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The Rudolf Steiner Archive

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Building Stones for an Understanding
of the Mystery of Golgotha
GA 175

6 March 1917, Berlin

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Fünfter Vortrag

Fifth Lecture

[ 1 ] Ich habe Ihnen gesprochen von den drei Begegnungen, denen die Menschenseele unterworfen ist im Verlaufe ihres Lebens zwischen Geburt und Tod, und die sie schon im Verlaufe dieses Lebens zwischen Geburt und Tod in Verbindung bringen mit den geistigen Welten. Auf diesen Gegenstand, den wir das letzte Mal episodisch vorbereitend gewissermaßen von außen berührt haben, werden wir heute noch einmal zurückkommen, wir werden ihn überhaupt genauer betrachten.

[ 1 ] I have spoken to you about the three encounters that the human soul undergoes in the course of its life between birth and death, and which, even during the course of this life between birth and death, connect it with the spiritual worlds. Today we will return to this subject—which we touched on briefly last time, as it were, from the outside—and examine it in greater detail.

[ 2 ] Wir haben bemerkt, daß der Mensch in jener Zeit, in der er den Wechselzuständen von Schlafen und Wachen unterliegt, eine Begegnung hat, in der Regel in der Mitte seines Schlafzustandes. In der Regel sage ich deshalb, weil das der Schlafzustand sein soll, der der normale Nachtzustand ist. Also der Mensch hat in der Regel zwischen Schlafen und Aufwachen seine Begegnung mit derjenigen Welt, der unser Geistselbst verwandt ist, mit derjenigen Welt, in die wir versetzen die Wesenheiten aus jener Klasse der Hierarchien, die wir als die Angeloi bezeichnen. Wir kommen da also gewissermaßen jedesmal, wenn wir durch den Schlaf gehen, durch jene Welt durch, in welcher sich diese Wesen aufhalten; durch jene Welt, die die nächste — nach oben — ist zu unserer physischen Welt, und erfrischen, erstärken gewissermaßen unser ganzes geistiges Wesen durch diese Begegnung. Weil das so ist, weil man es also im Schlafzustand zu tun hat mit einem Verhältnis des Menschen mit der geistigen Welt, wird auch niemals eine bloß materialistische Erklärung des Schlafzustandes, wie sie von der äußeren Wissenschaft versucht wird, irgendwie befriedigen können. Man kann vieles, das im Menschen vorgeht, erklären aus den Veränderungen, die der Leib durchmacht vom Aufwachen bis zum Einschlafen, und man kann dann aus diesen Veränderungen den Schlaf erklären wollen, aber es wird immer etwas Unbefriedigendes dabei bleiben, weil es sich im Schlafe eben um die angedeutete Begegnung, also um eine Beziehung des Menschen zur geistigen Welt handelt. Gerade wenn wir also den Schlafzustand betrachten, können wir sehen, wie der Mensch, wenn er keine Beziehung sucht in seinem Bewußtsein zur geistigen Welt, dann zu halbwahren Begriffen kommt, zu jenen halbwahren Begriffen, welche — da Begriffe, Vorstellungen sich ins Leben umsetzen — das Leben verfälschen und auch die großen Katastrophen des Lebens eigentlich in Wahrheit zuletzt doch herbeiführen.

[ 2 ] We have observed that during the period when a person is subject to the alternating states of sleep and wakefulness, they have an encounter—usually in the middle of their sleep. I say “usually” because this is supposed to be the state of sleep that corresponds to the normal nighttime state. So, as a rule, between falling asleep and waking up, a person has an encounter with the world to which our spiritual self is related—the world into which we send the beings from that class of hierarchies we call the Angeloi. Thus, every time we pass through sleep, we pass through that world in which these beings dwell; through that world which is the next one—ascending—to our physical world, and we refresh and strengthen, so to speak, our entire spiritual being through this encounter. Because this is the case—because the state of sleep involves a relationship between the human being and the spiritual world—a purely materialistic explanation of the state of sleep, such as that attempted by conventional science, will never be able to satisfy us in any way. One can explain much of what takes place within a person based on the changes the body undergoes from waking to falling asleep, and one might then attempt to explain sleep through these changes; yet there will always remain something unsatisfactory about this approach, because sleep is precisely about the encounter described above—that is, a relationship between the human being and the spiritual world. Precisely when we consider the state of sleep, we can see how a person, if they do not seek a connection in their consciousness to the spiritual world, arrives at half-truths—those half-truths which, since concepts and ideas are translated into life, distort life and ultimately, in truth, bring about the great catastrophes of life.

[ 3 ] Halbwahre Begriffe! Sie sind aus dem Grunde in gewisser Beziehung sogar schlimmer als die ganz falschen Begriffe, weil die Menschen, welche sich halbwahre Begriffe, halbwahre Vorstellungen bilden, auf diesen halbwahren Vorstellungen bestehen, denn sie können sie ja beweisen; da sie halb wahr sind, lassen sie sich beweisen. Es wird ihnen auch eine Widerlegung nicht einleuchten, da die Begriffe eben halb wahr sind. Solche Begriffe verfälschen wirklich das Leben noch mehr als die ganz falschen, denen man ihre Falschheit ja eben sofort ansieht, anerkennt. Eine solche halbwahre Vorstellung ist diejenige, die heute zum Teil von der äußeren Wissenschaft verlassen ist, aber zum Teil, zum großen Teil sogar von dieser äußeren Wissenschaft noch immer vertreten wird. Es ist die Vorstellung, auf die ich schon öfter aufmerksam gemacht habe: daß wir schlafen, weil wir ermüdet sind. Es ist, wir können wirklich sagen, eine halbwahre Vorstellung, und sie wird gestützt durch eben auch eine halbwahre Beobachtung, auf die sich die Menschen berufen: daß das Leben des Tages den Körper ermüdet, und daß man daher, weil man ermüdet ist, schlafen müsse. Nun, ich habe schon darauf aufmerksam gemacht in früheren Vorträgen, daß sich durch diese Erklärung des Schlafes niemals erklären ließe, warum Rentiers, die gar nicht gearbeitet haben, oftmals bei den anregendsten Dingen, die von der Außenwelt kommen, sofort einschlafen, wenn sie dieses oder jenes hören. Daß sie ermüdet sind, wird man ganz gewiß nicht nachweisen können; und daß sie durchaus schlafen müssen, weil sie nun so abgerackert sind, das ist eben nur eine falsche, also eine halbwahre Beobachtung. Wir Menschen beobachten eben da, wenn wir glauben, daß wir durch die Ermüdung zum Schlafen gezwungen werden, nur halb. Und man sieht, worin die Halbheit besteht, erst dann, wenn man dasjenige, was von der einen Seite beobachtet wird, vergleicht mit dem, was von der anderen Seite beobachtet werden kann, wo man der anderen Halbheit begegnet. Sie werden gleich sehen, was ich damit meine.

[ 3 ] Half-true concepts! In a certain sense, they are actually worse than completely false concepts, because people who form half-true concepts and half-true ideas insist on these half-true ideas—after all, they can prove them; since they are half-true, they can be proven. Nor will a refutation make sense to them, since the concepts are, after all, half-true. Such concepts actually distort life even more than the completely false ones, whose falsity is immediately apparent and acknowledged. One such half-true idea is the one that has been partly abandoned by external science today, but is still partly—and to a large extent—upheld by that same external science. It is the notion to which I have already drawn attention on several occasions: that we sleep because we are tired. It is, we can truly say, a half-true notion, and it is supported by a half-true observation that people invoke: that the activities of the day tire the body, and that one must therefore sleep because one is tired. Now, I have already pointed out in earlier lectures that this explanation of sleep could never account for why rentiers, who have not worked at all, often fall asleep immediately upon hearing this or that—even in the face of the most stimulating things coming from the outside world. It is certainly impossible to prove that they are tired; and the idea that they absolutely must sleep because they are so worn out is simply a false—that is, a half-true—observation. We humans, precisely when we believe that fatigue is forcing us to sleep, observe only half the picture. And one sees what this incompleteness consists of only when one compares what is observed from one side with what can be observed from the other side, where one encounters the other half of the picture. You will soon see what I mean by this.

[ 4 ] Schlafen und Wachen ist im einzelnen menschlichen Leben etwas, was rhythmisch abwechselt. Nur ist der Mensch ein Wesen, das auf Freiheit gestellt ist, und das daher auch mit Bezug auf den Rhythmus von Schlafen und Wachen eingreifen kann — hier mehr durch die Verhältnisse als durch dasjenige, was man Freiheit nennt, aber diese Verhältnisse sind eben die Grundlage der Freiheit —, eingreifen kann bei dem Gang der Ereignisse, und manchmal bei dem Rhythmus des Schlafens und Wachens nur allzu gerne eingreift. Ein anderer Rhythmus, den wir oft zusammengestellt haben mit Schlafen und Wachen, wenn er auch im gewöhnlichen Bewußtsein falsch zusammengestellt wird, ist der, welcher im Jahreslauf eintritt: der Wechsel von Sommer und Winter, wenn wir die Zwischenjahreszeiten unberücksichtigt lassen. Niemand wird es dabei einfallen zu sagen: Nun, während des Sommers strengt sich die Erde an und entfaltet diejenigen Kräfte, welche dazu führen, daß die Pflanzen wachsen, Kräfte, welche zu manchem anderen noch führen; da ermüdet sie, und es muß daher eine Winterruhe eintreten. — Ein jeder wird eine solche Vorstellung als absurd abweisen und wird sagen: "Daß der Winter eintritt, hat gar nichts zu tun mit der sommerlichen Anstrengung der Erde, sondern er tritt halt deshalb ein, weil die Sonne in ein anderes Raumesverhältnis zu dem Fleck Erde kommt, auf dem gerade der Winter eintritt. — Da wird man alles von Äußerem ableiten, beim Schlafen und Wachen alles von der Ermüdung, vom Inneren. Nun ist das eine genau ebenso falsch wie das andere, oder man könnte auch sagen, es ist das eine gerade so halb wahr wie das andere. Denn der Rhythmus von Schlafen und Wachen ist gerade ein solcher Rhythmus wie derjenige zwischen Winter und Sommer. Es ist ebensowenig wahr, daß wir nur deshalb schlafen, weil wir ermüdet sind, wie es wahr ist, daß der Winter eintritt, weil die Erde sich während des Sommers abgerackert hat, sondern beides beruht auf selbständigem Wirken eben eines Rhythmus, der hervorgebracht wird durch gewisse Verhältnisse. Der Rhythmus zwischen Schlafen und Wachen wird eben dadurch hervorgebracht, daß die Menschenseele es nötig hat, die Begegnung mit der geistigen Welt immer wieder und wiederum herbeizuführen, daß sie immer wiederum ihre Begegnung mit der geistigen Welt braucht. Und wenn wir sagen würden, wir wollen schlafen, und deshalb fühlen wir Ermüdung, oder wenn wir sagen würden: wir treten in das Stadium ein, wo wir nach dem einen Teil des Rhythmus, nach dem Schlafzustand verlangen, und deshalb fühlen wir Ermüdung, dann würden wir etwas Richtigeres sagen als: weil wir ermüdet sind, müssen wir schlafen.

[ 4 ] In the life of each individual human being, sleep and wakefulness alternate rhythmically. However, human beings are creatures endowed with freedom, and can therefore intervene in the rhythm of sleep and wakefulness—in this case, more through circumstances than through what is called freedom, but these circumstances are precisely the foundation of freedom—they can intervene in the course of events, and sometimes are only too happy to intervene in the rhythm of sleep and wakefulness. Another rhythm that we have often associated with sleep and wakefulness—even if this association is mistaken in ordinary consciousness—is the one that occurs in the course of the year: the alternation of summer and winter, if we disregard the transitional seasons. No one would think to say: “Well, during the summer the Earth exerts itself and unleashes the forces that cause plants to grow—forces that lead to many other things as well; then it grows weary, and a winter rest must therefore set in.” — Everyone would reject such an idea as absurd and say: “The onset of winter has nothing at all to do with the Earth’s summer exertion; rather, it occurs simply because the Sun assumes a different spatial relationship to the spot on Earth where winter is just setting in.” — People will attribute everything to external factors; when it comes to sleeping and waking, they’ll attribute everything to fatigue, to internal factors. Now, one view is just as false as the other—or one could also say that one is just as half-true as the other. For the rhythm of sleeping and waking is precisely the same kind of rhythm as that between winter and summer. It is just as untrue that we sleep merely because we are tired as it is true that winter sets in because the earth has worked itself to the bone during the summer; rather, both are based on the independent action of a rhythm brought about by certain conditions. The rhythm between sleeping and waking is brought about precisely because the human soul needs to bring about the encounter with the spiritual world again and again—because it needs this encounter with the spiritual world time and again. And if we were to say that we want to sleep, and that is why we feel fatigue, or if we were to say that we are entering the stage where we long for one part of the rhythm—the state of sleep—and that is why we feel fatigue, then we would be stating something more accurate than: “Because we are tired, we must sleep.”

[ 5 ] Die Sache wird uns noch klarer werden, wenn wir einfach fragen: Ja, was tut denn die Seele eigentlich, wenn sie schläft? Für die Beantwortung einer solchen Frage hat die heutige geistlose Wissenschaft kein rechtes Verständnis, auch keine rechte Möglichkeit. Sehen Sie, im Wachen, da genießen wir — denn Genuß ist beim ganzen Leben immer vorhanden —, da genießen wir die äußere Welt. Wir genießen ja nicht bloß die äußere Welt, wenn wir eine gute Speise durch unseren Gaumen fühlen, wo wir das Wort «genießen», weil die Sache eben radikal wirkt, anwenden, sondern wir genießen während des ganzen Wachzustandes die äußere Welt, und alles Leben ist zu gleicher Zeit Genuß. Wenn es viel Unlust in der Welt gibt und das scheinbar kein Genuß ist, so ist das nur eine Täuschung, von der wir im späteren Zusammenhang in nächsten Vorträgen einmal sprechen werden. Im Wachen genießen wir die äußere Welt, im Schlafen genießen wir uns selbst. Geradeso wie wir, wenn wir mit unserer Seele im Leibe sind, durch den Leib die äuBere Welt genießen, so genießen wir, wenn wir mit unserer Seele außer dem Leibe sind, unseren eigenen Leib; denn während des Lebens zwischen Geburt und Tod sind wir mit dem Leibe doch zusammenhängend, auch außerhalb des Leibes. Darin besteht im wesentlichen der Schlafzustand, der gewöhnliche normale Schlafzustand, daß wir uns in unseren Leib vertiefen, daß wir unseren Leib genießen. Von außen genießen wir unseren Leib. Und die Träume, die gewöhnlichen chaotischen Träume wird derjenige richtig deuten, der sich sagt, sie sind Widerspiegelung desjenigen Leibesgenusses, den der Mensch hat, wenn er im traumlosen Schlaf ist.

[ 5 ] The matter will become even clearer to us if we simply ask: Yes, what does the soul actually do when it sleeps? Today’s spiritless science has neither a proper understanding nor a proper way to answer such a question. You see, when we are awake, we take pleasure—for pleasure is always present throughout life—we take pleasure in the external world. We do not merely enjoy the external world when we taste a delicious meal—where we use the word “enjoy” because the experience has such a profound effect—but rather, we enjoy the external world throughout our entire waking state, and all of life is, at the same time, enjoyment. If there is much displeasure in the world and this does not seem to be enjoyment, that is merely an illusion, which we will discuss in a later context in upcoming lectures. While awake, we enjoy the external world; while asleep, we enjoy ourselves. Just as we enjoy the external world through the body when our soul is within the body, so too do we enjoy our own body when our soul is outside the body; for during the life between birth and death, we remain connected to the body, even when outside of it. This is essentially what the state of sleep consists of—the ordinary, normal state of sleep—that we immerse ourselves in our body, that we enjoy our body. We enjoy our body from the outside. And the dreams—the ordinary, chaotic dreams—will be correctly interpreted by those who tell themselves that they are a reflection of the enjoyment of the body that a person experiences when in dreamless sleep.

[ 6 ] Diese Erklärung des Schlafes kommt schon näher dem Schlafbedürfnis, von dem ich gesprochen habe beim Rentier. Denn daß er ermüdet ist, das werden wir ihm nicht so leicht glauben; daß er aber seinen Leib so gerne hat, daß er ihn lieber genießen will als das, was ihm oftmals aus der äußeren Welt entgegenkommt, das werden wir gerade beim Rentier leicht glauben können. Er hat sich ja in der Regel so unendlich gern und genießt sich so gern, er genießt vielleicht sich viel lieber als, um nicht zu sagen einen Vortrag, den er schandenhalber anhört, sondern vielleicht zu sagen, irgendein schwierigeres, besseres Musikstück, bei dem er sofort einschläft, wenn er es sich anhören soll. Schlaf ist Selbstgenuß. Dadurch nun, daß wir im Schlafe, im normalen Schlafe, die Begegnung mit der geistigen Welt haben, dadurch wird dieser Schlaf nicht bloßer Selbstgenuß sein, sondern auch Selbstverständnis sein; bis zu einem gewissen Grade Selbstverständnis, Selbstauffassung. In dieser Beziehung ist tatsächlich unserer geistigen Bildung notwendig, daß die Menschen begreifen lernen, daß sie wirklich im normalen Schlaf untertauchen in den Geist und im Aufwachen wiederum auftauchen aus dem Geiste, daß sie lernen Ehrfurcht zu haben vor dieser Begegnung mit dem Geiste.

[ 6 ] This explanation of sleep comes closer to the need for sleep that I mentioned in connection with the reindeer. For while we might not readily believe that it is tired, we can easily believe—especially in the case of the reindeer—that it loves its body so much that it would rather enjoy it than whatever the outside world often has to offer. After all, it generally loves itself so infinitely and takes such pleasure in itself—perhaps it enjoys itself far more than, not to say, a lecture it listens to out of a sense of duty, but perhaps, to put it another way, some more difficult, more sophisticated piece of music, to which it immediately falls asleep when it is supposed to listen to it. Sleep is self-indulgence. But because, in sleep—in normal sleep—we encounter the spiritual world, this sleep is not merely self-indulgence but also self-understanding; to a certain degree, self-understanding and self-perception. In this regard, it is indeed essential for our spiritual development that people learn to understand that they truly submerge themselves in the spirit during normal sleep and, upon waking, emerge again from the spirit; that they learn to have reverence for this encounter with the spirit.

[ 7 ] Nun, damit wir nicht unvollständig sind, möchte ich noch einmal auf das sogenannte Ermüdungsrätsel zurückkommen. Denn hier wird ja das triviale Bewußtsein am allerleichtesten einhaken können. Es wird sagen: Nun ja, wir erfahren aber doch, daß wir ermüdet sind, und mit der Ermüdung tritt das Schlafbedürfnis ein. — Hier ist ein Punkt, wo man wirklich genau unterscheiden muß. Wir ermüden tatsächlich bei des Tages Arbeit, und während wir schlafen, sind wir in der Lage, die Ermüdung fortzuschaffen. Also dieser Teil der Sache ist wahr: Wir sind in der Lage, durch den Schlaf die Ermüdung wegzuschaffen. Aber der Schlaf besteht nicht darin, daß er etwa eine Wirkung der Ermüdung ist, sondern er besteht darin, daß man sich selbst genießt. Und in diesem Selbstgenusse erwirbt sich der Mensch die Kräfte, durch die er die eingetretene Ermüdung fortschafft. Also soweit ist die Sache wahr, daß der Schlaf Ermüdung wegschaffen kann. Daraus folgt aber nicht, daß jeder Schlaf Ermüdung wegschafft; wahr ist, daß jeder Schlaf ein Selbstgenuß ist, wahr ist aber nicht, daß jeder Schlaf Ermüdung wegschafft. Denn derjenige, der unnötig schläft, der bei jeder Gelegenheit einschläft und unnötig schläft, der kann auch eben wirklich ein Schlafen vollbringen, in dem keine Ermüdung weggeschafft wird, in dem bloß Selbstgenuß vorliegt. Durch einen solchen Schlaf wird man zwar — weil man gewöhnt ist vom normalen Leben her, durch den Schlaf die Ermüdung wegzuschaffen —, durch einen solchen Schlaf wird man zwar sich fortwährend anstrengen, auch Ermüdung wegzuschaffen. Wenn sie aber nicht da ist, die Ermüdung, wie das beim Rentier der Fall ist, wenn er im Konzert einschläft, wird er bloß an seinem Leibe herumwirtschaften, so wie man sonst herumwirtschaftet, wenn man Ermüdung fortschaffen will. Aber da die Ermüdung nicht da ist, wird er unnötig herumwirtschaften, und die Folge wird sein, daß er allerlei Folgezustände in seinem Leibe ausbrütet. Daher solche schlafenden Rentiers gerade am ärgsten geplagt sind von allerlei Dingen, die man als Neurasthenie, oder wie sie sonst heißen, die schönen Dinge, zusammenfaßt.

[ 7 ] Well, so as not to leave anything out, I would like to return once more to the so-called “puzzle of fatigue.” For this is where trivial consciousness will find it easiest to latch on. It will say: Well, but we do experience that we are tired, and with fatigue comes the need for sleep.” — This is a point where one really must make a precise distinction. We do indeed become tired during the day’s work, and while we sleep, we are able to dispel that fatigue. So this part of the matter is true: We are able to dispel fatigue through sleep. But sleep does not consist in being merely an effect of fatigue; rather, it consists in enjoying oneself. And in this self-enjoyment, a person regains the strength through which they can dispel the fatigue that has set in. So to that extent, it is true that sleep can dispel fatigue. But it does not follow from this that every instance of sleep dispels fatigue; it is true that all sleep is self-enjoyment, but it is not true that all sleep eliminates fatigue. For the person who sleeps unnecessarily—who falls asleep at every opportunity and sleeps unnecessarily—may very well engage in a kind of sleep in which no fatigue is eliminated, in which there is merely self-enjoyment. Through such sleep—because one is accustomed, from normal life, to relieving fatigue through sleep—one will, through such sleep, continually strive to relieve fatigue as well. But if fatigue is not present—as is the case with the idler who falls asleep during a concert—he will merely go about his business, just as one otherwise does when trying to dispel fatigue. But since there is no fatigue, it will be a futile effort, and the result will be that it breeds all sorts of secondary conditions in its body. That is why such sleeping reindeer are particularly plagued by all sorts of things that are collectively referred to as neurasthenia—or whatever else they are called, those lovely terms.

[ 8 ] Es ist eben doch durch den Zusammenhang mit der geistigen Wissenschaft beim Menschen ein Zustand denkbar, in dem er sich bewußt ist: Du lebst in einem Rhythmus, der dich in Abwechslung dazu bringt, in der physischen Welt zu sein und in der geistigen Welt zu sein. In der physischen Welt hast du deine Begegnung mit der äußeren physischen Natur; in der geistigen Welt hast du deine Begegnung mit den Wesen eben, die in der geistigen Welt leben.

[ 8 ] It is, after all, conceivable—through the connection with spiritual science—that a person might experience a state in which they are aware: You live in a rhythm that alternately brings you into the physical world and into the spiritual world. In the physical world, you encounter external physical nature; in the spiritual world, you encounter the beings who live in the spiritual world.

[ 9 ] Nun werden wir vollständig die Sache verstehen, wenn wir etwas tiefer auf die ganze Wesenheit des Menschen von einem gewissen Gesichtspunkte eingehen. Sehen Sie, für die äußere Wissenschaft, die man die Biologie nennt, ist der Mensch gewöhnlich als Einheit betrachtet, und man teilt ihn notdürftig in Kopf, Brustteil und Unterleibsteil mit daran befindlichen Gliedern. In jenen alten Zeiten, in denen man noch ein atavistisches Wissen hatte, verband man schon mehr Vorstellungen mit dieser Teilung, mit dieser Gliederung des Menschen. Der große Plato, der griechische Philosoph, er weist dem Kopfe, dem Haupte die Weisheit zu, dem Brustteil das Mutartige im Menschen, dem Unterleibsteil weist er zu dasjenige, was niederste Regungen der menschlichen Natur sind. Und veredelt kann dasjenige, was dem Brustteil zugewiesen ist, werden, wenn Weisheit sich vereinigt mit dem Mutartigen, das an den Brustteil geknüpft ist, zum weisheitsvollen Mut, zur weisheitsvollen Aktivität. Und dasjenige, was als die niedere Gliedrigkeit des Menschen zu betrachten ist, was an dem Unterleib haftet — wenn es durchsonnt wird von der Weisheit, so nennt es Plato die Besonnenheit. Also da sehen wir schon, wie die Seele gegliedert und bezogen wird auf die verschiedenen Leibesteile. Heute, wo wir die Geisteswissenschaft haben, die für Plato noch nicht in derselben Weise zugänglich war, können wir über diese Dinge ja viel genauer sprechen.

[ 9 ] Now we will fully understand the matter if we delve a little deeper into the whole nature of the human being from a certain perspective. You see, in the external science known as biology, the human being is usually regarded as a single unit and is roughly divided into the head, the chest, and the lower abdomen, along with the limbs attached to them. In those ancient times, when people still possessed atavistic knowledge, they already associated more concepts with this division, with this structure of the human being. The great Plato, the Greek philosopher, assigns wisdom to the head, courage to the chest, and to the lower abdomen he assigns what are the basest impulses of human nature. And that which is assigned to the chest region can be ennobled when wisdom unites with the courage associated with the chest region, transforming it into wise courage, into wise activity. And that which is to be regarded as the lower part of the human being, that which is attached to the lower abdomen—when it is permeated by wisdom, Plato calls it prudence. So here we can already see how the soul is structured and related to the various parts of the body. Today, with spiritual science—which was not yet accessible to Plato in the same way—we can speak about these things much more precisely.

[ 10 ] Indem wir von dem gesamten Menschen sprechen, sprechen wir zunächst, wenn wir von oben beginnen in der Viergliedrigkeit des Menschen, von seinem Ich. Alles dasjenige, was der Mensch seelisch-geistig sein eigen nennt, wirkt in seinem physischen Dasein zwischen Geburt und Tod durch die Werkzeuge des physischen Leibes. Wir können uns bei jedem Gliede des Menschen fragen: Durch welche Partien der physischen Leiblichkeit wirkt das betreffende Glied? Und da zeigt sich uns bei einer durchgreifenden geistigen Beobachtung, daß dasjenige was wir das Ich des Menschen nennen, tatsächlich, so wie der Mensch ist zwischen Geburt und Tod, gebunden ist — so grotesk es klingt, aber die Wahrheiten sind gewöhnlich verschieden von dem, was das Trivialbewußtsein sich vorstellt —, leiblich gebunden ist an dasjenige, was wir Unterleib nennen. Denn dieses Ich ist ja, wie ich oftmals gesagt habe, gegenüber der menschlichen Natur das Baby. Der physische Leib hat seine Anlage schon bekommen in der alten Saturnzeit, der Ätherleib in der alten Sonnenzeit, der Astralleib in der alten Mondenzeit, das Ich erst während der Erdenzeit. Es ist das jüngste unter den Gliedern der menschlichen Wesenheit. Es wird erst zur künftigen Vulkanzeit auf der Stufe stehen, auf der der physische Leib jetzt während der Erdenzeit steht. Das Ich ist gebunden an die niedrigste Leiblichkeit des Menschen, und diese niedrigste Leiblichkeit, die schläft eigentlich fortwährend. Sie ist nicht so organisiert, daß sie dasjenige, was in ihr verläuft, ins Bewußtsein heraufträgt. Was in der niederen Leiblichkeit des Menschen geschieht, das ist auch im gewöhnlichen Wachzustand dem Schlafe unterworfen. Unser Ich, das kommt uns als solches in seiner Wahrheit, in seiner wirklichen Wesenheit ebensowenig zum Bewußtsein, wie uns die Vorgänge unserer Verdauung zum Bewußtsein kommen. Was uns als Ich zum Bewußtsein kommt, ist die Reflexvorstellung, die Spiegelvorstellung, die in unser Haupt hinaufgeworfen wird. Wir sehen oder nehmen unser Ich eigentlich niemals wahr, weder im Schlafe, wo wir überhaupt bewußtlos sind im normalen Zustand, noch im Wachen, denn das Ich schläft auch während des Wachens. Das wirkliche Ich kommt nicht ins Bewußtsein herein, sondern nur der Begriff, die Vorstellung vom Ich, die wird heraufgespiegelt. Dagegen in der Zeit vom Einschlafen bis zum Aufwachen, da kommt wirklich dieses Ich zu sich selber, nur wird der Mensch im normalen tiefen Schlafe nichts davon wissen, weil er eben noch unbewußt ist während des Erdenzustandes in diesem tiefen Schlafe. Dieses Ich ist also im Grunde genommen an die niederste Leiblichkeit des Menschen gebunden, und zwar während des Tages, während des Tagwachens von innen, während des Schlafes von außen.

[ 10 ] When we speak of the whole human being, we are speaking first—if we begin at the top in the fourfold nature of the human being—of the “I.” Everything that the human being considers to be his or her own in the soul and spirit acts within his or her physical existence between birth and death through the instruments of the physical body. We can ask ourselves with regard to each member of the human being: Through which parts of the physical body does the member in question act? And through thorough spiritual observation, it becomes clear to us that what we call the human “I” is in fact—as the human being exists between birth and death—bound—as grotesque as it may sound, but truths are usually different from what trivial consciousness imagines—physically bound to what we call the lower abdomen. For this “I,” as I have often said, is, in relation to human nature, the baby. The physical body received its rudiments as early as the ancient Saturn era, the etheric body in the ancient Sun era, the astral body in the ancient Moon era, and the “I” only during the Earth era. It is the youngest of the members of the human being. It will not reach the stage that the physical body now occupies during the Earth Age until the future Vulcan Age. The “I” is bound to the lowest physical aspect of the human being, and this lowest physical aspect is, in fact, constantly asleep. It is not organized in such a way that it brings what takes place within it up into consciousness. What happens in the lower physicality of the human being is subject to sleep even in the ordinary waking state. Our “I”—in its truth, in its real essence—comes to our consciousness just as little as the processes of our digestion do. What comes to our consciousness as the “I” is the reflex image, the mirror image, that is projected into our head. We never actually perceive our “I,” neither in sleep—where we are generally unconscious in the normal state—nor while awake, for the “I” also sleeps while we are awake. The real “I” does not enter into consciousness; rather, only the concept, the idea of the “I,” is reflected upward. In contrast, during the period from falling asleep to waking up, this “I” truly comes to itself; however, a person in normal deep sleep will know nothing of this, because they are still unconscious during their earthly existence in this deep sleep. This “I” is therefore, in essence, bound to the lowest physicality of the human being—from within during the day, while awake, and from without during sleep.

[ 11 ] Gehen wir nun zu dem zweiten Gliede der menschlichen Natur, zu demjenigen, was wir als den Astralleib bezeichnen, dann finden wir diesen Astralleib in bezug auf die Werkzeuge, durch die er wirkt, von einem gewissen Gesichtspunkte aus gebunden an den Brustteil des Menschen. Und im Grunde genommen können wir von dem, was in diesem Astralleib vorgeht und durch den Brustteil wirkt, eigentlich nur träumen. Vom Ich können wir nur, so wie wir sind als Erdenmenschen, schlafend etwas wahrnehmen, das heißt eben bewußt nichts wahrnehmen. Von dem, was der Astralleib in uns wirkt, können wir träumen. Daher träumen wir im Grunde genommen fortwährend über unsere Gefühle, über dasjenige, was als Empfindungen in uns lebt. Die führen in der Tat ein traumhaftes Dasein in uns. So steht das Ich des Menschen außerhalb des Gebietes, das wir Menschen mit unserem gewöhnlichen sinnlichen Bewußtsein umfassen, denn das Ich schläft forwährend. Der Astralleib steht auch noch in einer gewissen Beziehung außerhalb dessen, was wir mit unserem sinnlichen Bewußtsein umfassen, denn er kann nur träumen. Mit beiden stehen wir also im Grunde genommen fortwährend, ob wir wachen oder schlafen, in der geistigen Welt drinnen, wirklich in der geistigen Welt drinnen.

[ 11 ] If we now turn to the second aspect of human nature—what we call the astral body—we find that, in terms of the instruments through which it acts, this astral body is, from a certain point of view, connected to the chest region of the human being. And, strictly speaking, we can really only dream of what takes place in this astral body and works through the chest region. As earthly human beings, we can only perceive the “I” while asleep—that is to say, we do not consciously perceive it at all. We can dream of what the astral body is doing within us. That is why, in essence, we are constantly dreaming about our feelings, about what lives within us as sensations. These do indeed lead a dreamlike existence within us. Thus, the human ego lies outside the realm that we humans encompass with our ordinary sensory consciousness, for the ego is perpetually asleep. The astral body, too, stands to a certain extent outside the realm of what we perceive with our sensory consciousness, for it can only dream. With both of them, then, we are essentially always—whether we are awake or asleep—inside the spiritual world, truly inside the spiritual world.

[ 12 ] Dasjenige aber, was wir den Ätherleib nennen, das ist mit Bezug auf seine Leiblichkeit gebunden an das Haupt, an den Kopf. Und das ist dasjenige, was zunächst durch die eigenrümliche Organisation des Kopfes in uns fortwährend wachen kann, beziehungsweise fortwährend wachen kann, wenn es im Leibe ist, also wenn es mit der Leiblichkeit des Kopfes verbunden ist. So daß wir sagen können: Das Ich ist mit den niedersten Gliedern unseres Leibes verbunden, der Astralleib mit unserem Brustteil. Das Herz, von dessen Vorgängen wir nicht ein volles Bewußtsein, sondern fortwährend nur ein Traumbewußtsein haben, das schlägt, pulst unter dem Einfluß unseres Astralleibes. Wenn der Kopf denkt, so denkt er unter dem Einfluß des Ätherleibes. Und dann können wir noch den ganzen physischen Leib unterscheiden, die Zusammenfassung von allem; der hat nun seine Verbindung mit der gesamten Außenwelt.

[ 12 ] But what we call the etheric body is, in terms of its physicality, bound to the head. And this is what can remain constantly awake within us, first and foremost, through the head’s unique organization—or rather, can remain constantly awake when it is within the body, that is, when it is connected to the physicality of the head. So that we can say: The “I” is connected to the lowest parts of our body, and the astral body to our chest region. The heart, of whose processes we have not full consciousness but only a continuous dream-like awareness, beats and pulses under the influence of our astral body. When the head thinks, it thinks under the influence of the etheric body. And then we can also distinguish the entire physical body, the synthesis of everything; this is connected to the entire external world.

[ 13 ] Jetzt sehen Sie einen merkwürdigen Zusammenhang: Das Ich ist an die niederen Glieder des Leibes gebunden, der Astralleib an den Herzteil, der Ätherleib an den Kopfteil, der physische Leib an die ganze Außenwelt, an die Umgebung. Dieser ganze physische Leib steht auch wirklich fortwährend im wachen Zustande mit der äußeren Umgebung im Verhältnis. Geradeso, wie wir mit dem ganzen Leibe mit der äußeren Umgebung im Verhältnis stehen, so steht unser Ätherleib mit unserem Haupt, der Astralleib mit dem Herzen und so weiter in Verbindung. Daraus aber werden Sie erkennen, wie, ich möchte sagen, wirklich geheimnisvoll die Zusammenhänge sind, in denen der Mensch in der Welt lebt. In Wirklichkeit verhalten sich die Dinge geradezu umgekehrt gegenüber dem, was wir im Trivialbewußtsein leicht glauben können. Es sind eben die niedersten Glieder der menschlichen Natur heute beim Menschen noch unvollkommene Ausbildungen seines Wesens; daher entsprechen sie auch als Leibesglieder eben dem, was wir das Baby genannt haben: dem Ich.

[ 13 ] Now you see a curious connection: the ego is bound to the lower parts of the body, the astral body to the heart region, the etheric body to the head region, and the physical body to the entire external world, to the surroundings. This entire physical body is, in fact, constantly in relation to the external environment while we are awake. Just as we relate to the external environment with our entire body, so too is our etheric body connected to our head, the astral body to the heart, and so on. From this, however, you will recognize how—I would say—truly mysterious the relationships are in which human beings live in the world. In reality, things are actually the exact opposite of what we might easily believe in our everyday consciousness. It is precisely the lowest members of human nature that are still imperfectly developed aspects of the human being today; therefore, as members of the body, they correspond to what we have called the baby: the “I.”

[ 14 ] In dem, was ich damit gesagt habe, sind unzählige Geheimnisse des menschlichen Lebens verborgen, unzählige Geheimnisse. Vor allen Dingen werden Sie, wenn Sie in diese ganze Sache eingehen, verstehen, wie aus dem Geiste heraus der ganze Mensch gebildet ist, nur, möchte ich sagen, auf verschiedenen Stufen. Das Haupt des Menschen ist aus dem Geist heraus gebildet, allein es ist mehr ausgeprägt, es hat eine spätere Bildungsstufe als die Brust, von der wir ja sagen können, sie sei ebenso eine Metamorphose für das Haupt, wie das Blatt im Sinne der Goetheschen Metamorphosenlehre eine Metamorphose für die Blüte ist. Und wenn wir von diesem Gesichtspunkte aus den Rhythmus zwischen Schlafen und Wachen betrachten, dann werden wir sagen: Das Ich weilt während des Wachens in der Tat bei all den Tätigkeiten im menschlichen Leibe, die die niedersten Tätigkeiten sind, die zuletzt gipfeln in der Blutbereitung. Bei diesen Tätigkeiten weilt das Ich während des Wachens. Das sind diejenigen Tätigkeiten des Leibes, die gewissermaßen auf der untersten Stufe der Geistigkeit stehen, denn alles Leibliche ist ja auch geistig: aber das, wovon wir jetzt reden, steht auf der untersten Stufe der Geistigkeit. Dadurch aber, daß das Ich während des Wachens auf der untersten Stufe der Geistigkeit steht, steht es während des Schlafes — beachten Sie das wohl! — mit Bezug auf den Menschen in der höchsten Stufe der Geistigkeit. Denn bedenken Sie folgendes: Wenn wir das Haupt ansehen, so wie wir es als Menschen auf uns tragen, so ist es in bezug auf seine äußere Bildung am meisten den Geist offenbarend. Das Haupt ist am meisten Abbild des Geistes, am meisten Offenbarung des Geistes; der Geist ist am weitesten in die Materie eingegangen. Dadurch aber hat er am wenigsten zurückgelassen im Geiste selber. Indem der Mensch am Haupte so viel Arbeit darauf verwendet hat, die äußere Leiblichkeit vergeistigt zu offenbaren, ist wenig zurückgeblieben im Geiste. Indem in den niederen Gliedern der menschlichen Leiblichkeit dasjenige, was nach außen sich gebildet hat, am wenigsten vergeistigt ist, am wenigsten geistig ausgearbeitet ist, ist in bezug auf diese niederen Glieder am meisten im Geistigen zurückgeblieben. Dem Kopf als Kopf entspricht am wenigsten Geistiges, weil er am meisten Geist in sich hat; dem Unterleib entspricht am meisten Geist, weil er am wenigsten in sich hat. Aber in diesem meisten Geist, der nicht in der Leiblichkeit lebt, da lebt das Ich während des Schlafens drinnen.

[ 14 ] Countless mysteries of human life are hidden in what I have said here—countless mysteries. Above all, if you delve into this whole matter, you will understand how the entire human being is formed out of the spirit—though, I would say, at different stages. The head of the human being is formed out of the spirit, but it is more pronounced; it has a later stage of formation than the chest, of which we can indeed say that it is just as much a metamorphosis for the head as the leaf is a metamorphosis for the flower, in the sense of Goethe’s theory of metamorphosis. And if we consider the rhythm between sleep and wakefulness from this perspective, then we will say: During wakefulness, the “I” is indeed present in all the activities of the human body—which are the lowest activities—culminating ultimately in the production of blood. The “I” is present in these activities during wakefulness. These are the bodily activities that, so to speak, stand at the lowest level of spirituality, for everything physical is, after all, also spiritual; but what we are now speaking of stands at the lowest level of spirituality. But precisely because the “I” stands at the lowest level of spirituality while awake, it stands—please take note of this!—at the highest level of spirituality in relation to the human being during sleep. For consider the following: When we look at the head, as we carry it upon ourselves as human beings, it is, in terms of its external form, what most clearly reveals the spirit. The head is the most perfect image of the spirit, the greatest revelation of the spirit; the spirit has penetrated matter to the greatest extent. Consequently, however, it has left the least behind in the spirit itself. Because human beings have devoted so much effort to the head in order to reveal the outer physical form in a spiritualized way, little has remained in the spirit itself. Since, in the lower parts of the human physical body, that which has taken shape outwardly is the least spiritualized—the least elaborated in a spiritual sense—the most has remained in the spiritual realm with regard to these lower parts. The head, as the head, corresponds to the least amount of the spiritual, because it contains the most Spirit within itself; the lower abdomen corresponds to the most Spirit, because it contains the least within itself. But within this greatest abundance of Spirit, which does not dwell in physicality, the “I” dwells during sleep.

[ 15 ] Denken Sie diesen wunderbaren Ausgleich: Während also der Mensch eine niedere Natur hat in bezug auf seine Leiblichkeit, und das Ich in diese niedere Natur untertaucht mit dem Aufwachen, ist diese niedere Natur nur deshalb niedere Natur, weil der Geist am wenigsten gearbeitet hat, weil der Geist so viel zurückbehalten hat im geistigen Gebiet. Aber in dem, was er zurückbehalten hat, da ist das Ich während des Schlafes drinnen. So also ist das Ich während des Schlafes mit demjenigen heute schon zusammen, was der Mensch erst in späterer Zeit ausbilden wird, was der Mensch erst in der Zukunft zur EntwickeJung, zur Entfaltung bringen wird, was heute noch wenig, ich möchte sagen nur erst angedeutet ist, noch wenig ausgebildet ist in des Menschen Leiblichkeit. Wird daher das Ich bewußt des Zustandes, in dem es sich während des Schlafes befindet, wird es sich dieses Zustandes in Wahrheit bewußt, dann kann es sich sagen: Ich bin während des Schlafes in demjenigen, was meine heiligste menschliche Anlage ist. Und indem ich aus dem Schlafe heraustrete, indem ich aufwache, gehe ich aus der Welt meiner heiligsten Anlagen in dasjenige über, was heute nur eine schwache Andeutung dieser heiligsten Anlage ist.

[ 15 ] Consider this wonderful balance: While human beings have a lower nature with regard to their physicality, and the “I” immerses itself in this lower nature upon waking, this lower nature is only lower because the spirit has worked the least, because the spirit has held back so much in the spiritual realm. But in what the spirit has held back, the “I” is present during sleep. Thus, during sleep, the “I” is already united with that which the human being will only develop at a later time, that which the human being will only bring to maturity and unfold in the future—that which is still only faintly, I might say merely hinted at, and still scarcely developed in the human being’s physical nature. Therefore, if the “I” becomes conscious of the state in which it finds itself during sleep—if it truly becomes conscious of this state—then it can say to itself: During sleep, I am within that which is my most sacred human disposition. And as I emerge from sleep, as I wake up, I pass from the world of my most sacred predispositions into that which today is only a faint hint of this most sacred predisposition.

[ 16 ] Ja, solche Dinge müssen durch die Geisteswissenschaft sich in unser Gefühl, in unsere Empfindungen einleben. Dann wird uns das Leben selber durchgeistigt werden von einem Zauberhauch der Heiligkeit. Und dann werden wir einen bestimmten, einen positiven Begriff verbinden mit demjenigen, was die Gnade des Geistes, des Heiligen Geistes genannt wird. Dann werden wir mit diesem Gesamtdasein des Menschen, das verläuft in dem Rhythmus zwischen Schlafen und Wachen, die Vorstellung verbinden: Du darfst teilnehmen an der geistigen Welt, du darfst darinnen sein. — Und haben wir einmal so recht gefühlt diesen Begriff, diese Vorstellung: Du darfst darinnen sein in der geistigen Welt, du wirst begnadet, indem du durchsetzt wirst mit der geistigen Welt, die dir durch dein gewöhnliches Erdenbewußtsein nicht zugänglich ist — haben wir das einmal so recht durchdrungen, dann haben wir auch gelernt, aufzublicken zu dem Geiste, der sich uns, ich möchte sagen, zwischen den Zeilen des Lebens offenbart, und der sich uns da ebenso offenbart, wie durch die äußeren Augen, die äußeren Ohren sich uns die äußere Natur offenbart. Aber das materialistische Zeitalter hat den Menschen in seinem Bewußtsein entfernt, von der Gnade des Geistes in seinem Gesamtdasein überstrahlt und durchdrungen zu sein. Daß das wiederum zurückerobert werde, das ist von so ungeheurer Wichtigkeit. Denn mehr als man denkt, fühlt das Tiefere unserer Seele in unserem Zeitalter den allgemeinen Materialismus unseres Zeitalters, nur ist die Menschenseele in diesem Zeitalter in der Regel viel zu schwach, um diejenigen Vorstellungen in sich zur Empfindung zu bringen, welche über den Materialismus hinausführen. Aber dies wäre eine solche Vorstellung, die von der Heiligkeit des Schlafes. Denn haben wir sie einmal verstanden, diese Heiligkeit des Schlafes, dann schreiben wir auch all dasjenige, was uns im wachen Leben an Gedanken, an Vorstellungen, die uns nicht an die Materie binden, zufällt, der Einwirkung des Geistes, die während des Schlafes erfolgt, zu. Wir sehen dann gewissermaßen nicht nur in unserem Wachzustand, der uns mit der Materie verbindet, dasjenige, was für uns Menschen wichtig ist — was geradeso wäre, als wenn wir nur die Winterszeit als für die Erde wichtig betrachteten —, sondern wir sehen die Ganzheit. Für die Erde sehen wir die Ganzheit, wenn wir den Winter im Zusammenhang mit dem Sommer betrachten; für den Menschen sehen wir die Ganzheit, wenn wir den Tag, das heißt die Verbindung mit der Materie, in Zusammenhang betrachten mit dem Schlafe, das heißt der Verbindung mit dem Geiste.

[ 16 ] Yes, such things must take root in our feelings and our sensibilities through spiritual science. Then life itself will be spiritualized by a magical breath of holiness. And then we will associate a definite, positive concept with what is called the grace of the Spirit, the Holy Spirit. Then we will connect the following idea with this total human existence, which unfolds in the rhythm between sleeping and waking: You may participate in the spiritual world; you may be within it. — And once we have truly felt this concept, this idea—that “you may be present in the spiritual world; you are blessed by being permeated by the spiritual world, which is inaccessible to you through your ordinary earthly consciousness”—once we have truly grasped this, then we have also learned to look up to the Spirit who reveals Himself to us, I might say, between the lines of life, and who reveals Himself to us there just as much as external nature reveals itself to us through our physical eyes and ears. But the materialistic age has distanced human beings in their consciousness from the grace of the Spirit, which otherwise would illuminate and permeate their entire existence. That this be regained is of such immense importance. For more than one might think, the depths of our soul in our age feel the general materialism of our time; it is just that the human soul in this age is, as a rule, far too weak to awaken within itself those ideas that lead beyond materialism. But this would be one such idea: that of the sacredness of sleep. For once we have understood this sacredness of sleep, we will also attribute everything that comes to us in waking life—thoughts and ideas that do not bind us to matter—to the influence of the spirit that takes place during sleep. We then see, so to speak, not only in our waking state—which connects us to matter—what is important for us as human beings—which would be just as if we regarded only winter as important for the Earth—but we see the whole. For the Earth, we see the whole when we consider winter in connection with summer; for human beings, we see the whole when we consider the day—that is, the connection with matter—in connection with sleep, that is, the connection with the spirit.

[ 17 ] Nun kann man bei oberflächlicher Betrachtung sagen: Also ist der Mensch, während er wacht, mit der Materie verbunden, kann also nichts wissen von dem Geiste; aber er weiß doch etwas von dem Geiste, während er wacht! — Nun, der Mensch hat ein Gedächtnis, und dieses Gedächtnis wirkt nicht nur im Bewußtsein, sondern auch im Unterbewußtsein. Hätten wir kein Gedächtnis, dann würde uns aller Schlaf nichts helfen. Und das ist etwas sehr Wichtiges, das bitte ich Sie, sich recht zu Gemüte zu führen — dann würde uns aller Schlaf nichts helfen. Denn dann wären wir ohne Gedächtnis unweigerlich zu jenem Glaubensbekenntnis geführt, das da sagt: Es gibt nichts anderes als das stoffliche Dasein. Nur weil wir im Unterbewußten das Gedächtnis an dasjenige bewahren, wenn wir auch nichts davon wissen im Oberbewußtsein, was wir während des Schlafes durchmachen, dadurch denken wir überhaupt nicht bloß materialistisch. Wenn der Mensch nicht bloß materialistisch denkt, wenn er überhaupt geistige Vorstellungen hat während des Tages, so rührt das davon her, daß sein Gedächtnis wirkt. Denn so, wie der Mensch jetzt als Erdenmensch ist, kommt er mit dem Geiste nur während des Schlafes zusammen.

[ 17 ] Now, at first glance, one might say: So while a person is awake, they are connected to matter and therefore cannot know anything about the spirit; but they do know something about the spirit while they are awake! — Well, a person has a memory, and this memory operates not only in the conscious mind but also in the subconscious. If we had no memory, then all our sleep would be of no use to us. And this is something very important; I ask you to take it to heart—then all our sleep would be of no use to us. For then, without memory, we would inevitably be led to that creed which states: There is nothing other than material existence. It is only because we retain in our subconscious the memory of what we experience during sleep—even if we are unaware of it in our conscious mind—that we do not think purely materialistically at all. If a person does not think merely materialistically—if they have spiritual ideas at all during the day—this stems from the fact that their memory is at work. For as human beings are now, as earthly beings, they come into contact with the spirit only during sleep.

[ 18 ] Nun handelt es sich darum, daß, wenn wir auf der anderen Seite ein so starkes Bewußtsein entwickeln könnten von dem, was mit uns während des Schlafes vorgeht, wie es für gewisse Zustände die Menschen der Vorzeit entwickeln konnten, wie es die Menschen in alten Zeiten entwickeln konnten, so würden wir gar nicht darauf kommen, den Geist zu bezweifeln, sondern dann würden wir uns nicht nur unterbewußt, sondern auch bewußt dessen erinnern, dem wir im Schlafe begegnet sind. Wenn der Mensch das bewußt durchmachte, was er im Schlafe durchmacht, dann würde es ebenso absurd sein, den Geist zu leugnen, wie es absurd wäre für den Wachenden, Tische und Stühle zu leugnen. Nun handelt es sich darum, daß die Menschheit wiederum dazu komme, die Begegnung mit dem Geiste im Schlafe wirklich richtig einzuschätzen. Das kann sie nur dadurch, daß sie die Tagesvorstellungen stark genug macht dazu; und das geschieht durch Vertiefung in die Geisteswissenschaft. In der Geisteswissenschaft beschäftigen wir uns mit Vorstellungen, die aus der geistigen Welt herausgeholt sind. Wir strengen unseren Kopf, das heißt den Ätherleib in unserem Kopfe an, sich Dinge vorzustellen, die nicht mit der äußeren Stofflichkeit zu tun haben, die in der Welt des Geistigen nur Wirklichkeit haben. Dazu ist eine stärkere Anstrengung notwendig als dazu, sich Dinge vorzustellen, die in der stofflichen Welt ihre Wirklichkeit haben. Und das ist ja der wahre Grund, warum die Leute nicht eingehen auf die Geisteswissenschaft. Sie erfinden allerlei Ausflüchte gegen die Geisteswissenschaft. Sie sagen, sie sei nicht logisch. Wenn sie angehalten würden, das Unlogische zu beweisen, so würden sie straucheln; denn das Unlogische der Geisteswissenschaft läßt sich nicht beweisen. Aber die Abweisung der Geisteswissenschaft, die Nichtanerkennung der Geisteswissenschaft, die beruht auf etwas ganz anderem, die beruht nämlich — ich weiß nicht, ob man, wenn es sich bloß um wissenschaftliche Auseinandersetzungen handelt, auch unhöflich sein darf — bloß auf seelischer Faulheit. Und wenn gewisse Gelehrte auch noch so fleißig mit Bezug auf alle die Vorstellungen sind, die sich auf die äußere Stofflichkeit beziehen, mit Bezug auf jene Kraft, die man anwenden muß, um den Geist zu fassen, sind sie eben faul, träge. Und darauf, daß sie nicht die Kraft aufbringen wollen, den Geist zu fassen, beruht es, daß sie die Geisteswissenschaft nicht anerkennen. Denn es gehört eben einfach mehr Kraft dazu, die geisteswissenschaftlichen Vorstellungen zu denken, als die gewöhnlichen, an den Stoff gebundenen Vorstellungen zu denken. Die gewöhnlichen, an den Stoff gebundenen Vorstellungen, die denken sich eigentlich von selber; die nicht an den Stoff gebundenen Vorstellungen, die muß man denken, da muß man sich aufraffen, da muß man sich anstrengen. Und auf dieser Scheu vor der Anstrengung beruht die Abneigung gegenüber der Geisteswissenschaft. Das ist etwas, was man ins Auge fassen muß. Indem man aber also sich anstrengt, solche nicht an den Stoff gebundenen Vorstellungen aufzunehmen, sie durchzudenken, versetzt man die Seele in eine solche Regsamkeit, daß sie allmählich schon dazu kommen wird, wirklich das Bewußtsein zu entwickeln für das, was da vorgeht zwischen dem Einschlafen und Aufwachen: daß da eine Begegnung mit dem Geiste stattfindet. Allerdings, ein gewisses Umlernen in bezug auf bestimmte Vorstellungen ist nötig. Denken Sie doch, wie wenig gerade manche Führer des geistigen Lebens heute dazu geeignet sind, solche Vorstellungen zu entwickeln. Denken Sie — jetzt hat das ja schon ein bißchen aufgehört, aber diejenigen, die heute Führer geworden sind, waren zum größten Teil während ihrer Lehrzeit, man nennt das Studentenzeit, so verbunden mit dem Leben, daß sie gelernt haben, wie man das nennt, Bettschwere sich anzutrinken: es wird so viel getrunken, daß die nötige Bettschwere da ist. Ja, da wird eine Vorstellung und damit eine Empfindung, eine Summe von Gefühlen über das Untertauchen in den Schlaf entwickelt, die allerdings nicht geeignet sind, sich die ganze Bedeutung des Schlafes klarzumachen. Da kann man dann ein großer Gelehrter sein mit Bezug auf all dasjenige, was an den Stoff gebunden ist, aber Einblick gewinnen in das, was eigentlich mit dem Menschen vorgeht zwischen Einschlafen und Aufwachen, das kann man ja natürlich dann nicht.

[ 18 ] The point is that if we could develop such a strong awareness of what happens to us during sleep—as people in ancient times were able to do for certain states— then we would not even think of doubting the spirit; rather, we would remember—not only subconsciously but also consciously—what we encountered in sleep. If a person consciously experienced what they experience in sleep, it would be just as absurd to deny the spirit as it would be for a waking person to deny the existence of tables and chairs. The point now is for humanity to once again come to truly and correctly assess its encounter with the spirit in sleep. It can do this only by strengthening its waking concepts sufficiently for this purpose; and this is achieved through deepening one’s understanding of spiritual science. In spiritual science, we deal with concepts drawn from the spiritual world. We strain our minds—that is, the etheric body within our heads—to imagine things that have nothing to do with external materiality, things that are real only in the spiritual world. This requires a greater effort than imagining things that are real in the material world. And that is, in fact, the real reason why people do not engage with spiritual science. They come up with all sorts of excuses against spiritual science. They say it is not logical. If they were asked to prove that it is illogical, they would falter; for the illogicality of spiritual science cannot be proven. But the rejection of spiritual science, the failure to acknowledge spiritual science, is based on something entirely different; it is based—I don’t know if one is allowed to be impolite when it comes merely to scientific debates—simply on spiritual laziness. And no matter how diligent certain scholars may be with regard to all the concepts relating to external materiality, with regard to the effort one must exert to grasp the spirit, they are simply lazy and sluggish. And it is precisely because they are unwilling to muster the strength to grasp the spirit that they do not recognize spiritual science. For it simply takes more strength to think the concepts of spiritual science than to think the ordinary, material-bound concepts. Ordinary, material-bound concepts actually arise of their own accord; concepts that are not bound to matter, however, must be thought—one must rouse oneself to do so, one must exert oneself. And this aversion to spiritual science is rooted in this reluctance to exert oneself. This is something one must take into account. But by making the effort to take in such ideas that are not bound to matter and to think them through, one sets the soul in motion to such an extent that it will gradually come to truly develop an awareness of what takes place between falling asleep and waking up: that an encounter with the spirit is taking place there. Admittedly, a certain re-learning with regard to specific ideas is necessary. Just think how ill-suited some leaders of spiritual life today are to developing such ideas. Think about it—this has already subsided somewhat, but those who have become leaders today were, for the most part, so deeply immersed in worldly life during their student years that they learned, as it’s called, to drink themselves into a state of drowsiness: they drink so much that the necessary drowsiness sets in. Yes, this gives rise to a concept—and with it a sensation, a sum of feelings—regarding the descent into sleep, which, however, is not suited to grasping the full significance of sleep. One may well be a great scholar with regard to all that is tied to the subject matter, but to gain insight into what actually happens to a person between falling asleep and waking up—that, of course, is impossible.

[ 19 ] Indem die Menschen sich also anstrengen werden, Vorstellungen, die nicht an die Materie gebunden sind, durchzudenken, werden sie Verständnis sich entwickeln für dasjenige, was ich die erste Begegnung, die Begegnung mit dem Geiste während des Schlafens, genannt habe. Dieses Verständnis aber muß in einer nicht allzu fernen Zukunft, wenn die Welt nicht in die Dekadenz kommen soll, das Leben durchleuchten, das Leben durchsonnen. Denn, kommen die Menschen nicht zu diesen Vorstellungen, ja, wodurch können sie sich dann nur Vorstellungen verschaffen? Dann können sie sich nur Vorstellungen verschaffen durch die Beobachtung der äußeren Verhältnisse, durch die Beobachtung der äußeren Welt. Solche Vorstellungen, die bloß durch die Beobachtung der äußeren Welt gewonnen werden, die lassen aber das Innere des menschlichen Wesens, das seelische Wesen träge sein. Das, was sich sonst anstrengen muß in geistigen Vorstellungen, das bleibt träge, bleibt unbenutzt, das verkommt. Was ist die Folge davon? Die Folge davon ist, daß der Mensch in seinem ganzen Verhältnis zur Welt blind wird, geistig blind wird. Dadurch, daß man nur Vorstellungen, Begriffe unter dem Einfluß der äußeren Verhältnisse sich entwickelt, unter dem Einfluß der äußeren Eindrücke, dadurch wird man geistig blind. Und geistige Blindheit, das ist dasjenige, was vorzugsweise das materialistische Zeitalter auszeichnet. In der Wissenschaft ist es nur gradweise schädlich, im praktischen Leben ist es aber von eminentem Schaden, dieses Blindsein mit Bezug auf die wirkliche Welt. Sehen Sie, je weiter wir ins Materielle heruntersteigen, desto mehr korrigieren sich im materialistischen Zeitalter die Dinge. Wenn man eine Brücke baut, da wird man durch die Verhältnisse gezwungen, richtige Vorstellungen zu gewinnen, richtig zu bauen, sonst wird bei dem ersten Wagen, der darüber fährt, die Brücke einstürzen. Wenn man einen Menschen kurieren will, lassen sich schon eher falsche Vorstellungen anwenden, denn es läßt sich nie nachweisen, wodurch ein Mensch gestorben ist oder gesund geworden ist. Da ist es durchaus nicht etwa notwendig, daß immer richtige Vorstellungen mitgespielt haben. Im Geistigen, wenn man wirken soll im Geistigen, da steht aber die Sache noch viel schlimmer. Und daher steht es ganz besonders schlimm in dem, was man gewöhnlich die praktischen Wissenschaften nennt, die Nationalökonomie oder dergleichen. Im materialistischen Zeitalter haben sich die Menschen auch gewöhnt, mit Bezug auf die Volkswirtschaftslehre sich nach den Eindrücken, den Vorstellungen, die aus der Außenwelt gebildet sind, zu richten; daher sind die Begriffe blind geworden. Alles was an Nationalökonomie entwickelt wird, das sind zum großen Teil geistig blinde Begriffe. Daher, und das muß als notwendige Folge eintreten, werden die Menschen mit ihren blinden Begriffen nur am Gängelband der Ereignisse hingezogen, sie überlassen sich den Ereignissen. Und wenn sie eingreifen in die Ereignisse, dann wird es auch danach!

[ 19 ] Thus, as people strive to think through ideas that are not bound to matter, they will develop an understanding of what I have called the first encounter—the encounter with the spirit during sleep. But this understanding must, in the not-too-distant future—if the world is not to fall into decadence—illuminate life, fill life with light. For if people do not arrive at these concepts, then by what means can they form concepts at all? They can form concepts only through the observation of external conditions, through the observation of the external world. Such concepts, however, which are gained merely through the observation of the external world, allow the inner being of the human being—the soul—to remain dormant. That which would otherwise have to exert itself in spiritual concepts remains dormant, remains unused, and atrophies. What is the consequence of this? The consequence is that human beings become blind in their entire relationship to the world—spiritually blind. By developing concepts and ideas solely under the influence of external circumstances and external impressions, one becomes spiritually blind. And spiritual blindness is precisely what characterizes the materialistic age above all else. In science, this blindness with regard to the real world is merely gradually harmful, but in practical life it is eminently damaging. You see, the further we descend into the material realm, the more things correct themselves in the materialistic age. When building a bridge, circumstances force one to form correct concepts and build it properly; otherwise, the bridge will collapse the moment the first car drives over it. When trying to cure a person, it is easier to apply incorrect concepts, for it can never be proven what caused a person to die or to recover. In such cases, it is by no means necessary that correct concepts have always been involved. In the spiritual realm, however—when one is to work in the spiritual realm—the situation is even much worse. And that is why it is particularly dire in what are commonly called the practical sciences, such as economics or the like. In the materialistic age, people have also become accustomed, with regard to economics, to basing their views on impressions and concepts formed from the external world; as a result, these concepts have become blind. Everything that is developed in economics consists, for the most part, of spiritually blind concepts. Consequently—and this must occur as a necessary consequence—people, with their blind concepts, are merely led by the nose by events; they surrender themselves to events. And when they intervene in events, that is exactly what happens!

[ 20 ] Das ist die eine Art, wie man, ohne daß man Geisteswissenschaft aufnimmt, zu Begriffen kommt, nämlich zu blinden Begriffen. Die andere Art, wie man zu Begriffen kommen kann, die ist diese, daß man nun, statt von außen, jetzt von innen sich zu Begriffen anregen läßt, das heißt nur dasjenige, was in den Emotionen, in den Leidenschaften lebt, gewissermaßen heraufsteigen läßt in die Seele. Dadurch bekommt man allerdings nicht blinde Begriffe, aber dasjenige, was man Rauschbegriffe, Rauschvorstellungen nennen kann. Und fortwährend pendeln die Menschen der Gegenwart, die sich zum Materialismus bekennen, zwischen blinden Begriffen und Rauschbegriffen hin und her. Blinde Begriffe, indem sie eigentlich von allem, was geschieht, sich gängeln lassen, und wenn sie eingreifen, das in der möglichst ungeschicktesten Weise tun! Rauschbegriffe, indem sie sich nur ihren Affekten, ihren Leidenschaften überlassen und sich der Welt so gegenüberstellen, daß sie eigentlich die Dinge nicht begreifen, sondern entweder alles lieben oder alles hassen, alles nur nach Liebe oder Haß, nach Sympathie und Antipathie beurteilen. Das ist insbesondere im materialistischen Zeitalter so. Denn nur dadurch, daß der Mensch auf der einen Seite seine Seele anstrengt, um zu geistigen Begriffen zu kommen, und auf der anderen Seite seine Gefühle entwickelt an den großen Angelegenheiten der Welt, dadurch kommt er zu klarsehenden Begriffen und Vorstellungen. Wenn wir uns erheben zu dem, was uns die Geisteswissenschaft sagt von den großen Zusammenhängen, über die heute die materialistische Weltanschauung lacht, über Saturnzeit, Sonnenzeit, Mondenzeit, über unseren Zusammenhang mit dem Weltenall, wenn man seine moralischen Empfindungen an diesen großen Menschheitszielen befruchtet, dann kommt man über die bloßen Affekte, die in Sympathie und Antipathie sich über alles ergehen, was uns in der Welt umgibt, hinaus; aber auch nur dadurch.

[ 20 ] This is one way of arriving at concepts—namely, blind concepts—without engaging with the humanities. The other way to arrive at concepts is this: instead of being inspired from the outside, one allows oneself to be inspired from within—that is, one allows only that which lives in the emotions and passions to rise, as it were, into the soul. This does not, however, result in blind concepts, but rather in what might be called intoxicating concepts or intoxicating ideas. And the people of the present day who profess materialism are constantly oscillating back and forth between blind concepts and intoxicating concepts. They are blind concepts in that they actually allow themselves to be led by everything that happens, and when they intervene, they do so in the most clumsy way possible! Intoxicated concepts, in that they surrender themselves entirely to their emotions and passions and confront the world in such a way that they do not actually comprehend things, but either love everything or hate everything, judging everything solely by love or hate, by sympathy and antipathy. This is especially true in the materialistic age. For it is only by exerting one’s soul, on the one hand, to arrive at spiritual concepts, and by developing one’s feelings, on the other hand, toward the great affairs of the world, that one arrives at clear-sighted concepts and ideas. When we rise to what spiritual science tells us about the great interconnections—which the materialistic worldview scoffs at today—about the Age of Saturn, the Sun Age, the Moon Age, and our connection to the universe—and if we nourish our moral sensibilities with these great goals of humanity—then we rise above the mere emotions that manifest as sympathy and antipathy toward everything that surrounds us in the world; but only in this way.

[ 21 ] Allerdings, notwendig ist, daß durch Geisteswissenschaft vieles geläutert wird, was in unserer Zeit lebt. Denn so ganz läßt sich der Mensch ja doch nicht von der geistigen Welt abschließen. Er läßt sich überhaupt nicht abschließen, er läßt sich nur scheinbar abschließen. Und wie er sich scheinbar abschließen läßt, darauf habe ich ja auch schon aufmerksam gemacht. Wenn der Mensch auf der einen Seite nur auf den Stoff schwört und auf die Eindrücke von der Außenwelt, so bleiben die Kräfte doch in ihm, die nach dem Geiste gerichtet sind, nur daß er dann den Geist auf einem falschen Gebiet anwendet, sich allerlei Illusionen hingibt. Daher sind im Grunde genommen die allerpraktischsten, materialistischsten Leute die stärksten Illusionäre, die Menschen, die sich den stärksten Illusionen hingeben. Da sehen wir manche Leute durch das Leben gehen, indem sie allen Geist ableugnen und furchtbar lachen, wenn einer davon spricht, daß jemand Geistiges wahrnimmt. «Ach, der sieht Gespenster!» sagen sie, und damit haben sie schon den Stab gebrochen, wenn sie von jemand sagen können: «Ach, der sieht Gespenster!» Sie sehen allerdings, wie sie meinen, keine Gespenster. Aber sie meinen nur, daß sie keine Gespenster sehen, denn sie sehen fortwährend Gespenster, richtig fortwährend Gespenster. Man kann einen Menschen, der nun wirklich so recht fußt auf seiner derb materialistischen Weltanschauung, prüfen und kann sehen, wie er sich über das, was der morgige Tag eventuell bringen kann, den allerärgsten Illusionen hingibt. Dieses Sich-Illusionen-Hingeben, das ist nur ein Ersatz dafür, daß er alles Geistige ableugnet. Er muß in Illusionen kommen, wenn er alles Geistige ableugnet; er muß notwendig in Illusionen kommen. Nur lassen sich, wie gesagt, die Illusionen auf den verschiedenen Gebieten des Lebens nicht leicht nachweisen, aber vorhanden sind sie überall, richtig überall. Aber die Menschen sind so geneigt, sich Ilusionen hinzugeben. Man kann es zum Beispiel alle Augenblicke einmal erleben, daß jemand sagt: Soll ich mein Geld in diese oder jene Unternehmung hineinstecken? Da wird ja Bier gebraut. Zu so was verwende ich mein Geld nicht; ich werde mich daran nicht beteiligen. — Er trägt es auf die Bank. Die Bank steckt, selbstverständlich ohne daß er es weiß, das Geld in die Bierbrauerei hinein. Es macht keinen Unterschied, es macht durchaus keinen Unterschied in der Objektivität; aber er ist in der Illusion, daß er zu so niederen Dingen sein Geld nicht hergibt.

[ 21 ] However, it is necessary that spiritual science purify much of what exists in our time. For human beings cannot completely cut themselves off from the spiritual world. They cannot cut themselves off at all; they can only appear to do so. And I have already drawn attention to the way in which he allows himself to be seemingly cut off. If, on the one hand, a person swears by matter alone and by impressions from the external world, the forces within him that are directed toward the spirit remain; it is just that he then applies the spirit in the wrong realm, indulging in all manner of illusions. That is why, fundamentally speaking, the most practical, materialistic people are the ones most prone to illusion—the people who give themselves over to the strongest illusions. We see some people going through life denying all spirituality and laughing derisively when someone mentions that another person perceives the spiritual. “Oh, he sees ghosts!” they say, and with that they’ve already broken the staff—if they can say of someone, “Oh, he sees ghosts!” They certainly don’t see ghosts, as far as they’re concerned. But they only think they don’t see ghosts, for they see ghosts constantly—truly, constantly. One can examine a person who is truly so firmly grounded in his crassly materialistic worldview and see how he succumbs to the worst possible illusions about what tomorrow might bring. This succumbing to illusions is merely a substitute for his denial of all that is spiritual. He must fall into illusions if he denies all that is spiritual; he is bound to fall into illusions. However, as I said, these illusions in the various areas of life are not easy to prove, but they are present everywhere—truly everywhere. Yet people are so inclined to indulge in illusions. For example, one can witness it all the time when someone says: “Should I invest my money in this or that venture? They’re brewing beer there, after all.” “I won’t spend my money on something like that; I won’t have anything to do with it.” — He deposits it in the bank. The bank, of course without his knowledge, invests the money in the brewery. It makes no difference—absolutely no difference—in terms of objectivity; but he is under the illusion that he is not giving his money to such base things.

[ 22 ] Nun kann man sagen: das, was ich da sage, ist etwas Hergeholtes. Es ist nichts Hergeholtes, es ist etwas, was das ganze Leben beherrscht. Die Menschen gehen heute nicht darauf aus, das Leben wirklich kennenzulernen, es zu durchschauen. Das hat aber eine große Bedeutung. Denn es ist ungeheuer wichtig, daß man dasjenige kennenlernt, in dem man wirklich drinnensteckt. Es ist heute nicht leicht, weil das Leben kompliziert geworden ist; aber wahr ist es doch, worauf ich aufmerksam gemacht habe. Denn sehen Sie, unter gewissen Umständen fällt einem eine Absurdität leicht auf. Ich will Sie auf etwas hinweisen durch ein Beispiel. Einmal wurde ein Brandstifter — ich erzähle einen wirklichen Fall — abgefaßt, der aus einem Hause herauslief, das er soeben in Brand gesteckt hatte. Er hatte es so eingerichtet, daß er noch gerade herauslaufen konnte. Er wurde abgefaßt und zur Verantwortung gezogen. Und da sagte er: Ja, er habe ein sehr gutes Werk getan, denn er habe gar nicht die Schuld, daß das Haus in Brand geraten sei, sondern die Arbeiter, die eben weggegangen seien von dem Haus, die hätten in der Dämmerung ein brennendes Licht stehenlassen. Wenn das in der Nacht heruntergebrannt wäre, so wäre das Haus dadurch während der Nacht in Brand gekommen. So habe er aber noch während des Tages das Haus angezündet. Das Haus wäre auf jeden Fall in Brand gekommen; und er habe das nur getan, um die Möglichkeit herbeizuführen denn wenn das Haus am Tage in Brand komme, so sei es doch möglich —, den Brand rasch zu löschen; in der Nacht sei das kompliziert, da würde das ganze Haus verbrennen, bei Tage könne man das Feuer schnell löschen. — Da hat man ihn gefragt: Ja, warum haben Sie denn das Licht nicht ausgelöscht? — Da sagte er: Ja, ich bin ein Pädagoge für die Menschheit. Hätte ich das Licht ausgelöscht, so wären die Arbeiter, die beteiligt waren, unvorsichtig geblieben, so aber sehen sie, was daraus wird, wenn sie vergessen, das Licht auszulöschen.

[ 22 ] Now one might say: what I’m saying here is far-fetched. It is not far-fetched; it is something that governs all of life. People today do not set out to truly get to know life, to see through it. But this is of great significance. For it is immensely important to get to know the very thing in which one is truly immersed. It is not easy today, because life has become complicated; but what I have pointed out is nonetheless true. For you see, under certain circumstances, one easily notices an absurdity. I’d like to illustrate this with an example. Once, an arsonist—I’m telling a true story—was apprehended as he ran out of a house he had just set on fire. He had timed it so that he could just barely make it out. He was apprehended and held accountable. And then he said: Yes, he had done a very good deed, because it wasn’t his fault at all that the house had caught fire; rather, it was the workers who had just left the house—they had left a burning light on at dusk. If that had burned out during the night, the house would have caught fire as a result. But this way, he had set the house on fire while it was still daylight. The house would have caught fire in any case; and he had done this only to create the possibility—for if the house caught fire during the day, it would still be possible—to extinguish the fire quickly; at night it would be complicated, and the whole house would burn down, whereas during the day one could put out the fire quickly. — Then they asked him: “Well, why didn’t you turn off the light?” — He replied: “Well, I am an educator of humanity. If I had turned off the light, the workers involved would have remained careless; but this way, they see what happens when they forget to turn off the light.”

[ 23 ] Man lacht über ein solches Beispiel, weil man nur nicht beobachtet, wann man fortwährend solche Dinge macht. Solche Dinge, wie die, die der Mensch gemacht hat, der das Licht nicht ausgelöscht hat, sondern das Haus angezündet hat, solche Dinge macht man fortwährend. Man merkt es nur dann nicht, wenn sich die ganze Sache auf die geistige Welt bezieht und einen die Affekte, die Leidenschaften trüben und einem Rauschvorstellungen vorführen. Wenn man die Seele zu jener Elastizität, zu jener Biegsamkeit gewöhnt, die notwendig ist, um geistige Vorstellungen zu hegen, dann wird man auch das Denken so ausbilden, daß es sich wirklich durch das Dasein hindurchfindet, sich anpaßt dem Dasein. Wenn man das vermeidet, wird das Denken nie dem Dasein angepaßt sein, sondern das Denken wird gewissermaßen von dem Dasein gar nicht berührt, nur von seiner Oberfläche berührt sein. Daher kommt es, daß das materialistische Zeitalter — um jetzt die Sache zu vertiefen — die Menschen wirklich hinwegführt von allem Zusammenhang mit der geistigen Welt. Geradeso wie man das Leibesleben untergräbt, wenn man nicht in der richtigen Weise schläft, so untergräbt man das Seelenleben, wenn man nicht in der richtigen Weise wacht. Und man wacht nicht in der richtigen Weise, wenn man sich nur den äußeren Eindrücken hingibt, wenn man ohne ein Bewußtsein des Zusammenhanges mit der geistigen Welt lebt. Geradeso wie derjenige, der sich im Schlafe durch gewisse Verhältnisse herumwirft, seine physische Gesundheit untergräbt, so untergräbt derjenige seine geistige Gesundheit, welcher sich im Wachen nur den äußeren Eindrücken der Welt hingibt, nur dem physischen Stoff hingibt. Dadurch wird aber verhindert, daß der Mensch in der richtigen Weise jene Begegnung, jene erste Begegnung, von der ich gesprochen habe, mit der geistigen Welt habe. Dadurch aber verliert der Mensch die Möglichkeit, mit der geistigen Welt überhaupt zusammenzuhängen, in der richtigen Weise zusammenzuhängen während des physischen Daseins. Und dadurch wird durchschnitten der Zusammenhang mit derjenigen Welt, in welcher wir die andere Zeit sind, wenn wir nicht im physischen Leibe verkörpert sind, der Zusammenhang mit derjenigen Welt, in die wir selber eingehen, wenn wir durch die Pforte des Todes gehen.

[ 23 ] People laugh at such an example because they simply fail to notice when they are constantly doing such things. Things like those done by the man who didn’t turn off the light but set the house on fire—people do such things all the time. One simply doesn’t notice it when the whole matter pertains to the spiritual world and one’s emotions and passions cloud one’s judgment and present one with delusions. If one accustoms the soul to that elasticity, to that flexibility, which is necessary to nurture spiritual ideas, then one will also develop one’s thinking in such a way that it truly finds its way through existence and adapts to it. If one avoids this, thinking will never be adapted to existence; rather, thinking will, so to speak, remain entirely untouched by existence, touched only by its surface. This is why the materialistic age—to delve deeper into the matter—truly leads people away from any connection with the spiritual world. Just as one undermines one’s physical life by not sleeping properly, so one undermines one’s soul life by not waking properly. And one does not wake properly if one merely surrenders to external impressions, if one lives without an awareness of one’s connection to the spiritual world. Just as someone who tosses and turns in sleep due to certain circumstances undermines their physical health, so too does the person who, while awake, surrenders only to the external impressions of the world—surrendering only to physical matter—undermine their spiritual health. This, however, prevents a person from having, in the right way, that encounter—that first encounter—with the spiritual world of which I have spoken. Consequently, the human being loses the possibility of being connected to the spiritual world at all—of being connected to it in the proper way—during physical existence. And this severs the connection with that world in which we are the “other time” when we are not embodied in a physical body—the connection with that world into which we ourselves enter when we pass through the gate of death.

[ 24 ] Und ein Verständnis muß wiederum erworben werden von den Menschen, daß wir nicht bloß da sind, um am physischen Weltenall zu bauen während unseres physischen Daseins, sondern ein Verständnis muß erworben werden, daß wir während unseres gesamten Daseins mit der gesamten Welt verbunden sind. Diejenigen, die durch die Pforte des Todes gegangen sind, wollen mitwirken an der physischen Welt. Dieses Mitwirken ist nur scheinbar ein physisches Mitwirken, denn alles Physische ist nur ein äußerer Ausdruck des Geistes. Das materialistische Zeitalter hat die Menschen der Welt der Toten entfremdet; die geistige Wissenschaft muß die Menschen der Welt der Toten wiederum befreunden. Eine Zeit muß wiederum kommen, wo wir es den Toten nicht dadurch unmöglich machen, ihre Arbeit auch hier für die Vergeistigung der physischen Welt zu tun, daß wir uns ihnen entfremden. Denn der Tote kann nicht mit Händen angreifen die Dinge hier in der physischen Welt und physische Arbeit unmittelbar verrichten. Das wäre ein unsinniger Glaube. Der Tote kann auf geistige Weise wirken. Dazu braucht er aber die Werkzeuge, die ihm dazu zur Verfügung stehen; dazu braucht er das Geistige, das hier in der physischen Welt lebt. Wir sind nicht nur Menschen, sondern wir sind auch zu gleicher Zeit Werkzeuge, die Werkzeuge für die Geister, die durch die Pforte des Todes gegangen sind. Wir bedienen uns, solange wir im physischen Leibe verkörpert sind, der Feder oder des Hammers oder der Axt; sind wir nicht mehr im physischen Leibe verkörpert, dann sind unsere Werkzeuge die menschlichen Seelen selber. Und das beruht ja auf der eigentümlichen Wahrnehmungsart der Toten, die ich hier noch einmal erwähnen will. Ich habe es hier schon früher einmal erwähnt. Sehen Sie, nehmen Sie an, Sie haben vor sich — na, irgend etwas, ein Gefäßchen mit Salz; das sehen Sie. Sie sehen das Salz als weiße Körner, als weißes Pulver. Daß Sie das Salz als weißes Pulver sehen, das hängt von Ihrem Auge ab. Der Geist kann nicht das Salz als weißes Pulver sehen; wenn Sie aber das Salz auf die Zunge bringen und es schmecken, den eigentümlichen Salzgeschmack haben, dann beginnt für den Geist die Möglichkeit der Wahrnehmung. Ihren Geschmack des Salzes kann jeder Geist wahrnehmen. All dasjenige, was durch die Außenwelt im Menschen vorgeht, das kann jeder Geist, auch die Menschenseele, die durch die Pforte des Todes gegangen ist, wahrnehmen. Wie die Natur zu uns heraufreicht bis dahin, wo wir sie schmecken und riechen und sehen und hören, so reicht die Welt der Toten herunter bis in unser Gehörtes, Geschautes, Geschmecktes und so weiter. Was wir in der physischen Welt erleben, das erleben die Toten mit; es handelt sich aber darum, daß es nicht nur unserer Welt, sondern auch ihrer Welt angehört. Es gehört dann ihrer Welt an, wenn wir das, was wir von der Außenwelt empfangen, durchgeistigen eben mit geistigen Vorstellungen. Sonst wird dasjenige, was wir nur erleben als Wirkung des Stoffes, für den Toten etwas sein, was ihm wie unverständlich ist, wie dunkel ist. Eine Seele, die geistentfremdet ist, die ist für den Toten eine dunkle Seele. Dadurch ist während der materialistischen Zeit eine Entfremdung der Toten eingetreten gegenüber unserem Erdenleben. Diese Entfremdung muß wiederum hinweggeschafft werden. Ein inniges Zusammenleben der sogenannten Toten mit den sogenannten Lebendigen muß stattfinden. Das wird aber nur sein können, wenn die Menschen diejenigen Kräfte in der Seele entwickeln, die aktive, geistige sind, das heißt diejenigen Vorstellungen, Begriffe, Ideen entwickeln, die vom Geistigen handeln. Dadurch, daß der Mensch sich anstrengt, zum Geiste zu kommen im Gedanken, wird er auch allmählich zum Geiste in der Wirklichkeit kommen. Das heißt: Es wird eine Brücke geschlagen werden zwischen der physischen und der geistigen Welt. Das aber kann allein aus dem Zeitalter des Materialismus in jene Zeitalter hinüberführen, in denen die Menschen wiederum weder blind noch berauscht der Wirklichkeit gegenüberstehen werden, sondern sehend und gelassen. Sehend und gelassen dadurch, daß sie durch den Geist sehend geworden sind, und dadurch, daß sie durch jene Empfindungen und Gefühle, welche die großen Angelegenheiten der Welt betreffen, zum rechten Gleichmaß zwischen Sympathie und Antipathie kommen auch mit Bezug auf all dasjenige, was die nächste Umgebung von uns will.

[ 24 ] And people must once again come to understand that we are not merely here to contribute to the physical universe during our physical existence; rather, we must come to understand that we are connected to the entire world throughout our entire existence. Those who have passed through the gate of death wish to contribute to the physical world. This contribution is only seemingly a physical one, for everything physical is merely an outward expression of the spirit. The materialistic age has alienated people from the world of the dead; spiritual science must reconcile people with the world of the dead once again. A time must come again when we do not make it impossible for the dead to do their work here for the spiritualization of the physical world by alienating ourselves from them. For the dead cannot touch things here in the physical world with their hands or perform physical work directly. That would be a nonsensical belief. The dead can work in a spiritual way. To do so, however, they need the tools available to them; to do so, they need the spiritual beings who live here in the physical world. We are not only human beings, but we are also, at the same time, tools—tools for the spirits who have passed through the gate of death. As long as we are embodied in the physical body, we make use of the pen, the hammer, or the axe; when we are no longer embodied in the physical body, our tools are the human souls themselves. And this is based, of course, on the peculiar way the dead perceive things, which I would like to mention here once again. I have mentioned it here before. You see, suppose you have in front of you—well, something, a little container of salt; you see that. You see the salt as white grains, as white powder. The fact that you see the salt as white powder depends on your eye. The spirit cannot see the salt as white powder; but when you put the salt on your tongue and taste it—experiencing that distinctive salty taste—then the possibility of perception begins for the spirit. Every spirit can perceive your taste of the salt. Everything that takes place within a human being through the external world can be perceived by every spirit, including the human soul that has passed through the gate of death. Just as nature reaches up to us to the point where we taste, smell, see, and hear it, so the world of the dead reaches down into what we hear, see, taste, and so on. What we experience in the physical world, the dead experience as well; but the point is that it belongs not only to our world but also to theirs. It belongs to their world when we spiritualize what we receive from the external world through spiritual concepts. Otherwise, what we experience merely as the effect of matter will be, for the dead, something incomprehensible and obscure. A soul that is estranged from the spiritual is, for the dead, a dark soul. As a result, during the materialistic era, an estrangement of the dead from our earthly life has come about. This estrangement must in turn be overcome. A heartfelt coexistence between the so-called dead and the so-called living must take place. But this will only be possible if people develop those forces in the soul that are active and spiritual—that is, if they develop the concepts, notions, and ideas that deal with the spiritual. By striving to reach the spiritual in thought, human beings will also gradually come to the spiritual in reality. This means that a bridge will be built between the physical and the spiritual worlds. And this alone can lead us out of the age of materialism and into those ages in which human beings will once again face reality neither blindly nor in a state of intoxication, but with clear vision and serenity. They will be clear-sighted and serene because they have gained insight through the spirit, and because, through those sensations and feelings that concern the great affairs of the world, they will attain the proper balance between sympathy and antipathy—even with regard to everything that our immediate surroundings demand of us.

[ 25 ] An diese Dinge wollen wir dann das nächste Mal anknüpfen und die Vorstellungen, die wir über die geistige Welt gewinnen können, gerade von diesem Gesichtspunkte aus noch mehr vertiefen.

[ 25 ] We will pick up on these topics next time and further deepen our understanding of the spiritual world, particularly from this perspective.