studiert werden sollte. Seine Bedeutung hat er ja auch gerade dadurch, daß er Jahre vor diesem Krieg gehalten worden ist, so daß ihm niemand vorwerfen kann, er sei aus der Stimmung dieses Krieges heraus erzeugt worden. Nicht darauf kommt es eben an, daß, was da oder dort gesprochen wird, nicht allgemeingültige Wahrheiten enthielte, sondern darauf kommt es an, daß man einsehen muß, wie man diese Wahrheiten nicht überall verträgt. Als ich vor Monaten hier gesprochen habe, da habe ich darauf aufmerksam gemacht, daß wir in Mitteleuropa es gewissermaßen leicht haben, objektiv zu sein, leichter als die anderen. Warum wir es leichter haben, das geht gerade aus jenem Vortragszyklus auch hervor. Alles, was die tieferen Lehren unserer ernsten Ereignisse sind, weist uns darauf hin, daß aus den verschiedensten Untergründen unserer gegenwärtigen Weltenkultur etwas sich herausentwickeln muß, das zusammenfällt mit unserem geisteswissenschaftlichen Streben. In gewisser Beziehung kann man sagen: Diese ernsten Ereignisse sind etwas wie eine mächtige Hindeutung auf die Notwendigkeit geisteswissenschaftlichen Erlebens in der Welt. Sie beweisen, daß dieses geisteswissenschaftliche Erleben kommen muß. Daher kann selbstverständlich das doch nur etwas Sekundäres für uns sein, was zu den unmittelbaren Empfindungen eines Ortes gehört; unsere eigentliche Aufgabe ist, dasjenige in unser seelisches Erleben überzuführen, was jetzt schon überall verstanden werden kann ohne innere Anstößigkeit, trotzdem auf so vielen Gebieten eben Vorurteile über Vorurteile vorhanden sind.

[ 3 ] However, in our present age, in which passions and prejudices stand in such stark contrast to one another, it will be difficult to find what is necessary for people to stand fully on the ground of spiritual science—which truly strives for objectivity—and to stand fully on the ground of what is purely human. We pursue spiritual science precisely so that something may spread across the entire earth that transcends all distinctions; and therefore, those from all nations who turn to spiritual science should be able to gain an objective understanding of such a thing, as was indeed expounded in that lecture series entitled “The Mission of Individual National Souls,” which should be studied wherever there are anthroposophists. Its significance lies precisely in the fact that it was delivered years before this war, so that no one can accuse it of having been produced out of the mood of this war. The point is not that what is said here or there does not contain universally valid truths, but rather that one must realize how these truths are not universally accepted. When I spoke here months ago, I pointed out that we in Central Europe, in a sense, have it easier to be objective—easier than others. Why we have it easier is precisely what emerges from that very series of lectures. All the deeper lessons of our grave events point to the fact that, from the most diverse foundations of our present-day world culture, something must develop that coincides with our spiritual scientific striving. In a certain sense, one can say: These serious events are something like a powerful indication of the necessity of spiritual-scientific experience in the world. They prove that this spiritual-scientific experience must come. Therefore, what pertains to the immediate impressions of a place can, of course, be only secondary for us; our actual task is to transform into our spiritual experience that which can already be understood everywhere without causing inner offense, even though in so many areas there are prejudices upon prejudices.

[ 4 ] Dasjenige, was Anschauungen sind aus der Geisteswissenschaft heraus über das allgemein Menschliche im Menschen, das bereitet uns ja auch vor, objektiv all das übersehen zu können, in das wir durch die Erdenentwickelung, die Weltenentwickelung hineinversetzt sind. Denn dieses, wohinein wir versetzt sind, ist gewissermaßen der Boden, aus dem wir herauswachsen, und dasjenige, wodurch wir herauswachsen sollen, sind die Impulse, die wir durch die Geisteswissenschaft aufnehmen. Im Grunde genommen sind wir ja doch nur mit der einen Hälfte unseres Wesens in all den Differenzierungen drinnen, die über die Erde hin verbreitet sind, mit unserem physischen Leibe und unserem Ätherleibe, die wir gewissermaßen der Erde auch zurücklassen, wenn wir in den anderen Bewußtseinszustand eintreten, den wir als Schlaf bezeichnen können. Mit dem Ich und dem Astralleib aber gehen wir dann heraus aus unserem physischen Leib und Ätherleib und sind dann mit unserem Ich und Astralleib in der Welt, die der Mensch sonst betritt, wenn er durch die Pforte des Todes geht, in der Welt, wo alle irdischen Differenzierungen aufhören, in der Welt, in welche uns die Erkenntnisse der Geisteswissenschaft eben einführen sollen. Wer Initiationserkenntnisse zu seinen eigenen Erkenntnissen machen kann, der ist durch diese Initiationserkenntnisse wahrhaftig schon geschützt davor, in einseitiger Weise irgendeinem der Volksgeister einen besonderen Vorzug zu geben. Denn, wie kommen wir denn mit dem besonderen Volksgeist in Berührung, dem wir angehören?

[ 4 ] The insights gained through spiritual science regarding what is universally human in human beings prepare us to view objectively everything into which we have been placed through the evolution of the Earth and the evolution of the worlds. For this context in which we find ourselves is, in a sense, the soil from which we grow, and what enables us to grow out of it are the impulses we receive through spiritual science. After all, we are really only present with one half of our being within all the differentiations spread across the Earth—with our physical body and our etheric body, which we, so to speak, leave behind on Earth when we enter the other state of consciousness that we might call sleep. But with the “I” and the astral body, we then step out of our physical and etheric bodies and find ourselves, with our “I” and astral body, in the world that a human being otherwise enters when passing through the gate of death—the world where all earthly distinctions cease, the world into which the insights of spiritual science are meant to introduce us. Whoever can make the insights of initiation their own is, through these very insights, truly already protected from giving one-sided preference to any particular national spirit. For how do we come into contact with the specific national spirit to which we belong?

[ 5 ] Wenn wir vom Einschlafen bis zum Aufwachen in der geistigen Welt weilen mit unserem Ich und Astralleib, da sind wir mit unserem Volksgeist, mit dem Volksgeist, der unserer Nationalität gewissermaßen vorsteht, nicht in Berührung, sondern wir sind nur in Berührung mit diesem Volksgeist während unseres wachen Tageslebens, vom Aufwachen bis zum Einschlafen. Unter den Kräften, in die wir untertauchen, wenn wir in den physischen Leib und den Ätherleib untertauchen, sind auch die Kräfte, in die hineinarbeitet der Volksgeist des Volkes, dem wir angehören. Wir betreten sozusagen das Feld dieses Volksgeistes, indem wir aufwachen; wir verlassen es wieder, wenn wir einschlafen. Derjenige aber, welcher Initiationserkenntnisse sich erwirbt, der muß ja gerade während dieser Erwerbung in der Welt weilen, in der sein Volksgeist gerade nicht ist, denn er muß eintreten in die Welt, in der wir leben zwischen Einschlafen und Aufwachen. Und da stellt sich denn etwas Besonderes heraus. Nehmen wir an, ein Mensch gehört also einem ganz bestimmten Volke an. Jeder gehört ja einem solchen an, indem er sich zu einer bestimmten Nationalität rechnen muß. Wenn der Mensch nun mit dem Einschlafen die Sphäre seines Volksgeistes verläßt, dann steht er eben mit diesem Volksgeist nicht mehr in Berührung, bis er wieder aufwacht. Da hinein begibt sich auch derjenige, der sich Initiationserkenntnisse erwirbt, und er kommt zusammen während der Zeit vom Einschlafen bis zum Aufwachen mit den anderen Geistern der Völker, die sonst auf der Erde leben, nur nicht mit seinem eigenen Volksgeist. Also man durchlebt ein Zusammensein mit den anderen Volksgeistern in der Zeit zwischen Einschlafen und Aufwachen, und mit seinem Volksgeiste in der Zeit zwischen Aufwachen und Einschlafen. Nur ist das Zusammenleben mit den anderen Volksgeistern nicht so, daß man mit jedem einzelnen lebt, sondern man lebt mit ihrer Verbindung, gleichsam mit ihrer Genossenschaft, mit dem, was sie im Verhältnis zueinander vollbringen, mit der Gesamtheit der übrigen Volksgeister.

[ 5 ] When we dwell in the spiritual world with our I and astral body from the time we fall asleep until we wake up, we are not in contact with our national spirit—the national spirit that, in a sense, presides over our nationality—but we are only in contact with this national spirit during our waking daily life, from the time we wake up until we fall asleep. Among the forces into which we immerse ourselves when we enter the physical body and the etheric body are also the forces into which the national spirit of the people to whom we belong works. We enter, so to speak, the realm of this national spirit when we wake up; we leave it again when we fall asleep. But the one who acquires initiatory knowledge must, precisely during this acquisition, dwell in the world where his national spirit is not present, for he must enter the world in which we live between falling asleep and waking up. And there something special becomes apparent. Let us assume, then, that a person belongs to a very specific people. Everyone belongs to such a people, since they must identify with a particular nationality. When a person leaves the sphere of their national spirit upon falling asleep, they are no longer in contact with that national spirit until they wake up again. Those who acquire initiatory knowledge also enter this realm, and during the time between falling asleep and waking up, they come into contact with the other national spirits that otherwise live on Earth—but not with their own national spirit. Thus, one experiences a communion with the other national spirits during the time between falling asleep and waking up, and with one’s own national spirit during the time between waking up and falling asleep. However, this coexistence with the other national spirits does not mean that one lives with each one individually, but rather that one lives with their collective—as it were, with their community—with what they accomplish in relation to one another, with the totality of the other national spirits.

[ 6 ] Also denken Sie sich, das menschliche Leben wechselt ab — so sagt uns die Initiationserkenntnis — zwischen einem Erleben mit dem Volksgeiste im Wachzustand und einem Erleben mit der Gesamtheit der anderen Volksgeister im Schlafzustand. Nur gibt es ein Mittel gleichsam, wodurch wir ein abnormes Zusammenleben haben mit den anderen Volksgeistern, wodurch wir nicht mit ihrer Gesamtheit zusammenkommen im Schlafe, sondern mit einem besonderen Volksgeiste zusammenkommen. Das ist, wenn wir ein Volk besonders leidenschaftlich hassen. Das ist das Abnorme: Wir können dem nicht entgehen, wenn wir ein Volk besonders hassen, daß wir während des Schlafes in die Sphäre seines Volksgeistes kommen. Und derjenige, der sich Initiationserkenntnisse erwirbt, der würde, wenn er ein Volk aus rein persönlichen nationalen Gründen besonders haßt, in die Sphäre seines Volksgeistes sich begeben, gerade wenn er in das Feld der Initiation eintritt, und es würde sich für ihn sehr bald die Unmöglichkeit ergeben; da drinnen ordentlich zu weilen. Trivial ausgedrückt, könnte ich sagen: Wer aus nationalen persönlichen Leidenschaften heraus ein anderes Volk besonders haßt, ist dazu verurteilt, mit dessen Volksgeist zu schlafen. Das ist trivial ausgesprochen, aber ganz wörtlich zu nehmen.

[ 6 ] So imagine that human life alternates—as initiatory knowledge tells us—between an experience with the national spirit while awake and an experience with the totality of the other national spirits while asleep. However, there is, so to speak, a way in which we have an abnormal coexistence with the other national spirits, whereby we do not come together with all of them in sleep, but rather with a particular national spirit. This happens when we hate a particular nation with particular passion. This is what is abnormal: we cannot escape the fact that, when we hate a people intensely, we enter the sphere of its national spirit during sleep. And anyone who acquires initiatory knowledge—if they hate a particular people intensely for purely personal, nationalistic reasons—would enter the sphere of that people’s spirit precisely as they step into the realm of initiation, and they would very soon find it impossible to remain there properly. To put it simply, I could say: Anyone who, out of personal nationalistic passions, particularly hates another people is doomed to sleep with that people’s national spirit. That is a simplistic way of putting it, but it must be taken quite literally.

[ 7 ] Die Tatsachen der geistigen Welt, die sorgen schon dafür, daß das ganze Menschengeschlecht eine Einheit ist, und daß ein Sich-Heraussondern nicht möglich ist. Aber wenn wir solche Tatsachen ins Auge fassen, dann können wir daraus so manches lernen. Wir sprechen ja davon, daß die Welt, in der wir äußerlich mit unseren Sinnen und mit unserem Verstande, der an das Gehirn gebunden ist, leben, eine große Täuschung, eine Maja ist; aber auch diese Wahrheit, daß die Welt eine Maja ist, wir nehmen sie allzu abstrakt, wir nehmen sie bloß theoretisch. Ich möchte sagen, wir lassen uns noch herbei, diese Wahrheit verstandesmäßig zu fassen. Sielebensvoll zu erfassen, dem widerstrebt nicht nur unser Verstand, sondern oftmals sogar unser Wille. Denn dasjenige, was hinter der Welt der Täuschung ist, es sieht so aus, daß wir nicht wollen, daß es so ausschaue. Wir scheuen uns davor, wir fürchten uns davor, weil uns die Wahrheit unbequem ist. Zu wissen, daß die ganze Menschheit im konkreten Sinne eine Einheit ist, das ist ja nicht bequem, denn es gestattet nicht, daß man in einseitiger Weise Gefühle und Enthusiasmen so betrachtet, wie sie heute vielfach betrachtet werden, sondern es belehrt uns darüber, was das in der Welt der Wirklichkeit bedeutet. Das aber ist unbequem. Der Wille scheut oftmals noch mehr vor der Wahrheit zurück als die Einsicht, als der Verstand. Darum braucht man sich nicht zu wundern, wenn in unserer Zeit die Wahrheiten der Geisteswissenschaft noch vielfach als Narretei gelten, denn die Narretei der Zeit fürchtet sich vor der Weisheit der Welt. Hinter die Erscheinungen zu blicken, das gibt aber erst die Möglichkeit, zu verstehen, was eigentlich geschieht. Ich habe gestern bereits darauf hingewiesen und will nun in einem speziellen Falle es noch ausführen.

[ 7 ] The realities of the spiritual world ensure that the entire human race is a unity and that it is impossible to separate oneself from it. But when we consider such realities, we can learn a great deal from them. We speak, after all, of the fact that the world in which we live outwardly with our senses and with our intellect—which is bound to the brain—is a great illusion, a Maya; but even this truth—that the world is a Maya—we take far too abstractly; we take it merely theoretically. I would say that we still allow ourselves to grasp this truth intellectually. To grasp it in a living way—this is something not only our intellect resists, but often even our will. For what lies behind the world of illusion appears in a way that we do not want it to appear. We shy away from it; we fear it, because the truth is uncomfortable for us. To know that all of humanity is, in a concrete sense, a unity—that is certainly not comfortable, for it does not allow us to view feelings and enthusiasms in a one-sided way, as they are often viewed today; rather, it teaches us what this means in the world of reality. But that is uncomfortable. The will often shrinks back from the truth even more than insight, than the intellect. Therefore, it is no surprise that in our time the truths of spiritual science are still widely regarded as folly, for the folly of the age fears the wisdom of the world. Looking beyond appearances, however, is what makes it possible to understand what is actually happening. I already pointed this out yesterday and would now like to elaborate on it using a specific example.

[ 8 ] Wenn wir den Menschen verfolgen, wie er durch die Pforte des Todes in die geistige Welt hineingeht, in der er die Zeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt durchlebt, um sich vorzubereiten für ein neues Erdenleben, dann müssen wir uns klar werden, inwiefern er in seinem Leben zwischen Tod und neuer Geburt beeinflußt wird von seinem letzten Erdenleben, inwiefern er gleichsam mitbringt durch die Pforte des Todes in das geistige Leben hinein die Nachklänge, das Nachtönen des letzten Erdenlebens. Wir wissen ja, daß der Mensch, wenn er durch die Pforte des Todes schreitet, hindurchträgt durch diese Pforte des Todes zunächst, nachdem er seinen physischen Leib den Erdenelementen übergeben hat, seinen Ätherleib, den Astralleib und

[ 8 ] If we follow a person as he passes through the gate of death into the spiritual world, where he spends the time between death and a new birth preparing for a new earthly life, then we must realize to what extent they are influenced in their life between death and a new birth by their last earthly life, and to what extent they, as it were, carry with them through the gate of death into spiritual life the echoes and reverberations of that last earthly life. We know, after all, that when a human being passes through the gate of death, he carries through this gate—first, after having surrendered his physical body to the earthly elements—his etheric body, his astral body, and

[ 9 ] das Ich. Wir wissen auch, daß dieser ÄÄtherleib sich bald, sehr bald trennt von Ich und Astralleib, mit Ausnahme eines Extraktes, der davon zurückbleibt, und daß der Ätherleib sich mit dem allgemeinen Wirken des Kosmos ätherisch verbindet. Das alles haben wir ja öfters ins Auge gefaßt. Nun aber ist es so, daß der Mensch nach dem Tode durch seine Erkenntnisse, seine nach dem Tod ihm bleibenden Erkenntnisse dennoch zurückschaut auf die Schicksale des Ätherleibes, und daß diese Schicksale für ihn etwas bedeuten. Es bedeutet für den Menschen nach dem Tode etwas, wenn er anschaut die Schicksale seines Ätherleibes, die so verlaufen, daß dieser Verlauf eine Art Resultat des Erdenlebens ist. Und dieses Resultat, dieses Ergebnis des Erdenlebens stellt sich verschieden heraus für die verschiedensten Verhältnisse der Erde, unter anderem auch für das verschiedene Erleben im Nationalen darinnen. Ganz anders stellen sich die Erdenreste, die für den Menschen eine Bedeutung haben nach dem Tode, sagen wir, bei einer Seele, die aus einem französischen Körper herausgeht und übergeht in die geistige Welt, und ganz anders bei einer solchen Seele, die heute aus einem russischen Leibe in die geistige Welt übergeht. Seelen, die aus einem französischen Leibe heute herausgehen, gehören einer Kultur an, die gewissermaßen reif und überreif geworden ist, die vieles diesen Ätherleib erleben läßt auf der Erde. Das Eigentümliche der französischen Volkskultur — nicht die Kultur des einzelnen — besteht darin, daß der Ätherleib selber durcharbeitet wird, durchtränkt wird mit Kräften und Kraftwirkungen, und in einer sehr scharf geprägten Weise daher durch die Pforte des Todes tritt, und dann drinnen ist in der geistigen Welt. Solche Ätherleiber lösen sich lange nicht auf, sie bleiben lange als Spektren vorhanden. In seiner Vorstellung hat der Angehörige des französischen Volkstums, insofern er ihm angehört, eine ganz bestimmte Meinung von sich, von dem, was er gilt in der Welt. Das ist aber nichts anderes als die Spiegelung von den fest arbeitenden Kräften im Ätherleibe. Der Ätherleib ist plastisch fest gebildet und tritt so über in die geistige Welt.

[ 9 ] the “I.” We also know that this etheric body soon—very soon—separates from the “I” and the astral body, with the exception of an essence that remains behind, and that the etheric body becomes etherically connected with the general workings of the cosmos. We have, after all, often considered all of this. But the fact is that after death, through the insights that remain with the human being—the insights that remain after death—he nevertheless looks back upon the destinies of the etheric body, and that these destinies have meaning for him. It means something to a person after death when they observe the destinies of their etheric body, which unfold in such a way that this course of events is a kind of result of their earthly life. And this result, this outcome of earthly life, manifests itself differently for the most varied conditions on Earth, including, among other things, the different national experiences within it. The earthly remnants that have significance for a person after death are quite different, for example, in the case of a soul that leaves a French body and passes into the spiritual world, compared to a soul that passes into the spiritual world today from a Russian body. Souls that leave a French body today belong to a culture that has, in a sense, become ripe and overripe, a culture that allows the etheric body to experience many things on Earth. The distinctive feature of French national culture—not the culture of the individual—lies in the fact that the etheric body itself is thoroughly worked through, imbued with forces and their effects, and thus passes through the gate of death in a very sharply defined manner, entering the spiritual world. Such etheric bodies do not dissolve for a long time; they remain present as spectres for a long time. In his imagination, the member of the French people—insofar as he belongs to it—has a very specific view of himself, of what he is regarded as in the world. But this is nothing other than the reflection of the firmly active forces in the etheric body. The etheric body is solidly formed and thus passes over into the spiritual world.

[ 10 ] Ganz anders ist das bei einem Ätherleib eines russischen Menschen. Der hat nicht eine so feste Prägung, der ist gewissermaßen elastischer, er löst sich in der geistigen Welt leichter auf; daher sind die Seelen durch ihn weniger gefesselt. Während durch das Hinschauen auf den aus einer Hochkultur hervorgehenden Ätherleib des Franzosen die französische Seele länger sozusagen verbunden ist mit dem Ätherleibe, ist die Seele des russischen Menschen nur kurz verbunden mit dem Ätherleibe. Es bedeutet das, was der Ätherleib durchmacht nach dem Tode, weniger für diese Seele des Ostens. Das aber hat eine sehr bestimmte, tiefgehende, bedeutsame Wirkung für das, was gewissermaßen hinter den Kulissen unseres Daseins in der Gegenwart geschieht. Die Schicksale der russischen Seele sind ja ganz andere als die Schicksale der französischen Seele in der Zeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt.

[ 10 ] The situation is quite different with the etheric body of a Russian person. It does not have such a fixed character; it is, so to speak, more elastic and dissolves more easily into the spiritual world; therefore, souls are less bound by it. While, when we look at the etheric body of the French person—which arises from a high culture—the French soul remains connected, so to speak, to the etheric body for a longer time, the soul of the Russian person is connected to the etheric body only briefly. This means that what the etheric body undergoes after death has less significance for this soul of the East. But this has a very specific, profound, and significant effect on what is happening, so to speak, behind the scenes of our present existence. The destinies of the Russian soul are, after all, quite different from those of the French soul in the period between death and a new birth.

[ 11 ] Nun wissen wir ja aus den verschiedensten Betrachtungen, daß wir entgegengehen im 20. Jahrhundert dem ätherischen Wirken des Christus-Geistes. Hingewiesen ist darauf schon im exoterischen Sinne an der entsprechenden Stelle des Mysteriendramas «Die Pforte der Einweihung» von der Wiedererscheinung des Christus als ätherische Körperlichkeit. Und hingewiesen ist darauf auch schon in verschiedenen Betrachtungen, daß dieses Erscheinen des Christus für diejenigen Menschen, die fähig sein werden, ihn zu schauen, vorbereitet wird seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, indem der wirkende Zeitgeist seit dieser Zeit ein anderer ist als früher. Durch Jahrhunderte vorher war Gabriel der wirkende Zeitgeist; seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts ist Michael der wirkende Zeitgeist. Michael ist es, der gewissermaßen die Erscheinung des Christus als ätherische Wesenheit vorzubereiten hat. Das alles muß aber vorbereitet werden, das alles muß ‚gewissermaßen in der Entwickelung gefördert werden, und es wird gefördert. In der Art wird es gefördert, daß Michael für die Erscheinung des Christus gewissermaßen den Kampf führt, daß er die Seelen in dem Erleben zwischen Tod und neuer Geburt vorbereitet auf dasjenige, was in der Erdenaura zu geschehen hat. Nun würden scharf geprägte Ätherleiber, die in der elementarischen Welt um uns herum sind, immer störend sein in der Zeit, die herankommen muß, wo rein gesehen werden soll diese Äthergestalt, die der Christus annehmen muß. Näher stehen einer reinen Auffassung dieser Äthergestalt diejenigen Seelen, die nach dem Tode durch ihre ätherischen Leiber weniger berührt sind. Daher stellt sich folgendes heraus.

[ 11 ] We know, of course, from a wide variety of perspectives that in the 20th century we are moving toward the etheric activity of the Christ Spirit. This is already indicated in an exoteric sense in the relevant passage of the Mystery Drama *The Portal of Initiation*, which speaks of the reappearance of the Christ as an etheric body. And it has also been pointed out in various meditations that this appearance of the Christ—for those people who will be able to behold him—has been in preparation since the last third of the 19th century, in that the active spirit of the age has been different since that time than it was before. For centuries prior, Gabriel was the active spirit of the age; since the last third of the 19th century, Michael has been the active spirit of the age. It is Michael who, in a sense, must prepare the appearance of the Christ as an etheric being. But all of this must be prepared; all of this must, so to speak, be fostered in the course of development—and it is being fostered. It is promoted in such a way that Michael, so to speak, leads the struggle for the appearance of the Christ, preparing souls in the experience between death and new birth for what is to take place in the Earth’s aura. Now, sharply defined etheric bodies, which are present in the elemental world around us, would always be a hindrance during the time that must come, when this etheric form that Christ must assume is to be perceived purely. Those souls who, after death, are less influenced by their etheric bodies are closer to a pure perception of this etheric form. Therefore, the following becomes apparent.

[ 12 ] Wir sehen, wie ein Teil der Arbeit des Michael dahingeht, beizutragen zur Auflösung der westeuropäischen hochkultivierten Ätherleiber, die eine feste Gestalt haben, und wir sehen, wie sich Michael bedient in diesem Kampfe der osteuropäischen Seelen. Und so sehen wir Michael, gefolgt von den Scharen der osteuropäischen Seelen, kämpfend gegen die westeuropäischen Ätherleiber und die Eindrücke, welche die Seelen nach dem 'Tode haben. So gibt es einen lebendigen Kampf hinter den Kulissen des heutigen Daseins. Dieser Kampf ist vorhanden, dieser Kampf in der geistigen Welt. Dieser Kampf im Himmel gleichsam, er spielt sich ab zwischen Rußland und Frankreich in der geistigen Welt, ein lebendiger Kampf zwischen Osten und Westen. Und dieser Kampf ist die Wahrheit, und dasjenige, was sich in der physischen Welt abspielt, das ist die äußere Maja, das ist die Entstellung der Wahrheit. Und man bekommt auch da, wie so oft, wenn man die geistigen Tatsachen betrachtet, auf diesem Gebiet den erschütternden Eindruck, daß oftmals dasjenige, was hier im Felde der Täuschung sich vollzieht, das gerade Gegenteil von dem ist, was in der geistigen Welt als Wahrheit sich vollzieht.

[ 12 ] We see how part of Michael’s work consists in contributing to the dissolution of the highly developed etheric bodies of Western Europe, which have a solid form, and we see how Michael makes use of the souls of Eastern Europe in this struggle. And so we see Michael, followed by the hosts of Eastern European souls, fighting against the Western European etheric bodies and the impressions that the souls have after “death.” Thus, there is a living struggle behind the scenes of present-day existence. This struggle exists—this struggle in the spiritual world. This battle in heaven, so to speak, is taking place between Russia and France in the spiritual world—a living battle between East and West. And this battle is the truth, while what unfolds in the physical world is the outer Maya, the distortion of the truth. And here too, as is so often the case when one considers spiritual realities, one gets the shocking impression that what takes place here in the realm of illusion is often the exact opposite of what unfolds as truth in the spiritual world.

[ 13 ] Denken Sie sich das ungeheuer Erschütternde für denjenigen, der Initiationserkenntnis erwirbt, daß ein Bündnis besteht zwischen Völkern, die sich in der geistigen Welt aufs heißeste bekämpfen! Solche Dinge dürfen natürlich nicht verallgemeinert werden, nicht etwa darf die Schlußfolgerung gezogen werden, daß in der geistigen Welt alles entgegengesetzt ist der physischen Welt. Jeder einzelne Fall muß untersucht werden. Aber für diesen Fall bekommen wir auch diesen erschütternden Eindruck, diesen unsere Erkenntnis, man möchte sagen, zunächst zermalmenden Eindruck. So sieht es eben vielfach anders aus hinter den Kulissen des Daseins, als es in der äußeren Welt aussieht. Aber begreiflich werden uns die Dinge in ihrem wahren Zusammenhang nur, wenn wir hinter die Kulissen des Daseins mit dem Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft leuchten können. Dann aber werden sich auch in unsere ganze Auffassung hineinprägen diejenigen Gefühle, welche gleichsam in die Wahrheit untertauchen lassen unsere Herzen gegenüber den Vorurteilen, in denen wir befangen sein müssen, wenn wir uns den Strömungen der äußeren physischen Welt hingeben. Wirklich ist Mitteleuropa heute hineingeschoben zwischen zwei kämpfende Mächte und muß gewissermaßen sie auseinanderhalten. Daraus ergibt sich aber der Zusammenhang zwischen demjenigen, was ich gestern als das Ringen der mitteleuropäischen Kultur bezeichnet habe, gegenüber dem, was links und rechts, wie umklammernd, diese mitteleuropäische Kultur bedrängt. Das ist das Karma der mitteleuropäischen Kultur: ihre Entwickelung sich abspielen zu sehen zwischen dem, was sich bekämpfen muß durch eine erdengeschichtliche Notwendigkeit. Die rechten Gefühle für den tragischen Konflikt der Verhältnisse, insofern sie jetzt Mitteleuropa betreffen, gehen ja erst aus einer solchen Betrachtung hervor. Dann erst, wenn wir eine solche Betrachtung zugrunde legen, merken wir, daß im Grunde genommen Nichtbeteiligung an den Händeln, die eigentlich auszufechten sind, das wirklich Charakteristische für Mitteleuropa ist, unschuldiges Verhalten zu diesen Händeln und in das Karma mit hinein verwickelt sein. — Und wir haben nun auch gesehen, wie der genaue Zusammenklang dessen ist, was da in der Evolution enthalten ist: wir haben gesehen, wie beteiligt ist der Osten und Westen Europas an dem kommenden Christus-Ereignis. Wenn wir das Ringen der mitteleuropäischen Kultur mit ihrer Vereinigung, wie ich es gestern charakterisiert habe, von Geistigem und Leiblichem ins Auge fassen, dann haben wir auch die besondere Ausgestaltung des ChristusImpulses, der ja der Träger dieser Vereinigung des Geistigen und Leiblichen ist. Mitten also in Europa das Phänomen, das Christentum überzuführen in die Erdenereignisse. Hier, sich abspielend auf dem physischen Plan, etwas von ungeheurer Bedeutung, und rechts und links etwas, was erst erkämpft wird auf den höheren Planen. Physischer Plan und geistiger Plan schließen sich zusammen, wenn wir sie so betrachten.

[ 13 ] Imagine how incredibly shocking it is for someone who has attained initiatic knowledge to realize that there is an alliance between peoples who are engaged in the fiercest of battles in the spiritual world! Of course, such things must not be generalized; one must not draw the conclusion that everything in the spiritual world is the opposite of the physical world. Each individual case must be examined. But in this particular case, we also receive this shattering impression—an impression that, one might say, initially crushes our understanding. Thus, behind the scenes of existence, things often look very different from how they appear in the outer world. But we can only grasp these things in their true context when we are able to shed light on what lies behind the scenes of existence from the perspective of spiritual science. Then, however, those feelings will also become imprinted on our entire outlook—feelings that, as it were, allow our hearts to immerse themselves in the truth, in contrast to the prejudices in which we are bound to be ensnared when we surrender to the currents of the outer physical world. Indeed, Central Europe today is caught between two warring powers and must, in a sense, keep them apart. From this, however, arises the connection between what I described yesterday as the struggle of Central European culture and what, on the left and right, as if clamping down on it, besets this Central European culture. This is the karma of Central European culture: to see its development unfold between forces that must combat one another by a necessity of earthly history. The proper feelings regarding the tragic conflict of circumstances—insofar as they now concern Central Europe—can only emerge from such a perspective. Only then, when we take such a perspective as our foundation, do we realize that, fundamentally speaking, non-participation in the conflicts that must actually be fought out is what is truly characteristic of Central Europe—an innocent stance toward these conflicts while being entangled within the karma itself. — And we have now also seen how precisely this harmonizes with what is contained in evolution: we have seen how deeply the East and West of Europe are involved in the coming Christ event. When we consider the struggle of Central European culture with its unification—as I characterized it yesterday—of the spiritual and the physical, then we also see the particular manifestation of the Christ impulse, which is, after all, the bearer of this unification of the spiritual and the physical. Thus, right in the heart of Europe lies the phenomenon of bringing Christianity into earthly events. Here, unfolding on the physical plane, is something of immense significance, and to the right and left is something that is only being fought for on the higher planes. The physical plane and the spiritual plane come together when we view them in this way.

[ 14 ] Das ist die Ergänzung zu dem gestern Auseinandergesetzten. Und so ist es im Grunde genommen mit aller Evolution, soweit sie sich unter dem Einfluß des Christus-Impulses nach und nach entwickelt hart. Denn was jetzt im 20. Jahrhundert geschieht, hat sich ja nach und nach entwickelt. Der Christus-Impuls ist eingezogen durch das Mysterium von Golgatha in die irdische Menschheitsentwickelung, und er hat darinnen gewirkt. Aber wenn er nur hätte so wirken können, der ChristusImpuls, wie ihn die Menschen verstanden haben, hätte er wenig wirken können bisher. Wir fangen ja erst an mit dem Verständnis, wir fangen erst an, durch Geisteswissenschaft etwas zu begreifen von dem, was das Mysterium von Golgatha ist. Der Christus-Impuls hat gewirkt. Aber wahrhaftig wirkte er am wenigsten in dem, was das Gezänk und Geschrei der Theologen war. Schlimm wäre es gewesen, wenn nur so viel von dem Christus-Impuls hätte hereinkommen können in die Erdenentwickelung, wie die Menschen begriffen haben in den verschiedenen Epochen mit ihrem Verstande. Aber ich habe darauf hingewiesen, wie der Christus-Impuls durch die Jahrhunderte in unbewußte Seelenkräfte gewirkt hat. Ich habe Ihnen geschildert, wie am 28. Oktober 312 Konstantin gegenüberstand dem Maxentius, und wie da eine Schlacht geschlagen wurde, durch die das Schicksal von Europa entschieden worden ist. Nicht durch die Kunst der Feldherren wurde diese Schlacht geschlagen, sondern durch dasjenige, was sich im Unterbewußtsein der Menschen zugetragen hat. Maxentius befragte die sibyllinischen Bücher. Die verführten ihn, statt seine Heere in Rom in Sicherheit zu lassen, sie aus den Toren Roms zu führen, den Heeren Konstantins entgegen. Konstantin aber hatte den Traum: das Monogramm Christi seinem Heere vorantragen zu lassen. Man folgte also nicht den Gescheitheiten der Feldherren, sondern man folgte Träumen, das heißt den Impulsen des Unterbewußtseins. Von dem, was daraus entstand, hat Europa seine Gestaltung bekommen. Nicht von dem leitete sich her die wirkliche Gestaltung des Christus-Impulses, worüber die Theologen zankten, sondern von dem, was der lebendige Christus auf den Feldern war, wo er wirken kann. Nicht die menschlichen Begriffe vom Christus — auf die kommt es nicht an —, sondern der lebendige Christus, der durch die Impulse wirkt, die die seinigen sind. Wenn ihn die Menschen nicht verstanden, ging er in das hinein, wo man nicht zu verstehen braucht, wo man in Träumen aufnimmt, was in die Willenssphäre übergehen soll.

[ 14 ] This is a supplement to what was discussed yesterday. And this is essentially how it is with all evolution, insofar as it develops gradually under the influence of the Christ impulse. For what is now happening in the 20th century has, after all, developed gradually. The Christ impulse entered into the earthly development of humanity through the Mystery of Golgotha, and it has been at work within it. But if the Christ impulse had been able to work only as people have understood it, it would have had little effect so far. We are only just beginning to understand; we are only just beginning, through spiritual science, to grasp something of what the Mystery of Golgotha is. The Christ impulse has been at work. But truly, it had the least effect in the squabbling and clamor of the theologians. It would have been a tragedy if only as much of the Christ Impulse had been able to enter into Earth’s evolution as people have grasped with their intellects in the various epochs. But I have pointed out how the Christ Impulse has worked through the centuries in unconscious soul forces. I have described to you how, on October 28, 312, Constantine faced Maxentius, and how a battle was fought there that decided the fate of Europe. This battle was not won through the skill of the generals, but through what took place in the subconscious of the people. Maxentius consulted the Sibylline Books. They led him astray, urging him—instead of keeping his armies safe in Rome—to lead them out through the gates of Rome to face Constantine’s armies. Constantine, however, had a dream: to have the monogram of Christ carried at the head of his army. Thus, people did not follow the strategies of the generals, but rather followed dreams—that is, the impulses of the subconscious. Europe took shape as a result of what emerged from this. The true form of the Christ impulse—about which theologians quarreled—did not derive from that, but from what the living Christ was on the battlefields, where he could work. Not human concepts of Christ—those are irrelevant—but the living Christ, who works through the impulses that are his own. When people did not understand him, he entered into that realm where understanding is not required, where one receives in dreams what is to pass into the sphere of the will.

[ 15 ] Und wiederum einmal war es in Europa, daß der Christus-Impuls hereingedrungen ist und Europa eine bestimmte Gestaltung gegeben hat: im 15. Jahrhundert, als durch das einfache Landmädchen, die Jungfrau von Orleans, Europa eine ganz andere Gestaltung bekommen hat. Hätte dazumal England über Frankreich gesiegt — was die Jungfrau von Orleans verhindert hat —, so wäre aller spätere geschichtliche Verlauf ein anderer geworden. Aber wahrhaftig, das Hirtenmädchen von Orleans hat nicht menschliche Weisheit gehabt, sondern in ihr hat gewirkt der Christus-Impuls durch seinen michaelischen Vorläufer, äußerlich zugunsten Frankreichs, in Wirklichkeit zugunsten Englands; denn England hätte sonst nicht die Entwickelung durchmachen können, die es durchgemacht hat. Aber es wirkte mit ungeheurer Deutlichkeit für denjenigen, der die Welt geistig durchschauen will, der Christus-Impuls dazumal in dasjenige hinein, was geschehen sollte.

[ 15 ] And once again, it was in Europe that the Christ impulse made its way and gave Europe a specific form: in the 15th century, when, through the simple country girl, the Maid of Orleans, Europe took on a completely different form. Had England triumphed over France at that time—which the Maid of Orleans prevented—the entire course of subsequent history would have been different. But truly, the shepherdess of Orléans did not possess human wisdom; rather, the Christ impulse worked within her through its Michaelic forerunner—outwardly for the benefit of France, but in reality for the benefit of England; for otherwise England could not have undergone the development it did. But for those who seek to perceive the world spiritually, the Christ impulse at that time worked with tremendous clarity into the very events that were to unfold.

[ 16 ] Ich habe öfters darauf aufmerksam gemacht, wie jene alten Legenden, jene alten Sagen und Mythen Wahrheiten enthalten, die darauf hinweisen, daß in den dreizehn Nächten zwischen Weihnachten und dem Fest der Erscheinung, dem Dreikönigsfest, daß in diesen Nächten der tiefsten Winterfinsternis die Zeit ist, in der die Erdenkräfte dem Hellsehertum ganz besonders günstig sind. Da, wo sozusagen die physischen Kräfte sich am meisten zurückziehen in Untätigkeit, da wirken die geistigen Kräfte ganz besonders. Diese dreizehn Nächte, von Weihnacht bis zum 6. Januar — so erzählt uns eine alte norwegische Legende —, schlief Olaf Åsteson. Und in diesem Schlafe hat er all dasjenige in Imaginationen durchgemacht, was wir nun anthroposophisch erkennen als Kamaloka, als Seelenwelt, als Geisteswelt. Das ist eine Wahrheit. Und gar mancher, der, ich möchte sagen, am Tor steht der Initiation, er kann dieser Initiation die letzte Vollendung geben, wenn er es zu einem ganz besonderen konzentrierten inneren Erleben in dieser Zeit bringt, in die hinein deshalb mit Recht versetzt ist die Geburt des Christus, des geistigen Sonnenlichtes. Man könnte sagen: Wenn jemand eine unbewußte Initiation erleben soll, wann würde er sie am besten erleben? — Dann würde er sie am besten erleben, wenn er zubereitet wird in diesen Nächten, wenn er in einem Schlafzustand ist, einer Art weltentrücktem Zustand, bis zum 6. Januar. Könnten wir nicht voraussetzen, daß auch das ganz gewiß nicht gelehrte oder geisteswissenschaftlich geschulte, aber innerlich spiritualisierte Hirtenmädchen, die Jungfrau von Orleans, am besten initiiert hätte werden können, wenn sie diese Nächte in einer Art Schlafzustand durchgemacht hätte, einem Zustand, wo sie nicht durch die Sinne und den Verstand begriffen hätte die äußere Welt? Das hat sie! Man ist in der Zeit, bevor die physische Geburt eintritt, ganz gewiß nicht dazu veranlagt, durch die äußeren Sinne die umliegende Welt wahrzunehmen, denn diese Sinne wachen ja erst auf bei der Geburt im physischen Dasein. Man ist auch nicht geeignet vor der Geburt, durch den Verstand nachzudenken, aber der geistige Teil ist dann in Berührung mit der kosmischen geistigen Umwelt.

[ 16 ] I have often pointed out how those ancient legends, those old sagas and myths, contain truths that indicate that the thirteen nights between Christmas and the Feast of the Epiphany—the Feast of the Three Kings—that these nights of the deepest winter darkness are the time when the forces of the earth are particularly favorable to clairvoyance. Where, so to speak, the physical forces withdraw most into inactivity, the spiritual forces are particularly active. During these thirteen nights, from Christmas to January 6—as an old Norwegian legend tells us—Olaf Åsteson slept. And in this sleep he experienced, through inner visions, all that we now recognize in anthroposophy as the Kamaloka, as the world of the soul, as the world of the spirit. This is a truth. And many a person who, I might say, stands at the threshold of initiation can bring this initiation to its ultimate fulfillment if they achieve a very special, concentrated inner experience during this time—a time into which the birth of the Christ, the spiritual sunlight, is rightly placed. One might say: If someone is to experience an unconscious initiation, when would they best experience it? — They would best experience it if they are prepared during these nights, while in a state of sleep, a kind of world-detached state, until January 6. Could we not assume that even the shepherd girl—who was certainly not educated or trained in spiritual science, but was inwardly spiritualized—the Virgin of Orleans, could have been best initiated if she had spent these nights in a sort of sleep-like state, a state in which she did not perceive the outer world through the senses and the intellect? That is exactly what she did! In the period before physical birth occurs, one is certainly not predisposed to perceive the surrounding world through the external senses, for these senses only awaken at birth into physical existence. Nor is one capable of thinking with the intellect before birth, but the spiritual part is then in contact with the cosmic spiritual environment.

[ 17 ] Nun, die dreizehn Tage vor dem 6. Januar hat die Jungfrau von Orleans im Leibe der Mutter zugebracht, denn am 6. Januar ist sie geboren. Dies ist eine Tatsache, die tief bedeutsam über Weltenzusammenhänge spricht. Der die Evolution führende Weltengeist brauchte in der Jungfrau von Orleans eine Menschenseele, die gerade die dreizehn letzten Tage der Schwangerschaft im Leibe der Mutter zubrachte bis zum 6. Januar und dann geboren worden ist. Da sehen wir tief hinein in jene Zusammenhänge, die hinter den Kulissen des Daseins sind. Da sehen wir, wie die Welt geführt wird in geistiger Beziehung. Da wurde eine Seele geboren, die gewissermaßen durch den Weltengeist selbst initiiert worden ist bis zu ihrer Geburt hin. Es handelt sich daher darum, daß wir uns eine Empfindung erwerben dafür, wie gewissermaßen vor uns der Teppich des äußeren Majadaseins ausgebreitet ist: wenn wir ihn an verschiedenen Stellen zerreißen, so blicken wir in die Geheimnisse des Daseins erst hinein. Und das muß Gefühl und Empfindung werden für das Umgestaltende der Geisteswissenschaft für die Kultur der Menschheit. Das muß Empfindung werden, daß man, um hineinzuschauen in die Geheimnisse der Welt, eben radikal wird brechen müssen mit der bloßen Beobachtung der äußeren Maja, die ja selbstverständlich eintreten mußte seit dem Glanze und dem Ruhm des naturwissenschaftlichen Forschens. Aber dieser Glanz und Ruhm muß für die Zukunft abgelöst werden von der Geisteswissenschaft. Dasjenige, was die Menschheit zum wirklichen Einleben der Geisteswissenschaft in die Seelen braucht, wird aber vor allen Dingen sein ein wirklich guter Wille für die Verbindung der eigenen Seele mit den geistigen Welten. Das aber muß alles ausgehen von einer gewissen Selbsterkenntnis. Doch Selbsterkenntnis ist gar nicht so leicht, und es gehört zu den größten Täuschungen, denen man sich im gewöhnlichen Leben hingeben kann, wenn man denkt, daß Selbsterkenntnis, die der Anfang aller wahren Erkenntnis sein muß, leicht ist.

[ 17 ] Well, the Maid of Orleans spent the thirteen days leading up to January 6 in her mother’s womb, for she was born on January 6. This is a fact that speaks profoundly of the interconnections of the worlds. The World Spirit guiding evolution required, in the Virgin of Orléans, a human soul that would spend precisely the last thirteen days of pregnancy in her mother’s womb until January 6, and then be born. Here we gain a deep insight into the connections that lie behind the scenes of existence. Here we see how the world is guided in a spiritual sense. A soul was born there that had, so to speak, been initiated by the World Spirit itself right up to the moment of its birth. It is therefore a matter of our developing a sense of how, in a certain sense, the tapestry of outer material existence is spread out before us: when we tear it apart in various places, only then do we glimpse the mysteries of existence. And this must become a feeling and a sense of the transformative power of spiritual science for human culture. It must become a sense that, in order to look into the mysteries of the world, one must radically break with the mere observation of outer Maya—which, of course, was bound to take hold in the wake of the splendor and glory of scientific research. But in the future, spiritual science must supplant this splendor and glory. What humanity needs, above all else, to truly integrate spiritual science into the soul is a genuine willingness to connect one’s own soul with the spiritual worlds. All of this, however, must stem from a certain self-knowledge. Yet self-knowledge is by no means easy, and it is one of the greatest delusions to which one can succumb in ordinary life—to think that self-knowledge, which must be the beginning of all true knowledge, is easy.

[ 18 ] Selbst in bezug auf das Alleräußerlichste ist sie nicht einmal besonders leicht. Ich habe hier ein Buch; es ist mir zufällig — was man so zufällig nennt —, karmisch in diesen Tagen wieder in die Hände gekommen: das Buch eines Philosophen der Gegenwart, der Philosophieprofessor an der Universität in Wien war: «Analyse der Empfindungen.» Derjenige, der das Buch geschrieben hat, macht Selbstgeständnisse, die sehr interessant sind. Auf Seite 3 sagt er: Als junger Mensch erblickte ich einmal in einer Spiegelniederlage, als ich über die Straße ging, mein Gesicht im Profil, aber ich erkannte es nicht als mein eigenes Gesicht. Ich dachte: Was für ein widerwärtiges, unsympathisches Gesicht! — Also Sie sehen, selbst bis zu diesem Grade ist Selbsterkenntnis der rein äußeren Gestalt nicht einmal gar so sehr verbreitet. Der gute Mann gesteht ganz offen: es kommt ihm entgegen ein höchst unsympathisches Gesicht, das einen abstoßenden Charakter hat, und dann entdeckt er, daß es sein eigenes ist. So wenig hat er sich gekannt seiner äußeren Gestalt nach. Sie sehen, nicht einmal äußere Selbsterkenntnis kann man leicht erwerben. Universitätsprofessor kann man dabei sein, ungehindert; das bezeugt dieses Beispiel. Ernst Mach, so heißt der Professor, macht aber noch ein ähnliches Geständnis. Er ist ganz aufrichtig. Er sagt: Ich kam einmal recht ermüdet von einer Reise zurück und bestieg einen Omnibus. Zu gleicher Zeit stieg ein anderer in den Omnibus ein. Ich dachte: Was für ein herabgekommener Schulmeister steigt denn da ein! — Und siehe da, ich war es selbst. — Er hatte sich im Spiegel gesehen. — Der gute Mann wußte, wie ein herabgekommener Schulmeister aussieht, da sah er einen einsteigen, aber er konnte sich nicht damit identifizieren, er wußte nicht, daß er so aussah. Er fügt seiner Erzählung hinzu: Also kannte ich den Standeshabitus besser als meinen eigenen!

[ 18 ] Even when it comes to the most external aspects, it is not particularly easy. I have a book here; it happened to fall into my hands again these past few days—what one might call by chance, or karmically: the book by a contemporary philosopher who was a professor of philosophy at the University of Vienna: *Analysis of Sensations*. The author of the book makes some very interesting confessions. On page 3, he says: As a young man, I once caught a glimpse of my face in profile in a reflection as I was crossing the street, but I did not recognize it as my own face. I thought: What a repulsive, unsympathetic face! — So you see, even to this degree, self-knowledge of one’s purely external appearance is not all that widespread. The good man admits quite openly: he is confronted by a highly unsympathetic face with a repulsive character, and then he discovers that it is his own. That is how little he knew himself in terms of his outward appearance. You see, not even outward self-knowledge can be easily acquired. One can be a university professor without any hindrance; this example attests to that. Ernst Mach—that is the professor’s name—makes a similar confession. He is entirely sincere. He says: I once returned quite exhausted from a trip and boarded a bus. At the same time, someone else got on the bus. I thought: What a run-down schoolteacher is getting on there! — And lo and behold, it was me. — He had seen himself in the mirror. — The good man knew what a shabby schoolmaster looked like; when he saw one getting on, he couldn’t identify with him—he didn’t know he looked that way. He adds to his story: “So I knew the appearance of that social class better than my own!”

[ 19 ] Noch viel schwieriger als das Wissen über die äußere Gestalt ist das Wissen über die Seele, das Wissen desjenigen, was wir eigentlich in unserem seelischen Wesen sind. Aber ohne dieses geht es nicht ab, wenn man wirklich auf dem Felde der Initiation etwas vorwärtskommen will. Die Täuschung über sich selbst, sie gehört zu den verbreitetsten Eigentümlichkeiten des Menschen, und was in den Tiefen der Menschenseele sich abspielt, man weiß es in der Regel nicht. Man denkt sehr leicht: Ja, ich kenne mich, ich weiß, was ich will! — Man macht sich gewisse Vorstellungen über sich selbst; nur sind diese meistens

[ 19 ] Even more difficult than knowledge of the outer form is knowledge of the soul—knowledge of what we truly are in our spiritual essence. But this is indispensable if one truly wishes to make progress in the field of initiation. Self-deception is one of the most common human traits, and people generally have no idea what goes on in the depths of the human soul. It is very easy to think: “Yes, I know myself; I know what I want!” — People form certain ideas about themselves; only, these are usually

[ 20 ] nicht dazu angetan, wirklich auszudrücken, was wir in Wahrheit sind. | Da unten in der Seele sieht es oftmals ganz anders aus, als es in der Region aussieht, wo wir uns die Vorstellungen über uns selbst machen. Einige Beispiele seien angeführt, die sich nicht nur ereignen können, sondern die oft sich ereignen im menschlichen Zusammenleben: Zwei Menschen leben miteinander. Der eine hat gegen den anderen etwas, so daß es ihm eigentlich gefällt, den anderen manchmal zu quälen, zu peinigen, manchmal intensiver, manchmal weniger. Dasjenige, was die Ursache dieses Quälens sein mag, kann ein ursprünglicher Trieb der Grausamkeit sein. Ein Mensch kann nämlich scheinbar ganz harmlos in der Welt herumgehen und doch eigentlich ein ganz grausamer Kumpan sein, der es als ein Bedürfnis empfindet, einen Nebenmenschen zu quälen. Spricht man nun mit diesem Menschen, so wird er es einem nicht verzeihen, wenn man ihn für einen grausamen Kumpan, für einen ekelhaften Kerl hält, der sich nur befriedigt fühlt, wenn er seinen Nebenmenschen quälen kann, sondern er wird sagen: Ach, ich habe diesen Menschen so unendlich lieb, so furchtbar lieb, aber er macht halt das und das und jenes, und gerade weil ich ihn so lieb habe, kann ich es gar nicht ausstehen, daß er das tut! — Das ist im Oberbewußtsein des Menschen, im Unterbewußtsein aber ist die Grausamkeit. Und die Vorstellungen des Oberbewußtseins sind nur da, um zu verhüllen, um uns vor uns selbst zu entschuldigen. Die Art, wie wir uns Vorstellunsen im Oberbewußtsein machen, ist nur da, um uns richtig vor uns selbst zu entschuldigen. So habe ich einen Herrn gekannt, der bei jeder Gelegenheit betonte, daß er eine gewisse geistige Richtung nur einschlüge aus reiner Selbstlosigkeit, daß sie ihm gar nicht besonders sympathisch sei, diese Richtung, aber aus Pflichtgefühl und Selbstlosigkeit müsse er diese Richtung einschlagen. Ich sagte ihm: Was Sie für eine Ansicht haben über die Dinge, die Sie tun, und warum Sie sie tun, darauf kommt es nicht an, sondern darauf kommt es an, warum Sie es wirklich tun. Und Sie tun es, weil es Ihnen Wollust macht, gerade dies zu tun, weil es Ihrer Eitelkeit ganz besonders schmeichelt, dies zu tun. — Es ist unangenehm, sich zu gestehen: Ich bin eigentlich recht eitel, deshalb tue ich dies oder jenes. — Deshalb lieben wir unsere Maja, die macht das anders. Die Maja, die wir in unserem Bewußtsein tragen über uns selbst, ist oft noch unähnlicher der Wirklichkeit als die Maja, die wir über die Geisteswissenschaft haben. Liebe ist ganz gewiß eine wunderbare Sache, mit Recht auch, vor der menschlichen Meinung; sie wird aber häufig mit Unrecht im Munde geführt, die Liebe! Als wir noch mit der anderen Theosophischen Gesellschaft verbunden waren, da hörten wir immer wiederum, wie es darauf ankomme, daß die Menschen sich ja, ja recht lieben! Oftmals war diese Liebe nur der Schleier, der über die dogmatischen Zänkereien hinübergelegt war. Denn Liebe kann oftmals die Maske sein für den allerstärksten Egoismus. Wenn man sich besonders wollüstig etwas darauf zugute tut, dieses oder jenes zu tun, fälscht man oft das, was man tut und was einem eigentlich Wollust bereitet, in Liebe um; und man entschuldigt sich wiederum vor dem, was man eigentlich niemals gestehen würde, was in den Tiefen des Unterbewußtseins bleibt. Ja, wenn wir hinuntersteigen in dieses menschliche Wesen, dann tauchen wir wirklich bald in einen Abgrund hinunter. Wirklich erkennen kann der Mensch sich eigentlich nur dadurch, daß er sich hineinlebt in die Geheimnisse des geistigen Daseins, daß er sich bekanntmacht mit dem, was die großen Gesetze dieses geistigen Daseins sind. Denn das menschliche Wesen ist kompliziert, und der größte Irrtum ist es, wenn man glaubt, dieses menschliche Wesen sei irgendwie einfach. Ich möchte sagen: Alle Weltengeheimnisse sind zusammengenommen, um das menschliche Wesen zusammenzubringen. Aber nur recht verstanden müssen die Dinge werden.

[ 20 ] not really suited to expressing who we truly are. | Deep down in the soul, things often look quite different from how they appear in the realm where we form our ideas about ourselves. Let me cite a few examples that not only can occur but often do occur in human coexistence: Two people live together. One of them harbors a grudge against the other, so that he actually takes pleasure in sometimes tormenting and tormenting the other—sometimes more intensely, sometimes less so. The cause of this torment may be an innate impulse toward cruelty. For a person can go about in the world appearing completely harmless and yet actually be a thoroughly cruel fellow who feels a need to torment a fellow human being. If you speak with this person, however, he will not forgive you for thinking of him as a cruel fellow, a despicable fellow who feels satisfied only when he can torment those around him; rather, he will say: “Oh, I love this person so infinitely, so terribly much, but he just does this and that and the other thing, and precisely because I love him so much, I simply can’t stand it when he does that!”—That is in a person’s conscious mind, but in the subconscious lies the cruelty. And the ideas of the conscious mind are only there to conceal, to excuse ourselves to ourselves. The way we construct ideas in our conscious mind is only there to properly excuse ourselves to ourselves. For example, I knew a man who emphasized at every opportunity that he followed a certain spiritual path purely out of selflessness, that he didn’t particularly like this path, but that out of a sense of duty and selflessness he had to follow it. I told him: “What view you hold about the things you do and why you do them is irrelevant; what matters is why you really do them. And you do it because it gives you pleasure to do precisely this, because doing this flatters your vanity in a very special way.” — It is unpleasant to admit to oneself: ‘I am actually quite vain, which is why I do this or that.’ — That is why we love our Maya; it does things differently. The Maya we carry in our consciousness about ourselves is often even less like reality than the Maya we have about theosophy. Love is certainly a wonderful thing, and rightly so, in the eyes of human opinion; but love is often invoked unjustly! When we were still affiliated with the other Theosophical Society, we heard time and again how important it was that people truly, truly love one another! Often, this love was merely a veil draped over dogmatic squabbles. For love can often be a mask for the very strongest form of selfishness. When one takes particular pleasure in doing this or that, one often disguises what one is doing—and what actually gives one pleasure—as love; and one thereby excuses what one would never actually admit, what remains in the depths of the subconscious. Indeed, when we descend into this human being, we very soon find ourselves plunging into an abyss. A person can truly come to know themselves only by immersing themselves in the mysteries of spiritual existence, by familiarizing themselves with the great laws of that spiritual existence. For the human being is complex, and the greatest error is to believe that this human being is in any way simple. I would say: All the mysteries of the world are brought together to form the human being. But these things must be properly understood.

[ 21 ] Das Spielen mit der Selbsterkenntnis hört sehr bald auf, wenn man etwas erkennt von den geistigen Geheimnissen des Menschendaseins. Nehmen wir einmal an, ein Mensch beginnt durch irgend etwas, durch Schulung oder durch irgend etwas anderes, mit einem gewissen Hellsehen, und er bringt es sogar dahin, daß ihm ganz wunderbare Gebilde erscheinen, die er fixieren kann, so daß die Menschen kommen und ganz entzückt sind über den bedeutungsvollen Zusammenhang dieses Menschen mit der geistigen Welt. Der ist auch zweifellos vorhanden, der Zusammenhang, aber man muß diesen geistigen Zusammenhang nur in seiner Wahrheit durchschauen, man muß durchschauen, was er wirklich sein kann. Sehen Sie, demjenigen, was wir als physischen Leib haben, liegt als sein Bildner der Ätherleib zugrunde, dann der Astralleib, dann dasjenige, was wir den Ich-Träger nennen. Das arbeitet alles am physischen Leibe, und jedes Höhere arbeitet wiederum an dem Niedrigeren. Wenn Sie den Ätherleib nehmen und unmittelbar hellsichtig erforschen, so ist er ein wunderbares Gebilde ineinander flutender und schimmernder Farben. Was sind denn diese Farben, die im Ätherleib fluten? Ja, das sind die Kräfte, die am physischen Leibe bauen, die Kräfte, die nicht nur ihm Organe aufbauen, sondern auch wirken in dem, was während des Lebens von den Organen des physischen Leibes vollzogen wird. Aber die menschlichen Organe sind von verschiedener Bedeutung. Nehmen wir zwei solcher Organe wie die Eingeweide und das Gehirn. Die äußere Anatomie untersucht die Gewebe und alles, was in Betracht kommt, als gleichwertig. Das sind die Dinge aber nicht, sie sind ganz verschieden. Wenn wir das menschliche Gehirn anschauen, ist es als physisches Organ etwas Vollkommenes; das kommt davon her, daß im Gehirn jene Farbenfluten verarbeitet sind. Wenn wir den Ätherleib des menschlichen Gehirns anschauen, dann sehen wir ihn in verhältnismäßig blasser Farbe, denn die Farben sind dazu verwendet worden, den Bau des Gehirns hervorzubringen. Wenn wir die Eingeweide anschauen, so finden wir die flutenden Farben hellschimmernd wunderbar ineinanderfluten, denn die Eingeweide sind wirklich gröbere Organe, da muß noch nicht so viel von Geistigem verwendet werden, da bleiben die Kräfte noch zurück im Ätherleibe, da wird ein kleinerer Teil nur zum Ausbau verwendet. Daher ist der Ätherleib des Gehirns blaß, der Ätherleib der Gedärme aber von wunderbaren, flutenden Farben, schön.

[ 21 ] The game of self-discovery comes to an end very quickly once one gains some insight into the spiritual mysteries of human existence. Let us suppose that a person, through some means—whether training or something else—begins to develop a certain degree of clairvoyance, and even reaches the point where wonderful images appear to him that he can focus on, so that people come and are utterly enchanted by this person’s profound connection with the spiritual world. This connection undoubtedly exists, but one must see through this spiritual connection to its true nature; one must see through what it can really be. You see, underlying what we call the physical body as its formative principle is the etheric body, then the astral body, and then what we call the “I-bearer.” All of these work upon the physical body, and each higher body, in turn, works upon the lower one. If you take the etheric body and examine it directly through clairvoyance, you will find it to be a wondrous structure of interflowing, shimmering colors. What, then, are these colors that flow within the etheric body? Yes, these are the forces that build the physical body—the forces that not only construct its organs but also act within what is carried out by the organs of the physical body during life. But human organs have different significance. Let us take two such organs as the intestines and the brain. External anatomy examines the tissues and everything else involved as if they were equivalent. But that is not the case; they are quite different. When we look at the human brain, it is, as a physical organ, something perfect; this is because those floods of color have been processed within the brain. When we look at the etheric body of the human brain, we see it in a relatively pale color, for the colors have been used to bring about the structure of the brain. When we look at the internal organs, we find the surging colors shimmering brightly and flowing wonderfully into one another, for the internal organs are truly coarser organs; there is no need to use as much of the spiritual there, so the forces remain in the etheric body, and only a smaller portion is used for their development. Therefore, the etheric body of the brain is pale, while the etheric body of the intestines is of wonderful, flowing colors—beautiful.

[ 22 ] Denken Sie nun, es kommt jemand, wie ich es geschildert habe, zum Hellsehen. Da kann zweierlei eintreten: Es kann ein Hellsehen eintreten dadurch, daß der Ätherleib des Gehirns gelockert wird, aber es kann auch eintreten ein Hellsehen dadurch, daß der Ätherleib der Eingeweide gelockert wird. Beim Hellsehen wird nun der Mensch oftmals sein eigenes Innere gewahr. Derjenige, der den Ätherleib des Gehirns herausbekommt, wird zunächst eine ziemlich blasse Welt vor sich haben; aber der, welcher den Ätherleib seiner Eingeweide herausbekommt, kann wunderbar flutende Farben in die Ätherwelt hinausspiegeln. Um nämlich das Blasse des Gehirnätherleibes mit den flutenden Farben des Kosmos in Berührung zu bringen, ist es nötig, daß wir die flutenden Farben von der ganzen Sphäre des Kosmos erst heranziehen. Um die flutenden Farben des Ätherleibes der Gedärme zu entwickeln, können wir sie aus uns herausstrahlen, und so kann ein ganz wunderbares Gebilde geschaut werden auf dem Wege des Hellsehens. Gewiß, es ist ein echtes hellsichtiges Gebilde, aber wenn man es untersucht, was ist es? Es ist nichts anderes als der eigene Verdauungsprozeß, es ist dasjenige, was der Ätherleib während des Verdauungsprozesses des Menschen tut; das projiziert sich in den Ätherraum hinaus. Das ist anatomisch betrachtet höchst interessant, aber man muß sich klar sein darüber, daß man erst, wenn man herandringt an die Geheimnisse der geistigen Welt, wirklich eine Ahnung bekommt von dem, was eigentlich vorliegt in der geistigen Welt. Man bekommt ja erst dann eine Ahnung, daß aus einem wunderbar flutenden Farbenmeer des Ätherleibes auch dasjenige heraus entspringt, was im Ätherleib vorgehen muß, damit die Gedärme in der richtigen Weise funktionieren. Wenn man das dann hellsichtig schaut, so ist es gewiß ein hellsichtiger Vorgang; aber es ist nichts, was mit himmlischen Geheimnissen zusammenhängt, es ist nichts, was die großen kosmischen Tatsachen der Welt uns irgendwie nahebringt, sondern es ist etwas, was uns unser gewöhnlichstes niederes Selbst nahebringt.

[ 22 ] Now imagine that someone, as I have described, develops clairvoyance. Two things can happen: Clairvoyance can occur when the etheric body of the brain is released, but it can also occur when the etheric body of the viscera is released. During clairvoyance, a person often becomes aware of their own inner being. The person who releases the etheric body of the brain will initially see a rather pale world before them; but the one who brings forth the etheric body of their intestines can reflect wonderfully flowing colors out into the etheric world. For in order to bring the pallor of the brain’s etheric body into contact with the flowing colors of the cosmos, it is necessary that we first draw in the flowing colors from the entire sphere of the cosmos. To develop the flowing colors of the etheric body of the intestines, we can radiate them outward from within ourselves, and thus a truly wondrous formation can be perceived through clairvoyance. Certainly, it is a genuine clairvoyant formation, but if one examines it, what is it? It is nothing other than one’s own digestive process; it is what the etheric body does during the human digestive process; this projects itself out into the etheric space. From an anatomical perspective, this is highly interesting, but one must be clear that it is only when one approaches the mysteries of the spiritual world that one truly gains an inkling of what actually exists in the spiritual world. Only then does one begin to grasp that from a wonderfully surging sea of colors in the etheric body springs forth that which must take place within the etheric body so that the intestines can function properly. When one observes this through clairvoyance, it is certainly a clairvoyant process; but it is not something connected to heavenly mysteries, nor is it something that brings us any closer to the great cosmic realities of the world—rather, it is something that brings us closer to our most ordinary, lower self.

[ 23 ] Und gerade dann, wenn wir hellsichtig zur Selbsterkenntnis aufsteigen, dann finden wir, daß das erste, was wir an wunderbaren Gebilden erleben, unser Niedrigstes hinausspiegelt. Und erst dann, wenn wir durch größere Anstrengung diejenigen Teile des Ätherleibes losbekommen, die als geringere zurückgeblieben sind in uns selbst, weil die Mehrzahl zu Herz und Gehirn verwendet worden ist, dann erst gelangen wir dazu, dasjenige, was in uns ist, hinauszustrahlen und einen Eindruck zu machen durch die stärker angewandten Kräfte auf den äußeren Äther. Und dann kommt es zu folgendem: Wenn wir den Ätherleib der physischen Organe hinausprojizieren, stoßen wir das hinaus in den Raum. Wenn wir höheres Hellsehen entwickeln, da arbeiten wir auch hinaus, aber wir arbeiten hinaus dasjenige von uns, was wir uns aufbauen zwischen Geburt und Tod, auf daß es vorbereite dasjenige, was zwischen Tod und neuer Geburt sich in uns entwickelt. Das schreiben wir hinein in den Raum, da bilden wir eine Wirkung hinaus in die ätherische Welt. Und da gehen wir entgegen demjenigen, was durch diese Wirkungen gebildet wird, den kosmischen Wirkungen, den kosmischen Tatsachen.

[ 23 ] And it is precisely when we ascend to self-knowledge through clairvoyance that we find the first wondrous forms we experience reflect our basest nature. And only then, when through greater effort we detach those parts of the etheric body that have remained within us as lesser aspects—because the majority has been directed toward the heart and brain—only then do we succeed in radiating outward what is within us and making an impression on the outer ether through the more intensely applied forces. And then the following occurs: When we project the etheric body of the physical organs outward, we project it into space. When we develop higher clairvoyance, we also work outward, but we project that part of ourselves which we build up between birth and death, so that it may prepare what develops within us between death and a new birth. We inscribe this into space; there we create an effect extending into the etheric world. And there we move toward that which is formed through these effects—the cosmic effects, the cosmic realities.

[ 24 ] Gerade darauf wird durch uns unausgesetzt hingearbeitet. Die Schrift «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» will das im eminentesten Sinne zum Ausdruck bringen, daß die rechten Wege gefunden werden, um eben nicht die niedere Wesenheit des Menschen durch ein berückendes Hellsehen zu finden, sondern um die Geheimnisse der Welt zu ergründen. Immer wieder wird darauf aufmerksam gemacht, daß dieses Hellsehen schwierig ist, daß es blaß auftritt, daß man sich erst durch große Anstrengungen derjenigen Kräfte, die die Kräfte sind des Menschen zwischen Geburt und Tod, zu dem wahren Hellsehen hin entwickelt, daß einem dann die Weltengeheimnisse sich enträtseln können. Wo diese Kräfte liegen, kann man sich vorstellen, wenn man sich einläßt auf dasjenige, was im Wiener Zyklus 1914 gesagt ist. Da ist von den Kräften gesprochen, die der Mensch zwischen Tod und neuer Geburt entwickelt, von den Kräften, für die es nur möglich ist, stammelnd Worte zu gebrauchen, weil die Worte ja für die physische Welt geprägt sind, und man nur durch Wortzusammensetzungen das herausbringt, was in der geistigen Welt ganz anders ist als in der physisch-sinnlichen Welt. Aber die Menschen finden es bequemer, in der geistigen Welt sich auch nichts anderes vorzustellen als eine Art Fortsetzung der physischen Welt, nur etwas dünner, etwas flüchtiger. Die Menschen fänden es bequem, in der geistigen Welt die Gestalten auch herumgehen zu sehen wie in der physischen Welt; aber sie finden es unbequem, daß man sich eine neue Art des Auffassens angewöhnen muß, wenn man in die geistige Welt eintreten will. All das soll Ihnen beweisen, daß nicht nur das menschliche Verstehen, sondern vor allen Dingen der menschliche Wille sich sträubt gegen dasjenige, was Geisteswissenschaft jetzt in unserer Zeit in die Welt bringen muß. Wir können wirklich sagen: Nicht bloß deshalb, weil die Menschen heute noch in weiten Kreisen Geisteswissenschaft nicht verstehen, weisen sie sie zurück, sondern weil sie sie nicht wollen, weil es ihnen im Grunde genommen schrecklich ist, daß die Welt so ist, wie Geisteswissenschaft sie darstellen will und muß.

[ 24 ] This is precisely what we are constantly striving toward. The book *How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?* aims to express, in the most profound sense, that the right paths must be found—not to reveal the lower nature of the human being through enchanting clairvoyance, but to fathom the mysteries of the world. It is repeatedly pointed out that this clairvoyance is difficult, that it appears faintly, that one develops toward true clairvoyance only through great efforts of those forces that are the forces of the human being between birth and death, and that the mysteries of the world can then be unraveled. One can imagine where these forces lie by considering what was said in the 1914 Vienna Cycle. There, the text speaks of the forces that a human being develops between death and a new birth—forces for which one can only use stammering words, since words are, after all, coined for the physical world, and one can only express, through combinations of words, what in the spiritual world is entirely different from the physical-sensory world. But people find it more comfortable to imagine the spiritual world as nothing other than a kind of continuation of the physical world, only somewhat more ethereal, somewhat more fleeting. People would find it comfortable to see figures walking about in the spiritual world just as they do in the physical world; but they find it uncomfortable that one must accustom oneself to a new way of perceiving things if one wishes to enter the spiritual world. All of this is meant to prove to you that not only human understanding, but above all the human will, resists what spiritual science must now bring into the world in our time. We can truly say: It is not merely because people today, in large numbers, do not understand spiritual science that they reject it, but because they do not want it—because, deep down, they find it terrifying that the world is as spiritual science seeks and must portray it.

[ 25 ] Ein besonders wichtiger Begriff ist derjenige, den man von Weisheit und von Bewußtheit haben muß, wenn man das Erleben zwischen Tod und neuer Geburt verstehen will. Im Grunde genommen kann man gar nicht sagen, der Mensch, der durch die Pforte des Todes gegangen ist, habe kein Bewußtsein und sein Bewußtsein müsse erst erwachen. Das ist nicht einmal richtig, sondern richtig ist, daß er ein zu starkes Bewußtsein hat, wenn er durch die Pforte des Todes gegangen ist, daß er von Bewußtsein ganz umflutet ist, daß er sich nicht auskennt, daß er ganz betäubt ist von dem geistigen Sonnenlicht des Bewußtseins und erst anfangen muß sich zu orientieren, wie ich es ja des näheren ausgeführt habe in dem eben erwähnten Zyklus. Hier auf der Erde müssen wir uns Weisheit notdürftig erwerben; drüben aber sind wir von Weisheit allseitig umflossen, da müssen wir sie dämpfen, daß wir sie anschauen können. Die Teile, die wir herabgedämpft haben bis zur menschlichen Schwäche, die sind es, die wir anschauen können. So müssen wir uns erst hineinfinden in das Herabdämpfen unseres Bewußtseins, bis wir uns zurechtfinden können. Dies ist etwas, was einem ganz besonders bemerkenswert vor Augen tritt, wenn man die Erscheinungen wirklich betrachtet. Sehen Sie, man versucht dann allmählich die Worte so zu prägen, daß sie ordentlich ausdrücken diese Erscheinungen. Vor nicht langer Zeit ist ein liebes Mitglied unserer Gesellschaft in Zürich gestorben. Das Karma hat es dahin gebracht, daß, obwohl ich das Mitglied noch habe sehen wollen im physischen Leben, ich zu spät gekommen bin und es nicht mehr sah. Dann aber hatten wir in Zürich nach einigen Tagen die Kremation. Ich war veranlaßt, bei dieser Kremation zu sprechen, und ich versuchte in Worte zu fassen dasjenige, was sich mir innerlich darstellte als das Wesen dieses unseres lieben Mitglieds. Ich versuchte mit einigen Worten festzuhalten dieses Wesen. Dann wurde die Kremation vollzogen. Und zu bemerken war nun, daß das erste orientierende Auftauchen aus dem überflutenden Bewußtsein heraus in dem Moment eintrat, als der Körper überging in die Verbrennung, als scheinbar die Flamme, in Wirklichkeit die Wärme diesen Körper ergriff. In diesem Moment stand vor der Seele der Hingestorbenen die Szene, die wir vorher gehabt hatten. Vorher hatte sie, während der Bestattungsrede, nicht daran teilgenommen, aber hinterher, als die Verbrennung anfing, da blickte sie zurück. Und wie man im physischen Leben den Raum vor sich hat, so sieht der Tote die Dinge in der Zeit. Was vergangen ist, ist neben dem Toten. Er sieht die Szenen vor sich stehen. Die Zeit wird wirklich zum Raume. Das Vergangene ist nicht vergangen, es bleibt da, es wird angeschaut. Dann ging die Tote wieder hinab in ein allgemeines Betäubtsein, und es dauert dann längere Zeit, bis das Orientieren stattfindet. Aber es bereiten sich solche Momente vor, man möchte sagen, lichte Augenblicke, die dann weiter verarbeitet werden. Dann kommt wieder ein Untertauchen in die allgemeine Überflutung des Bewußtseins, bis später ein vollständiges Orientieren eintritt.

[ 25 ] A particularly important concept is the one concerning wisdom and consciousness that one must grasp if one wishes to understand the experience between death and rebirth. Strictly speaking, one cannot say that a person who has passed through the gate of death has no consciousness and that their consciousness must first awaken. That is not even correct; rather, the truth is that once they have passed through the gate of death, they possess an overwhelming consciousness—they are completely engulfed by it—they are disoriented, and they are utterly dazed by the spiritual sunlight of consciousness, and must first begin to find their bearings, as I have explained in greater detail in the cycle I just mentioned. Here on Earth, we must acquire wisdom as best we can; but on the other side, we are surrounded on all sides by wisdom, and there we must temper it so that we can contemplate it. The aspects that we have tempered down to human frailty are the very ones we can contemplate. So we must first find our way into the process of toning down our consciousness until we can find our bearings. This is something that becomes particularly striking when one truly observes these phenomena. You see, one then gradually tries to shape words so that they properly express these phenomena. Not long ago, a dear member of our society in Zurich passed away. Karma had it that, although I had wanted to see this member one last time in physical life, I arrived too late and did not see them. But then, a few days later, we held the cremation in Zurich. I was asked to speak at this cremation, and I tried to put into words what appeared to me inwardly as the essence of our dear member. I tried to capture this essence in a few words. Then the cremation was carried out. And it was noticeable that the first orienting emergence from the overwhelming consciousness occurred at the very moment the body was consumed by the fire—when, seemingly the flame, but in reality the heat, took hold of the body. At that moment, the scene we had witnessed earlier stood before the soul of the deceased. Before, during the eulogy, she had not been present, but afterward, as the cremation began, she looked back. And just as in physical life one perceives space before oneself, so does the deceased perceive things in time. What has passed lies beside the deceased. She sees the scenes standing before her. Time truly becomes space. The past is not past; it remains there, it is beheld. Then the deceased sank back into a general state of numbness, and it takes quite some time for orientation to take place. But such moments—one might say, moments of clarity—are preparing themselves, and they are then further processed. Then comes another immersion into the general flood of consciousness, until, later, complete orientation sets in.

[ 26 ] Und so muß man sagen, daß es ein wichtiger Begriff ist, der die Weisheit, die Bewußtheit in anderer Weise denkt nach dem Tode als vor dem Tode. Es ist nicht so, daß uns ein Grad von Bewußtheit erst erwachsen müsse nach dem Tode, sondern es muß das unermeßliche Bewußtsein bis zu einem gewissen Grade herabgedämpft werden. Das müssen wir beachten. Und dann müssen wir ernst machen, richtig ernst machen mit der Erkenntnis, daß für die Wahrheit die Dinge oftmals gerade umgekehrt liegen gegenüber dem, was sich äußerlich darstellt. Ich habe das ja schon öfter veranschaulicht an einem Beispiel. Ein Mensch geht am Rande eines Baches, er fällt hinein in den Bach und ertrinkt. Wir gehen ihm nach und finden ihn ertrunken, und an der Stelle, wo er in den Bach hineingefallen ist, finden wir einen Stein. Wir können dann mit vollem Recht den Schluß ziehen, der Mensch sei über den Stein in den Bach hineingefallen und dadurch ertrunken. Wenn wir nichts weiter tun, kommen wir zu keiner anderen Anschauung. Hier kann aber mit Bezug auf die physischen Tatsachen die Tatsachenlogik falsch sein. Bei der Sektion kommen wir vielleicht darauf, daß den Menschen der Schlag getroffen hat, und daß er infolgedessen ins Wasser gefallen ist, daß also Ursache und Wirkung sich umkehren. Wir meinten, der Mensch ist tot, weil er ins Wasser fiel; in Wirklichkeit ist er ins Wasser gefallen, weil er tot war. Da war in bezug auf die äußeren Tatsachen die Logik falsch. So können wir oft gar nicht zurechtkommen mit der Logik für die äußere Maja.

[ 26 ] And so one must say that it is an important concept that conceives of wisdom and consciousness in a different way after death than before death. It is not that a certain degree of consciousness must first develop in us after death, but rather that the immeasurable consciousness must be tempered to a certain degree. We must bear this in mind. And then we must take it seriously—truly seriously—the realization that, when it comes to the truth, things are often exactly the opposite of what appears on the surface. I have illustrated this many times before with an example. A person is walking along the bank of a stream, falls into the stream, and drowns. We go after him and find him drowned, and at the spot where he fell into the stream, we find a stone. We can then quite rightly conclude that the person fell into the stream over the stone and thereby drowned. If we do nothing further, we will not arrive at any other conclusion. Here, however, with regard to the physical facts, factual logic may be incorrect. During the autopsy, we might discover that the man suffered a stroke and consequently fell into the water—meaning that cause and effect are reversed. We thought the person was dead because he fell into the water; in reality, he fell into the water because he was dead. In this case, the logic was incorrect with regard to the external facts. Thus, we often cannot make sense of the logic of external Maya.

[ 27 ] Nehmen wir den Fall, den wir im Herbst zu unserem Schmerz in Dornach erlebt haben. Das Söhnlein eines Mitgliedes gerade des hiesigen Zweiges, der in Dornach ansässig geworden ist, das siebenjährige Söhnchen wurde eines Abends vermißt. Und nachdem man sich klar geworden war, daß das Kind unter einem umgefallenen Möbelwagen liegen könnte, mußte mitten in der Nacht der Wagen gehoben werden, und der kleine Theo Faiß wurde unter diesem Wagen hervorgezogen, tot. Was war geschehen? Dort in der Gegend fährt sonst kein Möbelwagen, fährt überhaupt kein Wagen. Es ist der äußerste Ausnahmefall, daß da ein Wagen fährt. Es ist lange vorher und nachher keiner gefahren. Und der kleine Theo hat sonst immer, was er zu holen hatte, eine Viertelstunde früher geholt. An jenem Abend war er veranlaßt worden, eine Viertelstunde zu warten. Er hätte auch, während er an der linken Seite des Wagens gegangen ist, an der rechten Seite gehen können, aber man hatte ihn veranlaßt, zu einem anderen Ausgang hinauszugehen als sonst. Alles hat sich so zusammengezogen, daß es auf die Sekunde hin sich so abgespielt hat, daß der Knabe gerade just unter diesen Wagen kam. Untersucht man den Fall geistig in seinem karmischen Zusammenhang, dann hat sich die Seele des Knaben diesen Wagen bestellt, um den Tod zu finden in diesem Zeitpunkt; da war das alles so eingerichtet, da ist das physische Ereignis eine Folge der geistigen Zusammenhänge. Dann begreift man die Dinge in einer ganz anderen Weise, dann versteht man allerdings auch den Zusammenhang zwischen dem, was geschehen ist, und dem weiteren Verlauf nach dem Tode. Der kleine Theo hatte ja einen Ätherleib, den er im normalen Leben noch siebzig, achtzig Jahre und noch länger hätte haben können. Das alles geht ja nicht verloren, das bleibt da. Ein Ätherleib von einem siebenjährig gestorbenen Kinde hat noch die Kräfte in sich, die verwendet worden wären im Leben, die sind in der geistigen Welt vorhanden. Und das ist auch denjenigen, die mit der Ätheraura unseres Baues zu tun haben, sehr wohl bemerklich; denn da ist der Ätherleib des kleinen Knaben seit dem Tode drinnen, da sind die Kräfte, die starken geistigen Kräfte dieses klugen, lieben, gutgearteten Knaben. Das sind Hilfs- und Helferkräfte desjenigen, was mit der Aura des Dornacher Baues zusammenhängt.

[ 27 ] Let us consider the incident that occurred in Dornach this fall, much to our sorrow. The young son of a member of this very branch, who had settled in Dornach—the seven-year-old boy—went missing one evening. And once it became clear that the child might be lying under an overturned moving truck, the truck had to be lifted in the middle of the night, and little Theo Faiß was pulled out from under it, dead. What had happened? No moving trucks usually drive in that area—in fact, no vehicles drive there at all. It is an extremely rare occurrence for a vehicle to be driving there. No one had driven by long before or after that. And little Theo had always, whenever he had something to fetch, gone to get it a quarter of an hour early. That evening, he had been told to wait a quarter of an hour. He could also have walked on the right side of the truck instead of the left, but he had been told to exit through a different exit than usual. Everything came together in such a way that, down to the second, the boy happened to end up directly beneath that car. If one examines the case spiritually in its karmic context, then the boy’s soul had summoned this car in order to meet his death at that precise moment; everything was arranged that way, and the physical event is a consequence of spiritual connections. Then one grasps things in an entirely different way; then one also truly understands the connection between what happened and the further course of events after death. Little Theo, after all, had an etheric body that he could have retained for another seventy or eighty years—or even longer—in normal life. None of that is lost; it remains there. The etheric body of a child who died at the age of seven still contains the forces that would have been used in life; they are present in the spiritual world. And this is also very much noticeable to those who have to do with the etheric aura of our building; for the little boy’s etheric body has been there since his death—there are the forces, the strong spiritual forces of this intelligent, dear, good-natured boy. These are supporting forces and helping forces connected with the aura of the Dornach building.

[ 28 ] So hängen geistige und physische Wirkungen zusammen. Die Zeiten sind nicht vergangen, wo man hinblicken mußte auf die geistigen Welten bei dem, was in der physischen Welt geschieht; die Zeiten sind noch immer da. Einiges beginnen wir zu begreifen durch unsere Geisteswissenschaft. Vieles aber ist darin, wozu wir Hilfskräfte brauchen von denen, die mit unverbrauchten Ätherkräften fortgehen aus dem physischen Leben. Denken Sie an die Tausende und Tausende, die draußen auf den großen Feldern der ernsten Zeitereignisse heute durch die Pforte des Todes gehen, durchwegs Menschen mit unverbrauchten Ätherleibern. Das alles sind geistige Kräfte, die noch lange hätten wirksam sein können, wenn die betreffenden Menschen in der physischen Welt geblieben wären. Für die Physik erkennt man heute schon an, daß keine Kraft verlorengeht. Im eminentesten Sinne ist dieses Gesetz von der Erhaltung der Kraft aber in der geistigen Welt vorhanden. Die Kräfte, die ein Ätherleib hat, um ein Leben zwischen Geburt und Tod bis zum achtzigsten, neunzigsten Jahre zu versorgen, die gehen nicht verloren, wenn jemand früh durch die Pforte des Todes geht. Die Kräfte sind da. Neben dem, was durch das Ich und den Astralleib in die geistige Welt eingeht und für die Individualität einen Wert hat, hat der Ätherleib einen allgemeinen Wert für dasjenige, was übergeht in die allgemeine Aura der Menschen-Erdenentwickelung. So können wir hinaufschauen zu den frischen, volikräftigen,. unverbrauchten Ätherleibern, die hinunterwirken aus den geistigen Welten in die kommenden Zeiten.

[ 28 ] This is how spiritual and physical effects are connected. The times when we had to look to the spiritual worlds to understand what happens in the physical world are not over; those times are still with us. We are beginning to understand some of this through our spiritual science. But there is much in this realm for which we need the assistance of those who depart from physical life with their etheric bodies still intact. Think of the thousands upon thousands who, out there in the vast fields of today’s momentous events, are passing through the gate of death—all of them people with unspent etheric bodies. These are all spiritual forces that could have remained active for a long time had the people in question remained in the physical world. In physics, it is already recognized today that no force is ever lost. In the most eminent sense, however, this law of the conservation of force is present in the spiritual world. The forces that an etheric body possesses to sustain a life between birth and death up to the age of eighty or ninety are not lost when someone passes through the gate of death prematurely. The forces are still there. In addition to what enters the spiritual world through the “I” and the astral body and has value for the individual, the etheric body has a general value for that which passes into the general aura of human-earth evolution. Thus we can look up to the fresh, full of vitality, and unspent etheric bodies that work their way down from the spiritual worlds into the times to come.

[ 29 ] So wie wir heute vielfach sehen, daß Tote mitkämpfen mit den Lebenden, so sehen wir auf der anderen Seite das ätherische Feld, die elementarische Welt durchsetzt mit Kräften, mit starken Menschenkräften, welche erworben werden in hoher Zuversicht in dem Glauben an ideelle Menschheitsziele, weiche zurückgelassen werden von Menschen, die mit diesem Glauben durch die Pforte des Todes gegangen sind. Diejenigen, welche später leben werden, die werden aber hinaufschauen müssen zu diesen unverbrauchten Ätherkräften, die fortwirkend sein werden. Diese Ätherkräfte Frühverstorbener, sie werden ganz sicher verlangen, daß sie nicht umsonst den Übergang gefunden haben in die geistige Welt und von dort aus herunterschauen. Sie werden verlangen, daß sie wirklich ihren Teil beitragen können zur Neugestaltung der geistigen Erdenwelt, welche von der Menschheit verlangt wird. Wie Mahner sind sie da, diese Ätherleiber, Mahner, die da sagen: Wir sind in die geistige Welt gegangen, damit euch von hier aus Kräfte, die in eure Herzen und Seelen gehen können, zufließen können, mit denen ihr noch stärker arbeiten könnet für den im geisteswissenschaftlichen Sinne gehaltenen Fortschritt der Erdenentwickelung. — Zusammenwirken des Leiblichen mit dem Geistigen, wir müssen es verstehen, nicht nebulos, verschwommen, sondern als konkrete geistige Verbindung zwischen den Menschen, die hier auf Erden im physischen Leibe leben und den Seelen, die hinaufgegangen sind in die geistige Welt. Eine Gemeinsamkeit wird da sein, wenn wir die Tatsachen verstehen und uns richtig erfüllen mit dem, was die Geisteswissenschaft geben kann. Ja wahrhaftig, die Einsicht in den Zusammenhang zwischen Geistigem und Physischem, sie kann uns in der richtigen Weise stellen auch zu dem großen Ernste unserer Zeit, und uns ganz fühlen lassen, wie dasjenige, was geschieht, nur allein wird gerechtfertigt werden können von uns vor der Zukunft, wenn es genommen wird zum Anlasse eines großen, bedeutsamen Menschheitsringens und Menschheitsarbeitens auch auf dem physischen Plan. Erfüllen muß sich dasjenige, was wir schon gestern betonten, aus dem richtigen Verständnis zwischen geistiger und physischer Welt, erfüllen muß sich dasjenige, was in den Worten liegt:

[ 29 ] Just as we often see today that the dead continue to fight alongside the living, so too do we see, on the other hand, the etheric field—the elemental world—interwoven with forces, with powerful human forces acquired through deep confidence in the belief in ideal human goals, which are left behind by people who have passed through the gate of death with this belief. Those who will live later, however, will have to look up to these untapped etheric forces, which will continue to exert their influence. These etheric forces of those who have died prematurely will most certainly demand that their passage into the spiritual world—from where they look down upon us—not have been in vain. They will demand that they truly be able to contribute their share to the reshaping of the spiritual world on Earth, which is required of humanity. These etheric bodies are there as admonishers—admonishers who say: We have gone into the spiritual world so that forces may flow to you from there—forces that can enter your hearts and souls—with which you can work even more strongly for the progress of Earth’s development, as understood in the spiritual-scientific sense. — The interplay of the physical and the spiritual—we must understand it, not in a nebulous or vague way, but as a concrete spiritual connection between the people living here on Earth in physical bodies and the souls who have ascended into the spiritual world. A sense of common ground will emerge when we understand the facts and truly imbue ourselves with what spiritual science has to offer. Indeed, insight into the connection between the spiritual and the physical can also help us face the great gravity of our time in the right way, and allow us to fully feel how what is happening will only be justifiable to the future if it is taken as an occasion for a great, significant human struggle and human endeavor, even on the physical plane. What we emphasized yesterday—based on a correct understanding of the relationship between the spiritual and physical worlds—must come to pass; what is contained in these words must come to pass:

Aus dem Mut der Kämpfer,
Aus dem Blut der Schlachten,
Aus dem Leid Verlassener,
Aus des Volkes Opfertaten
Wird erwachsen Geistesfrucht —
Lenken Seelen geist-bewußt
Ihren Sinn ins Geisterreich.

From the courage of the fighters,
From the blood of the battles,
From the suffering of the forsaken,
From the sacrifices of the people
The fruit of the spirit grows—
Guiding souls, spiritually aware,
Toward the realm of the spirits.