Building Stones for an Understanding
of the Mystery of Golgotha
GA 175
6 February 1917, Berlin
Translate the original German text into any language:
Versions Available:
Building Stones for an Understanding of the Mystery of Golgotha, tr. SOL
Erster Vortrag
First Lecture
[ 1 ] Lassen Sie mich zuerst meine tiefe Befriedigung darüber ausdrücken, daß ich nunmehr wiederum in Ihrer Mitte sein kann. Es würde eher geschehen sein, wenn es nicht eine dringende Notwendigkeit gewesen wäre, die Arbeit an der ja hier öfters besprochenen Gruppe, die im Osten des Dornacher Baues stehen soll, und die darstellt den Menschheitsrepräsentanten in Wechselbeziehung zu den ahrimanischen und luziferischen Mächten, so weit zu bringen, daß sie nun ohne mich weiter gearbeitet werden kann. In der gegenwärtigen Zeit ist es ja notwendig, für die Zukunft in einer gewissen Weise vorauszudenken, und es schien mir eben durchaus notwendig, gegenüber den Ereignissen, die da kommen können, diese Gruppe so weit zu fördern, als es jetzt hat geschehen können. Im übrigen müssen ja gerade diese Zeiten es uns ganz besonders nahelegen, wie ein räumliches Zusammensein auf dem physischen Plan nicht das einzige sein kann, das uns durch die Impulse der Geisteswissenschaft kräftig aufrecht erhält, sondern wie das Zusammensein in Gedanken und Gesinnung unserer geisteswissenschaftlichen Bestrebung uns, auch wenn es nur seelisch sein kann, wenn es eben nur sein kann in Gedanken und im Geiste, durchbringen muß durch diese schwere Zeit der Prüfungen und der Leiden, und wie sich gerade dadurch die Kraft unserer geisteswissenschaftlichen Bestrebungen erproben muß.
[ 1 ] Let me first express my deep satisfaction at being able to be among you once again. This would have happened sooner had it not been for the urgent need to bring the work on the group—which has often been discussed here and is to be placed in the eastern part of the Dornach Building, depicting the representative of humanity in relation to the Ahrimanic and Luciferic forces—to a point where it can now continue without me. In the present time, it is indeed necessary to think ahead to the future in a certain way, and it seemed to me absolutely necessary, in view of the events that may lie ahead, to advance this group as far as has been possible up to now. Moreover, these very times should make it particularly clear to us that physical togetherness on the material plane cannot be the only thing that sustains us powerfully through the impulses of spiritual science, but rather that togetherness in thought and spirit—even if it is only spiritual, even if it can only exist in thought and mind—must carry us even if it can be only soul-level, even if it can exist only in thought and spirit, must carry us through this difficult time of trials and suffering, and how it is precisely through this that the strength of our spiritual scientific endeavors must be tested.
[ 2 ] Seit wir uns hier nicht zusammengefunden haben, haben wir ja für den physischen Plan den Verlust unseres lieber. Fräulein Motzkus und anderer lieber Freunde zu beklagen, die infolge der Zeitereignisse den physischen Plan verlassen haben. Es ist besonders schmerzlich, unter denjenigen lieben Freunden, die hier nun durch so viele Jahre mit teilgenommen haben an unseren geisteswissenschaftlichen Bestrebungen, Fräulein Motzkus nicht mehr zu sehen. Sie gehörte ja unserer Bewegung an, seitdem wir mit derselben begonnen haben. Vom ersten Tage an, von der ersten Versammlung im kleinsten Kreis an, die ganze Zeit über war sie in unserer Mitte als ein im tiefsten Herzen unserer Bewegung hingegebenes Mitglied, das alle Phasen, alle Entwickelungsprüfungen unserer Bewegung mit innigem Anteil mitgemacht hat; das vor allen Dingen durch alle diese Ereignisse hindurch, durch die wir haben gehen müssen, sich bewahrt hat im tiefsten Sinne des Wortes eine unbesiegliche Treue zu unserer Sache, eine Treue, durch die Fräulein Motzkus gewiß vorbildlich war für diejenigen, die wirklich ergebene Mitglieder der geisteswissenschaftlichen Bewegung sein wollen. Und so schauen wir denn dieser lieben guten Seele nach in die Welten des geistigen Lebens, zu denen sie aufgestiegen ist, indem wir das ja durch viele Jahre herangebildete und herangefestigte Treue-Verhältnis zu ihr bewahren, indem wir uns mit ihrer Seele verbunden wissen für immerdar. — In letzter Zeit hat ja Fräulein Motzkus selber den Verlust ihrer treuen Freundin, die sie nun so bald in der geistigen Welt wiedergefunden hat, zu beklagen gehabt und in dem Sinne, wie man aus dem Bewußstsein einer wirklichen Auffassung der geistigen Welt einen solchen Schlag erträgt, diesen Schlag hingenommen. Bewundernswert war es, mit welch regem Interesse Fräulein Motzkus bis in ihre letzten Tage hinein ein tiefes Anteilnehmen zeigte an den großen Ereignissen der Zeit. Sie sagte mir selber wiederholt, so lange möchte sie noch hier auf dem physischen Plane leben, bis sich diese bedeutenden Ereignisse, in deren Mitte wir jetzt stehen, entschieden haben. Nun, sie wird mit freierem Blicke noch, mit festerem Sinne für die Entwickelung der Menschheit, in ihrem jetzigen Zustand diese Ereignisse, an denen sie mit so innigem Anteil und Interesse hing, verfolgen können. — Und so sei es denn uns allen ans Herz gelegt, daß wir, wo wir nur können, unsere Gedanken, unsere tätigen Kräfte der Seele, mit diesem treuen Geiste, mit diesem treuen, lieben Mitgliede unserer Bewegung vereinigen, damit wir uns mit ihr eins wissen auch fernerhin, wo sie in anderer Form unter uns weilen wird als bisher, da sie auf dem physischen Plan mit uns in einer so vorbildlichen Weise verbunden war.
[ 2 ] Since we have not gathered here, we have, on the physical plane, had to mourn the loss of our dear Miss Motzkus and other dear friends, who have left the physical plane as a result of recent events. It is particularly painful, among those dear friends who have participated here for so many years in our spiritual scientific endeavors, to no longer see Miss Motzkus. She had, after all, been a part of our movement since we first began it. From the very first day, from the very first gathering in the smallest circle, and throughout the entire time, she was in our midst as a member deeply devoted to the very heart of our movement, who participated with heartfelt commitment in all phases and all the trials of our movement’s development; and above all, throughout all these events we have had to endure, she preserved—in the deepest sense of the word—an invincible loyalty to our cause, a loyalty through which Miss Motzkus was certainly an exemplar for those who truly wish to be devoted members of the spiritual science movement. And so we bid farewell to this dear, good soul as she ascends into the realms of spiritual life, preserving the bond of loyalty to her that has been nurtured and strengthened over many years, knowing that we remain connected to her soul forever. — Recently, Miss Motzkus herself had to mourn the loss of her faithful friend, whom she has now so soon reunited with in the spiritual world, and she accepted this blow in the way that one endures such a blow when one is conscious of a true understanding of the spiritual world. It was admirable to see the keen interest with which Miss Motzkus, right up until her final days, showed deep concern for the great events of our time. She told me repeatedly that she wished to live here on the physical plane until these significant events, in the midst of which we now stand, had been resolved. Now, with a clearer vision and a firmer sense of humanity’s evolution, she will be able to follow these events—to which she was so deeply attached and interested—in her present state. — And so let it be close to all our hearts that, wherever we can, we unite our thoughts and the active powers of our souls with this faithful spirit, with this faithful, beloved member of our movement, so that we may continue to feel at one with her, even as she remains among us in a different form than before, since she was connected to us on the physical plane in such an exemplary way.
[ 3 ] Nun, die Zeiten, in denen wir leben, sind solche, welche uns immer intensiver und intensiver nahelegen können, welche Bedeutung das Streben nach geistiger Erkenntnis für das Menschengeschlecht der Gegenwart und der nächsten Zukunft haben muß. Die Ereignisse, innerhalb welcher wir stehen, sind ja, man kann sagen, so, daß sie für viele heute noch, wenn es auch wenig bemerkt wird, eine Art Zustand der Betäubnis hervorrufen. Und was eigentlich geschieht, wie eingreifend die Dinge, die da geschehen, in die menschliche Entwickelung sind, das in vollem Umfang zu erkennen, dazu werden diejenigen Seelen, welche diese Menschheitskatastrophe hier auf dem physischen Plan überleben, wohl erst nach einiger Zeit aufwachen. Um so mehr müssen wir es uns angelegen sein lassen, dasjenige vor unsere Seele zu rufen, was wir Gedanken nennen können, die beleuchtend sind für die Aufgaben und Ziele dieser für die Menschheit so notwendigen geisteswissenschaftlichen Bewegung. Und für uns wird es vielleicht besonders gut sein, da wir nach langer Zeit wiederum zusammen sind, das Spezifische unserer Anschauung von dieser Geisteswissenschaft uns einmal mit einigen kurzen Gedanken vor die Seele zu führen; besser würde ich vielleicht sagen, von derjenigen Anschauung, die sich naturgemäß ergeben kann aus jener Geisteswissenschaft, die wir nun seit vielen Jahren vor unsere Seele hinstellen.
[ 3 ] Well, the times in which we live are such that they can make us increasingly aware of the significance that the pursuit of spiritual knowledge must have for humanity today and in the near future. The events in which we find ourselves are, one might say, such that they still evoke a kind of stupor in many people today, even if this goes largely unnoticed. And to fully recognize what is actually happening—and just how profoundly the events unfolding here affect human development—the souls who survive this catastrophe of humanity here on the physical plane will likely only awaken to this after some time has passed. All the more reason, then, for us to make it our business to bring before our souls what we might call thoughts that shed light on the tasks and goals of this spiritual-scientific movement, which is so necessary for humanity. And since we are together again after such a long time, it may be particularly beneficial for us to bring to mind, with a few brief thoughts, the specific nature of our view of this spiritual science; or perhaps I should say, of the view that naturally arises from that spiritual science which we have been holding before our souls for many years now.
[ 4 ] Daß die Menschen, wenigstens in diesem oder jenem ihrer Vertreter, überall heute die Sehnsucht entwickeln, der geistigen Welt nahezukommen, trotzdem auf der anderen Seite bedauerlicherweise der Materialismus nicht abnimmt, das kann aber doch bemerkt werden. Und gerade aus mancher Form, in der die Sehnsucht nach dem Geiste auftaucht, kann uns das Bedürfnis entstehen, das Spezifische unseres Suchens nach dem geistigen Leben uns einmal vor die Seele zu rücken. In England macht gegenwärtig das Suchen eines hervorragenden Gelehrten nach der geistigen Welt den allergrößten Eindruck auf die weitesten Kreise auch der gebildetsten Leute dort. Und es ist eine immerhin außerordentlich bemerkenswerte Erscheinung, daß von einem dort unter die allerersten wissenschaftlichen Geister gezählten Manne ein umfangreiches Buch geschrieben worden ist über den Zusammenhang der Menschheit hier auf der Erde mit der geistigen Welt, das eine ganz merkwürdige Form hat. Sir Oliver Lodge, der ja seit Jahren allerdings sich in der verschiedensten Weise bemüht, die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse, zu denen er gelangt ist, so zu erweitern, daß sie ihm Aufschlüsse geben können über die geistige Welt, hat ein dickes Buch geschrieben über einen ganz besonderen Fall von Beziehungen, in die er gekommen sein will zu der geistigen Welt. Die Sache verhält sich folgendermaßen.
[ 4 ] It can certainly be observed that people everywhere today—at least in some of their representatives—are developing a longing to draw closer to the spiritual world, even though, regrettably, materialism is not on the decline. And it is precisely from some of the forms in which this longing for the spiritual manifests itself that the need may arise for us to bring the specific nature of our search for spiritual life to the forefront of our consciousness. In England at present, the search for the spiritual world undertaken by an outstanding scholar is making a profound impression on the widest circles of even the most educated people there. And it is, after all, an extraordinarily remarkable phenomenon that a man counted among the very foremost scientific minds there has written a comprehensive book on the connection between humanity here on Earth and the spiritual world—a book that takes a quite unusual form. Sir Oliver Lodge, who for years has indeed been striving in various ways to expand the scientific insights he has gained so that they might provide him with insights into the spiritual world, has written a thick book about a very special case of connections he claims to have established with the spiritual world. The matter stands as follows.
[ 5 ] Sir Oliver Lodge hatte einen Sohn, Raymond Lodge. Der nahm 1915 auf englischer Seite an dem Krieg in Flandern teil. Während die Eltern Lodge den Sohn noch auf dem Kriegsschauplatz wußten, bekamen sie eine merkwürdige Nachricht aus Amerika. Eine Nachricht, die ganz gewiß für, ich möchte sagen, materialistisch gesinnte Spiritualisten außerordentlich frappierend sein mußte. Die Nachricht war so gehalten, daß aus ihr entnommen werden sollte, daß der vor vielen Jahren verstorbene englische Psychologe, der sich viel befaßt hat mit den Beziehungen der physischen Welt zu der geistigen Welt, Myers, der also seit Jahren bereits in der geistigen Welt weilt, daß dieser sich des jungen Raymond Lodge in der nächsten Zeit annehmen werde. Zunächst war es unklar, auf was sich das beziehen könne. Diese Nachricht traf allerdings etwas verspätet bei Sir Oliver Lodge ein. Sie traf ein, als Raymond Lodge, der Sohn, bereits gefallen war. Ich glaube vierzehn Tage später, ich weiß es nicht mehr genau. Nun bekam man also die Nachricht von dem Tode, und man bekam ferner wiederum aus Amerika Nachricht, die durch Medien vermittelt war, daß man sich an englische Medien wenden solle. Und siehe da, man wendete sich an englische Medien, und zwar an Medien, denen Sir Oliver Lodge — man kann das sagen, ich werde ja nachher gleich über die Bedeutung des Falles sprechen — mit genügender Kritik gegenüberstand. Sir Oliver Lodge ist Wissenschafter und ist geschult dazu, solche Dinge in wissenschaftlicher Weise zu prüfen. Er ging nach seiner Meinung ganz so zu Werke, wie man beim Laboratoriumsversuch zu Werke geht. Und was sich nun ergab, wurde nicht von einem, sondern sogar von mehreren Medien konstatiert: Raymond Lodges Seele wollte sich der Familie des Sir Oliver Lodge ankündigen. Es kam zu allerlei Schreib- und Klopfmitteilungen, zu Mitteilungen, die ihrem Inhalte nach für die Familie Lodge so überraschend waren, daß nicht nur Sir Oliver Lodge von der Wahrheit der Sache überzeugt war, sondern auch die übrigen Familienmitglieder, die solchen Dingen bis dahin außerordentlich skeptisch gegenüberstanden. Raymond Lodges Seele kündigte unter anderem an, daß Myers, der längst Verstorbene, schützend ihr zur Seite stünde, kündigte Verschiedenes an über seine letzte Zeit vor dem Tode, allerlei anderes noch, das von Bedeutung war für die Eltern und Geschwister und einen großen Eindruck machte, namentlich weil Verschiedenes, das Raymond Lodge durch die Medien mitteilen ließ, direkt bestimmt war, an die Familie und namentlich an Sir Oliver Lodge heranzukommen. Die Art und Weise der Sitzungen, die gehalten worden sind, waren für die Familie und für Sir Oliver Lodge, merkwürdigerweise muß ich sagen, und für eine weite Presse — soweit ich es verfolgen konnte — außerordentlich überraschend. Sie können nicht überraschend sein für denjenigen, der in solchen Dingen Erfahrung hat, denn im Grunde genommen konnte seiner Art und Gattung nach dasjenige, was da durch Medien von einem Toten vermittelt worden ist, jeder, der mit der Technik und dem Verlauf von solchen Sitzungen nur irgend bekannt ist, kennen. Einen besonders tiefen Eindruck hat aber in England vor allem ein Faktum gemacht. Und dieses Faktum ist wohl dasjenige, welches am meisten geeignet sein wird, in allerweitesten Kreisen der englischen gebildeten Welt, auch der amerikanischen gebildeten Welt, geradezu Überzeugung hervorzurufen, und zwar eine Überzeugung, wie sie vorher in unserer skeptischen Zeit bei sehr vielen Menschen nicht da war, bei denen sie nun gerade durch diese Sache eingetreten ist und eintreten wird. Das Faktum, das besonders starken Eindruck auf die Familie Lodge, auf Sir Oliver Lodge besonders, und auf die breite Öffentlichkeit gemacht hat, ist das folgende.
[ 5 ] Sir Oliver Lodge had a son, Raymond Lodge. In 1915, he fought on the British side in Flanders. While the Lodge parents still believed their son was on the battlefield, they received a strange message from America—a message that must certainly have been extraordinarily startling for, I might say, materialistically minded spiritualists. The message was worded in such a way as to suggest that the English psychologist Myers—who had died many years earlier and had devoted much of his work to the relationship between the physical world and the spiritual world, and who had thus been in the spiritual world for years—would soon take young Raymond Lodge under his wing. At first, it was unclear what this could refer to. However, this message reached Sir Oliver Lodge somewhat belatedly. It arrived after Raymond Lodge, the son, had already fallen in battle. I believe it was fourteen days later; I no longer remember exactly. So now the news of his death arrived, and furthermore, news came again from America—conveyed through mediums—that one should turn to English mediums. And lo and behold, they turned to English mediums, specifically to mediums toward whom Sir Oliver Lodge—one can say this; I will speak about the significance of the case shortly—was sufficiently critical. Sir Oliver Lodge is a scientist and is trained to examine such matters scientifically. In his view, he proceeded exactly as one would in a laboratory experiment. And what emerged was confirmed not by one, but by several mediums: Raymond Lodge’s soul sought to make its presence known to Sir Oliver Lodge’s family. All sorts of written and tapping messages were received—messages whose content was so surprising to the Lodge family that not only was Sir Oliver Lodge convinced of the truth of the matter, but so were the other family members, who had previously been extremely skeptical of such things. Among other things, Raymond Lodge’s spirit announced that Myers, who had long since passed away, was standing by her side to protect her; it also revealed various details about his final days before his death, as well as all sorts of other matters that were significant to her parents and siblings and made a great impression, particularly because various things that Raymond Lodge had the mediums convey were directly intended to reach the family and, in particular, Sir Oliver Lodge. The manner in which the séances were conducted was, strangely enough I must say, extremely surprising to the family, to Sir Oliver Lodge, and to much of the press—as far as I was able to follow. They cannot be surprising to anyone with experience in such matters, for, fundamentally, anyone even slightly familiar with the technique and procedure of such séances could have anticipated the nature and character of what was conveyed there by mediums on behalf of a deceased person. One fact, however, made a particularly deep impression in England. And this fact is probably the one most likely to inspire genuine conviction in the widest possible circles of the educated world in England—and indeed in the educated world in America—a conviction that was previously absent among very many people in our skeptical age, but which has now taken hold and will continue to take hold precisely because of this matter. The fact that has made a particularly strong impression on the Lodge family—on Sir Oliver Lodge in particular—and on the general public is the following:
[ 6 ] Durch eines der Medien wurden Photographien beschrieben, welche zu Lebzeiten von Raymond Lodge angefertigt worden sind. Sie wurden in der Weise beschrieben, daß Raymond Lodge selber dem Medium eingab, das sich beschreibend durch Klopftöne äußerte, wie die Photographien ausschauen. Nun wurde auf diesem Wege eine Gruppenphotographie beschrieben; das heißt also, durch das Medium kam heraus, daß die Seele des Raymond Lodge eine Gruppenphotographie beschreiben wollte, die von ihm aufgenommen worden ist kurze Zeit bevor er durch des Todes Pforte gegangen ist. Da hat er sich, so sagt er vom Jenseits heraus, mit Kollegen photographieren lassen, die in zwei Gruppen hintereinander aufgenommen worden waren; so und so war die Anordnung, er saß an der Stelle. Und er gab außerdem auf diesem Wege an, daß mehrere Aufnahmen gemacht worden sind, aber hintereinander, wie das die Photographen tun. Und zwar gab er genau an, wodurch sich diese unmittelbar hintereinander gemachten Photographien unterscheiden. Er sitzt überall auf demselben Stuhl, ungefähr auch mit derselben Hauptgeste, nur ein klein wenig ist die Lage des Arms und dergleichen verändert. Das gibt er sehr genau an. Nun, die Familie Lodge wußte von diesen Photographien nichts, sie wußte nicht, daß eine solche Photographie gemacht worden ist. Es war also zunächst das Faktum vorhanden, daß auf dem Umweg durch das Medium eine Gruppenphotographie beschrieben worden ist, welche Raymond Lodge darstellen sollte im Kreise seiner Kameraden. Nach einiger Zeit, vielleicht nach vierzehn Tagen, kam nun wirklich von Frankreich herüber diese Photographie bei Sir Oliver Lodge an, und zwar ganz genau so, wie sie durch das Medium nach den Angaben der Seele von Raymond Lodge beschrieben worden ist. Das hat einen besonders starken Eindruck gemacht. Und derjenige, der in solchen Dingen Dilettant ist und es hat sich ja gezeigt, daß eigentlich alle Welt, die da in Betracht kam, Dilettant war —, mußte also auch einen starken Eindruck haben. Es ist ein Experimentum crucis. Man hat es damit zu tun, daß eine Seele von jenseits herüber eine Photographie in mehreren voneinander verschiedenen Aufnahmen beschreibt, die etwa erst nach vierzehn Tagen bei der Familie eintrifft, und die mit diesen Angaben genau übereinstimmt. So daß man sagen kann: Keine Spur kann vorliegen, daß das Medium oder irgendein Mitglied der Sitzung — und Mitglieder waren die Angehörigen der Familie Lodge — irgend etwas von dieser Photographie gesehen haben konnten. Sehen Sie, wir haben da einen Fall, der ganz besonders ins Auge zu fassen ist: auf der einen Seite wissenschaftlich ins Auge zu fassen ist, auf der anderen Seite aber auch kulturhistorisch ins Auge zu fassen ist. Denn nicht nur, daß man voraussetzen kann, daß so etwas selbstverständlich einen großen Eindruck machen kann; es ist auch wirklich geschehen, es hat einen ungeheuren Eindruck gemacht. Und soweit man verfolgen konnte, wirkte gerade diese Beschreibung der Photographie, die also nicht auf Gedankenübertragung beruhen konnte, tief überzeugend.
[ 6 ] One of the mediums described photographs that had been taken during Raymond Lodge’s lifetime. They were described in such a way that Raymond Lodge himself communicated to the medium—who expressed himself through tapping sounds—what the photographs looked like. In this way, a group photograph was described; that is to say, the medium conveyed that the soul of Raymond Lodge wished to describe a group photograph that he had taken shortly before he passed through the gates of death. He says—speaking from the afterlife—that he had his picture taken with colleagues who were photographed in two groups one after the other; the arrangement was such and such, and he was sitting in that spot. He also indicated in this way that several photographs were taken, but one after the other, as photographers do. In fact, he specified exactly how these photographs, taken immediately one after the other, differed from one another. In every one, he is sitting in the same chair, with roughly the same head posture; only the position of his arm and such details have changed ever so slightly. He describes this in great detail. Now, the Lodge family knew nothing about these photographs; they did not know that such a photograph had been taken. So initially there was the fact that, through the medium, a group photograph had been described—one that was supposed to depict Raymond Lodge surrounded by his comrades. After some time—perhaps fourteen days—this photograph actually arrived from France at Sir Oliver Lodge’s residence, and it was exactly as it had been described by the medium based on the information provided by the soul of Raymond Lodge. This made a particularly strong impression. And anyone who is a layman in such matters—and it turned out that virtually everyone involved was a layman—could not help but be deeply impressed as well. It is a crucial test. We are dealing with a situation in which a soul from the beyond describes a photograph in several distinct images, which arrives at the family’s home only after about fourteen days and corresponds exactly to these descriptions. So one can say: There is no trace whatsoever that the medium or any member of the séance—and the members were the Lodge family—could have seen anything of this photograph. You see, we have a case here that deserves special attention: on the one hand, it must be examined scientifically; on the other hand, it must also be examined from a cultural-historical perspective. For not only can one assume that something like this would naturally make a great impression; it actually happened, and it made an immense impression. And as far as one could tell, it was precisely this description of the photograph—which, after all, could not have been based on telepathy—that was deeply convincing.
[ 7 ] Für uns handelt es sich besonders darum, den ganzen Fall ins Auge zu fassen. Denn wir müssen uns über folgendes klar sein: Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes geht, so haben wir es zunächst damit zu tun, daß die menschliche Individualität nunmehr für kurze Zeit eingehüllt ist vom Astralleib und Ätherleib, daß dieser Ätherleib nach kürzerer oder längerer Zeit, aber immerhin nach einer Zeit, welche, wie wir wissen, nach Tagen zu bemessen ist, mitgeteilt wird der ätherischen Welt und dort ihr weiteres Schicksal durchmacht, so daß die Individualität mit dem Astralleib in der geistigen Welt ihre weitere Wanderung antritt. Und so wie der physische Leib hier auf der Erde abgesondert ist von der Individualität, so ist es auch der menschliche Ätherleib. Nun müssen wir uns klar sein darüber, daß in spiritistischen Sitzungen — und mit spiritistischen Sitzungen hat man es in dem ganzen Werke des Sir Oliver Lodge zu tun — nur von einem gründlichen Kenner unterschieden werden kann, ob die Kommunikation da ist mit der wirklichen Individualität oder bloß mit dem abgelegten, zurückgebliebenen ätherischen Leichnam. Dieser ätherische Leichnam steht trotzdem in einer fortwährenden Kommunikation mit der Individualität. Nun, wenn man auf dem Umwege durch ein Medium eine Verbindung herstellt mit der geistigen Welt, so stellt man sie zunächst mit dem Ätherleib her, und man kann nie sicher sein, ob man auf diesem Umwege wirklich an die Individualität herangelangt. Es ist ja gewiß das Bestreben unserer Zeit, auch für das spirituelle Sein etwas wie den Laboratoriumsversuch zu finden, etwas, was man mit Händen greifen kann, was man unmittelbar in der materiellen Welt vor sich hat. Auf den inneren Weg, auf dem die Seele in die geistigen Welten wandern soll, auf den reinen Geistesweg mag sich unsere materialistische Zeit nicht gerne einlassen. Sie will, daß auch der Geist sich materiell ankünde, daß dieser Geist in die materielle Welt hinuntersteigt. Wir erleben alle Phasen des materialistischen Spiritualismus, des materialistischen Sich-Hinwendens zur geistigen Welt.
[ 7 ] For us, the main concern is to take a comprehensive view of the entire situation. For we must be clear about the following: When a human being passes through the gate of death, we are initially dealing with the fact that the human individuality is now, for a short time, enveloped by the astral body and the etheric body; that this etheric body, after a shorter or longer period of time, but in any case after a period of time—which, as we know, is measured in days—is transferred to the etheric world and undergoes its further destiny there, so that the individuality, together with the astral body, begins its further journey in the spiritual world. And just as the physical body here on Earth is separated from the individuality, so too is the human etheric body. Now we must be clear that in spiritualist séances—and the entire body of Sir Oliver Lodge’s work deals with spiritualist séances—only a thorough expert can distinguish whether the communication is with the actual individuality or merely with the discarded, remaining etheric corpse. This etheric corpse nevertheless remains in constant communication with the individuality. Now, when one establishes a connection with the spiritual world indirectly through a medium, one first establishes it with the etheric body, and one can never be certain whether, through this indirect route, one is truly reaching the individuality. It is certainly the aspiration of our time to find, even for spiritual existence, something akin to a laboratory experiment—something tangible, something immediately present in the material world before one’s eyes. Our materialistic age is reluctant to embrace the inner path along which the soul is meant to journey into the spiritual worlds—the path of pure spirituality. It wants the spirit, too, to manifest itself materially, for this spirit to descend into the material world. We are experiencing all phases of materialistic spiritualism, of the materialistic turning toward the spiritual world.
[ 8 ] Nun ist durchaus möglich, daß der ätherische Leib, der sich absondert von der eigentlichen menschlichen Individualität, eine gewisse Art von Eigenleben zeigt, das für den Laien durchaus zu verwechseln ist mit dem Leben der Individualität. Man darf nämlich nicht glauben, daß dieser Ätherleib, wenn er nun der ätherischen Welt übergeben ist, nur Reminiszenzen, nur Erinnerungen, nur Nachklänge zeigen würde an dasjenige, was der Mensch hier durchgemacht hat, sondern er zeigt sich als eine wirklich fortlebende Individualität. Er kann ganz Neues kundgeben und hervorbringen. Und dennoch, wer da glaubt, durch diese Verbindung mit dem Ätherleibe in einer Verbindung mit der Individualität zu sein, der ist auf falscher Fährte. Insbesondere ist das möglich, wenn in einem Kreise, wie in diesem Kreise von der Familie Sir Oliver Lodges — es waren alles Mitglieder der Familie —, Menschen herumsitzen, welche so oder so geartete Gedanken hinlenkten nach dem Verstorbenen, wie es natürlich war in der Seele eines jeden dieser Mitglieder der Familie Lodge. Gedanken an den Verstorbenen, mannigfaltige Erinnerungen, die teilten sich auf dem Umwege durch die mediale Kraft des Mediums dem Ätherleibe mit, und der Ätherleib gibt wiederum manchmal ganz und gar frappierende Antworten zurück, die durchaus sich so ausnehmen, als ob die Individualität des Toten die Antworten gäbe. Dennoch braucht man es nur mit dem abgelegten ätherischen Leichnam zu tun zu haben. Und für denjenigen, der mit diesen Dingen bekannt ist, findet wirklich das statt, daß überall, wo geschildert wird, wie durch das Medium das oder jenes von Raymond Lodge an die Mitglieder der Familie des Sir Oliver Lodge kommt, eigentlich nur der ätherische Leichnam spricht, ohne daß die Individualität des Raymond Lodge wirklich in Kommunikation gestanden hätte mit dem ganzen Kreise. Es sind daher auch, wie gesagt, für denjenigen, der bewandert ist in dem Verlauf von solchen Sitzungen, alle die Mitteilungen nicht besonders frappierend.
[ 8 ] It is entirely possible that the etheric body, once separated from the actual human individuality, exhibits a certain kind of life of its own that the layperson might easily confuse with the life of the individuality. For one must not believe that this etheric body, once it has been handed over to the etheric world, would merely display reminiscences, memories, or echoes of what the human being has experienced here; rather, it manifests itself as a truly enduring individuality. It can reveal and bring forth something entirely new. And yet, anyone who believes that through this connection with the etheric body they are in connection with the individuality is on the wrong track. This is particularly possible when, in a circle such as this one—composed of Sir Oliver Lodge’s family, all of whom were family members—people sit together who, in one way or another, directed their thoughts toward the deceased, as was natural in the soul of each of these members of the Lodge family. Thoughts of the deceased, manifold memories—these were conveyed to the etheric body indirectly through the medium’s psychic power, and the etheric body, in turn, sometimes gives back quite startling answers that certainly appear as if the individuality of the dead person were providing them. Nevertheless, one is dealing only with the discarded etheric corpse. And for those familiar with these matters, what actually takes place is that wherever it is described how, through the medium, this or that message from Raymond Lodge reaches the members of Sir Oliver Lodge’s family, it is in fact only the etheric corpse that speaks, without the individuality of Raymond Lodge having actually been in communication with the entire group. Therefore, as I said, for those who are well-versed in the course of such séances, none of these messages are particularly striking.
[ 9 ] Es hätte das Ganze wahrscheinlich auch nicht auf einen weiten Kreis einen so bedeutsamen Eindruck gemacht und würde ihn nicht weiter machen, wenn nicht die Photographie-Geschichte vorläge. Denn diese Photographie-Geschichte ist doch etwas außerordentlich Merkwürdiges. Denn es ist doch unmöglich, daß irgendwie aus dem Kreis — wie das bei allen anderen Dingen, die in den Sitzungen vorkamen, möglich ist — Gedanken hätten hingehen können durch das Medium zu dem ätherischen Leibe. Denn niemand konnte in England etwas von den Photographien wissen; die waren noch nicht angekommen, als die Mitteilungen durch das Medium gemacht wurden. Trotzdem ist es höchst merkwürdig, daß jemand, der so lange schon sich für diese Dinge interessiert und der außerdem ein so gelehrter Wissenschafter ist wie Sir Oliver Lodge, daß der nicht weiß, wie eine solche Sache aufzufassen ist. Ich habe wirklich mich bemüht, in diesem Falle in die Sache genauer hineinzuschauen, und das ist sehr gut möglich, weil eben gerade Sir Oliver Lodge Gelehrter, Wissenschafter ist, und deshalb in einer Weise beschreibt, auf die man sich verlassen kann; so daß man es nicht zu tun hat mit irgendwelchem Protokoll einer gewöhnlichen spiritistischen Sitzung, sondern mit den Mitteilungen eines Mannes, der mit der Sicherheit eines Wissenschafters schildert, der gewöhnt ist, die wissenschaftliche Gewissenhaftigkeit zu entwickeln, die ein Chemiker in den Laboratoriumsversuchen entfaltet. Man kann aus der Schilderung, die außerordentlich gewissenhaft gemacht ist, sich ein vollständiges Bild machen desjenigen, um was es sich handelt. Man muß nur wissen, um was es sich handelt.
[ 9 ] The whole thing probably would not have made such a significant impression on a wide audience—nor would it continue to do so—if it weren’t for the story of the photograph. For this story of the photograph is, after all, something extraordinarily strange. For it is simply impossible that thoughts could have been transmitted from the circle—as is possible with all other phenomena that occurred during the séances—through the medium to the etheric body. After all, no one in England could have known anything about the photographs; they had not yet arrived when the messages were conveyed through the medium. Nevertheless, it is highly peculiar that someone who has been interested in these matters for so long—and who, moreover, is such a learned scientist as Sir Oliver Lodge—should not know how to interpret such a phenomenon. I have truly made an effort to examine this matter more closely, and that is quite possible precisely because Sir Oliver Lodge is a scholar and scientist, and therefore describes it in a way that can be relied upon; so that we are not dealing with some ordinary transcript of a spiritualist séance, but with the accounts of a man who describes the matter with the certainty of a scientist accustomed to exercising the scientific rigor that a chemist applies in laboratory experiments. From this account, which is exceptionally thorough, one can form a complete picture of what is at stake. One need only know what is at stake.
[ 10 ] Da ist es sehr merkwürdig, daß jemand durch das außerordentliche Interesse, das er dadurch hat, daß es sich um seinen Sohn handelt, jemand, der sich doch schon durch viele Jahre für diese Dinge interessiert, also ein gelehrter Mann wie Sir Oliver Lodge, nichts weiß von demjenigen, was wir innerhalb unserer Geisteswissenschaft öfter beschrieben haben, wenn wir die atavistischen Formen des Hellsehens beschrieben haben als Vorahnung, als Deuteroskopie. Denn man hat in diesem Falle es mit nichts anderem zu tun als mit einem ganz besonderen Falle der Deuteroskopie. Die Sache ist so: Wir haben es mit einem Medium zu tun. Diesem Medium ist in gewisser Weise — selbstverständlich durch atavistische Kräfte — die geistige Welt offen, das wissen wir. Solche Medien überbrücken in ihrem Schauen den Raum. Aber nicht nur, daß sie in dem sogenannten zweiten Gesicht den Raum überbrücken, sondern sie überbrücken auch die Zeit. Und nehmen wir einen sehr einfachen Fall, den Fall, der hundert und hundertmal beschrieben ist — Sie können die Fälle beschrieben lesen, wenn Sie nicht selber so etwas bei sich oder bei Bekannten erlebt haben —, daß jemand, der besonders dazu veranlagt ist, wie traumhaft, aber in halber Vision, als Zukunftsereignis seinen eigenen Sarg oder Leichenzug sieht. Er stirbt in vierzehn Tagen. Er hat das gesehen, was sich erst in vierzehn Tagen zuträgt. Man kann nicht nur seinen eigenen Sarg oder Leichenzug, sondern zum Beispiel einen fremden Leichenzug sehen, ein ganz gleichgültiges Ereignis sehen, zum Beispiel — ich erzähle einen bestimmten Fall — sehen, wie man nach vierzehn Tagen oder drei Wochen aufs Land hinausgerufen wird und vom Pferde stürzt. Der Fall ist vorgekommen. Jemand hat das genau gesehen, hat versucht, Vorkehrungen zu treffen; aber diese Vorkehrungen sind so ausgefallen, daß die Sache trotzdem passiert ist. Da haben wir es mit einem Überbrücken der Zeit zu tun. Nichts anderes aber ist das, was Sir Oliver Lodge beschreibt, als ein Überbrücken der Zeit. Nichts anderes. Seine Beschreibung ist wirklich so genau, daß die Nachprüfung durchaus möglich ist. Das Medium hat durch seine mediale Kraft das zukünftige Ereignis gesehen. Als das Medium sprach, war die Photographie nicht da, aber sie kam in vierzehn Tagen, oder so ungefähr, an. Sie wurde umhergezeigt. Das fand erst nach einiger Zeit statt, aber das sah das Medium voraus. Es war ein prophetisches Vorgesicht, eine Deuteroskopie. Man hat es zu tun mit einem Vorgesicht; das ist es, was die Sache erklärt. Das hat also gar nichts zu tun mit einer Kommunikation zwischen demjenigen, der hier auf dem physischen Plan ist, und dem, der in der geistigen Welt ist.
[ 10 ] It is very strange, then, that someone—driven by the extraordinary interest he has because his son is involved, someone who has, after all, been interested in these matters for many years— —that is, a learned man like Sir Oliver Lodge—knows nothing of what we have often described within our spiritual science when we have described the atavistic forms of clairvoyance as premonition, as deuteroscopy. For in this case, we are dealing with nothing other than a very special case of deuteroscopy. The situation is as follows: We are dealing with a medium. To this medium, in a certain sense—through atavistic forces, of course—the spiritual world is open; we know that. Such mediums bridge space in their vision. But not only do they bridge space through what is called “second sight,” they also bridge time. And let’s take a very simple case, one that has been described a hundred and a hundred times—you can read about such cases if you haven’t experienced something like this yourself or seen it happen to acquaintances—where someone with a particular predisposition sees, as if in a dream but in a half-vision, their own coffin or funeral procession as a future event. They will die in fourteen days. He has seen what will not happen for another fourteen days. One can see not only one’s own coffin or funeral procession, but also, for example, a stranger’s funeral procession—a completely unrelated event—for instance—I’m recounting a specific case—seeing how, after fourteen days or three weeks, one is called out to the countryside and falls from a horse. This actually happened. Someone saw it clearly and tried to take precautions; but those precautions turned out in such a way that the event happened anyway. Here we are dealing with a bridging of time. What Sir Oliver Lodge describes is nothing other than a bridging of time. Nothing else. His description is so precise that verification is entirely possible. Through his mediumistic power, the medium saw the future event. When the medium spoke, the photograph was not there, but it arrived in about fourteen days. It was shown around. This did not take place until some time later, but the medium foresaw it. It was a prophetic foresight, a deuteroscopy. We are dealing with a foresight; that is what explains the matter. So this has absolutely nothing to do with communication between someone who is here on the physical plane and someone who is in the spirit world.
[ 11 ] Sie sehen, wie sehr man verwirrt werden kann durch das Streben nach materialistischer Ausdeutung der geistigen Verhältnisse in der Welt, wie sehr man blind sein kann gegen dasjenige, was wirklich ist. Es ist ja wahrhaftig nicht minder ein Beweis für die Realität einer Welt, die hinter der gewöhnlichen Sinneswelt steht, daß solch ein Vorgesicht da ist. Der Fall ist interessant, nur kann man ihn nicht verwerten für die Konstatierung des Verhältnisses zwischen Lebenden und Verstorbenen. Die Verstorbenen müssen aufgesucht werden — wenn sie aufgesucht werden sollen und dürfen — auf dem Wege, der ein wirklich geistiger ist. Über diese Dinge werden wir ja in der nächsten Zeit noch mannigfaltige Betrachtungen anstellen, denn ich gedenke gerade über die Frage der Beziehungen der Lebenden zu den Toten in der nächsten Zeit verschiedene Kapitel hier zu besprechen.
[ 11 ] You can see how very one can be led astray by the pursuit of a materialistic interpretation of the spiritual conditions in the world, and how very one can be blind to what is truly real. Indeed, the very existence of such a premonition is no less proof of the reality of a world that lies beyond the ordinary sensory world. The case is interesting, but it cannot be used to establish the relationship between the living and the deceased. The deceased must be sought out—if they are to be and may be sought out—by a path that is truly spiritual. We will, of course, be making many further reflections on these matters in the near future, for I intend to discuss various chapters here in the coming days specifically on the question of the relationship between the living and the dead.
[ 12 ] Nun, ich habe Ihnen diese Schrift von Sir Oliver Lodge über Raymond Lodges Seele vorgeführt aus dem Grunde, um Ihnen zu zeigen, wie dasjenige Sehnen nach der geistigen Welt beschaffen ist, das ja vorhanden ist, das man aber eine materialistische Art dieses Sehnens nennen kann. Oliver Lodge ist eben materialistischer Gelehrter. Wenn er auch nach der geistigen Welt strebt, er will doch die geistige Welt nach Art der physikalischen oder chemischen Welt kennenlernen. Wie er die chemischen Gesetze erforscht im Laboratorium, so will er auch das augenscheinlich vor sich haben, was sich auf die geistige Welt bezieht. Und ganz ferne liegt ihm jener Weg, den wir als den richtigen anerkennen müssen, der Weg, den die Seele auf innerliche Art hin nach der geistigen Welt nimmt, und den wir ja so oft beschrieben haben, wie wir nicht minder beschrieben haben, was da die Seele kennenlernt als zunächst uns heute in der Gegenwart angehend und der Welt der physischen Sinne, in der wir leben, zugrunde liegend. Gerade an den Bestrebungen, die auf materialistische Art nach der geistigen Welt hingehen, kann man den ganzen materialistischen Charakter unserer Zeit kennenlernen. Und wenn unsere Bewegung einen Sinn haben soll, das heißt, den Sinn haben soll, der für sie folgen muß aus dem notwendigen Entwickelungsgesetz der Menschheit, dann muß sie gerade scharf betonen das Geistig-Innerliche, das wirklich Spirituelle gegenüber diesem materialistischen Streben, das heißt absurden Streben nach der geistigen Welt.
[ 12 ] Well, I have presented this essay by Sir Oliver Lodge on Raymond Lodge’s soul to you for the purpose of showing you the nature of that longing for the spiritual world—a longing that certainly exists, but which one might call a materialistic form of such longing. Oliver Lodge is, after all, a materialist scholar. Even though he strives toward the spiritual world, he still wants to understand it in the same way he understands the physical or chemical world. Just as he investigates the laws of chemistry in the laboratory, so too does he want to have before him, in a tangible way, whatever pertains to the spiritual world. And far removed from him is the path that we must recognize as the correct one—the path that the soul takes inwardly toward the spiritual world, a path we have described so often, just as we have described what the soul comes to know as primarily relevant to us today in the present and as underlying the world of the physical senses in which we live. It is precisely in the endeavors that approach the spiritual world in a materialistic way that one can recognize the entire materialistic character of our time. And if our movement is to have a purpose—that is, the purpose that must follow for it from the necessary law of human development—then it must emphatically stress the spiritual-inner, the truly spiritual, in contrast to this materialistic striving, that is, this absurd striving toward the spiritual world.
[ 13 ] Und warum muß denn in der Gegenwart eine ganz andere Art als die materialistische es ist, nämlich eine rein geistige Art, wirklich die Menschenherzen ergreifen? Diese Frage müssen wir im Zusammenhang betrachten mit einer Tatsache, auf die wir öfter hingewiesen haben im Laufe der Jahre, und die uns gerade besonders in diesen Tagen, in diesen Leidens- und Prüfungstagen nahegehen muß. Wir haben hingewiesen darauf, wie dieses zwanzigste Jahrhundert die Anschauung des ätherischen Christus unter die Menschheit bringen muß. Und so wahr, wir haben das oft gesagt, als zur Zeit des Mysteriums von Golgatha der Christus physisch unter den Menschen gewandelt hat an einer bestimmten Stätte der Erde, so wahr wird über die ganze Erde hin im zwanzigsten Jahrhundert der ätherische Christus unter den Menschen wandeln. Und nicht darf, wenn gegen der Erde Heil nicht gesündigt werden soll, die Menschheit unaufmerksam an diesem Ereignis vorbeigehen; sondern sie muß die notwendige Aufmerksamkeit haben, damit eine genügende Anzahl von Menschen vorbereitet sein werden, den Christus wirklich zu schauen, der da kommen wird und der geschaut werden muß.
[ 13 ] And why must a way of life entirely different from the materialistic one—namely, a purely spiritual way of life—truly capture people’s hearts in the present day? We must consider this question in connection with a fact that we have pointed out frequently over the years, and which must be particularly close to our hearts, especially in these days—these days of suffering and trial. We have pointed out how this twentieth century must bring the vision of the etheric Christ to humanity. And just as—as we have often said—at the time of the Mystery of Golgotha the Christ walked physically among people at a specific place on Earth, so too will the etheric Christ walk among people across the entire Earth in the twentieth century. And if no sin is to be committed against the salvation of the Earth, humanity must not pass by this event inattentively; rather, it must pay the necessary attention so that a sufficient number of people will be prepared to truly behold the Christ who is to come and who must be beheld.
[ 14 ] Solch ein Ereignis, es kommt nicht ganz plötzlich, wie das Ereignis von Golgatha auch nicht plötzlich gekommen ist, sondern sich auch durch dreiunddreißig Jahre vorbereitet hat. Und so nah ist der Zeitpunkt, wo etwas, aber jetzt geistig, geschehen wird, was eine ähnliche Bedeutung haben wird für die Menschheit wie das Ereignis von Golgatha auf dem physischen Plan. Daher werden Sie es nicht unglaubhaft finden, wenn Sie im allgemeinen die oben berührte Tatsache zugeben, wenn gesagt wird, daß er eigentlich in der Form, in der er geschaut werden wird im großen Augenblick der Entwickelung im zwanzigsten Jahrhundert, schon da ist, daß sich vorbereitet der große Augenblick. Nicht unglaubhaft werden Sie es finden, wenn eben im Angesicht des großen Augenblickes gesagt wird: Dieser Augenblick bereitet sich schon vor. Ja, man kann sagen: So weit die Menschheit in ihren heutigen Taten entfernt zu sein scheint von dem Durchtränktsein mit dem Christus-Geist auf dem physischen Plan, so nahe ist den Seelen, wenn sie sich nur öffnen wollten, der Christus, der da kommt. Und der Okkultist kann geradezu darauf hindeuten, wie seit dem Jahre 1909 ungefähr in deutlich vernehmbarer Weise sich vorbereitet dasjenige, was da kommen soll; daß wir seit dem Jahre 1909 innerlich in einer ganz besonderen Zeit leben. Und es ist heute möglich, wenn es nur gesucht wird, dem Christus ganz nahe zu sein, den Christus in ganz anderer Art zu finden, als ihn frühere Zeiten gefunden haben.
[ 14 ] Such an event does not come entirely suddenly—just as the event at Golgotha did not come suddenly, but was also foreshadowed over the course of thirty-three years. And the time is drawing near when something—but now on the spiritual plane—will take place that will have a significance for humanity similar to that of the event at Golgotha on the physical plane. Therefore, you will not find it implausible—if you generally acknowledge the fact mentioned above—when it is said that He is actually already present in the form in which He will be seen at the great moment of development in the twentieth century, and that this great moment is being prepared. You will not find it implausible when, in the very face of this great moment, it is said: “This moment is already being prepared.” Yes, one can say: As far as humanity, in its present actions, seems to be removed from being imbued with the Christ Spirit on the physical plane, so close is the Christ who is coming to the souls—if only they would open themselves. And the occultist can point out quite clearly how, since about 1909, what is to come has been preparing itself in a distinctly perceptible way; that since 1909 we have been living inwardly in a very special time. And today it is possible, if one only seeks it, to be very close to Christ, to find Christ in a completely different way than in earlier times.
[ 15 ] Eines kann einem auffallen, was ich Ihnen, so einfach es klingen mag, sagen muß aus einer tiefen Zeitempfindung heraus. Leider macht man sich ja gewöhnlich nicht genug gründliche Vorstellungen über dasjenige, was vergangen ist, namentlich was vorgegangen ist mit den menschlichen Seelen in früheren Jahrhunderten. Von der Stärke des Eindrucks, den in den ersten christlichen Jahrhunderten, wenn auch auf einen geringeren Kreis als später, vielleicht nicht die heute bekannten Evangelien, aber dasjenige, was in den heute bekannten Evangelien steht, gemacht hat, von dem unendlich Starken des innerlichen Ergriffenseins der Seele macht man sich heute keine rechte Vorstellung mehr. Ja, mit den zunehmenden Jahrhunderten wurde wirklich der Eindruck, den das Innerliche der Evangelien machte, immer geringer. Und heute darf man schon sagen, wenn man sich keinen Illusionen hingibt: Der einzelne, wenn er gewisse Intuitionen hat, gewisse ahnende Kräfte hat, kann durchdringen durch das Wort der Evangelien zu einer Vorstellung desjenigen, was geschehen ist in der Zeit des Mysteriums von Golgatha; aber die ungeheure Kraft des Evangelien-Wortes selber, sie wurde geringer und immer geringer, und sie wirkt heute, wenn man sich eben keiner Illusion hingibt, in den weitesten Kreisen der Menschen nur noch schwach. Man will sich solch eine Tatsache nicht mehr gestehen; aber es wäre gut, weil es die Wahrheit ist, wenn man es sich gestehen wollte. Wie kommt das?
[ 15 ] There is one thing that may strike you, which I must tell you—as simple as it may sound—out of a deep sense of time. Unfortunately, people usually do not form a thorough enough understanding of what has passed, particularly what happened to human souls in earlier centuries. We no longer have a true sense of the power of the impression made in the first Christian centuries—albeit on a smaller circle than later—perhaps not by the Gospels known today, but by what is contained in the Gospels known today; nor do we have a true sense of the infinitely powerful inner stirring of the soul. Indeed, as the centuries passed, the impact made by the inner essence of the Gospels did indeed grow ever weaker. And today, if one does not succumb to illusions, one can certainly say: The individual, if he possesses certain intuitions and certain powers of foreknowledge, can penetrate through the Word of the Gospels to a conception of what took place at the time of the Mystery of Golgotha; but the immense power of the Gospel message itself has diminished more and more, and today—if one is not under any illusions—it exerts only a faint influence even in the broadest circles of humanity. People no longer want to admit this fact to themselves; but it would be good—because it is the truth—if they were willing to acknowledge it. How did this come about?
[ 16 ] Nun, so wahr es ist, daß dasjenige, was durch die Evangelien pulst, nicht Erdenwort ist, sondern Kosmos-Wort, Himmels-Wort, eine unvergleichlich größere innere Kraftmöglichkeit hat als irgend etwas anderes auf der Erde, ebenso wahr ist es, daß der Form, in der dieses Wort niedergelegt ist in den Evangelien, aus der Zeit des Mysteriums von Golgatha heraus, die Menschen in ihren Seelen sich entfremdet haben in dieser Zeit. Denken Sie doch nur nach darüber, wie unendlich schwer es Ihnen ist, die Sprache, wenn sie zufällig an Sie herankommt, in einem Zustand zu verstehen, wie sie vor vier, fünf Jahrhunderten war. Ein Herüberübersetzen gibt ja durchaus nicht dasjenige, was wirklich da ist. Die Evangelien in der Gestalt, in der sie heute ein Mensch haben kann, sind eben nicht die ursprünglichen Evangelien, haben nicht die ursprüngliche Kraft. Man kann zu ihnen durchdringen durch eine gewisse Intuition, wie ich sagte; aber sie haben eben nicht dieselbe Kraft. Und der Christus, der hat das Wort gesprochen, das zutiefst in die Menschenseele sich eingraben soll: Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Erdenzeit. — Dies ist eine Wahrheit, dies ist eine Wirklichkeit. In verschiedener Form, in einer der Menschenseele besonders nahen Form, wird er es sein in der angedeuteten Zeit des zwanzigsten Jahrhunderts.
[ 16 ] Now, just as it is true that what pulsates through the Gospels is not an earthly word but a cosmic word, a heavenly word, possesses an incomparably greater inner potential for power than anything else on earth, it is equally true that people have become estranged in their souls from the form in which this word is recorded in the Gospels—a form that emerged from the time of the Mystery of Golgotha. Just think about how incredibly difficult it is for you to understand a language—if it happens to come your way—in the form it took four or five centuries ago. A translation simply does not convey what is truly there. The Gospels, in the form in which people can access them today, are simply not the original Gospels; they do not possess the original power. One can penetrate them through a certain intuition, as I said; but they simply do not possess the same power. And Christ—he spoke the words that are meant to be deeply engraved in the human soul: “I am with you always, even to the end of the age.”—This is a truth; this is a reality. In various forms—in a form particularly close to the human soul—he will be present during the aforementioned period of the twentieth century.
[ 17 ] Nun, aus dem, was ich gesagt habe, können Sie entnehmen, daß derjenige, der sich in diesen Dingen als Okkultist drinnenstehend fühlt, sagt: Er ist da! So ist er da, daß wir von ihm deutlich wissen, daß er nun mehr noch will mit seinen Menschenkindern, als er in verflossenen Jahrhunderten gewollt hat. Die Evangelien haben bisher innerlich zu den Menschen gesprochen. Sie sollten die Seelen ergreifen. Daher konnte man auch mit dem Glauben sich begnügen, nicht zum Wissen fortschreiten. Diese Zeit ist vorüber, diese Zeit liegt hinter uns. Der Christus hat noch ganz anderes vor mit seinen Menschenkindern. Er hat das vor, daß das Reich, von dem er gesagt hat «Mein Reich ist nicht von dieser Welt», wirklich in diejenigen Teile der Menschenwesenheit einziehe, die selber nicht von dieser Welt sind, die von einer anderen Welt sind. Denn in jedem von uns liegt der Teil des Menschen, der nicht von dieser Welt ist. Und der Teil des Menschen, der nicht von dieser Welt ist, der muß in intensiver Weise gerade suchen das Reich, von dem der Christus gesagt hat, es sei nicht von dieser Welt.
[ 17 ] Well, from what I have said, you can gather that anyone who feels deeply involved in these matters as an occultist says: He is here! He is here in such a way that we know clearly that He now desires even more for His human children than He did in past centuries. Until now, the Gospels have spoken inwardly to people. They were meant to touch the souls. That is why one could be content with faith alone, without progressing to knowledge. That time is over; that time lies behind us. Christ has entirely different plans for his human children. His plan is for the Kingdom—of which he said, “My Kingdom is not of this world”—to truly take root in those parts of human existence that are not of this world themselves, that belong to another world. For within each of us lies the part of the human being that is not of this world. And that part of the human being that is not of this world must, in an intense way, seek precisely the kingdom of which Christ said it is not of this world.
[ 18 ] In der Zeit, in der dies verstanden werden muß, leben wir. Und manche solcher Dinge in der Menschheitsentwickelung künden sich gerade an durch den tiefsten Kontrast. Und auch in unserer Zeit kündigt sich ein Großes, Bedeutsames durch den Kontrast an. Denn die Zeit wird kommen mit dem kommenden Christus, mit dem daseienden Christus, wo die Menschen lernen werden, nicht nur für ihre Seelen, sondern für das, was sie begründen wollen durch ihr unsterbliches Teil hier auf Erden, den Christus zu befragen. Der Christus ist nicht nur ein Menschen-Herrscher, er ist ein Menschen-Bruder, der befragt werden will, besonders in den kommenden Zeiten befragt werden will für alle Einzelheiten des Lebens. Was die Menschen begründen wollen, durch den Kontrast wird es begründet heute. Heute scheinen sich Ereignisse zu vollziehen, bei denen die Menschen am allerfernsten zu stehen scheinen der Frage an den Christus. Wer frägt bei demjenigen — so müssen wir uns fragen —, was heute geschieht: Was sagt der Christus Jesus dazu? — Wer frägt es? Manche sagen, daß sie es fragen, aber es wäre gotteslästerlich, zu glauben, daß sie es fragen, daß in der Form, wie sie heute gestellt werden, die Fragen wirklich an den Christus gestellt werden. Und dennoch, die Zeit muß kommen, sie darf nicht ferne sein, wo die Menschenseele in ihrem unsterblichen Teil für dasjenige, was sie begründen will, die Frage an den Christus stellt: Soll es geschehen, soll es nicht geschehen? — wo die Menschenseele den Christus als sie liebenden Genossen im Einzelfalle des Lebens neben sich sieht und nicht nur Trost, nicht nur Kraft bekommt von der Christus-Wesenheit, sondern auch Auskunft bekommt über dasjenige, was geschehen soll. Das Reich des Christus Jesus ist nicht von dieser Welt, aber es muß wirken in dieser Welt, und die Menschenseelen müssen die Werkzeuge des Reiches werden, das nicht von dieser Welt ist. Von diesem Standpunkte aus müssen wir Umschau halten danach, wie wenig heute die Frage aufgeworfen wird, die an den Christus für die einzelnen Taten und Ereignisse gestellt werden muß. Lernen aber muß die Menschheit, den Christus zu befragen.
[ 18 ] We are living in a time when this must be understood. And some such events in human development announce themselves precisely through the deepest contrast. And in our own time, too, something great and significant is heralded through contrast. For the time will come—with the coming Christ, with the Christ who is present—when people will learn to turn to Christ not only for their souls, but also for what they wish to establish through their immortal part here on earth. Christ is not merely a ruler of humanity; he is a brother to humanity who wishes to be consulted—especially in the times to come—regarding every detail of life. What people wish to establish is being established today through this contrast. Today, events seem to be unfolding in which people appear to be furthest removed from asking Christ a question. Who, we must ask ourselves, is asking Him—regarding what is happening today: What does Christ Jesus say about this?—Who is asking it? Some say they are asking it, but it would be blasphemous to believe that they are asking it—that the questions, as they are posed today, are truly being directed to Christ. And yet, the time must come—it cannot be far off—when the human soul, in its immortal part, will pose the question to Christ regarding what it seeks to justify: Shall it happen, or shall it not? — when the human soul sees Christ as a loving companion at its side in the specific circumstances of life, and receives not only comfort and strength from the Christ-essence, but also guidance regarding what is to come to pass. The Kingdom of Christ Jesus is not of this world, but it must work in this world, and human souls must become the instruments of the Kingdom that is not of this world. From this standpoint, we must look around and see how rarely the question is raised today that must be put to Christ regarding individual deeds and events. But humanity must learn to ask Christ.
[ 19 ] Wie soll das geschehen? Das kann nur dadurch geschehen, daß wir seine Sprache lernen. Derjenige, der den tieferen Sinn dessen, was unsere Geisteswissenschaft will, einsieht, der sieht in ihr nicht bloß ein theoretisches Wissen über allerlei Menschheitsprobleme, über die Glieder der Menschennatur, über Reinkarnation und Karma, sondern er sucht in ihr eine ganz besondere Sprache, eine Art und Weise, sich über geistige Dinge auszudrücken. Und daß wir lernen, durch die Geisteswissenschaft innerlich im Gedanken mit der geistigen Welt zu sprechen, das ist viel wichtiger, als daß wir uns theoretische Gedanken aneignen. Denn der Christus ist bei uns alle Tage bis ans Ende der Erdenzeiten. Seine Sprache sollen wir lernen. Und durch die Sprache — und scheint sie noch so abstrakt zu sein —, durch die wir von Saturn, Sonne, Mond und Erde und auf der Erde von verschiedenen Perioden und verschiedenen Zeiten und von verschiedenen anderen Geheimnissen der Entwickelung hören, durch diese sogenannte Lehre lehren wir uns selber eine Sprache, in die wir die Fragen gießen können, die wir stellen an die geistige Welt. Und wenn wir lernen, so recht in der Sprache dieses geistigen Lebens innerlich zu sprechen, dann, meine lieben Freunde, dann wird sich entwickeln, daß der Christus neben uns steht und uns Antwort gibt. Das ist etwas, das wir als eine Gesinnung aus unseren geisteswissenschaftlichen Bestrebungen aufnehmen sollen, als eine Empfindung, als ein Gefühl. Warum befassen wir uns mit Geisteswissenschaft? Es ist, wie wenn wir das Vokabularium derjenigen Sprache lernen sollen, durch die wir an den Christus herankommen. Und wer sich bemüht, über die Welt denken zu lernen, wie sich die Geisteswissenschaft bemüht, wer sich bemüht, seinen Kopf so anzustrengen, daß er, so wie die Geisteswissenschaft es will, in die Weltengeheimnisse hineinsieht, an den wird aus dem düster-dunklen Grunde der Weltengeheimnisse die Gestalt des Christus Jesus herantreten und ihm die starke Kraft sein, in der er leben wird, brüderlich führend an seiner Seite stehend, auf daß er mit Herz und Seele stark und kräftig sein könne, den Aufgaben der zukünftigen Menschheitsentwickelung gewachsen zu sein. Suchen wir daher nicht bloß als Lehre, suchen wir als eine Sprache uns die Geisteswissenschaft anzueignen, und warten wir dann, bis wir in dieser Sprache die Fragen finden, die wir an den Christus stellen dürfen. Er wird antworten, ja er wird antworten! Und reichliche Seelenkräfte, Seelenstärkungen, Seelenimpulse wird derjenige davontragen, der aus grauer Geistestiefe heraus, die in der Menschheitsentwickelung dieser Zeit liegt, die Anweisung des Christus vernehmen wird, die dieser dem, der sie sucht, geben will in der allernächsten Zukunft.
[ 19 ] How is this to be achieved? It can only be achieved by learning his language. Those who grasp the deeper meaning of what our spiritual science aims to achieve do not see in it merely theoretical knowledge about all manner of human problems, about the elements of human nature, about reincarnation and karma; rather, they seek in it a very special language, a way of expressing themselves about spiritual matters. And the fact that we learn, through spiritual science, to speak inwardly in thought with the spiritual world is far more important than acquiring theoretical knowledge. For Christ is with us every day until the end of time. We are to learn His language. And through this language—however abstract it may seem—through which we hear of Saturn, the Sun, the Moon, and the Earth, and on Earth of various periods, different times, and various other mysteries of evolution, through this so-called teaching we teach ourselves a language into which we can pour the questions we ask of the spiritual world. And when we learn to speak inwardly in the language of this spiritual life, then, my dear friends, it will become evident that Christ stands beside us and gives us answers. This is something we should take up as a mindset from our spiritual scientific endeavors—as a sensation, as a feeling. Why do we engage in spiritual science? It is as if we were to learn the vocabulary of the language through which we can approach Christ. And whoever strives to learn to think about the world as spiritual science strives to do, whoever strives to exert their mind in such a way that they look into the mysteries of the world as spiritual science intends—to such a person, from the gloomy depths of the world’s mysteries, and will be the strong power in which he will live, standing fraternally by his side, so that he may be strong and vigorous in heart and soul, capable of meeting the challenges of humanity’s future development. Let us therefore seek to make spiritual science our own not merely as a doctrine, but as a language, and let us then wait until we find in this language the questions we may ask of Christ. He will answer—yes, he will answer! And abundant spiritual strength, spiritual fortification, and spiritual impulses will be gained by those who, from the gray depths of the spirit that lie within the development of humanity at this time, will hear the instruction from Christ, which He intends to give to those who seek it in the very near future.
