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The Rudolf Steiner Archive

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Building Stones for an Understanding
of the Mystery of Golgotha
GA 175

13 February 1917, Berlin

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Zweiter Vortrag

Second Lecture

[ 1 ] Die Betrachtungen, die wir vor acht Tagen hier anstellten, gipfelten darin, daß es dem Geistesforscher wohl bekannt ist, wie wir gegenwärtig, trotzdem in der Außenwelt gewissermaßen der Höhepunkt, der Kulminationspunkt materialistischer Anschauung, materialistischer Gesinnung herrscht, wie wir trotzdem geistig in dem Anfangszeitlaufe einer Entmaterialisierung der Gedanken, der Vorstellungswelten stehen, was dann im Laufe der Zeit auch zu einer Vergeistigung, zu einem Durchdringen mit dem Geiste des Erdenlebens als solchem führen muß. Denn dasjenige, was das äußere Leben des physischen Planes ergreifen soll, es muß ja zuerst ergriffen werden von einigen und dann von immer mehr und mehr Menschen im geistigen Begreifen, im geistigen Erfassen. Und Geisteswissenschaft soll in dieser Beziehung ein An‚fang davon sein, daß die Menschen sich erheben in ihren Seelen zu dem, wozu sich heute schon die Seelen erheben können, wenn sie wollen, und wovon das äußere physische Leben noch kein Abbild ist, was es aber werden muß, wenn die Erde nicht gewissermaßen versumpfen soll im Niedergang der materialistischen Entwickelung. Man könnte die Situation des heutigen Menschen dadurch bezeichnen, daß man sagt, seine Seele ist eigentlich im allgemeinen ganz nah der geistigen Welt; aber die Vorstellungen und namentlich die Empfindungen, die aus der materialistischen Weltauffassung und materialistischen Weltgesinnung kommen, haben einen Schleier vor dasjenige gewoben, was im Grunde genommen heute ganz nahe vor der menschlichen Seele steht. Der Zusammenhang des physischen Erdendaseins — in dem doch der heutige Mensch, trotz mancherlei Deklamationen, die nach anderer Richtung hin gemacht werden, steht, mit seinem ganzen Wesen steht —, der Zusammenhang zwischen diesem materialistischen Erdendasein und der geistigen Welt kann von den Menschen gefunden werden, wenn der Mensch versucht, innere, mutvolle Kräfte zu entwickeln, um nicht nur dasjenige zu begreifen, was er begreifen kann dadurch, daß es sich vor seine äußeren Sinne als Natur malt, sondern auch dasjenige zu begreifen, was unsichtbar bleibt, was übersinnlich bleibt, womit man sich aber vereinigen und es erleben kann, wenn man die innere Kraft der Seele so weit aufrüttelt, daß man merkt, daß in dieser inneren Kraft der Seele ein übermenschliches Geistiges mitlebt.

[ 1 ] The reflections we offered here eight days ago culminated in the observation that, while the spiritual researcher is well aware of how, at present, the external world is, in a sense, still dominated by the height, the culmination of materialistic views and attitudes, yet we are spiritually in the early stages of a dematerialization of thoughts and the worlds of the imagination—a process that, over time, must lead to a spiritualization, to a permeation by the spirit of earthly life as such. For that which is to be grasped in the outer life of the physical plane must first be grasped by a few and then by more and more people through spiritual understanding and spiritual comprehension. And spiritual science is meant to be, in this regard, a beginning of this process—that people may elevate themselves in their souls to that which souls can already attain today if they so choose, and of which outer physical life is not yet a reflection, but which it must become if the Earth is not to, so to speak, become mired in the decline of materialistic development. One could describe the situation of modern humanity by saying that, in general, the human soul is actually quite close to the spiritual world; but the ideas—and especially the feelings—that stem from the materialistic worldview and materialistic outlook on life have woven a veil over that which, in essence, stands very close to the human soul today. The connection between physical earthly existence—in which modern human beings, despite various declarations made in other directions, nevertheless stand with their entire being—and the spiritual world can be discovered by human beings if they strive to develop inner, courageous forces, not only to comprehend what can be grasped through nature as it presents itself to the outer senses, but also to comprehend that which remains invisible, that which remains supersensible—yet with which one can unite and experience it—if one stirs the inner power of the soul to such an extent that one realizes that a superhuman spiritual element lives within this inner power of the soul.

[ 2 ] Dieser Zusammenhang darf nun nicht so gesucht werden, wie heute menschliche Zusammenhänge gesucht werden und menschliche Zusammenhänge verfolgt werden im groben äußeren Sinnesdasein. Denn der Zusammenhang zwischen der Menschenseele und der geistigen Welt wird gefunden werden in intimen Kräften der menschlichen Seele; in Kräften, welche diese menschliche Seele entwickelt, wenn sie Aufmerksamkeit entfaltet, innere, stille, ruhige Aufmerksamkeit, zu der sich der Mensch erst wiederum erziehen muß, nachdem er im materialistischen Zeitalter gewöhnt worden ist, Aufmerksamkeit auf dasjenige allein zu verwenden, was sich ihm mit Wucht von außen aufdrängt, was gewissermaßen an das Auffassungsvermögen heranschreit. Der Geist, der im Innern erlebt werden soll, der schreit nicht, der läßt auf sich warten, und man kommt ihm nahe, wenn man versucht, sich vorzubereiten auf dieses Nahekommen. Wenn man sagen kann gegenüber den Dingen der Außenwelt, die vor unsere Sinne sich hinstellen, die der äußeren Wahrnehmung sich aufdrängen: sie kommen heran, sie sprechen zu uns, so kann man ein ähnliches Wort nicht anwenden auf die Art und Weise, wie der Geist, die geistige Welt, an uns herankommt. Da die heutige Sprache, wie ich oft schon gesagt habe, mehr oder weniger geprägt ist für die äußere physische Welt, so ist es ja schwierig, Worte zu finden, die ein genaues Abbild desjenigen sind, was in der geistigen Welt vor der Seele steht. Aber man kann annäherungsweise doch versuchen zu zeigen, wie andersartig das Geistige an den Menschen herankommt als das Physische. Man möchte da sagen, das Geistige wird erlebt, indem man in jenem Augenblick, da man es erlebt, das Gefühl hat: man verdankt sich ihm. Fassen Sie dieses Wort genau auf: Man verdankt sich der geistigen Welt.

[ 2 ] This connection must not be sought in the same way that human connections are sought today and pursued in the coarse, external realm of the senses. For the connection between the human soul and the spiritual world is to be found in the innermost forces of the human soul; in forces that the human soul develops when it cultivates attention—an inner, silent, calm attention—to which the human being must first train themselves anew, after having become accustomed in the materialistic age to directing their attention solely toward that which imposes itself forcefully from the outside, which, so to speak, rushes toward their powers of perception. The spirit that is to be experienced within does not cry out; it makes one wait for it, and one draws near to it when one tries to prepare oneself for this drawing near. While we can say of the things of the external world that present themselves to our senses and impose themselves on our external perception—that they approach us and speak to us—we cannot apply a similar expression to the way in which the spirit, the spiritual world, approaches us. Since modern language, as I have often said, is more or less shaped by the external physical world, it is indeed difficult to find words that are an exact reflection of what stands before the soul in the spiritual world. But one can still attempt, by way of approximation, to show how differently the spiritual approaches human beings than the physical does. One might say that the spiritual is experienced in such a way that, at the very moment one experiences it, one has the feeling: one is indebted to it. Take this phrase to heart: One is indebted to the spiritual world.

[ 3 ] Der physischen Welt stehen wir so gegenüber, daß wir sagen: Vor unseren Sinnen breitet sich aus das Mineralreich, aus demselben hervorgehend das Pflanzenreich, das Tierreich, und dann unser eigenes Reich, das menschliche. Und innerhalb des menschlichen fühlen wir uns gewissermaßen als obenstehend in der Aufeinanderfolge dieser äußeren Reiche. Gegenüber den geistigen Reichen fühlen wir uns untenstehend und die anderen Reiche über uns sich erhebend, die Reiche der Angeloi, Archangeloi, Archai und so weiter. Und man fühlt sich so, daß man sich in jedem Augenblick gegenüber diesen Reichen fühlt als von ihnen erhalten und im Grunde fortwährend ins Leben gerufen. Man verdankt sich diesen Reichen. Man blickt zu ihnen auf, indem man sagt: Das eigene Leben, der eigene Seeleninhalt fließt aus den willensvollen Gedanken der Wesen dieser Reiche hernieder und bildet uns fortwährend. Dieses Gefühl des Sich-Verdankens den höheren Reichen sollte bei den Menschen ebenso lebendig entwickelt werden wie das Gefühl, sagen wir, daß man von außen Eindrücke bekommt in der physischen Wahrnehmung. Wenn diese beiden Empfindungen — die äußeren sinnlichen Dinge wirken auf uns, und dasjenige, was im Mittelpunkt unseres Wesens lebt, ist verdankt den höheren Hierarchien —, gleich lebendig in unserer Seele sind, dann ist die Seele in jenem Gleichgewicht, wo sie fortdauernd wahrnehmen kann in der rechten Weise das Zusammenwirken des Geistigen und des Physischen, das ja fortdauernd stattfindet, das aber ohne das Gleichgewicht dieser beiden charakterisierten Empfindungen eben nicht wahrgenommen werden kann.

[ 3 ] We view the physical world in such a way that we say: Before our senses lies the mineral kingdom, from which emerge the plant kingdom, the animal kingdom, and then our own kingdom, the human kingdom. And within the human kingdom, we feel, as it were, that we stand above the rest in the sequence of these outer kingdoms. In relation to the spiritual realms, we feel ourselves to be below, with the other realms rising above us—the realms of the Angeloi, Archangeloi, Archai, and so on. And one feels, at every moment, that one is sustained by these realms and, in essence, continually brought to life by them. We owe our existence to these realms. We look up to them, saying: Our own life, the content of our own soul, flows down from the willful thoughts of the beings of these realms and continually shapes us. This sense of indebtedness to the higher realms should be developed just as vividly in human beings as the sense—let us say—of receiving impressions from the outside through physical perception. When these two sensations—that external sensory things act upon us, and that which lives at the center of our being is owed to the higher hierarchies— are equally alive in our soul, then the soul is in that state of balance where it can continually perceive in the right way the interplay of the spiritual and the physical—an interplay that is indeed constantly taking place, but which cannot be perceived without the balance of these two distinct sensations.

[ 4 ] Die Entwickelung in die Zukunft hinein muß nun so geschehen, daß der Erdenentwickelung durch das Vorhandensein dieser beiden Empfindungen in der Menschenseele Kräfte zuwachsen, welche ihr in der heutigen materialistischen Zeit nicht zuwachsen können. Wir wissen ja, dasjenige, was hier gemeint ist, das deutet auf etwas hin, das sich gar sehr im Laufe der Menschheitsentwickelung geändert hat. Der Zusammenhang mit der geistigen Welt war in einer, allerdings dumpf bewußten Form, nur in der Urzeit der Menschheitsentwickelung vorhanden. Die Menschen hatten in der Urzeit ihrer Entwickelung nicht nur die beiden Zustände, die sie jetzt haben, Wachen und Schlafen und dazwischen ein chaotisches Träumen, sondern sie hatten einen die Wirklichkeit vermittelnden dritten Zustand, der nicht bloß ein Träumen war, sondern ein Auffassen in Bildern, wenn auch das Bewußtsein herabgedämpft war; ein Auffassen in Bildern, aber in Bildern, welche entsprachen einer geistigen Wirklichkeit. Zur Entwickelung des menschlichen Erdenvollbewußtseins mußte, wie wir wissen, diese Art der Auffassung der Welt beim Menschen zurücktreten. Der Mensch wäre nicht frei geworden, wenn dieser Zustand verblieben wäre. Der Mensch wäre nicht frei geworden, wenn er nicht allen Gefahren und Anfechtungen und Versuchungen des Materialismus ausgesetzt gewesen wäre. Aber der Mensch muß auch wiederum den Weg zurückfinden zur geistigen Welt, die er ergreifen muß im vollen irdischen Bewußtsein.

[ 4 ] Development into the future must now take place in such a way that, through the presence of these two feelings in the human soul, the Earth’s development is endowed with forces that cannot be acquired in today’s materialistic age. We know, of course, that what is meant here points to something that has changed greatly in the course of human evolution. The connection with the spiritual world existed—albeit in a dimly conscious form—only in the primeval era of human evolution. In the primeval era of their development, human beings did not merely have the two states they possess today—waking and sleeping, with chaotic dreaming in between—but they also had a third state that mediated reality; this was not merely dreaming, but a perception in images, even though consciousness was subdued; a perception in images, but in images that corresponded to a spiritual reality. As we know, for the development of full human consciousness on Earth, this way of perceiving the world had to recede in human beings. Humanity would not have become free if this state had persisted. Humanity would not have become free if it had not been exposed to all the dangers, trials, and temptations of materialism. But humanity must also find its way back to the spiritual world, which it must grasp in full earthly consciousness.

[ 5 ] Dies hängt zusammen mit ganz weiten Vorstellungskomplexen, die sich mit alledem geändert haben im Laufe der Menschheitsentwickelung, was sich so geändert hat, wie wir es jetzt angedeutet haben. Das Zusammenleben mit den aus diesem physischen Dasein hinweggegangenen Seelen war einfach für die Urzeit der Menschen ein selbstverständliches, das man nicht zu beweisen brauchte, denn in jenem Bewußtseinszustand, wo die Menschen in Bildern die geistige Welt wahrnahmen, lebten sie auch zusammen mit denjenigen, die irgendwie durch Karma mit ihnen verbunden waren im Leben und durch des Todes Pforte in die geistige Welt hinein gegangen waren. Sie wußten einfach: Die Toten sind vorhanden; sie sind nicht tot, sie leben; sie leben nur in einer anderen Form des Daseins. — Dasjenige, was man wahrnimmt, braucht nicht erst bewiesen zu werden. Über Unsterblichkeit brauchte man in alten Zeiten der Menschheitsentwickelung nicht nachzudenken, denn man erlebte die sogenannten Toten. Aber weitgehende andere Wirkungen hatte dieses Zusammenleben mit den Toten. Die Toten fanden die Möglichkeit leichter als in der Gegenwart — ich sage nicht, daß sie sie in der Gegenwart nicht finden, aber ich sage, sie fanden die Möglichkeit leichter als in der Gegenwart —, durch die Menschen, denn dies ist der Weg, auf dem das geschehen kann, hier auf der Erde mitzuwirken bei dem, was auf der Erde geschieht. So daß dasjenige, was auf der Erde geschieht, in jenen Urzeiten der Menschheit so geschehen ist, daß in den Willensimpulsen der Menschen, in dem, was die Menschen sich vornahmen, was sie taten, mit die Toten wirkten.

[ 5 ] This is connected to very broad conceptual frameworks that have changed along with everything else in the course of human development—changes that have occurred as we have just indicated. For early humanity, coexisting with souls who had departed from this physical existence was simply a matter of course—something that did not need to be proven—because in that state of consciousness, where people perceived the spiritual world through images, they also lived alongside those who were somehow connected to them through karma in life and had passed through the gate of death into the spiritual world. They simply knew: The dead are present; they are not dead, they live; they merely live in a different form of existence. — What one perceives does not first need to be proven. In the early days of human development, there was no need to ponder immortality, for people experienced the so-called dead. But this coexistence with the dead had far-reaching other effects. The dead found it easier than they do today—I am not saying they do not find it today, but I am saying they found it easier than they do today—to work through human beings, for this is the way in which they can participate here on Earth in what happens on Earth. So that what happens on Earth happened in those primeval times of humanity in such a way that the dead were at work in the impulses of human will, in what people set out to do, and in what they actually did.

[ 6 ] Der Materialismus hat wahrhaftig nicht nur materialistische Vorstellungen heraufgebracht — das wäre der allergeringste Schaden, denn materialistische Vorstellungen als solche schaden am allerwenigsten —, der Materialismus hat eine ganz andere Form des Zusammenseins mit der geistigen Welt heraufgebracht. Es ist in viel geringerem Maße möglich geworden, daß die sogenannten Toten durch die sogenannten Lebendigen sich hier in der Evolution der Erde betätigen. Auch zu diesem Zusammenhang mit den Toten muß die Menschheit wiederum zurückkehren. Das wird aber nur möglich, wenn die Menschheit gewissermaßen lernt, die Sprache der Toten zu verstehen. Und die Sprache, in der man sich mit den Toten verständigen kann, ist eben keine andere als die Sprache der Geisteswissenschaft. Gewiß, es schaut zunächst so aus, als ob dasjenige, was uns die Geisteswissenschaft vermittelt, von mehr oder weniger bloß zu einer geistigen Gelehrsamkeit sprechenden Dingen handelt, von Weltenentwickelung, von Menschheitsentwickelung, von der Gliederung der Menschennatur, was vielleicht Dinge sind, von denen mancher sagen möchte, es interessiere ihn nicht; er wolle etwas anderes haben, was sein Herz, sein Gemüt warm macht. Gewiß, das letztere ist eine gute Forderung, es handelt sich darum, wie weit man im ganzen Zusammenhang mit einer gewissen Art der Befriedigung einer solchen Forderung kommt. Wir lernen scheinbar nur kennen, wie sich die Erde auf Saturn, Sonne, Mond entwickelt hat, wie sich die verschiedenen Kulturepochen auf der Erde entwickelt haben, wie sich die Menschenwesenheit gliedert. Aber indem wir uns den Gedanken an diese nur scheinbar abstrakten, in Wirklichkeit sehr konkreten Dinge hingeben, indem wir uns bemühen, so zu denken, daß diese Dinge wirklich in Bildern vor unseren Seelen stehen, lernen wir, mit einer bestimmten Art uns in Gedanken und Vorstellungen zu bewegen, die wir auf eine andere Weise nicht unserer Seele beibringen können. Wenn wir richtig fühlen, wie unser ganzes Vorstellen anders wird dadurch, daß wir uns mit solchen geisteswissenschaftlichen Dingen beschäftigen, dann kommt eine Zeit, wo wir es ebenso absurd finden, zu sagen: uns interessiert nicht, uns mit diesen Dingen zu beschäftigen, wie wir es bei dem Kinde absurd finden würden, wenn es sagte, mich interessiert es nicht, das gleichgültige A B C kennenzulernen, sondern ich will sprechen können! Gegenüber dem, was die lebendige Sprache uns vermittelt, ist dasjenige, was das Kind mit seinem leiblichen Dasein vereinigen muß im Sprechenlernen, ebenso ein Abstraktes, wie ein Abstraktes ist dasjenige, was an Vorstellungen die Geisteswissenschaft liefert zu dem, was aus dem Denken, aus dem ganzen Vorstellen und Empfinden der Seele wird unter dem Einfluß dieser geisteswissenschaftlichen Vorstellungen.

[ 6 ] Materialism has truly brought about more than just materialistic ideas—that would be the least of the harm, for materialistic ideas as such cause the least harm of all—; materialism has brought about an entirely different form of interaction with the spiritual world. It has become much less possible for the so-called dead to act here in the evolution of the Earth through the so-called living. Humanity must also return to this connection with the dead. But this will only be possible if humanity, so to speak, learns to understand the language of the dead. And the language through which one can communicate with the dead is none other than the language of spiritual science. Certainly, at first glance it seems as though what spiritual science conveys to us deals with matters that speak more or less merely of intellectual scholarship—world evolution, human evolution, the structure of human nature—which are perhaps things about which some might say they are not interested; they want something else that warms their heart and soul. Certainly, the latter is a valid demand; the question is to what extent one can, within the overall context, satisfy such a demand. We seem to be learning only how the Earth developed in relation to Saturn, the Sun, and the Moon; how the various cultural epochs on Earth have developed; and how the human being is structured. But by immersing ourselves in thoughts of these things—which are only seemingly abstract but in reality very concrete—and by striving to think in such a way that these things truly stand before our souls as images, we learn to move through our thoughts and imaginations in a specific way that we cannot otherwise instill in our souls. If we truly sense how our entire way of imagining is transformed by engaging with such spiritual-scientific matters, then a time will come when we will find it just as absurd to say, “We are not interested in engaging with these things,” as we would find it absurd if a child were to say, “I’m not interested in learning the dry ABCs; I just want to be able to speak!” Compared to what the living language conveys to us, what the child must integrate with its physical existence while learning to speak is just as abstract as the concepts that spiritual science provides—just as abstract as the concepts that arise from thinking, from the soul’s entire process of imagination and feeling, under the influence of these spiritual scientific concepts.

[ 7 ] Dazu allerdings ist notwendig, daß man Geduld hat und daß man dasjenige, was die Geisteswissenschaft enthält, nicht seinem abstrakten Inhalt nach, sondern seinem Lebensinhalt nach annimmt. Das liegt nun dem heutigen Menschen mit Bezug auf dasjenige, was wir jetzt in Aussicht nehmen, ganz besonders fern. In anderer Beziehung freilich naturgemäß auch wiederum nahe. Denn der heutige Mensch ist gewöhnt, möglichst zufrieden zu sein, wenn er sich eine gewisse Sache, ein Kunstwerk auf irgendeinem Gebiete oder irgendeinen wissenschaftlichen Inhalt, einmal vor die Seele gerückt hat. Und wenn ein zweites Mal dasselbe vor die Seele tritt, liegt es heute so nahe, zu sagen, das kenne ich ja schon, damit habe ich mich schon einmal befaßt. — Das ist das Leben in Abstraktion. Auf einem anderen Gebiete, wo man das Leben seinem Lebensinhalte nach nimmt, seiner Lebenswirklichkeit nach, verfährt man nicht so. Denn man wird nicht leicht einen Menschen treffen, dem man ein Mittagsmahl vorsetzt, und der sich damit entschuldigt, nicht essen zu wollen, da er ja gestern oder vorgestern gegessen habe. Da vollführt der Mensch immer wieder und wiederum dasselbe. Das Leben lebt in Wiederholung des Gleichen. Soll das Geistige auch wirkliches Leben werden — und ohne daß es Leben wird, kann es uns nicht in Zusammenhang bringen mit der universellen geistigen Welt —, so muß es in unserer Seele gewissermaßen nachgebildet werden dem, was die Gesetze des Lebens in der ja auch aus dem Geiste heraus gebildeten, aber erstarrten physischen Welt sind. Und insbesondere werden wir gewahr, daß mit unserer Seele viel vorgeht, wenn wir in einer gewissen rhythmischen Regelmäßigkeit solche Eindrücke auf die Seele wirken lassen, welche eine gewisse Freiheit des Denkens, eine gewisse Emanzipiertheit des Denkens von der physischen Welt voraussetzen. Alles Heil, könnte man sagen — wenn man dieses sentimentale Wort anwenden darf —, alles Heil der geistigen Entwickelung des Menschen hängt davon ab, daß der Mensch sich dazu bequeme, das Geistige wirklich nicht in dem Sinne bloß zu nehmen, wie es heute bloß genommen wird, was charakterisiert werden kann mit dem: Oh, das kenne ich schon, damit habe ich mich schon beschäftigt —, sondern es im Lebenssinne zu nehmen, was immer verknüpft ist mit Wiederholung, mit einem, ich möchte sagen, Hintreten derselben Wirkung an dieselbe Stelle. Gerade wenn wir uns angelegen sein lassen, unsere Seele von geistigem Leben also zu durchsetzen, dann steigert sich auch unsere geistige innere Aufmerksamkeitsfähigkeit. Sie wird so intim, daß wir jene wichtigen Momente innerlich seelisch ins Auge fassen können, in denen die, ich möchte sagen, am meisten zum Herzen sprechenden Zusammenhänge mit der geistigen Welt sich entwickeln können.

[ 7 ] To do this, however, one must have patience and accept what spiritual science has to offer not in terms of its abstract content, but in terms of its significance for life. This is something that is particularly foreign to people today in relation to what we are now setting out to explore. In another respect, of course, it is naturally close to them as well. For modern people are accustomed to being as satisfied as possible once they have brought a certain thing—a work of art in any field or some scientific content—before their soul. And when the same thing appears before their soul a second time, it is so natural today to say, “I already know that; I’ve dealt with it before.” — That is life in abstraction. In another realm, where one takes life according to its content and its reality, one does not proceed in this way. For one will not easily encounter a person to whom a midday meal is served and who excuses himself by saying he does not wish to eat, since he ate yesterday or the day before. There, the human being performs the same act again and again. Life consists in the repetition of the same. If the spiritual is to become real life—and unless it becomes life, it cannot connect us with the universal spiritual world—then it must, in a sense, be modeled in our soul after the laws of life in the physical world, which, though also formed out of the spirit, has become rigid. And in particular, we become aware that much is happening within our soul when, with a certain rhythmic regularity, we allow impressions to act upon the soul that presuppose a certain freedom of thought, a certain emancipation of thought from the physical world. The very salvation—one might say, if one may use this sentimental word—the very salvation of human spiritual development depends on the human being being willing to refrain from taking the spiritual merely in the sense in which it is taken today—which can be characterized by the statement: “Oh, I already know that; I’ve already dealt with it”—but rather to take it in the sense of life, which is always linked to repetition, to, I might say, the recurrence of the same effect in the same place. Precisely when we make it a point to permeate our soul with spiritual life in this way, our inner capacity for spiritual attention also increases. It becomes so intimate that we can inwardly and spiritually take in those important moments in which the—I would say—most heartfelt connections with the spiritual world can develop.

[ 8 ] Zum Beispiel ist ein bedeutungsvoller Augenblick für den Verkehr mit der geistigen Welt derjenige des Einschlafens und derjenige des Aufwachens. Nun, der Augenblick des Einschlafens, der wird ja weniger fruchtbar sein für die meisten Menschen im Anfang ihrer geistigen Entwickelung, weil man eben hinterher eingeschlafen ist und damit das Bewußtsein so herabgetrübt ist, daß man das Geistige nicht wahrnimmt. Aber sehr fruchtbar kann werden der Augenblick des Übergehens aus dem Schlafen in das Wachen, wenn wir uns angewöhnen, diesen Augenblick nicht einfach unaufmerksam zu übertauchen, sondern wenn wir versuchen, Aufmerksamkeit auf ihn zu wenden, wenn wir versuchen, aufzuwachen so, daß das Bewußtsein gekommen ist, aber die Außenwelt nicht gleich mit ihrer groben Brutalität an uns herantritt. In dieser Beziehung liegt in Volksgebräuchen, die aus alten Zeiten herstammen, viel Richtiges, das man heute noch wenig versteht. Das einfache Volk, das noch nicht beleckt ist von der intellektuellen Kultur, sagt: Wenn man aufwacht, soll man nicht gleich ins Licht schauen. Also nicht gleich von außen einen brutalen Eindruck haben, sondern etwas in dem Zustand bleiben des Erwachtseins, aber noch nicht Eindrücke bekommen von der äußeren Welt.

[ 8 ] For example, the moments of falling asleep and waking up are significant for communication with the spiritual world. Now, the moment of falling asleep will be less fruitful for most people at the beginning of their spiritual development, because one has just fallen asleep and consciousness is thus so clouded that one does not perceive the spiritual realm. But the moment of transition from sleep to wakefulness can become very fruitful if we get into the habit of not simply drifting through this moment in a daze, but rather if we try to direct our attention to it, if we try to wake up in such a way that consciousness has returned, but the external world does not immediately assail us with its coarse brutality. In this regard, there is much truth in folk customs dating back to ancient times that are still little understood today. The simple folk, who have not yet been tainted by intellectual culture, say: When you wake up, you should not look into the light right away. In other words, do not immediately be subjected to a brutal impression from the outside, but remain somewhat in a state of wakefulness without yet receiving impressions from the external world.

[ 9 ] Wenn man dieses beobachtet, bleibt die Möglichkeit, gerade in diesem Moment des Aufwachens zu sehen, wie die karmisch mit uns verbundenen Toten an uns herankommen. Sie kommen nicht nur in diesem Augenblick an uns heran, aber dieser Augenblick ist derjenige, wo wir sie am besten wahrnehmen können. Und wir nehmen in diesem Augenblick nicht nur das wahr, sondern wir nehmen auch wahr, was in der Zeit außer diesem Augenblick zwischen den Toten und uns vorgeht. Denn die Wahrnehmung, die Perzeption der geistigen Welt, ist nicht in der gleichen Weise an die Zeit gebunden wie die Wahrnehmung der physischen Welt. Hierin liegt sogar eine Schwierigkeit in bezug auf das Auffassen der geistigen Welt und ihrer Wesenheit. Ein Augenblick des Wahrnehmens kann uns aus der geistigen Welt etwas über einen weiten Zeitraum sich Erstreckendes eben ganz momentan, ganz augenblicklich enthüllen. Die Schwierigkeit liegt darin, Geistesgegenwart genug zu haben, um dasjenige, was über weitere Zeiträume ausgedehnt ist, im Moment aufzufassen. Denn der Moment kann, wie dies meistens der Fall ist, im Status nascens vorübergehen. Im Entstehen ist zugleich die Sache wieder vergessen. Das ist überhaupt eine Schwierigkeit des Erfassens der geistigen Welt. Würde diese Schwierigkeit nicht vorliegen, so würden, namentlich in der Gegenwart, sehr viele Menschen die Eindrücke der geistigen Welt schon empfangen.

[ 9 ] When we observe this, there remains the possibility, precisely at this moment of waking, to see how the dead who are karmically connected to us approach us. They do not approach us only at this moment, but this moment is the one in which we can perceive them most clearly. And in this moment, we not only perceive them, but we also perceive what is happening between the dead and us in the time outside of this moment. For the perception of the spiritual world is not bound to time in the same way as the perception of the physical world. Herein lies a difficulty with regard to comprehending the spiritual world and its nature. A single moment of perception can reveal to us, from the spiritual world, something that extends over a vast period of time—all in an instant, all at once. The difficulty lies in having enough presence of mind to grasp, in that moment, that which is extended over longer periods of time. For the moment can, as is usually the case, pass in a state of becoming. As it arises, the thing is already forgotten. This is, in general, a difficulty in comprehending the spiritual world. If this difficulty did not exist, then—especially in the present day—a great many people would already be receiving impressions from the spiritual world.

[ 10 ] Aber auch in anderen Lebensmomenten ist die Möglichkeit da, daß die geistige Welt in uns hineindringt. Zum Beispiel jedesmal, wenn wir einen Gedanken so entwickeln, daß der Gedanke aus uns entspringt. Wenn wir uns einfach dem Leben überlassen, wenn wir so im Leben hinschwimmen, dann ist wenig Wahrscheinlichkeit vorhanden, daß die echte, die wahre, die innerlich lebendige geistige Welt in uns hereinwirkt; aber in dem Moment, wo wir innerlich eine Initiative ergreifen, wo wir vor eine Entscheidung gestellt sind, daß wir uns selbst entschließen müssen, sei es auch in den kleinsten Dingen, da ist auch wiederum der günstigste Zeitpunkt da, daß namentlich die karmisch mit uns verbundenen Toten in unsere Bewußtseinssphäre hereinkommen. Es brauchen solche Augenblicke nicht wichtige Augenblicke in dem Sinne zu sein, was man so «wichtig» nennt im äußeren materiellen Leben. Es ist wirklich so, daß zuweilen dasjenige, was für die geistige Erfahrung wichtig ist, nicht wichtig erscheint im äußeren Leben. Aber für den, der solche Dinge durchschaut, scheint es außerordentlich klar zu sein, daß solche, vielleicht äußerlich unwichtige, innerlich außerordentlich wichtige Ereignisse, die da eintreten, tief karmisch bedingt sind. So ist es schon notwendig, intimere Seelenvorgänge zu betrachten, wenn man zum Verständnis der geistigen Welt kommen will. So zum Beispiel kann es sich herausstellen, daß ein Mensch auf der Straße geht oder in seinem Zimmer sitzt und irgendein unerwarteter Knall, ein unerwarteter Schall sich ereignet. Er erschrickt. Er kann einen Moment des Besinnens nach diesem Erschrecken haben, der ihm zeigt: Während dieses Erschreckens ist ihm aus der geistigen Welt Wichtiges geoffenbart worden. Man muß auf solche Dinge nur die Aufmerksamkeit wenden. Zumeist wendet der Mensch deshalb nicht die Aufmerksamkeit auf diese Dinge, weil er sich nur mit dem Erschrecken beschäftigt. Er denkt nur, wie er erschrocken ist. Daher ist es so wichtig, in der Weise, wie Sie es angedeutet finden können in meinem Buche «Theosophie» am Schlusse, oder in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», sich Gleichgewicht der Seele zu erwerben. Denn erwirbt man sich dieses Gleichgewicht der Seele, ist man nicht so perplex nach dem Erschrekken, daß man nur diesem Erschrecken sich hingibt, dann wird sich schon aufdrängen, wenn auch in intimer Weise, was man gerade in einem solchen, eben scheinbar unwichtigen, innerlich aber durchaus wichtigen Augenblick erlebt hat.

[ 10 ] But there are other moments in life as well when the spiritual world can enter into us. For example, every time we develop a thought in such a way that the thought springs from within us. If we simply let life take its course, if we just drift along with life, then there is little likelihood that the genuine, the true, the inwardly living spiritual world will work within us; but the moment we take the initiative within ourselves, when we are faced with a decision that we must make for ourselves—even in the smallest matters—that is also the most favorable time for the deceased who are karmically connected to us to enter our sphere of consciousness. Such moments need not be “important” in the sense of what is commonly called “important” in external, material life. It is indeed true that sometimes what is important for spiritual experience does not appear important in external life. But to those who see through such things, it seems extraordinarily clear that these events—which may be outwardly unimportant but are inwardly of extraordinary significance—are deeply karmically determined. Thus, it is indeed necessary to observe more intimate soul processes if one wishes to gain an understanding of the spiritual world. For example, it may turn out that a person is walking down the street or sitting in their room when an unexpected bang or a sudden noise occurs. They are startled. After this startle, they may have a moment of reflection that reveals to them: During this startle, something important was revealed to them from the spiritual world. One need only turn one’s attention to such things. Most often, people do not pay attention to these things because they are preoccupied solely with the startle itself. They think only of how startled they are. That is why it is so important to attain balance of the soul, as you can find hinted at in the conclusion of my book *Theosophy* or in *How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?*. For if one attains this balance of the soul, one will not be so bewildered after being startled that one simply succumbs to that startle; then what one has just experienced in such a moment—seemingly unimportant on the surface but inwardly quite significant—will naturally come to the fore, even if only in a subtle way.

[ 11 ] Das alles sind natürlich Anfänge, die sich weiter entwickeln müssen. Denn indem wir diese Dinge entwickeln: Aufmerksamkeit auf den Moment des Aufwachens, Aufmerksamkeit auf den Moment, wo wir aufgerüttelt werden von außen nach der einen oder anderen Seite —, lernen wir wieder auffinden den Zusammenhang mit dem großen Kosmos, der stofflich und geistig ist, in dem wir als ein Glied drinnen stehen und aus dem wir herausgekommen sind; herausgekommen allerdings sind dazu, um freie Menschen zu werden, aber wir sind eben herausgekommen. In Wahrheit ist es schon so, wie der Mensch auch in der Urzeit angenommen hat, daß er nicht so verloren, gewissermaßen wie ein Welten-Eremit, auf der Erde herumgeht, was jetzt geglaubt wird. Sondern wahr ist es schon, was der Mensch der Urzeit angenommen hat, daß er ein Glied ist in dem ganzen großen kosmischen Zusammenhang, wie ein Finger ein Glied ist an unserem Organismus. Dieses Gefühl hat man heute nicht mehr, wenigstens die Mehrzahl der Menschen hat es nicht, ein Glied zu sein im großen Weltenorganismus, soweit er als Geistiges sich in einem Sichtbaren auslebt. Trotzdem könnte heute ein gewöhnliches wissenschaftliches Nachdenken den Menschen schon lehren, daß er mit seinem Leben ein solches Glied der ganzen Weltenordnung ist, in der er als Organismus drinnensteht. Nehmen Sie etwas sehr Einfaches, was jeder durch eine einfache Rechnung sich sagen kann.

[ 11 ] All of this, of course, is just the beginning; it needs to develop further. For as we develop these things—attention to the moment of waking, attention to the moment when we are jolted from the outside in one direction or another—we learn once again to rediscover our connection to the great cosmos, which is both material and spiritual, in which we stand as a part and from which we have emerged; we have emerged, however, in order to become free human beings, but we have indeed emerged. In truth, it is indeed as people in prehistoric times believed: that we do not wander the earth so lost, as it were, like a cosmic hermit, as is now believed. Rather, what prehistoric people believed is true: that we are a part of the entire great cosmic context, just as a finger is a part of our organism. People no longer have this feeling today—at least the majority of people do not—of being a part of the great cosmic organism, insofar as the spiritual manifests itself in the visible world. Nevertheless, even ordinary scientific thinking today could teach people that, through their lives, they are such a part of the entire cosmic order in which they exist as an organism. Take something very simple that anyone can work out for themselves with a simple calculation.

[ 12 ] Nicht wahr, wir wissen alle, daß die Sonne im Frühling, am 21. März, an einem bestimmten Punkt des Himmels aufgeht. Wir nennen diesen Punkt den Frühlingspunkt. Wir wissen aber auch, daß dieser Frühlingspunkt nicht jedes Jahr derselbe ist, sondern daß er fortrückt. Wir wissen, daß jetzt die Sonne in den Fischen aufgeht. Vor dem fünfzehnten Jahrhundert ist sie im Widder aufgegangen. Die Astronomie hat das beibehalten, «im Widder» zu sagen, aber das stimmt nicht mit der Wirklichkeit. — Diese Nebenbemerkung ist in diesem Augenblick nicht wichtig. — Also dieser Frühlingspunkt rückt vor; immer ein Stück weiter vorgerückt im Tierkreis geht die Sonne im Frühling auf. Daraus ist leicht zu sehen, daß sie in einer gewissen Zeit durch den ganzen Tierkreis wandelt, daß der Aufgangspunkt durch den ganzen Tierkreis wandelt. Nun, die Zeit, die notwendig ist, damit die Sonne so durch den ganzen Tierkreis wandelt, ist etwa 25 920 Jahre. Also wenn Sie den Frühlingspunkt in einem gewissen Jahr nehmen: im nächsten Jahr ist er vorgerückt, im nächsten Jahr wieder vorgerückt. Vergehen 25 920 Jahre, so kommt der Frühlingspunkt wieder auf denselben Punkt zurück. Also 25 920 Jahre ist ein für unser Sonnensystem außerordentlich bedeutungsvoller Zeitraum: Die Sonne vollendet einen Weltenschritt, möchte ich sagen, indem sie in ihrem Frühlingsaufgang auf denselben Punkt zurückkehrt. Nun hat Plato, der große griechische Philosoph, diese 25 920 Jahre ein Weltenjahr genannt — das große platonische Weltenjahr. Merkwürdig ist nun — schon sehr merkwürdig, aber wenn man auf diese ganze Merkwürdigkeit eingeht, unendlich tief bedeutungsvoll — erscheinend — das Folgende.

[ 12 ] Don't we all know that in the spring, on March 21, the sun rises at a specific point in the sky? We call this point the vernal equinox. But we also know that this vernal equinox isn’t the same every year—it keeps moving forward. We know that the sun now rises in Pisces. Before the fifteenth century, it rose in Aries. Astronomy has kept using the term “in Aries,” but that doesn’t match reality. — This aside is not important at the moment. — So this vernal equinox is moving forward; the sun rises in spring a little further along the zodiac each year. From this, it is easy to see that over a certain period of time it traverses the entire zodiac, that the point of rising moves through the entire zodiac. Now, the time it takes for the Sun to complete this journey through the entire zodiac is approximately 25,920 years. So if you take the vernal equinox in a given year: the following year it has moved forward, and the year after that it has moved forward again. Once 25,920 years have passed, the vernal equinox returns to the same point. Thus, 25,920 years is an extraordinarily significant period of time for our solar system: the Sun completes a cosmic cycle, so to speak, by returning to the same point in its spring rise. Now Plato, the great Greek philosopher, called these 25,920 years a “world year”—the great Platonic world year. What is remarkable—very remarkable indeed, but when one delves into this entire phenomenon, it appears to be infinitely profound—is the following:

[ 13 ] Normal hat der Mensch in der Minute 18 Atemzüge. Sie ändern sich: In der Kindheit sind sie etwas zahlreicher, im Alter weniger zahlreich, aber durchschnittlich sind beim normalen Menschen 18 Atemzüge richtig. Rechnen wir uns einmal aus, wieviel das Atemzüge in einem Tage macht. Es ist eine einfache Rechnung: 18 mal 60, dann haben wir in einer Stunde 1080; das mal 24, die Stunden am Tage, ergibt 25 920 Atemzüge in einem Tage. Sie sehen daraus, daß dieselbe Zahl gewissermaßen regiert den menschlichen Tag mit Bezug auf seine Atemzüge, wie das große Weltenjahr durch diese Zahl regiert wird im Umgang des Frühlingspunktes durch den Tierkreis.

[ 13 ] Normally, a person takes 18 breaths per minute. This number varies: it is slightly higher in childhood and lower in old age, but on average, 18 breaths per minute is correct for a healthy person. Let’s calculate how many breaths that amounts to in a day. It’s a simple calculation: 18 times 60 equals 1,080 breaths per hour; multiply that by 24—the number of hours in a day—and you get 25,920 breaths in a day. You can see from this that this same number, in a sense, governs the human day in terms of breaths, just as the great cosmic year is governed by this number in its passage through the zodiac at the vernal equinox.

[ 14 ] Das ist eines der Zeugnisse, welches uns zeigt, daß wir nicht bloß so eine allgemeine, verschwommene, dunkel-mystische Redensart gebrauchen, wenn wir sagen: Mikrokosmos — Abbild des Makrokosmos, sondern daß der Mensch wirklich in einer wichtigen Tätigkeit, von der sein Leben in jedem Augenblick abhängt, von derselben Zahl regiert wird, von demselben Maß regiert wird, wie der Sonne Umlauf, in den er hineingestellt ist.

[ 14 ] This is one of the pieces of evidence that shows us that we are not merely using some general, vague, obscurely mystical figure of speech when we say: Microcosm—image of the Macrocosm, but that human beings are truly governed in a vital activity—on which their lives depend at every moment—by the same number and the same measure as the orbit of the Sun, within which they are placed.

[ 15 ] Aber jetzt nehmen wir einmal noch etwas anderes: Nicht wahr, das Patriarchenalter, wie es gewöhnlich genannt wird, ist 70 Menschenjahre. 70 Menschenjahre sind natürlich nicht eine unbedingt bindende Zahl für den Menschen. Man kann selbstverständlich viel älter werden, aber der Mensch ist eben ein freies Wesen und übersteigt zuweilen weit solche Grenzpunkte. Aber halten wir uns an diese Patriarchenzeit und sagen wir: Der Mensch lebt durchschnittlich, normal, 70 bis 71 Jahre. Und untersuchen wir, wieviel Tage das sind, dann haben wir, nicht wahr, 365,25 Tage für das Jahr. Nehmen wir zunächst dieses mal 70, da haben wir 25 567,5; und nehmen wir 71, so hätten wir 365,25 mal 71 = 25 932,75. Sie sehen, bei 70 Jahren bekommen wir 25 567,5 Tage, bei 71 Jahren 25 932,75 Tage. Daraus ersehen Sie aber, daß zwischen 70 und 71 Jahren eben der Zeitpunkt liegt, wo das menschliche Leben genau 25 920 Tage umfaßt, so daß das Patriarchenalter eben dasjenige ist, welches 25 920 Tage umfaßt. Sie haben also den menschlichen Tag dadurch bestimmt, daß er 25 920 Atemzüge hat. Sie haben die menschliche Lebenszeit dadurch bestimmt, daß sie 25 920 Tage zählt.

[ 15 ] But now let’s consider something else: Isn’t it true that the “age of the patriarchs,” as it is commonly called, is 70 human years? Of course, 70 human years is not necessarily a fixed limit for human beings. Of course, one can live much longer, but human beings are free beings and sometimes far exceed such limits. But let’s stick to this “patriarchal age” and say: On average, a person lives 70 to 71 years. And if we calculate how many days that is, we have, don’t we, 365.25 days in a year. Let’s first take 70—that gives us 25,567.5; and if we take 71, we’d have 365.25 times 71 = 25,932.75. As you can see, at 70 years we get 25,567.5 days, and at 71 years, 25,932.75 days. From this, however, you can see that the point exactly between 70 and 71 years is where human life spans exactly 25,920 days, so that the age of the patriarchs is precisely the one that spans 25,920 days. You have thus defined the human day as having 25,920 breaths. You have defined the human lifespan as consisting of 25,920 days.

[ 16 ] Nun wollen wir noch etwas untersuchen. Und das ist jetzt nicht schwer. Sie werden leicht einsehen, daß, wenn ich 25 920 Jahre, die der Sonnen-Frühlingspunkt braucht, um durch den Tierkreis hindurchzugehen, dividiere durch 365,25, so muß ich herausbekommen ungefähr 70 oder 71. Da bekomme ich 70 bis 71 heraus, denn ich habe es durch Multiplikation auch erhalten. Das heißt, wenn ich das platonische Jahr so behandle, daß es eben ein großes Jahr ist, und ich es dividiere, so daß ich einen Tag herausbekomme, so werde ich bekommen, was dann der Tag für das platonische Jahr ist. Was ist das? Das ist ein menschlicher Lebenslauf. Ein menschlicher Lebenslauf verhält sich zum platonischen Jahr wie ein Tag des Menschen zu einem Jahr.

[ 16 ] Now let’s examine something else. And this isn’t difficult. You will easily see that if I divide 25,920 years—the time it takes for the vernal equinox to pass through the zodiac—by 365.25, I must get approximately 70 or 71. I get 70 to 71 because I also arrived at that result through multiplication. This means that if I treat the Platonic year as a “great year” and divide it to obtain a single day, I will find what constitutes a day in the Platonic year. What is that? It is a human lifespan. A human lifespan is to the Platonic year as a human day is to a year.

[ 17 ] Die Luft ist um uns herum. Wir atmen sie ein und atmen sie aus. Sie ist zahlenmäßig so geregelt, daß sie, indem sie 25 920 mal geatmet wird, unseren Lebenstag abgibt. Was ist denn aber eigentlich dasjenige, was nun ein Lebenstag ist? Ein Lebenstag besteht ja darin, daß unser Ich und Astralleib aus unserem physischen Leib und Ätherleib herausgehen und wieder hineingehen. So daß Tag auf Tag sich das folgt: Das Ich und der Astralleib gehen hinaus, gehen hinein, gehen hinaus, gehen hinein, so wie der Atem aus- und eingeht. Viele unserer Freunde werden sich erinnern, daß ich sogar, um die Sache klarzumachen, in öffentlichen Vorträgen diesen Wechsel von Wachen und Schlafen mit einem langen Atemzug verglichen habe. So wie wir beim Atemzug die Luft aus- und einatmen, so gehen, indem wir aufwachen und einschlafen, Astralleib und Ich in den Ätherleib und physischen Leib hinein und hinaus. Damit aber ist nichts anderes gesagt, als: Es gibt ein Wesen, es kann ein Wesen vorausgesetzt werden, welches atmet, so wie wir atmen in einer achtzehntel Minute, ein Wesen, welches atmet, und dessen Atmen unser Aus- und Eingehen des Astralleibes und des Ich bedeutet. Dieses Wesen ist nichts anderes als das wirklich lebendige Erdenwesen. Indem die Erde Tag und Nacht erlebt, atmet sie, und ihr Atemprozeß trägt unser Schlafen und Wachen auf seinen Flügeln. Das ist der Atmungsprozeß eines größeren Wesens. Und jetzt nehmen Sie den Atmungsprozeß eines größeren Wesens, der Sonne, die da herumgeht. So wie die Erde einen Tag zubringt mit dem Herauslassen und Hereinholen des Ich und Astralleibes in den Menschen, so bringt das große, aber geistig der Sonne entsprechende Wesen uns Menschen hervor; denn die 79 bis 71 Jahre sind ja, wie wir nachgewiesen haben, ein Tag des Sonnenjahres, des großen platonischen Jahres. Unser gesamtes Menschenleben ist eine Aus- und Einatmung dieses großen Wesens, dem das platonische Jahr zugeteilt ist. Sie sehen: Wir haben einen kleinen Atem in einer achtzehntel Minute, der unser Leben regelt; wir stehen im Leben der Erde drinnen, deren Atemzug Tag und Nacht umfaßt: das entspricht unserem Hinaus- und Hereingehen des Ich und Astralleibes in den physischen und Ätherleib; und wir sind selber hereingeatmet von dem großen Wesen, dem der Sonnenumlauf entspricht als sein Leben, und unser Leben ist ein Atemzug dieses großen Wesens. Nun sehen Sie, wie wir im Makrokosmos drinnenstehen, wirklich drinnenstehen als ein Mikrokosmos, derselben Gesetzmäßigkeit in bezug auf die universellen Wesen unterliegend, wie der Atemzug in uns unserem menschlichen Wesen unterliegt. Da regiert Zahl und Maß. Aber was das Großartige, Bedeutungsvolle und uns tief zu Herzen Gehende ist: Zahl und Maß regiert in gleicher Art den großen Kosmos, den Makrokosmos und den Mikrokosmos. Es ist nicht eine bloße Redensart, es ist nicht bloß etwas mystisch Erfühltes, sondern etwas, was uns gerade die weisheitsvolle Betrachtung der Welt lehrt, daß wir als Mikrokosmos in dem Makrokosmos drinnenstehen.

[ 17 ] The air is all around us. We breathe it in and breathe it out. It is numerically regulated in such a way that, by being breathed in and out 25,920 times, it constitutes one day of life. But what, exactly, is this thing we call a day of life? A day of life consists of our ego and astral body leaving our physical body and etheric body and then returning to them. So day after day this sequence repeats: the ego and the astral body go out, come in, go out, come in, just as the breath goes out and comes in. Many of our friends will recall that, in order to clarify this point, I have even compared this alternation of waking and sleeping to a long breath in public lectures. Just as we exhale and inhale air with each breath, so too, as we wake up and fall asleep, the astral body and the “I” move in and out of the etheric body and the physical body. But this simply means: There is a being—or a being can be assumed to exist—that breathes just as we breathe in an eighteenth of a minute, a being that breathes, and whose breathing signifies the entry and exit of our astral body and I. This being is nothing other than the truly living Earth being. As the Earth experiences day and night, it breathes, and its breathing process carries our sleeping and waking on its wings. This is the breathing process of a greater being. And now consider the breathing process of a greater being, the Sun, which moves about. Just as the Earth spends a day expelling and drawing in the “I” and the astral body within human beings, so does the great being—which corresponds spiritually to the Sun—bring us human beings into being; for the 79 to 71 years are, as we have demonstrated, a day of the solar year, the great Platonic year. Our entire human life is an exhalation and inhalation of this great being, to which the Platonic year is assigned. You see: we have a small breath in an eighteenth of a minute that governs our life; we stand within the life of the Earth, whose breath encompasses day and night: this corresponds to the going out and coming in of the “I” and the astral body into the physical and etheric bodies; and we ourselves are breathed in by the great being to whose life the solar cycle corresponds, and our life is a breath of this great being. Now you can see how we stand within the macrocosm—truly stand within it as a microcosm—subject to the same laws with regard to the universal beings as the breath within us is subject to our human being. There, number and measure reign. But what is truly magnificent, significant, and deeply moving to us is this: number and measure govern the great cosmos, the macrocosm, and the microcosm in the same way. It is not merely a figure of speech; it is not merely a mystical feeling, but something that the wise contemplation of the world teaches us—that we, as a microcosm, are situated within the macrocosm.

[ 18 ] Wenn man solche ja ganz einfache Rechnungen macht — denn sie sind natürlich mit den allergebräuchlichsten wissenschaftlichen Zahlen zu erreichen —, und hat nicht ein Herz wie ein Holzklotz, sondern ein für die Geheimnisse des Weltendaseins fühlendes Herz, dann hört auch der Satz: Wir sind in das Weltenall hineingestellt — auf, ein bloß abstrakter Satz zu sein; er wird ein sehr lebendiger. Ein Wissen blüht auf, ein Fühlen, und trägt seine Früchte in den Willensimpulsen, und der ganze Mensch lebt das große Leben des göttlichen Weltenseins mit. Das ist aber der Weg, auf dem wir gewissermaßen den Anschluß finden in die geistige Welt hinein, und der muß gefunden werden in der Zeit, auf die wir ja hinwiesen in der letzten Betrachtung, in der der Christus auf der Erde ätherisch wandelt. Ich habe letzthin sogar auf das Jahr hingewiesen, in dem er begonnen hat, ätherisch auf unserer Erde zu wandeln. Er muß gefunden werden! Die Menschen müssen sich nur gewöhnen, den Zusammenhang, den intimen Zusammenhang erst wahrzunehmen, der schon aus dem Weltendasein heraus sich ergibt und der bewirken muß, wenn er wahrgenommen wird, daß das Bedürfnis, der intensive Trieb entsteht, diesen Anschluß an die geistige Welt zu suchen. Denn es wird gar nicht mehr lange dauern, dann werden die Menschen wenigstens gezwungen sein, eines einzusehen, das ist das Folgende.

[ 18 ] If one performs such very simple calculations—for they can, of course, be carried out using the most common scientific numbers—and does not have a heart like a block of wood, but rather a heart that is sensitive to the mysteries of the world’s existence, then one also hears the statement: “We are placed within the universe”—ceases to be merely an abstract statement; it becomes a very living one. A knowledge blossoms, a feeling arises, and bears fruit in the impulses of the will, and the whole human being participates in the great life of divine cosmic existence. But this is the path by which we, so to speak, find our connection to the spiritual world, and it must be found during the time to which we referred in the last meditation—the time when Christ walks on Earth in an etheric form. I even recently pointed to the year in which He began to walk on our Earth in an etheric form. It must be found! People need only accustom themselves to perceiving the connection—the intimate connection—that already arises from the existence of the world itself and which, when perceived, must give rise to the need, the intense impulse, to seek this connection to the spiritual world. For it will not be long now before people will at least be compelled to recognize the following:

[ 19 ] Man kann zwar die geistige Welt ableugnen, wenn man durch den Materialismus abgestumpft ist, aber man kann nicht in sich die Kräfte ertöten, die fähig sind, mit der geistigen Welt einen Zusammenhang zu suchen. Hinwegtäuschen kann man sich über die Existenz einer geistigen Welt, aber ertöten kann man die Kräfte in der Seele nicht, welche geeignet sind, den Menschen mit der geistigen Welt zusammenzubringen. Das aber hat etwas sehr Bedeutsames im Gefolge, und etwas, was man wohl berücksichtigen sollte gerade in unserer Zeit: Kräfte, die da sind, wirken, auch wenn man sie ableugnet. Der Materialist verbietet den nach dem Spirituellen gehenden Kräften in seiner Seele nicht, daß sie wirken; er kann es ihnen nicht verbieten; sie wirken. Also kann einer Materialist sein, können Sie sagen, und die nach dem Spirituellen gehenden Kräfte wirken doch in ihm. Ja, es ist so. Sie wirken in ihm. Es hilft nichts, sie wirken in ihm. Und was bewirken sie denn? Kräfte, die da sind, können zwar in bezug auf ihre ureigene Wirksamkeit unterdrückt werden; dann verwandeln sie sich aber in andere Kräfte. Und wenn man die Kräfte, die nach dem Spirituellen gehen, nicht verwendet, um Verständnis zu suchen des Spirituellen — ich sage jetzt nur «Verständnis» zu suchen des Spirituellen, mehr braucht man zunächst nicht —, wenn man diese Kräfte nicht dazu verwendet, dann verwandeln sie sich in Illusionskraft im menschlichen Leben. Dann wirken sie so, daß der Mensch sich im gewöhnlichen Leben in bezug auf die äußere Welt allen möglichen Illusionen hingibt. Das ist in unserer Zeit nicht so unbedeutsam einzusehen, denn in keiner Zeit haben die Menschen gewissermaßen mehr phantasiert als in unserer Zeit, obwohl sie die Phantasie nicht lieben. Das Phantasieren erstreckt sich nicht nur auf bestimmte Gebiete. Und man könnte, wenn man anfinge, Beispiele zu geben, was die Leute phantasieren, da sie doch nur Realisten, Materialisten sein wollen, wirklich auf alle möglichen Gebiete Licht werfen; man käme an kein Ende. Man könnte anfangen — nun, wir wollen nicht ketzerisch sein, aber wenn man zum Beispiel begönne damit, den Blick zu werfen auf das, was gewisse, sagen wir Staatsmänner, über den wahrscheinlichen Gang der Ereignisse in der Welt, vielleicht nur vor Wochen, vorausgesagt haben und was dann eingetroffen ist; wenn man diese Dinge vergleicht, wird man finden, daß die Illusionsfähigkeit schon seit vielen Jahren nicht gar klein ist.

[ 19 ] One may indeed deny the spiritual world if one has been numbed by materialism, but one cannot destroy within oneself the forces that are capable of seeking a connection with the spiritual world. One can delude oneself about the existence of a spiritual world, but one cannot kill the forces within the soul that are capable of bringing a person into contact with the spiritual world. This, however, has very significant implications—and something that should certainly be taken into account, especially in our time: these forces are present and active, even if one denies them. The materialist does not prevent the forces in his soul that are drawn toward the spiritual from acting; he cannot prevent them; they act. So one can be a materialist, you might say, and yet the forces drawn toward the spiritual still act within him. Yes, that is true. They are at work within him. It is no use; they are at work within him. And what effect do they have? Forces that are present can indeed be suppressed in terms of their inherent effectiveness; but then they transform into other forces. And if one does not use the forces that are oriented toward the spiritual to seek an understanding of the spiritual—I am speaking now only of seeking “understanding” of the spiritual; that is all that is needed for the time being—if one does not use these forces for that purpose, then they transform into a force of illusion in human life. They then cause a person to succumb to all manner of illusions regarding the external world in everyday life. This is not an insignificant matter to consider in our time, for in no other era have people, so to speak, fantasized more than in our own, even though they do not love fantasy. This fantasizing is not limited to specific areas. And if one were to begin giving examples of what people fantasize about—even though they claim to be nothing but realists and materialists—one could truly shed light on all manner of areas; there would be no end to it. One could begin—well, we do not wish to be heretical, but if, for example, one were to start by looking at what certain, let us say, statesmen predicted about the probable course of events in the world, perhaps only weeks ago, and what then actually came to pass; if one compares these things, one will find that the capacity for illusion has not been insignificant for many years now.

[ 20 ] Nun, man kann alle Gebiete des Lebens in dieser Weise durchforschen, es ist ganz merkwürdig, wie man überall, überall heute die Illusionsfähigkeit ganz bedeutsam entwickelt findet. Diese Illusionsfähigkeit gibt gerade den Lebensauffassungen und Lebensgesinnungen der materialistisch gestimmten Leute zuweilen etwas Kindliches, um nicht zu sagen Kindisches. Wenn man heute sieht, was dazu gehört, damit Menschen das eine oder andere begreifen, was dazu gehört, sie mit der Nase drauf zu stoßen, dann wird man schon einen Begriff davon bekommen, was hier als «kindlich» um nicht zu sagen «kindisch», gemeint ist. Nun, so ist es. Wenn die Menschen sich abwenden von der geistigen Welt, dann müssen sie es damit bezahlen, daß sie illusionsfähig werden, daß sie die Fähigkeit verlieren, zutreffende Begriffe über die äußere physische Wirklichkeit und ihren Gang zu haben. Sie müssen auf einem anderen Gebiet phantasieren, weil sie an die Wahrheit jetzt Wahrheit, ob sie nun auf das geistige oder physische Leben sich bezieht — sich nicht halten wollen.

[ 20 ] Well, one can explore all areas of life in this way; it is quite remarkable how, everywhere—everywhere today—one finds this capacity for illusion to be significantly developed. It is precisely this capacity for illusion that sometimes lends the worldviews and attitudes toward life of materialistically minded people a certain childlike quality—not to say childishness. When one sees today what it takes for people to grasp one thing or another—what it takes to have things shoved right in their faces—then one begins to get a sense of what is meant here by “childlike,” not to say “childish.” Well, that is how it is. When people turn away from the spiritual world, they pay the price by becoming susceptible to illusions, by losing the ability to form accurate concepts of external physical reality and its course. They are forced to fantasize in another realm because they no longer wish to hold fast to the truth—whether it pertains to spiritual or physical life.

[ 21 ] Ich habe Ihnen ein naheliegendes Beispiel einmal angeführt, und wenn es auch pro domo gesprochen ist, so ist es doch ein typisches Beispiel: Man kann immer wiederum ganz verurteilende Besprechungen finden über diejenige Geisteswissenschaft, die von mir vertreten wird. Warum, das begründen die Betreffenden damit, daß sie sagen: Der phantasiert ja nur alles! Und das ist nicht erlaubt, nur zu phantasieren! — Also die Menschen wollen nicht mitgehen in die wirkliche geistige Welt, weil sie das für Phantasterei halten, und das Phantasieren verachten sie. Und dann schließen sie daran allerlei Auseinandersetzungen, die mit der Wirklichkeit so übereinstimmen wie das Weiße mit dem Schwarzen, zum Beispiel über meine Abstammung, über die Art und Weise dessen, was ich da oder dort getan habe. Da entwickeln sie die kühnste Phantasie. Da sehen Sie es unmittelbar nebeneinander gestellt: Flucht vor der _ geistigen Welt mit Befähigung zur Illusion! Das bemerkt der Betreffende nicht, aber das ist ganz gesetzmäßig. Ein gewisses Quantum von Kraft ist da gerichtet nach der geistigen Welt; ein gewisses Quantum von Kraft ist da gerichtet nach der physischen Welt. Wird das nach der geistigen Welt gerichtete Quantum nicht angewendet, so lenkt es sich dann nach der physischen Welt, nicht, um dort das Wirkliche und Wahre zu erfassen, sondern um dort den Menschen in Lebensillusionen zu stürzen. Dies läßt sich nicht im einzelnen Falle gleich so beobachten, daß man sagen kann: Aha, da ist der; der wird durch seine Abneigung vor der geistigen Welt in Illusionen gestürzt! — Solche Beispiele findet man schon, aber man muß sie suchen; daß es aber im Leben nicht so ohne weiteres sich nachweisen läßt, das kommt davon her, weil das Leben kompliziert ist und eines das andere beeinflußt. Es ist immer so, daß durchaus die stärkere Seele die schwächere Seele beeinflußt. So liegt, wenn man bei einer Seele ein Stück Illusionsfähigkeit findet, schon irgendwie der Grund zu dieser Illusionsfähigkeit in einem Haß oder einer Abneigung vor der geistigen Welt; es braucht nicht in der Seele, die illusioniert ist, selber zu liegen, sondern es kann suggeriert sein. Denn auf geistigen Gebieten ist die Ansteckungskraft viel größer als auf irgendeinem physischen Gebiete.

[ 21 ] I once gave you an obvious example, and even if it is said in my own defense, it is nonetheless a typical example: One can always find highly critical reviews of the spiritual science that I advocate. Why? Those concerned justify this by saying: “He’s just making it all up!” And that’s not allowed—just making things up! — So people do not want to enter the real spiritual world because they consider it mere fantasy, and they despise fantasizing. And then they spin all sorts of arguments out of this that have as much to do with reality as white has to do with black—for example, about my ancestry, or about the nature of what I have done here or there. There they give free rein to the wildest imagination. There you see it side by side: flight from the spiritual world coupled with a capacity for illusion! The person in question doesn’t notice this, but it follows a natural law. A certain amount of energy is directed toward the spiritual world; a certain amount of energy is directed toward the physical world. If the portion directed toward the spiritual world is not utilized, it then turns toward the physical world—not to grasp what is real and true there, but to plunge people into illusions of life. This cannot be observed immediately in individual cases in such a way that one can say: “Aha, there he is; he is being plunged into illusions because of his aversion to the spiritual world!” — Such examples do exist, but one must seek them out; the fact that this cannot be readily demonstrated in life stems from the fact that life is complex and one factor influences another. It is always the case that the stronger soul influences the weaker soul. Thus, if one finds a degree of susceptibility to illusion in a soul, the root of this susceptibility is somehow already present in a hatred of or aversion to the spiritual world; it need not lie within the soul that is under the illusion itself, but may have been suggested to it. For in spiritual realms, the power of contagion is much greater than in any physical realm.

[ 22 ] Wie das mit dem allgemeinen Menschheitskarma zusammenhängt, wie diese Dinge überhaupt, wenn man sie betrachtet und dieses wichtige Gesetz der Metamorphose der Seelenkräfte ins Auge faßt, eine Metamorphose, eine Umwandlung der nach dem Geistigen gewendeten Kräfte zur Illusionskraft, im ganzen Zusammenhang des Lebens wirken und mit den Entwickelungsbedingungen unserer Gegenwart und der nächsten Zukunft zusammenhängen, das wird dann Gegenstand der nächsten Betrachtung sein, wo wir fortfahren werden, dies Heutige auszuführen und dann anzuknüpfen an das Christus- und auch an das gegenwärtige Zeit-Mysterium, um dann einige Ausblicke wiederum zu gewinnen für die Bedeutung der geistigen Anschauung im allgemeinen.

[ 22 ] How this relates to the general karma of humanity, and how these things—when one considers them and takes into account this important law of the metamorphosis of the soul’s powers—a metamorphosis, a transformation of the powers directed toward the spiritual into the power of illusion, operate within the overall context of life and relate to the conditions of development in our present and the near future—this will be the subject of our next consideration, where we will continue to elaborate on the present and then connect it to the Christ Mystery as well as the mystery of the present age, in order to gain some further insights into the significance of spiritual vision in general.