The Spiritual Background of World War I
GA 174b
22 November 1915, Stuttgart
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The Spiritual Background of World War I, tr. SOL
Vierter Vortrag
Fourth Lecture
[ 1 ] Es sind ja durch die großen Ereignisse der Zeit schon viele derjenigen Seelen, die ihr Streben dem unsrigen verbunden haben, durch die Pforte des Todes gegangen. Wie ich bereits im Verlaufe dieser kriegerischen Zeiten hier von diesem Orte Ihnen andeuten durfte: gerade durch dasjenige, was mit diesen Seelen erlebt worden ist, hat es sich bestätigen können, daß die Seelen, die aus dem Kampfe heraus durch die Pforte des Todes gegangen sind, weiterhin mitleben dasjenige, was die große Zeit von ihnen fordert. Sie leben verbunden mit dem Geiste ihres Volkes, sie kämpfen weiter mit den geistigen Waffen. Gerade das aber, meine lieben Freunde, obliegt uns insbesondere diesen. Seelen gegenüber: unsere liebenden Gedanken, unsere innigsten, uns in Liebe mit ihnen verbindenden Impulse zu vereinigen. Es wird, wenn der Sturm der Ereignisse vorbei ist — in den ja insbesondere diese Seelen, auch wenn sie schon durch die Pforte des Todes gegangen sind, hineinverflochten sind, allerdings im besten Sinne —, oder wenn die Zeit überhaupt geeignet ist, die Möglichkeit kommen, gerade mit jenen Gedanken und Vorstellungen, die uns beseelen müssen für diese teuren Toten, deren Totenfest zu begehen.
[ 1 ] Indeed, due to the great events of our time, many of those souls who have united their aspirations with ours have already passed through the gates of death. As I have already hinted to you from this place during these times of war: it is precisely through what has been experienced with these souls that it has been confirmed that the souls who have passed through the gate of death in the midst of battle continue to live out what this great era demands of them. They live in union with the spirit of their people; they continue to fight with spiritual weapons. But this, my dear friends, is what falls to us in particular with regard to these souls: to unite our loving thoughts and our most heartfelt impulses that bind us to them in love. When the storm of events has passed—in which these souls in particular are intertwined, even though they have already passed through the gate of death, albeit in the best sense—or when the time is right, the opportunity will arise to commemorate these dear departed with precisely those thoughts and ideas that must inspire us.
[ 2 ] Auch sonst hat gerade in dieser sturmbewegten Zeit die Macht des Todes ihre Mahnungen ausgebreitet innerhalb unserer Reihen. Gerade am heutigen Tage haben wir den Elementen der Erde übergeben die irdische Hülle unserer lieben Freundin Sophie Stinde. Zahlreiche Seelen auch aus dieser Stadt werden sich ja im tiefsten Sinne mit dieser, einer der treuesten Mitarbeiterinnen innerhalb unserer Reihen, tief verbunden fühlen. Es wird, wenn ich in den nächsten Tagen in München in der Lage sein werde zu sprechen, zu meinen Pflichten gehören — aber zu den Pflichten, die in tiefster Liebe geleistet werden —, auch noch innerhalb unserer Geistesströmung der teuren Sophie Stinde zu gedenken.
[ 2 ] Even in other ways, especially during these turbulent times, the power of death has sent its warnings throughout our ranks. Just today, we entrusted the earthly remains of our dear friend Sophie Stinde to the elements of the earth. Numerous souls, including many from this city, will surely feel a deep connection—in the truest sense—to her, one of the most loyal collaborators within our ranks. When I am able to speak in Munich in the coming days, it will be among my duties—but duties performed with the deepest love—to commemorate our dear Sophie Stinde within our spiritual movement as well.
[ 3 ] In vieler Beziehung, meine lieben Freunde, sind wir so an dasjenige gemahnt worden, was ja, all die anderen Lebensrätsel wie zusammenfassend, in der Mitte vieler Rätselfragen des Daseins steht: an den Tod. An den Tod, der oftmals so schmerzvoll, immer aber so rätselhaft gerade für diejenigen, die für Lebensrätsel Empfindung haben, sich hineinstellt in das irdische Dasein, und der innerhalb des irdischen Daseins selber etwas ist, was seine Aufklärung niemals durch dieses irdische Dasein selber finden kann. Es ist gewiß im tiefsten Sinne begründet, wenn die beiden Gedanken zusammengebracht werden, welche einmal gebracht wurden in dem Thema auch eines der öffentlichen Vorträge «Das Geheimnis des Todes und die Rätsel des Lebens». Denn eine Betrachtung, welche sich über den Tod ergeht, bezieht sich nicht, wie so manche gerade im materialistischen Lager glauben, nur auf etwas, was dem Erdenleben ferne steht, was den Erdenmenschen eigentlich nichts angeht. Sondern auch eine Weltanschauungsbetrachtung über den Tod bringt aus den Tiefen des Daseins solche Erkenntnisse heraus, welche, gerade vom 'Todesgeheimnis aus, das Leben auch hier auf der Erde zu einem starken, zu einem sinnvollen machen. Und deshalb muß man sich auch nicht vom Gesichtspunkte der Weltanschauung aus abhalten lassen, gerade zur Erklärung, zur Aufhellung des Lebens an das Rätsel, an das Geheimnis des Todes heranzugehen.
[ 3 ] In many ways, my dear friends, we have been reminded of that which—as if summarizing all the other mysteries of life—stands at the center of the many enigmas of existence: death. Death, which so often intrudes upon earthly existence in such a painful, yet always enigmatic way—especially for those who are sensitive to life’s mysteries—and which, within earthly existence itself, is something that can never be fully understood through that existence alone. It is certainly well-founded in the deepest sense to bring together these two thoughts, which were once presented in the topic of one of the public lectures, “The Mystery of Death and the Riddles of Life.” For a contemplation that addresses death does not, as many—especially in the materialist camp—believe, refer only to something remote from earthly life, something that is actually none of the earthly human being’s concern. Rather, a worldview-based contemplation of death draws from the depths of existence such insights that—precisely through the ‘mystery of death’—make life here on earth a powerful and meaningful one. And that is why one must not allow oneself to be deterred, even from a worldview perspective, from approaching the enigma and mystery of death precisely in order to explain and shed light on life.
[ 4 ] Und so sei denn in dieser Zeit, wo der Tod auf der einen Seite uns gerade im letzten Jahr so viel auch in unseren Reihen nahegestanden hat, und wo er außerdem so hundertfältig uns entgegentritt durch die geschichtlichen Ereignisse, in denen wir stehen, das Geheimnis des Todes in die Betrachtungen dieser Tage in mancherlei Weltanschauungsfragen hineinverwoben. Wir können, indem wir an das Geheimnis des Todes herantreten, den Tod da betrachten, wo er sich sozusagen noch voll in das unmittelbare Leben hineinstellt. Der Tote selber nimmt ja Abschied von diesem Sinnenleben, er betritt eine neue Sphäre. Aber er bleibt vorhanden in dem Schmerze derer, die er verlassen hat; er bleibt vorhanden in den Gedanken, die in jenen leben, bei denen durch den Toten Gedanken, Empfindungen, Gefühle angeregt werden durften, solange der Tote unter den Lebenden weilte. Und es war nicht nur eine schöne, aus den tiefsten menschlichen Bedürfnissen hervorgehende Sitte, allüberall, wo das menschliche Herz nicht kalt und dürr ist, auch im allgemeinen für die Toten Feste anzusetzen, Totenfeste. Auch in unsere Zeit ragen sie herein, die Totenfeste, im Allerseelentag der Katholiken, in dem Totenfeste der evangelischen Konfession, und manches andere Totenfest ragt mehr oder weniger individuell auch in unsere Zeit herein. Wer sollte nicht das Gefühl haben, daß in dem Hereinragen dieser Totenfeste selbst eine materialistische Zeit ihren Tribut abträgt an das spirituelle Leben? Selbst wenn der Materialismus die Seelen schon so angefressen hat, daß sie es nur unbewußt tun: auch materialistische Seelen werden davor zurückschrecken, anders als mit vertiefter Seele, mit vertieftem Herzen an dasjenige heranzutreten, was sich mit den üblichen Totenfesten verbindet. Die Toten bleiben in dem, was die noch Lebenden für sie fühlen, empfinden und denken können, im Leben herinnen. Und so können wir auch, wenn wir den Tod im allerengsten Sinne betrachten, diese Betrachtung des Todes noch mitten im Leben beginnen.
[ 4 ] And so, especially in this time—when death has been so close to us, even within our own ranks, particularly in the past year, and when it also confronts us in so many ways through the historical events in which we find ourselves—let us weave the mystery of death into our reflections of these days on various questions of worldview. By approaching the mystery of death, we can contemplate death where it, so to speak, still fully intervenes in immediate life. The deceased himself takes leave of this sensory life; he enters a new sphere. But he remains present in the grief of those he has left behind; he remains present in the thoughts of those in whom the deceased was able to stir thoughts, sensations, and feelings while he was still among the living. And it was not merely a beautiful custom, springing from the deepest human needs, to hold festivals for the dead—festivals of remembrance—everywhere where the human heart is not cold and barren. These festivals of the dead extend into our own time as well—in the Catholic All Souls’ Day, in the Protestant festival of the dead, and many other such festivals extend into our time in more or less individual ways. Who would not feel that, in the very fact that these festivals of the dead extend into our time, even a materialistic age pays tribute to spiritual life? Even if materialism has already so corroded souls that they do so only unconsciously, even materialistic souls will shrink from approaching what is associated with the customary festivals of the dead in any way other than with a deepened soul and a deepened heart. The dead remain alive in what the living can feel, sense, and think for them. And so, even when we contemplate death in the strictest sense, we can begin this contemplation of death right in the midst of life.
[ 5 ] Wir wissen ja aus den allgemeinen Betrachtungen, die durch viele Jahre hindurch gepflogen worden sind, daß wir niemals sagen dürfen: Hier steht die physisch-sinnliche Welt, und abgesondert von ihr steht die geistige Welt. — Die physisch-sinnliche Welt reicht in die geistige Welt hinauf, und die geistige Welt reicht in die physisch-sinnliche Welt herunter. Und wenn auch die äußeren Sinne des Menschen die physisch-sinnliche Welt nur im Sinnensein sehen, so ist doch, wie die Luft im groben Sinne sich unmittelbar ausbreitet, der Geist allüberall ausgebreitet und durchwellt und durchwogt alles das, was der Mensch im physischen Leben mit normalen Sinnen eben nur sinnlich sieht. Und diejenigen, die durch die Pforte des Todes hindurchgegangen sind, die in der geistigen Welt sind, ragen herein in unsere sinnliche Welt mit ihren Impulsen und Kräften. So daß wir sagen können: Wenn auch hinter der Schwelle des normalen Bewußtseins das Band liegt, das die im physischen Leibe Lebenden mit den im Geiste lebenden Toten verbindet, so ist dieses Band doch ein reales. Und demjenigen, der in Geisteswissenschaft sich vertieft, muß so manches Rätsel aufgehen, das notwendig gelöst werden muß, um das Leben zu verstehen da, wo es verstanden werden muß nicht vom theoretischen, sondern vom Lebensstandpunkt aus selber, von dem Lebensstandpunkt aus, den nicht nur das Denken, den die Seele in ihrem ganzen Inhalt und in ihrem ganzen Umfange einnimmt.
[ 5 ] We know from the general reflections that have been made over many years that we must never say: Here is the physical-sensory world, and separate from it stands the spiritual world. — The physical-sensory world extends upward into the spiritual world, and the spiritual world extends downward into the physical-sensory world. And even though human beings’ external senses perceive the physical-sensory world only through sensory perception, just as air in the gross sense spreads out immediately, so too is the spirit spread out everywhere, permeating and surging through everything that human beings, in their physical life and with their normal senses, perceive merely through the senses. And those who have passed through the gate of death—those who are in the spiritual world—reach into our sensory world with their impulses and forces. So that we can say: Even though the bond that connects those living in the physical body with the dead who live in the spirit lies beyond the threshold of normal consciousness, this bond is nonetheless a real one. And for those who delve deeply into spiritual science, many a mystery must be unraveled—mysteries that must necessarily be solved in order to understand life where it must be understood, not from a theoretical standpoint, but from the standpoint of life itself—from the standpoint of life that encompasses not only thought, but the soul in its entirety and in its full scope.
[ 6 ] Versuchen wir uns das, was wir uns ja aus dem gewöhnlichen Leben klarmachen können in bezug auf den Tod, einmal vorzustellen. Der Tote geht von uns fort. Was sich äußerlich ändert, ist, daß unsere Augen ihn nicht mehr sehen, daß wir unseren Händedruck nicht mehr mit ihm tauschen können, unsere Worte gehen nicht mehr von uns zu ihm, von ihm zu uns. Das, was von seinen Gefühlsströmen als Wärme in unser Herz sich ergossen hat, strömt nicht mehr in der sinnlichen Welt zu uns. Er hat uns während der Zeit, in der wir mit ihm zusammenleben konnten, mit Hilfe seines sinnlichen Leibes, desjenigen, womit er sich umkleidet hat in der physischen Welt, das Bild immer von neuem vorgezaubert, das wir von ihm haben konnten. Die eingetretene Veränderung besteht darin, daß wir nun, wenn die Seele, der wir nahegestanden haben, durch die Pforte des Todes von uns gegangen ist, nicht mehr die Hilfe haben für unsere Verbindung mit dieser Seele, die dadurch bewirkt wird, daß das Bild dieses Menschen mit Hilfe der sinnlichen Impulse, die von ihm ausgehen, in uns erzeugt wird mit alledem, was es wachruft an Empfindungen, Gefühlen, Willensimpulsen, an Liebefähigkeit, an Sympathie und Antipathie. Was von diesem Zeitpunkte an, wo die Seele von uns durch die Pforte des Todes hinweggeschritten ist, in uns weiterlebt, ist das Bild, das nun in uns selber sein muß, das uns innerlich durchdringt. Wenn wir dieses Bild aus der Imagination, als welche es ja fortlebt in unserem Ätherleibe, insbesondere aber im Astralleibe und im Ich — was uns allerdings im normalen Bewußtsein unbewußt bleibt —, wenn wir dieses zum Bewußtsein des physischen Daseins erheben wollen, so müssen wir es von innen heraus erstehen lassen. Das, was wir bewahrt haben in uns von unserem Verhältnis zu dem Toten, müssen wir aus dem innersten Seelengrund, das heißt aus dem Ich und Astralleib ergießen in die Teile unseres Menschenwesens, die uns das Bewußtsein und die Vorstellung erzeugen: in den Ätherleib und physischen Leib.
[ 6 ] Let’s try to imagine what we can understand about death from our everyday lives. The deceased leaves us. What changes outwardly is that our eyes no longer see him, that we can no longer exchange a handshake with him, and that our words no longer flow from us to him or from him to us. What flowed from their emotional currents into our hearts as warmth no longer flows to us in the sensory world. During the time we were able to live with them, with the help of their physical body—the one with which they clothed themselves in the physical world—they constantly conjured up anew the image we were able to have of them. The change that has taken place consists in the fact that now, when the soul to whom we were close has passed through the gate of death, we no longer have the support for our connection with this soul that is brought about by the image of this person being created within us through the sensory impulses emanating from him—with all that this evokes in terms of sensations, feelings, impulses of will, capacity for love, sympathy, and antipathy. What continues to live within us from the moment the soul has passed beyond us through the gate of death is the image that must now exist within us, permeating us from within. If we wish to raise this image—which lives on in our etheric body, but especially in the astral body and the “I,” though this remains unconscious to us in normal consciousness—to the level of consciousness of our physical existence, we must allow it to arise from within. What we have preserved within ourselves from our relationship with the deceased, we must pour forth from the innermost depths of the soul—that is, from the “I” and the astral body—into those parts of our human being that give rise to consciousness and perception: into the etheric body and the physical body.
[ 7 ] Als die Seele, die durch die Pforte des Todes gegangen ist, noch bei uns war, erzeugte sie noch das Bild; das Bild strahlte uns von außen an, wir brauchten mit dem, was unsere Seele zu geben hat, nur dem Bild entgegenzukommen. Wenn der Tote von uns gegangen ist, dann sind wir darauf angewiesen, selber dasjenige, was wir von ihm bewahrt haben, in unsere äußere Menschenhülle hineinzugießen, damit der Begriff, die Vorstellung, das Bild von ihm vor unsere Seele treten kann. Uns unterstützt dann nicht mehr — wie bei der Erinnerung an den Bekannten, der noch im Leben auf der Erde weilt — der Gedanke, daß wir diese Erinnerung nicht als einziges haben, daß wir ihn auch noch äußerlich erblicken können. Das ist für uns eben der gewaltige Einschnitt, daß wir uns von nun an, solange wir nicht selber durch die Pforte des Todes gegangen sind, auf die Erinnerung angewiesen sehen.
[ 7 ] When the soul that had passed through the gate of death was still with us, it still created the image; the image shone upon us from the outside, and we need only respond to it with what our own soul has to offer. Once the deceased has left us, we are then dependent on pouring what we have preserved of them into our outer human shell ourselves, so that the concept, the idea, the image of them can come before our soul. We are then no longer supported—as we are when remembering an acquaintance who is still living on earth—by the thought that this memory is not the only one we have, that we can also see him outwardly. This is precisely the profound turning point for us: that from now on, as long as we ourselves have not passed through the gate of death, we find ourselves dependent on memory.
[ 8 ] Diese Erinnerung an unbewußte Kräfte in uns kann ja nimmermehr ausgelöscht werden in unseren tiefen Seelengliedern, im Ich und Astralleib. Und wenn wir des Nachts in den Schlaf hineingehen, wenn aus unserem gewöhnlichen Tagesbewußtsein die Eindrücke der physischen Außenwelt versinken, wenn versinken alle die Gedanken, die wir vom Aufwachen bis zum Einschlafen haben können, dann leuchten auf in dem, was wir in unserem Ich und Astralleibe aus unserem Leibe heraustragen, die Imaginationen, die lichten Bilder derjenigen Persönlichkeiten, mit denen wir verbunden waren und die von uns hinweggegangen sind durch die Pforte des Todes. In dem Teile unseres Wesens, der in uns lebt vom Einschlafen bis zum Aufwachen, da leben die Toten mit uns, wie die Lebendigen der Erde mit uns leben vom Aufwachen bis zum Einschlafen. Unser waches Tagesbewußtsein verdanken wir eben dem Umstand, daß wir mit unserem physischen Leibe, der uns mit dem Ätherleibe zusammen das Tagesbewußtsein vermittelt, durch vier Stadien unserer Erdenentwickelung gegangen sind. Und es entzieht sich uns das nächtliche Bewußtsein aus dem Grunde, weil unser Ich ja erst während der Erdenentwickelung in uns eingezogen ist und der Astralleib erst während der Mondenentwickelung. Was wir erleben können, wenn wir unsere Toten erheben in das Ich und den Astralleib, das werden wir erst in späteren Epochen unserer Erdenentwickelung so erleben wie jetzt das Leben der Lebendigen der Erde, das heißt im normalen, wachen Tagesbewußtsein. Das Ich ist das jüngste Glied, das muß sich erst durchringen zu einem Bewußtsein, welches so Wachbewußtsein sein kann wie das jetzige Tagesbewußtsein, das dadurch errungen, verursacht wird, daß unser Ich und Astralleib verbunden sind mit dem physischen und Ätherleib. Der physische Leib ist durch vier Stadien der Erdenentwickelung gegangen, der Ätherleib ist durch drei Stadien gegangen, der Astralleib aber nur durch zwei Stadien, und das Ich ist erst durch ein Stadium gegangen.
[ 8 ] This memory of the unconscious forces within us can never be erased from the deepest parts of our soul—the “I” and the astral body. And when we drift off to sleep at night, when the impressions of the physical external world fade from our ordinary daytime consciousness, when all the thoughts we may have had from waking until falling asleep fade away, then, within what we carry out of our physical body into our ego and astral body, the imaginations—the luminous images—of those personalities with whom we were connected and who have passed away from us through the gate of death begin to shine. In that part of our being that lives within us from the moment we fall asleep until we wake up, the dead live with us, just as the living on Earth live with us from the moment we wake up until we fall asleep. We owe our waking daytime consciousness precisely to the fact that we have passed through four stages of our earthly evolution with our physical body, which, together with the etheric body, mediates our daytime consciousness. And our nocturnal consciousness eludes us for the very reason that our “I” only took up residence within us during Earth’s evolution, and the astral body only during the Moon’s evolution. What we will be able to experience when we raise our dead into the “I” and the astral body, we will only experience in later epochs of our Earth’s evolution in the same way we now experience the lives of the living on Earth—that is, in normal, waking daytime consciousness. The “I” is the youngest link; it must first strive to attain a consciousness that can be as waking as our present-day consciousness—a consciousness achieved through the connection of our “I” and astral body with the physical and etheric bodies. The physical body has passed through four stages of Earth’s evolution, the etheric body through three stages, the astral body through only two stages, and the “I” has passed through only one stage.
[ 9 ] So ruhen diejenigen, die Geister geworden sind, die unverkörperte Seelen geworden sind, in dem Elemente, das wir selbst durchleben während unseres Schlafes. Aber in unser Tagesbewußtsein herein können wir sie nurmehr aus unseren Erinnerungen zur Vorstellung bringen. Es ist ja eine andere Kraft, die da bewirkt, daß ein geistiger Impuls in uns lebt, und eine andere Kraft, die bewirkt, daß ein solcher geistiger Impuls in uns zum Bewußtsein kommt. Die Eindrücke auf unsere Sinne entstehen dadurch, daß sie von außen auch in den physischen Leib und den Ätherleib einfließen können. Für dasjenige aber, was im Ich und Astralleibe nur sein kann, hat unsere jetzige normale Entwickelung noch nicht genügend Kraft, es so in den Ätherleib und physischen Leib hinein zu drängen und zu pressen, daß es für uns Vorstellung wird. Dennoch ist eine Verbindung tief geistiger Art vorhanden. Denn gerade in den zartesten Gliedern unserer Wesenheit sind wir unzertrennlich verbunden mit den sogenannten Toten. Für diese Verbindung bildet der äußere Tod keinen Einschnitt, kaum eine Umwandlung. In diesen zarten Gliedern, in dem Ich und Astralleibe, da leben die Toten so wie die Lebendigen, da leben diejenigen, die aus unseren Reihen heraus Geisteswesen geworden sind.
[ 9 ] Thus, those who have become spirits—who have become disembodied souls—rest in the element that we ourselves experience during our sleep. But we can only bring them to mind in our waking consciousness through our memories. For it is one force that causes a spiritual impulse to live within us, and another force that causes such a spiritual impulse to rise to consciousness within us. The impressions on our senses arise because they can flow in from the outside into the physical body and the etheric body. But for that which can exist only in the I and the astral body, our current normal development does not yet possess sufficient power to force and press it into the etheric body and the physical body in such a way that it becomes a mental image for us. Nevertheless, a connection of a deeply spiritual nature exists. For it is precisely in the most subtle aspects of our being that we are inseparably connected with the so-called dead. For this connection, outward death represents no break, scarcely even a transformation. In these subtle aspects—the “I” and the astral body—the dead live just as the living do; there live those who, having left our ranks, have become spiritual beings.
[ 10 ] Blicken wir ihnen nach mit den Mitteln der Erkenntnis, die wir haben gewinnen können im Laufe des Lebens. Es ist ja hier öfter betont worden, wie ganz andersartig das Verhältnis eines Wesens überhaupt, also auch eines Menschenwesens, ist zu seiner Umgebung, wenn dieses Wesen nicht wie wir in der physischen Welt einen physischen Leib oder einen Ätherleib hat. Wenn derjenige, der durch die Pforte der Initiation gegangen ist, für seine Erkenntnis den physischen und den Ätherleib verläßt, dann lebt er in seiner geistigen Umgebung; so lebt er darin, wie auch der Tote darinnen lebt. Und ich habe es öfter betonen müssen, wie ganz andersartig das Verhältnis zu der geistigen Welt ist, welcher der Wahrnehmende dann selbst angehört, wenn er ein entkörpertes Menschenwesen ist oder ein Wesen der Hierarchien oder ein Wesen der elementaren Welt. Wir haben betonen müssen, daß wir selbst die Worte anders wählen müssen, die andeuten sollen, wie dann das Verhältnis ist des geistigen Wesens zu seiner Umgebung gegenüber dem Verhältnis eines im physischen Leibe verkörperten Wesens zu seiner Umgebung.
[ 10 ] Let us observe them using the means of knowledge we have been able to acquire in the course of our lives. It has, after all, been emphasized here on several occasions how fundamentally different the relationship of any being—including a human being—is to its surroundings when that being does not, like us in the physical world, possess a physical body or an etheric body. When the one who has passed through the gate of initiation leaves the physical and etheric bodies for the sake of his knowledge, he then lives in his spiritual environment; he lives there just as the dead live there. And I have often had to emphasize how entirely different the relationship to the spiritual world is—to which the perceiver then belongs—whether he is a disembodied human being, a being of the hierarchies, or a being of the elemental world. We have had to emphasize that we ourselves must choose different words to describe the relationship of the spiritual being to its surroundings, as opposed to the relationship of a being embodied in a physical body to its surroundings.
[ 11 ] Hier in der physischen Welt machen die Dinge und Wesenheiten der Außenwelt auf uns einen Eindruck. Wir stehen da, die Wesenheiten stehen außer uns. Das, was sie ausstrahlen, zieht durch unsere Sinne in unsere Seele hinein. Und wir sagen, indem wir ein Bewußtsein davon haben: Wir stehen hier eingeschlossen in die Grenzen des Leibes. Die anderen Wesen stellen wir vor; wir nehmen sie wahr. — Wenn wir in die geistige Welt hineinkommen, müssen wir schon das Wort anders wählen: Als geistiges Wesen werden wir wahrgenommen von den anderen geistigen Wesen. Tiere nehmen wir wahr, insofern sie sinnliche Verkörperungen sind, Pflanzen nehmen wir wahr, die Menschen nehmen wir wahr. Indem wir nun selbst in die geistige Welt hineingehen, werden wir wahrgenommen von den Wesen der Angeloi, der Archangeloi, der Archai und so weiter. Und während wir hier sagen: Wir sehen die Pflanzen, die Tiere, die Menschen —, haben wir zu sagen, wenn wir in die geistige Welt eintreten: Wir erleben in uns etwas, und dieses Erleben bedeutet, die Geistesaugen eines anderen Wesens ruhen auf uns. Wir werden wahrgenommen. — Dieses Wahrgenommenwerden, dieses Wissen, daß auf uns geschaut wird, das unterscheidet unser Leben in der geistigen Welt von dem Leben in der physischen Welt.
[ 11 ] Here in the physical world, the things and beings of the external world make an impression on us. We stand here; the beings exist outside of us. What they radiate flows through our senses into our soul. And we say, being aware of this: We stand here enclosed within the limits of the body. We perceive the other beings; we take notice of them. — When we enter the spiritual world, we must choose our words differently: As spiritual beings, we are perceived by the other spiritual beings. We perceive animals insofar as they are sensory embodiments; we perceive plants; we perceive human beings. Now, as we ourselves enter the spiritual world, we are perceived by the beings of the Angeloi, the Archangeloi, the Archai, and so on. And while here we say, “We see the plants, the animals, the human beings”—when we enter the spiritual world, we must say: We experience something within ourselves, and this experience means that the spiritual eyes of another being are resting upon us. We are perceived. — This being perceived, this knowledge that we are being looked upon, is what distinguishes our life in the spiritual world from life in the physical world.
[ 12 ] Die Worte schon müssen, wenn man im eigentlichen Sinne spricht, umgewandelt werden, denn es ist alles ganz anders in der geistigen Welt. Und um es figürlich und doch wiederum mehr als figürlich auszudrücken: Wenn ein Wesen aus der geistigen Welt in die sinnliche Verkörperung kommt, dann muß es sich darauf gefaßt machen, daß es allmählich lernen muß — auch das Kind muß das ja lernen —, durch die physischen Sinne nach außen zu schauen, eine Welt von außen zu empfangen, ein Ich zu werden, das die Welt von außen empfängt. Wenn ein Wesen durch die Pforte des Todes oder auf eine andere Art in die geistige Welt aus der sinnlichen Welt eintritt, muß es sich daran gewöhnen, sich zu sagen: Du bist ein Ich, aber ein Ich, das nicht isoliert in der Welt lebt, das innerlich immer wiederum etwas erlebt, so wie es etwa die Erinnerungsvorstellungen erlebt hat, die aus dem Untergrunde der Seele herauftauchen. Aber jetzt weißt du: Was da auftaucht, sind die in dich hineingetretenen Vorstellungen, Gedanken, Empfindungen der anderen Wesen, die mit dir in der geistigen Welt zusammenleben. — So wie von außen in uns hereintreten die Eindrücke, die wir von der Sinnenwelt, von den Sinneswesen bekommen, so treten in unserem Inneren die Vorstellungen und Empfindungen von Wesen auf, die in der geistigen Welt sind. Aber wir wissen, diese Vorstellungen und Empfindungen, die in uns auftreten aus dem dann für uns wesentlichen Inneren, die rühren her von geistigen Wesen, die mit uns sind. Da sind wir in der geistigen Welt, da tritt in uns eine Vorstellung auf, die Vorstellung eines Wesens, das wir lieben müssen, eines Wesens, das uns die Anregung gibt, dies oder jenes in der geistigen Welt zu vollbringen. Woher rührt diese Vorstellung, wie kommt es, daß sie in uns auftritt, wie hier die Erinnerungen? Das rührt davon her: Ein anderes Wesen, ein Wesen der geistigen Welt hat sich uns genähert. Wir schauen es nicht von außen an, wir wissen, daß es da ist, weil es das, was in ihm lebt, in uns hineinsendet. Wir werden vorgestellt, wir werden wahrgenommen, so müßten wir sprechen gegenüber dem, was in der geistigen Welt lebt. Dadurch wird das Erleben in der geistigen Welt nicht etwa abstrakter, nebelhafter, damit wird es nur um so lebendiger. Es wird so lebendig, was wir in der geistigen Welt erleben, wie nur lebendig sein kann das, was wir in der physischen Welt in unserer unmittelbaren Umgebung gegenwärtig haben. So müssen wir uns bekanntmachen mit dem ganz andersartigen Zusammenleben mit den Wesen, die in der geistigen Welt sind.
[ 12 ] Strictly speaking, the words themselves must be transformed, for everything is entirely different in the spiritual world. And to put it figuratively—and yet, in a sense, more than figuratively: When a being from the spiritual world enters a physical embodiment, it must be prepared to learn gradually—just as a child must learn—to look outward through the physical senses, to perceive an external world, and to become an “I” that perceives the external world. When a being enters the spiritual world from the physical world through the gateway of death or in some other way, it must accustom itself to saying: You are an “I,” but an “I” that does not live in isolation in the world, that inwardly is always experiencing something anew, just as it once experienced the memories that surface from the depths of the soul. But now you know: What emerges there are the images, thoughts, and feelings of other beings who live together with you in the spiritual world and have entered into you. — Just as impressions from the sensory world and from sensory beings enter us from the outside, so too do the images and feelings of beings who are in the spiritual world arise within us. But we know that these ideas and feelings, which arise within us from what is then our essential inner self, originate from spiritual beings who are with us. There, in the spiritual world, an idea arises within us—the idea of a being we must love, a being who inspires us to accomplish this or that in the spiritual world. Where does this image come from? How is it that it arises within us, just as memories do here? It stems from this: another being, a being of the spiritual world, has drawn near to us. We do not look at it from the outside; we know it is there because what lives within it is sent into us. We are presented to it; we are perceived by it—that is how we should speak of what lives in the spiritual world. This does not make the experience in the spiritual world any more abstract or nebulous; on the contrary, it makes it all the more vivid. What we experience in the spiritual world becomes as vivid as anything we experience in the physical world in our immediate surroundings. Thus, we must familiarize ourselves with this entirely different way of coexisting with the beings who dwell in the spiritual world.
[ 13 ] Und nun blicken wir von diesem Gesichtspunkte aus nach jenen, die durch die Pforte des Todes gegangen sind. Sie treten ein in die Welt, von der sie sagen müssen: Ich lerne immer mehr kennen, wie ich wahrgenommen werde, wie in mich ihre Vorstellungen, Empfindungen und Gefühle hineinsenden die entkörperten Menschen, die Elementarwesen, die Wesen aus der Hierarchie der Angeloi, der Archangeloi. Alle diese Wesen leben in mir. — Und wir blicken hinauf zu einem solchen Toten, und wir ahnen: So wie uns ein Mensch hier in der Sinnenwelt entgegentritt und wir durch seine Haut das Blut erahnen, wir in seinen Zügen die Arbeit seiner Nerven erahnen, so erahnen wir, indem wir den geistigen, den entkörperten Menschen schauen, wie durch das, was von uns erlebt wird an ihm, die Gedanken, die Empfindungen der Angeloi, der Archangeloi, der Archai wirken.
[ 13 ] And now, from this perspective, let us look upon those who have passed through the gate of death. They enter the world of which they must say: I am coming to know more and more how I am perceived, how the disembodied human beings, the elemental beings, and the beings from the hierarchy of the Angeloi and the Archangeloi send their ideas, sensations, and feelings into me. All these beings live within me. — And we look up at such a deceased person, and we sense: Just as a human being approaches us here in the sensory world and we sense the blood through his skin, just as we sense the workings of his nerves in his features, so too, as we gaze upon the spiritual, disembodied human being, do we sense—through what we experience in him—the thoughts and feelings of the Angeloi, the Archangeloi, and the Archai at work.
[ 14 ] Hier in der physischen Welt tritt uns der physische Mensch entgegen. Er hat durch seine Seele und seine Entwickelung das tierische, pflanzliche und mineralische Sein geadelt. Aber dieses tierische, pflanzliche und mineralische Sein, es tritt uns in ihm dennoch entgegen. Wenn uns ein Mensch hier im physischen Dasein entgegentritt: tief verborgen in seinem Inneren und leuchtend durch die Leibeshülle ist sein SeelischGeistiges. Doch das, was von seinen Impulsen in unser Auge hineinstrahlt, das, was in der Sinnenwelt auf uns wirkt, ist durchsetzt mit der bis zum Menschentum veredelten tierischen Natur; es tritt uns im Menschen die Tierheit geadelt entgegen, aber doch die Tierheit. Auch die Pflanzenwelt und das Mineralische, sie treten uns entgegen im Menschen. Wir wissen: Die Reiche der Natur leben im Menschen auf einer höheren Stufe. Und würde das Mineralreich nicht im Menschen leben, so würde uns niemals an der Stelle, wo uns der Mensch entgegentritt im Physischen, wirklich ein Mensch entgegentreten können, denn nur durch das, was er an Mineralischem in sich schließt, kann er ja einen Eindruck in uns hervorrufen. Stehen wir als Geist einem geistigen Wesen gegenüber, so blicken wir — wie wir hier bei dem physischen Menschen die Tierheit sehen — bei dem geistigen Menschen in der geistigen Welt auf dasjenige, was in ihn, in diesen geistigen Menschen hineinströmen lassen an Empfindungen, an Gedanken, seelenhaft die Angeloi. Es ist herunterorganisiert bis zum Menschenleibe, was die Angeloi erleben. So wie hinauforganisiert ist die Tierheit in dem Menschen, so ist herunterorganisiert in der geistigen Welt dasjenige, was die Angeloi durchzuckt im Seelenleben des Menschen. Und wie hinauforganisiert ist das Pflanzenreich im Menschen, so ist herunterorganisiert in der geistigen Gestalt des Menschen dasjenige, was die Archangeloi in ihn hineinströmen lassen. Und ebenso wie das Mineralreich im sinnlichen Menschen in uns aufglänzt und dadurch der sinnliche Mensch in uns wahrnehmbar wird, so ist dasjenige, was uns als geistiger Mensch in der geistigen Welt entgegentritt, dadurch eine in sich geschlossene Imagination, daß die Archai das, was sie an formgebender Kraft, an bildender, gestaltender Kraft haben, hineingießen in den Menschen. So wie die drei Naturreiche hier den physischen Menschen durchsetzen, so durchsetzen die Angeloi, Archangeloi und Archai den Geist des Menschen in der geistigen Welt.
[ 14 ] Here in the physical world, the physical human being comes before us. Through his soul and his evolution, he has ennobled animal, plant, and mineral existence. But this animal, plant, and mineral existence still confronts us within him. When a human being approaches us here in physical existence, his soul-spiritual nature lies deeply hidden within him and shines through his physical body. Yet what radiates from their impulses into our eyes—what acts upon us in the sensory world—is permeated by the animal nature that has been ennobled to the level of humanity; what meets us in the human being is animal nature ennobled, but still animal nature. The plant world and the mineral realm, too, meet us in the human being. We know that the kingdoms of nature live on in the human being at a higher level. And if the mineral kingdom did not live within the human being, then where the human being meets us in the physical realm, a true human being could never truly meet us, for it is only through what he contains of the mineral within himself that he can evoke an impression in us. When we, as spirits, face a spiritual being, we look—just as we see the animal nature here in the physical human being—at the spiritual human being in the spiritual world, at that which the Angeloi allow to flow into him, into this spiritual human being, in the form of feelings and thoughts, in a soul-like manner. What the Angeloi experience is organized downward all the way to the human body. Just as the animal nature is organized upward within the human being, so is that which the Angeloi impel through the soul life of the human being organized downward in the spiritual world. And just as the plant kingdom is organized upward within the human being, so is that which the Archangeloi allow to flow into him organized downward in the spiritual form of the human being. And just as the mineral kingdom shines forth within us in the sensory human being, thereby making the sensory human being within us perceptible, so what confronts us as spiritual human beings in the spiritual world is a self-contained imagination, in that the Archai pour into the human being all the formative and shaping power they possess. Just as the three kingdoms of nature permeate the physical human being here, so do the angels, archangels, and Archai permeate the human spirit in the spiritual world.
[ 15 ] Wenn dann der Mensch durch die Pforte des Todes gegangen ist, so ist er ja— mit Ausnahme der allerersten Zeit — durch lange Zeiten verbunden mit seinem Astralleib und mit seinem Ich. Aber so, wie er da nun ist der Mensch in der geistigen Welt und von der Erde sich bewahrt das Ich und den Astralleib, so können in ihn zunächst hereinwirken, so daß sie ihn eigentlich wahrnehmbar machen, die Geister der Form und diejenigen Geister, die wir kennenlernen als die Angehörigen der Hierarchie der Archai. So wie das eigentliche Mineralreich den Menschen hier sichtbar und fühlbar macht, so macht das Reich der Archai und Geister der Form den Menschen zum festgeschlossenen Wesen in der geistigen Welt. Und so wie das Pflanzliche schon nicht mehr geschaut wird, sondern wie es hier in der physischen Welt im Menschen nur erahnt wird, so wird erahnt in der festgeschlossenen Gestalt des Menschen in der geistigen Welt dasjenige, was die Hierarchien in ihn einströmen lassen. So wie das Tier im Menschen uns hier nicht mehr tierisch entgegentritt, und nur die Geisteswissenschaft darauf aufmerksam macht, inwiefern die Tierheit einen Anteil hat am Menschen, so erkennt man in der geistigen Welt zunächst auch nicht den etwas verborgen bleibenden Anteil der Angeloi, der noch stark ist, solange der Mensch den Ätherleib nicht abgelegt hat. Der verborgene Anteil der Angeloi bleibt, aber er kommt weniger zum Ausdruck, wenn man die Geistgestalt des Menschen in der geistigen Welt sieht. So begegnet uns in der Tat der Tote, wenn wir nach einiger Zeit zu ihm in Beziehung treten, so daß wir sagen können: Er ist es; aber das, was ihm die festgeschlossene Wesenheit gibt, das ist die Art und Weise, wie in ihn hineinwirken die Geister der Form. Und was noch stark erahnt werden kann an ihm, das sind die Geister der Persönlichkeit. — So gleichsam von oben, von den Hierarchien her organisiert, tritt uns dann der Tote entgegen, wie uns hier das Physische, durchorganisiert von der mineralischen Welt, entgegentritt.
[ 15 ] Once a person has passed through the gate of death, he remains—with the exception of the very earliest period—connected to his astral body and his “I” for a long time. But just as the human being now exists in the spiritual world—with the ego and the astral body preserved from the earth—the spirits of form and those spirits we come to know as members of the hierarchy of the Archai can initially influence him, making him actually perceptible. Just as the mineral kingdom itself makes human beings visible and tangible here, so the realm of the Archai and the spirits of form makes human beings into solid, compact beings in the spiritual world. And just as the plant kingdom is no longer seen, but is only sensed in human beings here in the physical world, so too is that which the hierarchies allow to flow into the human being sensed in the solidly formed human being in the spiritual world. Just as the animal nature within the human being no longer confronts us here in an animal form, and only spiritual science draws our attention to the extent to which animal nature is a part of the human being, so too, in the spiritual world, one does not initially perceive the somewhat hidden aspect of the Angeloi, which remains strong as long as the human being has not shed the etheric body. The hidden aspect of the Angeloi remains, but it is less evident when one sees the human being’s spiritual form in the spiritual world. Thus, when we enter into a relationship with the deceased after some time has passed, we do indeed encounter them, so that we can say, “It is they”; but what the fully formed being gives them is the way in which the spirits of form work within them. And what can still be strongly sensed in him are the spirits of personality. — Thus, organized, as it were, from above, from the hierarchies, the deceased then appears to us, just as the physical world, thoroughly organized by the mineral world, appears to us here.
[ 16 ] Wenn wir nun von einer Menschenseele verlassen worden sind, dadurch daß sie durch die Pforte des Todes gegangen ist, dann bewahren wir hier im Rahmen unseres physischen Bewußtseins das Erinnerungsbild. Alles das, was uns teuer ist an dem Toten, bewahren wir in uns. Das ist eine andere Erinnerung, als die Erinnerungen sind, die wir sonst im äußeren Leben haben. Denken Sie nur, wie unsere anderen Erinnerungen sind. Was sind sie denn? Sie sind Gedanken über etwas, was nicht mehr da ist, denn dadurch sind sie gerade Erinnerungen. Dasjenige, an das wir uns erinnern, das ist nicht da, es geschieht nicht in dem Augenblicke, in dem wir uns erinnern. Der Inhalt unserer Erinnerungsvorstellungen ist nicht da, wirkt jetzt nicht. Wenn wir uns desjenigen erinnern, was das Wesen einer Seele ist, die uns verbunden war und die durch die Pforte des Todes gegangen ist, dann haben wir den Gedanken an diesen Toten; aber er selbst, der Tote, ist da, ist in unmittelbarer Gegenwart da, ist ein reales Wesen der geistigen Welt. Da haben wir nicht bloß eine Erinnerungsvorstellung, da haben wir eine Vorstellung in der Seele, die zwar auch eine Erinnerungsvorstellung ist, der aber ein reales geistiges Wesen entspricht. In uns lebt die Vorstellung, und draußen in der geistigen Welt lebt der Tote. Das Wesen ist da, und die Vorstellung ist da. In uns also, wenn wir verehrend dem Toten nachblicken, wenn wir in treuem Gedenken dasjenige in uns gegenwärtig machen, was der Tote uns war, in unserem Wachbewußstsein tritt die Imagination, tritt das Bild des Toten auf. Da ist es. Was heißt das? Das heißt: es ist da in einem lebendig tätigen Prozeß in unserem physischen und Ätherleibe.
[ 16 ] When we are parted from a human soul because it has passed through the gate of death, we retain the memory of that soul within the realm of our physical consciousness. We hold within ourselves everything about the deceased that is dear to us. This is a different kind of memory from the memories we otherwise have in our outer life. Just think about what our other memories are like. What are they, after all? They are thoughts about something that is no longer there; that is precisely why they are memories. What we remember is not there; it is not happening at the very moment we remember it. The content of our memories is not present; it has no effect now. When we remember the essence of a soul that was connected to us and has passed through the gate of death, we have a thought of that deceased person; but the deceased person himself is present—he is in our immediate presence—and is a real being of the spiritual world. Here we do not merely have a memory image; here we have an image in the soul that is indeed also a memory image, but one that corresponds to a real spiritual being. The image lives within us, and out there in the spiritual world the deceased lives. The being is there, and the image is there. So within us, when we look back reverently upon the deceased, when we, in faithful remembrance, bring to life within ourselves what the deceased meant to us, the image of the deceased arises in our waking consciousness. There it is. What does that mean? It means: it is present there in a living, active process within our physical and etheric bodies.
[ 17 ] In unserem physischen und in unserem Ätherleibe stellen wir für das andere Leben, das nicht gewidmet ist der Erinnerung an teure Tote, das vor, kombinieren in unseren Gedanken dasjenige, was in der physischen Welt ist. Rufen wir das Bild, das Gedanken- oder Empfindungsbild oder das Gefühlsbild des Toten in uns hervor, dann lebt für dieses Bild in unmittelbarer Gegenwart ein Wesen, durch das blicken, ihre Vorstellungen in ihm verbindend, Engel und Erzengel. Bedenken Sie, wenn wir die Gedanken, die Empfindungen auf liebe Tote hinrichten, da ist mehr, viel mehr vorhanden, als im gewöhnlichen normalen Zusammenleben vorhanden ist an Beziehungen zwischen der geistigen und der sinnlichen Welt. Da ist etwas vorhanden, was auch, ich möchte sagen, nicht vorhanden sein könnte. Und eine Frage richtet sich auf vor dem Geistesforscher: Was bedeutet nun für die Toten die Tatsache, daß wir leben in der Welt, die sie verlassen haben, in dem Reiche, dessen Hülle sie abgelegt haben, was bedeutet für diese Toten, die da leben, der Umstand, daß wir in unserem Wachbewußtsein, das heißt im physischen und Ätherleibe das, was uns mit ihnen verbindet, hervorrufen? Für den Geistesforscher entsteht diese Frage, eine Frage, die scheinbar recht intimer Natur ist, die aber, wenn der Geistesforscher sie löst, ich glaube, viele Lichter wirft auf die Geheimnisse des Lebens.
[ 17 ] In our physical and etheric bodies, we present this to the other life—which is not devoted to the memory of beloved departed ones—and combine in our thoughts that which exists in the physical world. When we evoke within ourselves the image—whether a mental image, a sensory image, or an emotional image—of the deceased, a being lives in the immediate presence of that image; through this being, angels and archangels gaze, connecting their visions within it. Consider this: when we direct our thoughts and feelings toward beloved departed ones, there is more—much more—present than there is in ordinary, everyday life in terms of the connections between the spiritual and the sensory worlds. There is something present that, I would say, could not otherwise exist. And a question arises for the spiritual researcher: What does it mean for the dead that we live in the world they have left behind, in the realm whose outer shell they have shed? What does it mean for these dead who live there that we evoke, in our waking consciousness—that is, in the physical and etheric bodies—that which connects us to them? This question arises for the spiritual researcher—a question that is seemingly of a rather intimate nature, but which, I believe, when the spiritual researcher resolves it, sheds much light on the mysteries of life.
[ 18 ] Denn wir können diese Frage noch anders, von dem Gesichtspunkte des unmittelbaren Lebens aus stellen, des Lebens, das allerdings nicht immer vorhanden ist, das aber die Menschen dennoch suchen auf die Art, wie ich es vorhin angedeutet habe. Stellen wir die Frage so: Was bedeutet es denn eigentlich für die gesamte Realität, wenn an einem Totengedenktage, am Allerseelentage oder einem anderen Totenfesttage, die Seelen der Menschen, die hier auf Erden in ihren Leibeshüllen leben, nach den Gräbern gehen oder in Gedanken sich mit ihren Toten vereinigen? Was bedeutet es, wenn wir uns selber unsere Erinnerungstage oder Erinnerungsstunden an die Toten machen? Wenn wir ihnen in unserem Sinne vorlesen? Wenn wir etwas tun, um uns mit ihnen zu vereinigen und besonders das lebendig zu machen, was uns mit ihnen dauernd verbindet? Mit anderen Worten jetzt: Was bedeutet es, wenn wir uns im Wachbewußtsein das wach rufen, was uns mit den Toten verbindet? — So kann auch diese Frage vor das Bewußtsein des Geistesforschers hintreten.
[ 18 ] For we can pose this question in yet another way, from the perspective of immediate life—a life that, admittedly, is not always present, but which people nevertheless seek in the manner I indicated earlier. Let us put the question this way: What does it actually mean for reality as a whole when, on a day of remembrance for the dead—such as All Souls’ Day or another festival honoring the dead—the souls of people living here on earth in their physical bodies go to the graves or unite in thought with their deceased loved ones? What does it mean when we set aside our own days or moments of remembrance for the dead? When we read aloud to them in our own way? When we do something to unite with them and, in particular, to bring to life what constantly connects us to them? In other words: What does it mean when, in our waking consciousness, we call to mind what connects us to the dead? — This question, too, can come to the forefront of the spiritual researcher’s consciousness.
[ 19 ] Da muß er es ausdrücken durch etwas anderes, was sich ihm nun aus der Geistesforschung heraus ergibt. Man kann gerade die wichtigsten Tatsachen der geistigen Welt im Grunde nur bildlich ausdrücken. Man muß nach Vergleichen suchen, wenn man die Dinge der geistigen Welt ausdrücken will. Denn für das gewöhnliche Leben sind ja unsere Worte geprägt, für die physische Welt, und so unmittelbar mit den Worten der physischen Welt können wir nicht sprechen über die geistige Welt, wenn wir ihre Tatsachen ausdrücken wollen. Wir müssen versuchen, auf dem Umweg eines Vergleichs in unseren Seelen solche Vorstellungen wachzurufen, welche uns das gegenwärtig machen, was wir uns vorstellen wollen über die geistige Welt. Und es bietet sich dem Geistesforscher etwas hier in der physischen Welt, wodurch er eine Vorstellung hervorrufen kann von dem, was eben wie eine Frage vor uns aufgetaucht ist. Wir finden hier in der physischen Welt etwas, das, ohne daß der äußere, der Naturprozeß der sinnlichen Welt gestört würde, auch nicht da sein könnte, das aber doch diejenigen Menschen nicht missen möchten, die das Leben in seiner Gänze durchzuleben streben. Was ist es, was wir hier in der physisch-sinnlichen Welt finden, was nicht zum fortlaufenden Naturprozeß gehört, was wir aber nicht missen möchten? Nun, wenn wir uns von dem, was da ist und was sich auf das Natürliche bezieht, Bilder machen, seien es künstlerische Bilder, seien es solche, wie sie in neuerer Zeit durch die äußere Photographie hervorgerufen werden, so ist das, was uns so in Bildern der physisch-sinnlichen Welt von Wesen, die dieser Welt angehören, entgegentritt, etwas, das zu dem Naturprozeß hinzukommt; der Naturprozeß würde auch ohne sie sein können.
[ 19 ] He must therefore express it through something else that arises for him from spiritual research. In essence, the most important facts of the spiritual world can really only be expressed figuratively. One must seek analogies if one wishes to express the realities of the spiritual world. For our words are shaped for ordinary life, for the physical world, and we cannot speak of the spiritual world using the words of the physical world directly when we wish to express its realities. We must try, by way of a comparison, to evoke in our souls such images that bring to life what we wish to conceive of regarding the spiritual world. And here in the physical world, something presents itself to the spiritual researcher through which he can evoke an image of what has just arisen before us as a question. Here in the physical world we find something that could not exist without disrupting the external, natural processes of the sensory world, yet which those who strive to live life in its entirety would not wish to do without. What is it that we find here in the physical-sensory world—something that does not belong to the ongoing natural process, yet which we would not wish to do without? Now, when we create images of what is there and what relates to the natural world—be they artistic images or those produced in recent times by external photography—what we encounter in these images of the physical-sensory world, depicting beings that belong to this world, is something that is added to the natural process; the natural process could exist without them.
[ 20 ] Versuchen Sie einmal, sich das recht vorzustellen, wie das Leben bereichert wird dadurch, daß wir uns Bilder machen von dem, was sonst im Naturprozeß da ist. Wie sehr lechzen wir danach, außer dem Naturprozeß noch die Kunst in unserer Welt zu haben. Wie sehr wollen wir von irgend etwas, was erlebt worden ist, ein Bild haben! Der Weltenlauf könnte auch ohne das weitergehen. Ein Wesen bleibt, was es ist, auch wenn wir kein Bild davon haben, aber wir brauchen in gewissem Sinne ein Bild. An dieses nun wird der Geistesforscher erinnert, wenn er sich Vorstellungen machen muß über das, was die Toten dadurch haben, daß die Lebendigen sie in ihrer Seele aufleben lassen.
[ 20 ] Try to imagine just how life is enriched by the fact that we create images of what otherwise exists in the natural process. How much we long to have art in our world in addition to the natural process. How much we want to have an image of anything that has been experienced! The course of the world could continue even without it. A being remains what it is even if we have no image of it, but in a certain sense we need an image. The spiritual researcher is reminded of this when he must form ideas about what the dead gain from the fact that the living bring them to life in their souls.
[ 21 ] Das, was der dem Naturprozeß entsprechende Geistesprozeß ist, auf den die Toten, also die geistigen Wesen hinblicken, das wäre da, auch wenn nicht in den Seelen der Menschen die teuren Erinnerungen auflebten. Aber öde und leer wäre dann für die Toten, für diese geistigen Wesen der fortlaufende Geistesprozeß, so wie wir Leere empfinden würden, wenn wir nur den Naturprozeß um uns hätten, und nichts von Bildlichem hineingestellt wäre in das Menschenleben, in den Naturprozeß.
[ 21 ] That which is the spiritual process corresponding to the natural process—the one toward which the dead, that is, the spiritual beings, look—would be there even if the cherished memories did not come alive in the souls of human beings. But for the dead—for these spiritual beings—the ongoing spiritual process would then be bleak and empty, just as we would feel a sense of emptiness if we were surrounded only by the natural process and nothing figurative were incorporated into human life or into the natural process.
[ 22 ] Wahrhaftig, man kann folgenden Vergleich ziehen: Wenn eine teure Freundin, ein teurer Freund lange von Ihnen abwesend waren, Sie liebend ihrer gedenken und sie nicht sehen können, und nun schicken Ihnen diese ein Bild, so ist Ihnen dieses Bild lieb. Es ist etwas, was Ihr Herz mit Wärme erfüllt, etwas, was Sie brauchen. So wie Ihnen das Bild teuer sein muß, so sind die Gedanken an die teuren Toten, die im wachen Tagesbewußtsein der Menschen leben, für diese Toten, wenn sie herunterschauen auf die Welt, die sie sonst nur als fortlaufenden Geistesprozeß empfinden, den sie aber nun durchsetzt fühlen von dem, was nicht da sein könnte und doch da sein muß — in dem einen oder anderen Sinn sind die Worte zu nehmen —, wenn sie das, was fortlaufender Geistesprozeß ist, mit dem durchsetzt fühlen, was ihnen aus den Seelen, die hier geblieben sind, hinaufgestrahlt wird, etwa wie ein Bild eines lieben Menschen. Darum kann man sagen: Wenn man auf einen Friedhof geht, am Totensonntag oder am Allerseelentag, und dort viele Menschen sieht, die in dieser Zeit erfüllt sind von dem Bilde ihrer teuren Toten, und man blickt dann hinauf in die Seelen derer, an die da erinnert wird, dann sind das die Dome, die Kunstwerke für diese Toten. Dann durchleuchtet das, was ihnen da von der Erde hinaufstrahlt, für diese Toten die Welt wie ein herrlicher Dom, der uns Geheimnisse kündet, uns die Welt durchleuchtet, oder wie ein Bild, das uns lieb und wert ist, einen lieben Menschen vergegenwärtigt. Ode und leer wäre für die Toten die Welt, in die sie immerdar blicken müssen; von ihrem Gesichtspunkte aus wäre diese Welt der Erde öde und leer, wenn sie herunterblicken würden, und in den Seelen der hier auf Erden Lebenden nicht das zu ihnen hinaufblickte, was ja auch nicht sein kann, und doch sein muß: die Gedanken, welche die auf der Erde Lebenden mit den geistig Lebenden, den Toten, verbinden.
[ 22 ] Truly, one can draw the following comparison: If a dear friend has been away from you for a long time, and you think of them fondly but cannot see them, and now they send you a picture, that picture is dear to you. It is something that fills your heart with warmth, something you need. Just as that picture must be dear to you, so too are the thoughts of the dear departed—who live on in people’s waking daily consciousness—for those who have passed on, when they look down upon the world, which they otherwise perceive only as a continuous mental process, but which they now feel interwoven with that which might not be there and yet must be there —the words are to be taken in one sense or another—when they feel that which is a continuous mental process interwoven with what is radiated upward to them from the souls that have remained here, much like the image of a loved one. That is why one can say: When one goes to a cemetery—on Remembrance Sunday or All Souls’ Day—and sees many people there who, at this time, are filled with the image of their dear departed, and one then looks up into the souls of those being remembered, those are the cathedrals, the works of art for these departed. Then what shines up to them from the earth illuminates the world for these dead like a magnificent cathedral that reveals mysteries to us, illuminates the world for us, or like a picture that is dear and precious to us, bringing a loved one to mind. The world into which the dead must gaze forever would be desolate and empty; from their perspective, this earthly world would be desolate and empty if they were to look down, and if what looked up to them from the souls of those living here on earth were not present—which, of course, cannot be, and yet must be: the thoughts that connect those living on earth with those living in spirit, the dead.
[ 23 ] Ein tief ergreifender Gegensatz kündet sich uns da an, zwischen dem Erdenleben und dem Leben im Geiste. Wir müssen, um das Erdenleben zu erhöhen, dasjenige, was nicht ist, im Bilde zum Erdenleben hinzufügen für die auf der Erde Lebenden. Eine von allem Bildlichen entblößte Erde, eine bloße Naturerde, wie öde, wie leer wäre sie! Und jetzt erheben wir uns zu dem Standpunkt der Toten. Sie würden den fortlaufenden Geistesprozeß wahrnehmen, aber öde und leer wäre er für sie, so öde und leer wie das bildlose Naturdasein für die Erdenkinder, wenn die Erinnerungen an die Toten nicht lebendig wären, wenn das treue Gedenken nicht wach wäre in den Wachbewußtseinen, wenn innerhalb des fortlaufenden Geistesprozesses nicht die Gedanken wären, die für die geistige Welt gleich Kunstwerken sind, insofern sie schöne Gedanken sind, und nicht verwoben sind dem Erdenprozeß, sondern hingerichtet werden auf die nicht mehr im Erdenprozeß Lebenden. Und was hier auf der Erde ein Kunstwerk zum Kunstwerk macht, was seine Schönheit erhöht, es ist ja etwas, was in viel geringerem Sinne mit dem menschlichen Innersten zusammenhängt als das, was unsere Gedanken an die Toten für die geistige Welt sind. Denn auch in der geistigen Welt gibt es in diesem Sinne eine Schönheit, eine wirkliche, echte Schönheit. Sie entsteht aber nicht in dem gleichen Maße durch Äußerlichkeit, wie sie doch vielfach hier in der physischen Welt durch Außerlichkeit in dem Bilde entsteht. Daß die Gemälde von Raffael, von Leonardo, von Dürer schöner sind als andere, rührt davon her, daß diese Meister eben mehr konnten als andere Meister. Daß ein Toter ein schöneres Kunstwerk — analogisch gesprochen — von der Erde hinauf sich entgegenstrahlen fühlt, das rührt her von der Tiefe der Innerlichkeit, von dem heiligen geistigen Gefühl der Erinnerung, die wir an ihn fortdauernd hegen. Die Stärke der Empfindung für die Toten greift ein in unser Seelenleben und vertieft es im Anblick der Toten selber. Dies macht unsere Seele schöner und schöner.
[ 23 ] A profoundly moving contrast is revealed to us here—between earthly life and life in the spirit. In order to elevate earthly life, we must add to it, in a figurative sense, that which does not exist, for the sake of those living on earth. An earth stripped of all imagery, a mere natural earth—how desolate, how empty it would be! And now let us rise to the perspective of the dead. They would perceive the ongoing spiritual process, but it would be desolate and empty to them—as desolate and empty as the image-less natural existence is to the children of the earth— if the memories of the dead were not alive, if faithful remembrance were not awake in waking consciousness, if within the ongoing spiritual process there were not thoughts that are, for the spiritual world, like works of art—insofar as they are beautiful thoughts—and are not interwoven with the earthly process, but are directed toward those who no longer live within the earthly process. And what makes a work of art a work of art here on Earth—what enhances its beauty—is, after all, something connected to the innermost being of the human soul in a far lesser sense than what our thoughts of the dead represent for the spiritual world. For even in the spiritual world there is, in this sense, a beauty—a real, genuine beauty. But it does not arise to the same extent through outward appearance as it often does here in the physical world through the outward form of an image. The fact that the paintings of Raphael, Leonardo, and Dürer are more beautiful than others stems from the fact that these masters were simply more capable than other masters. The fact that a deceased person feels a more beautiful work of art—to speak analogically—radiating upward from the earth toward them stems from the depth of inner life, from the sacred spiritual feeling of remembrance that we continually cherish for them. The intensity of our feelings for the dead permeates our inner life and deepens it in the very presence of the dead themselves. This makes our soul more and more beautiful.
[ 24 ] Verfolgen Sie diesen Gedanken in Ihrer eigenen Seele, meine lieben Freunde, und Sie werden durch diese Vertiefung manches sich ermeditieren, was Ihnen Aufschluß geben kann über den Zusammenhang zwischen der geistigen und der sinnlichen Welt und über das spezielle Kapitel der geistigen Welt, in der die Toten leben, und der sinnlichen Welt, in der die Erdenmenschen leben. Wir werden andere Betrachtungen aufbauen, die uns in weitere Kreise der geistigen Welt einführen können, nach diesem ersten Kapitel, das wir heute durchgearbeitet haben.
[ 24 ] Pursue this thought within your own souls, my dear friends, and through this deep reflection you will meditate upon many things that can shed light on the connection between the spiritual and the physical worlds, and on the specific aspect of the spiritual world where the dead live and the physical world where earthly human beings live. We will develop further reflections that can lead us into broader realms of the spiritual world, following this first chapter that we have worked through today.
